Nr N2 Krübausgabe 183. Jahrgang Mittwoch, 21. Juni 1935 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Postscheckkonto: KranNun am Main II68S. vnick und Verlag: vrühl'sche Universttälz-Vuch' und Zteindruckerek K Lange in Sietzen. Schristleitung und Seschästzstelle: Schulftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer "bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20° , mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Or H.Tkyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein undfür denAn- zeigenteil i.D. Th.Kümmel sämtlich in (Bieben. Erlcheini lagltch, nutzer Sonntags und Feiertag» veilagen: Vie Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monats-Bejugsprets: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr . . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hemsprechanschlüsse unter Sa mmelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gieße». DieLage in Oesterreich nach dem Verbot derREOAP OberleutnantLohrsschildettseineEttebniffe land fliegen würden. ,Landeszeitung" besetzt. Es finden in beiden Häusern noch Durchsuchungen statt. Die Besetzung des Braunen Hauses ist durch eine Kompanie ocs Bundeshceres^ die des Krcisgcrichts durch eine Abteilung des Gendarmeriekommandos vorgenommen worden. Zusammenstöße in Innsbruck. Innsbruck, 20. Juni. (211.) Dienstagabend kam es in Innsbruck anläßlich des Verbots der Rationalfozialistischen Partei zu Kundgebungen und Unruhen. Ab 19 Uhr sam- melte sich in der Innenstadt, besonders i n d e r Maria-Theresia-Straße eine größere Menschenmenge an. Die Leute fangen das Horst- Wessel-Lied. Die Polizei begann mit der Räumung der Straßen. Die Ansammlungen wiederholten sich aber fortwährend-, so daß immer wieder von der Polizei und später auch von der Gendarmerie vorgegangen wurde. Rach 21 Uhr wurde die Maria-Theresia-Strahe durch ei n en Kordon von Polizei und Gendarmerie abgesperrt. Auch in den übrigen Straßen der Innenstadt kam es zu Zusammenstößen. Es wurden zahlreiche Verhaftungen Dorgenommen. Mehrere Personen trugen Verletzungen davon. Ein Student wurde schwer verletzt und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Oberleutnant Cohrs hob mit besonderem Dank die Bemühungen der deutschen Gesandtschaft hervor, die für die Erleichterung seines Loses Tag und Nacht gesorgt hätte. Er betonte weiter, daß auch das Verhalten der meisten Beamten der Bundespolizei ihm gegenüber ausgezeichnet gewesen tri- Man habe es den Leuten angemerkt, wie schwer es ihnen wurde, ihre Pflicht zy tun. Bei feiner Entlassung aus dem Gefängnis wurde feine Bitte, sich bei dem deutschen Gesandten abmelden zu können, abgelehnt. Er wurde sofort zum Flugplatz gebracht, wo ihm die Menschenmenge zujubelte und m i t Blumen überschüttete. Oberleutnant Cohrs schilderte als ein Zeichen für die Stimmung in Oesterreich, daß Bundeskanzler Dollfuß bei seinem Abfluge nach London aus- drücklich um regierungstreue Piloten gebeten hätte, aber von der Flugleitung den Bescheid bekam, das gesamte Flugpersonal sei nativ- n a l s o z i a l i st i s ch. So habe Dollfuß mit Nationalsozialisten nach London fliegen müssen.' Der Pilot und die Monteure muhten aber einen Berlin, 20. Juni. (CNB.) Der nach feiner Ausweisung aus Oesterreich in Berlin eingetroffene Oberleutnant Cohrs schilderte vor Vertretern der Presse feine Erlebnisse in Oesterreich. Er habe während des Krieges am Ifonzo und an der Piave gekämpft und auch den Tiroler Kriegsorden erhalten. Der Dank für feine langjährige Tätigkeit in Oesterreich sei ihm schon vor zwei Jahren in der Form eines Ausweisungsbefehles zugeslellt worden. Don der Auswei- sung habe man dann zwar Abstand genommeif. Er habe aber in den letzten zwei Jahren bei seiner Vortragstätigkeit nur noch über deutsche Verhältnisse sprechen dürfen. Bei feinem Verhör, auf das er vier Stunden im Gefängnis hatte warten müssen, habe er nachdrücklich aber vergeblich auf feine Exterritoriali» t ä t hingewiesen. Bei einer Leibesvisitation kam es zweimal zu einem Handgemenge mit den Polizeibeamten um diplomatische Papiere. Schließlich wurde er in eine Verbrecherzelle gebracht. Man legte ihm einen Schein vor, nach dessen Unterzeichnung er sofort auf freien Fuß gesetzt worden wäre, wenn er sich verpflichtete, Wien nicht zu verlassen und sich nicht politisch zu betätigen. Er habe diesen Schein nicht unterschrieben und wurde dann wieder in seine Zelle gebracht und ach.t Tage gefangen gehalten. Wien, 20. Juni. (TU.) Während noch Dienstag in den Vormittagsstunden vollständige Unklarheit über die Auslegung der Regierungsverordnung bestand, die der NSDAP, in Oesterreich jede Betätigung verbietet, ist nun doch im Laufe des Tages eine Klärung wenigstens hinsichtlich der Presse erfolgt. Die nationalsozialistischen Blät - ter in Wien erscheinen mit einigen Veränderungen hinsichtlich der Bezeichnung des Eigentümers weiter. So heißt z. B. „D i e Nachtpoft" einfach „Nachtpost" und beginnt mit Nr. 1 des 1. Jahrgangs und gehört nicht mehr dem Preffeverein des Gaues Wien der NSDAP. Hinsichtlich der „D e u t s ch ö st e r r c i ch i s ch e n Ta- g e s z e i t u n g" ist es dem Chefredakteur gelungen, die Rechtsanschauuna durchzusetzen, daß das Blatt nicht unmittelbares Parteieigentum darstellt, so daß es weitererscheinen kann. Allerdings fällt der Untertitel „Hauptblatt der NSDAP." weg. Die Frage der Ausübung der Mandate ist noch ungeklärt. Es kann lediglich festgestellt wer- den, daß eine Einladung zu einer Sitzung der nie- derösterreichischen Landesregierung, die bereits an den Vertreter der Nationalsozialistischen Partei erfolgt war, zurückgenommen worden ist, und daß auch eine Einladung zu der bevorstehenden Sitzung des Niederösterreichischen Landtags an die nationalsozialistische Fraktion nicht erfolgte. Die mysteriöseste Angelegenheit ist wohl die Verfügung gegen den Steierischen Heimat- schütz. Während nämlich der in der Nacht zum Dienstag veröffentlichte Wortlaut der Verordnung in § 1 sich lediglich auf die Nationalsozialistische Partei bezieht und mit den Worten endet: Das Tragen jedweder Parteiabzeichen ist verboten, findet sich im Bundesgesetzblatt noch der Nachsatz: Dasselbe gilt auch füj den Steierischen Heimatschutz (Führung Kammerhofer). Jede Derfammlungstätigkeit der (NSDAP, ruht vollkommen. Auch Vorträge, Konzerte ufto. werden nicht gestattet. Die Sonnenwendfeiern wurden verboten, um Kundgebungen zu verhindern. äleberall steht Militär, Polizei und die Hilfspolizei in Alarmbereitschaft. Die Landesregierungen stehen in ständiger Verbindung mit der Dundesregierung. In Wien ist das Strahenbild kaum verändert. Rur in die Universität ist ein starker Polizeikordon gelegt, da man offenbar von der sehr aktiven deutschösterreichischen Jugend zuerst Auflehnung befürchtet. Der Studienbetrieb ist in vollem Gange. Es herrscht allerdings strenger Legitimationszwang. Die Schließung der Parteilokale, der Braunen Häuser, SOI - und SS.-Verkehrslokale, der Gau-, Bezirks- und Landessekretariate, der Dücherstellen ufto. ist schon früher erfolgt. Die Häuser sind polizeilich beseht. Die Durchsuchungen erstrecken sich jetzt auch auf die Verlags- und Redaktionsgebäude, die bisher frei geblieben find. Alle Werbemittel wie Flugschriften, Broschüren u. dgl. sind beschlagnahmt worden. Lieber eine Dermögensbeschlagnahme ist noch nichts bekannt. Da die Räume aber versiegelt sind, ist der Partei ohnehin daS Verfügen über das Vermögen ent- angestellter von der Regierung vor wenigen Wochen versetzt wurde, woraus die anderen nationalsozialistischen Gemeinderäte ihre Mandate zur Verfügung stellten. Damit war der Gemeinderat beschlußunfähig. Die Geschäfte führt derzeit der christlich-soziale Vizebürgermeister. Krems ist gleichzeitig der Sih des Fremden- verkehrsverbandes für d i e Wachau, der bekanntlich vor 14 Tagen eine Eingabe an die Regierung richtete und Maßnahmen zur Abhilfe gegen die Reiseeinschränkung durch die Tausendmark-Sperre forderte. Der Aufruf des Verbandes wurde beschlagnahmt. In Krems herrschte ob der gestrigen Vorfälle größte Erregung. Die Stadt gleicht einem Feldlager. Die Zugänge und die beiden Donau- brücken sind von Militärposten besetzt, ebenso alle öffentlichen Gebäude. Die Bezirkshaupt, mannschaft hat einen Anschlag anbringen lassen, wonach alle Türen um 20 Uhr, die öffentlichen Gast- und Schanklokale um 21 Uhr gesperrt werden müssen. Jede Ansammlung in den Straßen ist bei einer Strafe von mindestens 200 Schilling oder zwei Wochen Arrest strengstens verboten. Das Straßenbild wird von Bajonetten und Maschinen- Lewehren beherrscht. Ucberall sieht man Doppelposten und Alarmabteilungen. Autos mit aufmontierten Maschinengewehren durchfahren nachts die Straßen der Stadt. Das Braune Haus ist ebenso wie die Druckerei der nationalsozialistischen Schein unterschreiben, daß sie keinerlei Sabotage verüben und nicht über Deutsch. zogen. Zwiespalt im Ministerrat? Ein Protest des Deutschen BolksratS. Wien, 20. Juni. (CNB.) Wie verlautet, ist der Antrag auf Verbot der NSDAP, im österreichifchen Ministerrat von Sicherheitsminister Fey gestellt worden. Die einstimmige Annahme wurde nur dadurch erreicht, daß sich Vizekanzler und Innenminister S ch u m y und Sozialminister Kerber der Grimme enthielten, um die bereits erörterte Frage der Äabinettsbemif« f i o n nicht akut werden zu lassen. Der Deutsche Volksrat für Oe st erreich, die überparteiliche Organisation aller nationalen Parteien, Verbände und Gruppen hat einen Aufruf erlassen, in dem er schärfsten Protest weg.cn des Vorgehens der Regierung gegen die NSDAP, und den Deutsch- Oesterreichischen Heimatschutz erhebt. In dem Aufruf heißt es: Die Regierung hat einzelne, entschieden verwerfliche Untaten vor der gerichtlichen F e ft ft e 11 u n g zum Anlaß genommen, um alle Parteiheime der NSDAP, zu sperren, zahlreiche Verhaftungen oorzunehmen und Bundesangestellte wegen ihrer Zugehörigkeit zur NSDAP, zu verfolgen. Der Deutsche Volksrat muß die sofortige Freilassung aller aus politischen Gründen ver- hafteten Führer der NSDAP, und des Deutsch- Oesterreichischen Heimatschußes, die Freigabe der Parteiheime und die Zurücknahme des Zugehörigkeitsverbotes verlangen. Am Schluß des Aufrufes werden alle Angehörige der nationalen Front aufgefordert, die Erreichung ihrer Ziele auf streng gesetzlichem Wege anzustreben. In der Oonaustadt Krems. Wien, 20 Juni. (WTB.) Das kleine Donaustädtchen Krems steht zur Zeit durch die Ereignisse der letzten Tage im Mittelpunkt des politischen Tagesgesprächs. Krems, eine Kleinstadt von etwa 14 0X> Einwohnern, ist das Tor zur Wachau, ein altes, wunderschönes Städtchen, zum Teil mit Befestigungsanlagen aus dem Mittel- alter, direkt an der Donau gelegen, eine wohlhabende Stadt, umrahmt von wundervollen Weinbergen, gegenüber dem kleineren, aber ebenso reizvollen Spitz. Krems hat von jeher eine nationale Gemeindevertretung gehabt. Es war die erste Stadt, die einen nationalsozialistischen Bürgermeister hatte, der jedoch als Bundes- Rach Verlassen der Internationalen Arbeitskonferenz. Berlin, 20. Juni. (WTB.) Auf die Erklärung, die die deutsche Delegation am 19. Juni 1933 dem Präsidenten der 17. Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz überreicht hat, hat das Bureau der Konferenz am gleichen Tage eine Mitteilung verbreitet, die zur deutschen Erklärung Stellung nimmt. Darin heißt es: Der Präsident hat von der deutschen Delegation eine Erklärung erhalten, in der sie ankündigt, daß sie die Konferenz verläßt und die Gründe angibt, die sie veranlaßt haben, so zu handeln. Das Bureau der Konferenz hat, durch den Präsidenten zusammenberufen, folgendes festgestellt: 1. Bis zu diesem Tage ist niemals irgendeine Beschwerde von der deutschen Delegation an den Vorsitz der Konferenz gelangt hinsichtlich der »überaus schweren Beleidigungen", die in einer Sitzung der Arbeitergruppe bei Beginn der Konferenz gefallen sein sollen. Dazu kommt, daß die Leitung der Konferenz keineDeziehung mit den Gruppen hat, die in nichtoffiziellen Sitzungen zusammentreten. 2. Am 15. Juni ist von der deutschen Delegation eine Beschwerde betreffend die Mitteilungen »nichtoffizieller"' Einberufungen der Arbeitergruppe, die in dem nichtamtlichen Teil des täglichen Mitteilungsblattes erscheinen, eingereicht worden. Hm der Beschwerde Rechnung zu tragen, hat das Bureau der Konferenz sofort entschieden, daß diese Mitteilungen in noch Rarerer Weise abgefaßt werden müssen, um ihren »privaten" Charakter ersichtlich zu machen. Diese Entscheidung ist der deutschen Delegation sofort zur Kenntnis gebracht worden. 3. Kein Zwischenfall hat sich ereignet, keine Beleidigung ist jemals gegenüber der deutschen Delegation, noch gegenüber ihren Mitgliedern, während der Sitzungen der Konferenz oder ihrer Ausschüsse gefallen. Die Zwischenfälle, auf welche die deutsche Delegation sich bezieht, haben sich, wenn sie stattgefunden haben, außerhalb der Arbeiten der Konferenz ereignet. Das Bureau ist nicht mit ihnen befaßt gewesen. Das Bureau .der Konferenz hat beschlossen, die Erklärung der »deutschen Delegation zur Kenntnis des Vorschlags-Ausschusses zu bringen, um ihr die Folge zu geben, die sie erfordert. Der Präsident gez.: de Michelis- Die Vizepräsidenten gez.: F. H. P. K r e s m i I l, Arthur Hahday, P- I. H. Cortvan der Linden. Der Generalsekretär gez.: Harold Butler. Die Antwort der deutschen Delegation. Zu dieser vorstehenden Erklärung nimmt d i e deutsche Delegation wie folgt Stellung: Zu 1.: Die Sitzung der Arbeitergruppe, in der die in der erwähnten deutschen Erklärung „äußerst beleidigenden Worte" gefallen sind, war keine offiziöse, sondern eine amtliche Sitzung der Arbeitergruppe, in der sie die ihr durch die Geschäftsordnung der Konferenz vorgesehenen Aufgaben erledigte. Die Gruppen sind, wenn sie zur Durchführung der ihnen zu- stehenden amtlichen Aufgaben zusammentteten, Organe der Konferenz. Sie unterstehen dann dem Präsidium der Konferenz, das von sich aus auch ohne besonderen Antrag der deutschen Delegation verpflichtet gewesen wäre, sich über die amtlichen Sitzungen der Arbeitergruppe zu informieren und Unklarheiten oder gar beleidigende Aeuherungen gegen vollgültige Mitglieder der Arbeitergruppe zu verhindern oder auf das schärfste zu mißbilligen. Zu 2: Es ist richtig, daß die deutsche Delegation eine Beschwerde in dem genannten Sinne vorgc- bracht hat. Es entspricht ferner den Tatsachen, daß das Bureau der Konferenz der deutschen Abord- nung daraus eine Mitteilung hat zukommen lassen, in der es heißt, daß die Ankündigungen von nichtoffiziellen Zusammenkünften der Arbeitergruppe in Zukunft so vorgenommen werden sollen, daß schon aus der Ankündigung allein der private Charakter zu ersehen ist. Diese Regelung kann indessen nicht befriedigen. Das Bureau der Konferenz hat der deutschen Delegation gegenüber fest- gestellt, daß durch die Erledigung der den Gruppen durch die Geschäftsordnung der Konferenz zugeteilten Ausgaben die amtlichen Punkte der Gruppen erledigt sind. Damit hat die Gruppe als solche z u exi st irren aufgehört. Es geht also nicht an, in den amtlichen Drucksachen der Konferenz private Ankündigungen zu veröffentlichen, wenn dadurch auch nur der leiseste Verdacht oder die Möglichkeit einer Unterscheidung zwischen den Arbeitnehmervertretern oder einer po- litischen Gegnerschaft gegen vollgültige in der Kon- screnz anwesende Arbeitnehmervertreter zum Ausdruck kommen konnte. Zu 3. Ob die Zwischenfälle, die sich ereignet haben, oder die Beleidigung der deutschen Delegation oder ihrer Mitglieder in der Konferenz selb st oder in der Kommission vorgekommen sind, oder dich außerhalb der Arbeiten der Konferenz e r c i g - n e t haben, ist für die Beurteilung der Sachlage gleichgültig. Die Internationale Arbeitskonferenz bildet eine Einheit mit allen auf ihr vertretenen Delegationen. Angriffe und Beleidigungen, die sich auf diese Delegationen beziehen, müssen, sofern sie ungerecht sind, — und sie sind nach den umfassenden Dementis des Herrn Dr. Leh und der deutschen Regierung restlos unberechtigt — von der Gesamtheit der Konferenz, d. h. in diesem Falle, von der amtlichen Leitung der Konferenz mit Bestimmtheit zurückgewiesen werden. Dies ist nicht geschehen. Die offenbar nur für die breiten Massen berechnete Mitteilung des Büros der Konferenz muh auf jeden Kenner der einschlägigen Verhältnisse geradezu überraschend wirken. Sie ist lediglich formell-juristisch aufgezogen und geht in keiner Weise auf den Kem der Dinge ein. gez. Dr. E n g e l, Dr M a n s f e l d. Dr. Ley. S t ö h r. Auslösung des Stahlhelms in -er ganzen Rheinprovinz. Düsseldorf, 21. Juni. (OB.-Junffprudj.) Der westdeutsche Beobachter meldet: Zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der Rheinprovinz wurde im Einvernehmen mit dem Oberpräsidenlen heute früh um 5 Uhr auch in den Regierungsbezirken Aachen, Koblenz, Köln und Trier der Stahlhelm feilens der zuständigen Regierungsprafiden- len unter seiner jetzigen Führung auf- g e l ö st. Die Geschäftsstellen und Heime des Stahlhelms wurden vorläufig geschlossen, die Vermögenswerte sichergestellt. Diese nunmehr einheitlich in der ganzen Provinz getroffenen Maßnahmen bezwecken, den Stahlhelm von allen in letzter Zeit eingedrungenen marxi - st i s ch e n und sonstigen staatsfeind- lichen Elementen zu säubern und die wertvollen alten Kräfte des Bundes nach ihrer Befreiung von schlechter politischer Führung der eigentlichen Aufgabe des Stahlhelm als eines unpolitifchen Wehrverbandes zu erhalten. Zu diesem Zwecke sollen insbesondere alle nach dem 1. Marz d. I. neu gegründeten Ortsgruppen und Untergliederungen innerhalb der Rheinprooin; dauernd ausge- l ö st und die übrigen Gruppen hinsichtlich ihrer Führung und ihres Mitgliederbestandes einer sorgfältigen Säuberung unterzogen werden. Zur Durchführung der erforderlichen Mahnahmen werden die Regierungspräsidenten in ihren Bezirken besondere Beauftragte bestimmen. Sieben Stahlhelmgruppen in Ostpreußen wieder zugelaffen. Treuburg, 20. Juni. (WTD.) Zwischen dem stellvertretenden Landrat und dem Stahlhelm- Landesführer Major a. D. Schöpfer ist es gestern zu einer Einigung gekommen, wonach die Verfügung über die Auflösung von sieben Stahlhelm- Ortsgruppen im Kreise Treubung unter gewissen Voraussetzungen wieder aufgehoben wird. Bis zum 1. Oktober dürfen im Kreise Treuburg keine Anwärter für den Stahlhelmverpflichtet werden. Weiter haben die feit dem 30. Januar neu eingetretenen Stahlhelm- Anwärter eine vorgefchriebene Wartezeit von etwa drei Monaten durchzumachen, während der ^eine Uniformen getragen werden dürfen. 3um Geburtstag HugenbergS. Berlin, 20. Juni. (Täl.i Zu feinem Geburtstage erchielt Reichsminister Dr. Hugenberg neben zahlreichen anderen Glückwünsche des Reichspräsidenten von Hindenburg, des Reichskanzlers Adolf Hitler und einer Anzahl Minister: ferner des Kronprinzen Wilhelm und des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Tleberaus zahlreich waren auch die Glückwünsche, die Dr. Hugenberg aus den Kreisen der Wirtschaft und der Landwirtschaft, u. a. auch von Darrs, dem Führer der Reichs- bauernsront, und von Krupp v. Dohlen und Herls namens des ReichsverbanLes der Industrie erhielt. In Frankfurt a. d. Oder kam es anläßlich einer Geburtstagsfeier der Deutschnationalen Front für den Reichsminister Dr. Hugenberg zu schweren Zusammenstößen mit SA. und SS., Die zahlreiche Verhaftungen zur Folge hatten. Im Hinblick auf diese Vorgänge hat Oberbürgermeister Dr. Kinne als Chef der Polizeibehörde den Kampfring Iunger Deutschnationaler, Kreis Frankfurt a. d. O.. aufgelöst und das gesamte Verinögen beschlagnahmt. Die Deutschnationale Front hat sich beschwerdeführend an den preußischen Innenminister gewandt. DerneueDanzigerSenalgewM Die Eröffnungssitzung des VolkstageZ. Danzig, 20. Juni. (WTB.) Der neue Danziger Volkstag wurde von dem Alterspräsidenten Dr. Z i e h m eröffnet. In der Diplomatenloge sah man u. a. den deutschen Generalkonsul Frhrn. von Thermann sowie den Völkerbundskommissar Rosti na. Der Volkstag wählte zunächst mit 52 von 72 Stimmen den nationalsozialistischen Abgeordneter v. Wnuck zum Präsidenten, ferner zu Vizepräsidenten die Abg. P o t r y k u s (Z.) und B a tz e r (NSDAP.). Sofort nach der Wahl des Präsidenten wurde die von der NSDAP, vorgeschlagene vorläufige neue Geschäftsordnung, die nach dem Muster der Bestimmungen im Reich verschärft ist, angenommen. Dann schritt das Haus zur Wahl der neuen Danziger Regierung. Zum Senatspräsidenten und damit zum Danziger Staatsoberhaupt wurde der nationalsozialistische Landbundführer Dr. R a u s ch n i n g gewählt. Die Wahl wurde von den nationalsozialistischen Abgeordneten mit stürmischen Heilrufen begrüßt. Es folgte die Wahl der übrigen Senatoren, entsprechend den bereits bekannten Vorschlägen. Der Abgeordnete Dr. Weise (Dn.) erklärte, daß die Deutschnationalen bewußt von der Regierungsbildung ausgeschaltet worden seien. Die Deutschnationaten enthielten sich daher bei der Wahl des neuen Senats der Stimme. Sie würden sich jedoch gegenüber der neuen Regierung nicht von vornherein ablehnend einstellen, sondern die Arbeit der Regierung wohlwollend prüfen. Rach Beendigung der Wahl erfolgte durch den Dolkstagspräsidenten v. Wnuck die Vereidigung der neuen Senatoren. Dann vertagte sich der Volkstag auf Freitag. Auf der Tagesordnung steht die Regierungserklärung des Senatspräsidenten Dr. Rauschning sowie das von der RSDAP. eingebrachte Ermächtigungsgesetz. Die Eröffnungssitzung wurde mit einem auch auf den Tribünen begeistert aufgenommenen Sieg-Heil auf den Führer Reichskanzler Hitler und dem Gesang des Deutschlandliedes geschlossen. Als das Deutschlandlied angestimmt wurde, verliehen die Sozialdemokraten an der Seite der Kommunisten und Polen den Saal. Der neue Danziger Genats- präsident. Dr. Rauschning. der vom Danziger Dolks- tag zum Präsidenten des Danziger Senats gewählt worden ist, wurde 1878 in Thorn als Sohn eines aktiven Offiziers und späteren Gutsbesitzers geboren. Er absolvierte die Kadettenanstalt in Potsdam mrd Lichterfelde, studierte dann Germanistik in München und Berlin und promovierte 1911 in Berlin. Rach dem Studium war er als praktischer Landwirt tätig und meldete sich bei Kriegsausbruch als Freiwilliger. Dr. Rauschning wurde vor dem Feinde ausgezeichnet, erlitt an der Front schwere Verletzungen und wurde zum Offizier befördert. Rach Abschluß des Krieges widmete er sich der Erhaltung des Deutschtums in den abgetrennten Gebieten und arbeitete vpr allem führend in der Deutsch tu ms - Organisation in Polen. 