Nr. 299 Drittes Blatt (Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 2f. Dezember 1933 Zum VechandlungMluß im Reichsiagsbrandstifierprozeß. | Oberreichsanwalt Dr. Werner beim Plädoyer. Vorn rechts: Der zweite Vertreter der Anklage, Landgerichtsdirektor Dr. P a r i s i u s -J I ß M MM i- ■ MM' Ä UKA mit einem dreifachen „Gut S)eil" unseres Führers und Dolkskanzlers. Das gemeinsam gesungene Lied „Stille Nacht" leitete nunmehr über zum Weihnachtsspiel: Christnacht im Walde, das den kleinen Darstellern lebhaften Beifall einbrachte. Und dann kam der Nikolaus mit seinen Gaben. Oberturnwart Erb, der Leiter des Ganzen, und seine Mithelfer konnten befriedigt ihre frohbewegte Turnerjugendschar entlassen. Oie Vorbereitungen für die Winter- kampfspiele Die bautechnischen Vorbereitungen für die Deutschen Winterkampfspiele 1934 in Braunlage, die in der Zeit vom 2 6. Januar bis 4. Februar ausgetragen werden, find in vollem Gange und zum Teil schon abgeschlossen. Der Arbeitsausschuß der Kampfspiele veranstaltete am Dienstagabend in Anwesenheit von Vertretern der Sport- und Tagespresse sowie der Behörden und Verbände einen interessanten Vortragsabend. Bürgermeister Dr. Hacker! bezeichnete in seiner Rede die Veranstaltung als eine Kundgebung des geeinten deutschen Volkstums und versprach, alles zu tun, was zu einem vollen Gelingen dieser bedeutenden Veranstaltung beitragen könne. Am Mittwochvormittag besichtigten dann die Teilnehmer die Anlagen und kamen einmütig zu der Ueberzeugung, daß die Deutschen Winterkampfspiele im Harz den richtigen Austragungsort gefunden haben und daß an einer zufriedenstellenden Durchführung nicht gezweifelt werden kann. Große Sichtung bei denLeichiaihleten.. Vorbereitungen für Olympia. Die deutsche Leichtathletik muß die Olympia-Vorbereitungen für 1936 in Berlin besonders gründlich betreiben, da die Leichtathletik im Mittelpunkt der Olympiade steht. Der Führer der Fachsäule Leichtathletik, Dr. Ritter von Halt, gibt nunmehr das Vorbereitungsprogramm bekannt. Zunächst wurden W a i tz e r und Brechenmacher zu Olympiatrainern bestimmt, denen noch fast ein Dutzend Speziallehrer zur Seite stehen. Um alle talentierten Kräfte in den verschiedenen Lagern (SA., SS., Reichswehr, Polizei, Schulen) zu erfassen, sind bis Mitte 1934 Prüfungswettbewerbe durchzuführen, die in einer bestimmten Form festgelegt sind. Die 30 Besten dieser Prüfungen bilden in jeder Hebung des Olympiaprogramms die olympische Kernmannschaft. Die Hauptarbeit wird in drei Sichtungslagern verrichtet und zwar Lager I Berlin, Lager II Duisburg und Lager III Ettlingen. Die ReichÄiahn wird zu allen Reisen, die der Olympiavorbereitung dienen, 50 v. H. Fahrpreisermäßigung gewähren. Kurze Sponnotizen. Eine Absage hat England an den Polnischen Aero-Club, der den nächstjährigen Europa-Rundflug ausrichtet, gegeben und zwar aus technischen Gründen und wegen der hohen Kosten, so daß der Rundflug 1934 voraussichtlich ohne England stattfindet. * Amerikas Tennis-Rangliste ist jetzt als letzte der diesjährigen Ranglisten erschienen. Frank Shields und Helen Jacobs, die vor Helen Wills-Moody klassiert wurde, führen die Listen bei den Herren und Damen an. * Oxfords Eishockeyspieler kamen in Wien über den dortigen Eislauf-Verein zu einem knappen Siege mit 2:1 (0:1, 2:0, 0:0). * Das Städtes piel Frankfurt — Hamburg wird am zweiten Osterfeiertage in Frankfurt ausgetragen. Außerdem verhandelt Frankfurt mit dem Gau Sachsen wegen eines Städtespieles; in Frage kommt Dresden oder Chemnitz. Links: Der angeklagte Bulgare Dimitrosf. — In der Mitte: Dr. Sack, der Verteidiger Torglers— Rechts: Der Angeklagte Torgler bei seinem Schlußwort 9.J.-fport Handball im Dienst derWinierhilfe Aus dem Gau XII der OT. Der vergangene Sonntag sah eine Anzahl kombinierter Mannschaften, in recht interessant verlaufenen Spielen, deren Ertrag restlos der Winterhilfe zugute kam, im Kampf. Die Paarungen waren recht glücklich gewählt. Es gab auch einige graste Ueberraschungen. Der Besuch der Spiele selbst litt unter der kalten Witterung, war aber an einzelnen Plätzen überaus gut. Stadlmannschaft Wetzlar gegen Stadtmannschaft Gießen 9:0 (1:0). Eine überraschend hohe Niederlage mußte Gießens Stadtmannschaft in Wetzlar hinnehmen. Zu entschuldigen ist wohl, daß Gießen an dem Tage durch Abgabe von Spielern für andere Spiele nicht seine beste Vertretung zur Stelle hatte. Aber auch die Gastgeber hatten nicht die beste Garnitur In der ersten Hälfte hielten sich die Mannschaften