Nr. 17 Erstes Blatt 183. Jahrgang Zreitag.ZO.Zanuar 1933 Eriche«"« täglich, außei Sonntag* und fteieriaq* yellagen: Die Illustrierte ©ieiiener Jamilienblattei Heimat mDild Dieöcholl, Monat» Sezugrpretr: Mit 4 Beilagen 7111 1.95 Ohne Illustrierte . I 80 Iustellgebühl . . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen ‘Hummern infolge höhere, Gewalt zernsvrechanschlüste onter5ammelnurnmer225I Anlchrist lüi Drahtnachrichten Anzeiger »testen- Postscheckkonto: Lronlti rt am Mai- i 1686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen trrd vstv Dfdcg: vrühl'sche Untveifikäir-Vuch- nnö Steinöruderei H. Same in Stehen. Sdfriftleitung uns SeschaftrNeüe: §chn"trahe 7. Annahme oon nnzeiae^ für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 > m Breite 35 Reichspfennig, Playvorschrifl 20“ , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumlchein nnb‘ür denAn- zeigenteil i.B.Th.Kümmel iämtlid) in Gieren. Osthilse Debatte im Reichstag. Haushaltsausschuß und Minister gegen Mißbräuche. - Der Reichsernährungsminifler über die Agrarpolitik und die deutsche Rahrungsmittelverforgung. mit den Parteiführern den Rcichstagsabgcordneten Leicht als verireler der Bayerischen Volkvparlei. Damit ist die Reihe der P a r t e i f ü h r c r empfange abgeschlossen, die der Regierung einige Anhaltspunkte für ihre Stellungnahme gegenüber dem Reichstag geben sollten, noch ehe die Situation in der heute nachmittag stattsindendcn Aelteslenratssihung geklart wird. Zur (Berlin, 19. San. (DdZ.) 3mHaushalts - auSsch uh des Reichstags begann am Don- nerstag die Aussprache über die Durchführung der O st h i l s e. _ x (Ming(3tr.) erklärte daß der Anlaß zu dem Vorstoß des Zentrums die scharr Kampfitellung des Rerchsland- bunds gegen die Regierung gewesen sei, obwohl die Großagrarier im Osten gewaltige Unterstut- zungssummen erhalten hätten. Die angekündigte scharfe Antwort des Herrn v. Oldenburg- Ianuschaus.i bisher ausceblieben. Inzwischen habe er fest stellen können, daß Herrn v. Oldenburg nicht drei Güter saniert worden seien, sondern sogar vier, wobei man Summen nenne, die zwischen einer halben und drciviertel Million liegen. Uni) »war handele es sich um Güter, die erst in den letzten Jahren auf gelaust seien. Der Redner ersuchte die Regierung dringend um Auskunft über diese Dinge. .Wir wollen dem Klein- und Mittelbauern im Osten helfen. Wir wollen auch ixm strebsamen Großbauer Helsen. Wenn aber di« vom Reich gegebenen Gelder verwendet weroen, um Luxusautos und Rennpserde zu kaufen, dann sollte das Reich die Rückzahlung der Gelder verlangen." Die Regierung könne nicht wünschen, daß eine parlamentarische Ausllärung über die Vorkommnisse in der Osthilse verhindert werde. Abg Heinig(Soz) erklärte, es sei notwendig, in das „Panama der Osthilse" einmal hineinzuleuchten. Es würden die Besitzer saniert und nicht die Landwirtschaft in Ordnung gebracht. Stellung müsse hier besonders gegen die Korruption genommen werden, die in der Osthilfe eingerissen sei. Asg. Behrens (Voiksdienst) sih.tderte die Schwierigkeiten, in die die Handwerker und Kaufleute in den Osthilsegebieten durch das Sicherungsversahren geraten sind. Der Kredit der Landwirte, aber noch mehr der Kredit der Geschäftswelt, haben so stark gelitten, daß dadurch jede Belebung der Wirtschaft ausgeschlossen ist. Die Osthilse könne anscheinend nicht sterben, weil zuviel Leute an dem Apparat interessiert seien. Reichsernährungsmimster Freiherr vcn Braun betonte, er habe bei der Osthilfe oft die Empfindung, daß diejenigen, die dem Osten sernstehen, ihn zum Teil nach vollkommen falschen Voraussetzungen beurteilen und Maßstäbe anlegen, die für den Westen und Süden passen mögen, aber nicht für den Osten. Die Sorge, daß nicht genug Siedlungsland vorhanden sei. wird nun bald behoben sein. 3m übrigen stimme ich durchaus zu, wenn Angriffe gegen Leute erhoben worden sind, die die Osthilse in Anspruch nehmen und dann i m Mercedes nach der Riviera fahren. Wer den Ernst der heutigen Lage nicht begriffen hat, gehört nicht auf die Scholle. Tet der großen Zahl von Menschen, die im Osten wohnen, sind diese Fälle aber ungemein sei t e n. 3m übrigen werde ich auf Einzelheiten nicht ein- gehen, und ich glaube auch, dazu nicht berechtigt zu fein. Wir können nicht über alle Einzelheiten eines jeden Auskunft geben. Man darf auch nicht vergessen, daß wir 7 2 000 Anträge vorliegen haben und deshalb auch nicht imstande sind^ über jeden einzelnen Mitteilung zu machen. Ich spreche ossen aus, so erklärte der Minister, daß ich den bisherigen Weg, wenn ich ntxf)_ einmal anzufangen hätte, nicht wieder gehen würde, da ich ihn für recht kompliziert halte. Aus dem Zusammenwirken von Industriebank, zentrale Ost- stellen, Oststellen in den Provinzen, Treuhandstellen und anderen Organisationen ergibt sich ein Gesamtapparat, der nicht unerheblich ist und schließlich von der Allgemeinheit aufgebracht werden muh. Ich halte es aber nicht für zweckmäßig, in einem Augenblick, wo zwei Drittel der ganzen Vorarbeiten fertig sind, den Apparat umzuwersen. 3m übrigen kann man zweifelhaft sein, ob es richtig gewesen ist, den Weg individueller Prüfung bei den 72 030 Anträgen zu gehen. Ich glaube aber, versichern zu können, daß jetzt eine Beschleunigung des Verfahrens eintreten wird. Daß wir 1933 schon vollkommen fertig werden, scheint mir allerdings nicht ganz sicher zu sein. Der Sinn des ganzen Siche- rungsversahrens und auch des Dollstreckungsschuhes war schließlich, eine Devastierung der Guter zu verhindern. Dir rechnen jetzt damit, daß 40 Prozent in bar und 63 Prozent unbar umgeschuldet werden können. Das Gesamtvolumen der Ent.chul- dungsbriefe ist von 600 aus 350 Millionen herabgesetzt. Der Minister ging Dann auf die 21 g r ar- Politik im allgemeinen ein und erklärte, dah alle für die Siedlung und die Osthilfe aufge- wandten Mittel fortgeworfenes Geld seien, wenn nicht ein Gleichgewicht zwischen den landwirtschaftlichen Preisen und den Produktionskosten erreicht werde. Es feien jetzt etne Reihe von Erlassen herausgegeben, wonach den Siedlern ganz bedeutende '11 a ch - I ä ff e ihrer Renten gegeben werden, weil sie völlig außerstande seien, diese Renten noch herauszuwirtschcstcn. Auch in der Siedlung seien große Fehler gemacht worden. Man habe die Siedler oft so klein angesetzt. daß sie nicht leben und nicht sterben können. Zu kleine Siedlungen seien e ne große Gefahr für die Zukunft. Vielfach habe man auch die Siedler z u teuer angesetzt. Die Landwi.tschast weiß genau, was die X'aukraft der städtischen Bevölkerung für sie bedeutet. Anderseits ist die Kaufkraft des Dauern genau so in Rechnung zu stellen. Für die Landwirtschaft sind zwei Probleme von besonderer Bedeutung, die Unloftenfeite und die Einnahmcseite. Dena das Vieh heute einen Inder von 61 hat und die Jndustrieprodukte auf 114 stehen, muß man zugeben, daß diese Schere ein unüberbrückbares Hindernis für ein Wiederaufleben der Landwirtschaft ist. Es kann kaum überwunden werden dadurch, daß die Industrieprodukte billiger werden, sondern nur durch eine Angleichung der Viehpreise. Die Zinslast der Landwirtschaft ist mit 620 bis 650 Millionen beziffert worden. Man darf aber nicht vergessen, daß der Wert der Güter außerordentlich zurückgegangen ist. Auch hier liegt eines der Agrarprobleme, die gelöst werden müssen. Der Preisstand der landwirtschaftlichen Güler ist zum Teil bis auf den Mitte der 90er Jahre zurückgegangen, während die Belastung der Landwirtschaft mit Krediten und Zinsen diesem Rückgang nicht gefolgt ist. Auf der Einnahmese'te spielt das Gleichgewicht zwischen Getreide und Vieh eine außerordentliche Rolle. Man ist in Deutschland in erheblichem Umfang von der Dieh- zur Ge- treideprvdukiion übergeganaen, da die Getreidepreise sich etwas besser gehalten haben. Das ist eine außerordentlich gesäh.liche Entwicklung, denn wenn wir unter einer Überproduktion an Getreide leiden, sinken selbstverständlich auch die Getreidepreise. Unsere Getreideproduktion wird für 1932 auf 20.3 Millionen Tonnen geschäht; Für die menschliche Ernährung und für industrielle Zwecke werden davon etwa 11 Millionen Tonnen benötigt, der Rest muß verfüttert werden, da die Ausfuhr versagt. Die Bedarfsdeckung bei Getreide kann man als 100pro;entig bezeichnen. Die Kartoffelernte betrug 46 bis 47 Millionen Tonnen, von denen etwa 12 Millionen für die menschliche Ernährung benötigt werden. Für industrielle Zchocke u.nmen 2 Mill.oncn Tonnen, für Schwund und Saatgut je 10 Prozent in Betracht, der Rest wird verfüttert. Der Erfolg ist eine große Schweineproduktion. Auch bei Kartoffeln beträgt also die Bedarfsdeckung 100 Prozent. Bei den Zuckerrüben ist infolge des Bedarfsrückgangs und des Rückgangs der Ausfuhrmöglichkeiten ein Zwang zur Kontingentierung der Anbaufläche notwendig geworden. Unser R i n d v i e h b e st a n d ist um 650 000 Stück größer als vor dem Kriege, auch der Schweinebestand liegt noch 330000 Stück über dem Dorkriegsstand, obwohl wir uns im Tiefpunkt des Schweinezyklus befinden. Auch die Zahl der Hühner ist um mehr als 20 Millionen größer als vor dem Kriege. Bei Fleisch ist also ebenfalls eine lOOprozenlige Bedarfsdeckung durch eigene Erzeugung möglich. Anders liegen die Dinge beim F e 11. Unser Gesamtvetbrauch beträgt 1,3 Millionen Tonnen, wovon auf Margarine 33 Prozent, auf Butter 35 Prozent, auf Schmalz 16 Prozent und auf Speisefette und Ode 10 Prozent ent allen. Der Anteil der eigenen Erzeugung beträgt im gangen nur 40 Prozent, während 60 Prozent durch Einfuhr gedeckt werden. Bei der Butter produzieren wir 90 Prozent selbst und führen 10 Prozent ein, bei Schmalz produzieren wir 60 Prozent selbst und führen 40 Prozent em. Bei der Margarine beträgt der Anteil der Eigenerzeugung aus eigenen Rohstoffen nur 5 Prozent. Oele und Speisefette werden zu 103 Prozent ein- geführt. Die Eigenproduktion an Fetten kann noch gesteigert werden, namentlich durch eine Erhöhung der Schmalzproduktion und durch den Anbau von Oelsaaten. Der stärkere Oelfruchtanbau wird gerade eine Frage der nächsten Zukunft fein. Zum erheblichen Teil habeu wir also bereits eine lOOprozenlige Bedarfsdeckung aus eigenen deutschen Erzeugnissen. Aufsteigen kann die Landwirtschaft im wesentlichen nur noch in der Fettproduktioil und beim Anbau eiweißhaltiger Futtermittel. Und das ist e.n gewisser Lichtblick in der landwirtschaftlichen Rot unserer Zeit. Abg. £)r Schreiber l3tr.) betonte, es sei eine Erstarrung und ein Schneckentempo in der Osthilfe eingetreten, während sie als eine ausgesprochene Rotmaßnahme gedacht war. Beschleunigung tut not. Rur sa ierui gssäh geBetriebe können umgcschuldet werden. Ter Minister hat ein klares Bekenntnis zur Siedlung abgelegt, was vor dem Land als eine dankenswerte Erklärung festgehalten werden muß. Abg. von Aostorff (On.) erklärt, Herr v. Oldenburg -Ja nuschau habe von der Umschuldung in demselben Sinne Gebrauch gemacht, wie es jedem anderen Landwirt jeder Be- sitzgröhe des Ostens zustehe. Auch Herr o. Olden- bürg habe unter dem völligen Fehlen des realen Personalkredits gelitten Um Verpflichtungen, die aus einem Gutskauf vor ta. vier Jahren bestanden, zu erfüllen, wurde er zu dem Schritt der Umschul' Dung veranlaßt. Der Verkäufer des von