Nr. 219 Erstes Blatt 185. Jahrgang Dienstag, 19. September 1953 Erlchelnl tägltd), auha Sonntags und FrierlagL Beilagen; Die Jllusmerle (Biebener Familienblätter Heimctt im Bild Die Schalls monat$«Be$ng$prei$: Mtt 4 Beilagen «TL 1.95 Ohne Jllusttierl« , 1 80 Zustellgebühr . , -25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Kernfprechanschlüfse enter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. postschecktonts: granffurt am Main 11686. GichenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'sche Universtiälr Such' und Steinörucferei K Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Reklameanzeigen oon 70 mm Breite 35 Retchspfeunig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr Jg.lbtjriot; für den übrigen Teil (Ernft Dlumschein und für den Anzeigenteil L D.TH.Kümmel sämtlich in Bietzen. SlaalsselrelärImg an Stelle von Är. Werner znm Slaals- minister und Vorsitzenden der hessischen Landesregierung ernannt Oer Rücktritt des Ministerpräsidenten Werner. Die amtliche Mitteilung. V a r m st a d l, 18. Sept, sw SN.) Der Reichsstait- halter in Hessen. Gauleiter S p enger, hat den hessischen Sfaalsminifter Dr. Werner feinem Ansuchen entsprechend, von seinem Amte enthoben. An feine Stelle tritt unter Ernennung zum Staalsminister enb Vorsitzenden der Landesregierung v M T Der neue hessische Staatsminister Jung. der seitherige Staatssekretär der hessischen Regierung Philipp Wilhelm Jung. Das Gauprefseamt teilt hierzu noch mit, datz der Reichsstatihalter sich nur schwer und nur im Hinblick auf die wesentliche Vereinfachung in der hessischen Staatsführung dazu ent- fchliehen konnte, diesem Ansuchen zu entsprechen. Soweit bis jetzt feststeht, sind auch noch einige sonstige Veränderungen im hessischen Per- sanatkörper bevorstehend. — Der Reichsstatthalter empfing heute abend die Vertreter der Presse, um ihnen die Gründe milzuteilen, die ihn zur Genehmigung des Rücktrittsgesuches des Ministerpräsidenten oeranlatzt hätten. Er habe diesen Entschluß schweren Herzens gefaßt und dem Gesuch nur aus den Gründen stattgegeben, die schon bei der Bildung der letzten Regierung eine Rolle gespielt hätten, datz nämlich das Ministerium nur von einer Person beseht sein solle. Das Gaupresseamt gibt zu dem Rücktritt Dr. Werners folgenden Kommentar: Das Positive fei vorweggenommen: Die den nationalsozialistischen Grundsätzen entsprechenden Bereinfachungsbe st re- bunge n in allen Verwaltungsstellen des Reiches und der Länder sind im Hessenlande um die Etappe eines bedeutsamen neuen Erfolges fortge- schritten. Die Sendboten des Nationalsozialismus haben vor seiner Machtergreifung in zahllosen Versammlungen immer und immer wieder vor der Oeffent- lichkcit betont, daß die Opposition tum November- systern allein schon deswegen unaufhaltsam wachsen müsse, weil die höhe der Verwaltungskosten der schwarz-roten Regierungsbehörden einen geradezu hohnoollen Aufwand darstellten im Verhältnis zur allgemeinen Notlage der breiten Masse. Somit mußte der zur staatlichen Verantwortung gekommene Nationalsozialismus nunmehr beweisen, daß er zu den herben Grundsätzen seiner 93er- sammlungskundgebungen zu stehen gewillt war. Und zwar nun nicht mehr in Worten, sondern in der entscheidenden praktisch-politischen Tat. Welche Opfer zur Durchführung und Realisierung solcher Taten unter Umständen nötig werden, hat in der Vergangenheit allein schon die Zahl der Toten der nationalsozialistischen Bewegung bewiesen. Da gibt es keine falsche Rücksicht. Was wäre aus der deutschen Wiedergenesung geworden, wenn Adolf Hitler etwa aus Mitleid über das Opfer der vor der Münchener Feldherrnhalle gefallenen Frei- hettskämpfer feinen gigantischen Kampf für immer eingestellt hätte? Wir haben seit dem Rücktritt des letzten deutschen Kaisers hinreichend gelernt, daß mit einer weichlichen Rücksichtnahme auf die politisch eine andere Richtung Vertretenden das Staatswohl nicht gefördert aber nur allzu leicht und gefährlich bedroht werden kann. Letzten Endes ist dieses Problem jedoch keine Angelegenheit der Schreibseder und der Zeitungsartikel, sondern eine weltanschaulich bedingte Grundsätzlichkeit. Sie ist naturgemäß nur der Generation der Frontsoldaten des Weltkrieges in Fleisch und Blut übergegangen und zur Slebstverständlichkeit geworden. Sie ist damit zu einer Generationseigentümlichkeit schlechthin in unser politisches Leben eingezogen. Eine Charaktersorm, welche weder durch guten Willen noch durch allerpersönlichste sonstige Verdienste angeglichen oder angeeignet werden kann. Nicht persönliche Verdienste und auch nicht eine sonstwie noch so große Lebenserfahrung, sondern ausschließlich jenes aus dem in fast 20 Jahren Frontkampf geborene einzigartige Erlebnis des militärischen und politischen Kampfes um Sein ober Nichtsein und die damit verbundene Entschlossenheit des Einsatzes aller persönlichen Kräfte ist das Fundament der neuen herrschenden Weltanschauung. Dies ist die bedingungslose harte Voraussetzung zur Durchführung eines wirklich konsequent nationalsozialistischen Stadtsneubaus. Der Geist dieser Weltanschauung wird in allen Fragen, deren Lösung rücksichtslose Härte erfordert, das allein richtige finden. Eine solche ist auch die in Hessen dieser Tage akut gewordene: Soll die Weitergestaltung des Nationalsozialismus wie etwa die Fortentwicklung der Ersparnismaßnahmen in der Verwaltung trotz der überall bemerkbaren W i r t s ch a f t s b e l e b u n g und der allgemeinen Ankurbelung noch weiter fortgesetzt werden, als dies bereits geschah, ober soll man s i ch vorerst auf b i e neuen Erfolge st ü tz c n ? Soll man ausruhen, nur wirtschaftlich arbeiten, ober soll auch bie Politik weiter vor- getrieben werben. Einfacher gesagt, ist bie Frage eben bie, ob ber Nationalsozialismus sich mit ber gewonnenen Macht schlechthin begnügen soll, ober ob bie Realisierung seiner Grunbsätze in ber Reichspolitik weiter fortgesetzt wirb, Hemmungen müssen für ben, ber biefe Frage einfach positiv beantwortet, im Interesse bes Ganzen überrounben werben. Darum ist es zu begrüßen, wenn alle, welche bieser ungestümen Kraft nicht zu folgen vermögen, einfach zur Seite treten unb bem Nationalsozialismus bie Bahn frei geben. Dazu gehört selbstverständlich menschliche Größe, wie sie nunmehr in Hessen wieber einmal bewiesen worben ist. Die weltanschaulich bebingte neue Grundsätzlich- keit aber muß auf allen Gebieten beachtet werben. Der kulturellen unb politischen folgt bie wirtschaftliche Entwicklung, bie ihrerseits roieberum ben vor- hanbenen Entwicklungsgesetzen im Rahmen ber Neugestaltung bes Reiches folgen muß, wenn bie praktische Arbeit, insbefonbere bie große Arbeits- beschafsungsoffensive so siegreich fortgesetzt werben soll, wie sie begonnen wurde. Menschliche Größe hat einen Verzicht ausgesprochen, und politisches Führertum hat ihn anerkannt. Das ist der Sinn dessen, was der Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Sprenger, mit der Bestätigung des Rücktrittsgesuches des hessischen Ministerpräsidenten und den damit verbundenen neuen Maßnahmen vollzogen hat. Die Nachwelt wird ihm bas zu banken wissen, bas politische unb weltanschauliche Verstehen bankt ihm schon heute. Der neue heffische Staatsminister Staatsminister Philipp Wilhelm Jung würbe am 16. September 1884 in Nieber - Flörsheim (Rheinhessen) als Sohn bes Volksschullehrers Abam Jung geboren. Er besuchte bort bie Volksschule unb anschließenb das Gymnasium in Worms. Nach dessen Verlassen studierte er an den Universitäten Heidelberg, München und Gießen Rechtswissenschaft. Als er die Berufung zum Richteramt erlangt hatte, ließ er sich in Worms als Rechtsanwalt nieder. Dem dortigen Stadtrat gehörte er oon 1926 bis 1933 an. Am 8. Dezember 1931 wurde er i n ben hessischen ßanbtag gewählt unb führte ben Vorsitz im zweiten Ausschuß. Vom 13. März 1933 bis au seiner Berufung zum Staats- fetretär war er Landtagspräsident und für die Zeit vom 15. März bis 13. April 1933 kommissarischer Oberbürgermeister der Stadt Mainz. Seit dem 15. Mai, seiner Ernennung zum Staatssekretär, leitete er unmittelbar die Ministerialabteilung I und die Mi- nifterialabteilung für Arbeit und Wirtschaft, ferner noch das Personalamt. Während des Weltkrieges stand Staatsminister Jung von August 1914 bis Mitte November 1918 im Felde, war Leutnant im Feldartillerie-Regiment 25, war dann Abteilungsadjutant und vom Dezember 1916 ab Batterieführer. Eine vorläufige Handwerkerkarte. Berlin, 18. Sept. (Vdz.) Der Deutsche Hand- werks- und Gewerbekammertag hat den angeschlossenen Kammern zwei Muster von Handwerkerkarten übermittelt, von denen eine als eine vorläufige Handwerkerkarte in den Verkehr eingeführt werden soll. Der Referent im Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag, Dr. Lechmann (Berlin), erklärte dazu, daß die Handwerkskammern sehr wohl Bescheinigungen über die Befugnis zur Führung des Meistertitels usw. erteilen dürfen. Allerdings werde kein Auftraggeber rechtlich daran gehindert, Aufträge solchen Handwerkern zu erteilen, die eine Handwerkerkarte nicht besitzen. Generell lasse sich oon der Einführung eine gewisse Einschränkung der Schwarzarbeit erwarten sowie auch eine Einschränkung des Pfuschertums. Keine Annäherung. — Eden zur Oie amtliche Verlautbarung. Paris, 18. Sept. (TU.) Von amtlicher französischer Seite wird über die englisch-französischen Besprechungen folgende Verlautbarung veröffentlicht: „Ministerpräsident D a l a b i e r und Außenminister Paul-Boncour haben am Montag den englischen Botschafter in Paris, Lord T y r e 11, und ben ftänbigen Vertreter Eng- lanbs auf ber Abrüstungskonferenz, Unterftaats- fekretär Eben empfangen. Die Unterredung, die von 11 bis 13 unb von 15 bis 16.30 Uhr dauerte, galt der Prüfung ber Lage jo wie sie sich vor der Wiederaufnahme der Arbeiten der Abrüstungskonferenz darstellt. 3m Laufe des Meinungsaustausches, der im Geist des gegenseitigen vertrauens ftattfand, haben die Vertreter der beiden Länder die Auffassung ihrer Regierungen über die verschiedenen Fragen betannlge- geben mit dem Wunsche, eine Annäherung der beiderseitigen Thesen herbeizuführen. Die englischen Vertreter werden ihrer Regierung das Ergebnis der Unterredung mitfeilen. Eine neue Zusammenkunft wird In aller kürze stattfinden." In Kreisen, bie bem Quai b'Orsay nahestehen, glaubt man, baß Unterstaatssekretär Eben zunächst sich lediglich unterrichten wolle und zu Verhandlungen nicht berechtigt sei. hieraus erkläre sich auch die in der amtlichen Verlautbarung her- vorgehobene Tatsache, daß er vor der Weiterführung des Meinungsaustausches seiner Regierung Bericht erstatten werde. Im Verlaufe der Aussprache soll Paul-Boncour den Standpunkt Frankreichs ausführlich dargelegt und vor allem darauf hingewiefen haben, daß die französische Regierung unter den gegenwärtigen Umständen nicht Paris, 19. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die Pariser Morgenpresse hebt übereinstimmend hervor, daß die Pariser Verhandlungen nur eine Etappe sein könnten, die französische öffentliche Meinung soll darauf vorbereitet werden, oon den Pariser Versprechungen nicht mehr soviel zu erwarten, wie man es bisher immer wieder ange- kündigt hat. lieber den Stand der Verhandlungen lieft man im „9 0 u r n a (", die erste Gegenüberstellung der beiderseitigen Ansichten habe nicht eine s 0 vollständige Ueberein ft immun g und Annäherung herbeigeführt, wie man sie gewünscht hätte. Tiefgehende Meinungsverschiedenheiten bestünden sowohl hinsichtlich der englischerseits geforderten Abschaffung der Offensiowaffen als auch hinsichtlich der französischerseits verlangten Sanktionen, die England ablehne. Unter Bezugnahme auf die Akten über bie angeblichen Rüstun - gen Deutschlands, die die französische Regierung während der Ferien der englischen Regierung übermittelt habe, hätten Paul-Boncour und Dala- dier erklärt, daß die jetzige Fühlungnahme Frankreichs keine Rückzugsmöglichkeiten mehr biete und daß es jetzt das letzte Wort Frankreichs fei. Sie hätten hinzugefügt, daß der französische Standpunkt seitens eines anderen Unterzeichners des Viermächtepaktes unzweideutige Zeichen der Billigung erfahren habe. Eden sei hiervon sehr beeindruckt gewesen und habe erklärt, es sei notwendig, daß er nach London z u r ü ck ke h r e und mit seiner Regierung Fühlung nehme. Eine neue Zusammenkunft sei erforderlich. „Petit Journal" schreibt, Macdonald wolle die Frage der Konttolle erst bei Eintreten gewisser Vorfälle prüfen unb erachte die sogenannte Probezeit nicht für not» w en d i g. Ebenso habe sich England auch gegenwärtig gegen eine Debatte in Genf über bie angeblichen Geheimrüstun- aen Deutschlanbs ausgesprochen. Der Ab- ftanb zwischen bem englischen unb bem französischen Standpunkt sei fo geringfügig, daß die größten Oer Generalrat der Wirtschaft einberufen. B e r l i n , 18. Sept. (TU.) Wie die „Telegraphen- Union" erfährt, tritt in dieser Woche zum e r ft e n- mal seit seiner Schaffung der Generalrat der Wirtschaft zusammen. Reichskanzler Adolf Hitler hat zu Mittwoch, den 20. September, die Mitglieder des Generalrates der Wirtschaft zu einer Sitzung in die Reichskanzlei einberufen. Es finden zwei nichtöffentliche Sitzungen statt, und zwar die eine um 10 Uhr und die andere um 18 Uhr. Die Bedeutung der Sitzung wird dadurch unterstrichen, daß an ihr die meisten Reichs mini st er, sowie die Reichs st aatssekretäre und auch Reichsbankpräsident Dr. Schacht teilnehmen. Die Vormittagssitzung wird in Vertreteung des Reichskanzlers durch den Reichswirtschaftsmini- [ter geleitet, während Reichskanzler Adolf H i 11 e r die Nachmittagssitzung selbst leiten wird. ÄaspariserAbrWngsgespräch wird verbrochen Gedämpfter Optimismus. Die pariser preffe zu den pariser Besprechungen. Berichterstattung nach London. an eine sofortige Abrüstung denken könne. Die Agentur Havas gibt einen Kommentar, der den Eindruck bestätigt, daß noch große Mei- n u n g s v e r f ch i e d e n h e i t e n in der Sion- trollfrage bestehen. Die französische These habe, so wird erklärt, keine wesentliche Aenderung erfahren. Ministerpräsident Da lädier werde wahrscheinlich am 25. September derBölkerbunds- tagung beiwohnen unb bei dieser Gelegenheit die französische These barlegen. Frankreich lege Wert barauf, baß bie Abrii ft u n g von ber Schaffung einer internationalen ftänbigen, automatischen unb periobisch vorzunehmenden Kontrolle abhängig sei. Die>se Kontrolle werbe während vier oder fünf Jahre erprobt werden müssen, bevor eine effektive Rüstungs - Herabsetzung in Frage komme. Auch seien Sanktionen gegen diejenigen Länder vorzusehen, in denen Verstöße gegen das Abrüstungsabkommen festgestellt werden würden. Bisher habe E n g l a n d sich g e g e n das automatische und pero- dische Funktionieren ber Kontrolle ausgesprochen unb do r allem auch