Nr. 68 Erstes Blatt 183. Jahrgang Dienstag, 71. Mär; 1Y3Z Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (BieRener Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholle Monats-Vezugrvrets: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. §ernfvrechanfchlüsfe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: gronlfurt am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrirck und Verlag: vrühl'sche Univeifitäls-Vuch- und Steindruckerei K Lange in Gießen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchtlsstraste 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrist 20" , mehr. Chefredakteur: Dr. Frredr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Test Ernst Dlumschein undlürdenAn- zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in Biegen. Oer Festtag der deutschen Nation. Potsdam, die (Stadt der preußischen Könige, im Zeichen der Eröffnung des Reichstags. — Riesige Menschenmengen sind Zeugen der nationalen Feier. — Jubelnde Huldigungen für Hindenburg und Hitler Potsdam ein Anfang. Der Staatsakt, der sich heute in der Stadt 0es preußischen Stils, in Potsdam, vollzieht, besitzt eine liefere Bedeutung als alle Reichstagseröffnungen der letzten Jahrzehnte. Es ist der Gründungsakt eines neuen Reiches und einer neuen nationalen Hoffnung. Er soll dem neuen nationalen Sein die letzte Weihe geben. Er ist Inhalt und Symbol zugleich, er ist aber gleichzeitig ein Anfang, ein Auftakt zu einer anderen Zeit. Worin sie liegt, das ist aber nicht so schnell gesagt. Es bleibt schlieftlich von solchen feierlichen Handlungen nur ein Eindruck haften, das Bild fliegender Fahnen, der Rhythmus des Geschehens und das eine oder andere Wort, das sich dem Zuhörer einprägt. Aber hier flößen wir schon auf das Reue, dessen Zeugen wir sind. An dem feierlichen Staatsakt von Potsdam soll das ganze deutsche Volk teilnehmen. Es soll sich danach orientieren, es soll davon Notiz nehmen, es soll sich darin und daran wiederfinden. Die Millionen, die hinter der nationalen Revolution stehen, bleiben heute und in Zukunft die Teilhaber und Inhaber einer völlig neuen politischen Vorstelluna, eines anderen nationalen Begriffs, als er jemals bei uns seit Jahrzehnten erlebt wurde. Die Feier van Potsdam ist ein Appell an alle, und es ist nicht zu bestreiten, daß dieser Appell in seinem symbolischen Ausdruck zwingend ist. Potsdam, die Residenz des größten Königs, den Preußen hervorgebracht hat, die Garnisonkirche, wo er bestattet liegt, die Wiege des Deutschen Reiches, das gegenwärtig vor uns steht. Der preußische Wahlspruch e o e m das Seine" war von jeher der grandioseste Ausdruck. höchster politischer Toleranz. Er enthielt die staatsmännische Prägung einer großen deutschen Tradition. Wenn die nationale Revolution hier anknüpft und im Schatten dieser Vergangenheit ihren Sieg feiert, dann bedeutet das den bewußten Versuch, an die alte Ueberlieserung anzuknüpfen. In diesem Sinne vollzieht sich heute in Potsdam tatsächlich eine neue Schöpfung. Es kann ein neues nationales Bewußtsein entstehen, wie wir es seit Jahrhunderten nicht mehr kannten. Ob es aber entstehen wird, ob es entstehen kann, das ist hinfort nicht mehr allein die Aufgabe der Führung, es ist ebenso sehr die Aufgabe der Nation. Andere Nationen, zumal jene des Westens, haben seit Anbeginn die Unverbrüchlichkeit des nationalen Gesetzes in sich getragen. Es gab keine Möglichkeit, das Verhältnis des Einzelnen zum Staat und zur Nation als einen Vertrag aufzufasten, den man nach Belieben halten oder brechen konnte. Wir haben uns diesen Luxus stets erlaubt, wir sind immer die Griechen Mitteleuropas gewesen, die bald dort, bald da die eigene Sache verraten oder fördern konnten. Das ist zu Ende. Wer als Deutscher geboren ist, wird hinfort ein solcher bleiben müssen, auch wenn er mit allem nicht einverstanden ist, was geschieht. Um ihm aber diese Aufgabe, die Erfüllung seines nationalen Pflichtgefühls zu erleichtern, bedarf es des sinnfälligen Ausdrucks. Das neue Potsdam ist der Anfang eines neuen nationalen Seins. Es wird auf alle ankommen, um diesen Grundgedanken der nationalen Revolution nicht nur zu erkennen, sondern mit dem Herzen zu begreifen. Ist er einmal verwirklicht, bann kann daraus eine neue deutsche Freiheit entstehen, nicht nur eine Freiheit nach Innen, sondern auch nach Außen. Die Freibeit nämlich, die in dem selbst- verständlchen Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen liegt. Es wäre sinnlos, zu bestreiten, daß viele noch abseits stehen. Ihre Zustimmung wird sich nicht erpressen lassen, sic werden sie aber geben, wenn wir den Inhalt des neuen Potsdam nicht nur verstehen, sondern wenn wir ihn ergreifen als etwas, das neu zu gestalten ist. Potsdam ist ein Anfang. Und es ist gut, daß es ein preußischer Anfang ist. Richt das Preußen von vorgestern wird wieder lebendig, sondern das Preußen, das einst den Freiheitskampf von 1813 bestand. Dieses Preußen war gewiß Symbol. es war aber auch ein geistiger Inhalt, aus dem das Reich neu erstand- Em Fahnenmeer von Berlin bis Potsdam. Potsdam. 21. März. (WTB.-Funkspruch.) Der Sturm dieser Rächt hat den Regen vertrieben, nun liegt die Reichshauptstadt Potsdam in strahlendem Sonnenschein. Alle Befürchtungen, die die Pessimisten unter den schweren Wolken des gestrigen Rachmittags hegten, sind mitverflogen und haben einer frohen Feststimmung Platz gemacht, die alle erfüllt. Potsdam ist ein einziges Meer von Fahnen. Schwarz-weiß-rot und Hakenkreuz grüßen aus allen Häusern. — Es gibt kaum em Haus, das nicht geschmückt ist. — Don den Omnibussen und Straßenbahnen flattern sie im Morgenwind, von Masten und Türmen. In den Oststratzen sind alle 20 Meter Drähte über die Straß cm gespannt, an denen schwarz-weih-rote und Hakenkreuzbanner hängen. Ueber der ® lienider Brücke, die das Tor von Potsdam zur Hauptzufahrtsstraße von Berlin ist, ist ein riesiges, tannenumkränztes und fahnen- flankiertes Willkommensschild angebracht: „Wir grüßen das neue Deutschland." Und dann ist es ein überwältigender Eindruck, wenn man plötzlich am Anfang der breiten, repräsentativen Königs st raße, in der die Kaserne der Gardedukorps und der Garde-Husaren liegen, vor einer schwelgenden Farbensymphonie der Fahnen steht. Ie mehr man sich dem Stadtzentrum nähert, um so lebhafter wird der Berkehr. Der Wagenverkehr, der auf der Potsdamer Chaussee von Berlin her schon von 6 Uhr an recht lebhaft war, verlangsamt sich. Aus der Straße marschieren KolonnenvonPolizei, Hilfspolizei der SS., der SA. und des Stahlhelms, die ihre Posten beziehen. Die schweren Fernomnibusse der Reichspost kommen nur ganz langsam um die Ecken der alten winkligen Straßen. Dann Musik. Die wohlbekannten Klänge des Hohenfriedbergers, der hämmernde Rhythmus „Stolz weht die Flagge schwarzweißrot" zum Bassinplah wie zu anderen Stellen der Stadt vom Lustgarten her durch Lautsprecher übertragen. Immer wieder Fahnenschmuck, Girlanden und Transparente mit Aufschriften wie „Das ganze Deutschland soll es sein". — „Rimmer wird das Reich zerstöret, wenn ihr einig seid und treu". In den Bäumen der Breiten Straße hängen Lautsprecher. Musik: das Horst - Wessel - Lied. Unter seinen Klängen zieht die Menge durch die Straßen. Rur mühsam kommt man vorwärts. Ganz Borsichtige haben schon im Morgengrauen a u f dem Bürgersteig Posto gefaßt. Hier ist der Standort, von dem man dem großen Ereignis des Tages, dem Ablauf dieses besten und lebendigen historischen Films von Potsdam am nächsten ist. Frauen, Männer und Kinder mit erwartungsfrohen Gesichtern. Wimpel und Fähnchen in den Händen Um 8 Uhr wird es ernst. Die Polizei beginnt mit der Durchführung der vorgeschriebenen A b - sperrungsrnatznahmen. Aber alles vollzieht sich mit größter Freundlichkeit. Das Publikum hat Verständnis für die Aufgaben der Polizei. Es fügt sich gern und bald ist die Straße frei. Das grobe Pflaster der Breiten Straße, durch die der Dorbeimarsch nachher gehen wird, wird mit Sand beschüttet, um Menschen und Pferde zu schonen. Während aller dieser Dorbereitungen strömen immer neue, unübersehbare Menschenmengen nach Potsdam hinein. Man hat von 100 000 gesprochen, die sich hier zusammenfinden werden, und die Schätzungen werden nicht zu hoch gewesen sein. Draußen schmücken sie die Gerüste mit Tüchern und (Blumen, in den Straften Potsdams drängt sich feit dem Vortage schon eine Menschenmenge, die nicht mehr zu zählen ist, kaum noch zurück- gehalten werden kann in ihrer Begeisterung. Die großen, für eine kleine Armee bestimmten Exerzierplätze vor dem Stadtschcoft sind überflutet, der Marktplatz, ja selbst die Gärten von Sanssouci, ein wogendes Menschenmeer. In den vergangenen vierzehn Iahren haben Massenversammlungen bei allen Bürgern, die Ruhe und Ordnung liebten, oft ein Gefühl der Beklemmung ausgelöst. Das Erstaunliche, Wunderbare, Begeisternde bei dieser Masse ist jedoch ihre innere Ordnung undSelb st zücht. Begeisterung und Sieg — das ist ihr Gesicht, der Iubel über den gewonnenen Kamps findet in brausenden Liedern und wehenden Fahnen seinen Ausdruck. Die ganze ungeheure Kraft dieser Demonstration zeigt sich in der Ruhe und Geschlossenheit der Kolonnen, die heute in demselben Geiste wie im August 1914 aufmarsch.eren ... Die Trommeln dröhnen noch im Ohr, während man in die Garnisonkirche eintritt. Hnb noch ein Erlebnis wirkt nach: auf den Straßen im Menschengewühl hat jeder von uns ein Anzahl Bekannte getroffen, die irgendwo im Süden oder im Rorden, im Westen oder Osten des Reiches zuhause sind, und die sich mit den Hunderttausenden hier zusammengesunden haben, um den Tag der deutschen Erhebung zu feiern. Dor Iahren gehörten sie verschiedenen Parteien an, — glaubten die meisten von denen, die jetzt draußen marschieren, vor ein ffaac Iahren nicht noch, daß eine deutsche Einigkeit nur eine schöne | Illusion sei? Und jetzt sind Standesunterschiede, Religionsstreitigkeiten verwischt, die Herzen sind aufgetan und es gibt nur noch Deutsche! Deshalb blitzen und glänzen wieder die alten Re- aimentsfahnen, deshalb ist die Garnisonkirche so hell und licht, als fei sie ein weihevoller Fest- saal. Hier ist die große K ö n i g s l o g e. Auf einem schlichten roten Samtsessel saß die Königin Luise und lauschte dem Gottesdienst, auf einem kleinen Bauernstuhl davor verrichtete Friedrich Wilhelm I. sein Gebet. Während seiner Handwerkszeit in Holland hat er den Stuhl selbst geschnitzt und bemalt. Er ist ja der Erbauer dieser Kirche, und seinen Soldatengeist hat er den Mauern eingefügt, jenen Geist, der unter Friedrich dem Großen Weltgeschehen wurde. Ein einheitliches, großes Bekenntnis ist die Kirche, sie wurde nach der Bestimmung ihres Baumeisters als Zeichen deutscher Wehrhaftigkeit und Größe durch die Jahrhunderte erbaut. In einem Seitenschiff ist ein Eisernes Kreuz von Menschengröhe aufgerichtet. Es gilt dem Andenken der im Weltkriege Gefallenen. Dieses Symbol wird noch stärker verkörpert in dem Ä r i e- ge r b e n f m a l neben der Garnisonkirche, wo in Marmor gehauen ein friderizianischer Grenadier und ein Frontsoldat mit Stahlhelm einander die Hände reichen. Man hat zu dem großen Feiertage des deutschen Volkes unzählige Fahnen m die Garnisonkirche geschaffr, auch sie verkünden den Geist der alten und der neuen Zell, den deutschen Schicksalsweg, der von Friedrich dem Großen zu den Ereignissen des Jahres 1933 führt. Eine kleine Gittertur öffnet sicy vor uns. Wer glaubt, daß d i e Gruft, die die Königssärge enthält, ein pompöses Denkmal fei? Es ist ein kleiner Raum, in den Hintergrund des Altars eingebaut, in dem gerade die beiden Särge und die Regimentsfahnen des großen Friedrich unb feines Daters Platz haben. Die Menschen, die jetzt vor dieser Gruft stehen, haben Tränen in den Augen, sie erleben, in welcher Würde und Weihe Deutschland seine großen Symbole über die Zeit der Erniedrigung hinweg erhalten hat. Ein Historiker steht in unserer Gruppe und beschwört noch einmal jene mitternächtliche Stunde heraus, in der Friedrich Wilhelm III. und der Kaiser Alexander von Rußland von der Königin Luise in diese Gruft geführt und beim Fackelschein zum Bündnis gegen Rapoleon vereinigt wurden. Dom Turm der Garnisonkirche herab ertönt das Glockenspiel: „Run danket alle Gott", es klingt damals wie heute hell und rein, tönt durch die Jahrhunderte Die Menschen in der Kirche verstummen, neigen sich unb beten zum Gott der großen Schlachten, zum Gott bes beut- scheu Schicksals. Wir erleben hier ben Tag von Potsdam ... als ein Volksfest? Er ist viel mehr: eine Volksweihe ... Ein Blick in die Garnifonkirche Gedenkstunde an der Gruft des großen Königs. Von unserem P. V.-6onbetberid>terftatter. Oie Festgottesdienste Die Abfahrt des Reichs- präsidenten nach Potsdam. Berlin. 