1926 siedelte er in den Freistaat Danzig über und wurde auf Gut Warnau, Groß-Werdrr, seßhaft. ReichsministerGoebbels besucht Frankfurt Besichtigung des Südwestdeutschen Rundfunks. Frankfurt a. 2U., 20. Juni. (IDSJL) Reichs- minisler Dr. Goebbels trifft am Mittwoch. 21. 3 uni, zwischen 11.30 und 12 Uhr auf dem Frankfurter Flugplatz ein und begibt sich anschließend in das Rathaus. Von 14 bis 15 Uhr findet eine Besichtigung des Südwesi- deutschen Rundfunks statt. Anschließend versammelt Dr. Goebbels die Pressevertreter von Hessen-Nassau im Römer. Alsdann findet eine Besprechung mit den Gauleitern und kreis- lei fern der Provinz Hessen-Nassau und Hessen statt. Gegen 18 Uhr wird Dr. Goebbels voraussichtlich Frankfurt a. 2TL wieder verlassen. Die Persönlichkeit des Reichspropagandaministers. Ein Vortrag im Berliner Zeitungsinstitut. Berlin, 20. Juni. (CNB.) Im Deutschen Institut für Zeitungskunde sprach Dienstagabend der Referent im Propaganda-Ministerium Wilfried Bade über das Thema „ D r. Goebbels". Es gilt nicht, so führte der Redner aus, eine mächtig gewordene Persönlichkeit zu verherrlichen, etwa in der Weise, wie dies unter der früheren Regierung üblich gewesen ist. Wenn wir über unseren Dr. Goebbels sprechen, dann deshalb, weil er unser Führer und Gefährte in einem tausendfachen Kampf der vergangenen Jahre war und weil er heute noch genau so zu uns gehört wie damals, als er noch im schwarzen Lüsterjackett jeden Abend unter uns stand. Sein Werk ist die Eroberung Berlins. Reben Der Eigenschaft des politischen Kämpfers, so führte der Redner weiter aus, trat bald auch der begabte und klar blickende Organisator erfolgreich in Erscheinung. Dr. Goebbels schuf ein bestimmtes Zeremoniell für seine Versammlungen, das Schule machte und zu einem typischen Kennzeichen aller nationalsozialistischen Versammlungen überhaupt wurde. Es schaffte den Boden und Rahmen für den Kern der Versammlungsabende und führte mit Musik und Fahneneinmarsch eine gehobene Stimmung schon herbei, bevor der Redner überhaupt das Wort ergriff. Aber alle diese Formen allein wären ein Richts gewesen, wenn in den Reden selbst nicht eine überzeugende Gedankenführung und ein unbeugsamer, stahlharter Wille zum Ausdruck gekommen wäre. Eng verwoben war das persönliche Geschick von Dr. Goebbels mit dem Wachsen und Werden der Berliner Parteizentrale. Immer stand Dr. Goebbels als unermüdlicher Vorkämpfer an der Spitze seiner von Iahr zu Iahr infolge seiner Werbearbeit stärker werdenden Anhängerschaft. Als am 30. Ianuar die jetzige Regierung zur Macht gelangte, konnte der neue Reichskanzler mit Recht Dr. Goebbels als den stärksten und erfolgreich st en Verfechter der nationalsozialistischen Bewegung bezeichnen. So wurde er mit der Leitung des neugeschaffenen Propagandaministeriums betraut und wirkt seitdem mit der gleichen Energie und Tatkraft für das ganze Deutsche Reich wie bis dahin für sein engeres Arbeitsgebiet Berlin. Riemals aber ruht er von vergangenen Leistungen und Erfolgen. Tagtäglich wachsen die Aufgaben und Ziele der propagandistischen Arbeit im In- und Auslande. Wir können das Vertrauen haben, daß die Volks- aufklärung und Werbung für das weltanschauliche Gedankengut des Dritten Reiches in keinen besseren Händen liegen kann als bei dem durch eine solche Schule der Rot und des Kampfes, der Erfahrung und des endlichen Sieges hindurchgegangenen Dr. Goebbels. 1932 wurde er zum VorsitzendendesDan- ziger Landbundes gewählt. Dr. Rauschning ist audt mehrfach als Schriftsteller hervorgetreten. Ihn interessierten vor allem Probleme des Deutschtums im Ostern Eine Erklärung her Glaubensbewegung „Deutsche Christen" Berlin, 20. Juni. (CNB.) Die Glaubensbewegung Deutsche Christen äußert sich in einer Erklärung über ihre ablehnende Stellung gegen Pfarrer Bodelschwingh als Reichsbischof. Die Ablehnung sei gegeben, so heißt es u. a. in der Erklärung, weil die alten Kirchenregierungen an die heute geltende Verfassung des Kirchenbundes g e b u n d en sind, und somit kein Recht haben, diese willkürlich ohne Zustimmung des Kirchenvolkes abzuändern, weil eine evangelische Kirchenleitung nicht ohne oder gegen den heutigen Staat bestimmt werden kann, weil hinter v. Bodelschwinghs Aufstellung nur Die kümmerlichen Reste des alten Bürgertums und des C h r i st l i ch e n Volks- di en st es und ein kleiner Klüngel sogenannter jungreformatorischer Pasto- r e n stehen, weil D. v. Bodelschwingh, dessen persönliche Lauterkeit wir nicht anzweifeln, in seiner Anstalt Bethel über den Christlichen Volksdienst die Hand gehalten hat und die nationale Freiheitsbewegung unter seiner Duldung un.terbrürft wurde, weil wir nicht wollen, daß eine Reihe von G e - schäftsführern der Inneren Mission, die durch Devaheim- und andere Skandale in den letzten Tagen belastet ist, die Leitung der Kirche übernimmt. Aus diesen und noch vielen anderen Gründen lehnen wir die Aufstellung D. von Bodelschwinghs a l s Reichsbischof ab und fordern die Ernennung unseres Schirmherrn Wehrkreispfarrer Müller zum ersten Reichsbischof der Deutschen Evangelischen Kirche. Kleine politische Nachrichten. Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der London Dienstag früh mit dem Flugzeug verlassen hatte, ist um die Mittagszeit in* Berlin gelandet. Der Führer der Deutschen Arbeitsfront Staats- ratspräsidenk Dr. Ley, der die deutschen Arbeitnehmer auf der Internationalen Arbeitskonferenz vertrat, hat Dienstagabend Genf wieder verlassen, nachdem die deutsche Delegation sich von der Konferenz zurückgezogen hat. e Der Polizeipräsident in Recklinghausen hat der Deutschnationalen Betriebszelle no r g a n t fa 11 o n, Kreisverband Gelsenkirchen, im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung jede weitere Werbungs- und Or'ganifationstätigfeit untersagt. * Der Oberstaatsanwalt Stettin hat das gegen Staatssekretär v. Rohr eingeleitete Verfahren eingestellt, da sich keinerlei Anhaltspunkte für st rasbare Handlungen des Staatssekretärs v. Rohr bei der Llrnschul- düng seines Gutes ergeben haben. Staatssekretär v. Rohr hat gegen die Tlrheber der unwahren Behauptungen sowie gegen eine Reihe von Zeitungen, in denen sie verbreitet waren, Strafantrag gestellt. • Die deutsche Kommunistin Klara Zetkin ist im Alter von 76 Jahren im Erholungsheim Archan- gelskoje, in der Nähe von Moskau, gestorben. Sie lebte mit kurzer Unterbrechung seit 1932 in diesem Heim. Gericht Über Elefanten. Von Victor Klages. Die Kultivierung der weiten und fruchtbaren Gebiete Ostafrikas, die unter englischer Herrschaft stehen, ist noch immer ein Problem und ist es heute mehr denn je. Es hat sich nämlich erwiesen, daß die Tendenz, den Bestand an Großwild zu schonen, mit den Interessen der Pflanzer außerordentlich kollidiert. In dem alten englischen Protektorat Uganda sowie in den Mandatsgebieten von Kenya und Tanganyika (unser m alten D e u t s ch - O st a f r i k a) sind besondere Wildschutzdezernate eingerichtet worden, die ihre Aufgaben sehr ernst nehmen. Sie haben ihren Sitz in Entebbe, Nairobi und Daressalam; den europäischen Leitern dieser Dezernate sind eingeborene Truppen beigeordnet, die scharf den Wildbestand überwachen und jeden illegalen Abschuß verfolgen. Selbst die Negerstämme, die von alters her gewohnt waren, unbehindert zu jagen, müssen sich nun den Gesetzen fügen und werden streng bestraft, wenn sie die Vorschriften übertreten. Außerdem ist den Passagieren der Dampfer auf den großen Seen und Strömen verboten worden, ihre Schießkunst an den Flußpferden zu erproben. Das Abknallen des Wildes vom Zuge aus ist ebenfalls untersagt, und auch die reichen Engländer, die sich früher einen Spaß daraus machten, im gepanzerten Automobil Löwen zu hetzen, müssen in Zukunft auf diesen „Sport" verzichten. Die Maßnahmen der Schutzdezernate haben jedoch ein starkes Anwachsen des Großwildbestandes mit sich gebracht, und die Behörden greifen daher in längster Zeit zu neuen Mitteln, um der Bedrohung der Pflanzerinteressen vorzubeugen. Eine ganze Reihe von Tiergattungen bereitet ihnen schwerste Sorgen. Da ist zunächst der wilde Büffel, der zu wandern beginnt, sobald ihn die Rinderpest befällt. Es besteht dann nicht nur die Gefahr der Ansteckung, sondern die Büffel richten auf ihren Wanderungen auch Verwüstungen an, besonders in den Schonungen der Forstverwaltung. Die Zahl der Löwen und Leoparden wächst ebenfalls beängstigend; dazu kommt, daß sie, infolge der Schutzbestimmungen, fast jede Scheu verloren haben. Sie wagen sich weit vor, und letzthin wurden sogar in den Vororten der Stadt Nairobi Rinder von großen Katzen geschlagen. Diel Unheil ist ferner auf das Konto der strolchenden Flußpferde und der Zebras zu buchen Die Flußpferde trampeln alles nieder; die Zebras sättigen sich mit Vorliebe an den Schößlingen der Baumwollkulturen. Selbst die harmlose Giraffe kann dort, wo sie in größeren Herden auftritt, erheblichen Schaden verursachen. Der gefürchtetste Feind der Ansiedler aber ist der Elefant. Die Zahl der wilden Elefanten hat ungewöhnlich zugenommen, und dies darf nicht nur als eine Folge der Tätigkeit der Wildschutzdezernate gewertet werden. Gewiß: dadurch, daß der Preis für den Abschuß eines Elefanten auf hundert Pfund Sterling erhöht worden ist, macht sich allgemein Jagdunlust bemerkbar. Man muß aber noch andere Gründe für das Anwachsen der Herden in Rechnung stellen. Die Ausbreitung von Radio und Grammophon beeinträchtigt die Klavierindustrie; mithin sinkt die Nachfrage nach Elfenbein zur Herstellung der weißen Klaviertasten. Im übrigen ist Elfenbein teuer. Hundert Pfund kosten immer noch etwa 3000 Mark. Die Welt aber ist arm geworden, und man hat sich nach einem Ersatz umgesehen. Den liefert bie kolumbianische Tagua-Palme. Dieses vegetabilische Erzeugnis Südamerikas wird heute zur Fabrikation von Bürstenbrücken, Billardkugeln, sowie Messer- und Schirmgriffen vielfach benutzt. Dem Elefanten bekommt das sehr gut. Er vermehrt sich zusehends. 