noch ziemlich die Waage, ja der Gast lag vorerst weit mehr im Angriff als der Sieger. Mit nur einem Treffer für Wetzlar wurde die erste Hälfte beschlossen. Nach dem Wechsel kam die Els der Wetzlarer immer mehr aus, und in regelmäßigen Abständen mußte die inzwischen stark abfallende Gästemannschaft noch acht Tore hinnehmen, ohne daß ihnen das mehr als verdiente Ehrentor glückte Lühellinden-Allenborf gegen Grohen-Linden - Lang-Göns 5:6. In einem recht schönen Kampf stritten die Gegner in Lützellinden um den Sieg. Erst nach dem Wechsel vermochte die Kombination der Gäste ihren Sieg knapp sicherzustellen Hörnsheim-Hochelheim gegen Groß-Rechtenbach - Dornholzhausen 5:3. Auf dem Platz in Hochelheim hatte sich eine große Zuschauermenge eingefunden, obwohl das Wetter nicht einladend war. Sie wurde auch nicht enttäuscht und bekam ein fesselndes Spiel, reich an spannenden Kampfmomenten, zu sehen. Die etwas besseren Gastgeber gewannen zum Schluß durch die besseren ©türmerltiftungen verdient Garbenkeich-Hausen — Gießen 8:7 (3:4). Beide Mannschaften waren sich ziemlich ebenbürtig und lieferten sich einen hartnäckigen Kamps. Das Spiel verlief in fairem Rahmen und sah bis zur Pause den Gast mit einem Tor in Führung Nach dem Wechsel erzwang die Platzmannschaft den Ausgleich, um bis zum Schluß bei wechselndem Verlauf noch einen knappen Sieg herauszuholen Münchholzhausen — Atzbach-Dorlar 2:5. Der Ausgang dieses Spieles bedeutet zweifellos die größte Heberraschung. Die Mannschaft der Platzbesitzer, auf ihrem Platz als ein schwer zu bezwingender Gegner bekannt, ausgerechnet von einer Mannschaft der Kreis- und 6-Klasse kombiniert, geschlagen, hätte niemand erwartet. (Zumal Münch- holzhau,sen auch in der bisherigen Verbandsrunde zu den besten Mannschaften zählt.) Der Sieg fiel recht eindeutig zugunsten der Gäste aus und stellt eine schöne Belohnung des Eifers der Mannschaft dar. Krofdorf-Heuchelheim — OSL. Gießen 4:0. Eine klare Angelegenheit war der Kampf in Krofdorf. Die Gäste vermochten den Platzbesitzern keinen Widerstand zu leisten und verloren verdient. Der schußkräftige Sturm ließ den Torwart der Gießener viermal das Leder aus den Maschen holen. Groß-Rechtenbach - Klein-Rechtenbach gegen Allendorf-Lühellinden II 1:9. Die Gäste brauchten sich nicht allzu sehr anzustrengen, um den Platzbesitzern einen klaren Torunterschied zu diktieren. Recht angenehm überraschte der Sturm des Siegers Ruttershausen-Wißmar — Lollar-Allendorf (Lda.) II 5:5. Eine unentschiedene Angelegenheit wurde der Kamps in Ruttershausen Beide Mannschaften kämpften mit Hingabe um den Sieg, der aber feiner Mannschaft gelang, das Spiel mit diesem Remis aber gerecht ausgehen ließ Wißmar-Launsbach — Allendorf (Lda.)-Lollar. In diesem Kamps siegte überraschenderweise die Platzmannschaft. Ein genaues Resultat war leider noch nicht zu ermitteln. Weihnachtsfeier der Kinderabteilungen im Turnverein 1846. Zahlreich hatten sich Eltern, Mitglieder und Freunde in der Turnhalle mit den Buben und Mädels des Turnvereins zusammengefunden, um eine echt turnerische Weihnachtsfeier miteinander zu begehen Gleich zu Beginn besuchten der Nikolaus und das Christkind die Kleinsten in ihrer auf der Bühne veranstalteten Turnstunde Dann zeigten die jüngsten Turnmädel mit den Stuttgarter Freiübungen, daß sie diese ebenso gut können, wie ihre älteren Turnschwestern Ein flotter Volkstanz, der wiederholt werden mußte und sauberes Barrentur- nen zweier Mädelriegen zeigten gleicherweise, wie Anmut und Kraft geübt werden Dann bot das hochgestellte Pferd mit Federbrett den Buben und größeren Mädels Gelegenheit zu beweisen, daß sie auch Mut haben und tüchtig springen können. Nun hüpfte wieder eine Gruppe Mädels im lustigen Volkstanz über die Bühne und kraftvoll schwangen wieder andere die Keulen. Tüchtige Leistungen am Barren brachten jetzt den älteren Schülern wohlverdienten besonderen Beifall. Ein weiterer reizender Volkstanz, der ebenfalls hervorgerufen wurde, beschloß den turnerischen Teil der Feier Mit eindringlichen Worten wies Vereinsführer R e i n i n g auf den Wert der Leibesübungen und die Bedeutung der Tätigkeit der Turnvereine hin unb warb um Unterstützung. Er gedachte dabei auch des Mnterhjljswexks unserer Reichsregierung und Sucher unter dem Weihnachtsbaum. Deutsche Erzähler. — Georg Grabenhorst: Der ferne Ruf. Stalling-Bücherei „Schriften an die Nation" Bd. 37/372. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Gebunden 1,60 Mk. — (592) — Die vier Erzählungen, die hier zu einem Band zusammengefaßt sind — „Der ferne Ruf", „Der blinde Herr Leutnant", „Regimentstag" und „Schwerer Traum" —, stehen nicht zufällig nebeneinander. Es find Variationen über dasselbe Thema, über ein Thema, das nicht leicht zu formulieren, das nur anzudeuten, zu umschreiben ist. Das Erlebnis der Front, das Erlebnis der Selbstentäußerung und der Kamerad- sckaft, hört nicht auf, immer von neuem zu ge- scyehen, immer von neuem sich zu verwandeln, nicht als Erinnerung, sondern ourchdringend und überwirklich, so, daß die Grenzen zwischen Gestern und Heute, zwischen den Toten und den Lebenden, ausgelöscht sind. — Felix Riemkasten: Die alte Schuld. Novelle. Mit einem Nachwort von Paul W e i g - l i n. Reclams Universal-Bibliothek Nr. 7223 Geheftet 35 Pf., gebunden 75 Pf.; im Meisterband (Ganzleinen) 1 Mk. — (537) — Ein berühmter Berliner Strafverteidiger, in dessen Leben der Erfolg alles, die seelische Befriedigung nichts bedeutet hat, flieht in einem Augenblick der Besinnung, erschreckt von dem Leerlauf solchen Daseins, in die ländliche Stille des Arzthauses feines einzigen Jugendfreundes. Dieser naturverbundene und gütige Arzt gewinnt heilende Kräfte für den Freund und versteht mit kluaer Hand eine Ehe wieder zusammenzufügen, Die in der seelenlosen Großstadtatmosphäre zerbrochen war. — Gustav Schröer: Der Bauernenkel. Roman Verlag C. Bertelsmann in Gütersloh. 1. bis 10 Tsd. 383 S. Gebunden 4,40 Mk. — (359) — In diesem Buche brennt und flammt die Not der deutschen Gegenwart, die Sehnsucht der Millionen nach eigener Scholle, der Ruf der alten Bauernerde nach ihren Söhnen, deren Großväter ihr einst untreu wurden im Strudel der Großstadt. So gestaltet Schröer in heißem Miterleben den Weg des Bauernenkels. Er hört den Ruf der Scholle feiner Väter. Da packt der Sohn des kleinen Maschinenwärters das Schicksal mit zähem Willen und bäuerlicher Tüchtigkeit: der Bauernhof der Ahnen hat endlich seinen rechten Herrn gefunden. Ein zukunftsfrohes Buch für deutsche Menschen. — Eine reizende Neuheit sind die kleinen farbenfreudigen, künstlerisch ausgestatteten Bändchen, die der Verlag C Bertelsmann in Gütersloh als Schmuckbucher den Lesern auf den Weihnachtstisch legen möchte (je 60 Pf.). Da findet man Gottfried Keller, C. F Meyer, Karl Hesselbacher Gustav R e n f e r und andere Schriftsteller in auten Novellen wieder, wie sie jeder verwöhnte Bücherfreund willkommen heißt. Wie oft sucht man im letzten Augenblick nach einem Mitbringsel. Dann ist ein kleines Schmuckbuchlein ein willkommener Helfer aus der Verlegenheit. — (506) Ka'ender und Almanache. — Deutscher Almanach für das Jahr 1 934 232 Seiten auf holzfreiem Dickdruckpapier und 8 Bilder auf Kunstdriickpapier In vornehmer Ausstattung 1,50 Mk Philipp Reclam jun., Verlag, Leipzig. — (335) — Der neue Reclam-Alma- nach stellt sich mitten in das aufbauende Leben der Nation Er bietet diesmal vorwieaend künstlerische Beiträge: neue Novellen und Erzählunaen deutscher Dichter, die mit ihrem Volk von je schicksals- und blutmäßig im Innersten verbunden waren, und Bilder junger Maler, die in ihrer Kunst Wesen und Haltuna des neuen Deutschlands kraftvoll oerför- oern Franz Schauwecker umreißt den geistigen Raum dieses Jahrbuchs in einem herzerhebenden Aufsatz: „Das Reich der Deutschen" Die folgenden Beiträge sind bei aller Manniafaltiakeit auf einen Grundton neftimmt. Im Mittelpunkt stehen die beiden großen Novellen „Segelflug" von Werner B e u- m e (b ii r a (ein Werk von der soldatischen und seelisch beschwinaten Haltung unserer besten Jugend) und .Bauerngeschichte" von K. H. Waggerl (ein Stück erbaebunhenen Schicksals von aefunber, natürlicher G"wachsenheit). Eine neue Erzählung von Hans Fr B l u n ck. ein erschütterndes Lebensfroa- ment von Hans Caroffa aus dem August 1918, Novellen von Gmelin, Bergenqruen, Robert Malter, A Artur Kuhnert schließen sich an, Ruth Schaumann steuert eine Skizze und tmei wundervolle G-dichte bei Münchbausen schreibt temperamentvoll über die neue Dichtung, Herbert Griebitzfch über die neue Kunst. Dem Andenken zweier Gefallenen ist ein Aufsatz von Harald v. Koenigswald gewidmet: dem Dichter Bernhard v. d. Marwitz und seinem Jugendfreund, dem Maler Götz v. S e tf en ö o r f f; Gedichte und Bilder zeugen von den Hoffnungen, die hier zerstört wurden. — Friedrich der Große. Ein vaterländisches Jahrbuch auf das Jahr 1934. Halle a.d. Saale. Vaterländischer Verlag. 