Mittwoch, 20. Dezember 1933 183. Jahrgang Nr. 298 Erster Blatt Dienstag im Außenministerium zusammen. Der ei Berliner englische Botschafter Sir Eric P h > p P s wohnte zum ersten Male der Sitzung bei und gab I ein. > sationen geworden, weil ich derartige Vorstöße auch 'f n > von * ter'- iroen! Seid- SO beine leben ne B den 'lst. , der i den argen i der den rech- '<-y. sar. er« Wn rden ieihe icher hluß men, nder Inet« bürg Mr als irrer Ijnei reter von Iber« jurbe in, iliche 33er- Annahme von anjeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe ffir Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wich, ßangt Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst DIumfchein undiür denAn. zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen. P a r i s, 19. Dez. (WTB.) In der Kammer entspann sich heute nachmittag eine lebhafte Aussprache über das Militärproblem. Zur Beratung stand der gestern vom Obersten Rat für die nationale Verteidigung begutachtete Gesetzentwurf, durch den das Durchschnittsalter von 21 Jahren für die Einberufung unter die Fahnen in den Jahren 1933, 1934 und 1935 um vier Monate herausgesetzt werden soll. Der Abgeordnete Marin beantragte die Rückverweisung der Vorlage an die Kommission, da durch sie das französische Heer zertrümmert würde. Der Antrag wurde vom Kriegsministcr Daladier und dem Vorsitzenden der Heereskommifsion bekämpft und schließlich mit 469 gegen 116 Stimmen abgelehnt. Auch ein Abänderungsantrag, die dreijährige Dien st pflicht wieder einzuführen, fand keine Annahme. Die weitere Aussprache brachte scharfe Auseinandersetzungen zwischen dem Kriegsminister Daladier und dem Führer der Rechtsopposition Tardieu. T a r d i e u vertrat leidenschaftlich den Standpunkt, daß durch das neue Rekrutierungsgesetz Frankreichs Heeresmacht um eine gewisse Anzahl von Einheiten reduziert werde, gerade in dem Augenblick, in dem für Frankreich und für Europa eine kritische Zeit anhebe. Um den Frieden zu retten, brauche man ein starkes Frankreich. Der Vorsitzende des Heeresausschusses der Kammer Oberst Fabry, der Berichterstatter der Vorlage, und vor allem Kriegsminister Daladier vertraten die Auffassung, daß Frankreichs Militar- organisation durch die Vorlage keineswegs geschwächt werde, und daß im übrigen die Organisation der Grenzverteidigung einen besonderen Schutz gewähre; wenn man trotzdem dem Auslande den Eindruck geben müsse, ein starkes Land zu sein, wäre es doch ein schwerer Fehler, den Glauben zu erwecken, als ob Frankreich nicht in der Lage sei, für seine eigene Sicher- 10° Erlchein» tägltd), außei Sonntags und Feierlag» Beilagen. Die Illustriert» Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis. Mit 4 'Beilagen RM i Sb Ohne Illustrierte . I 80 Zustellgebühr • --25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. zfernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen poftfchecNonio: firanffurt am Main 11686. London, 19. Dez. (TU.) Der Abrüstungsausschuß des englischen Kabinetts trat am In der französischen Presse sind die Meinungen sehr geteilt darüber, ob aus dieser Grundlage verhandelt werden soll. Die rechtsstehenden Kreise suchen nach wie vor aus dem Gang der Abrüstungsbesprechungen Kapital für die Wiedereinführung der zweijährigen Dien st zeit in Frankreich zu schlagen. Andere sprechen von deutschen „Höchstforderunge n", die durch Verhandlungen herabgesetzt werden konnten. Sehr vorsichtig ist man in der Frage der militär- ähnlichen Organisationen geworden, weil man erkannt hat, daß sich derartige Vorstöße auch gegen gewisse Verbündete Frankreichs, vor allem die Tschechoslowakei und Jugo- och, Dorr !lar unb eine lern Huf. i[p )bst, ung Berlin, 20. Dez. (ERB. Funkspruch.) Die Pariser und Londoner Blätter berichten heute übereinstimmend, daß ein Mitglied der französischen Botschaft in Berlin mit einer schriftlichen Aufzeichnung über den deutschen Standpunkt in der Abrüstungs frage gestern nach Paris abgereist sei. Diese Aufzeichnung all die durch frühere französische Presseveröffentlichungen bekannt gewordenen drei Punkte enthalten, nämlich 1. Umwandlung der Reichswehr in eine kurz dienende Armee von 300 000 Mann; 2. Ausstattung der neuen Armee mit den üblichen Verteidigungswaffen; 3. deutsch-französischer Nichtangriffspakt. m. tw5= chn stelle -R. ben bcs die res- Ar. inte Dank für die Winterhilfe des | Landvolks. Ein Erlaß be6 Gauleiters Sprenger. Bauern des Gaues Hessen-Nassau? 3m Kampf gegen hunger und Kälte habt Ihr eine entscheidende Schlacht geschlagen. Eure Kartoffelspenden haben es ermöglicht, fast allen hilfsbedürftigen des Gaugebietes Kartoffeln zuzuweisen. Der restliche Bedarf wird nunmehr bei Euch gekauft. Damit hat die Bauernschaft bewiesen, daß sie dankbar hinter dem Führer steht und sich zum Sozialismus der Tat bekennt. Allen Bauern sei für ihre Spenden gedankt. Der Dank gilt auch dem Landesbauernführer Pg. Dr. Wagner und allen Kreissachberatern, ohne deren tatkräftige Hilfe die Sammlungen unmöglich gewesen wären. Ls ist im nationalsozialistischen Staate Wahrheit geworden: Wir sind ein einig Volk von Brüdern. Darmstadt, den 18.De;ember 1933. Der Gauleiter: gez. Sprenger. Der Führer des Dinierhilfswerks: gez. Haug. le w w rn , Ixm lt, ob- 7633C GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Onid vnS Verlag: vrShl'iche Univeifttäts-Vnch- unO Lleindniilcrei B. Lange in Sietzen. Schristleitung und Seschäftsftelle: SchEraße^r des nicht zu arbeiten vermag. Es ruht also. Und es ist, in die Wirtschaft geflossen, bet einer teilweise ruhenden Wirtschaft nicht zu mobilisier e n. Diese Ertragslosigkeit des investierten Kapitals ist eine weltwirtschaftliche Erscheinung Die Produktion und deren Absatz bestimmt sclMßlich den Ertrag, den die angelegten Kapitalien in tform oon hinten bringen. Das Geld spielt zwar die Rolle eines Motors der Wirtschast, aber es ist eben nur Antriebskraft und wenn die Wirtschaft ge- wisfermaßen für dl-s- Slnttiebshafi ein traae von 88 Millionen Mk. verschlänge. Dr. Schach hat als er in Basel über „Jins ober Dividende? sprach bas Wort Hamlets Mert: „Die Welt ist aus ben Fugen". Unb tatsächlich kann man von Deutschlanb als Schulbnerlanb nicht von einem frä sen Rentnerstanbpunkt aus verlangen, einen Kapi- lalbienft aufrecht zu erhalten, ber unter ganz anbe- ren weltwirschaftlichen Bedingungen eingerichtet ist. Der Rückgang der Güterumsätze, also auch der deutschen Ausfuhr, beweist doch am klarsten, daß ein Teil des als Wirtjchaftskrndit aufgenommenen Gel- Die französische Kammer stimmt der Wehrvorlage zu. Daladier seht sich gegen Tardieu und die Rechtsopposition durch. slawien richten würden. Die 3eitung „Notre Temps" schlagt em deutsch-französisches Abkommen „im Rahmen einer europäischen Sicherheits- und Abrüstungsorganl- fation" vor. Die französische Regierung mußte vor ber internationalen Oeffentlichkeit bie Erklärung abgeben, baß Frankreich bereit sei, Deutschland die militärische Gleichheit zu bewilligen, aber bie Gleichheit burch bie garantierte kontrollierte Abrüstung. Hierzu sei em positives von klaren Bebingungen abhängiges Angebot notroenbig, für das die 3uftimmung der Kleinen Entente, Belgiens, Englands und möglichst auch der anderen Nationen des Kontinents einzuholen wäre. Als Grundlage des Abkommens schlägt das Blatt u. a. vor: _ 1. Herabsetzung aller großen Armeen des Kontinents durch Schaffung eines einheitlichen Systems, das folgendes bestimme: kurzfristige Dienstzeit (ein Jahr ober zehn Monate), Gleichschaltung ber Abrüstungsbe- ftänbe zwischen Frankreich, Italien, Deutfchla.ip, Polen unb ber Tschechoslowakei, Beseitigung ber halbmilitärischen Verbanbe ober ber „politischen Miliz", strenge Kontrolle ober Eingliederung dieser Organisationen in die reguläre Armee. r , n . 