'4% *&«•« K n ! nn>z. unter M bis aus es-häst klein, öchluhbasie, higten Ait- 0,75 Proz. eher weiter Aeubesih- Opwzentige Pfanöbrics. StM Pir- Archen 60,75 Ächersleben «.75, Rhein- !5, Alu 36.50 »ekula 118,25 4850, 2ij)t hmeyer 118, Aeichsbahn- ürje. m. Funk- zeigte einen tarle Zuruck- rd) den wieder ilmsotztätigkeit über der leg- , nur Weizen Schwäche der ir. Sie Mehl. Mittel hatten -nj unb jum itoden, 02,50, Roggen zrauzweeke 1'0 bis 135, Wei- i 29,25, R°g> 7,40, Roggen- ruhig- 932. In tiefe Zah- efeningen kehre 1931, im 2 Mill. Mark, te 1932 bezis- ihr Rückgang in 2,0 Milliar- e 1932 beläuft iht bamil tin- st 3,9 Militär- iurl a M s 7 18 >8 )9 29 54 43 02 ,37 ,72 >69 239 554 ,83 14 15 S 7 8 52.OS 12,485 3,063 169.52 72.27 70,2 76,83 14,£ 0,882 4,217 58.41 21,58 16,17 81.1 34, 81.0 0,871 0,241 5,566 12.85 58,37 70.« 14.0 16.45 169- a r« 34,31 .Jfliwr Donnerstag, (9.Januar 1935 185. Jahrgang Nr. lb Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Crrtf tfpb Verleg: Vrühl'sche UniveifitäiL-vuch- und Steinbruderei R. Laine in Gieret. Schriftleitung unb Goschäftz^tellr: 7. Lricheinl täglid), außei Lonn aqs und Ieieriaqs Beilagen; Die Illustriert» Eigener Familiendlottei heimoi m Dild Die Scholl« monais Bejugspreis; Mil 4 Beilagen ‘Rll 1.95 Ohne Illustriert» . 1.80 Zustellgebühr . . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt Sernl rechanfchlusse unter Sammelnummer‘2251 Anlchrift lür Drahtnachrichten Anzeiger Giestett pof'fchelllonto: f tcnlfrrt am Ifiom i 1686. Anna ime von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis mr 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- Klamean'eigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Fr,edr. Wilh. Lange. Derantworllich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.TKyr ot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchcin und ürdenAn. zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in Gieren. KMeuch über das Ziel her Landwirffchast Oie innenpolitische Neuordnung Oie Haltung des Zentrums. Köln, 19. Ian. (TU.) Zur innerpolitischen Lage schreibt die „Kölnische Volkszeitung (KB.) u. a., für die Haltung des Zentrums werde die Frage entscheidend sein, ob alle Bestrebungen dem Gedanken der Sammlung aller ausbauwilligen Kräfte dienen könnten. Das Zentrum sei für eine möglichst breite Regierungsfront und für klare und unzweideutige Lösung. Bor allem werde Klarheit darüber geschaffen werden müssen, ob eine Zusammenarbeit innerhalb des Rahmens der Berfo'fung gewährleistet, oder überhaupt beabsichtigt sei. Es genüge nicht, verfassungsmäßig anzufangen und dann eine Politik zu machen, die die verfassungstreuen Bestandteile aus der Arbeitsgemeinschaft her- Güstrow, 18. 3an. (TU.) Sn einer Kundgebung des Mecklenburg-Schwerinischen Landbundes am Mittwochnachmittag in Güstrow sprach der Präsident des Reichslandbunbes, Gras v. Kalckreuth. Es war die allerhöchste Zeit, so erklärte er u. a„ daß in der Landbund-Ent- schliehung in unmihverständlichen Worten von der deutschen Landwirtschaft Stellung genommen wurde. „3d> kann dankbar fest fiel len, Daß der Reichspräsident für uns Verständnis besitzt und sich für den Dollstreckungsschuh eingesetzt hat." Nachdrücklich setzte sich der Präsident für die Stärkung des Dinnenmarktes ein und kritisierte die von dem Reichswirtschaftsminister W a r m b old vertretene These der Ausfuhrpolitik. Er forderte, sämtliche Positionen in den Han- delsverträgen zollpolitisch so hoch zu sehen, dah sie eine Rente garantieren, Auch dürften sie nicht gebunden werden, sondern mühten in der Hand der Regierung bleiben. Rur ein geschlossener Zoll- und Linfuhrschuh könne die deutsche Landwirtschaft retten. Reben der Kontingentierung sehe er sich ein für den Butterbeimischungszwang und für eine Kontingentierung der Margarineherstellung. ,2lUerbingd sei nichts gegen eine beimischungsfreie billige Margarine für die Arbeitslosen einzuwenden. Diese Mahnahmen mühten begleitet sein von einer Polizeipräsident Melcher, der Kommandeur der Berliner Schutztruppe, Oberst Polen, sowie zahlreiche Vertreter der alten Armee. Die Mitglieder des hohenzollernhauses wurden bei ihrem Erscheinen durch Hochrufe und Händeklatschen außerordentlich gefeiert. t .. Mit anhaltendem Händeklatschen wurde der frühere Reichskanzler v. Papen empfangen, der die F e st r e d e hielt. Don Papen wies u. a. darauf hin, daß die Bismarcksche Schöpfung sich im Jahre 1918 in ihrer ganzen Kraft offenbart habe, als sie die größte Belastungsprobe der Geschichte pestand. Neben dem eisernen Kanzler von 1885 stehe heute als Hüter des Reiches der greise Feld morschall, der wie Bismarck nurseinDolk, nicht aber Parteien sehen wolle. Papen gab dabei ein Wort Hindenburgs bekannt, als der Reichspräsident ihn, Papen, mit der Regierungsbildung beauftragte. Hindenburg habe gesagt: „Ich will von Parteien nichts wissen. Der Staat ist für das Volk da, nicht für die Parteien. Dos ganze Deutschland soll es fein.“ Papen fuhr fort, es gebe eine „Politik aus dem Glauben" - trotz der zynischen Kommentare einer gewissen Presse. Aber alle_ die, die solche politische Führung wünschten, fanuen keine Heimstatt mehr in Den überlebten Parteige- bilben der Vorkriegszeit, sie fänden keine poli« tische Ausbruckssorm für die deutsche Rechte, in der sie sich zum Dau des neuen sozialen Reichs zusammensinden wollten. Es sei keine Zeit zu verlieren, Den Zusammenschluß zu vollziehen. Das „neue Reich" und mit ihm das neue Europa könne nur werden im Schmelztie- gcl der sozialen und wirtschastlichen Röte, unter denen die Welt seufze. Papen rief zum Schluß zur Bildung einer Front auf, die vom Gei st der alten preußischen Armee von Dienst und Pflicht in Unterordnung unter das Ganze getragen sei. GchulpoUbsche Aussprache im preußischen Landtag. Exportpolitik und Binnenmarkt Aussprache im Haushaltsausschuß des Re chstages. Käsekontingentierung und einer Dut - terzentralisierung. Die Industrie habe keinen Anlaß, sich über die Kontingentierungsforderungen der Landwirtschaft zu erregen, da auch heute die deutsche Stick st ofsinbu- st r i e , als sie von der ausländischen Konkurs renz bedroht war, eine lOOprozentige Konti n g e n t i e r u n g für ihr Produkt erhielt. Rach- drücklich setzte er sich für eine Steuer - und Lastensenkung ein. Hinsichtlich der Ge - treidepreispolitik mühten verstärkte Maßnahmen getroffen werden, um eine Katastrophe für den Markt der nächsten Ernte zu