li5nD5J 3»f ° = „'*5=6)'’ .6)^0-?° , V?=Ä« 5»'^= o^ag-r 3 n a r T.+ äfnnif<>T5i im isn* iino Rusland lall J>2 4>0t- 1929 in Anbetracht der im mittag. Zunächst mit 17 gegen 11 Stimmen ein nationalsozialistischer Antrag, wonach die deutschen Zahlungen an Belgien aus dem Abkommen vom 13. Juli Berlin, 23. Ian. (VDZ.) Der Auswärtige Ausschuss des Reichstages trat heute unter dem Dorsitz des Abg. Dr. F r i ck (RS.) zusammen, um eine große Aussprache über die w i ch t i g st en außenpolitischen Probleme durchzu- führen. Die Reichsregierung war u. a. vertreten Lurch den Re'.chsaußenminister Freiherrn v. Reu- r a t h , den Reichsfinanzminister Graf Schwerin v. Krosigk und den Reichswirtschaftsminister Professor Warrnbold. Auch die führenden ReichZratsmitglieder waren zugegen. Die Sitzung, die streng vertraulich war, wurde eingeleitet durch längere Darlegungen des Außenministers. Der Reichsauhenminister gab in seiner Rede unter Bezugnahme auf das dem Ausschuß wunschgemäß übermittelte Material einen umfassenden Äeberblick über die einzelnen Punkte der Tagesordnung, Tribute und Auslandschulden, Abrüstungskonferenz, Ostfragen, Schuh der deut- scheu Minderheiten im Auslände, über die handelspolitische Lage Deutschlands, sowie über den fernöstlichen Konflikt. Rach der Rede des Reichsauhenministers trat der Ausschuß in die Aussprache ein. Dei den Fragen der Tribute und Auslandschulden wurden vom Reichsauhen-, Reichsfinanz- und Reichswirtschaftsminister eine Reihe von Fragen beantwortet, die von Abgeordneten gestellt waren. Don den Anträgen, die zu diesen Fragen eingebracht wurden, fanden folgende Annahme: Reichskanzlers im In- und Ausland falsche Vorstellungen erwecken können und deshalb den deutschen Interessen nicht genutzt haben." Der Ausschuß vertagte sich auf Samstagvor- 3nna)me von Mnje.ge.i für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- klameameigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20“, mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An- zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (ßiejen. Miliz, um im Rotfalle die gesamte Wehrkraft des Landes erfassen zu können. Dill man Deutschland die praktische Gleichberechtigung geben, so wird man ihm neben seinem Berufsheer, dem selbstverständlich die ihm bisher fehlenden modernen schweren Was,en nicht vorenthalten werden dürfen, die Bildung und Schaffung einer nationalen Miliz nicht verweigern können. Aber es kann n.cht heißen: Berufsheer oder Miliz, sondern nur Berufsheer ergänzt durch Miliz. Abschaffung der Reichswehr, bzw. Tlnterstellung ihrer Reste unter den Völkerbund und Verweisung auf eine Miliz als einzige Wafse, wie es der französische Plan vorsieht, ist für Deutschland ebenso untragbar. wie der englische Vorschlag, der mit seiner For«irung. daß jeder zugestandene Milizsoldat als halber Rcichswehrsoldat zu rechnen, jeder nach sechsjähriger Dienstzeit entlassene Reichswehrsoldat auf weitere sechs Jahre voll auf die Präsenzstärke anzurcchncn ist, unter Tlmständen die Stärke der Reichswehr auf unter Aull her- unterdrücken würde. men überhaupt Wirksamkeit erlangt." Der Antrag schließt: „Aus allen diesen Gründen ist der Auswärtige Ausschuß der Anschaulängere Vertagung tolerieren will, ob er sie unterstützt oder negiert. Für die Beichsregierung ist cs jedenfalls ein unerträglicher Zustand, daß die Parteien zwar die Freiheit der Kritik für sich in Anspruch nehmen, sich se.bst aber nicht zur Entscheidung stellen. Deshalb würde eine weitere kurzfristige Vertagung nach acht Tagen von der Reichsrcgierung zweifellos nicht hingenom- men werden. Ls gibt auch für die Regierung ein Mittel, den Reichstag zur Lntfcheldung zu zwingen. Ls ist im Artikel 24 der Reichs- öcrfaffung gegeben, der dem Reichspräsidenten das Recht gibt, vorn Reichstagspräfi- denten die unverzügliche Einberufung zu verlangen. Reber die Auslegung dieses Artikels ist bereits vor etwa einem Jahre ein Streit entstanden, der damals, im Februar 1932, vom Staatsgerichtshof dahin entschieden worden ist, daß der Reichspräsident jederzeit das Recht hat, die Einberufung zu verlangen, von diesem Recht wird der Reichspräsident gegebenenfalls Gebrauch machen, weil die Regierung unter allen Umständen längere Zeit für ruhige Arbeit gewinnen muh. Ls kommt also gar nicht in Frage, daß vielleicht mit einer anderen Begründung eine neue Vertagung der Entscheidung gelingt. wie weiter verlautet, hat der Reichskanzler seine Besprechungen mit den Parteiführern und Politikern endgültig abgeschlossen. Die Reichsregierung betrachiet sich daher an den vesprechungen, die in den nächsten Tagen im Reichstag zur Klärung der Mehrheitsverhältnisse geführt werden, als nicht intet- vom 9. Juli 1932 auch von Belgien anerkannten wirlschastlik' en Not age Deutschlands bis auf weiteres einzustellen sind. Ferner wur.e eine durch ein n komnunistischnr Antrag erweiterte, von Len nationalsozialistischen Die Wehrpflicht, auch im Rahmen der Miliz, mit ihrem großen crzic^ irischen Wert, wird gleichzeitig dem Problem drr Arbeitsbefchas,ung nach allen Richtungen hm, der Wirtschaft in Stadt und Land neue Verdienstmöglichkeiten er- öffnend, Antrieb geben und den Arbeitsmarkt entlasten: also auch in wirtschaftlicher Hinsicht wird die Einführung des Milizsystems von günstigen Folgen begleitet sein. Aber um es noch einmal nachdrücklich zu betonen: Die Einführung der Milizals allgemein c W e h r p f l i ch t kann nur in Frage kommen bei einem F o r t - bestehen des bisherigen Berufsheeres. Umbau der Arbeitslosenhilfe. Zwei Pläne. Berlin, 20. Ian. (ERD.) Wie der „Börsen- Courier" berichtet, soll in den nächsten Tagen im Reichskabinett die Entscheidung über eine völlige Umgestaltung der Arbeitsentscheiden. Oie Reichsregierung fordert Entscheidung. Ein halbamtlicher Kommentar. Reichstag um eine Woche verschoben. Oer Aeltestenrat beschließt die Vertagung vom 24 auf den 31. Januar Oie Reichsregierung dringt auf Klärung. Berlin, 20. Jan. (LAB.) In Kreisen, die Reichsregierung nahe stehen, sicht man in dem Ergebnis der Sitzung des Ältestenrats deutlich die Scheu der Parteien vor der Auslösung. Auf der anderen Seile spricht die Situation d ; Parteien für die Stärie der Stellung der Rc.chsregierung. Der Reichstag muh sich nun aber in acht Tagen auf alle Fälle ent- scheiden, ob er die Reichsregierung durch eine Erlcheini tagltd). autzm Sonn ags und Feiertag« Beilagen; Die Illustriert» Gienener Familienblatte, Heimat m Dild Die Scholl» Monats vezugrpreis: Mu 4 Beilagen RT< 1.95 Ohne Illustrierte . 1 80 Zustellgebühr . . -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. §emfprechanfchlüsie unter Sammelnummer 2251. Amchrist für Drohtnach- richten; Hnjelger Liehen. Postscheckkonto: fironlfrrt am Main 11686. AusschußmitglieLern eingebrachte Entschließung mit Len Stimmen der Kommunisten und R a • tionalsozialisten angenommen, die folgenden Wortlaut hat: „Der Herr Reichskanzler hat am Reujahrstag 1933 ausgesprochen, daß Deutschland nunmehr von Reparationen befreit sei. Der Auswärtige Ausschuß stellt fest, daß das deutsche Volk sowohl den vollen Zins- und Tilgungsdienst für die Dawes-Anleihe weiterhin tragen soll, ebenso den Zins- und Tilgungsdienst für die JZoung-Anleihe, ferner die Zahlungen an Amerika, die sogenannten belgischen Marlzahlungen, die gestundeten Be- sahungskosten, Zahlungen, die zum Teil bis zum Iahre 1966 reichen sollen. Hinzu treten sollen noch die Ratenzahlungen für die Schlußzablung von drei Milliarden gemäß lern 5 a sa ne. Ablcmmen, insgesamt 4'10 Millionen jährlich. Lleberdies beträgt der Verlust durch Beschlagnahme des deutschen Privatvermögens im Ausland etwa elf Milliarden, deren Ersatz an die geschädigten Ausländsdeutschen lausende Belastungen für die deutschen Finanzen bedeutet." Die Ergänzung lautet: .Außerdem wurde dos Intrafttveten des Abkommens von Lausanne von den Regierungen Englands, Frankreichs, Italiens, Belgiens in einem gentleman agreement davon abhängig gemacht, daß sich die Vereinigten Staaten von Rordamerika zur Streichung der interalliierten Schulden bereitfinden. Infolgedessen ist bis auf den heutigen Tag und auch bis auf weiteres die Frage offen, ob das Lausanner Abkom- Deutschlands weltpolitischer Weg. Die praktische Verwirklichung der Deutschland durch die Fünfmächteerklärung bisher nur tgeo« ret.sch zuerkannten Gleichberechtigung und die Schaffung der gleichen Sicherh eit, wie sie jedes andere Land für sich beansprucht, auch für Deutschland durchzusehen, wird die wichtige Aufgabe für die deutschen Vertreter auf den Ende Ianuar wieder beginnenden A b r ü st u n g s v e r- handlungen in Genf fein. Deutschland wird, das steht unumstößlich fest, keine Abrüstungs- konvention unteischre.ben, die d esen Grundsätzen nicht Rechnung trägt. Wehrpolitische Gleichberech- tigung und gleiche Sicherheit für Deutschland werden am besten gewährleistet sein durch eine wirk- liche, allgemeine Abrüstung aller Staaten, durch eine Angleichung ihres Rüstungsstandes an den deutschen. Wenn sich aber die schwergerüsteten Staaten zu einer solchen Verminderung ihrer Rüstungen bereitfinden sollten, ist die R ü - stungssreiheit auch für Deutschland gegeben, das heißt die Angleichung des deutschen Rüstungsstandes an den der anderen Mächte. Die Entwicklung der Dinge wird von dem Verlaufe der jetzt beginnenden Abrüstungsberatungen abhängen und nicht zuletzt davon, ob und inwieweit Frankreich bereit sein wird, den in der Fünfmächteerklärung niedergelegten Grundsätzen praktisch Rechnung zu tragen. In seiner Ansprache an den Reichspräsidenten beim Reujahrsempfang hat Reichskanzler und Reichswehrminister v. Schleicher der Hoffnung Ausdruck gegeben. ..daß es gelingen möge, der deutschen Iugend im Rahmen der Miliz das Recht zu wehrhaftem Staats dien st wiederzugeben". In ähnlicher Weife hat sich der Reichskanzler bei der Reichsgründungsfeier des Kyf!Häuser-Bundes geäußert, indem er „die allgemeine Wehrpflicht für ein ganz besonders erstrebenswertes Ziel" hinstellte, dabei ober tn erster Linie die durch die veränderten Zeitverhältnisse bedingte veränderte Form der allgemeinen Wehrpflicht, die Miliz im Auge hatte. Mi'liz als allgemeine Wehrpflicht, das war der Grundgedanke, den der Re.chskanz- lcr als wehrpolltische deutsche Forderung zum Ausdruck brachte. Der vom Reichskanzler aus- gesprochene Gedanke einer Milizeinrichtung für Deutschland findet sich in abgewandelter Form auch in dem französischen konstruktiven Plan" vom 14. Rovember vor. der eine Zweiteilung der militärischen Kräfte oller europäischen Länder vvrsieht, einen Teil, der dem Zwecke des Völkerbundes, und einen zweiten Teil, der der unmittelbaren Verteidigung eines Landes dienen soll. Hierfür wird eine Art Milizormee mit kurzer Dienstzeit in beschränkter Zahl und einfacher Bewaffnung vorgesehen, die keinen Angriffs- charakter besitzt. Zahl und Ausbildung sollen den Bedingungen entsprechen, die der Artikel 8 der Völkerbundssohung