ihm getauften Guts sei durch die Oststellen restlos befriedigt worden. Wenn jeder Mensch, so erklärt der Redner, im deutschen Vaterland in allen Geschäftsdingen eine so reine Weste hätte, wie Herr v. Oldenburg- Ianuschau, stände es heute in Deutschland besser. Die Verschuldung der Landwirtschaft in Ostpreußen ist so groß, daß sie heute bereits 100 Prozent des Einheitswerts des Jahres 1931 ausmacht, während sie in den übrigen Teilen des Reichs zusammenge- nommen nur ungefähr 50 Prozent dieses Einheitswerts beträgt. Weiterberatung Freitag. Reichstagsvertagung noch ungewiß. Parteifützrercmv ängc abgeschlossen. Berlin, 20. Ian. (VDZ.) Wie das Rachrichten- bureau des Vereins Deutscher Zeilungsverlcger meldet, empfing Reichskanzler von Schleicher heute mittag in Fortsetzung seiner Unterhaltungen Stunde muß die Frage noch als offen bczeichnct werden, ob der Aeltcstenrat eine abermalige Reichstagsvertagung beschließen wird. In parlamentarischen Kreisen hört man. daß die oiel- behauptcte „bevor st ehendc Reichstags- auflösung" durchaus nicht so sicher sei. Fraglich war nur, von wem ein etwaiger nochmaliger Vertagungsantrag ausgehen werde. Der kommunistischen Forderung, sofort über die Mihtrauensanträge abzustimmen, ohne dem Kanzler Gelegenheit zur Regierungserklärung und den Parteien die Möglichkeit einer Debatte zu geben, dürste eine Mehrheit ab- lehnend gegenüberstehen. Der Besuch des Prälaten Leicht von der Bayerischen volkspartei beim Reichskanzler dauerte etwa eine Stunde, lieber den Inhalt der Besprechung wird Stillschweigen bewahrt. Ucbcr die Stellungnahme der Bayerischen Volks- partei wird dem Rachrichtenbureau des VDZ. mitgeteilt, daß sie keine Ursache habe, oon ihrer bisherigen Stellungnahme abzuweichen. Sie wird von sich aus keinen Vertagungsantrag im Aeltestenrat stellen. Dagegen wird sie einem solchen Antrag, wenn er von anderer Seite kommt und ausreichend begründet würde, nicht widersprechen; es könne sich jedoch dabei nur um eine kur, fristige Vertagung handeln. Eine ähnliche Stellung dürste auch das Zentrum einnchmen. Sozialpolitische Beschlüsse im Reichstag. Berlin, 19. Jan. (TU.) 3m Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages äußerten sich am Donnerstag Rcgierungsvertreter über die finanziellen Auswirkungen der von verschiedenen Parteien eingebrachten Anträge auf Beseitigung von Härten in den Rotverordnungen über die Sozialversicherung. Rach läng ter Aussprache wurde einstimmig ein sozialdemokratischer Antrag angenommen, der fordert, die durch Derordnung vom 16. 6. 32 eingeführte Hilfsbedürst i g k e i t s p r ü f u n g für die Gewährung der Arbeitslosen - und Krisenunter st ühung aufzuheb en. Einstimmige Annahme sand der gemeinsame Antrag d:s Zentrums und der Christlich Sozialen, der die Regierung um eine einmalige außerordentliche Beihilfe zur Befriedigung dringendster Lebensbedürfnisse an alle Empfänger der Krisen - undWohlsahrts- unterstützung ersucht. Angenommen wurde sodann der Antrag derselben Parteien, der verlangt, die für die Aufrechterhaltung der An- wartschaften in der Sozialversicherung und die Fortsetzung der Mitgliedschaft von den Erwerbslosen zu leistenden Pflichtbeiträge aus öffentlichen Mitteln sicherzustellen, soweit dies nicht schon für die Empfänger der Arbeitslosen- und Krisenunterstühung durch die Rcichsanstalt geschehe. Annahme sand ferner der sozialdemokratische Antrag, der die Regierung ersucht, die Lage der Wohlsahrtserwerbslo en durch Aufhebung der Rückerstattungspflicht zu erleichtern. Einstimmig wurde schließlich der gemeinsame Antrag des Zentrums und Der Christlich-Sozialen angenommen, der die Reichsregierung ersucht, die Lei st ungen in der Arbeitslosenversicherung aus den durch die Beiträge auffom- menden Mitteln angemessen zu erhöhen. Der Wohnungsausschuß des Reichstages nahm Anträge der Sozialdemokraten und des Zentrums an, die die Reichsregierung um Maßnahmen ersuchen, damit die Mieten den ver- mindertenEinkommen angepaßt werden, und den zahlungswilligen, aber durch Arbeitslosigkeit usw. zahlungsunfähigen Mietern ausreichende Hilfe gesrchert wird. Auf Zentrumsantrag wurde weiter beschlossen, die Reichsregierung zu ersuchen, daß den Hausbesitzern weitgehende Schutzmaßnahmen gegeben werden, die ihnen die Erhaltung ihres Eigentums sichern. Mit 11 gegen 8 Stimmen bei 9 Enthaltungen wurde ein kommunistischer Antrag angenommen, für die minderbemittelten Mieter einen Vollstreckungsschuh einzusühren, so daß kein zahlungsunfähiger Mieter aus der Wohnung entfernt werden kann, ohne daß eine entsprechende Wohnung zur Verfügung steht. tzemot über Deutschland und Oesterreich. Oie Angst vor dem deutschen Bevölkerungsübergewicht.-Gegen den Anschluß Oesterreichs an Deutschland. Paris, 20. Jan. (CRB.-Funkspruch.) Herri o t hat vor Mitgliedern der Vortragsgesellschaft „Les Annales' den ersten von fünf politischen Vorträgen gehalten. Das Thema lautete: Deutschland und Oesterreich. Herriot betonte eingangs zwei außenpolitische Regeln, nämlich, daß sich Frankreich nicht um die Re- gierungsform der Staaten kümmern dürfe, mit denen es Beziehungen unterhalte, und zweitens, daß die Verträge beachtet werden müssen, zumal ja Die Friedensverträge von 1919 die Besonderheit hätten, dah sie zwar nicht einseitig, aber auf Grund gemeinsamer Verständigung revidiert werden könnten. Das deutsch-französische Problem werde durch die veoölkerungsstärke — 62 Millionen Deutsche und 40 Millionen Franzosen — gekennzeichnet. Herriot sprach dann von der augenblicklichen Lage in Deutschland. Er ging ausführlich auf das ein, was er militärische Vorbildung der Jugend unter der Regierung des Gene- rals von Schleicher nannte, auch kritisierte er die Gedenkfeiern anläßlich des Reichsgrün- dungstages. 3n der Zeit der moralischen Abrüstung und Annäherung sei es erstaunlich, wenn nicht sogar unheimlich, das vor den Der- trerern des alten Regimes in Deutschland an diese Ereignisse erinnert werde. Ferner kritisierte Herriot die Aeuherung des Reichskanzlers, dah der Begriff Freiheit das Recht in sich schliehe, Waffen zu tragen. Zur Sicherheit des Friedens gehörten mehrere Völker. Deutschlands Politik laufe daraus hinaus, durch Verhandlungen allmählich das wieder zu gewinnen, was es durch den Krieg verloren habe. Herriot zähste dann die europäischen Pro b l e m e auf, die noch nicht gelöst seien. Er nannte dabei auch die Reparationen und behauptete, daß diese Frage oon der Schuldenregelung mit Amerika abhänge. Als weitere Fragen erwähnte er vor allem die Abrüstung, sodann den polnischen Korridor, Danzig, Saarfragen, entmilb tarifierte Rheinlandzone und ehemalige deutsche Kolonien. Die moralische Abrüstung fördere man nicht durch Verausgabe von Sondernummern illustrierter Zeitschriften, in denen auf die Rüstungen Frankreichs hingewiesen werde. Dadurch reize man die Bevölkerung nur auf. Rach einem kurzen Hinweis auf den französischsowjetrussischen Nichtangriffspakt kam Herriot dann auf O e st e r r e i ch zu sprechen. Man müsse gegen den Anschlußgedanken an- kämpfen und den Oesterreichern Mut machen, daß sie ihre Unabhängigkeit verteidigen. Ungarn habe sich, obwohl Frankreich viel für es getan habe, mehr Italien zugewandt. Herriot feierte schließlich in Worten höchsten Lobes die Tschechoslowakei, welche ein sicherer Freund in einer unsicheren Gegend sei, und schloß mit der Bemerkung, Frankreichs Roll« in der europäischen Politik sei, dem Ideal zu Dienen, ohne Der Illusion nachzugeben. Änderung des österreichischen Wehrsystems? Wien, 19. Jan. lWTB.) Der Finanzausschuß des Rativnalrates setzte heute die Budgetdebatte über das Heereswesen fort, in deren Verlauf der Seeredmini ft er auf die Möglich- Otto von Habsburg (Student der Berliner Universität. Otto Don^obsbiirg, der 20jährige, älteste Sohn des einstigen Kaisers Sari ooq Oesterreich und Ungarn, hat in Berlin Aufenthalt genommen, um an der dortigen Universität seine Studien zu vollenden und zum Doktor der Rechte zu promovieren. feit einer 2len derung des gegenwärtigen Wehrsystems durch die Abrüstungsverhandlungen in Genf verwies. Den Zeitpunkt könne er natürlich nicht Voraussagen. Für Oesterreich werde jedenfalls jenes System am zweckmäßigsten sein, das bei geringster Belastung der Staatsfinanzen jedem körperlich tauglichen Bürger die notwendig st e militärische Ausbildung sichere und einen Stab an Führern und Ausbildnern ermögliche. Lieber die zahlenmäßige Größe eines solchen Stabes oder die Dauer der Ausbildungszeit sich auszusprechen, sei verfrüht. Jedenfalls werde der Liebergang eine Reihe von Jahren erfordern. Das allgemeine Interesse der Bevölkerung an dieser Frage nehme er als Beweis für den Willen des Volkes zu Wehrhaftigkeit und zur Erziehung der Jugend in autoritärem Sinne. Polens Rüstung. Mehr als ein Drittel des Gesamthaushalts f ir R lstungszwecke. Warschau. 19. Ian. (TLl.) Im Hau Pt- ausschuß des Sejm stand am Mittwoch bet Haushalt des Kriegsministeriums zur Aussprache. Wie gewöhnlich, so hat auch diesmal der Berichterstatter die überaus hohe Quote für das Heer und die Manne, die über ein Drittel des gesamten Haushaltsplanes ausmacht, dadurch zu rechtfertigen versucht, daß er auf die großen Rüstungen der westlichen und östlichen Rachbarn Polens, Deutschland und Sowjetrußlond, hinwies. Mit besonderem Rachdruck werde in Polen die Motorisierung der Armee, die Entwicklung der Panzerwaffe, sowie die technische Ausstattung der Kriegsmarine und die Erhöhung ihres Besatzungsstandes betrieben. Die wichtigsten Positionen des Heereshaushalts finb: für das Landheer rund 777 Millionen Zloty, für die Marine 45,5 Millionen, für allgemeine Ausgaben zur Erhaltung der Landarmee 369 Millionen, für Ausrüstung und Bewaffnung 255,6 Millionen, für die Kriegsindustrie etwa 6.3 Millionen Zloty. Der Stand der Armee stellt sich wie folgt bar: 1? 