Ur. 67 Krühausgabe 183. Jahrgang Montag, 20. März 1933 (Er)d)emt täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat >.m Bild -Die Scholle monats-Bejugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlusse unterSammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten- Anzeiger Siehe». Postscheckkonto: $ran!furt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvS tntö Verlag: vrühl'fche Univeifitätr-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schnlstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für { mm höhe für Anzeigen von 27 mal Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re- klameanzcigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20' , mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton l)r H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undfürdenAn- zeigentcil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Ein Friedenöplan Mussolinis. Ministerbesuchs in 3Com. - Viermächtekonferenz in Italien? Oie pariser Begleitmusik. Das Ergebnis des englischen Rom, 19. März. (WTB.) M a c d o n a l d und i Sir John Simon wurden gestern bei ihrer Ankunft vonMussolini begrüßt. An dem Emp» sang nahmen die Unterstaatssekretäre Suvich und Rossoni, der englische Botschafter in Rom, sowie Mitglieder des Personals der englischen Botschaft und Vertreter der Behörden teil. Premierminister Macdonald besichtigte heute vormittag die Sehenswürdigkeiten der „Ewigen Stadt". Aach einer Besichtigung der Ausstellung der faschistischen Revolution begaben sich Macdonald und Sir Iohn Simon zum Qui- rinal, wo sie um 13 Ahr vom König emp- gen wurden. Der König gab zu Ehren der britischen Gaste ein Frühstück, an dem außer Mussolini der Antcrstaatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten Suvich, der britische Botschafter und führende Persönlichkeiten der italienischen Diplomatie und des Hofes teilnahmen. Aach einer Meldung der Agenzia Stesani gab Mussolini zu Ehren Macdonalds und Simons gestern abend ein Diner, an dem außer der Tochter Macdonalds u. a. der britische Botschafter, die Minister und Antcrstaatssckretäre, der Generalselretär der Faschistischen Partei, der italienische Bölkerbundsdelcgierte A l o i s i und die Parlamentspräsidenten teilnahmen. Zum Schluß erhob Mussolini sein Glas und trank auf das Wohl des britischen Herrscherpaares und britischen Boltes. Der Trinispruch wurde von Macdonald erwidert, der sein Glas zu Ehren des italienischen Herrscherpaarcs und des italienischen Voices erhob. Heber die englisch-italienischen Besprechungen ist am Sonntag, 18.30 Hhr, folgendes amtliche Communiquä ausgegeben worden: „Der ikalienische Regierungschef hat am Samstag von 18 bis 19.30 Uhr im Palazzo Venezia und am Sonntag von 14.30 bis 16 Uhr in der englischen Botschaft mit dem englischen Ministerpräsidenten Macdonald und dem Auhen- minisler Sir Iohn Simon Besprechungen gehabt. Aach einem erschöpfenden Gedankenaustausch über die allgemeine Lage wurde bei diesen Unterredungen ein plan z u r Äersländigung über b i e politischen Hauptfragen geprüft, der vom italienischen Regierungschef vorbereitet worden war und die Zusammenarbeit der vier TB e ft m ä dj l e herbeisühren soll mit dem Ziele, im Geiste des Kcllogg-Paktes und der Erklärung über die „Aichtanwendung von Gewalt" für Europa und die TBell eine lange Friedensperiode zu gewährleisten. Zu Ehren der englischen Staatsmänner findet heute Abend auf der englischen Botschaft ein Diner statt, an dem auch der italienische Regierungschef tcilnehmen wird, vor der auf Montagmittag 12 Uhr festgesetzten Abreise wird Macdonald die italienischen, die englischen und die übrigen ausländischen Pressevertreter empfangen. Die englischen Minister werden ihre Rückreise nach London in Paris unterbrechen, wo sie Gelegenheit zur Zusammenkunft mit den Mitgliedern der französischen Regierung haben werden." Mustolinis plan. Wie der italienische 9lcgieritng§dtef sich die Lösung denkt London, 19. März. (XU.) Der den englischen Ministern Macdonald und Simon in Rom vorgelegte Abkommensentwurf trägt den Titel: „Ein politischer Pakt der Entente und Zusammenarbeit zwischen den vier TBeslmächten." Der Vertrag enthält 8 bis 9 Artikel. Die vier roefflidjen Mächte sind England, Frankreich, Deutschland und Italien. Der TBortlauk legt die gesamte politische Zukunft Europas fest und erkennt alte bestehenden Vertrag-Verpflichtungen einfdjl. des Locarnooertrages erneut an, ohne aber England auf neue Verpflichtungen festzulegen. Außerdem wird einfünfjährigerRüstungs- und politischer TVaffenstillstand vorge- schlagen. In einer Klausel des Vertrages wird gesagt, daß eine Revision der Friedensoer- träge nur durch die Maschinerie des Völkerbundes vorgenommen werden kann. Diese Bestimmung ist mit Rücksicht auf Frankreich eingesetzt worden. Die Unterzeichnung des Vertrages würde nach Ansicht Mussolinis die politische Atmosphäre Europas klären und den Erfolg der TBeltwirt- schaftskonferen; sicherstellen. Der ursprüngliche Vertragsentwurf war sowohl dem französischen Botschafter de Iouvenel, wie dem deutschen Botschafter von h a s s e l l vorgelegt worden. Man rechnet in R o m damit, daß Datadier nach Rom kommt, um diesen Pakt zu unterzeichnen. Bei dieser Gelegenheit will Mussolini zu einer Vereinbarung mit Frankreich über die Flottenfrage gelangen. Sollte Hitler nach Rom kommen, so würde dies geschehen, um den Mussoliniplan zu studieren und zu erörtern und falls er damit einverstanden ist, ihn gleichfalls zu unterzeichnen. Paris, 19. März. (TH.) 3n dem Echo der Pariser Presse zum Besuche Macdonalds in Rom spiegelt sich die ganze Hnsicherheit der französischen Politik, das Schwanken zwischen Hartnäckigkeit und Resignation, zwischen Hoffnungen und Pessimismus. Fast überall ist das Bestreben erkennbar, die Lage Frankreichs nicht durch offene Feindseligkeiten gegen Macdonald und Mussolini noch zu verschlechtern, und namentlich der Regierung nahestehende Organe bemühen sich eines besonders herzlichen Tones. Der als offiziös zu betrachtende Außenpolitiker des „Petit P a r i f i c n“ meint, Mussolini habe begriffen, daß er durch gewisse Gesten und Reden Bewegungen begünstigt habe, deren gefährlicher Charakter ihm heute klar geworden sei. Dor alkem sei Mussolini ebenso wie Frankreich ein G e g n e r des Anschlusses, der aus Triest schnell einen deutschen Hafen machen würde. Mit diesem Optimismus steht indessen der „Petit Parisien" ziemlich allein da. Die unabhängige Presse spricht offen aus, daß die Zusammenkunft zwischen Macdonald und Mussolini den Druck auf den Versailler Vertrag zweifellos verstärken würde. Macdonald habe sich bereits zum Revisionismus bekannt. Der „M a t i n" behauptet, daß es die Absicht der beiden Staatsmänner sei, einen ober st en europäischen Gerichtshof zu schaffen, der selbst territoriale Fragen entscheiden könne. Das „Echo de Paris" stößt heftige Alarmruse aus. Hm Mussolini aus dem Lager der gewaltsamen Revanche herauszubri.igen, müßte man ihm Geschenke machen, so vor allem die französisch - italienische Flottengleichheit. Aber es sei sehr wenig wahrscheinlich, daß es gelingen werde, ein solches Zugeständnis der französischen