1 ’ Allein in Uganda gibt es zur Zeit 20 000 wilde Elefanten. Die Verheerungen, die ihre Spuren zeich- Pe»f wenn sie in Pflanzungen einbrechen, sind fürchterlich. Für gewöhnlich halten sie sich in Schutzbe- 3irfen auf; zuweilen aber kommt die Unruhe über fie, und dann kann ihnen keine Macht der Welt Einhalt gebieten. Ganze Kaffee-, Kakao- und Mais- felder werden abgefressen, Scheunen brechen unter tbrem Ansturm zusammen, Wasserläufe werden breitgetreten und eingeebnet, Pferde und Rinder fluchten vor den Giganten der Wildnis und zer- streuen sich in alle Winde. Die Schutzdezernate haben D?rJu$t' solche ausbrechenden Elefantenherden zu „bändigen , das heißt: sie in ihre Reservate zurück- zutr eiben. Der Erfolg ist nicht sehr ermutigend gewesen. Daher hat jetzt das Dezernat Entebbe (Uganda) angeordnet, daß 600 Elefanten, die, in Gruppen ausgeteilt, schon mehrfach unermeßlichen Schaden angestiftet haben, abgeschossen werden sollen. Ob dieses Todesurteil die gewünschte Sicherung der Ansiedler in vollem Umfang gewährleistet, bleibt aller- bings abzuwarten. Und fortfahren kann man wohl nicht gut mit einem Abschuß solchen Ausmaßes. Ober das Wildschutzdezemat müßte zu einem Wild- vermchtungsdezernat werden. Oer (Sinn des Hakenkreuzes. lieber den Ursprung und die Geschichte des Hakenkreuzes, über bie in letzter Zeit verschobene Werke veröffentlicht worden sind, besteht bei der Weltverbreitung dieses Sinnbildes keine völlige Ueberein- ftimmung. Es ist daher interessant, die Auffassung Prof. Herman Wirths, des Erforschers der altnordischen Urzeit darüber zu erfahren, die er im neuesten Heft der Zeitschrift „Germanien" niedergelegt hat. Wirth leitet die Entstehung des Zeichens „aus der Schau und dem Erlebnis unserer fernen Nordlandahnen von der Offenbarung des Weltgeistes in Zeit und Raum" ab. „Der Gesichtskreis des Sonnenjahres," so fährt er fort, „ rechtwinklig S—N, O—W, geteilt, war der begriffsbildliche Ursprung des Symboles als lineares Zeichen. An den Enden dieses Rechtkreuzes im Kreise, dieses Rad- Kreuzes, war die Sonne als kleiner Kreis oder Kugel angedeutet. Im Laufe der Zeit fiel der Umkreis fori; in der Kursioschreibung wurden bie Sonnenkugeln an den Kreuzesenden zu offenen Schleifen ober Haken und bie vier Kreuzbalken geschwungen geschrieben, so baß eine Figur wie zwei rechtwinklig übereinander gelegte A-Spiralen entstand. Durch das Schreiben auf Holz, den nordischen Schreibstoff, das Ritzen, wurden die runden Haken- enben eckig, recht- oder schrägeckig. Das Zeichen war also ursprünglich ein Sinnbild der Drehung, des Umlaufes des Sonnenjahres durch die vier Hauptpunkte, die Weltgegenden, S—N, als Winter- unb ' Sommerfonnen-Wendestellen, und O—W die Mittzeitenstätten — unsere Frühlings- und Herbst- gleichen — der arktisch-nordischen Jahresteilung: das ist das aufrecht stehende Hakenkreuz als Rechtkreuz. Oder — es war gedacht als Verbindung der Punkte SW—SO und NO—NW als Sonnenauf- und -untergangspunkte zur Wintersonnenwende unb Sommersonnenwende, bie Jahreseinteilung des süd- lich-norbischen Jahres unserer Nordseebreite: das ist das Hakenkreuz in Malkreuzform, das schrägliegende. Man stellte es rechts- und linkswendend dar, je nachdem man in Erweiterung die auf- oder abstei- genbe Hälfte des Jahres, des Sonnenlaufes, zum Ausdruck bringen wollte. So erscheint es auch in den alten Bauern-Holzkalendern der germanischen Län» der, welche ihre uralten sinnbildlichen Zeichen des Jahres Gottes weiter wahrten: „Runenstäbe" in Skandinavien genannt. In den beiden Teilungen des Jahres, im Jul als Neujahr und im Mittsommer als ist uns das Zeichen im Sinne der Auf- und Abwartsdrehung überliefert. Es ist die große Heilsgewißheit von der göttlichen Weltordnung, der Kunst und Wissenschaft. Deutsche Rektorenkonferenz in Halle. Die deutsche Rektorenkonferenz in Halle stellte mit überwiegender Mehrheit fest, dah der Verband der Deutschen Hochschulen erhalten bleiben müsse und in engster Fühlung mit der Rektorenkonferenz weiter arbeiten solle. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde die Llniversität Halle wieder als Vorort der Rektorenkonferenzen bestimmt. Der derzeitige Rektor der Llniversität Halle, der ordentliche Professor der Anatomie, Dr. mcd., Dr. phil. Hermann Stiebe wurde zum Vorsitzenden gewählt. Verleihung der Goethe-Medaille an Walter Bloenu Der Reichspräsident hat dem Schriftsteller Walter Bloem anläßlich seines 65. Geburtstages die Goethe-Medaille verliehen und mit einem herzlichen Glückwunschschreiben zugehen lassen. — Von Bloems Büchern wurden am bekanntesten die Romane „Der krasse Fuchs", „Das eiserne Jahr", „Volk wider Volk", „Brüderlichkeit", „Teutonen" und „Sohn seines Landes". Aus aller Wett. Autounfall des Filmstars Lil Dagover. Ein aufregender Zwischenfall spielte sich an der Bahnstrecke Bad Reichenhall—Berchtesgaden an der unübersichtlichen Unterführung vor der Station Gmundbrück ab. Die bekannte Filmschauspielerin L i l D a g o o e r , die am Hintersee bei Hochgebirgsausnahmen weilt, fuhr mit ihrem Chauffeur im Auto von Berchtesgaden nach Ramsau, als ihr ein großer Kraftpostwagen entgegenkam. Der Chauffeur lenkte bas Auto, um einem Zusammenstoß zu entgehen, in den rechtsseitigen Straßengraben, wo es noch eine Strecke weiterrollte, bis es an einen Leitungsmast prallte unb hier zum Stillstand kam. Im gleichen Augenblick tarn ein Zug angefahren unb rollte auf eine Handbreite Entfernung an dem beschädigten Auto vorüber. Dieses wurde dann durch das Postauto wieder aus dem Graben gezogen. Die Künstlerin und der Chauffeur blieben wie durch ein Wunder unverletzt. Blitzschlag ins Transformatorenhaus. Während eines furchtbaren Gewitters schlug der Blitz in einen Transformator des Elektrizitätswerkes von Akers bei Oslo (Norwegen) unb zündete. Rund 150 Tonnen Del gerieten in Brand. Eine Reihe von Vororten von Oslo sind st r o m l o s. Die norwegische Großru.ndfunkstation in Akers wurde ebenfalls außer Betrieb gefetzt. Das Transformatorenwerk selbst ist völlig o e r n i ch- tet worden. Während des Brandes hörte man fortwährend gewaltige Explosionen. Der Schaden dürfte ungefähr Wn Millionen Kronen betragen. Sechs Kinder beim Spielen verschüttet. Sechs Kinder, die an den Abraumhalden der Grube Berrenrath bei Köln spielten, wurden verschüttet. Zwei davon konnten nur als Leichen geborgen werden, die vier anderen Kinder sind anscheinend unverletzt. Schwere Bluttat in Ostpreußen. — Ein Toter, zwei Schwerverletzte. Im Schloß des Begründers des sogenannten Bundes der Guoten, P a e h l k e, in Sillginnen bei Gerdauen (Ostpr.) tarn es in einer der letzten Rächte bei einem Bierabend der Guoten zu einer Schießerei, die außer zwei lebensgefährlich Verletzten bisher ein Todesopfer forderte. Zwischen Teilnehmern dieses Abends und dem (O.ährigen Schwiegervater des Schloßbesitzers, dem Siedler L o b e r t, entwickelte sich aus geringfügigem, bisher nicht näher geklärtem Anlaß eine heftige Auseinandersetzung, in deren Verlauf Lobert das Zimmer verließ. Bald darauf erschien er jedoch mit einer Pistole bewaffnet wieder und feuerte in höchster Erregung blindlings auf die Anwesenden. Ein Lehrer S a l e w s k i brach, von mehreren Kugeln getroffen, tot zusammen. Ein Kaufmann aus Berlin erhielt vier Bauchschüsse, der Schloßherr erhielt einen Schuß durch den Leib und die rechte Hand. Der Täter flüchtete und konnte bisher noch nicht gefaßt werden. Ewigkeit des Seins, der Erneuerung des Lebens, das vom Lichte Gottes ist." Als Sinnbild' der Erneuerung des Lebens unb ber Wiedergeburt erscheint bas Zeichen auch an Gräbern. An den Kreuzen ber urgermanisch-christlichen Verschmelzungszeit sehen wir dreischenklige, vierschenklige, aber auch sechs-, acht- ober zwölfschenklige Hakenkreuze als volles Sinnbild der Jahresdrehung durch die Hauptpunkte der Jahresteilung. Menschen „ohne Gesicht". Seit langem hat sich der Mensch angewöhnt, aus dem Gesicht des lieben Rächsten Rückschlüsse auf seinen Charakter zu ziehen, aber man ist dabei großen Irrtümern ausgesetzt, denn der Laie ist nicht in der Lage, aus dem Gesichtsausdruck auf das Skelett zu schließen, das in unserer Zeil gar oft erheblichen Mißbildungen unterworfen ist. Wie Dr. Oehrlein in der Franksurter Wochenschrift „Die Umschau" hervorhebt, haben die Tlntersuchungen an Schul- und Kleinkindern gezeigt, daß wir mit einer immer weiter fortschreitenden Unterenttoicflung des Kau-Apparates zu rechnen haben. Dadurch tritt der untere Teil des Gesichtes gegen den oberen zurück; Rase und Stirn werden zu stark betont, und es sieht aus. als ob solche Menschen „überhaupt kein Gesicht hätten". Diese Mißbildungen offenbaren sich am auffallendsten an einem dauernd offenstehenden Mund, der durch Wachstumsstörungen des Hinteren Teiles der Kieferfortsähe hervorgerufen wird. Eine ebenfalls sehr auffällige Entwicklungsstörung ist der stark vorspringende Oberkiefer, der mit zurückgezogenem Unterkiefer und fliehendem Kinn verbunden ist. Auch Ober- und Unterkiefer können zurückverlagert sein. Durch solche Entstellungen erscheint der Mensch beinahe „gesichtslos", man kann aber aus diesen Verbildungen nicht auf irgend welche besonderen Eigenschaften des Charakters chließen. Dr. Oehrlein empfiehlt zur Vermeidung olcher Entstellungen systematische Äauübungen, bie chon in frühester Kinbheit, mindestens aber im batten unb vierten Lebensjahre, begonnen werden müssen. Dadurch wird Entwicklung unb Wachstum ber Kiefer geförbert und ein harmonisch ausgebildetes Gesicht erzielt. Notwendig ist jedoch auch schon eine zweckentsprechende Ernährung des Säuglings. Flaschenkinder zeigen in ihrem Gesichtsaufbau nicht bas Gleichmaß der Brustkinder. Auch müsse bas Kleinkind möglichst früh seinen Kauapparat kräftig gebrauchen lernen. Aus der Provinzialhauptstadt. Am LS.Zuni Flaggen auf Halbmast. Ministerpräsident Dr. Werner teilt mit: 3um Zeichen der Ablehnung des vor 14 Jahren beschlossenen Diktats von Versailles und zum Ausdruck der Trauer, daß das deutsche Volk noch immer unter dem harten Druck dieses Diktates steht, setzen am Mittwoch, 28. Juni, alle st a a t l i ch e n und gemeindlichen Behörden die schwarz- weißrote Fahne und die Hakenkreuzflagge a u f chalbmast. Verkürzte Sommer» und Herbstfenen in Hessen. Dach einer Verfügung des Kultusministeriums werden die Sommer- und Herbstserien für die hessischen Volks-, Höheren und Berufsschulen wie folgt festgesetzt: Die Sommerserien beginnen am Freitag, 14. Juli, nach der letzten Unterrichts- stunde, und dauern biS einschließlich Mittwoch, S. August Die Herbstserixn beginnen am Mittwoch, 27. September, nach der letzten Unterrichtsstunde, und dauern bis einschließlich Sonntag, 8. Oktober. Taten für Mittwoch, 21.Juni. 1919: Versenkung der in der Bucht von Scapa Flow internierten deutschen Kriegsschiffe durch ihre Besatzungen. Bornotizen. — Tageskalender fürMittwoch: Ober- hessischer Üunstoerein, Turmhaus am Brandplatz: 15 bis 17 Uhr Ausstellung. — Neues Schloß, Land- graf-Philipp-Platz: 11 bis 13 und 15 bis 18 Uhr Werbeausstellung hessischer und rheinischer Kunsttöpfereien. