Ur. 272 Erster Blatt 185. Jahrgang Montag, 20. November 1935 Erschein» t äg Md), autzei Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustriert, Gießener Familienblätte» Heimat im Bild Die Scholl, monat$:Bc$ugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Iustellgebühr . , -25 Auch be, Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. HernsprechanschlUsse nnterSammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Giehen. poftfchccklonto: Kranfturt am Main 11686. MtzemrAMger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfiläls-Vuch- und Zteindruckerek K Lange in Giehen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undfürdenAn. zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen. Das evangelische Deutschland feiert Martin Luther. Reichsregierung, Kirche und evangelisches Kirchenvolk sammeln sich zu Gedächtnisfeiern für den deutschen Reformator. Des Reichspräsidenten Gruß zum Luthertag. Berlin, 17. Roo. (TU.) Der Reichspräsident hat Zum Luthertag folgendes Grußwort veröffentlicht: Der Luthertag 1933 will in der ganzen Welt den Protestantismus zum Bewußtsein feiner Gemeinschaft und feiner Verbundenheit im Glauben mahnen. Das deutsche Volk aber im besonderen ruft dieser Gedenktag dazu auf, einig zu fein in der Verwaltung feines großen geschichtlichen Erbes, um in Einmütigkeit die Aufgaben der Gegenwart und Zukunft zu bewältigen. Darum steht fest im Glauben der Väter, seid stark in der Liebe zu volkund Reich und voll Zuversicht in Deutschlands Schicksal! Berlin, den 10. November 1933. gez. von Hindenburg. „Luther der Deutsche." Eine Luther-Ausstellung der Preußischen Staatsbibliothek. Berlin, 19. Nov. (TU.) In der Preußischen Staatsbibliothek unter den Linden wurde am Sonntagmittag anläßlich der 450. Wiederkehr des Geburtstages von Martin Luther eine Ausstellung eröffnet, die sich „Luther, der Deutsche" nennt. Unter den Ehrengästen bemerkte man den Reichsbischof Ludwig Müller, den Generaldirektor der Staatsbibliothek, Professor Dr. K r ü ß , Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, sowie der Geistlichkeit. Namens des verhinderten Kultusministers Dr. Rust eröffnete Ministerialdirektor Dr. Jäger die Ausstellung. Es erscheine, so führte er aus, wie ein innerer Zusammenhang, daß das Lutherjahr mit dem Jahre der deutschen Revolution zusammengefallen fei. Luther fei für uns Deutsche mehr als nur der Mann einer kirchlichen Reformation. Er habe sich den Quellen zugewandt, die wir heute in Volk, Nation, Rasse, Blut und Boden begründet sehen und uns so erst den deutschen Gottesdienst, die deutsche Predigt, das deutsche Kirchenlied, ja d i e deutsche Sprache geschenkt. Die Ausstellung selbst zeigt das Wichtigste und Bedeutsamste, was überhaupt über Luther vorhanden ist, denn die Preußische Staatsbibliothek besitzt die größte Luthersammlung der Welt. So sieht man u. a. einen Er stdruck der 9 5 Thesen, von denen überhaupt nur noch zwei Exemplare bekannt find. Unter den zahlreichen Bibeln ist die Erstausgabe von Luthers Uebersetzung des Neuen Testaments, die sogenannte September-Bibel, zu erwähnen. Von Bedeutung find auch die zahlreichen Illustrationen, von seltener Schönheit, die zum Teil von Künstlern wie Lukas Cranach und Hans Holbein herrühren. Festgottesdienst im Dom. Reichspräsident und Rcichsbischof nehmen teil. Berlin, 19. Nov. (TU.) In der Reichshauptstadt wurde die Gedenkfeier zum 450. Geburtstage D. Martin Luthers mit einem Festgottesdienst im Dom eingeleitet, an dem auch zahlreiche Mitglieder der Reichsregierung, u. a. Innenminister Frick und Finanzminister Graf Schwer i n - Krosigk teilnahmen. Während vor den Eingängen zum Dom sich eine große Menschenmenge eingefunden hatte, die nicht mehr in den überfüllten Dom gelangen konnte, brachte ein Bläserchor Choräle zu Gehör. Dann erschien, jubelnd von der Menge begrüßt, Reichspräsident von Hindenburg. Am Haupteingang zum Dom wurde der Reichspräsident von Reichsbischof Müller und der Dom-Geistlichkeit empfangen. Er erwiderte die Grüße mit herzlichem Händedruck und nahm dann dicht vor dem Altar Platz. Nach einem Orgelvortrag des Domorganisten Professor Heitmann, Vorträgen des Domchors unter Leitung von Professor S i 11 a r d und der von Hof und Domprediger D. Doering gesprochenen Liturgie hielt Oberkon- fiftorialrat Domprediger D. Richter die Festpredigt über das Bibelwort eremias I 17/19. Dann folgte eine kurze Ansprache des Neichsbischofs Müller, in der ausführte, Luther habe ohne Gott nicht fein wollen und nicht fein können. Der Kampf um die Wahrheit sei Luthers ganzes Leben. Das sei das typisch Deutsche im Menschen Luther ... In diesem deutschen Kampf habe Luther die Wahrheit wieder für das deutsche Volk entdeckt. Dadurch sei er Inbegriff des deutschen Menschen geworden. Jeder deutsche Mensch müsse nun dem Leben Luthers folgen und den gleichen Kampf Luthers kämpfen. Daher soll am heutigen Luthertag der Rus an Alle ergehen, mit Luther um den inneren Frieden zu ringen. Kundgebung im Lustgarten. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung für den Reformator gestaltete sich in den Mittaasstunden die Mafsenversammlung im L u st g a r - len. Gegen 13.30 Uhr waren sämtliche Festzuge, die sich nach den Festgottesdiensten in den verschiedensten Teilen der Stadt gebildet hatten, im Lustgarten eingetroffen, wo sich gleichzeitig die großen evangelischen Verbände, der Evangelische Bund, die evangelischen Frauenverbände, die evangelischen Jugendbünde und die Gemeindegruppen der Deutschen Christen mit ihren Fahnen, Bannern und Wimpeln versammelt hatten. Zehntausende füllten den weiten Platz, als die Kundgebung unter den Klängen des Badenweiler Marsches und des Deutschlandliedes mit einem Fahnenaufmarsch eröffnet wurde. Nachdem die Fahnen auf und vor der mit den Reichs- und Kirchenfarben, den Fahnen der Deutschen Christen und Tannengrün geschmückten Schloßrampe Aufstellung genommen hatten, führte nach dem gemeinsamen Gesang des Lutherliedes „Ein' feste Burg ist unser Gotr der Direktor des Evangelischen Bundes und Vorsitzende des Arbeitsausschusses des Luthertages, D. Fahrenhorst, einleitend aus, das evangelische Berlin sei zusammsn- getommen, um ein rückhaltloses und freudiges Bekenntnis zum heiligen Evangelium und zur evangelischen Kirche abzulegen. Der Bischof von Brandenburg, Kirchenminister Hossenfelder, erinnerte an das Lutherwort: „Für meine Deutschen bin ich geboren, ihnen will ich dienen". Nach der Einheit des Reiches werde jetzt, 450 Jahre nach der Geburt des Reformators, die einige evangelische deutsche Kirche Wirklichkeit, die bereits Luthers großes Ziel gewesen sei. Nach dem Choral „Nun danket alle Gott" feierte der Bischof von Berlin, D. Karow, Luther als Christen und einen der ganz Großen, die das deutsche Volk je