vorsieht, also für die „nationale Sicherheit eines Landes je nach seiner geographischen Lage und seinen besonderen Bedingungen" ausreichen. Rach den französischen Plänen soll bei Festsetzung der Zahl und der Ausbildungszeit besonders auf die Verschiedenheiten der einzelnen Länder hinsichtlich der „ressources de rccrutement" und auf- eine voraufgehende militärische Ausbildung, beispielsweise „dans les for- mations politiques“, Rücksicht genommen werden. Für jeden Einsichtigen ist der französische Wunsch ohne weiteres klar, auch in der neuen Form die Unterlegen heitderRü st ung Leu t s ch - lands aufrecht zu erhalten. Die französischen Versuche, auf solche Weise das Prinzip der Gleichberechtigung Deutschlands wieder zu durchlöchern und unwirksam zu machen, werden in Genf von deutscher Seite mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen sein. So re. traut Lem deutschen Volle auh heute nr ch, trotz Zwangseinrichtung des Berufsheeres, die Einrichtung des stehenden Heeres auf der Grundlage i*-r ollgemeinenWehr pflicht ist, so fremd ist ihm das Milizsystcm. das in Kiner Form eigentlich nur als besondere Art der allgemeinen Wchrvflic' t die Schwe'z besitzt. Mit Ausnahme Englands bekannten sich vor dem Kriege alle euro- päischen Staaten zum Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht. Rach dem Kriege hat eine neue Entwicklung Platz gegriffen. Deutsch'and und Lei anderen im Kriege unterlegenen Mittelmächten wurden der Zahl und der Bewaffnung nach unzureichende Berufsheere aufgezwungen. England, das im Kriege die allgemeine Wehrpflicht einsührte, lehrte wieder zu seinem alten Wehrstzstem. zum stehenden Heere mit langgedien- tcn Freiwilligen, sowie der Territorialarmee als einer freiwilligen Miliz zurück. Frankreich, Belgien und Frankreichs östliche Dundesgenosjen blieben bei der allgemeinen Wehrpflicht mit verschieden langer aktiver Dienstzeit. Diese, jetzt in Frankreich auf ein knappes Iahr beschränkt, tr gt bereits mil'zähnlichen Chara.ier. Als Gegengew.cht aber ixrftär.tc Frankreich die Zahl der Langdie- nenden, so daß man eigentlich bereits heute von der in dem frarziifischen „fonftruLf.ren Plan" vorgesehenen Zweiteilung in Berufsheer und Miliz sprechen kann. Italien verfügt über das stehende Heer und die faschistische Miliz: auch in Polen und in der Tschechoslowakei finden wir neben Lern stehenden Heere in den Schühenvereinen und Sokols milizähnli ' e Einrichtungen. Die wehr- politische Entwicklung in den europäischen Staaten läuft mithin in zweifacher Richtung: einmal auf das Berufsheer, das bei seiner langen Dienstzeit Len Anforderungen moderner Ausbildung in jeder Hinsicht gewachsen ist. und auf die losenversicherung fallen. Es seien zwei Pläne vorbereitet. Der erste werde Dom Reichs- arbeiisminister Syrup vertreten, der eine vollständige Zusammenfassung der gesamten Betreuung der Arbeitslosen bei den Arbeitsämtern fordere. Mit der Verwirklichung dieses Planes würde den Gemeinden die Aufgabe und die Last der Unterstützung der Wohlfahrtserwerbslosen bis auf geringe Reste abgenommen werden. Diesem Plan steht ein solcher Les Reichsministers Dr. P o p i tz entgegen, der ebenfalls eine vollständige Vereinheitlichung der Arbeitslosenhilfe bezwecke, jedoch nicht die Arbeitsämter, sondern die Kommune n zu Trägem dieser Hilfe machen wolle. Die gesamten bisherigen Mittel, die für Arbeitshilfe aufgewendet werden müssen, würden danach bei den Gemeinden konzentriert. Wie wir von unterrichteter Seite dazu erfahren. ist die ganze Frage des LImbaues der Arbeitslosenh'lfe noch vökiig im Fluß und keinerlei Entscheidung gefallen. Der Etat könne so schnell nicht vorgeleat werden. Der Finanzminister habe die sachlichen Gründe dafür schon im Haushaltsqusschuß dargelegt. Auch die Vertreter des Zentrums erklärten, daß sie einer fristlosen Vertagung des Reichstags nicht zustimmen könnten. Abg. Bell (Zentr.) beantragte daher, die Plenarsitzung des Reichstags um eine Woche auf den 31. Januar zu verschieben. Hierzu erklärte Staatssekretär P l a n ck, wenn der Reichstag noch eine einwöchige Frist dazu benutzen - wolle, die Mehrheitsverhältnisse im Parlament einwandsrei f e st z u st e l l e n , vermöge sich die Reichsregierung dem nicht zu widersetzen. Sie selbst sei naturgemäß an derartigen Verhandlungen nicht interessiert. Auf eine Frage des Abg. Torg - ler (Som.), ob die Regierung in einer Vertagung des Reichstags eine Tolerierung durch das Parlament sehen würde, erwiderte Staatssekretär P l a n ck, daß auch bei einer Vertagung für längere Zeit die Regierung eine unzweideu tige Klärung der politischen Lage für unbedingt notwendig halte. Von den Deutschnationalen wurde in der Aussprache zum Ausdruck gebracht, daß auch sie eine baldige politische Klärung wünschten, gegen eine kurzfristige Vertagung aber nichts einzuwenden hätten. Die Abstimmung ergab, daß der nationalsozialistische Antrag auf unbe- stimmteVerschiebung der Parlamentstagung gegen die Antragsteller abgelehnt wurde. Auf Antrag des Zentrums wurde als Termin der nächsten Reichstagssitzung der 31. Januar bestimmt, lieber die Tagesordnung dieser Reichstagssitzung soll eine neue Aeltestenratssitzung am 27. Januar B e r 1 i n , 20. Ian. (VDZ.) Der Ae11eslenra 1 des Reichstags beschloß auf Antrag des Zen- Irums mit Mehrheit, die Reichstagssihung auf den 3 1. Januar zu verfchieben. Der Aelle- tenrat tritt am 27. Januar erneut zufarnrnen, um die Tagesordnung sestzufehen. Lin national- j ozialislischer Antrag, dem Reick-stags-, Präsidenten Goring die D o 11 m a ch t für die Festsetzung der nächsten Reichstagssihung zu geben, wurde gegen die Antragsteller a b g el e h n t. Oer Verlauf der Sitzung. lieber den Verlauf der Aeltestenratssitzung des Reichstages erfährt das Nachrichtenbureau des VDZ. noch folgendes: Die N a t i o n a l - sozialisten beantragten zu Beginn der Sitzung, dem Reichstagspräsidenten (9 ö rj n g die Vollmacht zu erteilen, die nächste Sitzung des Reichstags festzusetzen. Sie brachten dabei den Wunsch zum Ausdruck, daß der Etat möglichst bald dem Reichstag vorgelegt wird und daß die Regierungserklärung dann mit der ersten Lestmg des Etats verbunden würde. Dem wurde von S o - zialdemok raten und K o m m u n i st e n widersprochen, da das auf eine Reichstagsvertagung bis in den März ober April hinein hinauslaufen könnte. Staatssekretär Planck erklärte für die Reichsregierung, daß diese es nach wie vor im Interesse der politischen Beruhigung des Landes und feiner wirtschaftlichen Gesundung für dringend notwendig halte, die politische Lage möglichst bald unzweideutig zu klären. Oie Meinung in politischen Kreisen. Die „Lchubladcn-Berordnung" in Licht? Berlin, 20. Ian. (Sil.) Der Dertagungs- beschluß des Aeltestenrats wird in politischen Kreisen dahin beurteilt, daß der Konflikt zwischen Reichstag und Reichsregierung eigentlich schon dadurch zum Ausbruch gekommen ist. Wenn sich die Reichsregierung jetzt an weiteren Besprechungen und Parteiführerverhandlungen uninteressiert erklärt und ankündigt, daß sic nach Ablauf von acht Lagen die Entscheidung zu erzwingen gewillt ist, so scheinen andererseits diese acht Tage den Versuchen dienen zu sollen, doch noch eine Lösung aus der Mitte der Parteien heraus zustande zu bringen, in der der General v. Schleicher zum wenigsten als Kanzler keine Rolle mehr spielen würde. Erreicht wurde allein durch die jetzige Vertagung zum mindesten, daß die Neuwahlen kaum noch im Februar staltfinden würden, sondern erst im März. Es fragt sich nun, wie die Versuche zu bewerten sind, in der Zwischenzeit doch noch zu einer Lösung zu kommen, die die Rationalsozialisten auf die Regierungsseite bringt. Zu diesem Ziele scheinen die Verhandlungen und Vermittlungen der letzten Tage weitergeführt werden zu sollen. Dabei ist für das Zentrum maßgebend, daß unter allen Umständen und offenbar auch ohne Rücksicht auf die Person des jetzigen Reichskanzlers. der Versuch gemacht werden soll, alle ber* fassungsmäßigenMöglichkeitenaus- zuschöpsen, um eine Ausschaltung des Reichs- Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Crrd und verloo: vrühl'fche UnivetsttSts-vuch- und Steinöruderei R. tan;e in Gießet. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: ZchuNra^eT. e & n S'SS Iti* - :r§.h näe 53* bl M SM*8 == ■J 2.0 s q. — is ° =- r3 0 0 V o £>’ E o ho xL- HO C c 2 v- > ■ s <» y s ■6^0-5 3» ^2205 5-5L»o p2.3 c -Jos 2 o : £ 5 «ö Uch >53 -Ms tagcS zu vermeiden. Sollte eine solche Lösung nicht gelingen, so ist man sich in politischen Kreisen allerdings darüber klar, daß baldige Neuwahlen nichts anderes bedeuten würden, als die fatalistische Erfüllung einer 'Ve c, a>sungsbestimmung, deren Ergebnis genau die gleiche Situation sein würde wie die, vor der man heute steht. Neuwahlen würden wieder keine positive Mehrheit, sondern nur negative Mehrheiten zeitigen und den weiteren zweifelhaften Erfolg haben, daß die Wahlagitation die Parteien und politischen Kräfte noch weiter auseinander geredet haben wird, als dies schon jetzt der Fall ist. 2Han hält es darum heute schon nicht mehr für ausgeschlossen, daß Reichspräsident und Reichsregierung gewillt sein würden, eine besondere politische Notlage als gegeben zu erachten. Unter diesem Gesichtspunkt sieht man auch der inzwischen genehmigten großen Berliner Kundgebung der NSDAP, mit Spannung entgegen, die am Sonntag auf dem Dülow- platz in der Nähe der kommunistischen Hochburg, des Liebknechthauses, stattfinden soll. Man hört verschiedentlich die Auffassung, daß die Reichsregierung sich daraus ergebende blutige Zwischenfälle zum Anlaß nehmen könnte, um die in der ersten Rundfunkrede des Reichskanzlers von Schleicher erwähnte „Schubladenverordnung" mit bisher noch nicht dagewesenen verschärften Bestimmungen .zum Schutze des Dol- kes" in Kraft treten zu lassen. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß die Regierung die Kundgebung wegen drohender Zusammenstöße im letzten Augenblick doch noch verbietet. Die allgemeine politische Lage bleibt nach wie vor ungeklärt und selbst, wenn das Experiment von Neuwahlen nun doch noch einmal gemacht werden müßte, ohne daß eine neue Lage geschaffen würde, so hört man heute vielfach die Auffassung, daß diese Wahlen dann vorläufig die letzten sein würden. Erklärung einesGtaatsnoistandes? Berliner preffekommentare zur achttägigen $riff des Reichstages. Berlin, 20. Ian. (TU.) Einige Blätter nehmen zu dem Vcrtagungsbeschluß des Aeltesten- rats bereits ausführlich Stellung. Nach der „Deutschen Zeitung" bedeutet die Bcrschiebung der Reichstagseinberufung zunächst die Berlängerung des Anschauungsunterrichtes, den Herr v. Schleicher durch seinen völligen Mangel an Führung dem deutschen Volke erteile. Die Reichsregierung habe in den letzten Tagen eine Unschlüssigkeit gezeigt, aus der eigentlich bis zum 31. Ianuar die notwendigen Folgerungen gezogen werden sollten. Diese Folgerungen könnten nur in einer radikalen Umbildung der Regierung bestehen. kein Mensch zweifle mehr daran, daß wir nicht ohne Konflikt mit diefem oder einem anderen Parlament aus der Krise herauskommen. Auch in der Umgebung des Herrn v. Schleicher interessiere man sich plötzlich für den Begriff des Staatsnotgeldes. Da aber auch hier tue Politik Schleichers im Grunde planlos sei, spiele man zunächst noch mit Auflösung und Neuwahlen. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schätzt die Erfolgsaussichten der Verhandlungen über eine politische Mehrheitsbildung sehr gering ein. Fraglich sei, ob beim Zentrum überhaupt die ernste Vorstellung vorhanden sei, daß diese Verhandlungen zu einem Ergebnis führen könnten, oder ob man sich nur ein Alibi zu verschaffen versuche, für die Entwicklung, die nach einem restlosen Scheitern der parlamentarischen Möglichkeiten eintreten mühte. Jür den Fall, dah es am 31. Januar zur (Einberufung des Reichstags und dann zum Konflikt zwischen Regierung und Parlament komme oder auch für den anderen Fall, daß dieser Konflikt durch andere Ereignisse ausgelöst werde, sei zunehmend mit der Verhängung des mehrfach erörterten Staatsnot st andes zu rechnen. Die Regierung würde in einem solchen Fall das Parlament auslösen, den Zeitpunkt für die Neuwahl aber voraussichtlich bis zum Frühherb st aussehen. Der „Tag" schreibt: „Mit der Vertagung des Aeltestenrats können vor allem jene Parteien Zeit gewinnen, die im Augenblick Neuwahlen vermeiden möchten. Das Plenum kann erst anfangs Februar die kritischen Fragen behandeln, so daß bei einer Auflösung erst im März neugewählt werden könnte. Zeit ist weiter gewonnen für die Pläne einer Umbildung der Regierung, denn auch die Reichsführung muh sich für drq Durchsetzung einer wirklich autoritären Linie und die Zurückweisung des Parlaments rüsten." Nach Ansicht der„TäglichenRundsch au" Sibt es nur folgende Möglichkeiten, die heutige Irise der Untätigkeit und des Geschehenlassens zu beenden: ____ Entweder die R e i ch s r e g i e r u n g mache Ernst mit ihrem Willen zum fjanöeln, dann könne sie es nur ohne das Parlament unddieparteientun, dann müsse sie den Kreis, in dem sie heute noch gefangen sei, durchbrechen und gegebenenfalls auch über die Verfassung zeitlveise hinweggehen. Und wenn sie nichts anderes tue, als den Ar- tilel 54 der Reichsverfassung, der den Kanzler an das Vertrauen des Reichstags bindet, zeitweilig außer Kraft zu sehen, dazu brauche man keinen großen „Staatsnotstand". Die zweite Möglichkeit wäre die, daß die Parteien sich zu einem entscheidenden Schritt aufrafften, sich sammelten und eine arbeitsfähige Koalition herstellten, die den autoritären Staat überhaupt beseitigen würde. Die „Germania" sagt: „Wenn die kurze Vertagung einen positiven Sinn haben soll, dann sollte es der fein, daß man die neugewonnene Ze t nicht unnötig ablaufen läßt, sondern nochmals alle etwa sich bietenden Möglichkeiten prüft, eine Klärung herbeizuführen. Es wäre kein Gewinn, wenn wir nun nochmals eine Woche unzähliger Gerüchte und bedenklicher Geheimnisse erlebten, um nach ihrem Ablauf an der gleichen Stelle zu stehen, wo am Freitag der Aeltestenrat seine Beratungen begonnen hat. Aus aller Welt Anklage gegen den Berliner Stadtbankdirektor Schröder erhoben. Die Staatsanwaltschaft I Berlin hat gegen den seit etwa einem Iahr suspendierten Abteilung^- direktor der Berliner Stadtbank, Karl S ch r ö - der, Anllage wegen schwerer passiver Bestechung im Amte erhoben. Schröder wird zur Last gelegt, in den Jahren 1926 bis 1929 als Leiter der Kreditkonlrollabieilung der Stadtbank seine Amtspflichten zur Kontrolle der Sicherheiten, die die Berliner Stadtbank sich von der Kleidervertriebsgesellschaft Gebrüder S k l a r e k für die von ihr gewährten Kredite geben ließ, verletzt und im Zusammenhang damit von den Eklareks Zuwendungen in Gestalt von Rennwett- getoinnen angenommen zu haben. Starke Schneefälle in Südbayern. Der in der Nacht zum Donnerstag einsetzende S ch n e s a l l in Südbayern hielt nahezu ununterbrochen bis Freitag früh an und hat gewaltige Schne massen gebracht, die im Großstadtverkehr vielerlei Hemmungen bereiten. 3m Eisenbahnverkehr sind nennenswerte Verspätungen bisher nicht zu verzeichnen. 3m Allgäu schneite es gleichfalls ununterbrochen. Die Neuschneemenge eträgt beispielsweise in Füßen 35 Zentimeter, in den Bergen dürfte nahezu die doppelte Menge gefallen fein. Das Dodenseegebiet hat Konferenz zwischen Hoover und Roosevelt Eine Wendung in der englisch-amerikanischen (Schuldenfrage. Washington, 20. 3an. (WTB. Reuter.) Präsident Hoover und Gouverneur Roosevelt traten heute vormittag zu einer Besprechung zusammen. Staatssekretär S t i m s o n , Schahsekretär Mills und Professor Raimond Moley als Vertrauensmann Roosevelts, nahmen an der Besprechung teil. Rach Beendigung der Konferenz im Weißen Haus wurde von Hoover und Roosevelt folgendes gemeinsame Kommunique ausgegeben: „Die Unterredung war hauptsächlich der außenpolitischen Lage gewidmet, wobei folgende Erklärung vereinbart wurde: Die britische Regierung hat um Verhandlungen wegen der Schuldenfrage gebeten. Die neue amerikanische Regierung will die britischen Vertreter zu diesem Zweck gern bald nach ihrem Amtsantritt i m Mär; empfangen. Es ist natürlich erforderlich, gleichzeitig die wirtschaftlichen Weltprobleme, an denen Amerika und Großbritannien gemeinsam interessiert sind, zu erörtern. Deswegen sollte Eng- land auch Vertreter entsenden, die in der Lage sind, Mittel und Wege zur Verbesserung der Weltwirtschaftslage zu erörtern. Staatssekretär Stimson wurde beauftragt, mit der britischen Regierung die entsprechenden Vorberei- tungen zu treffen.“ Die Konferenz Hoover-Roosevelt befaßte sich, wie von prominenter demokratischer Sc i t e verlautet, sowohl mit der Schulden-, wie mit der Öerno ft frage. Es wurde jedoch beschlossen, nut Rücksicht auf den gegenwärtigen Stand der Genfer Verhandlungen von einem Kommunique über die hiesige Einstellung zum japanischen Vorgehen abzusehen. Ferner wurde beschlossen, nur noch mit denjenigen Schuldner staaten über eine Revision ihrer Kriegsschulden zu verhandeln, die im Dezember 1932 die fällig gewesene Rate bezahlt haben. Die Verhandlungen mit Frankreich werden also, solange Frankreich die Zahlung nicht nachholt, nicht begonnen werden. Bezüglich der Verhandlungen mit England steht Roosevelt auf dem Standpunkt, daß ein einseitiges amerikanisches Opfer weder möglich fei, noch der Weltwirtschaft nützen würde, insbesondere betrachte er Englands schwankende Währung mindestens ebenso als Hindernis für die Welterholung, wie die Schuldenfrage. Man erwarte daher von England eine Zusicherung, daß es nach Einigung der Herabsetzung über die Schuldensumme b a l « big ft zur Goldwährung zurückkehren werde. Nach der Untcrre&ung kehrte Roosevelt in sein Hotel zurück, wo Beratungen über die Mög- li-chZeiteir, den Bundesetat auszugleichen, stattfanden. Nach einer Besichtigung der großen Nitrat- unb Wasserwerlsanlagen MusclestwalS begab Roosevelt sich zur Kur nach Warmsprings in Georgia. Senator Long hatte heute mit Roosevelt eine Unterredung über das Kriegsschulden- Problem. Nach der Zusammenkunft erklärte Senator Long. Roosevelt habe u. a. bei den Besprechungen auf die Heilige Schrift Bezug genommen, die den Zins als Wucher bezeichnet. nun gleichfalls Winter bekommen, und auch dort hält der Schneefall noch an. — Auf der Zugspitze hatte die Schneehöhe am Donnerstag 265 Zentimeter bei 14 Grad Kälte erreicht. Starke Kälte in Rußland. 3n Leningrad ist die Temperatur auf minus 2 2 Grad gesunken. Eine Anzahl Dampfer, die auf dem Wege nach Leningrad waren, fror ein. Der Eisbrecher „3emark" brachte Dampfer, darunter auch ausländische, in den Leningrader Hafen. Russisches Expeditionsschiff vom Sturm beschädigt. Das sow etrus.iche Expeditionsschiff „Perseus" ist während hydrologischer Arbeiten auf dem Wege nach Spitzbergen in Sturm geraten und hat ernste Beschädigungen erlitten, so daß es die R ü ck f a h r t nach Murmansk antreten mußte, versuche zur Hebung des Eisbrechers „Malygin". Der Kapitän des russischen Eisbrechers „Lenin" meldet, er hoffe, in den nächsten zwei Tagen die gescheiterte „M a l y g i n" zu heben und zum Abtransport nach Murmansk ins Schlepptau zu nehmen. Englischer Frachldampsec in Seenot. — vier Mann der Besatzung getötet. Der englische Frachtdampfer „Exeter City" ist auf dem Ozean einen schweren Sturm geraten unb hat 8 08-Rufe ausgesandt. Vier Mann der 32köpfigen Besatzung, darunter der Ka- pitän. sind getötet worden. Ein Dampfer der American Merchant Company ist zur Hilfeleistung unterwegs. Der Frachtdampfer war von England nach Portland (Maine) unterwegs. Die Rettungsöbote sind zerstört. Die Kommandobrücke wurde von einer überkommenden See weggerissen. Flieger Hope gelandet. — von hinkler keine Spur. Der englische Fliegerhauptmann Hope, der zusammen mit dem Fliegerleutnant Hinley zu Nachforschungen nach dem verschollenen englischen Flieger Bert Hinkler in Lausanne aufgestiegen war, und seitdem ebenfalls vermißt wurde, ist nun in Vetroz im Kanton Wallis gelandet.— Der Flieger und der zweite Pilot sind dann zu weiteren Nachforschungen am Fuß des Diablercts aufgebrochen, wo sie Spuren des Vermißten entdeckt zu haben glauben; ihre Bemühungen blieben jedoch ohne Erfolg. Fliegerhauptmann Hope kehrte nach Lausanne zurück. Er erklärte, er wolle die Nachforschungen nach Hinkler im Hinblick auf die sehr ungünstige Witterung nicht fortschen und nach London zurückreifen. e Das türkische Ministerium des 3nnern hat durch Rundschreiben und Rundfunk an alle Behörden sowie an die Bevölkerung die Aufforderung ergehen lassen, dem Ministerium^ all« Wahrnehmungen mitzuteilen, die zur Klärung des Schicksals des englischen Fliegers Hinkler beitragen könnten. wieder Brand auf einem französischen Dampfer. An Bord des Dampfers „Generalgouverneur Paul Doumer" der französisch-indochinesischen Schiffahrtsgesellschaft brach in den Lagerräumen Feuer aus, als sich das Schiff auf der Reise von Singapore nach Saigon befand. Der größte Teil der Ladung verbrannte. Die Ursache des Brandes ist unbekannt. Das Schiff hat eine Wasserverdrängung von 1500 Tonnen und war im Jahre 1918 gebaut. Veruntreuungen bei der ^eichsbabndirekt on Mainz. Mainz, 20. Jan. (WSR.) Bei der Bellet- dungsstelle der hiesigen Reichsbahndirektion ist ein Fehlbetrag von über 13000 M k. f e ft g e ft e l l t worden. Der Kassierer, ein Reichs- bahn-Jnspektor, der vor seiner Ernennung zum Oberinspektor stand, wurde vorläufig seines Postens enthoben. Er behauptete bei seiner Vernehmung, daß die Fehlsumme auf Konto feines verstorbenen Vorgängers zu fetzen lei und b e ft r e i t e t jede Schuld. Die Reichsbahn- direktion ist noch mit der Aufklärung der Sache beschäftigt._______________~ ___________________________ Verantwortlich für Politik: I D.i Ernst B l u m s ch e i n. Gießener Konzrrtverein. II. Lymphonie-Konzert. Einem starken 3nteresse bei den Hörern begegnete Andrea Wendling (Violine), die, aus Der Schule ihres Vaters hervorgegangen, über ein äußerst solides geigerisches Können verfügt. 