Nr. 141 Erstes Blatt 185. Jahrgang Dienstag, 20. Juni 1955 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Postscheckkonto: ^roniturt om niain 11686. Vrvck und Verlag: vrvhl'sche llnlverfitStr-vuch' und Steindruckerei K Lange in Gießen. §christleitnng und Geschäftsstelle: SchnlNraße 7. Lrlchelnl tägltd), autza Sonntags und feiertags Beilagen; Die Illustriert, Gietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl, Olonats Btiugsprtts; Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustriert, . 1.80 Iustellgedühr .. , -.25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Henisvrechanschlüsse unter Sammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach» richtens Anzeiger Liehen. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis -um Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Ne» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Playvorschrift 20“. mehr. Chefredakteur Dt. Fnedr. Wilh. Lange, verantwortlich für‘Politili Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Vlumschein und für den An» zeigenteil i. D.TH.Nümmel sämtlich m (Sieben. 5 Randnoten. Der überraschende Besuch deS ungarischen Ministerpräsidenten ® ö m b ö 6 in Berlin hat in dem stets neugierigen Auslande eine ganze Fülle von Kombinationen ausgelöst, die sogar bis zur Wiederaufrollung der ungarischen Königsfrage aehen. Eigentlich ist es ziemlich sinnlos, sich den Kopf au zerbrechen über eine Angelegenheit, die en sich nicht schwierig liegt. Es war kein offizieller Staatsbesuch. Aber selbstverständlich sind bei den Unterhaltungen der beiden Tage alle politischen Fragen, soweit sie die Beziehungen der beiden Länder berühren, durchgesprochen worden. Dir erfahren vor allem, daß es gelungen ist, wirtschaftliche Verstimmungen zu beseitigen und dadurch die Bahn für ein politisches Zusammenarbeiten zu öffnen. Tatsächlich gehen ja auch die Interessen Ungarns und Deutschlands sehr weit parallel, die Linie Berlin—Budapest öffnet uns das Tor in dem ganzen südöstlichen Raum, der für uns schon aus handelspolitischen Gründen von ausschlaggebender Bedeutung ist. Kein Wunder, daß deshalb Leute, die den Balkan arm für sich pachten möchten, nervös geworden sind. Wir denken dabei vor allem an den tüchtigen Herrn Bene sch, der Prag so gern zum Mittelpunkt des ganzen Ostens machen will. Er sicht setzt, seit Doll« suß seine Extratour tanzt, neue Möglichkeiten und ist deshalb auch schnell mit entsprechenden Vorschlä- | fl«n J>ei der Hand: in einem fein stilisierten Artikel bot "r zwischen den Zeilen der österreichischen Regierung nicht mehr und nicht weniger als ö e n Eintritt in bie Kleine Entente angeboten. Ein geschickter Schachzug, der darauf berechnet ist, die österreichische Verärgerung auszunutzen, um für immer einen Keil zwischen Deutschland und Oesterreich zu treiben. Ader die Methode ist doch zu plump, al ''aß sie Erfolg haben könnte. Schließlich ist cs oi der Regierung Dollfuß klar, daß sie in der C. atc höchstens dasfünftcRadam Wagen sein würde, weil sich ihre Aufgabe darin erschöpfen müßte, die Kastanien für die anderen aus dem Feuer zg holen und sie sehr leicht in die deutsch- ungarische Zange tömmen könnte. Gerade ein engere? Aneinanderrücken zwischen Ungarn und Deutschland legt cs den Oesterreichern nahe, sich dieser Arbeitsgemeinschaft anzuschließen und dadurch die Grundlage für eine wirklich erfolgreiche Friedens- Politik auf dem Balkan zu legen; vielleicht zum Berger von Benesch, weil dann Prag stark an die Peripherie jedes Einflusses gerückt wäre. Der Auszug der deutschen Delegation auf der Genfer Arbeitskonferenz ist ein Protest Bf flen den Mißbrauch, den die Vertreter der Amsterdamer Internationale mit der internationalen Ar- bfitsorganifation treiben, in dem sie diese Organi- fation als Tribüne für ihre Propa - Sanda und als Tummelplatz ihrer Klassenkamps, bfftrebungen benutzen. Das Internationale Arbeits- °int in Genf ist nach dem Kriege geschaffen worden, um entsprechend der erhöhten Bewertung der So- jialpolitik daraus hinzuarbeiten, daß in allen ßän- bftn ein Mindestmaß an Schutz der menschlichen Arbeitskraft geschaffen und fortschreitend ausgebaut wird. Deutschland, dessen soziale Einrichtungen seit ^hrzehnten einen Stand erreicht hatten, der für andere Industrieländer vorbildlich war, konnte von dcin Internationalen Arbeitsamt keine besonderen Anregungen mehr erwarten, wohl aber der übrigen ;.fi«lt seine großen Erfahrungen zur Verfügung gellen. Die politischen Verhältnisse beim Kriegsende achten es mit sich, daß die sozialistische A m st e r - d«mer T e w e r f fd) a f t s i n t e r n a t i o n a 1 e doh Anfang an im Genfer Arbeitsamt die unein- kkschränkte Vorherrschaft besaß, die sie in rücksichtslos «r Weise zur Ausschaltung aller ande - ren Richtungen, zunächst der Christlichen und sföter auch der faschistischen Arbeiteroertreter bc- nagte. Insbesondere im Verwaltungsrat ics Internationalen Arbeitsamtes nahmen die Am- bcrdamer sämtliche sechs Arbeitnehmersitze ein. Seit hr Beteiligung des faschistischen Italien ergaben Ich jedes Jahr auf der Internationalen Arbeits- lonferenz dadurch Zwischenfälle, daß die Amster- icrier das Mandat der italienischen Vertreter betritt cn und diese auch sonst politisch provozierten. Crft nach zähem Kampfe konnte die italienische Re- perung eine Aenderung der Geschäfts- trbnung der Konferenz durchsetzen, die diese fortgesetzte Wiederholung des gleichen klasfenkämpfc- trdien Propagandastückes unmöglich machte. Eben- I) hat Italien gewisse Sicherungen für die Berück- schtigung der nichtmarxistischen Arbeitervertreter trrtid)t. Cs war oorauszusehen, daß gegen das na* iunalsozialistische Deutschland d ie laiche Methode der Anschuldigungen einsetzen würde. ;chon vor der Umbildung des deutschen Gewerk* lastswesens versuchte der französische Gewerkschafts- ihrer Iouhaux im April dieses Jahres im Ver- Ddltungsrat eine tendenziöse Erörterung der Vor- Pnge in Deutschland herbeizuführen. Man wollte luter keinen Umständen wahr haben, daß hinter der Jipierung Hitler Millionen deutscher Arbeitnehmer sehen, man wollte infolgedessen die Vertreter der ; rrbeitnehmcrgruppe nicht als die Abgesandten des d u ischen werktätigen Volkes anerkennen. Dom ersten rage an stießen unsere Vertreter immer wieder auf hien haßerfüllten Widerstand, der sie zwang, in ossntlicher Sitzung mit den Vertretern der Inter- »rionale Abrechnung zu halten und die Interessen deutschen Hand- und Kopfarbeiter gebührend »chrzunehmen. Bis in interne Besprechungen der «utichcn Abordnung hinein gelangten Spitzel, was k'hier aufschnappten, gaben sie entstellt in der aus- Indischen Hetzpresse wieder. Von hier aus holten sich »inn die Vertreter der ausländischen Gewerkschaften Oie Arbeit der Londoner Wirtschafts-Konferenz. Oer deutsche Delegierte poffeüber die Lage der Ausfuhr. — Professor Gaffel über Hebung des Preisniveaus. London, 19. Juni. (TU.) In der Sitzung des Wirtschaftsausschusses erklärte der russische Außenminister Litwinow: Er hoffe, daß die russische Entschließung für die Ausschaltung aller aggressiven und diskriminierenden Handclsmaßnahmen bald zur Erörterung komme und unterstütze ferner die von der amerikanischen und anderen Delegationen vorgeschlagene Ausdehnung des Zollwaffenftillstandes. Der Ausschußvorsitzende C o 1 i j n sagte, daß einer Besprechung der russischen Entschließung nichts im Wege stehe, beuetete jedoch an, daß dies angesichts der Besonderheit der russischen Vorschläge erst später der Fall sein werde, Ministerialrat Posse wies auf die besondere Lage Deutschlands im Ausfuhrhandel hin. Die deutsche Ausfuhr fei in letzter Zeit in ganz außerordentlichem Maße zurückgegangen. Es habe daher den Anschein, als ob die Erkenntnis, daß der Schuldner seine Schulden nur in Waren bczahlen kann, immer noch in der Theorie stecke und noch nicht in die Praxis umge- fetzt fei Die eigentliche Ursache für die Hemmnisse» des Warenaustausches sei die allgemeine 3 er* rüttung der Produktion. Die deutsche Delegation begrüße daher den französischen Vorschlag einer Organisierung der Produktion, der Regie- rungsmaßnahmcn für den Warenaustausch folgen sollen. Man dürfe nicht vergessen, daß der Bauer das stabilste Element in Deutschland sei und daß seine Erhaltung daher ein Lebe n s i n t e r e s s e für Deutschland bedeute. Eine befriedigende Lösung der finanziellen Fragen sei unbedingt notwendig, ehe eine befriedigende Regelung der Handclssragen erzielt werden könne. Das Pro- blem der Handelsbeschränkungen müsse im allgemeinen Rahmen der Zollfragen geschehen. Es werde kaum möglich sein, daß die Lasten, die den Staaten durch die Aushebung der Restriktionen erwachsen, nachträglich wieder durch Zollmaßnahmen ausgeglichen werden- In diesem Sinne sei Deutschland bereit, bei der Behandlung der Zollfragen mitjuarbei- ton. Es wurde dann ein Unterausschuß für die Erörterung der einzelnen Vorschläge eingesetzt. Zum Präsidenten dieses Unterausschusses, der das ganze Gebiet der Zollfragen und Handelsbeschränkungen behandelt, wurde auf Vorschlag von Eolijn Bürgermeister Krogmann einstimmig gewählt. Als nächster Punkt der Tagesordnung wurde dann die Frage der Märkte diskutiert. Der britische Delegierte erklärte, daß die Agrarpreise den Grund für alle wirtschaftlichen Schwierigkeiten bildeten. Zwischen den Produzenten der verschiedenen Länder seien Vereinbarungen zu schließen, denen möglichst viele Staaten beitreten müßten. Wenn ein Kartell arbeitsfähig sein solle, so müsse es sich eben immer um ein Produzentenkartell handeln. 3m Unterausschuß, der sich mit sofortigen Maß- nahmen des finanziellen Wiederaufbaues befaßt, fragte der Vorsitzende, der italienische Minister Jung, den schwedischen Delegierten Prof. Gaffel, ob er einen praktischen Vorschlag über die Hebung des Preisniveaus machen könne. Cassel erwiderte, es müsse eine Erhöhung der Welt- preise eintreten, die dem Erzeuger eine genügende Spannung lasse und das Gleichgewicht zwischen Produktionskosten und Prei- s e n wieder herstelle. Wenn der Unterausschuß eine solche Empfehlung einbringe, dann sei man einen großen Schritt vorwärts gekommen. Der Vertreter Rumäniens Radgearu erklärte, wenn nicht in jedem Lande das Preisniveau von 1929 wieder hergestellt werde, so feien alle Bemühungen finanzieller ober wirtschaftlicher Art zwecklos. Chamberlain kündigte eine Entschließung an, die sich sowohl mit der Frage des Preisniveaus als auch mit der Kreditpolitik befassen werde. Oer amerckamsche Währungsvorschlag. Noch immer Aufsicht auf eine baldige Einigung. London, 19. Juni. (TU.) Der amerikanische Senator Pittman hat im zweiten Unterausschuß des Währungsausschujses der Weltwirtschaftskonse- rcnz eine Entschließung eingebracht, die beträchtliches Aufsehen erregt. In der Entjchießung wird die Uebernahme folgender Derpflich- tun gen durch die an der Konferenz beteiligten Staaten vorgeschlagen: 1. Rasche Herstellung der Währungsstabl- l i t ä t. 2. Wiederherstellung des Goldes als Währungsstandard. 3. Der Gebrauch des Goldes soll auf die Um- laufdeckuna und die Regelung des internationalen Zahlungsausgleiches beschränkt werden. 4. Standardisierung der gesetzlichen Golddeckung, die geringer als die gegenwärtige Durch- schnittsdeckung fein foll. 5. Einladung an die Zentralbanken, sich sofort zur Erörterung der Frage der metallischen Re- serve zu versammeln. Hierfür wird die Zahl von 25 v. H. vvrgeschlagen. 6. Angesichts der Wichtigkeit des Silbers und der Notwendigkeit, das Vertrauen in dieses Metall im Fernen Osten wiederherzustellen, wird oor- geschlagen, daß a) die hauptsächlichsten silbcrerzeuaenden Länder vereinbaren, den Verkauf des Silbers zu b e g r e uze n; b) die Staaten sich verpflichten, eine Entrocr» t u ng des Silbers zu verhindern, und c) die Staaten dazu schreiten, Silber wieder für Währungszwecke zu verwenden; d) den Zentralbanken wird empfohlen, daß sie 80 v. H. ihrer Währungsdcckung in Gold halten und die übrigen 20 v.H. nach Wahl in Gold oder Silber, das zu einem niedrigeren Preise als der allgemeine Preisstand dieses Metalls getauft werden soll. In zuständigen Kreisen ist man der Ansicht, daß man keineswegs von einem Zusammenbruch der Verhandlungen über b i e Stabilisierung ber Währungen sprechen könne. Die Abreise bes Gouverneurs ber Ncuyorkcr Fcberal Reserve Bank werbe keinen Einfluß auf bie weiteren Verhanblungen ausüben, da ja noch andere Delegierte der Federal Board und bes amerikanischen Schatzamtes in Conbon geblieben seien und an ben Verhanblungen teilnehmen könnten, sobald ein Termin dafür festgesetzt worden sei. Don mehreren Seiten ist wiederholt die Hoffnung ausgesprochen worden, daß man wohl doch noch vor Ende dieser Woche zu einem Ergebnis gelangen werde, wenn man auch wahrscheinlich nicht zu einer feften Relation der Währungen kommen werde, Io werde vielleicht doch ein Uebereintommen getroffen, daß die Zentralnotenbanken Frankreichs, Englands und Amerikas im gegenseitigen Einvernehmen vorgingen. Dieses Ergebnis würde bereits genügen, damit die Konferenz zu den anderen Fragen, die eine gewisse Stabilität der Währungen zur Voraussetzung haben, übergehen könnte. Oie neue Oanziger Regierung. NSDAP, und Zentrum arbeiten zusammen. - Oie Verhandlungen zwischen Nationalsozialisten und Oeutschnationalen gescheitert. Danzig, 19.3uni. (WTB.) Laut Mitteilung der Gaupressestelle der Danziger RSDAP. wird sich die neue Regierung wie folgt zusammensehen: Präsident und Chef der auswärtigen Politik: Dr. R a u s ch n i n g (RSDAP.). vorläufiger Vizepräsident und Innensenator: Greiser (RSDAP.), Kultussenator: Bocck (RSDAP.), Senator für die Betrieoe: Dipl.