Regierung zu entreißen. Besonders scharf ablehnend äußert sich das chauvinistische „O r d r e". Es hält es für sicherer, daß die beiden Staatsmänner in Rom sich z u G u n st e n einer Revision der Beträge entscheiden werden, d. h. zu einer Berändcrung des europäischen Gleichgewichts zu Hngunsten des „friedlichen Frankreich" und zugunsten des „kriegerischen und imperialistischen" Deutschtums. Das Blatt Daladiers, die „Republique" bekennt offen: Deulsd)land, audj das hitlersche Deutschland, hat keine bösen Absichten gegen Frankreich. Die braven Leute, die vor Angst vor einem plötzlichen Angriff besessen find, können ruhig schlafen. Aber Deutschland hat europäische Pläne, die man genau kennen muß, um zu wissen, ob sie für uns annehmbar sind und in welchem Maße. Schon jetzt muß man Deutschland warnen, daß es gefährliche Wege gibt, auf die wir uns nicht drängen lassen. Aur die „B o l o n t e“ und die „Bictoir e" treten auch bei dieser Gelegenheit für die Revision der Verträge ein und zwar im Interesse der französischen Sicherheit. Viermachtetonserenz in Rom? Paris, 19. März. (TU.) Auf Grund einer telephonischen Unterhaltung mit dem französischen Botschafter in Rom, de Iouvenel, hat fid) Außenminister Paul-Boncour am Sonntagmorgen zum Ministerpräsidenten begeben, lieber den Inhalt der telephonischen Mitteilungen ist amtlich nod) nichts bekanntgegeben worden, doch behauptet der „Paris Soir" zu wissen, daß es sich um eine Einladung Macdonalds und Mussolinis handele, an den Besprechungen in R o m teilzunehmen. Gleichzeitig soll auch Deutschland aufgefordert werden, seinen Außenminister nach Rom zu entsenden, so daß die von Macdonald ins Auge gefaßte Konferenz der vier Großmächte sofort im Anschluß an die römischen Besprechungen ftattfinöen könnte. Or. Luther Botschafter in Washington. Washington, 18. März. (TH.) Für den bisherigen Reichsbanipräsidenten Dr. Luther ist bei der ameriikanischen Regierung das Agrement für den deutschen Bptschafter - p o st e n nachgesucht worden. Die amerikanische Regierung hat das Agrement bereits erteilt. Damit wird Dr. Luther Aachsolger des zurück- getretenen Botschafters von Prittwitz und G af f r on. Frankreich und Rußland. Ein Dementi. Paris, 19. März. (WTB.) Havas veröffentlicht folgende Erklärung: Seitens der sran- zösischenMinisterpräsidentschaftde- montiert man offiziell eine Zeitungsnachricht, wonach zwischen Frankreich und Sowjet- ruhland ein Militärbündnis abgeschlossen worden sei und wonach die französische Regierung diesem Abkommen gemäß eine M i - litärmissionnach Moskau geschickt haben soll. Seitens der französischen Ministcrpräsident- schaft weise man daraus hin, daß seit Hnter- zeichnung des französisch-russischen Aichtangriffs- paktes und seit der Ernennung von Militärattaches keine Verhandlungen zwischen Frankreich und Sowjetrußland über ein neues Ab-« kommen eröffnet worden seien. Oie Regierungsbildung in Preußen. Eine Aeutzerrmg des nationaliozialrsti chen Führers im Preußischen Landtag. Berlin, 18. März. (VDZ.) 3n einem im Preußischen Pressedienst der RSDAP. veröffentlichten Artikel schreibt der Führer der nationalsozialistischen Preußenfraktion Abg. K u b e über die bevorstehende Regierungsbildung in Preußen u. a.: „3n den nächsten Wochen werden wir zur weiteren Festigung der politischen Verhältnisse in Preußen kommen. Mit dem Zwischenzustand der Reichskommissariate in Preußen muß nunmehr ein Ende gemacht An das deutsche Volk! Ein Aufruf des Neichsministcrs Dr Goebbels. Berlin, 18.März. (1BIB.) Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. (Boe fabel s wendet sich mit folgendem Aufruf an das deutsche Volk: Am Dienstag, dem 21. März 1933, tritt auf dem geheiligten Boden von Potsdam der vom deutschen Volk gewählte neue Reichstag zum erstenmal zusammen. Die Abgeordneten versammeln sich in der Garnisonkirche, um an der geschichtlich geweihten Ruhestätte unserer großen preußischen Könige Bekenntnis für die Einheit und für die Freiheit des deutschen Volkes und Reiches abzulegen. Potsdam ist die Stadt, in der das unsterbliche Preußentum die Grundlage zu der späteren Größe der öeutfd;en Ration gelegt hat. Die innere Zerrissenheit, unter der das deutsche Volk von den Anfängen seiner Geschichte an Iahr- hunderte hindurch leiden mußte, soll von nun ab endgültig beendigt sein. Zum erstenmal seit Menschengedcnken ist der deutsche IBiderstandswille durch alle politischen Gegensätze durchgebrochen, und über Klassenunterschiede und konfessionellen Zwiespalt hinweg haben sich alte Stämme, Stände und Bekenntnisse in den Zielen der Millionen Menschen, die hinter der Regierung der nationalen Revolution stehen, d i e Hand gereicht. Deutschland ist erwacht! Männer und Frauen! Zeigt eure Freude und innere Ergriffenheit über das große historische Geschehen, das sich in diesen Wochen in Deutschland abspielt, indem ihr an den nationalen Feiern, die aus Anlaß des Zusammentritts des Reichstages in Potsdam, in Berlin und im ganzen Reich stattfinden, tätigen Anteil nehmt. Beflaggt eure Häuser und Wohnungen in den stolzen schwarzweihroten und hakenkreuzfahnen und legt damit Bekenntnis für die Wiedergeburt der deutschen Ration ab! Am Abend des historischen 21. Mär; sollen sich durch alle Städte und Dörfer des ganzen Reiches Fackelzüge der nationalen Parteien und verbände, der Studentenschaft und der Schuljugend bewegen. Auf unseren Bergen und höhen sollen die Freiheit s f e u e r ausflammen! Selbst diejenigen, die durch/Alter oder Gebrechlichkeit verhindert sind, an diese» Feiern teilzunehmen, haben Gelegenheit, ihren Ablauf in Potsdam und Berlin durchden Rundfunk mit;uerleben. Der kommende Dienstag soll vor aller Welt zeigen, daß das deutsche Volk, einig in feinen Ständen und Stämmen, aus Schmach und Demütigung neuerftan- den ist und sich nach Iahren unendlicher Trübsal wieder mit Stolz zu dem Dichterwort bekennt: Rimmer wird das Reich zerstöret, wenn Ihr einig seid und treu.“ Ge;.: Dr. Goebbels. Oas Programm für die Feier in Potsdam. Berlin, 18. März. (WTB.) Das Programm der Reichsregierung für den Festakt zur Eröffnung des Reichstags sieht folgendes vor: 6.30 bis 7.30 Uhr Platzkonzert im Lustgarten in Potsdam, ausge- fuhrt von zwei Musik-Korps des Jnf.-Regts. 