Mittwoch, 19. M1933 Nr. 166 Erstes Blatt 185. Jahrgang a m rung und ihr Ausbau es erfordern. Es wächst das Bewußtsein, daß die parlamentarisch-politische Ver- | mühungen nur 15 Uhr, beantragen. Jedes Pfarramt kostenlos entsprechende Vordrucke aus. wer nicht bis zum vorgeschriebenen Termin hat tragen lassen, kann nicht wählen. wann wird gewählt? Gewählt wird Sonntag, dem 2 3. Juli, im Anschluß an den Hauptgottesdienst bis 18 Uhr. Die genauen Wahltermine und den Wahlort gibt jede Kirchengemeinde durch Anschlag bekannt. wie kann der Urlauber wählen? vorübergehend Abwesende können ihre Stimme durch ein wahlberechtigtes Mitglied ihrer Kirchengemeinde abgeben lassen, welchem sie Vollmacht erteilen müssen. Die Vollmacht muh von einer amtlichen Stelle, auch Pfarrer, be- g l a u b i g t sein. Die Beglaubigung erfolgt k o st e n l o s. Deutscher evangelischer Christ! Amtlich wird mitgeleilt: Am Sonntag, den <3. Juli 1933, sollst Du die Männer Deines vertrauens zur Führung Deiner Kirche wählen. Der Führer selbst hat Dich zur Wahl aufgerufen! Lr erwartet von Dir, daß Du Deine Stimme abgibst! Anspruch auf Deine Stimme haben nur volks- genofsen, die fich vorbehaltlos zum Dritten Reich bekennen. Beachte folgendes zur Wahl? wer darf wählen? wählen können olle männlichen und weiblichen Gemeindemilgiieder, die am Wahltag das 2 4. Lebensjahr voll- endet haben und in den kirchlichen Wähler- l i ft e n ihrer Gemeinde eingetragen find, wer nicht in der Kirchenwählerliste eingetragen ist, muh dies schriftlich bis zum 2 0. Juli, gibt sich ein- gei Reichsbischof gelöst. Wenn es schon eine Selbstverständlichkeit war. dah der Bekenntnisstand der Landeskirchen und Einzelgemeinden nicht ange- 'M-. 58,67 er.o 16.J ifrS 22." 70,38 zu müssen, zunichte. Besonders schmerzlich war es für alle Freunde der Einheit, daß auch die große Stunde von 1871 spurlos an der Kirche vorüberging und alle Be- 58,43 62,23 13,?* 16-* 22- Jj 70,H n,0l M.99 34,93 tastet werden konnte, so war es doch besonders schwierig, diesen Verschiedenheiten in der Leitung der Eesamttirche Rechnung zu tragen. Das ist auf glückliche Weise geschehen, indem die drei theologischen Mitglieder des geistlichen Ministeriums das Dekenntnisgepräge des deutschen Protestantismus widerspiegeln sollen, also aus dem . lutherischen, reformierten und unierten Kirchengebiet genommen werden. Durch diesen gerechten Ausgleich sind erfreulicherweise anfängliche Pläne, die den Reformierten nur ein geduldetes Dasein gestatten oder die Union wieder auflösen wollten, überholt worden. Hier bleibt zugleich noch eine große Aufgabe für die Zukunft. Rachdem Kirchenpolitik und Der- fassungsausschuß gesprochen haben, wird man wieder dem Leben und der gemeinsamen kirchlichen und theologischen Arbeit das Wort geben müssen, damit die deutsche Kirche tiefer als die negative und schwächliche Union des 19. Jahrhunderts den gemeinsamen evangelischen Glauben auszusprechen lernt, ohne dabei ein Sonderbetenntnis zu vergewaltigen. Für die Schaffung immer kraftvollerer Einheit des deutschen Protestantismus sind in der Verfassung starke Bürgschaften gegeben. Die völlige Angleichung in Recht und Verwaltung ist das nächste große Ziel. Und man wird hoffen dürfen, daß auch der Sah der Kundgebung von Loccum, die ja der Verfassung zugrunde liegt, erfüllt wird: „Die räumliche Zersplitterung des deutschen Protestantismus wird sie beseitigen, aber lebenskräftige Landeskirchen sind ihr willkommene Helfer." Die Verfassung eröffnet selbst tat Ausblick aus reicher- Ausgestaltung und Vervollkommnung ta Einheit des evangelischen Deutschland. Aber sie will sie mit Recht ebenso orga- n i s ch in Angriff nehmen, wie sie selbst erwachsen ist. Es ist die Hoffnung des deutschen Protestantismus, daß in das neue stolze Haus der Deutschen Evangelischen Kirche ein Volk einzieht, das in Glauben und Brudersinn verbunden, in Werken des Friedens und der Liebe und im Kampf gegen alles widergöttliche Wesen in unserem Dolle wetteifert. Paris, 18. Juli. (Priv.-Tel.) Spaltungserscheinungen auf dem Parteitag der französischen Sozialisten beleuchten blitzartig das Fortschreiten einer Entwicklung, die sich nicht allein auf die Sozialisten erstreckt. Begründet liegt der Parteizwist, der schon viele Jahre zurückreicht, in der Haltung der Mehrheit der Kammerfraktion: sie tritt immer schärfer für eine praktische Außerkraftsetzung der sozialistischen Parteidoktrin ein. Sie redet einem handfesten Nationalismus das Wort, wobei sie nicht nur außenpolitisch 72,19 81 35,0? bracht. Das zweite große Problem, die Bekenntnis frage, wird durch die Einsetzung eines '"'en Ministeriums neben dem 18.31111 Annahme von Anzeigen für dke lagcsnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrist 20°/o mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin undfürdenAn. zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen. Ö 46-95 12,52 3,047 169,63 70,23 62,49 72,08 13,98 0,928 2,907 58,59 22,18 16,45 81- 35,06. 81,62 0,81 0,23* 5-1 12,12 ntrung grie1 __ TTÖ6 47,05 12,54 3,053 169,87 70,42 62,66 72,32 14,03 0,932 2,933 58,61 22.2 16,46 81,33 35,12 81,78 0,881 0,236 5,205 12,76 ßantnol^ Wandlungen in Frankreich Die faschistische Idee marschiert. Auslandsgemeinden und den befreundeten Kirchen des Auslandes. Auch die Verbindung der juristischen Leitung der deutschen und der alt- preußischen Kirche in einer Person ist der Kirchenbundesverfassung entnommen, die dem Vorbilde der Bismarckschen Reichsverfassung gefolgt war. Auf diesem organischen Wege ist die neue Verfassung aber nun kräftig vorangeschritten. Vor allein ist der unerträgliche Zustand, dah die altpreußische Kirche und damit der Kirchen- bund eine juristische, keine geistliche Leitung besah, beseitigt worden. 3m Reichsbischof ist die Einheit der deutschen Kirche symbolisch und, wie man von der Zukunft hoffen muh, auch in persönlicher Tatkraft verkörpert. Sein Amt ist — ganz abgesehen von dem unglücklichen Personenstreit der letzten Wochen — das um- fochtenste Stück der Verfassung. Weite Kreise der Kirche, vor allem reformierten Bekenntnisses, lehnen Amt und Rainen ab, da sie einen falschen Klerikalismus und eine unevangelische Hierarchie Heraufziehen sehen. Wenn die Verfassung trotzdem den schönen altkirchlichen Titel wie schon in einer Reihe der deutschen Landeskirchen so auch für die Reichskirche wieder zu Ehren gebracht hat, so wird man allerdings wünschen müssen, dah sich neben dem Verlangen nach echtem Führertum, das ein Amt starker persönlicher Verantwortung geschaffen hat, auch das Bewuhtsein erhält, dah der Bischof im Urchristentum der geistliche Leiter der einzelnen Gemeinde war. Der Reichsbischof kann darum, seinen Brüdern im geistlichen Amt nicht etwa durch besondere Amtsqualitäten überlegen, nichts andres sein als Pfarrer der großen Gemeinde Deutschland. Die Verfassung hat in den wenigen Absätzen, in denen sie das neue Amt umreißt, diese Aufgabe recht glücklich zum Ausdruck ge- die Durchführung des industriellen Wiederaufbauprogramms zu überwachen hat. Aber Roosevelt begnügt sich nicht mit der Kontrolle der Industrie. Er kurbelt den ganzen Wirtschaftsprozeß durch Inangriffnahme großzügiger Projekte öffentlicher Arbeiten wieder an. Das Gesetz für öffentliche Arbeiten sieht allein für 12 Milliarden Mark Arbeiten vor, die dem Ausbau von Landstraßen, der Melioration des Bodens, der Verbesserung der Forsten und der Regulierung der Hochwasser führenden Flüsse dienen. Neuerdings wird sogar eine allgemeine Arbeitsdienst- pflicht gefordert, die nach deutschem Beispiel die Jungerwerbslosen in Lagern zusammensaßt und für öffentliche Arbeiten ansetzen soll. Praktisch bestehen fast in jedem Staat heute schon die Stammlager für den amerikanischen Arbeitsdienst, und es braucht lediglich noch das notwendige Gesetz erlassen zu werden, und der amerikanische Arbeitsdienst steht. Man glaubt in Deutschland gar nicht, mit welchem Interesse die großen amerikanischen Zeitungen die Entwicklung des deutschen Arbeitsdienstes verfolgen. Ehe ein Vierteljahr vergangen sein wird, hat auch Amerika seine Arbeitslager, in denen die junge Generation nicht zur Arbeit im Dienste irgendeines Unternehmers, sondern zum unmittelbaren Dienst am Staat erzogen wird. Aber das Rooseveltsche Rettungswerk darf sich nicht auf eine Wiederbelebung der Industrie und auf »UL3’.'*«» >■ fcSff - Die Nationale fReqierum ?>eTat »msetzen. Ö ÄU,emfLnben Ausnahme, ig her NSDM Moren und Wirtschaft;. ^ ausdrücklich ermädjliqt, Lundesardeit die Pro, benutzen. Der Mchz. k, W. d. Ringels, i t ? Een zuslä'ndigea h über ine Mißstände im überreicht. Der RW gruppen unD Arbeitsgemcin. Wildele Berufskollegen wen, ihme und Auskunft an dir deck, Leckergrube 18. uftragter für dir und eisenverarbei» - 3n Verfolg der Mrru« aus dem Gebiet der Wirt- Nvirtschastsmimstn auch dir igs lZüsseldorss, von seinem ertigte Bestellung zum Keinen. Der Äeichsloirtschasts« Heer-Hennings zu seinem rbeaufttagten für die begehen Verhältnisse aus dem enden und eisenverarbeiten- Maßgabe ernannt, dah Dr. >m AeichswirtschaftsministrZ öffentliche Arbeiten beschränken. Nicht minder groß als die Not in den Städten ist das Elend der Farmer. Jetzt rächt es sich, daß Amerika nur verschwindend wenige wirkliche Bauern kennt, sondern daß der amerikanische Farmer zum landwirr- schaftlichen Kleinindustriellen geworden ist. Die Anbauflächen, welche die Farmer in der Zeit der Wirtschaftsblüte ausgenutzt haben, find viel zu groß, als daß sie jetzt nach wirtschaft- lichen Gesichtspunkten bestellt werden könnten. Der Farmer muß die Agrarprodukte viel zu billig an die Großbetriebe — Grobschlächtereien,, Konservenfabriken, Molkereien und Mühlen — abliefern, als daß die landwirtschaftlichen Urbetriebe selbst rentabel zu halten wären. Die verarbeitenden Industrien, die seither die Preise der Agrarprodukte drückten, werden also mit neuen Steuern belegt, die in Gestalt von Prämien denjenigen Formern zur Verfügung gestellt werden, die sich freiwillig bereiterklären, ihre Anbauflächen zu oer Meine r n. Dec Lleberschuldung der Farmer, die ähnlich wie in Rorddeutschland zu einer Kette von Zwangsversteigerungen geführt hatte, wird angehalten und in ihrer Auswirkung den dringendsten Gefahren dadurch entzogen, dah Roosevelt einmal erhebliche Summen zur Verhinderung von Zwangsvollstreckungen bereitstellt und zum anderen in besonders ernsten Fällen die Bundesregie- • Erlcheinl tägltd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen; vte Illustriert« Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monats»Bejugsprets: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr . . -.25 Auch bei Nichterscheinen odn einzelnen Nummern . infolge höherer Gewalt. Zenisprechanschlitsfe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten' Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. die Hegemonie Frankreichs stützen und ausbauen will, sie bejaht auch alle innerpolitischen Maßnahmen, die dies zu fördern geeignet find. Es ist klar, daß sich hieraus innerhalb der Partei unerträgliche Spannungen ergeben mußten. Welchen Rückhalt die Mehrheit der Parlamentsfraktion bei den Parteimitgliedern und Wählermassen hat, ist unübersichtlich, doch wird er wahrscheinlich nicht gering sein. Es entspricht dies der natürlichen geistig-politischen Wandlung des Franzosentums. Frankreichs Hegemoniestellung berauscht den Franzosen viel zu stark und ist für ihn auch wirtschaftlich zu vorteilhaft, als daß er nicht bereit geworden sein sollte, sich geistig-politisch so zu organisieren, wie ihre Siche- Washi ngton, den 6. Juli 1933. Unter den Deutschamerikanern ist es der höchste Ehrentitel, den man dem energischen Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten, Roosevelt, verleihen konnte, dah man ihn neuerdings „Amerikas Hitler" nennt. And tatsächlich durchlebt Amerika augenblicklich etwas, was von der Geschichte dereinst folgerichtig als Revolution bezeichnet werden wird. Revolutionen bekunden sich .am deutlichsten in der Stimmung eines Volkes. Man muß die Verzweiflungsatmosphäre des Vorjahres erlebt haben, um den gewaltigen Stimmungsumschwung begreifen und würdigen zu können. Der Höhepunkt der Depression fand zweifellos seinen symbolischen Akt in der Auseinander- knüppelung des großen Deteranenlagers, das sich hier einige Monate lang unmittelbar vor den Toren Washingtons ausgedehnt hatte. 3n der überwältigenden Stimmenmehrheit, die Roosevelt als Präsident fand, offenbarte sich der Wille des amerikanischen Volkes nach anderen als formal- demokratischen Methoden regiert zu werden, am deutlichsten. Jetzt ist zumindest, und dies ist das Wichtigste, die seelische Depression überwunden. Aehnlich wie in Deutschland oder in Italien nach Mussolinis Machtübernahme hat ein gläubiges Vertrauen die Herzen des Volkes erfaßt. Daß der Kongreß auf ein halbes Jahr nach Hause geschickt worden ist, empfindet man allgemein als Segen. Denn nun kann Roosevelt, der mit geradezu diktatorischen Vollmachten ausgestat- tet wurde, das großzügige Wiederaufbauwerk planvoll und ungehindert durch parlamentarisches Dreinreden in Angriff nehmen. Die „Rationale Industrie-Wiederau s b a u a 11 e“ ist, gemessen an der amerikanischen Wirtschaftsvergangenheit, ausgesprochen revolutionär. Die Akte schafft die Möglichkeit, die verschiedenen Industriezweige der Stahlindustrie, des Films, der großen Autofabriken, der Textilunternehmungen in kartellartigen Gruppen zusammenzufassen, um vom Staate her die Produktion zu regeln. Die amerikanische Krise hatte schließlich ihre Ursache darin, daß in der Hoffnung auf eine verewigte „Prosperity" hemmungslos drauflos produziert wurde. Das Ergebnis war zuerst die vollkommene Rationalisierung, alsdann die Ueberschwemmung mit, Waren und schließlich die ungeheure Arbeitslosigkeit, die in den Vereinigten Staaten zwar statistisch niemals festgestellt worden war, die jedoch Ende 1932 zehn bis iünfzehn Millionen Arbeiter betrug. Jetzt hat Roosevelt sowohl die Arbeitszeit verkürzt als auch Zxe Löhne den augenblicklichen Verhältnissen angepaht. Er will verhindern, daß die überrationalisierten Betriebe in einen tödlichen Konkurrenzkampf eintreten, bei dem bei äußerster Ausnutzung der Menschen und Maschinen die Warenpreise gedrückt, aber die Menschen selbst arbeitslos gemacht wurden. Unter der Leitung des Generals S. Johnson ist ein besonderes Jndustriekommissariat gebildet worden, das mit weitestgehenden Vollmachten ausgestattet, Oie Deutsche Evangelische Kirche. Don D. Heinrich Bornkamm, o. ö. Professor der Kirchengeschichte an der Landesuniversität. Als der berühmte Jenenser