905 Offiziere, 37 000 Unteroffiziere, 211 110 Mann unb 7800 Zivilbeamte unb Angestellte. Insgesamt finb für ben Heereshaushalt 822.7 Millionen Zloty vorveranschlagt. Rechnet man noch hinzu 144 Millionen Zloty für Polizei unb Grenzschutz, bie im Haushalt des Innenministeriums untergebracht sind, so ergibt dies eine Summe von f a st 1 Milliarde auf eine Gesamtsumme des Haushalts von 2.4 Milliarden Zloty. Gchulbeschlüsie im preußischen Landtag. Vertagung bis 15. Februar. Berlin, 19.Jan. (VDZ.) Im Preußischen Landtag wurde heute die am Mittwoch abgebrochene Schulaussprache fortgesetzt. Bei den daran anschließenden Abstimmungen fand eine große Anzahl von Anträgen des Hauptausschusses Annahme. So wird die Regierung u. a. ersucht, auf die Polizeipräsidenten einzuwirken, daß Polizei- beamte den Boden der Universitäten und Hochschulen nur mit vorheriger Erlaubnis des Rektors betreten dürfen. Die Schulgesundheitspflege soll ausgebaut und vom Reich Mittel für Schulspeisungen verlangt werden. Rach einem sozialdemokratischen Antrag wird be- schlossen, die Aufnahme weiblicher Studierenden an den pädagogischen Akademien in Kiel, Frankfurt a. M. und Halle zu ermöglichen. Der nationalsozialistische Antrag auf Schaffung einer Professur für Arbeitsbeschaffung in Marburg wurde abgelehnt, dagegen ein deutschnationaler Antrag angenommen, der die Senkung des Schulgeldes an den höheren Lehr- anftalten und die Senkung der Hochschulgebühren erstrebt. Ferner wurde ein Antrag des Unterrichtsausschusses angenommen, die deutsche Vorgeschichte in den Schulen mehr zu pflegen. Ein nationalsozialistischer Antrag auf Beseitigung der weltlichen Schule wurde abgelehnt, ebenso ein Zentrumsantrag auf Beschränkung der Zahl der Schultypen und ein deutschnationaler Antrag, der u. a. die untrennbare Verbindung der Wehrtüchtigkeit mit der staatsbürgerlichen Erziehung der Schule herstellen wollte. Der letztere Antrag wurde abgelehnt mit einer aus Zentrum, Sozialdemokraten und Kommunisten bestehenden Mehrheit. Weitere angenommene Anträge wünschen die Sicherstellung der Schulausflüge der Volksschule im bisherigen Umfang, sowie die Rückgängigmachung aller Maßregelungen von nationalsozialistischen Schülern. Auch soll nach einem angenommenen Antrag auf die Reichsbahn eingewirkt werden, daß die Jung» lehrer wie die Studierenden das Recht auf E r m ä - ßigung für Eisenbahnfahrten in den Ferien erhalten sollen. Ein außerhalb der Tagesordnung vom Zentrum vorgelegter Antrag auf unentgeltliche Belieferung der Unterstützungsempfänger mit Holz aus den staatlichen Forsten wird einstimmig angenommen. Das Haus vertagte sich hierauf auf ben 15. Februar und ermächtigte den Präsidenten, den Landtag erforderlichenfalls zu einem früheren Termin einzu- berufen. Aus aller Welt. Güler verlauf der ..Deutfchland"-probefahrt. Panzerfchift „Deutschland" ist am Donnerstag kurz nach 19 Llhr programmäßig nach Kiel zurückgekehrt. An ber ersten Probefahrt des Schiffes hat neben einer Werstbefahung das für Daubelehrung abkommandiecte Marineperso- nal, insgesamt rund 350 Personen, teilgenommen. Ferner wohnten der Fahrt, bie in erster Linie der Erprobung ber Maschinen galt, bei: Korvettenkapitän Wurmbach, der als erster Offizier auf der ..Deutschland" Dienst tun wird, unb Korvettenkapitän-Ingenieur Luettge, der zum leitenben Ingenieur des Panzerschiffes ausersehen ist. Die Probefahrten, bie um 8 Llhr begannen, haben in ber Kieler Ducht stattgesunben unb finb vollkommen zufrieden st ellenb verlausen. Das Werftpersonal unb bie Marine- angehörigen, bie an der Fahrt teilnahmen, sprachen sich vor allem über ben ruhigen Lauf ber Maschinen sehr anerkennend aus. ®me große Menschenmenge erwartete bas Schiff bei ber Rückkehr in ben Hafen. Unterschlagungen beim Automobil-Club von Deutschland. Bei dem Automobil-Club von Deutschland wurden, wie aus Berlin gemeldet wird, durch Buchrevisionen Unterschi agungeninHöhevon 36 000 Mark ausgedeckt. Der Schuldige, der 38 Jahre alte Buchhalter Eberhard Müller aus Steglitz, wurde se st genommen. Die Nachprüfungen ergaben, daß Müller, der bereits seit einer Reiye von Jahren bei dem Club tätig ist, es feit etwa einem Jahr verstanden hat, in geschickter Weise die Bücher zu fälschen. Eine Verfehlungen gab er glatt zu. Der Raubüberfall auf den DvG.Transport in Lharlottenbucg aufgeklärt. Der aufsehenerregende Feuerüberfall auf den Gelbtransport bet Berliner Derkehrsgesell- schäft in Eharlottenburg am 15. September v. I., bei bem wie erinnerlich, ber 56jährige Inspektor Meyer erschossen würbe unb die Täter mit einer Beute von 30 000 Mark entkommen konnten, ist jetzt aufgeklärt worden. Die Polizei verhaftete ben 20jährigen Lehrling Erwin Hilbebranb, ber nach anfänglichem Leugnen ein umfassendes Gestänbnis ablegte. Er hat mit vier Tatgenossen ben Lleberfall ausgeführt, zu beten Auffindung sofort eine Polizeiaktion eingeleitet wurde, bie aber erfolglos verlief. Die Kriminalpolizei hat jedoch alle ihr zu Gebote stehenden Maßnay- men getroffen, um bie Banditen zu fassen. Der Plan zu bem Verbrechen war schon im Iuli v. I. entstanden. Die Täter hatten ben Geldtransport verschiedentlich beobachtet und auch zweimal vergeblich versucht, ben Lieberfall auszuführen. Erst am 15. September gelang die Durchführung des Plans mit bem geschilderten Ergebnis, bas ganz Berlin in Aufregung versetzte. Sämtliche Göttinger Schulen wegen Grippe geschloffen. Die Göttinger Schulen sind auf Anordnung des Kreisarztes wegen der in Göttingen herrschenden Grippe-Epidemie geschlossen worden In den Volksschulen fehlten bereits 52 Prozent der Kinder, in den übrigen Schulen durchschnittlich 33 Prozent. Auch von Den Lehrkräften sind etwa 33 Prozent erkrankt. Lin Zuchthäusler gesteht drei Raubmorde ein. Wie die „Münchener Reuesten Rachrichten" aus Salzburg melden, hat ein Gefangener der Strafanstalt in Garsten, namens Dräuer, der wegen Raubes und anderer Delikte eine mehrjährige schwere Kerkerstrafe verbüßt, aus freien Stücken gestanden, drei Raubmorde verübt und bie Leichen vergraben zu haben. Der Sträfling gab auch bie Orte ber Vergrabungen an, hoch konnten bei den Rachforschungen keine Leichen gefunden werden. Bei den von Dräuer angegebenen Raubmorden handelt es sich um ben im Jahre 1919 verschwundenen Linzer Matrosen Glantschnigg, feiner um einen Viehhändler aus dem Bayerischen Wald, den Dräuer mit einem gewissen (Bügelt) zusammen ermordet und bann beraubt hatte, wobei die beiden die Deute in Höhe von 8000 Mark teilten, unb schließlich um den erwähnten (Bügelt). Dem Dlatt zufolge hat man also drei Mordgeständnisse, findet aber an den angegebenen Orten keine Leichen, und es konnte auch kein abgängiger Viehhändler festgestellt werden. Die Kriminalbehörden sind eifrigst bemüht, das Dunkel zu lichten. Wiederinstandsetzung der „Atlantique"? Die vom Handelsgericht in Cherbourg mit der Prüfung des Wracks der „A 11 a n t i q u e" betrauten Sachverständigen erklären in dem von ihnen vorgelegten Bericht, daß der Schiffsrumpf erst im Trockendock untersucht werden könne. Die W i e - berinstanbsetzung unter Verwendung der noch brauchbaren Materialien würde sich auf rund 208 Millionen Franken stellen. THarineflugfjafen von Honolulu durch Großfeuer zerstört. In dem Marineflughafen Lukefield in der Rähe von Honolulu brach aus bisher unbekannter Llrsache ein Großfeuer aus, das die riesigen Fluohallen und die Fallschirmlager vollkommen zerstörte. Der Schaden beläuft sich aus mehrere 100 000 Dollar. Zahlreiche Grohbomben- flugzeuge sind verbrannt. Durch das schnelle Eingreifen der Soldaten und Matrosen konnte verhindert werden, daß auch die übrigen Einrichtungen des Flughafens vernichtet wurden. Lieber weitere Einzelheiten des Drandes verweigern die Behörden die Auskunft. Der Start des „Regenbogen" abermals verschoben. Der Start des französischen Flugzeuges „Regenbogen" in Rio de Janeiro ist wegen der anhaltenoen Regengüsse abermals verschoben worden. Ein Teil der Benzintanks wurde geleert. Auf dem Weiterflug ist eine Zwischenlandung in Pelotas (Provinz Rio Grande) vorgesehen. Aus her provinzialhaupistadi. Winierkost. Von Or. <£. Kavser. Wie unsere Wohnung, so verlangt im Winter auch das Körperinnere eine gewisse Anheizung: denn zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur gegenüber der kalten Außenluft muh auch der Verbrennungsprozeß, der sich ständig in unserem Körper vollzieht, erhöhten Ansprüchen gewachsen sein. Das notwendige Heizmaterial dafür liefert uns die tägliche Nahrung. Unser Körper bedarf zu seiner Erhaltung und Leistungsfähigkeit einer bestimmten Menge von Nährstoffen, Deren wesentlichste Eiweiß, Fett und Zuckerstosfe sowie Mineralsalze und die sogenannten Ergänzungsnährstoffe (Vitamine) sind. Das jeweilige Mengenverhältnis ist dabei hauptsächlich abhängig von Sliter, Beruf und Jahreszeit, sowie vom „Heizwert" der einzelnen Nahrungsmittel. Hinsichtlich dieses stehen die Fette in der Liste obenan. Man wird also, wenn es wie im Winter gilt, auch innerlich tüchtig einzuhei^en, den Fettgenuß (Butter, Fett, Speck, Margarine, Del usw.) zweckmäßig etwas mehr als sonst in den Vordergrund der Ernährung stellen. Als Eiweißspender kommen hauptsächlich Fleisch, Eier und Milch in Betracht. Fleisch und Eier sind aber teuet, deshalb sei hier auf den Seefisch als billigen, vollwertigen Eiweißträger hingewiesen, der zudem auch Vitamine und Mineralsalze in reich- lieben Mengen enthält. Glücklicherweise trifft dies besonders gerade für die billigen, fetten Fische (Hering, Bückling und Sprotte), aber auch für Schell- fisch und Kabeljau zu. Weitere Vitaminträger sind frisches Obst und frisches Gemüse, indessen diese fehlen zur Winters- zeit meist ganz oder sind doch nicht für jedermann erschwinglich. Besonders Kindern gebe man daher, wo es angeht, Aepfel und Nüsse oder auch die gut schmeckenden Fruchtsäfte. Diese eignen sich ebenso wie Gemüse ober Zitronensaft auch als Zulage zur Milch des Säuglings und des Kleinkindes. Da die Milch im Winter, wo das Vieh nicht hinaus auf die Weide kommt, erheblich ärmer an Vitaminen ist, als im Sommer, bedarf das wachsende Kind einer solchen Nahrungszulage. Die nötigen Zuckerstoffe unb Mineralsalze beziehen wir am billigsten burch bie Kartoffeln. Um von ihrem Nährwert nichts zu verlieren, sollte man Kartoffeln stets in ber Schale kochen ober am besten Dämpfen. Der Winter stellt also, wie man sieht, an bie Kochkunst ber Hausfrau, bie eine gefunbe Küche fhren will, allerlei Anforderungen, benen aber mit einigem Wissen unb Wollen nicht schwer zu genügen ist. Erhöhung der Realsieuersätze. Im heutigen Anzeigenteil gibt die Bürgermeisterei die neuen Sätze der Realsteuer- Umlagen und der Sondergebäudesteuer für das Rechnungsjahr 1932 bekannt. Di« Reufestsetzung dieser Anschlagssätze hat bereits die Genehmigung des Ministers des Innern gefunden, auf dessen Anregung — soweit wir unterrichtet sind — die Höhe dieser Sähe überhaupt xurückzuführen ist. Die jetzt festgestellten Sätze bedeuten eine Erhöhung, und zwar bei der Gebäudesteuer von bisher 22 9 Pf. auf künftig 34 Pf. je 100 Mk. Steuerwert, bei dem land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitz von 32,9 Pf. auf 47 Ps., bei der Gewerbesteuer vom Kapital von 57,2 Pf. auf 63 Pf. je 103 Mk. des Kapi- tals, bei der Gewerbesteuer vom Ertrag von 264 Pfennig auf 236 Pf. je 103 Mk. des Gewerbeertrags. Mit diesen Sähen ist der hessische Landesdurchschnittssah nun auch in Gießen zur Erhebung bestimmt worden. Diese Erhöhung der Ausschlagssähe hat die Zustimmung des Finanzausschusfes des Stadtrats nicht gefun- den, sie mußte aber auf Weisung der (Regierung vorgenommen werden. „Wanderungen in jnfulinde.* Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde vereinigte am Donnerstag ihre Mitglieder und Gäste wieder zu einem Vortragsabend in der Reuen Aula der Llniversität. Dr. Karl H e l b i g sprach über seine Wanderungen in Insulinde, Wanderungen, die ihn, nur begleitet von einem jungen Malayen, auf einer Strecke von 2300 Kilometern durch die Inselwelt von Sumatra und Java führten. Insulinde (Inselindien) nenne man jenes große Jnsel- gcbiet, das Asien gleich einem Wellenbrecher vorgelagert fei und insgesamt 95 Einzelinseln unb nicht weniger denn 80 Inselgruppen umfasse. Java sei von den Inseln am bekanntesten und am dichtesten bevölkert. Die Bevölkerungsdichte entspreche der des Freistaates Sachsen. Von einzelnen kleineren Teilen abgesehen, sei Java holländischer Kolonialbesitz. Die Insel habe man schon zu Christus' Zeiten gekannt, aber gesehen habe sie Marco Polo im Iahre 1252 zum ersten Male, -1496 landete Vasco da Gama auf Java, und hundert Iahre später seien die ersten vier holländischen Schisse nach Iava vorgedrun- gcn. Das Land sei außerordentlich mannigfaltig. An der Ostküste dehnten sich riesige Plantagen und Llrwaldnicderung erschwere das Vordringen in das Innere: liebliche Landschaft begegne dem Reisenden auf den Hochplateaus, großartige Gebirgslandschaft sei aber ebenfalls anzutresfen, und Berge von über 3000 Meter Höhe bedeuteten keine Seltenheit. Tote und tätige Vulkane ragen mit ihren runden Kuppen auf. Javanische Wirtschaft fei außerordentlich intensiv. Während in den Hochtälern Reis nach der Llrväterart der Eingeborenen gebaut werde, feien an der Ost- küste riesige Zuckerrohr-, Tabak-, Kaffee- und Teeplantagen an^utreffen. Cs fei ein Irrtum, zu glauben, Java fei ein unzivilisiertes Land. Java, verkehrstcchnisch restlos aufgeschlossen, verfüge über die besten Asphaltstraßen und sei außerdem von einem großen Eisenbahnnetz durchzogen. Das Land bewohne zu einem großen Teil das Volk der Bataker, ein kriegerisches, jedoch auf hoher Kulturstufe stehendes intelligentes Volk, das aber noch in altem Geisterglauben befangen sei. Di« Rheinische Mission habe aber bereits viel Segen gestiftet und wertvolle Arbeit geleistet. In weiteren Ausführungen wandte sich der Redner den außerordentlichen Wetterverhältnissen zu. Er schilderte das feuchte, warme Klima der Ost- küste, die Trockenheit und heiße Sonne über den Kal.steppen, das ständig regnerische Wetter im Bergland, die infernalischen Gewitter, die plötzlich losbrechen 'und in Minuten durch die mit ihnen verbundenen schweren Regenfälle kleine 1 Rinnsale zu reihenden Strömen anschwellen lassen. Richt weniger interessant waren di« lebendigen Schilderungen der vulkanischen Bergwelt und der damit verbundenen Raturerscheinungen. Man hörte noch von den Gebräuchen der Eingeborenen, von ihrem religiösen Kult, von ihrer Kunstfertigkeit im Häuserbau, ber Rebner erzählte vom Urroalb unb seltenen Pflanzen, von toten Stäbten unb ben großartigen Tempelbauten (Bo- robubur), von Leiben unb Freuben auf biefen Inseln, bie sich in buntester Mannigfaltigkeit dem Europäer barbieten. Der Vortrag würbe unterstützt von einer großen Anzahl ausgezeichneter photographischer Aufnahmen, insbefonoere von großartigen Landschaftsbilbern, bie vollenbet bie Stimmung über ber Landschaft roiebergaben. Die aufmerksamen Zuhörer bankten bem Rebner für seine unterhaltsamen Ausführungen mit anhaltendem Beifall. Vornonzcn. — T a g e s k a l e n d e r für Freitag: Stadttheater, 20 bis 22.15 Llhr, „Politik der Weiberröcke". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Drandplah, 15 bis 17 Llhr Ausstellung. — Kampfgemeinschaft zur Erhaltung des gewerblichen Mittelstandes, 23.30 Llhr, Cafe Leib, Vortrag über „Steuergutscheine, Beschäftigungs- Prämie, Hausreparatur, Warenhaus und gewerblichen Mittelstand". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Kili'. — Astoria?Lichtspiele, Seltersweg: „Der Draufgänger". — Di e Deutsche Lebensrettungs- gesellschaft, Bezirk Oöerhesfen, veranstaltet, beginnend am 8. März, sechs Llebungsabende und zwar jeben Mittwoch in der Zeit von 23 Llhr bis 20.30 Llhr, als öffentlichen Lehrgang zur Ausbildung von Rettungsschwimmern. Den Abschluß des Lehrganges bilden die Prüfungen für den Grund- und Prüfungsschein. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. •• Ieht die Schnaken bekämpfen! Millionen von Stechmücken (Schnaken) würden das Licht der Welt nicht erblicken, wenn man jetzt, im Januar, die eiergefüllten Schnakenweibchen vernichten würde. Diese haben sich zur Lleber- winterung an geschützten Orten, z. D. in Kellern, Überdeckten Hofräumen, Schuppen, Ställen, Garagen, Gartenhäusern und dergleichen haufenweise zusammengezogen und können in dieser Verfassung am erfolgreichsten bekämpft werden. (Hie- manö sollte jetzt die geringe Mühe scheuen, an der gemeinsamen durchgreifenden Bekämpfung der im Sommer so lästigen Blutsauger mitzuwirken. e* Das Wirtsgewerbe in unserer Stadt seht sich nach amtlicher Angabe wie folgt zusammen: 122 Gast- und Schankwirtschaften, 10 Hotels und Hotel-Restaurants, 35 Kaffeewirtschaften, darunter etwa 25 mit Bäckerei verbunden, 26 Ausschonkstellen in studentischen Verbin-. dungshäusern und Vereinshäusern, 18 konzessionierte Kleinhandlungen mit Branntwein und 13 konzessionierte Ausschankstellen (Wasserhäuschen) für Mineralwasser usw. In der Stadt Gießen verfügen wir hiernach mindestens über 175 Ausschankstellen für Bier, Branntwein, Liköre usw.. so daß bei einer Einwohnerzahl von rund 35 000 Seelen (Militär und Studenten mij- gerechnet) auf 200 der ortsanwesenden Bevölkerung je eine Wirtschaft mit Ausschank für alkoholische Getränke entfällt. •• Generalversammlung ehemaliger 88er. Am Sonntag, 22. Januar, findet in Herborn die Generalversammlung des Bundes ehemaliger 88er statt. Reben allgemeinen geschäftlichen Angelegenheiten soll u. a. auch über die zu veranstaltende Wiedersehensfeier anläßlich des 125jährigen Regimentsjubiläums eine Aussprache stattfinden. Die Kameraden sammeln sich um 13 Llhr am Bahnhof Herborn. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. ** Eine Reise mit bem Seedienst Ost° preußen als Schulprämie. In einemRund- f(treiben an die Unterrichtsministerien ber beutschen ßänber stellt ber Reichsverkehrsminister jeber beutschen höheren Lehranstalt sowie jeder staatlichen ober staatlich anerkannten Fachschule für einen von bem Lehrerkollegium zu bestimmenben minbeften sechs- ghn Jahre alten männlichen Schüler einen Freiem für eine Reise zwischen Travemünbe und emel zur Verfügung. Die Freifcheine sollen solchen Schülern zugute kommen, die in ihrer Klasse bie beste Arbeit über eine Frage des Deutschen Ostens, sei es über ein theoretisches, sei es über ein beschreibendes gegenwärtiges ober geschichtliches Thema, geliefert haben unb bie auch sonst von bem Lehrerkollegium einer solchen Prämie für würbig erachtet werben. 50 Zahre Zrnimermeister. • Lollar, 20. Ian. Am heutigen Tage kann, wie gestern schon kurz gemeldet wurde, der Zimmermeister Balthasar Auhn Hierselbst sein 5 0- jähriges M « ister - und Geschästsju- b i l ä u m begehen. Herr R. stammt aus TreiS a. d. Lumda, wo er am 16. Dezember 1854 geboren wurde und später nach dem Schulbesuch bei seinem Vater Konrad Ruhn das Zimmerhandwerk erlernte, zugleich auch die Gewerbeschule in Gießen besuchte. Rach mehrjähriger Wanderschaft, dreijährigem Militärdienst beim Inf.-Regt. 115 in Darmstadt und nach mehrjähriger Tätigkeit als Zimmerpolier machte sich Herr Ruhn durch Eröffnung seines Zimmergeschäftes am 20. Januar 1883 in Lollar selbständig. Mit diesem Betrieb verband er im Laufe der Jahre ein Sägewerk mit Schreinerei und Glaserei. Bis 1922 betrieb er das Llnternehmen unter seinem (Hamen, dann wurde die offene Handelsgesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, deren Vorstand der Jubilar bis zum Jahre 1932 war. Dieses Amt legte er wegen seines hohen Alters nieder und wurde Vorsitzender des Ausfichtsrats. Als Geschäftsführer ist Herr Ruhn noch in einer Tochtergesellschaft des Unternehmend tätig. Diele Jahr" ’aijg stand er auch als Vorsitzender an der Spitze des hiesigen Ortsgewerbevereins, zu dessen Ehr^.o^. sitzenden er im Jahre 1923 ernannt wurde. Dem Jubilar, der sich weithin, besonders aber in Handwerkerund Gewerbetreisen großer Wertschätzung erfreut, wird am heutigen Freitagabend in einer besonders anberaumten Versammlung des Ortsgewerbevereins der ihm von der Hess. Handwerkskammer verliehen« Ehrenmeisterbrief des hessisch en Handwerks für50jährige Meisterschaft durch die Handwerkskammer-Reben- stelle Gießen als wohlverdiente Auszeichnung feierlich überreicht werden. Oberhessen. Oer Freiwillige Arbeitsdienst im Bezirk Gedern. Y Gedern, 19. San. Seit einigen Tagen besteht hier ein geschlossenes Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes. Das seit Jahren nicht mehr bewohnte E ch l o st des Fürsten zu Stolberg-Wernigerode ist Heimstätte geworden für zunächst 120 junge Leute. Die Zahl der hier unterzubringenden Ar- beitsdicnstfre.w.lligen feil später aus 250 erhöht werden. Das untere Stockwerk des Schlosses enthält die Küche mit entsprechenden Rebenräumen, einen großen Speisesaal, sowie eine Kantine. Die oberen Stockwerke sind in Schlaf- bzw. Geschäftsräume eingeteilt. Die Zimmer find durchschnittlich mit 14 Mann belegt. Träger der Arbeiten sind die Gemeinden Gedern, Mittel-Seemen. Rieder-Seemen und die Graf Solms-Lau- bachsche Rentkammer Revier Wenings. Träger des Arbeitsdienstes ist der Verein zur Förderung des Freiwilligen Arbeitsdienstes e. D. Hessen, Sitz Darmstadt. An Arbeiten kommen zunächst der Ausbau einer Straße von Kolonie Schönhausen nach Rieder Seemen und von Forstort Wenings nach Gemarkungsgrei?ze Ober-Seemen sowie der Ausbau des Seewegs nach Gedern nach dem herrlich gelegenen »Großen See" in Betracht. An diesen Arbeiten werden 120 Mann 40 Wochen lang zu tun haben. Landkreis blichen. U Großen-Linden, 19. San. Gestern abend fand auf Veranlassung deS hiesigen Frauenvereins im Gotteshaus ein Film- Vortrag über Dr. Lepsins' deutsche Orient- Mission. Armenisches' Hilfswerk, statt. Rach dem Vortrag konnten die von armenischen Witwen und Kindern angefertigten Handarbeiten be'iHtigt werden. Pfarrer Schultheiß erklärte in seinem Schlußwort, daß die am ersten Weih- nachtstage alljährlich hier erhobene Kollekte dem armenischen Hilsswerk überwiesen worden sei. Auch fernerhin solle trotz unserer eigenen Rot die Orientmission unterstützt werden. Der Vortrag von Fräulein Reiber und die Bilder, die daS ilnglüd des armenischen Volkes schilderten, hinließen einen tiefen Eindruck. * Leihgestern 19. San. Der Gemeinderat hat die Einrichtung einer Herberge im Gemeindebackhaus veranlaßt. Die rege Inanspruchnahme der Unterkunft zeigt, wie notwendig fie war 4 Reiskirchen, 19. San. Am kommenden Sonntagnachmittag veranstaltet der hiesige Gesangverein »Harmonie" unter Leitung von Ehormeister K. R i c o l e i (Großen-Duseck j ein Konzert. Den instrumentalen Teil hat die Reichswehrkapelle Dießen unter persönlicher Leitung von Obermusikmeister Krauße übernommen. Weiter werden die Gesangsabteilung der 2. Kompanie und das »Wickertsche Doppelquartett", beide aus Gießen. Mitwirken. Zum Vortrag kommen a capella- Chöre. Ch>re mit und ohne Musikbegleitung, Kon- zertmusikstücke u. a. v. Londorf, 19. San. Als Lager für das Rothilfewerk der Sagend kommt hier die V o l l s h a l l e in Betracht, die ohne besondere Kosten zweckmäßig hergerichtet wird. — Am Samstag fand die Generalversammlung des hiesigen Turnvereins „Gut Heil" im Vereinslokal B ö r d e r statt. Der Vorsitzende. Wilhelm Lich, gab einen Rückblick auf das vergangene Sahr. das dem Verein auf turnerischem Gebiet und unter der Leitung von Turnwart O h l e- moh große Erfolge brachte. Auch die Handballmannschaft (Spielobmann W ihn er) hat dem Verein Ehre gemacht. Es konnte mitgeteilt werden. daß der Verein nun auch ein Trommlerkorps zusammengestellt hat. (Leitung: W. Stange und Fr. W i ß - Der Vorstand des Vereins seht sich aus folgenden Herren zu- Buntes Das Soff der Sonntagsjäger. Die Franzosen sind das Volk der Sonntagsjäger. Man kann sagen, daß jeder fünfte erwachsene Franzose, mag er Professor oder Anwalt, Groß-Grundbesitzer oder Laden-Snhaber. Keckner oder Polizist, Dauer oder Arbeiter sein, sein Gewehr besitzt und jedes Sahr einen Jagdschein löst. Diese Scheine sind billig, kosten bei der Erlaubnis des Sagend an ein- bestimmten Stelle 50 Franken und bei einer allgemeinen Erlaubnis in ganz Frankreich 125 Fru.