9. — 10.30 Uhr Gottesdienst für Mitglieder des werden, nachdem im Preußischen Landtag die notwendige Mehrheit für die Bildung einer ge - sehmähigen Regierung vorhanden ist. Daß das kommende Preußenkabinctt naturgemäß unter nationalsoziali st ischem Einfluß stehen wird, ist angesichts der Zahlenverhältnisse eine glatte S e l b st v e r st ä n d l i ch k e i t. Innerhalb der RSDAP. gibt es keine Reibung. Hnd da die Staasverwaltung und die Staats- führung möglichst reibungslos gestaltet werden müssen, wäre es natürlich das beste, wenn wir ein rein nationalsozialistisches Preuhenkabinett erhielten. Die notwendige Mehrheit ist dafür vorhanden. Aber die Ritterlichkeit Adolf Hitlers wird die ihm notwendig erscheinenden Rücksichten auf die Forderungen der Reichspolitik auch in Preußen zum Ausdruck kommen lassen. Hnd da sich die preußische Landtagsfraltion der RSDAP. unter meiner Führung stets lediglich als eine Waffe des Führers für die Gestaltung der deutschen Geschicke gefühlt hat, werden wir die Befehle des Führers auch in Preußen mit peinlicher Sorgfalt ausführen." Rach der endgültigen Feststellung des preußischen Wahlergebnisses sind nicht 474 Mandate zustande gekommen, wie nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis errechnet worden war, sondern 476. Diese verteilen sich mit 211 aus die RSDAP., 83 auf die SPD. und Staatspartei, 63 auf die KPD., 68 auf das Zentrum, 43 auf die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot und 8, statt bisher 6, auf die gemeinsame Liste der DDP., des Volksdienstes und der Hannoveraner. Reichstages und der Reichsregierung. Protestanten: Nicolaikirche. Katholiken: Katholische Pfarrkirche. Schluß des Gottesdienstes gegen 11.20 Uhr. An dem Gottesdienst in der Nicolaikirche nimmt der Herr Reichspräsident teil. Nach Beendigung des Gottesdienstes gehen die Teilnehmer in geschlossenen Zügen unter dem Ge- läute aller Glocken Potsdams indie Garnisonkirche. Reichswehr und nationale Verbände bilden bis zur Garnisonkirche Spalier. Der Herr Reich s - Präsident fährt das Spalier ab. Por der Garnisonkirche stehen eine Ehrenkompagnie der Reichswehr und Ehrengruppen der SA., des Stahlhelms und der Schutzpolizei, die der Herr Reichspräsident abschreitet. 12 Uhr feierlicher Staatsaktin derGarni- s o n k i r ch e. Der Herr Reichspräsident hält eine Begrüßungsansprache und erteilt daraus das Wort dem Herrn Reichskanzler zur Abgabe der Regierungserklärung. Der Staatsakt wird von Kirchenmusik feierlich umrahmt sein. Anschließend begibt sich der Herr Reichspräsident allein z u r Gruft, wo er zwischen den Särgen Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs des Großen einen Lorbeerkranz niederlegt. Während der Kranzniederlegung wird eine Reicyswehrbatterie im Lustgarten Salut schießen. Nach dem Staatsakt findet vor der Kirche ein Vorbeimarsch der gesamten Potsdamer Garnison und der Verbände vor dem Herrn Reichspräsidenten statt. An dem Vorbeimarsch nehmen teil: drei Bataillone des 9. Infanterie-Regiments, die in Potsdam stehenden Teile des 4. Reiterregiments, die 4. Abteilung des 3. Artillerieregiments, die Nachrichtenabteilung 3. Es folgen dann die Salutbatterie und die nationalen Verbände. Während des Vorbeimarsches wird ein Flugzeugeschwader über dem Potsdamer Lustgarten fliegen. 17 Uhr Zusammentritt des Reichstages in der Kroll-Oper in Berlin. 18 bis 19 Uhr findet im Lustgarten in Potsdam ein Platzkonzert statt, das von zwei Musik-Korps des Infanterie-Regiments 9 ausgefuhrt wird. 19 Uhr findet in der Staatsoper Unter den Linden in Berlin eine F e st v o r st e 11 u n g statt. Es werden „Die Meistersinger" aufgeführt, deren dritten Akt die Reichsregierung beiwohnen wird. 20 Uhr findet in Berlin ein Fackelzug der SA., des Stahlhelms und der Studentenschaft statt. Das RmdsuMoßranim amTage derReichstagseröffriung Anläßlich der feierlichen Eröffnung des Reichstages am Dienstag, 21. März, werden alle deutschen Sender gemeinsam auf Veranlassung des! Herrn Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda folgendes Programm übertragen: 9 bis 9.30 Hhr. Historische Märsche, gespielt im Hof des Königsberger Schlosses vom Musikcorps des 1. Grenadier-Bataillons des 1. Preußischen Infanterie-Regiments, Leitung: Obermusikmeister H. Gareis. . 9 35 bis 10 Hhr: Hörbe.icht: „Aus der Ge^ schichte der Stadt Potsdam". 10 bis 10 15 Hhr: Conrad Ferdinand Metzer: „Huttens letzte Tage". 10.15 bis 10.30 Hhr: Bericht über die Feststimmung in Potsdam (Berichterstatter: Baldur v. Schirach). 10.30 bis 11.30 Hhr: Musik um Friedrich den Großen. 11.30 bis 13 Hhr: Hörbericht über den Zug zur Garnisonkirche und das Bild der Kirchef Hebertragung der Feierlichkeiten in der Garnisonkirche; Hörbericht über den Vorbeimarsch- Sprecher: Freiherr v. Meden. 14.30 bis 15.20 Hhr: Konzert des Gewandhaus- Die Feier der Eröffnung des Reichstags. Orchesters Leipzig. Leitung: Prof. Dr. Ludwig Äeubeck: Richard Wagner. 15.30 bis 17 Uhr: „Das Reich ist unser". Funk- Lichtung von Gerhart Menzel. 17 bis 17.55 Ähr: Hörbericht über die Eröffnungssitzung des Reichstages in der Krolloper. (Sprecher: C. M. Köhn.) 18 bis 19 Ähr: Konzert des philharmonischen Orchesters Hamburg. Dirigent: Generalmusikdirektor Dr. Muck (Weber, Schubert, Beethoven). 19.30 bis 19.45 Ähr: Ansprache des Reichskommissars und kommissarischen Ministerpräsidenten des Landes Bayern, General Ritter von Epp. 20 bis 20.55 Ähr: Hörbericht über den Fackel- zug in Berlin. 21 bis 22 Ähr: Konzert des Rundfunkorchesters München. Dirigent: Hans QL Winter. — 22.05 Ähr: Äebertragung der Festvorstellung aus der Staatsoper Unter den Linden: „Meistersinger". 3. Akt. Lustsperre über Berlin und Potsdam. Berlin, 18. März. (WTB.) Der R e i ch s kommt s s a r für die Luftfahrt hat für den Tag der Eröffnung des Reichstages, 21. 3. 33, d i e Stadtgebiete von Berlin und Potsdam als Luftsperrgebiete erklärt, um Störungen jedweder Art bei der Feier zu vermeiden. Das Ueberfliegen der genannten Gebiete mit Luftfahrtzeugen ist daher verboten. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß die Durchführung des Ueberfliegverbotes mit allen Mitteln, erforderlichenfalls mit Waffengewalt, sichergestellt werden wird. Für die Flugzeuge des planmäßigen Luftverkehrs wird eine Einflugszone zum Flughafen Tempelhof offengehalten. Wünsche des Einzelhandels in Kessen. Oer Besuch beim hessischen Staatspräsidenten. Darmstadt, 18. März. Anläßlich des heutigen Empfanges der Vertreter des Landesverbandes des hessischen Einzelhandels durch Herrn Staatspräsidenten Dr. Werner wurden die nachstehenden Wünsche des hessischen Einzelhandels überreicht: 1. Ein lückenloses Zugabenverbot. 2. Gesetzliche Regelung der Rabattgewährung im Einzelhandel. 3. Sperre für die Reuerrichtung von Warenhäusern, Groß-Filialunternehmungen, Direktläden von Fabriken und Bersandgeschäften. 4. Verbot der Lebensmittelabteilungen und Erfrischungsräume in Warenhäusern und Einheitspreisgeschäften. Verbot aller sonstigen wesensfremden Qlbteilungen und Veranstaltungen in den Warenhäusern unb Einheitspreisgeschäften, die nur auf Kundenfang hinauslaufen und mit dem normalen Geschäftsbetrieb nichts zu tun haben. 5. Sofortige Unterbindung der Subventionierung von öffentlichen Betrieben, Warenhäusern, Groß-Filialgeschäften und Konsumvereinen. 6. Einführung der Phasenpauschalierung der Ämsatzsteuer zwecks Vermeidung steuerlicher Vorteile der mehrstufigen Betriebe und Erhebung der phasenpauschalierten Ämsatzsteuer beim Hersteller, um jede steuerliche Ämgehung, z. B. durch den Hausierhandel u. a. zu vermeiden. 7. Senkung des allgemeinen Steuerdrucks, insbesondere Abbau der Sondergebäudesteuer und Aenderung des hessischen Gewerbesteuergesetzes im Hinhlick auf eine bessere Anpassung an die Bedürfnisse des Mittelstandes. 8. Gerechtere Verteilung der steuerlichen Belastung im Einzelhandel im Sinne einer Erleichterung für die kleinen und mittleren Betriebe und einer stärkeren Heranziehung der bisher steuerlich begünstigten Warenhäuser, Grvß-Filial- betriebe, Versandgefchäfte, Direltläden und Konsumvereine. 