Kirchenhistoriker Karl Hase im Jahre 1852 seine kirchenrechtliche Denkschrift von 1848 „Die evangelisch protestantische Kirche des Deutschen Reichs^ zum zweitenmal hinausgehen ließ, schrieb er in der Vorrede, schon der Titel seines Buches werde vielen abenteuerlich, ja polizeiwidrig vorkommen, nicht nur, weil das Deutsche Reich wie eine Luftspiegelung der Wüste wieder zerronnen sei, sondern noch mehr, weil „die Hoffnung auf eine protestantische Nationalkirche, auf eine deutsche Reichssynode für phantastisch angesehen werden würde". Damit begrub er eine der großen Hoffnungen der Revolution des Jahres 1848. Und als der Jenenser Theologe Heinrich W e i n e l im Jahre 1915 im „Kunstwort" die alte Forderung einer Reichskirche wieder erhoben hatte, mußte er ein Jahr darauf aus dem Widerhall, den er gefunden, das Ergebnis ziehen: „daß wir den Gedanken einer größeren kirchlichen Einheit begraben oder auf die folgende Generation verschieben müssen, die unter den Schrecken des Krieges gelernt hat, über die Kleinheiten und Engigkeiten deutschen Sonderdaseins hinwegzukommen". Die einst begrabenen Hoffnün- gen sind nun erfüllt. Der 11. Juli 1933, an dem das Verfassungswerk abgeschlossen wurde, bedeutet eine Wende in der Kirchengeschichte Deutschlands. Es ist ein Zeichen für die Tiefe deutschen Geschichtserlebens, daß alle großen Ereignisse seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts die Sehnsucht nach der einigen deutschen evangelischen Kirche wachgerufen haben. In den Tagen der deutschen Erniedrigung 1807 wie denen der Erhebung 1813 hatte Fichte noch im Banne der Aufklärung neben den alten Bekenntnissen eine neue freie Bildungsreligion der „allgemeinen Christen", gefordert. Er verlangte für den von ihm entworfenen totalen Staat, daß in ihm eine Religion festgesetzt werde, „über die alle ohne Zwang und aus freier Einsicht einig sein könnten; diese ist die Staatsreligion". Was er als einen Hort eines allgemeinen, freien Christentums, in dem die evangelische und die katholische Kirche noch ihr Sonderdasein führen sollten, was F. L. Jahn als Hort eines starken deutschen Volkstums forderte, suchte Friedrich Wilhelm III. zunächst als Hort evangelischen Gemeingeistes zu schaffen, indem er 1817 d i e Union stiftete. Obwohl sie nichts anderes sein wollte als gemeinsame kirchliche Verwaltung und tiie Bekenntnisse ausdrücklich nicht antastete, setzte sie sich doch von Altpreußen aus nur in einem Teil der deutschen Länder in sehr verschiedenen Formen durch, so teils bewußt, teils stillschweigend auch in Hessen, Der harte Widerstand der strengen Lutheraner, aber auch die der Union anhaftende Verschwommenheit und die zur ursprünglichen Absicht sehr in Gegensatz stehenden staatlichen Gewaltakte, mit denen sie an einigen Stellen Preußens durchgeführt wurde, machten diese Union zur schwersten Hemmung der kirchlichen Einigung im 19. Jahrhundert. Alle heißen Hoffnungen, die vor und in dem Jahre 1848 und nach der Reichsgründung aufflammten, wurden immer wieder an den Bekenntnisgegensätzen und an der Sorge, in einer einheitlichen Kirche irgend etwas von dem überlieferten Glauben in den Gemeinden drangeben des seit 1848 noch geretteten deutschen Evangelischen Kirchentages, zeitigten. Das Ergebnis der Arbeit eines ganzen Jahrhunderts war nur eine regelmäßig seit 1852 tagende Konferenz der deutschen Kirchenregierungen. Es war das Verdienst einer Reihe kirchlicher Führer wie Kahl, Beyschlag, v. Bamberg und kirchlicher Organisationen wie des Evangelischen Bundes, die mutig in allen Enttäuschungen die Fahne der Einigung hochhielten, und schließlich einer persönlichen Anregung Kaiser Wilhelms II., daß wenigstens diese Konferenz 1903 in einen festen Zusammenschluß der Kirchenregierungen, den Deutschen Evangelischen Kirche nausschuß umgewandelt wurde. Es bedurfte aber noch des tiefen deutschen Ein- heitserlebnisses im Kriege und der ernsten Sorgen um den Bestand und die Wirkung der Kirche nach 1918, um 1922 nach sorgfältiger Vorbereitung wenigstens die Vorforderung der Einheitsbewegung des 19. Jahrhunderts, den Deutschen Evangelischen Kirchenbund zu erfüllen. Das Geschlecht, das heute in stürmischem Anlauf die einheitliche Deutsche Evangelische Kirche erobert hat, war noch nicht an der Arbeit. Es ist eine einfache geschichtliche Tatsache: die gesamtdeutsche Kirche ist ein Geschenk des Nationalsozialismus und der Glaubensbewegung Deutsche Christen an den deutschen Protestantismus. Und auch durch den schmerzlichen Kampf der letzten Wochen darf niemand sich die Freude verbittern lassen, daß der Jahrhunderte alte Traum der evangelischen Deutschen Wahrheit geworden ist. Die Deutsche Evangelische Kirche wird bleiben, auch wenn die Geburtsschmer- zen, die sie kurze Zeit verursacht hat, längst ver- Morfe leichi 6efeffigt 18. Juli. Angesichts der rgung cm der Bernitter im heutigen Abendveüehr er Lpetulntion, während sich am Geschäft beteiligte. Sie r leicht beschicht, und gegen- Mutz zogen Bekula, Deutch ien bis zu 0,50 Prozent an. nen insgesamt I Prozent. Da> mtonmarft die Mstkurft von ihm voll behauptet. rtt erhielt sich einige Nach- Anleihen bei allerdings auch i mit unverändert 79,40 bis a notierten Stab. 8<* SNW 38, Äfe »4 s.8 'KU»*’ 16,90 Prozent. ___ Lokales, Provinz, WM ß.fi.ß. Neuner.* tann werden, n)tn ge. ? 8fiÄ. °t „ ÄÄ nSVKtz - ^w°hrt ScVad) '..bewahrt, ff' Dieser ^ndiger da; ^rden fjÄM und der SJerlni!"'"’013 5 ergeben. °U 9 Mez fassuyg hierzu nicht mehr ausreicht: Das Franzosen- tum’Jtrafh sich — es ist auf dem Wege zum „Faschismus". Der französische Ministerpräsident Dalaöier wird möglicherweise der Führer zu diesem neuen Frankreich. Schon seit geraumer Zeit hört man von zuverlässiger, gut informierter Seite, daß er alle faschistischen Tendenzen, die insbesondere in den französischen Mittel- und Linksparteien sich äußern, planmäßig fördert. Vermutlich wird diese mächtige Unterstützung auch die Mehrheit der sozialistischen Kammerfraktion veranlaßt haben, gegenüber den doktrinären Opportunisten vom Schlage Lson Blums unnachgiebig zu bleiben. Die zweite Internationale ist tot — diese Aeußerung die aus der Kammerfraktion auf dem Parteitage fiel, ist aufschlußreich genug. Man verläßt den Internationalismus, die Basis des marxistischen Gedankengebäudes, weil man bereits auf neuem Grunde steht. Diese Entwicklung wird sehr aufmerksam verfolgt werden müssen, denn ihre außenpolitischen Auswirkungen können überaus bedeutsam werden. Indem sich Frankreich „faschisiert", will es auch geistig-politisch auf der Höhe der Zeit fein. Es will sich dieses modernen Ideengutes bemächtigen als einer nunmehr unentbehrlichen Waffe für (eine imperialistische Politik. Oerueue Kurs in deramerikanischen Wirtschaftspolitik Roosevelts Aufbauprogramm für Industrie und Landwirtschaft. Äon unserem tt-Korrespondenten. MetzeiierAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: vrühl'sche Universttätt-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schnlstratze 7. 9 OhnJ ihre lange Vorgeschichte Ware es freilich unmöglich gewesen, sie so rasch und erfolgreich aufzurichten. Die neue Kirchenver- fassung ist der organische Abschluß dieser Geschichte. Sie ist aus der Verfassung des Kirchenbundes fortentwickelt. Sie läßt tote dieser die Landeskirchen bestehen und hat ihre Aufgaben ähnlich nur noch reicher umrissen: Regelung d^ 1 Verhältnisses zum Staat, Pflege des Volkstums, ■ K.rme ooruoerging uno aue ve- der gemeinkirchlichen Liebes- und Missions- einen Rückschritt, die Selbstauslösung » arbeit. der Beziehungen zu den evangelischen SM 47,05 12,54 3,053 169,97 70,42 62,61 72,Ö 14,02 0,932 2913 58,71 22,22 16,49 81.33 35J 81,18 0,881 0,236 5,205 12,7« rung bevollmächtigt, die Hypotheken selbst zu übernehmen. Auch die Dollarabwertung dient schließlich den Farmern, denn sie verrrn- gert ihre Verschuldung, und sie läßt die Preise für die Agrarprodukte ansteigen. So hat sich der trostlos darniederliegende Weizenprcis seit Marz bereits mehr als verdoppelt. Roosevelt will mit allen Mitteln versuchen, und dies ist der Kernpunkt des Gesetzes über die Dollarentwertung, daß die Preise steigen und die Höhe von 1926 erreichen. Die Rohstoffprcise sind bereits überall im Anziehen, die Stahlindustrie hat bereits wieder 50 Prozent ihrer Kapazität erreicht, und die Arbeitslosenziffer ist in zwei Monaten um rund 1,5 Millionen zurückgegangen. Der deutsche Leser wird mit Erstaunen wahrnehmen, daß der neue amerikanische Wirtschaftskurs mancherlei Paral^ lelen zu dem Aufbauwerke Hitlers aufweist. Ob allerdings Roosevelts Werk von einem Dauerer- folg gekrönt sein wird, hängt davon ab, ob es ihm gelingt, nicht nur neue Maßnahmen durchzuführen, sondern dem jungen amerikanischen Volk eine neue Staatsidee zu vermitteln. Oie pariser presse wühlt weiter Unfreundliche Kommentare zu Hendersons Berliner Besuch. Paris, 19. Juli. (CNB. Funkspruch.) Die fron, zösische Presse liefert täglich neue Belege für die unverändert negative Einstellung Frankreichs zu den von den anderen Mächten unterstützten Bemühungen Hendersons, die Abrüstungskonferenz wieder arbeitsfähig zu machen. Das „Echo de Paris" macht gegen Hendersons Berliner Verhandlungen Stimmung, indem es schreibt, er verhandele in Berlin unter dem Vorwande, den Frieden retten zu wollen, darüber, daß Frankreich seine Rüstungen in Austausch gegen deutsche Versprechungen herabsetze. Könne denn, so schreibt das Blatt, Frankreich unter den gegenwärtigen Umständen seine Landesverteidigung ungestraft auch nur um einen Soldaten und eine einzige Kanone kürzen? Gegenüber der deutschen Revolution sei in der Abrüstungsfrage größtes Mißtrauen erforderlich. — Um den Nachweis, daß Frankreich nicht abrüsten dürfe, bemüht sich auch das „I o u r n a l", indem es mit der Veröffentlichung einer Artikelreihe über „Die geheimen Rüstungen Deutschlands und seine militärische Vorbereitung" beginnt. Darin werden, größtenteils in feuilletonistischer Form, die alten tausendmal widerlegten Behauptungen, die das französische Publikum immer wieder beeindrucken, neu aufgemacht. Die ausländischen Kegler als Künder der Wahrheit. Den besten Eindruck vom neuen Deutschland WSR. F r a n k f u r t a. M., 18. Juli. Im Anschluß an die heutige Tagung des Internationalen Keglerverbandes hatte der Deutsche Keglerbund die ausländischen Abordnungen zu einem Essen geladen. Paul Schluck, der Bundesführer der deutschen Kegler und neugewählte Präsident des International Bowling Association, wies in packender Rede alle Auslandsbesucher auf die nationale Erhebung Deutschlands hin und legte jedem einzelnen der fremden Besucher dringend ans Herz, in ihrer Heimat zu erzählen, inwelchmuster- g ü l t i g e r O r d n u n g u n d i n w e lch vorbildlichem G e i st e sie Deutschland vorgefun- Den hätten. Unter Führung unseres Volkskanzlers Adolf Hitler und des verehrungswürdigen Reichspräsidenten sei Deutschland auf dem besten Wege, ein einig Volk und damit ein starkes D o l k zu werden. Ein schwedischer Abgeordneter sagte, er könne im Ramen seiner Freunde aus ehrlicher Lleberzeugung berichten, daß man über das Gesehene und Gehörte in Deutschlandbegeistert sei und nicht verfehlen werde, in der Heimat alles wahrheitsgetreu zu berichten. Für die Schweizer Keglervereinigung sprach ein Vorstandsmitglied dem Deutschen Keglerbund seinen Dank für die Einladung aus. Dem neuen Deutschland wünsche er das Beste. Der Vertreter des Riederländi- s ch e n Keglerverbandes sprach mit seinem Dank für die Gastfreundschaft die Versicherung aus, daß er in seiner Heimat wahrheitsgemäß nur berichten könne, daß im neuen Deutschland alles in Ruhe und bester Ordnung sei. Auch ein Südafrikaner gab seiner Begeisterung für den herzlichen Empfang Ausdruck. Der Amerikaner Mulleh-Patterson gab dem Dank der Amerikaner für alles, was sie hier erhalten und erlebt haben, begeistert Ausdruck. Er erklärte wörtlich: Rach allem, was wir in uns^rer amerikanischen Presse über Deutschland gelesen haben, hatten wir das niemals erwartet. Es war eine Ueber- raschung, die uns zu Herzen ging. Vielen von uns standen die Tränen in den Augen, deutsche Sitte, deutsche Ordnung zu sehen. Wenn ich nach Amerika komme, so werde ich den Lügen sofort entgegen treten und beweisen, daß es Lügen sind, nachdem ich zwölf deutsche Städte jetzt gesehen und kennen- gelernt habe. Ich habe gesehen, das deutsche Volk ist gesund und andere werden es mit ihren Lügen und Unwahrheiten nicht um» bringen: das deutsche Volk und die deutsche Ordnung werden immer bestehen. Kleine politische Nachrichten. Die große Saarkundgebung am Riederwalddenkmal, die ursprünglich für den 2. und 3. September in Aussicht genommen war, ist au f den 2 6. und 2 7. August vor» verlegt worden. Zum Führer des Bundes der Saarvereine wurde nunmehr Gauleiter Simon, Koblenz, gewählt. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat an die ihm unterstellten Landesarbeitsämter und Arbeitsämter einen Erlaß herausgegeben, den deutschen Gruß als Ausdruck des Gemeingeistes im Geschäftsbereich anzuwenden. Gaubetriebszellenleiter, Bezirksleiter der Deutschen Arbeitsfront, Landtagsabgeordneter Willi Decker ist zum RSB O.-L andesobmann Frankfurt a. M. ernannt worden. * Der Staatssekretär im preußischen Ministerium für Wissenschaft. Kunst und E « EH W * I ■ j * MH . .•■äs T-fv -< Ak- MM H x M HM- •• W 7 I’ MO WH ...MA- f UD J Hs-W. HE fSl - v N «M := AWUHHDM < h l W .. £ f Der Absturz der liiauischeu Ozeanflieger. Die Trümmer des amerikanisch-litauischen Ozeanflugzeugs „Li im Kost des Tanzes und der Paraden. Der französische Nationalfeiertag am 14. Zuti. Don unserem V. G.-Berichterstatter. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Paris, Mitte Juli 1933. Der Jahrestag des Sturmes auf die Bastille, der als Rationalfeiertag in ganz Frankreich gefeiert wird, ist in erster Linie ein großes T a n z f e st. In freier gleicher brüderlicher Frische dreht das Volk sich auf offener Straße nach den Klängen unzähliger Kapellen unter bunten Girlanden und brennenden Lampions. Ganze Stra- henzüge werden von dem Treiben beherrscht. So manche Kreuzung, die der Fußgänger sonst inmitten des hastenden Verkehrs auf vorgeschriebenen mit breiten Metallknöpfen eingefaßten Streifen vorsichtig überquert, sind jetzt von einem hin- und herflutenden Meer von kreisenden Pärchen und interessierten Zuschauern ausgefüllt. Die Kraftwagen machen nicht einmal den Versuch, dort durchzukommen. Große öffentliche Plätze sind besonders zum Tanz heraerichtet — vor dem Hotel de Ville, die place des tetes usw. Der alte Mont- pamasse, der bei den Weltbohemiens noch immer den Ruf eines unübertroffenen Paradieses genießt, hat sich in erster? Linie angestrengt. Die „Coupoie", der „Dome" und wie die berühmten Cafes und nächtlichen Vergnügungsstätten alle heißen, haben ihr Schwergewicht ins Freie verlegt. Ein jedes hat sein mehr oder weniger improvisiertes Orchester, das mit den Rachbarn nach Kräften wetteifert. Das Ohr wird trotzdem merkwürdig wenig gestört. Die Harmonika erweist sich als beherrschendes Instrument durchaus harmonisierend zwischen gleichzeitigem Foxtrott, Tango, Walzer, Rumba und nicht zu bestimmenden Trali- lala. Ein Gewimmel von Rassen wiegt sich nach diesen Tönen: dunkle Romanen, blonde Germanen, Slawen mit sentimentalem Blick, Schwarze aller Schattierungen, Rotbraune, Bronzeköpfe, Gelbgesichter. Es herrscht eine muntere, keineswegs ober ausgelassene Stimmung. Die Fröhlichkeit hat eine Grenze, denn der Tanz ist bekanntlich nicht nur ein Vergnügen, sondern eine kultische Handlung. Früher gab es mehr Tanzende, heute sind die Zuschauer in der Mehrzahl — wer kennt auch all die Regeln für die zuckelnden Schritte und das Hüftenschaukeln der neuesten Tänze. Immerhin, wenn man bedenkt, wie- viele Männlein und Weiblein in diesen Tagen auf staubiger Landstraße oder rauhem Pflaster tanzen, so kann man sich vorstellen, daß die französische Schuhindustrie besser durch ein Nationalfest als durch Weltwirtschaftstagungen angekurbelt werden kann. Und überhaupt — tanzen macht durstig, auch wenn es zwischendurch regnet, und Zuschauen machi Hunger. Die grande Nation setzt im Juli wenigstens Einiges um. Zur besseren Uebersicht über das abendliche und nächtliche Treiben der feiernden Großstadt lasse man sich zwischen den Pfeilern des Eiffelturmes aufziehen. Von dort sieht man unter dem drohenden Wolkenhimmel, der den vielfarbigen Schein gespensterhaft widerspiegelt, Fackelzüge sich durch die Straßen winden. 3n allen Richtungen liegen beleuchtete Denkmäler und öffentliche Bauten. Rur der Jnvalidendom, in dem der Kaiser schläst, ist dunkel. Der Höhepunkt ist natürlich das Feuerwerk, das über die luftige Höhe des Eiffelturms hinwegschießt, während das Krachen nur gedämpft hinaufreicht. Ein feiner Silberregen stürzt von einigen Seinebrücken ins graue Wasser, dann wieder schwirren feurige Garben durch die Luft. Bengalische Festbeleuchtung richtet das Auge zwischendurch auf die hoch über dem Montmartre gelegene Kirche Sacre Coeur oder die Julisäule auf dem Dastillenplatz. Man versucht in den letzten Jahren dem 14. Juli durch allerhand Veranstaltungen für die Kinder den ausschließlichen Charakter zu nehmen, den er bisher als Tanzfest und Militärparade gehabt hat. Gewiß ist viel in dieser Richtung getan worden, aber nach wie vor bleibt das Schwergewicht bei Tanz- und Paradeschritt. Die große Truppenschau auf der Esplanade des Invalides eröffnet nach alter Ueberüeferung die Feiern des „quatorze juillet". Das Land, das nach kürzlichen Enthüllungen eines Pariser Blattes 960000 Mann unter Waffen hält, kann sich eine gelungene Parade schon erlauben. Das Militär macht einen vorzüglichen Eindruck. Die eigentliche Sensation ist aber die Fliegertruppe, die zum erstenmal in mehreren Staffeln über der Hauptstadt kreiste, während der Präsident der Republik die Schau abnimmt. Der junge Luftfahxtminister Pierre V o t läßt es sich etwas kosten, um seinem italieni- chen Kollegen nachzueifern. Trotzdem Frankreich nach neuen Angaben gegen 4000 Kampfflugzeuge besitzt, hatte man in der Bevölkerung bisher kein großes Vertrauen in die Luftwaffe gesetzt. Man hielt es daher für sehr zweckmäßig, daß sich einige Staffeln von den vierzehn französischen Flugregimentern einmal in geschlossener Formation über Paris zeigen. Eine größere Ueberraschung war für die Pariser aber entschieden das Hakenkreuz und die schwarzweißrote Fahne auf dem Außenministerium. Der Quai d'Orsay ehrt am 14. Juli diejenigen Länder, zu denen es diplomatische Beziehungen unterhält, durch Ausziehen ihrer Fahnen. So wehten nach vielen Jahren bei diesep Gelegenheit wieder einmal die stolzen schwarzweißroten Farben vom Dach des Außenministeriums und daneben in friedlicher Eintracht mit den Fahnen der verschiedensten Erdteile das Symbol der deutschen Revolution, die Hakenkreuzfahne. Volksbildung hat in scharfer Form gegen Eingriffe von Einzelpersonen und Verbänden in den Staatsapparat, insbesondere i n d i e S ch u l- und Hochschulverwaltung Stellung genommen und angeordnet, daß allen Eingriffen Unberufener im Bereich der dem Kultusministerium unterstellten Verwaltungen mit allem Nachdruck entgegengetreten werde. InNeuyork wurde im Anschluß an eine vaterländische Kundgebung unter zahlreicher Beteiligung von hier lebenden Deutschen und Amerikanern deutscher Abstammung ein „K u 11u r v e r e i n und Bund der Freunde des neuen Deutschlands" gegründet. Walter Schellenberg wurde zum Vorsitzenden ernannt. Rücknahme der Vollmachten für die Bezirksleiter der Wirtschaft. Berlin, 19. 3uli. (WTB. Funkspruch.) Das Reichswirlschaftsministerium feilt mit: Nachdem auf Anordnung des Herrn Reichskanzlers Kommissare aus dem Gebiete der Wirtschaft nicht mehr tätig sein sollen, hat der Reichswirtschaftsminister die (Ernennungen der in den Beliefen der Landesarbeitsämter ernannten Be- jirtsleitet der deutschen Wirtschaft zurückgenommen. Diese (Ernennungen waren in dem Ausruf des Reichskommissars für die Wirtschaft und des Führers der Deutschen Arbeitsfront vom 16.2Hai 1933 befanntgegeben worden. Wit der Rücknahme dieser (Ernennungen erlöschensämt- liche,oondenBezirksleiternd er Deutsch e n Wirtschaft erteilten Untervollmächten und Aufträge. Aus aller Well. Amerikaner durchschwimmt die Stromschnellen des Niagara. Einem jungen Manne von 18 Jahren gelang es als erster, die Stromschnellen des Ria- gara zu durchschwimmen. Der Schwimmer stürzte sich auf der amerikanischen Seite des Flusses ganz nackt in den Fall hinein, wurde wiederholt von der Strudeln mitgerissen, konnte aber trotzdem nach 2M>stündigem schwerem Kampf mit dem Element das kanadische Ufer erreichen. Dort wurde er unter der Anschuldigung der Vagabundage und der Uebertretung des Verbotes, den Riagara zu durchschwimmen, in Haft genommen. Wohltätige Stiftungen eines amerikanischen Bankiers. Wie sich jetzt bestätigt, hat der Bankier James Loeb, der frühere Inhaber der Neuyorker Bank Kuhn, Loeb & Cie., der im Mai d. I. in Murnau (Oberbayern) gestorben ist, diesem Ort 20000 Dollar für notleidende Einwohner testamentarisch zugewendet. Eine wertvolle Kunstsammlung stiftete er dem Museum für Kleinkunst in München und eine Stradivari-Geige, einst P a g a - n i n i s Eigentum, einem Münchener Kammermusiker. — Noch nicht bestätigt hat sich die Nachricht, daß Bankier Loeb der Münchner Forschungsanstalt für Psychiatrie nicht weniger als eine Million Dollar gestiftet haben soll, doch ist die Wahrscheinlichkeit schon deshalb sehr groß, weil Loeb im- mer einer der Hauptspender unter allen privaten Förderern des Instituts mar, das seinesgleichen in der ganzen Welt nicht besitzt und sich auch des betonteren Interesses der neuen Regierung erfreut. Berbanösfag bet deutschen Tapezierermeister. Der Reichsverband Deutscher Tapezierermeister, Polsterer und Dekorateure hielt in Kassel seinen außerordentlichen 32. Derbandstag ab. Der geschäftsführende Vorsitzende, Fischer, Magdeburg, betonte die Größe und Dedeutung der Aufgaben, die auch dem Reichsverband der Tapezierer durch die Schaffung des Reichsstandes des deutschen Handwerks erwachsen. Der bisherige Geschäftsführer Spindler, Berlin, wurde durch Decker, Berlin, erseht. Stadtrat Klugmacher Magdeburg, der Präsident des Handwerks- und Gewerbekammertages, überbrachte die Grüße seiner Organisation und betonte, daß die geplante Pflichtinnung der Grundpfeiler jeglichen deutschen Handwerks sei. Der nächste Derbandstag soll in Dresden stattfinden. Gewerbe-Oberlehrer Dungardt, Frankfurt a. M., hielt einen Vortrag über Tapetenherstellung und Ta^ petenarten. Derbandsvorsihender Fischer behandelte das Thema „Das Handwerk im neuen Staat". Feuetgefechl mit (Eingeborenen in Marokko. Der Panzerwagen eines mit Gehaltsauszahlungen betrauten Militärzahlmeisters, der 500 000 Franken mit sich führte, wurde, wie „Petit Journal" aus Casablanca meldet, von Eingeborenen in der Gegend von Rich Überfällen. Etwa 30 (Eingeborene, die mit Gewehren bewaffnet waren, wollten sich des Wagens und seines Inhaltes bemächtigen. Die Besatzung des Panzerautos ließ jedoch das Maschinengewehr spielen und schlug die Angreifer, die 20 Tote und Verletzte zu verzeichnen hatten, in die Flucht. Der Scapa-Flow-Kreuzer „Bon der Tann“ eingeschlepp^ Der bei Scapa Flow versenkte deutsche Schlachtkreuzer „DonderTann" wurde nach vollendeter Hebung jetzt kieloben nach Rosyth eingefchleppt. Tausende von Zuschauern wohnten dem Schauspiel bei „Von der Tann" ist das 32. der deutschen Kriegsschiffe, die von der englischen Der- gungsfirma Cox & Danks seit neun Jahren gehoben worden sind. Kunst und Wissenschaft. Künstlerische Betätigung von Ausländern und Nichtariern unbehindert. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, fand im preußischen Kultusministerium unter dem Vorsitz des Staatskommissars Hinkel eine Aussprache statt, an der die Vertreter aller maßgebenden deutschen Musikerverbände teilnahmen. Hierbei stellte Staatskommissar Hinkel zur Vermeidung aller Mißverständnisse ausdrücklich fest, daß in Preußen jeder frei schaffende Künstler, gleich welcher Nationalität, zu Worte kommen soll. Die k ü n st l e r i s ch e Betätigung von Ausländern und N i ch t a r i e r n in den freien Berufen der Kunst soll also, abgesehen von den gesetzlichen Bestimmungen des Beamtenrechtes, keineswegs verhindert werden. Bedeutende vorgeschichtliche Funde im Blünfterlanb. In Hochlarmark bei Herne wurden mehrere vorgeschichtliche Dörfer entdeckt. Es sind bisher einwandfrei drei große Dorfsiedlungen mit deutlich erkennbaren Wohnhausgrundrissen festgestellt worden. Außerdem fand man sehr viele kulturgeschichtliche Gegenstände, die auf den Stand der Kultur vor 1500 Jahren einen sicheren Schluß zulassen. Demnach stammen die Siedlungen von den Germanen der nachchristlichen Jahrhunderte. Die Ausgrabungen wurden seit längerer Zeit durch das Städtische Heimatmuseum Herne unter Beteiligung des Landes- museums Münster und des Destischen Museums Recklinghausen vorgenommen. Festaufführung ter 9. Symphonie in Bayreuth. In dem Bewußtsein der besonderen Bedeutung dieses Jahres, das uns die 50. Wiederkehr des Todestages Richard Wagners bringt und zugleich im Gedenken an das vor drei Jahren erfolgte Hin- scheiden seines einzigen Sohnes, veranstaltet das Bayreuther Festspielorchester -?Ekv. a*s?6 .deutsch^ ?^§chal. 'ge TeschzA^s f,6eS*fc d« ?»ndd>N" -br-chle d^»»» LL°-L L?tÄL •»-WJ; oÄS?*^ BK n»Don der lann“ leppt, ft beuche Schlacht. vollende. Q$ ^olhth eingeschleppt, n wohnten dein Schm. n das 32. der deut« 2?n, englischen 2er. w leit neun Jahren ge. Tiffenschaft. un9 von Ausländern :n unbehindert. Uche Pressedienst mitteilt, tusministerium unter dem ssars Hinkel eine Aus- Vertreter oller mahgeden- bände teilnahmen, hierbei inkel 3ur Vermeidung aller lich lest, daß in Preußen tler, gleich welcher Naiio- soll. Äie künstlerische u s l ä nd e r n und rei'en Berufen der Kunst n geseglichen ßeftimmun* keineswegs oedjinbed ! Zünde 'm Munsterland. tzerne wurden mehrere Dörfer entdeckt. Es :i drei große Dorssied- mbaren Wohnhausgrund- n. Außerdem sand man iche Gegenstände, die aus vor 1500 Jahren einen it Demnach stammen die Iermanen der nachchrtst« ie Ausgrabungen wurden h das Städtische Heimat« Beteiligung des Landes- des Aestischen Museums Minen. Symphonie in Bayreuth, der besonderen Bedeutung die 50. Wiederkehr des Toners bringt und zugleich !r drei Jahren erfol9le^ i Sohnes, veranstaltet das a0U. Die musikalische Lep ÄSS4 "h'Sflö fr:?äÄS -Sf'lSlS hi v°n u"İ»Vd lieber Ä )e9'niQ79r im Bayreulher ebracht «orden .st- oraussagt' donwellerlaS 0Onnenjtrab steil ge°n"^^ Küsteagct» iirste nu , gn pe^ wntett.7. Mittags ^gens raö.’ f 19-3uIö J Stunden- Aus der provinzialhauptffadt. Heiraten oder nicht? Der Zufall fugte es, daß ich in einer kleinen Provinzstadt, in der ich früher jahrelang lebte und noch eine Anzahl von Freunden befaß, zwischen zwei Zügen längeren Aufenthalt hatte. Se.'bstver- stündlich schlenderte ich durch die alten, vertrauten Straßen und frischte schöne Erinnerungen auf, die mir wieder in den Sinn kamen. Aber ein paar Stunden sind viel, und der Rundgang war vorzeitig beendet. So suchte ich einen alten Bekannten auf, der mir oft geschrieben hatte. Und ich wußte, ich würde ihn bestimmt nicht verfehlen, denn er war Arzt und hielt in diesen Nachmittagstunden Sprechstunde ab. Seine Gehilfin führte mich ins Wartezimmer, und ich mußte lange warten, da ich mich, um ihn zu Deutschland, das kinderärmste Land. In Indien kommen 6,1 Kinder aus jede Ehe, in Japan 4, in Italien 3,2, in Rußland 3,1, in England 2,6, in Frankreich 2,2 und in den vereinigten Staaten 2,1 und in Deutschland nur 1,9 Kinder. Deutschland ist dos kinderärmste Land Europas. Die Zahl der kinderlosen jüngeren Ehen ist auf 40 Prozent gestiegen. 