-3ng. Huth (RSDAP.), Finanzsenator: Dr. Hoppenrath (NSDAP.), Senator für Bauwesen: Professor Hopfner (RSDAP.), Senator für Volksgesundheit: Medizinalrat Dr. Kluck (RSDAP.), Iustizsenator: Dr. Wierzinski-Keiser (Zentrum), Senatoren zur besonderen Verwendung: von W n u ck (RSDAP.) und Prälat S a w a tz k i (Zentrum). Der zwölfte Senator, so heißt eS in der parteiamtlichen Mitteilung, wird durch einen deutsch nationalen Vertreter gestellt werden, der sich aber inzwischen infolge des unver- ständlichen Verhaltens seiner Partei gezwungen gesehen hat, seinen Bund zur DRVP. zu lösen. Wie wir dazu erfahren, handelt es sich hierbei um den Abgeordneten Bertling, der seinen Tlebertritt tzur RSDAP. vollzogen hat. Das neue Präsidium des Danziger V o l k s t a g c s wird sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammensetzen: Präsident: von Wnuck (RSDAP.), erster Vizepräsident: Potrykus (Zentrum), zweiter Vizepräsident: B atz er (RSDAP.). Sie Verhandlungen zwischen ASDAp.undDeutschnalionalen. Danzig, 19. Juni. (CRB.) Zu dem Scheitern der Verhandlungen zwischen der RSDAP. und den Deutschnationalen in Danzig veröffentlicht die RSDAP. eine Erklärung, in der u. a. gesagt wird: Die RSDAP. beabsichtigte nicht, eine ausgesprochene Koalition einzugehen, sondern wollte nur in dem nationalsozialistisch geführten Senat eine Anzahl ihr Kampfmaterial geaen bie deutsche Delegation. Es ist ein Zeichen des hohen Verantwortungs- bcwußtseins ber beutschen Delegierten, daß sie nicht schon auf die ersten Anpöbelungen hin die soziali- stiiche Internationale unter sich ließen, sie haben sich vielmehr immer wieder bemüht, eine einigermaßen erträgliche Zusammenarbeit herbeizuführen, um bie Probleme losen zu können, bie hier im Interesse ber gesamten europäischen Arbeitnehmerschaft zur Debatte gestellt würben. Aber bie Amster- bamer gingen so weit, bie Abhaltung von privaten Beratungen anzuberaumen, deren Ergebnisse dann nachträglich von der Konferenz offiziell zur Kenntnis genommen werden sollten, nur um zu verhindern, baß bie deutsche Arbeitnehmerschaft in den Ausschüssen vertreten wurde. Wie bedauern es, daß die Gegenseite uns gezwungen hat, die Konferenz zu verlaßen, deren Arbeitsergebnisse von nun ab gle.ch Null sein werden. Es war aber notwendig, diesen Schritt zu tun, den uns unsere nationale Ehre gebot OerBombenanschlaginKrems Wien, 20. 3uni. (WTB. Funkspruch.) Der Haupttäter in dem Kremser Attentat ist noch in der Rächt in der Person des 21jährigen Handlungsgehilfen Herbert Mosel festgenommen worden. Er hatte die beiden zusammenge- buntenen Handgranaten von seinem Bruder Hans, ter ter Garnison Krems als Wehrmann angehört erhalten. Die dritte Handgranate war von einem 17jährigen Burschen geworfen worden, ter aber noch flüchtig ist. Hans Mosel war Zeuge des Anschlags und gab den beiten Tätern Anweisungen zum Werfen ter Handgranaten. Eine Verlautbarung des Sicherheitsdirektors für Riederösterreich zu dem Vorfall in Krems besagt, daß der in Haft genommene Haupttäter Herbert Mosel, ter SA.-Scharführer des nationalsozialistischen Pioniersturms 7/49 sei, ein G e st ä n d- nis abgelegt habe. Mosel, ter selbst durch Spreng stücke leichte Verletzungen erlitten hat, soll weiter zugegeben haben, daß an dem Attentat ein zweiter SA.-Mann des Pioniersturms, Adolf Weichselbaum, teilgenommen hat. Rach Weichselbaum wird gesahndet. Roch in der Rächt wurde die gesamte Bezirksparteileitung ter RSDAP. in ihren Wohnungen verhaftet und heute früh in Mililärkraftwagen nach Wien gebracht in das Landgericht. Unter den Verhafteten befindet sich ein aktiver Oberleutnant ter Garnison Krems, Brandner, und der Chefredakteur der .Landzeitung", Dr. Faber. Ins- gesamt wurden 18 führende Personen der RSDAP. in Krems verhaftet. Giahlhelmverboi im Regierungsbezirk Düsseldorf. Düsseldorf, 20. Juni. (TU.) Die Regierungspressestelle teilt mit: Der Regierungspräsident in Düsseldorf hat am Montag im gesamten Bereich des Regierungsbezirks den Stahlhelm in seiner bisherigen Organisationsform bis aus weiteres verboten. Unmittelbare Veranlassung zu diesem Verbot gab die ernste Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, wie sie durch d i e wahllose Ausnahme neuer, vielfach politisch unzuverlässiger und staatsfeindlicher Mitglieder in den Stahlhelm seit dem 30. 3anuar d. 3. und durch ein gesetzwidriges Verhalten von Stahlhelmsormationen, namentlich in ter letzten Zeit immer bedrohlicher hervorgetreten war. Die 'Vermeidung schwerwiegender Konflikte und die Wahrung der öffentlichen Ruhe ist aber t vor allem in einem Bezirk notwendig, der wichtigste Teile ter deutschen Wirtschaft umfaßt und als Grenzbszirk sich in einer besonders exponierten Lage befindet. DaS Verbot richtet sich in keiner Weise gegen die 3 b e a l e und al» ten Best ä n d e des Stahlhelms, sondern bezweckt lediglich den Stahlhelm von den Mißbräuchen der letzten Monate zu säubern und i n neuer Jorm der Mitarbeit an den Ausgaben des nationalen Staates wieder nutzbar zu machen. Oer Essener Gauleiter der NSOAp. zum Stahlhelmverbot in Düsseldorf. Essen, 20. 3unt (WTB. Funkspruch.) Der Gauleiter des Gaues Essen ter RSDAP., Ter* boven, hat einen Aufruf an die SA., SS. und den Stahlhelm erlassen, in dem et eine Begründung zu dem Verbot des Stahlhelms im Regierungsbezirk Düsseldorf gibt Er fordert die Stahlhelmer, die schon vor Beginn der nationalsozialistischen Revolution im Kamps gegen das alte System gestanden haben, auf, sich unter der Führung Adolf Hitlers erneut zu formieren, um gemeinsam die m der Zukunft noch nötigen Schlachten zu schlagen. Die Formierung soll in dem alten Ehrenkleid und unter ben alten Fahnen des S ta hlhelm S vor sich gehen. Der Gauleiter berief den Gau-Stohlhelmftihrer Major R i e d e r h o f s zum Führer des neuen Stahlhelms. von Persönlichkeiten der anderen Parteien hineinnehmen, die durch gegenfei ti «■ ges Vertrauen eine Verbindung ge° währleisren könnten. Erfreulicherweise gelang es, hinsichtlich des Zentrums eine Einigung zu erzielen. Vesondere Bedingungen wurden dabei nicht gestellt. Bei den Verhandlungen mit der Deutschnationalen Partei war es dagegen notwendig, einige Wünsche zu äußern, um die immer noch bestehende K a m p f s i t u a - t' o n aus der Wahlzeit her zu bereinigen. Leider fanden die an sich vom Standpunkte der NSDAP. selbstverständlichen und berechtigten Wünsche bei der Deutschnationalen Partei kein Entgegenkommen. Es ist demnach nicht die Schuld der NSDAP., wenn abermals durch eine wenig elastische Führung. der Deutschnationalen Partei die Verständigung mißglückte und für den Wiederaufbau wertvolle Kräfte außerhalb einer geschlossenen Front bleiben müssen. Die Deutschnationalen haben gleichzeitig eine Darstellung der Vorgänge, die zum Scheitern der Verhandlunge führten, veröffentlicht. In dieser Darstellung wird erklärt, daß die Erfüllung der nationalsozialistischen Bedingungen mit der Würde und (Ehre einer Partei nicht vereinbar sei und auf die Auflösung der Deutschnationalen Front hinausliefen. In der deutschnationalen Erklärung wird schließlich der NSDAP, unterstellt, daß diese überhaupt nicht den ernsten Willen gehabt habe, mit den Deutschnationalen zu einer Einigung zu kommen. Diese Darstellung wird in ein wesentlich anderes Licht gerückt durch die Veröffentlichung von zwei Briefen, die Dr. Rauschning in den letzten Tagen an den Senatspräsidenten Dr. Ziehm gerichtet hat. Sn dem ersten vom 13. Suni datierten Schreiben begrüßt Dr. Rauschning namens der NSDAP, die Bereitschaft der Deutschnationalen, in die neue Negierung einzutreten und ihre Erfahrungen für das Wohl des Staates zur Verfügung zu stellen. Dr. Rauschning gibt jedoch ausdrücklich seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Deutschnationalen für die Führung der Verhandlungen Vertreter benannt hätten, mit denen nach ihrer ganzen Einstellung die für die Herstellung einer einigen nationalen Front notwendige offene Aussprache unmöglich sei. In seinem zweiten Schreiben, das am Samstag Dr. 3 i e b m zugestellt wurde, stellt Dr. Rauschning mit besonderemBedauern die inzwischen von den Deutschnationalen erfolgte Ablehnung der nationalsozialistischen Wünsche fest. Diese Wünsche, so betont Dr. Rauschning, seien nur im Hinblick auf das zu erstrebende neue tragbare Vertrauensverhältnis ausgesprochen worden. Eine Einmischung in die inneren Parteiverhältnisse der Deutschnationalen liege derRSDAP. fern. Vertrauen aber sei an bestimmte Bedingungen und Persönlichkeiten geknüpft. Hugenberg und sein Werk. Zum68.GcburtstagdesReichs-Wirtschafts° und Ernährungsministers. Berlin, 19. Juni. (TU.) Aus Anlaß des 68. Geburtstages des Reichsministers Dr. Hugenberg smach der Pressechef der Deutschnationalen Front, Hauptmann a. D. Brosius im Rundsunk über „Hugenberg und sein Werk". Dabei führte er u. a. folgendes aus: An seinem diesjährigen Geburtstage steht der Minister Hugenberg im Mittelpunkt weltpolitischen Geschehens. Das Vertrauen des Reichspräsidenten hat ihn in fein Amt berufen. Das Vertrauen des Reichskanzlers Hitler hat ihm die Aufgabe übertragen, in London als Führer der deut- schen Wirtschaft Deutschlands Interessen zu vertreten. Mit dem gleichen Vertrauen begleitet das deutsche Volk seinen Kampf gegen den Haß und die Verständnislosigkeit der anderen Mächte. Alfred Hugenberg ist Niedersache von Geburt. Sein Lebensweg vermittelte ihm eine alles umfassende Vorbildung zum Staatsmann und Wirt- schastsführer. Er stand bald in den Reihen derer, die gegen die Außenpolitik der Nachfolger Bismarcks den alldeutschen Verband gründeten, deren Ruf „Deutschland erwache" zum ersten Male in das deutsche Volk hineingetragen wurde. Als vor nun fünf Jahren das Vertrauen der Deutschnationalen ihn an die Spitze der Partei stellte, da griff er aktiv handelnd in die deutsche Politik ein. Hugenberg führte seine Partei, nachdem er sie vom parlamentarischen Geist und von parlamentarischen Kostgängern befreit hatte, in den Entscheidungskampf um Deutschlands Neugestaltung. Die Tatsache, daß sich Hugenberg als Minister hinter die politische Führung Hitlers gestellt hat, die Tatsache, daß Hitler die wirtschaftliche Autorität Hugenbergs anerkennt und seiner Wirtschaftsführung vertraut,' das ist die psychologische Voraussetzung für den Pakt, der am 3 0. Januar g e - schlossen i ft. Hitler und Hugenberg — beide find entschiedene Gegner jenes Liberalismus, der den letzten Sahr- zehnten deutscher Geschichte sein Gepräge gab. Beide find Geyner des internationalen Kapitalismus. Hugenberg vertritt im Kabinett jenes konservative Element, das nicht gleichbedeutend mit dem falschen Schlag- Wort reaktionär ist, sondern das Bewahrtes aus der Vergangenheit für die Zukunft des Volkes nutzbar machen will. Ohne diesen konservativen Einschlag ist das Dritte Reich nicht zu denken. Aus der Erfahrung eines langen Lebens hatte Hugenberg als Bedingung für seinen Eintritt in das Kabinett die Z u - fammenfaffung der gesamten Wirtschaftspolitik im Deich und in Preußen in einer Hand gefordert. Sn zäher organischer Arbeit hat er feine Wirtschaftsneugestaltung mit dem Kamps für den Bauern begonnen. Die grundlegende Aenderung der Handelspolitik machte den Weg frei für eine wirksame Vertretung der deutschen Notwendigkeiten. Das kam auch dem gewerblichenMittelstand und der Sndustrie zugute, die überdies von einengenden Fesseln und Lasten befreit wurden. • Staatssekretär v. Rohr hat an Reichsminister Dr. Hugenberg anläßlich seines 68. Geburtstages folgendes Telegramm gesandt: Die Beamten und Angestellten des Reichsernährungsmini- st e r i u m s sprechen Shnen, Herr Nkinister, ihre gefjorfamften Glückwünsche aus. Wir bringen Shnen keine Blumen, sondern werden Shnen zu Ehren heute alle eine Stunde länger arbeiten.“ — Der stellvertretende Parteiführer Dr. v. Winterfeld sandte folgendes Telegramm: Die Deutschnationale Front gedenkt Shres Führers in Treue und mit heißen Wünschen für persönliches Wohlergehen und er- Giovinezza in Dalmatien. Bon unserem Dr. 8t.-Sonderberichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenI) Dubrovnik (Ragusa), Suni 1933. Sn den letzten Wochen hat die jugoslawische Regierung ihr Gendarmeriekorps um rund 20 000 Mann vermehrt und mindestens ein Drittel des Zuwachses an die adriatische Küste kommandiert. Wohin man auch kommen mag, auf die kleinen, stillen, sonst nur dem Dadesport dienenden Snseln, in die größeren Hafenstädte oder in die idyllischen, malerischen, meist von Türken und Albanesen bewohnten Orte des montenegrinischen Littorales, überall wimmelt es von jungen, meist noch recht unerfahrenen Gendarmen, die hier im Grenzdienst ausgebildet werden. Die ganze 1700 Meter lange südslawische Adriaküste ist nämlich eine einzige Grenzlinie, die nur durch ein paar markante Stützpunkte unterbrochen wird. Diese Stützpunkte wie Fiume, Tara und Lagosta befinden sich aber im italienischen Besitz. Lind durch diese Stützpunkte, die in der ersten Zeit nach der italienischen Besetzung in wirtschaftlicher Beziehung etwas zurückgingen, jetzt aber als Zentralen eines glänzend organisierten Schmuggels sich immer mehr erholen, be herrsch tMusso- lini bereits heute die Adria. Es überrascht nicht wenig, wenn man «erfährt, wie sehr sich in Dalmatien die öffentliche Meinung während der drei letzten Sahre geändert hat. Früher bemerkte man eine geschloffen e. u n d entschlossene Abwehrfront aller slawischen Devölkeruergskreise gegenüber den italienischen Aspirationen. Der von der Belgrader Regierung mit Stallen am 20. Suli 1925 abgeschlossene Nettunovertrag über den Grenzverkehr in Dalmatien hat in Kroatien wenig Anklang gesunden. Hielt Mussolini in Rom eine Rede, die sich unter anderem auch auf die nie aufgegebenen Ansprüche Staliens auf die Ostküste Der Adria bezog, dann schwollen in Dalmatien und Kroatien die Kämme mächtig an, dann regnete es Proteste und spontane Demonstrationen. Die Adria muh slawisch bleiben, hieß es. Wenn aber heute kriegerische Töne aus Rom herüberklingen, dann zucken die Leute in Damatien ein wenig resigniert mit den Achseln und meinen: „Mögen sie kommen! Es kann nur besser, nicht schlechter wer- d e n". Südslawiens nationaler Wehrwille ist, wenigstens an der Adria, im Erlöschen. Daß die kroatischen Dalmatiner mit der Belgrader Diktatur unzufrieden find, braucht nicht erst betont zu werden. Sie kommen häufig mit Stalienern zusammen und hören, wie drüben im faschistischen Stalien Ordnung und Gesetz herrscht, ärgern sich grün und blau, daß sie beispielsweise für den Zucker, auf den der jugoslawische Staat ein Monopol hat, 15 Dinare für das Kilo bezahlen müssen, während er beispielsweise im italienischen Freihafen Lagosta nur 5 Dinere das Kilo kostet. Aehnliche Unterbliebe bestehen beim Kaffee und beim Tabak. Aber auch die serbische Bevölkerung der Adriaküste, die Bokesen und Montenegriner, fühlen sich durch die Diktatur bedrückt, die sie zu „Sugoflatoen“ stempeln will. Charakteristisch ist der Ausspruch eines serbischen Politikers, eines Vorkämpfers der südslawischen Sdee während der österreichischen Herrschaft, der mir sagte: „Sn Oesterreich haben wir Serben der dalmatinischen Küste die Freiheit gehabt, neben der österreichischen Staatsflagge unsere serbische Nationalfahne zu hissen. Heute, i n unter e m eigenen Königreich, ist uns das verboten. Wir müssen die neugeschaffenen jugoslawischen Farben zeigen, mit denen uns nichts oerbinbet.“ Noch mehr kränkt es die patriotisch gesinnten Dalmatiner, bah ihre Söhne von den jugoslawischen Militärbehörden nicht, wie es bisher der Fall war, für b e n Seebienst ausgehoben, sondern als Rekruten in das Landheer eingestellt und irgendwohin nach Mazedonien kommandiert werden, wo sich die Füchse Gutenacht sagen. Sn Belgrad meint man, und wohl nicht mit Unrecht, daß es nötig sei, den serbischen Bauernsöhnen die Adria nahe- und die Liebe zum Meere beizubringen. Man schickt darum viele junge Serben, die niemals in ihrem Leben Salzwasser gerochen haben, ans Meer und läßt sie als Matrosen ausbilden. Das wäre nicht so schlimm. Aber man ergänzt auch den Seeoffiziersnachwuchs aus Serbien und das können die Dalmatiner, die früher in der österreich-ungarischen Kriegsmarine eine bedeutende Rolle spielten, nicht verwinden. Die Dalmatiner sind geborene Seeleute. Schon unter der Herrschaft der Republik Venedig, der Dalmatien seine herrlichsten, mittelalterlichen Bauten verdankt, haben sie das beste Mannschaftsmaterial für die Kriegsflotte geliefert, sie verstehen sich auf das nasse Element und sind natürlich begeisterte Wasserratten. Ohne den schwankenden Boden der Schiffe unter ihren Füßen fühlen sie sich heimatlos und deklassiert. Kein Wunder, wenn sie nur mit Unlust in der Landarmee dienen. Während also in der psychologischen Behandlung der dalmatinischen Küstenbevölkerung von der Belgrader Regierung ein Fehler nach dem anderen gemacht wird, wird von Rom aus planmäßig für die faschistische Sdee und den italienischen Staatsgedan- ken geworben. Auf Grund des Londoner Abkommens genießen die italienischen Minderheiten in Dalmatien nicht nur den intensiven Minoritätenschutz der jugoslawischen Regierung, die natürlich zwecks Vermeidung von Konflikten eifrig bestrebt ist, die italienischen Optanten so sanft wie möglich zu behandeln, sondern sie erfreuen sich auch der Förderung des italienischen Staates, der jährlich viele Millionen für seine Volksgenossen an der aöria- tischen Ostküste verausgabt. Sn ganz Dalmatien dürfte es unter jugoslawischer Hoheit rund 7000 Reichsitaliener geben, aber diese 7000 sind national geschlossen und organisiert. Besondere Sorgfalt wird auf die Erhaltung und Führung der italienischen Minderheitenschulen gelegt. Sn jeder italienischen Schule Dalmatiens prangt das Bild des italienischen Königs neben dem des Duces, in jeder italienischen Schule lernt das Kind als erstes Lied die Giovinezza. Gerät ein italienischer Optant in Rot, nimmt sich seiner das nächste italienische Konsulat in vorbildlicher Weise an, unterstützt ihn, verschafft ihm Arbeit und läßt seine Kinder in italienischen Privatschulen erziehen. Ungeheure Aufbauarbeit wird auf diese Weise durch den Faschismus geleistet, dessen positive Leistungen von der slawischen Bevölkerung teils mit scheelem Neid, teils mit ehrlicher Bewunderung verfolgt werden. Es zeigt sich hier, welche Kraft in einer starken, einheitlichen, nationalen Staatsführung steckt und wie mächtig sie sich auch im Ausland auswirkt. Zwar gibt es in Sugo- slawien auch eine in der öofolbetoegung zusammengefahte Sugenborganifation, aber wie schwächlich und ziellos erscheint sie im Vergleich zu der B a l i l l a, die auch im jugoslawischen Dalmatien bereits kräftige Wurzeln gefaßt hat und der Heranwachsenden Sugenö Ziel und Richtung weist. Seit die katholischen Bischöfe gegen die Sokols Stellung genommen haben, gibt es in Sugoslawien keine nationale Organisation mehr, die beide christlichen Konfessionen des Staates, die Katholiken und Prawo- flawen (Serbisch-Orthodoxe) unter einem Hut hält. Die Adriaslawen haben keinen nationalen Rückhalt mehr. Sie tasten ins Wesenlose. Sprachen sie früher vom Sahre 1918 als vom „Sahre der Befreiung", so ist dieses Wort wieder in Vergessenheit geraten. Hat man im ersten Vereinigungstaumel nach dem Weltkrieg alles geächtet, was mit den „verfluchten Schwabas" in Beziehung stand und sich ganz den französischen Freunden in die Arme geworfen, so unterstreichen jetzt die Kroaten und Dalmatiner ihre europäische Tradition gegenüber dem Balkanismus der Serben und betonen ihre unter deutscher bzw. österreichischer Führung erworbene Kultur. Ueberhaupt findet die Belgrader Anlehnung an Frankreich bei den Adriakroaten wenig Liebe. Sie weisen darauf hin, daß Italien 34 Prozent der jugoslawischen Einfuhr und 71 Prozent der jugoslawischen Ausfuhr durch seinen Schiffspark besorgt, sie halten es daher für wichtiger, daß man in ihren Mittelschulen italienisch statt französisch lehrt, da der Handelsverkehr Jugoslawiens hauptsächlich nach Italien geht. Man erkennt langsam, daß man die politischen Interessen nicht im Gegensatz zu den wirtschaftlichen stellen darf. .Aus der politischen Einkreisung Jugoslawiens durch Italien ist in den letzten Jahren auch eine moralische geworden, und das Bündnis mit Frankreich findet in den breiten Massen der Bevölkerung keinen Widerhall. So herrscht ein Zustand der Lethargie, die leben Widerstand gegen die italienischen Machtansprüche auf der Adria immer mehr erstickt und den Boden für eine neue Konstellation vorbereitet, von deren Entwicklung man sich vorläufig noch keine klaren, noch keine scharf umrissenen Vorstellungen macht. Genau wie von der nahen, südslawischen Revolution, über die seit Jahr und Tag sowohl im Ausland als auch in Kroatien immer wieder gesprochen wird, der aber die einigende Parole fehlt. Die politische Hochspannung, die in den einzelnen Gebieten des südslawischen Königsreiches herrscht, erzeugt nur Wetterleuchten. Zu irgendeiner starken, bewußten Aktivität konnten sich die verschiedenen Oppositionsparteien der Herren Matschek (Kroatenführer), K o r o s ch e tz (Slownenführer und früherer Ministerpräsident), Spa ho und des serbischen Demokraten Davidowitsch nicht aufschwingen. Die ganze kurze Geschichte des südslawischen Staates ist ein Beweis für die bekannte Anschauung verschiedener Historiker, daß den meisten slawischen Volksstämmen, so auch den Polen, auf die Dauer das staatsbildende.Ferment abgeht. So erhält der kulturelle, wirtschaftliche und moralische Einfluß, den das faschistische Italien immer stärker auf die fla- wische Ostküste der Adria ausübt, eine symptomatische Bedeutung. Reife Früchte braucht man nicht immer zu pflücken, sie fallen zum gegebenen Zeitpunkt einem von selbst in den Schoß. folgreiche Arbeit zum Segen des Vaterlandes. — Auch der deutschnationale Bund des gewerblichen Mittelstandes hat an den Reichswirtschaftsminister Dr. Hugenberg eine Glückwünschadresse gerichtet. Reue Parteileitung der GPO. Berlin, 19. Juni. (DDZ.) Eine gemeinsame Sitzung der erweiterten Parteileitung der Sozial- demokratischen Partei zusammen mit den Vorstän-- den der Fraktionen im Reichstag und Preußischen Landtag beschloß, die Führung der Parteigeschäfte den Mitgliedern Westphal, Stelling, Rin- ner und Künstler zu übertragen unter Hinzuziehung der Vorsitzenden der Reichstags- und Landtagsfraktionen Löbe und Szillat. Der neu gewählte Parteioorstand in Berlin hat allein d i e verantwortliche Führung der Partei. Deutsche Parteigenossen, dieinsAusland gegangen sind, können keinerlei Erklärungen für bte Partei abgeben. Für alle ihre Aeußerungen lehnt die Partei jede Verantwortung ausdrücklich ab. Von den 4 neuen Vorstandsmitgliedern ist Westphal preußischer Landtagsabgeordneter seit dem 5. März d. I., er ist Schwerkriegsbeschädigter und bekleidet die Stelle eines Parteisekretärs in Berlin. Stelling ist Reichstagsabgeordneter und war von 1921 bis 1924 Ministerpräsident in Mecklenburg-Schwerin. Rinner war volkswirtschaftlicher Mitarbeiter im Bureau der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, während Künstler Vorsitzender der Groß-Berliner sozialdemokratischen Organisation ist. Oie Kasseler Landeskirche zur Bischosssrage. WSN. Kassel. 19. Suni. Sn einer Kundgebung des Landesoberpfarrers D. Moller an die Geistlichen der Landeskirche Hessen-Kassel teilt D. Moller mit, daß er von der Kirchenregierung bevollmächtigt sei zu allen Verhandlungen, Erklärungen und Maßnahmen für die evangelische Landeskirche in Hessen-Kassel, die aus der Neuordnung des deutschen Kirchenwesens sich als notwendig ergeben. Namens der Landeskirche habe er f ü r den zum Reichsbischof nominierten P a st o r von Bodelschwingh votiert als für den echten Sohn seines glaubens- und liebesmächtigen Vaters, dessen Segenswerk er mit kräftiger Hand zu gesunder Weiterentwick- lung in schwerster Zeit geführt habe. D. Möller teilt weiter mit, daß er demnächst einen Ausschuß berufen werde, der ihn beraten solle. Als Bevollmächtigter der Landeskirche müsse er fordern, daß die Amtsbrüder als mitverantwortlich ihm Gefolgschaft leisten. Kleine politische Nachrichten. Der Polizeipräsident von Berlin hat die Sonntagsausgabe des „Reichsboten" beschlagnahmt, weil der Leitartikel „Kreuzzug des Geistes" geeignet ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden. • Der Vorsitzende des Deutschen und des Preußischen Städtetages sowie der Führer des Deutschen Gemeindetages haben den Präsidenten Dr. M u 1 e r t aus seinem Dienstverhältnis zum Deutschen und Preußischen Städtetag fristlos entlassen. Durch die fristlose Entlassung wird das eingeleitete Ermittlungsversahren der Staatsanwaltschaft nicht berührt. Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Dr. Borchmeier - Recklinghausen hat in der letzten Zeit bei verschieoenenen Gelegenheiten an der Entwicklung der politischen Lage in Deutschland scharfe Kritik geübt. Unter anderem hat er bei einer Wahlrede in Danzig Redewendungen gebraucht, die den Polizeipräsidenten veranlaßt haben, Borchmeier ernstlich zu verwarnen. Der Leiter der rumänischen Luftstreitkräfte General S i e ch i t i u ist in Begleitung von zehn Offizieren in Flugzeugen in Warschau ein- getroffen. Der Unterstaatsserretär im rumänischen Luftfahrtamt ist bereits seit mehreren Tagen in Warschau. Ans aller Welt. Fünf Todesopfer eines Autounglücks in Württemberg. Auf der Chaussee bei Jreubenffabf ereignete sich ein furchtbares Autounglück, dem fünf Personen zum Opfer fielen. Die Blinden, die im Kloster Heiligenbronn untergebracht sind, machten in Begleitung von Schwestern einen Autoaus- f l u g. Aus dem Rückwege geriet das mit 41 Personen besetzte Lastauto aus der Fahrbahn und stürzte die sehr fteile Böschung hinunter. Das Auto überschlug sich und begrub die Insassen unter sich. Fünf Personen, alles Blinde, wurden sofort getötet Lin Schwerverletzter und mehrere Leichtverletzte wurden ins Krankenhaus gebracht. Der Genter-Prozeß in Lübeck. In der Verhandlung gegen den Berliner Arzt Dr. Genter teilte Dr. med. Weigmann zunächst Aas Ergebnis der bakteriologischen Untersuchung des Genierschen Mittels in Kiel mit. Die Probe des Genterschen Präparates war b a t tert e n f r e i. Prof. Dr. Steuermann erklärte, daß die Abszeßbildung bei den Kindern mit den Injektionen Dr. Genters in Verbindung stehe. Die Abszesse seien, stets erst nach Aufgabe'der Behandlung durch Dr. Genter entstanden und ausschließlich bei den Kindern vorgekommen, bei denen Jejekiionen oorgenommen wurden, und zwar am Einstichkanal. Es sei anzunehmen, daß die Spritzen, die Dr. Genter benutzte, Jnfektionskeime enthielten, da sie nicht einwandfrei gehandhabt worden leien. Auch müsse angenommen werden, daß die Infektion durch die Einspritzungen Dr. Genters heroorgerufen worden sei. Bei den in Frage kommenden drei Kindern sei der Tod sowieso sicher gewesen, eine Beschleunigung des Todes sei aber durch Infektion eingetreten. Prof. Dr. Bessar betonte bann, wenn ein junger Arzt in seiner Klinik solche Vorsichtsmaß. nahmen unterlassen hatte, wie es bei Dr. Genter vorgekommen sei, bann wäre er von ber Klinik verwiesen worben. 3m wasser vorn Blitz getroffen. Dieser Tage ging ein kurzes Gewitter über Königsberg nieder. Dabei schlug der Blitz in der Nähe einer Badeanstalt ins Wasser und traf den 17jährigen Schwimmer Davis aus Königsberg, der sofort getötet wurde und unterging. Später konnte die Leiche geborgen werden. Besuch Reichsstatihatters Sprenger bei den Opel Werken. Rüsselsheim, 19. Juni. (WSN.) Der Reichsstatthalter in Hessen Sprenger stattete heute den Opel-Werken in Rüsselsheim einen Besuch ab. Aus diesem Anlaß sand eine große eindrucksvolle Kundgebung der annähernd 10 000 Arbeiter und Ange st eilten der Adam Opel A. G. auf dem Fabrikgelände statt. Ein Mitglied des Vorstandes begrüßte den Reichsstatthalter im Namen der Belegschaft, des Vorstandes unb des Aufsichtsrats der Adam Opel A.-G. und betonte den Willen zur produktiven und gemeinförbernben Zu- fammenarbeit ber Werksleitung mit ben Werksangehörigen zum Besten des deutschen Vaterlandes. Im Anschluß daran hielt Reichsstatthalter Sprenger eine Ansprache, in ber er u. a. ausführte: Das jahrzehntelang fehlgeleitete beutsche Volk habe zum Wiederaufbau kein anbers Kapital und keine anbere Kraft mehr zur Verfügung als die Arbeit. „Arbeit und Brot", die Worte des Hoheitszeichens ber nationalen Regierung, bebeuteten nichts anberes, als umgewertete Arbeit auf dem Boden eines gesunden Wirtschaftslebens. Alle Arbeitenden haben die Pflicht, zur Gesundung unserer Wirtschaft beizutragen. Gemeinnutz gehe vor Eigennutz. Die etwa 10 000 Teilnehmer dieser Kundgebung sollen stolz und froh auf ihre Arbeitsstätte sein und auch derer gedenken, die draußen vor den Toren der Arbeit darauf warteten, in den Arbeitsprozeß eingeglie- bert zu werben. Nicht kleinliche Grenzen sollten bei dieser Eingliederung gezogen werden, sondern jeder solle sich vor Augen halten, daß seine Arbeit der Allgemeinheit zugute komme. Mit einem drei- fachen „Heil!" auf den Reichskanzler, den obersten Schutzherrn der deutschen Arbeit, unb mit kurzen Dankesworten der Werksleitung schloß die Kundgebung. Wettervoraussage. Die Wetterlage steht weiterhin unter dem Einfluß des tiefen Druckes. Der Vorüberzug der Wirbel über Nord- und Ostsee verursacht anhaltende Zufuhr vzea- bischer Luft, die bei wechselhafter Bewölkung zeit- weise 3’t Regenschauern, teils mit Gewitterbeglei- tung führt und keine sommerliche Wärme auftom« men läßt. Aussichten für Mittwoch: Weiterhin wechselhaftes Wetter, bewölkt mit zwischenzeitlicher Aufheiterung, noch Regenschauer, mäßig warm. Aussichten für Donnerstag: Keine wesentliche Aenderung. Lufttemperaturen. Am 19. Juni: mittags 19,6 Grad Celsius; abends 12 Grad. Am 20. Juni: morgens 12,7 Grad; Maximum 21,8 Grad, Minimum 11,5 Grad; Niederschläge 13,2 mm. dI ertlgndt dem fünf Jja. '"ötn, bk im V swb, machten ie" Mntoau •- d°r mit 41 fyr. et Joljtbagn Bö|djung 9 UH nnb begrub Personen, alle» l f L Cin Sdjroet- Wt würben int i.Ntftreitkäfte t im ^QU ein* ,lm rmnänilchen 6ttten tagen U elt. lounglüiis in Hrichlen. >9 Ä- la,,u"9toi8tbLU 1 S'XölKfc®, ,en bat in bl®4mä ''l-hen Lage j' «W Wlet ernstlich Cübttf. Berliner Arzt Dr. mnn zunächst tzo; Idjen Unter« 5 in Kiel mit. Sie les war balle« ■ mann erllärle, ibern mit den 3n- ibung stehe. Sie gäbe der Behänd- und ausschließlich i denen Oejeltionen am Einstichlanal. prihen, die Sr. enthielten, da sie irden leien. Auch die Infektion durch eroorgerufen wer- nenben brei Äin« icmelen, eine De« nd) HchNivn ein« tonte bann, wenn >lche Doisichlsmah- is bei Sr. Senter jon der Klinik Der« jefroffen. s Gewitter über ug der Wtz in ins Wasser und ec Davis aus tet wurde und Leiche geborgen (Sprengerbei fen. B591.) Der Reichs ,er (tatleie Heu« i einen Desuch «»• roste eindru-ksoollt erndlOMAl. n der italt Sin ^l|9ll.tl Bandes imb » S. und betonte be einförbernbtn > mit ben öerlsan- jchen Daierlan^ aUl,all-r-hrtrSa» a. ausiuhrie. »J che Bolt habe M Sun» &*•£ 5 r'SWi'S gebUnfl • a bert: rÄ'ta n fifte «rW Ks -7.« itenbe jfit' M ,. $elt«£ iit Att r maBl9 . -ei" g Arad, Aus der Provinzialhauptstadt. Die Vertilgung der Schnaken. r)on Heinrich Heß, Gießen. Aus einer Anordnung des Ministeriums für Kultus und_ Bildungswefen geht hervor, daß auch an dieser Stelle die dringende Notwendigkeit einer «n, systematischen Schnakenoertilgung erkannt ährend bisher nur einzelne Städte einiges zur Bekämpfung der Schnaken taten, soll nunmehr in ganz Hessen ernstlich der gemeinsame Kamps begonnen und durchgeseyt werden. Keine Stadt, kein Dorf, kein Gehöft darf fick dieser Arbeit entziehen. Dabei darf es aber nicht bleiben. 3n ganz Deutschland muh dieser Kampf durchgeführt werden, zum Wohle und zur Gesundheit der Menschen und Tiere. Abgesehen von den brennenden, langonhaltenden Schmerzen und Geschwülsten, welche die Schnakenstiche verursachen, sind auch öfters ernste Krankheiten die Folgen. Die Schnaken paaren sich im Mai. In etwa 4 bis 5 Wochen legt das Weibchen etwa 300 Eier auf einen in ruhigen Gewässern schwimmenden Gegenstand. In weiteren 4 bis 5 Wochen, also jetzt bald, entschlüpfen sofort fortpslanzungssähige Schnaken aus, so baß die Nachkommenschaft des einen überwinterten Weibchens etwa 50 000 Eier in den nächsten 4 bis 5 Wochen legt. Hieraus ist zu ersehen wie ungeheuer wichtig es ist, im Winter die Weibchen in ihren Schlupfwinkeln zu vernichten und wo dieses bisher nicht geschah, alles sofort daran zu setzen, die jetzt kommende erste Iahresbrut zu vernichten. Die aus der letzten Iahresbrut überwinternden Weibchen beziehen Im Spätherbst ihre Winterouar- tiere. Bei Beginn der warmen Jahreszeit beginnt bann das Brutgeschäft wieder. Hieraus ergibt sich, daß der Dernichtungskampf während der warmen und der kalten Jahreszeit durchgeführt werden muß. Wenn dieser Kampf überall rechtzeitig, fachgemäß und gewissenhaft in Stadt und Land durch- geführt wird, ist schon im ersten Jahre eine Erleichterung zu verzeichnen. Die Arbeiten müssen bestehen, in der warmen Zeit, aus dem Aufsuchen der Brutstätten (Wasser- tümpel, Weiher, Bäche und Flußuser usw ). Soweit es möglich ist, sind diese durch Wasserabzugsgräben, oder Zuschütten zu beseitigen, wodurch fernere Arbeit erspart wird. Alte, Herumliegende Töpfe, Sannen, hohle Scherben find untergraben, da auch die kleinste Wasserfläche zur Brutablage genügt. Unterstützt muß dieser Kampf fortwährend werden durch Aufklärung der gesamten Bevölkerung: Die hierüber von dem Ministerium gegebenen Bestimmungen scheinen dazu sehr geeignet zu fein. Wie eine sahrzehnte lange Erfahrung, gewonnen aus eigenen Versuchen, aus Organisation und Ueber- wachung, ergeben hat, steht besonders bei mangelhafter ober unterlassener Aufklärung ein großer Teil der Bevölkerung diesen Arbeiten in Unkenntnis der Notwendigkeit eines energischen und fachgemä- ßen Schnakenvernichtungskampfes sehr uninteressiert, ja vielfach ablehnend gegenüber. Die Arbeiten sind infolge der vorgeschrittenen Jahreszeit und weil auch wohl noch einiges hergestellt und beschafft werden muß, aber auch die Leute in die Arbeit eingeführt werden müssen, unverzüglich zu beginnen, sonst entrinnt die erste diesjährige Brut der Vernichtung. Lustschuh iut Not. Gestern abend sprach im ©aale deS Studentenheimes im Rahmen des ersten Luftschuh-Jnfor- matlonskursus für die Lehrer und Lehrerinnen der Gießener Schulen Herr Gewerbelehrer Schuch a r d t über daS Thema „(Bau und Einrich- tung von Schuhräumen". Der Dortragende machte die Hörer in aufschlußreicher Weise mit allen wichtigen Gesichtspunkten des Raues von Schuhräumen für die Zwecke des zivilen Luftschutzes bekannt. Insbesondere empfahl er, keine großen Schutzräume zu errichten, sondern daS Schwerg'wicht auf die Schaffung von vielen kleinen Schutzräumen zu legen. Kellerräume können auf verhältnismäßig einfache Weise splittersicher, einsturzsicher und auch gassicher gemacht werden. Der instruktive Dortrag wurde mit großem Interesse entgegengenommen. Der letzte Dortrag im Rahmen dieses Jnfor- mationSkursus findet morgen, Mittwoch, um 20 Uhr wieder im Saale des Studentenheimes statt. Regierungsmedizinalrat Dr. Kortüm wird über das Thema „Erste Hilfe und sanitäre Maßnahmen beim zivilen Luftschutz" sprechen. Daten für Dienstag, 2V.Juni. 1520: LutherS (Brief an den deutschen Adel erscheint; 1620: Tillys Sieg über Herzog Christian von Braunschweig bei Höchst; 1868: Der Schriftsteller Walter Bloern in Elberfeld geboren. Gictzcner Wochenmarktpreise. * Gießen, 20. Juni. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 bis 135, Landbutter 120, Kochburter 100 bi« 105, Matte 25 Pf. da« Pfund, Käse 4 bis 10, (Sier, in- ländische, 8*A bi8 9 Pf. das Stück, Wirsing, grün, 12 Pf. das Pfund, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 15 Pf. das Bündel, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 10 bis 12, Bohnen, grün, 35 bis 40, Spargel 35 bis 40, Erbsen 20 bis 25, Mischae- müse 10, Tomaten 45 bis 50, Zwiebeln 15, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln, alte 3, neue 12, Kirschen 30, Stachelbeeren 15 bis 20, Erdbeeren 30 bis 40, Junge Hähne 90 bis 100, Suppenhühner 70 bis 80 Pf. das Pfund, Tauben 50 bis 60, Blumenkohl 10 bis 50, Salat 5 bis 10, Salatgur- ken 20 bis 35, Ober-Kohlrabi 6 bis 10, Rettich 10 bis 15 Pf. das Stück, Radieschen 5 bis 10 Pf. daS Bund, Kartoffeln 2,50 bis 3 Mk. per Zentner. V. rnotizcn. — Tageskalender für Dienstag. Licht- fpielhaus, Bahnhofstraße: „Was Frauen träumen". " Straßensperrungsnachricht, mit- geteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. D. (QL p. D.) - Gießen: Die Sperre auf der Provin- zialstraßenstrecke Schlitz — Fulda (Abteilung Hemmen-Landesgrenzej wird ab 24. Juni aufgehoben. •• Sitzung des Provinzialausschus- s e s. Am nächsten Samstag, 24. Juni, 8.30 Llhr -beginnend, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, eine öffentliche Sitzung des Prooinzialausschusses der Provinz Ober- Hessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des Bezirksfürsorgeverbandes Karlsruhe-Stadt, vertreten durch das Städt. Fürsorgeamt QL in Karlsruhe, gegen den Dezirksfürsorgeverband deS Kreises Friedberg wegen Anerkennung der Kostenerstattungspflicht für Heinrich Engelhardt. 2. Antrag der Gemeinde Groß-Karben auf teil- weise Enteignung de« Grundstücks Flur I Rr. 581 der Gemarkung Groß-Karben für Strahenzwecke, 3. Klage des Kaisers Kasseegeschäst G. m. b. H., Diersen, gegen den Bescheid des KreisamtS Dreßen vom 12. April 1933 wegen Dersagung der Erlaubnis zum Kleinhandel mit Spirituosen in der Verkaufsstelle (Sieben, MäuSburg 5. " Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 1. bis 15. 3uni verstürben in unserer Stadt: 1. Johanna Deuckels, Köchin. Jahre alt, Schützenstraße 2; 2. Frieda Lehmann, geb. Mo- biuS, 41 Jahre alt, Jheringstraße 9; Friedrich Waas, Pfarrer, 53 Jahre alt. Gnauthstrahe 17; Katharine Schliuid, geb. Landfiedel, 49 Jahre alt, Sonnenstraße 11; 4. Richard Weigand, Finanzamt-Angestellter, 34 Jahre alt, Druchstraße 24; Katharine Rgoso, geb. Klappert, Witwe. 