Donnerstag, (9.Januar 1955 185. Jahrgang Nr. 19 Srüvausgabe .inna^me von Jlnjeige.» jur die Tagesnummer bis zum Nachmitlag vorher. Preis mr l mm höhe für Anzeigen von 27 mm BrcNe örtlich 8, auswärts 10 Reichsptennig! für 'Ne» klamean;eigen von 70 1 m Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20' . mehr. Chefredakteur Dr Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Tolit h Dr Fr. Wilh. Lange! für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Ictl Ernst Dlumfchcin und °ür "enAnzeigenteil i.D.TH.Kümmel iämtlich in Biegen. Lrtcheini tügUch, äuge, Lonrnags und 3<*,r1a96 Beilagen. Die 3Duftnertt Gieuener Familienblatte, Heimat m Bild Die Scholl« Monats-Sezugspretr: Mit 4 Beilagen WLt 1.95 Ohne illustrierte . 1 80 Zuftellgebühi . , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt fiernforethanfdilüfie anter Sammelnummer 2251 Anlchrift lür Drahtnach- nchlen Anzeiger Ließen Postscheckkonto: fronlhrt Pcrloa: vrLHI'Ichc Unwciftiai-Guch- unö Steinörudertl R. £me in Sietzri. Sflrittlettung unü S-schZstr'telle: Schuilrai,- 1. - Für ein freies und starkes Deutschland! Rundfunkrede des Reichsinnenministers am Reichsgründungstag. Oer erste Beauftragte Roosevelts. des ^^8 Der dritte Voltstrecknngsschuh Erklärungen des Neichsjustizministers oerur- unfche oorge» Die Beflagquna oes Reichstags. Berlin, 18. Jan (VDZ.) Während in den frühen Nachmittagsftunden auf dem. Haufe des Reichstagspräsidenten die schwarz- rot-goldene Flagge gehißt war, ist sie in den Mittagsstunden durch eine schwarz-weiß- r o t e Fahne ersetzt worden. Auf dem Reichstag selbst wehen schwarz-rot-goldene Fahnen. Zur Verteidigung dieser Einheit zogen wir letzten Endes in den Weltkrieg, und unter den Fahnen des vismarckschen Reiches kämpfte die ruhmreichste Armee, von der die Weltgeschichte je sprach. bracht worden die keine Rechtsordnung befriedigen könne Es seien aber auch von selten der Betroffenen Befürchtungen geäußert worden, die sich als grundlos erweisen würden. Ls handle sich bei den neuen Vorschriften zu- nächst um eine Fristverlängerung, die für die Landwirtschaft unentbehrlich sei. Gewisse Voll- streckungssristen liefen im März und April ab. Die Grundstücke müßten dann zur Zwangsversteigerung stehen. Der Bauer habe aber gerade im März und April keine Zahlungsmöglichkeilen Die Giebelfront des preußischen Landtagsgebäudes, die am Tage der Reichsgründungsfeier nebeneinander mit der alten Reichsfahne, der Preußenflagge und der neuen Reichsflagge geschmückt war. Berlin, 18. Fan. (WTB.) Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht heute die „Verordnung des Reichspräsidenten über Maßnahmen auf dem Gebiet der Zwangsvollstreckung" vom 17. Januar 1933. Die Verordnung umfaßt zwei Artikel, von denen der erste die Aenderung der Vierten Rotverordnung vom 8. Dezember 1931, dritter Teil, in der Fassung der Rotverordnung vom 14. 3um und 27. September 1932 enthält. Anläßlich der Verordnung über den Vollstrectungsschuh vom 17. 1. wird von zuständiger Stelle ein Ueberblick über die bisherigen Maßnahmen auf dem Gebiete des Voll- streckungsschutzes gegeben. Durch die Verordnungen vom 8. Dezember 1931 mit den Aendcru.igen vom 14. Juni und vom 27. September 1932 wurde für das gesamte Reichsgebiet zweimal eine Vollstrek- k u n g s e i n st e l l u n g für je sechs Monate gewährt. Die neue Verordnung vom 17. Januar sieht jetzt die Möglichkeit einer dritten Einstellung vor. Die zweite und dritte Einstellung sollen aber ausgeschlossen sein, wenn der Schuldner bei Stellung des Antrages mit wiedertehrendcn Leistungen in Höhe eines vollen Jahresbetrages im Rückstände ist. Landwirtschastlichen Betrieben wird, im roefenl lichen mit Rücksicht darauf, daß der Teil der w rtschaflsperiode, in der der Schuldner erst wieder in der Lage ist, größere Erträgnisse zu erzielen, der kommende Herbst ist, ein erroeiter- Präsident Kerrl eröffnete die heutige Plenarsitzung des Landtages mit einer Gedenkansprache zum Tage der Reichsgründung. Während die Sozialdemokraten und Kommunisten den Sitzungssaal verlassen und die übrigen Fraktionen sich von den Plätzen erheben, führte er u. a. auä: Am 18. Januar 1871 wurde im Großen Spiegelsaal von Versailles der erste deutsche Kaiser gekrönt und damit das Werk vollendet, ein Deutsches Reich zu bilden, das Jahrhunderte hindurch von den deutschen Stämmen ersehnt und erträumt wurde. Freilich wäre dieses einheitliche Reich immer nur ein Traum und eine Utopie geblieben, wenn nicht das Fürstentum der Hohenzollern sich zu Trägern der Idee Reiches aufaetoorfen hätte Reichsminifler Dr. Bracht schloß mit den Worten: 9m Geiste dieser Aufgabe der Gegenwart rufe ich die Deutschen in allen Landschaften auf, am Bau des Werkes der deutschen Stämme mitzuhelfen: Dem freien ft arten Deutschen Reich. Gedenken im prenßi ilyen Landtag Berlin, 18. Jan. (VdZ.) Wie das Rachrichtenbüro des VdZ. meldet, ist anläßlich des Heuti. gen Rci.„sgrundungstages ein Flaggenzwischenfall i in Preußischen Landtag entftanten. Landtagspräs.dent Kerrl hat einem Antrag der Deutschnationalen entsprechend auch die schwarz - weiß - roten Farben auf dein Gebäude des Landtages und dem des ehemaligen Herrenhauses setzen lassen. Zugleich wurden die preußischen Farben schwarz- w e i ß und die Reichsflagge schwarz-rot- g o l d gehißt. In sozialdemokratischen Kreisen wird das Vorgehen des Präsidenten als unvereinbar mit den bestehenden Bestimmungen betrachtet. Fndustriewünsche zur W r.schastspolüik. Berlin, 18. Jan. (TU.) In einer Dorstandssitzung dcs Deutschen Industrie- und Handelstages ergab die Besprechung Der wirtschaftspolitischen Lage, wie manche Anzeichen auf eine Milderung der Krise und aus die Möglichkeit hindeuten, sie sortschreitend zu überwinden, wie anderseits die fortdauernden, überaus ernsten SchwieZzkci.en in Industrie und Handel nur dann mit sicherer Aussicht auf Erfolg gemildert werden können, wenn von der Seite der Staatspolitik her unter Zur ü ck st e I - lung innerpolitischer Machtkämpfe alles serngchalten wird, was das Vertrauen in die Stabilität der Verhältnisse und damit die möglichst starke Entfaltung der Privatwirtschaft- lichen Kräfte stört. Hierzu sei es unerläßlich, daß die seit einigen Monaten eingeshlagenen wirtschaftspolitischen Grundlinien klar und sicher weiterverfolgt w rdcn. Da zu gehöre auch, daß die deutsche Handelspolitik die Wege der deutschen Ausfuhr nachMög- lichkeit offenhalte. Bei aller Anerkennung der Rotlage in der Landwirtschaft sei es falsch, es so darzustellen, als wenn sie im ganzen vor dem Erliegen stände, oder die Rot in ihr noch schlimmer wäre, als in anderen Kreisen. Richt verkannt werden dürfe, daß die Rotlage in der Landwirtschaft ursächlich aufs Engste mit dem Rückgang des Volkseinkommens im ganzen und der Kaufkraft der gewerblichen Bevölkerung im ganzen zusammenhänge. ler Vollstreckungsschuh gewährt: Ausdehnung der Linstellungsdauer auch auf mehr als sechs Monate bis längstens 31 Oktober 1933; Unzulässigkeit der erneuten Einstellung erst bei Rückständen in hohe von VA Jahresraten. Ferner ist der Mobiliaroollstreckungsschuh für landwirtschaftliche Betriebe, der bisher bis zur Ernte 1932 bestanden hatte, jetzt wieder für die Zeit bis zur Ernte 1933 eingeführt. Dieser Vollstreckungsschuh umfaßt das bewegliche vermögen, das Zubehör und die noch im Besitze des Schuldners befindl chen Erzeugnisse des Grundstücks. Voraussetzung für den Schutz ist, daß bem Schuldner durch d.e Zwangsvollstreckung Mittel entzogen werden würden, die er zur ordnungsmäßigen Fortführung des Betriebes bis zur Ernte benötigt. Der Schuh kann von der Llnterstellung unter eine Aufsicht abhängig gemacht werden. Insbesondere kommt der Schutz dem Pächter zugute. In einer Sondervorschrift ist jetzt dieser Schutz auf Wein ausgedehnt, der ausschließlich aus Trauben hergestellt ist. die im Betriebe des Schuldners gewonnen sind. Außerdem ist die in der Verordnung vorn 27. September 1932 eng auf bestimmte, von einem besonderen Preisrückgang betroffene Rotstands- aruppen beschränkte Sonderregelung Einstellung auch bei an sich überwiegendem Gläubigerinteresse und Freistellung von der Zahlungsauflage dahin abgeschwächt. daß sie auch Betrieben gemischter Wirtschaft zugutetommt. und dürfe in dieser Zeit nicht der Zwangsvollstreckung überantwortet werden. Der Endtermin der Fristen sei daher statt wie bisher auf den 30. September, auf Wunsch gewisser Teile der Landwirtschaft auf Ende Oktober festgesetzt worden, weil dieser Zeitpunkt dem der lehteu Ernte entspreche. Die Unzulänglichkeit einer erneuten Einstellung solle erst dann gegeben sein, wenn der Schuldner mit den Jahreszinsen eineinhalb Fahre im Rückstand sei, statt wie bisher ein Fahr. Die Kreditinstitute hätten sich mit dieser Verlängerung abgefunden. Die Verordnung enthalte sodann eine Erweiterung des Begriffes der Rotstandsgrnp- p e n. Wetterschäden, Diehschäden und Preissturz seien die drei Risiken, die man heute nicht voll auf die Schulter des Schuldners legen könne, sondern auf den Gläubiger in Form einer Stillehaltung mit abwälzen müsse. Di eie . Bestimmung beziehe sich nicht mehr ausschließlich auf die nur Vieh erzeugende Landwirtschaft, sondern auch auf die Gemischtwirtschaft Der Mobillar-Vollstreckungsschuh, der bis zur Ernte 1932 bestanden habe, solle in gleichem Umfange dis zur Ernte 1933 gegeben werden. Reu aufgenommen fei der Schutz des Winzers, dessen Wein unter Vollstreckungsschuy gestellt worden sei, da man dem Winzer nicht die Mittel nehmen dürfe, die für die Fortführung des Betriebes unbedingt notwendig seien, was einen neuen, ungeheuren Preissturz des Weines zur Folge gehabt haben würde. Zusammenfassend erklärte der Reichsjustizminister. die neue Rotverordnung halte daran fest, daß die Wirkungen des SicherungsveFch cns in der Osthilfe nicht erweitert würden, sondern daß nach abgeschlossenen Sicherungsversahren auch jeder Zwangsvollstreckungsschuh aufhöre. Zur Zeit I unterliegen dem Sicherungsverfahren etwa <50 bis 70 000 Betriebe. Oie Auöfattbürgschasten für Düngemittel bewilligt. Berlin, 18. Fan. (TU.) Das Reichskabi« n e 11 bat in feiner Sitzung am Dienstag, wie nach- träglich bekannt wird, die A u s f a l l b ü r g s ch a f- ten für Düngemittel bewilligt. Auf welchen Betrag sich die Ausfallbürgschaften belaufen, ließ sich bisher noch nicht seststellen. Berlin, 18.Fan. (WTB) Im Rahmen einer : Reichsgründungsfeier des Deutschlandsenders h.eU I beute abend Reichsinnenminister Dr. Bracht eine , Rede, in der er u. a. ausführte: Bor wenigen Tagen haben wir m stillem Ge- denken uns der Stunde erinnert, in der vor zehn Fohren fremde Truppen vertragswidrig das Ruhr» | gebiet besetzten. Lebendig stehen vor unsjene aufwühlenden Monate des Äahres 1923, in denen eine von unbedingter Hingabe an Heimat und Later- land erfüllte Beoölkeruny ein Beispiel dafür gab, daß bewaffnete Willkür nichts gegen