2. Beseitigung aller schweren Landrüstungen und zwar durch Errichtung einer Basis bis zu ber bie ßänber mit uneingeschränkter Rüstung ihr Material herabsetzen müßten, wahrend bie abgerüsteten Staaten das entsprechende Material bis zu der vorgesehenen Basis anschaffen °3n Angleichung des L u f t f a h r t m a t e r i a l s möglichst unter teilweiser Internationalisierung. 4. Schaffung einer automatisch wirkenden internationalen militärischen Kontrolle. 5. Vervollkommnung der diplomatischen Sicherheit und Beistandsgarantien und Erweiterung des Netzes der N i ch t a n g r i f f s p a k t e. „ Auch ber Außenpolitiker ber Information Reichsbank hätten es den privaten Hypothekenbanken ermöglicht, zur Refinanzierung von Instandsetzungshypotheken gegen Hinterlegung von Pfandbriefen und Kommunalobligationen einen größeren Lombard-Kredit aufzunehmen. Die auf diese Weise verfügbaren Gelder würden einheitlich zu einem an den Lombardsatz der Reichs- bank gebundenen Zinssatz von zur Zeit SV* o. H. bei einer Auszahlung zu pari abzüglich 1 d. H. für Unkosten gegeben. Neben dem Realkredit bestehe überall die Möglichkeit des Personalkredits. Sie Ausgaben der Arbeitsfront. Staatssekretär Feder auf der Tagung deS Rcichsknratoriums für Wirtschaftlichkeit. Berlin, 19. Dez. (WTB) Auf der Tagung des Reichskuratoriums für Wirtschaftlichkeit, an der hervorragende Vertreter der Wirtschaft, der Be- Hörden, der verschiedenen Organisationen der NSDAP., der Wissenschaft usw. teilnahmen, hielt Staatssekretär Feder eine mit großem Beifall aufgenommene Rede, in der er fick u. a. programmatisch über die Aufgaben der Arbeitsfront äußerte. Der Staatssekretär bezeichnete die Arbeitsfront als seelische Untermauerung der Gesamtwirtschaft im nationalsozialistischen Geist und fuhr dann fort: Wenn wir in die Arbeitsfront das hineinlegen, was hineingelegt werden darf, so isl es die Erziehung zum nationalsozialistischen Denken. Wenn im ständischen Ausbau der Wirtschaft das Führerprinzip in den einzelnen Betrieben aufgerichtet sein wird, wenn der Betriebsführer das entscheidende Wort sprechen kann, dann haben wir in der Arbeitsfront, in der Organisation „Ärafl durch Freude" die Stelle zu finden, in der der Unterschied fällt zwischen Offizier und einfachem Mann, wo der Mensch dem Menschen, der Volksgenossen dem Volksgenossen gegenübersteht: dort wird das Fronterlebnis der Gemeinsamkeit wieder aufleben. Das ist die Aufgabe der Arbeitsfront. Sie hat nicht in die Wirtschaft hineinzureden. Im ständischen Ausbau der Wirtschaft hat Sach- kenntni» allein ausschlaggebend zu sein. Wir müssen von der Majorität der Stimmen zur Souveränität der Sachkenntnis kommen. Beim Ausbau der Wirtschaft spielt dann noch das geistige Prinzip eine Rolle, dos mit dem Be- ruf verbunden ist. Die beruflich« Zusammenfassung wird so fein, daß neben und über den rein materiellen Aufgaben des Lebenserwerbs, das Wir- ken im Interesse des Ganzen steht. Der Jurist hat la für das deutsch« Recht Sorge zu ^agen, der Arzt für die Gesundung de» Volkes. Aus diesen Gruppen werden dann die Persönlichzusetzen, die die Ausgaben den Einnahmen bei gerechter Lastenoertellung onpaßie. Die große Freiheit, die den Gemeinden gelassen war, wurde von ihnen oieljoch dazu mißbraucht, sich über die Grenzen ihrer Kraft und Leistungsfähigkeit hinaus aus- zuüehnen. Die Stadtverwaltung, namentlich in den Großstädten, wurde aufgebläht, und mit Unternehmungen und Betrieben belastet, zu denen sich sehr häutig großzügige Bauten fugten, deren finanzielle Grundlage ebenso ungesund war wie chre finanzielle Entwicklung unergiebig ietn mußte. Dos ging einigermaßen, solange die Städte sich finanzielle Mittel für ihre Großmachtftellung auf dem Kreditwege besorgen konnten: es horte sofort auf, als mit der Verschärfung der Wirlschaftskrtje die Kredite aufhörten, aber auch die Steuerkraft der Bevölke- runfl. Daß einstmals reiche Städte wie Frankfurt am Main und Jioln sich gezwungen sahen, um Nachsicht ihrer Gläubiger zu bitten, das ist eine durch Tatsachen und Ziffern geübte Kritik an der Gemeinde Politik der Weimarer Republik, der nichts hinzugefügt zu werden braucht Mit dieser Politik muß Schluß gemacht werden, wenn nicht der ganze Staat von den zerrütteten Gemeinden her innerlich ausgehöhlt und aufgerollt werden sollte Das neue Preußen hat dies unter kraftvoller Führung vorbildlich besorgt, die fünf Gesetze, die die Gemeindeverwaltung in Preußen neu gestalten, sind ein Neubau von neuen Grundmauern aus. Wenn Reich und Staat sich auf den Führer einstellen, wenn es das Recht des Führers ist, daß sich alles hinter ihm einzuordnen hat, so kann die Verwaltungszelle des Staates, die Gemeinde, davon keine Ausnahme machen. Daß die Gemeinde ihre eigene Aufgabe hat, rbirb dabei nicht übersehen, sondern im Gegenteil stärker als jemals bevor her- ausgehoben. Aber diese Aufgabe kann nicht von einer vielköpfigen Verwaltung mit einem Beschluß- recht geleistet werden, dos sich in der Abstufung der Gewalten gegenseitig aufhebt Im Sinn und Wesen germanischer Volksherrschaft liegt es, daß der Füh- rer das Vertrauen der Gefolgsleute besitzen muß, daß es also auch die Gefolgsleute sind, die den Führer auf den Schild erheben Das Oberhaupt der Gemeinde ist der mit der vol- len Verantwortung belastete Bürgermeister, dem als beratende Hilfe nur die Stadtröte oder der Stadtrat zur Seite stehen Wie der Staat als solcher mit der nationalsozialistischen Bewegung verwachsen und verbunden ist, so ist es sinngemäß, daß als Stadtrat ober Gemeinderat auch der oberste örtliche Leiter der NSDAP, und der rangälteste Sturm- sichrer berufen wird. Eine Neuschöpfung ist der Stadtbrief oder der Gemeindebrief, der den Städten und Gemeinden verliehen wird, die auf Grund ihrer Bedeutung darauf Anspruch haben ober aber durch die Mustergültigkeit ihrer Verwaltung allgemein hervorragen. Mit diesem Stadtbrief sind besondere Vorrechte verbunden, die auch die Verbindung zwischen Führung und Volk enger gestalten. Die Saarstage aus der Tagesordnung des Völkerbundsrats. Genf, 19. Dez. (TU.) Die amtliche Tagesordnung der am 15. Januar beginnenden ordentlichen Tagung des Völkerbundsrates sieht als be- sonderen Punkt vorbereitende Maßnahmen des Rates für die Volksabstimmung im Saargeb t e t, ferner die Neuwahl der gesamten Saarregierung vor, deren Mandat noch im März des nächsten Jahres abläuft. Weiter stehen auf der Tagesordnung fünf einzelne Beschwerden der deutschen Minder- heit in O st - O b e r s ch l e s ie n , die bereits seit Jahren vor dem Völkerbundsrat ohne sachliche Erledigung behandelt worden sind, ferner ein Schreiben des Danziger Völkerbundskommissars vom 4.Nooember, in dem die Aufmerksamkeit des Rates auf gewisse Maßnahmen des Danziger Senats gegen Danziger Zeitungen gelenkt wird. Berichterstatter für die Saarfrage ist im Völkerbunds- rat der Vertreter Italiens, für die Minderheitenfrage der Vertreter Spaniens. Die Tagesordnung umfaßt im übrigen eine Reihe ber üblichen Ausfchußberichte und Ernennungen, die Regelung des Konflikts zwischen Bolivien und Paraguay sowie die Unterbringung der Assyrier im Irak. Deutschland wird auf der Januar- tagung des Bölkcrbundsrates zum ersten Male nicht vertreten sein. Reform des brttischenOberhauses Verstärkung der konservativen Tendenzen. London, 19. Dez. (WTB.) Im Oberhaus be- aann die große Debatte über die Oberhausreform. Lord Salisbury erklärte, durch den Entwurf solle dem Oberhaus die hinreichende Macht gegeben werden, um au verhüten, daß das Land außer- ordentlichen Veränderungen unterworfen wird, ohne daß genügend Zeit gewährt wird, diese