50 Jahre alt, Schottstraße.15; 5- Elise Saame. Buch- Halterin, 51 Jahre alt, Lundwigstraße 41; Anna Pfeiffer, geb. Wissig. 38 Jahre alt, Wollengasse 16; Heinrich Pfeil, Fabrikaufseher. 64 Jahre alt, Ludwigstraße 8; 6. Hermann Lublinski, Kaufmann. 68 Jahre alt, Sraiflfurter Straße 127; 7. Anna Walter, ohne Beruf, 44 Jahre alt, Schiffenberger Weg 2; 12. Jakob Henn, Tapezier- meister, 74 Jahre alt, Landgraf-Philipp-Platz 8; Margarete Weydemeyer, geb. Meckel, 76 Jahre alt, Kaiserallee 43. ** Vergeßt d i e Reiseapotheke nicht! Die Reisetage sind in unmittelbare Nähe gerückt. Eine kleine Ursache genügt bft, auf einer Reise oder auf einer Wanderung die Stimmung beträchtlich zu verschlechtern, eine Kleinigkeit vermag aber uud) umgekehrt bei rechtzeitiger Anwendung die Genußfreude auf die alte Hohe zu bringen. Wie oft stößt dem Wanderer oder Reisenden plötzlich etwas zu, und wie froh ist er, wenn er nicht vergessen hat, in den Koffer oder Rucksack eine kleine Reiseapotheke einzupacken, die die notwendigsten Mittel zur ersten Hilfe bei Unfällen, Verletzungen, plötzlichem Unwohlsein und dergleichen enthält. Don den äußerlich anzuwendenden Stoffen sind am wich- tigften die öerbanbsmittel. Von inneren Mitteln leisten einige Tropfen eines konzentrierten alkoholischen Getränks bei richtiger Anwendung Gutes. Baldriantropfen, Aspirin und Pnramidon, sowie Mittel gegen Fliegen- und Wespenstiche sollten immer bei der Hand fein. ** Der Führer des Hessenbundes in Gießen. Nach einem Werbemarsch der Gießener Hessenbundgruppen durch die Straßen der Stadt wurde am Sonntag — so berichtet man uns — am Heim der Wartburggruppe der Bundesführer, Pfarrer O. P a g e, begrüßt. Eine Führerbesorechung schloß sich an, die eine straffe Zusammenfassung der Gießener Gruppen ergab. Im überfüllten Markussaal sprach am .Abend Pfarrer Page zu den Eltern und Gemeindegliedern. Er sprach von den drei Reichen, die er miterlebtc, und wie in diesen die evangelische Jugend immer mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Er wies darauf hin, daß sich die bewußt evangelische Jugend in allen drei Reichen nie umzustellen brauchte, weil die Grundlage, auf der sie stehe, nicht auf das Heute gebaut, sondern der Grund allen Seins sei Weiter betonte er, daß weite Kreise die evangelisch-kirchliche Jugendarbeit gar nicht Der- stehen und auch nicht verstehen könnten, da sie jahrelang an der Kirche oorbeigegangen seien. Evangelische Jugend werde immer wieder auf das Fundament aller Aufbauarbeit verweisen müssen, und zwar auf das Evangelium. Das werde ihr auch in der Gegenwart Ziel und Berechtigung geben. Die Ausführungen des Bundesführers wurden mit Liedern und Fahrtenberichten umrahmt. Mit dem Schlußwort von Pfarrer Bremmer fand der Abend einen würdigen Abschluß. •* Nationalsozialistische Lehreroersammlung. Am morgigen Mittwoch, 21. Juni, 15 Uhr, findet im Eas6 Ebel in Gießen eine Bezirksoersammlung des NS-Lehrerdundes der Bezirke -Stadt und -Land und Bezirk Lollar statt. Vorträge werden halten: Universitätsprofessor Dr. Funk über: „Der Faschismus in Italien", Lehrer Nebe11ng über „Jugend, Lehrerschaft und Volk" und Kreisschulrat Dr. Henß über „NS.-Lehrerbuno und Erzieherschaft". *"* Der NS. -Aerztebund Oberhessen- Nord wird am nächsten Sonntag um 16 Uhr im Hotel Viktoria zu Gießen eine Tagung abhalten. Borträge werden gehalten von Dr. Kranz über „Rassenhygiene und Familienkunde" und von Dr. Lorenz über „Rasse und Kunst." •• (Verhaftungen in Rödgen. Am Sonntag kam es in Rödgen zu einer Auseinandersetzung zwischen einer Anzahl Personen, die zum Teil zu Tätlichkeiten führte, wobei aber glücklicherweise erheblichere (Verletzungen nicht zu verzeichnen waren. Die Gendarmerie nahm drei Leute unter dem (verdacht fest, im Laufe der aus politischen Gründen entstandenen Auseinandersetzung die Reichsregierung beleidigt zu haben. Die (verhafteten, von denen zwei aus Wieseck stammen und einer aus Trohe ist, wurden dem Polizeigefängnis in Gießen zugeführt. Die Untersuchung ist noch im Dange. ** Zwei Fahrräder gestohlen. Bei dem Sängersest, bas am vergangenen Sonntag in Rödgen stattfand, wurden zwei Fahrräder aestoh- len. Sackbienliche Mitteilungen erbittet die Gen- barmerieftotion Gießen. ** DHC Gießen. Eine Juniwanderung mit Aprilwetter, bald Regen, bald Sonnenschein, unternahm am Sonntag der DHC. Gießen mit einer (Beteiligung von über 50 Personen. Don der Station Braunfels führte dev Weg ein kurzes Stück durch den lieblichen Mühlengrund, um hierauf einem kleinen Seitentälchen nachzugehen. In langsamem, aber stetem Anstieg ging es durch prächtige Waldungen, den sog. Wildpark, unterwegs hübsche Ausblicke, so u. a. auf Schloß Braunfels und nach dem Dünsberg genießend. In der Rähe des Homburger Hofes wurde die Höhe erreicht, und nun ging es auf manchmal recht weichen Pfaden dem Lahnhöhenweg nach zur Mit- tagsrast nach dem anmutig gelegenen Hirschhausen mit interessanter Dorfkirche. Stets dem „L“ folgend, führte der Weitermarsch über einen Höhenrücken mit prächtiger Aussicht nach den jenseits der Lahn gelegenen Westerwaldbergen, wobei namentlich der Blick auf Greifenstein fesselte, hinab zur Perle des Lahntals, dem reizvoU gelegenen Weilburg, dessen Schönheiten einer gebührenden Besichtigung unterzogen wurden. Rach der Schluhrast erfolgte von Weilburg auS die Heimfahrt. *4* I N MM Weit Lin vaterländifcherRoman vonHansDietzke Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau. 27 Fortsetzung Nachdruck verbotenI Er grüßt sein Volk, er hebt die Schwurhand: Für Vaterland und Freiheit! Er wendet sich zu seinem General. Scharnhorst sucht den Blick seines Königs. „Die Stimme des Volkes — Majestät!" Und der König sagt schlicht und fest: „Wir marschieren!" In Scharnhorsts Augen leuchtet es sekundenlang bewegt auf: Seine Stunde ist gekommen! Sporenklirrend salutiert der General, soldatisch streng wie immer: „Zu Befehl — Majestät!" Preußen wird warschieren! 19. In Schloß und Dorf Löbau ist die Erregung auf das höchste gestiegen. Seit dem Fehlgehen des Befreiungsversuches droht stündlich offener Aufruhr auszubrechen. Wie ein Lauffeuer ist die Schreckensnachricht durch den ganzen Landkreis geeilt. Beim Schein der trüben Oellampen haben die Bauern die letzte Nacht zusammengesessen, Verzweiflung im Herzen. Heute soll das Urteil an Hauptmann Döllnitz vollstreckt werden, die französischen Henkersknechte werden kurzen Prozeß machen: auch Schmied Wem- per und Karl von Löbau sind ihren Kugeln ausgeliefert. Der junge Jürgen Thorn ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Man hat die Gefangenen zusammengesperrt. Endlos schien ihnen die letzte Nacht und nun, da der Tag anbricht, seit Aufgang des fahlen Morgenlichts, das ihre müden Augen schmerzend blendet, verrinnt Stunde um Stunde in düsterem Schweigen. Einmal nur hat der Schmied Wemper, in letzter, zorniger Verzweiflung an der schweren Tür des Turmzimmers gerüttelt, bis ihn die todgeweihten Kameraden mühsam beruhigt haben — hier ist alles zwecklos. Der Tod ist nahe, das ist die einzige, gewisse Hoff- nung. Döllnitz hat längst alles hinter sich geworfen — in all diesen einsamen Wochen träumte er sich in ein sanftes Vergessen, in ein beseligendes Bewußtsein, am Ende einer großen Erfüllung zu stellen. Sein Werk war beendet, er kann abtreten von dem Schauplatz, den hunderttausend Kameraden in Zukunft zu einem Podest der Freiheit machen werden. Einmal nur, an jenem Abend, im erschütternden Gedenken an die einzige, übermächtige Liebe seines Herzens, an die zarteste Frau, die je das ganze Denken seiner Seele erfüllte, übermnante ihn die Sehnsucht nach allem lockend Süßen dieses Daseins, überkam ihn der heiße Wunsch nach Leben. Er wurde grausam enttäuscht, zurückgeworfen in tötende Hoffnungslosigkeit, bis er sich wiederfand, bis er der erlösenden Ruhe teilhaftig'wurde durch die innerste Ueberzeugung, daß sein Werk vollendet ist. Maria wird ihn nicht vergessen, sie wird ihm treu sein bis in den Tod. Wer so geliebt hat, ist nie mehr einsam. Karl von Löbau, im Ueberschwana eines jungen, stürmischen Herzens, gibt bis zu dieser Stunde den Glauben nicht auf, daß ihnen doch noch Rettung wird. Es ist nicht der Mut der Verzweiflung, es ist die Gewißheit eines Schicksals, das dieses Leben noch nicht enden will. Karl ist der einzige, der Hoffend die langen Stunden verbringt, der den halben Tag am hohen Fenster der Turmstube zu sitzen vermag, reglos den Blick hinausgewandt in weite fernen, wo schon die Freiheit wohnt — als käme von dort her die Rettung. Schwere Schritte draußen, die vor der Tur halt machen, lassen die drei auffahren. Knarrend öffnet sich das Schloß. Döllnitz nimmt einen letzten, vollen Atemzug: Jetzt werden sie ihn holen... Aber die Eintretenden sind nur die übliche Wache, waffenlos, die den Gefangenen die Morgensuppe bringen. Schwer läßt sich der Schmied auf die eichene Dank fallen: Sollen endlich Schluß machen... * Der Sonnenaufgang dieses Tages hat alle Menschen im Schloß schlaflos gefunden: auch Hauptmann Lefevre. Er bat kein Auge schließen können, trotz der dreifach verstärkten Wachen, trotz der Kompanie französischer Grenadiere und der Abteilung Jäger zu Pferde, die seit der Stunde des Ueberfalls feldmarschmäßig im Schloß kampieren. Was nützen hier noch Gewehre, wo der Aufruhr schon glimmt, unheimlich, unsichtbar noch — aber doch fühlbar schon in allen Nerven, die erregt sind, aufgejagt wie in keiner offenen Feldschlacht sonst. Jetzt war die Stunde der Entscheidung gekommen, die längst gefürchtete Stunde steht vor der Tür. Mit der Exekution des preußischen Hauptmanns wird das Unheil seinen Lauf nehmen. Er steht hier als Kommandant auf äußerstem Posten. Er muß der Starke sein, wo Klugheft, Schwäche, Ausweichen befiehlt! Man wird sie alle erschlagen wie räudige Hunde! Alle Geduld hat ein Ende, alle Furcht kennt Grenzen, wenn Verzweiflung sie wandelt. Der Machtwahn wird zu Ende sein, wenn die Leichen der Kameraden sich zu Bergen türmen. Sinnloses Gesetz, hirnlose Pflicht — an euch stirbt mein Mrterland! Was soll er dem Baron, dem greifen Geistlichen sagen, die ihn mit Bitten bestürmen? Er muß eifern bleiben, muß die Maske tragen, die er verabscheut. Muß sich wehren gegen alles Verstehen, sich panzern mit der Waffe der Pflicht, des Gesetzes. „Ich bin Offizier, meine Herren! Ich bin machtlos gegen den Unverstand einer Gewalt, die aus Ihren Reihen kommt." Hauptmann Lefevre verrennt sich, einziger Ausweg für ihn in diesem Augenblick, in den traurigen Äkut bewußter Lüge wider sein besseres Wissen. „Die Tat dieser drei Leute gestern Nacht, dieser plumpe Ueberfall ist mit nichts zu entschuldigen. Das ist Aufruhr, Gewalt, das fordert Sühne, darauf steht Tod!" Baron von Löbau kämpft um das Leben seines Sohnes, um Rettung in letzter Stunde für die Freunde. „Ist so wenig menschliches Begreifen in Ihnen, Herr Hauptmann, daß dieser Schritt, aus nackter Verzweiflung geboren, ihr Herz nicht zu rühren vermag?" „Es geht um Menschen, Herr Hauptmann, denen unsere ganze Liebe gilt, die seit Kindesbeinen unsere Wege gingen, die das Edelste und Beste zu ihrer Tat bewog!" Mit zitternder Stimme spricht Pastor Krantz auf Lefevre ein. , Dessen Kraft ist zu Ende, er fühlt feinen Widerstand weichen, er muß die beiden verabschieden, freikommen von ihnen, ohne sein Inneres zu verraten. „Mein persönliches Fühlen in dieser Affäre, meine Herren, scheidet aus. Ich wiederhole Ihnen nochmals: Ich habe als Offizier meiner 9 Unsere gute, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Groh- mutter, Schwester und Tante Frau Johanna Pfeiffer Ww. ist heute von ihrem Leiden erlöst worden. e Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Aenni Wößner, geb. Pfeiffer Otto Pfeiffer Käthe Keißner, geb. Pfeiffer. Gießen (Walltorstr, 21), den 18. Juni 1933. Die Beisetzung findet in aller Stille statt __________________________________________________________________________4031 D Bekanntmachung. Nachdem die Zustellung der Bescheide über die Kanal-, Straßenreinigungs- und Müllabfuhrgebühren sowie über Vorauszahlungen auf die Umlagen und die Son- dergebäudesteuer für das Rechnungsjahr 1933 an die Zahlungspflichtigen bzw. Empfangsberechtigten 'stattgefunden hat, werden als Tage, an denen die sämtlichen Bescheide als zugestellt zu gelten haben, hiermit festgesetzt: 4033C 1. für Kanal-, Straßenreinigungs- und Müllabfuhrgebühren der 31. 