gegen bie Sanktionen. Die englischen Delegierten hätten inbessen 93er- ftänbnis für bie französischen Besorgnisse gezeigt. Bei den heutigen Besprechungen mit Norman Davis werde man ein gewisses Zögern der Amerikaner zu überwinden wissen müssen, obwohl die Auffassung Roosevelts in der Adrüstungssrage der französischen These näher zu stehen scheine als die englische Einstellung. Havas weist auch darauf hin, daß gleichzeitig auf diplomatischem Wege mit der italienischen Regierung verhandelt werde, und daß die-se Verhandlungen zu einem gewissen Optimismus berechtigten. Ob eine Aussprache mit dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz Henderson, der mit Norman Davis aus London eingetroffen ist, ftattfinben wird, läßt Havas dahingestellt. Nur wenn er selbst den Wunsch äußern sollte, würde man dem Rechnung tragen. Hoffnungen erlaubt seien. Auch hinsichtlich Italiens will das Blatt von einer Annäherung an die französische These sprechen können. Auch „Echo de Paris" spricht, ebenso wie „Petit P a r i- s i e n", von einer französisch-italienischen Annäherung hinsichtlich der Frage der Deutschland verbotenen Waffenarten. „E x c e l f i 0 r" meint, die englisch-französischen Meinungsverschiedenheiten bezogen sich mehr auf die Organisation als auf die Notwendigkeit der Kontrolle, die anerkannt werde. „O e u d r e" erklärt freimütig, daß England und Frankreich weder über die Form der Kontrolle noch über die Sanktionen einig seien. Uneinheitliche Beurteilung in London. London, 19. Sept. (WTB. Funkspruch.) Das Bild, das die Presse von den Pariser 9lbrüftungs- besprechungen gibt, ist nicht einheitlich. Im Gegensatz zu dem zuversichtlichen Ton des Pariser (Kommuniques ist „Morning Post" der Meinung, daß oon wirklichem Fortschritt kaum die Rede sein könne. In dem Bericht des Pariser „Time s"-Korespondenten dagegen heißt es, daß ein befriedigender Fortschritt gemacht worden sei. Im „Daily Herald" heißt es, die französischen Vorschläge müßten, wenn Frankreich darauf beharre, zumAbbruchderAbrüstungs- k 0 n f e r e n 3 führen. NormanOavis beiMacdonald Paris, 18. Sept. (TU.) Norman Davis besuchte am Montagvormittag den Ministerpräsidenten Macdonald zum Frühstück unb blieb zwei Stunden bei ihm. Heber den Inhalt der Unterredung ist sehr wenig in die Öffentlichkeit gedrungen. Macdonald habe, so heißt es, zu verstehen gegeben, daß England keinen Wert darauf lege, die französischen „Vorschläge zur Untersuchung geheimer Rüstungen in Deutschland" und zu einer strafferen Rüstungskontrolle zu ermutigen. Er sei vielmehr daran interessiert, daß Fortschritte gemacht werden, um zu einer Unterzeichnung der englischen Abrüstungsvorschläge zu gelangen. Norman Davis erklärte vor seiner Abreise nach Paris, daß man keine positiven Ergebnisse vor der Beendigung des Meinungsaustausches zwischen den verschiedenen Regierungen erhoffen dürfe und daß dieser Meinungsaustausch bis zum Vorabend der Konferenz, d. y. bis x u m 15. Oktober ausgedehnt werde. Auch Henderson äußerte sich wenig optimistisch und betonte, daß die Lage seit der letzten Sitzung der Abrüstungskonferenz viel gespannter geworden sei. Er hoffe aber dennoch, daß sich schließlich alle von der Nützlichkeit der Abrüstungskonferenz überzeugen ließen. Der Machtkampf in Irland. De Valera verbindet sich mit der Arbeiterpartei gegen die Blauhemden L'Duffys. Dublin, 18. Sept. (TU.) De Valero hat die Unterstützung der Arbeiterpartei zu einem sehr teueren Preise erkaufen müssen, wie aus einer Rede des Führers der Arbeiterpartei, Norton, in Kildare hervorgeht. Die Regierung hat sich verpflichtet, in 14tägigen Sitzungen den Vertretern der Arbeiterpartei ihre gesetzgeberischen Pläne mitzuteilen und die Stellungnahme der Arbeiterpartei entgegenzunehmen. De Valera hat sich ferner verpflichtet, Gesetze für die Witwen- und Waisenpensionen, für eine Erwerbslosenzulage nach Ablauf der Versicherungszeit, für eine Beschleunigung der städtischen Hausbaupläne, für ein Arbeiterentschädigungsgesetz und fit höhere Löhne bei Notstanosarbei- e n einzubringen. De Valera hat einen solchen Pakt in einer Rede bestätigt, ohne die Bedingunaen anzugeben. Seine Rede wandte sich hauptsächlich an diejenigen seiner Anhänger, die durch gewaltsame Maßnahmen, wie die Verhinderung des Verkaufs englischer Biere, den Kampf gegen die neue Vereinigte Irlandpartei erschweren. Der Führer dieser Partei, General O'Duffy hat den Landwirten versprochen, bei einer etwaigen Regierungsübernahme sofort zwei Millionen Pfund für die Landwirtschaft bereitzustellen, weil die Politik der jetzigen Regierung die Farmer vollständig ruiniert habe und ihnen auch noch die letzte Kuh aus dem Stalle nehmen werde. Zwei Oanz»g-polnische Abkommen unterzeichnet. Die erste Frucht der Verhandlungen. Danzig, 18. Sept. (WTB.) Das Protokoll über die Durchführung des Danzig-polnischen Abkommens über die Ausnutzung des Danziger Hafens ist heute um 14 Uhr in Warschau unterzeichnet worden. Auch das seinerzeit nur paraphierte Abkommen über die B e - Handlung polnischer Staatsangehöriger und anderer Personen polnischer Herkunft oder Sprache im Gebiet der Freien Stadt Danzig ist von dem Präsidenten des Senats und dem diplomatischen Vertreter Polens in Danzig unterzeichnet worden. Zu der Unterzeichnung des Danzig-polnischen Hasenprotokolls weist die Pressestelle des Danziger Senates darauf hin, daß die polnische Regierung die Verpflichtung übernommen hat, eine Verminderung des gegenwärtig über den Danziger Hafen gehenden Verkehrs zu verhindern. Dem Danziger Hafen soll in Zukunft ferner nach Möglichkeit eine gleiche Beteiligung am seewärtigen Verkehr gewährt werden. In der Zeit vom 1. Oktober 1933 bis zum 30. September 1934 müssen bestimmte Mengen gewisser in einer besonderen Liste enthaltenen Waren im Danziger Hafen umgeschlagen werden. Tritt bei dem Verkehr dieser Waren eine Verminderung ein, die nicht durch Zunahme einer anderen Ware ausgeglichen wird, so weroen die beiden Regierungen über die Möglichkeit eines Ausgleiches verhandeln. Beide Regierungen werden innerhalb ihrer Zuständigkeit und ihres finanziellen Leistungsvermögens Maßnahmen zur Senkung der Umschlagskosten im Danziger Hafen auf ein Niveau treffen, das den wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Hinterlandes entspricht und dem Danziger Hafen ermöglicht, dem l Wettbewerb anderer Häfen zu begegnen. Eine paritätische Kommission wird vierteljährlich | über die Verkehrsentwicklung berichten. Die Danziger Regierung, so heißt es dann in dem Commu- niquö, weist erneut daraus hin, daß die jüdischen Händler im Danziger Hafen bei ihrer Betätigung volle Freiheit haben und daß diese Freiheit nicht angetastet oder beschränkt werden wird. In dem amtlichen Bericht der polnischen Regierung über die Unterzeichnung des Danzig-polnischen Abkommens heißt es u. a.: Dadurch sei ein langjähriger Streit zwischen Polen und dem Freistaat Danzig, sowie die dauernden Prozesse in Genf beendet worden. Das Abkommen stelle schließlich einen konkreten Versuch einer realen Zusammenarbeit zwischen Danzig und seinem „natürlichen Hinterland" dar. Ergänzend kann noch hinzugefügt werden, daß Polen in dem Abkommen Danzig u. a. ein Jahreskontingent von 3 Millionen Tonnen Kohlen zugesichert hat. Das Programm der AeiHs- sührertagung des Stahlhelms. Hannover, 18. Sept. (CNB.) Für den am Samstag in Hannover stattfindenden Neichs- führertag des Stahlhelms, an dem auch der Stabschef der SA., Ernst Röhm, teilnehmen wird, ist endgültig folgendes Programm vorgesehen: Am Freitag, 22. September: zwangloses Beisammensein im Hotel Ernst August in Hannover. Samstag, 23. September: Reichsführertagung des Stahlhelms; um 19 Uhr Empfang der Gäste in der Kuppelhalle; 20.30 Uhr: Großer Zapfenstreich vor dem Rathaus. Sonntag, 24. September: bis 8.30 Uhr Aufmarsch zum Führerappell; 9 Uhr Beginn des Führerappells: Einmarsch der Fahnen, Ansprachen, Fahnenweihe; 10 Uhr: Abfahren der Front, Vorbeimarsch und Abmarsch. Das deutsche Volk in Oesterreich fordert Selbstbestinmumgsrecht. Landesinspekteur Habicht spricht im Berliner Sportpalast. Berlin, 19.Sept. (TU.) Der Kreis IV der NSDAP, veranstaltete zugunsten der nationalsozialistischen Freiheitskämpfer in Oesterreich eine große Kundgebung im Sportpalast. Der Landesinspektor für Oesterreich, Habicht, führte dabei u. a. aus: Die jetzt beginnenden großen Kundgebungen der NSDAP, sollten dem deutschen Volke Klarheit über das Verhältnis Oesterreichs zu Deutschland geben und den Brüdern in Oesterreich zeigen, daß sie nicht auf verlorenem Po st en kämpften. Darüber hinaus würden die Kundgebungen der Welt sagen, daß die Zeit vorbei sei, wo europäische Politik gemacht werden könnte mit der Spekulation auf die Ohnmacht Deutschlands. Das Thema Oesterreich werde man nicht mehr zur Ruhe kommen lassen, bis diesem Sechsmillionenvolk das primitive Recht der Selbstbestimmung geworden sei. Habicht wies hin auf den Zusammenschlußwillen der beiden deutschen Völker nach dem Kriege, der trotz vieler Proklamationen vom Selbstbestimmungsrecht der Völker von Frankreich durchkreuzt worden sei. Scharf wandte sich Habicht gegen d i e Unterdrückung der nationalsozialistischen Bewegung in Oesterreich, die dort noch nie so stark gewesen sei, wie in der Zeit ihres Verbotes. Die bekannte Intervention der Großmächte sei auf Betreiben der österreichischen Regierung erfolgt. Die Nationalsozialisten verwahrten sich auf das Allerentschiedenste gegen Darlegungen, als ob Deutschland über Oesterreich her- gefallen sei. Es handele sich nicht um Auseinandersetzungen zwischen Berlin und Wien, sondern um Auseinandersetzungen zwischen dem österreichischen Volk und seiner Regierung, die, nur auf das Ausland gestützt, das DeutsttzSmn vergewaltige. Eine Verständigung mit der gegenwärtigen österreichischen Regierung hielten die Nationalsozialisten niemals für möglich. Sie verlangten Durchführung von Neuwahlen und die Bildung einer neu» en Regierung auf Grund der Wahlergebnisse. Wenn eine breite Front gegen die Herrschaft einer Minderheit aufstehe, bann gebe es nur zwei Möglichkeiten, entweder die einer evolutionären Lösung der politischen Machtfraae ober bie revolutionäre Lösung, bei ber man nicht garantieren könne, was babei für bie herauskomme, bie heute bie Herrschaft ausübten. Der Wille, Hitler auch in Oesterreich zum Siege zu verhelfen, sei ungebrochen. Die Welt habe kein Recht, in diesen Kampf einzugreifen, weil es sich um Ausein - a n d e r s e tz u n g e n zwischen Deutschen hanbele. Die Gegner bes Anschlußwillens könnten beibe ßänber nicht Hinbern, sich zu vereinen. Eine europäische Politik, so schloß ber Rebner, bie sich gufbauen wolle auf Vergewaltigung bes beutfdjen Volkes, ober eines Teiles bes deutschen Volkes, könne niemals von Bestand fein. Oie Sonntagsreden. Das Echo der Presse. Wien, 18. Sept. (ENB.) (Eigene Meldung.) Die Stellungnahme der Wiener Presse zu den Reden, die von Vizekanzler Winkler in Graz und Fürst Starhemberg in Kufstein gehalten worben sinb, ist burchaus uneinheitlich. Das christlich-soziale „Wiener Montagsblatt" will offenbar auf Grunb einer Einflußnahme von Re- gterungsfeite aus ben Kunbgebungen in @rax unb Kufstein einen bemerkenswerten Gleichklang heraushören, ba bie Hauptrebner beiber Tagungen sich zur Führerschaft Dollfuß' bekannt hätten. Unter Hinweis barauf erklärt bas christlich-soziale Blatt, über hie Wege, bie zum Enbziel führen, bürste bie Diskussion ber Anschauungen noch manche Klärung herbeisühren. Eines aber erscheine sicher: Schon die allernächste Zeit werde einigende gemeinsame Arbeit an dem großen Aufbauwerk bringen, bas gelingen müsse, wenn Oesterreichs Politik ben Weg in eine bessere Zukunft finben solle. In ähnlichem Sinne sucht auch bie „W i e n e r Sonn- unb Montagszeitung" zu be- ruhigen, inbem sie schreibt: Vizekanzler Winkler habe sich zwar mit aller Entschiebenheit gegen ben von Starhemberg proklamierten Ausbruck „Faschismus" erklärt, aber nach bem „starken Bekenntnis beiber Politiker zur Politik bes Bunbeskanzlers" unterliege es wohl keinem Zweifel, baß gar kein Anlaß z u irgenbwelchen Besorgnissen über die weitere Entwicklung unb Gestaltung ber innerpolitischen Verhältnisse in Oesterreich Dorliege. Dagegen spricht ber „M o r g e n" von einem Schicksalssonntag für Oesterreich, ber Vizekanzler habe mit seiner Rebe bie unbebingt not- wenbige Klärung herbeiführen wollen unbekümmert barum, was baraus entstehen möge. Die „Neue Freie Presse" ist der Ansicht, daß Vizekanzler Winkler eine Situation geschaffen habe, die in kürzester Frist einer unbedingten Klärung bedürfe. Man müsse dringend auf eine baldige Einigung hoffen, ba sonst eine innerpolitische Krise herbeigeführt werben bürste. Der Zwist im Wiener Rrgiernngslager. Starhemberg will von Dollfuß Klarstellung des Kurses fordern. Wien, 19. Sept. (TU.) Am Montag fanb bie Lanbesführersitzung des österreichi - schen Heimatschutzes unter Starhem - berg statt. Die von dieser Landesführersitzung her- ausgegebene Erklärung bedeutet eine neuerliche scharfe Kampfansage an die national- ständische Front des Vizekanzlers Winkler. Es heißt darin u. a., ber Heimatschutz halte unerschüttert an der von ihm seit jeher vertretenen Ibee eines ständischen Staates nach faschistischen Grundsätzen fest. Der Heirnat- schutz sei dem Bundeskanzler Dr. Dollfuß in der Uederzeugung gefolgt, daß er tatsächlich diesen Kurs unbeirrt z u gehen gewillt sei. Der Heimatschutz lege den größten Wert auf eine u n - zweideutige Feststellung des Regierungskurses. Der Bundesführer werde schon in ben nächsten Tagen beim Bunbeskanzler vorsprechen unb, so sagt die Erklärung, es bestehe kein Zweifel ,daß der Bundeskanzler bie „abwegigen, zum politischen Bodenkram gehörenden liberalen Ideen b es Herrn Vizekanzlers durch die Tat widerlege". Eine Politik, wie sie der Vizekanzler in Graz mit Zuhilfenahme von teeren Schlagworten entwickelt habe, werde der Heimatschutz stets auf dasEntschiedenstebe- kämpfen. Der Vundesführer werde das Ergebnis feiner Besprechungen mit dem Bundeskanzler auf einer Sitzung am 27. September den Landesführern mitteilen, die endgültig dazu Stellung nehmen werden. Die Eingliederung der Jugend in die Deuffche Arbeitsfront. Berlin, 18. Sept. (TU.) Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, hat folgende Anordnung erlassen: Nach Uebernahme der alten Gewerkschaften und nach Schaffung einer einheitlichen großen Organisation aller Arbeitenden Deutschlands, der Deutschen Arbeitsfront, wurde auch die werktätige Jugend in den großen Rahmen der Deutschen Arbeitsfront eingebaut. Die Jugend, vorher in den Gewerkschaften stark zersplittert, nicht zusammengehörig sich fühlend, teilweise aufgehetzt, soll und muß in dieser Deutschen Arbeitsfront eine Einheit bilden, die sie zuruck- gehen läßt vom Marxismus, von der Zersplitterung zum Nationalsozialismus, zur Einheit. Wenn es auch im Augenblick nicht möglich ist, die organisatorische Grundlage für eine vollkommene Einheit aller Schaffenden zu geben, so muß doch für die Zukunft Der Begriff der Deutschen Arbeitsfront und ihrer allumfassenden Organisation bei der Jugend eingeprägt werden. Aus diesem Grunde muß die Jugend über bem Rahmen ber einzelnen Verbänbe hinaus straff unb einheitlich zusammengefaßt werben, um später einmal bie letzte Vervollkommnung bes großen Werkes ber Deutschen Arbeitsfront zu gewährleisten. Aus biesem Grunbe wirb bewußt unb mit aller Entschiebenheit bem jungen arbeiten* ben Menschen ber Begriff Deutsche Arbeits - front-Jugenb eingeprägt unb barauf bie ganze Organisation ber Jugenb in ber Deutschen Arbeitsfront eingestellt. Diese Jugend sichert der Deutschen Arbeitsfront den Nachwuchs unb hat beshalb bie Verpflichtung, bahin zu streben, bah sie heute schon in ihrer Organisation ben Nationalsozialisten barstellt. Um biese Aufgabe verwirklichen zu können, verfüge ich fol- genbes: 1. Die Verbänbe sind verantwortlich allein für die fachliche und berufliche Durchbildung Der ihnen angeschlossenen Jugendlichen. 2. Die weltanschauliche Schulung und nationalsozialistische Gleichrichtung der jungen arbeitenden Menschen in der Deutschen Arbeitsfront wirb zentral von einer Stelle, bem Jugenbamt, in ber Deutschen Arbeitsfront in engster Zusammenarbeit mit bem Schulungs ° amt der Deutschen Arbeitsfront geleitet. Das Jugendamt in ber Deutschen Arbeitsfront gibt bie Richtung für bie fachliche und berufliche Durchbildung ber gesamten beutschen Arbeitsfrontjugenb, soweit es sich um Dinge hanbelt, bie nicht ein Fach unb einen Beruf betreffen. 3n jebem Verband ist ein Verbanbs-Iu- g e n b [ e i t e r ernannt, ber bie Verbinbung Herstellen muß zwischen ber beruflichen Schulung bes Verbanbes einerseits unb ber Weltanschauung ber Deutschen Arbeitsfront andrerseits. Die Einheitlichkeit im Reiche wirb baburch gewährleistet, baß bie Bezirksjugenbleiter ber Deutschen Arbeitsfront bie Ueberwachung ber weltanschaulichen Schulung burchführen unb ihrerseits burch Vorschläge usw. für eine rege Tätigkeit innerhalb ihres Bezirkes ber Deutschen Arbeitsfrontjugenb Sorge tragen. Die Verbanbsjugenbleiter unb Bezirksjugenbleiter werben jeweils auf Vorschlag bes Jugenbamtes ber Deutschen Arbeitsfront von bem Verbanbsleiter bzw. vom Bezirksleiter ernannt unb müssen vom Leiter bes Jugenbamtes bestätigt werben. 4. lieber bie Durchführung biefer Anorbnungen unb über bie einheitliche Zusammenfassung ber Jugenb in ben Stäbten bzw. über bie Zusammenfassung ber weiblichen Jugenb ergehen A u s f ü h - rungsanorbnungen bes Jugenbamtes in ber Deutschen Arbeitsfront. Dr. Ley führte zur Erläuterung feiner Anorb- nung noch u. a. folgendes aus: Den größten Teil ber Deutschen Jugenb habe bie Hitlerjugend erfaßt, ein Teil der Jugend aber stehe noch abseits, nicht nur aus eigenem Antrieb, eben deshalb, weil bie Eltern noch abseits stehen. Hier habe bie Deutsche Arbeitsfront einzusetzen unb bie Eltern und bie Jugenb zu gewinnen. Die Erziehung in ber Deutschen Arbeitsfront sei naturgemäß eine anbere, als die in ber HI. Der Berufunddieberuf- liche Fortbildung sei die Hauptaufgabe ber Arbeitsfrontjugenb. In ber Arbeitsfrontjugenb werben wir bie ganze Jugend der einzelnen Verbände zusammenfassen. Die Verbände ber einzelnen Fachschaften sollen nicht mehr felbftänbig auftreten, son- bern sie müssen ©lieber sein, beren einzige Aufgabe die Ueberwachung ber beruflichen Fortbilbung ist, während in all ben anberen Dingen nur die Führung ber Arbeitsfrontjugenb zu entscheiben habe. Auf diese Weise werde der Begriff ber Arbeitsfront unb ber Begriff ber Zusammengehörigkeit schon in der Jugend fest verankert. Auf diese Weise werde es möglich sein, eine neue Gesellschaftsordnung zu bilden. Mit Beendigung des 18. Lebensjahres werde künftig in ganz feierlicher Form dieUeberführung ber Jugenblichen aus ber Jugend der Deutschen Arbeitsfront unb ber Jugend der RSBO. i n die Deutsche Arbeitsfront und in die NS BO. erfolgen. Man werbe den 1. Mai, der ja schon offizieller Staatsfeiertag ist, und auch den 2. Mai dazu benutzen, die Jugend sozusagen mündig zu sprechen und sie feierlich zu Staatsbürgern zu machen. Ebenso werde am 1. April, dem Tag, an dem die Jugend aus der Schule in den Beruf tritt, die Aufnahme in die Deutsche Arbeitsfrontjugend feierlich ausgestaltet werden. Mit der Hitlerjugend seien über bie Stellung ber beutschen Arbeitsjugend im Volk bereits bestimmte Abmachungen getroffen worben. Gestattung des Feierabends. Lrganisatorische Pläne Dr. Leys. Berlin, 18.Sept. (WTB.) Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, ergänzte seine Anordnung über bie Schaffung einer einheitlichen beutschen Arbeitsfrontjugenb noch durch längere Ausführungen und betonte, daß der Arbeiter von Alltagssorgen unterjocht sei, wenn man ihm nicht seinen Feierabend gestaltet und Der- schönt. Nur eine besonders gute Unter- 1) a It u n g, wie gute Theater-, Opern- und Filmvorführungen unb vielerlei anbere Möglichkeiten geben bas Mittel, ben Feierabenb auszugestalten. Wir werden keine Gewalt anmenben und niemanden kommandieren. Wir werden jedem ermöglichen, selbst zu wählen, was er am Feierabend sich vor- nehmen wolle, und bann werben wir alle diese Wünsche in eine Form fügen unb organisieren. Auf biese Weise werbe ein großzügiges Feierabenbwerk entstehen, das wohl die sozialste Errungenschaft dieses Jahrhunderts für ben deutschen Arbeiter sein werde. In dieses Feierabendwerk gehöre auch die Jugend der Deutschen Arbeitsfront hinein. Nur noch der deutsche Gruß bei der preußischen Polizei. Berlin, 18. Sept. (WTB.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat ber preußische Ministerpräsident Göring in seiner Eigenschaft als Minister bes Innern einen neuen Runderlaß über Grußbestimmungen für bie Polizei an alle Polizeibehörben gerichtet. Danach haben künftig abweichenb von ben bisherigen Bestimmungen, bie Beamten ber Schutzpolizei, ber ßanbjägerei unb ber kommunalen Polizei, auch mit Kopfbebe ck u n g, in unb außer Dem Dien ft den deutschen Gruß anzuwenden. Aushebung emes staatsfeindlichen intellektuellen Nestes. Berlin, 19. Sept. (CNB. Funkspruch.) Wie der „Zeitungsdienst" meldet, hatte vor kurzem die Geheime Staatspolizei auf einem einsam gelegenen Schloß in der Nähe von Heidenheim eine umfangreiche Razzia abgehalten. In Der. binbung mit biefer Maßnahme waren verschiedene Gerüchte aufgetaucht, zu deren Klarstellung nun eine Verlautbarung amtlicherseits erfolgt ist. Unter der Vorgabe, als Kurgäste auf dem Schloß zu weilen, hatte eine aus etwa 50 Damen und Herren bestehende intellektuelle Klique eine Art Jn- tellektuellenschule errichtet. Es handelt sich vornehmlich um frühere Staatsbeamte, Professoren und Angehörige höherer Adelskreise. Man wollte sich dort in aller Einsamkeit für einen geistigen Sa- botagefampf gegen den Nationalsozialismus und gegen ben Bestand des neuen Staates „schulen". Prag und die Slowaken. Konflikt zwischen Nuntius und Regierung. Prag, 18. Sept. (TU.) Zwischen bem Prager päpstlichen Nuntius unb ber Prager Regierung scheint ein ernster Konflikt auszubrechen. Der päpstliche Nuntius in Prag, Ciriaci, hat nämlich an ben Vorsitzenben ber slowakischen katholischen Volksartei, Pater H l i n f a , als Antwort auf bas Begrüßungsschreiben folgenben Brief in lateinischer Sprache geschrieben: „Währenb man in Prag den Heiligen Vater bl- rekt ober burch bie Person seines Vertreters i n einer Weise beleihtet, bie alle Vorschriften ber internationalen Höflichkeit mißachtet, habt Ihr Slowaken ber hohen Autorität bes Heiligen Vaters gegenüber bie geziemende Ehrfurcht be- kunbet unb bafür gebührt Dir, Hlinka, unb ben Deinen ßob. Ich banke Dir und den Deinen auch dafür, daß Ihr dem päpstlichen Nuntius, ber nur aus Gehorsam bem Heiligen Vater gegenüber in Prag leben muß, Trost in feinem bitteren Kummer gebracht habt. Das werbe ich Euch nie vergessen. Die eble slowakische Nation wirb mir immer in Erinnerung bleiben." Das Dr. Benesch nahestehenbe tschechisch-nationalistische Blatt „ßibove Noviny" nennt ben Brief einegänzlichunzulässigeKundgebung gegen Prag unb auch gegen bie Regierung. Keinem Vertreter einer fremben Macht in Prag könne es erlaubt werben, bie Regierung öffentlich ber Mißachtung internationaler Vorschriften zu zeihen. Kein Vertreter einer internationalen Macht bürfe sich öffentlich beschweren, baß er nur aus Gehorsam in Prag zu leben gezwungen ist. Das Blatt nennt bas Schreiben einen taktlosen unb unzulässigen Eingriff in inner- politische Fragen „burch bie augenfällige Unterstreichung einer angeblich felbftänbig bestehen» ben slowakischen Nation, abressiert an ben angeblichen Vertreter dieser Nation, Pater Hlinka, ber erst vor kurzem unsere Regierung in Neutra geschmäht hat". Das Kabinett hat sich in einer außerordentlichen Ministerratssitzung mit bem offenen Brief besaßt. Das Kabinett hat beschlossen, ben H1. Stuhl zu ersuchen, Msgr. Ciriaci zur Berichterstattung nach bem Vatikan zu berufen. Kleine politische Nachrichten. Am heutigen Dienstag, 19. b. Mt., von 20 bis 20.10 Uhr, fenbet ber Deutschlanbsenber einen Vortrag bes Generalleutnants a. D. von Metzsch zum Thema „Ist Gens eine Gefahr?" Der Vortrag geht über alle beutschen Sender, zum Teil direkt, zum Teil auf Wachsplatten. * Im Rahmen der Bekämpfung des Bettlerunwesens fand am Montag i m ganzen Reich eine Aktion statt, bie von ber Polizei, ber SA. unb SS. unb ben Wohlfahrtsbehörden durchgeführt wurde. Stabschef Röhm unb ber Reichsstatthalter in Bayern, General Ritter o. Epp, trafen in Königsberg ein. Nach einer Begrüßung durch bie Führer ber ostpreußischen SA. unb SS. begaben sich Röhm unb Epp, in beren Begleitung sich u. a. bie Obergruppenführer Krüger unb Schreyer von ber Obersten SA.-Führung befanden, nach P illau zum Besuch der Ostseeflotte. 9enb = n bie 2 b?n r!u» ft o^u/ch. 5,U9cno im lbetÖ?rQÜet tea*; ■ (SiSi) "a $r.e „^r 366 .<*»£'SjERfc B»Ss M-KZ äsytek ®Qlt anwenden 2^^°^"- werben jedem Wl-AZ t, nbtotH ®’n, flrofe. WJJ Sahrhun. FE gehör, qu a v werde. .% ^frönt h>nn?b'^uge nd Ätsche ßruU«), «ft Bl, ®’b‘lr a*6» -'Üt? s für hie $ötiJUnb,,l,i »et m ale WÄä? “*• >«« staaisseindllchm tuetten bestes. fteffi’ ^"1?-uch.>Ue h„ wer, hotte vor kurzem hieße. '? ’3e* M einem eiirjam ar. JXr/°-h?!n j)eiben- 57a«,a NW. Zn Ser. Maßnahme waren verjchie-ene -ruderen Klarstellung nun eine "chersetts erfolgt ift Unter btt guste aus dem Tchloß zu wei- etwa 50 Damen und Herren be- tuelle filique eine Art Zn- lichiet. Es handelt stch vornehm- mtsbeamte, Prosessoren und An« ldelskreise. Man wollte sich dort für einen geistigen Sogegen den National- ib gegen den Bestand des neuen Oie (Sfowafcn. Nuntius und NMnmtz. Ms ?>roWn dern W' und btt Prag« Regierung tvnM nuszubrechen. Der päpst- Prag, Liriaci, Hot nämlich en der slowakischen katholischen hlinka, als Antwort aus dos ?n folgenden Brief in lateinischer "in Prag den heiligen Baker bi- iie Person seines Vertreters in eleidigt, die alle Vorschriften n Höflichkeit mißachtet, habt Zhr en Autorität des Heiligen Vaters eziemende Ehrfurcht b. ,'fl.SS'ti.S SSW-- .UM an zu lass'S “e ^rung. und auch gegen d einer fremben g öerben'.-6iefl(« 9$Sri^ f internQtT^ freier einer mtem u, Ä« » ■ ‘\äfd u-«w5 ä g" «*’**■■ ft «'n “‘Ä* “ “ iil auf 1*. ,„«.«• * i® ^l-r Sesuch Landnöten. Die Mitteilungen über die gestrige englisch- franzöjische Vorkonferenz über tue 21b- rüftungs|rage lassen erkennen, daß in der Hauptsache die sranzösischen Vertreter gesprochen und ihre Forderungen mit der ganzen ^Nachgiebigkeit, die in den letzten Tagen in der französischen Presse sestzu- stellen mar, vorgetragen haben. Die englischen Der- tretet konnten nach Lage der Dinge darauf nicht eingehen! sie beschrankten sich auf das Zuhoren und werden nunmehr ihrer Regierung Bericht erstatten. Insbesondere scheinen sie entschieden abgelehnt zu haben sich auf das berüchtigte französische Geheimdokument über die deutschen Rüstungen einzulassen. Die offizielle französische Stimmungsmache, die in dieser Hinsicht betrieben wird, findet weder bei England noch bei Amerika noch bei den meisten anderen Mächten Anklang, weil, abgesehen von ihrer tatsäch- lichen Unhaltbarkeit, die Tendenz der A b l e n k u n g von den eigentlichen Abrüstungsfragen zu offenkundig ist. Der Optimismus, der in der französischen Presse hinsichtlich der Absichten des französischen Programms heute zur Schau getragen wird, ist durch die Ereignisse nicht gerechtfertigt: die Idee einer internationalen Rüstungskontrolle ist von allen maß. gebenden Mächten, auch von Deutschland, angenommen worden. Die entscheidende Fraae, in der sich der englische und der französische Standpunkt nach wie vor unvermittelt gegenüberstehen, sind di e Dor- aussetzungenundderCharakterdieser Kontrolle. Die französischen Forderungen haben etwas ausgesprochen Aggressives: die Kontrolle soll einseitig, d. h. gegen Deutschlandgerichtet, und automatisch, d. h. vom Willen Frankreichs abhängig sein. Darüber hinaus werden in der französischen Presse politische Forderungen angedeutet, die diese Tendenz unterstreichen: Frankreich will für eine eventuelle Aktion gegen die „Verletzung der entmilitarisierten Zone" freie Hand haben und nicht an das Einverständnis der anderen Unterzeichner des Locarnopaktes aebunden [ein. Das ist der Kern der Sanktionsfrage, die im Zusammenhang mit der Kontrolle wieder aufgelebt ist. So führt die französische Auslegung der an sich nur eine technische Angelegenheit bildenden Kontrollfrage zwangsläufig zu den tiefgehenden Gegensätzen zuruck, die seit Schaffung des Dölkerbundspaktes zwischen dem fron- zöfischen und dem angelsächsischen System der internationalen Politik bestehen. In den Rahmen des Kampfe» gegen die Arbeits- lofiakeit ist von der Regierung auch mit Recht das rücksichtslose Vorgehen gegen das Be11elUnwesen einbezogen worden. Außerordentlich viel ist schon erreicht, zumal in den Großstädten haben sich die fragwürdigen Gestalten, die zu Tausenden von Tür zu Tür zogen, um an die Tränendrüsen zu appellieren, stark gelichtet, seit die Polizei Eingriff und ihnen mit dem Arbeitsdienst drohte. Aber ganz ist die Plage noch nicht verschwunden, und es soll jetzt die Ausgabe der nächsten Tage sein, der Bevölkerung zu zeigen, daß sie eigentlich niemanden nützt, wenn sie wahllos gibt. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit trifft sie dabet häufig den Falschen, trifft sie nicht Unglückliche, denen mit einer Gabe wirklich gedient ist, sondern berufsmäßige Schnorrer, die aus dem Mitleid ein Geschäft machen und nicht schlecht dabei leben. Es gibt tatsächlich so etwas wie eine Btttlerindustrie, die aus den milden Gaben erhebliche Beträge absaugt, Beträge, die sehr viel nützlicher angewandt werden können. Wer sich auf sein Handwerk versteht, kann auf eine Betteleinnahme von zehn bis zwanzig Mark pro Tag kommen, und allein in Hamburg hat die Polizei geschätzt, daß fast eine Million jährlich völlig unkontrolliert an Bittsteller gegeben wird. Ganz abgesehen von den in der Masse doch sehr erheblichen Werten, die in Lebensrnitteln und alten Kleidern verteilt werden, die unter einer vernünftigen Organisation aber sehr viel mehr Nutzen stisten können. Wer geben will, der findet dazu reichlich Gelegenheit. Aber er soll nicht unüberlegt geben, am besten an Organisationen, die dafür sorgen, daß jeder Pfennig an die rechte Stelle kommt. • Der Sonntag stand in Berlin im Zeichen der Dersöhnungsfeiern der Gläubigen mit dem nationalsozialistischen Staat. Anläßlich der Ratifizie - r u n g des Reichskonkordats fand in der kathottschen Sankt-Hedwigs-Kathedrale ein feierlicher Dankgottesdienst statt, zu dem die katholischen Verbände der Reichshauptstadt unter Vorantritt ihrer Fahnenabordnungen in geschlossenem Aufmarsch vom Lustgarten nach der Kathedrale zogen, wo sie auf dem Kaiser-Franz-Joseph-Platz Aufstellung nahmen. Domprediger Pater Marianus Detter hob in der Festrede hervor, daß das Konkordat den deutschen Katholiken ein Unterpfand lebendiger Begegnung von Staat und Kirche gebe. Das Konkordat sei kein Kompromiß, sondern ein Werk der einträchtigen Zusammenarbeit am Wohle unseres deutschen Volkes. Der Staat bekenne sich als Garant der christlichen Mission der Kirche und die Kirche bekenne sich zum Einsatz ihrer Heils- träfte in den Dienst der Volksgemeinschaft. Dieser Freundschaftsbund zwischen Kirche und Staat stehe zwar in seiner Auswirkung erst am Anfang, doch bleibe auch hier in der Wirklichkeit das Wort des Kanzlers vorbildlich: ,Hch sehe den Dom, nicht den unbehauenen Stein!" Ein Dankgottesdienst der Evangelischen fand in der alten Parochialkirche statt, die nunmehr 230 Jahre lang mit der Geschichte der Reichshauptstadt verbunden ist. Der Festprediger kennzeichnete die Entwicklung in Deutschland feit dem 30. Januar als eine Wendung durch Gottes Fügung. Nach Beendigung des Gottesdienstes klangen bei einem Glockenspielkonzert zum erstenmal die Klänge des Deutschland-Liedes und des Horst- Wessel-Liedes vom Turm der Parochialkirche. Der Reichsausschuß des deutschen Luther- t a g e s veranstaltete eine Morgenfeier, auf der nähere Mitteilungen über die bevorstehenden Luther- feiern gemacht wurden. Der 10. November werde zum kirchlichen, vielleicht auch zum gesetzlichen Feiertag erklärt werden. Das Reichspostmini- fterium beabsichtigt, Luther-Briefmarken und -Postkarten herauszugeben, während das Reichsfinanzministerium einen Luthertaler prägen will. In Kirchen und Schulen wird man Martin Luthers gc- denken und abends wird in besonderen Veranstaltungen in Wort und Ton der Schöpfer der neuhochdeutschen Schriftsprache und der Wegbereiter zur deutschen Einheit gebührend gefeiert werden. In Berlin werden alle Gemeinden unter Dorantritt der Geistlichen zum Lustgarten ziehen, wo San- desbifchos Ludwig Müller, Bischof Hoffen- selber und Kultusminister Rust Ansprachen Hal- len werden. Der offizielle Festakt unter Beteiligung von Reich und Staat findet am Nachmittag statt. Hier wird Reichsinnenminister Dr. Frick sprechen. Der große Festgottesdienst mit der Festpredigt des tfaeftmann betriebe» in Altorn-Bahrenfeld necl Ö Die Cigaretten methoden. die MW Landesbischofs, der in der Kaiser-Wilhelrn-Gedächt- niskirche stattfindet, wird durch Rundfunk übertragen. Auch Bühnen- und Filmtheater werden durch Aufführung geeigneter Werke der Persönlichkeit Luthers gedenken. Die Schirmherrschaft der Luther- feiern haben Reichspräsident von Hindenburg und Landesbischof Müller übernommen. Dem Ehrenpräsidium gehören an Ministerpräsident Göring und die Reichsminister Dr. Frick, Freiherr v. Neurath, Seldte und Generaloberst von Blomberg. Oie antiamerikanische Stimmung in Kuba wächst. Havanna, 18. Sept. (WTB., Reuter.) Auf Kuba waren am Sonntag folgende bemerkenswerte Ereignisse zu verzeichnen: Erklärung des Generalstreiks in Mazanille, Auflösung aller politischen Parteien, Gewährung des Frauenstimmrechts durch einen Regierungserlaß, gemeinsame Konferenz sämtlicher politischen Führer, starke kommuni st ische Propaganda gegen die Vereinigten Staaten. Die Besorgnisse in Washington haben sich nicht vermindert, die Vereinigten Staaten bereiten sich weiter darauf vor, Truppen nach Kuba zu entsenden, um, wenn nötig, das Leben und Eigentum der dort ansässigen Amerikaner schützen zu können. Aus aller Well. Revolveronschlag auf einen SA.-Truppführer. In Wanne-Eickel (Westfalen) wurde von einem unbekannten Täter ein Revolverschuß aus einen SA.-Truppführer abgefeuert, der den Trupp- ührer in den Oberschenkel traf. Der Verletzte, der ich in Begleitung von zwei SA -Männern befand, ch o ß nach dem fliehenden Täter. Im Verlauf der ofort angefteüten Ermittlungen wurden bisher 25 Mitglieder der KPD. und ihrer Nebenorganisatio- nen in Schutzhaft genommen, die als Täter bzw. Mitwisser in Frage kommen. Die Verletzungen des SA.-Truppführers sind glücklicherweise nicht lebensgefährlich. Der Verwundete wurde dem Krankenhaus zugeführt. Großer Gemäldediebstahl in Berlin. Aus dem Antiquitätengeschäft von Goldschmidt & Eo. in Berlin hat der 40jährige Hausdiener Karl Manchen Oelgemälde, Teppiche usw. im Wert von etwa 70 000 Mark gestohlen. Manchen hat die Gemälde sachgemäß aus ihren Rahmen gelöst und, um die Entdeckung seiner Tat möglichst hinauszuzögern, die Verriegelung der Tür- jalousie nach dem Verlassen des Geschäftes mit seiner Beute gewaltsam zerstört. Er ist seitdem mit seiner Frau und seinem einjährigen Kinde verschwunden. Er hat sich wahrscheinlich nach Holland begeben. Es handelt sich bei den gestohlenen Gemälden u. a. um vier Bilder von Liebermann, zwei von Corinth, einen Renoir, einen Ouarbi, einen Terborch, einen Cezanne, zwei Pissaro und einen Slevogt. Schreckensszenen an Bord der „Malmö". Der Kapitän des in Derefunb vor der Malmöer Hafeneinfahrt gerammten dänischen Dampfers „Malmö", Kastrup-Olsen, hat ausgesagt, daß der (bereits gemeldete) Unfall auf die allzuschwa- chen Lichter des norwegischen Fahrzeuges zurückzuführen sei. Augenzeugen berichten, daß unter den Fahrgästen sofort eine ungeheure Panik ausbrach. Alles drängte an Deck: Frauen versuchten schreiend über Bord zu springen. Besonders grauenhaft war das Bild im Speisesaal 1. Klasse, wo die Fahrgäste grabe bas Mittagessen einnahmen. Wenige Sckun- ben nach dem Zusammenstoß lag nur noch ein wirrer Haufen von zerbrochenen Möbeln, zersplittertem Glas, blutenden Menschen und Speiseresten am Boden. Ein Fahrgast wurde durch die große Glasscheibe in den Dorraum geschleudert. Don Furcht und Schmerz völlig verwirrt schrien die Menschen wie wahnsinnig. Auch als der Dampfer schon am Kai anlegte, versuchten noch einzelne sich über Bord zu werfen. Die Reederei teilt mit, daß sich von den insgesamt 60 Verletzten nur noch 11 mit Knochenbrüchen und Gehirnerschutte- rungen im Krankenhaus befinden. Bei keinem besteht Lebensgefahr, doch befürchtet man, daß ein als vermißt gemeldeter Student beim Zusammenstoß über Bord gefallen und ertrunken ist. Ein trauriges Schicksal. Besonders schwer hat das Schicksal die Ehefrau des bekanntlich in Solingen tödlich verunglückten SA.-Reservemannes Böhm heimgesucht. Die Frau hatte bei dem Unglück auch ihren 14jährigen Sohn verloren. Jetzt ft a r b ihr noch die Tochter an einer tückischen Krankheit, so daß die Frau innerhalb einer Woche Mann, Sohn und Tochter verloren hat. Die Frau, die seelisch vollkommen zusammengebrochen ist, wurde in einem Krankenhause untergebracht. Internationaler Propagandakongreh in Rom. Der in feierlicher Form auf dem Kapitol in Rom eröffnete Internationale Propaganda- Kongreß hat seine Arbeiten mit einem Gedankenaustausch über die staatliche Propaganda begonnen. In der Diskussion wurde besonders daraus hingewiesen, baß die deutsche Regierung die erste gewesen sei, die der Propaganda mit der Einsetzung des Reichsministers für Propaganda in der Person von Dr. Goebbels einen offiziellen Platz zu- geroiefen habe. Die Kongreßteilnehmer sind vom Papst empfangen worden. Die Arbeiten des Kongresses werden in Mailand fortgesetzt werden. Rückkehr der Kachschen Grönland-Expedition. Acht Mitglieder der großen Kochschen Grönland-Expedition sind in Kopenhagen eingetroffen. Der Hauptteil der Expedition mit Dr. Lauge Koch an der Spitze wird erst in der nächsten Woche zurückkehren. Einige Forscher sprechen sich über die Ergebnisse ihrer Arbeit aus. So berichtete der schwedische Forscher Backlund u. a., daß die oftgrön- ländrschep Gebirgsformationen viel jünger seien, als man bisher angenommen habe. Eine Reihe von Theorien werde dadurch umgeworfen, und man könne mit einem weit größeren Mineralreichtum rechnen. Der Geologe Dr. Eklund habe recht starke Goldvorkommen in Schwefelkies gefunden, doch sei es die Frage, ob sich die Ausbeute bezahlt machen werde. Belästigung englischer Schulkinder durch belgische Grenzbeamte. Ueber die Belästigung einer aus englischen Schulkindern bestehenden Reisegesellschaft durch belgische Beamte beim Ueberfdjreiten der deutsch-belgischen Grenze finden sich in der Londoner Sonntagspreffe ausführliche Berichte. Die englischen Schüler, die aus Deutschland zurückkehrten, wo sie eine Reihe englischer Klassiker-Schauspiele aufge- führt hatten, seien in Herbesthal aus dem Zuge beordert und gezwungen worden, nach Deutschland zurückzukehren, weil vier der Knaben kleine H a - kenkreuzabzeichen trugen, die in Belgien verboten sind. Die belgischen Beamten sollen dabei zwei der Jungen durch Stöße aus dem Schlaf geweckt haben. Das Gepäck sei einer äußerst gründlichen Durchsuchung unterzogen und alle Bücher und Hefte, die auf die nationalsozialistische Bewegung Bezug hatten, seien beschlagnahmt worden. Mrbelsturm über USA. — 200 Todesopfer. Bei einem Wirbel st urm, der am Samstag über die mexikanische Küste hinwegging, fanden insgesamt gegen 2 0 0 Personen den Tod. Der Santiago-Fluß durchbrach bei San Luis Po- stosi seine Dämme und überschwemmte das Land. Hier kamen 80 bis 100 Menschen in den Fluten um. In anderen Teilen des Landes wurden mehr als 90 Personen getötet. In Lapentilla, einer Dorstandt von Tampico, erlitten über 150 Personen Verletzungen. * Der Wirbelsturm, der, vom mexikanischen Golf kommend, an der Atlantischen Küste der Bereinigten Staaten, wie bereits gemeldet, große Verheerungen angerichtet hat, ist auch in Nordkarolina aufgetreten. Dort sind 15 Menschen getötet worden. Zahlreiche Personen werden vermißt. Diel- Hunderte von Einwohnern sind obdachlos. Der an- gerichtete Schaden geht in die Millionen. Konzentrationslager in Spanien zur Bekämpfung der Bettelei. In Spanien ist ein Gesetz zur Bekämpfung der Bettler, Landstreicher und anderer Uebeb toter veröffentlicht worden. Landstreicher, Kuppler, gewohnheitsmäßige Trinker, Rauschgiftsüchtige, Spieler usw. können für gemeingefährlich erklärt werden. Auch Personen, die Kindern unter vierzehn Jahren ober gewohnheitsmäßigen Trinkern alkoholische Getränke verabfolgen, die ihren Namen falsch angeben, Ausländer, die dem Ausweisbefehl nicht Folge leisten, sowie Menschen mit einem Hang zum Verbrechen und rückfällige Verbrecher werden von dem Gesetz erfaßt. Als Sicherheitsmaßnahmen des Staates gegen diese Personen kann von den Gerichten unter anderem angeordnet werden: Ausweisung, zwangsweise Unterbringung im Arbeitshaus, in einer Siedlungskolonie, in einem Konzentrationslager (establecimiento de custodia) ober in einer Heilanstalt. Erdbebenkatastrophe in China. — 5000 Tote. Verspätet in London eingetroffene Meldungen besagen, daß im Tal des Min-Flusses zwischen Sung und Mau im nördlichen Szetschwan durch Erdbeben, die sich zwischen dem 23. und 31. August ereignet haben, 5 0 0 0 Chinesen ums Leben gekommen sind. Die fragliche Strecke an dem Fluß ist 160 Kilometer lang. Ein Ort wurde vollkommen zerstört. Seine 1000 Einwohner wurden lebendig begraben. Die Stadt Tating wurde von einer Lawine von Steinen zerstört. Infolge Vernichtung der Verbindungen ist das volle Ausmaß der Katastrophe noch nicht festzustellen. Eine Motte verursacht eine Explosion. Ein eigenartiger Unfall ereignete sich dieser Tage in Chalons an der Saöne. Ein dortiger Landwirt war beim Schein einer Petroleumlampe damit beschäftigt, Iagdpatronen zu füllen, als eine Motte ins Zimmer flog und über dem Zylinder der Lampe kreiste. Plötzlich verbrannte sie sich die Flügel und fiel gerade auf bas Pulver, bas der Landwirt vor sich liegen hatte. Es erfolgte eine Explosion, und bas zweijährige Töchterchen des Jägers erlitt fo schwere Brandwunden, daß es in hoffnungslosem Zustand in ein Krankenhaus übergeführt werden mußte. Schwerer Geldschrankeinbruch in Berlin. Bei einem Berliner Schankwirt in der Kreuz- straße wurde ein schwerer Einbruch verübt. Die Täter drückten ein Fenster ein und gelangten so in die Wohnung. Dort knabberten sie das Schloß des Geldschrankes heraus und entnahmen daraus für 1 2 7 0 0 Mark Bargeld sowie Silber- und Goldsachen und Schmuckgegenstände. Iticttcrvuraueiiaße. , Ein Ausläufer des ozeanischen Tiefs ist bis nach West- und Süddeutfchland vorgedrungen und hat unter Zufuhr warmer Luft Nieedrschlagstätigkeit eingeleitet. Da sich über Skandinavien hoher Druck aufgebaut, wehen in Deutschland, bedingt durch die Südseite des Hochs, vorwiegend östliche Winde. Im Grenzbereich zwischen verhältnismäßig kalter kontinentaler und der warmen Ozeanluft entsteht bei uns noch Bewölkung, wobei es vereinzelt auch zu leichten Ni^erschlägen kommen dürfte. Voraussichtlich roirt) sich aber das skandinavische Hoch weiter südlich ausbreiten und die westliche Störungs- tätigfeit von dem Festland fernhalten. Aussichten für Mittwoch: Neblig und wolkig mit Aufheiterung, etwas kühler, vereinzelt noch leichte Niederschläge. Aussichten für Donnerstag: Weiterhin dunstig und wolkig mit Aufheiterung, meist trocken, Temperaturen wenig verändert. Lufttemperaturen am 18. September: mittags 22,4 Grad Celsius, abends 16,6 Grad: am 19. September: morgens 13,2 Grad. Maximum 22,4 Grad, Minimum 7,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. September: abends 17,7 Grad; am 19. September: morgens 15,2 Grab Celsius. — Sonnenscheindauer 5% Stunden, Ein Lied vom Glück. Vornan von Anny von panhuys. 