^.i. Dann darf man schießen, soviel man will, vorausgesetzt natürlich, daß man auf dem Gebiete ein Sagdrccht fein eigen nennt oder von einem Besitzer eingeladen ist. Sm letzten Sahre haben 1 620 000 alte und junge Franzosen solche Jagdscheine erworben. Der Franzose stellt als echter Sonntagsjäger an die Freuden der Sagd keine hohen Ansprüche. Es gibt nur wenige große, gut gehegte und gepflegte Sagdgebiete. auf denen reichlich Wild vorhanden ist. Dafür sind die gewöhnlichen Wälder und Felder reich an allerlei Jagdbarem, das da kreucht und fleucht, und es ist.jedenfalls eine gesunde Bewegung, wenn man mit einem oder ein paar Hunden den ganzen Tag über diesem Getier nachläuft, das leider auf Anruf nicht still steht und bann ein paar Kaninchen, ein paar Vögel oder vielleicht sogar einen richtigen Hasen nach Hause bringt. Diese Trophäe wird dann im Gasthausc gehörig begossen. Ganz ungefährlich ist dieses Vergnügen nicht, denn selbst wenn man mit dem Gewehr so gut umzugehen versteht, daß es keine unmittelbare Gefahr für das Leben bedeutet, so darf man doch die gleiche weidmännische Tüchtigkeit bei dem lieben Aächsten nicht immer vorausietzen. Da ein solches Riesen Heer von Rirnrods unterwegs ist, so weiß man gewöhnlich nicht, wieviel andere Säger noch in demselben Revier jagen, und erfährt häufig erst von der Anwesenheit der Rebenbuh- ler, wenn eine Äugel nahe bei einem vorüber- saust. Unglücksfälle sind infolgedessen nicht selten. Für den Fremden ist es erstaunlich, wieviele Städter, die nur über einen sehr schmalen Deutel verfügen, es trotzdem fertig bringen, alljährlich Allerlei. ihre Sagdausflüge zu machen. Man kann sie dann, zu Haufen geballt, aus den Dahnstationen sehen, kleine Beamte, Verkäufer. Strahenhändler usw. Da stehen sie mit ihren Flinten, deren seltsames Aussehen an die Hinterlader vergangener Zeiten gemahnt, mit ihren Hunden, die nicht weniger sonderbar wirken und oft nichts von Sagdhunden zu haben scheinen, und kann hören, wie sie mit glühender Leidenschaft die Aussichten aus Deute besprechen. Sebenfall« ist die Sagd in Frankreich ein Volksvergnügen wie in keinem anderen Lande, und daß immer mehr Dürger daran teilnebmen, beweist das ständige Steigen der Zahl der Jagdscheine, die alljährlich auSgege- ben werden. Oer Einbrecher als Bücherfreund. Die Polizei in dem Pariser Vorort von St. Razaire sucht nach einem merkwürdigen Einbrecher. Er scheint eine Art Robinson Erusoe zu sein, ein Freund der Einsamkeit, der aber einen sehr gewählten literarischen Geschmack besitzt. Er sucht nur Häuser heim, die von ihren Bewohnern zeitweise verlassen sind und begnügt sich bei seinen Einbrüchen stets damit, ein paar Flaschen vortrefflichen Weins, Konserven und einige Bücher mitzunehmen. Die Bücher sucht er sich mit einer Sorgfalt aus, die auf eine vortrefliche Bildung schließen läßt. Die Polizei hat kürzlich seinen Unterschlupf in einem nahe gelegenen Gehölz entdeckt. ES war eine ganz gemütlich eingerichtete Hütte, die eine kleine aber erlesene Bücherei enthielt und eine reichliche Auswahl von Gebendmitteln. Der Bücherfreund wechselte seinen Wohnsitz, als er bemerkte, daß man auf feiner Spur fei. Seine Anwesenheit in der Rachbarschaft beweist er aber durch eine Reihe von weiteren Einbrüchen, bei denen stets nur Wein, Nahrungsmittel und Bücher verschwinden. Bei seinem letzten Beutezug untersuchte er sorgfältig die Bücherbestände eines Gelehrten und nahm sich für feine Mußestunden ein paar schöne Ausgaben Balzacscher Romane, die Werke von Rabelais und die „Blumen des Dösen" von Daude- laire mit. lammen: 1. Vorsitzender W. L i ch IV., 2. Vorsitzender Heinrich Sammer, Rechner Georg Berlin, Schriftführer Reirchard L i ch , 1. Turnwart L. O h l e m o h , 2. Turnwart W. Schnek - ker, Spielobmann Fr. Wihner, Kassenprüfer Heinrich Becker und Erwin Brak, Vereins« diener Sohs. Le mm er. ll. Stockhausen, 19. San. Rachdem man hier noch Erzvorkommen festgestellt hat, wurden nicht alle Arbeiter des Bergwerks, die ihre Kündigung erhalten hatten, entlassen, sondern der Betrieb wurde mit ungefähr 50 Arbeitern aufrecht erhalten. ch Lich, 18. Jan. Am Samstagabend hielt der Zweigoeretn Lich des VHC. in Steins Saalbau sein diesjähriges Auszeichnun assest und Wintervergnügen ab. Der erste Vorsitzende, Lehrer Meckel, hielt die Bearüßungsansprache. Besondere Worte richtete er an Die Jugend, die er aufforderte, im Wandern die deutsche Heimat kennen und lieben zu lernen. Anschließend wurden etwa dreißig Mitgliedern Auszeichnungen verliehen. Ein reichhaltiges Programm gelangte sodann zur Abwicklung. Heitere Theaterszenen wechselten mit einem Duett und Scherzliedern einiger VHC.-Schwestern Gute Choroorträge der Gesangsabteilung des Zweigvereins (geleitet von Lehrer Meckel) wie auch die Musikvorträge der Kapelle Schmidt trugen ihr Teil zum guten Gelingen der Feier bei. Am Sonntag wurde bann die erste Dereinswande- rung im neuen Jahr unternommen. Bei starker Beteiligung wurden die Teilnehmer unter Führung von VHC -Bruder Lippold mit den landschaftlichen Reizen der Umgebung des Städtchens bekannt gemacht. U Rodheim a. d. Horloff, 19. San. Dieser Tage fand im Gasthaus »Zum Felsenkeller" die Generalversammlung der hiesigen K r ie ger - kameradschaft statt. Der erste Vorsitzende, Otto Momberger I., gab von dem Vorschläge des Bezir's ugendle t.rs. h er eine Hass:a-Schüt- zengruppe zu gründen, Mitteilung. Die Versammlung lehnte ab, da hier bereits ein Verein besteht, der das Kleinkaliberschießen pflegt. Rach dem Bericht über den Bezirkstag in Hungen wurde die Rechnung vorgetragen, die mit einem kleinen Aeberschuß abschloh. Die Spareinlage bei der Spar- und Darlehenskasse stieg von 129,45 Mark auf 166,15 Mark. Bei der Vorstandswahl wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder wieder- gewählt. — Sn der hiesigen Gemarkung werden gegenwärtig Rotstandsarbeiten durchge- führt. Es werden einzelne Feldwege hergestellt. Beschäftigt find zur Zeit 25 Arbeiter aus Langd, Trais-Horlcff, Berstadt, Bisses, Steinheim und Rodheim. Die Holzhauerarbeiten Im Gemeindewald sind beendet. 21 Mann schlugen 600 Fcstmeter Holz. Eine kleine Gruppe soll noch 100 Festmeter schlagen. s. Trais-Horloff. 19. San. Die Umgebung unserer Kirche und des Pfarrhauses, die bisher sehr wüst aussah, ist in eine hübsche Anlage verwandelt worden. Etwa 80 Wagen voll Erde wurden abgehoben, dann gegraben und Sträucher und Däunze geletzt. Die Wege wurden mit Eisenband eingefaßt. Der Platz vor dem Pfarrhaus wurde mit Dasaltfeinschlag gedeckt, den in dankenswerter Weise da- Dasalt- wcrk R i ck e l in Ober-Widdersheim kostenloch zur Verfügung gestellt hat. Sm Frühjahr sollen noch Rasenflächen eingesät werden. s. Ll t p h c, 19. San. Dieser Tage wurde die älteste Einwohnerin unsere« Dorfes, die Landwirtswitwe Katharine 2 ö ch e r, zu Grabe getragen, nachdem sie kürzlich ihr 85. Lebensjahr vollendet hatte. 45 Sabre lang hat sie da- Amt einer Handarbeitslehrerin an un erer VoUsschule versehen. 0 Oberhörgern, 19. San. Der Kriegerverein hatte au» Anlaß des Reichsgründungs- tagcs seine Mitglieder in den Saal der Gastwirtschaft Diehl eingelaöen. Der Saal war fast bis auf den letzten Platz beseht, als der Vorsitzende. Mühlenbesiher Eberhard HelmeS, die Feier mit einer Ansprache eröffnete. Der Gesangverein .Germania" brachte unter Stabführung seines langjährigen bewährten Ehormeisters, Georg S a- mes «Holzheim), einige dem Charakter des Abends angepaßte VaterlandSlieder zu Gehör. Der Gefallenen des Weltkrieges wurde gedacht. Redner des AbendS war Pfarrer K ö d d i n g (Eberstadt). Er sprach über die Geschichte unserer engeren Heimat und behandelte im ersten Teile besonders die Schicksale der Fürstenhäuser Solms- Braunfels und Hohensolms, während er im zweiten Teile die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Bewohner, besonders ihr Verhältnis zur Standesherrschast schilderte. Der interessante Vortrag erntete großen Beifall. Mit dem Deutschlandlied fand der Abend seinen Abschluß. — Der bekannte Züchter von Belgier-Riesen-Kaninchen, Bäckermeister Wilhelm Ludwig Metzger von hier, hatte seine Tiere auf der in Frankfurt a. M. abgch Lenen Süddeutschen Belgier-R esen-Schau ausgestellt. Dabei wurde ihm für seine ausgezeichneten züchterischen Leistungen ein erster Preis zuerkannt. — Die älteste Frau unseres Dorfes ist die Witwe Frau Katharine Elise Biedenkopf, wohnhaft Hintergasse. Sie begeht heute im Kreise,ihrer Kinder und Enkel in geistiger und körperlicher Frische ihren 8 8. Geburtstag. Wettervoraussage. Das nordöstliche Hochdruckgebiet hat sich wesentlich gekräftigt und birgt sehr kalte Luftwaffen in sich, dwohl über Deutschland durch die Zufuhr etwas milderer Luft die Temperaturen sich etwas abgeschwächt habem ist auch hier der Luftdruck enorm angestiegen. Während in den übrigen Teilen de» Reiches Schneefälle zu verzeichnen sind, ist bei uns die Witterung vorwiegend niederschlagsfrei geblieben. Der hohe Druck wird nunmehr bei der Weitergestal- tung des Wetters Einfluß gewinnen, so daß durch feine ausfliehende Kaltluft eine Verschärfung des Frostes bewirkt wird. Aussichten für SamStag: Verschärfung des Frostes, neblig-wolkig mit Aufklaren, meist trocken. Aussichten sür Sonntag: Weiterhin Frostwetter. Lufttemperaturen am 19. Januar: mittags 0,5 Grad Celsius, abends 1,3 Grad: am 20. Januar: morgens minus 1,7 Grad. Maximum 1,6 Grad, Minimum minus 2,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Januar: abends minus 0,7 Grad: am 20 Januar: morgens minus 0,6 Grad Celsius.___ Verantwortlich für Politik: I D.: Ernst B l u m I ch e i n. Gegen spröde Haut eue reise: RM 0.15*1.00 NIVEA CREME (llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllli Sm Löwen Sieuenweg 28 Heute abend Votkvieviefi Stimmung und Humor? <«d IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIID Der nächste Webunterricht auf Webrahmen am 26., 27., 31. Januar und 1. Februar. Sämtliches Zubehör und Webgarne bei C.Röhr&Co. Anmeldung sofort erbeten I <55 i Gemekndevevein dev Lukasgemeinde Sonntag, den 22. Januar, abends 8 Uhr Familienabend lukassaal Ter Kirckenvorstand mu Vorstand des Gemcindevereiuo Dastutgutl Je, gerade Jetzt I» derkaitenJahreezeK. da hilft die Isolier* flasche. Viele Stunden bleibt ei.iGetrlnk darin heiß Isolierflaschen gibt ea schon für RM bei J.B. Häuser Am Oswaldsgarten Gießen.Ruf2145 2146 422 A Damen-. 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Die Bedingungen können auf der Bürgermeisterei Laubach eingefehen oder gegen Einsendung von 2 RM. von der unterzeichneten Stelle bezogen werden. Laubach, den 19. Januar 1933. Hessische Bürgermeisterei. Högy. 454D [Verschiedenes warne hiermit jedermann, meiner ffrau om Alma Becker geb.Euler,ausWiß- mar,etwaszuleihen oder zu borgen, da ich für nichts hafte. Wilhelm Becker V., Lollar, Bergstr. 9. Rutz- und Brennholzversteigerung im Graf zu Solms-Laubachfchen Revier | Arnsburg. 