Nr. 246 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefjen)Keitag, 20. Oktober M3 Wahltage im Paffionsdorf. Wie Oberammergau seine Spieler wählt. — Auftakt zum Jubiläum 1934. Bon Sophie Rützau, München. Oberammergau ist der Welt bekannt als das Dorf der Schnitzer und des Passionsspiels. Man erzählt von ihm, daß es anders sei, als andere Gemeinden, und in manchem mag das wohl stimmen. So hat sich das Dorf zu Füßen des Kofel bei politischen Wahlen nie sehr erregt. Aber welche Erschütterungen bringt dafür jedesmal die Wahl der P a s s i o n s f p i e l e r mit sich! Es ist Tradition, daß im Oktober, der der Passion voraus- Seht, die Spieler gewählt werden. Eine heimliche nruhe ist dann im Ort, die die milde warme Herbst- sonntz nicht zu bannen vermag. Alles Denken, alles Tun der Gemeinde wird beherrscht von dem einen Gedanken: Wer wird diesmal gewählt werden? Bin auch ich dabei? Und gut ist es, wenn dann endlich der Tag der Wahl kommt, der Gewißheit bringt! Schon lange vorher setzt ein Rätselraten in der Presse des In- und Auslandes ein. Man nennt diesen und jenen Kandidaten. Ja, man reist sogar nach Oberammergau, um etwas Genaues an Ort und Stelle „heräuszubringen". Vergeblich! Die Oberammergauer, denen Haare und Bärte bereits halb- lang gewachsen sind, verstehen es sehr gut, diplomatisch zu schweigen. Rur in der Familie, in der Gemeinde wird das Für und Wider für die Wahl der verschiedenen Darsteller eingehend erörtert, und es wird darauf gesehen, daß jeder, der in Betracht käme, auch ein Recht auf Wahl hat: nämlich ob er schon lange im Ort ansässig ist, ob er in der Passion 1930 mit tätig war, und ob sein Lebenswandel unbescholten ist. Die Wahl zur Passion 1934 ist von ganz außerordentlicher Bedeutung: denn das Jahr 1934 bringt ja die Aufführung der Jubiläumspassion zum Gedenken der 300jährigen Wiederkehr des er st en Spieles. Vor allem aber macht sich auch hier im stillen Oberammergau nach der nationalen Revolution ein frischer Zug bemerkbar. Man geht mit einer neuen Einstellung an die Wahl der Spieler heran. Das heißt nicht, daß die alte Tradition, nach der die Oberammergauer 300 Jahre lang wählten und mit der sie verwachsen sind, beiseite gesetzt wird. Im Gegenteil: man hat die schönen, heimatlichen Wahlbräuche beibehalten: es wurde nur vereinfacht und durchsichtig gemacht, was bis jetzt geheimnisvoll gehandhabt wurde. So ist es geblieben, daß ein eigenes Komitee die Spieler wählt. Dieses Komitee heißt heute noch „d i e Zwölf" und „die Sechs", wie wir es in Chroniken zu Zeiten des Passionsgelübdes vor dreihundert Jahren lesen. Es setzt sich zusammen aus zwölf Gemeinderäten und sechs Komitee-Mitgliedern, denen als Ehrenmitglied jedesmal noch der Pfarrer der Gemeinde angehört. Dieses Komitee, in dessen Hand alle Vorbereitungen zur Passion liegen, wählt die 12 0 Einzeldarsteller. Die Wahl der „Rotte", des „Volkes" und des Personals — in allem rund 800 Menschen — ist Sache des „Spielerausschusses", der aus fünf Mitgliedern besteht und alle Vorschläge zu überprüfen hat. Bis zur Wahl der Hauptdarsteller müssen schon der Spielleiter, die Musikdirigenten, die Musiker, sowie Sänger und Sängerinnen gewählt sein. Am leichtesten ist die Wahl der Musiker. Denn der Ort hat meist eine ähnlich große Zahl von Musizierenden, wie das Orchester verlangt. Auch die Dirigenten zu finden, fällt nicht schwer. Ein alter Brauch will es, daß der erste Dirigent der Lehrer des Dorfes, der zweite der Leiter der Oberammer- nQuer Musikkapelle ist. Oberammergau hat in der Person von Georg Lang, dessen Bruder jetzt übrigens Bürgermeister geworden ist, einen vorzüglichen Spielleiter, der schon 1930 bei der Passion und im Sommer 1933 mit der Inszenierung des „Pest- und G e l ü b d e s p i e l e s" seine Qualitäten bewiesen hat. Schwieriger ist es schon mit den Sangern und Sängerinnen. Der berühmte und gepflegte Oberammergauer Kirchenchor hat dreimal so viel prachtvolle Frauenstimmen, als bei der Passion gebraucht werden, so daß es schwer fällt, die schönsten Stimmen herauszusuchen. Aber all das sind nur Vorbereitungen. Das Wichtigste ist die Wahl der Hauptspieler! Bis jetzt vollzog sich nach der Ueberlieferung die Wahl in drei Wahlgängen. In geheimer Abstimmung entschied zum Schluß eine weiße oder schwarze Kugel über Ja oder Rein. Durch die althergebrachte stille Wahl wurde eine freie Aussprache über die Befähigung der Kandidaten ziemlich unterdrückt. Run hat der frische Wind der nationalsozialistischen Einstellung Veraltetes hinwegge- blasen und eine neue Art der Wahl geschaffen: in offener Beratung, jedoch unter Ausschluß der Oefsentlichkeit, werden vom Komitee die Fähigkeiten des einzelnen Kandidaten geprüft und der erwählt, der am geeignetsten erscheint, die Rolle zu verkörpern und auszudeuten. Am Tag der Hauptwahl (diesmal war es der 17. Oktober) gleicht das Dorf einem aufgeregten Bienenschwarm. Die halbe Welt wartet auf das Ergebnis. Die deutsche, die