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Sie schloß: „Nun, wissen Sie Bescheid, Fräulein- chens, und nun sorge ich für Essen. Das Wetter scheint sich mit dem letzten großen Schlag ausgetobt j» haben. Kommen Sie! Ich bringe Sie in Ihre Zimmer." Es ging eine Treppe hinauf in einen seitlich abbiegenden Gang. Zwei Zimmer, die einander gegenüberlagen, wurden aufgeschlossen. Helle und Sauberkeit empfing die beiden Mädchen; sie sahen hübsche alte Möbel und gute Teppiche. Hier ließe es sich gut leben!, stellte Olga Zabrow fest; aber sie schauderte zusammen, als sie an vorhin dachte. Aucy Marlene Werner stellte fest: Hier läßt es sich leben. Aber der arme Geächtete tat ihr leid. Sie hatte ihn zum ersten Male im Leben gesehen; doch sie empfand es wie eine starke Gewißheit: er war unschuldig. Beide hängten ihre Ueberkleider in die Schränke und öffneten ihre Koffer; dann warteten sie auf das AGendbroü Stand ihr Einzug auf Schloß Malt- stein auch unter einem bösen Stern? Hatte ihre Jugend doch Hunger, und der drängte sich vor, siegte über Schreck und Schauder? Es klopfte bei Olga Zabrow an. Ein sehr sauber gekleidetes Mädchen brachte das Abendessen, deckte schnell und gewandt den Tisch, ging dann mit dem noch halb besetzten großen Tablett hinüber zu Marlene Werner. Die saß am Fenster und starrte in "bas Dunkel hinaus, das noch ab und zu von einem Blitz aufgescheucht wurde und sich in jähe Helle verwandelte. Sie fuhr beim Klopfen hoch und lächelte dann darüber. So schreckhaft war sie heute! Sonst lag ihr das eigentlich fern. Das Mädchen deckte, nachdem es höflich gegrüßt, auch hier den Tisch, und Marlene dachte: Was für gute Dinge gab es doch in Schloß Maltstein! Wie schade, daß sie dem Vater nichts davon zukommen lassen konnte! Das Mädchen ging, und Marlene naym am Tisch Platz. Es schmeckte ihr. Sie hatte außer einer Tasse Kaffee und einem Brötchen am Morgen nichts genossen. Plötzlich klopfte es, und ohne das Herein abzuwarten, trat Olga Zabrow ein. Sie fragte: „Wäre es nicht netter, Fräulein Werner, wenn wir zu- fammtn ätzen? Im fremden Haufe, noch dazu in einem, wo man gleich so viel erlebt, ist's ungemütlich, allein am Tisch zu sitzen. Wir sind nun mal dis morgen Leidensgefährten." Marlene nickte: „Ich bin einverstanden mit dem Zusammenessen, natürlich — sehr gern sogar!" Sie setzte hinzu: „An einem so reich besetzten Tisch habe ich noch nie gesessen." Sie trugen beide alles von Olgas Zimmer in das dsrlene« und ließen es sich schmecken. Beim Essen plauderten sie über die Vergangenheit und wurden warm dabei. Olga Zabrow erklärte: „Meine Vergangenheit war gut, solange meine Estern lebten; bei meinen Verwandten dagegen befand ich mich in der Hölle. Sie können sich nicht oorftellen, wie ich auf mein Mündigwerden gewartet habe. Ich hatte nur die eine Sehnsucht: fort aus dem Hause der gegen mich so geizigen Quäler. Sie selbst leben bequem und reichlich gut. Ich war Mädchen für alles dort, die Abladeftelle für ihre schlechten Launen." Marlene sagte weich: „Ich hatte es immer gut bisher. Mutter starb aber zu früh, und Vater war einfacher Bahnbeamter. Er ist jetzt pensioniert. Er schickte mich in eine gute Schule und tat viel für mich. Ich studierte in dem nahen Berlin Musik, wollte Sängerin werden; doch das alles ist so aussichtslos jetzt. Ich dachte an Unterrichterteilen, aber die wenigen Schüler, die ich in unserem Städtchen fand, wollten mir nur fünf Mark im ganzen Monat bezahlen, und Vater bekam immer Kopfweh, wenn sie auf unserem Klavier herumhämmerten. Da las ich das Inserat der Frau von Malten und meldete mich. Ich dachte, als ich den Brief von ihr erhielt, zunächst könnte ich dem Vater noch etwas von meinem Gehalt abgeben, wahrscheinlich wäre es mir sogar möglich, ein wenig zu sparen. Vater müßte sich pflegen, er ist kränklich. Meine Musik würde ich auch etwas betreiben dürfen, und nach ein paar Jahren könnte ich bann weiter sehen. Vater und ich wären auf diese Weise aus dem kleinlichen, engen Sorgenkreis herausgekommen." Marlene seufzte. Olga, die eben ein reich belegtes Schinkenbrötchen zurechtschnitt, seufzte auch. „Ihre Wünsche werden wohl in Erfüllung gehen. Diese so männlich wirkende Roberta Dlbers äußerte ja, so viel sie wisse, rechne die gnädige Frau nur mit dem Eintreffen von Marlene Werner. So heißen Sie. Folglich werde ich morgen wieder fort müssen." Gabel und Messer klirrten auf dem Tellerrand. „Zu meinen Verwandten gehe ich nicht zurück — Geld habe ich nicht, also ..." Sie brach ab. „Verzeihen Sie, Fräulein Werner, daß ich mich eben vergaß. Sie können wirklich nichts dafür, daß ich von uns beiden der Pechvogel bin." In Marlenes großen Augen spiegelte sich Teilnahme. „Welche Angst Sie vor Ihren Verwandten haben! Trotzdem! Wenn diese Frau Dlbers auch eine ähnliche Bemerkung machte, bedeutet das doch gar nichts. Sie kann sich geirrt haben. Anscheinend haben doch unsere Bilder, unsere Briefe Frau von Malten gefallen. Erst schrieb sie an die eine von uns, dann an die andere, und weil sie später den einen Brief zu vernichten vergaß, wurden beide dem Briefträger mitgegeben, wie wir hörten. Es ist gut möglich, Sie gefallen morgen vormittag Frau von Malten besser als ich. Dann wird sich eben Ihr Wunsch erfüllen. Am besten ist's, wir denken jetzt gar nicht an morgen; wir essen, gehen schlafen und träumen etwas Schönes." Die Baronesse nichte. „Natürlich, Sie haben recht. Im übrigen wird sich ja auch für mich irgendein Plätzchen auf der Welt finden. Man behauptet, ich sei sehr hübsch. Vielleicht erbarmt sich einer ... Aber natürlich, wenn man einen haben will, findet sich keiner." „Machen Sie sich's nicht zu schwer!" wehrte Marlene den Ton von Galgenhumor ab, indem sich die andere jetzt gefiel. „Essen Sie, und trinken Sie vor allem ein Glas von dem wundervollen Südwein dazu. Feiern wir ein kleines Fest, und vergessen wir das Unangenehme." Sie mußte unwillkürlich denken: Olga Zabrow ist hübsch — nein, eigentlich schön; sie kam sich neben ihr fast häßlich vor. Und sie war es doch nicht. Nur fiel ihr Aeußeres nicht gleich auf wie das Olgas. Sie aßen und tranken und wurden fast heiter. Einmal lachten sie beide laut auf, erschraken dann über ihr Lachen und blickten einander an. Man durfte doch sicher nicht so laut lachen in einem Hause, darin das Unglück wohnte. Sie verfielen nun unwillkürlich in einen Flüsterton. Olga Zabrow sagte: „Mir wurde heiß und kalt vor Grauen, als Herr von Malten ins Zimmer stürzte und zu Füßen seiner Mutter in die Knie sank." Marlene erwiderte: „Viel anders war mir dabei auch nicht zumute, aber ich fühlte zugleich unsägliches Mitleid für ihn und seine Mutter." Die Rotblonde meinte nachdenklich: „Wenn er wirklich unschuldig ist, muß man ihn sehr bemitleiden. Aber schließlich, so peinlich es ist, daß seine Unschuld nicht erwiesen wurde, erhielt er doch die Freiheit. Ich an seiner Stelle bliebe nicht hier, wo jeder ihn kennt; ich reifte durch die Welt, machte mich in einem anderen Lande ansässig." „Man gibt eine Heimat wie Maltstein wohl niet-' so leicht für immer auf, und viele Menschen scheuen vor dem Leben in der Fremde zurück." Olga Zabrow erklärte: „Mir wäre jede Fremde recht." Marlene schüttelte energisch mit dem Kopfe. „Einmal weit hinaus in die Fremde möchte ich auch, aber ständig in fremdem Lande leben — nein, das möchte ich nicht. Und Herr von Malten denkt wahrscheinlich ähnlich." Sie schwiegen beide und aßen ab und zu noch einen Bissen. Eigentlich waren sie satt; aber die Delikatessen reizten immer wieder, davon einen Happen zu nehmen. Es war jetzt draußen totenstill. Der Regen hatte aufgehört, der Sturm sich gelegt und das Gewitter sich völlig ausgetobt. Das tiefe Schweigen spann die beiden, die sich gestern noch gar nicht gekannt, ein wie in ein dichtes, weiches Tuch. Es war, als gäbe die schon nächtliche Ruhe ihren vorhin so erregten Herzen und Gedanken ein wenig Frieden wieder. Vor einigen Minuten hatte die kleine Wanduhr hier zehnmal geschlagen. Leise sagte Olga Zabrow: „Ich will nun in mein Zimmer gehen und dank« Ihnen für die Gastfreundschaft." Sie reichten sich die Hände, aber jäh lösten dies« sich wieder, und zwei Augenpaare tauchten erschreckt ineinander, denn ein lautes Poltern, dem ein dumpfes Krachen folgte, drang durch das Haus, erweckte neue Angstgefühle in den beiden. „Was war das?" flüsterte Marlene, und die andere wußte keine Antwort, sie konnte nur die Frage wiederholen: „Was war das?" Olga Zabrow ließ sich wieder auf ihren Stuhl fallen. Sie stöhnte: „Gütiger Himmel, der Aufenthalt hier fängt schon so an, daß ich glaube, bis morgen früh sind wir beide freiwillig und gern zur Abreise bereit, selbst wenn wir bleiben dürfen. Ich muß gestehen, meine Nerven fangen an, sich zu wehren. Unsere Ankunft hier war schon wenig ermunternd. Bei Blitz und Donner kamen wir an, bei Blitz und Donner erklärte uns das Mannweib, das uns abholte, es würde nur eine Gesellschafterin erwartet und gab uns den Rat, eine von uns sollte freiwillig wieder kehrtmachen. Sie erzählte von einem Spuk und meinte, wir würden sowieso bald wieder gehen; es hielte ja doch keine Gesellschafterin hier aus. Dann lernten wir die melancholische Frau von Malten kennen und ihren Sohn, der einen Mord begangen haben soll. Schließlich, nachdem man. sich gerade ein bißchen zur Ruhe durchgerungen hatte, lärmt es unter uns los, als ob jemand die Einrichtung eines ganzen Hauses auf einmal zerstört hätte." Sie schüttelte sich. „Ich bin bei meinen ewig nörgelnden und schimpfenden Verwandten ziemlich dickfellig geworden; aber jetzt ist mir beinah, als wäre das Leben bei ihnen vielleicht noch eher zu ertragen, als hier." Sie warf einen Seitenblick auf die halbgeleerten Teller und Schüsselchen: „Ich weiß nicht, ob gutes Essen und gutes Gehalt übet die unheimliche Stimmung weghelfen, die einen hier überkommt." Es klopfte drüben an Olgas Zimmer, gleich darauf klopfte es hier an. Olga schien wirklich schon sehr nervös, denn sie fuhr mit lautem Schrei von ihrem Stuhle auf und machte ein etwas beschäm, tes Gesicht, als auf Marlenes „Herein!" das Mädchen erschien, das vorhin das Essen gebracht. Das Zimmermädchen begann, sofort das Geschirk zusammenzuräumen, und redete dabei, als ob es gefragt worden wäre und man Antwort von ihr! begehrt hätte: „Das Fräulein von drüben hat laut aufgeschrien, als ich anklopfte. Aber in dem alten Kasten hier werden die Fräuleins immer rasch konfus, das habe ich oft erlebt. Keine Gesellschafterin bleibt, und dis Mädchen wechseln auch oft." Ihre Stimme wurde geheimnisvoll. „Das Gewitter ist vorbei, alles ist still, und mit einem Male, ohne daß ein Mensch in der Bibliothek ist, fällt dort ein großes Regal um, das von oben bis unten vollgestopft ist mit Büchern." (Fortsetzung folgt.) > Heile, Dhne langes Anrichten gute Luppen aus MAGGI8 Luppen -Würfeln Deutsche Qualitätsware • 1 Würfel für 2 Teller 1OPfg. 5753 A Im Alter von 63 Jahren. Gießen (Steinstr. 52), den 19. September 1933. 5761 D 5758 D Herr Georg Keßler 5762 D 5749 D Alters vereinigunff 1870—1920. Gießen, den 18. September 1933. 05178 5763 D Am Sonntag, dem 17. September 1933, entschlief sanft nach langem Leiden unser Packmeister Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 20: September, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. In tiefer Trauer: Käthe Best, geb. Hofmann Willi Best. Sonntagnacht 11 Uhr entschlief sanft nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Georg Keßler im Alter von 69 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Helene Keßler, geb. Noll. Gießen, Marburger Str. 23, den 17. Sept. 1933. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 21. Sept., nachm. 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Am 17. September verschied plötzlich und unerwartet unser langjähriger treuer Mitarbeiter Herr Prokurist Wilhelm Best Seine Lebensarbeit, sein ganzes Interesse galt zu jeder Zeit dem Wohl unserer Firma. Ein ehrenvolles, dankbares Andenken ist ihm gesichert. Christian Inderthal Die Angestellten und Arbeiter Gießen, den 18. September 1933. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unseren Mitgliedern das unerwartete Ableben unseres lieben treuen Altersbruders und Kassenführers Wilhelm Best bekanntzugeben. Die Vereinigung verliert mit dem leider zu früh Verschiedenen eines ihrer treuesten Mitglieder. Er war stets unermüdlich bestrebt, seine Kraft dem Wohle der Vereinigung zu widmen. Wir werden ihm, so lange wir leben, ein treues Gedenken bewahren. Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Beerdigung am Mittwoch, 14 Uhr, auf dem Neuen Friedhof. Der Vorstand. Achenbach- Garagen Am Sonntag, dem 17. September, entschlief sanft und unerwartet mein lieber Gatte, treusorgender Vater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Herr Wilhelm Best Wochenendhäuser, Schuppen,Fahrradständer, zerleg- und versetzbar mobV Gebr. Achenbach GmbH., Weidenau/Sieg Postfach 150. Illlllllllllllllllllllllllllllllllll Während seiner langjährigen Tätigkeit war der Verstorbene ein fleißiger, treuer Mitarbeiter. Wir verlieren durch seinen Tod eine große Stütze. Ein dauerndes Gedenken werden wir ihm bewahren. Stückrath & Bender Gießen. Danksagung. Für alle wohltuende Teilnahme und liebes Gedenken beim Heimgange unseres lieben Entschlafenen Karl Ruhl danken herzlich im Namen aller Trauernden: Therese Ruhl und Kinder. Für die Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen Herr Willi Kloß sagen wir unseren herzlichsten Dank. Familien Klöß und Schmidt Gießen, den 18. September 1933. _________________________________________________________5771 D Für die wohltuenden Beweise liebevoller Teilnahme, die uns beim Heimgange unseres lieben unvergeßlichen Karl Heinz zuteil wurden, sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus. Im Namen aller Hinterbliebenen: Heinrich Schraner und Frau Heuchelheim, im September 1983. _________________________________________________________5773 D + Samenbart (Genchtshaare) u.a.läst.Haarewerd. nur d.die o.mir angewandte, eins. sich. Methode unt.Gar.s. immer mit d.Wurzel schmerzlos entfernt. 12 HahrePraris.°^°" Berta Gulden Sprechstunde jeden Freitag, Gießen, Sindenburgwall 15, 9-7 Ubr durchgehend Süßer ÄMllMsl ♦ 05476 Weinstube Seibel Zwiebel gesunde, trock. Winterware, versendet ver3entncrM.4^5 mit Sack ab Station Echzell geg. Nachn. LudwigErb.Echzell (Wetterau). Reelle u.rascheBedienung. aarwuchsmittel von Hofapoth. 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Wäbern man U 5 l°5' Qis Serun9en hatte Quh?mV'e ein‘ ' ‘«'M zerstör ‘wig nöeJ>. ober jetzt W?. i>»m. ;r5y^ UM? » r-ll-1 unb S>« -LrSkL WL? •ciSä6 ben begann, sofort bas Q»Urir» unb rebele babei, als ob « te unb man Antwort von d-t m brühen Hal laut aufgeldjrien. ■Iber in bem alten Kasten hin ■«««W konsus.bashb. 2 Telel schasterin bleibt, uni fo uuch ost'" Ihre Glimme wurde i5 Gewitter ist vorbei, alles ist m Male, ohne baß ein Mensch fallt bort ein arotzes Regal r bis unten vollgestopft ist mit vrtsehung folgt.) )nHofapo^Scnaeicl f gaatrogge" o^eltoä™'1 ;cbladener - Saatwe^.pickkopf inalBre^Skopf^ Ä---L *6an,ÜSP„/Winter-wiclie" sa'iriiHa*in einl'|ChTeie.on3^ /illi Kloß zlicbsten Dank ienKlöfi und Schmidt mber 1933. 