13 Prozent Ser Ehen entstammt nur 1 Kind, 20 Prozent entstammen 2 Kinder, 12 Prozent 3 Kinder und 15 Prozent 4 oder mehr Kinder. überraschen, nicht gern zu erkennen geben mochte. Als ich endlich an der Reihe war, verließ gerade ein junges Mädchen — ober war es eine junge Frau? — das Zimmer meines Freundes. Ich blickte ihr voll Interesse nach. Bei einem Arzt erwartet man Kranke zu sehen, aber nicht solch strotzendes, blühendes Leben. „Wunderst du dich?" fragte mein Freund. „Zugegeben." „Ich bin Hausarzt in ihrer Familie, und sie hat sich nur Rat geholt. Wie schön, daß man wieder Berater sein darf, Berater in Fragen, von denen letzten Endes die Zukunft unseres Volkes abhängt. Dieses junge Mädchen, das ich von Kind auf kenne, will heiraten. Sie hat mir eben gesagt, daß sie si mindestens ein halbes Dutzend Kinder wünscht, und da ich auch Hausarzt in der Familie ihres künftigen Mannes bin, konnte ich ihr erklären, daß sie für ihren Lebensbund eine kluge und gute Wahl getroffen hat." „Hausarzt?" „Ja. Hausarzt und Freund der deutschen Familie und so auch Wegbereiter des neuen Deutschland, das jetzt im Werden ist. Vielleicht vermagst du gar nicht zu begreifen, wie sehr mich das beglückt. „Doch, ich verstehe dich." „Du bist Arzt wie ich und weißt, welche Befriedigung wir empfinden, wenn wir helfen und heilen können. Wir erfüllen uns aber erst dann ganz in unferm Beruf, wenn wir auch Betreuer der Gesunden und ihrer Zukunft sein dürfen. Unsere Der- Du mutzt wissen, daß Ehen unter Blulsoerroanbfen sehr bedenklich sind, von 392 Kindern, die der Ehe von verwandten entstammten, waren nut 119 völlig gesund und 150 waren minderwertig, 116 starben bereits vor Vollendung des fünften Lebensjahres. Aus Ehen von Geschwisterkindern waren unter 95 Nachkommen 36 minderwertig und 17 hochgradig minderwertig. Weniger als die hälfte waren völlig gesund. antwortung ist groß. Sie ist jedoch leicht zu tragen, wenn wir Diener unseres Volkes sind. Ich weih, ich weiß es bestimmt, daß die Zeit wiederkommt, wo man nicht nur dann zum Arzt schickt, wenn man ihn dringend für einen Unfall und bei Erkrankungen braucht, wir haben noch andere große Aufgaben. Und sie erst lassen uns empfinden, wie schön eigent» lich der Beruf eines Arztes ist. Das Glück in jeder Ehe hängt nicht nur von der Harmonie ab, die zwischen den Gatten besteht, die Che wird erst zur unlösbaren Gemeinschaft, wenn sie mit Kindern gesegnet wird, Kinder, für die man schafft und arbeitet, um ihnen den Weg zu erleid)- tern und zu ebnen. Gesunde Kinder, in denen wir meiterlebcn. Es sind viele, die zu mir kommen und Rat einholen, und ich sage allen bas gleiche, daß wir nicht aus Eigennutz hanbeln bürfen, baß wir immer weiter benten müssen, über unser armselig kurzes und kleines Leben hinaus. Daß wir alle nur ©lieber einer großen Kette inmitten unserer Volksgemeinschaft sind, daß wir das Gesunde, das Große und Gute, bas wir selbst empfangen haben, weitergeben müssen und gleichzeitig verhindern, daß Minderwertiges sick) vererbt. Wenn jemand berufen ist und berufen fein wird, so ist es der Hausarzt der Familie, mit feinem Wissen und seinen Erfahrungen der kleinen Gemeinschaft zu dienen, wie sie eine Familie darstellt und darüber hinaus der größeren, der großen Gemeinschaft, die Vaterland und Volkstum heißt. In diesem Sinne erwachsen dem Arzt ganz besondere Aufgaben, und er wird sie durchführen können, wenn er das Vertrauen der Ratsuchenden wieder gewinnt. Diesem gesunden Menschenkind habe ich eben ge- „Oie Entwaffnung Deutschlands." Der Verein Deutscher Studenten in Gießen veranstaltete gestern abend auf feinem Haufe einen Vortragsabend. Die Veranstaltung erhielt eine besondere Bedeutung durch die Anwesenheit des Kurators der Londoner Universität Prof. Read und zweier englischer Studenten, die sich auf einer Stu- bienreife durch Deutschland befinden, um die deutschen Universitäten und insbesondere auch das Verhältnis der deutschen Studentenschaft zum Dritten Reich kennenzulernen. Der Vortragsabend war sehr gut besucht. Der Mcnd wurde mit einer kurzen Ansprache des Versammlungsleiters Herrn Reu sch eröffnet, der zunächst die britischen Gäste herzlich willkommen hieß. Er begrüßte ferner den Leiter der Staatspressestelle, Herrn Falk, der Kanzler der Landesunioersität Prof. Dr. H e r z o g , Se. Magnifizenz den Rektor Prof. Dr. I e ß, die Herren der Kreisleitung der NSDAP., die Kameraden der SS. und SA., den Führer der Gießener Studentenschaft, stud. jur. Adam, ferner Bürgermeister Dr. Hamm als den Vertreter der Stadtverwaltung und die Kommilitonen. Der Verein Deutscher Studenten veranstalte, so fuhr er fort, von Zeit zu Zeit wehrpolitische Abende. Man freue sich, daß es möglich sei, wieder Arbeit im Interesse der Wehr- haftmachung des Vaterlandes leisten zu können. Zu ben britischen Gästen gewandt, führte der Redner aus, daß es für ein entwaffnetes Volk sehr wichtig sei, sich mit ben Fragen der Wehrhaftmachung zu beschäftigen. Es sei schwer, in dem Bewußtsein zu leben, einem wehrlosen Volke anzugehören. Der Vortragsabend solle dazu beitragen, Verständnis für die gegenwärtige Lage Deutschlands zu wecken. Sodann sprach Hauptmann Braß über das Thema: „Die Entwaffnung Deutschlands". Der Vortragende führte zunächst aus, daß er vom militärischen Standpunkt aus über die Frage der Entwaffnung Deutschlands sprechen werde. Dabei werde es sich allerdings nicht umgehen lassen, auch die politische Bedeutung der Wehrlosigkeit Deutschlands zu streifen. Bon weittragendster Bedeutung sei die einleitende Bestimmung des V. Teiles des Versailler Vertrages folgenden Wortlauts: „Hm den Anfang einer allgemeinen Beschränkung der Rüstungen aller Rationen zu ermöglichen, verpflichtet sich Deutschland zur genauen Befolgung nachstehender Bestimmungen über die Land-, See- und Luftstreitkräfte." Diese Bestimmung durchzöge das Vertragswerk wie ein roter Faden und sei entscheidend für die Entwaffnung Deutschlands. Deutschland werde im Versailler Vertrag mit der Kriegsschuld belastet. Das deutsche Volk in seiner Gesamtheit erkenne aber die Schuld am Kriege nicht an. Die Entwaffnungsbestimmungen des Vertrages verkehrten den Sinn des Militärs in das Gegenteil seiner wirklichen Bestimmung. Rach dem Versailler Vertrag sei das Heer nur zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Inneren des Landes und zu Zwecken der Grenzpolizei bestimmt. Dem deutschen Heere, das auf 1OOOOO Mann beschränkt sei, stünden Riesenheere des benachbarten Auslandes gegenüber. Das deutsche Heer sei außerdem völlig unzureichend mit Munition versehen. Der deutsche Munitionsvorrat wäre im Kriegsfälle schon in zwei Großkampftagen erschöpft. Deutschland sei nur sehr schwer in den Kriegszustand zu überführen, denn man brauche ja nicht nur Menschen, sondern auch Waffen und Munition. Die Menschen aber mühten für den Umgang mit Waffen erst ausgebildet werden. Eine amerikanische Meinung gehe dahin, daß selbst eine hochentwickelte Industrie nur in einem Zeitraum von 12 bis 20 Monaten völlig auf Kriegsbedarf umzustellen sei. Das habe Amerika zur Genüge erfahren. Dom Eintritt Amerikas in ben Weltkrieg bis zum Waffenstillstand sei keine amerikanische Granate aus einem amerikanischen Geschütz abgefeuert worben. In ben deutschen Fabriken sei kaum mehr ein Fachmann der Rüstungsindustrie zu finden. Die Maschinen zur Herstellung des Kriegsbedarfes in Deutschland seien zerschlagen. Es müsse außerdem berücksichtigt werden, daß der Krieg nicht mehr allein mit Gewehr und Gefchütz geführt werbe. Man müsse an Gase benten, beren Herstellung unb Einfuhr in Deutschland verboten sei. Der Bau und die Einfuhr von Kampfwagen und Flugzeugen sei ebenfalls verboten. Gegen diese modernen Angriffsmittel feien uns nicht einmal Verteidigungswaffen gestattet. Ein entscheidender Punkt sei die durch den Versailler Vertrag veranlaßte Abschaffung der deutschen Wehrpflicht. Wenn heute daran $u denken wäre, die Wehrpflicht wieder einzuführen, dann könnten die Mannschaften gar nicht ausgerüstet werden. Die Ausbildung der wehrfähigen Männer erfordere unendlich viel Zeit. Jahre gingen darüber hin, während im Ausland Millionen als Reserven sofort zu den Waffen gerufen werden könnten. Deutschland befinde sich in schwerster Gefahr nicht nur gegenwärtig, sondern auf Jahre hinaus. Festungsanlagen innerhalb der 50 Kilometer breiten entmilitarisierten Zone im Westen muhten geschleift werden. Diese entmilitarisierte Zone beginnt bereits unmittelbar hinter Braunfels. Die Seerüskung sei sehr beschränkt. Ostpreuhen sei ohne Seemacht nicht zu halten. Die Marine habe keinerlei Flugzeuge, von Flugzeugmutterschiffen ganz zu schweigen. Die neuen deutschen Schlachtschiffe könnten den Großkampfschiffen der anderen Mächte keinerlei Widerstand leisten, sie seien, was die Bestückung anbetreffe, lediglich den gleichgroßen Schiffen der ehemaligen Feindbundmächte überlegen. An Hand von Lichtbildern wies der Redner noch die zahlenmäßige Ueberlegenheit der anderen Staaten nach und gab dadurch das ganze Ausmaß deutscher Wehrlosigkeit zu erkennen. Zum Schluß betonte der Redner, daß das Heer für jedes Land eine Notwendigkeit sei. Jedes Volk habe die Pflicht, sich am Leben zu erhallen. Dem deutschen Volke liege jeder Gedanke an einen Krieg ferne, es könne aber keinem Lande bas Recht zum Leben und zu dessen Verteidigung genommen' werden. Auf dieses Recht müsse auch Deutschland Anspruch erheben. (Lebhafter Beifall.) In seiner Schlußansprache dankte der Versammlungsleiter dem Redner und betonte dabei, daß wenn Deutschland die militärische Ertüchtigung fordere, ihm der Gedanke an einen Krieg fernliege, denn ein Krieg bedeute immer ein nationales Unglück, da durch ben Krieg immer bie Besten eines Volkes verloren würben. Leiber müsse man bie Feststellung machen, bah im Auslande, selbst bei den Juristen, der Versailler Vertrag in seinem Wortlaut kaum bekannt sei. Der Vortragsabend möge ein wichtiger Beitraa für die Auslandsarbeit des jungen Deutschlands fein. sagt, daß sie jung und im rechten Alter sei zu heiraten, und daß sie einen Lebenspartner gewählt habe, der den Bestand der künftigen Ehe gewährleiste. Es war leicht und erfreulich, hier zu raten, wie es schwer ist, kranken Menschen zu sagen, daß sie nicht heiraten dürfen, um nicht krankhaftes und minderwertiges Erbgut auf Kinder zu übertragen, die dann dem Staate nur zur Last fallen und den Bestand der Nation gefährden Es ist ja merkwürdig genug, ja und absurd zugleich, daß kaum einer sich einen edlen Hund kaust, ohne auch über seinen Stammbaum und die Echtheit seiner Rasse unterrichtet zu sein, daß er — wenigstens bisher —, aber kaum die gleiche Erwägung anstellte, wenn es sich um den Fortbestand seiner Familie handelte. Wir wissen von der Bluterkrankheit, daß sie von den Frauen auf deren männliche Kinder vererbt wird, und wir kennen die Gefahren für jeden davon Betroffenen. Wollen wir doch endlich bedenken, daß sich nicht nur gute, sondern auch alle minderwertigen und krankhaften Anlagen in gleicher Weise weiter vererben. Eine der Hauptaufgaben des Arztes im neuen Staate wird es (ein, und er ist dazu berufen, fein Wissen um biologische Forschungsergebnisse im Dienst der Volksgemeinschaft zu nützen und zu verwerten. Ebensowenig wie nahe Verwandte untereinander heiraten sollten, müssen von Staats wegen auch Ehen Erbminderwertiger oder gar Verbrecher verhindert werden, unbedingt jede Möglichkeit der Nachkommenschaft, die das schlimmste Erbe krankhafter Veranlagung und schlechten Erbgutes anzu- treten hat. Diese Möglichkeit ist ja in der an sich unschädlichen Unfruchtbarmachung Minderwertiger gegeben. ^ffier soll heiraten und wann? Diese Frage wird immer wieder an den Arzt gestellt. Sie ist wahrhaftig nicht schwer zu beantworten. Der gesunde, junge Menscb, Mann oder Frau in der Vollkraft und Hohe seiner Jugend und in Erkenntnis der Pflicht, die er seinem Volke gegenüber zu erfüllen hat. Die junge Frau, die im Mann das Oberhaupt ihrer Familie sehen mochte, und der junge Mann, der in seiner Frau nicht nur die Lebensaefärhtin und Kameradin im Kampf um die wirtschaftliche Exi- stenz, sondern darüber hinaus die Mutter seiner Kinder sieht. Nur ein Volk, das seine besten Eigenschaften und Eigentümlichkeiten und das seine Ge- sundheit seinen Kindern zu vererben vermag, ist kraftvoll und berufen, sich sein Lebensrecht zu schützen und zu erhalten. Es zu beraten in solcher Schicksalsfrage, wird Pflicht und Aufgabe des deutschen Arztes sein. Dr. F. H. B-rnortzen. — Tageskalender f ii r*M i 11 w o ch. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die Nacht im Forsthaus". ** Sonntagsrückfahrkarten zum Hessischen Feuerwehrtag. Wie die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. mitteilt, werden zum 27. Hessischen Feuerwehrtag in Schotten (vom 22. bis 24. Juli) Sonntagsrückfahrkarten von allen oberhessischen Bahnhöfen und von Frankfurt a. M. nach Schotten ausgegeben. Die Karten haben eine Geltungsdauer vom 22. Juli 0 Uhr bis 24. Juli 24 Hhr (Antritt der Rückfahrt). ** Oberhessische Gesellschaft für N a - t u r « und Heilkunde. Die Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde unternahm am Samstagnachmittag einen heimatkuntzsichen Ausflug nach Bad-Nauheim und Wisselsheim. Er galt insbesondere dem Studium der Salzflora bei Hofgut Löwenthal im Wettertal. Lehrer Oßwald (Bad- Nauheim), staatlicher Vertrauensmann für Naturdenkmalpflege für das südliche Oberhessen, war den Teilnehmern ein sachkundiger Führer. 700-ZahrfeierdesAuerbacherSchlosses WSR. Auerbach a. d. B., 18. Juli. Am Sonntag fand auf der Ruine des Auerbacher Schlosses aus Anlaß der 700-Iahrseier des Auerbacher Schlosses ein großes Burg- und Trachtenfest statt, zu dem auch Ministerpräsident Professor Dr. Werner erschienen war. Rach einem großen historischen Trachtenzug, der 52 Gruppen umfaßte, fand im inneren Schloßhof der Festakt statt, in dessen Mittelpunkt ein Dühncnspicl mit dem Titel „Vergangenheit und Gegenwart huldigen der Burgfrau' stand. Darin wurden in 14 historischen Gruppenbildern die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse versinnbildlicht. 