9. Alsbaldige Errichtung von Einigungsämtern in Sachen des unlauteren Wettbewerbs in Hessen. 10. Bevorzugung des mittelständischen Einzelhandels bei der Vergebung von öffentlichen Lieferungen und Arbeiten. Abbau der zentralen Materialbeschaffung zugunsten des örtlichen Einzelhandels. 11. Verbot jedweden Beamtenhandels einschließlich des Anpreisens von Waren in staatlichen und sonstigen Dienstgebäuden. 12. Scharfe Maßnahmen gegen das Äeberhand- nehmen des Hausierhandels, des Wanderlagerunwesens und des illegitimen Privathandels. MichsbankprasidenL Or. Schacht über seine Aufgabe. Berlin, 18. März. (WTB.) Deichsbankprä- sident Dr. Schacht hielt heute abend im Rundfunk eine Ansprache, die über alle deutschen Sender übertragen wurde. Der Reichsbankpräsident erklärte: Es ist heute nicht mehr die Zeit für lange Reden, es ist die Zeit zu handeln. Das Geld-, Dank- und Kreditwesen ist keine Angelegenheit, die nach irgendwelchen mathematischen Regeln ein Sonderdasein führt, sondern ist in stärkstem Maße mit den Interessen der nationalen Wirtschaft und damit des gesamten Volkslebens verwoben. Ls ist deshalb nicht möglich, eine Notenbank zu leiten, ohne mit den politischen Grundsätzen der Regierung im Einklang zu fein. Aus Meinungsverschiedenheit über die nationalen Grundlagen der gesamtpolitischen Führung habe ich genau vor drei Jahren mein Amt als Reichsbankpräsident niedergelegt. Die Befürchtungen, die ich damals gehegt habe, haben sich leider erfüllt. Willkürliche Beeinflussung von außen her haben den durch die falsche Auslandsanleihepolitik schon an sich geschwächten Wirtschaftskörper Deutschlands in solchem Maße ausgedörrt, daß die Rückwirkungen davon nicht nur im deutschen Volk selbst, sondern' auch im internationalen Wirtschaftsleben schwer fühlbar geworden sind. Als ich vor drei Iahren aus der Reichsbank schied, stand die Bank mit rund 3,3 Milliarden eigenem Gold und Devisen da. Heute beträgt der eigene Besitz der Reichsbank an Gold und Devisen nur den neunten Teil davon. Der Zusammenbruch der Oesterreichischen Credit-Anstalt Mitte Mai 1931 war die bewußt herbeigeführte Folge einer gegen Deutschland gerichteten Politik. Ihr folgte in Deutschland die Kündigung nahezu aller kurz- i fristigen Auslandskredite seitens der ausländischen Geldgeber. von jenem Ereignis bis heute hat die deutsche Volkswirtschaft rund 10 Milliarden Reichs- mark an das Ausland zurückgezahlt. Das ist ein Aderlaß von so unerhörtem Ausmaß, daß er auch auf eine weniger verarmte Volkswirtschaft, als es die deutsche nach dem Kriege ist, verheerende Folgen ausüben muhte. Der Junggeselle und das Vaby. Von Julius Kreis. Bekommt ein älteres Fräulein durch irgendeinen Ämstand eine Pistole in die Hand, so wird auf dem Antlitz der Dame Furcht, Verlegenheit, Un- behagen aller Art erscheinen und der Waffenkundige stellt fest, daß das Fräulein von den tausend Arten, eine Pistole in die Hand zu nehmen, bestimmt Die unglücklichste und widernatürlichste gewählt hat. Ein Mitleider wird ihr den schreckhaften Gegenstand umgehend abnehmen, die Dame wird den angehaltenen Atem wieder strömen lassen und ihrem Retter einen Blick rührender Dankbarkeit schenken. So ähnlich geht es dem Iunggesellen, dem eine Fügung plötzlich einen Säugling in die Hände spielt. Run sollen Ehemänner ja auch nicht mit stolzgewölbter Brust so tun, als ob sie die Säuglingspslege mit der Muttermilch eingesogen hätten. Auch der glücklichste, der Passionierteste Vater ist für ein kleines Kind kein sanftes Ruhekissen, denn jeder Mann, selbst wenn er von Beruf Schlangenmensch wäre, wird mit einem Säugling auf dem Arm seltsam ungelenk und steifleinen, oder wie unsere Ghmnastiklehrerinnen sagen: ungelockert, unentspannt. Immerhin: Väter gucken doch manches von den Müttern ab, wie man im Umgang mit Wickelkindern räuspert, wie man spuckt. Die Begabteren können sogar soweit gefördert werden, daß sie während des Windelwechselns das Kleine mit einiger Schicklichkeit halten können. Auch ist bei ihnen natürlich durch den täglichen Umgang mit dem Bambino, durch die ganze Atmosphäre im Haus keine Schock-Wirkung mehr zu befürchten. Aber sieh da, den Iunggesellen! Anmutig und unbeschwert zieht er durch den Park. Da sitzt auf der Bank — vor sich den blinkenden Kinderwagen — eine junge, hübsche Mutter aus dem Bekanntenkreis. Mit Gruß und liebreizendem Lächeln kann hier nur jemand vorbeihuschen, der kein Herz, sondern einen Stein im Busen hat. So begrüßt denn der Iunggeselle die Mutter mit ritterlichem Handkuß und beugt sich dann all- sogleich zu dem Wagen nieder, um zunächst in eine Reihe von Bewunderungsexzessen auszubrechen. Es ist das schönste, beste, gelungenste Kind, das seine Augen je erblickt. Die Mutter ermuntert ihn mit keinem Wort zum Beschluß seines Preisgesangs, sondern erwartet — Auge in Auge — noch mehr und weiteres an Superlativen. Bis I ber Junggeselle atmlos erklärt: Olein, wirklich — f o ein Kind hat die Welt noch nie gesehen. Dann ist er eingeladen, auf der Bank Platz zu nehmen, und der Säugling wird aus dem Wagen gehoben. Run beginnt des Iunggesellen schwere Packung. Für ihn, den ewig Blinden, sieht ein Säugling aus wie der andere, oie riechen ein bioujcn wie frische Laugenbrezeln und Puder, sie fühlen sich an wie ein gutgelungener Himbeerpudding. (Dies natürlich denkt der Iunggeselle, nicht daß es vielleicht einmal einer sagt!) Der Junggeselle beginnt nun mit dem Säugling jene Konversation, von der alte Männer von Pol zu Pol annehmen, daß kleine Kinder sich Wei unt rhalten. Und merkwürdig, die meisten Säug- liuge, als liebenswürdige, nette Gefeilscht-,- menschen, gehen auch gleich und mit Interesse auf das angeregte Thema ein. Der Junggeselle streckt seinen Zeigefinger gegen das Nädelchen des Kleinen und sagt Bschwschwsch . . . Dabei bekommt das Antlitz von Mädchenhändlern, Seeräubern, Sklavenjägern einen Ausdruck von hilfloser G'schamigkeit, daß sogar der Säugling lächeln muß. Hieraus schnalzt der Besichtiger mehrmals mit den Fingern und sagt Dada — baba! Qlber bann ist fein Repertoire erschöpft. — Das Kleine streckt die Aermchen nach ber blitzenben Drille aus, worauf bie Mutter, weil fic auch anbere gern am lnck teilnehmen läßt, sagt: Wollen Sie es 'mal einen Qlugenb.id halten, dis ich bie Kissen in Orbnung bringe. 