Veränderungen zu erörtern. Lord Salisbury machte den Vorschlag, daß das neue Oberhaus aus 1 50 erblichen Peer s, darüber hinaus aus 1 50 Par- lamentslords, ferner aus den Peers von f ö n i a l i d) e m Geblüt und einer beschränkten Anzahl angesehener Perfönlichkeiten des E p i s k o - p a t v und der I u st i z bestehen soll. Ihre Gesamt- zahl soll 3_>i> betragen Nach einem Hinweis auf die Gefahren, die aus einem Erfolg der Arbeiterpartei erwachsen könnten, betonte Lord Salisbury, daß der gegenwärtige Augenblick geeignet sei, um den Gesetzentwurf zur Stärkung der Verfassung und ber Macht bes Oberhauses einzubringen. Das Mit- glich ber Arbeiteropposition Lord Pvnfonby trat für die Ablehnung des Gesetzentwurfes ein. Der Gesetzentwurf wurde mit 84 gegen 35 Stimmen in erster Lesung angenommen. Vorläufiges Verbot von Gruppen, ver ficherunasverträaen. Berlin, 19 Dez (WTB.) Das Reich sauf- fichtsarnt fürPrivatverficherung hat an alle feiner Aufsicht unterstehenden Verficherungg- Unternehmungen einen Runderlaß gerichtet, in dem es u. a. heißt: In letzter Zeit macht sich im Versicherungswesen die Neigung zum Abschluß von Gruppenoerficherungen in einem Ausmaß bemerkbar, daß wir eine ernste Gefahr für die Belange der Versicherten und auch für da» Versicherung», wesen im ganzen für vorliegend erachten müssen. Wir ve r b i e t e n deshalb mit sofortiger Wirkung bi» auf weiteres denAbf chluß vonGruppen- Versicherungsverträgen Zu den Gruppen- Versicherungsverträgen gehören auch E m p f e h - lung»- und Begunstigung^ver trag« Das Verbot erstreckt sich aua) auf die Falle, in X n Gruppenoersicherungsverträge auf Grund r " nehmigter Geschäftspläne abgeschlossen werden solle Oer Hausarzt im neuen Reich. Eröffnung der Berliner Akademie für ärztliche Fortbildung. Berlin, 19. Dez. (ERB.) 3m Berliner Rat- Haus fand aus Anlaß ber Eröffnung ber Berliner Akademie für ärztliche Fortbildung ein feierlicher Empfang statt. Oberbürgermeister Dr. E a h m be- grüßte die Vertreter der Behörden, der Universität und der ärztlichen Organisationen. Große Tradition, die mustergültigen, reich ausgestatteten Einrichtungen und die ungeheure tägliche Arbeit waren bisher für die Lehrtätigkeit so gut wie ungenutzt. Am 1. Januar 1934 wird die neue Berliner Akademie für das ärztliche Fortbildungswefen ihre Tätigkeit ausnehmen. Die neue Akademie soll durch ihre Leistung ihren Ruf als praktische Bildungsstätte weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus tragen. Die neue Akademie wirb auch ihr Teil bazu beitragen, die schmutzigen Lügen zu vertilgen, die gerade über das Berliner Gesundheitswesen«im Auslände verbreitet worden sind. Ministerialrat Dr. Conti übermittelte die besten Wünsche bes Ministeriums des Innern, der Rektor ber Berliner Universität Prof. Dr. Fischer bie Glückwünsche ber Friedrich-Wilhelm Unioersität, bie ber medizinischen Fakultät ber Universität ber Prodekan Pros. Dr o. Bergmann. Danach entrollte ber kommissarische Stabtmedizinal- I rat Dr. ft l e i n ein Bilb von den Aufgaben ber neu- ' gegründeten Akademie. Die ärztliche Fortbildung tat Dritten Reich bedarf olanoollster Ordnung, da nur ein in jeder Hinsicht allerbestes leistender Aerzlcstand der neuen Aufgabe gerecht werden kann. Die 'Berliner Akademie für das ärztliche Fortbildungswesen ist der e r ft e Versuch auf diesem Gebiet. Ihr einziges Ziel ist, die praktischen Kenntnisse des Arztes zu erweitern und zu vertiefen. Wir wollen in Deutschland nach Möglichkeit wieder den Hausarzt mit umfassenden praktischen Kenntnisien schaden, den Vertrauensmann der Familie. Die Fachärzte sollen nur in besonderen Fällen herangezogen werden. Na- tionalsozialistischer Grundsatz ist es, der ärmeren Be- völkerung ärztliche Versorgung nur auf dem einzig würdigen und menschlich befriedigenden Wege der freien Arztwahl zu gewähren. Oberbürgermeister Dr. Sahm teilte noch mit, daß bie Stadt Berlin beschlossen hat, zur Erinnerung an einen ber größten Berliner Aerzte eine Robert- Koch-Plakettezu schaffen, bie von ber staatlichen Porzellan • Manufaktur hergestellt wird. Ministerialdirektor Dr. Frey, Ministerialrat Dr. Conti und dem Dekan der medizinischen Fakultät der Berliner Universität Professor Dr. Gocht werde dieselbe heute als erste überreicht werden. Oesterreich unter voikssremdem System. Wien hört £ r. Goebbels Berlin, 20. Dez. Die Zeitschrift „Arbeit und Staat" bringt folgendes für die Lage in Oesterreich sehr bezeichnendes Stimmungsbild aus Wien: Die öffentlichen Uhren zeigten die fünfte Nachmittagsstunde. Die belebteste Straße Wiens, die M a - riahilferstraße, bot das für diese Zeit übliche Bild. Menschen drängten aneinander vorbei und blieben vor den während des Lichtstreikes mangel- haft erleuchteten Auslagen der großen Geschäfte stehen und sahen sich die Augen nach den Dingen aus, die sie sich ohnehin nicht kaufen konnten. Plötzlich übertönte eine künstlich ins Ueberdimen- pönale gesteigerte und nicht zu verkennende Stimme die brausende Symphonie der Straße. Da gab es gar keinen Zweifel: „G o e b b e l s s p r i ch t!" Jedes Wort war gut und deutlich zu verstehen. Alsbald staute sich die Menge und lauschte. Lauschte der geliebten Stimme, die von Ehre, Deutschtum und Gleichberechtigung erzählte und die von oben, von unten, von links und von rechts zu kommen schien. Woher eigentlich war nicht festzustellen. — männer nahmen die Hüte ab und senkten ergriffen das Haupt. Frauen hatten Tränen in den Augen. Manche Hand erhob sich stolz zum deutschen Gruß. Immer größer wurde die Zuhörerschar, immer dichter wurde der Menschenknäuel... Zwei U e b e r f a l l k o m m a n d o s ber Wiener Polizei rasten, vom Ring kommenb, bie Straße herauf. Aus allen Gassen strömten Wachleute. — Doch die Menge ftanb unb lauschte. . . Ein ieberhaftes Suchen begann nach der Herkunft jener mächtigen, alles übertönenden Stimme. Häuserfron, ten wurden abgeleuchtet, Wohnungen und Geschäfts- lokale durchstöbert, — unb immer noch sprach Goed- bels. Der weitaus größere Teil ber Wachbeamten aber unterdrückte nur mit Mühe ein befriedig- t e s Schmunzeln. Ihr Eifer im Suchen war ein cheinbarer und auch ihnen mangelte es — aller- rings aus anderen Gründen, an Planmäßigkeit. Die Menge aber ftanb und lauschte, und die Wache ver- gaß, teils unabsichtlich, teils absichtlich, die Menge zu verjagen. Als die Rede zu Ende war, — war der Riesen- lautsprecher noch immer nicht gefunden. Das | Hör st Wessel-Lied klang auf, unb bie Män- I ner nahmen bie Hüte ab, benn auf bas Singen dieses Liedes ober auf das Erheben des rechten Armes steht wochenlanges Gefängnis ober Konzen- trationslagcr Wöllersborf... scharfe Kritik am Oolttuh-NurS. Klagenfurt, 19. Dez. (WTB.) In einem Bericht über bie politische Lage, ben ber Partei- obmann ber Großbeutschen Volkspartei Foppa in einer Sitzung ber Canbesparteileitung ftärntens gab, wies biefer barauf hin, baß ber Wunsch, ben Bruderzwist mit bem Deutschen Reich zu beenben, bereits weite Kreise erfaßt habe. In Regierungs- kreisen fei man aber von Worten noch nicht zu Taten gekommen, so baß es ben An- schein erwecke, als wolle man bie Wieberherstellung freundnachbarlicher Beziehungen garnichtwirk- llch herbeiführen. Man könne sich auch bes Einbrucks nicht erwehren, baß in Regierungskreisen ber Kampf gegen alles, was national denke, für notwendiger gehalten werde, als der Kampf gegen den Marxismus. Auch über bie i n - nerpolitifche Befriebung herrsche allgemeine Unklarheit. Man könne nicht sagen, daß tatsächlich ein Verständigungswille in ber Regierung vorhanden sei, der bie Forderungen bes nationalen Teils ber Bevölkerung berücksichtige. Oie Tiroler Gastwirte fordern Verständiqunq mit Deutschland Innsbruck, 