3n seiner Begrüßungsansprache teilt Bürgermeister Drückmann mit, daß der Gemcinderat von Auerbach den Reichsstatthalter Sprenger und den Ministerpräsidenten Prof. Dr. Werner zu Ehrenbürgern ernannt habe. Ministerpräsident Dr. Werner dankte für die Ehrung und hielt eine längere Ansprache, in der er betonte, daß derartige Feste dazu geeignet seien, daß das Volk aus seiner Vergangenheit wieder neue Kraft schöpfe für seinen Fortbestand und Wiederaufstieg. Die Regierung habe sich vorerst als vornehmste Aufgabe die gestellt, das Versprechen einzulöscn, für die kleinsten und ärmsten unserer Volksgenossen Brot zu schaffen. Umfangreiche Arbeiten an der neuen Autofahrbahn, die in der allernächsten Zeit in Angriff genommen werden, würden sicherlich die Wirtschaft auch an der Bergstraße neu beleben. Die Rede des Ministerpräsidenten wurde mit großem Beifall ausgenommen. Todessturz eines Bürgermeisters. WSR. Biedenkopf, 18.3uli. 3n Hatzfeld stürzte der Bürgermeister Bäumer aus bisher ungeklärter Ursache aus dem Fenster seines Hauses etwa 5 Meter tief auf die Straße. Mit schweren Verletzungen mußte er dem Krankenhaus zugeführt werden, wo er alsbald verstarb. Kommissarische Bürgermeister und Beigeordnete in Hessen Groß-Steinheim: Peter Götz an Stelle des Bürgermeisters Rachor. Hattenrod: Heinrich Menget II., an Stelle des Bürgermeisters Peter Neeb. Climbach: Hermann Stein an Stelle des Bürgermeisters Heinrich Wißner. Saasen: Heinrich Schepp I., seither Beigeordneter, an Stelle des Bürgermeisters Ment; Wilhelm Stark I an Stelle des seitherigen Beigeordneten und nunmehr zum komm. Bürgermeister ernannten Heinrich Schepp I. Geilshausen: Emil Nau an Stelle des zurückgetretenen Beigeordneten Konrad Hilberg. Elbenrod: Hermann Dietrich Schmidt an Stelle des Beigeordneten Otto Schmidt. Ruppertsrod: Landwirt Heinrich Weber an Stelle des verstorbenen Beigeordneten Adam Phi- lippi. • Ruhlkirchen: Peter Diehl, an Stelle des Bürgermeisters Alois Pfeffer. Dauernhei m: Landwirt Gustav Wirth III. an Stelle des Bürgermeisters Herrnbrod. Wenings: Landwirt Konrad Oechler an Stelle des Bürgermeisters Reutzel. H i tz k i r ch e n : Straßenwärter Jean Fifcher an Stelle des Bürgermeisters Ullrich. Rommelshausen: Landwirt Heinrich Lotz an Stelle des zurückgetretenen Beigeordneten Dille- muth. B o r s b o r f: Landwirt Hermann Uhl II. an Stelle des Bürgermeisters Widdersheim. Effolderbach: Landwirt Reinhard Tag an Stelle des Bürgermeisters Haeußer. Pfordt: Johannes Schmier an Stelle des freiwillig zurückgetretenen Bürgermeisters Johannes Fischer. Dirlammen: Heinrich Ziegenhain II. an Stelle des Beigeordneten Karl Groh. Ilbeshausen: Heinrich Löffler XV. an Stelle des seitherigen Beigeordneten und nunmehr kommissarisch bestellten Bürgermeisters Gutermuth, Otto Gutermuth, seitheriger Beigeordneter, an Stelle des freiwillig zurückgetretenen Bürgermeisters Heinrich Ochs IV. Bermuthshain: Heinrich Oechler V. an Stelle des zurückgetretenen Beigeordneten Heinrich Müller. D u e cf: Jakob Pflanz II. an Stelle des zurückgetretenen Beigeordneten Andreas Lips. Pfordt: Ernst Kreutzer an Stelle des Beigeordneten Leonhard Siebert. N i e d e r ° O l m: Kart Zimmermann an Stelle des zurückgetretenen Beigeordneten Jakob Eckes I. H e ch t s h e i m: Oberinspektor Philipp Schäfer an Stelle des zurückgetretenen Beigeordneten Philipp Steeg. Lee he im: Adam Dorr I. an Stelle des freiwillig zurückgetretenen Beigeordneten Wilhelm Dörr. Gronau: Fleischbeschauer Heinrich Pfeifer an Stelle des zurückgetretenen kommissarischen Beigeordneten Alpers. Ober-Ohmen: Heinrich Horst II. an Stelle des Bürgermeisters Horst. Wald-Amorbach: Landwirt Philipp Ohl II. an Stelle des Bürgermeisters Konrad Flath. Heppenheim a. b. 23.: Stabtrat Ernst Schnei- ber, Lanbwirt, an Stelle bes Beigeorbneten Johann Wattenborf LI. Neckarhausen: Bäckermeister Lubwig Egner an Stelle bes Bürgermeisters Krieger. W i e s e ck: Karl Euler, seither Beigeorbneter, an Stelle bes Bürgermeisters Karl Schomber: Aböls Sommerlab an Stelle bes seitherigen Beigeorbneten unb nunmehr kommissarischen Bürgermeisters Karl Euler. Lauter: Karl Heinrich Pitz an Stelle bes Bürgermeisters Trailer. Alte Zigaretten-Marken verschwinden, wenn sie unzulänglich sind (man kann das beobachten). Neue Zigaretten-Marken können durch Packungen bluffen oder auf den Zeitgeist spekulieren. CLUB aber bleibt immer führend, denn sie bietet nur Qualität und zwar unübertreffbare Qualität Vermietungen] KRAFTOMNIBUSSE für jede Personenzahl, vermietet bill. Carl Hoos / Gießen - Annerod Telephon 3646 39b u Haben Sie schon unsere Siedlungshäuschen an der Lieber Straße gesehen? Fragen Sie AdSrMSNN Schulstraße 7/9 - Ruf 2251 4643 D im Daubringer Straße 21 f. Kinder ab 3.50 4638 A Modehaus Salomon Gießen - Schulstraße 4 für den Strand, zum Paddeln usw. Detektiv K. Gerz, Bad-Nauheim, Har- Straße 17 erleöigtalle vertrauliche Privat- u GeicliäitSangele- genbeiten, wie Auskünfte, Beobachtungen,(Lrm tteiungen. Beschaffung 0. Be- roe smat in Straf- u Zimlvroz hrenn dtskr. Svrechst.'9b 121 /»u —611 br i?»p Donnerstag, den 20.1.2T7.» nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen ", Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 4642D 6 Schränke, 1 Flügel, 2 Registrierkassen, 1 Radioanlage, 4 Sofas, 2 Büfetts, 1 Kredenz, 1 Cautsch, 3 Schreibmaschinen, 2 Klaviere, 1 Frisiertoilette, 1 Haarschneidemaschine, 2 Chaiselongues, 17 Bände Brockhaus, 2 Bilder, 2 Vertikos, Tische, 4 Sessel, 1 Spiegel, 1 Diwan, 1 Ladentheke, 1 Grammophon, 1 Kommode, 1 Lampe, 1 Teppich, 1 Harmonium, 200 Rollen Butterbrotpapier. Ferner an Ort und Stelle: 2 elektrische Kühlschränke, 1 Kassenschrank, 2 Stämme, 1 Opel-Perionen- roagen, Sargbeschläge, Gehrungslager, Milchtöpfe, Kannen und Verschiedenes. 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Maloreen und tat, bm erledigt - lach schleppend bewegen, als könne sie ihre rZutze »u > 1 r . „aber es mar Danke, Schlacht und spanend _ öa 3mei ber messieurs, es geht noch oh $u'bieten wollten —, E^ÖrSä=S>R mich würdig an b r I f Seitengebäude tre- tente'eÄr h°rb°! und °°r,ch°°nd mit ihr im ^Äinh»rr der seine Gäste und Direktoren zum »rübftütf geladen, wartete mit ihnen im Empfangs- Fruystua g «cnnn wiederzukommen geruhte. kleine Frühstück verlief in angeregtester Stim- mung Sr h=n fonfi 1° blaffen langen 3enn, Maloreens lag ein rosiger Hauch; in steheimms- vollem Feuer leuchteten chre Augen, die lächelnd dw immer lebhafter werdenden Huldigungen der Herren "widerten" Ein eigenartiger Reiz..umgab diese schlanke Frau im eleganten, dunkelgrünen Straßen- kvstüm mit der zartfarbenen Chiffonbluse und dem Iaadhütchen, das ebenso apart wie vornehm wirkte. Sie haben keine schlechte Wahl getroffen die Herren vom Nachrichtendienst!, ^chte Stemherr, e betrachtend, die Freundschaf vorgetauscht wo sie Verrat geplant. Beinahe hatte er den Simson zu ihrer Delila gespielt. Ein Tor, wer an die Auf richtigkeit der Menschen glaubte! — Die Maloreen fing seinen Bück auf und grüßte ihn mit einem kurzen, vertrauten Lächeln. So hatte sie ihn angesehen, damals im Flugzeug, als ihr Partner im Spiel ihnen als Fremder gegenuber- gesesfen, derselbe Partner, der soeben mit bestem Appetit seihen Rehbraten verzehrte. Höflich hob er sein Weinglas, da sie ihm zutrank. „Auf weiteres Gedeihen Ihres Lebenswerkes, mein Freund!" Er dankte. , „ , Da Sie so gütige Teilnahme an meinem Schassen zeigen, wird es Sie und die Herren" — mit einer kleinen Verbeugung gegen seine Gaste — «vielleicht amüsieren, zu erfahren, daß es Menschen gibt, deren Interesse an gewissen Fabrikationsmethoden so groß ist daß sie in ihrem Eifer und ihrer Wißbegierde die Begriffe von Mein und Dein ein wenig verwechselten! Der Versuch wurde mir jedoch sofort gemeldet — Vierling, eine frische Serviette für den Herrn! Aber bitte, Monsieur, es kann jedem einmal passieren, daß er sein Weinglas umstößt! — Die Mühe hätte sich auch kaum verlohnt. Kostbarkeiten, vor allem Geheimnisse, werden hier im Werk nie aufbewahrt, dafür gibt es sicherere Orte. Da ich aber noch nicht auf dem bolschewistischen Standpunkt der Eigentumsentäußerung stehe, wurden auf alle Fälle sogleich die erforderlichen Sicherheitsmaßregeln ge- Bekanntmachung. Die Kanalbauarbeiten zum Ausbau der Siedlung rechts der Licher Straße unterhalb der Bahn Gießen—Fulda sollen auf Grund der Reichsoerdingungsordnung für Bauleistungen öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen und Ange- botsoordrucke find bei uns erhältlich. Die Angebote sind versiegelt in einem Briefumschlag ohne Firmenaufdruck, mit entsprechenden Aufschriften versehen spätestens zum Eröffnungstermin am Mittwoch, dem 26. 3uli 1933 vormittags 10 Uhr an die Städtischen Kanalisationswerke, Gartenstraße 3 H, abzugeben, wo die Eröffnung der eingegangenen Angebote im Beisein der etwa erschienenen Anbieter erfolgt. 4631D Zuschlags- und Bindefrist vier Wochen. Gießen, den 18. Juli 1933. Städtische Kanallsationswerke. Braubach. Stellenangebote| Kaufmännischer ttmiiog aus achtb. Marn, zum sof. Eintritt gei. Nur schristl. Bewerbung, an Netto & Kraft, Kraftfahrzcug- Revaratnr, Gießen, Marb. Straße 68. (45450 4-ZimoierWohn. Marburger Straße (Friedensnnete)ver 1. Aug. zu vermiet. 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Sie werden uns vorbereitet finden, Monsieur." Die Blicke der beiden Männer kreuzten sich lächelnd, wie zwei funkelnde Klingen. Lebrun, der starr auf seinen Teller gesehen, hob den Äopf, bedauerte die Aufregung, die ein derartiges „Malheur" seinem verehrten Gastgeber verursacht haben mußte. „Aber es war ja gar kein Malheur", widersprach der große Mann an der Spitze der Tafel heiter. .Vielmehr ein Glück — nicht wahr? —, dem wir mit Ihrer gütigen Erlaubnis dieses Glas", den eben gefüllten Sektkelch hebend, „weihen wollen. Frau Maloreen — meine Herren ..." Nach und nach kam die Unterhaltung, von Steinherr geführt, wieder in Fluß. Aber bald erhoben sich die Fremden, bedauerten lebhaft, sich verabschieden -3U müssen. Der alte Meilhac, der an-scheinend von nichts wußte, bat seinen Gastgeber um eine vertrauliche Unterredung für den nächsten Tag; vielleicht ließen sich die angenehmen persönlichen Beziehungen geschäftlich weiterspinnen? Steinherr behielt sich Tag und Stunde vor; man könne sich darüber noch verständigen, nicht wahr? Groß und aufrecht stand er an der Schwelle des Empfangszimmers, drückte jedem Gast jeft die Hand und dankte für das feinem Werk bewiesene gütige Interesse. .... Es war auch mir ein unvergeßlicher Tag, messieurs. Sie, liebe Freundin" — das Wort leicht betonend —, „darf ich wohl in meinem Wagen zurück in die Stadt fahren? Ihr Chauffeur ist bereits fort; er muß Ihre Weisung, zu warten, mißverstanden ^Einen Augenblick stand die Frau, in jeder Muskel gespannt, ihm gegenüber. Dann neigte sie das Haupt. Stumm, blaß, aber sehr ruhig saß sie neben Steinherr, ,ber mit undurchdringlichem Gesicht geradeaus blickte. Erst als sie sich der Stadt näherten, sprach sie. „Wohin fahren Sie mich?" Er hob die Brauen. „Nach der Bendlerstraße!" „Und was dann?" Sie haben bis Mitternacht Deutschland zu verlassen", kam die kurze Antwort. „Ueber Ihren Partner Regnier entscheidet die Polizei." „Ah, die beiden Direktoren, nicht wahr, die mit ihnen fahren? Aber man wird ihm nichts nachwei- Neuhergericht Laden in günst. Geschäftslage evtl.mitWohn. z.1.Aug. zu vermiet. Erstkl. vorn. Laden- einricht., befand, für Konfitüren u. ähnl. Geschäfte geeignet, kannzu günst. Preis, mit übern, werden. Angebote u.Anfrag. bei Rechtsanwalt Zimmermann, Gießen, Lndwigstr. 47. (45370 | Mietgesuche | llllllllllllllllllllllllllllllllllll i-Mimm-Wn. mit Bad u. Zentralheizung per 1. Okt. gesucht. Schriftliche Angebote 11. 04333 a.d. Gieß.Anzeiger. Illlllllllllllllllllllllllllllllllll Hühneraugen Warzen,Hornballen beseitigt restlos auch m den hartnäckigst stallen totsicher unt. Gar. innerh.5-6 Tg. Hühneraugen-Rapid Ei batN nur Löwen- Drogerie W. Kilbinger Nach«.. Seltersweg 69 Verschiedenes! 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Obschon der Nebel (em Bestes tat, Ihnen beizustehen." , , .. „Damals?! Wer wie kamen Sie — — ad), lassen wir das, es ist geschehen." Ein tiefer Seufzer. Müde sank die Frau zurück in die Wagenecke. Wieder lastete Schweigen in druckender Schwere zwischen ihnen. Dann wandte sich Stemherr seiner Begleiterin zu:. „Darf ich fragen, ob Monsieur Reg- nier-Traillon Ihr Gatte ist?" Sie war beim Nennen des letzten Namens leicht zusammengezuckt. Auch das wußte er? Ein mattes Lächeln verzog ihre Lippen. „Nein, wir sind nicht verheiratet. Ich bm feit zehn Jahren die Witwe eines in Holland ansässig gewesenen Schweden namens Maloreen. Er erschoß sich, als er von meinen Beziehungen zum ausländischen Nachrichtendienst erfuhr — von deren Bezahlung er sehr angenehm mitgelebt hatte. Ich sagte Ihnen schon einmal, daß ich in meinem Leben mehr Unheil als Glück brachte." Steinherr furchte finster die Stirn. „Konnte eine Frau von Ihrer hohen Intelligenz sich keine edlere Ausgabe stellen als die der Spionage?" Sie sah herab auf ihre schönen Hände, deren kostbare Ringe funkelten beim mechanischen Glätten der weißen Handschuhe, die sie lässig durch die Finger ^Mich lockte das Abenteuer. Und die Versuchung, meine Macht über Menschen zu erproben. Sie sind eine Herde von Dummköpfen, und das Spiel beginnt, mich zu ermüden. Aber Sie werden begreifen, mein Freund: Man muß Geld haben, um zu leben! Für einen Berufswechsel bin ich zu alt und für kleine Verhältnisse nicht geschaffen. Bleibt also nur die Fortsetzung bis zum Ende." Magnus Steinherr wandte sich ab, ungerührt. Sein bis zur Härte aufrechtes Wesen, das unter Anspannung aller Kräfte geradlinig seinen Weg ging, stand dieser Lebensauffassung fremd und verständ- nislos gegenüber. Und was er nicht begriff, vermochte er nicht zu verzeihen. Kein Wort fiel mehr zwischen ihm und der Frau, mit der er sich bis vor kurzem in echter Freundschaft verbunden gewähnt. Eine große Bitterkeit war in ihck. Der Wagen hielt. Vandro sprang ab und klingelte am Tor. Steinherr öffnete den Schlag und half sei- ner Begleiterin beim Aussteigen. Stumm standen sie nebeneinander, während der alte Diener aus dem Hause hastete. Als er aufgeschlossen, hob Steinherr förmlich den Hut. „Vergessen Sie nicht: bis Mitternacht müssen Sie fort fein", sagte er kurz. Sie nickte. „Ich werde abqereist sein — und danke Ihnen. Untersuchungshaft ist sehr langweilig." Eine abwehrende Handbewegung. „Es geschieht nicht aus Ritterlichkeit, Frau Maloreen." Seine Stimme klang kühl und geschäftsmäßig. (Fortsetzung fol __________ »tg in hen Willi. Vornan von Helma von Hettermann. 22. Forts et z Nachdruck verboten 1 Durch Riesenhallen ging es, in denen Maschinen stampfend und dröhnend Riesenarbeit verrichteten, an Hochöfen vorüber, an Eisentrögen in denen die weißlühende Masse langsam zur Kühlung gebracht wurde, durch Die Flure und Räume eines richtigen Laboratoriums, in denen Chemiker in weißen Mänteln Stahlproben auf ihre Beschaslenheit untersuchten. Und wieder durch endlose Hallenreihen tn denen fertige Maschinenteile Stahlgeruste, riesenhafte 4-Träger und Kräne auf den Versand harrten. Mit Chrom und Nickel verbunden — und mit jenem neuerfundenen Metall, das der Welt noch unbekannt. Bläulich-silbern schimmerten jene ungeheuren Swyt- boqen, die zum Brückenbau verwendet wurden. War es das? Heiße Begehrlichkeit brannte in den Augen K «r^ ffÄjÄ Männer ?n Holzpantoffeln, mit nacktem Oberkörper hantierten stumm, ohne den Vorübergehenden einen Blick zu gönnen, an den Trogen im dreien, Denen in dichten weißen Wolken zischender Dampf entströmte Hier bog Steinherr ab und lenkte die Schritte auf anderem Wege zurück. Da war die Kantine mit den großen Waschräumen und dem VerbandsZimmer, in hem eine junge Schwester soeben einem Arbeiter die verbrühte Linke verband, da das Lesezimmer mit seinen hohen Bücherregalen. Die Besucher tarnen aus Dem Staunen niefjtheraus. Zwei volle Stunden waren sie durch das Werk gegangen und hatten doch nur einen Bruchteil davon 9ej5as ist ja eine ganze Stadt", weinte der älteste von ihnen, Meilhac, der ein berühmtes Eisenwer m Lothringen besaß, „viel großer als ich dachte — und alles so gut organisiert. Ah, ihr Deutschen versteht das nun einmal!" Mit diesem Stemherr mußte man sich zusammentun, er war eine Macht geworden. Der junge Regnier ging als letzter em wen-g langsamer als die anderen und unterhielt sich ebenso lebhaft wie liebenswürdig mit dem einen der beiden Direktoren, der sich zu ihm gesellt. Die Maloreen schritt zwischen Steinherr und dem älteren Franzosen, der die Verwaltung einer deutschen Grube im Haargebiet übernommen hatte. Ruhig wie immer, aber voll interessierter Aufmerksamkeit lauschte sie den kurzen Erklärungen ihres Führers, Die sie des öfteren in flüssiges Französisch übersetzte, wenn Dem Deutschen ein Ausdruck fehlte. „Das Werk ist Ihrer roürDig, lieber Freund , sagte fie, als sie einen Moment allein neben Steinherr ^a"unD des Hütens wohl wert — nicht wahr, Frau Jenny?" Mit einem undefinierbaren Lächeln begegnete er ihrem Blick, der ernst an ihm hing. Eine versonnene Wärme stand in den grünen Augen, Die so selten Gefühl verrieten. Sie nickte. „Die Fähigkeit dazu traue ich Ihnen schon zu ..."