englische, die skandinavische und vor allem die amerikanische Presse hat ihre Berichterstatter und Kameraleute entsandt. Der stimmungsvolle Friedhof mit den letzten blühenden Herbstblumen ist schon am Morgen mit Pressevertretern gesäumt, wenn die „Zwölf", die „Sechs" und die „Fünf" sich zum Gottesdienst in die Pfarrkirche begeben, wo ihre Vorväter das Gelübde des Spieles taten. Dort gelobt das Komitee in stiller Andacht, unparteiisch und gerecht, ohne Ansehen der Person, nur im Interesse des Spieles zu wählen. Um 10 Uhr beginnt dann im Rathaus der Wahlakt. Die harrende Menge drängt zu den Anschlägen, die in Abstand von mehreren Minuten erfolgen. Je nach Charakter und Veranlagung mischen' sich auch die Spielkandidaten unter die Wartenden, und es gibt manche Enttäuschung und manche freudige Ueberraschung. Anton Lang, der berühmte Christus, der zu drei Passionen gewählt wurde, stand einmal gerade am Töpferofen, als die Türe aufgerissen wurde und man hereinschrie: „Toni — Du bist gewählt!" Der Ueberraschte drohte umzusinken, so überwältigend dünkte ihn die Bürde, die er mit der Verkörperung des Heilandes — der körperlich und geistig schwie- rigsten Bühnenrolle der Welt — auf sich nahm... Immer weiter schreitet die Wahl. Schon hat der Anschlag verkündet, wer als Maria, als Johannes, als Judas, als Magdalena, als Pilatus gewählt ist. Es brodelt in allen Gassen des Dorfes, Gruppen haben sich gebildet, und besprechen das Ergebnis. Immer mehr entrollt sich das Bild der Besetzung. Immer kleiner wird der Kreis derer, die noch hoffen dürfen. Jedesmal aber liegt auf der Wahl auch eine stille Tragik. Die Sicherung des Spieles verlangt es, daß zu Altgewordene nicht mehr mitspielen dürfen. Die Rollen sind allzu anstrengend — ein alter Mensch ist ihren Anforderungen nicht mehr gewachsen. Gregor Lechner, der berühmte Judas- Darsteller, überwand es nie, daß er nicht mehr gewählt werden konnte. Als Achtzigjähriger flehte er auf den Knien, ihm doch noch einmal seine Rolle zu geben. Es ist merkwürdig — je älter ein Oberammergauer wird, desto mehr hängt er an seiner Rolle. Und rührend ist es zu sehen, welche Freude über die Gesichter der Alten geht, wenn sie noch ein letztes Mal mitspielen dürfen. Schon die Kinder des Dorfes wissen es ja: es gibt nichts Schöneres als in der Passion mitzuwirken, und viele von ihnen haben die Bühne schon als dreijähriges Kind betreten. Darum kommen auch vor jeder Wahl Oberammergauer aus der Fremde zurück, um in dem Kreis der Wahlberechtigten um eine Rolle im Spiel zu kämpfen. Run hat das Dorf durch die Wahl abermals eine Zeit der Passion eröffnet. Die Gemeinde weiß, daß dieser Passion 1934 eine gam besondere Bedeutung zukommt als dreihundertjäyrige Wie^rkehr des ersten Spieles von 1634 auf dem Beinyof. Sie ist sich bewußt, was es heißt, daß gerade diese Passion am Anfang einer neuen Zeit des deutschen Vaterlandes steht. Und voll Verantwortung geht sie mit an die hohe Aufgabe, die ihr die Jahrhunderte im Namen der Heimat, im Namen der deutschen Ki'l- tur auferlegt haben. * Die Wahl der Spieler hatte für die Hauptrollen folgendes Ergebnis^ Christus: Alois Lang, Prologfpreäjer: Anton Lang, Chorführer: Guido Diemer, Petrus:.Peter Rendl, Judas: Hans Zwink, Johannes: Willi Bierling, Maria: Anni Rutz, Magdalena: Clara Mayr, Kaiphas: Hugo Rutz, Pilatus: Melchior: Breits amt er und Herodes: Hans Mayr. Außer den Darstellern Unter Hinweis auf meine wiederholten Aufrufe und Anordnungen zwecks Unterbringung der verdient en Kämpfer der national- fozlalistifchen Erhebung stelle ich fest, daß nicht überall nach den Bestimmungen gehandelt wird. Persönliche Anforderungen von Ar- beitskräften unter Umgehung der amtlichen und sonstigen zugelassenen Stellen sind untersagt. Die Unternehmer werden hiermit erneut auf- gesordert, alle Arbeitskräfte beim z u - ständigen Arbeitsamt anzufordern und durch Doppelverdienerentlassungen sreigewor- dene Arbeitsplätze entsprechend neu zu besehen. Für die Vermittlung von Handlungsgehilfen ist der Dhv. den Arbeitsämtern gleichgestellt. Er verfährt im Sinne meiner Anordnungen. Beamte und Privatpersonen, gleichgültig bei welcher Behörde, in welchem Amt oder Privatbetrieb beschäftigt, welche gegen diese Anordnung verstoßen, Llnverbrüchliche GefolgschastStreue der Landeöuniverfität. Don der Landesuniversität Gießen wurde folgendes Telegramm an den Herrn Reichskanzler ge- richtet: „In dem gerechtenKampfderReichs- regierung für Ehre und Sicherheit des deutschen Volkes, wie für einen dauerhaften Frieden der Menschheit durch gleiches Recht der Völker gelobt die Hessische Landesuni- versität Gießen unverbrüchliche G e - f o l g s ch a ft und Einsatz aller ihr verfügbaren geistigen Kräfte. Der Rektor: B o r n k a m m." Gießen, den 19. Oktober 1933. Autobesitzervor die Front. Am 12.November findet die größte Friedenskundgebung aller Zeiten statt. Es ist Vorsorge getroffen, daß das gesamte Volk über den unbeugsamen Friedenswillen des