19. Dez. (CNB.) In einer Versammlung von Hotelbesitzern und Gastwirten wurde u. a. beschlossen, bei ber Regierung vorstellig zu werben, sie möge Schritte unternehmen, bie geeignet seien, bie reichsbeutsche Ausreisegebühr zu beseitigen. Dieser Beschluß würbe burch eine Adorbnung bem Landeshaupt- mann überbracht. Es heißt barin, „bie Tiroler ßanbesregierung möge bei ber Bunbesregierung in Wien unter allen Ümftänben burchsetzen, baß bie 1000-Marksperre aufgehoben werbe, unb zwar noch vor Weihnachten. Die Bebingungen, unter benen bies möglich sei, sei ben Hoteliers unb Gastwirten gleichgültig." Dies gilt nicht für Gruppenversicherungsoerträge, bie zurDeckun^ eines vorüdergehen- ben Risikos (Sportveranstaltung, Ausstellung u. dgl.) abgeschlossen werben. Keme Sozialversicherung von Weihnachts-Gratifikationen. Berlin, 20. Dez. (VdZ.) Die Frage war um- triften, ob Weihnachts-Gratifikationen bem Abzug ür bie Sozialversicherung unterliegen. Nach ber tänbigen Rechtsprechung des Reichsoersicherungs- amtes wäre diese Frage nur bann zu bejahen, wenn bie Weihnachts-Gratifikation in einer g e • wissen Hohe üblich gegeben wirb. Danach unterliegen bie Weihnachts-Gratifikationen, bie von ben Betrieben in diesem Jahre lediglich mit Rücksicht aus die wiederholten Anregungen der Reichsregierung gegeben worden sind, nicht den Abzügen ber Sozialoer- icherung 3ur landwirtschaftlichen Schulden» regelunq. Berlin, 19. Dez. (CNB. Eigene Melbung.) In einer amtlichen Verlautbarung wirb daraus hingewiesen, daß die Durchführung der landwirtschaftlichen Schuldenregelung nach dem Gesetz vom 1 3um 1933 ben Entschuldunas st eilen unb den Amlsgerichten obliegt. Bei diesen Stellen (oroie bei landwirtschaftlichen Berufsoertretungen roerbe in ausreichendem Umfange für die einzelnen Beteiligten Aufklärung in Zweifelsfragen zu erhalten fein. Es fei nicht die Aufgabe bes Ministeriums für Ernährung unb Landwirtschaft. Rechtsauskünfte und Ratschläge in inzelnen Entfchuldungsfällen zu erteilen, ja das ei bei ber großen Belastung des Ministeriums geradezu unmöglich. Zur Finanzierung der Hausinstandfetfungen. Berlin, 20. Dez^ (VbZ.) Der Reichsarbeits- Minister hat on bie Wobnungsreflorts der Landerregierungen ein Rundschreiben gerichtet, worin er letner lebhaften Befriedigung darüber Ausdruck gibt, daß die Instandsetzungsoktion für öeii houüilili, die eine sehr wesentliche Ar- bettsbeschastung barftelü. sich gut eingespielt habe. Auch die Finanzierung des vom Hausbesitzer aufzubringenden Anteils an den Kosten werden nicht auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen. Es fei zu hoffen, daß gerade auch die Sparkassen Instandfetzungskredite hergeben werden. Ebenso wurden auch die privaten deutschen 1") t) p o t h «? e n b a n f e n in erheblichem Umfange 3ur Finanzierung des Sclbftaufbringunpabetrages beitragen, vor a!|rm bei Grundstücken, die bereits 00n 'ynen belieben feien. Golddiskontbank und ketten herauswachsen, bie zu Führern bestimmt sind, die das Reich braucht. Wie die Dreieinigkeit stehen nebeneinander: Ar« beitsfront, Dirtschastsstände und Be« rufe. Durch diese Gliederung werden wir ben großen Akkord und bie Harmonie bekennen, die zum Gedeihen notwendig sind. Geburiswehen werden auf dem Wege dorthin unvermeidbar sein. Aber die starke Hand des Kanters und der Männer, die um ihn stehen, bürgen dafür, daß alles sich zum Besten wenden wird. Wenn diese innere Gestaltung der Wirtschaft durchgeführt ist, bann wird Zeit fein, an die höheren Aufgaben heran- zugehen: Unser Volk wieder hinauszuführen zu einem Reich der Freiheit und der Ehre. Wenn uns das gelingt, ist uns nicht bange, daß wir unter ber Führung Hitlers ben Weltkrieg in Frieden gewinnen. Eine Spionageaffäre in Paris. Paris, 19. Dez. (CNB) Der Petit Parisien spricht von einer groß angelegten Spionage- a f f a r e, ote nach wochenlangen Bemühungen in Poris aufgebetft worben fei unb bereits zur Verhaftung von 18 Personen, zumeist Ausländern, aber auch einigen Franzosen, geführt habe. Unter ben Verhafteten befänden sich mehrere weibliche Personen, darunter die Tochter eines im Ruhe- stand lebenden französischen Polizeikommissars. Seit 48 Stunden würden in Paris zahlreicheHaus- s u ch u n g e n abgehalten. Weiter« Verhaftungen ständen bevor. Haoas berichtet, daß zwei Verhaftete Polen seien, unb zwar der 25 Jahre alle polnische Student der Medizin Moise Salman und seine 25 Jahre alte Frau. Kleine politische Nachrichten. Reichspräsident v. Hindenburg empfing den preußischen Ministerpräsidenten General ber Infanterie Göring zum Bortrag. • Der R e i ch s b is ch o f hat den Wirtschaftsbirektor Diplomkaufmann Kunze aus Bethel bei Bielefeld Zum Wirtschaftsbevollmächtigten ber Reichskirchenregierung berufen. Zu feinem Aufgabenkreis gehört bie wirtschaftliche Beratung ber Angestellten und Organisationen ber Inne« ren Mission unb anderer freier kirchlicher Verbände. Der Präsident der Reichskammer der bildenden Künste gibt bekannt, daß die D e r a n ft a 11 u n g von Kunstausstellungen und Ausstellungen des Kunstgewerbes der vorherigen schriftlichen Zustimmung der Reichskammer der bildenden Künste bedarf. Der „Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten" hat durch seinen Präsidenten Schwede, den Oberbürgermeister von ftoburg, dem Führer den Betrag von 4 0000 RM. fürdie Opfer der Arbeit zur Verfügung gestellt. Der Führer hat als Zeichen feines Dankes dem Reichs- treubunb fein Bild in silbernem Rahmen gestiftet. e Der Außenhandelsrat trat zu seiner ersten Sitzung zusammen. Reichswirtschaftsminister Schmitt unb Reichsaußenminister Freiherr v. Neurath machten grunbsätzliche Ausführungen. Hieraus sprachen Mitglieder des Außenhandelsrates. Im Anschluß daran trat der Arbeitsausschuß unter dem Vorsitz von Staatssekretär Dr. Posse mit der Tagesordnung: „Förderung des Außen- Handels" zusammen. • Die deutsch • schweizerisch en Wirt« fchaftsverhandlungen sind zum glücklichen Abschluß gelangt. Das 1929 in Warschau unterzeichnete Abkommen zur Vereinheitlichung der Regeln über die Beförderung im Internationalen Luftverkehr ist von Deutschland ratifiziert worden und tritt für Deutschland am 29. Dezember dieses Jahres in Kraft Das Abkommen ist ein erster Schritt zu einer international einheitlichen Gestaltung des Luft-Prioatrechtes. Im 77. Lebensjahr starb Admiral v. Ingenol. Er war im Jahre 1874 als Kadett in die Marin« eingetreten und bei Kriegsausbruch Chef der Hochsee« streitkrätte. Von diesem Posten trat er im Februar 1915 zurück, um einige Monate später seinen Abschied zu nehmen. In Lhasa ist der Dalai-Lama Ngawang Lop- fang Tupden Gyatso im 57. Lebensjahr gestorben. Der Verstorbene wurde im Jahre 189.3 von der Geistlichkeit erwählt unb galt als die 13 Mensch- Werbung Buddhas. Der Dalai-Lama ist das religiöse Oberhaupt bes Lamaismus unb der weltliche Herrscher Tibets. Aus aller IReft. Verpflegung eines eingeschneiten Dorfes aus der Cuft In der Umgebung der Stadt Fes in Marokko ist reichlich Schnee gefallen: ein 26 Kilometer von Fes entferntes Dorf ist mit feinen 50 Bewohnern feit fünf Tagen von jedem Verkehr abge- schnitten. Ein französisches Militärflugzeug hat über bem in 1500 Meter Hohe gelegenen Dorf nunmehr 100 Kilo Brot, Konserven und kondensierte Milch abgeworfen. Das Li» im Rheingebiek beginnt zu lauen. Die plötzlich eingetretene milde Witterung hat eine wesentliche Veränderung der Cisoer- haltniffe insbesondere auf dem Rhein unb leinen Nebenflüssen hervorgerufen. Lus dem ganzen Mittelrheingebiet wurden am Dienstagmorgen Temperaturen gemeldet, die zum Teil über bem Gefrierpunkt liegen unb bewirkten, daß das Eis zu tauen beginnt Bedrohlich sieht bie Lage dort aus, wo bas Eis