__ Aelteres perfektes,kinderlieb. Mädchen für l.Aua. gesucht. Schristl. Ang. unt. 04332 a. d. Gß.Anz iillllllllllllllllllllllllllllllllll Tüchtiges MM sofort gesucht. 4939V Walltorstraße 5. Illlllllllllllllllllllllllllllllllll Mädchen vow Lande, d. schon im Restaurationsbetrieb war, u. etro. Kochkenntnisse hat, für Haus- u .Kücken- arbeit gesucht.Schr. Angeb. mönL mit Zeugnisabschr. unt. 04345 a. d. Gieß. 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Also krempelt er die Aermel hoch, schüttet die Beeren in seine Häuser - Beeren - Presse und dreht oben so lange, bis unten goldgelber oder rubinroter Beerensaft herausquillt, worauf meist der häus- liehe Streit anhebt, ob er ihn zu Wein oder Most verarbeiten darf oder ob ihn F' —. seine Frau zur Gelee-Bereitung und andere Küchenzwecke beschlagnahmt Wenn Sie auch Beerenobst haben: Holen Sie sich so eine Presse oder wenigstens einen Saftbeutel von 4328 A Gl ESSEN AM OSWALDSGARTEN. Sörperli und Kissis 3-8h;*iion«[‘T feä«Uu”n6 P«b SÄ 'S enW«1 L»«»»St Indern Ausbau, Hochschulen ift land für seine N Allerdings, m" (Qnen und nur sch können. 3m Segen auch in W-run- dah dieser Umbau große 5d)mierifltei sonderer Behutsam gemeinen GleuW stelle Aenderunger äußeren Borausse organisationen foi stellungen geben, aber, nur von im Hochschulen heraus Der Geist der H oder besser die ! aller Wissenschastc langem verloren 1 das Bildungsmitte für die Nation so sollen. Deswegen Hochschulreform die Wesens der Wissen Seit längerer Z- was die Wissenschas kann. Wissenschaft, f Streben natf) Srlei selbst willen; ein St fetie unb Bremen nl Mffenschast dürfe di Ausgabe unb eine W war auch bas beul! auf dem für es en „MemWn ^rechi Aber immer beult die Wissenschaft sei nunft nur um chi Wirklichkeit, die sie den, eine Fiktion gewesen ist, und b ftoruna und Stufte nisse, Die man fa: feiten, die aber in den, ober die, wer abzuleiten suchte, b lichkeit etwas ganz schastliche Erkennt: Erkenntnis unb d Verte Eraebnisse a gäbe verhaftet, ofjr ragen. Darüber h senschasten zu von bei der Sietyeit bei lefhieüe Spiefereiei anfroortung gegenü Lon E mS anderen A"del der Zeiten j är!LniUn8 8toif hat eingefchcn WlSe Bildung A eFSg- nil^rS leches c ssXS bur ^ilnn.;ne rtonfi lich die ß? aber richtet ift 3^ , Die ^rf^'^ aud fannfet 1 buch d^rWulleh: einmal öj^'^bun enfbebre^tom ?Qmli(6 öie or9a? i 1'Skeit tz. über ( Fleins 1UC ®^ö|ag Atzt lveM'derhe °nne u An 0'/leis Olotppn ■8?-^ ?n Sie ! ®“'ote “V"* »’ä?.* '"""I»°MÄZ^ WiSfrf* «■ Spionage?- me ebIer? Ns äÄte ä-ä-'R JJ* «leibt a[|o nur die Äg°i ,ab- ungerührt. ,G We^en, das unter erabhmg [einen Weg ging uns fremd und verstL ?Q5 « nicht begriff, Der. en. Sein B,tl SJ „ch, W verbunden gewähnt, it in ihch. bro [prana ab und klingelte , °°n Schlag und half [ei. hisfteigen. Stumm standen !nb der alte Diener aus dem ufgeschlchn, hob Sleinherr bis Mitternacht mästen Sie : abgereist (ein - und danke ifi ist sehr langweilig" indbewegung. „Es geschieht , Frau Maloreen." 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Aus Geist und Körper gestaltet die Erziehung die Persönlichkeit und ihren Charakter. gewachsen sind. Bezeichnenderweise stammen sie fast nie aus ärmlichen, unterernährten Volksschichten, sondern aus wirtschaftlich gut gestellten Kreisen, sind häufig das einzige Kind und regelrechte Muttersöhnchen. Verständnislose Eltern unterstützen sie noch, indem sie ihnen Defreiungszeugnisse vom Turnen durch den Arzt beschaffen. Die Schüler haben dann oft selber schwer darunter zu leiden da sie von den Kameraden verhänselt und als „Waschlappen" über die Schulter angesehen werden. Der Typ des „Bücherwurmes", der alle körperliche Leistung verachtet, ist heute kaum mehr anzutreffen. Eine nicht minder unsympathische Kategorie als die „Drückeberger" sind die fanatischen Sportler auf den Schulen. Der brennende Ehrgeiz, es zu Rekorden zu bringen, erstickt alle guten Wirkungen, die vom Sport auf den Charakter übergehen. Unter dem Einfluß dieses krankhaften Ehrgeizes vernachlässigen sie alle anderen Gebiete, werden un- kameradschaftlich, eitel und prahlsüchtig. Diele Lehrer üben gegenüber den Sportvereinen starke Zurückhaltung. Den Schülern müssen innerhalb der Schule genügende und anregende Leibesübungen und Sportspiele geboten werden. Zwei Turnstunden in der Woche können die charakterbildende Wirkung des Sports und des Turnens nicht auswerten. Dor allem soll man den Schülern auch Wettspiele und Wettkämpfe bieten, denn in jedem Jugendlichen steckt die Lust, sich im Kampfe mit anderen auszuzeichnen. Das kann in der Schule am leichtesten im rechten Maß geübt werden. An einigen Schulen sind solche turnerischen Wettkämpfe auch schon eingeführt und bewähren sich bestens. Sehr gut führen sich auch die Sportnachmittage ein, an denen die Schüler freiwillig teilnehmen können, hier herrscht starke Kameradschaftlichkeit, zugleich wird vom selbstaewählten Leiter darauf geachtet, daß die Körperlichkeit nicht einseitig überschätzt wird. Gemeinsame Wanderungen zu Wasser und zu Lande in den Ferien tragen dazu bei, den Jugendlichen früh den Sinn für das Praktische zu wecken. Gerade im Wandern sind Körper und Geist innig verbunden. Jeder Schritt bedeutet aus Ra- tur und Geschichte erlebte Heimat, trägt dem Geist nicht abgeliefert werden ober der Referendar zur mündlichen Prüfung nicht erscheint. Eine Ausnahme kann lediglich zugelassen werden, wenn der Reseren» dar durch amtsärztliches Zeugnis oder im Falle der Ladung zur Klausur oder zur mündlichen Prüfung durch lageärztliches Zeugnis dem Präsidenten d-s Landesprüfungsamtes gegenüber dartut, daß ernstliche Erkrankung ihn an der Ablieferung der Arbeit oder an dem Erscheinen zur mündlichen Prüfung gehindert hat oder ein anderer wirklich stichhaltiger Entschuldigungsgrund glaubhaft gemacht wird. Die Unsitte, gestellte Aufgaben zurückzugeben, bedeutet übrigens eine Belastung des Referendars selbst, der durch das Zuriickgeben von Arbeiten und die damit verbundene Verlängerung der Prüfungszeit ledig- lich, innerlich zermürbt in die mündliche Abschluß- Prüfung gelangt. Neugestaltung der großen juristischen Staatsprüfung Eine allgemeine Verfügung des preußischen Iustizministers. erhält nach Feststellung des Dorliegens aller Voraussetzungen zur Zulassung zur großen juristischen Staatsprüfung die zweite, sogenannte praktische Arbeit. Zu ihrer Ablieferung hat der Referendar drei Wochen Zeit. 3. Unmittelbar danach wird der Referendar zur Teilnahme an dem Gemeinschaftsleben in dem neu errichteten Gemeinschaftslager der Referendare geladen und hat dieser Ladung Folge zu leisten. Der Gemeinschaftsdienst dauert bis zur münblichen Prüfung. Damit ist die Zeit zum rein gedächtnismäßigen Einlernen von Einzelwissen aus unmittelbarem Anlaß der bevorstehenden Prüfung dem Referendar genommen. Er kann körperlich gestählt und geistig erfrischt durch das Gemeinschaftsleben unbefangen in die mündliche Prüfung gehen. 4. Während des Gemeinschaftslebens schreibt der Referendar auf Ladung, der er nachzufolgen hat, die auch bisher vorgesehenen Klausuren. 5. Die mündliche Prüfung, die sich an das Ge- meinschaftsleben unmittelbar anschließt, erfolgt wie bisher mit der Maßgabe, daß die Prüfungskommission von nun ab aus 4 Mitgliedern bestehen soll, wobei das vierte Mitglied in der mündlichen Prüfung vor allem volks- und ftaatskundliche Fragen stellen soll. Volks- und Staatskunde in weitestem Sinne erscheint im nationalsozialistischen Staat als ein Gebiet, auf dem vor allem der Richter und Staatsanwalt zu Haufe fein muß. Bei Stimmengleichheit in der Beratung der Prüfungskommission entscheidet der Vorsitzende. 6. Nach Feststellung, ob und gegebenenfalls mit welcher Bewertung der Referendar die große juristische Staatsprüfung bestanden hat, werden die Akten des Referendars dem Minister zum Entschluß darüber, ob er ihn zum Gerichtsassessor ernennt, vorgelegt. 7. Mit dem Zwecke der Prüfung, die u. a. feststellen soll, ob der Referendar in der Lage ist, ihm gestellten Aufgaben sich gewachsen zu zeigen, ist das bisherige „Recht" des Referendars, Arbeiten zurückzuweifen oder Klausuren nicht abzugeben, unvereinbar. Die Prüfung gilt deshalb als nicht bestanden, wenn das rechtswissenfchaftliche Gutachten ober die praktische Arbeit nicht fristgemäß ober bie Klausuren Neue Wege der Deutschen Stubentenschast Oer Führer der O. St. entwickelt das Arbeitsprogramm. Der Führer der 'Deutschen Studentenschaft, Krüger, äußerte sich gegenüber einem Der- treter des „Dolksdeutschen Dienstes" über die nächsten grundsätzlichen Arbeiten der Deutschen Studentenschaft. Zunächst betonte er im Hinblick aus den bevorstehendvM Studententag in Aachen, daß der grundsätzliche Einbau der Deutschen Studentenschaft in die gesamte nationalpolitische Arbeit erreicht werden soll. Ein hervorragendes Problem der Beratungen des Studententages werde der Arbeitsdienst sein. Der Aachener Studententag werde in stärkerem Maß Mannschaftscharakter tragen, wie ja auch die Beziehungen des Studententums zum Arbeiter besonders betont würden. Sämtliche studentischen Führer würden zunächst mehrere Tage in einem Schulungslager vereint, daran würden sich große Kundgebungen unter Beteiligung der Arbeiterschaft anschließen. Das nächste Ziel der Arbeiten der Deutschen Studentenschaft ist, so wurde weiter erklärt, der Einbau der Deutschen Studentenschaft in das Hochschulwesen. Don hervorragender Bedeutung ist ferner der gegenwärtig behandelte Entwurf eines neuen studentischen Diszipli- narrechtes, das vom preußischen Kultusministerium erlassen werden soll. Damit soll der bisherigen formalen Zulassung des Abiturienten zur Hochschule auf Grund von Schulprüfungen entgegengewirkt werden. Der Student wird in Zukunft in erster Linie seinen Pflichten gegenüber der Allgemeinheit zugeführt werden. Entzieht er sich dieser Plicht, dann wird er auf dem Wege des Disziplinarrechts von der Hochschule entferrct werden können. Ebenso wird nach dem alten Grundsatz der studentischen Korporationen Ehrlosigkeit durch Entfernung von der Hochschule bestraft werden. Korporationen, soweit sie sich in den neuen Geist einschalten, erhalten dadurch weitgehende Rechte gegenüber der Deutschen Studentenschaft, dafür werden sie aber auch im Sinne des neuen Hochschulideals besondere Pflichten zu erfüllen hoben, zum Beispiel durch Beteiligung am Arbeitsdienst, durch Schaffung fester örtlicher Gemeinschaften sowie u. 11. durch Schaffung von K a • merabschastshäusern. Der Anfang mit den Kamerabschaftshäusern in größerem Rahmen wirb gegenwärtig in Königsberg gemacht. Eine besondere Neuerung in der Deutschen Studentenschaft stellt die dezentralisierte Zusammenfassung der Grenz landarbeit bar, bie künftig in folgenber Weise vor sich gehen wirb: Eine Hauptleitung in Königsberg und eine Nebenleitung in Breslau behandeln die Fragen des Ostens, Dresden, die. der Sudetendeuischen, Hamburg bie Fragen Nordschleswigs unb Greifswald die skandinavischen Fragen. Die Zentrale der Deutschen Studentenschaft in Berlin hat die Gesamtregelung dieser Arbeit nach der staatlichen Seite hin unter sich unb die Aufsicht über die einzelnen Studentenschaften. In den letzten wenigen Wochen hat der Apparat der Deutschen Studentenschaft völlig neu aufgebaut werben müssen. der ganzen Persönlichkeit. Diesen Weg in der Schule einzuschlagen, ist schon darum gegeben, weil die Jugend die Freude an körperlicher Betätigung und Sportspielen mitbringt. Es ist sehr zu bedauern, daß sich das gemeinsame Wandern an den Schulen immer noch wenig, an den Hochschulen fast gar nicht durchgeseht hat. Beim gemeinsamen Wandern hat der Lehrer mehr denn je Gelegenheit, den Schüler in seinen Anlagen und der Charakterbildung zu erkennen, sest- zustellen, ob er wahren Gemeinschaftssinn praktisch betätigen kann und will. Die richtige Erkenntnis der Seele des Jugendlichen ist schon halbes Er- ziehungswerk. Die Erfahrung lehrt, daß der Turner und Sportler viel mehr tätig und handelnd in das Leben eingreift, wo der körperlichen Hebungen Abgeneigte noch zehnmal überlegt und zaudert, bis es zu spät ist. Der Sport in der Jugend vermittelt scharfe Konzentration und Willen, das gemeinsame Wandern erzieht zur Initiative und tätiger Rächstenhilse. Sehr deutlich zeigt sich die charakterbil- de nde Wirkung des Sports an eng- lischen Sportsmannschaften. Der Begriff des „fair play“, der im englischen Sport so scharf betont ist, seht sich auch im übrigen Leben durch und taucht in allen Handlungen aus. 3n England ist die Wertung des Sports als Charakterschulung weiter verbreitet als bei uns. Der Sieg im Wettspiel gilt dort nicht als die vornehmste Aufgabe der körperlichen Ertüchtigung. Hier taucht die Frage auf: Leiden die geistigen Leistungen der Schüler nicht, wenn das Tum- fach offensichtlich wieder in eine Dorzugsstellung gerückt wird? Diele Eltern halten an den alten Bedenken fest, daß eifriges Turnen die wissenschaftlichen Leistungen vermindere. Diese Bedenken treffen nur in Einzelfällen zu, haben aber keine allgemeine Geltung. Aus der Statistik ergibt sich, daß körperlich Tüchtige auch geistig die besten Leistungen aufweisen, wahrend d^e körperlich Untüchtigen auch in den wissenschaftlichen Leistungen im Minderwertigen steckenbleiben. Die schlechten Turner sehen sich meist aus Rervosen und Schwächlichen zusammen, die den Anforderungen der Schule und später auch denen des Lebens nicht Wie aus anderen Gebieten erleben wir Wandel der Zeiten in einer neuen Bewertung der Spannung zwischen Körper undGeist. Man hat eingesehen, daß die Erziehung nicht auf geistige Bildung beschränkt bleiben darf, sondern den ganzen Menschen erfassen muß. Reben der geistigen Erziehung fordert die körperliche ihr Alfred Bäumler, der Berliner Professor für den neu errichteten Lehrstuhl für politische Pädagogik, hat hierfür eine eindeutige, schlagkräftige