21. März. (WTB. Funkspruch.) In der W i 1 h e l m st r a ß e , die mit Flaggen in den Farben Schwarzweißrot und Schwarzweiß sowie mit Hakenkreuzbannern übersät war. hatten sich Hunderte von Schaulustigen eingefunden, um der A b ° fahrt des Reichspräsidenten nach Potsdam beizuwohnen. Auf der Wilhelmstraße hatte eine Formation der berittenen Polizei Aufstellung genommen. Um 9.50 Uhr bestieg der Re'chs- Präsident in Gcneralsuniform, begleitet von Oberst von Hindenburg, den Wagen von brausenden Hochrufen der Zuschauer b e - grüßt. Im zweiten Wagen folgten ihm Staatssekretär Dr. Meißner und der zweite Adjutant des Reichspräsidenten RiUmeister von der Schulenburg. Vor der Aicolaikirche inpolSdam. Die Ansahn des Reichspräsidenten. Potsdam, 21. März. (WTB. Funkspruch., Vor Beginn des Gottesdienstes waren die Plätze vor der Ricolaikirche und dem Stadtschloh von Menschenmengen dicht besetzt. Die Polizei sowie die Hllfspolizei hatten außerordenllich schwer zu tun, um die immer wieder vordrückenden Massen halten zu können. Racheinander kamen die Kirchgänger. Man sah den Reichswehrminister von Blomberg, in Begleitung des Chefs der Heeresleitung Frhr. von Hammer st ein, den Kommandeur der 3. Division, General von Fritsch- Berlin, ferner den Oberpräfidenten der Provinz Brandenburg und von Berlin Dr. Maier. Prinz August Wilhelm, den Reichsarbeitsminister Franz Seldte. Später erschien, von der Menge stürmisch bejubelt, Re.chsminister Goring. In Autobussen der Reichspost trafen dann d i e Reichstagsabgeordneten ein. Die Abgeordneten der Rationalsozialiften alle in Uniform. Wenige Minuten vor 11 Uhr horte man aus den umliegenden Straßen Heil- und Iubelrufe. Der Reichspräsident in Eeneralseldmarschallsuniform in Begleitung seines Sohnes erschien vor dem Potsdamer Dom. Die Geistlichen unter Führung des Generalsuperintendenten Dr. D. Dibelius begrüßten den Feldmarschall vor dem Eingang. Der Polizei ist es nur mit Ausbietung aller Kräfte gelungen, die Sperrketten zu halten. Um etwas Entlastung zu schaffen, wurde der Hof des Stadt- schlosfes geöffnet, wo die Menge durch Lautsprecherübertragung den Gottesdienst in der Ricolaikirche miterlebte. Die predig! in der Äicolaikirche. Generalsuperintendent Dr. D i b c l i u 5 stellte die Predigt unter das Motto des Bibelwortes: „I st Gott für uns, wermag wider unsfei n?" Der Redner erinnerte an die Augusttage 1914, wo der Ruf durch die Massen ging: Ein Reich, ein Volk, ein Gott! Dieser Ruf fei heute noch nich^ Erfüllung, sondern -Sehnsucht. Noch sei der Glaube in den deutschen Landen nicht wieder die große bewegende Kraft, die er einst war, aber eine B e reitschaft zu neuem Glauben sei bei Hunderttausenden vorhanden. Aus solcher Sehnsucht steige die Losung empor: Wir wollen wieder sein, wozu uns Gott geschaffen hat, wir wollen wieder Deutsche fein! Das aber fei nur möglich, wenn der Glaube an Gott wieder der Pulsschlag des Lebens werde und das deutsche Volk durch das Evangelium sein wahres Selbst wiederfinde. „Das ist es, was wir in dieser Stunde ersehnen, durch Gottes Gnade ein deutsches V o l f." Der Redner zeichnete dann die Aufgabe der evangelischen Kirche gegenüber dem Staat. „Ein neuer Anfang staatlicher Geschichte stehe immer irgend- wie imZeichender Gewalt. Wenn der Staat seines Amtes walte gegen alle, die d i e Grundlage der staatlichen Ordnung untergraben, den Glauben verächtlich machten, den Tod für das Vaterland begeiferten, dann solle er in Gottesnamen seines Amtes walten. Aber wir wären nicht wert eine evangelische Kirche zu heißen, wenn wir nicht mit demselben Freimut, mit dem Luther es getan hat hinzufügen wollten: Staatliches Amt darf sich nicht mit persönlicher Willkür vermengen." „Noch seufzen," so schloß der Redner, ,H-undert- tausende von Brüdern und Schwestern unter fremder Herrschaft. Es war des deutschen Volkes Schicksal immer gewesen, sich immer aufs neue d i e Freiheit zu erkämpfen. Es hat die Freihell jedesmal wiedergewonnen, wenn ein neuer Pu 1 ssch 1 ag des Glaubens durch seine Glieder ging. Ein Volk, von solchem Glauben beseelt, wird durch Gottes Gnade ein freies Volk." in der katholischen Kirche. Potsdam, 21. März. (WTB.-Funkspruch.) Für die katholischen Mitglieder des neuen Reichstages wurde in der Potsdamer St. Peter-Pauls- Kirche ein feierliches Levitenamt abgehalten, das von Domkapitular Monsignore Dr. B a n n a s zelebriert wurde. Wegen der österlichen Fastenzeit waren die Heiligenbilder in der Kirche violett verkleidet: nur Tannengrün ohne Blumen wurde zum Schmuck verwandt. Bereits um 10 Tlhr erschien der Reichsverkehrsminister Frhr. Ely von Rübenach und kurze Zeit darauf Vizekanzler von Papen, die beide in besonderen Sesseln vor dem Altar Platz nahmen. Der Runtius O r f e n i g o , der Doyen des diplomatischen Korps, wurde seierlichst eingeholt. Außerdem waren anwesend: der italienische Botschafter Cerruti, der österreichische, der irische Gesandte, sowie mehrere Gesandte südamerikani- scher Staaten. Die Zentrumsfraktion betrat geschlossen unter Führung von Dr. Brüning unb Esser das Kirchenschiff. Unter den Abgeordneten bemerkte man viele frühere Minister. Von den R a t i o n a l s o z i a l i st e n. die ebenfalls zahlreich in Uniform erschienen waren, waren u. a. anwesend: der Staatskommissar für Bayern General v. E p p. der Polizeipräsident von München und Reichsführer der SS. Himmler. — Die Feier, die mit dem feierlichen Tedeum endete, wurde von geistlichen Liedern, die der Gemeindechor vortrug, umrahmt. Oer Kanzler bleibt dem katholischen Gottesdienst fern. Berlin. 21. März. (WTB. Funkspruch> (Amtlich.) Die katholischen Bischöfe von Deutschland haben in der jüngsten Vergangenheit in einer Reihe von Erklärungen, nach denen auch in der Praxis seitens der latftoli» schen Geistlichkeit gehandelt wurde, ' Führer undMitglieder DerRSDAP. als Abtrünnige der Kirche bezeichnet. die nicht in den Genu st der Sakramente kommen dürften. Diese Erklärungen sind bis heute noch nicht widerrufen. und es wird auch seitens der katholischen Geistlichkeit weiterhin danach gehandelt. Infolgedessen sah sich der Kanzler zu seinem Leidwesen nicht in der Lage, am katholischen Gottesdienst in Potsdam teilzunehmen. Der Kanzler hat während der Zeit des offiziellen Gottesdienstes zusammen mit dem Reichsministcr für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, auf den dasselbe trifft, die Gräber seiner ermordeten SA.-Kameraden auf dem Luisen-Städt. Friedhof in Berlin besucht. Er legte dort einen Kranz nieder mit der Inschrift: „Meinen toten Kameraden. Adolf Hitler". Triumphfahrt durch Potsdam Um 11.20 Uhr ist der Gottesdienst in der Ntkolai- kirche beendet. Alle Glocken der Stadt läuten, denn jetzt beginnt der feierliche Zug der Fest- teilnehmerzurGarnilonkirche. Jubelnde Hoch- und Heilrufe empfangen den Reichspräsidenten, als er aus der Kirche kommt, um eine Rundfahrt durch die Stadt zum eigentlichen Sitz des Preußengeistes, zum Reuen Palais und zum Stadtschloß zu machen. Es ist eine Triumphfahrt durch lebende Mauern von Menschen, die nicht müde werden, durch Fahnenschwenken und Zurufe dem Reichsoberhaupt zu huldigen. Als die harrende Menge den Reichskanzler Adolf Hitler erblickt, durchbraust ein Donner von Heilrufen die Straßen. Jetzt ist die Polizei kaum im- stände, dem Kanzler einen Weg zu bahnen durch die begeisterten Menschenmassen. 11.30 Uhr: „lieb' immer Treu und Redlichkeit." Vom Glockenspiel der Garnisonkirche perlen klare Töne über die Dächer von Alt-Potsdam. Die letzten Ehrengäste erscheinen. Man sieht den Staatskommissar von Berlin Dr. Lippert, hohe Reichswehroffiziere darunter den Gruppenführer I General von R » ndstedt, weiter bemerkte man den SA.-Gruppcnführer Berlin-Brandenburg, Graf H e l l d o r f. Vor der Garnisonkirche in Erwartung deSReichspräsidenten Die Aufstellung an der Garnisonkirche ist vollendet. Zwanzig Reihen tief an den Bürgersteigen vor den Häusern hat eine ungeheure Menschenmenge, regungslos der Ereignisse harrend, StcUung genommen. Davor ist die SA. in acht Gliedern, auf der gegenüberliegenden Straßenseite Reichswehrspalier, so daß nur ein schmaler Weg in der Mitte für den Vorbeimarsch übrig bleibt. AUe Fenster und alle Balkons sind beseht. Ein Teil des Platzes neben der Garnisonkirche ist mit Seilen abgesperrt. Hier sieht man Reichswehr, Stahlhelm an Stahlhelm, dazwischen das Blau der Marineuniformen und der Schutzpolizei. Bunt mischen sich die Uniformen der alten Armee in das Bild. Ein Kommando ertönt. Reichswehr mit oufgepflanztem Seitengewehr marschiert an ihrem Kommandeur im Paradeschritt vorüber. Währenddessen treten die Lautsprecher in den Bäumen in Tätigkeit. Das Flötenkonzert von Sanssouci schwingt über dem Platz. Um 11 Uhr plötzlich wieder harter Marschtritt. Die Ehrenkompanie der Reichswehr marschiert an. An der Spitze rauscht und knistert es: die Fahnen der alten Armee werden vorangetragen. Steil recken sich die Arme zum Gruß. Die Häupter entblößen sich, ein Hauch von 1914 weht über die Masse und läßt sie erschauern in Ehrfurcht und Dankbarkeit. 3n wenigen Minuten muß der Reichspräsident erscheinen. Wie sie ihn bezwang Originalroman von3- Gchneider-Foerstl Urheberrechtsschutz: Verlag 0. Meister, Werdau i. S. 28 Fortsetzung Rachdruck verbaten! Das breite Band der Straße lag in mattgelber Helle. Auf- der gegenüberliegenden Seite rauschte das Meer. Die Schaumkronen der Wellen glitzerten auf wie flüssiges Silber. Sie überschritt die Fahrbahn und den anschließenden schmalen Gehsteig. Sand rieselte unter ihren Füßen. Der Mond warf ein unwirklich scharfes Licht über die Wasserfläche. Weit draußen glaubte sie ein Segel zu erkennen. Es war aber nur weißer Gischt, der aufbrandete. Den Mantel um die Hüsten gezogen, ließ sie sich in den Sand gleiten. Wenn sie den Kops rückwärts wandte, konnte sie das helle Rechteck der Türe erkennen, die in ihr kleines Paradies führte. Der Zaun warf stabförmige Schatten gegen die Straße und die Palmen konnten es selbst in der Nacht nicht lassen, mit dem Winde zu kokettieren. Ihre Häupter neigten und fächelten und die Wedel bogen sich der kühlen Brise des Windes entgegen, den das Meer nach dem Lande schickte. Morgen wurde sie einundzwanzig Jahre und war so alt, als zähle sie sechzig und darüber. Ihre Jugend flog vorbei. Die Sonnentage in Wien. Die Ferien auf Jettenbach AU die tollen Streiche, die sie ausgeheckt und vollbracht hatte. Tage der Trauer mengten sich darein. Als kaum Fünfzehnjährige hatte sie den Vater verloren. Ein halbes Jahr später war sie selbst auf den Tod krank gewesen. Und nun das heute. War es denn so wichtig, dieses kurze zerklatternde Leben und ob man lachte oder weitne, Glück oder Leidvolles ertrug? War es nicht alles ein? — Alles? Auch ihre große Sorge, ihr Sehnen nach Liebe. Wie ein tolles Spiel kam es ihr vor, was sie mit solchem Eifer angefangen und ins Werk gesetzt hatte. In dieser Minute war sie ausgebrannt, erschöpft, müde, alles Hoffens und Wollens bar Sie streckte sich in den Sand und legte das Gesicht aus die Hände. Ohne Erregung dachte sie an Hans Jörg. Sie hatte ihn erringen wollen um jeden Preis und in dem Augenblicke, in dem sie beinahe am Ziel war, erschien es ihr als sei er ihr weiter entrückt als je. Noch einmal den Kampf, der nun doch kommen mußte, aufnehmen? Noch einmal ihn um- zustimmen und um ihn werben müssen? Neinl Da war es besser, noch vorher zu gehen. Aber wohin denn? Wohin denn nur? Sie sah die Mutter mit offenen Armen auf sie warten und ihr ein Asyl bieten, sah Vater Merlin und hörte jedes Wort, das er zu ihr gesprochen hatte: „Komm mir wieder, Kind! Nur das eine versprich mir, daß du mir wieder kommst!" ©er Staatsakt in der Garnisonkirche. und Reichstagspräsident Göring die Kirche. Gs folgen Oberst von Hindenburg, Staatssekretär Meißner, Reichswehrminister von Blomberg, Die Chefs der Heeres- und Marineleitung und andere Persönlichkeiten aus dem Gefolge des Reichspräsidenten. Dem Zuge voran schreiten die Geistlichen. Der Reichspräsident bleibt einen Augenblick vor dem Altar stehen. Dann nimmt er gemeinsam mit dem Reichskanzler und Dem Reichstagspräsidenten Göring Platz. Der Reichspräsident trägt Ceneralfeldmarschallsuniform mit dem leuchtenden Orangeband des Schwarzen Adlerordens. Auch die Teilnehmer des Festaktes nehmen Platz. Der Staatsakt beginnt darauf mit dem Vortrag des alten Augsburger Chorals „So lobe meine Seele den Herrn" durch den Staats- und Domchor unter Leitung von Prof. Hugo Rüdel. Von der höchsten Empore unter dem Darockausbau der Kanzel schlingen sich die hohen Knabenstimmen durch das Gotteshaus. Als der Ehoral beendet ist, erhebt sich alles. Staatssekretär Meißner tritt zum Reichspräsidenten vor und überreicht ihm den Text der Begrüßungsansprache. Der Reichspräsident tritt einen Schritt vor und spricht mit ruhiger fester Stimme. Bei den Worten, die er an den Reichskanzler und die Regierung richtet, wendet er sich mit einer Kopfbewegung Hindenburgs Ansprache. „Durch meine Verordnung vom 1. Februar d. 3. löste i ch den Reichstag auf, damit das deutsche Volk selbst zu der von mir neugebildelen Regierung des nationalen Zusammenschlusses Stellung nehmen könne. 3n der Reichstagswahl vom 5. März hcst unser Volk sich mit klarer Mehrheit hinter diese durch mein vertrauen berufene Regierung ge st eilt und ihr hierdurch die oerfassungsmäßige Grundlage für ihre Arbeit gegeben. Schwer und mannigfaltig sind die Aufgaben, die Sie, Herr Reichskanzler und Sie, meine Herren Reichsminlsler vor sich sehen auf innen- und außenpolitischem Gebiet. 3n der eigenen Volkswirtschaft wie in der Wett sind schwere Fragen zu lösen und bedeutende Entschlüsse zu fassen. 