sich in ben letzten Tagen festgesetzt hat unb den Rhein in seiner ganzen Breite von Ufer zu Ufer mit einer einheitlichen Eisfläche überdeckt hat. Der jähe Temperatursturz, verbunden mit bem enormen Dasserbruck, der hinter ben Eis- Zersetzungen aufgetauten Dasiermengen verursacht besonbers an der Loreley wie an zahlreichen Steilen der Mosel eine beträchtliche Verschiebung der Eismassen, so daß an ber Loreley mit bem Los- brechen der gewaltigen Eismassen stündlich gerechnet werden muß. In der Nacht auf Dienstag schoben sich unter ungeheurem Wasserdruck schwere Eisblocke über den Hasendamm von Oberwesel unb brachten die Schifte in ernste Gefahr Das Eis ist hier stellenweise bis zu acht Metern übereinander- getürmt. Die Reichsstrombauverwaltung hat am Morgen alle unterhalb ber Loreley liegenben Rhein- statlonen angewiesen, unverzüglich Vorkehrungen zu treffen, damit der zu erwartende Eisaufbruch die Gemeinden und Anlieger des Rheins vor Schaden bewahrt. Fahrzeuge, Stege und Landebrücken werden zur Zeit mit größter Eile in den Orten unterhalb der Loreley in Sicherheit gebracht, um zu verhüten, daß der zu erwartende Eisgang sie mit- reißt. Zwei Kinder ertrunken. Auf dem Eis der Aller hat sich, wie aus Celle berichtet wird, ein Unglück ereignet. Zwei fünfjährige Kinder aus der Celler Neustadt, die seit Montag vermißt wurden, sind in der Aller e r - trunken. Beim Suchen nach den Kindern entdeckte man auf dem Eise Fußspuren und man fand auch einen Besen, den die Kinder mitgenommen hatten. Da das Eis der Unteraller noch offene Stellen aufweist, steht es wohl fest, daß die beiden Kinder beim Spielen in eines dieser Löcher gestürzt sind. Schadenfeuer in einem Spessarldörfchen. In dem Spessartdörfchen Ebersbach entstand in dem Anwesen des Landwirts Anton S ch ü ß l e r ein Brand. Die Ortsseuerwehren von Ebersbach und Leidersbach waren rasch zur Stelle, doch waren die Löscharbeiten durch die große Kälte sehr schwierig. Pumpen und Schläuche froren zu. Am Bach mutzte erst die Eisdecke eingeschlagen werden. Dem wackeren Zugreifen der beiden Wehren gelang es aber, das Feuer einzudämmen, so daß wenigstens die Scheune gerettet werden konnte. Das Wohnhaus wurde bis auf die Grundmauern ein Raub der Flammen Auch die Frucht, die Schützler erst in der letzten Woche gedroschen hatte und die auf dem Hausboden lagerte, konnte nicht mehr gerettet werden. Fast die ganze Hauseinrichtung fiel dem rasenden Clement zum Opfer. Jeu er in einer Thüringer Brauerei. In der Trebertrockenanlage der Thüringer Exportbrauerei AG. in Neustadt an der Orla brach ein Feuer aus, das sich sehr schnell auf die angrenzenden Räume ausbreitete und diese völlig vernichtete. Die Flammen sprangen auch auf das Hauptgebäude über und zerstörten dort das Dach des Maschinenhauses, den Eingang zur Mälzerei sowie zwei Kontorräume. Der Schaden ist sehr hoch. Gewaltiger Erdrutsch in Italien. Durch einen Erdrutsch von ungewöhnlicher Ausdehnung ist die Bahnlinie Pisa—Abetone— Brenner bis auf weiteres gesperrt. In der Umgebung von Pistoria löste sich vom Apennin ein Erd- block von 500 Meter Länge und 800 Meter Höhe und stürzte ab, wobei ein von Straßenarbeitern bewohntes Haus fortgerissen wurde. Die ungeheuren Erdmassen sind in das Flußbett des Lima gestürzt, dessen Laus sie aufzuhalten drohen. Zwölf Bergarbeiter einer südafrikanischen Grube tödlich verunglückt. Durch einen schweren Unfall in dem Orown- Bergwerk bei Johannesburg wurden zwölf Bergarbeiter, darunter zwei Europäer, getötet. Ein im Fürderschacht hängende Plattform, auf der dreizehn Bergleute arbeiteten, stürzte plötzlich 1100 Meter in die Tiefe aus den Grund des Schachts. Nur einem Arbeiter gelang es, sich im letzten Augenblick an einem dünnen Rohr festzuhalten. Er klammerte sich eine halbe Stunde lang daran fest, bis er gerettet werden konnte. Die anderen Zwölf wurden auf der Stelle getötet. Auszeichnung eines deutschen Kapitäns durch die Reichsregierung. Das Reichsverkehrsministerium teilt mit: Wie seinerzeit berichtet, wurde am 4. Juli d. I. der Kapitän Niemann des Dampfers „Charlotte Schröder" im Brüssel-Kanal von einer mehrhundertköpfi- gcn Menschenmenge auf das schwerste bedroht, weil er die Hakenkreuzflagge zeigte. Stundenlang mußte das Schiff durch den Kanal unter den von der aufgeregten Masse besetzten Brücken hersahren; es wurde nyt einer Unzahl von Steinen beworfen. Die Reichsregierung hat Kapitän Niemann für sein zähes Eintreten zum Schutz der nationalen Symbole des neuen Deutschlands eine goldene Uhr mit entsprechender Widmüng verliehen. Die Uhr ist ihm im Auftrag der Reichsregierung durch den Rostocker Oberbürgermeister ausgehändigt worden. „U 28“ begegnet einem Seeungeheuer. Der bekannte U-Bootkomrnandant Freih. o. Fo r st- n e r hat der „DAZ." eine Aufsehen erregende Darstellung einer Beobachtung eines See - Ungeheuers zugesandt, die er während des Krieges von seinem U-Boot „U 28" gemacht hat. Zunächst weist er darauf hin, daß das in der englischen Presse abgebildete Ungeheuer, das sich in dem schottischen See LochNeß aufhalten soll, in seiner Gestalt. vollkommen dem Tier entspreche, das er gesichtet hat. Forstner schreibt dann u. a.: Am 30. Juli 1915 versenkten wir mit unserem „U 28" im Atlantischen Ozean den englischen Dampfer „Jbe- rian" mit wertvoller Stückgutladung. Der etwa 180 Meter lange Dampfer sauste über das Heck, den Bug fast senkrecht in die Luft streckend zur Tiefe von mehreren Tausend Metern. Als der Dampfer schon ungefähr 25 Sekunden vollkommen verschwunden war, erfolgte auf einer Tiefe, die wir natürlich nicht feststellen konnten, eine starke Detonation. Das Schiff wird schätzungsweise vielleicht schon auf 1000 Meter Wassertiefe angelangt gewesen sein. Kurz darauf wurde zusammen mit einzelnen Wrackteilen ein riesiges Seetier heftig zappelnd und strampelnd 20 bis 30 Meter in die Lust aeschleudert. Auf dem Kommandoturm standen in diesem Augenblick neben mir meine beiden Wachoffiziere, der leitende Ingenieur, Steuermann und Rudergänger. Wir machten uns sofort gegenseitig auf dieses Wunder des Meeres aufmerksam. Eine photographische Aufnahme gelang uns leider nicht, da bas Tier nach etwa 10 bis 15 Sekunden wieder im Wasser verschwunden war. Das etwa 20 Meter lange Tier hatte krokodilsähnliche Gestalt, je zwei Vorder- und Hinterbeine mit starken Schwimmflossen und einen langen nach vorne spitz zulaufenden Kopf. Das Herausschleudern des Tieres von großer Tiefe aus erscheint mir vollkommen erklärlich. Durch die aus irgendeinem Grunde erfolgte Explosion wurde das benachbarte „Untersee-Krokodil", wie wir es nannten, mit gewaltigem Druck nach oben geschleudert, bis es erschrocken in der Luft herumstrampelte. Das 29. fiinb. In der Universitätsklinik in Wien hat nach Berichten der Wiener Blätter eine 45jährige Frau, die Gattin eines Kutschers, ihr 2 9. Kind geboren. Von diesen 29 Kindern waren 23 Knaben und 6 Mädchen, von denen 16 noch am Leben sind, und zwar 12 Knaben und 4 Mädchen. Die Frau könne die einzelnen Geburtsdaten ihrer Kinder nicht genau angeben, da sie begreiflicherweise diese verwechsle. Die meisten Kinder hat die Frau ohne ärztlichen Beistand zur Welt gebracht. Die Geburten seien glatt vonstatten gegangen. Internationaler Flugwettbewerb in Kairo. Der internationale Flugwettbewerb in Kairo hat unter Teilnahme von dreißig Flugzeugen begonnen. Im einzelnen nehmen als einziger Deutscher der bekannte Sportflieger Schwabe auf seinem Klemmflugzeug, ferner drei Aegypter, 16 Franzosen, sechs Engländer, zwei Italiener, ein Belgier und ein Südslawe an dem Wettbewerb teil. Bei den Start- und Landeprüfungen, die zuerst vorgenommen wurden, hat Sckyvabe gut abgeschnitten. Ferner ist