3hr Ton ist warm, wenn auch noch nicht voll erblüht; Fingerfertigkeit und Dogentechnik gewinnen allergrößte Hochachtung ab. Dazu kommt ein überaus sympathisches Auftreten; in sich gekehrt, ganz erfüllt von innerer Anteilnahme am Werk, steht sie auf dem Podium. Mozarts A-Dur-Konzert hatte sie bis ins Kleinste mit äußerster Sorgfalt durchgearbeitet; so konnte sie ihren Part mit feinem Sinn für Phrasierung und Vortragsmanier wiedergeben, mit Wärme und Beseeltheit des Empfindens das Adagio erfüllen und im Schlußsatz mit der Vielseitigkeit musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten fesseln. Die Kadenzen gestaltete sie mit großer technischer Kunst, wobei sie dennoch bewußt werden liefe,„ dafe das musikalische Moment bei ihr der stärkere Faktor war. Man konnte von ihrem Auftreten den Eindruck haben, dafe hier eine Persönlichkeit wirkt, von der in Zukunft noch mehr zu erwarten sein wird, wenn sie in noch stärkerem Grade zur Entfaltung und Einsetzung ihres Selbst gelangt ist. Es wird sich verlohnen, die Entwicklung der jungen Künstlerin weiter zu verfolgen; man wird dann hoffentlich noch mehr 3ndivi- duelles über sie sagen können . Im Gegensatz zu der diskreten Orchesterbegleitung des Violinkonzertes, wenn auch nicht immer im völligen Einklang mit der Solistin, stand die Art, wie Professor Dr. Stefan Temesvarn Schuberts aroße C-Dur-Symphonie ins.Klangliche umsetzte. Getrieben von der Stärke des inneren Impulses, temperamentserfüllt, entfesselte er eine Klangwelt, die sich stellenweise zum Klangrausch erhob. Da mußte jeder im Orchester zwingend mitgerissen werden, sein Letztes herzugeben, um dem Werke zu dienen. Mit fast unbändiger Lebenskraft erwuchs so die Symphonie in erdgebundener Verwurzelung unb naturhafter Ursprünglichkeit. Und doch, im Aufwallen trat das Elementar-Klangliche oft zu stark in den Vordergrund; manche Steigerung büßte an intensiver Auswirkung dadurch ein, daß man ihre Basis zu breit ansetzte und oft schon vor dem organischen Gipfel den klanglichen Höhepunkt überschritten hatte. Die Piano- und Pianissimostellen des zweiten Satzes verloren durch große Tonstärke zeitweilig an verinnerlichten Reizen, daß aber die Möglichkeit der technischen Ausführung dafür durchaus besteht, das ließen einige Episoden im Andante deutlich erkennen. Es wird für die weitere Arbeit des Gießener Orchestervereins ratsam fein, einer zielbewußten Kultur der feineren dynamischen Grade zuzustreben! Beethovens „Fidelio"-Ouvertüre war von starkem inneren Schwung getragen. Hier wie auch in der Symphonie waren Hörner und Holzbläser mit Tonschönheit und technischer Zuverlässigkeit am Platze und in edlem Wettstreit mit dem klanggesättigten Streichkörper. Dr. H. Heitere Medizin. Anekdoten von Wilhelm von Hebra. Während der österreichischen Kaisermanöver des Jahres 1906, die ich als Reserveoffizier auf Waffenübung mitmachte, war ich viel mit einem hochbejahrten Regimentsarzt zusammen. Er sprach mit Vorliebe von der „Wissenschaft der Mebizin . Er war Tscheche, aber noch ganz und gar aus der guten alten Zeit des guten, alten Oesterreich, ein völlig loyaler, • kaisertreuer, streng militärisch gesinnter Mann. Eine Tages sagte er: „Kämmte so ein Rekruht zur Marohdenvisiht, bann kriegte zerst einmahl grüße Purtion Rhizinus- öhl, sehr grüße Purtion. Kommte nächste Tahg wieder, dann ist nicht Schwindehl, dann iftc wirklich krank — dann kriegte Rum." * Der berühmte Wiener Professor Hyrtl war ein richtiger österreichischer Hofrat im guten Sinn; menschlich, freundlich, hilfsbereit. Als Professor aber war er streng darauf bedacht, gegen jede Unordnung und gegen jeden Mißbrauch anzukämpfen. Eines Tages ging ein armer Student zu fjnrtl in die Unioersitä'skunik und sagte: „Herr Professor, ich bitte Sie, mir die Kollegsgebühren nachzulassen. Ich habe gar kein Geld." Hyrtl erwiderte: „Das behaupten viele, bei denen es gar nicht stimmt. Ich lehne Ihre Bitte ab." Der Student war verzweifelt. Als er einem Kollegen, der Hyrtl schon seit langem kannte, fein Unglück erzählte, erhielt er einen Rat, den er wortwörtlich befolgte. Er ging zu Hyrtl in dessen Privatwohnung und sagte: „Herr Hofrat, ich muß die Kotteggebühren beim Herrn Professor Hyrtl bezahlen. Ich habe kein Geld. Der Herr Professor aber ist unerbittlich. Ich bitte Sie, mir diese Summe zu borgen." Hyrtl lächelte und gab dem Studenten das Geld. Ein Chirurg ist bei einem Kollegen zu Besuch und erzählt von der Praxis in seiner Heimatstadt, einem vornehmen Kurort. „Unser feinstes und teuerstes Hotel ist der .Europäische Hof. Dahin wurde ich eines Nachts gerufen, und in das schönste Zimmer geführt. Das .Kaiserzimmer' hieß es früher, und es war berühmt, aus zweifachem Grund: wegen der zahlreichen Monarchen, die es bewohnt hatten, und wegen seiner schönen Wandmalereien. Ein junger Mann lag im königlich breiten und königlich prächtigen Bett. Er hatte heftige Bauchschmerzen. Ich untersuchte ihn, konstatierte Blinddarmentzündung, transportierte ihn sofort in meine Klinik und operierte ohne Verzug, obwohl es inzwischen zwei Uhr geworden war. Mitten in der Nacht! Und nachher sah ich: ich hatte mich geirrt, von Grund auf geirrt." „Was? Eine Fehldiagnose? Er hatte gar keine Blinddarmentzündung?" „Die hatte er wohl. Die Fehldiagnose war noch viel ärger." „Noch ärger?" „Dieser Gast, der im .Europäischen Hof wohnte, und im .Kaiserzimmer' noch dazu, war ein Maler, der dort die Wandmalereien restaurieren sollte, und den der Hotelier der Einfachheit halber dort schlafen ließ, der aber seine Arbeit noch nicht begonnen hatte, so daß das Zimmer in tadelloser Ordnung war. Und dieser Maler — dieser Patient — war ein ganz mittelloser Mann." Tonfilm: Dieser.Film nennt sich im Untertitel „Der Lebensweg einer kleinen Choristin". — „Lebensweg" ist ein bißchen übertrieben und erweckt falsche Vorstellungen. Sagen wir: eine Episode in Luftspielform, mit Musik und Tanz und schwaukhastem Einschlag — dann kommen wir der Sache näher. Erinnern mir uns ferner des „Fledermaus"-Films und feiner weiblichen Hauptrolle, dann haben wir ungefähr Milieu, Tonart und Rollencharakter angebeutet, die dem Film „Kiki" fein Gepräge aeben. Die kleine Choristin ist Anny O n b r a; fie beherrscht mit ihrem pikanten Gesichtchen, ihrer Puppenfigur, ihrem frechen Munbwerk, ihrem quecksilbrigen Temperament unb einer Menge broüiger Einfälle ble heitere Szenerie vollkommen. Ihr Partner ist Hermann T h i m i g , nett unb liebensroürbig wie immer, sehr geeignet für biefe Art Rollen, ble er schon bes öfteren mit anberen Partnerinnen zu spielen hatte. Vom Ensemble finb ferner Berthe Ostyn unb Paul O11ozu nennen. Manuskript unb Dialogregie: Hans H. Ze rieft; Musik: Marbot unb Reisfeld. Probuktion: Onbra-Lamac-Film, Berlin. Das Lustspiel läuft seit gestern im Lichtspielhaus unb ist eine hübsche Abenbunterhaltung. Die Heilkraft des Honigs. Die Dolksmedizin führt feit undenklichen Zeiten den Honig unter den Heilmitteln auf, die gegen vielerlei Beschwerden gut sein sollen. Schon bei den alten Aegyptern wurde der Honig yi Arzneien, bei Verbänden und zum Einbalsamieren von Leichen benutzt. Mit einer wissenschaftlichen Untersuchung der Heileigenschaffen und des Nährwertes des reinen Bienenhonigs beschäftigt sich in neuester Zeit Dr. Sack, der über seine vorläufigen Ergebnisse in der Münchener Medizinischen Wochenschrift berichtet hat. Analysen, die an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten durchgeführt wurden, ergaben, daß der Bienenhonig einen hohen Gehalt an Traubenzucker auf- weist. Nun ist der Traubenzucker in der letzten Zeit von der Heillunde immer häufiger verwendet worden; er ist für Entkräftete ein Emährungsmit- tel ersten Ranges und eignet sich vortrefflich für Einspritzungen bei den verschiedensten Krankheiten. Besonders ist er ein vortreffliches Mittel zur Entgiftung des Organismus, der dadurch von schädlichen Resten des Stoffwechsels befreit wird. Auch Magen-, Leber- und Nierenkrankh'.iten werden oft durch die Verabreichung von reinem Traubenzucker günstig bceinslufet. Reben diesem Stoff weist dann der Bienenhonig noch eine gange Reihe anderer Bestandteile auf, so u. a. Fruchtzucker. Wachs, Eiweifestoffe, organische Säuren, Phosphor, Kalzium, 3od, aromatische Oele und verschiedene Vitamine. Auch diese Stoffe sind der Medizin al« wirksame Heilmittel zum großen Teil bekannt, und so bestätigt sich die Volks-Anschauung von der Heilkraft des Bienenhonigs. Welche Rolle ihm für die moderne Krankenbehandlung im einzelnen zu- fommt. darüber müssen noch weitere Untersuchungen abgewartet werden. äocbfdyutnodmcbfetL Der Präsident der Columbia-Universität ht Reuy ork, Nicholas Murray Butler, hat bekanntgegeben, daß der frühere Präsident der kalifornischen Universität, Dr. David Prescott Darrows, zum Austauschprofessor ernannt worden ist, der den seinerzeit von Roosevelt errichteten Lehrstuhl in Berlin einnimmt. Aus der Provinzialhauptstadt I An- ihren Mo- Geschichten aus aller Welt >e Behandlung. ** Eine Fünfundsiebzigjährige. Frau derin des Korsettenhauses Geschwister Aron. jahres. Metallindustrie. — Der (£ uns schreibt, in den und Mit rariich beson" 2lm Sonntag. Gcdenkse er st lünstlers Dr. Männerchores unter Leitung Schüttler, und Eichcndor Notwerks der deutschen Jugend noch Fortbildungsmaßnahmen im Januar ang nehmen. D-chter Erwin öuiöo Kolbenheyer einen Dort.ag über „Lebenowert und Lcbcnswrlung der Dichtlunst in einem Dolle" halten. Auch dieser Vortragsaornd w.rd ein literarisches Ereignis ersten Ranges werden. (Räperes ist aus dem heut gen QIn;e genteil zu ersehen.) •• Städtische Drennholzversteige- rung. Bei der gestrigen Brennholzversteige- rung auS den Waldungen der Stadt Gießen (Försterei Hochwart) wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Duchenscheiter 1. Klasse 8,80 Mk. per Raummeter. 2. Kl. 6,80 Mk., Eichenscheitrr 1. Kl. 7.00 Mk., 2. Kl. 5,00 Mk., Grlenscheiter 2. Kl. 5,20 Mk.. Duchenlnüppel 1. Kl. 6.60 Mk.. 2. Kl. 6,20 Mk., Eichenknüppel 2. Kl. 4,60 Mk.. Kicfernknüppelreisig 3.00 Mk.. Duchenstöcle 1. Kl. 5 00 Mk.. 2. Kl. 4,20 Mk. per Raummeter, Buchen- rcisig 2. Kl. 16,00 Mk. per 100 Wellen. 