vermeiden. Der Landbund fordere den echten Einfuhrschein für Weizen und Hafer und die Durchführung der Hühnerweizenaktion. hätte nach Stabilisierung der Währung im Iahre 1925 Deutschland eine Linnenmarktpolitik getrieben, wie sie sie die Landwirtschaft immer gefordert habe, so würde die Wirtschaftskrise unsere Industrie nicht so hart getroffen haben, wie das heute der Fall sei. Förderung des Binnenmarktes allein sei vernünftige Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Der Export sei notwendig, aber Exportsörberung ge- schehe am besten durch Drosselung des Imports solcher Waren, die wir selb st erzeugten. Die Steigerung der Kaufkraft der Landwirtschaft bedeute für Industrie, Handel und Gewerbe Förderung unserer wirklichen Arbeitsbeschaffung. ausdrängen müsse, um so den weg für eine offene oder verschleierte Diktatur freizumachen. Die Entwicklung werde in Etappen vor sich gehen. Die nächste wichtige Entscheidung falle am nächsten Freitag. Papen ruft zu neuer Krönt aus. Berlin, 18. Jan. (TU.) Am Mittwochabend fand in der Wilmersdorfer Sporthalle die R e i ch s - gründungsfeier des Landesverbandes Groh- Berlin des Stahlhelms statt, an der über 6000 Personen teilnahmen. Der Feier wohnten neben dem 2. Bundesführer Oberstleutnant Dü Herberg u. a. bei der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich, die beiden Ehrenmitglieder des Stahlhelm, Generalleutnant Freiherr v. Matter und Generalleutnant Ziethen, die beiden Sohne des Prinzen Oskar, Vertreter der Reichs- | kanzlei und des Kultusministeriums, der Berliner gekehrt. E ne Umschaltung des Lebensmittelbezuges auf die Heimat sei die Grundvoraussetzung für die Hebung des Arbeitsertrages. E.ne weitere Z.nssenkung sei nur durch die Regelung unserer Auslandschuloen möglich. Vor allem müsse dem Auslande strikt erklärt werden, dch wir uns auf irgendwelche Kapital- rückzahlungen jetzt nicht einlassen könnten. Hilse mülle nun auch dem deinen Mittelstand zuteil werden, der gleichfalls unter der Kreditnot leide. Reichswirtschastsm nister Dr. Warmbord bemerkte, es bestehe kein Zweifel Darüber, daß wir Den größten Teil unseres Rahrungs- mittelbedarfes aus dem Inlande decken müßen und als Ziel deshalb eine gesunde und rentable. Produktion ansehen. Meinungsverschiedenheiten beständen nur über Die Art, wie dieses Ziel zu erreichen sei. Lieber den bisherigen Erfolg Der Zinssenkung erklärte der Minister, daß die Gesamlverschuldung der Landwirtschaft vor dem Kriege 17,5 Milliarden betrug, der im Jahre 1913 eine Zinslast von 750 Millionen oder 4,2 Prozent gegenüberstand. Jetzt betrage die gesamte Verschuldung etwa 11,4 Milliarden und der Zinsendienst nach dem Stande von Ende 1932 600 bis 620 Millionen, so daß der Durch- schnittssatz für alle Zinsen heute 5,2 Prozent betrage, also 1 Prozent über dem Vorkriegsstand liege. Steuerliche Erleichterungen für die Landwirtschaft seien besonders wichtig, hingen aber zusammen mit der Reform des Steuersystems überhaupt, die man nicht in der tiefsten Krise und bei leeren Kassen machen könne. Das Entscheidende sei Die Preisfrage, von welcher Seite man besonders dem Preis Der Der- eDelungsprodukte beikvmmen könne. Wenn wir uns jetzt ter Selbstversorgung nähern, könne man zwar alle Grenzen schließen. Der Preis bestimme sich aber nach den inländischen Faktoren. Der Spielraum für eine weitere Einschränkung Der Lebensmitteleinsuhr sei sehr klein geworben, Da nur noch acht Prozent unseres LebensmittelbeDac- ses gegenwärtig eingeführt würben. Berlin, 18. Ian. (TU.) Im H a u s h a l t s° s 1 ausschuß bes Reichstages würbe heute ! bie wirtschaftspolitische Aussprache mit einer ' Rebe bes Heichswirtschastsmimster Or. Warmbold fortgesetzt. Der Minister nahm zunächst Stellung gegen einige Bemerkungen über ben Empfang der Lanbbunbführer beim Reichspräsidenten unb schilberte kurz bie Bor- gesch.chte dieses Empfanges, an dem er selbst teilgenommen hat. Es habe eine Aussprache über Die Klagen unb Wünsche des Landbunbes statt- gefunben, unb aus Grunb dieser Aussprache hätten diese Dinge innerhalb der Reichsregierung beraten werden sollen. Der Reichspräsident habe ausdrücklich betont, dah er keiner einzelnen Gruppe dienstbar sein könne, sondern nur für Das Ganze Da sei. Der Minister betonte, er halte sich für verpflichtet, diese Wahrnehmung mitjuteilen. weil damit die Forderungen, die sonst an ben Empfang geknüpft worben wären, etwas anbers aussehen würben. Minister OBarmbolb vert.at sobann die Ansicht. daß unter den gegebenen Umständen nichts anderes übrig bleibe, als weiterhin zu versuchen. Austräge vom Ausland zu bekommen, um die Beschästigungsmöglichkeit im Inland zu ergänzen. Die Fähigkeit der Landwirtschaft. Arbeits- lose auszunehmen, sei außerordentlich gering geworden und werde auch dann nicht nennenswert zunehmen, wenn Großbetriebe in Mittel- und Kleinbetriebe umgctoanbelt würden. Es bleibe also nichts anderes übrig, als die Arbeitslosen außerhalb der Landwirtschaft zu beschäftigen. Welche Beschäftigungsmöglichkeiten gebe es aber Dann noch in Deutschland, wenn wir uns aus Der Weltwirtschaft zurückzögen? Deutschland könne sich bald mit den wichtigsten Nahrungsmitteln selbst versorgen. Ls könne aber nicht die Rohstoffe schaffen, auf die die wirtschaft angewiesen sei. Dazu brauchten wir Beträge in höhe von mehreren Milliarden, und bie'e könnten wir nur bezahlen, wenn wir entsprechende Werte der deutschen Arbeit aus dem Weltmarkt verkauften. Der Umstand allein, daß wir Rohstoffe brauchten, zwinge uns, mit der Weltwirtschaft in Verbindung zu bleiben. Es handle sich nur um Den Umstand der Verflechtung der deutschen Wirtschaft mit der Weltwirtschaft. Dann aber müsse man auch die Folge- tung daraus ziehen und unbeschadet des R u t - zens unserer eigenen Rahrungsmit- telerzeugung, den er an die erste Stelle sehe, den Warenaustausch mitdemAus- land als notwendige Ergänzung betreiben. Dieser Warenaustausch sei auch gerade für die deutsche Landwirtschaft notwendig. Weiter teilte der Minister mit, daß der Ban - kenkommissar seine Richtlinien von einem Kuratorium erhalte, das sich aus dem Reichs- banlprä'i cnlen. den Staatssekretären desReichs- wirischc.s s- und des Reichsf nanzm nisteriums und dem Reichsbankvizepräs deuten zusammensetzt. Er halte den Einfluß des Reiches für ausreichend. Die Danke nsanierung habe zu einer gewissen Beruhigung geführt, aber zu einer endgültigen Dere nigung des ganzen Bankenwesens werde