vorgesehen der 1200 Kilometer lanae Wu- ftenflug, und xum Abschluß ein Wettflug Kairo- Alexandrien—Kairo Bayerisches Bauerngeschlecht seit dem 15. Jahrhundert auf seinem hos ansässig. Eines der ältesten Bauerngeschlechter Bayerns ist in Neudorf bei Amorbach ansässig. Seit dem 15. Jahrhundert ist das Bauerngeschlecht B l e i f u ß immer auf dem gleichen Hofe. Die derzeitige Familie Bleifuß bekam von der bayerischen Staatsregierung einen kostenfreien achttägigen Aufenthalt in München. In Bayern gibt es noch dreizehn Familien, die länger als fünfhundert Jahre immer den gleichen Hof inne haben. Ein Gemälde von Rembrandt in Stockholm gestohlen. Ein aufsehenerregender Einbruch wurde in einer der letzten Nächte in Stockholm verübt, wobei den Dieben Millionenwerte in die Hände fielen. Bei dem Kunstsammler Rasch wurde eingebrochen und u. a. das Rembrandt- Gemälde Jeremias beklagt den Untergang von Jerusalem" gestohlen, das einen Wert von 400 000 Kronen darstellt. Das Gemälde wurde aus dem Rahmen herausgeschnitten. Rasch war während des Einbruchs zu Hause und schlief. Die Frechheit der Diebe ging soweit, daß sie in sein Schlafzimmer eindrangen und aus den Schubläden neben dem Bett Juwelen Mitnahmen, ohne daß er erwachte. Man nimmt an, daß es sich um eine internationale Diebesbande handelte, die vor einigen Tagen auch einen Einbruch beim Universitätskanzler, dem früheren Ministerpräsidenten T r y g g e r , verübt hatten. Blutiger Racheakt eingeborener Kopfjäger in Formosa. Wie „Times" aus Formosa meldet, haben Eingeborene im Bezirk von Otake einen japanischen Polizisten enthauptet und seine drei Kinder ermordet. Man glaubt daß es sich um einen Racheakt für die Verhaftung von Dorfbewohnern handelt, die Salpeter geschmuggelt hatten, um Schießpulver herzustellen. Die Behörden glauben an einen neuen Ausbruch von Kopfjägerei. Wettervoraussage. Noch immer fließt unter dem Einfluß der Rückseite des Baltikumtiefs milde Ozeanluft nach Deutschland, so daß wechselhafte Bewölkung entsteht. Da sich aber der hohe Druck über den britischen Inseln fortgesetzt kräftigt und sich mehr nach dem Festland verlagert, kommt es späterhin wieder zu vorübergehendem Aufklaren, wobei in der Nacht erneute Frostverschärfung eintritt. Aussichten für Donnerstag: Bewölkt mit Aufklaren, tagsüber Temperaturen um Null und etwas darüber, nachts wieder kälter, meist trocken. Aussichten für Freitag: Erneute Frost- verschärsung wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 19. Dezember: mittags 1 Grad Celsius, abends 1,9 Grad: am 20. Dezember: morgens 0,9 Grad. Maximum 2 Grad, Minimum —1,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Dezember: abends — 2,3 Grad: am 20. Dezember: morgens — 1,9 Grad Celsius. — Niederschlag 0,3 mm. Weihnachten im Wandererheim. Von Pastor F. v. Dodeischwingh, Bethel. Auf den Sonntag in Bethel haben sich manche von den Gästen des Heims für fremde Wanderer schon lange gefreut. Die nachmittag erst Gekommenen haben bereits die Säuberung mit Hilfe des „Bienenosens" und der Badeanstalt hinter sich. Jetzt tut noch der Verschönerungsrat seinen wohltuenden Dienst in der Aufräumung bärtiger Stoppelfelder. An anderer Stelle werden die Stiefel blank geputzt. Dann kommt das wichtigste: die Arbeitskleidung ist soeben abgegeben, und dafür empfängt jeder für den festlichen Tag einen alten Gehrockanzug und ein weißes Vorhemd. Denn am Sonntagmorgen wird gemeinsamer Kirchgang gehalten. Kaum einer schließt sich von diesem freiwilligen Wege aus. In der Mitte der Zionskirche sind drei Bänke für diese an jedem Sonntag wechselnden Gäste freigelassen. Mancher von ihnen hat vielleicht jahrelang keinen Gottesdienst mehr besucht. Am anderen Ort schämen sie sich um ihrer mangelhaften Kleidung willen. Hier erscheinen sie in ihren schwarzen Röcken als besonders würdevolle Glieder der Gemeinde. Von den Kranken werden sie als gern gesehene Kameraden brüderlich begrüßt. Wenn bann der starke Gesang beginnt und wir gemeinsam mit lauter Stimme bekennen und danken und bitten, dann hört man hier und da auch die Stimme eines Wandersmannes mit einfallen, und über vergrämte und hart gewordene Gesichter zuckt es hin wie fernes Wetterleuchten. Denn auch in den Herzen dieser unserer Brüder liegen versunkene Glocken, die in der Tiefe an zu klingen fangen, wenn man sie nur ein wenig zu bewegen weiß. Was schlichte Menschheit ist, das spüre ich kaum an einem anderen Ort so deutlich wie hier Einer nach dem andern von den Männern im schwarzen Rock reicht mir freundlich die Hand; und ohne langes Zögern fangen sie an, von ihren Schicksalen zu erzählen: von der Heimat in Ostpreußen ober Bayern, im Land an der Oder ober am Rhein. Von ber langen Arbeitslosigkeit und ihrer Qual berichten sie, und wie sie bann auf Wanderschaft gekommen sind. Männer aller Berufe sind darunter: Handwerker und Metallarbeiter, Musiker und Kaufleute. Ein kleiner Mann von 17 Jahren ist heute der Jüngste unter ihnen. Wo mag die Mutter auf ihn warten oder um ihn meinen? Nun steigen wir die Treppe hinauf zum Wohn- unb Speisesaal, der mit seinen hellgestrichenen Wänden und seinen sauberen Tischen sehr behaglich ist. Liegt es an dem ungewohnten Raum, hegt es an der neuen Kleidung — jeder benimmt sich hier wie ein wahrhaft vornehmer Mann. Man hört keinen lauten Ton. Still liest der eine seine Zeitung: ber andere versucht sich an Rätseln. Wir sprechen von den Nyten und Einsamkeiten ihres Lebens auf ber endlosen Straße, von der Härte der Rücksichtslosigkeit, die sie so oft von den Menschen erfahren. „Begegnen Sie nicht manchmal auch guten Leuten?" frage ich. „Ach, lacht mein Nebenmann", diese Bouillon wird immer dünner." Der Mecklenburger aber mir gegenüber mit dem mächtigen blonben Bart und den blauen Augen spricht mit innerstem Verstehen von der Arbeit in Bethel, von dem Dienst an den Kranken. Er weiß, daß Leiden nicht nur Last ist, sondern auch aur Quelle der Kraft für andere werden kann. „Die Hauptsache ist", sagt er, „daß man danken lernt." Nur eine Klage und Bitte haben sie alle: „Sorgen Sie doch dafür", sagen sie, „daß man uns in den Wanderarbeitsstätten wieder etwas besser m i t Kleidung helfen kann. Betteln dürfen und wollen wir nicht mehr. Aber in den Herbergen haben die Hausväter auch fast nichtsFweil jetzt alles an die Winterhilfe geht. Wenn wir aber zu der kommen, dann heißt es immer: Zuerst müssen die Ortsansässigen versorgt werden: Ihr könnt nicht an die Reihe kommen. Bitte sagen Sie das doch den Leuten draußen!" Ich muß diese Bitte meiner Freunde kräftig weitergeben. Auch bei uns spüren wir den Mangel immer stärker. Noch haben wir bas Wan- bereryeim notbürftig versorgen können. Dabei steht Weihnachten vor ber Tür. Das ist auch für bas Wanbererheim bie größte Zeit im Jahr. Mit ben alten Liebern aus ber Kinderzeit werben auch in ben verschlossensten Herzen heilige Klänge wach. Wenn aber durch den schneebedeckten Wald die Schar der Männer im schwarzen Rock zur Christvesper angeroanbert kommt, bann ist ben Heimatlosen zumute, als wären sie auf bem rechten Wege nach Haus. Alle äußere Fürsorge, bie wir ihnen erweisen, alle Liebe, bie ihnen am Christfest bie Güte unserer Freunbe beschert, sollen ja nichts anderes sein als kleine Wegweiser hin zu ber Heimat im ewigen Vaterhaus. Das berliner Wachregimeni ladet ein. Preußen, Hessen, Bayern in der Reichshauptstadi. Don unserer Berliner Redaktion. Wer mittags gegen zwölf über bie ßinben bummelt, burd) bas Branbenburger Tor fdjlenbert, am Reichstagsgebciube vorbei, ober wer gerabe um biefe Zeit mit feinem Termin in Moabit fertig geworden ist und auf bie Straße tritt, ber hört es durch die Gaffen hallen, das Tsching°bum ber Pauke unb der