Führers Adolf Hitler aufgeklärt wird. Die Redner für diesen Aufklärungswahlgang sprechen allein im Gau Hessen-Nassau in Tausenden von Versammlungen. Für ihre Beförderung werden eine große Anzahl Vagen und Fahrer benötigt. Wer bereit ist, seinen Wagen mit Fahrer k o st e n l o s zur Verfügung zu stellen, wird ge- des Judas, des Johannes und der Magdalena sind die Personen die gleichen, wie im Jahre 1930. Oie Strafanträge im Prozeß Mührdel-Marx. Frankfurt a. M., 19. Okt. (WSN.) In dem Bestechungsprozeß gegen den früheren Kriminalrat und Leiter der politischen Polizei M ü h r d e l und den Syndikus des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Dr. Marx beantragte heute der Oberstaatsanwalt gegen Mührdel wegen passiver schwerer Bestechung, Amtsunterschlagung, Aktenbeseitigung und Verwahrungsbruch 2 XU Jahre Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und Verfallserklärung von 1600 Mark Bestechungsgeldern, gegen Dr. Marx wegen aktiver Bestechung, Anstiftung, Hehlerei und Amtsanmaßung zwei Jahre sieben Monate Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust. Einstellungen auf Umwegen betreiben ober unterstützen, werde ich im Einklang und unter Zuhilfenahme der Behörden zur Rechenschaft ziehen und jede Sabotage der Arbeilsbeschas- sungsmaßnahmen gleichermaßen auf das schärfste verfolgen. Die 6 r e i s l e i t e r find hiermit angewiesen, sich bei den zuständigen Landräten zu unterrichten, inwieweit bereits durch die Regierung genehmigte Arbeitsbeschaffungsmahnahmen in Angriff genommen sind, hängende Fälle und schleppende Durchführung, besonders verzögernder Arbeitsbeginn, find umgehend dem Kontrollamt für Arbeitsbeschaffung Gau Hessen-Nassau, Adolf-Hitler-Haus, zu melden. Die Kreisleiter haben sich persönlich oder durch die Ortsgruppenleiter von dem Beginn der Arbeit an den Arbeitsstellen zu überzeugen. Frankfurt a. Ul., 19. Oktober 1933. Der Gauleiter: Sprenger. beten, die in Frage kommenden Tage bei der Gau- Propagandaleitung der NSDAP. Frankfurt a. Ul. „Adolf-Hitler-Haus" umgehend anzumelden. Der Gau-Propagandaleiter. Weitere Veranstaltungen der Reichs» Handwerkerwoche in Gießen. Samstag, 21. Oktober: 16.30 bis 17.30 Uhr, am Liebigdenkmal, Anlagenkonzert, ausgeführt von der Stahlhelmkapelle. Sonntag, 22. Oktober: 9.30 Uhr, Gottesdienst in der Stadtkirche (Herr Pfarrer Becker) unter Mitwirkung der Choralvereinigung, der Matthäus- und Markusgemeinde und der Chorschule. 11 bis 12 Uhr, Anlagenkonzert am Hindenburg- wall, ausgeführt von der SA.-Reserve-Kapelle. 14.15 Uhr, im Cafö Leib, Feier zum Abschluß der Reichshandwerkerwoche. Darbietungsfolge: 1. Badenweiler Marsch. 2. Ansprache. 3. Uebertragung der Feier in der Paulskirche in Frankfurt a. M. anläßlich der Gründung des Rhein- Mainischen Handwerkstags, a) Orgelkonzert Passacaglia, C-Moll, Bach. Ausführender Künstler: Herr Walcha (während des Einzuges der Fabnenabord- nungen, Meister und Gäste), b) Wachauf-Chor und Schlußansprache des Hans Sachs aus Meister- „Mei! und Wföt die allen Kämpfer. Aus der provinzialhaupistadi. „Hitlerjunge Quex." Lichtspielhaus. Wir haben bereits vor einigen Wochen anläßlich der Münchener Uraufführung eingehend über den Film berichtet, der nun gestern auch zu uns nach Gießen tarn und in drei Festvorstellungen vom Lichtspielhaus herausgebracht wurde: „Hitleriunge Ouex", ein Film vom Opfergeist der deutschen Ju- aend, hergestellt unter dem Protektorat des Jugend- Führers des Deutschen Reiches, Baldur von Schi rach, nach dem gleichnamigen Roman von K. A. S ch e n z i n g e r , der zusammen mit B. E. Lüthge auch das Manuskript geschrieben hat. Der Film wurde geschaffen von der Ufa in der Herstel- lungsgruppe Karl Ritter unter der Regie von Hans Steinhof f. Es ist wiederholt betont worden — und jeder, der selber den Film auf sich wirken lassen konnte, wird es bestätigen müssen —, daß es sich hier nicht um einen Spielfilm handelt, wie es viele gibt und gegeben hat, sondern um ein Stück in Bild und Wort lebendig festgehaltener, miterlebter jüngster Geschichte. Wir wissen, daß das Schicksal des von kommunistischen Mördern zu Tode gebrachten Berliner Hitlerjungen Herbert Norkus die Grundlage zu dem Werk gegeben hat: bei der Münchener Uraufführung hat der Reichsjugendführer von S ch i r a ch seiner gedacht und an sein vorbildliches Leben und Sterben erinnert. So entstand nicht nur eine Chronik aus den Blut- und Kampfjahren der nationalsozialistischen Bewegung, sondern es wurde darüber hinaus ein Einzelschicksal zum Symbol er- hoben und zum dauernden, wegweisenden und beispielgebenden Dokument heroischen Kampfes um die Erneuerung Deutschlands im Dritten Reich. Der Film schildert mit hervorragendem Einsatz künstlerischer Mittel das Leben und Sterben des Hitlerjungen Heini Völker mit dem Beinamen Ouex; die Schilderung führt hinein in den „Beusiel- kietz", vormals eine kommunistische Hochburg im roten Berlin, in das trostlose proletarische Groß- tabtquartier, wo