3d) weiß, daß Kanzler und Regierung mit b e st em Willen an die Lösung ihrer Aufgabe Herangehen und ich hoffe von 3hnen, den Mitgliedern des neugebildelen Reichstags, daß Sie in der klaren Erkenntnis der Lage und ihrer Notwendigkeiten sich hin- Oer Reichskanzler verkündet das Programm der nationalen Regierung. nach rechts zu Den Plätzen Der Regierung. Be- soNders nachdrücklich waren Die Worte des Reichspräsidenten, als er Die AbgeorDneten a« ihre Pflicht mahnt, an Den großen Werk Der Deutschen Erneuerung mitzuwirken. Wit erhobener Stimme unterstreicht Der Reichspräsident Den Appell an Das Deutsche Volk zur Einigkeit. Die Versammlung nimmt wieDer Platz, und Dann ergreift Reichskanzler Hitler Das Wort, Das Der ReichsPräsiDent ihm erteilt hat. Der Kanzler tritt zum Pult, seine Hände ruhen auf Der Plüschdecke Der Pultplatte, auf Der Das Manuskript seiner ReDe liegt. Der Kanzler spricht mit ruhiger unD klarer Bestimmtheit. Seine Stimme bekommt metallenen Klang, wo er vor Dem ganzen Auslände von dem ehrlichen Willen Des deutschen Volkes zeugt, im Sinne der Kaiserproklamation zu wirken. Bewegt erhebt sich die Versammlung, als der Kanzler mit feierlichen und begeisterten Worten sich an Den Re ich s- präsiDenten wendet. Auch der Reichspräsi- denk steht, gestützt auf seinen Degen. Während Adolf Hitler zu seinem Platz zuriickschreitet, st reckt ihm Der ReichsPräsiDent in tiefer Bewegung Die HanD entgegen: es ist Der Händedruck Der Repräsentanten Des alten und Des neuen DeutschlanDs, von Denen Der Kanzler in seiner ReDe gesprochen hat. Wieder erklingen im frohen, lebhaften Klang Die (Stimmen Des Domchors Durch Den Raum. AnDachtsvolle Stille umfängt Die Menschen, Die dieser wahrhaft nationalen Feier des deutschen Volkes beiwohnen Durften, während Das machtvolle Amen erklingt. 1 et Die Regierung ff eilen und auch 3hrer- seits alles tun werden, um diese in ihrem schwerer» werk zu unterstützen. Der Ort, an dem wir uns heute versammelt haben, mahnt uns zum Rückblick auf das alle Preußen, das in Gottesfurcht, durch Pflichttreue, nie verzagendem 2fiut und hingeben- der Vaterlandsliebe groß geworden ist und auf dieser Grundlage öle deutschen Stämme geeint hat. Wöge der alte Gei ft dieser Ruhme s st ä t t e auch das heutige Geschlecht beseelen, möge er uns f r e i m a d) e n* von Eigensucht und Parteienzank und uns in nationaler Selbstbesinnung und seelischer Erneuerung zusammenführen zum Segen eines in sich geeinten freien stolzen Deutschlands. Wit diesem Wunsche begrüße ich den Reichstag zu Beginn seiner neuen Wahlperiode und erteile nunmehr dem Herrn Reichskanzler das wort." Oer Reichspräsident betritt die Garnisonkirche. Um 11.45 Uhr künden brausende Heilrufe die Ankunft des Reichspräsidenten an der Garnisonkirche an. Der ehrwürdige Feldmarschall entsteigt seinem Wagen, um das letzte Stück Weg zur Garnisonkirche zu Fuß zurückzulegen. Von fern heran klingt das Deutschlandlied und wird von der Masse naher und näher getragen, bis auch zu den Häusern der Garnisonkirche sein wuchtiger Klang emporbrandet: „Deutschland, Deutschland über alles in der Welt." Neue, donnernde Jubelrufe begrüßen den Reichskanzler Adolf Hitler, der gemeinsam mit dem Vizekanzler v. Papen der Menge grüßend zuwinkt. Reichspräsident von Hindenburg, mit dem Marschallsstab in der Hand, in der Feldmarschall- uniform der alten Armee, tritt vor d i e E hr e n- k o m p a g n i e, die das Gewehr präsentiert. Die Degen der Offiziere blinken, wie aus einem Guß stcht die feldgraue Mauer. Dann fällt die SA.- Kapelle ein und trägt das Deutschlandlied weiter. Mit erhobenem Marschallstab grüßt der Reichspräsident die Ehrenabordnungen der Verbände. Dann wendet er sich zur Kirche hin. Am Eingang stehen Reichcminister Göring, Oberbürgermeister Rauscher und der evangelische Pfarrer und grüßen das Oberhaupt des Reiches am Eingang zur historischen Stätte des alten Preußens. Die Kirchentüren schließen sich hinter dem Reichspräsidenten. Oie Festversammiung. Im Altarraum nimmt der Herr Reichspräsident gegenüber dem Altäre Platz, schräg rechts von ihm der Reichskanzler, schräg links der Reichstagspräsident. Die rechte Seite des Altarraumes nehmen Reichsmini st er ein. Auf der linken Seite fitzen die Mitglieder der Landesregierungen. .. Im Kirchenschiff befinden sich die Platze für d i e Mitglieder des Reichstages, westlich vom Altar die Mitglieder der NSDAP., auf der Ostseite die Mitglieder der DNVP., der Zentrumspartei, der BVP. und die Mitglieder der kleineren Parteien. In der hinter dem Platz des Herrn Reichspräsi- denten gelegenen Kaiserin-Loge haben Platz genommen der frühere Kronprinz, die Kommissare des Reiches für die preußischen Ministerien, die Präsidenten des Preußischen Landtages, des Reichsgerichts, Reichssinairzhofes, Rechnungshofes, der Reichsbahn, der Reichsbank, Der Oberpräsident der Provinz Brandenburo, die Spitzen der Evange- lischen und Katholischen Kirche, die Oberbürgermeister von Berlin und Potsdam, die Präsidenten des Industrie- und Handelstages, der Handwerkskammer und die Führer der großen vaterländischen Verbände. Auf der Empore hat das diplomatische Korps Platz genommen. Vertreter von Handel und Wirtschaft, Vertreter von Kunst und Wissenschaft, die Rektoren aller Berliner Hochschulen, die Führer der nationalen Verbände sowie die Vertreter der in- und ausländischen Presse. Auf der Südempore haben die Veteranen sowie Angehörige der Stadtverwaltungen von Berlin und Potsdam und der Justizbehörden Plätze erhalten. Auf der zweiten Empore sind den Bürgern von Potsdam Plätze Vorbehalten. Oer Verlauf der Feier. Punkt 12 Uhr braust Die Orgel Durch Den mit GirlanDen unD Fahnen geschmückten Raum. Alle Teilnehmer an Der Feier erheben sich, und während b;e Kronleuchter aufstrahlen, betreten Der ReichsPräsiDent, Der Reichskanzler Herr Reichspräsident! Abgeordnete, Männer und Frauen Des Deutschen Reichstages! Schwere Sorgen lasten seit Jahren auf unserem Volk. Rach einer Zeit stolzer Erhebung, Reisens, Blühens unD GeDeihens auf allen Gebieten unseres Lebens sind — wie so oft in Der Ver- §angenheit — wieder einmal R o t und Armut ei uns eingekehrt. Trotz Fleiß und Arbeitswillens, trotz Tatkraft, einem reichen Wissen und besten Wollen suchen Millionen Deutsche heute vergebens das tägliche Brot. Die Wirtschaft verödet, Die Finanzen finD zerrüttet, Millionen ohne Arbeit! Die Welt kennt nur Das äußere Schein- bilD unserer Städte, den Jammer und das Elend sieht sie nicht. Seit zwei Jahrtausenden wird unser Volk von diesem wechselvollen Geschick begleitet. Immer wieder folgt dem Emporstieg der Verfall. Die Ursachen waren immer die gleichen. Der Deutsche, in sich selbst zerfallen, uneinig im Geist, zersplittert in seinem wollen und damit ohnmächtig in der Tat, wird kraftlos in der Behauptung des eignen Lebens. Er träumt von Recht in den Sternen und verliert den Boden auf der Erde. Merkwürdig, daß gerade dieses Wort sie jetzt auftrieb. Er würde sicher nicht vergessen haben, um was sie ihn beim Gehen gebeten hatte, sie heimzuholen nach Ichenhausen, wenn — ach, es würde alles so voll Ruhe dort sein. Sie wollte nicht liegen, wo so viel Menschen waren. Immer hatte sie die Stille und das Alleinsein geliebt. Und auf Ichenhausen, da war Der Friede. Vielleicht wo die alten Buchen standen — ober weiter hinaus, dem Walde zu, wo die Tannen schatteten. Vater Merlin würde schon wissen wo sie gerne gesessen und es ihr am liebsten gewesen war. Langsam richtete sie sich im Sande auf und erjchrak. Ihr ganzer Körper hatte sich Darin abgeprägt. Mit beiden Händen verwischte sie die Spur. Ihre Gedanken zerfuhren immer mehr. Sie wußte nicht wie sie ins Haus zurückkam. Fast ohne sich dessen bewußt zu sein, nahm sie ein Badetrikot aus dem Schranke. Es legte sich weich und warm um ihren Körper. Vor Dem Spiegel stehend, betrachtete sie die Linie ihres Körpers. Wie war sie einmal selig gewesen, daß er so ohne Tadel war. Und jetzt? — Sie schüttelte den Kops und begriff sich nicht mehr. Tand! Alles Tand! Und vergänglich! Ach so vergänglich, alles!" Als sie zum zweiten Male nach Der Treppe ging, verhielt sie den Schritt. Aus Dem Zimmer, in welchem das Mädchen schlief, war ein Laut gekommen. Sie lauschte. Nina durfte nicht wissen, daß sie das Haus verließ. Sie konnte jetzt niemand brauchen, Der ihr hinderlich war. Die Haustüre fiel lautlos in Die Angeln. Sie offen zu lassen getraute sich nicht. Sie drehte den Schlüssel und warf ihn durch das offene Fenster eines der ebenerdigen Zimmer. Der Teppich fing ihn aus, ohne irgendwelchen Ton hörbar werden zu lassen. Für Die Bewohner Ostias schien es keine Nacht zu geben. Immer zog wieder ein Trupp später Wanderer vorüber. Verhaltene Worte flüsterten auf. Ein Liedchen trällerte sich zu Den Palmen empor. Fern, vom Getöse der Wellen übertönt gellten Die Signale eines Schiffes. Fast wäre sie gestürzt, so weich war der Sand, der um ihre Füße riefelte. Die Schultern zurück- gebogen, blickte sie über Die bewegte Fläche. Der Mond stand halb versteckt und spiegelte sich in unruhigem Flimmern in jeder Woge, die herangerauscht kam. Man glaubte ihn greifen zu können. Und Dann war er verschwunden Unweit der Stelle, wo sie stand, flüsterten zwei Menschen. Die Augen zur Hälfte geschlossen, sah sie wie sie sich umfingen, glaubte den Kuß zu hören, den der Mann dem Weibe auf Die Lippen drückte, vernahm den leisen verstohlenen Schrei, der mehr Lull als Abwehr verriet. Für Sekunden deckte sie die Hände über die Lider. — Eine Woge kam von draußen, rollte näher, schillerte und zischte auf. Das Meer lockte: „Komm —" Die Arme hebend warf sie sich ihm entgegen. Wie weich! Wie kühl! Nun würde sie Ruhe finden. Ihr Mund lächelte, während ihr Die Wellen Die Tränen fortspülten. „Buona notte — I" * Joe Brandt stand mit abgenommenem Hut im Vestibül des Parkhotels und kehrte seinem Spiegelbild den Rücken. Er hatte vorhin im Vorübergeyen einen Blick darauf geworfen und sich mit Schrecken abgewendet. Seit sechs Uhr, als die Aufforderung an ihn ergangen war, Baron Merlin erwarte ihn im Hotel, trug er sich mit der Gewißheit, daß diese Stunde jetzt Die Entscheidung bringen werde. Und keine, aber auch nicht die geringste Möglichkeit, sich mit Frau Stephanie zu verständigen. Himmel und Hölle hatte er in Bewegung gesetzt, war selbst in Ostia gewesen und hatte nicht erfahren können, wo sie wohnte. Er wußte nichts als das eine, daß der Baron der Ansicht war, daß er Der Geliebte feiner Frau fei. lieber alles andere war sie so ahnungslos wie er. Er zermarterte syin Gehirn, wie Merlin es heraus- gebracht hatte, daß er in Rom war, im Hause Guielmo. — Jedenfalls hegte er auch den Verdacht, daß die Baronin hier war. Niemals im Leden hatte er sich in ähnlich fürchterlicher Lage befunden. Er hatte im Kriege seinen Mann gestellt, war zweimal schwer verwundet und zum Schluß noch einen halben Tag verschüttet gewesen, niemals mutlos ober verzagt. Und nun stand er ratlos und spielte mit dem Gedanken an Tod und Flucht. Aber selbst dieser Wey war ihm verrammelt, Denn die Baronin benötigte ihn als Zeugen, daß nichts, aber auch yar nichts — Er riß sich zusammen als Merlin eintrat. Hinter ihm erschien Doktor Oehme. Zwei Schritte machte er auf Die beiden zu, hielt inne, tat sie wieder zurück und verneigte sich: „Brandt!" „Merlin — Doktor Oehme!" # Sich Die Hände zu reichen war keine Veranlassung. Absr als Joe sich jetzt wieder im Spiegel sah, zog er sein Taschentuch und tupfte sich über die schweiß- überronnene Stirne. „Vielleicht haben Sie Die Güte, mit auf mein Zimmer zu kommen, Herr Oberleutnant!' sagte Merlin. „Dort haben wir wenigstens keine Horcher zu befürchten." Zu dreien schritten sie Die läuferbelegte Treppe hinauf. Vor Dem Eingänge zu Den Räumen, die Hans Jörg mit Oehme bewohnte, blieb dieser zurück. „Ich warte unten im Lesezimmer auf dich!" Mit einer Verneigung nach Joe hin stieg er Die Stufen wieder hinab. Merlin schloß auf, trat als erster übet die Schwelle und nachdem er das Licht hatte aufflammen lassen, machte er eine auffordernde Bewegung nach Brandt hin. Die Türe floppte hinter den beiden zu und Joe war auf einmal ganz sicher, daß er Den Raum nicht lebend verlassen werde. Merlin zeigte nach einem Der beiden an Den Tisch geschobenen Stühle und forderte kein zweitesmal auf, als die Ablehnung, Platz zu nehmen, erfolgt war. „Ich verteidige mich lieber im Stehen, Herr Baron!" „Wie Sie wollen! Es würde uns beiden vel Zeit ersparen, wenn Sie — im Falle Sie sich schuldig zu sprechen haben — Ihr Geständnis ohne weiteres oblegen wollten. Meinerseits habe ich nichts zu erklären, als daß ich — allerdings auf anonymem Wege — benachrichtigt wurde, daß Sie meine Frau — oder besser, daß meine Frau sich —", er suchte offenbar nach Worten, das Heikle dieser Sache möglichst diskret zu bezeichnen. „Also, daß meine Frau sich mit Ihnen amüsiert hat. — Ist es so?" Brandt stand im hellen Licht Des Kronleuchters, Der mit unbarmherziger Schärfe jeden Zug seines Gesichtes zur Schau stellte. Die Hände leicht zur Faust geballt, sah er nach Merlin hinüber, Der, gegen Den Schreibtisch gelehnt, keinen Blick von ihm lieh. Keine Frage, auch nicht Die geringste Handbewe- gung forderte Joe auf zu sprechen. Und als er es tat, dünkte ihm feine Zunge wie ein schwerer Kloß. „Der Brief ist eine gemeine Verleumdung", sagte er, jedes Wort abgehackt. „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort als Offizier, Daß zwischen Ihrer Frau Gemahlin unD mir niemals irgendwelche Beziehungen beftanDen haben." In Merlins Gesicht veränderte sich kein Zug. „Wie sind Sie überhaupt nach Ichenhausen gekommen, Herr Oberleutnant?" „Auf die Empfehlung Des Herrn Grafen von Har- rach wurde ich als Reitknecht von Ihrem Herrn Vater in Dienst genommen." „Im Einverständnis mit meiner Frau! —" Brandt wollte auffahren. Denn Der Spott hatte ihn wie ein Peitschenhieb getroffen, aber er beherrschte sich. ,Ja — im Einverständnis mit der Frau Baronin!" „Sie waren viel mit meiner Frau zusammen?" „Bei