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Was Frauen träumen." • •• Evangelische Pfarrpersonalie. Durch die Kirchenregierung wurde der Pfarrer Otto Schreiber zu Grebenau auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. November in den Ruhestand versetzt. " Schulpersonalie. Der Lehrer an der Volksschule zu Ober-Mockstadt im Kreise Büdingen, Konrad Jung, wurde auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Juli in l^n Ruhestand versetzt. Amtsgericht Gießen. Ein auswärtiger Händler, der in einem, Nachbarorte Stoffe verkaufte, legte nach Abschluß des Ge- chästs dem Käufer neben dem Lieferschein still- chweigend noch ein anderes Schriftstück zur Unter« chrift vor, das dieser auch K. S). unterzeichnete in Jem Glauben, es handele sich auch in diesem Falle nur um eine im Geschäftsleben übliche Formalität. Durch die Abgabe seiner Unterschrift hatte er sich aber zur Zahlung der Kaufsumme im Betrage von 55 Mark wechselmäßig verpflichtet, denn das Schriftstück enthielt nicht etwa eine Derkaufsbestäti- gng oder bgl., sondern es handelte sich um einen -mell rechtsgültigen Wechsel. Der Käufer, der in echselsachen gänzlich unwissend war, ließ sich über die Gefahren, die ein Wechsel in sich birgt, von zuständiger Seite belehren, und löste den Wechsel ein, obwohl er die gekauften Waren dem Angeklagten wieder zurückgesandt hatte. Dieser wurde des Betrugs angeklagt. Er soll im Augenblick der Unterschrift seine Hand auf einen Teil des Schriftstücks gelegt und auf diese Weise dessen Inhalt z. T. den Blicken des Unterzeichners absichtlich entzogen haben. Der Verkäufer bestritt jede betrügerische Ab- sicht: wenn er seine Hand über das Schriftstück gelegt habe, so sei dies zufällig und ganz unabsichtlich geschehen. Sein Schweigen dem Käufer gegenüber entAuldigte er damit, er habe eine derartige ge- schristliche Unkenntnis, wie sie der Käufer oorgab, nicht vermuten können. Ausschlaggebend für das Urteil des Gerichts war die Feststellung, daß der Käufer auf dem Wechsel an einer Stelle unter- schrieb, die sich am Rande fast unmittelbar neben dem in Ouerschrift dort vorgedruckten Worte „Wechsel" befand, und ohne weiteres angenommen werden konnte, daß der Angeklagte gerade diesen Teil des Schriftstücks verdeckt haben würde, wenn es ihm auf einen Betrug angekommen wäre. Das Urteil lautete deshalb auf Freispruch mangels hinreichenden Beweises. Immerhin enthielt es eine Warnung, im Geschäftsleben bet Abgabe einer Namensunterschrift vorsichtig zu sein. Dadurch, daß ein Vater als Arbeitgeber mehrfach ein angeblich zwischen ihm und seinem Sohn als Arbeitnehmer bestehendes Arbeitsverhältnis, das in Wirklichkeit gar nicht bestand, bescheinigte und festerer diese Bescheinigungen zwecks Erlangung der Arbeitslosenunterstützung dem Arbeitsamt vorlegte, ist das Reichsamt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung wiederum zu einem Schaden im Bettage von über 400 Mark gekommen. Das Arbeitsamt hatte schließlich Verdacht geschöpft, der sich bestätigte und zur Anklage gegen Vater und Sohn führte, gegen den letzteren wegen Betrugs, gegen den ersteren, der seinen angeblich bei ihm beschäftigten Sohne auch zur Krankenkasse an gemeldet hatte, wegen Beihilfe zu demselben. Die Sache bedurfte infolge neuen Vorbringens der Verteidigung noch der Klärung, und die Verhandlung wurde zunächst vertagt. Buntes Allerlei. Oer vermißte Lärm. Wenn der geplagte Großstadtmensch von heute den so wohl verdienten Urlaub genießen kann, dann strebt er gewöhnlich vor allem nach der friedlichen Buhe, wie sie ihm ländliche Einsamkeit darbietet. Aber es ist die Frage, ob er sich in dieser so ganz andersartigen Umwelt auch wirklich wohlsühlt und erholt. Verschiedene Pariser wollen während des diesjährigen Pfingst- Urlaubs Erfahrungen gemacht haben, die das Gegenteil beweisen. Diese Großstädter, die in belebten Geschäftsstraßen wohnen und Tag und Dacht von mehr oder weniger Lärm umgeben sind, fanden nicht die Dervenoeruhigung auf dem Lande, die sie erhofft hatten. Die idyllische Ruhe, in die sie sich plötzlich verseht sahen, war ihnen vielmehr eine Quelle der Aufregung. Der Mensch besitzt nun einmal eine große Anpassungsfähigkeit an die Umwelt, in der er sein Leben verbringt. Selbst der Radau kann ihm zu einem Bedürfnis werden, das er schmerzlich entbehrt. Fernand, der friedlich schläft, wenn um ihn her der Strahenlärm rauscht und die Autohupen kreischen, kann nicht einschlasen, wenn alles um ihn in Grabesstille liegt. Es fehlt ihm etwas, und er entdeckt schließlich, daß es die Geräusche sind, denen er zu entfliehen suchte. Solche Großstadt-Menschen liegen in den Ferien wach und lauschen auf den gewohnten Lärm, der sich nicht einstellt. Dagegen können sie durch harmlose Laute, die sie nicht gewohnt sind, erschreckt toerben, So berichtet einer, der jedem Lärm in Steuerermäßigung bei Beschäftigung von Hausgehilfinnen. Zur Förderung der Ueberführung weiblicher Ar- beitskräste in die Hauswirtschaft ist in dem von der Reichsregierung beschlossenen Gesetz zur Verminde- rung der Arbeitslosigkeit bestimmt, daß die bei der Einkommen st euer vorgesehenen Kinder- er Mäßigungen auch für Hausgehilfin- n e n, sofern sie zur Haushaltung des Arbeit- geders zählen, gewährt werden. Die Ermäßigung wird jedoch nicht für mehr als drei bei einem Arbeitgeber gleichzeitig beschäftigte Hausgehilfinnen zugebilligt. Diese Bestimmung tritt am 1. Juli 1933 in Kraft und erstreckt sich nicht nut auf neue Hausgehilfinnen, sondern auch auf die bereits vorhandenen. Für zu veranlagende Steuerpflichtige erfolgt die (Ermäßigung bei der im Jahre 1934 durchzuführenden Veranlagung für das Jahr 1933. Wie bereits in Nr. 140 des „Gießener Anzeigers" berichtet wurde, müssen Haushaltungsvorstände, die Lohn- und Gehaltsempfänger sind und Hausgehil- finnen in ihrem Haushalt ausgenommen haben, baldmöglichst bei der zuständigen Gemeindebehörde die Ergänzung ihrer Steuerkarte durch Nachttagung der Hausgehilfinnen beantragen, da- mit der Arbeitgeber oder die auszahlende Kaffe den Steuerabzug erstmals von den Lohnen und Gehäl- fern, die für den Monat Juli 1933 zu zahlen sind, unter Berücksichtigung der Hausgehilfinnen vor- nehmen kann. Der Nachweis, daß eine Hausgehilfin zum haushalt des Steuerpflichtigen zählt, kann ;. B. durch Vorlage der polizeilichen Anmeldung oder der letzten Quittung über hie Beitragszahlung zur Krankenkasse geführt werden. Der Anspruch auf die Ermäßigung für eine Haus- gehilfin fällt fort, wenn die Hausgehilfin ent- lassen und nicht innerhalb eines Monats eine andere Hausgehilfin eingestellt wird. Wird hiernach die Zahl der beim Steuerabzug zu berücksichtigenden Hausgehilfinnen niedriger als die auf der Steuer- karte vermerkte Zahl, so hat die Behörde, die die Steuerkarte ausgestellt hat, eine Berichtigung der Steuerkarte vorzunehmen. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, spätestens nach Ablauf der obengenannten Frist unter gleichzeitiger Vorlage feiner Steuerwarte die Berichtigung z u b e • “"tragen. Als Hausgehilfinnen im Sinne der gesetzlichen Bestimmung gelten solche weibliche Arbeitnehmer, die häusliche Arbeiten gewöhnlicher Art gegen Lohn verrichten und in die häusliche Gemeinschaft ihres Arbeitgebers aufgenommen sind. 21n(er häuslichen Arbeiten gewöhnlicher Art sind alle Dienste zu verstehen, die ihrer Art nach der Tätigkeit einer Arbeiterin, nicht der einer Angestellten ähneln und die geeignet sind, einen haushalt in Gang zu halten. Dazu gehören insbesondere die Reinigung und Heizung der Wohnräume, die Bereitung der Mahlzeiten, die persönliche Bedienung der Haushaltsmit- I glieder und die Wartung der Kinder. Daher gehören I ZU den Hausgehilfinnen z. B. Stubenmädchen, Kö- chinnen, Zofen, Kindermädchen usw., wenn sie in einem Haushalt beschäftigt werden: dabei ist als Haushalt nur eine nicht auf Erwerb gerichtete Lebensgemeinschaft anzusehen, und es macht'keinen Unterschied, ob der Haushalt im übrigen aus einer Einzelperson oder aus mehreren Personen besteht. Dagegen sind Erzieherinnen, Gesellschafterinnen und überhaupt solche weibliche Arbeitnehmer, die für Dienste höherer Art angenommen sind und eine mehr leitende als ausführende Tätigkeit ausüben, keine Hausgehilfinnen, sondern Hausangestellte. Hausgehilfinnen gellen in der Regel nur dann als in die häusliche Gemeinschaft ihres Arbeitgebers aufgenommen, wenn sie beim Arbeitgeber wohnen, bei ihm beköstigt werden und in der bei wohnungsgenossen üblichen weise Zutritt zu den Räumen der Wohnung haben. Daher zählen z. B. Aufwärterinnen, Waschfrauen und ähnliche weibliche Arbeitnehmer, die lediglich für einzelne Tage oder Stunden angenommen werden, nicht zu den Hausgehilfinnen, für^die Steuerermäßigungen zu gewähren sind. Nach den Ausführungen des geistigen Schöpfers des Gesetzes zur Verminderung der Arbeitslosigkeit, des Staatssekretärs Fritz Reinhardt, verfolgen die steuerlichen Vergünstigungen für beschäftigte Hausgehilfinnen zweierlei Zweck: 1. Die Steuererleichterungen in Verbindung mit der durch bas Gesetz vom 12. Mai 1933 erfolgten Befreiung der Hausgehilfinnen vom Beitrag zur Arbeitslosenversicherung und der durch die Verordnung vom 16. Mai 1933 eingetretenen Ermäßigung des Beitrags zur Invalidenversicherung werden genügen, um viele Familienväter zu veranlassen, ihrer Ehegattin wieder eine Hausgehilfin zur Seite zu geben. Die Folge wird sein, daß die Nachfrage nach Hausgehilfinnen steigt. Infolgedessen wird eine Abwanderung weiblicher Arbeitskräfte aus Bureaus, Ladengeschäften und sonstigen Arbeitsstätten in die Hauswirtschaft eintreten. Diele junge Mädchen, die bisher auf einen Posten in einem Bureau, in einem Ladengeschäft oder sonst- wo hofften, werden nunmehr den Weg in die Haus- wirtschaft nehmen. Es wird also in jedem Falle eine Entlastung des Arbeitsmarktes erreicht. 2. Der Mutter, der durch Ujren Ehegatten eine Hausgehilfin zur Seite gegeben wird, wird es ermöglicht, sich mehr als bisher der Erziehung ihrer Kircher zu widmen. feiner Stadtwvhnung gleichmütig standhält, daß er jedesmal nervös aufgefahren sei, wenn er das ihm so ganz ungewohnte Geklapper von Pserdehufen aus der Straße vernommen habe. Die Duhesuchenden fanden, daß man sich erst an jede Milieu-Veränderung gewöhnen muß und daß der Lärm zunächst ebenso vermißt wird wie alles andere, an das man gewöhnt ist. So erklärt sich das Behagen, mit dem viele Großstädter aus ländlichem Frieden in das unruhige Gewimmel der belebten Straßen zurückkehren, und es zeigt sich, daß man selbst den so heftig bekämpften Lärm vermissen kann. Vögel mit der Flasche aufgezogen. Die Erhaltung der Kolibris in den zoologischen Gärten ist sehr schwierig, da diese leuchtenden .Edelsteine der Luft" zwar nur wenig Futter auf einmal, aber dafür sehr häufig im Lause de» Tages zu sich nehmen. Wenn ein solches Tierchen auch nur 10 Minuten ohne Dahrung bleibt, so kann es dadurch schon schwer geschädigt werden, und dieses Bedürfnis nach Aahrung beginnt schon am frühesten Morgen, wenn noch niemand auf ist, um ihnen ihr winziges Frühstück zu reichen. 3m Londoner Zoo, wo jetzt cm Garten mit Herr- ließen Kolibris einen Hauptanziehungspunkt bildet, hat man die Schwierigkeit dadurch überwunden, daß man den Tierchen „die Flasche gibt". Besonders zu diesem Zweck hergestellte Flaschen werden mit einem flüssigen Honig-Gemisch gefüllt und an den verschiedenen Stellen des Gartens ausgestellt. Auf dem Boden jeder Flasche befindet sich eine dünne, aufwärts gerichtete Röhre, in die die Vögel ihre Zunge stecken, um den Honig zu schlürfen. 