hervorgebracht habe. Er rief die Massen auf, an dem Wort Gottes fest zuhalten, das die Jahrtausende überdauert habe. Nach dem gemeinsamen Gesang der Strophe des Lutherliedes „Das Wort sie sollen lassen stahn" und einem dreifachen Sieg-Heil auf den Reichspräsidenten, den Führer und den Reichsbischof schloß die Kundgebung mit dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel-Lied. Kämpfer um die Wahrheit Gottes. Reichsbischof Müller fordert die Christenheit auf zum Kampf gegen die Lüge für die Herrschaft der Wahrheit. Der große Festakt aus Anlaß des Luthertages versammelte Vertreter der kirchlichen, staatlichen und städtischen Behörden, sowie viele tausend evangelische Christen im großen Saal der Philharmonie. Bundesdirektor D. Fahrenhorst bezeichnete in seiner Begrüßungsansprache die Feier als ein Bekenntnis dafür, daß wir unser Volk und unsere Kirche nicht anders wissen wollen, als aufgebaut auf dem Felsengrund des reformatorischen Glaubens. Universitätsprofessor D. Erich Seeberg gab bann in seiner Festrede eine historische Wertung der Persönlichkeit und des Werkes Martin Luthers, Professor Seeberg nannte Luther den ewigen Deutschen, der das Selbstbewußtsein unserer Nation vielleicht zum erstenmal in sich verkörpert habe. In Luther offenbare sich der Reichtum des deutschen Geistes, die Willenskraft, die Weltüberlegenheit und die Tüchtigkeit, sowie das Suchen nach den ewigen Sternen und der Gehorsam gegenüber den Forderungen des Tages. Seine Gedanken hätten die Geschichte unseres Volkes gestaltet, wie nichts anderes, nicht nur die Kirche, sondern auch die Politik der Deutschen. Von symbolischer Kraft und Bedeutung sei es, daß das erste Jahr im neuen Deutschland ein Lutherjahr sei. Unter einem großen Führer habe man begonnen, abzuschütteln und zu überwinden, was an östlichen und westlichen Einflüssen sich bei uns eingeschlichen hatte. Der Weg, der vor uns liege, sei kein leichter, die Erneuerung Deutschlands und der Kampf um seine Befreiung werde von jedem die Anspannung aller Kräfte und Opfer bis zur Selbstaufgabe fordern. Wir würden aber die Aufgabe erfüllen können, wenn wir neue Menschen geworden wären. Christen, bei denen Treue und Gehorsam, die Bereitschaft, für einander zu leben, und der Wille zum Ganzen eingezogen seien. Die Grüße der Reichsregierung überbrachte Reichsfinanzminifter Graf Schwerin-Krosigk, zugleich mit dem Wunsch, daß das deutsche Volk und die evangelische Kirche zu jeder Zeit und in jeder Lage voller Wahrhaftigkeit sagen können: Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir! Reichsbischof Mütter führte dann u. a. aus: „Aus dem Glauben an das Evangelium entsteht die Kirche. Es kann nicht Reformation der Kirche geben ohne Reformation des Glaubens. Aller Neubau der Kirche ist umsonst, wenn nicht i n ne re Erneuerung die Gemeinden ersaßt. Der Führergedanke in der Kirche darf uns nie d e n a 11 e i n i g e n H e r r n d e r K i r ch e vergessen lassen. Die Einheit der Gesetzgebung und Verwaltung wäre vom liebel, wenn nicht d i e Einheit im Glauben an das Evangelium das Entscheidende ist. Es trifft sich gut, daß mitten in die Kirchenpolitik hinein die Besinnung auf Martin Luther fällt; denn an Luther denken heißt, auf das Evangelium verwiesen werden. Luther feiern bedeutet m Wahrheit nichts anderes, als d a s E o a n g e l i u m verkünden. Eines ging unserem .Reformator über alles: Jesus Christus, der Offenbarer Gottes, die Wahrheit und das Leben. Um diesen Herrn und um das Erleben feiner Wahrheit hat Luther in einsamer Klosterzelle gerungen. Tausendmal hol es Luther wiederholt: Wir empfangen öie Rechtfertigung allein aus dem Glauben. Dieses Erleben und diese Erkenntnis Martin Luthers find d i e tief ff en und lauter ft en Q u e l le n der Erneuerung für unser Dolf.Aus ihnen die Kraft der Wiedergeburt zu schöpfen, wollen wir am heutigen Luthertag aufs neue geloben. Luther hat nicht v o m D e u t f ch - tum her das Evangelium r c furniert, das Evangelium kann überhaupt nicht reformiert werden, es iff ewig. Luther hat mit dem Evangelium die Kirche reformiert und weil er dabei das Evangelium aufs Reue für das deutsche Volk entdeckt hat, darum wurde er vom Evangelium her und als evangelischer Mensch zum Erneuerer des Deutschtums, zum Inbegriff des deutschen Menschen. Luther hat uns wieder verstehen gelehrt, was Glauben bedeutet, was damit gemeint ist, wenn wir sagen: Ich glaube an Gott, ich glaube an das Evangelium. Die meisten Menschen verstehen heute das Wort „Glaube" so, wie sie es im Alltag gebrauchen: sie meinen, Glaube sei ein Fürwahr- halten. Demgegenüber muß es immer wieder von Neuem deutlich und klar ausgesprochen werden: Glauben ist das, was wir heute in unserer Art zu sprechen und zu denken „Vertrauen" nennen. Damit hängt auch zusammen, wie Luther im Leben seiner Zeit und seines Volkes gestanden hat. Alles, was uns von Luther überliefert ist, was er getrieben und gesagt hat, hat er nicht nur gesagt, sondern er h a t es gelebt. Sein Leben war ein immerwährender Kamps um die Wahrheit, d. h. es geht jetzt und in alle Zukunft darum, ob im Leben der Menschen und der Völker die Lüge herrschen soll oder die Wahrheit! Wäre jeder Lhristenmensch an der Stelle, wo er gerade steht, ein ehrlicher, innerlicher Kämpfer um die Wahrheit Gottes, dann würden viele Mißverständnisse, die jetzt Menschen und Völker vergiften, bald überbrückt sein. Darum soll gerade Luthers Geburtstag uns dazu dienen, den Weck- und Mahnruf durch die Welt gehen zu lassen: ein Lhristenmensch der Tat, sorgt dafür, daß wieder im Leben des Einzelnen und im Leben der Völker Gott die Ehre gegeben wird, daß Gottes Wahrheit zur Herrschaft kommt und das Reich in Wahrheit gebaut werde. Die musikalische Umrahmung der Feier bestritten der Staats- und Domchor, der Chor der Staatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik, foroie verichiedene Kirchenchöre. Den Schluß der Feier bildete ein von Professor Alfred Sittard komponierter symphonischer Satz über den Luther- Choral „Ein feste Burg ist unser Gott", dessen letzten Vers die Festoersammlung mitsang. Oie Hessische Landeskirche an den Rerchsbischof. WSR. D a t m ft a b t, 19. Nov. Prälat D. Dr. Dr. Diehl hat namens der hessischen Landeskirche folgendes Telegramm an den Reichsbischof gesandt: „Für das mannhaste Eintreten im Kamps gegen theologische Verirrung und für die Unantastbarkeit des Bibel- Erbes spricht Ihnen die Evangelische Landeskirche in Hessen tiefgefühlten Dank aus." Gegen den Lügenseidzug. Dr. Goebbels fordert Dementi. Berlin, 18. Nov. (TU.) Nach hier eingelaufenen Meldungen bringt die heutige Ausgabe der „Saturüay Review" in London einen Artikel, der mit Dr. Goebbels gezeichnet ist. Unter der Ueberschrift „Deutschlands Ziele — Deutschland verlangt mehr