Ihren Ritten, ja!" „Und sonst?" Brandt blieb nichts übrig, als Die Wahrheit zu bekennen. Wenn etwas Frau Stephanie nützen konnte, Dann nur Das. Eintönig, als erzähle er Die Geschichte eines anDeren, fing er zu sprechen an: „Ich liebte--ich liebe noch--" Eine Wendung, die Merlin nach ihm hinmachte, ließ ihn erschrocken weiterhasten — „Die Komtesse Isabella Trany, Graf Harrachs älteste Enkelin." Er zuckte Die Schulter unD benötigte Das Taschentuch, Das feuchtglänzende Haar zurückzustreichen. „Es war aussichtslos." Sein schlanker Körper beugte sich Dabei etwas nach vorne, als wollte er sein Gesichr verbergen. „Nur Die Frau Baronin wußte Davon. Sie war Die einzige, Der ich mich anvertraut hatte. Sie' suchte mich zu trösten und an Dem Nachmittag, an welchem ich bereits Den Revolver in der Hand hielt, entwand sie mir diesen und versprach —" Merlin machte einen Schritt auf ihn zu: „Herr Oberleutnant, Sie haben Ihr Wort als Offizier gegeben!" (Fortsetzung folgt.) Je mehr aber Dolk und Reich zerbrechen und damit der Schuh und Schirm des nationalen Leben- schwächer wird, um so mehr versuchte man zu allen Zeiten, die Rot zur Tugend zu erheben. Die Theorie der individuellen Werte unserer Vtämme unterdrückt die Erkenntnis von der Rot- Wendigkeit eines gemeinsamen Willens. Am Ende blieb den deutschen Menschen dann immer nur der Weg nach innen offen. Als Dolk der Länger, Dichter und Denker träumte es dann von einer Welt, in der die anderen lebten. Und erst, wenn die Rot und das Elend es unmenschlich schlugen, erwuchs vielleicht auS der Kunst die Sehnsucht nach einer neuen Erhebung, nach einem neuen Reich und damit nach neuem Leben. Als D t s m a r d dem kulturellen Streben der deutschen Ration die staatspolitische Einigung folgen lieh, schien damit für immer eine lange Zeit des Haders und des Krieges der deutschen Stämme untereinander beendet zu sein. Getreu der Kaiserproklamation nahm es in der Zeit teil an der Mehrung des Friedens, der Kultur und der menschlichen Gesittung. Es hat das Gefühl seiner Kraft nie gelöst von der tief empfundenen Derantwor- hing für das Gemeinschaftsleben der europäischen Rationen. 3n bleie Zeil der staats- und bann machtpolitischen Einigung ber deutschen Stämme fiel bet Beginn jener wellanschaulichen Auslösung ber beutfdjen Volksgemeinschaft, unter bet wir heule noch immer leiben. Und biefer innere Zerfall ber Ration wurde wieder einmal, wie so ost, zum Verbündeten der Umwelt. Vie Revolution des Rovembers 1918 beendete einen Kampf, in dem die deutsche Ration In der heiligsten Ueberjeugung, nur ihre Freiheit und damit ihr Leben»recht zu schützen, gezogen war. Denn weder der Kaiser noch die Regierung noch das Volk haben diesen Krieg gewollt. Rur der verfall der Ration, der allgemeine Zusammenbruch, zwangen ein schwaches Geschlecht, wider das eigene bessere wissen und gegen die heiligste innere klebet- zeugung, die Behauptung unserer Kriegsschuld hinzunehmen. Diesem Zusammenbruch aber folgte der Verfall auf allen Gebieten. Machtpolitisch, moralisch, kulturell und wirtschaftlich sank unser Dolk tiefer und tiefer. Das Schlimmste war d i e bewußte Zerstörung des Glaubens an die eigene Kraft, die Entwürdigung unserer Traditionen und damit die Vernichtung der Grundlagen eines festen Dertrauensl Krisen ohne Ende hoben unser Dolk seitdem zerrüttet. Aber auch die übrige Welt ist durch das politische und wirtschaftliche Herausbrechen eines wesentlichen Gliedes ihrer Staatengemeinschaft nicht glücklicher und nicht reicher geworden. Aus den, Aberwitz der Theorie von ewigen Siegern undDesiegten kam der W a h n - sinn der Reparationen und in der Folge die Katastrophe unserer Wirtschaft. Während so das deutsche Dolk und das Deutsche Reich in inneren politischen Zwiespalt und Hader versanken, die Wirtschaft dem Elend entgegentrieb, begann d i e neue Sammlung der deutschenMenschen. die in gläubigem Vertrauen an das eigene Volk dieses z u einer neuen Gemeinschaft formen sollen. Diesem jungen Deutschland haben Sie, Herr Generalfeldmarschall, am 30. Januar 1933 in großherzigem Entschluß die Führung des Reiches anvertraut. 3n der Ueberjeugung, daß aber auch das Volk selbst seine Zustimmung zur neuen Ordnung des deutschen Lebens erteilen muh. richteten wir Männer dieser nationalen Regierung den letzten Appell an die deullch? Ration. Am 5. März hat sich das Volk entschieden und in seiner Mehrheit zu uns bekannt. In einer ein» zigartigen Erhebung hat es in wenigen Wochen die nationale Ehre wieder hergestellt und dank Ihrem Verstehen, Herr Reichspräsident, die Vermählung vollzogen zwischen der alten Größe und der jungen Kraft. 3n dem nun aber die nationale Regierung in dieser feierlichen Stunde ,um erstenmal vor den neuen Reichstag hintritt, bekundet sie Zusehen, die unserem Volke damit wieder eine unerschütterliche Autorität geben soll. Wir wollen alle die Erfahrungen berücksichtigen sowohl im Sinzel- und Gemeinschaftsleben w.e aber auch in unserer Wirtschaft, di« sich in Jahrtausenden als nützlich für die Wohlfahrt der Menschen erwiesen haben. Wir wollen wiederherstellen d a S Primat der P o l i k, die berufen ist, den Lebenskampf der Ration zu organisieren und zu leiten. Wir wollen aber auch alle wirklich lebendigen Kräfte des Volkes als die tragenden Faktoren erfaffen, wollen uns redlich bemühen, diejenigen jufammenjufügen, die eines guten Willens find und diejenigen unschädlich zu machen, die dem Volke zu schaden versuchen. Aufbauen wollen wir eine wahre Gemeinschaft aus den deutschen Stämmen, aus den Ständen, den Berufen und den bisherigen Klaffen. Eie soll zu jenem gerechten Ausgleich der Lebensintereffen befähigt fein den des ge» amten Volkes Zukunft erfordert. AuS Dauern, Bürgern und Arbeitern muh wieder werden ein deutsches Dolk. Es soll für ewige Zeiten i» eine eigene treue Derwahrung nehmen unseren Glauben und unsere Kultur, unsere Ehre und unsere Freiheit- Der Welt gegenüber aber wollen wir. die Opfer des Krieges von einst ermessend, aufrichtige Freunde fein, eines Friedens, der endlich die Wunden heilen soll, unter denen alle leiden. Die Regierung der nationalen Erhebung ist entschlossen, ihre vor dem deutschen Volke übernommene Ausgabe zu erfüllen. Sie tritt daher heute hin vor den Deutschen Reichstag mit dem heißen Wunsch, in ihm eine Stühe z u finden für die Durchführung l^rer Mission. Mögen Sie, meine Männer und Frauen, als gewählte Vertreter de» Volkes den Sinn der Zeit erkennen, um mitzuhelfen am großen Werk der nationalen wieder er Hebung. In unserer Mitte befindet sich heute ein greises Haupt. W i r erheben uns vor Ihnen, Herr Generalfeldmarschall. Dreimal kämpften Sie auf dem Felde der Ehre für oas Dasein und die Zukunft unseres Volkes. Als Leutnant in den Armeen des Königs für die deutsche Einheit, in den Heeren des Alten Die Truppen der Potsdamer Garnison und die nationalen Verbände hatten im Lustgarten zum Vorbeimarsch vor dem Reichspräsidenten Aufstellung genommen. Unter den Ehrengästen, die dem Festakt und der Parade beiwohnten, waren viele Generäle der alten Arme«, darunter Feldmarschall von Mackensen und Generaloberst v. S e e d t. An dem Vorbeimarsch nahmen teil drei Bataillone des 9. Infanterie- Regiments, Truppen des 4. Reiter-Regimentes, die 4. Abteilung des 3. Artillerie-Regimentes, die R.ch.ich.en-Ab.eilung 3 u d d e Salutbatterie. Dann folgten Qlbte.hingen der SA., der SS., des Stahlhelms und der Kriegervereine, auf deren Beteiligung der Reichspräsident besonderen Wert gelegt hatte. Heller Sonnenschein, der die Regenwolken des Morgen verscheucht hatte, beleuchtete daö imposante Bild der Uniformen und der festlich gestimmten Menge. Auf einer großen Tribüne waren die Mitglieder der Reichsregierung und des diplomatischen Korps, eine andere große Tribüne war von bin Mitgliedern des Reichstag.«» besetzt. Die Geistlichen der Garnisonkirche im Ornat und Mitglieder des Oberkirchenrates stellten sich neben der Tribüne auf. Entblößten Hauptes begrüßten die Massen dann mit Heil- unö Hucraru.en den Reichspräsidenten, als er aus dem Kirchenportal herar s.rat und die alten Veteranen aus den Kriegen des 19. Jahrhunderts mit Händedrücken begrüßte. deutschen Kaiser- für deS Reiche- glanzvolle Aufrichtung, im größten Kriege aller Zeiten aber als unser Generalfelomarschatl f ü t den Bestand des Reiches und für die Freiheit unseres Dolkes. Sie erlebten einst des Reiches Werden, sahen vor sich noch des großen Kanzlers Werk, den wunderbaren Ausstieg unseres Dolkes und haben uns endlich geführt in der großen Zeit, die das Schicksal uns selbst miterlcben und mitdurchkämpfen ließ. heule, Herr Generalfeldmarschall, läßt Sie die vorjehung Schirmherr sein über öle neue Erhebung unseres Volkes. Dieses 3hr wundersames Leben Ist für uns alle ein Symbol der unzerstörbaren Lebenskrafl der deutschen Ration. So dankt 3 hnen heute des deutschen Volkes 3ugenb, und wir nehmen 3hre Zustimmung zum werk der deutjchen Erhebung als Segnung. Möge diese Kraft auch mitteilen der nunmehr eröffneten neuen Vertretung des Volkes. Möge uns dann aber auch die Vorsehung verleihen, jenen M u t und jene Beharrlichkeit, wie wir sie in diesen für jeden Deutschen geheiligten Raum um uns spüren, als für unseres Volkes Freiheit und Gröhe ruhenden Menschen zu Füßen der Bahre seines großen Königs. Ausklang. Die Festverfammlung hatte sich von den Sitzen erhoben, als der Kanzler in feinen Schlußaus.ührungen dem Reichspräsidenten Worte des Dances und der Ehrfurcht widmete. Der Reichspräsident erhebt sich, zwei Herren seiner Begleitung nehmen die Kränze von den Altarstusen und folgen ihm, nachdem die beiden Geistlichen die Tore des Grabgewölbes geöffnet haben, zu den Gräbern der beiden preußischen Könige. Während der Reichspräsident in dem Gewölbe verweilt, spielt die Orgel in die Stille hinein leise „Wir treten zum Beten". Dann tritt der Reichspräsident in die Kirche zurück, er verneigt sich nach beiden Selten, die Arme der Nationalsozialisten fliegen hoch zum Gruß, und zwischen ihnen schreitet nun der Reichspräsident mit I seinem Gefolge hindurch und erhebt den Marschall- ftab zum Gruß. Von neuem braust die Orgel auf, und langsam leert sich die Kirche Ein großer Augenblick der deutschen Geschichte ist oorübergerauscht. Mit diesen alten Kriegern unterhielt er sich mit einem frischen glücklichen Ausdruck in den Mienen. Der Kronprinz begrüßte unter den Heilrufen der Menge den Reichspräsidenten. Cs folgte eine Begrüßung zwischen Hindenburg und Macken- s e n und den Führern des Stahlhelms- Dann nahm er seinen erhöhten Platz auf der Tribüne ein, mit dem Marschallstab die huldigende Menge grüßend. Pünktlich um 13 Llhr begann der Parademarsch. Die alten Fahnen wurden jubelnd begrüßt. Hoch aufgerichtet grüßte Feldmarschall von Hindenburg mit dem Marschallstab die vorbeimarschierenden Abteilungen. Rach dem Vorbeimarsch der Kapelle der Berliner Schutzpolizei richtete der Reichspräsident anerkennende Worte an den Schuhpolizelkommandeur Lange. Die dann folgenden Abteilungen der SA. und SS. grüßten den Reichspräsidenten mit dem Hitlergruh. Jubelnde Heilruse durchrauschten die Menge der Zuschauer, als Hindenburg den jungen Rationalsozialisten mit dem Marschollstab grüßend zuwinkte. Der Jubel erneuerte sich beim Vorbeimarsch der Stahlhelmer, der Dcutschnationalen Jugend und der Kricgervereine. Langsam und in guter Ordnung verstreuten sich die Menschenmassen, nachdem gegen 13.45 Uhr der Reichspräsident und der Reichskanzler unter stürmischen Ovationen durch ihre Abfahrt die große nationale Feier beendet hatten. soll. Schließlich sollen sich die vier Großmächte bemühen, außerhalb Europas und in den kolonialen Fragen gemeinsame Richtlinie» zu befolgen. Obwohl der Entwurf den Beitritt weiterer Mächte zuläßt, betrachtet man ihn in Frankreich als den Versuch einer „Erpressung", die an Frankreich begangen werden soll, indem man es von seinem östlichen Verbündeten und von dem ihm gefügigen Genfer Milieu trennt. Man spricht von den „beiden Diktatoren", die Frankreich in der Aktion: fahigkeit lähmen und es zur Einwilligung in territoriale Revisionen zwingen wollen. Offenbar hofft die französische Regierung, durch eine grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft, aber mit einer aufgebrachten Deffentlidjfeit im Hintergründe, die klaren Linien des Entwurfes mit Zusätzen, Vorbehalten und Interpretationen bis auc Unkenntlichkeit verwischen zu können, ohne dis Verantwortung für ein Scheitern dieses neuen Frie» denswerkes übernehmen zu müssen. Terrorplane der KPN. in Riederschtesien aufgedeckt. L l e g n i tz , 20. März. (TU.) Den Bemühungen der Landeskriminalpolizei bei der Regierung in Liegnitz ist es gelungen, in den letzten Wochen einen umfangreichen Terrorplan der KPD., der sich über ganz N i e d e r s ch I e s i e n erstreckte, aufzudecken Eine Aktionszentrale befand sich u. a. in der Wohnung des kommunistischen Arbeiters K u h n t in Seidenberg-Lberlausiß. Dort waren in wiederholten Zusammenkünften führender Kommunisten Pläne über eine Terroraktion gegen öle nationale Regierung besprochen worden. Zu ihrer Durchführung sollten die Mitglieder der örtlichen KPD. durch auswärtige, besonders aktive Gruppen, die bereits bewaffnet waren, verstärkt werden. Es war beabsichtigt, die Fernsprechleit ungen zu zerschneiden, Postämter zu sprengen, Beamte und Grenzbeamte zu entwaffnen und die gesamte Stadt Seibenberg-Oberlausitz von jeglichem Verkehr mit der Außenwelt abzuriegeln. Einige namhafte Bürger sollten als Gei- fe l n festgenommen werden. Weitere Angaben über die geplanten Einzelheiten können im Interesse der Landessicherheit nicht gemacht werden, da sie in Verbindung mit der nahen tschechischen Grenze stehen. Eine zweite Terroraktion großen Stils konnte von der Landeskriminaipolizei Liegnitz i n Sagar, Kreis Rothenburg, aufgedeckt werden. Der in Sagar wohnhafte Kommunist Gustav Cona scheint dort das Haupt einer umfangreichen Terrorgruppe zu fein. Bei Lona, der inzwischen ebenfalls verhaftet wurde, sind kommunistische Stoßtrupps im Straßen- kampf und im Waffengebrauch geschult worden. Umfangreiches Kartenmaterial, das mit Einzeichnungen militärstrategischen Charakters versehen war, sowie eine Unmenge hochverräterischer Schriften und gefährlicher Waffen konnten eftgestellt werden. Zur Zeit dieser Feststellungen ind im gesamten Gebiet Niederschlesiens 3 3 7 P e r- onen wegen schweren Verdachts des Hochverrat» n Haft genommen worden. Das erste Konzentrationslager für kommunistische Funktionäre. München, 20. Märq. Rach einer Mitteilung des Münchener Polizeipräsidenten Himmler werde die Schutzhaft in den einzelnen Fällen nicht länger aufrechterhalten, als notwendig ist. Ferner teilte der Polizeipräsident mit, daß t n der Rähe von Dachau bei München am Mittwoch das erste Konzentrationslager mit einem Fassungsvermögen von fünftausendMenschen eröffnet werde. Hier würden die gesamten kommunistischen, Reichsbanner- und sonstigen marxistischen Funktionäre zusammengezogen. Bei den kommunistischen Funk- tionären tonne man nicht an eine Freilassung denken, weil sich in einzelnen Fällen ergeben habe, daß sie sosort weitcrhehten, sobald sie in Freiheit gesetzt seien. Der Vorbeimarsch im Lustgarten. Neue Huldigungen für den Reichspräsidenten und Feldmarschall. gleich ihren unerschütterlichen Millen, da» groheReformwerkberReorganl- s a t i o n des deutschen Volkes und des Reiches in Angriff zu nehmen und entschlossen durchzuführen. 