3n ihrer Heimat, in Brasilien, nehmen sie auf diese Weise den Nektar aus den Blüten tropischer Pflanzen zu sich, und man hat künstliche Blüten dieser Art um die Nähr-Flaschen ausgestellt, um ihnen die neue Ernährungs- form angenehmer zu machen. Aber bald erwies sich diese Maßnahme als unnötig, denn die Kolibris hatten bald heraus, daß die Flaschen für sie das Wichtige sind und besuchen sie regelmäßig auch ohne den Blumenschmuck. Sranffurf und Homburg ehren den Reichskanzler. WSN. Frankfurt a. M., 20. Suni. Am Donnerstag wurde der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Krebs vom Neichskanzler Adolf Hitler empfangen. Der Oberbürgermeister überreichte dem Kanzler die Ehrenbürgerurkunde und eine wertvolle Goldschmiedearbeit als Ehrengeschenk. Gleichzeitig mit Oberbürgermeister Dr. Krebs wurde auch der kommissarische Bürgermeister von Bad Homburg, Hardt, empfangen, der die Ehrenbürgerurkunde der Stadt Bad Homburg und ein 2000 Jahre altes, vom Käst eil Zugmantel stammendes Hakenkreuz fowie die Mitteilung überbrachte, dast sich 15 Homburger Kurvillenbesitzer bereit erklärt haben, erholungsbedürftige SA.-Leute bei sich aufzunehmen. Don der Technischen Hochschule Oarmfiadi. D a r m ft a b t, 20. Juni. (WSN.) Der ordentliche Profesior an der Technischen Hochschule Dr. Lothar Wöhler wurde aus sein Nachsuchen mit Wirkung vom 16. Juni und unter Anerkennung (einer dem Staat geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt. Provinzialtag derprovinz Starkenburg WSN. Darmstadt, 19.3uni. Der neugewählte Provinzialtag der Provinz Starkenburg hielt heute nachmittag im festlich geschmückten NathauS in Darmstadt seine konstituierende Sitzung ab. Anwesend waren 22 Abgeordnete, und zwar 15 Nationalsozialisten, drei Mitglieder des Zentrums und drei der SPD., sowie ein Dolkspartciler. Provinzialdirektor Gebhardt begrüßte und verpflichtete die neuen Mitglieder. Debattelos wurde der Voranschlag der Provinzialverwaltung für 1933/34, der mit 3 897 753,79 Mark (3 081 224,37 Mk. im Vorjahr) balanciert, ?genehmigt. Auch die Prüfung der Provinzial- asse 1931 und daS Kassenergebnis der Provinzial- Pflegeanstalt Eberstadt für das Jahr 1931 wurden debattelos verabschiedet. 3m Voranschlag sind für das Bauwesen Einnahmen in Höhe von 1,499 Millionen Mk., und Ausgaben in Höhe von 2,889 Millionen Ml. eingesetzt. Mit einem .Sieg-Heil" auf den Reichspräsidenten, auf den Neichskanzler und aus das deutsche Vaterland wurde die Sitzung geschlossen. Verminderung des Fehlbetrags im Offenbacher Stadthaushalt. WSN. Offenbach a. M., 19. 3uni. Der kommissarische Oberbürgermeister Fch ö n h a l S hat dem Etadtrat den inzwischen sertiggesteltten Entwurf des Haushaltsplanes für 19 33 zugeleitet. Er schließt mit einem Fehlbetrag von 3 291 835 Mk. (im Vorjahr 4 534 000 Mark) ab. Da die Wohlfahrtserwerbslosenzisfer von 9022 am 1. Mai 1932 auf 10 066 am 1. Mai 1933 gestiegen ist, erfordert der Wohlfahrtsetat eine Mehrausgabe von 700 000 Mk., denen allerdings eine Erhöhung der Reichshilfe um 965 000 Mark gegenübersteht. Wenn trotz der erhöhten Lasten für Wohlfahrtszwecke eine Verminderung des Fehlbetrages um 1 140 000 Mk. möglich war, so ist dies in erster Linie auf die Ergreifung außerordentlicher Maßnahmen zurückzuführen, wozu besonders die Senkung der Sach- und Perfonalkosten gehört. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag gefdjloffen. Gammler und ihre Privatmuseen. llhren und Kalender im Knopf. — Schmetterlings-, Zloh- und Wanzenmuseen. Weltgeschichte in Zinnfiguren. Nach dem Konversationslerikon gibt es in Deutschland etwa 1600 Museen. Noch größer würde die Zahl, wollte man die unzähligen Sammlungen erfassen, die aus einem Steckenpferd ihrer Besitzer entstanden sind und sich, zumeist der Allgemeinheit verborgen, in Privathand befinden. Die Sammelleidenschaft der Menschen kann auf die absonderlichsten Dinge fallen, von Streichholzschachteln und Spazierstöcken bis zu Was- fen und Hirschgeweihen. Manchmal kann die private Sammelleidenschaft eines Sonderlings den Grundstock zu einer wissenschaftlich wertvollen Sammlung legen. So befindet sich di e größte Knopffarnrnlung der Welt in Prag, wo sie von einem deutsch-böhmi- schen Knopsfabrikanten, Heinrich Waldes, in jahrelangem Bemühen zusammengetragen wurde. Vom runden, glatten Stein, den der vorgeschichtliche Mensch zum Zusammenhalten seiner Tierfelle benutzte, bis zum maschinenmäßig bearbeiteten Knopf der Neuzeit ist alles vorhanden, was in diese Entwicklungsreihe gehört. Besonders wertvolle Stücke stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, in denen die Knopfmode in Europa ihren Höhe- punkt hatte. Die vornehme Gesellschaft jener Zeit pflegte wahre Kunstwerke der Hornjchneidekunst an ihren Gewandungen zu tragen, .Manche Knöpfe waren innen hohl und dienten zur Aufbewahrung von Puder, Parfüm, Pastillen, zuweilen auch von Gift. Ein Uhrmacher in Palermo konstruierte eine Uhr in einem Knopf, ein anderer einen automatischen Jahreskalender. Es ist klar, daß das Zusammenbringen so vieler kunsthistorisä) inter- effanter Stücke nicht ohne große materielle Opfer möglich gewesen ist. Die vollständigste Briefmarkensammlung, vor allem was die britischen Gebiete anbetrifft, befindet sich im Besitz des Königs von England. Sie umfaßt dreihundert Alben und wird in einem besonderen Raum des Buckingham-Palastes aufbewahrt. Allwöchentlich widmet sich der König mehrere Stunden der Durchsicht uni> Ordnung feiaer Marken. Er besitzt u. a. auch die eine der beiten existierenden 2 Penny- Mauritius/Marken, -".für das andere Exemplar wurde von einem anilrikanischen Sammler der hübsche Betrag von 45 000 Dollar gezahlt. Dor etwa zehn Fahren hat der König die Sammlung auf ihren Wert taxieren lassen, unb man errechnete eine Summe von 2 400 000 Mark. Inzwischen ist der Wert für derart vollständige Sammlungen aber noch gestiegen, und man wird wohl nicht sehr fehl gehen, wenn man den heutigen Wert doppelt so hoch annimmt. Die größte Schmetterling ssammlung ist wohl die des Lords Rothschild, die 31/, Millionen verschiedene Exemplare umfaßt Der Lord war so efr leidenschaftlicher Schmetterlingssammler. daß er Expeditionen in exotische Länder ausrüstete. Nicht so umfangreich, aber wissenschaftlich nicht weniger bedeutsam ist die Sammlung seines rerstorbenen Bruders, der sich rühmen durste, die vollständigste Flohsammlung der Welt zu besitzen. Hierher gehört auch d a s W a n - zenmuseum von Budapest, das von Kennern eine der größten Sehenswürdigkeiten der ungarischen Hauptstadt genannt wird. Rund 300 000 verschiedene Wanzenarten aus aller Welt sind in dieser einzigartigen Sammlung vereinigt, darunter farbenprächtige Tiere, die eher wie exotische Schmetterlinge aussehen als wie die häßlichen Quälgeister des Stadttnenschen. Der Bund der deutschen Zinnfigurensammler hat eine ganz eigenartige und reizvolle Sammlung zusammengebracht, die heute auf der Plassenburg bei Kulmbach in fünf Sälen untergebracht und der Oeffentlich- keit zugänglich gemacht worden ist. Dieses Museum besteht sozusagen aus vielen Klcinbühnen, auf denen sich die Weltgeschichte, Szenen aus dem Volksleben und aus dem Märchen abspielen. Eine einzige Gruppe, die den Triumphzug des Titus darstellt, besteht allein aus übet 2000 Figuren. Eine besondere Leidenschaft hatte der berühmte Musikclown Camillo Scharz, der auf seinen Kunstreisen, die ihn durch alle fünf Erdteile führten, die Gräber berühmter Männer aufsuchte und eine Blume oder ein Blatt zur Erinnerung mitnahm, die er feinsäuberlich in Alben einordnete. Seine seltsame Liebhaberei hat ihn dazu geführt, manches Grab einer einst berühmten Persönlichkeit neu zu entdecken und vor dem Verfall zu bewahren. Einen originellen Gegenstand seiner Sammelleidenschaft hat sich ein Wiener Oberlandes- gerichtsrat ausgesucht. Er sammelt Hüte. Mit einem außerordentlichen Spürsinn und mit glücklicher Hand ist es dem Sammler gelungen, Hüte von allen Persönlichkeiten zusammenzutragen, die in den letzten Jahrzehnten im Wiener Leben irgendeine Rolle gespielt haben. Da ist der Hut von Hugo Thimig, den er 56mal im „Wilddieb" trug neben dem Hut des Scharfrichters Lang, da ist der Zylinder Konrad Drehers neben Dem Strohhut mit buntem Band — eine Sensation damals! — den der berühmte Schauspieler Girardi trug und dem grauen Strohhut mit schwarzem Band, den Frau Sacher trug. Ein sprechendes Stück Wiener Kulturgeschichte ist in dieser Sanjmlung zusammengetragen wor- 3m übrigen steht der Herr Oberlandes- gcrichtsrat mit seiner Sammlung nicht allein da. Die Hutstadt Guben besitzt in seinem Stadtmuseum eine Abteilung, die der Kulturgeschichte des Hutes gewidmet ist. Eine einzigartige Sammlung dürfte daS Museum der alten Fahrräder sein, das das englische Städtchen Eroyden in England besitzt 3n diesem Museum, das als das vollständigste seiner Art in der Welt gelten darf, sind alle alten Wracks der Radsahrwelt ver- treten. Man sieht hier das riesige Hochrad, das nur mit Hilfe eines Stuhles bestiegen werden konnte, und andere kuriose Ungetüme aus der Kinderzeit des Fabrradsports, die der Volks- mund mit dem treffenden Spitznamen „Knochenbrecher" ausgestattet hat. Die wertvollste Maschine der Sammlung ist das älteste mit Gummireifen ausgestattete Veloziped der Welt, das auf einen Wcrt von 10 000 Mk. versichert ist. Die merkwürdige Sammlung, die einen Ueberblid über die siebzigjährige Entwicklung des Fahrrads gestattet, verdankt ihr Dasein der Begeisterung eines Sammlers namens D a r 11 e e t, der die Absicht hat, .die Sammlung der Stadt Coventry bei Birmingham, der Heimat der britischen Fahrrad- und Motoradindustrie zu schenken. Erinnern wir noch an die Ostereiersammlung eines Berliner Privatsammlers, die einen bedeutenden kulturhistorischen Wert befüjt, an die sehr bekannte Zahnstochersammlung, die sich gleichfalls in Berlin befindet und an die — Klavierdeckelsammlung des berühmten Clowns Grock, so werden wir ermessen, daß es keinen Gegenstand auf dieser Welt gibt,’ der nicht Opfer einer Sammelleidenschaft fein könnte. K. Aordmüller. SJ.Jpor/ GA -Geist gleicht Eporrgeist. I Rede des Reichssportkommissars beim Berliner LA.-Lportfest. Die Standarte 1 der SA.-Berlin-Brandenburg führte am Sonntag auf Anregung des Reichssportkommissars v. T s ch a m m e r - L) st e n das erste große Sportfest der SA. durch. Auf dem Tiergarten- Sportplatz hatten sich am Sonntag Tausende von Zuschauern eingefunden, die ein interessantes vielseitiges Programm zu sehen bekamen. Vor Beginn der Wettkämpfe nahm Reichssportkommissar und Gruppenführer Hans o. Tschammer-Osten Stellung zu der Frage „SA. und Sport". Die SA. müsse sich im Rahmen der wehrhaften Erziehung sportlich betätigen und auf der anderen Seite müßten die Turner und die Sportler in die SA. ein- Ö werden, damit der Sport auf eine neue läge gebracht werde. Wörtlich sagte der Reichssportkommissar weiter: „Um so mehr halte ich es für meine Aufgabe, zwischen SA. und Sport, zwischen SA.