entschlossenen Seldstbehauptungs- willen vermag. Ader wir wollen nicht vergessen, daß am Ende jenes heroischen Abschnitts der Nach- kriegsgeschichte drohend die Gefahr des Reichszerfalls stand. Der starke wehrhafte Staat, unter deffen Schutz das deutsche Volk seinen wirtschaftlichen und politischen Ausstieg erlebte, brach mit dem Kriegsende zusammen. An dem Gedenktag der Reichsgründung wollen wir deshalb in Dankbarkeit aud) der Tatsache gedenken, daß in den Tagen des Zusammenbruchs, in denen das Werk Bismarcks in der höchsten Gefahr war, und das Reich auseinanderzufallen drohte, der Generalfeldmarschall v. Hindenburg und der verstorbene Reichspräsident Ebert - über alle Ge gensätze und Vorurteile hinweg — den Mut zu dem Bekenntnis fanden: Wir find ein Volk — und damit ihrem Volk das Reich gerettet haben. Drei Grundgedanke n der Msmarckschen Reichsverfaffung kann kein wie auch immer gearteter Reichsaufbau entbehren Zum ersten der Einheitsgedanke' Rur durch die Einheit der deutschen Stämme nach innen und außen kann der Staat, können deutsches Volkstum und deutsche Kultur gegen fremde Uedergrisse oder voiksfremde Zersetzung im Innern verteidigt werden. Wit aeöenten in dieser Stunde mit heißem Herzen und kühlem Hirn der Millionen von Deutschen, die durch Schicksal oder Gewalt fremde Staatsbürger geworden sind Ihnen allen gilt unser Gruß und unser Treuebekenntnis! Vielen von ihnen wird der Weg ins Reich niemals zu erschließen sein. Mit vielen anderen hoffen wir aus den Tag, an dem durch ihre Heimkehr erst die deutsche Einheit vollendet sein wird. Zum zweiten werden wir aus Bismarcks Werk heute und in alle Zukunft die Mitwirkung 'des B o l k s w i 11 c n s bei der Willensbildung des Reichs festhalten In Bismarcks Werk liegt gleichzeitig die Lehre und Mahnung, daß dieser Volkswille um so mehr zur Geltung kommen kann, wenn gleichzeitig Vorsorge dafür getroffen ist. daß in Zeiten der Zersetzung und der Richtungs- losigkeit dieses Volkswillens das Gleichgewicht des Staates nicht gestört wird Es war ein Meisterwerk Bismarcks, in den staatsrechtlichen Aufbau des Reiches die deutschen Bundes st aaten als Hüter der Ueberlieferung e,nzufchalten. Dies ist der dritte Leitgedanke seines Werks. Bismarck stellte neben den Willen des Gesamtoolks den Willen des bundesstaatlich gegliederten Voltes Bismarcks Werl ruhte auf einem gesellschaftlichen Untergrund den Adel. Bürger und Bauer bildeten. Die Einschaltung des Arbeiters in den Staat war zur Zeit der Reichsgründung als Aus- gäbe noch nicht gestellt. „ , Die Verfassung von Weimar hat dem Volk, das im Krieg in allen seinen Stämmen und Sckstchten seine Reichstreue bewiesen hat, souveräne Rechte gegeben. Wir stehen gegenwärtig unter dem Eindruck des versagens dieser Verfassung. Die Rechte, die dem Volk gegeben wurden, damit es auf dem Weg über das Parlament seinen Willen beim Reubau des Reichs zur Geltung bringe, sind von Parteien mißbraucht worden. Eine Verfassung soll das Mittel zur positiven Einordnung des Dolkswillens in den staatlichen Ausbau sein, aber nicht Mittel für Parteizwecke. Aus dem Geist der Verneinung jeder Zusammenarbeit ist auch der Versuch entstanden in kleinlichem Parteistreit die Gedenktage des 18.'Januar und des Fl. August gegeneinander auszuspielen. Diesen Streit lehne ich ab Cs kann nach den Erfahrungen der vergangenen 10 Jahre kein Zweifel mehr bestehen, daß wir eine dem deutschen Volk gemäße Form für den inneren Ausbau des Reiches noch nicht gefunden haben. Den Weg nach besseren formen zu fachen, bleibt ständige Pflicht aller berufenen Organe des Staates. Aber die Erinnerung an das Werk Bismarcks soll uns auch wieder mahnen, daß die Soiv ftruttion eines neuen Gebäudes in dem fich Reich und Länder. Staatsführung und Volk einrich- ten sollen, nur dann Bestand haben kann, wenn es auf festen Pfeilern gegründet ist. Dir müssen lernen, auch in die einzelnen Aufgaben der Gegenwart den Dillen zu einem national-politischen Ziel zu pflanzen. Dieses Ziel kam, nicht in der Rückkehr zur alten monarchistischen Verfassung liegen. Ls bildet sich aus dem Zukunftswillen des deutschen Volkes und aus dem Sehnen, das Jahrhunderte deutscher GZchichte durchlebt. Dieses Ziel ist das Reich. Cs war mir ein Herzensbedürfnis, auf dem I Preußischen Landtag heute zum Gedenken auch der Millionen, die für Deutschlands Einheit ihr Her- zensblut Hingaben, die Flagge schwarz- I w e i ß - r o t zu hissen. Der bisher erreichten äuße- I ren Einheit und Freiheit muß eine innere I Freiheit folgen, die die Stämme der gesamten I Ration zusammenschließt. (Lebhafter Beifall.) Zu Lärmszenen kam es hierauf, als der sozial- | demokratische Abg. Fürgensen einen Antrag sei- j ner Fraktion wegen der Beflaggung des Landtages mit den fchwarzweißroten Farben Edrnond Day, der amerikanische Vertreter un einbrachte und Unterbrechung der Sitzung forderte, Vorbereitenden Ausschuß der Weltwirtjchostskonfe- damit der Aelteflenrat dazu Stellung nehmen könne, renz, hat die Reise nach Gens angetreten. Er ist Der Antrag verlangte die sofortige Einziehung der her erste Delegierte, der mit Instruktionen der noch schwarzweigroten Fahne, sowie die Uebernahme der nid)t im Amt befindlichen Regierung Roosevelts für die Beschaffung der Flagge entstandenen Kosten an den kommenden internationalen Konferenzen durch den Präsidenten. Abg. K u b e (NS ) wider- | teilnehmen wird, sprach der sofortigen Behandlung, worauf Abg. Jürgensen (Soz.) Unterbrechung der Sitzung und sofortige Einberufung des Aeltestenrats verlangte. in dem die Fraktionen Stellung zu der Flaggenfrage nehmen könnten. Die Unterbrechung der Sitzung wurde jedoch abgelehnt. B e r l i n, 18. Jan. (TU.) Reich-justizminister Dr. Gärtner gab heute vor der Presse einen ausführlichen Ueberblirf über die V o l l st r e ck u n g s - schutzmaßnahmen und ihre Wirkung in rechtlicher und wirtschaftlicher Beziehung Durch alle Spezialbestimmungen hindurch ziehe sich die Erkenntnis, daß es sich um eine vorsichtige, mit den Interessen sowohl des Gläubigers, wie des Schuldners gerade noch verträglichen Schadensverteilung handele. Die neue Notverordnung habe in ihrem Vorbereitungstadium allerlei Aufregungen sacht. Von den Interessenten seien Wünscht Reichskabinett und Reichstag. Konflikt mit der Reichstagsmehrheit und Auflösung unvermeidlich? Berlin. 18. Ian. (TU.) In gut unterrichteten politischen Kreisen herrschte am Mittwochabend alb gemein der Eindruck, baß die Ereignisse aus einen Konflikt zwischen Reichsregierung und Reichstag zutreiben. Dieser Eindruck wird vor allem darauf zurück- gcsührt, das; an die Möglichkeit einer Unterredung zwischen dem Reichskanzler von Schleicher und dem Führer der NSDAP. Adolf Hitler nicht mehr geglaubt wird. Man ist auch nicht mehr der Meinung, daß Hitler zu einer Besprechung mit Schleicher bereit wäre. Die bisherigen Vermittlungsaktionen, die, wie versichert wird, übrigens ohne jede Initiative des Reichskanzlers stattfanden, hätten jedenfalls bisher zu nichts geführt. Was die gestrige Unterredung Dr. h u g e n b e r g s mit Hitler angeht, so kann hinzugefügt werden, daß diese nicht einer Vermittlung im Sinne der akuten Frage des Verhältnisses zwischen Reichstag und Rcichsregierung von Schleicher gegolten hat. Dagegen dürfte eine Unterredung zwischen Hitler und Herrn v. Pap en, die am Mittmochnachmittag stattgefunden haben soll, dem Bemühen gegolten haben, eine Unterredung Hitler-Schleicher zustandezubringen. Da eine Anmeldung von Papens beim Reichskanzler aber nicht vorliegt, rechnet man damit, baft die Bemühungen Papens gescheitert sind. Ob von dritter Seite noch ein weiterer Versuch gemacht wird, ist nicht bekannt, wird aber nach Uage der Dinge auch nicht als besonders aussichtsreich betrachtet. Während es an unterrichteter Stelle noch vor wenigen Tagen hieß, daß die Reichsregierung in einer Zustimmung der Nationalsozialisten zu einer zweimonatigen Vertagung des Reichstags eine Tolerierung der Regierung betrachten würde, kann heute gesagt werden, das; unter den obwaltenden Umständen diese Meinung kaum noch weiter ausrechterhalten wird. Es verlautet weiter, das; die Regierung es nicht zu einem geschäftsführenden Kabinett kommen lassen will, das heißt also, daß sie für den Fall eines drohenden Mißtrauensvotums voraussichtlich vorher zur Auslösung schreiten dürfte. Als Zeitpunkt für die Neuwahl wurde am Mittwochabend mit ziemlicher Bestimmtheit der 1 9. Februar genannt, da der 26. Februar wegen der Fa° schingsfciern in Süd- und Westdeutschland kaum in Frage kommen kann. Die erneut aufgetauchte Behauptung, das, es fraglich sei, ob Herr v o n S ch l e i- ch e r noch die Vollmacht zur Auflösung erhalten würde, wird in unterrichteten Kreisen als eine mehrfach bereits dementierte Zweckdarstellung bezeichnet. Inzwischen konzentriert sich das Interesse auf die nationalsozialistischc Führerbespre- ch l> n g, die im Mittwochnachmittag im Hause des Landtagspräsidenten Kerrl im Beisein von Frist Thyssen und, wie es heißt, auch von « ch a ch t stattgefunden hat. Bei den Nationalsozialisten scheint keine unbedingte Neigung für sofortige Neuwahlen zu bestehen, und es komme hinzu, daß auch die Kreise der Wirtschaft ernstlich vor neuen Erschütterungen warnen, die ein Wahlkampf zweifellos zur Folge haben würde. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, baß sich auch bei den Nationalsozialisten das Bestreben durchsetzt, baldige Neuwahlen tunlich st zu vermeiden. Es fragt sich nur, um welchen Preis. Daß die Negierung von Schleicher mit sich handeln lassen werde, ist noch immer anzunehmen, aber nur dann, wenn ein nationalsozialistischer Vertagungsbeschlnfz eindeutig als eine Tolerierung gekennzeichnet werden kann, wobei der Reichskanzler auch noch weitere Sicherungen für die Innehaltung eines so geschaffenen „politischen Moratoriums" Bedangen würde. Vorbedingung einer solchen Abmachung würde jedoch sein, daß doch noch im legten Augenblick eine persönliche, wenn auch nur mittelbare Fühlungnahme zwischen dem Reichskanzler von Schleicher und der nationalsozialistischen Führung erfolgt. Gerade daran aber wird, wie gesagt, in Regierungskreisen nicht mehr geglaubt. Wenn die „Deutsche Zeitung" in Zusammenhang mit den in den leisten Tagen geführten Unterredungen, sowie mit der Aussprache Hitlers mit seinen Unlerführern meint, daß von Schleicher in den nächsten Tagen vor eine ganz neue Lage gestellt sein werde, so dürfe diese Voraussage intern zuweitgehend fein, als sich eine neue Konstellation, die die ursprünglich als Uebergangsregierung betrachtete Lösung Schleicher ablösen würde, vorerst zweifellos noch nicht abzeichnet. Die „Germania" warnt erneut vor einer Auflösung ohne sofortige Wiederwahl und bringt die dahingehenden Bestrebungen mit hugenberg in Zusammenhang. Der Gedanke, notfalls die Neuwahlen hinauszuschieben, scheint jedoch ganz anderen Ursprungs zu sein. Denn heute schreibt die „Tägliche Rundschau" erneut, daß der Zeitpunkt der Neuwahlen von der Gestaltung der Verhältnisse im Innern abhängen würde. Das Blatt erinnert an die kürzliche Warnung des Kanzlers, im Zusammei'.hang mit dem Anwachsen der Zusammenstöße und Terrorakte und erklärt, es (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) An Bord der „Schlesien", im Januar 1933. Am 2. Januar ward die Fahrt nach Reykjavik angetreten. Zum erstenmal besucht ein großes deutsches Kriegsschiff Island. Zum erftemnai nach dem Vötterringen, das eine Welt in Brand gesegl. Reykjavik, Islands Hauptstadt, längst nicht mehr weltverloren im Ozean liegend, längst eine Stadt mit Fremdenverkehr, mit nicht unbedeutendem handel geworden, hatte dennoch bisher lediglich deutsche Fischerei-Schutzboote zu Gesicht bekommen. Ein wirkliches deutsches Kriegsschiff, das mußte doch zur Sensation werden! Mit diesen Erwartungen wurde an besagtem Januartage um 14 Uhr Wilhelmshaven verlassen, und schon in der ersten Nacht umbrandete der Sturm das deutsche Linienschiff: Windstärke 7, Seegang 7! Einsam bahnt sich das Schiff seinen Weg durch die Fluten, bis plöglich im Zwielicht der englische han- delsdampser „Sunderland" auftaucht. Auch er arbeitet schwer mit der stürmischen See, die auch bann nicht ruhiger wird, als die Inseln Fär-Oer auf- tauchen, und dann senkt sich langsam die Nordnacht auf die „S ch 1 e s i e n". Zwanzigstündige Dunkelheit am Tage, und nur um die Mittagszeit bringt ein hellerer Schimmer für kurze Zeit durch die Wolken. Einsam liegen die weiten Fischereigebiete, in die das Linienschiff jestt eindringt. Der Sturm, der unverdrossen heult und die Wolkenfcstcn vor sich hertreibt, die Wogen sich aufbäumen läßt, er erlaubt es nicht, daß sich kleine Schiffe auf die hohe See wagen. Dann kommt eine Nacht, in der ein „A lärm" durch die „Schlesien" geht. Besahung und Offiziere eilen an Deck und — blicken gebannt auf das Wunder eines Nordlichts, das seine leuchtenden Pfeile über die stürmische See hin- schießt. Jene wundervolle Naturerscheinung, deren letzte Rätsel von der Wissenschaft noch nicht gelöst sind, jene magnetischen Stürme, die mit ihrem feurig-schönen Schauspiel wahrscheinlich vom Schöpfer gemacht sind, um den Menschen, der in der langen Nordnacht der Sonne entbehrt, einen Trost zu spenden in dunkler Einsamkeit. Und bann, in eben jenen wenigen Hellen Mittags- ftunben erhebt sich plötzlich über bem Horizont bie Küste ber Insel, bie bas Ziel ber Fahrt ist. Der sei nicht unwahrscheinlich, daß bei einer Schärfung der Lage im Innern tatsächlich ein Notstand eintrete, der unter Umständen auch auf den Termin der Neuwahlen nicht ohne Folgen bleiben würde. Besprechungen der nationalsozialistischen Führung. Berlin 18. San. (TU.) Sn der Dienstwohnung des Landtagspräsidenten Kerrl fand am Mittwochnachmittag eine Besprechung statt, ander Adolf Hitler, Kube, Göring, Thyssen, einige andere Persönlichkeiten der Wirtschaft, sowie der frühere Reichskanzler von Popen teil» nahmen. Der Preußische Pressedienst der NSDAP. teilt mit: „Von einem Nachrichtenbureau wurde die Mel» düng verbreitet, daß bei dem Landtagspräsiden» ten Kerrl ein „politisches Essen" stattgefunden hätte. Der Preußische Pressedienst der NSDAP, erfährt dazu, daß es sich um eine private Einladung des Landtagspräsidenten zu einem zwanglosen Beisammensein unter Parieigenossen gehandelt habe. Die Meldung Don einem „politischen Essen" sei wieder einmal müßiges Gerede." Es handelt sich um die bereits gemeldete De» s p r c ch u n g im Hause des Landtaaspräsidenten. Don anderer Seite wird Übrigens bestritten, daß auch Herr v. Popen an dieser Besprechung teil» genommen habe. größte Berg Islands, der Vodnojeukull, grüßt herüber. Die ber Insel vorgelagerten Vestmanna-Eilanbe tauchen auf, unbewohnt, ber Küste vorgelagert, unb halb behnt sich bie Küste in ihrer ganzen Breite vor unfern Augen. Unb als wollte ber Meeresgott zum Schluß noch bas beutsche Linienschiff auf eine Probe stellen, erhob sich ein furchtbarer S ü b o st - ft u r m — Winbstärke 11 — eine Probe, bie bie „Schlesien" natürlich glänzenb bestaub, unb ber infolgebesten nicht verhinbern konnte, baß bie ersten, natürlich völlig bunklen Morgenstunben bes Samstags bie beutsche Einheit im Hafen von Reykjavik sahen. Aber: an ein Einlaufen in den Hafen war nicht zu benfen. Der Sturm wollte nicht Nachlassen. Man warf auf ber Reede Anker, und Leichter muhten für die notwendig gewordene Äohlenübernahme Sorge tragen. Kapitän zur See C a n a r i s , ber Kommanbant ber „Schlesien", machte schon am Tage ber Ankunft feinen ersten Besuch an Laub, ber bem bänischen Gesandten unb bem islänbischen Ministerpräsidenten galt. Arn Nachmittag waren Kommandant und Offiziere der „Schlesien" Gäste ber „Germania", bes beutschen Klubs in Reykjavik. Man braucht wohl nicht erst bes längeren zu beschreiben, mit welcher Freude unb mit welchem Stolz biese beutschen Menschen auf ihre Offiziere, auf ihre „Schlesien" blickten. Daß ber Empfang an Herzlichkeit nicht überboten werben konnte, wer wollte bas bezweifeln! Unb auch bie Damenwelt sollte zu ihrem Rechte koinmen: ein Tanztee im Lichterglanz, im festlich geschmückten Saal, bildete den äußeren Rahmen der Veranstaltung, während draußen die Elemente tobten, und bie Norbnacht wie eine bunkle Kappe über ber Erbe lag. Ein Kontrast, ebenso seltsam wie prickelnb unb schön! Natürlich erfolgte ber Gegenbesuch bes Gesanbten von Dänemark, bas ja formell noch immer eine Art von Oberhoheit über Island ausübt, die sich aber praktisch kaum noch auswirkt. Salutschüsse! Und um die Bevölkerung von Reykjavik, die bie beutschen Offiziere unb Mannschaften so herzlich ausgenommen hatte, in irgenbeiner Weise zu entschädigen, eine feierliche Flaggenparade. Islands Ministerpräsident erschien an Bord, unb beim Frühstück verrann bie Zeit in sreunbschaftlichsten Gesprächen. Aber bie Jslänber lasten sich nichts schenken! Kapitän zur See Can'aris und fünfzehn seiner Offiziere sinb noch am selben Abenb Gäste bes islänbischen Die „Schlesien" in der Tiordnacht. Von derZsland-Iahrt des deutschen Linienschiffes. Bericht unseres Sei.-Sonberberichterstatters. Traumstraße. Von Or. Gustav W. Eberlein, CRom. Salerno, im Januar. Schlaglöcher, Scherben unb Hufnägel, brechende Mistgabeln vor überfahrenen Hühnern und Schotter, Schotter, Schotter, daß bie Reifen resigniert ben Geist aufgaben, mit Vorliebe mitten auf einem ungeschützten Bahnübergang — das waren bie tückischen Objekte, bie ben Schrecktraum bes Automobilisten von gestern füllten, heute ist bas alles nur noch halb so schlimm. Wir träumen lieber von ölglatten Asphaltstraßen, Schlittenkufen haben unsere Räber, und es kreiselt toll im Zickzack, wenn man nicht gleich über einen Abgrunb hinauswirbelt ober waiizenhaft hunbertprozentige Steilwänbe hinauf- schleicht. Ober bie Fahrt geht burch bas Reich Scheherazades, Palmen — weiße Säulen, ber Verkehrspolizist hat eine rote Kamelie zwischen ben verführerisch blitzenben Zähnen unb heißt Zuleima. Sehr deutlich geschieht zum Beispiel folgendes: Der Verkehrspolizist hat ein Bleististende zwischen amtlich geschlossenen Lippen unb fragt mit eisigem Blick: heißen? Worauf ber Wagen vor Schreck rückwärts schlittert, eine Kurve von 360 Grab beschreibt unb koppheister abhaut. Berg rauf, Berg runter, bas flitzt nur so, unb bann saust man eine Bergleiter hinauf, bas sinb bie Alpen, unb es schneit unb es friert unb ba robelt man eben hemmungslos nach Süben hinunter, ohne Bremse unb halt, benn es war nicht mehr möglich, einen Gang einzuschalten, unb saust geraberoegs auf einen schmalen Steg zu, ber ins Meer hinausläust. Ach, bas ist ja Italien! Nett. Orbentlich warm wirb einem, ben Schweiß kann man von ber Stirne wischen. Bißchen Angst gehabt? I wo — Herzklopfen vor Glück. Fahren wir eben wie mit bem Finger über die Karte an ber Küste entlang, wie flach bas hier ist, hopla — beinahe bie Peterskirche gerammt, nochmals um bie Ecke, schon in Neapel. Hauptmann, nein, Goethe war bas boch, ist ba auch schon gefahren — Myrte still — Lorbeer hoch — wenn nur ber verbammte Nebel nicht wäre, burch ben Mignon ihren Weg sucht. Warum sollen vierzig Pferbe nicht können, was ein Maultier kann? Der Saumpfab ist frisch geteert — rein in bie Kurve — raus mit neunzig Kilometern — aah, bie Nebelbecke ist burch- brochen ... Wir sinb nun so hoch wie die Kölner Domtürme, wenn man sie aufeinanberfteUt, es läuft ein Sims herum — auf dem fahren wir — und zur Rechten fällt die Sache so steil ab, wie es sich für einen Turm gehört. Mit bem Handrücken über die Stirne — scheint wieder heiß werden zu wollen. Agaven, die kurz und falsch Kaktus genannt werden, solange sie nicht blühen, und wenn sie blühen, ihr Leben verwirkt haben, denn sie sind vom Stamme derer, bie ba sterben, wenn sie lieben. Das ist von Heine unb war ein Witz, aber träumerische Menschen alau- ben gerne baran. Letztes zitronensaltigeres Weinlaub auf bid’en Säulenstummeln von schneeigem Weiß. Da hockt ein Mensch im Straßengraben unb starrt in bie höhe unb rabenschwarze Mäbchen umgeben ihn scheu, kirchernb, mitleibig unb spöttisch, er hat einen leberartigen Fetzen um bie Lenben geworfen unb eine blonbe Mähne unb blaue Siegfriebs- äugen, hat wohl auch geträumt von einer Fahrt ins Blaue ... gestorben, verborben ... Wo bie Felswanb aufhört, bie ockergelb aus bem Meere aufsteigt, ba liegt eine seltsame Stabt, irgenb- wo in einer Ausstellung habe ich bieses Bilb hängen sehen unb geglaubt, es wäre nur Phantasie. Tief unten raucht ein Schiff, unb Wastervögel kreisen herum unb schreien, baß sich bas Echo am hohen Felsen bricht: Royal Majestic Lurlei. Ihre königliche Majestät bie Lorelei > Verrückt. Aber was ist hier nicht verrückt? Die Pferbe vor ben putzigen Pärchenbroschken tragen Pleureusen auf bem Kopf. Ober meterlange Fasanensebern wie ber Lukas, haut ihn, auf bem Oktoberfest. Der Saumpfab ist mittlerweile zu einer schier zimmerbreiten Asphaltstraße geworben, bie als lau fenbes Banb, ber Wagen braucht sich nur mittragen zu lassen, in bie Felsen huscht, auf kahle Zinnen kraxelt unb um bie Spitzen herumringelt wie Zigarettenrauch. Blauer Dunst ringsum. Es ist nicht unangenehm, barauf zu fahren, was bie Feberung anbelangt, nur geht es so verteufelt schwinblig zu. Man klammert sich an ben Volant an, wozu ist er benn sonst ba. Wie viele Kurven wohl noch kämen? Der Mann kriegt bie Maulsperre — so bumni hat noch keiner gefragt. Es können zweitausenb, es können auch brei ober viertausenb sein, im Durchschnitt entfallen vier auf fünfzig Meter, wenn man bas Schlangengeringel unb Lockengekräusel nicht rechnet. Denn bie Bergnasen haben bie sonberbar- sten Formen, von ber Messerschneide bis zum Wellblech, und jede Nase will umschmeichelt und umstreichelt sein. Und jede starrt aufs Meer hinaus. Sicherlich ist bie Brandung drunten gewaltig, nur