Heinis Eltern wohnen unb wo ich im Laufe der Zeit ein erbitterter Kampf zwi- chen der zunächst übermächtigen Kommune und der chnell anwachsenden Hitlerbewegung entspinnt. Das st der Schauplatz, wo Heinis Weg beginnt und endet, ein Weg des Leidens und des Kämpfens, ein Opfergang für die große Idee, die mit übermächtiger Gewalt von ihm Besitz ergriffen hat, für (He er sich einsetzt mit allen Kräften des Leibes und der Seele. Das ist ein schwerer und manchmal ver- zweifelter Weg, den der tapfere, kleine Kerl sich gewählt hat: er muß hart darum kämpfen, seinen Willen und seine Ueberzeugung durchzusetzen und zu behaupten, hin- und hergerissen zuerst zwischen Eltern und Freunden, zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, mißverstanden und mißhandelt, allen Gemeinheiten und allen Verführungskünsten dieses zähen und erbitterten Kleinkrieges auf Hinter- Höfen und Rummelplätzen erbarmungslos ausgeliefert. Er setzt sich durch, er behauptet sich, er schlägt sich zu den jungen Nationalsozialisten, zu denen er innerlich gehört, und die die Zukunft erobern. Aber mit der Tat, die ihn in die Bewegung einreiht, mit der er sich für immer losgefagt hat von der früheren Umwelt, ist sein Schicksal besiegelt. Von nun an ist ihm die rote Meute auf der Spur, und er fällt, freiwillig und freudig sich einsetzend, ehe die Kameraden ihn retten können. Die klar und ungebrochen aufgebaute Handlung wird vom Regisseur S t e i n h o f f mit außerordentlicher Wirkung an den Beschauer herangebracht: der Spielleitung gelang es vor allem, die düsteren Schauplätze mit einer bezwingenden Naturnähe und Eindeutigkeit lebendig werden zu lassen. Steinhoff grenzte die Fronten von vornherein unmißverständlich voneinander ab, er stellte die Gegner hart ge- geneinander und beleuchtete mit dieser Abgrenzung und Gegenüberstellung sogleich den schmalen Weg, der aus dem Niemandsland zwischen den gegnerischen Fronten unausweichlich zum tragischen Ende führt. Von beklemmender Eindringlichkeit sind die Szenen im Elternhaus, die wahrhaft gespenstige Selbstmordszene vor allem und dann die im Halbdunkel vorüberfliegenden Bilder, wie der Junge von der Rotte der Verfolger aufgespurt, umstellt, von Hof zu Hof gehetzt, eingekreist und endlich gemeu- dielt wird. Aber hinter dem verlöschenden Bilde des kleinen Gefallenen erhebt sich wie eine Vision der unübersehbare Zug der mit wehenden Fahnen marschierenden Kameraden: und das von Hans Otto Borgmann vertonte Fahnenlied Sch i- r a ch s das den ganzen Film als musikalisches Leitmotiv durchzieht, erhebt sich hier noch einmal zum brausenden und triumphierenden Chor. Aus der namenlosen Schar der Jungen.unk»Madels von der Berliner Httler.ugend hat der Spiel führer mit glücklicher Eingebung den herausgefun- den, der die Gestalt des kleinen Volker verkörpern sollte. Wir wissen nicht, wie er heißt, und wollen es auch nicht wissen, aber wir sehen und empsin den, daß das Bild deutscher Jugend, wie es den Schöpfern des Films vorgeschwebt hat, mitreißend ver wirklicht wurde. Das Schone und Ueberzeugende an diesem Bilde ist gerade die völlig uukomodiantlsche Einfachheit und Selbstoerstandlichkeü der Darstel- lung und die begeisterte Hingabe, mit der der Junge sich einsetzt für die ihm gewiesene Aufgabe. Ausgezeichnet auch die übrige Besetzung. Eine erschütternde Leistung gibt Berta Drews mit der schmalen, verhärmten, von Verzweiflung und Angst um das Leben ihres Kindes in den Tod gehetzten Mutter Völker. Heinrich George gibt den Vaters dumpf, brutal, gewalttätig ausbrechend zu Beginn', am stärksten in den stilleren Szenen mit dem Jungen und gegen Ende, als er begreift, worum der Kampf geht, und daß er im falschen Lager gestanden hat. Eine wahrhaft unheimliche Gestalt ist der von Speelmans gegebene kommunistische Agitator Stoppel. Von den vielen andern sind noch Claus Clausen als Bannführer und Rotraut Richter (Gerda) hervorzuheben. ♦ Der Film hinterließ auch hier, wie nicht anders zu erwarten war, außerordentlich starke Eindrücke. Die Festvorstellung am Abend fand in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste vor nahezu ausverkauftem Hause statt. Der feierliche Einzug der Fahnen und Wimpel des Jungvolkes unter Fanfaren- und Trommelklängen, sowie der von einem Gießener Hitlerjungen gesprochene Prolog „Unser der Sieg, unser die Macht" gaben der Vorführung den rechten Auftakt. — Im Beiprogramm sah man die neue Tonwoche (die Bilder vom Kanzlerbesuch in Frankfurt wurden mit spontanem Beifall begrüßt) und einen Vorspann zu dem Usa-Film „Ein gewisser Herr Gran" mit Bassermann und Albers. —r— Zeitschriften. — Um die Erhaltung kostbarsten Erbgutes unseres Volkes, für die Festigung von Art und Wesen des deutschen Menschen geht der Kamps, den die vom Aufklärungsamt für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege herausgegebene Monatsschrift „Neues Volk" führt. Was diese Zeitschrift auszeichnet — uns liegt das Oktoberheft vor — ist ihre allgemeinverständliche Klarheit, mit der erste Fachleute auf dem brennend wichtigen Gebiet der Bevölkerungspolitik unser Augenmerk auf Dinge richten, die tatsächlich im wesentlichen unbekannt sind! Denn in welchem erschreckenden Umfang bis jetzt die Vererbung minderwertiger Eigenschaften geduldet wurde und wie für die Pflege lebensuntauglicher Menschen ein Volksvermögen vertan wurde, wie wenig aber für den gefunden Nachwuchs und dessen Eltern gesorgt wurde, das und noch viel mehr zeigt die Zeitschrift mit stärkster Ueberzeugungskraft. Neben den Zielen der Bevölkerungspolitik und Pflege der deutschen Rasse zeigt „Neues Volk" aber auch, welche köstlichen Erbgüter in Sitten und Gebräuchen der vielfältigen deutschen Stämme enthalten sind, und wir begreifen, welche heilige Ueberlieferung wir zu Segen und Freude von uns und unseren Nachkommen hochzuhalten haben. So füllt die Zeitschrift, getragen vom Willen des Reichsministeriums des Innern und des Reichsausschusses für hygienische Volksaufklärung, eine Lücke im deutschen Geistesleben aus, deren Bedeutung man erst in ihrer ganzen Tiefe erkennt, wenn man diese kamp- fesfreudigen unb schönen Hefte gelesen hat. Wir können der überzeugenden Arbeit der Zeitschrift weiteste Verbreitung wünschen. „Neues Volk" gehört in jede deutsche Familie. Deshalb hat das Aufklärungsamt den Preis der Zeitschrift volkstümlich niedrig gehalten. Die Monatsschrift kostet viertel- jährlich nur 0,75 RM. bei freier Postzustelluna. Der Verlag der Deutschen Aerzteschaft, Berlin w 35, Potsdamer Straße 118b, versendet auf Wunsch Probenummern kostenlos. Im Oktoberheft der „Zeitwende" (C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München) gibt D. Bruno Gutmann, ein bedeutender deutscher Missionar, unter dem Titel „Civis Britanniens sum" einen interessanten Bericht über eine durch das ganze britische Weltreich verbreitete Vereinigung, die sich British-Jsrael World Federation nennt und mit Leidenschaft die merkwürdige These propagiert, das englische Volk sei das verloren gegangene Zehn- stämmeoolk Israel. Das Heft enthält noch eine zeitgemäße, einem wichtigen Teil der großen Gegenwartsaufgabe der evangelischen Kirche gewidmete Betrachtung von Renatus Hupfeld: „Der Akademiker und die Kirche", unb frische, landsknecht- haft-rauhbeinige Tagebuchblätter aus einem Arbeitslager von Rolf Sengler. In „Umschau' unb „Randbemerkungen" werben zeitnahe kleinere Beiträge bargeboten. Das Sterben eines großen deutschen Denkers schildert in abgetönten Szenen Wilhelm Sebastian Schmerls Erzählung „Johann Keplers letzte Fahrt": der Dichter läßt dabei vor allem die tiefe Gläubigkeit des großen Astronomen aufleuchten. Hocbfcbulnacbn'cbten. Professor Dr. August S k a l w e i t, Direktor des Staatswissenschaftlichen Seminars an der Unwerh- tät Kiel, hat einen Rus als Ordinarius für mlrr- schaftllche Staatswissenschaften, msbesondere Wirt- schaftsgoschichte, an der Universität Frankfurt angenommen- finger. Mitwirkende ftünftier: Herr Opernsänger Jean Stern und der Lhor des städtischen Opern- bauses, Dirigent: Herr Wetzelsberger. c) ueberreichung eines Ehrenmeisterbriefes, Ehrung von Altmeistern, Freisprechung der Meister und Gesellen nach altem Zunftbrauch. d) Arie und Thor aus der „Schöpfung", Haydn. Ausführende Künstler: Frau Erna Sack, Landestheater Wiesbaden. Thor: Mitglieder der Frankfurter Chöre, e) Verteilung von Amtsketten an Obermeister. 0 Deutsches Hebet, ausgesührt vom Opernhauschor. g) Gemeinsamer Gesang des Deutschland- und Horst- Wessel-Liedes. 4. Schallplatten-Uebertragung der Ansprache des Präsidenten W. G. Schmidt, Wiesbaden: .^Handwerk und Staat". 5. Marschmusik. 6. Schallplatten-Ubertragung der Ansprache des Generalsekretärs Dr. Schild: „Das Handwerk baut die nationalsozialistische Wirtschaft". 7. Schlußmarsch. Die Winterhilfsplakeiie. Die Reichsführung des Winterhilfswerkes teilt noch einmal mit, daß die Plakette zur Befreiung von weiteren Spenden in all den Fallen ausgegeben wird, in denen ein freiwilliger Abzug in Höhe von 20 Prozent der Lohnsteuer erfolgt In allen Fällen, in denen zur Spende der zkbeit bereits 1 Prozent des Bruttolohnes zum Abzug kommt, wird diese Spende nicht voll angerechnet. Vielmehr sind in diesem Falle nur noch 10 Prozent der Lohnsteuer zu zahlen, jedoch keineswegs unter einer Mark je Monat. 