3. Klasse naten November und Dezember mit 685 Beratungen (438 für männliche, 247 für weibliche Rat- uchende) gegenüber den gleichen Monaten im Dor- ahre eine starke Zunahme der Beratungssälle zu verzeichnen. Ein sehr hoher Prozentsatz der Rat- suchenden waren Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten, zumeist Abiturienten mit noch völlig ungeklärten Berufszielen. Fehlende Unterkommensmöglichkeiten in praktischen, Reichswehr», Polizei» JüriiütiAcn. c he - Bund bietet, wie man n nächsten Tagen seinen Freun- Detn zwei tüustierisch und lite- bedeutsame Veranstaltungen. Januar, f.ndet eine Eichendorff- mtcr Mitwirkung des Sprech- .riedrich Castelle und des s Ge.angvere.ns „Heiterkeit" eines Dirigenten Musiklehrer . Castelle w.rd Gedcnlworte .chtungen sprechen: der Chor onsten Eichendorfs-L eder singen. Verhütet Frostschäden! Der normale Ablauf der Lebenstätigkeit unseres Jenny Wohlmuth, Selter. iucg 59, kann am ; i-.,.o ------ ----- , Montag, 23. Januar, bei guter Gesundheit ihren 15,00 Mk.. Eichenreisig 2. Kl. 13£0 Mk. per ICO 75. Geburtstag feiern. Die Jubilarin ist die Grün» I Wellen. Duchennutzscheiter 9,00 Mk. per Raum- derin des Korsettenhauses Geschwister Aron. meter. Die Marktlage der oberhcss.schen Metallindu- strie hat auch in der Berichtszeit eine Verschlechterung erfahren. Ein Tetrteb hat wegen Arbeitsmangel 50 Arbe tskräfte entlassen. Weitere Entlassungen stehen bevor. ES meldeten sich nm Schlüsse der Derichtszeit 2663 Metallarbeiter als Arbeitsuchende gegenüber 2490 des Dormonats und 2518 des Vorjahres. Holzgewerbe. Die olerhessischen S^ ewerksb triebe kla ei allgemein über Arbeitsmangel. 3m Rovemoer waren verschiedene kleinere Betriebe noch aufnahmefähig. Verfügbar waren 1135 Personen gegenüber 1031 des Vormonats und 854 des VorjahreS. Verkehrsgewerbe. Auch hier hat sich die Marktlage verschlechtert. Don selten der Reichsbahn muhten Polieren für B a u s ch r e i n e r, durchgeführt vom Holzarbeiterverband, Gießen. Für Januar sind vorgesehen Kurse für Schlosser, Dreher usw., sowie Zimmerer, Glaser usw. und Elektriker in Gießen, für Maler und Weißbinder usw. in Heldenbergen, Friedberg und Garbenteich, für Schreiner in Lauterbach und für Derkaufsangestellte und Maschinen- chreiber in Gießen. Ferner werden im Rahmen des verschiedene Berufsberatung. Die Berufsberatungsabteilung hat in den e ne Reche der , Sodann wird c n Donnerstag. 23. Januar, der Oie Arbeitsmarkilage in Obecheffen Oie Lage in den einzelnen Berufen. Das Arbeitomt Gießen berichtet in feinem Rückblick auf die Arbeitsmarktlage Ende Dezember 1932 (ogl. die Zusammenfassung im Gießener Anzeiger vom 18. Januar) über die Beschäftigung in den einzelnen Berufsgruppen. Land- und Forstwirtschaft. Im Monat November konnten wir 850 Arbeitsuchende aus verschiedenen Berufsgruppen für den Holzeinschlag vermitteln. Auch im Dezember wurde eine Anzahl Leute in den Holzwald vermittelt, doch bleibt im ganzen gesehen die Dermittlungszahl gegenüber früheren Jahren weit zurück. Infolge der vorgeschrittenen Jahreszeit und der damit verbundenen Beendigung der landwirtschaftlichen Außen- arbeiten hat auch hier die Bermittlungstätigkeit stack nachgelassen. Neueinstellungen von Gesinde zum Jahreswechsel sind nur in geringem Umfange erfolgt. Die Rosengärtnereien haben im Monat Dezember wegen Arbeitsmangels 15 Gärtner entlassen. Verfügbar waren 911 Arbeitsuchende gegenüber 746 des Vormonats und 444 des Vorjahres. Die Verdoppelung der Zahl der Arbeitsuchenden innerhalb eines Jahres ist in erster Linie darauf zurückzu- sühren, daß sich Landwirtssöhne, die in früheren Jahren dem Arbeitsmarkt femblieben, als Arbeitsuchende zwecks Unterbringung in den Freiwilligen Arbeitsdienst dem Arbeitsamt verfügbar halten. Industrie der Steine und Erden. Ein Basaltsteinbruch wollte nach Fertigstellung einer größeren Notstandslieserung ftiUegen und die Belegschaft zur Entlassung bringen. Es ist aber gelungen, durch einen größeren Auftrag für Schotter- steine den Betrieb weiterhin aufrecht- zuerhalten. Ein anderer Steinbruchbetrieb war gezwungen, wegen Arbeitsmangels 62 Steinarbeiter zu entlassen Dem Arbeitsmarkt standen am Schluß der Berichtszeit 1545 Personen zur Verfügung gegenüber 1420 des Vormonats und 1770 des Dor- wegen Deendigung der dorgesehenen Arbeiten 120 Zeitarbeiler entlassen werden. 830 Arbeitsuchende waren gegenüber 735 des Vormonats und 633 des Dorjchres verfügbar. Angestelllenberufe. Die Lage des Arbeitsmarktes für Angestellte hat sich in den beiden letzten Monaten nicht wesentlich gebessert. Lediglich im Einzelhandel war eine geringe Besserung durch das Weihnachtsgeschäft zu bemerken. Auch die Finanzämter des Bezirks hatten Bedarf an Zeit- Hilfen. der durch Vermittlung des Arbeitsamts gedeckt wurde. Reueinstellungen auf Grund der Steuersche'.nvergünst’gungen wurden nicht gemeldet. Die Zu- und Abgangsbewegung im Laufe der Monate war unbedeutend. Ende Dezember waren stellenlos gemeldet: 671 männl, kaufm.- u. Düroangestellte. 216 weibl. kaufm.- u. Büroangestellte. 216 m- n l e n sche Büro nzestellte. 18 männl, sonstige Düroangestellte, 8 weibl. sonstige Düroangestellte, insgesamt 1101 Angestellte. Die Aufnahme berufsfremder Arbeit durch Angestellte hält an. 3n der Hauptsache handelt es sich hierbei um die Beteiligung an Maßnahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes. Berufliche Fortbildungvmaßnahmen für Arbeitslose. Wie in den letzten Jahren, so veranstaltet das Arbeitsamt Gießen auch in diesem QDinter für Arbeitslose bis zu 25 Jahren Kurse §ur Erhaltung und Verbesserung der beruflichen Leistungssähigke it. Im Hinblick auf die durchweg lange Arbeitslo,rgkeit Der Jugendlichen, dürfte die Durchführung solcher Kurse nicht nur zweckmäßig, sondern sogar notwendig erscheinen. Im Gegensatz zu den letzten Jahren hat sich gezeigt, daß das Interesse der Jugendlichen an diesen Kursen jetzt bedeutend größer ist. Den Anfang machten im Rovember die kaufmännischen Angestellten mit zwei gut besuchten sechswöchigen älebungskur- fen in Maschinenschreiben, die von der Ceffen'.Ii5;en Handels.ehranstalt Gießen durchgeführt wurden. Ferner wurde im Rahmen der Winterveranstaltungen des Bildungsverbandes der deutschen Buchdrucker, Ortsgruppe Dießen, ein sechswöchiger Fortbildungskurs für Drucker und Setzer in der hiesigen Gewerbeschule abgehalten. Eine Ausstellung der gefertigten Arbeiten findet am 29. Januar 1933 im Krausmüllersaal des Gewerbehauses, Gießen, Goethestrahe, statt. Ferner begannen im Dezember cinzehnwöchi- g c r Tlebungskurs in Einheitskurz- i d) r i f t für Angestellte, durchgeführt von der Oef- fentlichen Handelslehranstalt, Gießen, ein 8wöchl- ger Kurs in Intorsienarbeiten, Fournieren und Körpers ist an die Aufrechterhaltung einer Temperatur von 36 bis 37 Grad Celsius im Körperinnern gebunden. Treten, wie im Winter, äußere Kälteeinflüsse an uns heran, so sucht sich der Körper zu- nächst durch Betätigung einer Reche feiner Regu- lierungsoorrichtungen gegen eine äußere Abkühlung zu schützen. Die wichtigste dieser Abwehrmaßnahmen besteht in der Erweiterung und Verengerung der Hautblutgefäße. Ist deren Funktionieren behindert, dann kommt es leicht zu Frostschädigungen der Gesundheit. Diese finden sich gewöhnlich besonders an den von der Kleidung am wenigsten bedeckten oder dem Herzen am fernsten gelegenen Körperpartien, wie an den Ohren, der Nase, den Händen und den Füßen. Geht die Erkältung über die sogenannten Frostbeulen soweit, daß es zur Blasenbildung und zu deren Ausbrechen kommt, so spricht man von Frost zweiten Grades. Hierbei kann es durch eine starke langandauernde Kälteeinwirkung zum Ab- frieren ganzer Gliedmaßen, ja sogar zum Tode durch Erfrieren kommen, wenn nicht schnell genug geeignete ärztliche Hilfe zur Stelle ist. Glücklicherweise sind diese Fälle schwersten Frostes recht selten. Abgesehen' von einer sorgsamen Pflege und Abhärtung der Haut, eines Trainings der Blutgefäße, das schon in den warmen Tagen des Sommers beginnen muß, lassen sich zur Verhütung von Frost- . schätzen folgende Ratschläge geben: Man trage mol- lene, warme Handschuhe und möglichst wollene Strümpfe, evtl. Ohrenklappen. Das Schuhwerk sei bequem und lasse Den Zehen einen genügenden Spielraum. Bei längerem Aufenthalt im Freien, insbesondere bei nasser Kälte mache man sich rechtzeitig Bewegung und vermeide längeres Stehen ober Sitzen. Rascher Uebergang von Kälte zu Hitze und umgekehrt ist unzweckmäßig und sollte unterlaßen werden. Wertvoll für die innere Erwärmung des Körpers ist eine gute kräftige Ernährung, vor allem reichlicher Fettgenuß. Bei schwerer Erfrierung bringe man den Kranken zunächst in einen fühlen Raum, gehe mit den erfrorenen Gliedern, die leicht bred)ei . besonders vorsichtig um und sorge hier, ebenso wie allen leichteren Fällen, für rasche, sachgemäße ärzl >e Behandlung. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Segen des Telefons. (N. H.) Kopenhagen. Die Haupttugend des Kopenhageners ist seine Neigung zur Bequemlichkeit. Er erregt sich nicht gern. Er schimpft selten. Er schläft auch gern lange. Er läuft nicht gern zu Fuß. Es gibt Leute, die nur eine Beschäftigung haben und dabei die gesundesten Nerven der Welt behalten: sie telefonieren. Die einzigen, die im Telefon schimpfen, sagte mir un- längst eine lelcjonfräuleinftimme, seien Deutsche in Kopenhagen. „Sint som en tysker" (wütend wie ein Deutscher), ist eine dänische Redensart. Man höre: hier in Kopenhagen sterben die Nervenärzte deshalb aus, weil vor ein paar Jahren und noch früher die „Khöbenhavns Telefon Aktie Selskab" — zu Deutsch „Kopenhagener Telefon A.-G.", als Privatinhaberin des Groh-Kopenhagener Telefon-Netzes auf den guten Gedanken kam, eine „Telefonwache", eine „Vorausnotierungs-Stelle" und eine „Telefon-Weck- Uhr" anzufchaffen. Das geht so: will man morgens um 6 Uhr 20 geweckt werden (diesen teuflischen Wunsch kann nur ein Deutscher haben), so ruft man das sogenannte „Rescroetelefon" an, nennt, oft früh oder spät in der Nacht oder am Tage, seine eigene Telefonnummer und gibt seinen Wunsch bekannt. Der unsichtbare Engel Gabriele notiert, dankt — und morgens rasselt die Telefonschelle, man weiß, was die Glocke geschlagen hat, man begibt sich ge- mächlich an den Apparat, dort tönt einem die Frage entgegen, ob man die und die Nummer habe? Man sagt ja. Gabriele sagt, es sei sechs Uhr 20 und wünscht artig guten Morgen. Der Spaß kostet 15 Dere. Weiter: Man ist Junggeselle, hütet seinen Laden allein, hat aber einige wichtige Gänge zu erledigen, weshalb man erst um 11.50 Uhr wieder zu Hause sein kann. Man ruft wieder „Referveteleson" an, nennt seine Nummer, läßt genannte Zeitangabe notieren mit dem Ersuchen, jedem, der während der Zeit bis 11.50 Uhr anrufen sollte, mitzuteilen, daß man 11.50 Uhr wieder telefonisch und auch persönlich zu treffen fei. Gabriele nimmt auch Bestellungen eventueller Anrufer entgegen. Ist man bann 11.50 wieder daheim, fo bestellt man diesen Telefonwächter ab, bekommt gleichzeitig mitgeteilt, wer inzwischen angerufen, wer überdies auch Bestellungen gegeben habe. Man will feinen dreiunddreißig Freunden gleichzeitig eine dringende Mitteilung machen (jeder hat hier ein Telefon). Man braucht nicht jeden einzelnen der dreiunbdreißig Freunde hintereinander anzu- rufen. Um Himmels willen. Man ruft wieder feinen Bundesgenossen an, bittet um „Telefonmöde", zu Deutsch „lelefonoerfammlung", gibt jede der 33 Freundesanschlüsse der unsichtbaren Helferin auf, sie verbindet gleichzeitig sämtliche 33 Freundes- anschlüsse mit dem Besitzer dieser 33 Freunde, und er gibt „im gleichen Atemzug" den 33 das, was er mitzuteilen hat, bekannt. Erledigt. Innerhalb von fünf Minuten. Kostet zehn Oere bei fünf Anschlüs- fen, wobei das Gesamtgespräch nicht über zehn Minuten dauern soll. Ein aufopfernder Polizist. (g) London. Auch Australien leidet unter einer empfindlichen Wirtschaftskrise. Handel und Gewerbe liegen darnieder, die Zahl der Arbeitslosen wächst von Mo- not zu Monat, und macht sich die übliche Begleiterscheinung der Arbeitslosigkeit, die sog. Schwarzarbeit in fast allen Serufsarten immer unangenehmer bemerkbar. Die Regierung hat ihre Exekutivorgane angewiesen, mit den strengsten Maßnahmen gegen Schwarzarbeiter vorzugehen. Schon wiederholt hatten Zahnärzte und Dentisten in Sidney sich bei der Polizei über einen gewissen I. beschwert, der ihnen, ohne die geringste Approbation zu besitzen, empfindlich ins Handwerk pfusche und durch seine niedrigeren Preise die Kundschaft wegnehme. Trotz anhaltender Beobachtungen und wiederholter plötzlicher Haussuchungen war dem Manne jedoch nicht das geringste nachzuweisen. Da entschloß sich der Polizist Francis Warren, sich im Interesse des Allgemeinwohls und der Gesetze zu opfern. Obwohl er ein tadelloses Gebiß besitzt, verband er sich die Backe und suchte in Zivil Mister .T. auf, dem er seine unerträglichen Zahnschmerzen oorjammerte. Und Mister I. zog ihm flugs für geringes Honorar den angeblich kranken Zahn. Damit hatte er sich dem Gesetz in die Hände geliefert. Der Polizist Francis Warren jedoch darf für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, der erste Mensch gewesen zu sein, der, um einem anderen auf den Zahn zu fühlen, einen eigenen Zahn geopfert hat. Der Flaggenmann vom Eiffelturm. (fn) Paris. Da es nur einen Menschen auf dieser Erde gibt, der bisher die Flaggen auf dem Eiffelturm erneuerte, ist der Berus des Eugene Lamier in Paris, wohnhaft Eiffelturm, sogar in höchstem Maße originell. Man wurde darauf aufmerksam, daß es einen Mann mit diesem seltsamen Beruf gibt, als Lamier zum Chef über alle Fahrstuhlführer im (Eiffelturm ernannt wurde. Dabei kontrollierte man denn danz genau, was er außer feiner Auffeher- tätigteit vollbracht habe bis jetzt. Anfanas war Eugenie Lamier der jünafte Arbeiter am (Eiffelturm. So um 1889 war das. Zu Eissels Baukolonne kam er sogar, als er erst 12 Jahre alt gewesen ist. „Fünf Sous habe ich die Stunde verdient. Sechs Brücken habe ich mit Eissel gebaut. Aber immer, wenn die Flagge aus dem (Eiffelturm erneuert wer- • den mußte, dann war ich zurück." — Speisezettel der Kinderspeifung durch die Reichswehr. In der Woche vom 23. bis 28. Januar hat die Kinderspeifung. die seit Anfang dieser Woche vom hiesigen Re.ch.'wehr-Bataillon in den Gießener Schulen durchge ührt wird, folgenden Spe.fezettel auszu- wei'en. Montag: Makkaroni mit Mischobst: Dienstag: Haferflocken mit Rindste.sch: Donnerstag: Dohnen mit Schweinefleisch: Freitag: Kar- tofselgemüie mit Bratwurst: Samstag: Rindfleisch mit Reissuppe. Am Mittwoch fällt die Schule aus, es findet also auch keine Kinderspeisung statt. ** Eine W i n t e r h i l f e - L o t t e r i e, von der Hessen nichts erhält. Vom Vorstand der Gießener Winternothilfe wird uns mitgeteilt: Der Landesausschuß der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege in Hessen macht darauf aufmerksam, daß von der Volkswohl-Lotterie zu Gunsten der Winterhilfe, deren Ziehung am 16. und 17. Februar ftattfinbet, die Winterhilfe in Hessen nichts bekommt, daß vielmehr der Erlös der Lotterie nur der Winterhilfe in Preußen und einigen anderen deutschen Ländern zugute kommt. •• Unfall im Kanalschacht. Gestern mittag gegen 12 Uhr ereignete sich an der Westanalage ein Unfall. Der 63 Jahre alte Kanalvorarbeiter Friedrich Wenz war damit beschäftigt, in einem Kanalschacht eine Holzbohle zu lösen, die bann nach oben gezogen wurde. Dabei glitt die anscheinend etwas schlüpfrige Bohle aus der Seilschlinge, stürzte in die Tiefe und fiel dem untenstehenden Vorarbeiter so unglücklich auf den Kopf, daß er eine nicht unbedeutende Verletzung erlitt. Durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wurde der Verunglückte nach der Chirurgischen Klinik gebracht. "DieAlt«rsvereinigungl882/1932 hielt dieser Tage ihre Hauptversammlung ab. Rach dem vom Vorsitzenden bzw. Pressewart erstatteten Jahresbericht haben die Bestrebungen der Vereinigung zur Pflege des Kameradschaftsgeistes trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse all- seitige Unterstützung gefunden. Den erwerbslosen Mitgliedern wurde dank der Opserfveudigleit vieler Mitglieder weitgehende Unterstützung zuteil. Die Kaffenverhältnisse sind günstig, so daß der Beschluß gefaßt wurde, einen größeren Betrag zur Speisung bedürftiger Kinder zur Verfügung zu stellen. Zur bleibenden Erinnerung an die Gründung der Vereinigung wurde am eigentlichen Ludwigsbrurrnen ein Ruheplatz hergerichtet, der nach seiner Fertigstellung im Früh'ahr feiner Bestimmung übergeben werden soll. Die Dorstandswahl ergab die Wiederwahl sämtlicher Mitglieder des Vorstandes und des DergnügungsausschusseS. und sonstigen Beamtenberufen werden manch» wiederum ungewollt zum Hochschulftudium drängen. — Die männlichen Ratsuchenden äußerten 63, die weiblichen 26 verschiedene Berufswünsche. Don ersteren wurden folgende Berufe in angegebener Reihenfolge am häufigsten begehrt: Unentschlossen 51, kaufmännische Berufe 32, geh. mittl. Beamten- laufbahn 16, Autoschlosser 15, Bäcker und Metzger 15, Medizin 12, ak. geb. Landwirt 8: von den Mädchen: Unentschlossen 27, kaufm. Berufe 39, Schneiderin 25, Haushalt 10. Eine Reihe von Derufsanwärtern mußte auf ihre voraussichtliche Eignung geprüft bzw. auch ärztlich untersucht werden. Für das Buchdruckgewerbe wurden sämtliche Berufsanwärter einer Eignungsunter, fuchung unterzogen. Der Gesundheitszustand vieler Schulabgänger läßt viel zu wünschen übrig; für nicht wenige wäre «ine Erholung vor der Lehrzeit dringend notwendig. Don 43 neu angemeldeten offenen Lehrstellen für Knaben und Mädchen konnten 24 sofort besetzt werden. In den Nebenstellensprechstunden sanden 257 Beratungen und 3 Vermittlungen statt. Das macht er also jetzt schon feit 43 Jahren und fühlt sich äußerst wohl dabei. Aus der Höhe des Eiffelturms Der höchste Mann über Paris, hat er den Schwindel noch nicht kennen gelernt. Wenn der Wind die Flagge zerzaust hat, so bafo sie nur noch ein unansehnlicher Fegen ist, dann ruft man Lamier herbei. Es ist nicht leicht, die Flagge zu wechseln. „Sehen Sie hier — die Flaggenstange hat unten zwei Meter im Umfang und oben an der Spitze verjüngt sie sich fo, daß sie nur zwei Zentimeter Umfang hat. Manchmal ist der Sturm fo stark, daß ich mich feftriammern muß. Ich muß höllisch achtgeben, daß mich nicht ein unerwarteter Windstoß in die Alpen trägt ... Schließlich habe ich auch die Fahntz noch zwischen den Zähnen, während ich da herum- klettere. Aber ich hab immer gut festgehalten. — Auf dem (Eiffelturm zu fein — das ist mir Ersatz für alles. Ich bin auf ihm alt geworden, vielleicht macht inan die Flaygenerneuerung auch eines Tages elektrisch, wenn ich nicht mehr da bin ober wenn mich doch eines Tages ein Windstoß in die Alpen trug .." Präsident Sadi-Carnot hat ihm seinerzeit, wie allen Bauleuten, 1889 eine Medaille, einen Orden gewissermaßen, gestiftet. Es gibt nichts, worauf La mier stolzer wäre als darauf, daß er (Eiffel einst als kleiner Junge half, den großen Turm zu bauen ... Schwieriger Rechtsstreit. q. Madrid. Ein spanisches Gericht verhandelte dieser Tage über einen reichlich merkwürdigen Fall. Es handelte sich um die Entscheidung, ob ein Taubstummer sich des Delikts der Beleidigung schuldig machen kann. Wohlverstanden, es handelte sich nicht etwa um eine schriftliche Beleidigung, sondern der Tatbestand war folgender: In einem öffentlichen Kaffeehaus in C. gerieten zwei Taubstumme in einen heftigen Streit, in dessen Verlauf, so behauptete der Kläger, der Beklagte ihn gröblich beleidigt habe, und zwar in einer Weise, die auch für die übrigen Gäste des Lokals unmißverständlich gewesen sei. Der Wortlaut des Gesetzes, das bei Beleidigungsklagen in Anwendung kommt, bestimmt, daß eine Beleidigung bann vorliegt, wenn ber beleibigenbe Charakter ber inkriminierten Aeußerung offensichtlich sei. Der Klagevertreter führte aus, daß eine Veleibigung auch durch Gesten, die von mehr ober minber artikulierten Ausrufen begleitet seien, erfolgen könne. Die mimischen Demonstrationen, bie ber Kläger unb Angeklagte unfreiwilligerweife dem Gericht währenb ber Vcrhand- lung barboten, schienen biefe Behauptung tatsächlich zu bestätigen. Dementsprechend stellte sich das Gericht nach langen Verhandlungen auf die Seite des Klägers unb verurteilte ben taubstummen Beleidiger zu einer angemessenen Geldstrafe. Ganz in Gedanken ... ti. — R o m. Ein bekannter Schriftsteller ging neulich über ben Corso Garibalbi spazieren, als er sich plötzlich erinnerte, baß er von einer befreunbeten Familie zum Abenbessen geloben war. Da er nicht kommen konnte, wollte er sich telephonisch entschuldigen. (Er ging also in eine ber öffentlichen Fernsprechstellen unb erlebigte bas Geschäst. Alsdann bestieg er eine Straßenbahn, bie ihn in seine Wohnung bringen sollte. Der Schaffner verlangte nach bem Fahrschein, unb ba sich ber Schriftsteller, ber inzwischen mit seinen Gebauten längst roieber bei seinem letzten Manuskript angenommen war, dunkel erinnerte, daß er vom Telefonhäuschen aus ein Stück Wegs gefahren war, so kramte er umständlich in den Manteltaschen. Da fühlte er etwas Hartes, wurde unruhig, zögerte — der Schaffner warf bereits miß- iranische Blicke: — und zog zu feiner eigenen maßlosen Ueberrafdjung unb zur schallenben Heiterkeit der Mitfahrenden bas Hörrohr des Fernsprechautomaten aus ber Tasche. Wie er bas gemacht hat, bleibt rätselhaft. Ieben- falls versteckte er bas Corpus delicti mit einigem Erröten unb lieferte es tags barauf im Büro ber Telefongesellschaft mit vielen (Entfdjulbigungen ab. Iapansilm. (b) Tokio. Die japanische Filrninbustrie nahm in ben letzten Jahren gewaltigen Aufschwung. Es ist für ben (Europäer interessant zu beobachten, wie sich bie Linie ber Entwicklung von ber europäischen unterscheidet. Es werben in Japan jährlich etwa gchthunbert Filme hergeftellt, bie Hälfte klassischen Inhalts unb die andere Hälfte modern. Dabei wird nicht wie in unseren Ländern ein Literat mit ber Abfassung bes Drehbuches beauftragt, sondern es bient bei ben mober- nen Filmen meistens eine Zeitungsreportage zur stofflichen Orunblage. (Eine große Liebestragöb'.e zum Beispiel, die burch bie Presse geht und Aufsehen erregt, wirb in mehreren Filmen festgehalten. Die japanischen Filmschauspieler werben nicht besser bezahlt als bie Arbeiter unb Angestellten, bie bei ber Fabrikation Mitwirken. (Ein Stärkstem gibt es nicht, schon aus bem Grunbe, weil kein großer Buhnenbarsteller sich zum Mitwirken in einem Film „hingibt". Genau wie im