2eht ist ber große Augenblick ba. Unb in bie ungelenken, fteiftoerbenben Arme wird bem Jstng- gcfellen ber Säugling gelegt unb ba sitzt ber Qliann nun. — in seinem Leben noch nie so schachmatt, so gänzlich einer fremben Macht untertan. Olud) ber Säugling spürt bie große Bangnis an seinem Behüter. Auch er wirb Durch das Unbehagen angesteckt, verzieht das bisher sonnige Gesicht zur Grimasse und fängt bann — durch lein Bschwschwfch mehr zu beschwichtigen — zu greinen an. Lassen Sie ihn nur ... sagt die □Hama vom Kinderwagen her. Der Herr aber fdndt einen diskreten Blick auf seine neue Flanellhose nieder —-.voll Besorgnis. — Wie oft toirö ba bem kleinen Kind unrecht getan! Es ist gar nicht so, wie wir Große vielleicht wären, wenn wir so klein fein würben. Qllle Junggesellen in dieser Situation ziehen nun, wie durch einen Weltvertrag gebunden die Uhr und bringen sie an das Ohr des Säuglings. Der Herr, ber eben noch vor einer Stunbe über Die bibergentiale Fermate ber kulturellen Potenz- loeffijienten gesprochen, sagt voll Lampenfieber: Tik-tak-tik-tak ... Solche Riesenzahlungen haben uns bennoch nicht vor einer zwangsweisen Regelung unseres Zahlungsverkehrs mit bem Ausland bewahren können. Diesem Kontrollzwang allein verdanken wir es, baß bie Wertbestänbigkeit ber Mark aufrechterhalten worben ist. Die Entziehung von 10 Milliarben Mark in einem Zeitraum von weniger als zwei Jahren hat ben Schrumpfungsprozeß ber beutschen Wirtschaft erheblich verschärft. Die Aufgaben für eine nationale Rotenbankpolitik ergeben sich baraus von selbst. Wir werben jeben möglichen Weg beschreiten müssen, um bie Reichsbank toieber mit Golb unb Devisen anzureichern. Solange bie internationale Welt fortfährt, sich unseren Waren zu versperren, werben wir eine starke eigene Initiative für bie Erreichung dieses Zieles nicht entbehren können. Dabei Darf das Ausland versichert sein, daß wir unsere kommerziellen Schuldverpflichtungen in vollem Umfange anerkennen. Ich hoffe aber, daß die übrige Welt gemeinsam mit uns den internationalen Zahlungsverkehr wieder in Gang bringen wird, ohne ben auch ber Warenverkehr nicht wieder in Gang kommen kann. Solange indessen die Reigung, unsere Warenexporte aufzunehmen, in ber Welt so gering ist wie jetzt, ober sogar sich noch verringert, werben wir nicht unzhin können, der Pflege des in* 1 änbischen Marktes eine weit stärkere Beachtung zu schenken, als bisher. Wo immer sich produktive Möglichkeiten in Deutschland ergeben, fei es in ber Landwirtschaft, fei es im Gewerbe, wirb Die Reichsbank Hilfsstellung geben. Gerabe ber Initiative unb Verantwortung bes einzelnen tieinen Geschäftsmannes, Fabrikanten, Landwirts und Unternehmers wird jedes mögliche Entgegenkommen gezeigt werden müssen, nachdem bie Ueberorganifation unb Bureaukratisierung ber großen Konzerne nicht nur soziale, fonbern auch so manche wirtschaftlichen Rachteile ans Licht gebracht hat. Die künftige Währungspolitik wird ihrer Ausgabe, die Wertbeständigkeit der Reichsmark zu erhalten, unverändert treu bleiben. Aber sie wird mit größtem Nachdruck daraus ausgehen, diese wertbeständigkeit wieder organisch in einer kraftvollen Wirtschaft zu verankern. Die gleiche Willensrichtung von Reichsregierung unb Reichsbank wirb ein einheitliches Zusammenarbeiten im gesamten Finanz-, Bank- unb Kreditwesen, sowohl bei ben staatlichen, wie gegenüber ben privaten Stellen gewährleisten. Große Arbeit steht hier bevor. An diese Arbeit wollen wir jetzt Herangehen zum Wohle unseres arbeitenden unb arbeitswilligen Volkes. Line neue wiktschaMe AolvewrdMW. Berlin, 18. März. (WTB.) Der Reichs- präsibent hat eine Notverordnung über Maßnahmen auf dem Gebiet der Finanzen, der Wirtschaft und der R e ch t s p f l e g e erlassen. In Kapitel 1 wird baä Besoldungsgesetz behandelt. Die Bestimmung des Besoldungsgesetzes, daß von je drei frei werdenden Planstellen ber Besolbungsorbnung eine Planstelle wegzufallen hat, wird bis zum 31. März 1936 in ihrer Gültigkeit verlängert. ba unter ben obtoaltenben Verhältnissen auf die Beibehaltung ber an sich mit dem 31. März b. I. ablaufenben Bestimmung nicht verzichtet werden kann. . Ferner werden die durch die Erste, Zweite unb Dritte Gehaltskürzungsverorbnung ungeordneten Gehaltskürzungen, bie! bis zum 31. Januar 1934 befristet waren,, zur Erzielung einer einheitlichen Veranschlagung der Besoldungsmit» tel für bas Rechnungsjahr 1933 bis zum 31. März 1 934 verlängert. Auf dem Gebiet ber Zollverwaltung enthält die Rotvecordnung in den Kapiteln Hi unb IV einige weitere Maßnahmen zur Bekämpfung des immer noch äußerst starken Schmuggels, ferner Vorschriften zur Aenderung des Gesetzes über das Branntweinmonopol, die auf die Erhöhung ber Zwangsbeimischung von Spiritus zu Treibstoffen zurückgehen, sowie einige Vorschriften zur Qlenberung bes Salzsteuergesetzes. In den Kapiteln V bis IX werden Maßnahmen auf bem Gebiet ber Steuerverwaltung getroffen. Da bie Lage der Reichsfinanzen einen Verzicht auf die besonderen Linkommensbelastungen. die in den Jahren 1930 und 1931 eingesuhrt wurden, nicht gestattet, bleiben die Zuschläge sowie die Abgaben zur Arbeitslosenhilfe, die auch bis zum Ende des Rechnungsjahres 1933 weiter gelten soll und der Zuschlag der Aufsichtsratsmitglieder bestehen. Die bisherige Regelung der Erhebung ber Vermögenssteuer wirb auch auf das Rechnungsjahr 1933 ausgedehnt. Die Vermögenssteuer beträgt hiernach — ebenso wie im Rechnungsjahr 1932 — 80 v. H. der auf Grund des Vermögens vom 1. Januar 1931 ermittelten Vermögenssteuer für das Rechnungsjahr 1931. Die Realsteuersperre, die mit dem 31. März d. 2. ablaufen würde, wird auch für bas Rechnungsjahr 1933 aufrechterhalten, da eine allgemeine Erhöhung ber Realsteuern für bie Wirtschaft unerträglich sein und ben zu ihrer Belebung ergriffenen Maßnahmen zuwiber- laufen würbe. In gewissem Umfang soll aber die Realsteuersperre gelockert werben. Ins- besonbers soll bies der Fall sein, wenn die bestehenden Steuern außergewöhnlich niedrig sind. Auf. dem Gebiet der F i l i a l ff e u e r gibt die Verordnung die Möglichkeit einer v e r - s ch ä r fu n g. Für Länder, in denen eine warenhaussleuer besteht, wird die Landesregierung ermächtigt, die Steuersätze der Warenhaussteuer bis höchstens auf das Doppelte der bisherigen Steuersätze zu erhöhen und den Kreis der der Warenhaussteuer unterliegenden Betriebe zu erweitern. Wichtige Bestimmungen enthält die Verordnung über Aenderungen des Münzgesetzes. Die 1-RM. - Stücke sollen künftig aus Nickel geprägt werden. Ferner ist, um den Wünschen des Verkehrs entgegenzukommen, beabsichtigt, bie 5 - R M. -Stücke in einer kleineren Form neu auszuprägen unter Erhöhung der jetzigen Legierung von 500/000 auf 900/000 Feinsilber, so bah bie neuen 5--RM.»Stücke ben gleichen Silberinhalt haben werben, wie bisher. Die 2 - R M. - Stücke werben ebenfalls in einer anderen Form mit einer höheren Legierung neu geprägt. Die 3-RM. -Stücke werden eingezogen und außer Kurs gesetzt. Die entstehenden Kosten werden durch den Verkauf des in den einzuzie- henben l-RM.