453D! Mittwoch, den 25. Januar, um 9% Uhr im Thörnerfchen Saale zu Arnsburg aus den Distrikten Hard, Hain, Seeberg Wetterberg, Feuerftatt, Kl. Seife, Koln^äufer- kopf, Lauterbachswäldchen. 1. Brennholz. Scheiter, rm: 235 Buche, 50 Eiche, 11 Na- bei; Knüppel: 175 Bu., 225 Ei., 45 Nadel; Stöcke: 50 Bu., 3 Ei.; Reiferknüppel. ' 7 Bu., 2 Ei.; Stammreifer: 213 Bu. i 109 Ei., Aftreifer: 348 Bu. 2. Nutzholz. Buchenstämme: 6 St. - 6 fm III., iV.,! V. Kl.; 1 Eichenstamm = 0,64 fm III.;' Fichten-Derbftangen: 34 St. L, 93 St. II , 191 III. Kl.; Fichten-Reisftangen: 100 IV, 1100 St. Bohnenstangen; 7 rm Buchenwerkscheit; 2,5 rm Fichtenknüppel, 1,50 m lang (Lattenholz). Mit F bezeichnete Nummern werden nicht ausgeboten. Auskunft durch Förster Melchior, Arnsburg. Empfehle 0423 la junges IfalkolM per Pfd. 48 Pf. Gießener fleiscbhaEe Walltorstr. 30. Opells sehr billig zu verk. Ausk.: Aato-Faber, Müblstratze. 0412 2 Einspännep-Wagen I Mähmaschine zu verkaufen. 0404 Heuchelheim, Mittelstr. 3. Piano Geleg.-Kauf.fbrkn., volle Gar.,weit uni. Preis zu verkaufen. Sdiriftl. Ana. unt. 0419 a. d. Gs;. Anz. Dauerbreniißr § (Junkers Ruh), gr. Modell, Hobelbank gut erb., preisw. zu verkaufen. Wo? sagt d. Äschst. d.G.Anz. Gebr.HsrdBll.Oßfßil sowie 3fl. Gasherd (Junker & Ruh) hat billig abzugeben Wilhelm Höß, Reuen Baue 10. Elektr.Zimmer-Lampe billigst abzugeben. «HD Liebigftr. 17p. Zentrifuge (2) 60 und 110 1 Std.- Leist., fabrikneu, m. 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Der Stqhlhelm hqt eingelqden: 437D 1. zur Filmvorführung qm 22.1.33 11 Uhr im Licht- fvielhqus,' 2. zur Reichsgriin- dungsfeier q. 22. 1.33, 20 Uhr, in derTurnhalleam Oswqldsgqrten. 88^1? 5 Bundesgenernlver- sqmmlung qm 22. Jan l'/zUhrnqchm. im Hotel Ritter, Herborn. Alle Kameraden — auch Nichtqngehörigedes Bundes—find hierzu herzl. eingelqden. sifiteuftünflen-BHUelgEiuiig. Samstag, den 21. Januar 1933, findet im Lleeberger Warkwald, Distrikt 1, 2, 4 und 5 die Versteigerung folgender Fichtenstangen statt: 500 Stück l.Kl 1600 „ 2. „ 1100 „ 3. „ 700 „ 4. und 5. Kl. 2500 „ 6. Kl. (Bohnenstangen). Zusammenkunft vormittags 10 Uhr auf dem Fuchskopf. 449V Cleeberg, den 18. Januar 1933. Der Bürgermeister: höhn. Deulsctalifflie Vö’kspartßi. Diehies.Stahlhelm- Ortsgr. lädt unsere Mitglieder u. deren Angehörigen einauf Sonntag, 22.Fnn.33 a) vorm. 11 Uhr zur Filmvorführung i. Lichtspielhaus (Bahnhofstr.). b) abends 8 Uhr zur Reichrgründungs- feter in d. Turnhalle iOswalds- garten). <430 Wir bitten um recht zahlreiche Beteiligung Der Vorstand 224-ev Samstag, 21. 1. 33 20 Uhr 432D Zusammenkunft „Zum Andres" Schießen um den Wanderpreis. Stadttheater Gießen 31bd Samstag, 21.Jan., 20 bis nach 23 Uhr 'Außer Abonnement Grm. Qverettenpr. Borzugsgutscheine haben Gültigkeit. Im weißen Rötzl Coerette in 3 Akten von Hans Müller. Musik o.R.Benatzkn In unserem Inventur-Verkauf bringen wir morgen Samstag Einzel-Stores in vielen Breiten des ausgezeichneten Etiaettpieises H 446 A aus Landhaus-Gardinen, Mull, Eta- mine, Voile. Tüll und Kunstseide für tofa-Kissen; sowie -----—----- Selters- andarbeit weg 73 aus de? ü^üHälfts einen Posten Reste Zreitag, 2ü.Januar |933 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Nr. 17 Zweites Blatt Sturm über Asien. Drei Weltmächte, bis zum Bersten ungefüllt, nicht nur mit Ideen, sondern auch mit der Hetzen- den Energie, diese Ideen zu verwirklichen, fast die Hälfte der gesamten Erdbevölkerung umfassend, muffen, da ihnen jede andere Ausdehnungsmöglichleit genommen ist, mit schicksalshafter Unerbitt- lichkeit an einem Orte zusammenstohen. Dieser eine Ort ist die Mandschurei. China: ein wogendes Menfchcnmeer von 400 Millionen Seelen, unerschöpflich in seiner Erneuerungskraft und feinen Bodenschätzen, vier Nationen, und doch ein Bolk, feit 1911 im Bürgerkrieg und doch im Aufbruch zu seiner Neugestaltung. planmäßig Hinterindien wie die Inseln des Stillen Ozeans unterwandernd, vmr unzähligen politischen Ideen zerrissen und doch festgewurzelt in der Welt Laotfes und Konfuhes, tausendmal beschrieben und gedeutet und doch ein undurchdring'iches Rätsel, wer wagt es, die Zukunft dieses Reiches vorauszusagen? Als der große chinesische Staatsmann Lihungtschang Bismarck in Berlin besuchte, - im Berliner Dt- plomatenhotel, dem .Kaiserhof" hängt noch die Photographie des vergeistigten Chinesen mit dem würdigen Zopf, — gab ihm Bismarck diesen Rat: „Verzichten Sie darauf, China in seiner Gesamtheit über Nacht einen oder europäisieren zu wollen. Schossen Sie sich eine saubere Verwaltung und eine modern ausgerüstete und modern ausgebildete Armee von einigen hunderttausend Mann, die bedingungslos zuverlässig ist, und Cie werden schrittweise China zur größten Welt- macht der Erde machen." Heute wissen wir, daß dem visionären Geiste Bismarcks ein Bündnis zw scheu Deutschland, Rußland und dem geeinten China vorschwebte, ein Bündnis, das den Frieden der Welt und die Großmachtstellung Deutschlands gewährleisten sollte. 1911 stürzte die Mandschudynastie Sun Bat Sen hatte China revolutioniert. Aber der Generalskrieg brachte keinen Frieden. Bis schliest« lief) die Lehre Sun Bat Sens in der Kuo Ming Tang (Reichsvolksbewegung) ihren poli ischen Niederschlag fand. Tschang Kai Schek er- oberte Schanghai und Nanking, die kommunistischen Führer des Südens, der Ätoangi und Kantongruppe müssen im gleichen Augenblick ihren Frieden mit der Nankinger Zentralregierung schließen, in dem das Bündnis zwischen Stalin und Tschang Kai Schek zustau. e ommt Tschang Shue Liang, der Sohn des von Japan aus- gehaltenen und vor einigen Jahren ermordeten Tschang Tso Lin, der den Norden Chinas beherrscht. mußte sich unter dem Drucke der Dolks- meinung ebenfalls Nanking unterfiel en. Lind Tschang Kai Schek hat den Ratschlag Bismarcks befolgt: die Kämpfe bei Schanghai bewiesen, daß der Chinese ein guter Soldat ist, und daß China zumindest über den Ansatz einer neuzeitlichen Truppenmacht verfügt. Tschang Kai Sk.e.s .Füns- zchnjahresplan" sieht ferner eine großzügige Stromregulierung. eine Re orm des S e '« sv- stems, eine Verstaatlichung der Produktionsmittel und Produktiv. scatt-n s w e d e S ,af u. g eii.es sauberen Stoatsbeamtentums vor. Im lernen Osten benötigt jede Entwicklung Zeit, wenn nicht in fünfzehn Jahren, so kommt Doj) einmal der Augenblick, in dem das 40 -Millionen-Volk der Chinesen national, wehrpolitisch und wirtschaftlich geeint ist. Japan: Der Mikado gehört einer Dynastie an. die seit 40JO Jahren in Japan regiert. Mas ist der europäische Adel dagegen ? Der Schintoismus. die Lehre von der göttlichen Substanz des Herrscherhauses, hat den Buddhismus heroisiert und die Verweichlichung der Japaner verhindert. Als die alte Feudalherrschaft in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts gestürzt wurde, als Japan sich zu europäisieren begann, etwa um 1870, zählte es 30 Millionen Einwohner. Als es auf das Festland Übergriff, weil ihm die vulkanische und nicht allzu fruchtbare Jnselgrund- läge zu eng wurde, allo ungefähr während des Chinakrieges von 1894, war die Einwohnerzahl auf 40 Millionen angestiegen. Heute zählt Groß- Japan 92 Millionen Einwohner. Es ist also erheblich volkreicher als Deutschland. Gelingt es Japan, die Mandschurei vollkommen mit dem Jn- sclreich zu verschmelzen, so wird es mit rund 120 Millionen Einwohnern die Menschenzahl der Vereinigten Staaten erreicht haben. Japan muh sich ausdehnen. Australien und die Vereinigten Staaten find ihm verschlossen. Die Wirt- schaslsnot hat auf Japaa übergegrisfen. Die Cc- nährungsdecte reicht nicht. Eine Weltmacht ist im Entstehen. So war der Marsch in die Mandschurei und die Einsetzung des Jünglings P u j i, des letzten Prinzen aus dem Mandfcyugeschlecht, zum Kaiser von Mandschukuo, eine staatspolitische Notwendigkeit. Aber es ist nun einmal d i e M a n d s ch u r e i, in die der Vorstoß führte. Und her trifft es nicht nur mit China, sondern auch mit Rußland zusammen. Rußland: Im Westen durch Polen und Rumänien abgefchnürt, im Norden vom Eismeer umlagert, im Süden Gebirg und Steppe, nur i m Fernen O st e n die Möglichkeit, sich auszudehnen Der Besitz der Mandschurei gefährdet in der Zeit der modernen W..ssentechnik das große jübsibirgchc Riistungs- und Wirtfchastszenlrum. Die Siriegducr> lüfte der Bevölkerung, das sinnlose Wüten der T,ch.'a ist wettgemachl durch die Regenerationskrast der Russen. 160 Millionen Menschen leben im So- wfetreich. In einigen Jahren wird es 100 Millionen Russen unter 25 Jahren geben. Ein Volk der Ju- gend, der religiösen Inbrunst, der weltrevolutio. nären Mission des Urrussentums und der russischen Seele, ganz gleich, ob unter dem Panslawismus oder der Lehre Lenins. Was tut es. daß der Fünsiahres- plan Hunger und Entbehrungen brachte. „Rußland hungert sich groß!", ist die eintönige Antwort auf alle westeuropäischen Kritiken. Der Krieg in Ostasien, der jetzt wieder auf- geflammt ist. wird noch nicht die endgültige Auseinandersetzung bedeuten. Es sind Vorgesechte, die hier ausgetragen werden, nicht mehr. Der Sturm über Asien ist jedoch entfesselt. Japan. China und Rußland werden sich in den nächsten Jahrzehnten ihre endgültige Gestalt erkämpfen. Japan und China dürften sich über kurz oder lang doch noch du- ch- dringen und zu einem Blocke werden Rußland wu d zur Weltmacht werden, hinter der ein unverbrauchtes Volk steht Welche Perspektiven! Welche weltpoli- tifche Möglichkeiten! Ist hier Gelegenheit für einen kommenden Staatsmann deutscher Nation, die Vision des alten Bismarck doch noch zu verwirklichen? Denn auch Deutschland ist im Aufbruch und hat in der Welt sein letztes Wort noch nicht gesprochen. Der italienische Geschwaderflug über den Südatlanük. 1— i MB U-W Hk ■ * Die Teilnehmer an dem Geschwaderflug Italien — Srafilten vor dem Denkmal, das letzt in Anwesenheit des Königs Viktor Emanuel feierlich enthüllt wurde. Den italienischen Fliegern gelang es 1931 zum erstenmal, im Geschwaderflug den Ozean zu überqueren. Freilich konnte das Ziel nur nach dem Verlust mehrerer Menschenleben und der Vernichtung mehrerer Maschinen erreicht werden. Wirtschaft Bon Mauerwerk erschlagen. MSN. Friedberg, 19. Jan. Beim Mauern eines Füllortbogens auf der Draunkohlengrube Meckesheim waren zwei Maurer damit beschäftigt, denselben mit den letzten Steinschichten zu schließen. Aus bisher unaufgeklärter Ursache stürzte das Mauerwerk in einer Breite von einem Meter plötzlich zusammen und begrub die beiden unter sich. Während der eine mit leichterenQuetschunge n davonkam. mußte der andere, ein Maurer aus Singlis, schwer- * Philipp Holz mann AG., Frankfurt | am Main. Zu den an der Frankfurter Börse aus- getauchten Gerüchten über eine Kapitnlzusammen- , legung bei der Philipp Holzmann AG., Frankfurt am 'Diain teilt die Gesellschaft mit, daß bei ihr felbft- ’ verständlich Feststellungen im Gange sind, wie weit die veränderten weltwirtschaftlichen Verhältnisse die Veranlassung zu Abschreibungen, insbefonbere auf ihre Beteiligungen an südamerikanischen Unternehmungen. und ihrem Grundbesitz zu geben haben. Ziffernmäßige Angaben lassen sich nicht machen, jedoch darf angenommen werden, daß die Abschreibungen, für die in erster Linie die beträchtlichen verfügbaren offenen Reserven zur Verfügung stehen, einen Eingriff in das AK. nur in mäßigem Umfange erforderlich machen werden. — Für das Geschäftsjahr 1931 wurde bei einem AK. von 20 09 Millionen Mark ein Reingewinn von 433 553 Mark auögewiesen, hieraus erhielten die 90 000 Mark Vorzugsaktien eine bprozentige Dividende, während 428 153 Mark zum Vortrag kamen ♦ Di) ckerhoff 8t Widmann A G., Wiesbaden-Biebrich. Die Dyckerhoff 8t Widmann AG-, Wiesbaden-Biebrich, hat einem erheblichen Teile ihres Beamtenstabes vorsorglich zum 31 Marz bzw 30 Juni 1933 gekündigt. Der Grund zu dieser Maßnahme lag in dem Bestreben, den Verwaltungsapparat dem zusammengeschrum ften Ge- schäftsumsang anzupassen. — Im abgelaufenen Ge- schiftsjähre hat der Auftragseingang den Bedurs- niffen der Gesellschaft in keiner W ise genügt. Ob der Personalabbau wirklich in dem jetzt erwogenen Maße durchgeführt werden wird, hängt von dem Erfolg der akquisitorischen Tätigkeit im In- und Auslande und ferner von den Aufträgen aus dem Arbeitsbelchasfungsprogramm ab. Wenn auch aus öffentlichen Bestellungen für die Firma eine wesentliche Erleichterung bisher noch nicht eingetreten ist, so sieht man doch, den zu- erwartenden Aufträgen aus dem Sofortprogramm mit gewissen Hoffnungen entaegen Eine Klärung über die in dieser Beziehung bestehenden Aussichten dürfte allerdings erst in einigen Wochen zu erwarten fein. Berlin etwas freundlicher Berlin. 