man erst kommen, wenn der Deflations- Prozeß beendet sei und wenn nach der notwendigen Sanierung die gesamte Wirtschaft eine ausreichende Li iu dität aufwe'se. Der Frage der Regionalbanken sei die grundsätzlich hohe Bedeutung nicht abzusprechen. Man müsse damit aber warten, bis die natürlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen gegeben seien. Im Augenblick lasse sich diese Frage aber ohne neue Mittel in höhe von 300 bis 500 Millionen nicht lösen. Selbstverständlich müßten schon jetzt alle Vorbereitungen für eine spätere Lösung getroffen toetben. Zum Schluß äußerte sich der Minister über die Auslandsverschuldung. Zur Frage einer neuen Schuldenaufnahme könne man im Augenblick endgültig nichts sagen, weil es praktisch völlig unmöglich sei, neue Auslandsschulden nufzunehmen, so lange wir die alten Aus- landsschulden nicht konsolidiert ur^ auf dem Devisengebiet größere Fre.heit haben. Zu per Entwicklung im Iahre 1933 könne man nur betonen, daß man Kapitalbeträge, wie es 1932 in ge- rolifem Umfang noch geschehen sei, nicht transferieren könne. Es käme nur die Transferierung von Zinsen und Amortisationsbeträgen in Frage, und diese suche man selbstverständlich gegenüber 1932 zu verkleinern. Der Minister erklärte abschließend, er sei dankbar für die Aussprache, weil er davon ausgehe, daß die Selbstkritik nicht weit genug ausgedehnt werden könne, und daß Die 3agD nach Den eigenen Irrtümern das Wertvollste sei, was man als Mensch tun könne. . Der Ausschuß nahm darauf zurOsthllse noch einen Zentrumsantrag an. Der die Reichsregie- rung ersucht, u. a. Auskunft zu geben, wie viele im Sicherungsversahren befindliche Betriebe bisher umgeschuldet sind. Wie hoch ist der voraussichtliche Finanzbedarf für die noch nicht umge- 03 er l in, 18. Ian. (DDZ.) Rach dem Gedenken an den Reichsgründungstag (vergl. erste Seite) erledigte der Preußische Landtag heute durch Abstimmungen eine große Anzahl von Ausschuß- beschlüffen und Einzelanträgen. Angenommen wurden Anträge, wonach eine Prüfung der Wirtschaftsführung der Staate- theater erfolgen und dem Landtag eine Aufstellung über die bei diesen Unternehmungen beschäftigten Ausländer vorgelegt werden soll. Im Benehmen mit Der Reichsregierung soll ein Reichsbahnbauprogramm aufgestellt werden. Zur Rachprüfung der Zustände in ben Fürsorgeerziehungscn st alten uu te auf kommunistisches Teilungen e.nUntersuchungs- ausschuß eingesetzt. Ein weiterer Untersuchungsausschuß wurde zur Feststellung gebildet, welche Zechen st illegungen feit 1925 erfolgten und welches die sozialen Konsequenzen Der Stilllegungen waren. Hinsichtlich der Osthilfe wird die Buchprüfung der Durchführung der Umschuldung, sowie der sogenannten Familiensanierungen gefordert. Die Deutschnationalen hatten sich an den Abstimmungen nicht beteiligt, weil, wie sie erklärten, der Reichskommissar die Landtagsbeschlüsse doch nicht beachte. Dann wurde die Aussprache über die schulpolitischen Anträge eröffnet. Abg. R ö l- ti n g (Soz.) wandte sich gegen Radaustudenten- tum unb sagte der Kulturreaktion, die sich auch in der Ausbootung von Republikanern zeige, schärfsten Kampf an. Abg. Dr. Haupt (Rats.) meinte, daß der Leh rer- unb Schulabbau überflüssig gewesen wäre, wenn man in ben vergangenen Jahren mehr gr spart hätte. Mit aller Energie wenden sich bie Nationalsozialisten gegen ben Abbau im Schulwesen. Sie erstrebten eine einheitliche deutsche Schule. Abg. Schuhmacher (Ztr.) setzte sich bei Behandlung von Volksschulfragen besonders für die Pilege der ländlichen Volksschule ein. Der Redner wandte sich gegen die allzu hohe Klassensrequenz in der Volks,chule und meinte, daß die Finanznot es nicht rechtfertigen könne, daß Der Lebensraum der preußischen Dolksschullehrerschaft gegenüber der Vorkriegszeit um 22 000 Schulstellen eingeengt wurde. Abg. Veidt (Volksdienst) kritisierte, daß zwar Banken und Großbetriebe saniert würden, daß man aber im Schulwesen nur von Sparen und Abbau spreche. Besonders arg sehe es im höheren Schul wesen aus. Gegenüber Auswüchsen auch auf dem Theater vertritt der Redner den Grundsatz, daß über einer überspannten Geistesfreiheit das Interesse des Volkes am Schutz feiner wirklichen Grundlagen stehe. ReichsregierungundOstgrenze Berlin, 18. Ian. (TU.) Das Havss-Büro hat sich aus Berlin melden lassen, Reichsaußen- Minister von Reurath habe erklärt, Daß „bie Reichsregierung bei Dem augenblicklichen Stand Der Tbnge nicht daran Denke, selbst Die Initiative zu einem Antrag aus Revision Der O ft» grenzen Deutschlands zu ergreifen". Er habe hinzugefügt, wenn Deutschland in Genf aus- gefordert würde, neue Verträge hinsichtlich seiner Grenzen mit Polen au unterzeichnen, es diesem Antrag seinen Willen entgegensetzen müßte, DieseGrenze nicht anzu erkennen und daran zu erinnern, daß Deutschland ihre Revision zu erreichen wünsche. Von Berliner zuständiger Stelle wird dazu erklärt, daß der Außenminister diese Erklärung nicht abgegeben habe, sie jedoch dem Standpunkt der Reichsregierung entspreche. schuldeten Betriebe? Wie verteilen sich die Ent- schuldungskredite? In welchem Umfange sind Devisen für die Ablös ung von amerikanischen Anleihen zusätzlich zu den Entschuldungsdar ehen für d e einzelnen Größenklassen zur Verfügung gestellt worden? Wie viele Betriebe sind mehrfach saniert, subventioniert oder umgeschuldet? Wann gedenkt die Regierung die in der Interpellation des Zentrums geforderte Rachweisung über Einzelbetriebe unter Abgabe der aufgewendeten Mittel vorzulegen? Abg. Dr. Schreiber (Ztr) weist Darauf hin, Daß die Einflußnahme Deutschlands auf dieW e 11 w i r t s ch al t s k o n f e r e n z um so nacyhalliger fein werde, wenn die innere Linie der deutschen Wirtschaftspolitik fest und ausgeolicben herausgea.be tet wird. Sowohl die Landwirtschaft, wie die Industrie haben ein Interesse daran. Die Durchführung von Lausanne war unzureichend, da politische Abschweifungen bie reparations- unb finanzpolitische Durchschlagskraft wesentlich beeinträchtigten. Die Ost- Hilfe ist eine große nationale Aufgabe. Wir brauchen auf Iahre hinaus einen gesteigerten Schutz der Ostgrenze, aber bie dort eingesetzte Hilfe muß in einem schnelleren Tempo und zugleich mit Offenheit und Klarheit erfolgen. Abg. von Sybel (NS.) fragt, welche Senkung der Steuern und Zinsen der Minister in Aussicht stellen könne, und wie hoch er das G e s a m t d e s i z i t der Landwirtschaft schätze. Vielfach betrage der Auslandpreis für Industriewaren nur ein Drittel des Inlandpreises. Das sei kein Export, an dem die deutsche Wirtschaft noch verdiene, sondern es sei ein Schleuderexport mit Verlust. Entscheidend sei, daß durch eine rentable unb kaufkräftige Lanbwirtfchaft bie In- buftrie in ihrer Probuition angeregt werbe unb somit ihrerseits bie Arbeitslosen aufsauge. Man könne auf jeden Fall durch bevorzugte ?3e- Handlung der D i nm e n w i r t s ch a f t und der Landwirtschaft die Erwerbslosigkeit besser bekämpfen als durch Förderung der Exportwirt, schäft. Abg.Dr.Qaah(On) erklärte, nur die Landwirtschaft fei in der Binnenwirtschaft Abnehmer für bie Stabt, unb um- VomWehrsporl in den denffchenZunendverbänden .», >v >' ............ ; t ,/y- 71. Eine Krlcd)übung, die — |o einfach sie aussieht — dach den Körper ungemein durchtrainiert Gemäß den Nichtlinien des Kuratoriums für Jugendertüchtigung werden fegt auch in den deutschen Jugend- verbänden die Geländesportübunaen gepflegt, die im Ausland bei der Ausbildung der Jugendlichen schon lange üblich sind. Unser Bild stammt von den Uebungen des Scharnhorst Jungmannenbundes in Ludwigslust (Mecklenburg- Die einheitlich gekleideten Jungen stehen im Alter von 10 bis 15 Jahren und üben mit großer Begeisterung unter dem Kommando gedienter Soldaten Japan und China drohen in Genf. Oer Mlkerbundsausschuß in voller Hilflosigkeit. Japans Antwort befriedigt nicht. Gens, 13. Ian. (LU.) Auf die Frage eines Vertreters des „Teinps" hat der japanische Be- vollmächtigte M a t s u o l a erklärt: ^Meine Anweisungen beziehen sich nur auf die Anwendung des Paragraphen 3 des Artikels 15, d. h. auf die Schlichtung. Wenn die Versammlung dieses Gebiet verlaßen sollte, was ich nicht glauben möchte, wäre ich gezwungen, neue Richtlinien von meiner Regierung zu erbitten. 2m übrigen würde ein solcher Beschluß (es handelt sich um die Anwendung des Paragraphen 4 des Artikels 15) eine bedauerliche UeberstüHung in der Prüfung einer für Japan lebenswich ti gen Frage bedeuten Wenn der Völkerbund diesen Weg beschreiten würde, würde er dadurch seinen Wunsch beweisen, Japan aus dem Völkerbund austreten zu sehen. Matfuoka hat am Mittwoch dem Generalsekretär die angekündigte Note zu den legten Kompromißoorschlägen übergeben. Die japanische Note, die streng geheim behandelt wird, hat in Gens keine g ü n st i g e Aufnahme gefunden. Nach allgemeiner Beurteilung bleibt die ,a- panische Stellungnahme weit hinter den bisherigen, für China völlig untragbaren Kompromißoorschlägen zurück. Der N e u n z e h n e r - A u s s ch u h des Bölker- bundes beschloß heute nach längerer geheimer Ver- hondlung, einen legten Versuch zur Verständigung mit Japan zu unternehmen. Dem Ausschuß lag der japanische Gegenvorschlag mit dem Schreiben vor. in dem die Regierung von Tokio die Einbeziehung der amerikanischen und sowjetrusfischen Regierung in das vermitllungsversahren des Völkerbundes strikte ablehnt, do keinerlei rechtliche Veranlassung vorliege, ihr dem Völkerbund nicht angehörende Mächte als Schiedsrichter auszuzwingen. Der Neunzehner-Ausschuß beschloß, zunächst Mat suoka zu fragen, ob Japan den ursprünglichen Ver mittlungsvorschlag des Ausschusses von Ende De zember annehmen tonne, falls die beabsichtigte Einladung der Bereinigten Staaten und Sowjetrußlands fallengelassen werde. Hymans und Drum - , mond wurden beaustragt, die Verhandlungen mit Matsuoka sosort auszunehmen. Der japanische Gegenvorschlag wurde von der überwiegenden Alehrheit des Ausschusses als nicht annehmbar bezeichnet. Rach längeren Verhandlungen kam der Ausschuß zu der übereinstimmenden Aufsassung. daß ein letzter i loyaler Versuch unternommen werden müsse, und daß ein Bruch mit der japanischen Regierung wegen der rechtlich zweifelhaften Frage der Zuziehung von Richtmitgliedsstaaten zu den Vermittlungsverhandlungen nicht erfolgen könne. Eine neue Sitzung des Reunzehner-Ausschusses ist vorläufig noch nicht einberufen worden. China wird energisch. Schanghai, 18. Jan. ($11.) Wie aus Rauling berichtet wird, hat der chinesische Außenminister Loweukan in einer Presseunterredung erklärt, daß die Nanking-Regierung durch die Schwäche unö Unentschlossenheit des Reunzehner- Ausschusses des Völkerbundes tief enttäuscht worden sei. Wenn der Völkerbund versuchen sollte, China eine unannehmbare Lösung aufzudrängen, dann werde die chinesische Abordnung in Genf die Anweisung erhalten, eine seste und entschlossene Haltung einzunehmen. Dann werde die Frage der Abberusung der chinesischen Abordnung aus Gens aktuell werden. Pranger für wirtschaftlichen Landesverrat W - ■ Ikiner der 3)0l^ta|ige, Oie ,eg> m Peking uu|g<|ieUt wurden, und in die jeder Kaufmann gesteckt werden soll der japanische Waren verkauft. Absage an Die belgischeAussiellung Berlin, 18 Jan (TU) Der 1 Vizepräsident des Preußischen Landtags, der deutschnationale Abg Dr. v Kries, hat an den stellver tretenden Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste, Professor Poelzig, solgendes Schreiben gerichtet: „Der mir zugegangenen Einladung zur rösfnung der von der belgischen Negierung in Gemeinschast mit der Preußischen Akademie der Künste veranstalteten Ausstellung „10 0 Jahre belgische Kun ft" vermag ich nicht zu folgen, weit die Veranstaltung dieser Aus- ftcllung wenige Wochen nach der Ausweisung des Kaplans Gilles aus Eupen meiner Ausfassung von nationaler Würde nicht entspricht.^ In die Angelegenheit ist der neuernannie kommis Sarische Leiter ber Bereinigten Preußischen Kunst- chulea Pros Poelzig verwickelt worden, da tzoelziy in seiner Eigenschaft als Vizepräsident der Preußischen Akademie der Künste eine E i n ladung de s belgischen Gesandten zum Besuch der Ausstellung mit unterschrieben hol Die deutschnationole Fraktion des Preußischen Landtages fordert in einem Schreiben an den Neichskommissar im Kultusministerium, Professor Kneblet, die sofortige Abberufung Pro- feffor Poelzigs. Aus aller Well Die erste Fahrt der „Deutschland". Das auf der Deutschen Werft in Kiel erbaute und jetzt seiner Vollendung entgegengehende erste deutsche Panzerlchiss „Deutschland" ist heute vormittag unter deutscher Handelsflagge zu seiner ersten Werstprobesahrt in die Kieler Bucht ausgelaufen, von der es gegen 19 Uhr zurückkehren wird. Brand auf Schloß Reudeck. Nicht unerheblicher Schaden ist durch einen Brand auf Schloß Neudeck in Ostpreußen, das bekanntlich dem Neichspräsidenten gehört, ent’ standen. Infolge des starken Frostes waren im Schloß die Wasserleitungsrohre eingefroren. Bei den Auftammgsarbeiten mit der Lötlampe muß unbemerkt die Torfdichtung zu schwelen begonnen haben Die Glut wurde erst viele Stunden später bemerkt, als sie bereits den Dachstuhl der mit wertvollem Material gedeckt ist, ergriffen hatte Dem Eingreifen der benachbarten Feuerwehren gelang cs bald, die weitere Ausbreitung des Brandes zu verhindern 10 000 Ampullen Morphium In Berlin beschlagnahmt. Beamte des Dezernats zur Bekämpfung des Rauschgifthandels in Berlin haben bei einem Spediteur annähernd 10 000 Ampullen Morphium beschlagnahmt. Der Spediteur gibt an» daß ihm vor etwa zehn Jahren von einem un° uelannten Mann diese Kiste übergeben worden sei. Die Kiste lagerte bei dem Spediteur, ohne daß dieser - wie er angab eine Ahnung von ihrem Inhalt hatte. Erst vor zwei Jahren habe ihn ein inzwischen ebenfalls von den Beamten festgenommene Kaufmann darauf aufmerksam gemacht, daß Kinder auf dem Hofe mit Morphium-Ampullen spielten. Sie hätten dann die Kiste genau untersucht und auch das Morphium gesunden. Beide hätten bann den Plan gefaßt, sich durch den Handel mit dem Rauschgift einen lohnenden Nebenverdienst zu verfchassen. Die polizeilichen Ermittlungen haben ergeben, daß das Morphium aus Heeresbeständen vom Jahre 1918 stammt. Mit Tränengas gegen den wilden Kohlenabbau in Oberschlefien. Alle bisherigen pclizeili e.i Maßnahmen gegen den wilden Kohlenabbau in Ostobersschlesien haben nur wenig Erfolg gehabt. Obwohl zahlreiche Schächte gesprengt und auch die Kontrolle an den Abfahrtwegen von den Notschächten streng gehandhabt wurde, war der wilde Kohlenabbau und -handel nicht zu unterbinden. Ilm nunmehr den Arbeitslosen den für sie selbst nicht ungefährlichen Abbaubetrieb völlig unmöglich zu machen .werden die Rotschächte von bfer Polizei unter Tränengas gesetzt. Auf dem Gelände bei Eichenau ist diese Maßnahme bereits durch- gesührt worden. Keine Brandstiftung auf der „Atlantique". Wie „Matin" aus Cherbourg meldet, ist die gerichtliche Untersuchung über den Brand des Dampfers „Atlantique" abgeschlossen. Sie hat ergeben, daß von Brandstiftung kaum die Rede fein kann. Man glaubt jetzt wieder an einen Kurzschluß, der die Isolierung der in der Ho -Verkleidung liegenden elektrischen Kabel in Brand setzte. „Matin" meldet hierzu, daß der Kurzschluß selbst vermutlich durch den hohen Seegang in der Rächt vor dem Brand her- vorgerufen worden ist. Der Sturm sei so hestig gewesen, daß ein Flügel im Speisesaal umstürzte. Man könne also annehmen, daß die in dec Kabine 232 aufgestapelten 32 Matratzen ins Rollen kamen und eine elektrische Tischlampe heruntergerissen haben, wodurch der Kurzschluß entstanden sei. An Hand der an Bord befindlichen Uhren habe man durch einen Vergleich der Zeiten, zu denen sie stehen blieben, die Entwickelung des Brandes verfolgen können. Ein Fischer hat vor Cherbourg auf hoher See die Leiche eines Ingenieur-Offiziers der „Atlantique" gefunden und an Land bringen können. Jnfluenza-Maffcnerkrankungen auf Fischdampfern. Unter der Besatzung der vor Island liegenden in- und ausländischen Fischdamvfer, meist Engländer, ist eine I nfluenza-M assen erkran- kung ausaebrochen. Biele Schisse mußten in isländischen Häfen die Quarantäne auffudjen. Neun Zehntel der Mannschaften sind erkrankt. Alle Mannschaften isländischer Schiffe sind bisher verschont geblieben. Der englische Fischdampfer „Sicyvn" aus Grimsby, der gerade in einem isländischen Hasen in Quarantäne gelegen hatte und jetzt wieder freigegeben wurde, ftranbete an der Nordküste und wurde völlig Wrack. Die Mannschaft konnte gerettet werden. Starker Schneefall in Rordspanien. Infolge des anhaltenden st arten Schneefalles ist in Nordspanien der Zugverkehr stark behindert worden. Zahlreiche Züge biteben in Schneeverwehungen stecken Oberitalien im Schnee. In Rorditalien fällt feit mehreren Tagen fortgesetzt Schnee. In Mailand ist die Schneedecke 15 Zentimeter hoch. 16 000 Schneeschipper sind aufgeboten worden. Das heilige Jahr wird vorhereitei. Der Heilige Vater beim Empfang des Gremiums der Geistlichen, die mit den Vorarbeiten für das kommende Jubeljahr 1933/34 betraut wurden. Aus der proviuzialhaupistadt. Vergängliche Eisblumen. Die Eisblumen sind romantische Gebilde einer mitternächtlichen Phantasie, geboren aus einem frostigen Nichts, mit spielerischer Laune und Leichtigkeit auf Glas hingezaubert, mit einem Formenreichtum, der an die Wunderwälder tropischer Gegenden, oder an die bizarre Gletscherwelt der Polarregionen erinnert. Sie sind die „blauen Blumen" in der weißen Märchenwelt des Winters. Immer neue Schönheiten entdeckt das Auge, die wie feinste Ziselierarbeit oder wie kunstgewerbliche Berschnörkelungen aus tändelnden und galanten Zeiten wirken. Sie find das Rokolo rauher Nächte und sehen sich an wie mattgeschliffene Landschaftsmotive in kostbaren j Kristallgläsern, bald als spitze Farne über die | Scheiben fingernd, bald wie Edelweiße zu einem flackernden Etrahle'nbündel vereint. Das funkelt und gleißt aus „Tausend und einer Nacht" unter den Strahlen der Morgensonne. Fast möchte man sagen: in seitlicher 5eieriia)teit. Eisblumen sind die Ueberspihung oder Heber- treibungen eines an sich ganz einfachen physikalischen Vorgangs. Feuchtigkeit, die sich zu Pfauenrädern auiplustert. Um das Kind winterlicher Kaprize beim richtigen Hamen zu nennen: Blender, für Augenblicke protzig improvisiert, Üebergroßaufnahmen winziger Tropfen, gefrorener Hauch, auf Wirkung abgestellt, raffiniert garnierte Wenigkeiten. Und gerade das gibt ihnen ihr Verhältnis zu dem tatsächlichen Leben. Wenn man die Erscheinung der Eisblumen in Alltägliches überträgt, sie zu unserer Umwelt in Beziehung bringt, dann ähneln sie jenen Zeitgenossen, die aus einem Nichts plötzlich da sind, von denen man all und überall von gestern auf heute spricht und die sich zu geben wissen, als seien sie das, auf was die Menschheit gewartet zu haben schien. Kometenerscheinunaen, die gewöhnlich ebenso unvermittelt aufgehen, wie sie abgehen, wandelnde Gestirne mit beschränkter Haftung, in der Regel, von der es natürlich die bekannten Ausnahmen gibt: Eintagsfliegen, bisweilen Magier der Massen. Man darf sie nicht versäumt haben, weil man sonst rückständig gelten könnte. Und doch sind sie und was sie zu künden haben häufig auch nur vergänglicher Zauber, der zerrinnt, wie Eisblumen unter den wärmenden