Gebiete" werden in diesem Artikel u. a. Behauptungen ausgestellt, die den Stempel einer groben Fälschung an der Stirn tragen. Reichsminister Dr. Goebbels hat daraufhin an die Redaktion der „Saturday Review" in der vergangenen Nacht folgendes Telegramm ge- schickt: „Erfahre soeben, daß Sie in morgiger stummer einen angeblich von mir geschriebenen Aufsatz unter der Ueberschrift „Deutschlands Ziele — Deutschland verlangt mehr Gebiete" bringen, in denen u. a. Behauptungen über angebliche deutsche Bündnisbestre- bungen ; um Zwecke der Gebietserweiterung und über deutsche Auf - rüstungsabsichten aufgestellt werden. Erkläre hiermit in aller Form, daß ich einen Aufsatz dieses oder auch ähnlichen Inhalts weder für Sie noch für irgend eine andere Zeitschrift jemals geschrieben habe. Sie können also nur einer böswilligen Fälschung zum Opfer gefallen fein. Erwarte von Ihrer Fairneß, daß Sie in Frage stehende Auflage sofort abstoppen, wenn nicht mehr möglich, Dementi vorgenanntem Inhalt englischer Oesfentlichkeit zur Kenntnis bringen, gez. Reichsminister Dr. Goebbels." Wir überlassen es der öffentlichen Weltmeinung, sich selbst ein Urteil zu bilden über biefe plumpen Fälschungsmethoden, die nur dazu erdacht sind, die ehrliche deutsche Friedenspolitik in Mißkredit zu bringen und die ohnehin schwierige Lage Europas durch gewissenlose Brunnenoergiftungen noch mehr zu verwirren. Deutscher Protest in London. London, 16. Nov. (TU.) Die deutsche Botschaft erhob im Auftrag der Reichsregierung beim Ministerpräsidenten Macdonald Vorstellungen wegen des in der „Saturday Review" veröffentlichten Artikels. Der deutsche Vertreter Fürst Bismarck machte darauf aufmerksam, daß derartige Veröffentlichungen den deutsch-englischen Beziehungen nicht förderlich sein können. Die „Saturday Review", die in den vergangenen Jahren mehrfach ihren Besitzer und ihren Redak- tionsftab gewechselt hat, zog sich letzthin den Unwillen englischer Stellen durch die Veröffentlichung eines Artikels der Lady Houston zu, in der sie Angriffe gegen Macdonald wegen dessen Verhalten im Kriege erhoben hatte. Die betreffende Ausgabe der „Saturday Review" wurde deswegen von den öffentlichen Verkaufsstellen zurückgezogen. Das hinderte aber die Redaktion nicht, die Zeitschrift durch Straßenverkäufer vertreiben zu lassen, die große Reklameplakate mit der Aufschrift trugen „Verboten wegen W i c- bergabe der Wahrhei t". Lady Houston, die eine sehr vermögende Dame ist, will den Kampf weiter führen. Sie hat in der „Saturday Review" Macdonald aufgefordert, sie wegen Verleumdung zu verklagen. Der gefälschte Goebbels-Artikel ist offenbar von einer Korrespondenz fabriziert worden, die schon mehrfach angebliche Artikel von Staatsmännern, Politikern und anderen Persönlichkeiten in die Presse brachte, obwohl sie in Wirklichkeit gar nicht von diesen Personen geschrieben worden waren. Auch ein Schritt der deutschen Botschaft in Paris. Berlin, 18. Nov. (WTB.) Die deutsche Bot- schäft in Paris hat die französische Regierung um ihre Vermittlung gebeten, damit die angeblichen Dokumente bzw. deren Faksimile, die der „ Petit Parisien" veröffentlichte, v o r g c l e g t werden. Sie hat in diesem Zusammenhang darauf hingewie- fen, daß, ebenso wie ein internationales Interesse an der Feststellung von Falschmünzerwerkstätten hinsichtlich gefälschter Dokumente besteht, die gleiche Lage gegeben ist und dementsprechend zur Verhinde- ung der Trübung der Beziehungen der Staaten untereinander ein gemeinsames Interesse an der Aufdeckung derartiger U m - stände bestände. Es bleibt nunmehr abzuwarten, ob das Blatt feine angeblichen Dokumente der französischen Regierung oorlegen wird. Nach der Arbeit. Ein Feierabend-Werk der Deutschen Arbeitsfront. Berlin, 18. Nov. (TU.) Am Freitag nachmittag sand eine Sitzung des kleinen Konvents der Deutschen Arbeitsfront statt. Hier teilte Dr. Ley mit, daß ein großes Feierabendwerk der Deutschen Arbeitsfront geplant fei. Nachdem alle Versuche der Vor- und Nachkriegszeit, den Feierabend des Volkes zu organisieren, gescheitert seien, müsse man von ganz neuen Gesichtspunkten an diese Arbeit gehen. Das Tempo der modernen Industrie fordere völlige Entspannung in der Freizeit. Ein Volk, das seine Nerven verliere, sei für den Untergang reif. Man hätte bisher wohl den Alltag organisiert, jedoch an eine umfassende Organisation des Feierabends habe noch niemand gedacht. Was die Arbeitsfront wolle, sei kein Zwang, kein Studium etwa in der alten schulmeisterlichen Art mit Lehrtätigkeit usw. Es solle jeder Gelegenheit bekommen, freiwillig hinzugehen, wohin er wolle. Dort müsse dem Volke das Beste geboten werden, was es auf allen Gebieten der Kunst, des Sports und der Unterhaltung gebe. Die Deutsche Arbeitsfront werde das organisieren und die Freizeit neu ordnen, in einem großen Werke: „N a ch d c r A r b e it" (N D 21.). Alle Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront gehören dieser NDA. automatisch an. Es werden auch keine besonderen Beiträge erhoben. Statt der früheren Streikfonds werde die Deutsche Arbeitsfront jetzt Fonds für das NDA. sammeln. Dr. Ley teilte weiter noch mit, daß am Montag, den 27. November, 16 Uhr, eine große Kund - g e b u n g der Deutschen Arbeitsfront stattfinde, an der sämtliche Minister. Treuhänder der Arbeit. Amtswalter der Arbeit, sowie die Mitglieder des kleinen Konvents der Deutschen Arbeitsfront und alle weiteren maßgeblichen Dienststellen der Partei, der Deutschen Arbeitsfront und NSBO. teilnehmen. Festanzug für die Deutsche Arbeitsfront. Berl.in. 18. Nov. (WTB.) Das Presseamt der Deutschen Arbeitsfront teilt folgende Anordnung des Führers der Deutschen Arbeitsfront mit: Für die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront wird ein Festanzug geschaffen, der von ihnen b e i allen Veranstaltungen der Deutschen Arbeitsfront getragen wird, ebenso ein Abzeichen, das immer zu tragen ist. Der Festanzug ist von dunkelblauer Farbe und besteht aus einem zweireihigen Rock und langer Hose, dazu eine blaue Tellermütze in der Form der Schirmmütze der alten Armee, an der sich anstelle der Kokarde das gestickte Abzeichen der Deutschen Arbeitsfront befindet. Das Abzeichen besteht aus einer runden Plakette, ein Zahnrad darstellend, in dem sich das Hakenkreuz befindet. Zu dem Anzug wird ein weißes Oberhemd und Kragen mit schwarzem Binder getragen. Schwarze Schuhe vervollständigen den Anzug. Der Festanzug kann von dem Schneidergewcrbe ongefertigt werden nach Maßgabe der Vorschriften der Reichszeugmeisterei. Wie es in einer weiteren Anordnung heißt, soll dieses Ehrenkleid den schaffenden deutschen Menschen ohne Unterschied des Standes als Mitglied der deutschen Volksgemeinschaft kennzeichnen und damit seine Stellung als vollwertiges Glied der Gesellschaft