250 Jahre Gießener Bäckerei in einer Familie. Die Brot- und Feinbäckerei von August Roll, Mäusburg 12, befindet sich jetzt 250 Jahre in dem Besitze der Familie Roll. Das Haus in der Mäusburg wurde im Jahre 1683 gebaut und gegen Ende jenes Jahres bezogen. In dem Hause wurde eine Bäckerei mit Gastwirtschaft und Kolonialwarenhandlung von einem Glieds der Familie Noll eröffnet, die dann viele Jahrzehnte lang bestand. Von Anfang 1800 ab wurde nur noch die Bäckerei mit Gastwirt- schäft Im Besitz der Familie Noll betrieben, im Jahre 1887 wurde der Wirtschaftsbetrieb aufgegeben und lediglich die Bäckerei fortgeführt, die sich bis auf den heutigen Tag des besten Ansehens in der Bürgerschaft erfreut. Eine Reihe von Generationen der Familie Noll haben bisher im Geschäft eine auskömmliche Existenz gefunden. Der jetzige Inhaber, Bäcker- meister August Noll, macht anläßlich der Werbewoche des Handwerks durch eine Ausstellung von Familiendenkwürdigkeiten im Schaufenster seiner Bäckerei auf das 250jährige Bestehen dieses Fa- milienbesitzes aufmerksam. Man sieht dort die Bilder der letzten vier Generationen dieser alteingesessenen Gießener Bäckerfamilie, ferner die Ernennung des Vaters des jetzigen Inhabers zum Hofbäcker, die im Jahre 1891 erfolgte, sowie den im Jahre 1911 ausgestellten Meisterbrief des jetzigen Geschäftsinhabers. Im Streife unseres ehrbaren Siebener Handwerks nimmt die Bäckerei von August Noll einen achtunggebietenden Platz ein, der ihr durch die Tüchtigkeit ihres Meisters weiterhin er- halten'bleiben möge. 30 Jahre Freiwillige Saniiätskolomie vom CRofen Kreuz. Aus Anlaß des dreißigjährigen Bestehens der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Gießen findet am morgigen Samstag im Caf6 Leib ein Deutscher Abend statt. Den musikalischen Teil der Veranstaltung hat das Mufikkorps unseres Bataillons unter persönlicher Leitung von Ober« Musikmeister Krauße übernommen. Der Gesangverein „Heiterkeit" wird unter Leitung von Chor- meister Schöttler zur Verschönerung des Abends beitragen. Herr Paul Nieren vom Stadttheater hat ebenfalls feine Mitwirkung Augefagt. Der Vorsitzende des Landesvereins, Präsident i. R. von Hahn, wird eine Ansprache halten. Am Sonntagoormittag findet eine Totenehrung am 116er-Denkmal statt. Um 14 Uhr wird eine große Gasschutzübun g auf den Eiswiesen an der Moltkestraße abgehalten, an der sich neben der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz auch die Feuerwehr und die Technische Nothilfe beteiligen werden. Dem Publikum wird Gelegen- heit gegeben sein, die grobangelegte Uebung von den erhöhten Straßen aus au das Beste zu beobachten. Es werden Hilfsmaßnahmen bei Gas- unfällen der verschiedensten Art gezeigt. Durch Lautsprecher werden die notwendigen Erklärungen gegeben. Aus die heutige Anzeige sei besonders hinge- wiesen. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag: Stadt- theatcr, 20 bis 22.30 Uhr: „Die Hermannsschlacht". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Hitlerjunae Ouex".—Asloria-Llchtspiele, Seltersweg: „Die große • r Baugenossenschaft 1894, 20.15 Uhr, Gewerkschaftshaus, außerordentliche Generalversamm- *un9 — 20.15 Uhr, Gewerkschaftshaus, Simultan- fpicl des Deutsch-Meisters Brinkmann. — Au» dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute 20 Uhr dritte Vorstellung im Freitag-Abonnement: „Die Hermannsschlacht", von Kleist: Spielleitung: Intendant Hanns Äönia Gewöhnliche Preise Ende: 22.30 Uhr. - Die Intendanz hat für Sonntag, 22. Oktober, „Die vier Nach- lichter" mit Ihrem Enfemble zu einem nochmaligen ©aflfplel Dcrpfltdjtct. Zur Ausführung gelangt das totud mit Musik in neun Bildern: „Der Esel ist los" nach dem Altgriechifchen des Plagiates. Die musikalische Ausführung hat das Orchester des Stadtthcatero Gießen übernommen. Die Intendanz glaubt mit derWiederaufnahme dieses Gastspiels in den Spielplan den Anfragen und Wünschen vieler Theaterbesucher Rechnung zu tragen, die bei dem ebten Gastspiel der „Vier Nachrichter" im Juli b. I. Ihrer Ferien wegen da» Theater nicht besuchen konnten. Die Veranstaltung ist daher außer Abon- nernent und au Preisen von 0,50 bis 2,50 Mark Ansang: 19,30 Uhr. Ende: 22 Uhr. • • D o n b e r C a n b e ö u n i d e r f i t ä t. Von der Pressestelle ber Universität Gießen wird uns mitge- teilt: Der ao. Professor an der Universität Breslau Dr. Heinrich Bechtel hat den Rus auf den ordentlichen Lehrstuhl für praktiiche Nationalökonomie an der Landesunioersität angenommen und einen gleich, zeitigen Rui an die Universität Breslau abgelebnt — Der Privatdozenl für römisches und vergleichendes bürgerliche» Recht. Dr. Max Kaser, hat einen Ruf an die Universität Münster zum 1. November 1933 erhalten und angenommen. "Ehrenvolle Auszeichnung. Der lang, jährige Hebammenlehrer Prof. Dr. Walther (Gießens wurde am 10. Oktober, gelegentlich ber letzten Tagung ber „Bereinigung zur Förderung ürs Hebammenwesen»" in Anerkennung seiner ^oßen . Derbienste um die Bereinigung unb um bas beutle Hebammenwesen zum Ehrenmitglied dieser Vereint- gung ernannt. .. Postperfonalien. Dem Telegraphen- Afr.h,nf7n T ahmer wurde die Telegraphensekre- S"n 6Ä« (DberWien) und dem P°st- m a a e l aus Büdingen die Postverwalter- elle in ^Wöllstein übertragen. Die Postasiessoren T)infnm-3naenieur Karstensen und Diplom- Ingenieur e b e r in Darmstadt wurden als Post- birektoren planmäßig angestellt. Obertelegraphen- sekretär Karl Schäfer würbe von Darmstadt nach „(a g^enkonzert der SA.-Reseroe- Ka pelle. Am kommenden Sonntag 11 Uhr findet tum Abschluß der Handwerkerwoche in den Anlagen am Hindenburgwall ein Platzkonzert statt, das von der SA.