-Kameraden und allen im Sport tätigen Kräften Zusammenhang und Verbindung herzustellen, weil wir nicht mehr mit liberalistisch-demokratischen Auffassungen im Sportsleben zu tun haben wollen, und wir werden in Zukunft nur solche Sportsleute Herausstellen, die einwandfrei als Repräsentanten der Ration angesehen werden können. In Zukunft werden wir die SA im deutschen Sportsleben gebrauchen. Die Revolution hat uns auf eine neue Grundlage gestellt, und im Namen meiner SA.- Kameraden fordere ich die deutsche Sportgemeinde auf, mit uns zu marschieren. Wer aber das Tempo und den Geist nicht aushalten kann, der soll abtreten! Zukünftig roirfr SA.-Geist gleich Sportgeist sein und Sportgeist gleich SA.-Geist. Hoffen wir, daß wir damit die gesamte Erziehung unserer Jugend auf einen neuen Nenner bringen und damit unserer Jugend einen neuen Inhalt verschaffen. Wir müssen nun zeigen, daß wir neben diesem Kampfgeist unseren jungen deutschen Menschen auch eine gute Erziehung geben wollen. Es scheint in den letzten Wochen Gegenstand verschiedener Auffassungen geworden zu sein, daß man das Hakenkreuz nur dann trug, wenn es einem günstig erschien. Ich lehne diese Konjunkturpolitiker ab, Hoffen wir zu Gott, daß diese Erziehung durch SA. und Sport für die Zukunft unserer Führer, unserem Volke und unserer Nation ein guter starker Hort und eine neue Brücke sein möge. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Reichspräsidenten v. Hindenburg und den obersten SA.-Führer Adolf Hitler schloß der Reichssportkommissar seine mit Beifall aufgenommene Rede. Oer Führer des Bezirks Hessen-Hannover ernannt. In diesen Tagen wurde nun auch der Führer des Bezirks Hessen-Hannover im Westdeutschen Spielverband ernannt. Bezirksführer wurde der bisherige Bezirksoorsitzend? Herr Happ- Gießen. Aalional-Elf gegen Meistermannschaft. Der Deutsche Fußball-Bund teilt amtlich mit: „Der Oesterreichische Fußball-Bund hat dem Deutschen Fußball-Bund mitgeteilt, daß er sich außerstande sieht, das für den 25. Juni nach Frankfurt am Main vereinbarte Länderspiel gegen die Bundeself auszutragen. Um jedoch den vielen tausenden seiner Anhänger ein großes Spiel nicht entgehen zu lassen, hat der DFB. beschlossen, zu dem vorgesehenen Termin im Frankfurter Stadion eine Elf, gebildet von der Mannschaft des Deutschen Fußball- Meisters Fortuna Düsseldorf und dem Zweiten aus der Deutschen Meisterschaft, Schalke 04, gegen die vorgesehene Bundeself spielen zu lassen. Die beiden Mannschaften. Nationalelf: Jakob (Jahn Regensburg): Haringer (Bayern München), Nadler (FSV. Frankfurt): Breindl, Goldbrunner (beide Bayern München), Oehm (1. FC. Nürnberg): Trumpler (Eintracht Frankfurt), Krumm, Rohr (beide Bayern München), Lachner (München 60), Lindner (Eintracht Frankfurt). F o r t u n a / S ch a l k e: Pesch: Trautwein, Bornfeld: Janes, Bender, Breuer (alle Fortuna Düsseldorf): Rosen, Czepan, Kuzorra (alle Schalke, Zwo- lanowski, Kobierski (beide Fortuna). Die für das Länderspiel gelösten Eintrittskarten behalten für dieses Spiel Gültigkeit. Soweit Inhaber von Eintrittskarten jedoch dieses Spiel nicht besuchen wollen, müssen die Karten bis Freitag abend, 23. Juni, bei einer im Frankfurter Stadion eingerichteten Kasse eingelöst werden. Der DFB. wird sich bemühen, schon in allernächster Zeit im Frankfurter Stadion ein anderes größeres Länderspiel zu veranstalten." Leichtathletik-Klubkampf 1900 - Weilburg. Lin sicherer Sieg der Blauweißen. Die 1900er stützten sich bei der Austragung des Pflichtklubkarnpfes in Weilburg in der Hauptsache auf jüngere Kräfte, die sich jedoch durcyweg bewährten und einen sicheren Sieg mit einem Punktvorsprung von 1385 Punkten landen konnten. Sie belegten sämtliche ersten Plätze. Die Bahn- und Platzverhältnisse waren durch vorangegangene Regengüsse denkbar schlecht, die erzielten Ergebnisse können daher nur relativ bewertet werden. Die beste Leistung des Tages bot Gerhardt (1900) im 3000-Meter-Lauf, die er in der hervorragenden Zeit von 9:15,6 Minuten bewältigte. Eine ausgezeichnete 400-Mcter-Leistung erzielte Baumstieger (1900), der in den letzten Metern mit 55,2 Sek. siegte. Die Ergebnisse: Wettbewerbe deL Klubkampfes: 100 Meter: 1. Koch 1900, 11,9; 2. Volkwein W., 12,1; 3. Setter, W., 12,1; 4. Hopfenmuller, 1900, 12,3. („W." ist jeweils Weilburg.) 800 Meter: 1. Baumstieger, 1900, 2:14; 2. Reitz, 1900, 2:14,7; 3. Diesterweg, W., 2:24,1; 4. Goßmann, W., 2:31,1. 3 0 00 Meter: 1. Gerhardt, 1900, 9:15,6; 2. Otto I, W., 10:3,0; 3. Bäcker, 1900, 10:3,9; 4. Otto II, W., 10:27,7. _ _ Hochsprung: 1. Schlarb, 1900, 1,50 ; 2. Hermann, 1900, 1,45; 3. Volkwein, W., 1,45; 4. Ge- münden, W., 1,40. Weitsprung: 1. Müller, 1900, 6,12 Meter; 2. Gemünden, W., 5,95; 3. Grünewald, 1900, 5,73; •4. Fürdeth, W., 5,48. Kugelstoßen: 1. Kilo, 1900, 11,95 Meter; 2. Müller, W., 11,67; 3. Müller, 1900, 10,49; 4. Gemünden, W., 9,93. Diskuswerfen: 1. Kilo, 1900, 39,45 Meter; 2. Müller, W., 31,05; 3. Müller, 1900, 29,75; 4. Heising, W.„ 28,04 1 0 X ^-Runden st affe^l. 1900 Gießen, 2:57; 2. Weilburger FV., 3:4,4. Einlagewettbewerbe: 400 Meter: 1. Baumstieger, 1900, 55,2; 2. Setter, Weilb. FV., 55,3. Speerwerfen: 1. Hopfenmüller, 1900, 39,20 Meter; 2. Müller, Weilb. FV., 38,45. 4X100-Meterstaffel: 1. 1900 Gießen (Hopfenmüller, Kilo, Koch, Müller) 48,2 Sek.; 2. Weilb. FV. 49,2. 3X1000-Meter staffel: 1. 1900 Gießen (Grünewald, Reitz, Gerhardt) 9:15,3; 2. Weilb. FV.» Hagen 05 kombiniert, 100 Meter zurück. Sandball im Gau Hessen (O. T.) 2lm Sonntag lieferten sich die Handballmann» schäften der Turnvereine Lang-Gons und Holzheim auf dem Sportplatz Holzheims ein Freundschaftsspiel. Die erste hiesige Mannschaft des Plahbesihers mußte mit drei Ersatzleuten antreten. Zudem wurden zwei Mann verletzt, von denen einer nach der Spielpause ausscheiden mußte. Infolgedessen lautete das Ergebnis 9:3 für Lang- Gons (Halbzeit 3:2). Die zweite einheimische Mannschaft gewann mit 7:5 Toren. Der Schiedsrichter konnte nicht sehr befriedigen. Tv. Klein-Linden — DHV. 6:8 (2:1). Nach einer längeren Pause trat die erste Mannschaft der Turnergilde im DHV. am letzten Sonntag zum ersten Mal wieder zu einem Spiel an. Als Gegner hatte sich der Tv. Klein-Linden mit seiner 1. Mannschaft zur Verfügung gestellt. Von Anfang an entwickelte sich unter der einwandfreien Leitung von B i r k e n st o ck (1900) ein flottes Spiel. Der Halblinke der DHV. brachte seine Mannschaft zuerst in Führung, aber bald glichen die Gäste aus und tarnen noch vor Halbzeit zum Führungstor. Nach der Pause klappte es bei der Turnergilde besser. Sie kam zum Ausgleich und übernahm einige Minuten später die Führung. In abwechslungsreichem Kampf, in dem stets ausgeglichen wurde, zog die Turnergilde zum Schluß frisch davon und konnte das End- resulat von 8:6 Toren für sich buchen. „Utinö um die Anlagen." Die Spielvereinigung 1900 hat für dieses Jahr wiederum die Ausrichtung des Staffel-Laufes „Rund um die Anlagen" für den kommenden Sonntag übernommen. Der Staffellauf dürfte wieder ein beachtenswertes spomiches Ereignis werden, denn nicht weniger als acht Sportvereinigungen haben ihre Teilnahme mit einer bzw. mit zwei Mannschaften in den einzelnen Klassen zugesagt. Neben dem Veranstalter werden der Männerturnoerein Gießen, der Olympische Sportklub, der DHV., die Paddlergilde, der Verein für Leibesübungen in Wetzlar und die DJK. teilnehmen. Gestartet wird wieder in 4 Klassen und zwar in der A=, der B-, der Jugend- und der Frauenklasse. Wir kommen noch darauf zurück. Oaö Kessetbergrennen. Eine starke internationale Beteiligung hatte am Sonntag das traditionelle Kesselbergrennen mit zehn Nationen aufzuweisen. Insgesamt waren 200 Fahrer am Start. Unter den Ehrengästen befanden sich Reichsstatthalter Ritter v. E p p und die Minister Wagner und Graf Q u a d t. Wenn auch im allgemeinen recht gute Zeiten und neue Klassenrekorde herausgefahren wurden, so konnte doch die vorjährige Bestzeit nicht erreicht werden. Den von Reichsstatthalter Ritter v. E p p gestifteten Großen Bergpreis holte sich Sebastian Roth-Hamburg auf Rudge, der in der Kategorie 350 bis 500 ccm der Strafräber in 3:56,4 mit einem Stundenmittel von 76,013 die absolut beste Zeit des Tages heraus- uhr und den Nürnberger Otto Ley auf den zweiten Platz verwies. In der Klaffe 250 bis 300 ccm siegte Engelhardt- Nürnberg (Norton) in 4:20,8 bei den Ausweisfahrern, und Roth kam bei den Lizenzfahrern in 4:16 auf Standard zu einem Doppelerfolg. In der Klasse bis 250 ccm siegte Bau- I Hofe r-München (DKW.) in 4:13 und schuf damit einen neuen Klassenrekord. Die Seitenwagenrennen | wurden in der Klasse 600 bis 1000 ccm von Moritz- München auf Viktoria in 4:34,2, in der Klasse bis 600 ccm von Hans Nicodemu s-Leipzig auf NSU. gewonnen. Bei den Sportwagen fuhr Manfred v. Brau- ch i t f ch (Mercedes-Benz) in der großen Klaffe über 5000 ccm in 4:01,4 mit einem Stundenmittel von 75,565 die beste Zeit aller Wagen heraus. In der kleinsten Klasse siegte der Berliner v. Delius (BMW.) in 4:23 und schuf ebenso wie Brauchitsch neuen Klassenrekord. In den mittleren Klassen gab es drei italienische Siege, in der Klasse 3000 bis 5000 ccm siegte Freiherr v. M i ch e l - T u e ß l i n g- München (Austro-Daimler) in 4:28,8. Bei den Rennwagen fuhr der Italiener Siena-Mai- land (Alfa Romeo) in 4:04 — 73,770 Std.-Km. die beste Zeit. In der Klasse bis 2000 ccm siegte Ulrich Maag-Zürich (Bugatti) in 4:05,6 (neuer Klassen- Rekord). „Big Bill" Tilden in Wien. „CBig Dill" Tilden ist wieder in Europa. In Wien konnte er bei seiner ersten Dorstellung den österreichischen Amateurspieler Artens nur knapp 8:6, 6:4 schlagen. Der Amerikaner Dar- n e s wurde von dem Wiener M a t e j k h sogar geschlagen. Wirischast. • Die deutsche K u p f e re rz eu gu n g tm Mai 1 9 33. Die deutsche Kupfer-Hüttenproduktion stellte sich auf Grund von Berechnungen des statistischen Düros der Metallgesellschaft AG- Frankfurt a. M.. tm Mai auf 3523 Tonnen gegen 4057 Tonnen im April. Die deutsche Kupfer-Aaffinadeproduktion (Raffinade- und Elektrolyttupfer) betrug im Mai 15 103 Tonnen gegen 12 275 Tonnen im April. * Wiedereröffnung von Baumwollspinnereien. Die fortschreitende Geschäftsbelebung bei den Baumwollspinnereien des Glad- bach-Rheydter Bezirkes, die bereits seit einigen Monaten zu Produktionserhöhungen und Einstellung neuer Arbeitskräfte in vielen Betrieben geführt hat, ermöglicht jetzt auch die Wiedereröffnung stilliegender Betriebe. So trifft die Baumwollspinnerei Kühn, Bierhaus & Cie., Aheydt, Dorbereitungen zur Wiederaufnahme der Arbeit. In München-Gladbach hat die Daum- Wollspinnerei C. O. Langen & Co., deren Belegschaft seit etwa einem Iahr feiert, die Tore wieder geöffnet und die Produktion aufgenommen. • Reue Aufträge der Reichsbahn. Wie WTB.