festlegen. Das Winterhilfswerk der Hitlerjugend. Auch der Reichspräsident nagelt ein Wappenschild. B e r l i n, 19. Roo. (TU.) Berlin stand am Sonntag im Zeichen der Hitlerjugend, die mit der Nagelung der Hitlerjugend-Wappenschilder für die Winterhilfe mit der Tat eintrat. Durch jeden Nagel flössen der Winterhilfe fünfPsennig zu. Von der Bevölkerung wurde diese großzügige Aktion mit Begeisterung unterstützt und schon am frühen Morgen setzte überall rege Tätigkeit ein. Am Platz vor dem Reichstag und vor dem Brandenburger Tor erschienen zahlreiche Regierungsmitglieder, um hier die Nagelung oorzuneymen. Am Brandenburger Tor hielt der Reichssportführer von Tschammer und Oft en eine kurze Ansprache, in der er darauf hinwies, daß die Idee der Nagelung den Sozialismus der Tat verkörpere. Nach G r a f L u ck n e r, der ebenfalls von allen begeistert begrüßt wurde, er- schien Reichsminister Dr. Goebbels und nahm unter dem Jubel der Bevölkerung die Nagelung vor. Inzwischen hatte sich eine Abteilung des Unterbannes West in die Vorhalle des Reichspräsidentenpalais begeben, wo auch der Reichspräsident seinen Willen zeigte, mit der Jugend gegen Hunger und Kälte zu kämpfen. Auf dem Alexanderplatz nagelte der Berliner Polizeipräsident von Levetzow und vor dem Rathaus kamen bekannte Kommunalpolitiker und Derwal- tungsbeamte ihrer Nagelpflicht nach. Auf dem Horst- Wessel-Platz waren alle Formationen des Bannes 202 angetreten und begrüßten den Reichsjugend' führer Ba l d u r v 0 n S ch i r a ch, der hier die Na- ielung oornahm. Auch der Potsdamer Platz bot ein elienes Bild. Hier fand wie auch auf anderen Zlätzen ein Platzkonzert statt. Baldur von Schwach dankt der Jugend. Berlin, 19. Nov. (CNB.) Nach dem so erfolgreichen Abschluß des Tages der Jugend für das Winterhilfswerk richtet der Reichsjugendführcr Baldur v. Schirach folgende Dankesworte an die nationalsozialistischen Iugendverbände: „Kameraden der Hitlerjugend, des Jungvolks und des Bundes deutscher Mädels! Durch Euren unermüdlichen Einsatz ist der Tag der Jugend weit über meine Erwartungen h i n- aus erfolgreich gewesen. Ich danke Euch tief beglückt für diese Eure selbstlose Tat, durch die Ihr Zehntausende vor Hunger und Kälte bewahrt habt, das ganze Volk aber mit einer neuen Offenbarung unserer heiligen Kameradschaft beglückt habt. Ganz Deutschland ist stolz auf Euch. Heil Hitler! Euer Baldur 0. S ch i r a ch. Berlin, den 19. November 1933." Fünf Lahre schweren Kerkers für den Doiluß-Attentäter. Wien, 18. Nov. (WTB.) Der Prozeß gegen den Dollsuß-Attentäter Bertil fand heute vor dem Schösfensenat des Landgerichtes Wien I statt. Der- tll, der 22 Jahre alt ist, hat, wie erinnerlich, am 3. Oktober d. I. in der Vorhalle des Parlamentes zwei Revolverfchüfse aus nächster Nähe auf den Bundeskanzler Dr. Dollfuß abgegeben, und diesen unerheblich verletzt. Bertil wollte durch das Attentat die Aufmerksamkeit der Oesfentlichkeit auf seinen Stiefvater Br. Raimund Günther lenken, der nach Ansicht des Täters allein in der Lage sei, Oesterreich aus den Schwierigkeiten zu befreien, in denen es sich befinde. Die Anklage lautet auf Mordversuch, während D. jede Tötungsabsicht bestreitet. Auf eine Frage des Vorsitzenden erklärt Bertil, er sei Anhänger der Heimwehr gewesen, erst als diese ihre Mission nicht erfüllte, habe er sich gedacht, vielleicht seien die Nationalso- zialisten imstande, das ganze System zu beseitigen. Als Partei habe er die Nationalsozialisten ab- gelehnt, da sie die Juden bekämpfe und den An- schluß wünsche. Dies habe mit seiner Ueberzeugung nicht übereingestimmt, und deshalb sei auch er mit- der ausgetreten. Daß er keinRational- s 0 zialist sei, gehe am besten daraus hervor daß er mit seinem eigenen Bruder wegen dessen Zugehörigkeit zur Partei in Streit lebe und ihn sogar einmal der Polizei übergeben habe. Er habe mit keinem Menschen vorher über die Tat gesprochen. Auch habe ihn niemand dazu veranlaßt. Er habe auch mit keinem Nationalsozialisten über den An- schlag gesprochen. Bertil wurde wegen versuchten Mordes zu fünf Jahren schweren Kerkers mit einem ^a'l tag vierteljährlich und mit Dunkelarrest an jedem 3. Oktober verurteilt. Oer Tag des Deutschen Handels in Braunschweig. Branschweig, 18.Nov. (TU.) Die Vorbereitungen Braunschweigs zum Tag des Deutschen Han- dels hoben alle Erwartungen übertroffen. Nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in den äußeren Stadtteilen sieht man keine Straße, kein Haus, ja kein 5 e n ft e r ohne Schmuck. Am Bahnhof sind große Lautsprecher ausgestellt, die den Verkehr, der bereits in den Vormittagsstunden gewaltig anschwoll, regeln. Als erster Sonderzug traf eine ansehnliche Schar lustiger Schwaben aus Stuttgart ein und dann folgte SonderzugaufSonder- z u g. In der Stadt selbst sind markante Gebäude aus der Hansazeit nachkonstruiert und geben Braunschweig wieder das Ansehen einer mittelalterlichen Stadt. Bereits am Nachmittag traten zahlreiche Spitzenverbände zu Sondersitzungen zusammen und neben ihnen für sich etwa 5 0 Reichs- f a d) f d) a f t e n zu Beratungen. Der R e f 0 f e i, Reichsverband Deutscher Kaufleute des Kolonialwaren-, Feinkost- und Lebensmittel-Einzelhandels e. v., die einzig anerkannte Berufs- und Fachorganisation des mittelständischen Lebensmitteleinzelhandels, hatte einen großen Teil der an dem Tag des Deutschen Handels teilnehmenden Mitgliederkreise aus allen Teilen des Reiches ebenfalls im „Hofjäger" zu einer Führertagung versammelt. Auch der Reichsoerband des Deutschen Groß- und Ueberseehandels hielt am Nachmittag in der Stadthalle eine Tagung ab, auf der die hanseatischen Wirtschaftsführer Reden programmatischen Inhalts hielten, so Staatsrat C. C. Fritz Meyer, der regierende Bürgermeister Hamburgs, Carl Vinzenz Krogmann, der Präsident der Hamburger Handelskammer, H. V. Hübbe, der Vorsitzende des Vorstandes der Hamburg-Amerika-Linie, Max O b 0 u s s i e r sowie der Vorsitzende des Vereins Hamburger Exporteure, Heinz H. E. Justus. In Anwesenheit des Führers der Deutschen Arbeitsfront, Staatsrat Dr. Ley, und des Führers des Reichsstandes des deutschen Handels, D r. von Diente In, fand am Samstagabend im Braun- schweizer Landestheater die feierliche Eröffnung des Tages des deutschen Handels statt. Der braunschweigische Ministerpräsident Klanges begrüßte die Versammlung, auf der die Einheit und (3c- chlossenheit des deutschen Handelsstandes und seine chicksalhafte Verbundenheit mit der Volksgemein- chaft bekundet werden solle. Der Nationalsozialismus habe dem Menschen seine beherrschende Bedeutung für die Wirtschaft wieder zuerkannt, nicht die Ware sei der wirtschaftliche Wert, sondern allein der Mensch. Aus seiner Mittlerstellung zwischen Hersteller und Verbraucher erwachse dem Handel eine ungewöhnliche