Formel geprägt: Der bisherige Typ des Gebildeten fall ersetzt werden durch den Typ des Solda- ten. Das soll nicht heißen, daß nun die Hochschulen zu Kasernen gemacht werden sollen. Und auch das ist nicht damit gemeint, was man etwa unter einem „Soldaten des Geistes" verstehen könnte. Sondern die neue Forderung bedeutet die Einreihung des Akademikers in eine geistige und auch körperliche Zucht, die ihn als Glied [eines Volkes mit feinem Volk marschieren läßt auf dem langen und schweren Lebensweg unserer Nation und Darüber hinaus der Menschheit. Welche Konsequenz diese neue Haltung für das praktische Leben der Hochschulen haben wird, ist noch nicht entschieden. Vorläufig beginnt das Ziel sich erst allmählich klarer abzuzeichnen. Vieles, was uns bisher wertvoll und gut zu fein schien, wird auf dem Weg zu diesem Ziel hin sicherlich beseitigt werden. Wertvolleres wird bleiben müssen. Denn wie überall so ist auch hier das wirklich Neue immer nur das, was in dem Vergangenen wurzelt, es weiterentwickelt, es umformt. Wir waren bisher, nicht immer mit Recht, stolz auf unsere Wissenschaft unb unsere Hochschulen. Wir werben aber, so hoffen wir zuversichtlich, bann allerbings nur burch ernste Arbeit unb entfdjiebene Ehrlichkeit, die gerade auf diesem Gebiet vor allem anderen not tut, in Zukunft mit Recht stolz fein können auf die deutsche Wissenschaft und die deutschen Hochschulen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Preußische Justizminister zur Frage der künftigen Gestaltung des juristischen Prüfungswesens folgende Allgemeine Verfügung erlassen: Zweck der großen juristischen Staatsprüfung ist es, festzustellen, ob der Referendar nach Charakter, Fähigkeit und Wissen geeignet ist, ein deutscher Richter, Staatsanwalt ober Rechtsanwalt zu sein unb ob er zum Gerichtsassessor ernannt werben kann. Die große juristische Staatsprüfung in ihrer bisherigen Form gab nicht bie genügend sichere Grundlage für die Entscheidung, ob die Ernennung zum Gerichtsassessor im Einzelfall oorgenommen werden kann. Die große juristische Staatsprüfung wurde ferner bisher dadurch ungünstig beeinflußt, daß der Referendar in großem Umfange die Monate der Prüfung selbst zu einer nicht angemessenen, lediglich auf Einlernung von positivem Wissen abgestellten unmittelbaren Prüfungsvorbereitung verwandte. Auch das soll unmöglich gemacht werden, um den Referendar selbst zu zwingen, unbelastet von eingelern- tem Gedächtniskram körperlich und geistig frisch in die mündliche, den Abschluß der Prüfung darstellende Prüfung einzutreten. Oie neue Prüfungsordnung. Der Preußische Justizminister hat deshalb angeordnet, daß die große juristische Staatsprüfung von jetzt ab wie folgt verläuft: 1. Die Prüfung beginnt mit der Abfassung eines rechtswissenschaftlichen Gutachtens, das binnen vier Wochen nach Stellung der Aufgabe von dem Referendar abzuliefern ist und bereits während des Vorbereitungsdienstes, und zwar während der oberlandesgerichtlichen Ausbildungsftation anzufertigen ist. Damit soll einmal die Dauer der eigentlichen Prüfungszeit nach dem Vorbereitungsdienst abgekürzt und zweitens ein Uebergang aus dem Vorbereitungsdienst in die Prüfung erzielt werden. 2. Danach erfolgt unter Beifügung des abgelieferten rechtswissenschaftlichen Gutachtens durch den zuständigen Oberlanbesgerichtspräsidenten die Vorstellung des Referendars zur Prüfung, und dieser Das bisherige Schulturnen kann unmöglich als Erziehungsfach angesehen werden, wollte auch gar nicht als ein solches gelten. Es war ein rein technisches Fach, wenn es dem Schüler nur die Aufgabe stellte, ein bestimmtes Pensum von Leibesübungen zu beherrschen. Der gewaltige Aufschwung, den der Sport in den letzten Jahren genommen hat, hat aber auch insofern sein Ziel verfehlt, als die krankhafte Rekordsucht nicht mehr zur Besinnung kommen lieh, welchen Zweck eigentlich die körperliche Ertüchtigung hat. Ein Weg aber, der nicht immer bewußt auf das Ziel gerichtet ist, wird auch immer in die Irre führen. Die Llrsache der Rekordsucht definiert ein bekannter Hochschullehrer ausgezeichnet im Jahrbuch der Leibesübungen, wo er ausführt: Richt einmal die überspannte Hochschähung des Rekordes entbehre ganz des Sinnes. In ihr komme nämlich die Angst des modernen Kulturmenschen zum Ausdruck, über aller Rervenkultur und Geistigkeit die Grundlage des gesunden, physischen Daseins zu verlieren. Richt mehr der müde und schlaffe Mensch, der heute durch das Kulturtreiben gehetzt werde, könne unsere hochgespannte Kultur weiterfördern, sondern der gesunde Mensch m i t G e i st i g k e i t. Wenn aber die körperliche Ertüchtigung eine Derbundenheit mit der Kultur bekommen soll, ist es notwendig, sie zu vertiefen und sie in die Erziehung der seelisch-geistigen in Menschen mitein» zubauen. Die körperliche Erziehung darf nicht nur die Erlernung von körperlichen Fertigkeiten sein, soll vielmehr den Weg bereiten zur Entwicklung Geistige Wehrpflicht. Don £)r. Reinhard Hübner, Berlin. Der preußische Kultusminister hat in der letzten Zeit vielfach von den großen Aufgaben gesprochen, Die Die nationale Revolution gerade von seinem Ministerium und auf Den Gebieten kultureller, wissenschaftlicher und pädagogischer Arbeiten erfordere. Nicht die geringste unter diesen Aufgaben wird die Reform der Hochschulen fein. Denn die Hochschulen haben schon von jeher im Leben der Nation eine besondere Rolle gespielt. Im Gegensatz zu den Plänen der Marxisten und ihrer Freunde, Die Die Hochschulen gern zu reinen, für Das allgemeine Leben der Nation bedeutungslosen Fachschulen herabgedrückt hätten (sie haben sich dann eben nur, wie auf so vielen anderen Gebieten, doch nicht dazu entschließen können!), sollen die Hochschulen auch im neuen Deutschland ihre bedeutsamen Funktionen für die Volkserziehung und für das kulturelle Leben behalten. Ja sie sollen. Das ist Der feste Wille Der nationalen Regierung, in diesen Funktionen noch gestärkt werden. Also nicht Abbau der deutschen Hochschulen, wie die Marxisten von ihrem Klassenkampfstandpunkt und aus Ressentiment gegenüber der „bürgerlichen" Wissenschaft forderten, sondern Ausbau, Stärkung und Kräftigung der Hochschulen ist das Ziel, das sich ba§ neue Deutschland für seine Hochschulen gesetzt hat. Allerdings, man wird nicht alles beim Alten lassen und nur schon Vorhandenes weiterentwickeln können. Im Gegenteil, gerade auch im Interesse der Hochschulen und der auf ihnen gepflegten Wissenschaften ist ein zum Teil durchgreifender Umbau des Deutschen Hochschulwesens nötig. Aber man ist sich auch in Regierungskreisen durchaus darüber klar, daß dieser Umbau des deutschen Hochschulwesens große Schwierigkeiten in sich birgt und nur mit besonderer Behutsamkeit — nicht im Zuge einer allgemeinen Gleichschaltung — erfolgen kann. Personelle Aenderungen können und müssen nur die äußeren Voraussetzungen schaffen, Neu- und Um- Organisationen können und müssen äußere Hilfs, fteüungen geben, die eigentliche Umstellung wird aber nur von innen heraus, aus dem G e i st der Hochschulen heraus erfolgen können. Der Geist der Hochschulen ist aber die Wissenschaft, ober besser bie Wissenschaften. Denn bie Einheit aller Wissenschaften in einem Geist ist schon seit langem verloren gegangen. Die Wissenschaften finb das Bildungsmittel, durch das die Hochschulen ihre für die Nation so fruchtbaren Wirkungen ausüben sollen. Deswegen muß im Mittelpunkt jeglicher Hochschulreform die Besinnung und Begründung des Wesens der Wissenschaften stehen. Seit längerer Zeit schon tobt ein Kampf darum, was die Wissenschaft fein soll und was sie nicht fein kann. Wissenschaft, fo hat man gesagt, ist das freie Streben nach Erkenntnis der Wahrheit um ihrer selbst willen: ein Streben, bas seine Aufgaben, Gesetze unb Grenzen nur in sich selbst finben kann. Die Wissenschaft bürfe von niemanbem außer ihr eine Aufgabe unb eine Begrenzung empfangen. Deshalb war auch das deutsche Hochschulsystem aufgebaut auf dem für es entscheidenden Grundprinzip der „akademischen Freiheit". Aber immer deutlicher zeigte es sich, daß die Idee, die Wissenschaft sei auf einer Insel der reinen Vernunft nur um ihrer selbst willen abseits von der Wirklichkeit, die sie doch verstehen sollte, zu betreiben, eine Fiktion ist, die niemals völlig wirksam gewesen ist, und die schließlich auch zu ihrer Zerstörung und Auflösung geführt hat. Die Erkenntnisse, Die man fand, blieben vereinzelte Möglichkeiten, die aber in ihrer Vereinzelung sinnlos wurden, ober bie, wenn man aus ihnen Forberungen abzuleiten suchte, beim Zusammenstoß mit ber Wirklichkeit etwas ganz anberes würben, als bie wissenschaftliche Erkenntnis gemeint hatte. Virtuosen ber Erkenntnis unb bes Wissens erarbeiteten spezialisierte Ergebnisse auf einzelnen Gebieten, ihrer Aufgabe verhaftet, ohne nach bem Sinn ihrer Arbeit zu fragen. Darüber hinaus wurden die einzelnen Wissenschaften zu von vielen erlernbaren Techniken, bie bei ber Vielheit ber möglichen Erkenntnisse in intellektuelle Spielereien ausarteten, währenb bie Verantwortung gegenüber ber Wirklichkeit außer Acht £od)fd)ub£iferafur. — DieHandelshochschule, Lehrbuch der Wirtschaftswissenschaften. Jndustrieverlag Spaeth und Linde, Berlin W 10. (Preis der monatlichen Lieferung 2,76 Mk.) Ramhafte Llniversitätsprofrs- soren unter Dorangehen des bekannten Frankfurters Betriebswirtschaftlers Prof. Dr. Schmidt haben Dorlesungen, wie sie hinter dem Katheder der Hochschule halten, in ein Selbstbildungswerk umgemünzt. Sie haben dabei, ohne die QBiffen* schastlichkeit des Stoffes anzutasten, der Dorbildung der aus weiten Angestelltenkreisen zusammengesetzten Teilnehmer Rechnung getragen uni so ein Selbstbildungswerk geschaffen, das jedem, ohne Rücksicht auf Dorkenntnisse, ein erfolgreiches hochschulmäßiges Studium ermöglicht. — W i e fertige ich die juristische Doktordissertation an? Mit über 100 Vorschlägen für Doktor-Themen von Reg.-Rat a. D. Dr. Ti lka. Jena. Steif brosch. 1,20 Mk. C. L. Hirschfeld Verlag, Leipzig CI.— (179) — Eine Anleitung für die Anfertigung der juristischen Doktordissertation war bisher noch nicht erschienen: sie liegt hier vor. Eine der größten Schwierigkeiten für den Doktoranden besteht im Ausfindigmachen eines geeigneten Themas. Der Derfasser gibt Mittel uni) Wege an, wie diese Schwierigkeit überwundeir werden kann. Besonderes Interesse bieten seine Ausführungen zu der Frage, welche Anforderungen vom wissenschaftlichen Standpunkt aus an eine Doktorarbeit zu stellen seien. Weiter gibt der Derfasser wertvolle Ratschläge für die Sammlung des Materials und für die Technik der Ausarbeitung. 111 Dorsch läge für Doktorthemen beschließen die Schrift. gelassen würbe. Obwohl im einzelnen Außerorbent- nches geleistet würbe, erstarrte bas Ganze in einem toten Betrieb, würbe bie Hochschule zu einem „Warenhaus bes Wissens", bas beliebig unb unoerbinb- lich abgab, was von ihm geforbert würbe. — An bie Stelle ber „freien" Hochschulen, bie Raum unb Möglichkeit zu bem Betreiben einer „voraus- setzungslosen" Wissenschaft bieten sollten, soll jetzt bie weltanschaulich gebunbene Hochschule treten, bereu wissenschaftlicher Arbeit Aufgaben unb Grenzen von außen her, von ber Nation, gesetzt werben sollen. Gewiß, hier sind Gefahren möglich. Unb einzelne amerikanische Hochschulen, benen Trusts unb Mäzene vorschreiben können, was unb wie gearbeitet werben soll, zeigen beutlich, wohin solche Versuche führen können. Hier, wo an bie Stelle ber Weltanschauung nur schlecht verborgen bas Geschäftsinteresse getreten ist, ist bie Wissenschaft zur reinen Farce geworben. Die neue Bewegung an ben beutschen Hochschulen geht natürlich von anberen Voraussetzungen aus. Sie will ben Nebel scheinbarer Wirklichkeit, in ben bie Wissenschaft sich gehüllt hatte, burchbrechen; sie will bie Wissenschaften unb bie Hochschulen aus ihrer Verstrickung in eine wirklichkeitsfrembe Welt ber reinen Theorie herausreißen: sie will ber Wissenschaft roieber bie Möglichkeit zu lebenbiger Arbeit geben, inbem sie sie roieber zu ber sie umgebenben Wirklichkeit in engste Beziehung setzt. Sie glaubt es nur zu können baburch, baß sie neben bas Erkennen bas Wollen, neben ben Intellekt ben Charakter stellt. 8 m Or.Kl r« neue Mer Generaldm äsa äw/ «e W out sichen Vorgänge erbMch.selgte e »iner Wirlschaiw^ niemals 6ie M" ynb weltwirtfchos SS- S<>nnta9 Di, J0M 8tiU9,n;^Qniili6nb'i 6W" TJilb ^6d) 1 i*ääk S-L trieb kommenden Fabriken mit Rübenverarbeitung 209, während in der vorigen Kampagne 200 Fabriken mit Zuckerrübenverarbeitung in Betrieb waren. Frankfurt freundlich. Frankfurt a. M., 19. Juli. (WTB. Drahtmeldung.) Bei der Dörseneröffnung zeigte das Kursniveau wieder eine uneinheitliche Entwicklung, da vielfach kleinere Realisationen vorgenommen wurden, die bei der zunächst zögernden Haltung der Kurse meist Rückgänge von 0,25 bis 0,75 Prozent verursachten. Schließlich setzte sich die seit Tagen anhaltende Befestigung wieder durch und die Llmsatztätigkeit war auf manchem Marktgebiet etwas lebhafter. Die Ereignisse der letzten Zeit wirkten nach. Außerdem liegen aus der Wirtschaft neue Belebungszeichen vor, wobei IG.-Farben besonders anregend war, weil man trotz der Erportschwierig- keiten von einer Steigerung der Umsätze berichtet. Die anfänglichen Einbußen wurden daher nach den ersten Rotierungen meist wieder eingeholt und darüber hinaus leichte Besserungen erz-elt. Durch feste Haltung fielen am Kalimarkt Salzdetfurth mit plus 5,5 Proz. auf, ebenso fest lagen Reichsbahn. Auf den übrigen Marktgebieten bröckelten die Kurse zunächst ab, befestigten sich später aber ebenfalls, wobei IG.-Farben um 1 Proz., Mannesmann, Phönix und Stohlverein um 0,5 bis 1 Prozent erhöhten. Erhöhtes Interesse bestand auch am Rentenmarkt für Reubesitzanleihe, die von 11,60 auf 11,80 anstieg, auch Altbesih und späte Reichsschuldbuchforderungen waren 0,25 bis 0,75 Prozent gefestigt. Im Verlaufe machte die Befestigung zwar Fortschritte, doch verlagerte sich das Interesse speziell auf den Anleihemarkt, an dem die Reubesihan- leihe, die bis auf 12 Prozent anzogen und in späten Reichsschuldbuchforderungen, die 0,50 Prozent gewannen, ziemlich lebhafte Umsätze zu verzeichnen waren, wobei sich aber in der Hauptsache die Spekulation betätigte. Auch Reichsbahn wurden zu Pari lebhafter umgeseht. Am Aktienmarkt waren außer einigen Montanwerten noch IG.