hört man sie nicht, so hoch sind die Steilwände. Dünne, zuweilen verfallene Mäuerchen am Abgrund bemühen sich um einen wenigstens suggestiven Schutz. Wer anstreift, fährt geradewegs in bie Ewigkeit, beren Tiefe übrigens entgegen ber lanb- läufigen Meinung durchaus meßbar ist: zwischen 30D und 600 Metern. Aber ich werde schon nicht, denkt man, ich träume ja bloß. Ein froschgrüner Wagen kommt entgegen, ein Taxi — tassiiii! schreit man in Neapel — unb barinnen sitzt ein käseweißer Mensch und über seinen Kitten liegt seine amore und hält die Hände schaudernd vor die Augen. Kann ich verstehen, kann ich gut verstehen wirb bir auch schlecht, Anita? Anita meint, es ginge noch, aber eine Schüssel Spaghetti müsse sie jetzt haben. Wir wollen halten, sagte ich, unb schwebte in eine gespaltene Stabt hinunter, beren eine Hälfte aus bem Meere zum Gipfel hinauswuchs, ein Haus auf bem anberen wie bie Akrobaten im Varietö, währenb bie anbere Hälfte vom Gipfel herunter, ein Haus unter bem anderen, ins Meer stürzte. Auf den fchutzlofen, flachen Dächern turnten halbnackte Kinder herum, unb es war fein Schupo $u sehen. Auf ben Spaghetti saßen Fliegen, unb ich. nahm ben Kragen ab, unb es war mörderlich heiß, benn bie Stabt steht auch im Januar wie ein Ofenschirm vor ber Glut. Nach einer Weile ging bie Vertikale tuieber in bie Horizontale über, es bürste einem mit Recht schlecht werben, unb ein Engländer, beinahe hätten wir ihn umgefahren, beutete' mit ber Stummelpfeife noch höher bergaufwärts unb schrie: Emmelfei! Emmelfei! (Er meinte wohl Amalfi.) Gewiß, sagte einer mit bunter Mütze, gewiß könne er einen Tragstuhl haben. Die Herrschaften auch? Danke, winken wir ab, wir sitzen ja schon. Tragstuhl, Fahrstuhl, Auto, Schwebebahn — wie logisch sich boch bie Entwicklungsstufen folgen. Nur eben dieses iinangenehme Abgrundgefühl unter sich beim Schweben. Der Teufel glotzt über bie Wanb! Unsinn, Anika, es ist ein schwarzer Ziegenbock. Siehst bu, nun sinb wir boch im Orient, ich mochte auf bieser maurischen Loggia sitzen! Halte nur noch ein Stündchen aus — gleich werden wir — krach! krach! Gott, es war nur ein Wagen gegen die Felswand geprallt. Der Herr blieb sitzen und sagte, ich hätte zu stark gehupt. Ich habe nur einmal gehupt, erwidere ich, zu Beginn der Teufelsstraße, unb es tönt immer noch, bebenfen Sie bas Echo von breitaufenb Bergnasen, es können auch viertausenb sein! Weiter. Wir schweben, gleiten, rutschen, ringeln und kräuseln uns, manchmal ziehender, manchmal kreisender Schwindel, und bann hatte ich zwei Schwielen am Finger unb Anita, ihrer Behauptung nach, graue Haare. | Ministerpräsidenten im Hotel „Borg" in Reykjavik. I Eine wahrhaft glanzvolle Veranstaltung, in deren Verlauf manche Ansprache getauscht wurde, aus der man die Gemeinsamkeit vieler Interessen ersah, und als man bann loieber ben Weg zur „Schießen* antrat, hatte man bas Gefühl, es konnte kein veßere» Einvernehmen geben als bas zwischen Jslänbern unb Deutschen. Zu kurz fast büntte bie Zeit, als am Montag, 9. Januar, nachmittags bie „Schlesien" mit frischen Kohlenvorräten roieber ihre Anker lichtete unb aus ber Reebe hinausbampfte, in bie hohe See. Ganz Reykjavik war zum Hafen gekommen, unb bie Augen blickten halb auf bie „Schlesien", bald auf ben Himmel, unb bie Ohren lauschten bem Sturm, ber mit unoerminberter Winbstärke 11 aus Süboften tobte. Und gerade diesem Süboft ging es entgegen. Kurs auf S t a g e n , bie Spitze ber Halbinsel Jütland, und über Skagerrak und Sattegatt geht es in die Ostsee nach Kiel, ber Heimat zu. Aus aller Wett. Sämtliche Schulen in Braunschweig wegen Grippe geschlossen. Die Grippe hat in ber Stabt Braunschweig in ben letzten Tagen eine so starke Ausbehnung genommen, baß auf Anorbnuna bts braunschweigischen Volksbilbungsministers sämtliche Volks- unb Mittelschulen in Braunschweig auf etwa acht Tage geschlossen werben. In ben letzten Tagen war in einigen Schulen nur ein Drittel ber Schüler zum Unterricht erschienen. Auch ein großer Teil ber Lehrer war erkrankt, so baß her Unterricht in zehn Schulen ausfallen mußte. Wie von ortsamtlicher Seite versichert wirb, besteht zu einer Beunruhigung kein Anlaß, ba bie Erkrankungen meistens einen gutartigen Verlauf nehmen. Für 27 000 Mark Wertzeichen gestohlen. In einer ber vergangenen Nächte brangen E i n- b r e d) e r in ein in Borgfelbe bei Hamburg gelegenes Postamt unb erbrachen ben Gelbschrank. Den Einbrechern fielen Wertzeichen im Iß e r t e von 27 000 Mark, unb zwar für 12000 Mark Jnvalibenrnarken sämtlicher Werte unb für 15 000 Mark Briefmarken in ben Werten von 3 bis 80 Pf. in bie Hänbe. Zwei Todesurteile des Posener Standgerichts. Das Posener Standgericht verurteilte nach zweitägiger Verhandlung die Mörder des Präfekten des Posener Lehrerinnenseminars zum Tode durch den Strang. Während der eine Ber- brccher geständig war, leugnete der andere bis zum letzten Augenblick. Der Staatspräsident hat das Gnadengesuch abgelehnt. Das Urteil wurde im Posener Gerichtsgcfängnis durch den Warschauer Henker vollstreckt. — Der Präfett, Professor Maslowski, war in den letzten De- zemöertagen v. 3. in der Nähe des Posener Domes erschossen und beraubt worden. Erdbeben in Jugoslawien. Wie der „Pester Lloyd" aus Belgrad erfährt, verzeichnete oie dortige Erdbebenwarte ein starkes Beben, dessen Zentrum 115 Kilometer südwestlich von Belgrad liegt. 3n der Bevölkerung entstand eine Panik. Der Materialschaden ist nicht bedeutend. Das Schicksal des russischen Dampfers „Sachalin". Das Schicksal des im Ochotskischen Meer gestrandeten russischen Dampfers „Sachalin" ist noch immer unbekannt. Ter von Nikolajewsk zur Hilfeleistung entsandte Dampfer konnte die „Sachalin" noch nicht erreichen. Heftige Schnee stürme machen es auch unmöglich, von der Landseite her an den Strandungsort vorzudringen. Die Passagiere sind nach einer drahtlosen Meldung des Schiffes auf dem Cis gelandet. Das Oberdeck des Dampfers soll in Flammen stehen. Das Schicksal zweier Afrikafliegerinnen. Die beiden Fliegerinnen Joan Page und Audrey Salebarfer, die auf dem Weg von Kapstadt nach Europa waren und als vermißt gemeldet wurden, befinden sich im Krankenhaus in Nairobi (Kenialand). Sie waren über dem Busch abgestürzt, wobei sich die eine einen Beinbruch und die andere Kopfverletzungen zuzog. Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst D l u m sch e in. Cameriere, einen Espresso! Nein, für jeden zwei Tassen! Aber bollente, kochend!! Ach, tat das wohl. Da wurde man nüchtern, da wachte man auf, da wurde es einem wieder warm und klar ... * Da wußten wir, wir hatten gar nicht geträumt. Jeder kann die Straße des Albdrucks, den man doch lieber mit b schreiben sollte, benn er hat so wenig mit ben Alpen zu tun wie Alberich, aber viel mit bunflem, brückendem Albengesindel, jeder kann sie befahren. Wir sitzen jetzt in Salerno, und die Bootsleute in der verrückten Stadt hatten nur Hotel namen beim Ausbooten ausgeschrien, benn bas war Sorrent. Unb der Engländer wollte einfach nach Amalfi und die maurische Loggia glänzte von Ra- oello herunter. In Positano war bas mit ben zwei Stabthälsten und den Januarfliegen. Und die Agaven junb das Meer, die Bergnasen und der blaue Dunst — da kann man gar nicht übertreiben. Cameriere, noch einen Espresso! Was Znsekien leisten. Aeußerst interessante Versuche sind von einem amerikanischen Forscher angestellt worden, der sich mit den körprlichen Leistungen der Insekten beschäftigte. Er beobachtete z. B., wie eine Ameise eine tote Spinne in ihren Kiefern eine kleine Anhöhe hinaufschleppte. In einer Sekunde legte sie eine Strecke von ihrer 48sachen Körperlänge zurück, das entspräche der Geschwindigkeit eines Autos von 640 Kilometern in der Stunde. Eine Spinnenart, Agelaena nevia, vermag sogar in der Sekunde bas Hunbertfache ihrer Körperlänge zurückzulegen. Die Lokomotive, bie mit ber gleichen Geschwindigkeit fahren würde, müßte in der Sekunde 1,2 Kilometer bewältigen können. Ebenso erstaunlich sind die Leistungen gewisser Insekten im Sprung. Eine rote Heuschrecke sprang das Fünfzigsache ihrer Korper- länge weit: dementsprechend müßte ein Känguruh 60 Meter schaffen können. Einzelne Exemplare der Jnsektenfamilie Sminthurus mit einer Körperlänge von 0,5 Millimeter bewältigten bas Fünfhunbert- fache. Ein Mensch müßte, um bieser Leistung nachzukommen, 400 Meter aus bem Stanb springen können. Achnliche Leistungen zeigen bie Insekten beim Heben von schweren Gegenstänben. Ein Skarabäus hob mit Bleistücken beschwerte Körbchen, die 850maI so schwer waren wie er selbst. Das entspräche einer Last von 2500 Tonnen bei einem Elefanten. Aus der Provinzialhauptstadt Buntes Allerlei Schließlich sprechen wir noch bei einem Sammler von Tintenfässern vor, dem Kaufmann R. B. W i e n e r. ,,3'd) habe auf meinen vielen Reisen", erzählt der Sammler, „bald hier, bald da ein hübsches Tintenfaß qesehen und gekauft - schließlich kann sich der Lharalter eines Dolles genau so gut in seinen Tintcnsüssern ausdrücken wie in manchem anderen, meine Sammlung gibt mir also die schönsten Reiscerinnerungen. Dabei habe ich auch die verschnörkelten Greuel aus dem vorigen Jahrhundert nicht verschmäht." 11 nö wir bewundern eine lange Reihe von Tintenfässern, vom zentimeteraroßcn Räpschen der Rokokodame bis zum ungeschlachten Spectsteinwürsel, den der Sammler einmal in Rordfranlreich gefunden hat, vom Qllt-T. eihener Porzellan bis zum japanischen Tuschebehältcr. mar auch der Sinn dieser abendlichen Veranstaltung be-. Gustav-Adost Frauenvereins, für die die große Versammlung ihm dankt. Das gesprochene Wort wurde veranschaulicht und verliest durch eine große Anzahl guter Lichtbilder, die das Wesen des Landes und der verschiedenen Valkschaiten zeigten, vor allem aber das umfangreiche l)e(ferinert D. Zöcklcrs sichtbar werden ließen. Ein Lied am Anfang und eins am Schluß rahmten den Vortrag ein, der an seinem Teil als Sämannsarbeit weiter wirken möge zum «egen der evangelischen Kirche und unseres Volkes draußen und daheim. Gin angesehener Häusermakler, Georg L i - lienthal, führt uns vor seine Sammlung von Schnupftabakdosen. „In meiner Familie ist das Sammeln erblich, schon mein Urgroßvater hat gesammelt", erklärt er. „Warum gerade Dosen? Run, sehen Sie selbst, wie hübsch sie sind. Ich habe schon als Schüler damit angefangen und ich habe seitdem ab und zu dazugekcn'sl, was mir besonders gefiel. Die große silberne Dose hat Friedrich der Große auf dem Schlachtfeld von Leuthen einem tapferen Reiter- ofjizier geschenkt, der durch eine schneidige Ka- vallcrieattacke den österreichischen Feldherrn Ra- dasdy zurückgcworfen hatte. — Dort links das kleine Slfenbeindöschen mit den drei ungeschlachten Dauern daraus war ein ständiger Begleiter Andreas Hofers, des Tiroler Rebellen von 1809; das Dild darauf stellt den „Anderle Hoser und seyne zwey Adjuthanteu" dar. Ein 6tüdd)cn