5771 d Nr. 219 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)Dienstag, 19. September 1933 Das Dollfuß-Regime in der Sackgasse. Don unserem ÄZiener K-Korrcspondenten. Wien, 18. September 1933. Ls ist unverkennbar, daß die betonte Zuversicht, die noch vor wenigen Wochen die Stimmung der Regierungskreise am Wiener Ballhausplatz kennzeichnete, einer starken Nervosität Platz gemacht hat. Die Angst vor bejn Kommenden, noch mehr aber vor dem offensichtlichen Mißtrauen, das die Regierungsmitalieder seit einiger Zeit gegen- einander hegen, haben wesentlich dazu beigelragen, daß selbst ausländische Beobachter, die bisher den Kampf der Regierung Dollfuß gegen die nationalsozialistische Bewegung positiv zu beurteilen versuchten, nunmehr ernste Zweifel hinsichtlich der Aussichten des Wiener Diktaturregimcs zu äußern beginnen. Der Bundeskanzler und sein engerer Freundeskreis mußten unter dem gebieterischen Zwang der Tatsachen ihre seltsamen Ansichten über Stärke und Dauer der Hitler-Regierung im Reich gründlich, revidieren. Die Erkenntnis aber, daß die Boraussetzungen falsch waren, unter denen man das Abgeordnetenhaus, den Bundesrat und den obersten Verfassungsgerichtshof aus- schaltete und das kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz zur allmächtigen Grundlage einer christlich-sozialen Heimwehrdiktatur machte, konnte nur mehr akademischen Wert haben; denn die Regierung Dollfuß halte sich auf ihrem verhängnisvollen Wege schon allzuweit vorgewagt. In dem Augenblick, wo man dem Nationalsozialismus mit Bajonetten und Gummiknütteln, mit Verhaftungen, Verboten und Gefängnisstrafen gegenübertrat, war es zur Umkehr zu spät geworden. Denn, und dies ist wohl das Entscheidende, aus einer innerdeutschen Frage ist inzwischen durch das Verschulden der Wiener Regierung eine außenpolitische Angelegenheit geworden und aus der Abhängigkeit vom Auslands, in die sich Herr Dollfuß bewußt durch die Inanspruchnahme ausländischer Unterstützung gegen den Nationalsozialismus und das Reich begeben hat, gibt es für diese Wiener Regierung nach menschlichem Ermessen kein Entrinnen mehr. Damit ergaben sich für die Beurteilung der österreichischen Frage wesentliche Gesichtspunkte außerhalb der rein innerpolitischen Sphäre. Ihren Niederschlag fanden diese Gesichtspunkte in den andauernden Verhandlungen zwischen den Staats- kanzleien in Rom, London und Paris, in den Reisen des ungarischen Ministerpräsidenten Gömbös nach Wien und Nom und zuletzt in der Konferenz von Riccione zwischen Dollfuß und Mussolini. Es zeigt sich, daß der Konflikt zwischen Deutschland und Oesterreich in Anbetracht der Stellung Oesterreichs im Donauraum von allen Mächten, die in der Erstarkung des deutschen Volkes in Mitteleuropa eine Gefährdung ihrer eigenen Machtinteressen erblicken, in der skrupellosesten Weise ausge- schrotet wird. Es zeigte sich aber auch, daß diese außenpolitische Unterstützung der Regierung Dollfuß in ihrem Kampfe gegen die gewaltige deutsche Volksbewegung des Nationalsozialismus keine Lösung des österreichischen Existenz- Problems und der national-völkischen Spannungen, sondern im Gegenteil eine weitere Kom» vlizierung der österreichischen und damit auch der donaulänoischen Frage bedeutet. Diese Politik auf dem Rücken des deutschen Volkes, diese Abhängigkeit der Wiener Regierung von einem nur in der Abwehr und nicht im Aufbau einigen nichtdeutschen Ausland mündet zwangsläufig in einer Sackgasse, aus der weder Sir John Simon, noch Paul-Boncour, weder Mussolini, noch Herr Benescy einen Ausweg finden werden. So gesehen kann und wird es also keine mitteleuropäische und keine donauländische Lösung geben, solange der Konflikt zwischen Wien und Berlin anbauert und solange der Nationalsozialismus als Träger der Staatsgewalt im Reiche in Oesterreich unterdrückt und verfolgt wird. Jede Verankerung Oesterreichs in einem anderen als dem deutschen Raum muß für Mitteleuropa zu verhängnisvollen Weiterungen führen. Und hier muß und wird schließlich der Wille des deutschen Volkes in Oesterreich entscheidend bleiben; denn nichts kann darüber hinwegtäuschen, daß sich in den letzten Wochen die nationalsozialistische Bewegung in Oesterreich mit Riesenschritten weiter a u 5 gebreitet hat und daß diese Entwicklung auch in der Zukunft anhalten wird. Es sind dies die natürlichen Folgen einer völlig verfehlten und psycholo- gisch falsch aufgezogenen Propaganda der „Vaterländischen Front" und jener blindwütigen Verfolgungsmethoden, die unter der Verantwortung des „Sicherheitsministers" F e y in der letzten Zeit angewandt wurden. Vor allem das Geisel- s y st e m, die Praxis, zu hunderten angesehene, unbeteiligte und nur wegen ihrer nationalen Gesinnung bekannte Bürger in der Provinz anstelle aktiver Parteimitglieder, die man nicht fassen konnte, wochenlang in die Gefängnisse zu werfen, hat die Empörung der Massen aufs höchste gesteigert. Es gehört in Oesterreich bereits zum guten Ton und ist eine nationale Ehre, im Gefängnis gesessen zu haben. Je mehr „Aktivität" die Regierung aber entfaltet, um die öffentlichen Aemter, das Heer und die Universitäten von den nationalsozialistischen Einflüssen zu säubern, desto unangenehmere Erfahrungen muß sie machen. Und nicht zuletzt sind die nahezu endlos langen Listen über Verhaftungen, Disziplinierungen, Pensionierungen und Entlassungen von Staatsbeamten, die die „vaterländischen" Blätter Tag für Tag veröffentlichen, ein schlagender Beweis dafür, daß das Volk in einem anderen Lager steht, als dies Herr Dollfuß und die Seinen wahr haben, wollen. Dies ist die Sackgasse, in der sich die gegenwärtige Wiener Regierung befindet. Es ist die Krise, die in dem Augenblick ausbrechen mußte, wo es sich um die geistige Unterhaltung eines Dik- Das Institut für Arbeitsphysiologie beschäftigt sich in erster Linie mit der Suche nach den b e ft e n Arbeitsbedingungen, denen es jedes Jahr um einen kleinen und unendlich wichtigen Schritt näher -kommt. Eine herrliche Entschuldigung für die Menschen, die gern lange schlafen und mit Vorliebe den Tag zur Nacht, die Nacht zu Tag machen, sind die Ergebnisse, die die Arbeit des geistigen Menschen an- betreffen. Endlich hat er es einmal schwarz auf weiß, daß für ihn die vielzitierten Lesebuchweisheiten „Der Schlaf vor Mitternacht ist der beste" oder auch „Morgenstunde hat Gold im Munde" nicht zutreffen. Im Durchschnitt, erklärt Professor A tz l e r, der Leiter des Instituts für Arbeitsphysiologie, ist der geistig Arbeitende in den frühen Morgenstunden weder mit Einfällen noch mit Arbeitslust gesegnet. Es ist daher höchst ungeschickt, wichtige Arbeiten oder Besprechungen in die frühen Morgenstunden zu verlegen. Nach den Studienergebnissen des Instituts ist für die meisten geistig Arbeitenden 1 0 b i s 11 d i e beste Arbeitszeit! Um diese Stunde ungefähr ist ihre Leistungsfähigkeit und ihre Arbeitslust am größten. Allerdings können sich leider auch die Folgsamsten nicht immer nach diesem Rezept richten. Wenn zum Beispiel ein Chef feiner Sekretärin morgens taturregimes handelte, das feine Kräfte gegen das Volk aus der Liebedienerei gegenüber dem Auslande zieht. Man hatte in Wien offenbar gehofft, den Allgemeinen Deutschen Katholikentag und die Türkenbefreiungsfeier zu einer Klärung der „geistigen Grundhaltung" der Regierung Dollfuß und des von ihm verkörperten Systems zu benutzen; wenn aber diese Wiener Festtage irgendeine Klärung gebracht haben, so nur die, daß man die Verlegenheit rund um die Verwirrung der Meinungen und Konzeptionen offenbaren mußte. Es gibt im deutschen, im volksmähi- gen Sinne keine idcenmäßige Erklärung und keine Entschuldigung für die gegenwärtige Wiener Negierungspolitik, es fei denn, es wären willkürliche Äonitruttionen. Freude und Zuversicht zugleich ist es, feftzuftellen, daß der Erzbischof von Wien, Kardinal Innitzer, sich auf dieser, wie Herr Dollfuß meinte, „internationalen" Feier unbeirrt auf der Volksdeutschen Linie in seinen Handlungen und Kundgebungen bewegte. Aus dieser Sackgasse heraus ergibt sich aber auch — deutlich sichtbar — die Gefahr, daß die politischen Hasardeure, die führenden Persönlichkeiten der Heimwehr, Starhemberg und Fey, ihre Stunde gekommen sehen: die letzte Chance: den Austrofaschismus legitimi st i scher Prägung zu verwirklichetl. Seit der Rückkehr des Fürsten Starhemberg aus Italien scheint diese Gefahr aktuell geworden zu sein, und was wir in den letzten Tagen in Oesterreich erleben, sind bereits die Auseinandersetzungen zwischen der christlich- sozialen Partei und den von Starhemberg und Fey vertretenen Heimwehrideen um die Macht im Staate. Die Nutznießer volksdeutscher Not beginnen sich also bereits gegenseitig zu bekämpfen, und wieder ist es bas Ausland, das hier durch die Unterstützung der einen oder anderen Gruppe die Entwicklung in Oesterreich im Sinne ihrer egoistischen Machtinteressen vorzutreiben gedenkt. Dennoch, man kann auch hier beruhigt sein: diese Auseinandersetzungen sind Beweis für die Schwäche des Regimes, sind bezeichnend dafür, daß die nackte Jnterefsenpolitik der im Solde unb im Dienste ber ausländischen Mächte stehenben volksfeindlichen Kräfte naturnotwendig in diesem Lager zu einem Kampf aller gegen alle führen muß. um neun Uhr ein schwieriges Diktat geben wollte, unb bie Sekretärin würbe ihn freunblid) barauf aufmerksam machen, baß es besser für sie beibe wäre, bis zehn zu warten, so wäre es interessant, das Gesicht des Chefs zu sehen. Andere Erfahrungen wieder lassen sich auf jedem Sportplatz und in jeder Fabrik berücksichtigen. So müssen Menschen, die in großer Hitze zu arbeiten haben — das gilt gleichzeitig für Arbeiter, Bauern und Berufssportler — ihre Ernährung nach ganz besonderen Gesichtspunkten bestimmen. Es gibt eine Reihe von Nahrungsmitteln, wie etwa das Eiweiß, durch die nicht nur die notwendige, sondern auch überflüssige Körperwärme geschaffen wirb. All solche Nahrungsmittel finb von Menschen, die bei größerer Hitze längere Zeit arbeiten müssen, möglichst zu nermelben. Man hat beobachtet, baß in solchen Fällen viel häufiger als bei Vermeibung dieser Nährmittel eine starke Erhöhung der Körpertemperatur und in manchen Fällen sogar Hitzschlag eintrat. Ebenso wichtig ist in solchen Fällen die Frage der Getränke. Der Mensch kann bei besonders großer Hitze und Anstrenaung an einem Arbeitstage mehrere Liter Schweiß absondern. Da im menschlichen Schweiß beträchtliche Mengen von Kochsalz und andern Salzen enthalten sind, geht dem Körper ein großer Teil des Salzgehaltes Zehn bis elf hat Gold im Munde. Neue Ergebnisse des Instituts für Arbeitsphysiologie. Don £. Oßwalv. Oie Märchensammler. 3u Jakob Grimms 70. Todestage. Don Robert Braun. Es scheint kein Zufall, daß zu Beginn des 19. Jahrhunderts Napoleons Stern meteorhast rasch stürzt und erlischt, daß Hölderlin in Wahnsinn endet, daß Goethe und Beethoven immer tiefer in Einsamkeit geraten: alles über die Grenzen Schweifende vergeht oder erreicht letzte einsame Höhen. Die eigentliche Gunst des Zeitgeistes aber leuchtet dem neuen Volkhaften, Heimatlichen, Innigen, das mit der Romantik heraufkommt: Brentanos und Arnims Volksliedsammlung, Runges Malkunst, Fichtes philosophische Heimatverteidigung, Friedrich Schlegels und der beiden Brüder Grimm Bemühungen um bas Mittelalter. Gerade ein Jahr vor Der Schlacht bei Leipzig, am 13. Oktober 1812, erschienen bie deutschen Kin - der- und Hausmärchen als ein Vorbote dieser gegen das Weite einer allgemein-europäischen Kultur gerichteten Welle. Der Sinn für das Wunderbare ist verbunden mit der Gabe, treu auf dem Boden der Wirklichkeit zu stehen. Nur der Mensch, der im Begrenzten Genüge findet, begreift auch das Zauberhafte. Nun ist zwar die Liebe zu Familie, Heimat, Volk allen Grimm gemeinsam — sie hangen an ihrem Geburtshaus, Der Stube ihrer Iugenchahre, den Büchern mit einer das ganze Leben erfüllenden Treue —, doch Wilhelm, ber eigentliche Herausgeber ber Märchen, scheint von Kindheit an mit Nachdruck auf Beschaulichkeit verwiesen zu werden. Eine heftige Herzkrankheit versagt dem Knaben jede Abwechslung, da sie ihn ein halbes Jahr lang zur Gefangenschaft im Zimmer verurteilt. Und auch soäter hält Häuslichkeit ihn immer in engsten Grenzen. Die beiden Brüder schlafen zuerst in einem Bett und schreiben ihre Aufgaben an einem Tisch. Und trennen sie Jahre bann, inbem jeher feinen eigenen Arbeitsort erhält, so überbacht hoch biefelbe altväterliche Zimmerbecke bie in ihre Stubien Vertieften. Selbst in Berlin, wo sie sich gegen bas Enbe ihres Lebens als längst Berühmte mit ihren Angehöri- gen nieberlaffen, scheibet sie nur eine Türe von einanber. „... immer unter einem Dach in gänzlich unangefochten unb ungestört beibehaltener Gemeinschaft unserer Habe und Bücher", bezeichnet Jakob ihr Verhältnis. Wenn einen von ihnen das Schicksal vom Hause fortführt, was beim Weiteren, da er der Tatkräftigere ist, viel öfter geschieht, bleiben sie durch einen getreuen Briefwechsel miteinander verbunden. Dann klagt etwa der Daheimgebliebene: „Ich merke deutlich, daß ich darum in letzter Zeit nicht so fleißig arbeite, weil ich allein bin, d. h. Dein Platz leer steht." Und der Auswärtige: „Wie oft, wenn ich allein bin, mach ich die Augen zu und stelle mir die Stube genau vor, jedes, auch das Geringste, wie es darin steht und wie Du auf Deinem Stuhle sitzest und arbeitest; das kann mich ordentlich bis zum Weinen rühren." Obgleich sie einander so gut finb, empfinben sie boch ihren Unterschieb unb sprechen ihn offen aus. Er wirb aUerbings schon aus ihrem Aeußeren ersichtlich. Jakob hat trotz bcs Gemüthaften ber ganzen Erscheinung etwas Kühnes, was sich in einer Adlernase, schmalen scharfen Brauen unb ben über ber steilen Stirn aufflammenben Locken tunbgibt. Ueber Wilhelms Gesicht aber liegt ein Beschauliches. Das Wort bes Brubers „Seine ganze Art war weniger gestellt auf Erfinben als auf ruhiges, sicheres in sich Ausbilden" gilt dafür. Auch die. Lebensbögen der beiden beschreiben verschiedene Bahnen. Den Aelteren treibt es, wenn auch gegen seinen Willen, weit hinaus, während dem Jüngeren stets der engere Bezirk überlassen bleibt. Schon als Zwanzigjähriger darf Jakob 1805 mit seinem Rechtslehrer Savigny nach Paris reifen. Wilhelm aber verwaltet daheim die Kasse, die zur Anschaffung der für ihre Pläne nötigen Bücher gestiftet wurde. 