3m Bewußtsein, im Sinne des M.llens der Ration zu handeln, erwartet die nationale Regierung von den Parteien, daß sie nach löiähriger deutscher Rot sich emporheben mögen über die Beengtheit eine» doktrinären, parteimäßigen Denkens, um sich dem eisernen Zwang unterjuorbnen, den die Rot und ihre drohenden Folgen uns allen auferlegen. Denn die Arbeit, die das Schicksal von uns fordert, muh sich hirmfjod* erheben über den Rahmen und das Mesen kleiner tagespolitischer Aushilfen. Wir wollen wiedrrherstcllen die Einheit des Geistes und des Willen - der deutschen Ration! Wir wollen wahren die ewigen Fundamente unseres Lebens: unser Volk und die ihm gegebenenKräfte undWerte. Wir wollen die Organisation und dieFüh- runq unseres Staates wieder jenen Grundsätzen unterwerfen, die zu allen Zeiten die Vorbedingung der Größe der Völker und Reich« waren. Wir wollen die großen Traditionen unseres Volkes, seiner Geschichte und seiner Kultur in demütiger Ehrfurcht hegen, als unversiegbare Quellen einer wirklichen inneren Stärke und einer möglichen Erneuerung in trüben Zelten. Wir wollen das Vertrauen in natürliche und richtige Grundsätze der Lebensführung verbinden mit einer Stetigkeit der politischen Entwickelung im Innern und Aeu- ßern. Wir wollen an die Stelle des ewigen Schwankens die Festigkeit einer Regierung Paris legt Gegenminen.-Oie presse läutet Sturm für Oesterreich, Bulgarien und Ungarn gelten Oberversicherunnsarnles Berlin. Kleine politische Nachrichten. Staatspräsident Dr. Werner hat mit ber 2 e i - tung derPresse stelle ber hessischen Staatsregierung ben bisherigen Leiter bet nationalsozialistischen Gaupresscstelle Hans Falk in Darm- ftabt beauftragt. Der Reichsarbeitsminister hat die ersten Reichskommissare zur Aufsichtsfüh- runa über Krankenkassen bestellt. Die Bestellung betrifit die Allgemeinen Ortskrankenkassen Breslau, Dortmund, Franifurt a. M. sowie ben Verband der Krankenkassen im Bezirk des Der vom französischen Mitarbeiter deS „Daily Telegraph", dem bekannten rechtsstehenden Journalisten P e r t i n a x gemeldete, angeblich authentische Inhalt des Entwurfes ist, vom deutschen Standpunkt betrachtet, geeignet, die naheliegenden Bedenken zu zerst r e u e n , die sich aus den ersten sehr lakonischen Veröffentlichungen ergaben. Die wichtigsten materiellen Bestimmungen dieses fünf Artikel umfassenden Entwurfes sollen die Erklärung über die „eventuelle Revision der Friedensverträge" und die über die Verwirklichung der im Dezember vorigen Jahres Deutschland zuerkannten „vollen Gleichberechtigung" sein, ein Grundsatz, der auch Frankreich und der Viermächteplan Die Berliner Staatsanwaltschaft I hat gegen den Reichsminister a. D. Dr. Hermes, dein ll n - treue zur L a st gelegt wird, ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dr Hermes wird beschuldigt, als Präsident ber Bereinigung der christlichen deutschen Bauernvereine erhebliche Gelder, die ihm zur Stiftung von landwirtschaftlichen Genossenschaften und Bauernvereinen anvertraut waren, zweckwidrig verwand t zu haben. Dr. Hermes erklärte, daß er berechtigt gewesen wäre, über die Gelder so zu verfügen, wie es geschehen sei. Das pariser Echo. Paris, 21.März. (WTB. Funkspruch.) Ein unter Vorsitz des Präsidenten Lebrun abgc- haltener Ministerrat hat sich, wie Havas erklärt, in ber Hauptsache mit dem „Vier- mächtepakt-Entwucf Macdonalds und Mussolinis" befdyäft'.gt. Ministerpräsident Dala'oier und Außenminister VaullBoncour würden, so meint Havas, heute Den englischen Staatsmännern ihre „herzliche Zustimmung" zu ber in Rom ergriffenen Initiative geben und erllären, baß Frankreich zur Teilnahme an dem geplanten Vertrag bereit sei. Rur würden sie versuchen, d i e Einzelheiten in Muße prüfen zu können, da gewisse Bestimmungen ihnen auf den ersten Blick hin ernstliche Aenderungen erforderlich zu machen schienen. Die von Havas angekündigte „herzliche Zustimmung" steht in auffallendem Gegensatz zu der scharfen Polemik, die in der gesamten französischen Presse, einschließlich der of- siziösen, eingesetzt hat- Zunächst sucht man durch die verabredungswidrige, auf dem ilmtoeg über England erfolgte Veröffentlichung des Vorentwurfes die Stimmung für diplomatische Verhandlungen ungünstig zu beeinflussen. „Echo de Paris" schreibt Seit Dezember hatten sich alle französischen Minister gegen die Wiederaufnahme de-Vierer-oder Fünfcrkonferenzen gesträubt: jetzt wolll man sie Hals über Kopf in eine stündige Viererkonferenz hineinziehen. So blockiert und überwacht werde Frankreich der für die Ausübung seiner Bünd- ni-pflichten unerläßlichen Aktwnsfreiheit und Der westdeutsche Führer deS Kampfbundes für deutsche Kultur, Dr. Werner K u l ä (Darmstadt), wurde zum Fachberater für Kunstange- legenheiten (Theater und bildende Künste, für Volkstumsfragen und Hochschulwesen i n d a s hessische Kultusministerium beru- f e n. Dr. Kulz ist Leiter der Zeitung „Die Sonne" und Herausgeber des Völkischen Pressedienstes. Am Hessischen Landestheater wurden die Schauspieler Gallinger und Perh'.a entlassen. Der Verwaltungsdirektor Dr. Sander, der Dramaturg Dr. Gürster und die Spielleiter Hirschselb und Adler wurden vorläufig beurlaubt. seiner gegenwärtigen militärischen lleberlegenhcit beraubt fein. „I o u r n a 1" erklärt, Maedonald fürchte ben W i b e r st a n b. Ein Widerstand fei möglich bei Frankreich: noch wahrscheinlicher sei er bei den Mächten, bie Opfer bringen sollen. Macdonalb erkläre, baß man ihnen keine Gewalt antun werbe; aber es gebe doch noch etwas Ernsteres als bas Diktat, nämlich ben Verfuch, ben Hinweis auf eine etwaige Störung bes Weltfriebens zu po- litifchen Erpressungen zu benutzen. Man werbe Polen nicht etwa sagen, ber Danziger Korribor mu^ aufgegeben werben, sondern man werbe ihm erklären: Wenn bu bich nicht bamit abfinbeft, über» nimm ft bu bie Verantwortung für bie Beunruhigung ber Welt. Ein Diktat sei immerhin loyaler. An ber englischen Haltung fei alles 3 ro e i b e u t i g. — die Qualitäts - Zahnpaste — Zur Herstellung der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont - Zahnpaste werden nur die anerkannt besten Rohstoffe verarbeitet. Chlorodont, morgens und vor allem abends benutzt: macht die Zähne blendend weiß und erhält sie gesund ist sparsam im Verbrauch und daher preiswert. Klein-Linden, den 19. März 1933. 1943 D 1937D Im Trauerfall 3048 anrufen 8 ” W W OVsl Seltersweg 81 1676A Spezial-Abteilung für Trauerkleidung! Die tieftrauernd Hinterbliebenen: Karoline Speier, geb. Kraft Karl Klinkler und Frau Friedrich Speier II und Frau Familie Hermann Speier Familie August Speier Walter Speier und 4 Enkelkinder. Heute abend verschied ganz plöizlich und unerwartet mein lieber Mann, unser lieber, stets treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 22. März, nachmittags 21/i Uhr, vom Trauerhause Frankfurter Straße 69 aus statt. Verein der Tabak'Industriellen von Gießen und Umgegend E.V. gez Schirmer, Kommerzienrat. Gießen, den 20. März 1933. Verkaufe 1 oldenß. Pferd 4jährig (unter drei bte Wahl. i96oD Karl Meß, Landwirt, Butzbach,Schloßstr.4 Am Freitag, dem 17. März d. verschied nach kurzer Krankheit Herr Karl Stark jr. in Fa. Ch. F. Noll, Zigarrentabrik im blühenden Alter von 25 Jahren. Wir betrauern in dem Heimgegangenen einen liebenswürdigen jungen Kollegen, der die Hoffnung seiner Firma und der Stolz seiner Eltern war. Wir werden das Andenken des so früh Heimgegangenen stets in Ehren halten. Herr Friedrich Speier Kupferschmied i. R. und Postagent im 66. Lebensjahre. 1,8 Liier ODel-Ka&rioletl Zsitzig m. 2 Notsitzen, i.hervorragnd. Verfassung, umständeh. preiswert abzugeb. Schr. Ang.u. 1959v an den Kietz. Anz. Gut erhaltenes 01783 Klavier bill. abzug. Näh. in d.Geschäftsst.d.G.A. Eichen. Schreibtisch billig z. verkauf, «tu Friedrichstraße 9 Bess.Einlani.'llaus rn.Heizung, Garten, freie Lage z. verm., ev. zu verkauf. on»i J. Baar, Ostaul. 481. KolferuFammophoo | m. P ntten billig zu oerk. Neustadt 47,1. Bienenhonig feinster Qual., Psd. 1.20 Mk.o Gl.,verk. solange Vorrat wtd Ed. Schäfer, Imker 91m Rafniinasb 10 | Kaufgesuche | liuierBrilianl zu kaufen gesucht. Schr.Ang. m. Preis u. 01786 a. d.G.A. | Vermietungen | Groll, d. klein. Zimmer mit Zubehör leer zu vermieten. Schrift!. Angebote u. 01795 andenGietz.Anzeig. Saubere Schlafstelle an berufstät. Herrn billig zu vermieten. Schr. Ang. u.01787 an den Gietz. Anz. | Mietgesuche | Zum l.Juli sonnige 4-Zimmer- Wohnung mit Bad o. höherem Beamten gesucht. Ostoiertel bevorzugt Schr. Ana. u. 1976d an den Gietz. Anz. | Verkäufe | 5-6-Zimmer- Wohnung mögl Kliniksnähe z. 1.4.od.spät.gesucht. Schr. Ang. u. 1956d a. d. Gietz. Anzeiger eoeeeeeeeeee Mehrere läiMweioe zu verkaufen, onae Ebelstraste 28 Verkaufe einen Jagdhund. Förster Römer, Hachborn, Kr. Marburg. 01709 „Die Erbtante kommt** Ein neues Spiel um Liebe und Magen Personen. Paul Jlling, ein Junggeselle; Agathe Werten, seine Tante. Hinterher: Verteilung von Kochproben! Heute entschlief unsere Hebe, treue Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Fran Katharina Arnold Wwe., Oeb.Nicolai im 82. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Post, Wieseck Familie Heinrich Arnold, Frankfurt a. M.-Rödelheim Familie fheodor Rühl, Lieben Familie Karl Arnold, Glehen. Gießen (Erlengasse 11). den 20. März 1933. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 22. März, nachmittags 21 /3 Uhr. von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt _______________________________________________01785 Gießen, den 20. März 1933. 01774 Danksagung. Für die vielen Beweise heizlicher Teilnahme, für die Kranzspenden, sowie den kath. Schwestern für die liebevolle Pflege, ebenso für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers bei dem Heimgange meiner lieben, unvergeßlichen Frau spreche ich anf diesem Wege meinen wärmsten Dank aus. Der tieftrauernde Gatte: Fr. Schmerle. Billige Tapeten Einige tausend Rollen RESTE ohne Rücksicht auf den früheren Preis jetzt 18, 25, 35, 45 usw. Pf. per Rolle Heinrich Hochstätter Brandplatz 1947 A Bei Kopfschmerzen I NblMET.ACPHENYlÄ ' PHENACUTHIUM ' 10Tabla60 20Tabl.1,o5j Rheuma-Muskel-u. Nervenreißen kaufen Sie in der Apotheke eher nut* Herbin Sfodin uSie werden angenehm überrascht sein.. H O. ALBERT WEBER. MAGDEBURG. den 23. März 86 aus. 1954Ö Stadttheater Gießen jeooD Mittwoch,WLNärz, 20—22.15 Uhr 23. Mittw.- Abonn. Gewöhn! Preise Zum letzten Male 1 Nina. Komödie in 3 Akten von Bruno Frank. Mittwo-„22.März, abends 6.25 Uhr Rundfunk- Zwiegespräch über Angestelltenversicherung. Hörgelegenheit i. Heim. Vortrag, Donners- Saus-Abbruch Das Haus Bahnbof- stratze 20 in Gietzen soll auf Abbruch vergeben werden. Die Bedingungen lieg, in mein. Büro offen. Die Angebote sind bis zum 25. d. M. bei mir einzureich. Architekt B.D.A. PH.Nrcolaus. istoD | Stellenangebote| Flotte Schreibmaschinen- Schreiberin zur Aushilfe gesucht. Kurze schr. Ang. u. 1971p a. d. G. A. Zuverlässiges, in all. yausarbeit. bewan. Hausmädchen ür sofort gesucht. Schr. Angeb. unter 01780 o. d. G. A. Perfektes, ehrliches kinderliebes oi-eo Mädchen gesucht. Zu erfr.i.d. Geschäftsst.d.G/A. Mittwoch, den 22. Mär; 1933, nachmil- tag» 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Zum Löwen", zwangweise gegen Barzahlung: 1958D Büfetts, Kredenzen, Schreibtische, Bücherschränke, Schreibmaschinen, 2 Sessel, 2 Photoapparate, 1 Schwammschrank, Warenschränke, 1 Ladentheke, 1 Photograph ion, 1 Elektromotor mit Schleif- maschine, 70 Mistbeetfenster. Junker Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 3-6000 MN. als 1. Hypothek auf Hausgrundstück gef. Schriftl. Ang. unt. 01792 a. d. Gtz. Az, Darlehen von L 1000.