Anfang ber europäischen Filmfabrikation, vor breißig Jahren, hält ber be beutenbe Bühnenbarsteller bas Spielen in einem Film für eine untergeordnete Angelegenheit. Kinos gibt es überall, sogar in ben kleinsten Dörfern, und aus ber ausländischen Produktion werden amerikanische und deutsche Filme bevorzugt. „Fridericus Rex" gehörte zu den größten japanischen Erfolgen, wie auch die übrigen deutsche Filme vaterländischen und militärischen Inhalts. Die amerikanischen Mill, tärfilme werden natürlich weniger gern gesehen, ba jeder Kinobesucher dabei an die Möglichkeit eines amerikanisch-japanischen Krieges denken würde. S.jfxfport VfB Gießen. Verbandsspiel gegen Breidenbach. Die 1. Elf des Vereins für Beweaunasspiele empfängt am Sonntag die 1. Mannschaft ^oon Breidenbach. Die Grunweißen haben das Spiel zwar noch nicht im voraus gewonnen, aber sie sollten es gewinnen. Die Breidenbacher stellen eine kräftige Mannschaft, die nicht gewohnt ist, sich ohne weiteres schlagen zu lassen (Wallau mußte das erst kürzlich feststellen). Die Mannschaft spielt eifrig und zäh bis zur letzten Sekunde, immer hoffend, das Ergebnis noch in letzter Minute beeinflussen zu können, technisch reicht sie aber doch nicht ganz an die Leute vorn Waldsportplatz heran. Bisher haben die Gäste des Sonntags noch Immer einen gefährlichen Gegner abgegeben und der VfB. hält es für angebracht, seine stärkste Vertretung in den Kampf zu schicken. Den Breidenbachern tritt folgende Mannschaft entgegen Balser; Leutheuser, Bingel: Fehling, Knaus, Lehrmund; Schmidt, Wilhelm, Kreß, Haupt, Ritter. Nach den im Spiel gegen Wetzlar gezeigten Leistung, n sollte die Mannschaft imstande sein, den Breidenbachern die Punkte abzujagen. Neben dem Spiel der 3. Mannschaft gegen die gleiche des Lokalgegners auf dem Sportplatz 1900, tritt die 2. Elf gegen die 1. von Dutenhofen zu einem Freundschaftsspiel an. Das Spiel dürften die VfBer, wenn auch nach Kampf, gewinnen. Die 1. Iugendmannschaft des ‘-bf'-Ö. tritt zum Rückspiel gegen die 1. Jugend von „Teutonia" Watzenborn-Steinberg in Watzenborn-Steinberg an. In diesem Kampfe, dessen Ausgang nicht vorherzusagen ist, dürften sich zwei gleichwertige Gegner gegenüberstehen. Spielvereinigung 1900 Gießen. Bad Rauheim I — 1900 I. Die 1. Mannschaft der Spielvereinigung 1900 fährt morgen nach Bad-Nauheim. Die Gastgeber weilten vor kurzem hier zu Gast und konnten zur allgemeinen Ueberraschung mit 3:1 gewinnen. Die Gäste konnten dabei aber nicht sehr überzeugen. Sie spielten besonders in der zweiten Halbzeit reichlich hart. Für die Blauweißen wird sich auf dem Spielfeld der Gastgeber kein leichter Kampf ergeben. Die Elf mußte schon, obwohl sie technisch überlegen war, im Vorspiel eifrig kämpfen. Die Bad-Nauheimer werden anderseits vor ihrem eigenen Publikum nicht verlieren wollen. Der Ausgang des Kampfes ist nicht oorherzufagen. Die Blauweißen fahren mit ihrer gegenwärtig als am spielstärksten zu betrachtenden Mannschaft in folgender Aufstellung: Schlarb; Zeiler, Lust; Glitsch, Heilmann, Schmidt; Best, Goebel, Lippert, Schmelz, Jäckel. Für Henrichs muß allerdings Ersatz eingestellt werden, der mit Schmelz aus den Reihen der Jugendlichen genommen wird. Ein schwerer Kampf hat auch die 2. Mannschaft vor sich. Die 1. Elf der Spielvereinigung Leihgestern wird auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe erwartet. Es treffen zwei, zumindesten gleichwertige Gegner aufeinander. Die Leihgesterner haben in jüngster Zeit beachtliches Können gezeigt und werden den Blauweißen den Sieg streitig machen wollen. Der Platzvorteil fällt allerdings für die 1900er noch als Plus in die Waagschale. Die 3. Elf empfängt ebenfalls auf eigenem Platz die 3. Mannschaft des Lokalgegners VfB., ein Spiel, das die 1900er eigentlich für sich entscheiden mühten, weil sie doch die konstantere Mannschaft stellen können. Die 4. Mannschaft hat in Dutenhofen gegen die 2. Elf des Platzvereins anzutreten. Lorbeeren werden auf dem gefährlichen Boden von Dutenhofen schwer zu ernten sein. Die 4. sollte sich aber ehrenvoll zu behaupten vermögen. Handball-Vorentscheidung um die MittelrheinkreiS'Meistersckast. Das bedeutungsvollste Handball - Verbandsspiel, das seit dem Bestehen des Handballs jemals in Gießen zum Austrag gekommen ist, soll am Sonn- tognachmittag auf dem Mtv.-Sportplatz am Schif- fcnberger Weg stattfinden. Wie schon vor einigen Tagen berichtet, hat die erste Mannschaft des Gießener Männerturnvereins, die in der Saison 1932'33 zum ersten Male in der Kreis-Sonderklasse spielt, eine ziemlich große Spielstärke erreicht und es gemeinsam mit dem Tv. Wetzlar zu hohen Ehren gebracht. Die beiden Tabellen-Ersten, Tv. Wetzlar und Mtv. Gießen, sind zur Teilnahme an den Endspielen um die Kreismeisterschaft berechtigt. Die ersten Vorentscheidungsspiele kamen am letzten Sonntag zum Austrag, und sahen den Turnverein Wetzlar auf eigenem Platze mit 7:3 über Obermendig (Tabellenzweiter der Rhein - Mosel - Gaugruppe) siegreich, während der Mtv. Gießen in Koblenz-Urmitz gegen den Tabellen-Ersten der Rhein-Moselgruppe, ein Unentschieden (4:4) errang. Das Rückspiel zur Teilnahmeberechtigung an der Endrunde um die Kreismeisterschaft findet am kom. menden Sonntagnachmittog auf dem Sportplätze des Männerturnvereins am Schiffenberger Weg statt. Die Gäste vom Rhein treten morgen in stärkster Aufstellung an, während die Gießener fast in derselben Aufstellung wie am Sonntag spielen. Die Mtv.-Mannschaft ist wie folgt aufgestellt: Lott; Seyb, Dolkmann; Schüler, Malkomesius, Schor- kopf; Krämer, Barth, Schmidt, Seipp, Gurth. In Anbetracht der Bedeutung des Spieles und der Ausgeglichenheit der Mannschaften, ist ein in- teressantes und schönes Spiel zu erwarten. Der Ausgang des Kampfes ist vollkommen unbestimmt. Handball der Sp.-Vg. 1900 Die 1. Handballelf der Spieloereinigung hat sich für den morgigen Sonntag eine der spielstärksten Mannschaften der ganzen weiteren Umgebung zum Gegner in einem Freundschaftsspiel verpflichtet: die 1. Mannschaft des Turnvereins Wetzlar-Nievergir- rnes, die sich in dieser Saison zugleich mit der 1. Mannschaft des Gießener Männerturnvereins die Hochsaison im Eislaufsport. Veranstaltungen des Gießener Eisvereins. Vereinsweltbewerbe im Eisschießen. Leider haben die Südwestdeutschen Eisverein- Meisterschaften nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Trotzdem wird eifrig weitergeübt und die Zahl der Eisschützen nimmt ständig zu. Dom Aelle- sten bis zum Jüngsten sind sie eifrig tätig, weh dem, der einen Schuß verpatzt, er kann sich kaum der Vorwürfe von allen Seiten erwehren. Gute Schüsse werden gebührend gelobt. Die Spannung ist groß und oft entscheidet erst der letzte Schuß das ganze Spi>l. Einen neuen Anreiz, auch für Außenstehende, bietet das sogenannte Kaludderschießen, bei dem die '.Beteiligung sehr groß ist. Spielmüde wird niemand und erst wenn der Eismeister die Lampen ausdreht und energisch Feierabend bietet finden Stöcke, Dauben und Meßlatte die verdiente Ruhe. Noch auf dem Heimweg wird über diesen und jenen Schuh debattiert und -manchem begegnen Stock und Daube im Traum wieder. Die Gießener Schulmeisterschaften fanden dieser Tage statt und sahen die 1. Moarschaft des Realgymnasiums, Moar: Strack, mit Note 4444 als verdienten und überlegenen Sieger vor der ersten Moarschaft des Gymnasiums Moar: Bau del, Note 0980 und den beiden 2. Moarschaften der beiden Schulen. Am heutigen Samstag werden die Gießener Meisterschaften ausgetragen. Sie bringen Begegnungen der Gießener Vereine und Schulen. Da dec Eisverein ohne seine 1. Moarschaft antritt, ist der Spielausgang durchaus offen. Hoffentlich bleiben die guten Eisverhältnisse und es wird nicht wie im Vorjahre, wo die Bezeichnung Wasserschießen eher angebracht war. Iugendwetkkämpfe im Eisschnell- und Kunstlauf. Der Gießener Eisverein beabsichtigt am Samstagmittag (heute) eine Wettkampfveranstaltung im Kunst- und Schnellauf für die Gießener Jugend durchzuführen. Die Altersstufe von 10 bis 18 Jahre ist für Mädchen und Jungen getrennt in 4 Gruppen eingeteilt. Jrn Kunstlauf werden einfache Schulfiguren verlangt, die dem Können der Altersstufe an- gepaßt find. Außer Schnellauf im Einzelwettkampf, werden auch Schulstaffeln gelaufen werden. Lehrgang im Kunstlauf auf der Eisbahn. Die Meisterschaftskämpfe des vergangenen Sonntags haben reges Interesse für den Kunstlauf wachgerufen, daß der Eisverein sich entschlossen hat, einen Lehrgang durchzuführen. Seit Donnerstag ist eine Eislauflehrerin, die Leiterin der im vergangenen Jahr stattgefundenen Kurse auf der Brun- hildisbahn auf dem Feldberg, Frl. Hahn, eifrig bemüht, unseren Gießener Läufern die sportgerechte Art des Kunstlaufes beizubringen. Genügende Könner sind da, es hat nur seither an der rechten Schule gefehlt. So ist für die nächsten Jahre eine merkliche Besserung in den Darbietungen im Kunstlauf auf der Eisbahn zu erwarten. Teilnahme an den Spielen um die Kreismeister- | schäft errungen hat und in diesen Spielen bisher I glänzende Partien lieferte. Die Aussichten auf Sieg sind für die 1930er nicht sehr günstig, denn es ist fraglich, ob die Mannschaft den Turnern voll gewachsen ist; ein spannender Kampf wird aber doch zu erwarten sein. Das Spiel und dessen Ergebnis wird gleichzeitig ein interessanter Gradmesser der Spielstärke der Mannschaften in den Lagern der DI. und DSB. darstellen. Die Blauweißen lassen ihre derzeit beste Vertretung aufmarschieren: Enders; Tttcher, Birkenftock; Otto, Schott, Kochi; Herbert II, Herbert I, Betz, Herberg, Esch. Auf den Ausgang des Kampfes darf man mit Recht gespannt fein. Das Handballspiel de r Spielvereinigung 1 9 0 0 vom verganger.en Sonntag wurde nicht gegen die 1. Mannschaft des Sportvereins Heuchelheim, sondern gegen die Erste des Turnver eins Heuchelheim ausgetragen. Kuhball der Universität. Polytechnikum Friedberg — Universität Gießen 0:1 (0:0). Am Mittwoch trug die Fußballmannschaft der Universität ihr Rückspiel in Friedberg gegen die Mannschaft des Polytechnikums aus. Die erste Halbzeit verlief nach gleichwertigen Leistungen torlos. Gleich nach Halbzeit ging Gießen durch einen Bombenschuß von Iüngst in Führung. Die Universität blieb auch weiterhin überlegen, konnte aber diese Ueberlegenheit nicht mehr weiter zahlenmäßig ausdrücken. Kurz vor Schluß drängte Friedberg mäch. tig, angefeuert durch die zahlreichen Zuschauer, war aber nicht imstande, die ausgezeichnete Gießener Hintermannschaft zu schlagen, in der Wagner überragend spielte. Bombenschüsse von Thiator (Fußballsportoerein Frankfurt a. M.) wurden eine sichere Beute des Hüters Schlarb (Spielvereinigung 1900 Gießen). So endete das Spiel 1:0 für die Universität. durje Sportnotizen. Fünf Mannschaften sind an den deutschen Eishockeymeisterschaften in München beteiligt. Die Absage von Brandenburg Berlin ist durch die Nachmeldung des CSV. Schwenningen ausgeglichen worden. » Zum 25. Male wird am 5. März im Großen Schauspielhaus in Berlin der Kunstturnkampf Berlin—Hamburg—Leipzig ausgetragen. Die deutschen Heeresmeisterschaften werden in diesem Jahre vom 4. bis 6. August in Kassel abgewickelt. * Abgesagt wurden die für Sonntag in München angesetzten Fußballspiele, darunter das Endspiel zwischen Bayern München und Pirmasens und das Pokalspiel zwischen Teutonia München und Germania Nürnberg, da in München starker Schneefall herrscht und die Plätze unbespielbar sind. Durchgeführt werden am Sonntag von den zahlreich vorgesehenen Wintersportoeranstaltungen bestimmt die bayrischen Skimeisterschaften in Oberaudorf und die des Mitteldeutschen Verbandes in Gersfeld, während der Skiklub Sauerland feine Titelkämpfe um eine Woche verschob. Der Berliner Barwa, der Titelverteidiger der deutschen Schnellauf-Meisterschaften, wird nun doch an den diesjährigen Titelkämpfen teilnehmen, die am Wochenende in Altona stattsinden. Zur deutschen Motorrad-Straßenmeisterschaft 19 33 gehören in diesem Jahre die nachstehenden fünf Rennen: Eilenriederrennen, Wartenburger Dreiecksrennen, „R u n d u m S ch o t- t e n", Grillenburger Rennen und Schleizer Dreiecksrennen. Die Beiwagenfahrer haben das Eifelrennen und den Großen Preis der Stadt Berlin zu bestreiten. Wirtschaft E'n'gung im Lohnkonflikt der S:egerränder MetaUinduftrie.. Siegen, 20. Ian. Die Verhandlungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Siegerländer Metallindustrie haben, wie WTB.