wirtschaftliche Macht, die vom Kaufmann ein besonderes hohes Verantwortungsbewußtsein und eine besondere Charakterfestigkeit erfordere. Nach weiteren Begrüßungsworten des Oberbürgermeisters von Braunschweig, Dr. Hesse, sprach der Präsident der Handelskammer Braunschweig, Generaldirektor Schuberth. Kriegs-^ und Nachkriegszeit mit ihren gewaltigen Umwälzungen auf allen Gebieten hätten der deutschen Wirtschaft schwere Wunden geschlagen. Profitsucht und Materialismus hätten ständig wachsend die Oberhand gewonnen und die ideellen Grundlagen des deutschen Wirtschaftslebens zerstört. Aus solchem Erkennen sei bestimmend an dem Beginn des deutschen Freiheitskampfes die Rückkehr zu Treu und Glauben getreten. In der Geschlossenheit der äußeren Gestaltung durch den Reichsstand des Deutschen Handels, in dem inneren Zusammengehörigkeitsgefühl und der inneren Verbundenheit mit dem Volksganzen ruhe das lebendige heilige Bekenntnis des deutschen Handels, sich für den Wiederaufstieg des Volkes einzusetzen. Diesem Wol- len den weitesten Widerhall in der Oesfentlichkeit zu schaffen, diene der Tag des Deutschen Handels. Kundgebung des Einzelhandels. Im Rahmen des Tags des Deutschen Handels veranstaltete die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels am Sonntag- nachmittag in der Stadthalle eine Kundgebung, bei der der Präsident der Hauptgemeinschaft Paul Freudemann betonte, Aufgabe des Einzelhandels sei es, das deutsche Volk mit allen Waren zu versorgen, die deutscher Gewerbefleiß auf den Markt bringt. Die Einzelhändler seien der Treu- händer für die Hälfte des deutschen Volkseinkommens, das ihm seine Kunden anvertrauen. Aufgabe des Einzelhandels fei es ferner, einer Erweite- rung des Verbrauchs durch stabile Preise zu dienen. Der Einzelhandel werde alles daran setzen, um eine Verteuerung der Lebenshaltung zu vermeiden, soweit dies in seinen Kräften liegt. Der Redner brachte den Wunsch zum Ausdruck, daß die Reichsregierung auch weiterhin die Bemühungen des Einzelhandels, Kaufkraft und Preise in Einklang zu halten, durch eine allmähliche Stärkung der Kaufkraft unterstützen möge. Als geeignete Wege dazu bezeichnete er u. a. eine schrittweise Senkung der Einkommensteuer. Präsident Freudemonn forderte weiter eine Neu- ordnung im Einzelhandel, nach der die Eröffnung von Ladengeschäften nur dem gestattet sein dürfe, der die erforderliche Warenkunde und ausreichende allgemeine Kenntnis besitze. Sie volkswirtschaftliche Ausgabe des Handels als Mittler zwischen Erzeugung und Verbrauch. Präsident Or. von henkln spricht auf einer großen öffentlichen Kundgebung. Am Sonntag fand der Tag des deutschen Handels mit dem Aufmarsch der fünf im Reichsstand des Deutschen Handels vereinigten Säulen auf dem Leonhardsplatz feinen Höhepunkt. Dort oer- fammelten sich um die Mittagsstunde weit über 100 000 Personen zu einer großen Kundgebung. Nach einleitenden Worten des Geschäftsführers des Reichsstandes des Deutschen Handels, Hermann von Dewitz sprach der Präsident des Reichsstandes des Deutschen Handels, Dr. von 2Renk n Der deutsche Handel umfaßt rund 1 V« M i l- lion Betriebe, in denen rund 9 Millionen deutsche Volksgenossen Arbeit und Brot finden. Die weitaus überwiegende Mehrzahl der Handels- Unternehmungen sind mittel st ändische Betriebe, in denen eine ungeheure große Anzahl Heiner und mittlerer selbständiger Unternehmer tätig ind. Das ist wichtig, weil der Nationalsozialismus ich zum Privateigentum und zur freien Entfaltung )er Privatinitiative bekennt. Jeder vernünflige Mensch wird anerkennen, daß die prioalinitialioe der mächtigste hebel einer gesunden wirtschaftlichen Entwicklung ist. Ans Gründen des Gesamtwohles des Deutschen Volkes und nicht aus Gründen des Interesses einer einzelnen Gruppe ist die J e ft i g u n g und Ausbreitung einer großen mittel- ständischen Schicht, wie wir sie im han- bei zum großen Teil verwirklicht sehen, ein unabweisbares Erfordernis. In ihr ist noch der lebendige Zusammenhang zwischen dem Unternehmer und dem Angestellten und Arbeiter vorhanden, weiterhin sind durch solche Betriebe den Angestellten, Arbeitern und Lehrlingen in höherem Maße Aufstiegsmöglichkeiten gegeben, als durch irdgendeine andere Betriebsform. Ls entspricht dem nationalsozialistischen L e l - stungsprinzip, daß dem Träger besonderer Leistungen auch Aufstiegsmöglich- teilen gegeben werden, damit sich seine Leistungen in größerem Rahmen zum Ruhen des Volkes auswlrken können. Und schließlich bilden solche kleinen und mittleren Betriebe eine viel fta b 11 e r e Grundlage einer Volkswirtschaft, die in Zeiten der Krisen und Röte besser als andere standhalten und in Zeiten der Blüte und des Aufschwungs nicht zu jenen überhitzten und übersteigerten Wucherungen neigen, die notwendigerweise zu Rückschlägen in der Volkswirtschaft führen. Alle diese Eigenschaften machen diese mittelständischen Handelsbetriebe zu einem besonder- wertvollen wirtschaftlichen Träger des Volkslebens. Dort, wo die kleinen und mittleren Betriebe die gestellte wirtschaftliche Ausgabe vollauf bewältigen, so insbesondere im Einzelhandel, sind mammutartige Großuntemehmunaen nicht am Platze. Manche Dinge jedoch auf diesem Gebiet kann man nicht von heute auf morgen übers Knie brechen. Von der Verwirklichung des nationalsozialistischen Programms aber wird der Nationalsozialismus niemals und unter gar keinen Umständen auch nicht um Millimeterbreite abweichen. Der Zusammenschluß zum Reichsstand des Handels ist die Erfüllung der tiefen Sehnsucht aller Handelskreise Deutschlands: seine Tradition auf der Grundlage des Dienstes am Volke, eines stolzen Standes- und Pflichtenbewußtseins zu erneuern und zum Ausdruck zu bringen. Die Aufgabe des Kaufmanns ist es nicht, Waren ober Leistungen 1 hereinzunehmen, nur um sie mit einem Profit, ungeachtet der anderen Umstände, wieder loszuschla- gen. Der deutsche Handel ist Treuhänder und Mittler dafür, daß das deutsche Volk, das Güler hervorbringt, auch seine Bedürfnisse in geeigneter Weise durch diese Güter befriedigen kann. Der Handel ist ein ebenso nützliches und produktives Glied der deutschen Volkswirtschaft, wie die gütererzeugenden Stände. Weil er die Dinge, die dos Volk zum Leben braucht, nicht selbst erzeugt, sondern den Kreislauf der Güter bewältigt, ist er nicht weniger wichtig. Der handel ist bann notwendig und nützlich, wenn er nicht dem Spefulantenfum, sondern der doppelten Ausgabe, einmal dem Verbraucher und zum anderen der Erzeugung, dient. Jeder auftauchende Käufer Ist für den handel nicht eine Gewinnmöglichkeit, sondern ein deutscher Volksgenosse, für Öen der handel ein Treuhänder ist. Der Kaufmann muß den Käufer aufklären und orientieren, er muh Ihn anleilen und veraten. er muß Ihm Vergleichsmöglichkeiten geben, er muß ihnr dienen