-Handelsdienst hört, erhielt die Berliner Maschinen-AG., vormals L. Schwartzkopf, Berlin, aus den lleberbrückungsaufträgen der deutschen Reichsbahn Aufträge auf fünf schwere Schnellzuglokomotiven und weitere 40 Motor- Kleinlokomotiven für den Berschiebedicnst. • Mansfeld-AG. für Bergbau und Hütte nch etrieb, Eisleben. Der Aufsichts- ratssihung wurde der Abschluß für das Geschäftsjahr 1932 vorgelegt. Die kupfererzeugenden Betriebe weifen nach Berücksichtigung der Reichs- und Staatszuschüsse einen Verlust von 1 613 053 (im Borjahr 4 621 320) Mk. aus. Dem stehen gegenüber Rettoüberschüsse der Abteilungen Kupfer- und Messingwerk mit 963 733 (101 474) Mark und der nichtbetrieblichen Bermögensver- waltung mit 244 561 Mk. Insgesamt ergibt sich am 31- Dezember 1932 ein Berlust von 404 760 (2 074 880) Mk. Der Aufsichtsrat nahm Kenntnis von dem neuen mit Wirkung ab 1. Ianuar 1933 abgeschlossenen Reichs- und Staatsvertrag und beschloß, der Generalversammlung diesen Bertrag zur Genehmigung zu empfehlen. Mit der Reu- regelung scheidet die Mansfeld-AG. endgültig aus den subventionierten Unternehmungen aus. Die Ausgründupg der kupfererzeugenden Betriebe in die Mänsfelder Kupferschieferbergbau- AG. mit 6 030 000 Mk. Kapital erforderte wesentliche Abschreibungen auf die bisherigen Anlagewerte. Rach Einziehung zwecks Abrundung von 1503 Mk. eigenen Aktien ist das Stammaktienkapital der Mansfeld-AG. im Verhältnis von 2:1 auf 17 919 030 Mk. zusammenzulegen. Der Reservefonds bleibt mit 1 800 000 Mk. dotiert. Der Aufsichtsrat beschloß ferner, die 375 000 Mk. Vorzugsaktien nach Durchführung der Herabsetzung des Stammaktienkapitals in Stammaktien umzuwandeln. Die Anfangsbilanz der bereinigten Mansfeld-AG. am 1. Ianuar 1933 weist das Anlagevermögen mit 24 372 661 Mk. aus und die Beteiligungen mit 10 342 746 Mk., darunter die neue Kupfergesellschaft. Die Generalversammlung wird auf den 20. Iuli nach Leipzig einberufen. * Neue Baugesellschaft Wayß & Freytag A G., Frankfurt a. M. Die mit 2 Mill. Mark AK. arbeitende Neue Daugesellschait Wayß & Freytag AG., Frankfurt a. M., die von der alten Wayß & Freytag AG. Anlagewerte, Beteiligungen und Debitoren übernahm, legt jetzt den Bericht für ihr erstes Geschäftsjahr vor. Als neu aufbauende Gesellschaft war sie imstande, ihren Unkostenapparat den Umsatzmöglichkeiten im innerdeutschen Geschäft anzupassen. In steigendem Maße betätigte sich die Firma auf dem Gebiete des öffentlichen Tiefbaues, vornehmlich bei Bauten des Arbeitsbeschaffungsprogramms. Don Auslandsgeschäften sind die Bauten in Dünkirchen und Istanbul noch im Gange, ein Tiefbau in Holland ist abgeschlossen. Die argentinische Tochtergesellschaft schloß mit einem kleinen, vorgetragenen Gewinn Denkt an die „Stiftung für Opfernder Arbeit"! Einzahlungen an Reichskreditgesellschaft Berlin W 8, Behrenssirahe 21/22, sowie aus deren Reichs- banfgirotonto und deren Postscheckkonto Berlin 120 upler Angabe der Konlobezeichnung: „Stiftung für Opfer der Arbeit". ab, die brasilianische wies einen geringfügigen Der- lust aus. Die Franz-Wigankow- GmbH., Berlin, erzielte einen kleinen Gewinn. Die Erfolgsrechnung zeigt (in Mill. Mark): Bruttoüberfchuß 1,96, son- ftige Erträge 0,02; andererseits Löhne und Gehälter 0,93, soziale Abgaben 0,09, Gründungskosten 0,07, sonstige Aufwendungen 0,29, Abschreibungen 0,14, Rückstellungen 0,39. Es bleibt ein Reingewinn von 60 847 Mark, der vorzutragen ist. Die Aussich. ten für das lausende Jahr hängen von dem Maße der Belebung der industriellen Bautätigkeit ab, so- wie von dem Anteil der Firma an den Arbeitsbeschaffungsaufträgen. Bezügl. der Auslandsbauvorhaben sei eine weitere zufriedenstellende Entwicklung zu erhoffen. Sronffurfer Abendbörse schwächer. Fra nkf urt a. M., 20. Iuni. Die Abendbörse verkehrte trotz der weiter festen Auslandsbvrscn in recht flauer Haltung, da der schwächere Berliner Schluß verstimmend wirkte. Außerdem erfolgten Glattstellungen per Ende Iuni und bei ganz minimalen Umsätzen wurden I.-G.-Farben mit 130,25 notiert. Nennenswerte Kursveränderungen traten auch im Verlaufe nicht ein, lediglich I.-G.-Farben konnten um Bruchteile eines Prozentes anziehen. Am Rentenmarkt gaben deutsche Anleihen ebenfalls leicht nach. Reichsschuldbuchforderungen konnten sich auf dem Mittagsstand halten. Reube- sitzanleihe 11,95, Altbefitzanleihe 77,13, Schutzgebiete 8,39, 6proz. Mainzer Stadt von 1926/1928 61,50, 6proz. Ver. Stahlwerke 61, Frankfurter Hy- pothekenbank-Goldpfdbr. R. 1, 2, 3, 4, 84,25, Aku 40, AEG. 24,25, Bekula 116, Cement Heidelberg 79,50, Chade-Aktien 176, Daimler-Benz 30,25, Scheideanstalt 173, Licht & Kraft 111, I. G. Che- mie Basel 152, I.°G.°Farben 130,25 bis 130,50. Harpenei 102,50, Gelsenkirchen 60,75, Holzmann 57, Lahmeyer 125, Rütgerswerke 59. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. $)., Lombardzinsfuß 5 o H. Sranflun a. Dl. Serlin Schluß, kurs Schlißt. Abend« börfe Schluß, kurs Schlußt. Mitlag« bflrfe Oatum 19.6. 20.6. 19-6. | 20.6. 6% Deurzche Reichoanieide o. i«2i 84.13 84,13 84,4 84,9 6% cbem.7% Dt.ReichSanI. v. 1929 90.65 90,75 91 90,75 bVi% Doimg-Anleihe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld ml 77.65 78 78 78 AuSios.-Rechten .......... . 78,13 77,13 — 77,3 DeSgl. ohne AuSIos.-Rechte..... 6% ebem. 8% Hess. «oik.staat 1929 12.4 11,95 — 12,05 (rückzablb. 1O»%)........... Oberhelsen Provinz - Anleihe mi 73,75 79 79 79 AuLlol.-Rechten ............ 6% Hess. Lanvesbank Darmstadt 69 69 — *— Gold R. 12....... 6y.% Hess. Landes Hnpothckcn- bank Darmstadt 2tqui...... Deutsche Komm. Sammelab l.An 81,5 81,5 — — 86 85,5 — — leihe Serif 1 mit Auslos.-Rechten 6% ebem. 8% Franks. Hyp.-Ban- 70,21 70 Tb,4 69,75 Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Ban' 83,75 84,5 — ■ Goldpse. 16 unkündbar biS 1936 6Y,% ebem. 4V,% Franks. Hyp. Bank-Lian.-Psandbriese ..... 6y,% ebem. 4V$% Rheinische 83,5 84 — — 86,13 85,5 — — Hyp.-Bank-Liou.-Goldpse. ... «% ebem. 8% Pr. Landespsand 86 85,5 bricsanstalt, Psandbriese R. 19 6% ebem. 7% Pr. Landespsand 84.5 83,75 85 — bricfanftall. Psandbriese R. 1< 84,5 84 84 84 Verrechnungskurs 85,75 85,9 85,75 85,9 4% Oesterreichische »olbrente... — 16,75 16,75 16,75 4,20% Oesterreichische Gifbcrrenh 4% Ungarische Gowrente...... — — 1,35 — 4% Ungarische SlaatSrenle V. 1910 — ■ - 4V,% deSgl. von 1913........ — — 6% abgesi. Goldmexilaner von 99 — 11,5 11 11 4% Düickische Zollanlcihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleih -.325 M 6,2 6,2 Serie ..................... 6,3 6,3 6,2 6,25 Frankfurt a.M. Berlin Schluß, 'kurs Schluß!. Abend« bSrie Schluß, fürs Schluß!. Mittag« bfine Datum £-6. 20-6. 19.6. 20-6. 4°/n besgl. Serie II ........... 6,25 6,35 6,13 6,35 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 5,5 5,5 — — sV,%Rumän.vereinh.Rentev.l913 10,25 10,3 10,6 <% Rumänische vereinh. Rente 4,8 4,8 4,8 4,85 8%% Anatolier ............. 28 28 28,1 28 Hamburg-Amerika-Pakel ..... < 17,4 17,5 17,4 17,4 Hamburg.Südam. Tampsschlss. 0 — — — 28,5 Hansa Tampsschiss........... 0 — — 29,5 28,5 Norddeutscher Lloyd ......... 0 18,4 18.5 18,4 18,4 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 50,5 50 50,25 49.4 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 91 91,5 91,5 91,5 Commerz- und Privat-Bank ... Deutsche Bank und Disronto- 0 51 50,5 51 51 Gesellichas'................ (> 58 60 9 47 58 60 Dresdner B.-nk.............. 0 47 47 47 Reichsbanl ................ 140,75 141,75 141,4 142,25 B.E.G...................... ( 24,65 24,25 24,75 24,4 Elektr. Lieserungsgesellschaft ... b 90,5 91,5 91,5 93 Licht und Kraft ............. 6 112 111 111,5 110.5 «reiten & Guilleaume ........ Gesellschaft für Elektrische Unter- 0 54,5 54,75 54,5 54,25 nehmungen............... 92,5 93,25 92,75 94 Rheinische Elektrizität ........ 5 97 — — 97 Cchuckert & Go............ C 113 114,5 113,5 113 Siemens & Halske ........... 166 166 166 165,5 Lahmeyer & Go.............. 10 122 125 121 124,5 Buderus ................... 75 76 75 74,5 Deutsche (Erb»1 ............. 4 116,25 117,5 116,5 116 Gelsenkirchener.............. 0 61 60,75 60,75 60.75 c 104,5 102,5 104,5 66,4 102,5 64,25 Hoeich Äsen—Köln-Neuessen.. 0 Ilse Bergbau ............... 1 — — — — Ilse Bergbau Genüsse........ jMörfnenverte ............... 1 120,5 121,75 121.25 121,5 0 57 57 57 56,75 Mannesmann-Rohre«........ 0 65,5 65 65,4 64,5 Jraniiun a. M. Berlin Schluß« kurs Echlußk. Abend- börse Schluß« kurs Schlußk. Mittagbörse Datum 19.6. 20.6. 19.6. 20.6. Mansleider Bergbau...... ... o 24,5 24.75 24 24,13 KokSwerke .............. ... 0 — — 81,75 81 Phönix Bergbau.......... ... 0 39,5 39.5 39,5 39 Rheinische Braunkohlen ... ...10 208 211 209 211 Rbeinfiabt ........ ... o 94,5 92,5 94,5 92,5 Vereinigte Stahlwerke..... Olavi Minen ............ ... 0 39 38,5 39 39 ... 0 17,75 17,75 17,65 17.4 Kaliwerke Aschersleben..... ... 6 131,25 131 131,25 129,25 Kaliwerke Westeregeln..... ... 6 131,25 132 131,25 129 Kaliwerke Salzdetfurth .... ... k 172 173 173,5 173,5 3 G. Farben-Industrie .... R 131,65 130,5 131,5 130,65 Scheideansialt ........... ...10 171 173 — Goldschmidt ....... ... 0 49,5 49,5 50 RütgerSwerke ............ ... 0 59,75 59 60 59 Melallgesellichast.......... 38,4 38,25 o8,25 38 Philipp Hol,mann........ ... 0 57 57 ’ 57 57,25 Zementwerk Heidelberg ... Cementwerk Karlstadt...... ::: i 79,75 79 79,5 79 Schultheis Patzenhoser..... ... 0 _ _ 127,5 127,25 Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 39,5 40 39,4 40,25 Bemberg................ ... 0 49,25 49,75 49,5 49 Zellstoff Waldbof ......... ... 0 49.25 50 49,5 49 Zellstoff Aschaffenburg ... ... 0 22 21 22 21,25 Lelsauer GaS ............ ... 7 —— 115,5 116 Daimler Motoren......... ... O 30,25 30,25 30,25 30,13 Deutsche Linoleum ....... ... 0 49.65 48,5 49,75 49.5 Orenstein L koppel ...... ... 0 47,5 47,5 Leonhard Tietz........... ... 6 22,25 22 22 22 Chade.................. ...12 175 176 173 176 Gritzner............ 26,5 25,65 26,13 Mainkrastwerke Höchst a.M. ... 4 1 64.5 65,25 Süddeutscher Zucker ...... ... 8 1 155 153,25 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 7N. 19. Juni 20-Juni Amtliche Notierung Geld | Srie Amtliche Notierung Geld 1 Arie Heising,or. . Wien...... Prag...... Budapest ... Sofia ..... Holland ... Oelo...... Kopenhagen. Stockholm.. London ..... Buenos Airee Neuyorl ... Brüssel.... Italien..... Paris..... Schweiz ... Spanien.... Danzig.... Japan ..... Rio de Ian. Jugoslawien Lissabon.... 6,339 46,95 12,54 3,047 170,08 72,28 63,79 73,63 14,325 0,923 3,467 59,04 22,15 16,62 81,57 36,06 82,57 0,889 0,229 5,195 13,04 6,351 47,05 12,56 3,053 170,42 72,42 63,91 73,77 14,365 0,927 3,473 59,16 22,19 16,66 81,73 36,14 82,73 0,891 0,231 5,205 13,06 Bantnoten 6,339 46,95 12,54 3,047 170,03 72,28 63,89 73.63 14,335 0,928 3,442 58,99 22,15 16,62 81,52 35,96 82,52 0,889 0,229 5,195 13,04 6,351 47,05 12,56 3,053 170,42 72,42 64,01 73,82 14,375 0,932 3 448 59,11 22,19 16.66 81,68 36,04 82,68 0,891 0,231 5,205 13,06 Serlin, 20.Juni (Selb 3rief Amerikanische Roten.............. Belgische Roten.................. 3,405 58,83 63,52 14,295 16,58 169,71 22,03 72,11 2,46 73,50 81,34 35,83 3,425 59,07 63,78 14,355 16,64 170,39 22,11 72,39 2,48 73,80 81.66 35,97 Dänische Roten ............... Englische Roten ................ Französische Roten............... Holländische Roten............... Italienische Roten............... Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, * 100 Schilling Rumänische Noten............... Schweizer Roten................. Spanische Noten................ Ungaruche Hiotn ................