102 Seiten. Preis 1 Mark. — (406) — Das mit reichem Bildschmuck versehene Jahrbuch stellt sich zum neunten Male vor. Eine Reihe von bebilderten Aufsätzen beschäftigt sich mit dem Hause Hohenzollern. Aus dem Weltkriege erzählen die Beiträge: „Die Schlacht an den Masurischen Seen", „Die Amerikaner im Weltkrieg", „Sieghafte Fahrt und heldenhafter Endkamps des Kreuzergeschwaders unter Graf Spee im Weltkrieg". Unter den politischen, literarischen, religiösen und wirtschaftlichen Zeitfragen sind zu erwähnen: „Die Frau im neuen Deutschland", von Joseph Goebbels; ferner „Don deutscher Erde zu deutschen Worten und deutschem Denken", „Werdegang eines Deutschen: Fichte", „Die Derlagstätigkeit der vaterländischen Verlage seit 1918", „Die deutsche Kolonialschule in Witzenhausen", „Die koloniale Frauenschule bei Rendsburg" ufw. — „D e u t s ch e i n a l l e r W e l t". V D A. - K a- lender 193 4. 112 Blatt und ein Deckblatt, als Abreißkalender eingerichtet. 112 Bilder. Berlin W 30, Verlag Grenze und Ausland. Preis 2 Mk. — (514) — Auf über hundert Bilderseiten führen uns die besten Photographien an alle Fronten des Volks- tumskampfes. Der Verlag hat einen schönen Kalender geschaffen, aber vor allem einen, der als täglicher Mahner zu Volksdeutschem Verantwortungsbewußtsein in die deutschen Häuser gehört. — Was koche ich heute? Illustrierter Kochkalender für das Jahr 1934. Rezepte und Speisenfolgen für alle Tage des Jahres. Verlag von Ernst Reinhardt in München. Preis 1.80 Mk. — (533) — Der Kochkalender erscheint auch in diesem Jahre wieder, um der Hausfrau die Arbeit zu erleichtern. Sie findet für jeden Tage einfache und bessere Gerichte, dazu das Rezept und ein Bild. Die Speisezettel hat Emma Maunz in Ludwigsburg ausgear- oeitet. Der ganze Kalender steht unter dem Zeichen der sparsamen Kost, es kann aber mühelos durch Weglassen noch weiter gespart werden. Beim vorjährigen Preisausschreiben kamen zehn Preise unb eine Reihe von Trostpreisen zur Verteilung. Die preisgekrönten Rezepte sind in dem diesjährigen Ka- lender ausgenommen, gleichzeitig erfolgt ein neues Preisausschreiben. Politik und Geschichte. — Egon Caesar (Tonte Corti: D i e Tragödie eines Kaisers. Im Jnselverlag zu Leipzig mit vier Bildtafeln in Leinen, Preis 7,50 Mark. — (393) — Es ist erstaunlich, wie dis Gestalt dieses Habsburgers, der das tragische Opfer einer zynischen Politik eben so gut wie das Opfer seiner eigenen Unzulänglichkeit und des Ehrgeizes seiner Frau wurde, mehr als sechs Jahrzehnte hindurch die Phantasie der Menschheit beschäftigt. Eben haben wir erst das ungleiche Duell Juarez - Maxi- milian auf der Bühne gesehen, den erschütternden Abschluß eines mit eben so viel Hoffnungen wie verhängnisvollen Trugschlüssen begonnenen Abenteuers. Das neue Buch Cortis fußt auf einer bereits vor einigen Jahren erschienenen umfanarei« dien Biographie, konnte jedoch neu erschlossene Quellen verwerten. Es stellt geradezu erschütternd heraus, wie Maximilian unb seine von Ehrgeiz grabe,3u besessene Frau blinb in bie Fanaarme Napoleons rennen, ber sich nicht scheut, den Svroß eines ber ältesten europäischen Fürstenhäuser seinen abenteuerlichen unb von vornherein mit nur geringem Ernst betriebenen Plänen bienftbar zu machen. Im ersten Akt biefes schauerlichen Dramas beherrschen bie Frauen bie Szene Die schöne Eugenie, schmeichlerischen Hulbiaunaen nur allzu zu- gänalich, hört willig auf bie Einflüsterungen eines mexikanischen Emigranten, besten politische Pläne keinerlei realen Untergrunb besitzen Marimilians Gattin, Charlotte, von ihrem Vater, dem Belgier- könia Leopolb her, mit einem politischen Ehrgeiz belastet, ber ihr unb ihrem Gatten verhängnisvoll werben soll, glaubt nur allzu gern an bie großartige Zukunft eines mexikanischen Kaiserreichs, bie Napoleon unb Eugenie ihrem bislang aus Der großen Politik ausgeschalteten Manne eröffnen wol- Alle hier besprochenen u. angezeigten Bücher sin0 durch die Gießener Sortimentsbuchhandlungen zum Orlginalverlegerpreis zu beziehen (en. So hört keiner der Beteiligten auf die gut- aemeinten Warnungen, die in Pari» und TOiromare sowohl wie in Mexiko selbst wieder und wieder laut werden, um so williger jedoch auf die unwahren Darstellungen skrupelloser Politiker und Postenjäger. Maximilian betritt mexikanischen Boden in einem Augenblick, als die internationale Lage nach Beendigung des nordamerikanischen Bürgerkrieges sich bereits endgültig zu seinen Ungunsten verschoben hat. Die Bereinigten Staaten unierftüfoen mit allen Mitteln die Bemühungen des Indianer-Präsidenten Juarez