Strahlen der Sonne. K. I. G. Staatsbürgerabend des Zungdeutfchen Ordens. Die Bruderschaft Gießen des Iungdeutschen Or- dcnS hielt am Dienstag im Hotel Hindenburg einen stark besuchten Staatsbürgerabend unter dem Vorsitz von Studienrat Klotz ab. Oberjustizsekretär Kölle- Ehringshausen (Kreis Wetzlar) sprach über das Arbeitsbeschaffungs- Programm des Iungdeutschen Ordens. In der Gegenwart, so führte er u. a. aus, seien die Menschen unserer Zeit leider bemüht, allen Dingen mit dem Verstand, und nicht mit dem Herzen gerecht zu werden. Die Industrie befinde sich in Abwärtsbewegung. Der durchrationalisierte Betrieb habe keine Beschäftigung. Dem Landwirt würden für seine Produkte schier unmögliche Preise geboten, der Lohnempfänger habe überall Abstriche machen müssen, der Erwerbslose lebe unter unerträglichem Standard. Die Industrie habe die Menschen von der Scholle in die Fabrik gezogen. Die Menschen seien der Scholle entwöhnt. Dor dem Kriege habe die Industrie ihren größten Aufschwung erlebt, dec Krieg habe die Entwicklung beeinflußt, die Inflation ebenfalls, eine Konjunktur, für kurzen Zeitraum allerdings nur, eine Scheinblüte folgte; jetzt aber sei der Weltmarkt den deutschen industriellen Erzeugnissen fast verschlossen. Arbeitslosigkeit sei die nächste Folge gewesen. Man versuche der Arbeitslosigkeit vom zwei Seiten zu steuern: von der kapitalistischen her (Geldl). und von der volksgemeinschaftlichen Seite (Mensch!) aus. Man spiele mit den Gedanken, aus Deutschland einen reinen Industriestaat zu machen und selbst die Landwirtschaft völlig zu mechanisieren. andere wieder (General Ku n v t) trügen sich mit dem Gedanken einer großen Auslandssiedlung. Die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaft allein vom Standpunkt „Geld" aus fei abzulehnen, da der Mensch darunter leiden müsse. Landrat Dr. Gerecke, der gegenwärtige Reichsar- beitskommisfar wolle die Krise vom Volksgemeinschaftlichen her überwunden sehen. Artur M a tz- rau n . der Führer des Iungdeutschen Ordens, habe den „Großen Plan" geschaffen, der ein Ge- neralstal swerk der Revolution des 20. Jahrhunderts darstelle. Das Arbeitslosenproblem müsse vom Menschen her gelöst werden. Ausgangspunkt sei der deutsche Mensch in seiner Gesamtheit. Cs gelte, sinngemäße Ordnung zu schaffen im 'Verhältnis zwischen den Menschen und dem verfügbaren Raum. Die Neuordnung des deutschen Raumes erfordere die Durchführung eines großen Kolonisationswerkes. Das Rentabilitätsprinzip müsse naturgemäß berücksichtigt werden, aber nicht vom Einzelnen her, sondern von der Gesamtheit aus. Der „Große Plan" Artur Mahrauns sehe die Ansiedlung von vier Millionen Menschen auf eine Million Siedlungen vor. Das Werk werde die Industrie wie auch das Handwerk außerordentlich beleben. Die Siedlung solle den Zug des x'S SZ sä seine 2lus!pra° dr Die v erklärt« nenDeul die vor e angeregt Geldbne empfang' chungen^ tretern o sind für die Dm das Dcu anheimsl schon Schla« ausgerü richt'/ über hi' werden, Gegenöe den M haben. ' niitzugeb Gi ' Sie tigen A 120, Lan Matte 2 12, Wei' Düben 8 UnlerlDl Zcldsalo *§ der hie Jo,. ® faminli rotrfsfi gehend (en jur bas 5t) aktuelle WM Ar der hii in der ralve ling' betrach nennt Krack stimmig der Wi. Q C 20 Ion (Lollar, Gesch weit üb bekannt Werkes, Wirken! ' v logabei gerkr tcrd« bis qu Öffnun, Seip gen Di den D W Dvil anW Tcttv gebra der hielt d virtsch lunmii sitzende warte tveite; Theat soll. 'Miner Nia.' letzten rechne hold 8«l> in, rinigen * Niao ä: Me «s s^iie Äl ■CtQUji Än, JttQf Nta mi(t fort i SSu I« Das erste geschloffene Arbestsdienstlager für Mädchen Oberheffen Die | in Apotheken und Drogerien ÄM 0-30, 0.55, 1.10J Rauhe Haut: Penaten-Creme roie* von in der Gemarkung Grüningen liegende Stück des Feldweges nach Garbenteich zu einer Straße ausgebaut. Im März wird ein neues Projekt in Angriff genommen, bei dem etwa 50 Arbeitsdienstwillige Verwendung finden. Hierbei sollen Abfuhrwege aus dem Grümnger Dorf-Giller Markwald, sowie schlecht fahrbare Feldwege chauffiert werden. — Der O b st b a u o e r e i n hatte am Sonntag zu einem Vortrag eingeladen. Nach Eröffnung und Begrüßung durch den Vorsitzenden Bürgermeister Euler sprach Obstbauinspektor E n k l e r (Gießen) über die in den letzten Jahren 50 Bienenstöcke. Kreis Schotten. dieser Tage von der Landwirtschaftskamme r in Anbetracht seiner treuen, vierzigjährigen Dienstleistungen die silberne Medaille nebst Urkunde der Kammer zuerkannt und vom Bürgermeister überreicht. Bemerkt sei hierbei, daß auch der verstorbene B a t e r des Jubilars, Georg Rudolph, nahezu 50 Jahre als Ge- meindcbaumwart und Obstbaumzüchter tätig und allgemein bekannt und geachtet war. Den Obst- baumbesitzern ist Gelegenheit gegeben, am nächsten Sonntag, 22. Januar, dem tüchtigen Baumwart ihre Glückwünsche darzubringen. Es findet eine Bersammlung statt, in der Obstbaumspektor E n k l e r (Gießen) über wichtige Fragen des Obstbaues sprechen wird. — 3m vergangenen Jahre starben in der hiesigen Gemeinde 23 Personen (1931: 25), Trauungen fanden 24 (19) statt. Die Zahl der Geburten betrug 37 (22). — Dieser Tage fand die erste Hv 1 zvei >i e i g e r u n g im hiesigen Gemeindewald, Distrikt „Hardt", statt. Die Zahl der Steigerer war groß, auch aus den umliegenden Ortschaften. In der Hauptsache wurde Brennholz versteigert. Es kosteten je zwei Raummeter Duchenscheit: 18 bis 20 Mk., Eichenscheit: 12 bis 14 Mk., Kiefernscheit: 12 Mk. Je 100 Buchenwellen: 15 Mk., Eichenwellen: 12 Mk., Kiefern- und Fichtenwellen: 6 Mk.. Stöcke: 10 Mk. •• Zum Mitglied des Derwaltungs gerichtshofs ernannt. Der Professor in der juristischen Fakultät der Landesuniversität Gießen, Dr. Otto Eger, ist am 14. Januar 1933 zum Mitglied des Derwaltungsgerichtshofs für die Dauer des zur Zeit von ihm bekleideten Amts ernannt worden. ' Weitere Brennholzversteige- r un gen der Stadt Gießen finden am Montag, 23. Januar, am Mittwochs 25. Januar und am Freitag, 27. Januar statt. Ääheres dar- über ist aus der heutigen Bekanntmachung ersichtlich. " Monatsverfammlung im Tv. 18 4 6 Gießen. Die als Reuerung eingeführte erste Monatsversammlung, die dieser Tage im „Bayrischen Hof" abgehalten wurde, fand bei den Mitgliedern großen Anklang. Durch zwei Borträge — Gaufrauenturnwart Paul über „Die idealen Ziele der DT." und Gauschriftwart Wiegand über „Das Leben Jahns" — wurde den geistigen In der Volkshochschule Schloß Hohensolms bei Wetzlar begann am 