-Stücken enthaltenen Silbers gedeckt. Der beteiligten Industrie unb ben Münzstätten wirb auf einen langen Zeitraum Arbeit gegeben. Die Verordnung verlängert weiter die Gel- tungdbauer bes Pächterkrebitgesetzes um zehn Jahre. Unter Zurückstellung ihrer grundsätzlichen Bedenken gegen jede Subventionspolitik hat sich die Reichsrcgierung entschlossen, dem Reichspräsidenten vorzuschlagen, letztmalig weitere 30 Millionen Reichsmark zur Stützung gewerblicher Kreditgenossenschaften bereitzustellen. In diese Hilfsaktion sollen auch in gewissem Umfang die sogenannten Mittelstandsaktienbanken einbezogen werden. Aber ber Säugling, zielstrebig von Kinbes- beinen an, trachtet mit seinen Händen nach ber Drille, faßt sie unb klammert sich baran. wie ein geübter Fassgbenkletterer. Hier hat bie Hilflosigkeit des Junggesellen ben Gipfel erreicht Um keinen Preis möchte et, ber Gute, ben Säugling ober bie Mama durch rauhen Zugriff kränken, er hat gar keine Vorstellung, in welchem Maß man überhaupt zu einem Kleinkind aktiv sein kann. Schon hat er feine Punktalgläser im Geist geopfert, er gibt keine Bohne mehr für ihre Erhaltung. Da erschaut Die QUama lächelnd die Situation und sagt: Ach. geben Sie es doch mir. wenn es Ihnen lästig fein sollte ... Wer hätte den Mut, zu sagen: Ihr Kind, Madame, ist mir lästig. So sinkt die Drille, durch glücklichen Zufall gelenkt, ins grüne Gras unb bie Mama holt nun boch unter zärtlichen kleinen Deschimpfungen bas Kinbchen toieber zu sich, nicht ohne von allen Seiten zu untersuchen, ob inzwischen nichts an ihm kaputt gemacht würbe. Der Herr — vergleiche oben — läßt ben angehaltenen Atem wieder strömen, Mama vergräbt Den Mund in Die Polster ihres Kleinen, inbrünstig schnabulierend, wie an einem besonders lederen Festgericht. Der Herr, etwas blaß geworden unb nicht ganz unverstört, erhebt sich voll Anstand, aber doch mit leichter Eile. Er macht nochmal mit Dem Singer bschwschwfch, verbeugt sich und sagt zum Abschied: Ein reizendes Buberl, das ... Es ist ein Mäderl! spricht bie Mama mit einem Dlick, ber kalt wie Stahl burch so einen Junggesellen geht. Da wandelt er nun dahin, für die nächsten fünf Minuten um Jahre gealtert, ein seines Nichts durchbohrendem Gefühle nur wieder aufgerichtet bei dem Gedanken, daß diese hübsche junge Dame ba vor ihm vor 1000 Wochen auch so ein Säugling gewesen, ist. Wie nett sich so was aus-- wachsen kann ... Deutsches Dorf im brasilranischen Llrwald. Es gibt kein ergreifenderes Erlebnis für den deutschen Reisenden in fernen Landen, als wenn 61 aHf. irgend eine Siedlung von Landsleuten stößt, in ber sich bie Heimatkultur noch rein erhalten hat. Von bem Besuch eines solchen deutschen Dorfes bei einer Reise durch die brasilianische Wildnis erzählt Ernst Hoserichter in .Reclams Universum". „Zwischen weiten Pflanzungen von Mais, Mandioka unb Zuckerrohr liegt in Schatten und Sonne ein deutsches Dors", schreibt er. „Dor dem Krämerlaben sitzt ein Mann unb lieft in einer beutschen Tageszeitung. Sein Gesicht könnte ebenso gut hinter einem Gartenzaun Thüringens hervorsehen. Der Großvater wanderte vor 100 Jahren nach Brasilien aus, ber Vater kämpfte noch ber Wildnis Fußbreite um Fußbreite ab — und erst diese Dritte Generation erntet auf kultivierter Erbe... Töpfe, Tassen, Rägel und andere Werkzeuge seines Labens, der hier „Vende" heißt, sind deutsche Waren. Die Buchführung muß in portugiesischer Sprache gehalten sein — aber sonst gehen Dorfauf unb --ab nur deutsche Worte. Auf Kirchweihen wirb heimatlich getanzt unb gerauft. Vor dem Schulhaus sind Maultiere angebunden, auf denen die Kinder der Urwald- kolonisten züm Unterricht reiten. Aus ben offenen Fenstern klingt deutsche Sprachlehre unb summt ein Wanderlieb durcheinander. Sonntags krachen vom Schießstand des Schützenhauses Ähüsse auf oberbayerische Gebirgsscheiben. Hausfrauen nehmen Streuselkuchen aus der Ofenröhre, baden Zimtsterne und kneten Kartoffelklöße. Unb vom ganzen Dorf haben höchstens brei ober vier Einwohner je im Leben beutsches Lanb mit eigenen Augen gesehen. Im Wohnzimmer hängt bas Bild einer Schlittenfahrt. Eltern unb Kinder nehmen ben Oelbrud an überheihen Tagen von ber Wand unb versuchen sich an bem nie erlebten Schnee unb Eis abzukühlen. In ber Ecke steht ein Klavier. In Metall gegossen sinb auf bem Deckel Mozart unb Beethoven zu iehen. In feuchten Zeiten laufen sie an unb schwitzen mit der ganzen Familie um bie Wette. Ein Lied von Schubert liegt aufgeschlagen. Die Tochter muh dem Besuch zu Ehren fingen. Wir bekommen Dier vorgesetzt, bas schätzungsweise eine Temperatur von 28 Grad Celsius besitzt. Hinterm Haus, bas unscheinbar auf Der Erde hockt, treibt ein Garten orgiastisch Blumen, Früchte unb Blätter burdjeinanber. Und kein Fürst Europas besitzt einen Park, ber sich mit so wild geworbenem Wachstum messen könnte. Im Dorfe gibt es brei Familien, bie zusammen 68 Kinber haben, und in einer andern deutschen Kolonie starb 87jähr:g eine Witwe, bie bei ihrem Tobe 11 Kinder, 105 Enkel unb 219 Urenkel hinterließ... In ben beutschen Kolonien wirb bie alte Heimat zu einer Insel, bie in einer Wilbnis schwimmt. Dach, Mauer, Tischtuch, Nachtgebet unb Eheringe sinb herübergerettete Trümmer einer deutschen Iugend, die schon vom Großvater vorgelebt wurde. In ben Nachkommen wachsen sie zu Talismanen an, werben gestreichelt unb wie gute Schulzeugnisse hergezeigt..." tontet bie Gel» itgesehes m adsählichco Be- spolifif Hal sich n, htm Beicht (malig roeilere Slüijang gt- bereilzastellm. n gctciflem Um« mdsaktienbanlm "ergib! die einer Der. denen eine die Landes- eunjähe der °ui das Dop. lc ;u nhähcv uenhaurilenek envdterü. die Verordnung ünzgesehes. nfüg au l DM t den Wünschen beabsichtigt, d'e ineren Form g der jetzigen Le« >3 Feinsilber, so i gleichen Silber« Die 2-Ä1« er anderen Form eu geprägt. Die ingezogen und (sichenden Kosten in den ein-uzie« 'nen Silbers g?« unb ben Mnz- etrraum Arbeit U Zterhülten Mtuerl fein und ben iu la^cn zuwder. pfQn9 soll aber \ .toerbtn. 3n& lein, wenn die gewöhnlich geb,-. eil (tär!„ ’n« rs im ßeben, Seben^be, 9 des ,»• «fe «6^ g EZ tb>tN. ,El^marf 7 * s ie yf ""«Sehen. °W|$ in verankern &«-*« Summen« ^und Kredit. enNÄenü6er X^W Ar. , , ?Cl1 Hollen stieres arbti. ite ein deutsches rämerladen sitzt cutschen Tages« enso gut hiiüa «ervorsehen- Der bren nach Vra« )ch der Wildn» und erst diese ivierter Erde... dere Werkzeuge de" heißt, find ,g muß in por- „ - aber Ions iche Worte. Auf Mzt und 9^ Maultiere an« “er der Ur* Aus den vssencn lehre und swMt rJ** '*Sin * 5 ÄKZ Erde W Dt« rÄ wild ge®°^ drei )ock G und Inder Wtftil nie sta; Mdrr. Tode U terji^^-unai if aIte/Wi^L JlÖjJ uud Mier? DDtge* MS sie f wie fl"18 Buntes Allerlei Aus der Provinzialhauptstadt mit vergifteten Eiern die schwarzen Gesellen kurz ger — TageskalenderfürMontag. Handels, und Gewerbebank e. G. rn. b. H.: 18 Uhr, San!» gebäude, Krausmüller-Saal, außerordentliche Gene« 9er Kampf gegen den Kartoffelkäfer Ein gefährlicher Schädling der Landwirtschaft. Schuh der Hausfrau vorFehlkäufen Ein Gütezeichen für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Don Or. Karl «räufle, Berlin. äleberfahrt zu der Rolle eines Stummen verurteilt zu sein, verfiel er auf den schlauen Ausweg, seinen Tischnachbar beim Diner mit den Worten „Herr Schiffspassagier" anzureden. Ebenso wie dieser Mann aufatmete, als er den sonst so gastlichen Boden des schwedischen Dampfers verließ, so wird sich das ganze Land von einer Last befreit fühlen, wenn der kühne Schnitt, mit dem dieser alte Zopf endlich abgeschnitten werden soll, die Genehmigung des Königs findet. D. M. Oer erste Frühling in Deutschland. Auf Grund jahrzehntelanger meteorologischer Feststellungen hat sich ergeben, daß das höchste und früheste Wärmemittel in Deutschland ausschließ- lich dem DHeintale und einigen seiner geschützten Seitentäler eigen ist, die teils noch von Westwinden, teils von der zu dieser Jahreszeit heranreichenden Föhnlage von Süden her beeinflußt werden. Dieses Wärmeband, das etwa bei Köln beginnt und längs des Dheines sich herunterzieht bis nach Basel, umfaßt in seinem nördlichen Abschnitt vor allem die Städte Mülheim, Bonn, Aachen, verliert sich dann mit dem