Weltgeschichte im Glasschrank!" Solch starkes vertrauen auf die helfende Liebe, das wie ein Helles Licht aus der Diaspora herüberleuchlet, kann für uns in der Heimat ein Ansporn sein, in eigner dunkler Rot nicht zu verzagen. Ein Volk und eine Kirche, die ihre Kinder in der Fremde stärken und vor dem Sterben bewahren, stärken sich selbst und empfangen tausendfach zurück, was fie an Kraft und an Gaben hinausgeben. An diese Pflicht und an solchen Segen will immer wieder der Gustav-Adols-Berein erinnern. Das „Indische Pillen" und „Rhabarber-Pillen" haben besonders kostbare Behälter. Ein Gesäß ift darunter. daS noch aus dem Laboratorium des Herrn Philippus Aureolus Theophrastus Dorn- bastus Paracelsus von Hohenheim stammen soll. „Da ich selbst Apotheker bin", erklärt der Besitzer, „ergab sich die Sammeiei fast von selbst. Ich habe schon sehr früh damit angefangen, und habe mich immer besonders gefreut, wenn ich wieder einmal ein seltenes 61 cl Zwischen tonnte. Wie groß und wie interessant das Gebiet ist, sieht man erst, wenn man sich lange damit beschäsl.gt hat. - Propaganda liebe ich nicht, also — bitte leine Ramensnennung!" Besten Dank, Herr Rt.! Die Wanderung geht weiter. Kinderbücher, Tabaksdosen, Tiniensäffer Kleine Rundreise durch die Sammlungen kostbarer Merkwürdigkeiten. wird vielleicht niemals ans Tageslicht kommen. Als der Geistliche von Hüll die SUinbe von dem Unglück der so jäh zur Witwe gewordenen Frau Harbord überbringen wollte, sand er sie ahnungslos lachend und scherzend mit ihren zwei Kindern vor einem Kino stehen. Die „Endon" hatte Hüll vor kurzem verlassen, um die Fischplätze auszusuchen. Eine Lücke in ihrer Mannschaft, die durch einen Todesfall ver ursacht wurde, war nicht ausgefüllt worden. Dies sieht man in Fifcherkreisen als ein unglückliches Vorzeichen an. Die Angehörigen der vermißten Mitglieder der Besatzung harrten stundenlang vergeblich am Hasen, ob nicht ein anderer heimkehrender Dampfer Kunde ober vielleicht gar einen Geretteten ans Land brächte. Ein Film-Museum in Paris. In einem Flügel des ..Trocadero" in Paris ist ein Film-Museum eröffnet worden. Cs bietet eine Sammlung aller Filme von historisch-ern und volkswisfcnschafllichem Interesse, die erzeugt worden sind, und soll auch in Hinkunft alle solchen Produktionen ausnehmen. Cs wird ein Archiv sür die Filmkunst bilden, sowie die össentlichen Bibliotheken, die Archive für Literatur sind. Fünf große Räume sind schon jetzt mit Filmrollen gefüllt, sowohl französischen wie ausländischen Ursprungs, die einige der wichtigsten Ereignisse unserer Zeit im Bilde sesthalten. Man rechnet mit einem sehr schnellen Zuwachs, da die Anzahl dokumentarischer Filme, die ib allen Ländern erzeugt werden, ständig zunimmk. Ein großer Teil der gegenwärtigen Sammlung besteht aus Filmen aus dem Weltkrieg Deutsch-evangelische Arbeit im Offen Ausschnitte aus Gtanislau (Polnisch-Galizien). Hauptmann a. D. Landgerichtsrat P r i w c zeigt uns seine Sammlung von rund 70 000 Zinnfiguren. „Sie ahnen wahrscheinlich nicht, welche Mühe, ab r auch welch? Freude eine so che Sammlung bereiten kann. Ratürlich sing es bei mir schon in der Schulzeit an, wo ich mit Zinnsoldaten spielte; später habe ich die Sache systematischer betrieben. Hier habe ich mir die Schlacht an der Katzbach aufgebaut - Blücher mit feinem Stabe, die ertrinkenden Franzosen, die ich mir übrigens selbst zurechtgebogeii und -gelotet habe. Wir Zinnfigurensammler legen großen Wert auf genaue Wiedergabe der Uniformen und den Regimentsabzeichen, der Fahnen usw. Da die Fabriken meist die Bemalung ungenau ausführen, kostet es unendliche Mühe und langes Geschichts- studium, die Taufende von Figuren, die zu einem Aufbau gehören, erst einmal richtig zu kostümieren. Dort auf dem kleinen Tisch steht Silit) aus dem Marktplatz einer kleinen Stadt während des 32iähr gen Krieges. Da ich Zigaretten mit Pappmundslück rauche, habe ich den Säulengang des Rathauses recht naturgetreu wiedergeben können. — Hier auf der anderen Seite sind preußische Grenadiere dabei, in der Schlacht von Oudenarde den französischen Musketieren die Standarte zu entreißen, deren Original ich zufällig auf einer Reise in der Potsdamer Gar- nisonlirche entdeckt habe. Abseits vom großen Trott, den Reiseführern unb^ könnt, gibt cs überall wahre Schätze an Heinen oder großen Merkwürdigkeiten, die von ihren Sammlern mit viel Sorgfalt und Liebe angehäuft, mit Argusaugen bewacht werden. Biele, sehr viele Leute sammeln Bilder, Bücher, Briefmarken oder A u t o g r a m m e ; wenige, sehr wenige kaprizieren sich auf ausgefallene und doch intcrcffante Dinge, wie Nußknacker, Tintenfässer oder Zinnkrüge. Da (am nult jemand Stammbücher, dort hat sich ein bekannter Schreibwarenfabrikant ein Ai u s c u m von Schreibfedern eingerichtet; ein ehemaliger Major in München sammelt alles auf München Bezügliche, ein Dresdner Kunsthändler hat sich aus fach fische Kleinkunst verlegt, ein bclannter Uniformfabrikant in Berlin behütet eine Sammlung von japanischen Dolchen. Eine Nundreise durch mehrere solcher verborgenen Sammlungen ergibt ein liebenswertes Bild von einer stillen, unheilbaren menschlichen Leidenschaft — der Sammelwut! * Professor Dr. Stenger von der preußischen Staatsbibliothek, Berlin, plaudert über seine Sammlung von S t i ck m u st e r t ü ch e r n. „Solche Sammlungen sind durchaus nicht so selten. Besonders Amerikaner kaufen die «uckküchcr und Flicktücher, wo sie können. Was Sticktücher und Flicktücher sind? Fragen Sie Ihre Großmutter! Früher war ja eine schone Handarbeit der Ehrgeiz jedes Mädchens; und jo wurde in Schulen und Klöstern eifrig das Sticken nach Vorlagen geübt, die dort entstandenen Stak- tücher, ganz reizende, farbenprächtige Erzeugnisse, wurden in hohen Ehren unter* Glas und Nahmen ausbewahrt; oder es wurde ein zerrissenes, zerschnittenes Tuch durch saubere Handarbeit wieder zugeftickt — diese Flick tücher sind oft noch schauer als die Sticktücher. Als ich vor zwanzig Jahren in Tirol ein wunderschönes altes Slicktuch billig von einer unverständig modern gekleideten Baue.ssrau kaufen konnte, war der Grundstock zu meiner Samin- | lung gelegt — seitdem habe ich mir in weiser Be- schrämung auf dieses Gebiet eine ganz hübsche Sammlung aufgebaut; andere Stickereien, gest.ck.e Taschen und so, lassen rn.ch kalt. Mein ältestes Tuch hier stammt aus dem Jah.e 1630 — es ift ja überhaupt praktisch, daß die Mädels meist die Jahreszahl und ihren Namen auf das Tuch gestickt haben. D, es gibt noch viel ältere Tücher, noch aus gotischer Zeit — das find natürlich Seltenheiten, sozusagen die .blaue Mauritius' der Stickmustertüchersamm- lungen." Der Kunsthistoriker Karl Hobrecker, dessen einzigartige Sammlung von 5t i n b e r b ü ch e r n vom Völkerpädagogischen Institut in Mainz übernommen wurde, zeigt mir einige seltene Stücke aus den vielen tausend Bänden. „Die Sammlung ist streng wissenschaftlich aufgezogen", erklärt der Gelehrte, der als ftuftos seine geliebte Sammlung weiter betreut. „Ursprünglich halte ich nur die Idee, mir die Bücher wieder zusamni-mzuholen, die ich selbst in meiner Kindheit besessen hatte. Aber bald kam ich darauf, daß eine solche Sammlung künstlerisch und pädagogisch sehr wertvoll jein müßte. In den Antiquariaten war damals noch kein Kinderbuch zu finden, so daß ich mir ein eigenes System zu- rechtlegte, wie ich auf vergessenen Hausbäden, in alten Bauernhäusern meine Schätze ausgraben konnte. Jetzt sind, vom ,Orbis pictus’ des Comenius und alten Ausgaben Aesopscher Fabeln angefangen, so ziemlich alle wertvollen Kinderbücher hier bei- lammen. Ich habe es mit dem Bibelspruch gehaltem Wenn du in der Jugend nicht sammelst, was willst du im Alter finden?" Der dritte Besuch gilt einer Sammlung von Apothekergesähen. Fast tausend Standgefäße sind hier in ernsten Reihen versammelt, vom bauchigen Riesenkrug bis zum kleinsten Pil- lenbehälter, kostbare Majoliken aus der Früh- renaissance, alte deutsche Fayencen mit all den hochtrabenden und lächerlichen Bezeichnungen der mittelalterlichen Quacksalberkunst. „Aqua sember est bona" lese ich do. Wasser tut immer gut! nen Preisen findet am Sonntag, 22. Januar, 15 Uhr, die unwiderruflich letzte Dorstellung des Weihnachtsmärchens: „Aschenbrödel" statt. Spielleitung und Besetzung wie die der Erstaufführung. Die Intendanz hat, um allen Wünschen zu entsprechen, diese letzte Ausführung angesrht; die Preise sind bis zur Grenze des äußerst Tragbaren herabgesetzt, und es ist so allen Eltern Gelegenheit gegeben, auch in diesem Jahre ihren Kindern die Freude und den Besuch des Weihnachtsmärchens zu ermöglichen. — Die erfolgreiche Aufführung der Operette: „Im weißen Rößl" wird am Samstag, 21. Januar, und am Sonntag, 22., wiederholt. Samstag: Beginn 20 Tlhr; Sonntag: Beginn 19 Ahr. An beiden Tagen gelten ermäßigte Operettenpreise. Außerdem haben Dorzugsgutscheine Gültigkeit. — Ein besonderes Ereignis für das Gießener Theaterleben kündigt der Spielplan für Dienstag, 24. Januar, an. Der Autor, Regisseur und Schauspieler Curt G ö tz kommt mit seinem Ensemble zu einem einmaligen Gastfp.el. „Dr. mcd. Hiob Prätorius. Facharzt für Chirurgie und Frauenleiden". lautet der Titel seines letzten Wertes, das erst vor wenigen Wochen seine Uraufführung erlebte und als dramatisierte Biographie Episoden aus dem Leben eines Arztes stellt. Das Gastspiel ist außer Qlbon- nement zu ermäßigten Operet enpreisen. Die Intendanz gewährt jedoch allen Abonnenten auf alle Abonnementspiähe eine Ermäßigung von 53 Df. Gutscheine, Abonnements-Dorzugsgutscheine haben an diesem Abend keine Gültigkeit. Radio-Gutscheine werden in Anrechnung gebracht. — Die Kasse macht nochmals darauf ausmerksam, daß für Sonntag vorbestellte Karten unbedingt bis Freitag 13 ilbr abgeholt sein müssen, da der regen Rachfrage wegen sonst über nicht abgeholte Karten anderweitig verfügt werden muß. Laten für Tonncrtzlag, 19 Januar. 1809: Der Dichter Edgar Allan Poe in Boston 1 geb. — 1863: Der Rationakökonom Werner Sombart in Ermsleben geb. — 1868: Der Romanschrift- steiler Gustav Meyrinck in Wien geb. ** Erfolgreicher Schwimmer. Von der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft wurde Herrn Dieter P o p p e r t, Gießen, Withelmstraße 15, nach erfolgreich abgelegter Prüfung der Lehrschein mit goldener Nadel überreicht. ** Städtische Brennholzversteigerung. Bei der gestrigen Brennholzversteigerung aus den Waldungen der Stadt Gießen (Försterei Gießen) wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Bachenscheiter 8,60 Mk. per Raummeter, Eichenscheiter 6,60 Mk., Birkcnscheiter 6,00 Mark, Kiefernscheiter 6,60 Mk., Tuchenknüppel 7,00 Mk., Hainbuckxmknüppel 7,00 Mk., Eichenknüppel 5,80 Mk„ Kiefernknüppel 5,60 Mk., Dir- I kenknüppel 5,40 Mk. per Raummeter, Buchenreisig ! 