1814 befindet sich der Aeltere mit der vormarschierenden Armee wieder in Frankreich, 1815 im Kongreß führenden Wien. Der Bruder leitet indes in Kassel bas Hauswesen unb gibt von ber kleinen Ueberfieblung von einem Gäßchen in bas anbere ebenso genau Bescheid wie biefer von seiner großen, ben Weg ber Schlachten oerfolgenben Reise. Während ber Mannesjahre, ba beibe in Kassel Bibliothekstellen verwalten, unb ungestört ihren gelehrten Stubien leben, steht Wilhelm immer eine Spanne hinter Jakob: ber Bruder vertritt den höheren Rang, erhält ein besseres Gehalt. Auch die bekannte Protestaktion gegen den Fürsten von Hannover macht Wilhelm nur an zweiter Stelle mit. Er unterzeichnet zwar als einer der Sieben das Manifest, doch der Sturm der Ungnade trifft nur Jakob, der mit Dahlmann und (3 e minus flüchten muß. Und wenn elf Jahre später der Aeltere in die Nationalversammlung gewählt wird, so wiederholt sich nur, was stets der Fall war: Wilhelm verfolgt mit stiller Teilnahme die Ereignisse aus der Ferne und überschreitet nicht den Kreis, den Familie unb engste Freundschaft gezogen haben. Auch der Bogen feines Lebens wird überwölbt von dem weiteren des Bruders: ob er gleich ber Jüngere ist, stirbt er um vier Jahre früher. * Die Anregung zu ben Märchen war eigentlich von Arnim unb Brentano ausgegangen, bie nach „Des Knaben Wunberhorn" nun ben epischen Teil beutscher Volksbichtung ans Licht bringen wollten. Die Brüber, bie als Studenten (als sie noch in rotem, schwarzsamtig ausgeschlagenen Frack, mit Reithosen und gespornten Stiefeln herumgin- gen) die beiden Dichter im Hause Savignys kennen lernten, erboten sich zuerst, für sie zu sammeln. Dies wurde nun einige Jahre lang eifrigst ins Werk gefetzt: sie schrieben aus Büchern Verschollenes aus, wechselten darüber Briese mit Freunden und suchten endlich die auf, bei denen alles noch ursprünglich vorhanden war: die Erzähler des Volkes selber. Obgleich die Sammlung nach sechs Jahren fast in der heutigen Fassung vorlag, entschloß sich Wilhelm nicht zur Herausgabe. Er bot sie vorerst Arnim an, der sie aber als bas durch jahrelange Mühe erworbene Gut ber Brüber anerkannte unb ihnen abtrat. Es gehört zum Anmutigsten, was je über Entbeckung berühmter Werke geschrieben würbe, in Wilhelms Vorrebe von jener entscheibenben Begegnung mit Arnim zu lesen. „Er meinte, wir sollten nicht zu lange bamit zurückhalten, weil bei bem Streben nach Vollständigkeit bie Sache am Ende liegen bliebe. Es ist alles schon so reichlich und sauber geschrieben, fügte er mit gutmütiger Ironie hinzu, denn bei den kühnen, nicht sehr lesbaren Zügen seiner Hand schien er selbst nicht viel auf deutliche Schrift zu halten. Im Zimmer auf- und abgehend, las er einzelne Blätter, während ein zahmer Kanarienvogel, in zierlicher Bewegung mit den Flügeln sich im Gleichgewicht haltend, auf feinem Kopse saß, in dessen vollen Locken es ihm sehr behaglich zu sein schien." Das Buch sand die günstigste Aufnahme. Schon nach zwei Jahren mußte eine neue Auflage verleg! werden, die vieles verbessert unb bereichert enthielt. Dem glücklichen Urnftanb, baß Wilhelm bie .Kasseler Märchenfrau" kennen lernte, verdanken wir es, daß wir heute ganz Unbekanntes und Urtümliches erhalten haben. Er schreibt von ihr: „Diese Frau, noch rüstig unb nicht über fünfzig Jahre alt, heißt Viehmännin, hat ein festes angenehmes Gesicht, blickt hell unb scharf aus ben Augen unb ist wahrscheinlich in ihrer Jugend schön gewesen. Sie bewahrt diese alten Sagen fest im Gedächtnis, welche Gabe, wie sie sagte, nicht jedem verliehen sei und mancher gar nichts behalten könne, babei erzählt sie bebädjtig, sicher unb ungemein lebendig mit eigenem Wohlgefallen daran, erst verloren, und da bei starker Hitze meist kalter Kaffee, Tee ober Wasser getarnten wirb, so wird nur die Flüssigkeit ersetzt, nicht aber der verlorene Salzgehalk. Dieser Salzmangel führt dann zu großer Mattigkeit, in schweren Fällen sogar, wie man beobachtet hat, zu Krämpfen. Man könnte also unter den genannten Arbeitsbedingungen die Arbeitskraft und körperliche Frische weitaus länger erhalten, wenn man systematisch statt der salzlosen Getränke, salzhaltige, wie etwa bestimmte Mineralwasser, zu sich nehmen würde. Sehr interessante Versuche stellte das Institut über die vielumstrittene Wirkung des laufenden Bandes auf Menschen an. Professor Atzler zeigt mit seinen Untersuchungen, wie man die wirtschaftlich wertvolle Methode des laufenden Bandes beibehalten kann, ohne babei ben Menschen wie eine Maschine zu behanbeln. Er sagt: In Laboratoriumsversuchcn über Fließarbeit konnten wir zeigen, baß bann wenn bie Bandgeschwindig- feit nicht konstant war, sonbern entsprechenb der physiologischen Arbeitskurve wechselte, bie tägliche Arbeitsleistung um 10 bis 20 v. H. hoher war, und baß bie Ermübungserscheinungen trotz- bem geringer waren. Für Arbeit, bie nicht am laufenben Band geleistet wirb, hat sich eine Arbeitsuhr bewährt, bie bie Schwankungen ber Arbeitskurve automatisch anzeigt. Auf biese Weise kann ber Arbeiter jeher- zeit selbst feststellen, ob er in seinem Pensum zurück ober voran ist. So wirb oermieben, baß er, wenn er in ben ersten Stunbcn nicht so frisch ist und zurückbleibt, erst zum Schluß bemerkt, daß er sein Pensum nicht geschafft hat und nun im Hetztempo allsss aufholen will, was sowohl der Arbeit wie ihm selber schadet. Seit einiger Zeit werden auch Untersuchungen an Lehrlingen verschiedener Berufs- und Altersklassen angestellt. Hier wirb bis ins kleinste Detail bei jebem bie Entwicklung bes Körperbaues, bie Funktionsfähigkeit bes Kreislaufes unb bes Muskelopparates geprüft unb notiert. Auf diese Weise werden genau statistische Unterlagen für die Leistungsfähigkeit der Jugendlichen in den verschiedenen Altersklassen geschaffen. Man hofft, daß es nach Abschluß dieser Untersuchungen endlich möglich sein wirb, bie für Jugenbliche tragbare Arbeitsbelastung so genau wie möglich — benn inbivibuelle Abweichungen wirb es immer geben — festzustellen. Diese Untersuchungen übrigens bauern bereits brei Jahre an unb werben in ber nächsten Zeit noch nicht zum Abschluß kommen. Das ist eine lange Zeit, wenn man bebentt, wie in biefer Zeit ber Rekordgeschwindigkeiten manche Pseubowissenschaft- ler im Hanbumbrehen „wissenschaftliche" Maximen aufstellen. Aber es ist eine kurze Zeit, wenn man einrechnet, von welchem Nutzen biese Forschungen sowohl für bie gesamte Volkswirtschaft wie für (3e- sunbheit und Existenz des Einzelnen sind. Kunst und Wissenschaft. Professor Dr. Heimbergers letzte Fahrt. Der bekannte Strafrechtslehrer ber Frankfurter Universität, Professor Dr. Joseph Heim- b e r g e r würbe in Amorbach im Odenwald unter starker Anteilnahme ber Bevölkerung beigeseht. Heimberger war in Amorbach 1865 geboren; es war fein letzter Wunsch, auch in ber heimatlichen Erbe seine letzte Ruhestätte zu finben. Man führte den Gelehrten noch einmal durch die Straßen des Städtchens. Unter ben Trauergästen bemerkte man u. a. Seine Durchlaucht ben Fürsten Emich z u ßeiningen, sämtliche Dekane ber Wolfgang- Goethe-Universität, ben Lehrkörper ihrer juristischen Fakultät sowie Aborbnungen ber Hochschulgruppen der SS. und des Stahlhelms und die Chargierten der Frankfurter Studentenschaft. Die Rede des Geistlichen kennzeichnete die tiefe Heimat- und Vaterlandsliebe des großen Gelehrten. Die Hessische Landesuniversität Gießen, wo Heimberger im Jahre 1902 ein Ordinariat für Strafrecht innehatte, war ebenfalls vertreten, um dem Gelehrten bie letzte Ehre zu erweisen. ganz frei, bann, wenn man will, noch einmal langsam, so baß man ihr mit einiger Uebung nachschreiben kann." ,-Oas Ende von Marabu." Die Deutsche Universal bringt eine in deutscher Sprache nochsynchronisierte amerikanische Produktion der Universal Pictures Corporation unter dem Titel „Das Ende von Maradu" heraus, die seit gestern im neuen Programm des Lichtspielhauses läuft: exotisches Abenteuer zweier Europäer in den Urwäldern von Borneo, die Liebesgeschichte einer weißen Frau am Hose eines mär- chenhaften Eingeborenenfürsten inmitten bes wildesten Dschungels. Der Regisseur Georg M e I f o r b hat für diesen im Geschmack des amerikanischen Publikums aufgezogenen Sensationsfilm den ganzen Urwald mobil gemacht: es wimmelt nur so von Krokodilen, Giftschlangen, Tigern, Büffeln, Affen und halbnackten Wilden. Ein mit erstaunlichen Mitteln in Szene gesetzter Vulkanausbruch gibt der mit unheimlichen Uebcrraschungen gespickten Phantasiehandlung den effektvollen Abschluß. Von den Darstellern zeichnet sich eine sympathisch ausdrucksvolle, hier bisher unbekannte Schauspielerin namens Rose Hobart aus. In ben männlichen Hauptrollen: Charles Bickforb unb Georg Renavent. — Das abwechslungsreiche Beiprogramm bringt einen Kulturfilm „Im Lanbe ber Bretonen", ein lebhafte Heiterkeit erregenbes Lustspiel, einen technisch interessanten amerikanischen Farbenfilm, bie neue Wochenschau unb ben Vorspann zur „Saison in Kairo" mit Renate Mül- l e r unb Willy Fritsch. Zeitschriften. — Die neueste Nummer ber Leipziger „Iltust r i r t e n Zeitung" (Verlag I. I. Weber) enthält u. a. einen reizvollen Aufsatz „Spreeroafb- fahrt" von G. Heybe mit prächtigen Silbern dieser schönen beutschen Landschaft. Aus der Fülle ber weiteren illustrierten Beiträge sei das „100-Jahr- Jubiläum des Rauhen Hauses in Hamburg" erwähnt. Dem Niederwalddenkmal ist anläßlich feines 50jährigen Bestehens eine historische Bildertafel gewidmet. Den Forderungen Der neuen deutschen Bewegung trägt der Artikel „Ständestaat einst und jetzt" Rechnung, in bem Reg.-Rat Dr Dr. H. Schmal; ein klares Bilb über ben stänbischen Aufbau gibt. Im übrigen finb auch in biefem Heft die tagesgeschichtlichen Ereignisse durch technisch vollendete, bildliche Wiedergaben ausgiebig berücksichtigt. S.JixfpoTt Oer neue Zührerstab der OT. Ernennung der Gauführer. Der Führer der Deutschen Turnerschaft, Reichs- sportsührer von Tschammer-Osten, hat zu seinen Mitarbeitern folgende Mitglieder in den Führerstab berufen: Professor Edmund Neuendorff, Karl S t e d i n g - Bremen, Direktor Viktor Toyka - Dortmund. Außerdem wurden 3um DT.-Jugendführer Thilo Scheller, zum Presseführer Werner Gärtner- Landau und zum Frauen- und Mädchenführer Hanni Warninghoff -Hannover bestimmt. Zu Gauführern wurden ernannt: B a b b e - Preußisch-Eylau (Gau I), W. Becker- Stettin (Gau II), Major a. D. Brelthaupt (Gau III), Schmidt- Breslau (Gau IV), Schnei- der - Leipzig (Gau V), Bittorf - Hildburghausen (Gau VI), Meyer» Wandsbeck (Gau VII), Probst - Bremen (Gau VIII), Reis» Münster (Gau IX), Pentrop - Dortmund (Gaue X und XI), Andr 6 - Hersfeld (Gau XII), Sommer- Speyer (Gau XIII), Prof. Fischer- Karlsruhe (Gau XIV), Dr. Obermeyer» Stuttgart (Gau XV), Rad»München (Gau XVI). Oer besiegelte Handballfrieden. Die Entschließung der Spielwarte. Die Handballspiele werden gemeinsam und unter Wahrung der Gleichberechtigung in allen Stellen der Verbände von unten bis oben durchgeführt unter Federführung des jeweiligen Vertreters der DT. Bei der Einteilung der Klassen usw. ist ausschließlich das Leistungsprinzip ausschlaggebend. Wo die Leistungen nicht festzustellen sind, wird die Zahl der für die Klassen verfügbaren Plätze gleichmäßig verteilt. Gespielt wird nach den seinerzeit zwischen beiden Verbänden (DT. und DSB.) beschlossenen Einheitsregeln. In allernächster Zeit wird eine einheitliche Spielordnung festgestellt werden. Der i n - ternationale Verkehr im Handball liegt nach wie vor beim Deutschen Leichtathletik-Verband. Alle hierzu im Gegensatz stehenden Veröffentlichun- Sen über den Handballbetrieb sind nunmehr allen nterorganen strengstens verboten. Des weiteren beschäftigten sich die Bestimmungen für Handball in Deutschland mit den Altersklassen und den Leistungsklassen. Weiter ist die Grußpflicht geregelt worden, die mit der Grußpflicht des Deutschen Fußball-Bundes aleichgeschal- tet ist, so daß überall auf den Handball- und Fußballplätzen die Mannschaften in gleicher Weise auftreten. Ferner wurden Bestimmungen getroffen über Meldegelder und Abgaben, sowie über die Spielpläne, lieber die Meisterschaften wurde bestimmt, daß Gaumeister und Deutsche Meister für Frauen und Männer ausgespielt werden. Die Bezeichnung „Meisterschaft" für alle übrigen Spiele ist verboten. Schließlich werden Auswahlspiele, wie Städtespiele, Spiele von Gau-, Bezirks- und Kreismannschaften sowie Pokalspiele gemeinsam durchgeführt. 1. Zührertagung des Deutschen Ski-Verbandes. Der Deutsche Ski-Verband hielt am Sonntag in Würzburg seine erste Führertagung im neuen Deutschen Reich ab. Der Führer Josef Maier dankte nach dem Bericht des Kassenwarts den scheidenden Vorstandsmitgliedern und überreichte ihnen die Goldene Ehrennadel. Herr Reichsinnenminister Dr. Frick erhielt wegen seiner großen Verdienste die Ehrenmitgliedschaft. Sportwart Barlon le Fort betonte in seiner großen Rede die Notwendigkeit der Vorbereitung für die Olympischen Spiele 1936 und führte weiter aus, daß der erste Schritt dazu die Verpflichtung von norwegischen Trainern sei. Die deutschen Skimeisterschaften 1934 sollen gemeinsam mit den Heeres- und SA- Meisterschaften abgewickelt werden. Die Tagung wurde von dem Führer mit einem dreifachen „Sieg Heil" auf den Reichspräsidenten und den Volkskanzler abgeschlossen. „Deutscher Athletik-Sportverband." Die bisherige Fachsäule IV des deutschen Sports hat vom Reichssportführer von Tsckammer- O st e n den offiziellen Namen „Deutscher Athletiksportoerband" erhalten. Demgemäß ändert der Deutsche Athletik-Sportverband von 1891 seinen Namen in „Deutscher Schwerathletik-Verband von 1891". Im DASV. bestehen zwei Sparten, die Athletiksparte (Deutscher Schwerathletik-Verband, Jiu-Jitsu-Verband und Ringer-Verband) und die Box-Sparte (Deutscher Amateur-Boxverband und Verband Deutscher Berufs-Faustkämpfer). Oie Europa-Meisterschasten der Gewichtheber. Mit den Kämpfen im Schwergewicht fanden am Sonntagabend die Europameisterschaften der Gewichtheber in Essen ihren Abschluß. Etwas überraschend siegte hier der Tschesche Becvar mit einer Gesamtleistung von 552,5 kg, während der deutsche Favorit Straßberger nur den dritten Platz hinter dem Estländer Luhaaear belegen konnte. Straßberger brachte es auf eine Gesamtleistung von 525 Kg, während der Estländer 537,5 kg erreichte. Den Preis der Nationen holte sich Deutschland ganz überlegen mit 18 Punkten durch feine zahlreichen Siege und verschiedene gute Plätze. Die neuen Europa m ei st er: Federgewicht: Wölpert - München, 420 kg; Leichtgewicht: Thiersch - Erfurt, 447,5 kg; Mittelgewicht: 211 = leene - Frankreich, 497,5 kg; Halbschwergewicht: Scheitler- Luxemburg, 497,5 kg; Schwergewicht: Becvar - Tschechoslowakei, 552,5 kg. Gtädtevettkampf der Turnergilden im OHV. (Main-Weser). Der Wanderpreis der -V-Klaffe bleibt in Gießen. Bei dem am Sonntag und Montag in Gießen ausgetragenen Städtewettkampf der Turnergilden im DHV. im Bezirk Main-Weser erfüllte die Gießener Mannschaft 1 (G. Schwan, G. Koch, F. Koch, W. Heck, H. Peters) die in sie gesetzten Hoffnungen und wurde mit 20 Punkten vor Kassel, 25 Punkte, und Frankfurt a. M., 27 Punkte, wie im vorigen Jahre sicherer Erster. Einen großen Erfolg hatte auch die 2. Mannschaft der Gilde Gießen (Herbert, Hau, Enders, Arzbächer, Rieß), die mit 41 Punkten auf den 4. Platz kam vor Mai«z 1., Darmstadt 1., Wiesbaden 1., Gießen Mannschaft 3 (Jost, Müller, Schickedanz, Bree, Brückmann), Offenbach 1., Frankfurt 2., Offenbach 2., Mainz 2„ Kassel 2. und Offenbach 3. Die Gilde Gießen errang in diesem Volkssport- Siebenkampf der A-Klasse nicht weniger denn fünf Bestleistungen und zwar im Weitsprung 5,55 Meter, Keulenwurf 52 Meter, 3000-Meter-Mannschaftslauf 11:20.6 Minuten, 5X100-Meter-Hindernislauf mit 30 Pfund Belastung 1:18 Minuten und Marsch (25 Kilometer mit 25 Pfund Gepäck) 3:13 Stunden. Gestartet wurde in gewöhnlichen Turnschuhen. B-Klassensieger wurde die Jugendmannschaft Kassel 1. In der Gästeklasse siegte die Polizei Butzbach mit 41 Punkten vor Sturm 11/1 der SA. mit 44 Punkten und Sturm 14/1 mit 75 Punkten Es sei noch erwähnt, daß im Gepäckmarsch die Mannschaft 1 Gießen mit 3:13 Stunden und Mannschaft 2 Gießen mit 3:18 Stunden die beiden ersten Plätze belegten. Ausführlicher Bericht folgt. Leichtathletik-Lugendmeifierschafien des Kreises Gießen. Die Jugendleichtathletik-Meisterschaften kamen auch in diesem Jahre wieder durch die Spielvereinigung 1900 zur Durchführung. Sie brachten durchweg schönen Sport und gute Ergebnisse. Es wäre jedoch eine stärkere Beteiligung der Landvereine wünschenswert gewesen. Den weitaus größten Teil der Erfolge konnte der 1900er Nachwuchs an sich bringen. Bei den Mädchen blieben die 1900erinnen leider unter sich. Oie Ergebnisse: Jugend A (Jahrgang 1915/16): 100 Meter: 1. Herrmann, 1900, 12,1 Sek.; 2. Werner, Tv. Wieseck, 12,5 Sek.; 3. Schneider, OSC. Gießen, 12,8 Sekunden. 