gegen die europäischen Eindringlinge, während zu gleicher Zeit Napoleon, in ständigen Geld- kalamitäten und nach Röniggräti auch in der Sorge vor einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Preußen, beginnt, dem Druck der öffentlichen Meinung naduuflebcn und sich aus dem mit verbrecherischer Leichtfertigkeit begonnenen verbrecherischen Abenteuer zurückzuziehen. Traten bis dahin in der Persönlichkeit Maximilians die Schwächen eines weichen und nachgiebigen Charakters besonders hervor, so wächst nach dem tückischen Berrat Napoleons und dem Abzug der französischen Truppen hic Le- stalt des Hodsburaers in die tragisch-heroische Rolle hinein, die die Geschichte ihm zugewiesen hatte. Mar vis dahin fein Optimismus nur Mangel an Menschenkenntnis und mangelnde Einsicht in das politische Intrigenspiel, dessen Opfer er werden sollte, so wachst er nun, als er sich mit wenigen ihm treu gebliebenen mexikanischen Generalen fn Ouerclaro von dem f)eer des Juarez eingeschlossen sieht, zu heroischer und opferbereiter Standhaftigkeit. Nach der Uebergade will er sich selber opfern, um seine Anhänger zu retten, aber der nach dem Blute eines gekrönten Hauptes dürstende Indianer hat bereits feinen Tod beschlossen. Alle Interventionen der euro- paisch n Machte prallen ab an dem eisernen Willen des Präsidenten, ein furchtbares Exempel zu statuieren. Die Tragödie Charlottens, die nach dem Scheitern ihres Bittganges zu Kaiser und Papst in Wahnsinn verfallen ist und das grausame Geschick ihres Gstlen nie erfaßt hat, ragt in unsere Tage hinein. Erst vor wenigen Jahren wurde bte 87iah- rige erlöst, die letzte Zeugin eines der größten und leichtfertigsten politischen Abenteuer, von denen Die Weltgeschichte zu berichten weiß. _ — Werner Beumelburg Bucher der Zeitwende. Eine zu verbilligtem Preise neu veröffentlichte Schriftenreihe der im Berlage Gerhard Stalling, Oldenburg i. O-, bisher erschienenen sechs bedeutendsten Werke de» Dieters. — (599 604) __ £ie außergewöhnliche Resonanz, die Beumel- bürg» Bücher gesunden haben, hat den Cerlag veranlaßt, seine bisher wichtigsten Werke 'N eine neue, einheitlich ausgestartete Schriftenreihe »Bucher der Zeitwende" zusammenzufasien. «ehr erfreulich ist, daß die Preise der Bande, von denen jeder einzeln käuflich ist, weiter herabgesetzt wurden und jetzt 4A0 Mk bzw 3,75 Mk betragen. — „Sperr- feuer um Deutschland" ist ein Epos des Krieges. Keine Historie, sondern eine Gestaltung. In dem Buche Deutschland in Ketten wird die Geschichte des vergangenen Jahrzehnts m all ihren Phasen lebendig gestaltet. Das ist die große Darstellung der Nachkriegszeit. Bismarcks Leben und Werk wird in „Bismarck gründet das Reich" in einer glücklichen Mischung von dichterischer Schau und historischer Präzision dar- gestellt. Der Derfasier bewährt sich als charakter- fester Historiker, der die Stoffmasien souverän be- herrscht und die politische Situation ausgezeichnet klärt. Der große Roman des deutschen Frontsoldaten „Die Gruppe Bose mülle r" ist ein erschütternder Tatsachenbericht, in dem die grausigen Stätten um Verdun zu atembeklemmendem Leben erwachen. Auch seine beiden völlig neube- arbeiteten Werke „Douaumont" und „Flandern" geben ähnlich wie die Gruppe Bosemüller ein plastisches Bild von dem gigantischen Ringen an den Brennpunkten der Westfront. Diese Bücher vermitteln eine neue heroische Weltanschauung. Sie werden jedem Deutschen eine willkommene Lektüre fein. Wirtschaft. frankfurter Börse Millogsbörse siill, abbröckelnd. Frankfurt a. M., 20. Dez. Das Herannahen der Feiertage und des Jahreswechsels machte sich in immer größerer Geschästestille bemerkbar. Angesichts des Mangels an Aufträgen und der fehlenden Unternehmungslust der Kulisse konnten fkb ble mannigfachen Anregungsmomente aus der Wirtschaft nicht auswirken. Die Kursgestaltung war uneinheitlich, sie ging von 4- 2 bis — 1 v. H, neigte aber überwiegend !ur Schwäche, zumal die Kulisse teilweise glatt- Icllte. Den Spitzengcwinn wiesen Ilse-Genuß auf, ile als einziges Montanpapier fester lagen. Har- pener tendierten 1,50 v. $)., Gelsenkirchen und Klöckner je 0,75 v. H., Mansselder und Rheinstahl bis 0,50 v. H. schwacher. Don Elektrowerten gewannen Akkumulatoren und Felten je 0,25 vH, während Gessürel und Schuckert je 1 v. H., Licht & Kraft 1,25 v. H. und Siemens sogar 2 v. H. einbüßten. IG Farben mußten sich gleichfalls einen Abschlag von etwa 1 v. H. gefallen lassen und gingen später um weitere 0,50 o. H. zurück. Scheideanstalt blieben