- bis 2000.- v.Selbsigeb.gesucht Erstklassig.Hypotbek von M. 8000.— als Sicherb. Schr. Ang. u. 01782 a. d. G. A. Vereine [enlscheVolkspartei Gießen. Wir bitten unsere Mitglieder, sich recht zahlreich an dem heutigen m?4D SsBekzus ZU beteiligen. Alles Nähere ist aus der Zeitung zu ersehen. Der Vorstand. Suche zum 1. April ordentliches Mädchen m. guten Zeugnissen welches kochen und etwas nähen kann. Schr. Ang.u. 1949v an den Gieh.Anzeig. | Verschiedenes! Sclireilinaschlnen neu und gebraucht, schon für RM.1O.— monatlich. U67A Franz Vogt & Co. Seltersweg 44 Ruf 2464 Suche in der Umg. von Gietzen eine Metzgerei an pachten. wsd Offerten unt. P IGO postl.vaäVUSuogeu. Auch wenn es draußen noch so kalt und unfreundlich ist, sorgt Ihre Nase dafür, daß die Luft eines gemäßigten Klimas in Ihre Bronchien gelangt. Die reichlich durchblutete Nasenschleim« haut hat nämlich die Fähigkeit, die zu kalte oder zu trockene Atemluft zu erwärmen, zu durchfeuchten und von Staub und Bakterien zu befreien. Darum soll man durch die Nase atmen. cV) L Am Mittwoch, dem 22. März 1933, abends 8 Uhr, für jedermann, am Donnerstag, dem 23. März, am Freitag, dem 24. März 1933, nachmittags 4 Uhr nur für Hausfrauen, und abends 8 Uhr für jedermann In GIESSEN im Saale des Cafe Leib Kinder unter 16 Jahren haben keinen Zutritt I Grofye Gratisverlosung: In jeder Vorführung 1 Unionbrikef t-Zimmeroien und viele Trostpreise! Euittitt frei! Der Union-Brikett vertreibende Handel 194J V Atmet man nämlich durch den Mund, so gelangt die Luft kalt, trocken und unfiltriert in Rachen und Lungen. Es entsteht jene abnorme Trockenheit des Rachens, die nidft nur lästig ist, sondern auch die Widerstandsfähigkeit der Mund- und Rachenschleimhäute herabsetzt und leicht zu Erkältung und Infektion führt. Schnupfen, Halsentzündung, Heiserkeit, Kehlkopf-und Rachenkatarrh oder noch Ärgeres sind die Folgen. Bewahren Sie sich davor, indem Sie durch die Nase atmen und WYBERT nehmenI Wybert-Pastillen regen die Speichelsekretion an, wirken beruhigend und überziehen die Atemwege mit einer erfrischenden, reizmildernden und schützenden Schicht. Aus reinen Naturprodukten hergestellt, werden Wybert auch vom empfindlichsten Magen ausgezeichnet vertragen. Große Dose mit ca. 400 Wybert... 90 Pf. Kleinere Dose für die Tasche .... 45 Pf. Hr. 68 Zweites Blatt Dienstag, 2t. März 1933 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberheffeM Aus der Provinzialhauptstadl. Bussarde über der Heide ... Ein kurzer, harter Schrei klang auf, ein zweiter, ein dritter ... Die Sonne lag hell über Wald und Heide. Die Frühlingssonne muhte sich, die Luft zu erwärmen, und tatsächlich gelang es ihr, an windgeschützten Stellen die Luft leicht zum Flimmern zu bringen. Drüben aus dem Tal wuchs der Berg blau auf. Die dürren und brüchigen Gräser der Heide bewegten sich zittrig im leichten Wind. An den Zweiten der Bäume Mißte sich ein feines Grün, sah man die ersten zarten Triebe eines neuen Lebens, das zur Offenbarung dränßte. Wieder klangen die drei kurzen Schreie auf. Ich lauschte. Wußte nicht, woher sie kamen. Ich versuchte, mir im Geiste die Herkunft der harten Rufe zu erklären. Es war schwer, es gelang nicht. Auch die Augen suchten vergebens. Bis wieder einer .jener kurzen, klaren Bogelschreie erklang, unverkennbar der Schrei eines Raubvogels ... Ich sah über den Wald hin. in die Runde über die Heide, suchte mit den^Augen im Blau des Himmels, und mich überlief jene Freude, die mich immer erfaßte, wenn ich im freien Wolde und im Felde ein Tier sah, daß sich seiner ungebundenen Freiheit erfreute. Mochte es eine bescheidene Wachtel im braunen Federkleid sein, das schlanke Reh, das durch den Wald huschte, das Wildschwein, das ich an einem glücklichen Tage im Spessart im Eichenlaub des tiefen Waldes wühlen sah; immer wieder macht mir das freie Tier Freude. Wieder klang der Schrei durch die klare Luft des Frühlingstages und diesmal — über mir. Ja? Hoch über mir im Blau, das die Augen schmerzte, wiegten sich zwei Bussarde in majestäli- schern Flug, in ruhigem Spiel der Luft anheimgegeben, zogen ihre Streife, stießen hin und wieder kurze Schreie aus, schraubten sich mit wenigen Flü- Selschlägen wieder höher, schwebten wieder, daß das reite Bild ihrer Flügel wie eine unbewegte Silhouette zum Himmel stand. So spielten sie lange das Spiel ihres vollkommenen Fluges. Allmählich glitten sie seitlich ab, ohne jedoch ihr lautloses Streifen zu unterbrechen. Bald entschwanden sie den Blicken hinter der dunklen Mauer des Waldes. Leiser und ferner wurde ihr kurzer Ruf. Morgen, so hoffe ich, werden sie wieder über der Heide kreisen, wieder rufen, sich wieder das Gefieder von der Sonne wärmen lassen, fliegen ihren vollkommenen Flug ... Oie Siadi in Zlaagen. Die Bevölkerung unserer Stadt ist vorbereitet auf das nationale Ereignis der heutigen Reichstags- eröffnung unö gibt das rein äußerlich dadurch kund, daß fast jedes Haus im Innern der «tadt in Flog- genschmuck prangt. In den Hauptstraßen (Selters- weg, Bahnhofstraße, Marktstroße, Neustadt, Walltorstraße, am Marktplatz usw.) ist kaum ein Haus, das nicht di? Farben Schwarzweißrot ober die Haken- kreuzflaggc zeigt. Die Straßen bieten, unterstützt durch den hellen Glanz der strahlenden Frühlings- sonne, ein prächtiges Bild. Sprechtage bei den hessischen Ministerien einhalten! WSN. Angesichts des unaufhörlich anwachfendcn Befucherzustroms in den Ministerien läßt der Stan3- leidirektor des Innenministeriums, Abo. Haug, erneut darauf aufmerksam machen, daß das Publikum ersucht werden muß, die Sprechtage Montag urtb Freitag, von 10 bis 12 Uhr, e i n z u h a l t e n. Besuche zu anderen Zeiten werden kaum noch möglich fein. Konzert der Klavierschule Körner. Zu den Musikschulen, dir sich schon jahrzehntelang um das musikalische Leben sehr verdient gemacht haben, gehört die K l a v i e r s ch u l e K ö r- ncr. In treuer Pflichterfüllung die ihr anvertrauten Zöglinge gewissenhaft und verständnisvoll bildend, hat sie eine ganze Reihe wohlgeschulter Pianisten ins Leben geschickt und damit unserer durch Radio und Jazz zurückgedrängten Hausmusik den größten Dienst getan. Das Konzert am Sonntag, das durch einen von Ursula Koch mit rührender Kindlichkeit wieder- gegebenen Vorspruch eröffnet wurde, führte die Schüler in das Feuer der Oeffentlichkeit, das keine H lbheiten bestehen läßt. Die dem Können der Einzelnen angemessene Auswahl von Dach bis Lifzt verriet die erfahrene Pädagogin. Der Vortrag lieh erkennen, daß oberster Grundsatz der Lehrerin ist, ihren Zöglingen ein solides technisches Rüstzeug als Grundlage für spätere Erfolge mitzugeben. was durch den sparsamen Pedalgebrauch auch klar in Erscheinung trat. Horst Mehl spielte frisch und sauber, dabei in dem Dachpräludium eine schöne Geläufigkeit zeigend, ebenso trug Margret Dill den Marsch von Gade rhythmisch sicher vor. Helmut D r u n s besitzt viel natürliche Musikalität, dies besonders in der Eonatenbegleitung zeigend, die für den jugendlichen Spieler schon recht beachtlich war. Herr Erwin Müller ist eine ausgesprochene pianistischr Begabung. Dei dem hohen Stand seiner Ausbildung scheint ihm die Lösung technischer Ausgaben besondere Freude zu machen, was er in Lisztschen Kompositionen mit viel Erfolg bewies. 3m Hinblick auf das gemeinsame Musizieren ist es erfreulich, daß eine Reihe von Schülerinnen sich auf dem schweren Gebiet der Begleitung versuchte. Außer technischem Rüstzeug gehört dazu viel Einfühlung. Frl. Lud - w i g begleitete ein Largo mit Ruhe und hübschem Anschlag, Frl. Petri, schon technisch recht gereift, ist mit ihrer Weichen Tongebung besonders zur Begleitung geeignet, rhythmische Präzision ist aber Grundbedingung. Frl. Ern- melius begleitete das Viottikonzert recht schmiegsam und in den Tuttis mit guter Musikalität und Frl. Muhl zeigte sich in der Händelsonate besonders rhythmisch sehr zuver- lässig. . Es war ein schönes Bild gemeinsamen Arbei- tens, daß Schülerinnen von Herrn Herrmann Frau Heermann, Herrn Bauer und Herrn Schüttler mitwirkten. Heilwig Rolof f (Cello) spielte exakt und sauber Sonaten alter Meister, Frl. Ludwig fang mit Erfolg Lieder, wovon die von Schubert am besten gefielen. Eine Hoffnung ist Waltraud S ch ä t t l e r. Wer das auch von Brahms geschätzte, technisch schwere Biottikonzert in diesem Alter so spielt, von dem darf man etwas erwarten. Die große Sicherheit im Zusammenspiel verlangende Doppelsonate von Händel wurde von den Geschwistern Zahn recht wacker bewältigt. Wer die Unsumme von Mühe und Arbeit kennt, die besonders der Musikpädagoge zu leisten hat. wenn er seine Schüler vorwärtsbringen will, der wird sich für die Leiterin ehrlich über den Erfolg des Konzertes freuen. Vortragsabend im OHV. Professor Dt. Auler über Sowjek-Rußland. Der DHV. hatte zum Samstagabend seine Mitglieder zu einem Vortrag in das Eafe Leib eingeladen. Prof. Dr. Auler sprach über Sowjet- Rußland. Der Redner erklärte il a., er habe mit vielen maßgebenden Funktionären gesprochen und sich durch eigene Anschauung selbst ein Urteil zu machen versucht. Rußland biete heute rein äußerlich kein erfreuliches Bild. Es herrsche größte Rot unter der Bevölkerung. Dabei werde fieberhafte Bautätigkeit gepflegt. 3n den Industriezentren balle sich die Menschheit zusammen. Wohnungsnot herrsche in den Großstädten in beispielloser Form. Man finde Menschen in Erdhöhlen wohnen. Warenmangel äußere sich in vielen leeren Schaufenstern und erstrecke sich auf alle Produkte. Man könne sagen: Rußland baue auf den Knochen der jetzigen Generation. Die Verkehrsverhältnisfe seien völlig unzureichend und entsprächen nicht im entferntesten den Bedürfnissen. Die Menschenerziehungsfrage sei ein schwieriges Problem. Arbeiter müßten durch Ausländer herangebildet werden. Die Vertreibung der eigenen Intelligenz habe sich schwer gerächt. Die Landwirtschaft sei in verschiedenen Formen kollektiviert, durch Maschinisierung versuche man die Erträge zu steigern. Das Ergebnis sei aber nicht befriedigend. Die Landwirtschaft sei überhaupt das Schmerzenskind in USSR. Eine weitere negative Erscheinung sei das Antireligiöse. Man suche alles von der Materie abzuleiten. Der Bolschewismus, die materielle Auffassung von allen Dingen, sei Religion. Land ohne wahre Religion sei aber dem Untergänge geweiht. Das Familienleben sei nahezu völlig zerstört. In Rußland gebe es allerdings auch Erscheinungen, die zu bejahen seien. Die sozialen Anstalten seien sehr weit ausgebaut. Der Arbeiterschutz spiele eine große Rolle. Mancherlei Unterstützung werde dem Arbeiter zuteil. Der Wohnungsbau we^de gefördert, die Sterblichkeitsziffer sinke. Man sei bestrebt, die Kultur auf breitere Basis zu stellen. Museen, Theater, Lese- und Spielsäle dienten der Bildung. Die sozialistische Propaganda werde aber überall betrieben. In der USSR -Wirtschaft sei viel geleistet worden. Es handele sich aber mehr um ein technisches Phänomen. Zu Grunde liege allem die Planwirtschaft. Der Fünfjahresplan bestimme das wirtschaslliche Vorhaben. Die neu geschaffenen Industriewerke lägen aber zum großen Teil still. Es fehle allenthalben an Wirtschaftlichkeit. Rußlands Verhältnisse lägen in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht weit unter dem deutschen Standard Eine akute Gefahr bedeute die russische Wirtschaft für die Wirtschaft des Westens nicht, wenn auch der Gegner nicht zu unterschätzen sei. Aus Deutschland sei der Bolschewismus nicht zu übertragen; das würde das Chaos bedeuten. Cs sei ein Verdienst der jetzigen Regierung, daß sie den bolschewistischen Ideen und der Bewegung energischen Widerstand entgegensetze und die Ausbreitung dieser Ideologie verhindere. Der Vortrag wurde mit großer Aufmerksamkeit ausgenommen. Obst- und Gartenbauverein Giehen. Im Saale des Hotel Hopseld hielt am Sonntag der Obst- und Gartenbauverein Gießen seine Frühjahrs-Mitgliederversammlung ab. Aach Erledigung geschäftlicher Mitteilungen über Arbeiten in den Vereinsgärten, Edelreiser-Vertellung usw. ging der Vorsitzende auf die Spritzung der Obstbäume näher ein. Wie im Weinbau es jeder Winzer für unerläßlich ansieht, daß im Lause d"2 Jahres we"i"stens dreimal grspriht w'.rd, well er weiß, daß sonst eine Ernte nicht zu erwarten ist, so mußte man aucy im Obstbau unbedingt zu einer ähnlichen Auffassung gelangen. Um der Schädlingsbekämpfung in der Gemarkung Gießen zu weiterem Auftrieb zu verhelfen, soll in Verbindung mit der Stadtverwaltung zu den bereits vorhandenen Baumspritzen eine weitere, fahrbare Spritze angeschafft werden. Diese soll der Behandlung größerer Baumbestände dienen und jedermann zur Verfügung gestellt werden können. Ein weiterer Punkt, der lebhafte Besprechung auslöste, betraf den neuen, organischen Humusdünger, den die IG.-Farben unter der Bezeichnung „Humidion" herstellt. Proben wurden vorgezeigt. Diplom^Sarteninspektor R ent sch von der Obstbauschule in Friedberg wies sodann in seinem Vortrag auf die verschiedenen Mißerfolge im Kleingartenbau hin. Um sie zu vermeiden und der Gartenarbeit ihren idealen Wert zu erhalten, müßten Selbstverständlichkeiten mehr Beachtung finden, die im Feldgemüsebau die erste Voraussetzung für den Erfolg bildeten. Als solche gelte die Durchführung der Fruchtfolge und der Düngung nach festgelegtem Plan, der am besten bereits im Herbst ausgestellt werde. Hierbei sei zu unterscheiden zwischen stark, schwächer und schwach zehrenden Kulturen. Wan müsse daher schon frühzeitig wissen, welchen Tell des Gartens man reichlich frisch zu düngen habe und welchen nicht. Von überragender Bedeutung sei die Beschaffung des Saatgutes. Richt vom Hausierer oder in einem billigen Laden kaufe man es, sondern vom solidesten Fachgeschäft, das man kenne. Die billigsten Samen seien auch geschenkt noch viel zu teuer, weil sie Enttäuschung anstatt Lohn für die Arbeit bringen, wenn man nicht wisse, unter welchen Umständen sie geerntet wurden. Auch der felbftgebaute Samen sei in der Regel minderwertig, denn Samenbau sei eine durch Erfahrung erworbene Wissenschaft. Zahlreiche Beispiele aus der Praxis erläuterten diesen Punkt, wie auch die Art, nach welcher durch ganz weitläufige Aussaat auf Saatbeeten (die alljährlich gewechselt werden müssen), weite Pflanzung, Bodenlockerung nach holländischem Muster auf nur 2 Zentimeter Tiefe während des Vorsommers viel Arbeit und Zeit erspart und doch sichere Erfolge erzielt werden können. Man sei vorsichtig mit Anschaffung neuer Sorten, wolle nicht immer besonders große, die an Güte meist zu wünschen lassen, kaufe keine ausländischen Tomaten und Bananen, die beide grasgrün im Aus lande geerntet, ihre Reife in elektrisch beheizten und beleuchteten Räumen in den Kellern deutscher Lagerhäuser erhalten, so daß deren Kräfte südlicher Sonne und Ditaminreichturn sehr fraglicher Ratur seien. Anderseits plage man sich im Kleingarten nicht mit der Zucht von Wintergemüsen, wie Weihktaut, das man viel billiger laufen als selbst ziehen könne. Dafür schmücke man seinen Garten mit reichem Blumenflor aus Sommerdlumen, Stauden, Dahlien, Gladiolen, Rosen und mit ihnen seine Wohnrüume. Zum Schluß betonte der Vortragende die hohe Bedeutung eines reichen Blumenschmucks innerhalb der Städte ganz besonders. Eine lebhafte Aussprache beschloß die anvegend verlaufene Bersammlung. Gictzcncr tvodieninarttprcifc« • Gießen. 21. März Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 110 Pf, Laudbutter 100, Kochbutter 80, Matte 20 bis 25, Wirsing (gelb) 15. (grün) 20 bi« 25. Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10. Spinat 25 bis 30, Feldsalat 100, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 18, Meerrettich 30 bis 50. Schwarzwurzeln 25 bi« 30, Zwiebeln 10. Kartoffeln 3 (pro Ztr. 2.50 Wk), Aepsel 20 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Rüsse 40, Obstmus 40 bis 45, Suppenhühner 70 bis 80, junge Hähne 70 bis 90 Pfennig pro Pfund; Tauben 40 bis 60. Eier (ird.) 7, Käse 5 bis 10. Blumenkohl 30 bis 60. Salat 25 bis 30, Endivien 10 bis 25. Sellerie 10 bis 30. Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bi« 15 Pf. pro Stück; Radieschen 20 Pf. pro Bund. Pornotizcn. — Tageskalender fürDienstag. Stadttheater, 20 bis 23 Uhr, „Glückliche Reife". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Rebell". — 21 us dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute 20 Uhr zum erstenmal die Operette „Glückliche Reise", Text von Bertuch. und Schwabach, Musik von Eduard Slünnecke. Spielleitung: Paul Wrede, musikalische Leitung: Sin- pellmeister Mach l; Einstudierung der Tänze: Ballettmeister B ä u l k e. Operettenprelse. 24. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. Ende 23 Uhr. — Morgen, Mittwoch, zum letztenmal die Stomöbie „Nina" von Bruno Frank. Spielleitung: Karl Heyser, Edith Berger in der Titelrolle. Gewöhnliche Preise. 23. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. — Freitag, 24. März, 24. Vorstellung im Freitag-Abonnement mit einer Wiederholung der Operette „Glück- liche Reise". Overettenpreise. Von 20 bis 23 Uhr. — Sonntag, 26. März, letzte Aufführung der Operetten- Revue „Im weißen Rößl" zu kleinen Operettenpreisen. Anfang: 18.30 Uhr; Ende: 21.30 Uhr. — Vortrag über Siebenbürger Deutschtum. Am Mittwoch, 20 Uhr. spricht in der Stadtkirche auf Veranlassung des Gustav- Adolf-Frauenvereins Pfarrer Dell aus Her- mannstadt (Siebenbürgen) über die zur Zeit besonders schwierige Lage des evangelischen Deutschtums in Siebenbürgen. Mit seltener Treue hat dieser deutsche Dolksteil im Südosten durch 800 Jahre an seinem Volkstum festgehalten und in gleicher Weise feit der Reformation auch seine evangelische Art bewahrt. Wie kaum sonst in der Geschichte erkennt man im Schicksal dieser Volksgenossen, wie eng Muttersprache und Religion, Volkstum und Glaube zusammenhängen. Alle, die an diesen großen Fragen interessiert sind — und wer sollte das heute nicht fein — feien auch auf diesen Vortrag hingewiesen. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. — Rundfunk-Zwiegespräch. Morgen, Mittwoch, 18.25 Uhr, wird unter der Leitung des Gauoorstehers Auerbach (Frankfurt) vom DHV. ein Zwiegespräch über den Wert und die Leistungen der Angestelltenversicherung geführt. Interessenten ist Gelegenheit gegeben, die Uebertragung auch im DHV.-Hcim, Lonystraße 18, mitanzuhören. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. “• Sonntagsrückfahrkarten für den 2 1. März. Für den Tag des Zusammentritts des neuen Reichstages am Dienstag, 21. März, werden von der Eisenbahnverwaltung Sonntagsrückfahrkarten in der üblichen Weise ausgegeben. Die Karten galten für die Hinfahrt bereits ab Montag, 20. März, und gelten für die Rückfahrt bis Mittwoch. 22. März, mittags 12 Uhr. Unter st ühungsdauer in der Krisenfürsorge für Arbeitslose. Der Reichsarbeitsminister hat in Erweiterung der bisherigen Destimmungen durch Erlaß vom 15- März 1933 angeordnet, daß auch nach dem 31. März 1933 Aussteuerungen aus der Krisen- Unterstützung nicht erfolgen. Dies gilt bis auf weiteres. •* Die ersten Schnepfen geschossen. Am Samstag wurden am Hangelstein die ersten Schnepfen geschossen. Die glücklichen Schützen waren General a. D- Fritz und Hauptmann Hoffmann- y aber NICHT NUR neu - darüber o hinaus restlos erprobt und bewährt! OPEL — größte Automobilfabrik Deutschlands — bietet mit den neuen, für 1933 gebauten Modellen Konstruktionen, die in zielbewußter Aufbauarbeit zur Vollendung fortentwickelt wurden, in denen sich das unbestechliche und unbeirrbare Verantwortungsbewußtsein für die dauernde Zufriedenheit jedes Opel-Käufers eindeutig ausprägt Die radikal erprobten Fahreigenschaften sind unübertroffen. Unübertroffen sind Sicherheit Zuverlässigkeit und robuste Widerstandskraft. Leistung, Elastizität Anzugsvermögen I und Bergfreudigkeit sind noch gesteigert! Die Karosserien — neu in Form und Linie — sind geräumiger. bieten Komfort und Bequemlichkeit für verwöhntesten Anspruch. Soll Ihnen Ihr Wagen nur Freude machen? Dann in Ihrem Interesse: Machen Sie unbedingt eine Probefahrt im neuen Opel! 1 LITER 4 ZYLINDER VON RM 1890 AN 1,2 LITER 4 ZYLINDER VON RM 2190 AN 1,8 LITER 6 ZYLINDER VON RM 2695 AN REGENT MODELLE ....VON RM 2890 AN Preise ab Werk Rüsselsheim am Main P E L Die günstigen Bedingungen der Allgemeinen Finanzieren) gs-G. tn. b. FL und der Opel-Automobil-Versicherungs-A.G. erleichtern Ihnen Anschaffung und Betrieb. NEU? Motorwagen-Verkaufsgesellschaft m.b.H., Giefeen Telephon Nr. 2847, Grob-Tankstelle — Garagen - Opel-Kundendienst — Original-Opel-Ersatzteile W4A VSJ» Se« Nicht nur meqt unö W *"C *n 2 poM' MM r D legen fc. 03er he -Lolimachtc für die A Mates bn ;b?Nim °°i) diese ( vollen Arn !?'bec h< .lsurnis nich uonen öeu Mren mü L^durci M deut inrl,f9t । ? ™ i*r PNi & nr.601 sä*: Srila^"' Ci L.S fes in(ol9e ,;.d anderen w Präsidenten, oorgetrage; hört. Das d - bruch der N sondern e" zu der es ringen mu| im Herzen1 sich ha«, d" in ihrer Geschlecht l Later ji Löhnen wo licsern - &' Leistung «e sein heiliger tiesste Sinn Wehen und die deutschen mit einer ®e Spuren hin« der vierzehn niedrigung i Lieser '2lu standskrast i Bolt nicht gl schicke bewäh ncile Wille i bis dieser W in dem nur ncn, der nad Ausdruck de ist. Las Sui unheilvolle deutsche Do tonnte, als Äahrhundei deutscher 1 zwar im 2 bendige naiionalen Leiöenszeit । Äiese L Deutschland gctr'eben ti geschlagen I die gewa Deiches he toären toii Versuch, 6 form zu er raöe des t ,öen Widers des deutsch Dir wiss die dieser ' über uns Anhalt i wissen, das anbricht, & noch Hai lungenl alles aus nationa undgejh vor uns k Kunst und Wissenschaft. Eine Stiftung von Max Regers Witwe an das Land Thüringen. Frau Professor Max Reger hat Thüringen die im Weimarer Reger-Archiv aufoewahrte große Beethoven-Büste von Max Klinger zum Geschenk gemacht. Die thüringische Landesregierung hat in einem Dankschreiben erneut die Versicherung gegeben, das dem Lande Thüringen anvertraute Erbe des verstorbenen Meisters wie ein heiliges Vermächtnis in treuer Obhut zu halten und auf seine Förderung nachdrücklich bedacht zu fein. Zu Ehrenbürgern von Hungen ernannt. k. Hungen, 20. März. Der Gemeinderat unserer Stadt beschloß heute in seiner Sitzung einstimmig, den Reichspräsidenten von Hindenburg, Reichskanzler Adolf Hitler, Staatspräsident Professor Dr. Werner und Staatsminister Dr. Müller zu Ehrenbürgern von Hungen zu ernennen. Staatsminister Dr. Müller stand dem Finanzamt Hungen mehrere Jahre als Amtsvorstand vor. Er erfreute sich durch sein freundliches und entgegenkommendes Wesen hier allseitiger Beliebtheit. . _ _ u <, u.e y.iietn h.er uanfanö, erklärte .er Gauschulungsleiter der RSDAP., Müller. Mainz, u. a., die hessische Staatsregierung werde alsbald zur Schließung der Konsumläden schreiten. Mit scharfen Worten wandte sich der Redner gegen die Warenhäuser- Roch in dieser Woche würde man in Hessen d i e Warenhäuser zwingen, ihre Lebensmittelabteilungen zu schließen- Das Warenhaus Lahnstein in Mainz habe sich bereits freiwillig zur Schließung seiner Lebensmitter- abteilung bereit erklärt- Obechesset.. Ttinöermorft in Gießen. Auf dem heutigen Nutzoiehmarkt in Gießen waren aufgetrieben: 711 Stück Großvieh, 137 Stück Fresser, 168 Stück Kälber. Auswärtige Käufer waren vertreten. Es kosteten Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 360 bis 430 Mark, 2. Qualität 220 bis 280 Mark, 3. Qualität 120 bis 160 Mark: Schlachtkühe a 140 bis 260 Mark, b 50 bis 120 Mark; Rinder, Y = bis ^jährig. 60 bis 140 Mark, %• bis zweijährig 70 bis 180 Mark, tragend 170 bis 340 Mark: Kälber, das Pfund Lebendgewicht 24 bis 32 Pf. Ausgesuchte Tiere über Notiz. — Marktverlauf: Kauflust vorhanden, ausoerkauft. — Nächster Markt: 4. April 1933. ** VHC. Gießen. Eine genußreiche Wanderung abseits der Markierungen veranstaltete -wie man uns berichtet — am Sonntag der DHC. Gießen i n der Stärke von nahezu 60 Teilnehmern. Vom Ausgangspunkt Lollar ging es zunächst über Kirchberg am Fuße der Burg Staufenberg her nach dem einsamen Walddistrikt Maistrauch. Bergauf, bergab führte der Weg durch stille Waldungen und über freie Höhenrücken hinweg mit reizvollen Blicken auf die Lahnberge und die Höhen des Hinterlandes. An der idyllisch gelegenen Jagdhütte „Hubertus- Haufe" vorüber ging es zur Mittagsrast nach Hachborn. Hatte der Himmel während des ersten Teiles den Wanderern schönes Wetter beschert, so öffnete er auf dem Weitermarsch, nachdem Bortshausen passiert war, für einige Zeit seine Schleusen. Doch unverdrossen erklomm die Wanderschar hinter B. das Hauptziel des Tages, den Frauenberg, um sich vorerst an dem prächtigen Rundblick von der Burgruine zu erfreuen und hierauf in der am Fuße des Berges gelegenen Gastwirtschaft zu erholen. Hier hatten sich inzwischen eine große Anzahl von Mitgliedern des Oberhessischen Gebirgsvereins Marburg eingefunden, um ihre Gießener Wanderfreunde willkommen zu heißen. In ihrem Ramen begrüßte Stadtrat Walter in herzlicher Weise die Gäste, wofür ein Vorstandsmitglied des VHC. Gießen bestens dankte, gleichzeitig den Führern für die ungemein schön zusammengestellte Wanderfahrt hohes Lob zollend. Rach einigen gemeinschaftlichen Liedern, Klavier- und Dialektvortragen erfolgte der gemeinsame Abstieg nach dem Bahnhof Marburg-Süd. ** Eisenbahn-Fahrbearnten-Ver- e i n Gießen. Dieser Tage hielt der Eisen- bahn-Fahrbeamten-Verein Gießen seine Generalversammlung im Vereinslokal „Stadt Wetzlar" ab. Der erste Vorsitzende Zugführer Heinrich D i e r l a m m begrüßte die Teilnehmer, ganz besonders die diesjährigen Jubilars. Er gedachte der im verflossenen Jahre verstorbenen Mitglieder und Mitgliederfrauen, deren Andenken in der üblichen Weise geehrt wurde. Der 1. Vorsitzende gab sodann einen Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr, aus dem eine gesteigerte Tätigkeit hervorging. Rach der Erstattung des Kassenberichts wurde dem Rechner sowie dem Gesamtvorstand Entlastung erteilt. Für drei aus- scheidende Vorstandsmitglieder wurden die Herren Oberzugführer Kallenbach, Zugführer Martin Schneider und Reservezugführer Wilhelm Decker neu in den Vorstand gewählt. Die übrigen sahungsgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt. Als Kassenprüfer wurden Wagenmeister Wagner und Zugrevisor i. R. Bender bestimmt. 