2Hai 1933; 2. für die Vorauszahlungen auf die Umlagen und die Sondergebäude- fteuer der 15. Juni 1933. Diejenigen Steuerpflichtigen, die bisher einen Bescheid nicht erhallen haben, werden aufgefordert, dies alsbald beim Städtischen Rechnungsamt im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer Nr. 29, anzuzeigen. Bei dieser Gelegenheit wird daraus hin- gewiesen, daß künftig nut noch in den ollerdringendsten Fällen und nach eingehender Begründung Gesuchen um Stundung oder Erlaß entsprochen werden kann. Gießen, den 15. Juni 1933. Bürgermeisterei Gießen: Dr. Keller. Mittwoch, den 21. Juni 1933, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Jleuen- we.' 28, „Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 4034C 1. Ausziehtische, Sofas, 1 Chaiselongue, Rohrsessel, Stühle, Trumeauspiegel, Pianinos, Bücherschränke, 1 Büfett, 1 Kredenz, Wäscheschränke, Schreibtische, 1 Vertiko, 1 Konsolschrank, 1 Schrankgrammophon, 1 Flurgarderobe, 1 elektrische Ständerlampe, 1 Regulator, 1 Zimmerteppich, Nähmaschinen, 1 Photographin, Schreibmaschinen, 1 elektrischen Motor mit Schleifmaschine, 2 Einbaustatore, 1 Pritschenwagen, 200 Mistbeetfenster, 30 kg Kupferdraht, Fußbodenlack, Mundharmonikas- Tabak, Tabakdosen, Zigarren- und Ziga- . retten-Etuis und -Spitzen, Pfeifen und Mutze, Handspiegel, Haarbürsten, Rasierpinsel, Seife, Schwämme, Parfüms und sonstige Toilettenartikel. 2 An Ort und Stelle (Bekanntgabe im obigen Lokall: 1 Personenauto (Wanderer, 40 PS), 1 Schuhmacher-Nähmaschine und eine Schäftesteppmaschine. Junker, Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 Wohnungsvergebung. Bei der unterzeichneten Baugenossenschaft sind zum l.Juli d. 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Noch niemals dürfte diese Sammeltätigkeit des VDA. vom deut- schen Volke als so dringend notwendig rr- könnt worden fein, als gerade in diesem Jahre. wer da weih, dah der Kampf des deutschen Volkes heule In hohem Maße zu einem Kamps um seine Stellung und Geltung innerhalb der Völker geworden ist, und dah in diesem Kampfe unser Auslanddeutschtum nicht nur Brücke, sondern auch Amboh ist, der wird keinen Augenblick darüber im Zweifel sein, dah diese Sammlung notwendig ist. Rund 40 Millionen Deutsche wohnen im Auslande, 60 Millionen innerhalb der Grenzen des Reiches. Für den innerpolitischen Kampf des deutschen Volkes gib es eine Bewegung, für die über 2 Millionen Deutsch monatlich einen Beitrag zahlen. Was gibt es für den ungleich schwereren Kampf der Außen- üeulichen/ Sollte sich da nicht jeder Deutsche verpflichtet fühlen, wenigstens im Jahre einmal nur eine Mark zu zahlen für diesen Kamps? Man sage denen, die kein Verständnis dafür aufbringen können, daß der innerpolilische Sieg des deutschen Volkes nur dadurch seine Krönung erfährt, wenn Deutschland aucki wieder nach außen frei und geachtet dasteht unter den Völkern. Im Kamps um diesen Sieg muß Innen- und Außen- deutschlum zusammen st ehen als eine Kampf« gemeinschaft, deren Ziel ist die Schaffung einer freien und starken groh- deutschen Volksgemeinschaft aller Deutschen. Wir erwarten, daß jeder Deutsche seine Pflicht tut! Volk Heil! Volksbund für das Deutschtum im Ausland. Ortsgruppe Gichen. Gez.: Professor Dr. Th. Mayer, 1. Vorsitzender. Dr. W. Henß, 2 Vorsitzender und Geschäftsführender Vorsitzender. 60 Jahre Kriegerverein Lich. ) Lich, 19. Juni. Am Samstag und am Sonn- tag sand hier die Jubiläumsfeier des 60jährigen Bestehens des Kriegervereins Lich statt, mit der das Bezirks- krieg er fest des Bezirkes Lich verbunden war. Das Protekorat des Festes hatte Se. Durchlaucht Fürst Reinhardzu Solms-Hohen- f o l m s - L i ch übernommen. Der ftTiegeroerein Lich wurde im Jahre 1873 gegründet. Zehn Jahre später bildete sich der Krieger- oereinsbezirk Cid) mit insgesamt acht Vereinen. Gegenwärtig gehören zum Bezirk Lich die Kriegervereine von Bettenhausen, Birklar, Ettingshausen, Harbach, Hattenrod, Lich, Muschenheim, Rieder-Bes» fingen, Nonnenroth und Ober-Bessingen. Vorsitzender des Jubeloereins ist Stadtrechner Häuser, Bezirksvorsitzender ist Lehrer D ö . m e r in Lich. Erster Tag. Die Jubelfeier war ein Fest der ganzen Stadt. Reicher Flaggen- und Grünschmuck zierte die Straßen und Häuser. An den Ortseingängen waren Ehrenpforten errichtet. Der Festsamstag brachte trübes, regnerisches Wetter. Den Auftakt des Festes bildete ein Platzkonzert der gesamten Kapelle des 1. Batl. Jnf.-Regts. 15 Gießen auf dem Adlerplatz, an das sich würdige Erinnerungsfeiern an den beiden Kriegerdenkmälern an der Stiftskirche und am Friedhof unter Beteiligung des Jubeloereins, der SA. Res. 11/116 und der Reichswehrkapelle anfchlossen. Ein in den Abendstunden aufgestelller Festzug brachte die Wehrverbände, Ortsvereine und sonstige Festteilnehmer unter Dorantritt der Kapelle in das Festlokal, die Turnhalle. Zwei Musikstücke und die Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Jubelvereins eröffneten den Kommersabend. Sein Willkommgruß galt besonders dem Protektor des Festes, Sr. Durchlaucht dem Fürsten Reinhard, ferner Generalmajor a.D. Gros als Vertreter des Deutschen Offizierbundes, sowie den Ehren- und Ausschußmitgliedern, und klang aus in einem Hoch auf das Deutsche Reich, den Reichspräsidenten Gene- ralfeldmarschall o. Hindenburg und den Volkskanzler Adolf Hitler. Die Festversammlung sang im Anschluß hieran den ersten Vers des Deutschland- und des Horst-Weffel-Liebes. Se. Durchlaucht Fürst Reinhard feierte das Wiedererstarken des Wehrgedankens und überreichte dem Jubeloerein als Geschenk ein schönes Fahneß- banb. Im weiteren Verlaufe der Veranstaltung wurden einer ganzen Anzahl verdienter Mitglieder des Jubelvereins für 40« und 25jährige Mitglied- schäft Hassiaehrenzeichen durch den Vereinsoorsitzenden überreicht. Begeisterte Aufnahme fand das abwechslungsreiche Konzert der Reichswehrkapelle. Die Chöre des Gesangvereins „Roth'scher Männerchor" und des Männergesangoereins „Cäcilia" Lich, sowie die Darbietungen des Turnvereins Lich wurden ebenfalls beifällig aufgenotnmen. Die Vorsitzenden der beiden letzteren Vereine überreichten unter besonderer Hervorhebung der freundschaftlichen Beziehungen wm Jubelverein je einen Fahnennagel. Das reichhaltige Programm hielt die Festteilnehmer bis lange über Mitternacht in fröhlicher Kameradschaft beisammen. Zweiter Tag. Der Hauptfesttaa begann mit einem Weckruf der gesamten Reichswchrkapelle. woran sich ein Platzkonzert vor dem fürstlichen Schloß und dann ein feierlicher F e st g o 11 e s d i e n st in der Stiftskirche unter Mitwirkung der Reichswehrkapelle anschlossen. Die Festpredigt hielt Stiftsdechant Kahn. Ausgehend von dem christlichen und deutschen Pfingsten sprach der Festprediger über Gottes große Festgaben. Sie beständen in einem starken Mut, in großer Kraft, in brennender Liebe und eiserner Zucht. 3n den Mittagsstunden wurden die auswärtigen Vereine von berittenen Mitgliedern des hiesigen Reitervereins in Kavallerieuniform der alten Armee eingeholt und vom Empfanasaas- schuh des Jubelvereins begrüßt. Hm 14 älhr stellte sich in den Straßen an den beiden Bahnhöfen ein großer Jefljug auf, der durch kleinere Trupps in den Uniformen der alten Armee ein farbenfrohes Bild erhielt. Voran reitenden Leib-Garde-Dragonern folgte ein feldmarschmäßig bespanntes und besetztes „Feldgeschütz- (Atrappe). Nach Radfahrern mit geschmückten Radern tarnen die Ehrengäste in blumengeschmückten Personenkraftwagen und dann in unübersehbarem Zuge die braunen und grauen Kolonnen der Wehrverbände SS., SA., SAR. und Stahlhelm zum Teil mit eignen Spielmannszügen, sowie die Jugendverbände. Der lange -Zug der sich anschließenden Gast- und Bezirks- Vereine mit wehenden Fahnen wurde unter- brochen durch reichgeschmückte Festwagen. Die im Zuge verteilten vier Musikkapellen mit zugehörigem Trommlerkorps gaben ein strammes Marschtempo an und erfreuten die Festzugteilnehmer und die dicht gedrängt stehenden Zuschauer durch die immer wieder gern gehörten Armeemärsche. Die Jeler auf dem Feslplah. Leim Eintreffen des Festzuges auf dem Festplatz Ichwenkte das bespannte „Feldgeschütz" sofort ab, ging an den vom Festplatz aus zu überblickenden Höhler- berg in Stellung und zeigte hier exerziermäßig allerlei Uebungen, die große Begeisterung erweckten. Dann formierten sich die Festteilnehmer im Karree. Im Namen der Stadt begrüßte Bürgermeister. G e i 1 den Protektor, die fürstliche Fa- milie, den Vertreter des Präsidiums Landgerichtsrat Tr tempert, die beiden Vertreter des Deutschen Ossiziersdundes Generalmajor a. D. Gros und Herrn Major d. R. Koch, die Gast- und Be° zirksvereine und sämtliche übrigen Verbände und Festteilnehmer. Er wies auf das Sich-Wiederfin- den unseres Volkes und auf die wiedererweckte nationale Begeisterung hin und sprach dem Kriegerverein im Namen der Stadt herzliche Glückwünsche zu seinem Jubiläum aus. Zum Schluß seiner Ausführungen brachte er auf den Kriegerverein und seine weitere vaterländische Betätigung ein Sieg-Heil aus. Alsdann entbot der Vorsitzende des Kriegervereinsbezirkes Lehrer D Ö r m c r einen herzlichen Willkommengruß und beglückwünschte den Jubeloerein. Landgerichtsrat Irümpert als Vertreter des Präsidiums der Hassia übermittelte dessen Glückwünsche. Er verglich die Kriege 1870,71 und 1914/18 und deren Ausgang und betonte, daß der Kriegerverein Lich trotz des unglücklichen Ausgangs des Weltkriegs immer treu zur Hassia gestanden habe. Im Auftrag der Hassia überreichte er daher einen goldenen Fahnenagel. Sein „Sieg- Heil" galt dem Reichspräsidenten Generalfeldmarschall v. Hindenburg. Anschließend sang die Festversammlung den ersten Vers des Deutlchland- liedes. Die Festansprache hielt Herr Pfarrer D r a u b t ■ Lich. Er verglich das deutsche Volk nach dem Schandvertrag von Versailles mit einem in nationaler Hinsicht brachliegenden Felde, das erst in langer, unermüdlicher Arbeit der Säemann Adolf Hitler wieder bearbeitet und in das er die Samenkörner seiner zahllosen braunen Scharen eingestreut habe. Die Saat sei im Frühjahr dieses Jahres aufgegangen und nun gelte es die Ernte, den Gedanken der Vaterlandsliebe, der Wehrhaftigkeit und des Gottoertrauens zu pflegen und vorzubreiten. An dieser Aufgabe seien in hervorragender Weise die Kriegeroereinc beteiligt. Sie hätten das Erdreich locker gehalten und immer wieder mit dem nationalen Wehrgedanken durchtränkt. Das Ziel für uns Deutsche müsse sein, wieder ein starkes Heer zu Lande, zu Wasser und in der Luft zu erhalten, denn nur ein wehrhaftes Volk verbürge den Frieden, ein wehrloses Volk dagegen sei den Raubgelüsten aller ausgesetzt. Sein „Sieg-Heil" galt dem Volkskanzler Adolf Hitler. Die begeisternden Ausführungen fanden stürmischen Widerhall bei der großen Festversammlung, die im Anschluß daran unter der Begleitung der Militärkapelle den ersten Vers des Horst-Wessel-Liedes sang. Dr. Schneider (Lick) sprach im Namen des Stahlhelms des Kreises Gießen Er feierte die Idee der Wehrhaftigkeit, die so alt wie die Weltgeschichte sei und die im Geiste an der Front des Weltkrieges wieder zum Erlebnis geworden sei. Wehrhaftigkeit, und Gottvertrauen seien dem deutschen Volke not und würden es wieder aus der heutigen Lage heraus- führen. Unter Ueberreichung eines Fahnennagels beglückwünschte er den Kriegerverein mit dem Stahlhelmgruß. Dann sprach Lehrer Stein hier im Namen der hiesigen Ortsgruppe des Flottenvereins und wies darauf hin, daß Kriegerverein und Flvt- tenoerein auf gleichem Weg zum gleichen Ziele strebten. Auch er überreichte dem Jubelvereiy unter Glückwünschen einen Fahnennagel. Glückwünsche un# ter Ueberreichung eines Fahnennagels sprach auch der Vorsitzende des Kavallerievereins Gießen aus. Ein weiterer Redner gedachte in kurzer Ansprache der Gefallenen des großen Weltkrieges. Der Abschluß. Nach der offiziellen Feier entwickelte sich auf dem Festplatz und in der Turnhalle ein fröhliches Treiben. Mit dem Anbruch der Dunkelheit verließen die Mitglieder der auswärtigen Vereine die Stabt. Die Abenbfeier in ber Turnhalle war aber noch sehr stark besucht. Ein Feuerwerk um bie Mitternachts- ftunbe bilbete ben Abschluß bes in allen Teilen gut verlaufenen Festes. Verkehrsarbeiisgemeinschast Oberlahn Am Samstag fanb in Marburg unter bem Vorsitz von Oberbürgermeister a. D. Dr. Stadler (Kassel) eine Tagung der Derkehrsinteressenten der Oberlahn statt, die für die künftige Verkehrs- entwicklung dieses Gebiets von großer Bedeutung war. Derlehrsdirektor Dr. R e h o rn (Kassel) ti.ng in lemem Reserat oavou aus. Daß es zweckmäßig sei, innerhalb des großen regionalen Der- kehrsrerbandes die Bearbeitung einer Reihe von Derlehrssragen von besonderer örtlicher Bedeutung noch mehr als bisher zu dezentralisieren. Eo feien bereits eine Reihe von Derkehrsarbeitsgemcinschaften gegründet, die im Rahmen des Verkehrsverbandes und in enger Verbindung mit der Verbandszentrale unter Berücksichtigung genereller Richtlinien zahlreiche mehr örtlicheDertehrsangelegenhei- ten mit Erfolg selbständig bearbei- t e n. Auch die Oberlahn mit ihren sehr reizvollen Seitentälern im Zuge der Städte Wetzlar—Gießen —Marburg- Biedenkopf bis zur westfälischen Grenze fei ein geschlossenes Verkehrs- gebiet mit gleich starkem Interesse an der Heranziehung des Fremdenverkehr-. Rach diesem Referat entschlossen sich die Vertreter der anwesenden Städte, größeren Gemeinden und Verlehrsvercine einstimmig zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft Oberlahn mit dem Vorort Marburg, der ermächtigt wurde, im Benehmen mit dem Derkehrsverband unverzüglich die erforderlichen Werbungsmahnah- men in die Wege zu leiten. -Arbeitsbeschaffung für NSOAp.