Decken, bie Wache zieht auf. Es ist noch immer dasselbe, wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren, die Mädchen öffnen die Fenster und die Türen. Aber es ist nicht mehr bie alte Garbe, die durch die Stadt marschiert, sondern das Berliner Wachregiment. Nur noch dieses eine Regiment ist in Berlin geblieben. Dieses Wachregiment, dessen Kommandeur Oberst von Reifer die Pressevertreter zu einer Besichtigung eingelaben hatte, versieht den Postendienst an öffentlichen Gebäuden, wie Präfidentenpalais, Wehrministerium, Reichsehrenmal. Da die Rsichswehr- foldaten zwölf Jahre dienen müssen, wäre es wohl nicht das rechte Soldatentum, wenn die Angehörigen des Berliner Wachregiments zwölf Jahre hindurch immer nur Posten schieben sollten. So ist es auch nicht. Jeder Reichswehrsoldat soll nach Möglichkeit innerhalb seiner zwölfjährigen Dienstzeit einmal die Reichshauptstadt kennenlernen. Das ist das Prinzip des Wachregiments Berlin.. Es ist kein in sich geschloffenes Regiment, sondern es setzt sich aus einzelnen Kompanien aus den ver- schiedensten Truppenteilen des Rei- ch e s zusammen. Die abkommandierte Kompanie macht jeweils drei Monate in Berlin Dienst. Da auf diese Weise alle sieben Jahre ein deutsches Regiment einen Teil seiner Mannschaften in Berlin stehen hat, so lernt jeder Soldat die Reichshauptstadt kennen. Draußen auf dem Exerzierplatz übt die Truppe das Aufziehen ber verfchiebenen Wachen Berlins. Hier übt bie Abteilung, bie bemnächst ben Wacht- bienft am Ehrenmal bekommt, bort bie Wachtruppe für bas Reichspräsibentenpalais. Kurz unb scharf klingen bie Kommanbos. Alle Dialekte hört man. Gegenwärtig sind Schlesier, Bayern, Hessen, Thüringer, Sachsen unb Braunschweiger in Berlin unb Goslarer Jäger, bie bie Trabition bes alten Bataillons wahren. Die Besichtigung beginnt in ber geschlossenen Reitbahn, wo von den besten Reitern der MG.-Kompagnie des JR. 17 bie üblichen Gänge unb leichte Dressurübungen gezeigt werden. Die ausgezeichneten Reiter gehören einem Regiment an, das als Irabitionsregiment des JR. 92 der hannoverschen Armee, der sogenannten Schwarzen Schar des Herzogs von Braunschweig, mit großem Erfolg gegen Napoleon kämpfte. Sie tragen noch heute den Totenkopf an ber Mütze. Dann geht es in bie Ställe. Die Reiter ber bayerischen Minenwerfer-Kompagnie aus Fürth zeigen, baß sie ihre Pferbe zu pflegen verstehen, unzählige weiße Striche liegen vor ben Boxen, die weißen Staubstriche, die jeder Soldat kennt, der mit Pferden zu tun hatte. Einige Künstler unter diesen Bayern haben sogar in vorbildlicher Graphik „Frohe Weihnachten" aus dem weißen Staub auf bie Stallgasse geklopft. Es folgten bann Exerzierübungen, Ablösungen der Wache, die Ehrenbezeugungen und alles, was dazu gehört Ein großer Teil der Besichtigung erstreckt sich auf die sozialen Einrichtungen des Regiments. Im Karneradschaftsheim ist ein Eefangfaal, in bem die Soldaten von einem Lehrer der Hochschule für Musik in Soldaten- und Marschliedern unterrichtet werden Das gibt die Gewähr dafür, daß es auch klappt, wenn heute auf dem Marsch das Kommando Singen! durchgegeben wird. Wenn die Wachkompanien bann wieder ab gelöst werden und Dienst in ihrer Stammgarnison tun, bann können sie bort ihre Kameraden auch im Singen unterweisen, bas sie in Berlin unter sachkundiger Leitung gelernt haben. Sonst enthält bas Kameradschaftsheim vor- bilbliche Einrichtungen, bie bem Soldaten nach bem Dienst die geistige Nahrung geben. In die Küche kommen jetzt täglich arme Kinder und Erwerbslose, die aus den Mitteln der Unteroffiziere unb Mannschaften beköstigt werden. Sie empfangen ihr Essen in denselben Küchen, wo sonst ber Soldat ißt, die gleiche Verpflegung, bie gleichen Zulagen. An langen Tischen sitzen sie da unb freuen sich an bem guten Essen, Rindfleisch, Suppe und Bohnen. Im 9tebenraum spielt ihnen die Regimentskapelle zur Tafel auf. In ber Turnhalle herrscht voller Betrieb, Solbaten am Barren unb am Reck, Leichtathleten beim Medizinball, beim Kugelstoßen unb Gewichtheben, beim Boxtraining usw. Die ganze Besichtigung gab einen guten Einblick in das Leben unserer Reichswehr, in die Pflege bes alten deutschen Soldatengeistes in unserer jungen unb kleinen Armee. beispiellos billig so wertvoll und doch so sind. AlleZigaretten-Händler führen sie. Und f552V natürlich auch die hübschen Weihnachts-Packungen mit 60 der beliebten CKiUH -Zigaretten für 2 RM mit 10 echten Groß-Fotos für die Sammelwerke Tauschzentrale: Bllderstelle Lohse, Dresden-A 24, Nossener Straße 1. Jeder Deutsche wünscht sich. die neuen prächtigen Sammelwerke, die\ "Uvonnes Geheimnis Roman von Klothilde von Stegmann llrheberrechtsschuh: Fünf-Türme-Derlag Halle (Saale) 14 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Motzow war doch immer recht gemäßigt in seinem Urteil Bemal) vergaß Seeburg, ^Donnes Spiel und ihre Schönheit zu bewundern. Da, jetzt kam wohl die große Szene, die damals Matzow zum Einspruch veranlaßt hatte, und die auch ihn abstieß. So benahmen sich deutsche Offiziere und deutsche Soldaten nicht! Hatten sich niemals so benommen! Das war keine objektive Schilderung mehr — allerdings: alle Deutschen waren nicht so entstellt gezeichnet. Denn jetzt kam wieder der Rittmeister, gegen dessen Haltung auch der schärfste Kritiker nichts einwenden konnte. Er wurde bewußt in Gegensatz gebracht zu den anderen schurkischen Figuren Was überwog denn nun eigentlich? Die Schilderung des deutschen Soldaten nach der ungünstigen Seite oder sein Lob? Es war tatsächlich schwer zu sagen. Da, nun wieder ein paar ganz unmögliche Szenen! Natürlich mußte Matzow da einschreiten! Die Lösung des Konflikts? Hier schien die Deutschfeindlichkeit doch offenkundig. Aber als ob die Verfasser wieder ausgleichen wollten — auch die Gegner kamen nicht immer gut weg. Jedoch das Gesamtergebnis stand für ihn fest. Es war unmöglich. Die Zulassung dieses Films konnte er nicht befürworten, so hervorragend das Spiel ohne Zweifel auch war! Bor allem das Spiel Yvonnes Aber das durfte ihn jetzt in feinem Urteil nicht irremachen. Er mußte objektiv bleiben, jo schwer ihm das auch fiel angesichts der Kunstlcrschaft ^oonnes, die sich hier auf voller Höhe zeigte Mit einem leisen Surren kam der Motor des Borsuhrungsapparats zum Stehen. Der Film war abgelaufen. Seeburg, $Donne und Perlain standen auf. Seeburg schweigend und noch in der Verwirrung, in die der Widerstreit der Empfindungen ihn gestürzt. „Wenn cs Ihnen paßt, meine Herrschaften, würde itti Vorschlägen, jetzt mit mir zu speisen. Ich habe alles vorbereiten lassen in einem kleinen Lokal in der Nähe." Perlain wandte sich an Seeburg: „Ohne irgendwie in Sie bringen zu wollen, Herr Baron — es würde mir eine große Freude sein, auch Sie als meinen Gast anfehen zu dürfen." Seeburg machte eine leicht abwehrende Bewegung: ehe er aber noch antworten konnte, fuhr Perlain fort: ,£V) weih, Herr Baron, dah man In Ihren Kreisen Einladungen gegenüber eine große Refenre zeigt: deshalb bin ich auch einverstanden, falls Sie es ablehnen müssen, von mir eingeladen zu fein, daß wir unsere Rechnungen getrennt begleichen Aber ich hoffe doch, daß wir die nächsten stunden zusammen verbringen." Selbstverständlich wird mir das em Vergnügen fein, Herr Direktor Perlain. Die Form, die Sie mit Ihren letzten Worten für unser Zusammensein wählten, ermöglicht es mir, zuzustimmen. Vorausgesetzt natürlich, daß Fräulein Dumont mit unseren Plänen einverstanden ist." Seeburg sah Yvonne fragend an. Lachend erwiderte diese die stumme Anfrage: „Meine Herren, ich bin um so mehr einverstanden, als mein Magen mir zuflüstert: Je kürzer die Vorrede, beste eher bekommen wir etwas zu essen! Also wenn ich bitten