Eintritt in das von Bergen umsäumte Mittclrhcintal, verbreitert sich um ein Gewisses in der Moselbucht bei Koblenz. Erst mit der Einmündung der Rahe wird die Zone der vorauseilenden Frühlingswärme erweitert; sie greift über Geisenheim, Rü- desheim, Eltville nach Wiesbaden und auf den Südfuß des Taunus über, umschlingt noch Frankfurt fast bis nach Hanau und zieht dann zu beiden Seiten des Flusses in einer Breite von 70 bis 30 Kilometer bis vor die Barriere des Jura, noch die tiefliegenden südlichen Schwarzwaldtäler umfassend. Die einmündenden breiteren Fluhtäler werden von der Wärme-Erhöhung mehr oder weniger ergriffen, besonders soweit sie unter westlichen Einflüssen stehen: das Moseltal in der Gegend der Saarmündung, das Dahetal ms etwa Münster am Stein, das Deckartal bis fast nach Eßlingen. Dieses ganze Gebiet hat eine mittlere Aprilwärmc von mindestens neun Grad Eelsius. In zwei bevorzugten Gebieten wird auch diese Wärmegrenze überschritten, die also die frühjahrswärmsten Zonen Deutschlands sind: im Norden ein Streifen der hessisch-badischen Bergstraße mit den Städten Heidelberg, Speyer, Mann- heim, Worms und Bensheim und im Süden ein Ausschnitt von Baden, in einer Breite von 25 bis 40 km, von Freiburg und Mülheim bis ins Elsaß sowie auf den Inseln des Bodensees (Tlainau). An einigen Orten, die besonders günstig liegen, an Berg« flanken sich anlehncnd, der Südsonne geöffnet und geschützt vor Ostwinden dürfte die „Wärmeschwelle" noch etwas früher überschritten werden als am 15. April. Es kommen hier der Westabhang an der Bergstraße, der Ostabhang der Hardt bei Neustadt, der Südabhang des Kaiserstuhls bei Freiburg, die Freiburger Bucht, das südlichste Baden und die Insel Mainau im Bodensee in Betracht. ralversammlung. — Fröbel-Seminar: 11 bis 13, 15 bis 17 Uhr, Gartenstraße 30, Ausstellung von ®d)u« lerinnenarbeiten. — Aus dem Stadttheaterbureau Schwedens Kampf gegen einen alten Zopf. König Gustavs getreue Untertanen haben sich an ihn mit der Bitte gewandt, er möge selbst gegen einen in Schweden altgeheiligten Brauch zu Felde ziehen: gegen die in diesem Lande streng gewahrte Sitte oder (Unsitte der indtrekten Anrede. Gelten wir Deutschen schon als Freunde ellenlanger Titulaturformlichleiten. so ist doch dieser Zopf bei uns ebenso im Berschwinden begriffen wie die unterwürfige Anrede in der dritten Person; von andern Ländern, z. D. von England nicht zu reden, wo man selbst in den förmlichsten Zeiten mit einem „Sir" und einer „Madam" austarn. ohne als unhöflich verschrien zu werden. Schweden dagegen steht auch heute noch unter einer Tyrannei der indirekten Anrede, gegen die jetzt in Presseartikeln Sturm gelaufen und der Bannstrahl des Königs gefordert wird^Sinst- weilen gilt noch die direkte Anrede mit „Di als eine Beleidigung, es sei denn, daß man Be an Schuhputzer. Diener oder Botenjungen richtet. Korrekt ist es heute, zu fragen: „Will der Herr Grohkaufmann Schmidt bei uns zu Abend essen r oder Darf ich dem Herrn Stadtsanitätsdeparte- mentschef Miller noch ein Glas einschenken?' Diese Form der Anrede macht natürlich eine Unterhaltung äußerst schwierig, wenn man nicht genau Beruf und Stellung des andern kennt. Deshalb ist man von vornherein zu einer 'Rangerhöhung geneigt, um niemanden zu beleidigen. Ein Journalist wird als Herr Verleger, eme sede Dame ein jeder Herr, von denen man gar nichts weiß, die aber intelligent aussehen, werden als Herr oder Frau Doktor angesprochen. Die Frau des Bischofs ist die Bischöfin, die des Obersten die Obristin usw. Das vertrauliche Du darf im Schwedischen nur sehr sparsam und vorsichtig angewandt werden. Während bei uns doch schon über ein Jahrhundert vergangen ist. seit es als respektlos galt, wenn Kinder ihre Eltern geduzt hätten, so muß heute noch der guterzogene kleine Iunge in Schweden fragen: „Hat die Mama nichts dagegen einzuwenden, daß ich ins Äino gebe Ieden fremden Erwachsenen muß das schwedische Kind mit „Onkel" oder „Tante" ansprechem so daß es eine unüberblickbare Schar dieser Ber- wandten besitzt. Besonders schwierig wird aber die Situation, wenn man zu längerem Zusammensein mit Menschen verurteilt ist, deren Stand sich nicht aus der Kleidung erraten läßt, deren Dame und Beruf kein gefälliges Schildchen auf dem Reisegepäck verrat, dann bleibt dem wohlerzogenen Menschen in Schweden nach den Gesetzen guter Erziehung nichts anderes übrig, als unverbrüchliches Schweigen zu bewahren. Fuhr da jüngst ein Reisender auf einem Schiff von Gotenburg nach London, der das Unglüd hatte, nicht einen einzigen seiner Fahrtgenossen rmt Damen zu kennen. (Um nicht während der ganzen Die nunmehr >m vierten Jahre stattfindende deutsche Woche hat erfreulicherweise die Be- reitroilligreit der deutschen Hausfrau e i n h e t- misch e Erzeugnisse zu kaufen, gesteigert. Dich mit Unrecht klagen aber die Hausfrauen, daß sie die deutsche Ware von der entsprechenden ausländischen oft mcht unterscheiden könnten, »o .st keineswegs die Sicherheit gegeben, daß z. B. eme unter her «LefS „©itsbutter" ober „Molkereibutter" .m handel erscheinende Butter auch deutscher Herkunft ist. Eine Gewähr für deutsche Herkunft ist A. D. ibei der deutschen Markenbutter vorhanden. Diese Bezeichnung „Marken butte r tragt die Verpackung. Bei Eiern ermöglicht es die Kennzeichnungsverordnung, das e'nheimlsche Erzeugnis von ausländischen zu unterscheiden. Auf anderen Gebieten, z. B. bei Gemüse und Obst muß noch manches geschehen, wenn auch der Reichsver band des deutschen Gartenbaues sich um die Quali tätsoerbesserung bei Obst und Gemüse bereits oer- dient gemacht hat. Es kommt heute gut.fort ertes ; und verpacktes Tafelobst m Kisten verpackt mit ber . Aufschrift „Deutsches Obst" in ben Handel Da und dort hat man auch Gemuseerzeugnisse, z. B. Treib . gurken, mit Hilfe einer Banderole als deutsches Erzeugnis gekennzeichnet. Ls Ist dringend erforderlich, daß die Landwirte und die Genossenschaften in nach viel stärkerem Maße als bisher die Packungen ihrer Qualitats- erzeugniffe mit der Aufschrift „deutsches Erzeug- nis" versehen. ; Die Hausfrau und ber Handel sind bann im Stande, die einheimische Ware eindeutig von ber Auslands- Nun "leg!'die ^Hausfrau aber nicht allein Wert auf tatsdezeichnungen anbetrifft, so herrschte hier bisher ein Durcheinander Einheitliche, allgemein aner- kannte unb sestumrisfenc Begriffe in ber Waren- bczeichnung haben sich leiber mcht überall zur Ge- nüfle eingebürgert. Da tauchen immer wieder bie alles versprechenden unb nichts sagenden Phon- tasiebenennungen auf. Es sei nur erinnert an Bezeichnungen wie „sein", "fein-fein , „hochfein", „allerseinst, „extra fein , „erstklassig , „spe- zial", „prima", „prirnissima , „dest , „allerbest . Hier greift nun bas Gütezeichen regelnd ein. Es erleichtert dem Käufer die Kontrolle und den Vergleich der Waren auf ihre Preis- Würdigkeit. Der Einkauf wird also erleichtert, die Hausfrau wird vor Fehlkäufen bewahrt. Die landwirtschaftliche Markenware trägt ein solches Gütezeichen. Diese Ware steht unter ständiger amtlicher Kontrolle der Landwirt- schastskammer. Leim a. M., Berufsschullehrer Rvsarin Darm- stadt, Kreisschulrat Loos in Groß-Gerau. Folgende