aut behauptet. Verkehrs- und Schissahrtswerte brök- felfi'n ebenfalls ab, Hapag —0,65 o. H. m Verlaufe hielt die Geschäftsstille unoermin- de»' an, und die Kurse zeigten Neigung zu weiterem Rückgang. Niedriger zur Notiz kamen u. a. Bemberg (—1,50 v. H), AEG. (—1 o. H.), Holz- mann (— 1 v. H), ferner verloren Reichsbank 1,75 v. H Andererseits waren Südd. Zucker insgesamt 2 d H fester, auch Conti Gummi waren weiter leicht erhöht. Gegen Schluß der Börse waren IG. Farben bis auf 121,25 nach 119,50 erhöht, ferner zogen Schuckert um 1,25 auf 97 und Licht & Kraft 0,50 d H. an. Am Kasfamarkt waren u. a. Knorr Heilbronn 3 o. H., Hanauer Hofbräu 3 v. H. und Röder Darmstadt 2 o. H. fester, während Bankaktien meist um 1 bis 1,50 v. H. nachgaben. Am Rentcnmarkt setzen deutsche Anleihen etwa unverändert ein, gaben indessen im Verlaufe durchweg nach, späte Reichsschuldbuchforderungen und Altbesitz um je 0,25 o. H., Neubesitz konnten sich später um 10 Pf. erholen. Stahlverein-Bonds gaben nachher 0,75 v. H. nach. Dollarbonds waren überwiegend fester. Der Pfandbriefmarkt lag bei minimalen Abweichungen sehr still, auch Staats- und Länderanleihen wiesen nur unbedeutende Veränderungen auf Don Stadtan'eihen waren 6 v. H. wertbeständig. Frankfurt mit 75 bis 75 etwa 3 o. H fester Auslandsrenten lagen still und wenig verändert — Der Geldmarkt war versteift, und der Satz für Tagesgeld wurde um 0,50 v. H. auf 4,25 v. H erhöht. Abendbörse: still. Das Geschäst an der Abendbörse kam bei (Eröffnung nur schleppend in Gang und erfuhr auch später keine nennenswerte Belebung, da von der Kundschaft keine neuen Orders Vorlagen und die Kulisse weiter in ihrer Zurückhaltung verharrte. Nachdem schon im Mittagsoerkehr kleine Erholungen eingetreten waren, .zeigte sich auch heute abend eine nicht unfreundliche Stimmung. Weiteres kleines Interesse fanden IG. Farben, die 0,65 v. H. gewannen. Im übrigen blieben die Berliner Schlußkurse gut behauptet. Harpener Bergbau notierten gestrichen Geld, die Tare stellte sich auf ca. 78,50 (+ 1,25 v. H.). Der Rentenmarkt hatte ebenfalls nur kleine Umsätze zu verzeichnen. Reichsanleihen und Stahlvereinsbonds lagen etwas höher, auch Dollarbonds waren etwas fester. frankfurter Herrcidcbörse. Frankfurt a. M., 20. Dez. Der letzte Markt vor den Feiertagen lag sehr still und verzeichnete auch preislich keine Veränderung. Lediglich von Futtermitteln zogen Trockenschnitzel um 40 Pf. an. Das Angebot war indessen auf allen Märkten ebenfalls klein. Weizen 195 bis 196, Roggen 172,50, Braugerste 180 bis 182, Hafer 145 bis 147,50, Weizenmehl Spez. 0 mit Austauschweizen 28,75 bis 29,65, do. ohne 27,25 bis 28,15, Roggenmehl 0 bis 60proz. 23,50 bis 24, do. südd. Spez. 0 24, Weizenkleie 11, Weizenfuttermehl 12 bis 12,25, Roggenkleie 10,85 bis 11, Sojaschrot 15,50 bis 16, Palm- kuchen 15,75 bis 16, Erdnußkuchen 16,55 bis 17, Treber 17,50 bis 17,75, Trockenschnitzel 10 bis 10,15, Heu 6,50 bis 6,70, Weizen- und Roggenstroh braht- gepreßt 2,20 bis 2,30, do. gebündelt 2 bis 2,10 Mk. Tendenz: ruhig. frankfurter- ScHtachtvrel-m^rkt. Frankfurt a. M., 21. Dez. Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Dorauftrieb: 54 Rinder, 652 Kälber, 165 Schafe, 600 Schweine. Es kosteten: Kälber bis 42 Mark, Schafe bis 28 Mark, Schweine bis 52 Mark. — Marktverlauf: bei allen Diehgattun- gen ruhig. Allgäuer Vutter- und Käsebörse. Kempten, 20. Dez. Allgäuer Molkereibutter 1. Qualität 125 (Dortag 125), Allgäuer Molkerei- butter 123 (123), Sennbutter 116, Bauernbutter (Landbutter) 86, Rahmeinkauf bei 43 Fetteinheiten ohne Buttermilchrückgabe 123 (123), Allgäuer Weichkäse mit 20 v. H. Fettgehalt: grüne Ware 23 bis 26 (23 bis 26), Marktlage fest. Allgäuer Emmen- thaler mit 45 v. H. Fettgehalt: erste Sorte 70 bis 72 (70 bis 72), zweite Sorte 65 bis 67. Marktlage: ruhig. m 's r» Tr eh era. WSN. Friedberg, 20. Dez. Der Auftrieb zum heutigen Schweinemarkt betrug 285 Ferkel. Es mürben bezahlt: für 6 Wochen alte Tiere 8 bis 10 Mk., 6 bis 8 Wochen alt? 10 bis 14 Mk., 8 bis 12 Wochen alte 14 bis 18 Mk. Der Markt würbe geräumt. Vaimund Kleinmüller gehören zusammen! Bauer, Müller unb Bäcker bildeten einmal auf dem flachen Lande eine naturgebunbene Dreieinig- feit Solange Bauer unb Müller unb zuletzt auch ber Ortsbäcker treu zusammenarbeiteten, mit genügendem gegenseitigen Verständnis, ging es allen dreien gut, und sie sprachen mit Recht von Den ooldenen Zeilen des ehrsamen Handwerks. Jeder kannte fein Fach und war Meister darin, jeber ließ den anderen leben und hielt ihn für eine unumgängliche Notwendigkeit zum Nutzen der ganzen Bevölkerung. Ihr Elend ging erst an, als sie sich voneinander trennten. Zuerst traf es den Rleinmüfler, auch wenn er mitten im besten Getreideerzeugungsgebiete feit Jahrhunderten saß und über eine billige Master- ober Winbkraft verfügte. Wir haben bas langsame, bann immer schneller roerbenbe Sterben ber vielen über bas ganze beutsche Land verteilten, meist reite nb gelegenen kleinen Wassermühlen etwa feit dem Sabre 1870 miterlebt, unb waren in tiefster Seele verwundet, wenn wir bald diese, bald jene Windmühle aus dem deutschen Landschaftsbilde oer. schwinden sahen, die sich dort seit Generationen luftig im Winde drehte. Leiber fehlte vielen Bauern und Bäckern bas richtige Verständnis für bas Unrecht, bas im Zuge ber falschen wirlschaftsgrunbgebanken ben Kleinmüllern geschah. Ja, sie waren vielfach der falschen Meinung, der Kleinmüller habe feine ßebensberethtigung verloren, rocil einige Großmühlen an ganz bestimmten "teilen des Reiches mehr und weißeres Mehl erzeugen konnten, als die „alte Kleinmühle". Erst seitdem auch der Bauer und Bäcker mit in den Strudel des allgemeinen Unterganges hineingezogen wurden, erwachte das Verständnis wieder für den Klein- müllcr. Lasten wir uns dabei nicht täuschen durch gelegentliche abfällige Stimmen über den heutigen ftleinmiiUcr aus Kreisen der Bauern ober der Bäcker- sch ast. Halten wir vielmehr an ber Erfahrung unserer Vorfahren fest, baß es ohne eine gegenseitige Verständigung zwischen den dreien keinen neuen Wohlstand von Dauer auf dem flachen Lande geben kann. Die Verhältnisse waren einmal am besten ba, wo zu jeder kleinmühle eine ober mehrere kleine Bauernortschasten gehörten, bie es als felbft- verstänblich empfanden, bah sie ihr Brotgetrdbe zur benachbarten Mühle brachten, um Mehl für ihre eigene Hausbäckerei ober den Dorfbäcker genau so in Empfang zu nehmen, wie vorzügliche Kleie für ihre Tiere. Cs war auch selbst- oerftänblid), daß der Müller als erfahrener Ge- treibetenner feine Bauern beriet über bie beste Aus- wähl des Brotgetreibes zur Aussaat, und daß er ihnen bas Saatgetreide reinigte, um so zu einem guten Ernteergebnis fein Teil beizutragen. Keinem Bauern fiel es damals ein, feine Getrcideabfälle selbst zu schroten: dazu war er viel zu gescheit, denn er wußte, bah dazu keine behelfsmäßige Schrot« maschine zweifelhafter Güte und Wirkung genügte, sondern ein richt ger Schrotgang, ber auch heute noch unübertroffen für diese Arbeit ist, und ein Müller erforderlich ist, der sein Werkzeug in richttaem Zustand erhält unb schroten gelernt hat, ohne jode Ueberanftrengung von Werkzeug und Mahlgut. Heute, wo unsere Reichsregicrung unb mit ihr bas ganze deutsche Volk sich anschickt, unseren Bauern« ftanb wieder auf eine neue, gesunde Grundlage zu stellen, darf auch ber Bauer in erster Linie nicht oergeffen, daß ber Müller unb der Bäcker wie auch andere Handwerkszweige des flachen Landes unlösbar mit ihm verbunden sind. Also gebt auch dem Meinmüller wieder die natürlichen Voraussetzungen für seinen Wiederaufbau unb sein Gedeihen. Aber verlangt von ihm n cht sofort Unmögliches, das ihr selbst in eurem Fache ebenfalls nicht meistern könnt. Sicher ist, daß die meisten der noch oorhan- denen Kleinmühlen sich nicht in bestem Zustand befinden, dazu war die Not ber Kriegs- und Nach« kriegsjahre viel zu groß. Der Staat und die unerschwingliche Zinsenlast haben selbst die Besten gerade ber Kleinen und Kleinsten schwer getroffen unb gelähmt. Wo aber kein Betriebsüderschuh mehr er- zielt werden konnte, fehlte auch die Möglichkett einer technischen Erneuerung und Berbefferung. Sie ist auch heute erst möglich, wenn man dem Kleinmüller wieder mit allen Mitteln Licht und Lust unb neue Hoffnung schafft unb ihm Mittel an die Hand gibt, seinen Betrieb wieder auf die erforderliche Höhe zu bringen. Aufgabe unserer besten Mühlendauinge- nieure wird es fein, einfache und gediegene besondere Lösungen für die Typen unserer künftigen Klein- mühlen zu finden. Wer bas einmal, ohne einfach bie Großmühle fopieren zu wollen, versucht hat, hat auch bie Schwierigkeit dieser Aufgabe erkannt und wird mir recht geben, baß wir auch da vor neuen Aufgaben stehen. Aber all bas Hal nur Sinn unb Zweck, wem« ber Bauer unb ber Müller wieber zueinander- finden, sich gegenseitig verstehen unb helfen lernen unb auch ben Bäcker in ihre Mitte nehmen. Ich aber glaube, Müller, es ist an dir, den Anfang damit zu