bars, meine Herren. Unb jetzt feine Fachsimpelei, fein Filmgespräch, wenn ich bitten bars. Ich bente, wir brechen auf." Als Yvonne mit Seeburg unb Perlain burch bie Halle bes „Efplanade".Hotels bem Ausgang zu- gingen, erweckte sie selbst bei biefem internationalen Publikum ein gewisses Aufsehen. Der Hotelklatsch hatte bie Tatsache ber eigenartigen Filmvorführung rasch verbreitet, zumal sowohl ber Name bes Direktors Perlain wie ber Yvonne Dumonts bem internationalen Hotelpublikum geläufig waren. Seeburg ahnte nichts baoon. Balb faßen bie brei in ben behaglichen Räumen ber kleinen Weinstube in ber Französischen Straße, bie burch ihre auserlesene Küche unb bie Qualität ihrer Weine bekannt war. Direktor Perlain bewies seinen Rus als glänzen- ber Plauderer. Sein Beruf hatte ihn durch die ganze Welt geführt. Yvonne unb Seeburg waren um so bessere Zuhörer, als sie zur Unterhaltung selbst wenig beitrugen. Es lag eine unterbrürfte Spannung über ihnen, unb Yvonnes Blick musterte bes öfteren Seeburgs Gesicht, in bem ihr nun zum ersten Male bas trotzige Kinn auffiel, bas auf einen starken, unbeugsamen Willen hinbeutete. Als ber Mokka serviert wurde unb Yvonne eine Zigarette genommen hatte, bie Herren behaglich ihre Importen anzünbeten, roanbte sich Yvonne an Seeburg: „Jetzt wurde es mich interessieren, Herr Baron, Ihr Urteil darüber zu hören, wie Sie zu bem Verbot unseres Films .Ostfront' stehen." Perlain sekundierte Yvonne sofort: „Auch ich wäre Ihnen dankbar, Herr Baron, wenn Sie mir einmal ganz offen Ihre Meinung über diese Frage sagen würden. Es ist mir nämlich tatsächlich unbegreiflich, was zum Verbot dieses Films geführt haben kann." Seeburgs Blick konzentrierte sich auf ben Rauch feiner Zigarre: „Ich bin leider, und zwar zu meinem großen Bebauern, aufjerftanbe, mich zu biefer Frage zu äußern. Wie Sie wissen, bin ich Beamter bes Auswärtigen Amtes. Es besteht bie Möglichkeit, vielleicht 5gar bie Wahr'chetnNchkett, daß ich m'^ dienstlich mit der Verdotssrage beschäftigen muß. Sie werden verstehen, baß ich mich über eine Frage nicht äußern kann, mit der ich in meiner Eigen- schäft als Beamter vielleicht zu tun bekomme. Ich bedauere natürlich außerordentlich, einen Wunsch von Ihnen beiden nicht nachkommen zu können." Während Yvonnes Gesicht ben Ausdruck einer leichten Verstimmung zeigte, erwiderte Perlain in liebenswürdigstem Ton: „Sie haben vollkommen recht, Herr Baron. Wir oätten diese Frage nicht stellen dürfen. Aber Sie sind doch nicht nur Beamter. Ihre persönliche An- schauung, die Ansicht des Privatmannes zu hören, wäre deshalb für mich wichtig, weil ganz offenbar eine Verschiedenheit der Ausfällung hier zutage tritt. Es ist begreiflich, daß Angehöriae zweier großer Nationen unter verschiedenen Gesichtspunkten denselben Tatbestand beurteilen. Noch dazu, wenn diese beiden Völker sich mit dem Schwert in ber Hanb gegenübergeftanben haben. Sie werben aber begreifen, baß es einen Mann wie mich interessieren muß, zu ergrünben, worin bie Verschieden- heit biefer Anschauung eigentlich besteht. Schon beshalb, bamit in Zukunft ein solcher Fehler von uns nicht wieber begangen wirb, wenn man an- nehmen will, baß in biefem Film etwas enthalten ist, was bie beutsche Mentalität verletzt. Noch einmal, Herr Baron, meine Frage richtet sich nicht an ben Herrn ßegationsrat von Seeburg, sondern an ben Gentleman, ber als Privatmann sehr wohl in der Lage ist, die Frage eines Mannes zu beantworten, ber sich frei weiß von jebem Vorurteil unb erst recht von jeber Gehässigkeit gegen Ihre Lanbsleute.. Nach einem fast unmerklichen Zögern sagte Seeburg: „Schalten wir also einmal mein Amt aus und nehmen Sie mich als einen deutschen Mann, der ehrlich wünscht, daß die Gegensätze zwischen ben beiben Nationen verschwinden könnten unb, wenn auch nicht gleich Freunbschaft, so boch ein Gefühl ber Achtung unb bes Respekts Platz greifen könnte. Sehen Sie, Herr Direktor Perlain, hier stocke ich schon. Die Massen in Deutschland können es ganz einfach nicht begreifen, baß man jenseits ber Grenze ihre Opfer, ihre Not unb ihre Leiden so gar nicht verstehen will, baß man ihnen gegenüber bie boch von Ihren Lanbsleuten so hoch geschätzten Begriffe ber Humanität, ber Gerechtigkeit, ber Gleichheit so gar nicht gelten lassen will. Ich wiederhole, ich spreche von ber Empfinbung ber Massen." „Verzeihen Sie, wenn ich unterbreche, Herr Baron“, warf Perlain ein. „Aber biefe Voraussetzung ber Massen ist eben falsch. Ich gebe ohne weiteres zu, es sind in der Vergangenheit viele unb unverzeihliche Fehler gemacht worben. Aber wer von Ihren deutschen Landsleuten heute Paris besucht, wird unfehlbar eine Beobachtung machen: Der ’Tann auf der Straße benimmt sich auch heut- verschieden gegen Mitglieder ber einzelnen Nationen. Nur in anderem Sinne, als man es in Deutschland allgemein zu glauben scheint. Täglich können Sie folgende «zene erleben: In einem Französisch, das den Ausländer erkennen läßt, bittet jemand in Paris auf der Straße um eine Auskunft. Der an- gesprochene Franzose fragt: »Sie sind Amerikaner? Oder Engländer:" Lauter die Antwort bejahend, so wird die erbetene Auskunft kurz, unfreundlich, vielleicht auch aar nicht erteilt. Lautet die Antwort aber: .Nein, ich bin ein Deutscher!' fo können Sie es tausendfach erleben, daß zur großen lieber- raschung des Deutschen das Gesicht Des Franzosen sich erhellt, daß bie Anrebe plötzlich .Camerade* bei&t — bas hält man nämlich für ben Ausbruck höchster Wertschätzung, und daß in liebenswürdigster und ausführlichster Weise mit ausgesprochener Herzlichkeit der gewünschte Bescheid gegeben wird. Man ist sich hier in Deutschland über den Wandel der Empfindungen offenbar nicht klar. Sehr viele Franzosen sehen feit geraumer Zeit ben Feinb im Amerikaner ober Englänber und betrachten ben Deutschen nicht nur als gleichberechtigt, sondern in bestem Sinne als Kamerad." „j)err Perlain, was Sie da erzählen, ist natürlich für ben beutfchen Mann, ber mit Ihnen plaudert, außerorbentlich interessant. Ich bezweifle auch nicht im entferntesten seine Richtigkeit Aber ber Gedankengang des deutschen Bürgers würde folgender fein: Es muß doch eine überwiegende Minderheit von Franzosen fein, die diesen Anschauungen huldigt, sonst wäre es unmöglich, baß bie Politik Ihres Lanbes biesen Stimmungsumichwung fo gar nicht erkennen läßt. Und diese Politik — so sagt der beutsche Mann — läßt uns keine Luft zum Atmen, besteht barauf, baß unerfüllbare Verträge bis auf bas Letzte von Deutschland erfüllt werben und" — hier wurde Seeburgs Stimme unwillkür- lich schärfer — „erfüllt diese Verträge selbst nicht, wo es ihr nicht beliebt. Unter bem Druck bes Ber- soiller Vertrages hat Deutschlanb in noch nie ba- gewesenem Maße abgerüstet. Das war die Voraussetzung für die vertraglich feierlich zugesicherte Abrüstung auch der anderen Staaten, auch Frankreichs. Unb bieselden Politiker, bie von Deutschland trotz offenkundiger Unmöglichkeit die wortwörtliche Erfüllung ber Verträge verlangen, weigern sich, ihre eigenen Verpflichtungen zu erfüllen, rüsten nicht ab, sondern auf, vermehren ihre Luftflotte ins Gigantische. Was nützt bemgegenüber ber gute Wille bes Mannes auf ber Straße, von bem Sie sprechen? Denken Sie an bie Kolonialfrage, Herr Perlain? Ihr Mann auf ber Straße hat es bisher Io wenig vermocht, Ihren Politikern etwas von seinem Geist einzuflößen, baß man hier in Deutsch- lanb von ber von Ihnen geschilderten Sinnesänderung bisher verzweifelt wenig in ihrer Politik gespürt hat.“ (Fortsetzung folgt) Original- Holländerin Wpackimg3' ^n„. K MM-aOPfg. Vertretung und Fabriklager: Ernst Meyer. Frankfurt am Main. 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