- Farben gefragt. Gold- und Liquidationspfandbriefe sowie Kommunalobligationen blieben gesucht und zogen durchschnittlich um 0,75 Prozent an. Stadtanleihen konnten sich nach längerer Ruhepause vielfach bis zu 1 Prozent erhöhen, auch Staatsanleihen zogen etwas an, während Industrieobligationen nur wenig Beachtung fanden. Don fremden Werten ließen Türken weiter leicht nach, auch Schweizer Bundesbahnanleihen und die Oesterreichische Goldrente bröckelten bis zu 1 Prozent ab. Tagesgeld stellte sich mit 3 Prozent auf unverändert. tvollte. Dor mehr c im Geschäftsbericht einander, daß die aus der Furcht vo das Wirtschaftslebei Ursache des Kapita sei. Don diesen Gel früher als die mcifa mit dem politischen sozialisnius befaßt i zugestimmt. Äamentli haltenen Reden ilai WaWsche Ideen ai PMMn ümwäizu Echvn vsi fyiUe er i dah der Dienst am wirtschaft leinestvec sundcn Crtverbsftre typ. den Generaldir sich immer als Die des Aufbaus. Die in solcher Gesinnun geübt Hot, wird er Wirtschaftspolitik z les fortsetzen könne Mit besonderen l schen Sparer und Schmitts entgegensc mit großem Dachdrr und für die Erfüllm Sangenen Derpslicht daher damit gcrcdjn Aeichswirtschastsmini D,e Beziehungen zwis< nrai mit rauher Ha widersprechen wird Mnelcr Derwalter ™?ar, wird e> WM deutschen Volk Rju schützen wis M seiner hervorr« tees s&äfÄ SsSÄ Odiums trg°?r fcwiflt boma köstlich« sc SataS'M"1 auf Mn te™die3« di! SB QUn~^ev ÖS t\an °tein $tt|ln d>- «in ftrbeiterm Derb Die trauernden Hinterbliebenen. 00 Sanitätsrat BaustoffeLrlH11 Gießen, Schulstraße 4. 4639 A Heute abend 7V2 Uhr wurde unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater. Bruder und Onkel Gießen (Bruchstraße 19). Meißen, Groß-Gerau, den 18. Juli 1933. Herr Dr Mehl Herr Dr. Neumann-Spengel 4630 D Naturdenkmäler aus der Vogelwelt Von v. Lucanus. Brosch. RM. 2—, gebunden RM. 3.— Die deutsche Landschaft Von E. L. Schellenberg. Broschiert RM. 2.—, gebunden RM. 3.— Naturschutz und Forstwirtschaft. Von Forstmeister Feucht. Brosch. RM. 2 —, geb. RM. 3.— Naturschutz und Arbeitsschule. Von W. Schoenichen...Brosch. RM. 2.50, geb. RM. 3.50 Die Kamera Im Dienste der Natur. Von Dr. Effenberger. . Brosch. RM. 2.50, geb. RM. 3.50 Umgang mit Mutter Grün. Ein Sünden- und Sittenbuch von W. Schoenichen............... .....Broschiert RM. 3.—, gebunden RM. 4.- Heimatmuseen. Wesen und Gestaltung. Von Dr.W. Schoenichen,reich illustr— Preis RM.l3.50 Bekanntmachung. Unsere vom 18. d. M. datierte Bekanntmachung wird auf Anordnung des Landeskirchenamtes wie folgt abgeändert.- 1. Die Wahloorschläge sind spätestens am Donnerstag, dem 20. Juli, mittags 12 Uhr, einzureichen. 2. Ist nur ein Wahlvorschlag eingereicht worden, so kann bis Freitag, den 21. Juli, ein weiterer Wahloorschiag eingereicht werden. 4634D Gießen, den 19. Juli 1933. Für die Wahlkommissionen der Matthäus-, Markus-, Lukas-, Johannes-, Luther und Petrusgemeinde. 3.21.: Bechtolsheimer. Schiebefenster, Patent Stnmpi Verlangen Sie Angebot 1492 U K.H. Müller, fließen,Tel. 2332 Die Beerdigung findet Freitag, den 21. Juli, 2% Uhr nachmittags auf dem Neuen Friedhöfe statt. Vertreter: Herr Dr. Geyer Herr Dr Wilhelm Klein Diese Bücher können von Jeder Buchhandlung bezogen werden Hugo Bermüh ler Verlag ■ Berlin-Lichterfei de Philipp Breitwieser Kulturinspektor i. R im Alter von 62 Jahren von seinem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden erlöst Mo-tas Carl Seibel Frankfurter Str. 39. «37A Sie können sich einen schönen Bademantel Von der Schönheit der deutschen Heimat und von ihrer Erhaltung und Pflege berichten in Bild und Wort die folgenden herrlichen Bücher: anerkannt beste Qualitäten liefert prompt und billigst 6>i D C. Rübsamen Fernsprecher 3659 aus gutem Frottö schon ab.....Mk. Waldweben. Die Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bildern. 150 eigene Naturaufnahmen aus dem Tiei- und Pflanzenleben des heimatlichen Waldes mit Einführungstext von K. Gerhard und G. Wolff.....Leinen RM 4.80 Norderoog. Ein deutsches Vogelparadies. Natururkunden von den Halligen u. vom Wattenmeer von P. F. Weckmann-Wittenburg......... Preis: Broschiert RM.3 —, gebunden RM.4 — Heimatschutz undHeimatpflege-VonRektor Hermann Wille. Preis: Br. RM. 1.80, gb. RM. 2.95 Naturschutz und Ingenleurwerk.VonDr.W. Lindner. Preis: Brosen. RM. 2. -, geb. RM. 3.— Vom deutschen Weidwerk. Von Prof. Dr. Koepert. Broschiert RM. 2.50, gebunden RM. 3.50 Helma tschutz.V.E.Rudorff.Br.RM.2.-,gb.RM.3.- WMM entwickelt, kopiert, vergrößert schnell, sauber u. zuverlässig nur der Photofachmann. Frist imstande, das Beste aus Ihren Aufnahmen herauszuholen. Mahnung. Die Beiträge für den Monat Juni 1933 können noch bis zum 31. Juli d. I. ohne Kosten bezahlt werden. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung evtl. Beitreibung. 4632D Die Beiträge können täglich außer Samstags in der Zeit von 8 bis 12% Uhr bei unserer Kasse oder auf unser Postscheckkonto Nr. 10833 Amt Frankfurt a. M. eingezahlt werden. Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen-Skadt. Hin kl er, Rechner. selbst anfertigen. Die dazugehörigen Bademantel - Stoffe in großer Ausmusterung und verschiedenen Preislagen im Modehaus Salomon SJ.-fporf Hine Glocke — Symbol für Olympia 1936. Der Organisations-Ausschuß für bje XI Olympischen Spiele in Berlin wählte als Symbol für die Veranstaltung eine Glocke aus, die die Inschrift „Ich rufe die Jugend der Welt" tragen wird. Dieses Symbol wird schon bei den Vorarbeiten als Signum aus Briefköpfen und Drucksachen Verwendung finden. Für die Spiele wird eine wirkliche Glocke hergestellt werden, die bei der Eröffnungsfeier am 1. August 1936 und beim Abschluß am 16. August geläutet werden soll Außerdem ist geplant, die einzelnen Entscheidungskämpfe durch einen Glockenschlag ankündigen au lassen Kleine Nachbildungen der Glocke in verschiedenen Größen und Metallen sollen als Erinnerungszeichen gegeben und auch an das Publikum verkauft werden. Kömgschießen her Gchühengesellschast 1926 Gießen. Am vergangenen Sonntag hielt die Schützengesellschaft 1926 Gießen e. V- ihr diesjähriges König- schießen ab Die Beteiligung war gut. Es wurden insgesamt 443 Schuß abgegeben bis die letzten Reste des Adlers von der Stange fielen — Schützenkönig wurde Hermann Gebauer, 1. Ritter: der vorjährige Schützenkönig Karl Schneider und 2. Ritter: Willy Götz. Nachmittags wurde dann im Beisein der Familien auf dem schönen Waldschießstande dem neuen Schützenkönige, sowie den beiden Rittern die Königskette und die Sterne überreicht. Kurze Sportnotizen. Die IV. Akademischen Weltwinter- I pi ele 1 9 3 5 werden wiederum in St. Moritz abgehalten werden Jv na th-Berger-Metcalfe, dieses her- oorragende Sprinter-Dreigestirn, wird am 30. Ju i beim internationalen Sportfest in Düsseldorf im 100- Meter-Lauf zusammentreffen. Deutschlands A m a t e u r - B o x st a f f e I zu dem Länderkamps am 23. Juli in Essen gegen Italien steht wie folgt: Spannagel (Barmen), Beck (Dufsel- dcrf) Otto Kästner (Erfurt) Schmedes (Dortmunb), Kugler (München), Blum (Altena), Kyfuß (Gevels- berg) und Voosen (Köln). Auf unbestimmte Zeit oerfchoben wurde von der DSB. die Vorschlußrunde um den Adolf-Hitler-Pokal im Handball, die am kommenden Sonntag hätte steigen sollen. Der Grund für diese Maßnahme ist der schlechte Besuch der bisherigen Spiele. Oesterreich besiegte Spanien im Da- ois-Pokal-Kampf ohne Spieloerlust mit 5:0. Vizekanzler von Papen nimmt, entgegen einer heute morgen veröffentlichten Meldung, nicht an dem Hindernisrennen in Karlshorst teil. Der Vizekanzler befindet sich zum Zeitpunkt des Rennens nicht in Berlin, sondern in Urlaub. Das 18. Deutsche Bundeskegeln. schinen bzw. die Wiederinbetriebnahme still gelegter Maschinen ver- boten, die bei der Herstellung von Zigarren, Zigarillos oder Stumpen zur Anfertigung des Wickels oder zum Ueberrollen mit dem Deckblatt verwendet werden können. Nicht von dem Verbot betroffen sind die Hilfsmaßmafchlnen, wie z. B. die Tabak-Reiß-, die Tabak-Schneide-, d,e En rippungs- mafchinen und die durch menschliche Kraft betriebenen Wickeltücher. Ausnahmen von dem Verbot können für Ersatzbeschaffungen und zur Forderung der Ausfuhr von Maschinen zugelassen werden. Soweit Wickel- und Ueberrollmaschinen beim Inkrafttreten des Gesetzes in Betrieb sind, dürfen sie weiter verwendet werden. Die Betriebe, die solche Maschinen verwenden, dürfen aber im Verlauf eines Rechnungsjahres Zigarren, Zigarillos oder Stumpen nur bis zu der Gesamtmenge Herstellen, die sie im Rechnungsjahre 1932/33 erzeugt haben. Die hiernach zulässige Gesamtmenge kann herab- gesetzt oder auf einzelne Monate verteilt werden. In einer Durchführungsverordnung wird bestimmt werden, daß in der nächsten Zeit Zigarren, Zigarillos und Stumpen bis zu der Gesamtmenge herge- stellt werden dürfen, die in der gleichen Zeit des Vorjahres erzeugt worden ist, wobei die Mehrerzeugung in der Zeit vom 1. April bis 31. Juli 1933 gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres angerechnet werden wird. Die Betriebe, die noch Wickelund Ueberrollmaschinen verwenden dürfen, können bis 15. August 1933 dem Hauptzollamt erklären, daß sie vom 16. August ab auf die Maschinenarbeit verzichten und zur Handarbeit übergehen. In diesem Falle kommt die Herstellungsbeschränkung rückwirkend in Fortfall. Wird eine solche Erklärung später abgegeben, so bestimmt der Reichsminister der Finanzen, von welchem Zeitpunkt ab die Herstellungs- beschränkuna entfällt. Der Reichsminister der Finanzen ist ermächtigt worden, bis zum Gesamtbeträge von 2 M i l l. R M. Unter st ützungen an solche Betriebe zu gewähren, die Wickel - oder Ueberrollmaschinen nicht mehr verwenden oder solche Maschinen Herstellen. Die Festsetzung der Einzelheiten für die Gewährung der Unterstützungen bleibt einer Durchführungsverordnung vorbehalten. * * Der deutsche Zuckerrübenanbau im Jahre 1933. Nach einer Zusammenstellung des Statistischen Reichsamtes sind im Jahre 1933 im Inland 277 764 Hektar und im Ausland 2082 Hektar mit Zuckerrüben für die Zuckerfabriken des Deutschen Reiches angebaut worden. Im Jahre 1932 umfaßte die Erntefläche 223 336 bzw. 1695 Hektar. Dies bedeutet also eine Vermehrung um 54 815 Hektar oder 24,4 v. H. gegenüber der Erntefläche 1932. Für 1933/34 beträgt die Zahl der voraussichtlich in Be- Blick auf die Kegelbahnen während der Wettkämpfe. Wirtschaft Oie Beschränkung der Maschinenarbeit in Zigarrenbetrieben. Berlin, 17. Iuli. Die Reichsregierung hat, wie bereits gemeldet, ein Gesetz über die Einschränkung der Verwendung von Maschinen- in der Zigarrenindustrie beschlossen. Obwohl in grundsätzlicher Hinsicht erhebliche Bedenken bestanden, durch eine gesetzliche Unterbindung der Maschinenarbeit in die freie Wirtschaft einzugreifen, hat sich die Reichsregierung doch wegen der ganz besonderen Lage der Zigarrenindustrie zu diesem Schritt entschlossen, der durch die Erwägung erleichtert wurde, daß es sich um eine nahezu ausschließlich auf den Inlandsmarkt beschränkte Industrie handelt. In dieser Industrie haben in letzter Zeit Maschinen Eingang gesunden, die schon jetzt zahlreiche Arbeiter freigesetzt haben, und die bei zunehmender Einführung zur weiteren Entlassung einer erheblichen Anzahl von Arbeitern führen würden. Damit würde der gesunde Charakter der Zigarrenindustrie als eines mittelständischen Gewerbezweiges zerstört und die Lebensgrundlage der Gebiete, in denen die Zigarrenindustrie heimisch ist, vernichtet werden. Um eine solche völlige Umgestaltung der Zigarrenindustrie zu verhindern, und um die in der Zigarrenindustrie wegen der Verwendung der Maschinen um sich grxifende Arbeitslosigkeit einzudämmen, hat die Reichsregierung als einstweilige Uebergangs- maßnahrne die Neuaufstellung von Ma- Oberheffen. Tödlicher Verkehrsunfall bei Okarben. Okarben, 18. Iuli. Im Laufe des heutigen Rachmittags ereignete sich inmitten des hiesigen Ortes ein schwerer Verkehrsunfall, dem der 56- jährige Gespannführer Gottlob Gutbrod von hier zum Opfer ficL Gutbrod befand sich mit seinem Fuhrwerk unterwegs, als sich von rückwärts und von vorne Personenkraftwagen näherten, die sich ungefähr auf der Höhe des Fuhrwerks trafen. Während der von vorne kommende Personenkraftwagen wie auch der Gespannführer die rechte Straßenseite innehielten, versuchte der Metzger- meister Dorr von Friedberg mit seinem Personenkraftwagen zwischen dem anderen Kraftwagen und dem Fuhrwerk hindurchzufahren. Dabei streifte der rechte Kotflügel des Autos das linke Vorderrad des Pferdefuhrwerks und das Verdeck das Sattelpferd. Die Pferde scheuten und rasten davon. Dabei stürzte der Gespannführer Gutbrod vom Wagen und geriet unter die Räder des Fuhrwerks, die ihm über den Leib gingen. Der bedauernswerte Mann wurde sofort in die Wohnung seines Arbeitgebers gebracht, wo er bereits eine Viertelstunde später den erlittenen Verletzungen erlag. Landkreis Gießen. * Alten-Buseck, 18. Juli. In der Nacht zum Montag gerieten auf der Straße von Alten-Buseck nach Saubringen zwei junge Männer, die sich mit ihren Fahrrädern begegneten, in Streit, der in Tätlichkeiten ausartete und in dessen Verlauf der 24jäh- rige Metzger Karl Einhäuser von Alten-Buseck zwei Messerstiche in die Brust davontrug. Er mußte in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. Der Täter, ein junger Mann aus Saubringen, ist ermittelt. * Saubringen, 17. Iuli. Dieser Tage fand hier im Vereinslokal W. Erb die Gleichschaltung des Sport-Clubs 19 21 Daubringen statt. Nachdem der bisherige Vorstand seine Aemter niedergelegt hatte, erläuterte Gauführer Henkel, Gießen, Sinn uhd Zweck der Gleichschaltung und übernahm anschließend nach einstimmiger Wahl das Amt des Versammlungsleiters und Alterspräsidenten. /Unter dem Symbol des neuen Deutschlands wurde der neue Vorstand durch Handschlag verpflichtet. Als Vereinsführer wurde einstimmig SA.-Mann Ludwig Hofmann gewählt. Er gelobte sein Amt umsichtig und stets zum Wohle des Sportes und der Ertüchtigung der Iugend auszuüben. Rach der Berufung seiner Mitarbeiter dankte der Führer der Versammlung und forderte zur Mitarbeit auf. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Reichskanzler Adolf Hitler und mit dem Absingen des Horst-Wessel-Liedes wurde die Versammlung geschlossen. * Kesselbach, 18. Iuli. Frau Oberbahnassistent i. R.. Iohanna M e i ß i n g e r, geb. Lober eine gebürtige Gießenerin, begeht am morgigen Donnerstag bei guter Gesundheit ihren 80. Geburtstag. Briefkasten her Rehakiion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Rr. 990. Zahlenmäßig- Grenzen sind bisher noch nicht festgesetzt. Es entscheidet von Fall zu Fall dis zuständige Behörde. Verantwortlich für Lokales, Provinz, Wirtschaft und Sport: I. V.: H. L. Neuner. wundervolle Kleinschreibmaschinen schon von RM. JO.- monatlich an bei Niederhausen Bürobedarf Bahnhofstraße gegenübJJotel Schütz