20. Jan. (MTB. Funkspr) Wenn- glc^. sich die politisch« Lage nicht geklärt f>at, so hat e die Tatsache, daß die Entscheidung über CBcuiugung oder Nichtvertagung der Reichstagseinberufung heut« fallen muß. zur Folge, daß man an der Börse etwas f re u n d l i cher ge- stimmt war. Man glaubte, daß schon der Fortfall der Ungewißheit dazu führen werde, daß sich günstigere Nachrichten, wie das freundliche Neuyork. die gegen das Vorjahr ge- bessert« Kohlenförderung im Dezember, die bessere Beschäftigung in der Röhrcnindustrr« und die Einigung im Lohnkonflikt der Siegerlander Metallindustrie stär! :r auswirken können. Es ergaben sicy allgemein, festere Er- öfsnungskurse. Montane gewannen bis zu 1,63 Proz., von Braunkohlenwerten waren Nie- Lerlausiber Kohle und Rhein. Braunkohlen je 3 Prozmt höher. Kaliaktien gewannen bei kleinsten Ilmsätzen bis zu 2,25 Prozent. Von chemischen Werten setzten Kolswerke und Chemisch« sahnten auf Dividendenhoffnungen für 1933 1.75 P^oAm! höher ein. Summi- und Linoleumwerte blieben etwa behauptet. Cantigummi büßten einen Anfangsgewinn im Verlaufe w'e!:«r ein. Von Elektropapieren waren besonders RWE.. Elektrisch« Lichts Kraft und Eleltrischr Werke Schlesen bis zu 2 Proz. höher, während Rheag und Siemens im gleichen Ausmaße zurückgingen. Im Verlaufe waren Siemens, RWiL. unb Schuckert nochmals 1 bis 2 Proz. schwächer. RWE. wurden gegen Farben getauscht, so daß dieses Papier aus 103 Prozent anziehen konnte. Gaswerte, Kabel- und Drahtwrr e Autoa't'en. Maschinenfabriken We- tallwerte, Kunstseideanteile. Papier- und Zellstoff- werte. Brauereien, Wasserwerksaktien und Verkehrswerte gewannen Bruchteile eines Prozentes bis 1.25 Prozent. Bauwrrre lagen uneinheitlich. Holzmann hatten einen Tagesverlust von 2.5 Prozent. während Dereer 1.5 Proz. gebessert waren. Banken und Dchiffahrtswerte blieben etwa behauptet. f _ Deutsche Anleihen, besonders Altbesih, waren sehr fest, da eine Pressenotiz, derzufolge das Reich aus Zinseingängen seines Wertpapiere besitzes Anlagekäufe in Anleihen vornehmen lasse stimulierte. Der Kurs stellte sich 1,13 Prozent höher. Neubesitz gewannen 0.50 Prozent. Reichs- i schuldbuchforderungen zogen bis zu 0,75 Prozent an. Auch die übrigen Rentenmärkte lagen bei ziemlich guter Nachfrage fester. Ausländer waren im allgemeinen gut behauptet. Der Geldmarkt blieb auch heut« weiter unverändert. Tagesgeld stellte sich auf 4,39 Prozent bzw. 4,25 Prozent. Monatsgeld auf 5 bis 7 Prozent. Nach Privatdiskonten konnte man etwas Nachfrage seststellen. ebenfalls nach Reichswechseln per 15. April 1933 und nach Rcicys- schahanweisungen per 17. Juli 1933. Frankfurt fti'l Frankfurt, 20. Ian. (WTB. Drahtrneldung.) In Anbetracht der heutigen Aeltestenratssitzung, die über die Auslösung ober Vertagung des Reichstages entscheiden wirb, eröffnete bie Börse in ftarfer Zurückhaltung. Bereits an ber gestrigen Abenbbörse setzte sich eine zuversichtliche Stimmung durch, bie auch heute noch anhielt, da man mehr dazu neigte, baß eine Vertagung im Moment näher liegt als eine Auflösung. Daher zeigten bie ersten Notierungen auf Grund von Deckungen ber Spekulation unb verschiedentlich kleinen Käufen ber Kunbschaft, besonbers am Rentenmarkt, meist kleine Besserungen. Die Um- satztätiakeit hielt sich allerbings in sehr engen Gren- zen. Am Rentenmarkt wird seitens einiger ''Berliner Banken verstärkte Stimmung in Form von Zirkularen für den Kauf von Alt- unb Neubesitz- anleihen gemacht, unb die Befe st i gung dieser Werte übertrug sich auch zum größten Teil auf den Aktienmarkt, an dem durchschnittlich Erhöhun- gen bis zu 1 o. H. zu verzeichnen waren. Im Vordergründe des Interesses standen Montanpapiere. Gelsenkirchen, Rheinstahl, Mannesmann, Klöcknerwerke, Phönix, Stahlverein und Buderus wiesen Befestigungen von 0,25 bis 1 v. H. aus. Am Chemiemarkt lagen IG., Scheideanstalt und Deutsche Erdöl, Metallgesellschaft und Rütgers- werke ebenfalls bis zu 1 v. H. höher. Von Elektro- roerten kamen zunächst nur wenige Kurse zur ersten Notiz. Licht und Kraft gewannen 1,25 v. H., AEG. 0,13 v. H., wogegen Siemens aus zunächst unbe- kanntem Grund" etwa 2 v. H. einbüßten und Schuckert 0,13 o. H. nachgaben. Durch feste Haltung fielen Contigummi mit plus 2,75 v. H. auf, ferner waren auch Aku 0,90 v. H., Zellstoff Aschaffenburg 0,65 v. H. freundlicher, während Holzmann aus ber bekannten Ursache erneut ILO v. H. verloren. Zement Heibelberg blieben knapp gehalten. Deutsche Anleihen lagen etwas lebhafter. Alt- besitz gewannen 0,75 v. H-, Neubesitz etwa 0 50 v. H., Schutzgebiete 0,25 v. H. unb späte Reichsschuldbuch, forberungen 0,75 o. H. Don Industrieanlechen eröffneten 6 prozentige Stahlverein 0,40 o. H. und Reichsbahnvorzugsaktien 0,13 o. H. höher. Golb- unb ßiquibationspfanbbriefe unb Kommunalobligationen waren weiter leicht erhöht. Von Stabtanleihen tendierten 6 v. H. Darmstadt schwach und etwa 2 v. H. niedriger. An den übrigen festverzinslichen Gebieten war bie Stimmung freundlicher. Im Verlaufe erhielt sich die freundliche Grundftimmung, eine nennenswerte Belebung des Geschäftes trat aber nicht ein. Im all- gemeinen ergaben sich Erhöhungen von 0,50 bis 1 v. H. Einige Spezialwerte, davon Scheideanstalt, lagen bis zu 1,50 v. H. fester. Siemens blieben da- gegen matt und ermäßigt um ein weiteres Prozent. Auch Holzmann gaben erneut 0,50 v. H. nach. Don Deutschen Anleihen waren Altbesitz 0,90 v. H., Neubesitz 0,13 o. H. höher, aber späte Reichsschuld- buchsorderungen waren nur knapp gehalten. Am Geldmarkt war der Satz für Tagesgeld auf 3,25 v. H. ermäßigt. Schwcincmarkt in Friedberg. WSN. Fricdber g, 19. Jan. Auf dem gestrigen Schw«in«markt wurden bezahlt für sechs Mo^n alte Tiere 8 bis 12 Mk., für 6 bis 8 Wochen alte 12 bis 15 Mk.. für 8 bis 12 Wochen alte 16 bis 20 Mk. Bei einem Auftrieb von 257 Ferkeln wurde der Markt geräumt. Englische Fliegerin in der Sahara gelandet. Die Fliegerin Lady Bailey, die feit ihrem Abflug aus Dran am 15. Januar vermißt wurde, ist etwa 20 Kilometer südwestlich von Tasua am Niger gesund aufgefunben worben. Sie hatte dort aus Mangel an Lebensmitteln und Brennstoff eine Landung vornehmen müssen. verletzt nach dem Bürgerhvspital in Friedberg rerbracht werden. Ruf oem Wege nach Friedberg v e r st a r b der bedauernswerte Mann. Er hinterläßt Frau und fünf Kinder. preuhen. Kreis Wetzlar. 0 Krofdorf, 17. Ian. Die Lokalabteilung Wetzlar des Landwirtfchaftsver- eins hielt in der Gastwirtschaft Moos ihre vierte Winter ° Hauptversammlung ab. Geschäftsführer Lehnen führte zunächst bie Ziele unb Bestrebungen bes Landwirtschaftlichen Vereins ben Zuhörern vor Augen unb empfahl bie Mitgliedschaft des Vereins. Institutstierarzt Dr. vet. Euler vom Staatlichen Deterinär-Untersuchungsamt in Frankfurt am Main sprach über „Aufzuchtkrankheiten beim Rindvieh und deren Bekämpfung. An den Dortrag schloß sich eine rege Aussprache an. 0 Lützellinden, 19. Ian. Dieser Tage sand hier im „Dberroalb" die erste Brennholzversteigerung der Gemeinde statt. Zum Aucgebvt kam vornehmlich Buchenbrennhol,). Es wurden folgende Preise erzielt: für Buchenscheitholz 18 bis 23, Duchenknüppel 16 bis 20 Mark je zwei Raummeter. Buchenwellen 8 bis 9,50 Mark je 50 Stück, Nadelscheitholz 5 bis 6 Mark je zwei Raummeter, Nadelholzwellen 5 bis 6 Mark je 50 Stück. 1 Waldgirmes, 19. Jan. Bei der ersten Brennholzver steigern na im hiesigen Ge- meindewald stellten sich die Preise wie folgt: Zwei Raummeter Buchenscheit 16—18 Mark, Rollscheit 14—16 Mark, Knüppel 10—12 Mark, Eichenscheit 10—12 Mark, Knüpvel 8—10 Mark, acht Meter Buchenstammreiser (Schlaghaufen) 8—10 Mark, Astreiser 6—8 Mark, Eichenreiser entsprechend 3 Mark billiger. ttrcis Marburg. 4- Hachborn, 19. Ian. Am Sonntag fand hier im Saale des Gastwirts Heinz Vogel die 3. Bezirks geslüae Ischau der Kreise Marburg, Kirchhain und Franken- hers statt, Die Qualität der Tiere war im Durchschnitt sehr gut. Die Schau wurde vom hiesigen G e f 1 ü g e 1 z u ch t v e r e i n mustergültig durchgeführt. Preisrichter waren die Herren Otto Hördemann (Kassel) und Heinr. Jäger (Ober-Hörgern). Zur Verteilung der Landwirt- schastSkammer Ehrenpreise war Tierzuchtinspeltor Guthe (Kassels als Vertreter der Landwtrt- schaftskammer anwesend. Er zeichnete den Rhodc- län der-Züchter Johs. Wallon 111. (Hochborn) mit der Silbernen Kammer-Medaille, den Züchter Rebhuhnfarbiger Italiener, Heinrich Hamel (Warburg), mit d r Broncenen Kammer-Medaille und den Barnevelder-Züchter Hans Falk (Hachborn), mit dem Landwirtschastskammer-Diplom aus. Kirche und Schule. Landkreis liefern. CO Slein-ßinben, 19. Jan. Die Sitzung ber Kirche ngemeindevertretuna befaßte sich u. a. mit ber Aufstellung bes Voranschlags für 1 9 33. Die Einnahmen sind mit 7335,85 Mark vorgesehen. Darin sind enthalten ein Rechnungsrest aus dem Vorjahr mit 3164 Mark unb an Kirchen- fteuereingängen 3696 24 Mark: letztere wurde gegen bas Vorjahr um 700 Mark, gegen bas Jahr 1931 sogar um 1400 Mark gesenkt. Die Ausgaben betragen 6371,05 Mark unb enthalten u. a. für Heizung unb Beleuchtung 220 Mark, für Besoldungen 2027.84 Mark, für Unterstützung von Armen und Kranken 100 Mark. An Betriebskapital werden 200 Mark benötigt, als Reservefonds sind 250 Mark vorgesehen, außerdem ist noch ein nicht verfügbarer Ueberschuß vorderer Jahre mit 1548,72 Mark in Ausgabe eingestellt. An außerordentlichen Ausgaben werben 964,80 Mark verbucht, worunter 400 Mark als Kapitalabtrag benötigt werben: die Gesamtschuld ber Kirchengemeinde betragt noch 800 Mark. Streik Alsscld. II. Merlau, 19. Jan Die Kirchen st ati- st i k weist für das Jahr 1932 folgende Zahlen auf: Taufen 11, Konfirmanden 9, Trauungen 8, Beerdigungen 8. An Liebesgaben gingen insgesamt 849 Mark ein. Die Gottesdienste waren durchschnittlich von 23.34 Proz. der evangelischen Kirchengemeinde besucht. Am heiligen Abendmahl nahmen 93,01 Proz. teil. In der Kirchspielfiliale Flensungen waren es 9 Taufen, 11 Konfirmanden, 9 Trauungen und 9 Beerdigungen. An Liebesgaben wurden dort 989 Mark gesammelt Die Gottesdienstbesuche beliefen sich auf 14.93 Prozent. Die Beteiligung am heiligen Aben> mahl betrug 95,20 Prozent. Enorm billig! Bettbarchent nlett) 130 cm breit 1.9511 Bettbarchent nlett) 160 cm breit 2.25 I Bettfedern raue, füllkräftige Ware 1.951 Halbdaunen eiß, besonders schön 3.7511 439 A Beiten-Bär • Gießen Nachdruck verboten. 