-Rejeroe-Kapelle ausgeführt wird. • • Spende für die Winterhilfe. Dem Winterhilfswerk 1933/34 wurden von der Altersver- einigung 18751925 50 RM. überwiesen. Der Be- schluß wurde in einer Dorstanossitzung gefaßt. Die Glaubensbewegung „Deutsche C h r i ft e n" (Kirchengauleiter Pfarrer Sattler, Wieseck) empfiehlt ihren Mitgliedern die Teilnahme an dem vom Evangelischen Bund am Samstag, dem 21. Oktober, in der Stadtkirche veranstalteten „Evan- gelischen Abend". *• Reichsbund Volkstum und Heimat, Landschaft R he i n f ra n k e n-H e s s e n. Die Geschäftsstelle der unter der Leitung des Herrn Ministerialrats Ringshausen stehenden Land- schäft Rheinftanken-Hessen des Reichsbundes Volks- tum und Heimat befindet sich in Darmstadt, Neckarstraße 3, im 1. Stock des ehemaligen Gewerbe- mufeums. Sie ist an das Fernsprechnetz Darmstadt unter Nr. 3239 angeschlossen. Die seither in Darm- stadt, Hügelstrahe 29, befindliche Geschäftsstelle des Tierschutzoereins für Hessen, der mit dem gesamten Hessischen Heimatbunde im Reichsbund aufgegangen ist, ist mit ber bes Reichsbunbes vereinigt. "AufgerufeneHehnmarkscheine. Das Reichsbankdirektorium gibt bekannt, daß die Reichsbanknoten zu 10 RM. mit dem Ausfertigungsdatum vom 11. Dezember 1924 eingezogen werden. Mit Ab- lauf des 31. Januar 1934 verlieren sie ihre (Eigen- chaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Bis zum 28. Februar 1934 werden fie bei allen Kaffen der R e I ch s- bank zum Umlauf4 angenommen. _ • • Warnung vor einem Betrüger. Der Vertreter Hans Mülbe bereift Frankfurt a. M. und nähere und weitere Umgebung und gibt sich als Vertreter einer Frankfurter Darlehensoermitt- [Ung aus. Als solcher verspricht er den Interessenten die Beschaffung von Darlehen und nimmt Darlehensanträge entgegen. Er läßt sich in jedem Falle Vorschüsse zahlen und verwendet diese für seine per- söhnlichen Bedürfnisse. Die Darlehensonträge gibt er nicht weiter. Vor dem Betrüger wird gewarnt. Bei seinem Austreten ist die nächste Polizeidienststelle zu benachrichtigen. Große Strafkammer Gießen. In einer mehrtägigen Sitzung hatte sich die Große Strafkammer mit dem in Gießen wohnhaften Bankier Wilhelm Bachmann zu beschäftigen, dem die Anklage Depotunterschlagung, Konkursoerbrechen und Betrug oorwarf. Der Angeklagte war Mitinhaber der Firma Bach- mann & Schäfer. Nachdem letzterer ausgeschieden war, betrieb der Angeklagte das Bankgeschäft allein weiter. Während der Inflation erfreute sich die Firma eines recht gutgehenden Geschäftsganges, der aber nach ber Stabilisierung stark nachließ. Dazu kamen bie Zusammenbrüche verschiebener Gießener Firmen, so daß der Angeklagte schon im Jahre 1927 konkursreif war. Entgegen den Vorschriften der Konkursordnung unterließ er es aber, seine Zahlungs- Unfähigkeit anzumelden. Er vergriff sich jetzt, da ihm jeglicher Kredit fehlte, an dem Vermögen feiner Spar- und Depoteinleger und verkaufte deren Wertpapiere, ohne die Geschädigten auszuzahlen. Die 27 vernommenen Zeugen sowie das Gutachten des Sach- verständigen belasteten den Angeklagten schwer. Noch nachdem er nur mit fremden Geldern sein Geschäft „weiterführte", beliefen sich nach dem Gutachten des Sachverständigen die Ausgaben für seinen Privathaushalt auf 20 000 RM. jährlich. Der Vertreter der Anklage beantragte eine Gesamtstrafe von fünf Jahren Gefängnis evtl. 3% Jahre Zuchthaus. Nach längerer Beratung erkannte das Gericht auf drei Jahre Gefängnis unter Anrechnung von fünf Monaten Untersuchungshaft. Die Kosten des Verfahrens trägt der Angeklagte. Senkung der landwirkschnstlichen Grundsteuer. Zunächst vom 1. Oktober 1933 fcte 31. ^är3 1934. — Jetzt Bezahlung der rückständigen Staatssteuern. WSN. Darmstadt, 19. Okt. Der Hessische Staatsminister teilt mit: Die Reichsregierung hat dem Lande Hessen einen Betrag zur Verfügung gestellt, der eine weitgehende Senkung der landwirtschaftlichen Grundsteuer ermöglicht. Hierzu ist folgendes bestimmt worden: 2Uit Wirkung vom 1. Oktober 1933 an fällt die staatliche Grundsteuer, die auf der^ landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Grundstücken einschllehNch der Weinberge ruht, vollständig weg. Grundsteuerpflichtig (und sondergebäudeteuerpflichtig) bleiben nur die Gebäude, der zttge- )örige Hofreitegrund und die damit zusammenhän- genden Grab- und Grasgärten, ferner solche Grundstücke, die nicht landwirtschaftlich, forstwirt- chaftlich oder gärtnerisch genutzt werden, z. B. Bauplätze, Steinbrüche und Aehnliches, und zwar auch dann, wenn diese Grundstücke (Gebäude) in Eigentum eines Landwirts stehen. Die Oekonomie- gebäube sind schon traft Gesetzes grundsteuerfrei. Diese Steuererleichterung wird zunächst für die Zeit vom 1. Oktober 1933 bis Ende März 1934, das ist für die 4.» 