machen, bei deinen Bauern und Bäckern auf dem Lande wieder Verständnis für deine Ausgabe und Zukunft zu wecken. Warte nicht auf fremde Hilfe, sondern beginne damit sofort von bir aus durch Aufklärung unb betne Tat! Ih- Revision im Sturmfels-Prozeh. Frankfurt a. M., 20. Dez. (WSN.) Aus Leipzig erhalten wir folgende Meldung: Von ber Darmstädter Strafkammer war der Rechtsanwalt und frühere Notar Otto Sturm- f e l s, der eine Zeitlang als Mitglied der SPD. dem Hessischen Landtag angehört* hat, am 9. Februar wegen fortgesetzter Falschbeurkundung im Amt und Untreue zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus, 1500 Mark Geldstrafe und drei Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Auf die Revision des Angeklagten wurde dieses Urteil jedoch vom Reichsgericht aufgehoben, fomeit der Angeklagte wegen Falschbeurkundung im Amt unb zu einer Gesamtstrafe verurteilt worden war. In diesem Umfange wurde die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an die Vorinstanz zuruckverwie- sen, im übrigen jedoch die Revision als unbegründet verworfen. Dem Rechtsanwalt wurde oorgeroorfen, im Laufe von vier Jahren Stempelgelder in Höhe von etwa 4000 Mark unterschlagen und gleichzeitig Urkunden gefälscht zu haben. Ehemaliger GpO.-AeichStagS- obfleorbnefer wegen Untreue verurteilt. WSN. M a i n 3, 20. Dez. Die Große Straffammer Mainz verurteilte nach mehrtägiger Verhandlung den ehemaligen sozialdemokratischen Reichstags- und Landtagsabgeordneten Jakob S t e f f a n aus Oppenheim a. Rh. wegen Veruntreuungen, die er sich als Vorsitzender Der Oppenheimer Allgemeinen Ortskrankenkasse hatte zuschulden kommen lassen, zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. Der mitangeflagte ehemalige Geschäftsführer der Raffe Friedrich Buffer erhielt ein Jahr zwei Monate Gefängnis, der ehemalige Rechner der Raffe Georg Naab zehn Monate und der Mitangeklagte Konstantin Oelenschläger vier Monate Gesang- n i s. Steffan werden sechs und Rüsfer zwei Monate der Untersuchungshaft angerechnet. Gegen R ü f • f e r wurde wegen Fluchtverdachts Haftbefehl ausgesprochen. Steffan hatte sich in den Jahren 1928 bis 1933 unter Mißbrauch seiner Amtsstellung nichterstattungspflichtiae Kosten für Nichtkassenärzte und Heilkundige sowie Arzneikosten u. a. m. in Höhe von über 3000 Mk. aus ber Kasse vergüten und die Auszahlungen in das Portobuch al» Unkosten eintragen lasten. Die drei Mitangeklagten hatten dazu Beihilfe geleistet. Zuchthaus für einen betrügerischen (Heldverleihvertreter Marburg, 20. Dez. (WSN.) Wie vorsichtig man gegenüber den Vertretern von überall auftauchenden Geldverleih-Instituten sein muß, zeigte wiederum eine Verhandlung vor dem hiesigen Schöffengericht, wo sich der 34jährige Kaufmann Dor malb aus Marburg wegen U r tu n- denfölschung aus Gewinnsucht unb Bc- Gedenket der hungernden Vögel! tru g s zu verantworten hatte. D. war als Vertreter eines Freiburger Geldverleihinstituts in Hessen-Nassau angestellt, trotzdem er, wie sich bei Verlesung seines Vorstrafenregisters ergab, bereit» mehrfad) wegen Betrugs vorbestraft war Wer um Aufnahme eines Darlehns nachsuchte, mußte vorher erst 15 Prozent des beantragten Betrages an bas Institut einzahlen. Die Familie eines hiesigen Arbeitslosen benötigte 200 Mark unb sparte sich das zur Anzahlung notwendige Geld erst am Munde ab. D. quittierte mit einem falschen Namen, bann horte ber Arbeitslose nichts mehr von ber ganzen Sache Gegen ben Angeklagten laufen noch mehrere berartige Anklagesachen. Er würbe wegen Urkun- benfälfchung in Tateinheit mit Betrug zu 1 Jahr Zuchthaus unb 3IahrenEl)roerlu st ver- urteilt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter Den Papieren angeführten Ziffern geben Du Hohe Der zuletzt beidjlollenen Dwibenbe an — Reichsbankbiskont 4 0 H Lombardzinsfuh 5 0 H. Sö CbtnN Mit* Dime». (Xitum 19.12- 20-12. 10.12 20-12- frut1<*W RrttMnn abr v IM7 92.75 92.65 93 92.25 •* f6rm.7% ti -Wddttnnl o IMS '01.4 101.55 101.13 101.3 61. ", fleune-anldbe von ISA) jtl.fr flnl.flbttl • Sdjutt mit 0.5 69.65 89.5 39.6 Tt «u0P •eanSVi iu-^Sottdr 91 91 rbrm 8*, flt rtrtenfta.1. »fnuna*furS »6.4 1 96.4 45.4 964 *% CttterrnÄtiSi »01. v.-n im 4.5 4 4 4.55 4,56 6» eettecrtljntt twn » 6 — lurfil* H”U«i"inbr »cb i»H • 4 15 .« 44 •’l 1 - ! - Vfdnt ur o Z'fTltn <*®lute Sir4 j ea»ut . flbrnb- b6r C^IOS- flirt «rtriuti Ml 'n* b#rc Oatum 19-12- 20-12- 19-12. 20-12 4% bet^L etrte II 4.3 L35 5.1 IS Rumin errrint). 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