2. Kl. per 100 Wellen 17,00 Mk., Hainbuchen- । reisig 2. Kl. 18,00 Mt., Eichenreisig 2. Kl. 12,00 1 Mark, Kiefernreisig 2. Kl. 10,63 Mt., Fichtenrei- 1 sig 2. Kl. 10,00 Mk. per 100 Wellen, Fichten- I derbstangen 1. Kl. per Stück 1,20 Mk., 2. Klasse 1,00 Mk., 3. Kl. 0,70 Mk. per Stück, Fichtenreis- ftangcn 4. Klasse 0,20 Mk. per Stück. * Von der Schlacht st eue r-A usgleichs- abgabe befreit. Nach Artikel 8 des hessischen Schlachtsteuergesetzes vom 9. November 1932 hat der hessische Frnanzrninister angeordnet: Auf Grund gegenseitiger Vereinbarungen ist die Einfuhr von Fleisch- und Wurstwaren in das Gebiet des Volksstaates Hessen aus den Freistaaten Hamburg, Lippe, Sachsen und Bremen, mit Wirkung vorn 1. Dezember 1932, aus dem Freistaat Mecklenburg-Schwerin mit Wirkung vom 8. Dezember und aus dem Freistaat Thüringen mit Wirkung vom 1. Januar 1933 von der Ausgleichsabgabe befreit. kirchlichen Energie von großer Bedeutung als deutscher Vorposten im Osten. „Ganz von innen heraus, in suchender Jesusliebe, hat diese Führerpersönlichkeit den Ausbau begonnen, in dem er der Vater der Allerärmsten, der Diasporawaisen, wurde." Von diesem kinderelend und der treuen Hilfe in den S t a n i s I a u e r A n - ft a 11 e n wußte der Vortragende Ergreifendes zu berichten. Auf dieser Kinderarbeit baute sich dann Fürsorge für Elend aller Art auf, eine Innere Mission, die das ganze Land umfaßt. Da ist neben dem Kinderheim das Diakonissenhaus und das Altersheim, und als besondere Pflegestätten kirchlicher und deutscher Art auch bas Gymnasium und die vielen Kirchenschulen mit deutscher Unterrichtssprache. Da ist die Ausbildung eines tüchtigen Handwerkerstandes, ermöglicht in den „Dis-Werken", fabrikartiqcn Handwerkstätten, in der Nachkriegszeit mit Hilfe der Quäker errichtet. Da ist als Mittelpunkt für Volksbildungsarbeit seit 1921 die Völks- Hochschule von Pfarrer Dr. Seefeld in Dornfeld, wo zweimal jährlich Volkshochschulkurse von 4 Mm.aten ftattfinben und zu der „auf einmal fast 300 Leute aller Altersstufen aus ganz Polen angereift kamen". Solche bei aller äußeren Ausgestaltung doch „intensive" Arbeit, die nach dem Wesen D. Zöcklers von Anfang an unter dem Gesichtspunkt des „Zeugenberufs der Diaspora" aufgefaßt und betrieben wurde, hat ihre besondere Missions- Wirkung bewiesen und beweist sie noch täglich. Ganz ohne propagandistische Eingriffe in andersgläubige Gemeinden ist unter der einheimischen ukrainischen veoölkerung eine bedeutende evangelische Bewegung entstanden. Viele, früher orthodoxunierte Christen haben sich der evangelischen deutschen Kirche angefchlossen, die 54. ^ahresfest der pilgermiffionsgemeinschasten Man berichtet uns: Am Sonntag feierten die Hessischen Pilger missionsgemein- schäften ihr 54. Jahresfest im großen Saal der Stadtmission, Löberstraße 14. Nach einem Begrüßungswort des Stadtmissio- nars Schmidt von Gießen hielt Pfarrer Eckardt, theologischer Lehrer der Evangelistenschule St. Chri schona bei Basel, die Festansprache. „Gesunde Wur- S'n" war das Thema seiner zu Herzen gehenden orte. Wie im Pflanzenreich das Wachstum und die Frtichtbarkeit ganz von dem Stand der Wurzeln abhängig sind, so auch im Christentum. Gesunde Wurzeln im geistlichen Leben sind rechtschaffene Buße, für die Wahrheit erschlossener Sinn und lebendiger mit Gott verbindender Glaube. Wo diese vorhanden sind, kommt es zu einem gesunden Wachstum und zu gottgewirkter geistlicher Frucht. Ohne solches Gewurzeltsein in Gott durch Jesum Christum bleibt alle Frömmigkeit nur äußerer Firnis. Das Leben ist Inhalt- und ziellos. Den Jahresbericht erstattete der Senior der ober hessischen Pilgermissionsarbeit, Prediger Peters vom Bibclyeim Flensungerhof Mucke. Der Grundton dieses Berichtes war Danken. Cin dreiiaches, so wurde betont, stimme zu Danken gegen Gott. Erstens: Gott habe in dem Berichtsjahr gesegnet. Das sei an dem äußeren Stande der Arbeit sest- luftellen, denn sie sei gewachsen. Ein neues Arbeitsfeld konnte gegründet werden in dem Ort 'Dia rfr bei Lauterbach. Dort habe die opferbereite Liebe ein neues Vereinshaus mit schönem Saal und Wohnung gebaut. Der ganze Bau ist durch freiwillige Liebesgaben und unentgeltliches Mit- helfen erstanden. Es sind nur noch 2390 Mk. Schulden darauf. Auch in Glauberg konnte ein Der- sammlungssaal eingcweiht werden. Zu den über 120 Orten, in welchen Bibelstunden gehalten werden, sind 7 neue Orte im Berichtsjahr hinzugekommen. In Seelsorge, Wortverkündigung und Blätterdienst konnte viel guter Same des Wortes Gottes ausgeftreut werden. Der zweite Grund zum Tanken sei, daß Gott das Werk versorgt habe. Die Arbeiter der Pilgermission haben keinen garantierten Gehalt. Das ganze Werk ist auf Glauben aufgebaut. Die vielen Stationen in Deutschland und in anderen europäischen Ländern und China benötigen fast eine Million Mark zum Unterhalt; diese große Summe ist in der schweren Zeit durch freiwillige Opfergaben zusammengekommen, das sei viel'Grund zum Danken. Als Drittes führte der Berichterstatter noch aus, daß (9oti auch das Werk getragen und bewahrt habe. Zu Tragen gab es viel durch Schwäche und Sünde für den Herrn. Bewahrung war nötig gegenüber den gewaltigen Strömungen der Gottlosigkeit, des Aberglaubens und Irrglaubens und der Sekten. Mit Dank wurde auch das mancherorts gute Verstehen von feiten der Kirche betont, besonders der Kirchenregierung. Die Bewegung stehe bewußt auf dem Boden der Gnadauer Richtlinien: Innerhalb der Kirche, womöglich mit der Kirche, doch nicht unter der Kirche. Sie will eine rechte Laienbewegung im Sinne des guten alten Pietismus fein. Ein Abendvortrag des Pfarrers Eckardt über das Thema: „Bei dem Herrn ift die Rettung" zeigte den einzigen Weg der Rettung auch für unser Volk. Posaunenstücke und G-sangdarbietungen verschonten die eindrucksvolle Feier. — Aus de in Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 15. Borstellung im Freitag-Abonnement: „Politik der Weiberröcle", Komödie von Reil Grant (Spielleitung: Kühne). Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22.15 Ahr. — Zu ganz klei- unter Zöcklers Leitung steht. Ein so großes Werk fordert auch große Mittel, etwa 200 000 RM. sind jährlich nötig, um die Sta- nislauer Anstalten und die ihnen angegliederte Arbeit zu finanzieren, kaum 50 000 Mk. können aus eignen Mitteln aufgebracht werden, für den Rest von über 150 000 Mk. rechnet und vertraut man auf die Hilfe der Glaubens- u n d Volksgenossen: besonders wird die brüderliche Hilfe aufgerufen für die vielen aus tiefstem Elend kommendem Kinder, für die weder der Staat, noch irgendwelche Angehörige sorgen, die ohne Hilfe aber ihrer Kirche und damit ihrem Volk verloren gehen würden. Auch der Gießener Gustav Adolf-Frauen- verein hat ein solches Kind in seine Patenschaft genommen. Es ist nötig, daß wir Deutschen uns immer wieder an die Tatsache erinnern: ein Drittel a l - I e r deutschen Volksgenossen, etwa 30 Millionen, wohnt außerhalb der Reichs- grenzen. Das 100-Jahr Jubiläum des Gustav- Adolf-Vereins im letzten Jahr hat auf diese wichtige, für uns Heimatdeutsche fo verpflichtende Tatsache auch wieder mit ganz besonderem Nachdruck hingewiesen. Denn die Hauptarbeit dieses Jubilars gilt ja, zumal in der Nachkriegszeit, der deutsch- evangelischen Auslanddiaspora. oo hatte man auch auf der Jahrhunderttagung in Leipzig beim Durchsehen der 'Anwesenheitslisten den starken Eindruck, daß diese Tagung eine Hauptver (amr$lung des Auslandsdeutschtums im evangelischen 'Ausschnitt darstelle. Große Gebiete Dieses evangelischen Auslandsdeutschtums liegen im S ü d- o ft e n und D ft e n Europas. Bk’t mit den Fragen des Volkstums sich be- schLstigi, weiß, von wie großer Bedeutung das kirchliche Leben ift. Und manchen, der in der Heimat kirchlichem Leben vielleicht gleichgültig gegenübersteht, mag diese Tatsache doch zu ernster Besinnung aufrufen. Denn das, was in der Fremde unferm Volkstum die besten Kräfte ^ur Erhaltung durch Jahrhunderte gegeben und es immer wieder durch schwere, seine Fundamente erschütternde Notzeiten hindurchgerettet hat, wird wohl auch in der Heimat die Quelle sein müssen, aus der unser armes, zerrissenes und verwirrtes Volk feine Kräfte empfängt zur Neugestaltung und Bewahrung seines eigentümlichen Lebens in gegenwärtiger Notzeit — bie religiös- kirchliche Gemeinschaft. So hat jeder tiefere Einblick in das kirchliche und volkliche Leben des Auslandsdeutschtums feine hervorragend aktuelle Bedeutung für die Heimat. Davon gab auch der Vortragsabend, der am Sonntag auf Veranlassung öes^® u ft a v - Adolf - Frauenvereins in der Stadtkirche gehalten wurde, einen tiefen Eindruck. Es war nur ein kleiner Ausschnitt, auf den der Vortragende, Pfarrer Storck- Heppenheim, aus eigener Anschauung lebendig und eindringlich hinwies. Aus Rhein Hessen und der P f a l z sind vor etwa 150 Jahren durch Kaiser Joses II. zahlreiche '.Bauernfamilien als Siebter nach Galizien gerufen worden. An Zahl heute wohl gering, nur etwa 31 000 Seelen, ist diese deutsch-evangelische Kirchen- gemeinschaft aber unter dcr hervorragenden 40- ßährigen Tätigkeit und Leitung von Pfarrer D. Zöckler in ihrer volklichen und evangel.- DaS Totenschiff. Kunde von einem unheimlichen Schiss, das beleuchtet, aber völlig verlassen aus dem Meer um hertrieb, brachte die Besatzung des Schleppers,„St. Kilda" nach Hust, der langsam, die Flagge auf Halb mast, in den Hasen einfuhr. Der^Kapitän W. Rut land berichtete, daß er bei feiner Fahrt an der Doggerbank, etwa 390 Kilometer von der Küste Däne marts entfernt, Notzeichen wahrgenommen habe. Als er sich der Stelle so schnell wie möglich ge nähert hatte, sah er den aus Hüll stammenden Schlepper „Endon", von seiner Mannschaft verlassen, mit einem klaffenden Leck an einer Seite. „Das Geheimnisvolle war", so berichtet der Kapitän, „daß kein zweites Schiss in der Nähe war, da es sich doch offenbar um einen Zusammenstoß handeln mußte. Wir ließen unser Rettungsboot ins Wasser, und drei Mann ruderten an die „Endon" heran, mußten aber feststellen, daß kein lebendes Wesen an Bord war." Die Hoffnung, daß die Besatzung von einem andern Schiff ausgenommen worden war, wurde erschüttert, als sie den Leichnam eines Matrosen, 'Bieter Edward Har bord, in der See treiben sahen. Auch ein anderes Schiss, dem sie später begegneten, berichtete von einem ähnlichen Fund. Das Merkwürdigste war, daß das hell be leuchtete Schiff trotz seiner argen Beschädigung noch 36 Stunden umhertrieb, ohne xu sinken. Einen Versuch, es abzuschleopen, mußte der Kapitän der „St. Kilda" fallen lassen, da sein eigenes Schiss in Ge fahr geriet. Die „Endon" füllte sich allmählich mit Wasser und ging unter. Soweit ist das Schicksal der „Endon" bekannt. Die Ursache dieser Katastrophe I SJ.