-Mitglieder. WSR. Gauleiter Sprenger weist in einem erneuten Aufruf darauf hin, daß die Durchführung seines Ausrufs vom 30. Mai, die Parteigenossen mit den Mitgliedsnummern 1 bis 200 000 raschmöglichst in Arbeit zu bringen, nicht mit jenem Rachdruck betrieben wird, der ein selbstverständliches Erfordernis sei. Der Gauleiter hat deshalb eine Kontrolle für Arbeitsbe» s ch a f f u n g eingerichtet und überwacht die Durchführung seines Aufrufs persönlich. Die Ortsgruppen bzw. die Kreise haben sofort unter der persönlichen Anschrift des Gauleiters, Frankfurt a. M., Elbestraße 61, die auf Grund des Ausrufs Dom 30. Mai eingegangenen Bewerbungen einzureichen. Die SA.» und SS.-Dienststellen sammeln die Bewerbungen und reichen sie über den Dienstweg ein. Zur Durchführung der Unterbringung innerhalb der freien Berufe hat Gauleiter Sprenger den Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.» Hanau, Dr. 2 ü c r, und den Gau-Wirtschafts- referenten Eckart berufen, die bereits mit den Vorarbeiten begonnen haben. Für die Kontrolle der Kommunal-, Landes- und Staatsbehörden bzw. Verwaltungen, sowie für die Reichsbahn ist der Leiter der RS.-Gau-Beamtenabteilung K r e m in e r bestellt worden. Ferner werden auf Vorschlag des Leiters der Gau-Betricbszellen- abtcilung Decker geeignete Parteigenossen zur Durcyfuhrung herangezogen. Die Arbeitsbeschaffung wird mit sofortiger Wirkung aus die Parteigenossen ausgedehnt, die eine Mitgliedsnummer bis 300 000 haben. Oas Baby. Ein Baby ist ein Lustspiel, ist ein Witz, ein holder «cherz, ist Freude, Lust und Sonnenschein für jedes Menjchenherz. Und wo bie Langeweile schon an manchen Seelen fraß, — ist erst ein Baby in bem Haus, — bei Gott, da rührt sich was! Wenn es mit wildem Kriegsgeschrei bie Eltern morgens weckt, ein völlig neues Menschenkind wirb jebesmal entberft. Noch niemals war ber Augen Licht so strahlenb unb so klar, unb Baby ist viel schöner heut, als es noch gestern war. Unb wie es schon, wenn man es fragt, mit seinem Köpfchen nickt! Unb wie es alles schon versteht unb so oerftänbig blickt! Die Grübchen in ben Hänbchen, auf bem Kopf ber weiche Flaum ... Ein Baby ist Vollkommenheit, ist Krönung, Gipfel, Traum! Unb wie bas kleine Herzchen schon so regelmäßig schlägt! Unb wie bie Brust beim Atmen sich in schönem Wechsel regt! Unb selbst ber Vater, ben bie Last bes Tages hart bebrückt, kommt er bes Abenbs müb nach Haus, fo ist er still beglückt. Ein Baby ist zu jeher Zeit ein münbelsichres Pfanb, unb manches Paar, bas schon entzweit, reicht sich erneut bie Hanb. Unb mancher, ber verzweifelt war am Leben unb am Glück, fanb burch bas Baby frohe Kraft unb neuen Mut zurück! Puck. Obecheffen. Bärenjagd im Vogelsberg. L Breungeshain, 19. Juni. Am Freitag versetzte ein Tanzbär einige Dörfer des oberen Dogeisberges in nicht geringe Aufregung. Ein Bärenführer, der in der Gegend umherzog und von hier aus nach Rudingshain wollte, benutzte einen Feld- und Waldweg. Die Müdigkeit schien ihn aber überwältigt zu haben, außerdem schien er etwas betrunken zu sein, jedenfalls legte er sich unter einen Baurn und schlief ein. Den Bären hatte der Mann nur nachlässig cm Baurn angebunden, so daß es dem Tier nicht schwer fiel, sich zu befreien. Auf eigene Faust und recht willkürlich setzte der Bär voll Freude über feine ungewohnte Freiheit den Weg fort. Zunächst brachte er Weidevieh von Rudingshain in tiefste älnruhe, Jungens und Mädchen, die sich auf dem Felde Herumtrieben, gerieten in große Aufregung und verbreiteten rasch die Rach- richt von dem Bären. Glücklicherweise waren auch, einige Männer mit auf dem Weideplan, die Hunde auf das Tier hetzten und es zu stellen versuchten. Die Hunde setzten dem Bären heftig zu- Der Bär wechselte wieder auf die Breunges- hainer Gemarkung und erschreckte nun die Frauen die auf dem Felde arbeiteten. Inzwischen hatte sich die sensationelle Rachricht weiter verbreitet. Männer kamen mit Mistgabeln an und wollten das Tier einfangen, auch der Förster Gebhardt war herbeigeeilt. Telephonisch wurde in Schotten beim Kreisamt angefragt, ob man den Bären erschießen dürfe. Zwei Männern war es jedoch gelungen, den Bären an einer Kette, allerdings nicht an der Kette am Rasenring, zu fassen — diese war nämlich abgerissen — und wurden nun hinterhergezogen. Der Bärenführer war inzwischen aber auch aufgeweckt worden, er eilte herbei und rief, man solle bem Bären einen Stein auf die Rase werfen. Das geschah denn auch durch Schmiedemeister Linker, der gleich auf den ersten Wurf traf. Der Bär konnte wieder gefangen genommen werden. Der Bärenführer setzte seinen Weg nach Rudingshain fort. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linben, 19. Juni. Am Freitag, abenb fanb im Saale bes Gasthauses ,Zur beutschen Eicke" auf Einlabung ber Nationalsozialistischen Betriebszellenorganijation Klein-Linben (NSBO.) eine große Versammlung von Arbeiterinnen, Arbeitern unb Angestellten statt. Der Leiter ber hiesigen NSBO., Herr Neußer, eröffnete bie Versammlung. Sobann sprach Herr Bartholomäus (Gießen) über bas Thema „Die Gleichschaltung ber freien Gewerkschaften unb bie Arbeit ber Gewerkschaften für bie beutsche Arbeiterschaft". Der Rebner führte u. a. aus, baß ber Sinn ber Gleichschaltung nicht mehr ber Klassen- fampf, sonbern bie Bilbung einer Volksgemeinschaft sei. Wie ber Klassenkampf, so sei auch ber Staubes« bünfel zu verwerfen. Die Zugestehung bes Tariflohnes schließe in sich, baß jeber Arbeitnehmer an seinem Platze seine Pflicht unb Schulbigkeit tue. Der Arbeit brauche sich niemanb zu schämen. Es sei heute Pflicht jebes Arbeiters, feiner Organisation beizutreten unb bort mitzuarbeiten, benn es gelte, bie Gewerkschaften in biefer kritischen Zeit zum Nutzen ber beutschen Arbeiter unb Angestellten roieber stark 3u machen. Einige Fragen aus ber Versammlung würben von bem Rebner beantwortet. Mit bem „Sieg-Heil!" auf unfern Volkskanzler Abolf Hitler, bem gemeinsam gesungenen Deutschlanblieb unb bem Horst-Wessel-Lieb fanb bie Versammlung ihr Enbe. :/: Beuern, 19. Juni. Rachdem heute vormittag erneut an Blinddarmentzündung ertränkte junge Leute zur Operation nach Gießen verbracht werden mußten, ist die Zahl der im Lause der letzten zwei Monate auf solche Weise Erkrankte^ auf neun gestiegen. Davon sind nicht nur solche aus verschiedenen Haushaltungen betroffen, sondern es liegen Fälle vor, bei denen Geschwister der Reihe nach erkrankten und operiert werden mußten. * TraisHorloss, 19. Juni. Herr Heinrich Karl H u b l i tz von Trais Horloff begeht am Mitt« wach, 21. Juni, seinen 9 0. Geburtstag. Don 1873 bis 1919 war er Gemeinberechner, ein Amt, baß schon sein Vater seit 1854 inne hatte unb bns jetzt sich in ben Händen feines Sohnes befinbet. 46 Jahre war er Kirckenrechner bes Kirchspiels Trais-Horloff. Die im Jahre 1900 hier errichtete Unter-Erhebstelle übernahm er ebenfalls. Im Jahre 1905 erhielt er bas Ehrenzeichen für langjährige treue Dienste. Er ist noch einer ber wenigen, bie bie brei großen Kriege miterlebt haben. Der Greis erfreut sich einer ungewöhnlichen geistigen unb körperlichen Rüstigkeit. Möge ihm noch ein heiterer unb froher ßebensabenb beschieben sein. Wirtschaft. Frankfurt befestigt. Frankfurt a. M., 20. Juni. (WTB. Draht, melbung.) Da zu Beginn ber heutigen Mittagsbörse verschiedene Kauforders aus Kundjchaftskreifen Vorlagen, faßte auch die Kulisse wieder Mut und beteiligte sich am Geschäft, bas somit etwas lebhafter wurde als gestern. Man ist auch gegenüber ben letz« ten Melbungen von ber Lonboner Konferenz nicht allzu pessimistisch gestimmt, da man von vornherein keine übertriebenen Hoffnungen hegte unb sich ba- burch vor Enttäuschungen gesichert hat. Ein ein» heutig belebendes Moment stellte bie feste Ver- fassung ber Neuyorker Börse dar, auch die Befesti- gung ber internationalen Warenmärkte würbe viel beachtet. Zunächst buchten Reichsbank einen Ge- roinn von 2 v. H. unb Farben einen solchen von 0,40 v. H., bie Mehrzahl ber sonstigen Papiere würbe hiervon mit Gewinnen bis zu 1 v. H. mitgezogen. Beson.bers Montanaktien konnten profitieren, 'Betula, Mannesmann unb Rheinstahl bis zu 1,25 d. H., Harpener, Klöckner unb Stahlverein bis zu 0,5 o. H. Am Elektromarkt waren Lahmeyer mit plus 3 v. H. recht fest, Gesfürel konnten 1,75 o. H. gewinnen, nur Lechwerke Augsburg aaben 0,5 v. H. nach. Von Vcr- kehrswerten fielen Allgemeine Lokal unb Kraft durch einen 2,5«v. H.«Verlust auf, Reichsbahnoor- zugsaktien lagen knapp, unb Schiffahrtswerte waren gut gehalten. Don sonstigen Aktien verbesserten sich Scheibeanstalt um 2 v. H., dagegen brodelten Conti- gummi 0,5 o. H. unb Zement Heibelberg 0,5 o. H. ab. Im Verlause schrumpfte bas Geschäft roieber zu- Jammen, Aktien blieben jeboch gut behauptet, in Reichsbankanteilen sollen verschiebentlich Stillhalte- täufe Vorgelegen haben. Am Rentenmarkt waren Deutsche Anleihen meist vernachlässigt. Neubesitz gaben 0,20 unb Altbesitz 0,65 v. H. nach. In Reichsschuldbuchforberun- gen unb Schutzgebieten waren anfangs etwas lebhaftere Umsätze festzustellen, die aüerbings nicht von Dauer waren. Schutzgebiete waren bann im Verlaufe etwas schwächer. Der Pfanbbriefmarkt zeigte uneinheitliches Aussehen: Goldpfanbbriefe waren eher gesucht unb eine Kleinigkeit fester, dagegen Li- quibatwnspfanbbriefe in engen Grenzen uneinheit- lich. Auslanbrenten waren zum Teil recht fest, so gewannen 5-v. H.-Golbmexikaner Aeußere 0,5 v. H. unb Bagbab I 0,10 d. $)' während Zolltürken gut gehalten waren. Stahloereinbonds gaben 1,5 v. H, nach. Tagesgeld blieb zum Satz von 3,5 v. H. unverändert. Sonnwendseierm-SA.-SporMnMnzenberg * Münzenberg, 19. Suhl Nachdem erst an den beiden Pfingstfeiertagekl in unserer Stadt das Hitler-Jungvolk und die Hitler-Jugend ein großes Zeltlager abgehalten hatten, stand am vergangenen Sonntag Münzenberg abermals im Zeichen des Braunhemdes. Diesmal war es die SA. der Standarte 222, die sich ein großes Stelldichein gab und etwa 1600 SA.-Leute zu einer Sonnwendfeier und zu einem SA.-Sportfest vereinigte. Die Häuser prangten wieder im Festschmuck, an den Eingangsstrahen waren Girlanden über die Straßen gespannt und winkten den Gästen Willkomm. Die Farben des alten Deutschland und die Hakenkreuzfahnen wehten im Winde und gaben den Straßen den festlichen Charakter. Die Bevölkerung nahm auch' diesmal wieder regsten Anteil und zur Sonnwendfeier am Abend waren Menschen aus allen Ortschaften der Umgebung in großen Scharen herbeigeströmt. SA. traf schon am frühen Morgen zum Teil zu Fuß, zu Rad, von weiter her im Lastkraftwagen und in Privatkraftwagen hier ein. Auch der Motorsturm der Standarte war vertreten. Mit einem gemeinsamen Marsch nach dem Burghof wurde die Reihe der Beranstaltungen eröffnet. Im Burghof wurde der Feslgoltesdienst abgehalten. Mit dem Lied „Ein feste Burg ist unser Gott", gemeinsam unter Begleitung der Standartenkapelle gesungen, wurde der Gottesdienst eingeleitet. Pfarrer Ohly, Wölfersheim, hielt die Predigt. Er sprach von der Entwicklung der Bewegung und ihrer Bedeutung für unser Baterland und für den christlichen Glauben Er schilderte den Riedergang in der deutschen Ration und die Gefahr für die Religion, die aus einer dem deutschen Wesen fremden Gottlosigkeit drohend bevorstand, wenn nicht der Retter in Adolf Hitler erschienen wäre, der dem Bolke neue Wege des Glaubens an Volk und Vaterland wies. Er ermahnte zur Pflichterfüllung in der SA., zum Vertrauen auf den Führer, zum Glauben an Gott. Jeder müsse dem Führer nachstreben und so seiner Pflicht getreu sein, wie der Führer selbst, ihm nachstreben auch weiterhin, denn der Kampf sei noch nicht zu Ende, sondern nur in erster Phase erfüllt. Mit dem Choral „Die Himmel rühmen.. fand der Gottesdienst seinen Abschluß. In feierlicher Form vollzog sich dann die Vereidigung eines Teiles der 521. Standartenführer Forstafsistent Schäfer, Butzbach, nahm die Vereidigung vor und forderte von den neuzuverpflichtenden SA.