durch Vermittlung von Qualitätswaren und -gütern und nicht durch Verschleuderung von Schundwaren seinen Lebensstandard ruinieren. Der Kaufmann muß ein ausreichendes Lager von frischen und wohlerhaltenen waren führen. Er muh seinen Betrieb pfleglich und sorgfältig ausgestalten. Er muß die Ar- beitssreudigkeit aller Betriebsangehörigen durch entsprechende Gestaltung der Betrlebsverhält- nlffe als ein kostbares Gut fördern, denn der Käufer ist nicht für den handel, sondern der handel für den Verbraucher da. Aber auch her (Erzeugung muß der handel dienen dadurch, daß er sie über die wünsche und Bedürfnisse der Verbraucherschasl orientiert, daß er ihr die Richtung weist, daß er ihr das Risiko abnimmt, daß er ihr Anregungen über neue Methoden, Ziele und Güterarten gibt und ihre neue Möglichkeiten eröffnet Jahrhundertelang hat der deutsche Handel als Stand sein Schild rein und makellos erhalten und wie bas deutsche Volk den Makel und die Schande der letzten 14 Jahre von sich abgestreift hat, so wollen auch wir nicht unwürdige Enkel unserer Vorväter sein, sondern bas Schild des deutschen Hanbelsstanbes wieber befreien von allem Unreinen unb zum alten (31 a n 3 und zur alten Ehre hinaufführen. Das fei unser Gelöbnis an unseren Führer in dieser Stunde: un.'r- müdlich in dem Geiste zu wirken, den wir alle erhalten haben von unserem Führer Adolf Hitler! Nach der Rede Dr. von Rentelns, die mit stürmischem Beifall ausgenommen wurde, überbrachte Staatssekretär Feder die Grüße der Reichsregic- rung unb bes Reichswirtschaftsministeriums. Als- bann sprach, von stürmischem Beifall begrüßt, ber Schirmherr ber Veranstaltung Staatsrat D r. Ley. Er trat ber Auffassung entgegen, als ob bas beut- sche Volk ober seine einzelnen Stönbe in ben letzten vierzehn Jahren Schmach unb Schande auf sich geloben hätten. Nicht bas Volk, fonbern feine Führer seien für bie Vergangenheit verantwortlich. Unb so solle man auch nicht ben Kaufmann unb ben Hanbel anklagen, baß er materialistisch sei, fonbern bie Elemente, bie ihm Unehre gebracht hätten. Dr. Ley schloß mit einem brei- fachen Sieg-Heil auf ben Führer. Die Menge fang bas Horst-Wessel-Lieb. Anfchließenb bilbete sich ber historische Festzug, an bem sich runb 300 Festwagen beteiligten. In ben Straßen Braunschweigs hatten sich schon währenb der Äunbgebung auf bem Leonhardsplatz weit über 100 000 Personen anye- sammelt, bie zu beiben Seiten ber Straßen Spalier bilbeten, um ben großartigen Festzug zu sehen. Hilflosigkeit in Genf. Vor einer weiteren Vertagung der Konferenz bis zum Januar. Simons Stellung gefährdet. Genf, 19. Nov. (TU.) Die vom Präsibenten Henberfon einberufene Mächtebesprechung begann am Sonntagnachmittag. An ber Besprechung nahmen teil: Paul-Boncour, Simon, Eben, Massigst, Soragna, Benesch, ber amerikanische Gesandte Wilson unb ber Direktor ber Abrüstungsabteilung, Aghnibes. Von italienischer Seite würben ernste Befürchtungen über bie Weiterführung ber Abrüstungskonferenz in ber bisherigen Form zum Aus- bruck gebracht. In ber amtlichen Verlautbarung über bie Sitzung heißt es: Der Präsident gab einen DoUftänbigcn Uebcrblitf über bie Lage unb bezog sich hierbei auf bie Beschlüsse bes Hauptausschufses vom Juni, in benen auf bie Notwenbigkeit hinge- wiesen würbe, ein größeres Maßgemein- famer Derstänbigung vor bem Beginn ber zweiten Lesung bes englischen 2lbrüftung5entrourfs zu erreichen. Er erwähnte kurz bie letzten Bemühungen, um bie gegenwärtigen Schwierigkeiten zu oerminbern. Nachbcm jeber einzelne Vertreter seinen Stonbpunkt bargelegt hatte, würbe vereinbart, am Montag zu einer neuen Sitzung zusammenzutreten. Nach ber offiziellen Mächtebesprechung fanben zahlreiche Einzelunterrebungen statt. Aus englischer Seite werben bie Gerüchte über eine bevorstehende R 0 mreise des englischen Außenministers zunächst noch energisch b e m e n t i e r t. Als Ausweg soll man in englischen unb französischen Kreisen bie s Vertagung bes Hauptausschufses vom 14. Dezember auf ben 3. Januar erwägen. Der viel erörterte (Bebaute einer Diermächle - k 0 nferenz außerhalb Genfs scheint Infolge bes französischen Wiberstandes unb englischer Befürchtungen noch nirgenbs birett behanbelt worben zu sein, besonbers ba bie italienische Regierung sich eine aussallenbe Zurückhaltung auferlegt unb mit bem zwangsläufigen Zusammenbruch ber Genfer Verhandlungen rechnet. Eine Vertagung ber Abrüstungskonferenz bis Anfang nächsten Jahres würbe ben Rücktritt bes Präsibenten Henberfon oon neuem zur Debatte stellen unb gleichzeitig eine ernste Gefährbung ber an sich schon debrohten Stellung Simons bebeuten. „Daily Heralb" spricht von einem „inspirier- t e n Feldzug" gegen Simon, ber ursprünglich oon Doroningftreet 10 (ber Dienstwohnung Mac- bonalbs) ausgegangen sei unb von gewissen Mäch- ten im Foreign Office geförbert werbe. An ber weitverbreiteten Unzufriedenheit mit der Politik Simons bestehe kein Zweifel. „Morning Post" meint, wenn Simons jetzige Mission in Genf, Deutschlands Rückkehr zur Abrüstungskonferenz zu erreichen, mißlingen sollte, bann dürfte eine gespannte Lage entstehen. Man habe bie Empfindung, daß ein Rückschlag in Genf unter ben jetzigen Umftänben Simon zum Rücktritt oer- a n la (f e n könnte. Oie Einheitsfront endgültig liquidiert. Tas Echo der Pariser Presse. Paris, 20.Nov. (WTB.-Funkspruch.) Die ®en- fer Berichterstatter ber großen französischen Rach- richtenpresie stimmen barin überein, baß man auf die Vertagung ber Abrüstungsarbeiten bis zum Januar ober, wie ber „Matim sich ausbrückt, ad calendas graecas hinsteuere unb eine Einigung über bie weitere Behandlung nach der gestrigen Aussprache so aut wie unmöglich erscheine. Italien erkläre bie Fortsetzung ber arbeiten für zwecklos. England vertrete bie Auf- sassung, baß wegen bes Rücktritts Deutschlands bie im September angenommenen Grunbsätze nicht mehr tragbar feien. Amerika verhalte fid) refer- viert unb nur Frankreich halte an ber These, baß bie Arbeiten im Genfer Rahmen fortge- führt werben müßten, fest unb wolle bie Verantwortung für eine Vertagung ben anderen überlassen. „Die Einheitsfront", schreibt bas Echo be Paris, „bie übrigens nur in ber Einbildung Paul-Boncours beftanb, ist also endgültig liquibiert worben." — Die Vertagung auf ben Januar, meint „Petit Parisien", könnte vielleicht eine Ruhepause schaffen, in ber sich vielleicht bas Mittel finben läßt, anderwärts DerHand- langen, an denen Deutschland teil- nehmen könnte, aufzunehmen. „Matin rechnet mit einer auf wenige Mächte beschrankten Abrüstungskonferenz unter Beteiligung Deutschlands in Italien. Diese Konferenz Hobe mit der ftanzostichdeutschen Aussprache nichts zu tun. Denn bciipicls- weise bas Saarproblem unb anbere Fragen konnten nur zwischen beiden Ländern geregelt werden. Opposition