-fpori Hschschu^-Gchwimmwetttampf in Frankfurt. Universität Gießen beteiligt Am kommenden Sonntag findet zwischen den Schwimm-Mannschaften der Llniversitüten Frankfurt, Gies;en. Göttingen, Marburg und der Technischen Hochschule Darmstadt ein großer Schwimm- Wettkampf in Frankfurt o. M. statt, der interessante Kämpfe bringen dürfte. Der Sieger aus diesem Wettbewerb erhält den Wanderpreis der Universität Marburg. Handball her Turnergilhe im OHB. OSL. I — DhV. I 1:4. Ain Sonntag standen sich auf dem Wald-Sportplatz diese beiden Mannschaften im Freundschaftsspiel gegenüber. Die DHVer waren den OSCern weit überlegen. Nur der Tormann Schmieder vollbrachte manchmal Glanzleichungen und bewahrte dadurch seine Mannschaft vor einer höheren Niederlage. Die DHD.-Stürmer warteten, unterstützt durch eine gute Läuferreihe, immer wieder mit gut durchdachten und schnellen Angriffen auf. Die Hintermannschaft brauchte sehr wenig in Aktion zu treten. Beim O2C. wollte es nicht recht klappen. Man vermißte das Zusammenspiel. Schiri Birke n st o ck (1900) war dem Spiel jederzeit ein gerechter Leiter. Deutsche Oshockey-Meisterfchast. Für die am kommenden Samstag und Sonntag in München stattfindenden Titelkämpse gab jetzt noch Ostpreußens Meister VfL. Rastenburg seine Meldung ab. Damit bewerben sich fünf Mannschaften, der Verteidiger Berliner Schlittschuh-Club, „Brandenburg-Berlin", Sport-Club Rießersee, Eis- lanfverein Füßen und VfL. Rastenburg um den Meistertitel. knapper Sieg der Kanadier. Die Edmonton Superiors konnten in Oxford eine englische Auswahlmannschaft nur knapp mit 3:2 besiegen. Die Briten legten schon im ersten Drittel zwei Tore vor, doch gelang den Kanadiern noch vor. der Pause der Ausgleich. Nach torlosem zweiten Abschnitt sandte I. Brown im Schlußdrittel das siegbringende Tor ein. Olympische Spiele 1936. Neue Sportnationen auf dem Anmarsch. Don Dulgarien, Rumänien und Aegypten ist bereits bekanntgewvrden, daß diese Länder, die an sich keine olympischen Reulinge sind, mit einem großen Aufgebot von Wettkämpfern bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin antreten werden. In Amsterdam umfaßte ihre Vertretung mir wenige Köpfe, in Los Angeles waren sie gar nicht vertreten. Es steht mit Sicherheit zu erwarten, daß die Spiele von 1936 schon wegen der günstigen Lage Vcrlins für d'.e Mehrzahl aller Völker auf einer breiteren Weltgrundlage als alle ihre Vorgänger stehen werden, eben nicht zuletzt wegen des Auftretens bisher im Sport wenig bekannter Völker. So liest man auch in der Zeitung ^Shanghai Rews" unter einer besonderen Rubrik „Olympic Games 1936“, daß auch Länder wie Persien, Afghanistan und selbst das weit entfernte Siam nicht abseits stehen wollen, wenn Berlin 1933 zur Teilnahme ruft. Zwei deutsche Sportvereine in Mexiko haben bereits beschlossen, eine Fahrt nach Berlin zu den Olympischen Spielen 1936 für ihre Mitglieder in die Wege zu leiten. Breifenarbeit für „Olympia“. Der Deutsche Reichsausschuh für Leibesübungen hat mit einer Eingabe vvm 13. Januar sich an die Llnterrichtsverwaltungen der Länder gewandt mit einer Bitte, den Vereinen und Verbänden ihrer Länder Mittel zur Ergänzung der gegebenen Fortbildungsmöglichkeilen zur Verfügung zu stellen und mitzuteilen, in welchem Maße das geschehen kann. Auf Grund des Ergebnisses dieser Eingabe wird der DRA. auch seinerseits mit seinen Verbänden über die Fortführung und den Ausbau der allgemeinen Fortbildungsarbeit beraten. Es ist dies als eine Maßnahme im Zusammenhang mit den Vorbereitungen der Olympischen Spiele zu betrachten, für die es Talente zu suchen gilt. Cs ist klar, daß eine derartige Arbeit nur von einer möglichst breiten Grundlage aus geschehen kann. (Shriehe Sasserath in Düffelhor?. Die bekannte Dckordschwimmerin Clsriede Sasserath ist aus beruflichen Gründen von Rheydt nach Düsseldorf übergesiedelt, wo sie für den Düsseldorfer SC. 98 eine wertvolle Verstärkung bedeutet. 3m Verein mit der ausgezeichneten Rückenschwimmerin dürfte es der Düsseldorfer Rekordstaffel bald gelingen, einige der durch Rixe Charlottenburg verlorengegangenen Höchstleistungen zurückzuerobern. Kurze Sportnotizen. Getrennt haben sich die beiden beliebten Köl- ner Sechstagefahrer Rausch und Hürtgen, die lange Jahre die populärste deutsche Sechstagernanitzchuft waren. Rausch wird sich nach einem anderen Partner umsehen und im Sommer wieder Dauerrennen fahren. Ein Trainingsspiel zwischen einer mitteldeutschen und einer ungarischen Mannschaft endete am Mittwoch in Leipzig 3:3. Als das Treffen nach zweimal 25 Minuten Dauer beendet wurde, stürmten die Zuschauer das Spielfeld und erzwangen eine Verlängerung um zweimal 10 Minuten. <• 21 ft o n Villa gewann am Mittwoch das Pokal- Wiederholungsspiel gegen Bradfort City knapp mit 2:1 und rettete sich so in die zweite Hauptrunde, die am 28. Februar ausgetragen wird. Als M e i st e r s ch a f t s l a u f für die deutsche Bergmeisterschaft der Motorräder wurde das Würg- uuer Bergrennen anerkannt, das am 2. Juli zum 13. Male ausgetragen wird. ♦ Fahrpreisermäßigungen wird die Reichsbahn auch in diesem Jahre wieder den auswärtigen Besuchern des Frankfurter Sechstagerennens gewähren, das vom 3. bis 9. Februar in der Festhalle stattfindet. Dem Berliner Sportpalast wurde jetzt nach monatelangem Kampfe die Genehmigung zur Abhaltung von Dauerrennen hinter kleinen Mo- toren erteilt, die erstmals am 5. Februar zur Durchführung kommen. Die Olympia-Bobbahn in Garmisch wurde am Mittwoch vom SC. Rießersee mit einem internen Klubsahr«, eingeweiht, an dem sich sieben Mannschaften beteiligten, die sämtlich gute Zeiten erzielten. Die gesamten Einrichtungen der Bahn erwiesen sich dabei als allen Ansprüchen genügend. * Zur Fußball-Weltmei st erschuft, die im nächsten Jahre in Italien ausgetragen wird, liegen bisher neun Meldungen vor, und zwar von Italien, Frankreich, Belgien, Holland, Jugoslawien, Oesterreich, Ungarn, Rumänien und Spanien. Amtsgericht (Sieben. Eine auswärtige Firma hatte einem hiesigen, noch nicht großjährigen Holzhändler Waren ausnahmsweise auf Kredit geliefert. Er weigerte sich zunächst, solchen zu geben: doch der Angeklagte, der junge Kaufmann, verstand es. durch Vorspiegelung falscher Tatsachen über seine Zah- lungs- bzw. Kreditfähigkeit den Lieferanten derart zu täuschen, daß dieser ihm die bestellten Waren — es waren Wetzsteine zu etwa 200 Mk. — ohne Barzahlung lieferte. Der Angeklagte gab sich in der Korrespondenz als vermögender Kaufmann aus, der ein rentables Geschäft, wertvolle Beförderungsmittel, zwei Lage.h allen, chemische Produkte in bedeutendem Wert auf Lager, schließlich auch eine ansehnliche Erbschaft in Aussicht habe. Ties alles entsprang in Feiner, oder doch nur sehr beschränkten Weise der Wahrheit. So bestanden die Beförderungsmittel in zwei alten Karren, die chemischen Produkte waren so gut wie unverläuflich u. dgl. m. Aus Grund der Beweisaufnahme gewann das Gericht die Heber» zeugung, daß der Angeklagte von vornherein die Absicht hatte, sich die Waren ohne die be- bedungene Gegenleistung durch die besagten betrügerischen Manipulationen rechtswidrig zu verschaffen. Befriedigung der Gläubigerin ift bis heute nicht erfolgt. Die Wetzsteine sind zum Teil nicht mehr vorhanden. Der Angeklagte ift wegen Betrugs schon vorbestraft, trotz feiner Jugend. Das Gericht erb'ick!e in dieser ab ri-oHmws ci ei Milderungsgrund und nahm mildernde.Umstände im Sinne des § 263 Absatz 2 StGB, an, die ihm ermöglichten, nur auf eine Geldstrafe von 4 0 Mark zu erkennen. Die nächsten Angeklagten, ein Ehepaar, waren beschuldigt, eine Reihe gepfändeter Gegenstände vorsätzlich der Versteigerung entzogen zu haben. Einer derselben gelangte auf Antrag eines neuen Gläubigers zur zwangsweisen Versteigerung, woran die Angeklagten nichts ändern konnten. Rach der Versteigerung haben aber diese den Gerichtsvollzieher und den ersten Gläubiger von der Sachlage in Kenntnis gesetzt und ihnen anheimgegeben, ihre Rechte zu wahren. Auch hatte der zweite Gläubiger erklärt, auf sein Pfandrecht verzichten zu wollen, sobald ihm ein Besser- berechtigter nachgewiesen werde, so daß von einer vorsätzlichen Verstrickung durch die Angeklagten keine Rede sein konnte, wenn auch hinsichtlich der Identität des gepfändeten und des versteigerten Gegenstandes erhebliche, aber nicht zu beseitigende Zweifel bestanden. Bezüglich der übrigen angeblich der Pfandverstrickung entzogenen Gegenstände mußte ebenfalls Freisprechung aus anderen Gründen erfolgen. Zwei weitere Straffälle betrafen Bagatellsachen. Der eine Angeklagte soll ohne Führerschein Autofahrten unternommen, der andere in einem Rachbarort ruhestörenden Lärm verübt haben. In beiden Fällen erfolgte Freisprechung unter ilebcrnafjme der Kosten durch die Staatskasse lediglich deshalb, weil die Anzeiger als Hauptbelastungszeugen ihre in dem Vorverfahren gemachten Angaben zugunsten der Angeklagten in der Hauptverhandlung in wesentlichen Punkten einschränken mußten. Rur mit knapper Rot entgingen die Anzeigenden einer Verurteilung in die Kosten des Verfahrens, wie eine solche die Strafprozeßordnung vorsieht, sobald ein Verfahren durch eine auf grober Fahrlässigkeit beruhende Anzeige veranlaßt wird. Rundfunkprogramm. Jrcitag, 20. Januar. 7.25 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten. 12: Mit- tagskoiizert I. 13.30: Mittagskonzert II. 16.30: Ein rheinischer Weberjunge erzählt. — Improvisationen von Paul Laven. 17: Nachmittagskonzert des Orchesters des Westdeutschen Rundfunks. 18.25: Vom Reiz des alten Buches. Ein Gespräch. 18.50: Aerzte- Vortrag: Schlangenbisse und deren Behandlung. 19.30: Wer ist es? Literarisches Rätsel (VII'). Auf- gegeben von Wolfgang Weyrauch. 19.45: Konzert. 20: Von Neuyork: „Worüber man in Amerika spricht". Von Kurt Sell. 20.15: Wir fahren durch den Harz. Ein Hörbild von Gerfried. 21.15: Pforzheim: Unterhaltungskonzert. 22.45 bis 24: Nachtmusik der Tanzkapelle der Stuttgarter Philharrno- niker. Samstag, 21. Januar. 7.25 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatte». 10.10 bis 10.40: Der Hofnarrenspiegel. Don Franz Wall- ner. 12: Mittagskonzert I auf Schallplatten. 13.30: Mannheim: Mittagskonzert II. 15.30 bis 16.30: Stunde der Jugend. 17: Nachmittagskonzert. 18.25: „Läßt sich der Charakter aus der stimme erkennen?", Vortrag von Dr. Römer. 18.50: „Lebende Geschichte. Die Germanenreiche in Süditalien", Vortrag von Erna Pinner. 19.30: Zeitfunk: „Wirbel der Notzeit". 20: Von Darmstadt: Opern-Konzert. 22.45: Konzert. 23.30 bis 1: Von London: Tanzmusik. Wirtschaft. • Verschärsung der Lage im Siege r 1 a n d. Die Lage im Siegerland hat sich verschärft. Fast die gesamten Belegschaften der Schwerindustrie haben sich den Ausgesperrten anschlossen. Die Arbeitsniederlegung hat jetzt auch auf mittlere Betriebe übergegrifsen. Verhandlungen zur Beilegung des Konfliktes sind ergebnislos verlaufen. * Kein Angebot von 3 G. - Farben auf das Gelsenkirchen-Paket des Reiches. Die 3G.-Farbenindustrie AG. erklärt zu den verschiedenen an der Börse und in der Presse aufgetauchten Versionen über ein angebliches Kaufangebot des Farbenkonzerns auf einen Teil der im Besitz des Reiches befindlichen Aktienmehrheit der Gelsenkirchener Bergwerks- AG. auf Anfrage, daß weder von der 3G.