5. und 6. Rate der Staatssteuern zugesagt. Die Steuersenkung wird sich auch noch auf die Heit nack dem 1. April 1934 erstrecken (voraussichtlich bis Ende September 1934), jedoch kann darüber zur Zeit noch nicht endgültig verfügt werden. Ge- senkt wird nur bie Staats ft euer. Gemeinde-, Kreis- und Prooinzialsteuern, auch Kirchensteuern und sonstige Abgaben bleiben davon unberührt. Die Steuererleichterung kann von der Steuer- behörde nur den unmittelbar Steuerpflichtigen, das ist in der Regel der Eigentümer des Grundstückes, bewilligt werden. Die Auseinandersetzung zwischen diesem und seinem Pächter Ist eine private Angelegenheit der Beteiligten. Näyere Auskunft erteilen die Finanzämter. hiernach wird die hessische Bauernschaft in einem Blaße steuerlich entlastet, wie es früher niemals für möglich gehalten wurde. Diese Zeit muß zur Abdeckung der rückständigen Staatssteuern benutzt werden. Ls darf erwartet werden, daß die Bauernschaft dies ebenso als Ehrensache betrachten wird, wie künftig die pünktliche Zahlung der verbleibenden geringen Steuern vom Wohnhaus. Wegen der erleichterten Tilgung der Steuerrückstände sind bekanntlich besondere Anordnungen vorgesehen, die ein ungewöhnliches Maß von Entgegenkommen bedeuten. Dies und die vorstehend bekanntgegebene Steuersenkung ab 1.0k- tober d. I. macht es jedem Bauern möglich, in ab- sehrbarer Zeit mit seinen Steuerzahlungen ins Reine zu kommen. andere! funben mcinnischen Angestellten werden durch die DAF. In Kürze geklärt werden. OieStahiwerke^öchling-BuderuS AG. stellen den hochwertigen Edelstahl des gesamten Rhein-Main-Gebietes, sowie alle möglichen Legierungen — Nickel, Chrom, Wolfram usw. — her. Auch hier fand eine herzliche Begrüßung durch Direktor Rieckeberg im Namen des Vorstandes statt. Wir befinden uns im Hammerwerk. Pressen mit einem Druck von 2000 Tonnen formen die rotglü- hende Masse. Riesige Dampfhämmer lassen Funken aufft>rühen. Wir empfanden es als unzweckmäßig, daß der Arbeiter, der hier bei der großen Temperatur stark erhitzt ist, weite Wege zu seinen kalten Umtleiberäu- men zurückzulegen hat. Im Walzwerk beobachteten wir mit Interesse, wie ein riesengroßer Brückenkran unablässig an der Decke der ungeheuren Halle auf- und abfuhr, und mit seinen Greifern Bündel von armdicken Eisenstangen durch die Luft schwenkte, als wären es Streichhölzer, unter den Walzen, sich immer wieder verjüngend, zuckt das Eisen wie feurige Schlangen immer hin und her, bis es die ge- wünschte Breite und Stärke hat. Von unten durch laufende Rollen bewegt, wird es beim Herauskom- men aus der Walze mit Zangen in die nächste Laufbahn gezogen. Eine aufregende, schwere und gefährliche Arbeit! Die Löhne schwanken zwischen 36 und 27 Mark die Woche. Neben diesen gelernten Arbeitern fiel uns ein ziemlich starker Prozentsatz von jugendlichen Arbeitern auf, deren Stundenlohn z. B. bei einem Acht- zehnjährigen 31 Pfennig beträgt. Bei dieser Firma flieg während der Negierung»- zeil unsere» Kanzlers die Belcgschaflszlffer von 596 auf 830 Wann, die augenblicklich, teilweise durch die betrieblichen Verhältnisse bedingt, hier noch lleberflunben verrichten müssen Unser letzter Besuch an diesem Tage aalt der Firma Ernst Leitz Wir gehen in die Betriebe! Besuche in Wetzlar. vpl'fche Werke Wetzlar, GmbH. Es ist die bisher ''NZlge von uns besichtigte Firma im rhein-maini- >chen Airl'ch^tsaebier, die keine Neueinstellungen auizuweuen hat. Die Firma stellt neben Mikroskopen eine Kleinbildkamera Marke Leica ber, die jetzt In ätschen Fabriken starke Konkurrenz ge- Am elften Tage des Werbefeldzuges der Deutschen Arbeitsfront wurden, wie die Deutsche Arbeitsfront mitteilt, verschiedene Großbetriebe in Wetzlar besichtigt. Bei den Buderusschen Eisenwerken wurde die Deutsche Arbeitsfront außerordentlich herzlich vom Vorstand begrüßt. Der Name Buderus ift ]eit über 200 Jahren piit dem Berg- und Hüttenwesen an Lahn, Dill und Oberhessen auf das innigste verbunden. Die Sophienhütte in Wetzlar blickt auf eine über 60jährige Vergangenheit zurück. Ursprünglich als reines Hochofenwerk mit zwei kleinen Hoch- osen zur Verhüttung der Eisenerze aus Wetzlars nadjfter Umgebung errichtet, hat sie im Laufe ber >Jat)re manche betriebliche Erweiterung und Verän- "uf9 ofaJ?ren- D>e aufzubringenden hohen Frach- lur ^01)1011i unb Koks, bie beibe von Zechen bes Jiuhrgcbietcs bezogen werben, zwangen bazu, um c!n*9erma6en gegen bie Konkurrenz ber großen rhemlsch,westfalischen Werke zu behaupten, neue Ar- be.tsgeb.ete zu suchen unb insbefonbere an eine Gp w-U°rung ber Verwertung ber im Hochofenbetrieb anfaUenben Nebenprodukte zu gehen. »"! Regierungsantritt unsere» Kanzlers Ift bie velegschast, die auf 500 Arbeiter gesunken roar, »nb die sogar zum größten Teil nur in Kurzarbeit beschäftigt werden konnte, durch die umfassenden Arbcitsbeschafsungsmahnahmen der nationalsozialistischen Regierung auf den heutigen Stand von 865 Mann gebracht worden die in Vollarbeit schassen. Unter biejen Arbeitern sind viele, bie auf eine ununterbrochene Tätigkeit von 20, 30 unb 50 Wen bei ber Firma zuruckblicken können. An F u r -