7 Fortsetzung Ulli |IK UllU LU|JIX Vit uvx.1. ivui. 1JVU.V als sonst. Heih Kungelte die Leidenschaft in ihr empor. Sie sog sich an seinem Munde fest. | stet» Platz für mich hast: doch zwischen einem jungen Ehepaar hat kein Fremder etwas zu suckln." , „ „Achern ist groß genug", fuhr er auf. .Man braucht sich nicht einmal zu begegnen, wenn man nicht will." .Lu meinst es gut. Harry, doch ich möchte mcht lästig fallen." Ohre Stimme klang ergeben. Er hätte am liebsten den blonden Kopf gestreichelt. Aber er sagte fest: „Lu fällst niemanden lästig, — solche Gedanken lasse nicht wieder in dir aufkommen. Tu nimmst deinen Platz mit vollstem Recht in Achern ein." Ein ungläubiges Lächeln ging um ihren Mund, doch sie sagte nichts mehr. Schloß Gollwern war festlich geschmückt. Die Natur hatte auch mitgeholfen. Es blühte und grünte, und der Sommer schien alle Schönheit auf diesen Lag geworfen zu haben. Das ganze Schloß war voll Gäste, und Harry von Achern fragte sich unruhig, ob denn das, wenn es nun einmal fein mußte, nicht bis zur Hochzeit hätte aufgespart werden können. Doktor Lansing kam Pia mit ausgestreckten Händen entgegen. Eine große, ehrliche Freude lag auf seinem edlen, durchgeistigten Gesicht. Harry sah es, und ein unbehagliches Gefühl war in ihm. Doch dann stand Edelgarde vor ihm, ihre roten Lippen glühten ihm sehnsüchtig entgegen. Das fliederfarbene Seidenkleid schmiegte sich eng um die schöne, schlanke Figur, die vollen, weihen Arme hoben sich ihm entgegen. Da legte er den Arm um sie und küßte sie. Sie aber war heute anders „Ich Nebe dich, Harry, ich liebe dich!" flüsterte sie. Da kam auch die Leidenschaft über ihn. Heiß küßte er sie. „Warum das alles heute? Eine Qual mehr, Edel: wenn wir wenigstens heute Hochzeit hatten, doch so dauert die Wartezeit viel zu lange." Sie sah ihn an mit den dunklen, heißen Augen. Leise sagte sie: „Richt mehr so lange, Harry. Papa ist einverstanden, daß wir in acht Wochen heiraten." „Du>" Seine Lippen brannten auf den chren. „Entschuldigt, Kinder, doch ihr müßt zu unseren Gästen. Das Diner wartet." Gemütlich klang Herrn Augstens Stimme in diese zitternde Leidenschaft hinein. Harry richtete sich auf und lieh Edelgarde aus seinen Armen. Seine Hand strich über die heihe Stirn. „Du hast recht, Papa, wir haben ganz vergessen, dah wir nicht uns, sondern unseren Gästen gehören." Er reichte Edelgarde den Arm und führte sie hinüber. Zufrieden lächelnd folgte der Vater. Man umringte das Brautpaar und beglückwünschte es mehr oder minder aufrichtig. Als Pia ihre kleine Hand in diejenige Cdelgardes legte, da zitterten ihre Lippen, und leise sagte f*e: „Ich wünsche Ihnen alles Glück, das der Himmel je verschenkt." Edelgardes Augen sahen in Pias veilchenblaue Augen, die sich nicht vor den ihren senkten, in denen aber ein unendliches Weh lag. Und die stolze, leidenschaftliche Edelgarde wuhte plötzlich, wie das Leid hieh, das Pia trug, und ein wilder Hah war in ihr. „Ich danke Ihnen." Pia fühlte, die Worte waren Hohn. Sie wandte sich ab, heute mehr denn je entschlossen, zu gehen, wenn Edelgarde für immer nach Schloß Achern kam. Doktor Lansing aber studierte aufmerksam jeden Zug des feinen, blassen Gesichts, wurde immer entschlossener, sein hohes Können daranzusetzen, dah Pia Eichendorff geheilt werden konnte. Und wenn sie nicht geheilt wurde, dann wollte er versuchen, ihre Liebe trotzdem zu gewinnen. Sein Herz, dieses sonst so kühle Herz des gereifte« Mannes, schlug Pia in warmer Liebe entgegen. Und er dachte: „Ich begreife Achern nicht. Edelgarde ist keine Frau, die einem Manne Glück bringt. Da ist sie ihrer Mutter äußerlich und innerlich viel zu sehr ähnlich. Und ich glaube, Onkel Ängsten ist ehrlich froh, sie an den schonen Achern abtreten zu können. Ihre Launen haben ihm den Kopf heih genug gemacht, wenn er sie merkwürdi gerweise auch seinen beiden anderen Töchtern gegenüber stets vorgezogen hat. Es kann ja fein, dah es anders kommt, als ich denke, aber ich fürchte leider, dah Ich recht behalte." (Fortsetzung folgt.) täuscht, aber Edelgarde und ihr Vater erstickten ' die Worte, die sich ihm auf die Lippen drängten, durch liebenswürdiges Ueberreden. Wie sähe denn das aus! Gerade, als ob man in Gollwern rechnen müsse, und das war doch wahrhaftig nicht der Fall. Achern schwieg schließlich. Er sah, wie seine Braut sich freute, wie sie unermüdlich neue Pläne entwarf, die der schwache Dater sofort kraft seines Geldes verwirklichte. Achern wäre eine stille Feier unter Teilnahme der engeren Verwandten viel angenehmer gewesen. Aber zuletzt fügte er sich eben. Wenn Edelgarde erst in Achern war. dann würde es nach seinem Willen gehen müssen, das würde sie ja auch einsehen. Warum also sollte er ihr jetzt die Freude verderben? Also tat er so, als freu? auch er sich sehr auf dieses Fest, obwohl ihm die Schaustellung sehr zuwider war. Pia stellte still und blaß für sich selbst den Feststaat zusammen. Ein ganz einfaches, weißes Seidenkleid mit einem großen Strauß Veilchen auf der Schulter. Als sie am Verlobungstage vor Harry von Achern stand, um mit ihm und Frau Horlinger nach Gollwern hinüberzufahren, da sah er staunend in Pias blasses, schönes Gesicht. Zum ersten Male sah er, wie schön Pia war. Das goldblonde Haar, die seltsamen Deilchen- augen, der kleine, rosige Mund mit dem stillen Leidenszug und die zarten, weihen Arme. Seine Lippen prehten sich plötzlich zu einem schmalen Streifen zusammen. In seinen dunklen, groben Augen war ein ganz seltsamer Ausdruck. Er reichte ihr den Arm, sagte kurz, fast rauh: „Wir müssen gehen, Pia. Ditte, Frau Hor- linger, hat Pia auch den Mantel für abends?" Frau Horlinger nickte und ging neben ihnen her. Auch die Fahrt verlief sehr schweigsam. Pia starrte, brennendes Weh im Herzen, auf die kraftvolle, braune Hand, die lässig die weihen Handschuhe hielt. Natürlich löste die in den nächsten Tagen offiziell bekanntgegebene Verlobung einen Sturm von Empfindungen in der Nachbarschaft aus. Ilse Borrheim weinte tagelang, und ihre Mutter verwünschte die schwarzhaarige Hexe, die sich den frönen Achern eingefangen hatte. Vater Borrheim hätte am liebsten auf den Feldern übernachtet: von früh bis spät blieb er sowieso draußen, denn es war für ihn unerträglich, immer wieder hören zu müssen, daß andere Väter ganz anders für ihre Kinder sorgten, und dabei hätten jene drei, während Heinrich Borrheim nur eins habe. Was sei schließlich schuld daran, daß Ilse nun unglücklich fei? Doch nur, dah man auf Borrheim nicht so viel Geld batte wie drüben der Besitzer von Gollwern! Aber natürlich, das wollte kein Mann hören, dah ein anderer das Leben besser anzupacken verstand! Hub dieser Mitgiftjäger, dieser Achern! Hatte der nicht schon ohnehin genug, dah er nicht auch noch auf eine reiche Frau sehen mußte? Ach, es war zum Tot- ärgern, — Frau Dorrheim sagte es ihrem Wanne immer wieder. Onkel Adolf kürzte feine Sommer- ferien, die er hier hatte verleben wollen, ab und meinte beim Abschied gemütlich: „Man soll überhaupt nicht heiraten. Die Menschen ketten sich nur aneinander, um sich dann ein Leben lang zu zanke.u Kommt ’ne Heirat zustande, gut. Kommt sie nicht zustande, auch gut! Das ist meine Meinung. Erzwingen kann man da nichts. Absolut nicht. Ilschen, heule doch nicht, sei froh, dah du deine Freiheit behalten kannst. Lieber ’ne alte Jungfer als ’ne unglückliche Frau. Na, hier hast du was. Kaufe dir ein Kleidchen dafür. Du kriegst schon noch ’nen Mann, wenn es durchaus fein muß." Seine Worte linderten den Schmerz etwas. Frau Dorrheim hielt in Gedanken schon nach einem neuen Schwiegersohn Ausschau, und Herr Dorr heim dachte: „Warum Adolf bloß nicht immer hier fein kann? Wahrhaftig, der ver- steht's, die Frauen zur Ruhe zu bringen." Gin prunkvolles Derlobungsfest wurde auf I Gollwern in Szene gesetzt. Achern war etwas entAmWMWNÄ Roman von GeriRoihberg. (älrheberschuh durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.) Es togr spät, als Achern heimkehrte. Er sah nicht das schmerzverzogene Gesicht Pias, die schnell vom Fenster zurücktrat, als sie ihn sah. Ganz in Gedanken verloren schritt er dem Hause zu. Eine eigene Unruhe war in ihm. Es war ein Gefühl, als habe er etwas verloren, das mit zu seinem Leben gehörte. — Am nächsten Tage beim Mittagessen eröffnete Achern den beiden Damen, daß er sich gestern mit Edelgarde Augsten verlobt habe. Frau Horlinger gratulierte ihm herzlich, wenn sie sich auch nicht verhehlte, dah sie sich die Frau des Herrn von Achern anders gedacht hatte. Pia aber sah und horchte in sich hinein. Was sagte denn ihr Herz zu dieser Tatsache, die er ihr da erbarmungslos eröffnet hatte? Endlich zwang sie sich zu ber inhaltlosen Phrase: „Meinen Glückwunsch, Harry, du hast gut gewählt." Er sah sie scharf, prüfend an. Blaß und schmal sah sie ihm gegenüber, und mit einem Male kam es ihm zum Bewußtsein, was seine Verlobung für Befürchtungen in ihr auslösen muhte. Beruhigend griff er nach ihrer Hand. „Liebe Pia, du meinst doch nicht, daß meine Heirat dich aus Achern vertreiben würde? Im Gegenteil, es wird dann nicht mehr so langweilig für dich fein, wenn noch ein junger Mensch zu deiner Gesellschaft mit hier ist. Verzeihung, Frau Horlinger, Ihre Anwesenheit in Eyren, aber ein junger Mensch muh auch einmal mit jungen Menschen plaudern können." Frau Horlinger gab ihm vollständig und unbeleidigt recht. Und Pia dachte: „ES ist ganz ausgeschlossen, dah ich bleiben kann. Und er hat schlecht gewählt, niemals ist Edelgards Augsten die Frau, die zu ihm gehört." Irgendwoher schien eine Stimme zu kommen. Diese Stimme höhnte: „Sdelgarde Augsten gehört nicht zu ihm? Wer dann, bitte? Du vielleicht, du Krüppel? Lächerlich, ein Harry von Achern und du!" Seine warme, dunkle Stimme erklang von neuem: w „Tu fürchtest doch das nicht, Pia? Für dich ist immer Platz in Schloh Achern. Das weiht du doch." Am liebsten hätte sie es ihm entgegengeweint: „Ja, Platz ist hier für mich und auch nur auf Befehl deines Vaters, aber keine Liebe — keine Liebe, nach der mich hungert." Doch Pia sagte nur ganz ruhig: „Ich danke dir, Harry! Das weih ich, daß du Vom 21. bis 31. Januar 1933 Großer Schlager für die Kreppeizelt w . ......•/ Weizenmehl „Edelmarke“ 1 Pfund statt 25 nur 24 Pf. Weizenmehl „Rheinstern" 1 Pfund statt 24 nur 22 Pf. Weizenmehl „Spezial 0" 1 Pfund statt 21 nur 20 Pf. Weizenmehl „Blötenmehl" 1 Pfund 17 Pf. Kokosfett ..........*/iTafel statt 30 nur 28 Pf. Margarine ...... 1 Pfund 25 Pf. Margarine ...........% Pfund 40 und o2 Pf. Welter bieten wir an: Stets frisch gerösteten Kaffee, nur beste Mischungen, Pfund 80,75,70,60 und 50 Pf. Warenabgabe nur an Mitglieder Konsumverein Gießen u.Umg.e.G.m.b.H. 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