gegen Simons Abrüstungspolitik. Ehurchttt und «mcry kritisieren die Reise nach toenf. London, 17. Nov. (WTB.) Winston Chur, chill frittierte in einer Rebe ben Beschluß der Regierung, Sir John Simon und Eden nach Genf zu senden.England solle sich bamtt zufrieden geben. eig. Neu. ^ffnung Mütf?9 U5reiienbe b vühlich, lonbtrn m Bet- Srjeu- iNtr iff öglidjttif, für Öen mfmoim ieten, ex mtz ihm mtz ihm' itsroaxen eubenmg dard tui- usteichev- erhaltenen :b pfleglid) 8 die!lr. igen durch rbsoerhäll- denn btt nöem der her da. der haute Düufche iaft otien- dah et ihr Inregangen Süterartea eröffnet Handel als galten unb bie ödjatte ’ift N- f° ’d unterer > beutln Mm YLn- unb zur i unter ®e- itunbe: im’r» len wir alle Adolf Wer! die mit ftür« i, überbrachte r Reichsregie- leriums. Ws- begrüßt, der atDr.Le!). ob das beut' inbe in den nd Schande Ml sondern nheit verant' den Stauf* - et malern« > ihm Unehre t einem drei- e Menge sang liöete sich d^ und 300 Fest' graunliW’O5 bung auf dem erfonen °n9e’ raffen Spalier jü sehen. ’tlü * kbung. i°rzufch/g, AM. tote her. ’ann. Der produktive; e d>e guter. 9C> die do; ^eugt, fon« 'ewöltigt, ist 4 man auf M bis M ausbM4^ inb eme A rnogllch^. efeur8hie Zluf- •trele W nen $ren "g cnVauf de" *?> •ffsidii da» i mellen d. ! 11; fjetb."- Mvne ?*** ÄL röt" naAet>6n* ufriedE" ö Berlin, 18. Nov. (WTB.) Zu Beginn der tzung wird der Zeuge Paul Kemptner erklären mit groß Untersuchungshaft vorgeführt und unter Zeit der Angeklag! i der Vereidigung vernommen. Er erklärt nicht verlasse Samstagsitzung aus der ist. Wettervoraussage. das 6 ^parc nicht an&cht! und in der Pförtnerloge Dienst gehabt. Sie erklären mit großer Bestimmtheit, daß in dieser ~ ..jte Torgler den Reichstag __________ssen habe, sie hätten es sonst bemerken müssen. Auf Fragen der Verteidigung erklären beide Zeugen, daß sie den Angeklagten van der Lubbe niemals im Reichstag g e - Letzter Berliner Verhandlungstag im Reichstagsbrandsiisterprozeß. Lorteswahien in Spanien. In Erwartung eines Rucks nach rechts. Madrid, 19. Nov. Die Wahlen zum spanischen Landtag sind den offiziellen Erklärungen zufolge im allgemeinen ruhig verlaufen. Außer vereinzelten Stö« rungsoersuchen durch Linkselemente, die in verschiedenen Dörfern Wahlurnen zerschlugen und anti- marxistisch eingestellte Wähler mit Schußwaffen an der Ausübung ihres Wahlrechtes hindern wollten, sind infolge kommunistischer Gewaltakte bisher mehrere Tote zu beklagen. Eine besonders verabscheuungswürdige Mordtat begingen die Kommunisten in Bilbao, wo sie einen wehrlosen alten G e i st l i ch e n anfielen, mit P i st o l e n - schüssen nieder st reckten und dem Toten noch ihre Messer in den Leib stießen. In Sevilla überfielen etwa 20 Personen, vermutlich Gewerkschaftler, ein Wahlbüro, und im Verlauf einer sich entwickelnden Revolverschlacht wurden sechs Angehörige der Rechtsparteien getötet. Aus den bisher vorliegenden Wahlergebnissen kann man noch keinen Eindruck der politischen Orientierung gewinnen, obwohl man glaubt, daß die st arte Beteiligung der weiblichen Wähler einen Ruck nach rechts wahrscheinlich macht. Kurz vor Mitternacht ist das Kabinett zur Beratung zusammengetreten. Um 1 Uhr gab der Innenminister folgende Erklärung ab: „Uns liegen bisher nur Teilergebnisse vor, die eine Voraussage nicht gestatten. Fest steht nur, daß in mehr als 30 Wahlkreisen ein zweiter Wahlgang notwendig sein wird." Um Mitternacht wurden an verschiedenen Stellen der Hauptstadt polizeiliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen, die zu dem Gerücht Anlaß gaben, daß ein Militäraufstand bevorstehe. Die Führer der Vereinigten Rechten sind der Ansicht, daß die Kandidaten der Rechtsparteien einen gewaltigen Sieg davongetragen haben. Sie hoffen annähernd 200 Sitze erobert zu haben. Dr. G o e b b e l s am 15. November 1933 wird von Wachsplatten wiederholt, und zwar am Montag von 20 bis 21 Uhr durch den Norddeutschen und Mitteldeutschen Rundfunk, am Mittwoch von 20.50 bis 21.50 Uhr durch den Deutschlandsender. * Im Ater von 77 Jahren starb am Sonntagabend in Rom nach kurzer Krankheit der Senator Victor S c i a l o s a, der bedeutendste italienische Jurist und vielfache Vertreter Italiens in Genf. Scialoja begann feine Laufbahn als Lehrer des römischen Rechts, an zahlreichen Universitäten nach dem Krieg. Er hat sein Vaterland in Genf und in anderen Orten oftmals vertreten. Seemannsiragödie in -er Nordsee Oer Untergang des deutschen Motorschiffs ».Kreuzsee".-Zehn Mann ertrunken, em Ueberlebender. Klarheit über die Rechtslage geschaffen wird, müssen die Verfahren binnen sechs Monaten seit dem Inkrafttreten des Gesetzes eingeleitet sein. 3m Kattowiher Oeutchtumsprozeß Schulrat Ousek tteigespiochen. Kattowitz, 18.Nov- (CNB.) Dor dem Bezirksgericht Kattowitz fand die Berufungsve^ lung gegen Schulrat a. D. Düse k vom Deutschen Volksbund statt. Nach etwa zweistündiger Prozeßdauer wurde Dusek freigesprochen. In dem Preetz spielte ein Brief mit Nachrichten über Mi ttarische Satzungen eine Rolle, der mit .emem Anschre.ben dem deutschen Generalkonsulat m Kattowitz übermittelt worden sei. Dieser mit „D. unterzeichnete Brief sei von einem Agenten der polm- schen Spionagen bwehr photographiert seine Pflichten als Mitglied des Völkerbundes zu erfüllen und sich nicht unangemessen in den Vordergrund zu schieben, es sei denn, daß es die Verantwortlichkeit der Führerschaft und alle ihre Folgen tragen wolle Sein Rat gehe dahin, den ganzen unheilvollen Schein der Abrüstung fallen zu lassen, wenn Gefahren, Haß und Eifersucht so groß seien Auch Amery, der frühere Erste Lord der Admiralität im Kabinett Baldwin, trat gegen die Fortsetzung der Abrüstungspolitik der Regierung auf. Simons Erklärungen hätten klar erkennen lassen, daß die Abrüstungskonferenz tot sei und daß es zwecklos wäre, sie zu neuem Leben zu erwecken. Es wäre im Augenblick besser, die Abrüstungskonferenz beiseitezuschieben und öffentliche Erörterungen aller Art zu vermeiden, um den heilenden und ernüchternden Anstrengun- den der Diplomatie Gelegenheit zu geben. Ein gewisses, nur durch gegenseitige Verständigung beschränktes Maß der Aufrüstung für Deutschland ohne Auferlegung der Beschränkungen einer Abrüstungskonvention auf die anderen Mächte sei nach seiner Ansicht der einzig praktische Weg, um eine bessere Stimmung in Europa zu schaffen. A m st e r d a m, 19. Roo. (IM.) 3n Rotterdam ist am Sonntagmorgen der Dampfer „Egeria" aus Danzig eingetrosfen. Er hatte an Bord den aus Bremerhaven stammenden schwerkranken 1. Maschinisten S ch w i n d t von dem deutschen Motorschiff „k r e u z s e e“ und die Leiche des aus Minden lammenden 2. Maschinisten fi i n L Die „Kreuzfee", die sich von Hamburg nach London unterwegs befand, ist am Freitag gegen 22 Uhr auf der höhe von