Ernennungen fanden statt: Lehrer Ludwig Markert in Offenbach a. M. für bie Rcktorgeschäfte der beiden Schulgruppcn in der Friedensstrah« in Offenbach a. M., Berufsschullehrer O st in Gießen für die Rektorgeschäfte der Berufsschule in Gießen, Lehrer Philipp Hamm in Oberingclheirn für die Rektorgeschäftc ber dortigen Bolksfchule, Rektor Haag in Ober- ingelhcirn für die Geschäfte des Kreisschulamtes in Oppenheim, Rektor Born in Offenbach a. M. für bie Geschäfte des Kreisschulamtes in Groß- Gerau, Lehrer Theodor Repp in Offenbach am Main zum Hilfsarbeiter im Ministerium für Kultus und Bildungswesen in Darmstadt. Vornotizen. Für jede Provinz bzw. jedes Land und ledes Markenerzeugnis wurde zunächst ein eigenes Zeichen verwendet Dadurch entstand eine gewisse Verwirrung, die sich besonders verderblich aus- wirkte in ben Gebieten, in benen bie Erzeugnisse mehrerer ßänber und P«vinzen angeboten war- den wie im Ruhrgebiet, In Mitteldeutschland, im Rhein-Main-Gebiet, in Berlin. Deshalb hat der Deutsche Landwirtschastsrat vor kurzem für das ganze Reichsgebiet und für alle Erzeug- nisie, die unter ständiger amtlicher fiontroUe der Landwirtschastskammer in den Verkehr gelangen, ein einheitliches Markenzeichen (Güte- zeichen) eingesührt. Diese Einheitsmarke — ein stilisierter Reichsadler mit ber Umschrift „amtliche Kontrolle ber Landwirt- schaftskammer — beutsche landwirtschaftliche Mar- kenware" — wirb auf Grund von Einheitsbestim- mungen für die Güte ber Erzeugnisse an Erzeuger landwirtschaftlicher Markenware verliehen. Bor hundert Zähren noch wurde der Coloradokäfer als ein harmloser Bewohner wilder Dachtschattengewächse an den Abhängen des nordamerikanischen Felsengebirges beschrieben und niemand ahnte, daß dieser kleine, kaum einen Zentimeter lange Käser sich bald als der gefährlichste Feind des Kartoffelbaues erweisen würde. Hm die Mitte des 19. Jahrhunderts etwa erreichte der Käfer die Ebenen, in denen Kartoffeln angebaut wurden ging sofort von den Nachtschattengewächsen aus diese über, und hatte sich nach zwanzig Jahren bereits über ein Drittel des nordamerikanischen Kontinents ausgebreitet, so daß in vielen Gegen- den der Kartoffelanbau aufgegeben werden mußte. Jetzt ist er in Amerika überall zu finden, wo Kartoffeln angebaut werden. In Europa hatte man große Besorgnis, daß er eingeschleppt werden konnte, und schon 1875 wurde von verschiedenen europäischen Staaten, darunter auch Deutschland, Ei ns uhrver- b o t e für amerikanische Kartoffeln, Holz und andere Waren erlassen. Trotz dieser vorbeugenden Maßnahmen war der Käfer vor dem Kriege vereinzelt auch fchon in Europa, besonders m Hafenstädten zu finden, breitet sich aber nirgends weiter aus. 2m Jahre 1922 fedoch erschien der Käfer plötzlich auf großen Gebieten in Frankreich. Die Regierung versäumte eine sofortige Bekämpfung, und dann war es z u spät, innerhalb kurzer Zeit waren fast alle Gebiete von dem Schädling heimgesucht. Dur nach dem Rhein zu ist das Land noch ziemlich frei; da aber das Milliardenheer der Käfer tn icöcm Iahr bei einer tausend Kilometer langen Front 150 bis 200 Kilometer nach Osten vorruckt. ist schon in nächster Zeit damit zu rechnen, daß es deutsches Gebiet erreicht. Die ungeheure Gefährlichkeit des Karlosiei- käsers ergibt sich aus seiner großen Frucht- b ar leit Die Zahl der Dachkommen eines Weibchens wird während eines Sommers aus 30 bis 32 Millionen geschäht, für deren Ernährung eine Anbaufläche von etwa 10 Morgen erforderlich ist. Dach einem Bericht des französischen Landwirtschaftsministeriums erreicht Die Nachkommenschaft eines Weibchens im Verlauf von Da» Gütezeichen für deutsche landwirtschaftliche Markenware! Dirfre Düirzeichen ist (egt fltfdmfUri fOr 34 59,75 105,9 154,5 135 60,25 105,65 Buderus .................. (i Deutsche Erdöl ....... 4 106,25 Gelsenkirchener.............. 0 69,5 96 71 69,4 94,5 71,13 70,5 95 72,9 Harpener................. 0 95,75 Hoesch Eisen—Köln-Neuesten.. 0 Ilse Bergbau ........... 7 163 U9,5 64 166 118 163 H7 75 165 118 66 9He Bergbau Genüsse........ Klöttnerwerke .. . 7 0 ManneSmann-Röhreu... 0 '6,75 76,25 76 76.13 Manvfelder Bergbau......... Oberschles. Kokswerke......... 0 0 28,5 28,5 27,25 62,75 43,5 210 87,4 29,5 83,9 46,75 210 87,5 Pbönir Bergbau........... o ■5,5 210,5 87,25 Rheinische Braunkohlen ...... Rhetnstahi.................. 10 0 210 87,5 Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börsc Schluß« kurs Schluß«. Mittag« bör c Datum 17-3. 18.3. 17.3. 18.3. Vereinigte Stadlwerke..... ... u 44 45,75 43,75 47 Otavi Minen ............ ... 0 18,7 19 18,75 Kaliwerke Aschersleben..... ... 6 139 140 139 140 Kaliwerke Westeregeln..... Kaliwerke Salzdetfurth .... ... 6 140 141 141 141,5 ... 9 207 209 208 208 3 G. Farben-Jndustrie .... ... 7 128 127,25 127 127,4 Scheideanstalt............ ...10 72,5 173 Goldschmidt ............. ... 0 43,5 47,25 38,5 47,75 Rütgerswerke............ ... 0 -■4,5 54,5 53,9 54,9 MelällgeleUschast.......... ... 0 :o,5 40 41; 25 39,75 Philipp Holzmann........ Zementwerk Heidelberg ... Cementwerk Karlstadt...... ... 0 56,5 58 56,75 58,75 ... 4 ... o 64 68 Wayß & Freytag ......... ... 0 4 13 4,5 — — Schultheis Patzenhofer..... ... 0 113,5 114,75 Aku (Allgemeine Kunstseide) ... v 38,5 38,75 38,5 37,65 Bemberg ............. ... 0 48,5 49,5 48 49,75 Zellstoff Waldhos ......... ... 0 .5,25 56 55 Zellstoff Aschaffenburg .... ... 0 24 26,75 23 26,25 Dessauer Gas ............ Daimler Motoren......... Deutsche Linoleum ....... Orenstetn L Koppel ....... Leonhard Tietz........... ... 7 ... o ... 0 ... 0 ... 6 '9.75 38,5 32 29,5 38,75 32 Hb,75 29,9 36,5 >2,75 32 116,9 29,13 40 53,25 33,25 Chade................... 130,5 132,5 129,5 130 Gritzner................. Mchnkraftwerke Höchst a.®. Süddeutscher Suda ...... 3 32,75 162 34 72,75 35,13 163 Devisenmarkl Berlin — Frankfurt a. 211. 17. März 18.März Amtliche Notierung Geld | Brie> Amtliche Notierung Geld | Brie Helsingsors.. Wien...... 6,384 48,45 3,047 169,48 73,93 64,44 76,42 14,45 0.818 1,182 58.69 21,51 16,51 81.22 35.26 82,17 0,909 0,239 5,495 13,15 6,396 48,55 3,053 169,82 74,07 64,56 76,58 14.49 0,322 4,190 58,81 21,55 16,55 81,38 35,34 82,33 0,911 0,241 5,505 13,17 Banknoken 6,394 48,45 3,047 169,38 74,08 64,49 76,47 14,49 0,818 4,186 58,64 21,52 16,50 1 81,12 35,31 82,07 0,909 0,239 5,445 13,18 6,406 48,55 3,053 169,72 74,22 64.61 76,63 14,53 0,822 4,194 58,76 21,56 16,54 81,28 35,39 82,23 0,911 0,241 5,455 13,20 Prag....... Budapest ... Sofia ...... Holland .... Oslo....... Kopenhagen. Stockholm... London ..... Buenos Aires Neuyork.... Brüssel..... Italien..... Paris...... Schweiz .... Spanien.... Danzig----- Japan..... Rio de Jan. Jugoslawien Lissabon.... Berlin, 18.März Geld Bries Amerikanische Noten.............. Belgische Noten.................. Dänische Noten ................. Englische Noten ................. Französische Noten............... Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. Spanische Note»................. Ungarische Roten ................ 4,17 58,48 64,12 14,45 16,46 169,01 21,45 73,90 2,46 76,30 80,94 35,18 4,19 58,72 64,38 14,51 16,52 169,69 21,53 74^20 2,48 76,60 81,26 35,32