- Handelsdienst erfährt, in den späten Machtstunden zu folgender Vereinbarung geführt: Der Spitzen Tariflohn für den Siegerländer Metallarbeiter wird ab 15. Ianuar 1933 auf 57 Pf. je Stunde festgesetzt. Die anderen Sähe der Lohn- ordnung ändern sich entsprechend. Die Kinder-- zulage von 1 Pf. je Stunde wird nach der bisherigen Vereinbarung gezahlt, jedoch erst vom zweiten Kind ab. Diese Regelung gilt bis auf weiteres und kann mit einmonatiger Frist zum Ende des Monats gekündigt werden. Mit dieser Vereinbarung ist die General-Einsperrung in der Siegerländer Metallindustrie beendet und der Schiedsspruch auf obiger Grundlage verwirklicht worden. Die Arbeit wird sofort wieder aufgenommen. Maßregelungen finden nicht statt, und das Arbeitsverhältnis gilt als nicht unterbrochen. Essen, 20. Ian. Wie man zu den Befürchtungen über die Auswirkung des Siegerländer Lohnstreits auf die Tätigkeit der Lieferwerke hört, ist jetzt, nachdem der Lohnlonflikt beendet werden konnte, damit zu rechnen, daß die Siegerländer Betriebe in Kürze wieder in Gang kommen, so daß die in Zusammenhang mit dem Lohnkonflikt bei den Lieferwerken geplanten Arbeitsstockungen nur vorübergehender Ratur sein werden. Von der Stillegung waren die Lieferwerke bedroht, die für die Feinblechwalzwerke - des Siegerlandes das Rohmaterial Herstellen. Wochenbericht vom Frankfurter Schlacbtviebmarkt. Die Zufuhren zum Frankfurter Schlachtviehmarkt haben bei allen Diehgattungen eine wesentliche Zunahme erfahren und führten zu lecch- ten Preisrückgängen. Das Geschäft hat sich besser eingespielt. Die Preisgestaltung war aber un- n vermarkt betrug der Austrieb 1658 Stück; er war um rund 435 Stück stärker. Bei nachlassenden Preisen konnte man den Verkauf als mäßig rege bezeichnen. Ochsen und Färsen gaben 1 bis 2, Dullen und Kühe je 1 Mk. nach. Ochsen al) 25 bis 28, a2) 22 bis 24, bl) 19 bis 21. Dullen a) 21 bis 26, b) 20 bis 23. Kühe a) 21 bis 23, b) 18 bis 20, c) 15 bis 17, d) 12 bis 14. Färsen a) 26 bis 28, b) 23 bis 25, c) 20 bis 22. Der Kälbermarkt verzeichnete mittelmäßiges Geschäft bei erst auf dem Vorwochennivccw. behaupteten Preisen. Die Beschickung mit insgesamt 1778 Kälbern (plus 229) wurde ausverkauft. Kälber a) -, b) 32 bis 36. c) 27 bis 31, d) 22 bis 26. Am Schafmarkt setzte sich trotz erhöhtem Auftrieb (501 gegen 480 Stück) eine Preisbelfe- rung von 1 Mark durch. Der Markt wurde geräumt. Schafe al) 23 bis 25, b) 20 bis 22. Am Schweinemnrkt gingen die Preise nach zunächst schleppendem, später aber etwas besserem Geschäft infolge der starken Beschickung (5168 plus 566 Stück) um 1 bis 2 Mk. zurück und notierten wie folgt: Schweine a) —, b) 35 bis 38, c) 35 bis 38, d) 34 bis 37, e) 32 bis 36, f) und g) nicht notiert. Frankfurter Abendbörse lebhaft un> gebessert. Frankfurt a. M., 20. Ian. Der Beschluß des Aeltestenrates, den Beginn des Reichstages auf den 31. Ianuar zu verschieben, löste an der Abendbörse weitere Beruhigung aus und führte meist zu neuen Kursbesserungen. Das Geschäft war ver'chiedentlich etwas lebhafter, zumal von der Kundschaft Kauforders e'.ngetroffen waren. Unter Bevorzugung von Stahlverein (plus 1,25 Prozent) lagen besonders Montanwerte lebhaft und durchweg 0,5 bis 1 Prozent fester. Auf den übrigen Marktgebieten blieben die Berliner Schlußkurse gut behauptet, teilweise ergaben sich aber auch hier Besserungen, so für Zellstoff Waldhof mit plus 0,6 Prozent und für Siemens nach der Schwäche heute mittag mit plus 1,5 Prozent. Auch im Verlaufe blieb die Stimmung; bei weiter recht lebhaften älmsähen ergaben sich meist neue Befestigungen. Am Rentenmarkt lagen deutsche Anleihen. Türken sowie die festverzinslichen Märkte bei ebenfalls größe.en Tlmsätzen höher. Altbesitz 69, Reubesih 9.15 bis 9,25, Buderus 45 bis 45,25, Gelsenkirchen 59.75, Harpener 83,40, Mannesmann 61,25 bis 62,10, Stahlverein 35,25 bis 35,50, IG.-Farben 103 bis 103.50. Siemens 122,25, Zellstoff Waldhof 52, Rordddeutscher Lloyd 18,60. Taten für Samstag. 21. Januar. 1793: Hinrichtung Ludwigs XVI. von Frankreich; — 1815: der Dichter Matthias Claudius in Hamburg gestorben; — 1851: der Komponist Albert Lortzing in Berlin gestorben; — 1872: der Dichter Franz Grillparzer in Wien gestorben; — 1924: der Erste Volkskommissar der russischen Sowjetunion Wladimir Jljitsch Lenin in Gorki bei Moskau gestorben. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse — Reichsbankdiskont 4 v H Lombardzinsfuß 5 v. H. Datum i' Banknoten die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern O 0 0 o 7 0 0 0 o 0 10 o Hansa Tampfldiiff........... Norddeutscher Lloyd •a.ffl. für «erfehräroefen Akt. .. Berliner Handelsgesellschaft.... Commerz, und Privat-Bank... Deutsche Baut und Disront» Gesellschaft................ Dresdner Bank.............. Reicksbank .................. Harpener..................0 Hoelck Eilen—SSln-Neuelsen.. 0 Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a M Ilse Bergbau ..... Ulfe Bergbau Genüsse . Rlixfnetroerte ........ Mannesmann-Röhren . MonSselder Bergbau .. Lberschles. Kokswerke.. Phönix Bergbau...... Rheinische Braunlohlen Rheinslah! ........... Berlin? 20. Januar________ Amerikanische Noten.............. Belgische Noten................. Dänische Noien Englische Noien ^französische Noten Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch Oesterreich, 3 100 Schilling Rumänische Noten ............... Schwedische Noten Schweizer Noten . Spanische Roten Ungarische Roten 4>amvurg-21mertla-Pa1ei ..... > Hamburg-Südam. Dampsschisf. 0 - • - o ..«in Ui u.... zicri. । Hranouri a.7J(. Berlin Schluß» kurs Schuß!. Abend- bö-s" Schluß- kurs Swlußl Dliliaa- bärle Schluß- furd ed)iuB>. Abend» 66ri Sch uß- kurd <->a)lugk. Mi tag- dörr 19.1. 20.1. 19.1. 20-1- Ooium 19-1 20.1. 19.1. 20-1- 17.5 18,25 17.65 17.65 44,75 Bereinigte Siablwerte...... Ltavi Minen ... ......... .. 1 .. 0 32,25 15,75 35,25 16 32,4 16 33,75 16,25 _ 29,13 29 Kaliwerke Aschersleben...... .. 6 112,5 114 112,5 114,5 18, Ü”1 43 18,65 18,25 18 Kaliwerke Westeregeln...... .. 6 116,5 117 116 1)6 38,13 43 43.5 Kaliwerke Salzdetfurth..... .. P 172 176 174 175,25 94 94 93,9 93.75 55 53 53,5 53 m Horben,Industrie..... .. 7 101,5 103,5 101,75 103 73 73 73 73 ^ckeidean statt............. ..10 147,75 150,5 — — 61,75 61,5 61,75 61,75 Goldschmidt .............. .. 0 35,5 36,5 35,9 36,9 159 158,75 159 158,75 .. 0 42,5 43,5 42,75 43.5 Metallgelellichaft........... .. 0 35,5 37 — 36 28,75 29,25 28.9 29,13 79 80.5 80 80.75 94 96 93,5 95 Philipp Holzmann......... .. 0 50 47 50,5 47 55 55.5 55 55 Zementwerk Heidelberg .... .. 4 53,25 53 — — 79 79,9 Zementwerk Karlstadt....... .. 0 — — 78,75 79.9 Äahb & Drehtag ......... .. V 5 5,2 4,75 4,9 100 100 101 100 67,5 88 87.13 87,25 122 122.25 123 120,75 105,65 116,75 117,5 116,5 117 Schultheis Payenhoser..... .. 0 — 107 •Utu ('Allgemeine Kunstseide) .. 0 V.2b 38,75 37 37,75 Bembecg ............. .. 0 47 46,5 46.5 46,65 44,25 45,25 44.5 44,4 gellstosl Waldhos ......... .. 0 -.0,5 52 50 51,4 87 88 86,75 87,65 Zellstoss Aschaffenburg .... .. 0 27 27,13 26,5 27 58,75 59,75 58,9 59,25 Tessatier Gas ........... .. 7 -- — 108 109 5 81.25 83,4 80.9 81,65 Daimler Motoren......... .. u 20 21,25 20,5 21 524 54,25 Deutsche Linoleum ....... .. 0 18,5 39,5 19,25 39 — — 137,5 138 crenstein S Koppel ....... .. 0 —- — 40,4 40,5 100,75 101 101 101.5 Leonhard Tietz........... .. 6 43 41,25 43,75 43 45 46 44,75 45,75 Thade................... ..12 140 140 140 140 60 62.13 59,75 60,5 25 24 25 24,75 33 188.5 35.75 193 69 33,5 190 70,25 34,65 192.5 Gritzner................. .. 0 I 31,5 ' 31,25 32 32 Mainkraftwerke Höchs» a.W. .. 4 68 | 70,75 71,75 73,5 71 72,75 Süddeutscher Zucker ...... .. I 137 , 139 1 139 1 137,5 Zrannun a. JJi. äernu Schluß- kurtz Echiußl. Abend- börl Schluv« urs Schlußk. Mtiiaq- bS le Bakum 19.1. ! 20.1. 19.1. I 20.1. 6% Deunche Reichsanlecke o. Iftüi 79 80,25 78 80,25 6% chem.7% Dt.Reicksant. v. 1929 95,5 97 95,5 97 Dounq-Anleihe von 1930 Deutsche Ant.-Ablös.-Schuld mi 77.8 78,4 77.8 79 Ausloj.Reckten ......... 67,25 69 67,25 68.9 Tesgl. ohne Anslos.-Reckie...... 6% ebem. 8% Hess. Bolkestaa, 1929 8,7 9,25 8.65 9,1 (rückzahlb 102%) .......... Lberhessen Provinz-Anleihe mi 78,25 78,25 78,25 78,25 Ausloi.-Reckten ........... Deutsche Komm. Sammelab l.An 67 67 — — leihe Serie! mitAnilos.-Rechten 6% ehern. 8% grants. Hnp.-Bonl 61,5 62,5 62 63 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6% ehe in. 7% Arants. Hvp.-Bcm! 85,5 85,5 — Goldvse. 16 unkündbar bis 1936 bYi% ehern. V/t% Franks. Ht)v. Bank-Llau.-Psandbrlkse ..... 5’/,% ehern. 4>/,% Rheinische 85,13 85,13 — 87 4 87,25 — Hyp.-Bank-Liau.-Goldvse. 6% ehern. 8% Pr. Landcspsand 86,9 87 — — briesanktalt, Pfandbriefe R. 19 6% ehern. 7% Pr. Lanverpfänd 85,5 85,5 85,5 85,5 btiefanftdJt, Pfandbriefe R. ir> 85 85 — — 4% Oefterreickilcke Goldrenle ... — — — — 4,20% cesterreichilche Silberrente 1,25 — 1.25 1,3 4%. Ungarische Goldrente .... — -- — — 4% Ungarische Siaaierente v. 1910 — — — — s'/r°» desgl. von 1913 . . . . — —— — — 5% flbgefl. Goldmexikaner von 99 6,5 4,5 — 6,75 6,75 4% Türkische ßoll anleibe von 1911 4% Türkische Bogbadbahn-Anleihe 4,9 4,55 4.75 Serie l.......... 4,7 4,75 5,13 4,75 _ .5 4% desgl. Serie II ............ 4,85 4,8 5,05 5% Rumän. veretnb. Rente v. 1903 6,75 7 6,7 7 4^,%Rumän.veretnh.Renleo.lgl3 10,5 —— 10,75 10,4 4% Rumänische oerelnh. Rente .. 5,5 5,6 5,5 5,5 8%% Anatolier ............... 23 23,13 23,2 23,25 19. Ianuar 20-Ianuar Amllickk ('eie tonerung We Ammcke Jioiienm.