15 Mitglieder, die Herren Zugführer Hch. Ruhl, Gg. Wenzel, Ph. Weigel, Hch. Schneider II., Joh. Keiher, Ludwig Schmidt, Gottfried Loh, Hch. May, Ad. Seibert, Martin Schneider, Karl Loh, Oberschaffner Joh. Decker, Ludwig Kramer, Wilh. Will und Wagenmeister Gust. M a r k o w i a k konnten im verflossenen Jahr ihr 25jähriges Deamten- und Dereinsjubiläum feiern. Aus diesem Anlaß wurden die Genannten durch eine Ansprache des 1. Dorsihenden und durch Ueberreichung je eines Geschenkes geehrt. Das 40jährige Bestehen des Vereins soll durch eine besondere Feier gewürdigt werden. Mit gemütlichem Deisammensein wurde die Versammlung beschlossen. Große Kundgebung für Kreisdirektor Dr. Stammler. fr* Alsfeld, 20. März. Am Samstagabend bewegte sich ein F a ck e l z u g durch die Straßen der Stadt in einem solchen Ausmaß, wie man ihn in Alsfeld wohl noch nicht erlebt hat. Säintliche auf vaterländischem Boden stehenden Vereine, alle Behörden, die vaterländischen Verbände (SA., SS., Stahlhelm, Reiterverein des Kreises Alsfeld, Freiwillige Feuerwehr, Sanitätskolonne) waren in dem imposanten Zuge vertreten. Auch aus den Landorten des Kreises wies der Zug eine starke Beteiligung auf. Die Kundgebung fand zu Ehren des von der hessischen nationalen Regierung in sein Amt als Kreisdirektor des Kreises Alsfeld wiedereingesetzten Herrn Dr. S t a m m l e r vor dem Kreisamtsgebäude statt. Eine dichtgedrängte Menschenmenge füllte den freien Platz. Vom Balkon des Kreisamts, auf dem Kreisdirektor Dr. Stammler mit feiner Familie anwesend war, sprach zuerst Bürgermeister Dr V ö l s i n g namens der Stadt Alsfeld. Er gab eine Darstellung über den Verlauf der Angelegenheit des Kreisdirektors Dr. Stammler und Übte scharfe Kritik an dem Verhalten des früheren Ministeriums, das dem Ausschuß auf seine mehrfachen Eingaben keine Antwort erteilt habe. Er beglückwünschte Kreisdirektor Dr. Stammler zu seiner Rückkehr in den Kreis Alsfeld und gab feiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß eine der ersten Amtshandlungen der neuen hessischen Regierung die Wiedergutmachung des dem Kreisdirektor Dr. Stammler zugefügten Unrechts gewesen sei. In das auf Dr. Stammler ausgebrachte Hoch stimmte die mehrere Tausend betragende Menge begeistert ein. Für die Bürgermeistervereinigung des Kreises Alsfeld und für die Landbevölkerung im Kreise sprach Öefonomierat Korell - Angenrod, der die allgemeine Wertschätzung und Verehrung hervorhob, die Dr Stammler in allen Kreisen der Bevölkerung genießt. Auch dieser Redner übte scharfe Kritik an dem Verhalten der früheren hessischen Regierung. Nach dem Gesang des Deutschlandliedes sprach Landtagsabgeordneter Slo ft ermann, der in längeren Ausführungen auf den Karnpt der nationalsozialistischen Bewegung irn Kreise lllsseld und dessen Entwickelung einging, wobei er insbesondere die Toleranz des Kreisamts Alsfeld im Vergleich zu anderen Beyörden hervorhob. Der Webner, feierte in begeisterten Worten die Bedeutung der nationalen Revolution für das deutsche Volk. Im Anschluß an die mit stürmischem Beifall aufgenommene Rede fang die Menge das Horst-Wessel-Lied. Kreisdirektor Dr. Stammler, ergriffen von der großartigen Kundgebung, dankte in herzlichen Worten für die von der Bevölkerung des Kreises ihm in so hohem Maße dargebrachten Beweise von Treue und Anhänglichkeit und versprach, auch weiterhin seine ganze Kraft für die Arbeit des Kreises einzusetzen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß unter der Führung Adolf Hitlers wieder deutsches Wesen, deutsche Erziehung, deutsche Art und Sitte in den Vordergrund treten werde, und daß sich das deutsche Volk vom internationalen Wesen frei machen werde. Großfeuer auf dem Ringelshäuser-Hof. f. Hungen, 19. März. Heute mittag gegen 13.30 Uhr brach im Anwesen des Altbürgermeisters Reichhardt (Ringelshäuser Hof) ein großes Schadenfeuer aus. Innerhalb we- Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Einige Worte zum Fackelzug am Dienstag. Ein Fackelzug ist nicht Selbstzweck, er ist nur Mittel zum Zweck. Er soll nicht etlichen Leuten Gelegenheit geben, eine Fackel zu tragen, er soll rncht Schauspiel fein — nein, er soll für alle ein Erlebnis bedeuten. Deshalb bitte ich Euch, Mitbürger, geht nicht auf die Straße, nur um auch dabei gewesen zu sein. Denkt vielmehr daran, daß Ihr bei besonderen Anlässen auch mal Eure Anteilnahme und Begeisterung freudig zeigen dürft. Wollt Ihr für ewig im deutschen Vaterland als ein besonders steifer und un° beweglicher Volksstamm gelten? Also, Mitbürger, Hände aus den Taschen und keine Grabe s st i l le I Ihr Fackelträger aber, marschiert Ihr in einem Trauerzug? Wozu habt Ihr Eure Lieder? Dr. K. R. Niger Minuten war die große Scheune mttsamt den sich seitwärts anschließenden Reben- gebäuden von den Flammen ergriffen. Trotzdem die Wehren der umliegenden Ortschaften, sowie die Kreismotorspritze und über 100 SA.- Leute an der Brandstelle erschienen waren, stand man infolge Wasser m a ngels dem Feuer machtlos gegenüber. Die umfangreichen Stroh- und Heuvorräte gaben dem wütenden Element reichlich Rahrung, so daß man sich daraus beschränken mußte, ein Heber» springen der Flammen auf das anliegende Wohnhaus und auf die durch eine Brandmauer vom Flammenherd getrennten Rebengebäude zu verhindern. Das Vieh konnte gerettet werden. Da das Feuer mit unglaublicher Schnelligkeit den Gebäudekomplex erfaßt hatte, vermutet man Brand st iftung. Der Schaden ist, wenn er auch durch Versicherung teilweise gedeckt sein mag, recht erheblich. Landkreis Gießen. X Wieseck, 19. März. Die Schulen veranstalteten am Samstagvormittag im Hofe der neuen Schule eine eindrucksvolle Feier, zu der die Gemeinde überaus zahlreich erschienen war. Rach mehrstimmigen Liedern eines Schülerchors unter Leitung von Lehrer Stoll und Gedichtvorträgen wies Rektor Petri in seiner Ansprache auf die Bedeutung der nationalen Revolution hin und forderte insbesondere die Jugend auf, mitzuhelsen am Wiederaufbau unseres deutschen Vaterlandes. Mit einem begeistert aufgenommenen „Hoch" auf das Deutsche Reich und dem gemeinsam gelungenen Deutschland- und Horst-Wessel-Lied schloß die Weihestunde, zu der auch eine Abteilung SA. erschienen war, bte den Hmzug eröffnete. L Wieseck, 19. März. Aus Anlaß des 1 0 - jährigenBestehensderFreiwilligen Feuerwehr fand am Samstagaoeno bei Gastwirt Heinrich Braun eine schlichte Feier statt. Der erste Kommandant Adolf Schäfer begrüßte die Teilnehmer und ging dann in kurzen Ausführungen auf den Werdegang und die Tätigkeit der Wehr ein. Bürgermeister Schomber beglückwünschte die Wehr und hob besonders die selbstlose Arbeit der Mitglieder für die gute Sache hervor. Verschönert wurde die Feier durch ein von Herrn Hermann Elle (Dresden) verfaßtes (Theaterstück „Feuerwehrjubiläum'', das von Mitgliedern der Wehr gut gespielt wurde und reichen Beifall fand. Mit einigen guten Konzertstücken wiedergegeben von der Kapelle Heinrich M a n k, wurde der Abend beschlossen. Auflösung der Hessischen Handwerkskammer? WSN. Groß-Gerau, 20. März. Der B e - zirksoerband Groß-Gerau für Handwerk und Gewerbe beschloß einstimmig, durch den Nationalsozialistischen Kampfbund des Hessischen Staatsregieruna folgende Forderungen vorzulegen: 1. Das bei derHand- werker-Zentral-Genossenschaft angelegte Ruhrgeld ist sofort an die Handwerkskammer zurückzugeben. 2. Die entstandenen Ruhrschäden werden erneut festgesetzt. 3. Die Zinsen für das Ruhrgeld werden rückwirkend auf 2 o. H. ermäßigt. 4. Dem Bezirksoerband Groß-Gerau ift der in dem Kampf um die Aufklärung der Ruyrgeldangelegenheit entstandene Schaden zu ersetzen. 5. Der gesamte Kammeroor- ftanb sowie die Herren Schüttler und Lindemann von der Hessischen Handwerkskammer haben sofort zurückzutreten. 6. Die Hessische Handwerkskammer wird aufgelöst: Neuwahlen sind unverzüglich auszuschreiben. 7. Die Verwendung des Sachsengeldes und des Rationalisierungsfonds durch die Handwerkskammer bzw. HZG. ist nachzuprüfen. Wie verlautet, werden sich die Nationalsozialisten für die Bewilligung dieser Forderungen einsetzen. Schließung der Konsumläden inHeffen? Groß-Gerau, 20. März. (WER.) 3n der Frühjahrsversammlung des Dezirksverban- des Groß-Gerau für Handwerk und Wettervoraussage. Von der Biskaya her hat sich der hohe Druck entwickelt, dessen Anstieg noch durch falte Luft an der Rückseite der nach Finnland abziehenden Störung begünstigt wurde. Innerhalb 24 Stunden ist das Barometer von 740 bis auf 770 mm angestiegen. Der hohe Druck wird zunächst wetterwirksam, führt zu Aufklaren mit nächtlicher Abkühlung bis unter den Gefrierpunkt. Jedoch dürfte die Besserung nur vorübergehend sein, denn neuer kräftiger Druckfall rückt von Nordwesten heran, der später wieder eine Wetterverschlechterung bringen wird. Aussichten für Mittwoch: Kalte Nacht bis zu leichtem Frost, stellenweise Frühnebel, tagsüber anfangs aufheiternd, trocken, später Anzeichen für Wetterverschlechterung. Lufttemperaturen am 20. März: mittags 6 Grad Celsius, abends 3,7 Grad; am 21. März: morgens 0,3 Grad. Maximum 8 Grad, Minimum — 1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. März: abends 6,4 Grad: am 21. März: morgens 2,6 Grad. — Niederschläge 3,7 mm. — Sonnenscheindauer l'i Stunden. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samet, g nachmittag geschlossen Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Während der Fastenzeit leisten der Hausfrau Maggi's Fleischbrühwürfel wertvolle Dienste. Mit ihrer Hilfe kann man auch ohne Suppenfleisch eine vorzügliche Fleischbrühe zum Trinken, zum Kochen von Gemüsen und Hülsenfrüchten sowie zur Bereitung von Soßen aller Art herstellen. 1 Maggi- Fleischbrühwürfel, einfach in Yi Liter kochendem Wasser aufgelöst, gibt augenblicklich gebrauchsfertige Fleischbrühe. ' 1942A .... auch an Konservengemüse MAGGI3 Würze ---Schon, wenige Tropfen srenilg-ert Empfehlungen Frische Seelische Mittwock.Donners- tng und Freitag empfehle: Kamillan o.L.Psd.v.23Pf.an rtld A. Koch Namioieer Blänsbnrg 15.4el.3612 i43sD So eine TOR££DO Klein - Schreibmaschine mit Segmentumschaltung die spielend leicht 10 Durchschläge schafft, ist doch eine leine Sache. Hundertevon zufriedenen Kunden mOberhessen be- stä igen das. Dazu kommen die äußerst günstig. Preis । u. Bedingung., die Ihnenvon uns eingeräumt werd. Erkundig. Sie sich bei NIEDERHAUSEN & CO., Seltersweg 17, Erster Stock von Kleider Kähler. Miete in 3 Tagen durch Nltok-Mundwasser Zuhaben i. d. Drogerie Wlnterhoft, Kreuzplatz 10 W. Kilblnger, Nachfolger, Seltersweg 78a mio Die Technische Nothilfe e.V. O.-G. Gießen lädt alle Nothelfer, Freunde und Gönner ihrer Organisation zu einer öffentl.Werbeversammlung auf Donnerstag. 23. März, 20.15Uhr. in den großen Saal des Studentenheims, Leihgest. Weg 16, ein. Es sprechen: Volkswirt R.D.V. Schreiber-Stoltze von der L mdesle.tung Hessen über: Die Technische Nothilfe, ihr Wollen und Wirken (mit Lichtbildern) u. O.-G.Führer Schuchardt über: Die Aufgaben der Technischen Nothilfe in Gleiten. ones Eintritt frei. iiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiw^ LVassevgenossenflibakt Glotzen verhts dev Lavn Einladung zur Generalversammlung auf Montag, den 27. März 19ZZ, abends 8 Uhr, in der Wirtschaft Wilhelm Kreiling Vlll. in Heuchelheim. Tagesordnung: Äerlcht über die seitherige Tätigkeit, orlage der Rechnung für die Jahre 1930,1931 u. 1932; Dorstandswahl- Verschiedenes. Um zahlreiches (Erscheinen wird gebeten. Heuchelheim, den ii.März 1933. is48o Oer Vorsteher: Hardtmann. IIII0II!I00I0IIII0I0III00IIIIIII000II0I00II0I0II0IIIII!I1III0III000III000IIIIIII0I0IIIII Stadtkirdie Mittwoch. 22. März, abends 8 Uhr, in der Stadtkirche: Vortrag (mit Lichtbildern) v. Piarrer Bell aus Hermannstadt (Siebenbürgen) über: Kirdilidie u.volklidie Not in Siebenbürgen Jedermann ist herzlich eingeladen. Eintritt 10 Pfennig. Für den Gustav - Adolf - Frauenverein: Frau Reallehrer Alb ach Pfarrer Becker. Obiger Einladung schließen sich an: Frau Professor Eger, Vorsitzende dei Frauenortsgruppe des V. D. A. Dr. F. König, geschäftsf. Vorsitzender der Gießener Oitsgr. des V. D. A. i8mD Ludwig Lantschner Innsbruck leitet den verbilligten Oster-Skikurs in der „Blauen Silvretta“. Aufenthalt im zentralbeheizten Sportgasthof in 2400 m Höhe. Zur Zeit 3 m Schnee. Kompletter Hofs Mk. 117.00 ab Darmstadt Für Einzelzimmer Mk. 5.00 mehr Vom 6. bis 19. April 1933 Fordern Sie Auskunft und Prospekt in der ..Hessenskikursvertretung“ Sporthaus Schwan, Gießen Mäusburg 16, Telephon 3234 »sssv Fahnenstoffe 0.36 wäre. p. in Fahnenstoff, 80 cm breit weiß, krä i tige Kretonn e- Fahnenstoff, 80 cm breit, echt indanthr., gefärbt in rot und schwarz, gute haltbare Ware. .. .p. m Fahnenstoff, 120 cm breit, schwere Ware,für große Fahnen, beste Indanthrenfärbung . . p. m. L. BERNARD Stoff-Spezialhaus — Blockstraße 16 I 46 A Bekanntmachung. In der Zeit vom 27. Mär; bis 22. April 1933 werden sämtliche städtischen Straßen- kanäle gespült. 1955V Während dieser Zeit sind die Rückstau- Verschlüsse an den Grundstücksentwässerungen verschlossen zu halten. Gießen, den 20. März 1933. Städtische Kanalisationswerke. __________Braubach._________ Mahnunq. Die Zahlung der für den Monat Februar 1933 rückständigen Beiträge zu unterer Kasse wird mit Frist bis 31.' Mär; 1933 gemahnt. 1957V Nach diesem Termin erfolgt Kostenberechnung und Zwangsbeitreibung. Samstags können Einzahlungen nicht getätigt werden. Gießen, den 20. März 1933. Allgem. Ortskrankenkasse Gießen-Land. 6eSChäftS-DniCksaChen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge . . n . Postkarten bei Brühl, Schulstraße 1 Geschäftskarten Der Frühlingswind soll nun wieder Ihre Wäschetrocknen Aber ehe Sie den Wasch'ag beginnen, denken Sie auch daran, was Sie brauchen: Waschwannen, verzinkt, Waechtöpfe, emailliert und verzinkt, Waechbrett, Schöpfiopf, Wäscheleinen, Wäscheklammern, Waechkorb. Sie bekommen dies allessehrpreiswertbei J. B. Häuser Am Oswaldsgar en Gießen-Ruf 2145 2146 1939 a