Borkum gekentert. Es kann als sicher angenommen werden, daß von den elf Mann Besatzung nur der 1. Maschinist am Leben geblieben ist. Am Samstag gegen 5 Uhr hörte ein Matrose der „Egeria" Hilferufe. Als man mit Scheinwerfern das Meer absuchte, entdeckte man auf der sehr hochgehenden See ein Boot mit drei Menschen. Der Dampfer hielt fofort auf das Boot zu, doch dauerte es über eine Stunde, bis man das Boot längsseits hatte. In diesem Augenblick gelang es einem der Schiffbrüchigen, die Reeling der „Egeria" zu ergreifen, so daß er gerettet werden konnte. Inzwischen war aber das Boot von den Wellen wieder fortgeschlagen worden. Erst nach Verlauf einer weiteren halben Stunde hatte man das Boot wieder längsseits. Der 2. Steuermann der „Egeria" sprang hinüber, und es gelang ihm, einen Mann, der inzwischen bereits gestorben war, zu bergen. Der dritte Mann, der vermutlich auch nicht mehr am Leben war, war bereits fort« gespült worden. Jn wenigen Minuten gesunken Ueber den Schiffbruch der „Kreuzsee", dessen Kommando bei dem 27jährigen Kapitän Jan Hase aus Utefen an der Elbe lag, werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Die „Kreuzsee" geriet Freitagabend in einen Sturm und schlug erroa um 22 Uhr um. Die elfköpfige Besatzung hatte gerade noch Zeit, in die beiden Rettungsboote zu springen. Das erste Rettungsboot mit fünf Mann wurde bald darauf gegen die Schiffswand der ,Kreuzsee" geschleudert und ging in Trümmer. Die Insassen tarnen dabei ums Leben. Das andere Rettungsboot mit sechs Mann wurde am Samstagnachmittag gegen 17 Uhr, nachdem es längere Zeit auf der Nordsee hin- und hergetrieben worden war, von der Besatzung des deutschen Dampfers „Egeria" entdeckt. Der gerettete Maschinist sagte, daß der Untergang der ,Kreuzsee" sich binnenwenigen Minuten abspielte. Er selbst konnte sich aus seiner Koje mit fünf anderen in ein Rettungsboot begeben. Sieben Stunden lang war das Boot in der sehr kalten Nacht ein Spielball der Wellen. Die Schiffbrüchigen wurden einer nach dem anderen bewußtlos über Bord gespült. Allein der 1. Maschinist, ein sehr kräftiger Mann, konnte durchhalten. Er wurde in einem Rotterdamer Krankenhaus ausgenommen. und sott den Beweisgegenstand der Staatsanwaltbilden. In den früheren Instanzen war Schulrat Dusek zu 1'/- Jahren Gefängnis verurteilt worden. In der Begründung des Berufungs-Urteils wird heroorgehoben, daß der auf dem Brief ah das deutsche Generalkonsulat befindliche Buchstabe D. nicht ausreiche, um nachzuweisen, daß das Material von Dusek geliefert worden sei. Kleine politische Nachrichten. Reichskanzler Adolf Hitler begab sich zu kurzem Aufenthalt nach dem Ob er salz berg bei Berchtesgaden. In feiner Begleitung befand sich u. a. der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß. * Die Rundfunkübertragung der feierlichen Eröffnung der Reichskulturkammer durch Reichsminister Das Gesetz gegen Mißbrauch bei der Ehe und Annahme an Kindes G a he, ourchlo lorilam f1 bie bei M fl s? Jj kb einer Loewe stand etwas Im Hintergrund, so würgte es ihn in der Kehle. So also kam der Gebieter zurück --so! Aber seinen Gedanken nachzuhängen war jetzt keine Zeit, denn Hamstead winkte ihm grüßend zu. „Was stehst du denn abseits, Loewe? Ich bin noch ein bißchen grauer geworden, nicht wahr? Aber das macht nichts. Das große Gepäck kommt erst nach! Aber die Handtasche kannst du heraushoken." Er zeigte in das Abteil und lächelte noch einmal, als er das kummervolle Gesicht des Bedienten überflog. Mit dem Haushofmeister ging er nach der Auffahrt, wo der Wagen auf sie wartete. Der Chauffeur hielt den Schlag offen und suchte, wie es Loewe getan hatte, in den Augen Hamsteads. „Nun haben wir uns lange nicht mehr gesehen, Jack", sagte dieser, ihm die Hand reichend. „Sehr lange nickt mehr. Eure Lordschaft." Er breitete behutsam die schwere Felldecke über die Knie des Gebieters. „Befehlen Eure Lordschaft noch „Hoffentlich!" Hamstead schloß die Augen und sah Christa Wellenbergs schlanke Gestalt rot sich erstehen: die schmalen Hüsten, die anmutige Haltung, das tiefe Blau ihrer Augen und das ll:m- mernbe Blond ihres Haares, das ihn fo sehr entzückt hatte. Und nun war diefes herrlichste Menschen- wesen den Fischen preisgegeben.--Er seufzte und fühlte, wie sich Senestreys Hand auf seinen Arm legte. „Sie haben Schmerzen, Mylord?" „Fast Immer, ja!" „Dr. Mattwes ist von Ihrer Ankunft verständigt. Er wird in etwa einer Stunde oorsprechen." „Das ist sehr lieb von Ihnen, Senestrey." Dann wieder Schweigen. Ob jener Wiener Arzt, mit dem sie verlobt war, sie so geliebt hatte, wie sie es verdiente?--So über alles geliebt, wie er? Daß er des Nachts um sie weinte, das Gesicht in die Kissen wühlte und hinausschrie vor Sehnsucht und Verzweislung. > Kaufgesuche | Klein, gutgebendes Kurz und Woll- waren tieachÄft bei 10000 RM. An- zahl. z. kauf, gekuckt. >ckr. Ang. ii. 00G)7 a.d.Gietz. Anzeiger. | Empfehlungen | Parkeilböden 24. 18, 15 mm stark, billigst bunt) osnx E H. Müller Gießen AlöInstanbsevungS- höben Reickkzulckutz Üp j Ein Blick genügt! TX-ZX Hier fehlt nur \ Hühneraugen- x y „Lebewohl“. 4570 V Hühncraug."Lebewohl Blechd. (8 Pflast) 6H Pf. in Apoth. u. Drog. Sicher xu haben ■ed.-Drog. lies Hindenburg, H. Eigen, Sei- terswei 6U ; Löwen-Drog. W. Kllblager IQ., Seltersweg St; I.Reil. Ludwigsplats-e.Wei- stadt-Drog., flerwaale-Dreg. C Seibel, Frkt. Str. M: 0. Wlxterhell. Dree„ Kreuel. 1II. Transparenl billig A.verk. |0-uwi Leltcrewen 69 Wirlsch.- ö. Taleläplel hat lauf, au niedrig. Preisen nbAuncbett. Wilbelmstrastc 0 V. Ickfou 3571. Tosen Hörfaal30,1.2t.I. 4 Fraexlsicb I. Fort- geeebritt. (Graff vödnnl 51,2.21.1. Stadttheater <• l<"U. ti tossD Tienetag. 21. Rov., 20- 22.30 Ubr 8 Tienetag-Abonn. t^ewöbnlicke Preise Ter Traum bcr'lUlma Hf lernen Gesellfckast»- lomöbic in 4 Silbern Ö9H d-u MvUUtX. | Verkäufe Vollständige KSclien-Elnrlchtung, weiß lackiert, gut erhalten, eow.ein weiß- laok.Kleiderschrank, eine weiße Bettstelle, 1 Waschtisch,INaoht- schrMnkchen, 1 Paar Schlittschuhe n. verschied. Einmachglas, sehr billig sbsugebon Zu ersr. t. b. (Mcfctjft. b. (stieß. Anzeig. »«««, EtncrnnBuoTT (stelegenbcitbkauf! Vcitfp. - Drehbänke, ineck.Drcl)b.,2änl.- Schnellbohrm^Tisch' bvhrm., (2d)inicb- Bobrm., Sckleifin., Ätnuck- u.2dnucift- niasck., flteifbienm., Blecksckieer.Antbosse 2ckloss.-u.2cknucb- fdirnubft., Aclbfdnu. W" niAC Einrickt. bist. Thomai, Match..Werkt. OieOen, SchiMenb. Weg 36. | Vereine j Volkshochschule Ccntf Montag 20'. Ubr, Universität, beginnt: 1. Volk und flott. (Surfer.) Hörsaal 33, 2.Von doutschom Denken a. Dichten. (Dr. Butz.) , Hörsaal 34,1.2t.L Englisch für An- 25.Yloiy. LOSPPEIS 1 REICHSMARK H.Geld LoUerie FÜR ARBEITSBESCHAFFUNG 2 8 5 0 58 GEWINNE U.2 PRÄMIEN PM 1500000 3k200000 =100000 «150000 =75000 KAISER'SSt ■