1000 Meter: 1. Simon, OSC. Gießen, 3:13,3 Minuten; 2. Rinn, OSC., 5 Meter zurück; 3. Schneider, OSC. 60-Meter-Hürden: 1. Herrmann, 1900, 9,8 Sek.; 2. Kümmel, Wieseck, 10,7 Sekunden. 4X100-Meter-Staffel: 1. Spielogg. 1900, 51,6 Sek., 2. To. Wieseck, 52,3 Sek.; 3. OSC. Gießen, 52,5 Sekunden. Hochsprung: 1. Hermann, 1900, 1,46 Meter; 2. Kümmel, Tv. Wieseck, 1,40 Meter; 3. Jöckel, 1900. Weitsprung : 1. Herrmann, 1900, 5,34 Meter; 2. Kümmel, Wieseck, 4,82 Meter; 3. Schneider, OSC., 4,48 Meter. KugeIstoßen: 1. Herrmann, 1900, 12,95 Meter; 2. Werner, Wieseck, 12,03 Meter, 3. Gaul, Wetzlarer Spv. 11,81 Meter. Diskuswerfen: 1. Herrmann, 1900, 32,60 Meter, 2. Simon, OSC., 29,83 Meter; 3. Gaul, Wetzlarer Spv. 27,76 Meter. Speerwurf: 1. Gaul, Wetzlar, 44,76 Meter; 2. Werner, Wieseck, 33,80 Meter; 3. Eisenhuth, Wieseck, 32,80 Meter. Keulenwurf: 1. Gaul, Wetzlar, 58,60 Meter; 2. Simon, OSC., 51,10 Meter; 3. Werner, Wieseck, 49,40 Meter. Jugend B (Jahrgang 1917/18): 100 Meter : 1. Volk, 1900, 12,8 Sek.; 2. Rosenbach, 1900, 13 Sek.; 3. Wohlgemuth, Wetzlar, 13,3 Sekunden. „ _ 800 Meter: 1. Bonarius, 1900, 2:29,6 Min.; 2. Rosendach, 1900, 2:35,9 Min.; 3. Schmitz, 1900, 2:38 Minuten. Weitsprung: 1. Rosenbach, 1900, 5,10 Meter; 2. Wohlgemuth, Wetzlar, 5,08 Meter; 3. Volk, 1900, 4,88 Meter. Kugel st oßen: 1. Wohlgemuth, Wetzlar, 9,96 Meter; 2. Bonarius, 1900, 9,66 Meter; 3. Volk, 1900, 9,33 Meter. Jugend C (Jahrgang 1919 und jünger): 50 Meter: 1. Hoß, 1900, 6,8 Sek.; 2. Kirchner, 1900, 6,9 Sek.; 3. Dapper, Wieseck, 7 Sekunden. 8 00 Meter : 1. Baumann, Wetzlar, 2:30,4 Min.; 2. Jäger, 1900, 2:31,6 Min.; 3. Dapper, Wieseck, 2:33,4 Minuten. 4X75-Meter-Staffel: 1. Spielogg. 1900, 42 Set.; 2. To. Wieseck, 43 Sek.; 3. Wetzlarer Spv. 44,1 Sekunden. Weitsprung: 1. Dapper, Wieseck, 4,40 Meter; 2. Zidorn, Wetzlar, 4,35 Meter; 3. Goß, 1900, 4,30 Meter. Ballweitwurf: 1. Goß, 1900, 67,40 Meter; 2. Eisenhuth, Wieseck, 63,80 Meter; 3. Baumann, Wetzlar, 62,30 Meter. Kugelstoßen: 1. Goß, 1900, 10,37 Meter; 2. Kirchner, 1900, 9,15 Meter. 3 Dapper, Wieseck, 8,34 Meter Mädchen A: 75 Meter: 1. L. Diehl, 1900, 10,6 Sek.; 2. E. Werner, 1900, 11,4 Sek.; 3. M. Ockel, 1900, 12,2 Sekunden. Weitsprung: 1. L. Diehl, 4,34 Meter; 2. E. Werner, 3,93 Meter; 3. M. Ockel, 3,70 Meter. K u g e l st o ß e n : 1. L. Diehl, 7,27 Meter; 2. M. Ockel, 5,34 Meter; 3. E. Werner, 5,05 Meter. 4X50-Meter-Stgfsel: 1. Spielvgg. 1900, 1. Mannschaft, 35 Sek.; 2. Spielvgg. 1900, 2. Mannschaft, 35,5 Sekunden. Mädchen B: 50 Meter: 1. H. Diegel, 1900, 8,5 Sek.; 2. L. Hinterher, 1900, 8,6 Set.; 3. E. Diehl, 1900, 8,8 Sekunden. Weitsprung: 1. H. Diegel, 3,22 Meter; 2. L. Hintereder, 3,10 Meter; 3. E. Diehl, 2,82 Meter. Ballweitwurf: H. Diegel, 29,10 Meter; 2. L. Hintereder, 27,70 Meter; 3. E. Diehl, 15 Meter. Landesjugendwettkämpfe in Hungen. Dieser Tage hielt die Volksschule zu Hungen die Landes-Jugendwettkämpfe für das Jahr 1933 ab. Im Vergleich zu den in den Vorjahren abgehaltenen Reichs-Jugendwettkämpfen sind die Leistungen jedoch auf einer agnz neuen Grundlage aufgebaut. Wir bringen daher in der Folge neben den Ergebnissen eine nähere Beschreibung der einzelnen Leistungen. Die Bestleistung der Knaben- Gruppe I (5. u. 6. Schuljahr) mit einer Gesamtpunktzahl von 20 Punkten erzielte die 4. Gruppe. K n a b e n, II. G r u p p e (7. u. 8. Schuljahr): Die Bestleistung mit einer Gesamtpunktzahl von 22 Punkten erzielte hier die 1. Gruppe. Mädchen, I. Gruppe (5. u. 6. Schuljahr): Die Bestleistung mit einer Gesamtpunktzahl von 10 Punkten erzielte hier die 3. Gruppe. Mädchen, II. Gruppe (7. u. 8. Schuljahr): Die Bestleistung mit einer Gesamtpunktzahl von 14 Punkten erzielte hier die 2. Gruppe. In Saasen. Dieser Tage wurden die Landes-Jugendwett- kämpfe ausgetragen. Auf dem herrlich gelegenen Hardacher Sportplatz hatten sich die Schüler von Ettingshausen, Harbach, Hattenrod und Saasen zum Kampfe eingefunden. Lehrer Söhnchen von Harbach hatte die nötigen Vorbereitungen getroffen.. Die Harbacher gingen mit insgesamt 17 Punkten als Sieger hervor. Damit errangen sie den vom Herrn Reichsstatthalter gestifteten Wander-Wimpel. An zweiter Stelle folgte Saasen mit 15 Punkten. Dann folgten Ettingshausen mit 12 und Hattenrod mit 11 Punkten. Profi-Tennisweltmeister Aüßlein. Hans N ü ß l e i n, der junge deutsche Tennis-Professional, vermochte bei den in Berlin ausgetragenen Weltmeisterschaften durch einen Sieg über den Amerikaner Tilden den Titel im Einzelkampf an sich zu bringen, der damit zum erstenmal von einem Deutschen erfochten wurde. „Rhön-Bussard" über Gießen. Zielflug Hirzenhain-Gießen.-Pilot Wiegmeyer landet im Gießener Flughafen. Still und verlassen lag gestern nachmittag der Gießener Flughafen im Glanz der spätsommerlichen Sonne. Auf dem Flugfeld war es sehr ruhig und im Restaurant, wie auf der Terrasse ebenfalls. Auch im Lager der Flieger war nichts los. Gegen 15 Uhr kam dann aber doch etwas Bewegung in die friedliche Landschaft. Mit ganz guten Augen konnte man zunächst in weiter Ferne über dem Gleiberg, im Dunst und unter den etwas zerfahrenen Wolken einen Vogel anschweben sehen, der nur ganz allmählich größer wurde, dann etwas nach der Stadt zu abbog, in ziemlicher Höhe über Gießen flog, um dann in der Richtung nach dem Flughafen zu Kurs zu nehmen. Noch wiegte sich der leichte Vogel in über 1000 Meter Höhe in der Luft und erst allmählich glitt er in weiten Schleifen nieder. Noch war der unangemeldete Gast im Gießener Flughafen nicht bemerkt worden, noch rührte sich nichts auf der Erde und erst als aus der Höhe ein „Halloooohü" erklang, wurde man aufmerksam und nahm erstaunt wahr, daß ein völlig fremdes Flugzeug über dem Flughafen kreiste. Noch größer aber wurde das Erstaunen, als nach glatter Landung der in Gießen bestens bekannte Pilot und Fallschirmspringer Wiegmeyer dem Flugzeug entstieg. Er wurde von den wenigen Anwesenden herzlich willkommen geheißen. Schnell lösten sich die Rätsel des Fluges und der Landung. pilof Wiegmeyer, der gegenwärtig am Segel- flugroettberoerb in Hirzenhain feilnimmt, war kurz nach 13 Uhr bei denkbar schwachem Winde (mit Gummiseit) gestartet, er hatte einen wärmeschlauch erreichen können, gewann auch wolkenanschluh und segelte nun los, von warmer Luft immer wieder emporgehoben und auf stattliche höhe über Start gebracht. Schon vorher hatte er seinen Kameraden Bescheid gesagt, was er vor hatte: einen Zielflug nach Gießen. Nicht nur, daß er dem Gießener Flughafen in alter Anhänglichkeit, einen Besuch abstatten wolle (er gehört der Ortsgruppe Gießen des Luftsportoerbandes an), sondern er müsse außerdem zum Zahnarzt. Die Kameraden mochten zunächst etwas ungläubige Gesichter gemacht haben, denn ein Zielflug im Segelflugzeug ist nicht gerate sehr einfach. Im Segelflug ist nicht allein der menschliche Wille ausschlaggebend. Pilot Wiegmeyer machte aber sein Vorhaben wahr. Wie er erzählt, ging der Flug sehr glatt vonstatten. Es gab wenig Böen, dafür aber sehr viel Wärmeaufwind, so daß er immer wieder Mühe hatte, das Flugzeug unter den Wolken zu halten. In die Wolken durfte er sich nicht wagen, da er kein Blindfluggerät bei sich hatte und dadurch nur allzu leicht die Orientierung, besonders aber die Gleichgewichtslage hätte verlieren können. So zog das Flugzeug denn unter den Wolken hin, segelte über Berge und Täler des Westerwaldes, um dann am Dünsberg vorbei über dem Gleiberg zu erscheinen, über Gießen zu fliegen und im Flughafen zu landen. Der Zielflug glückte... Es war dies der erste Ziel-Segelflug, der in Gießen gelandet wurde. Mit Wiegmeyer flog der Darmstädter Fischer von Hirzenhain ab. Fischer- Darmstadt auf der „Darmstadt" war etwas früher gestartet, flog zunächst vor Wiegmeyer, Wiegmeyer überholte ihn aber, um dann nach etwa zweistündigem Flug (Luftlinie etwa 35 km) im hiesigen Flughafen niederzugehen. Gegen 17.30 Uhr rief Fischer, der um wieg- meyers Landung in Gießen wußte, an, und konnte mitfeilen, daß er bei Bübingen glatt gelandet sei. Pilot Wiegmeyer erklärte, daß er sehr wohl noch eine weitaus längere Strecke hätte bewältigen können, denn die Wind- und Witterungsverhciltnisse waren für einen ßangftrecfenflug die denkbar günstigsten gewesen. Noch am gleichen Abend wurde bas Segelflugzeug, der „Rhön-Bussard", mit wenigen Handgriffen abmontiert und im Transportwagen wieder nach Hirzenhain gebracht. Oer „Rhön-Bussard" selbst ... ist ein Hochleistungsflugzeug, das in diesem Jahre zum ersten Male auf der Wasserkuppe gezeigt wurde und sehr beachtliche segelfliegerische Leistungen zuließ. Das Flugzeug hat eine Spannweite von etwa 14 Metern, ist in ärodynamischer Hinsicht vorzüglich durchkonstruiert und bei aller Leichtigkeit sehr stabil gebaut. Der Rumpf hat nahezu Fischform und ist auffallend schmal. Der Bug hat frappante Aehnlichkeit mit dem eines Zeppelins, ein Eindruck, der durch die Unterteilung der Holzflächen noch verstärkt wird. Das Flugzeug zeichnet sich durch eine besondere Wendefähigkeit aus. Es kann im Tempo bis zu 130 km in der Stunde vom Motorflugzeug geschleppt werden. Pilot Wiegmeyer konnte in diesen Tagen in Hirzenhain mit dem „Rhön-Bussard" sogar Kunstflüge, Loopings, Turns und Rückenflüge zeigen. Thermikflüge in Hirzenhain. Thermikflüge kann man im allgemeinen nur im Sommer, wenn die Wärme aus den leise wogenden Roggen- und Weizenfeldern hochzittert, ausführen. Fischer wagte um die Mittagszeit bei einer Windstärke von kaum 1 m pro Sek. im herbstlich schönen Wetter trotzdem den ersten Thermikflug über dem Dietzhölztal bei Hirzenhain. Fast eine Stunde lagen er und feine Darmstädter Kameraden am Westhang und beobachteten den Rauch des Schornsteins eines Sägewerkes zwischen Eiershausen und Eibelshausen. Als die Rauchfahne wieder grabe zum Himmel ftanb, erfolgte ber Start. In ber Thermikblase — so nennt Fischer biefen Schlauch — bes Rauches lag er minutenlang in ber flachen Linkskurve unb stieg unb menbete mit ihr weit über ben Horizont. Nach 20 Minuten kehrte er. gut 500 Meter über ber Startstelle, zum Westhana zurück, traf sich mit einem Bussarb über Hirzen-, Hain unb wollte beinahe auf Strecke gehen. Für ben Fachmann wie für ben Laienzuschauer war biefer erste Thermikflug bei Hirzenhain bas phantastischste, was man bisher hier gesehen hat. Wiegmeyer, ber auf seinem Rhönbussarb einen „Post- zug" später benjelben Versuch machte, burchflva eine anbere Thermikblase unb sackte ab. Genau so erging es Fälsche, Frankfurt, auf ber Kassel 25 So sinb jetzt sämtliche Arten bes Segelfluges hier geboten worben. Die Kleinen unb Punktsammler übten am B= Köpfchen Prüfungs-, Punkt- unb Zielflug. Gegcn Abend kam der Landesgruppenführer U l m aus Frankfurt, um die Meldung über die schönen bisherigen Leistungen entgegenzunehmen. Neben dem Rhönbussard landete zu guter Letzt noch die Argus- Schlepp-Motormaschine aus Darmstadt. 14. Deutscher Rudersieg in Amsterdam. Deutsch gewinnt den hollandbecher. Die klassische Herbstregytta auf dem Slooten-Kcmal bei Amsterdam erreichte mit der Entscheidung bes (Einerrennens um ben Hollanbbecher ihren Höhepunkt. Das Rennen bestritt unser erfolgreichster Junior Hans Deutsch (Tangermünde) unb ber Hollänber de Vries. Nach glattem Start übernahm Deutsch sogleich die Führung, die er bei 500 Meter schon auf eine Länge ausgedehnt hatte. Deutsch siegte in 8:07,6 mit zwei Längen Vorsprung. Der Hollandbecher wurde zum 14. Male und seit dem Jahre 1927 in ununterbrochener Reihenfolge von einem Deutschen gewonnen. Harmonischer Abschluß des Länderkampfes. Nach Schluß des Leichtathletik-Länderkampfes zwischen Deutschland und Frankreich in Paris nahmen beide Mannschaften und ihre Führer noch an einem Bankett teil, zu dem ber oeranftaltenbe französische Verbanb nach bem Pariser Hotel Lutetia geloben hatte. Als Vertreter ber deutschen Botschaft war Gesandtschaftsrat Dr. Kühn erschienen. Ser, Leiter der deutschen Expedition, B a r r e l e 11» Hamburg, unb Reichstrainer Waitzer würben mit der goldenen Sportplakette des Französischen Verbandes ausgezeichnet. In sämtlichen von den Vertretern beider Länder gehaltenen Reden wurde ber harmonische unb beibe Teile zufrieben- ft e 11 e n b e Verlauf bes Kampfes hervorgehoben unb ber Hoffnung Ausbruck gegeben, baß bie Olympische Spiele 19 36 in Berlin von bem gleichen guten sportlichen Geist getragen fein werben. VfB. Gießen. VfR. Lich 1. Jgd. — VfB. Gießen 1. Jgd. 2:4. (Einen einroanbfreien Sieg konnten bie Jugend- lichen bes VfB. in Lich erringen. Bei Halbzeit war bas Spiel bereits entschieden, benn bie Licher lagen hier mit 3:0 im Rückstand. Die Grün-Weißes waren ihrem Gegner auch in ber zweiten Hälfte immer überlegen. FE. Grohen-Buseck 1. Schüler gegen VfB. Gießen 1. Schüler 3:2. Recht unglücklich kämpften bie Schüler in Gro- ßen-Buseck, obwohl sie technisch ihrem Gegner überlegen waren, mußten sie eine Nieberlage einfterfen. Kurze Sportnotizen. Al3 Lehrer vom DFB. verpflichtet würbe ber Frankfurter Internationale Georg K n o p f k e. Der Frankfurter wirb seinen Wohnsitz nach Berlin verlegen unb neben Reichstrainer Nerz dann als Lehrer für das ganze Bundesgebiet tätig fein. * Eine Revanche Fortuna — Schalke kommt am 1. Oktober in Gelsenkirchen im Rahmen eines Geländesport-Tages zustande.