-Kameraden das Gelöbnis der Treue zum Führer, zu Volk und Vaterland, das willig und bejahenden Herzens gegeben wurde. Der Rachmittag war ausgefüllt durch eine Reihe von sportlichen und turnerischen Wettbewerben. Die SA., sowie der Motorsturm fanden sich auf dem Platz des hiesigen Turnvereins ein, und die Teilnehmer bewiesen bei den turnerischen und sportlichen Liebungen ihre körperlich Leistungsfähigkeit. Man beschäftigte sich in der verschiedensten Weise, um so einer umfassenden körperlichen und auch geistigen Ausbildung zu dienen. Der Motorsturm zeigte in Geschicklichkeitsprüfungen das Können der Fahrer, und mancher der Teilnehmer konnte mit überraschenden Leistungen der Beherrschung des Körpers und der Maschine aufwarten. Ein Hindernislauf stellte an die Teilnehmer hohe Anforderungen. Im Anschluß daran fand man sich zu einer großen Kundgebung auf dem Marktplatz ein. Zunächst hieß Standartenführer Schäfer (Butzbach) den hohen Gast, der von der SA., wie von der Bevölkerung auf das herzlichste begrüßt wurde, willkommen. Durch zwei Schulmädchen wurden dem allverebrten Ministerpräsidensen Blumen überreicht. Im Anschluß daran sprach der Beigeordnete Diehl in Vertretung des erkrankten Bürgermeisters Wetz. Der Ministerpräsident kenne Land und Leute und kenne die liebe Burg Münzenberg; er sei oftmals hier gewesen und habe bei Sonnwendfeiern im Burghof vor einem manchmal nur kleinen aber aufrechten Kreis in völkischem Sinne am Feuer gesprochen und die Herzen seiner Zuhörer für Volk und Heimat entzündet. Der Redner sprach ferner von dem Niederbruch in unserem deutschen Vaterlande, das an den Abgrund geraten und nur durch den Führer Adolf Hitler vor dem Chaos gerettet worden fei. Er sprach aber besonders davon, daß der Ministerpräsident Prof. Dr. Werner wie kein anderer ein Anrecht auf die Ehrenbürgerschaft der Stadt Münzenberg habe. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil" überreichte er dem Ministerpräsidenten den Ehrenbürgerbrief. Dann ergriff Ministerpräsident Prof. Or. Werner das Wort zu einer Ansprache. Er erinnerte an vergangene Sonnwendfeiern, die er in damals noch kleinem Kreise abhielt. Es sei ihm heute eine besondere Ehre, wieder in Münzenberg sprechen zu können, da er sich ja gerade mit Oberhessen und besonders mit der Burg Münzenberg eng verbunden fühle. Er sprach ferner von der Entwicklung in der völkischen Bewegung und gab seiner großen Freude Ausdruck, daß er heute eine so überaus stattliche Anzahl von Menschen vor sich habe, die sich so wie er selbst der Heimat verbunden fühlten. Er dankte für die ihm zuteil gewordene Ehrung und betonte, daß Münzenberg es wert sei, ein Wallfahrtsort in völkischem Gei st e zu werden, der von jedermann in der engeren und weiteren Umgebung der Burg jährlich wenigstens einmal aufgesucht werden müsse. Die Sonnwendfeiern auf Burg Münzenberg müßten zu einer ständigen Gepflogenheit werden, die tief im innersten Herzen eines jeden Wurzel fassen müßte. Im Anschluß an die Kundgebung nahm Ministerpräsident Prof. Dr. Werner die Parade des SA. ab. Inzwischen waren immer mehr Festgäste, meist zu Fuß, eingetroffen und in den Straßen herrschte regstes Leben. Auf der Burg sollte die Gedächtnistafel für den verstorbenen Gauleiter Peter Gemeinder eingeweiht werden. Eine dicht gedrängt stehende Menschenmenge nahm an diesem feierlichen Akt teil. Standartenführer Schäfer hielt auch hier eine einleitende Ansprache und wies auf die besondere Bedeutung dieser Sonnwendfeier hin, denn man müsse sich dabei des gleichen Tages im Jahre 1931 erinnern, an dem zum letzten Male Peter G e - mein der auf der Burg zur Sonnwendfeier gesprochen habe, bevor er die Augen für immer schloß. Heute solle nun die Gedäcktnistafel dieses Mannes eingeweiht werden. Er forderte die SA. auf, alles, auch das Letzte, für das Vaterland einzusetzen. Ministerpräsident Prof. Dr. Werner sprach in einer längeren Rede davon, daß ihm Sonnwendfeiern mit ihren weithin über das deutsche Land leuchtenden Feuern schon immer größtes Erlebnis gewesen seien. Den Germanen liege es im Blute, zum Lichte zu streben. Auch jetzt wieder seien das .Licht, die Reinheit und die Klarheit das Ziel. Roch stehe das deutsche Volk nicht im Lichte, noch dürfe man nicht aufhören, dem Lichte zuzustreben. Der Redner gedachte sodann des toten Kämpfers für die völkische Sache, Peter Gemeinder. Dieser Kämpfer habe ein vorbildliches Leben geführt, sei ein glutdurchdrungener Mensch gewesen, der alles für die Bewegung eingesetzt habe. Sein Leben sei tragisch gewesen, denn er habe den Sieg, um den er mitkämpfte, wohl erahnt, aber nicht mehr erleben dürfen. Ihm und dem großen Führer nachzustreben, müsse das Ziel eines jeden SA.-Mannes und Rationalsozialisten sein. In feierlicher Stille stand die riesige Menschenmenge, in der noch die Worte des Ministerpräsidenten nachklangen, und mit entblößtem Haupte hörte man dann das Lied vom guten Kameraden an. Die eigentliche Weiherede wurde von dem Kreisführer Seipel, Fauerbach, gehalten. Er wies auf die Verdienste des Verstorbenen hin, der vor zwei Jahren an der gleichen Stelle gesprochen habe, an der heute die Gedächtnistafel an ihn erinnere. Rachdem die Tafel enthüllt worden war, erneuerte der Standartenführer Schäfer, Butzbach, in seinem Schlußwort das Gelöbnis der Treue zum obersten Führer und zum allverehrten Führer in Hessen, er forderte dazu auf, in ihrem Geiste zu wirken und dafür zu sorgen, daß ihr Geist unveräußerliches Gemeingut des Volles werde. Mit einem dreifachen „Sieg-Heill" auf den Volkskanzler Adolf Hitler, auf den Ministerpräsidenten Prof. Dr. Werner, auf Volk > und Vaterland fand die Ansprache ihren Abschluß. Gemeinsam wurde sodann das Horst-Wessel-Lied gesungen. Unter dem Vorantritt der Standartenkapelle verließ dann die große Menschenmenge den Burghof. SA. folgte in geschlossener Formation. Fackeln wurden entzündet und ihre Träger flankierten in langer Reihe den Weg, während Ministerpräsident Professor Dr. W e r n e r im Kraftwagen, stürmisch gefeiert von der großen Menschenmenge, Münzenberg verlieh. Inzwischen erstrahlte die Burg in heller Beleuchtung und bot ein herrliches Bild. Raketen zischten zum Himmel und lösten sich in weißen Sternen auf, die die hereinsinkende Rächt für kurze Zeit wieder zum Tage werden ließen; Böllerschüsse krachten und schließlich flammten bengalische Feuer auf, die Die Türme und die Mauern der Burg in magischem Rot erglühen ließen Abschluß war ein großes Hakenkreuz, das vor einem der Türme in strahlender Helle entflammte und feinen Glanz weithin über das gesegnete Land der Wetterau breitete. provinzireffen des BdM. in Oberheffen oo Reichelsheim, 19. Juni. Im „Peter- Gemeinder-Heim" fand am Samstag und Sonntag das Prooinztreffen des Bundes deutscher Mädchen Oberhessen statt. Am Samstagnachmittag trafen BDM.-Gruppen aus den verschiedensten Teilen Oberhessens ein. Hitler« Jugend aus der Umgegend stellte die Wache und bezog in Zelten Quartier. Abends fand sich eine stattliche Zahl von SA.-Leuten und Parteigenossen zu einer Weihe st unde ein, zu der eine Ansprache des Gauleiters Sprenger angesagt war. Nach dem Einmarsch der BDM.-Gruppen setzte jedoch starker und anhaltender Regen ein, so daß der Veranstaltung dadurch vorzeitig ein Ende bereitet wurde. Reichsstatthalter Sprenger war am Erscheinen verhindert. Am Sonntag morgen wurde ein Feldgottesdienst abgehalten. Der Nachmittag war frohem Spiel gewidmet. Gegen abend strebten die einzelnen Gruppen wieder der Heimat zu. Wegen Nichteinffellung der Rabaii- gewährung 24 Stunden geschloffen. WSR. Worms, 19. Juni. Die Firma Kaisers Kaffeegeschäft war von der hiesigen Organisation der Einzelhändler und vom Poliz. .- amt ersucht worden, in ihren drei hiesigen Filialen die Rabattgewährung einzu- st e l l e n , um Störungen der öffentlichen Ruhe und Sicherheit zu vermeiden. Da diese Bemühungen erfolglos blieben, war die Erbitterung in den Kreisen des Wormser Einzelhandels so groß, daß mit Ausschreitungen gegen die Firma gerechnet werden mußte. Die Filialen wurden deshalb vom Polizeiamt auf die Dauer von 24 Stunden geschlossen. Preußen. Oie,^ekofa"speistErwerbslosenkindef WSR. Frankfurt a. M., 19. Juni. Auf Anregung von Oberbürgermeister Dr. Krebs, der am Samstag mehrere Stunden die Rekofa" eingehend besichtigte, hat sich die Ausstellungsleitung bereit erklärt, zusammen mit den an der Ausstellung beteiligten Unternehmungen in den nächsten Tagen tausendKindererwerbs- loser Volksgenossen unentgeltlich zu speisen. Dre Veranstalter der Ausstellung liefern das notwendige Fleisch und die Aussteller die übrigen Lebensmittel. Dieses soziale Verhalten der „Rekofa" verdient alle Anerkennung. Zn her Notwehr erschossen. WSR. Frankfurt a. M., 19. Juni. In der Rächt zum Sonntag trafen zwei SA.-Leute in der Mainzer Landstraße einige Kommunisten an, die kommunistische Flugblätter in Briefkästen warfen. Als die Kommunisten von den SA.-Leuten zur Rede gestellt wurden, kam es zu einer aufregenden Szene. Einer der Kommunisten, der Arbeiter Fritz Schnell- b a ch e r, sprang einem der SA.-Leute gegen dtzn Hals, so daß dieser sich gezwungen sah, seine Schußwaffe zu ziehen und in der Rotwehr einen Schutz auf seinen Angreifer abzugeben. Mit einem schweren B a u ch f ch u tz muhte Schnellbacher in das Städtische Krankenhaus gebracht werden. Kreis Wetzlar. 00 Aus dem Kreise Wetzlar, 19. Juni. Die Ferienordnung für die Schulen der Landgemeinden des Kreises Wetzlar ist wie folgt geändert worden: Sommerferien (24 Tage): Donnerstag, 29. Ium bis Samstag, 22. Juli (Schulschluß: Mittwoch, 28. Juni, Schulbeginn: Montag, 24. Juli). Herbstferien (21 Tage): Donnerstag, 14. September bis Mittwoch, 4. Oktober (Schulschluß: Mittwoch, 13. September, Schulbeginn: Donnerstag, 5. Oktober). Die Weihnachtsferien werden infolge dieser Regelung um zwei Tage gekürzt werden. < Wißmar, 19.Juni. Der Gesangverein „Germania" hatte seine Mitglieder zum Zwecke der Gleichschaltung zu einer außerordentlichen Generalversammlung eingeladen. Der seitherige Vorstand stellte seine Aemter zur Verfügung. Man wählte einstimmig als Führer Willi Moos (NSDAP.). Der neugewählte Führer nahm die Wahl an und gelobte, den Verein, dessen Ziele von jeher in der Pflege des deutschen Liedes und der Festigung des Zusammengehörigkeitsgefühls bestanden, auch weiterhin auf nationaler Bahn zu leiten, um so mitzuarbeiten an dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes. Der Führer bestimmte hierauf seine engeren Mitarbeiter wie folgt: Hermann Klt n - k e l (NSDAP.) als stellvertretenden Führer, Heinrich Becker (NSBO.) als Schatzmeister, Wilhelm Becker (NSDAP.) als Schriftführer, Ernst M a r f ch e ck (NSDAP.) als Beisitzer, joroie Louis Kraft und Wilhelm Schneider. Zum Schluß wurden das Deutschland- und das Horst-Wessel« Lied gesungen, sowie auf den obersten Führer Reichskanzler Adolf Hitler ein dreifaches „Sieg- Heil" ausgebracht. (D Krofdorf, 19.Juni. Während im vergangenen Winter unter den Kindern unseres Ortes eine Reihe Scharlacherkrankungen verkamen, herrschen zur Zeit in verschiedenen Häusern die Masern, so daß der bereits angesetzte Impftermin vom Kreis- arzt abgesagt wurde. Sämtliche Krankheitsfälle sind bis jetzt gut verlaufen. • OMünchholzhausen, 19. Juni. Am Samstagnachmittag wurde die T o ch t er eines hiesigen Einwohners, die an der Sportplatzweihe in Groß- Rechtenbach teilnehmen wollte, von einem M o - torradfahrer aus Oberndorf überfahren. Das Unglück entstand durch einen Zusammenstoß, den der Motorradfahrer mit einem Auto aus Ehringshausen hatte. Die Verunglückte erlitt schwere Arm- und Beinbrüche. Die Sanitätskolonne von Groß-Rechtenbach leistete die erste Hilfe. Der herbeigerufene Arzt ordnete die Ueberführung ir. das Krankenhaus nach Wetzlar an. Erdbeermarmelade in 10 Minuten. 3% Pfund Erdbeeren waschen und auf einem Sieb unter Schütteln sehr gut abtropfen lassen Dann die Beeren von den Stielen befreien, große Beeren ein- oder zweimal durchschneiden und alle Früchte zu dünnem Fruchtbrei zerstampfen, alio keine größeren Frachtstücke lassen. Zu der Fruchtmasse 3)4 Pfund Zucker geben (aber keinesfalls weniger) — kein Wasser beifügen — und unter leichtem Rühren zum Kochen bringen. Wenn es durch und durch brausend kocht, läßt man 10 Minuten (nicht kürzer! Bitte auf. die Uhr sehen!) unter Rühren auf möglichst scharfer Flamme tüchtig durchkochen, rührt nach Verkauf dieser Zeit eine Flasche Opekta zu 86 Pf. und nach Belieben den Saft einer Zitrone in die kochende Masse, läßt wieder einen Augenblick — etwa 4 bis 5 Sekunden — durch- kochen, nimmt den Topf vom Feuer und füllt in Gläser, die man sofort ganz heiß verschließt. (3980V Ihre Vermählung zeigen an Albert Geißler, Kriminalbeamter Julie Geißler, geb. Krohn Berlin NW 21, Essener Straße 2 4035 v Bangenofienffljoft 1894 zu MW e. G. m. b. h. Wir laden unsere Mitglieder hiermit zur 4036D ordentlichen Generalversammlung auf Samstag, den 1.3uli 1933, abends 8% Uhr, im „Postkeller" (Wagengasse) ein. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Bericht der Prüfungskommission des Aufsichtsrats. 3. Genehmigung der Bilanz. 4. Verteilung des Reingewinns. 5. Genehmigung der Geschäftsanweisungen für den Vorstand und Aufsichtsrat. 6. Satzungsänderungen. 7. Neuwahl des Auffichtsrats. Gießen, den 20. Juni 1933. Der gefchäftsführende Dorstand. H. Fourier. K. Allendörfer. E. Müller. Die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung liegen vom 23. Juni 1933 ab zur Einsicht der Mitglieder bei dem Vorsitzenden, Herrn H. F o u r i e r, Gün- thersgraben Dir. 8, in der Zeit von 11 bis 13 Uhr und von 18 dis 19 Uhr offen. Der Zutritt zur Generalversammlung ist nur Mitgliedern gestattet. 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