- Farbenindustrie AG., noch von den Rheinischen Stahlwerken ein solches Angebot abgegeben worden ist. Bei beiden Stellen besteht auch nicht die Absicht, das im Besitz des Reiches befindliche Paket Gelsenkirchen-Aktien zu erwerben. Frankfurter Abenhbörse flau. Frankfurt a. M., 18. 3an. Die Abendbörse verzeichnete nur auf einigen Spezialgebieten etwas lebhafteres Geschäft, dabei war die Kursgestaltung recht unterschiedlich. Fester lagen zunächst weiterhin Gelsenkirchen Bergbau mit plus 1,25 Prozent und die übrigen Montanwerke mit Besserungen von 0,25 bis 0,50 Prozent. 3m Gegensatz zu dieser B^weg'lna lagen am Kunstseidemarkte Aku auf schwache Amsterdamer Meldungen 2,5 Prozent und später nochmals 1,25 Proz. schwächer. Schwach tendierten auch Holzmann mit zunächst etwa minus 2 Proz., wobei Gerüchte von einer beabsichtigten Kapitalzusamn;e.ilegung re.stimmten. 3m übrigen blieben die Berliner Schluhkurse etwa behauptet. 3m Verlause bröckelten dann die Aktienkurse unter dem Eindruck der Aku» und Holzmann- Schwäche allgemein etwas ab. Holzmann wurden amtlich nicht notiert; im Freiverkehr fanden kleine Umsätze bei 52,75 Prvz., also 6,25 Proz. unter dem Berliner Schluß, statt. Aku gingen bis auf 35 Prozent zurück. Am Renten markt war das Geschäft klein. Deutsche Anleihen lagen auf Berliner Schlußbasis, Goldpfandbriefe waren auf dem ermäßigten Wittagsniveau eher gefragt und 0,50 bis 0,75 Proz. höher, Stadtanleihen gaben dagegen eher weiter nach. Altbesitzanleihe 66,38 bis 66,25, Reubesih- onleihe 8,45, Schutzgebietsanleihe 6,55, 6prozentige Stahlverein 68,75, 6proz. Frankfurter Pfandbriefbank Gold, Reihe 3 bis 15, 85, 6pro,z. Stadt Pir- masens 69, Reichsbank 157,25, Gelsenkirchen 60,75 bis 60, Harpener Bergbau 82. Kali Aschersleben 113,50, Mannesmann 63,25, Phönix 33,75, Rheinstahl 72,50, Stahlverein 33,13 bis 33,25, Aku 36.50 bis 35,25, AEG. 28,75, Bemberg 48, Bekula 118,25, Conti Gummi 117, Scheideanstalt 148,50, Licht und Kraft 94, 3G.-Farben 101, Lahmeyer 118, Metallgesellschaft 36, Schuckert 87, Reichsbahn- Vorzugsaktien 92, Hapag 17,50. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M , 18. Jan. (WTB. Funkspruch.) Der heutige Getreidemarkt zeigte einen sehr ruhigen Verkehr. Die starke Zurückhaltung der Mühlen, hervorgerufen durch den wieder schleppenden Mehlabsatz, ließ keine Umsatztätigkeit auftommen. Die Preise biteben gegenüber der letzten Börse im wesentlichen behauptet, nur Weizen bröckelte weiter ab, wobei auch die Schwäche der Berliner Notierungen von Einfluß war. Die Mehlofferten waren unverändert. Kraftfuttermittel hatten infolge des Frostwetters stetige Tendenz und zum Teil etwas festere Preise. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs 201 bis 202,50, Roggen 162,50 bis 163,50, Sommergerste für Brauzwecke 180 bis 182,50. Hafer, inländischer 130 bis 135, Weizenmehl, südd. Spezial 0 28,25 bis 29,25, Roggenmehl 22,25 bis 23,25, Weizenkleie 7,40, Roggenkleie 7,85 bis 8 Mark. — Tendenz ruhig. Der deutsche Außenhandel imZahre 1932. Starker Rückgang hes Ausfuhrüberschusses gegen 4931. Berlin, 18. Jan. (WTB.) Die Einfuhr im Dezember beträgt 423 Millionen Mark; sie ist gegenüber dem Vormonat um 29 Millionen Mark gestiegen. Die Ausfuhr hat mit 491 Millionen Mark gegenüber November um 16 Millionen Mark zugenommen. Die Handelsbilanz schließt im Dezember mit einem Ausfuhrüberschuß von 68 Millionen Mark, gegenüber 82 Millionen Mark im November ab. Jür das Jahr 1 932 schließt die Handelsbilanz mit einem Ausfuhrüberschuß in höhe von 1 0 7 3 Millionen Mark ab, gegenüber einem Ausfuhrüberschuß von 2 872 Millionen Mark im Jahre 1931. Die in diese Zah. len einbezogenen Neparations- Sachlieferungen betrugen 393 Millionen Mark im Jahre 1931, im Jahre 1932, solange noch getätigt, 62 Mill. Mark. Vie Gesamteinfuhr im Jahre 1932 beziffert sich auf 4,7 Milliarden Mark; ihr Rückgang gegenüber dem Vorjahr beträgt mithin 2,0 Milliarden Mark. Die G e j a m t a u s f u h r im Jahre 1932 beläuft sich auf 5,7 Milliarden Mark: sie bleibt damit hinter derjenigen des Jahres 1931 um fast 3,9 Milliarden Mark zurück. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt bejchlosjenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H. Lombardzinsfuß 5 v. H. Jrannun a. 2-1. 2)tru.. i ÜH. Ui v . .... oeruu Schlußkurs Schlup!. Abend- börf Schluß- wrs Schluß! Mittag, böse Schluß- kur» Sch ußk. Abend- bö-le Schluß- fürs Scl'lußk. Miliaa- börse Datum 17.1. 18.1. 17-1. 1 18.1. Datum 17.L 18.1. 17-1. 18.1. 6% Deupche Reichsaulethe v. 1921 79 79,2 79,25 79,5 vamvurg-Amerita-Patei ..... 1 17,25 17,5 17,4 17,4 6% ehcm.7% Dt.Reichean! v. 1929 95,25 94,13 94.5 94,65 Hamburg-Südani. Damvslchiff. 0 — 42 — 5y2°o Sounfl-'jlnleifje oon 1930 .. 77,4 78 77.9 78 Hansa Tamvfschiss........... 0 — 28 28,5 Deutsche Ant.-Ablöf.-Schuld ml Norddeutscher Lloyd ......... 0 18,25 18,25 18,25 18,13 Auoloi.-Rechten ...... 35,75 65,25 66,1 66,5 A G, für Verkehrswesen Akt. .. 0 43 44 43,5 43,25 Seefll. ohne Aueloi.-Rechte...... 8,1 8,3 8,05 8,35 Berliner Hanvelrgelellschast.... 4 93 94 93,75 94 6% ebem. 8% Hess. Boli-Naat 1929 Commerz- und Privat-Bank ... 0 53 53 53,5 53,5 irüllzahlb 102%)..... 77 77 77,75 77,5 Deutsche Bank und Dirconto- Oberhesjen Pronin- Anleihe mt Gesellschaft................ 0 73 73 73 73 Au-loi.-Rechten ...... — — — Dresdner Bank.............. 0 61,5 61,5 61,75 61,75 Deutsche Komm. Lammelab l.An Reichsbank ................. 1 145,25 157,25 156,4 156,75 leibe Serie! mit Auolos.-Rechten 60,75 60,75 61 61,75 6% ehem. 8% Franks. Hnv.-Banl Golkwfe. 15 unkündbar bis 1935 85 84,75 — — Ä.E.G...................... 0 28,75 28,75 29 29 6% ehem. 7% »Zranks Hi,p.-Banl Clektr. Lieferimgrgefellfchaft ... 5 80,5 79 80,5 79,5 Goldvfe I« unkünvbar bis 193« - —— — — Licht und (traft ..... 6 95 94 95,5 93,75 &y:°o ebem. 4’/2% Tranks. Hyp. Selten & Guilleaume ........ 0 55 56 55,13 55,5 Bank-Liau.-Psandbriese ..... 87,5 87 —- —— Gesellschaft für Elektrische Unter» t>Vi% ehem. 4'/z% Rheinische nehmungen .............. > — 78,75 79 79,75 Hyp.-Bank-Liau. Goldvfe. 87 86,25 — — Rheinische Elektrizität ........ 5 '4,75 99,5 100 101 6% ehem. 8% Pr Lanve-pfand Schuckert & (So............. 0 86,75 87 86,25 86,25 briefanftalt, Psanvbriese R. 19 85,4 85,5 85,5 — Siemens & Halske........... 121,25 123 121,25 121,75 6% ehem. 7% Pr. Landespfand Labmever & (fco.............. 10 118,5 118 119 117 briefanftalt. Pfandbriefe R. 10 85 85 — — 4% Oefterretchhche (BoiDiente... Buderus ................... 0 42,5 44 42.75 45 4,20% Lelterreichische Silberrente 1,4 1,25 1,25 1,25 Deutsche Erdöl ............. 4 86 87,5 87,25 86,75 4% Ungarische Goldrente — — Gelsenkirchener.............. 0 52,5 60 56,5 59,5 4% Ungarische Staatriente v. 1910 — — — Harvener................ C 81 82 81,25 81,9 4Ü% desgl. von 1913 — — — Hoesch Eilen — Köln-Neuefsen.. 0 — — 51,65 51,25 5% abgclt Golbmerikaner von 99 6,75 6,5 6,9 6,65 Ille Bergbau ............ 7 — — 136 136.5 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4,4 4,5 4.4 4,45 Jl|e Bergbau Genüsse........ 100,75 101 100 101,75 4% Türkische Pagoabbahn-Anleihe ftlbtfnetroerfe .............. 0 45 44,5 44 Serie I — 4,7 4,6 4,75 ManneSmonn»Röhren........ 0 59.65 60.25 60,25 59,9 4% veegl. Serie II ......... 4.75 4.7 4*7 4 7 Mansfelder Bergbau _______ c 24 24 6% Rumän. oerelnh. Mente v. 1903 ' 7 6,25 6,5 6,4 Lberschles. fiotdroerfe......... 0 70 69,75 4'/r%Ruman.oerelnh.Renteo. 1913 10,13 10,75 10,25 10,5 D'bönlr Bergbau............. 0 32,5 33,75 33,25 33,5 4% Rumänische vereinh. Rente .. 5,4 5,55 5,5 5,6 Rheinische Braunkohlen ...... 10 194,25 192 193 192 3%% Anatolier .............. 224 22,5 22,25 22,9 Rhelnstahl ............ 0 71.6 72 6 71,5 72,5 Frankfurt 0.7)1 Berlin Schluß- kurö Schlum. Abcnd- bör' Sch uß- lurd (ädiiuyf. Mi *ag« höre Datum 17-1. 18.1. 17-1. 18.1. Bereinigte Staniwerke........t Ctavl Minen ...............0 Kaliwerke Aschersleben...... 6 Kaliwerke Westeregeln........k Kaliwerke Salzdetfurth.......l> 32 16 113 116 33,25 16 113,5 117 172 32.65 15 75 114 117 172,5 32,9 15,65 114 116,85 172,5 3 G. ftatben-gnbuftrie.......7 SrficibcanftaJt...............10 Goldschmidt ................ o Äütgerflroede ............... 0 Metallgelellschast.............( 99,13 101 100 101,25 146 148,5 — — 35,25 36 36,25 35,9 42,5 42,5 42,75 42,75 35 36 34,25 35,9 Bhllivv Holzmann....... ... O 58,25 — 59,5 58 Zementwerk Heidelberg .. ... 4 53,5 53 — — Zementwerk.Karlftavt..... ... o — — — _ Wayß & ffrehtag ........ ... o| 5,13 5,1 5,25 5 Schultheis Payenhofer...... .. O — — 106,5 107 Mu (Allgemeine Kunstseide) . .. O 39 35,25 39,9 38,5 Bemberg ........... .. 0 45 48 46 47,25 Zellstoff Waldhof......... .. 0 50 50,5 50,75 50 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. 0 28 28 27,5 Dessauer GaS ............ .. 7 — — 108,25 109 Daimler Motoren .......... .. O 34,25 20,13 20,5 20,5 Deutsche Linoleum ....... . 0 40 40 40 40 Orenftein & Koppel ........ . 0 41.25 41,25 Leonhard Tietz............ .. 6 42 42 42 42 Ebade.................... ..12 139,5 139,5 139.75 139,75 (Brittnet....................öl 32 I Mainkrastwerke Höchst a.W. ... 4 68 Süddeutscher Zucker ......8] 139.25 t 32,5 1 32 I 32,4 68 - 1 137,75 I 137,75 Deoiienmarfl Berlin — Frankfurt a M 17.Januar 18.Januar Amtliche Notierung Amtliche Jloticruni. ePcl* Brie Geld Brü Heising,ors. 6,214 6,226 6,214 6,226 Wien ..... 51,95 52,05 51,95 52,05 Prag...... 12,465 12,485 12,465 12,485 Budavekt ... — — — Sofia ..... 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland .... 169,18 169,52 169.18 169,52 Oslo ...... 72,33 72,47 72.13 72,27 Kopenhagen 72,28 72,42 70,08 70,22 Stvtkbvlm.. 76,82 76,98 76.67 76,83 London ..... 14,12 14,16 14,08 14,12 Buenos Aires 0,858 0,862 0.858 0,862 Neu York ... 4.209 4,217 4.209 4,217 Brüssel .... 58,29 58,41 58,29 58,41 Italien----- 21,54 21,58 21,54 21,58 Paris..... 16,43 16,47 16,43 16,47 Schweiz ... 81,00 81,16 81,02 81,18 Spanien... 34,37 34,43 34,37 34,43 Danzig.... 81,72 81,88 81,72 81.88 Iauan ..... 0,869 0,871 0,869 0,871 Rio pc Ion. 0,239 0,241 0,239 0,241 Jugoslawien Lissabon... 5,554 5,566 5,554 5,566 12,85 12,87 12,83 12,85 Banknoten Berlin, 18. Januar Geld Brie' Amerikanische Noten.............. 4,20 4,22 Belgische Noten ................ 58,13 58,37 fi9 71 Englische Noten ................. 14,04 14,10 iZranzösische Noten.............. 16,39 16,45 Holländische Noten .............. 168,81 169,49 -italienische 91 oien................ 91 dfl Norwegische Noten .............. 7L96 72.24 Deutsch Cefterreid), ä 1OO Schilling Rumänische Noten ............. 2,46 2,48 Schwedische Noten............... 76,50 76,80 Schweizer Noten................. 80.84 81.16 Spanische Noten................. 34.23 34.37 Ungarische Noten ................