10. Januar das erste geschlossene Arbeitsdienstlager für Mädchen des Landcsarbeitsamts Hessen. Träger des Lagers Schloß Hohensolms sind der Christdeutsche Bund und dieDolksho chschulc. Die Aufsicht hat das Arbeitsamt Wetzlar. Die praktische Arbeit der 30 jungen Mädchen, die auf die Dauer von 13 Wochen im Arbeitsdienstlager (2 Raummeter). — .nWahenborn-Steinberg.18. Jun. 3n zwei von Bürgermeister Schäfer einberufenen und gut besuchten öffentlichen Versammlungen der Haushaltungsvorstände unserer Gemeinde sprach dieser über das Jugend-Rot w er k und insbesondere über die geplanten Maßnahmen der im Arbeitsamtsmeldebezirk Gießen zu- sammengeschlossenen Gemeinden. Im Allgemeininteresse empfahl er dringend, das Jugend-Rot- werk nach besten Kräften zu fördern und zu unterstützen. Richt unerwähnt blieb, daß gerade unsere Gemeinde, die sich fast ausschließlich aus Arbeitern und Kleinbauern zusammenseht, ganz bcson- ders hart unter den derzeitigen Verhältnissen leide. Die Arbeiterschaft ist überwiegend erwerbslos. Durch vorübergehende einschränkende Maßnahmen im freiwilligen Arbeitsd enst schieden vor einigen Tagen rund 70 Arbeiter aus diesem aus. Die kleinbäuerlichen Betriebe kämpfen schwer um ihr Dasein. In beiden Versammlungen wurde aber die Auffasiung vertreten, daß eine Unterstützung des Jugendnotwerks erforderlich sei. Cs wurden Kommissionen gebildet, die mit der Entgegennahme der Einzeichnungen zur Sammlung beauftragt wurden. Das bereits vorliegende Ergebnis kann für unsere Verhältnisse als recht befriedigend bezeichnet werden. Das Ergebnis hat bewiesen, daß die Einwohnerschaft die Bestrebungen des Jugend- Rotwerks zu würdigen versteht, wenn sie auch in der Arbeitsbeschaffung für die Jugendlichen selbst das Mittel zur Bekämpfung der Rot der Jugend erblickt. (D Grüningen, 18. Jan. Die Arbeiten des Freiwilligen Arbeitsdienstes, bei denen etwa 20 Arbeitsdienstwillige Beschäftigung sanden, wurden vergangene Woche beendet In diesem Rahmen wurde in den letzten Wochen das ist Fräulin Roth (Alsfeld). V Gedern, 18. Jan ^ie fett Monaten hier aufgeire enen Paratyphuserkrankungen scheinen zu einem gewissen Stillstand gekommen zu sein. Zur Zeit sind noch sechs ärztlich festgestellte Fälle vorhanden, darunter vier noch nicht schulpflichtige Kinder. Kreis Alsfeld. ch Flensungen, 18. Jan. Die alte Kirche des Kirchspiels Flensungen befindet sich seit Jahren in sehr schlechtem Zustand Mit Rücksicht hieraus und angesichts der wachsenden Zahl der Gemeindeglieder war schon vor dem Kriege der Neubau einer Kirche in Aussicht genommen. Die Kirche geriet im Laufe der Zeit in immer größeren Verfall, so daß sie aus baupolizeilichen Gründen geschlossen pnd der Gottesdienst in den Schulsaal zu Flensungen verlegt werden mußte. Auf die Dauer konnte dieser Zustand nicht aufrechterhalten werden Die drei baupslichtigen Gemeinden des Kirchspiels beschlossen daher, eine zweckmäßige Wiederher st ellung und Erweiterung der Kirche, die angesichts des Umfangs der not- wendigen Bauarbeiten einen erheblichen Kostenaufwand erfordert Zur Tragung der Kosten sind jedoch die Kirchspielsgemeinden allein nicht imstande, es soll ihnen deshalb von der hessischen Landeskirche eine größere Beihilfe zuteil werden. Dem- Verantwortlich für Politik: I D.. Ernst B l umschein. äirebtiebe Jtacbnditen. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 21. Januar. Vorabend 5 Uhr, morgens 9; abends 5.10 und 5.50. Israelitische Religionsgelellschaft. Sabbatfeier den 21. Januar 1933; Freitag abend 4.35 Uhr: Samstag vormittag 8.30; nachmittags 5.10; Sabbatausgang 5.50; Wochengottesdienst: morgens 7.00; abends 4.30 Uhr. v. Schotten, 18. Jan. In der gutbesetzten Turnhalle gab der Sdjottener Männerchor 183 7 sein diesjähriges Winterkonzert. Unter der Stabführung feines Dirigenten Süffel hat sich der Chor außerordentlich gut entwickelt Das bewies die ausgezeichnete Wiedergabe verschiedener großer Kunstchöre Das zeigten auch die innig bergegebenen Volkslieder Ein Heimatchor Elard B r i e g I e b , vertont von Adam Spanier, erlebte seine Uraufführung. Herr W. A p p e l, Tenor aus Büdingen, sang mit feiner frischen, sympathischen Stimme, von Bürgermeister Menget begleitet, mehrere auserlesene Lieder von Richard Wagner, Richard Strauß, Humperdinck. Das Philharmonische Orchester, das unter Leitung seines Dirigenten Dr S e u l i n g in einer Stärke von 36 einheimischen musikalischen Kräften eine Reihe sehr ansprechender Streichmusikstücke oortrug, fand noch besonderen Beifall. + Eichelsdorf, 18. Jan. Die Holzversteigerung aus der hiesigen Försterei, die immer zahlreiche Steigerer aus der Wetterau anlockt, so daß höhere Preise erzielt werden, erhob sich in die- fern Jahre kaum über das Preisniveau der übrigen. Buchenscheit 1. Klasse wurde mit 7 bis 7,50 Mark gesteigert. — Die Verwalterin der 3. Schulstelle, Fräulein B a y e r e r . wurde auf ihr Nachsuchen aus dem Schuldienst entlassen. Ihre Nachfolgerin 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3. Aepfel 18 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 60 bis 80, Rüsse 35 bis 40; bai Stück; Käse 5 bis 10, Tauben 40 bis 60, inländische Eier 11, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 2,50 Mark. Vornotizcn. — Tageskalender fürDonnerstag. Gießener Koi^ertverein, 20 Ahr, Stadttheater. 2. Symphonie-Konzert. — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde, 20.15 Ahr, Reue Aula, Lichtbildervortrag über „Wanderungen in Jnsulinde". Cafö Leib, 20 Ahr. Filmvortrag über „Dom Erd- innetn bis zur Tankstelle". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße „Der träumende Mund"; 22.45 Ahr, „Frankenstein". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg ..Der Draufgänger". Menscken vom Westen nach dem Osten bringen. Die Rot werde zu diesem Marsch« antreten lehren. Der Staat müsse den Weg ebnen. Roch mancherlei Probleme bringe dieser große Siedlungsgedanke mit sich: es müßte in vorbereitenden Zusammenkünften schon eine Gemeinsamkeit unter den Siedlern geschaffen weri en, es müsse ein Stück Heimat mitgenommen werden, die neuen Dörfer müßten aus der vorbereiteten Gemeinschaft sofort ein Stück Heimat bedeuten. Der Plan Artur Mahrauns sei bisher sehr günstig ausgenommen worden. Hüten müsse man sich lediglich vor Kompromissen, vor Verwässerung. Wenn sich die Menschen, die es angeht, zusammenfinden, wenn alle, die mitzuhesien am Werte berufen seien, mit- helfen, bann werde sich das große Werk im Interesse unseres Volkes und des Vaterlandes durchführen laflen. Mit einem Appell an die Zuhörer, nach Kräften mitzuwirken, schloß der Vortragende seine Ausführungen. Der Vortrag löste eine rege Aussprache aus. Oie Geldzuftellung durch Geldbriesträqer bleibt. Wie von der Hauptverwaltung der Reichspost erklärt wird, haben sämtlich« 45 Oberpostdirektionen Deutschlands einschließlich der acht bayerischen die vor einigen Wochen vom Reichspostministerium angeregte Reform der Geldzustellung durch die Geldbriefträgech die die Abholung durch die Geldempfänger selbst vorsah. nach eingehenden Besprechungen mit Wirlschaftsvertretem sowie mit Vertretern der Deamtenorganisationen abgelehnt und sind für die Beibehaltung der Geldzustellung durch die Briefträger eingetreten. Voraussichtlich wird das Rcichspostministerium den Oberpostdirektionen anheimstellen, die Gcldbriefträger, die z u m T e i 1 schon mit Derlei digung sm itteln, Schlagringen oder Alarmpistolen, ausgerüstet sind, in gefährdeten Gegenden m i t richtigen Schußwaffen zu versehen. Darüber hinaus sott den Oberpostdirektionen gestattet Werdern, den Geldbriefträgern, die in unsicheren Gegenden ober in mehreren hintereinanber liegenden dunklen Höfen ihre Bestellgänge auszuführen haben, i oh einen zweiten Mann als Bewachung mitzugeben. Gictzcncr Wochenmarktprcifc. * Gießen. 19. Jan. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Süßrahmbutter 120, Landbutter 100 bis 110, Kochbutter 80 bis 90, Matte 20 bis 25, Wirsing, gelb 8 bis 10. grün 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bi" 1^ o*e Rüben 8 b s 10 S -inat 20, Aneclohlrabi 6 bis 8. C runkohl 15, Ros nkohl 25, Feldsala: 8. c m .00, Zwiebeln 10, Meerrettich Landkreis Gießen. * Heuchelheim, 18. Jan. Dieser Tage hielt der hiesige Ortsgewerbeoerein im Gasthaus Joj. Gentner eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Syndikus Röhr von der Hand- wertskammer-NebensteUe Gießen referierte eingehend übet die Form der Verteilung von Zufchüs- sen zur Instandsetzung von Häusern, ferner über das System der «teuergutscheine und oerfchiedene aktuelle Handwerkerfragen. Der Vortrag löste eine rege Aussprache aus * Heuchelheim, 18. Jan. Am Sonntag hielt der hiesige Ob st- und Gartenbauoerein in der Wirtschaft „Zum Treppchen" feine Generalversammlung. Vorsitzender Jacob Kreiling VL, der Gründer des Vereins, wurde in Anbetracht feiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zum ersten Vorsitzenden wurde Heinrich K r ö ck gewählt, der übrige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. In der Versammlung wurde der Wunsch geäußert, mehr Mitglieder zu werben. Q] Collar, 19. Jan Am morgigen Freitag, 20 Januar, kann Zimmermeister Balthasar Nuhn (Lollar) sein 5 0jähriges Meister- und Geschäftsjubiläum begehen Der Jubilar i,t weit über die Grenzen der engeren Heimat hinaus bekannt. Noch heute steht er mit in der Leitung des Werkes, das sich in den fünf Jahrzehnten feines Wirkens wesentlich vergrößert hat. Großen-Buseck, 18. Ian. Am Samstagabend hielt der Gesangverein „Sänge r k r a n z" bei Gastwirt W a g n e r sein Wintervergnügen ab. Der geräumige Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Rach dem Eröffnungsmarsch begrüßte der 1. Vorsitzende Wilh. Seipp die Besucher. Er dankte dem langjährigen Dirigenten K. R i c o l a i für sein Bestreben, den Verein in gesanglicher Hinsicht auf der Höhe zu erhalten. Zwei Mitgliedern, Heinrich Volk und Wilh. Harbach U„ überreichte er anläßlich ihrer 25jährigen Zugehörigkeit zum Verein je eine Ehrenurtunde. Die zum Vortrag gebrachten Chöre fanden den ungeteilten Beifall der Zuhörer. Zur angenehmen Abwechslung wartete das Orchester mit guter Musik aus. Im weiteren Verlaus des Abends kam ein dreiaktiges Theaterstück zur Aufführung und fand viel Beifall. X Klein-Linden, 17. Jan. Am Sonntag hielt der hiesige Kriegeroerein in der Gastwirtschaft Pauly feine diesjährige Generalversammlung ab. Nach der Begrüßung gab der 1. Vorsitzende Schimmel einen Rückblick über das verflossene Vereinsjahr, wobei er insbesondere auf die immer stärker sich entwickelnden Jugendgruppen im Hassia-Verband hinwies. Weiter gedachte er der im letzten Jahre verstorbenen Kameraden. Die Jahresrechnung. von den Kameraden Kehl und B e ch t - hold geprüft, wurde genehmigt. Der 1. Vorsitzende gab im weiteren Verlauf der Versammlung Aufklärungen über die Kranken-, Sterbegeld und Lebens- versicherungsabschlüsse, die durch Vermittlung des Hassiaverbondes abgeschlossen werden können. Die Neuwahl des Vorstandes findet in der nächsten Monatsversammlung statt. . Z Grohen-Linden, 17. Jan. 3n der jüngsten Gemeinderatsfitzung stand u. a. die Herabsetzung der Vergnügungssteuer auf der Tagesordnung, die ledoch abgelehnt wurde. Die Gewerkschaft der Gießener Braunsteinbergwerke hatte einen Antrag auf Bezahlung der Pacht für den in Benutzung befindlichen Steinbruch bei den Kalköfen gestellt. Der Antrag wurde abgelehnt und an dem früheren Vertrag sestgehalten. Bürgermeister Lang teilte mit daß eine neue Krankenschwester aus dem Diakonisscnhaus Ronnenweier angefordert und zu Ostern zugesagt sei, da die seitherige 70- jährige Krankenschwester bis dahin in den wohlverdienten Ruhestand treten will. — Die Chaussierungen durch den F r ei w i 111 gen A r - b e i t s d i e n st im hiesigen Walde sind feit einiger Zeit eingestellt worden, nachdem die Maß» bleiben, besteht in Räharbeit für daS Kreiswohlfahrtsamt Wetzlar Die im Bild wiedergegeben« Kaffeetafel findet an historischer Stätte statt. Es ist das ehemalige fürstliche Speisezimmer, das u. a. auch den ermordeten Zaren von Rußland bei seinem letzten Besuch in Deutschland beherbergte. Schloß Hohensolms befindet sich im Besitz des Fürstenhauses Hohensolms-Lich. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung ) Jlr. 995. Zur Beantwortung Ihrer Anfrage kommen die verschiedensten Bestimmungen in Betracht, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Wir empfehlen Ihnen, sich (unter Darlegung Ihrer Absichten in Einzelheiten) an das Städtische Hochbauamt, Gießen, Asterweg 9, zu wenden. gemäß hat die Kirchenregierung die Erhebung einer Landeskirchenkollekte angeordnet und sich in diesem Sinne an alle hessischen Pfarreien gewendet Unterschlagungen bei der Landeskommunalbank. WSR. Darmstadt, 18. 3an. Die Landeskommunalbank-Girozentrale für Hessen teilt mit: Am 4. 3anuar 1933 ist durch unsere 3nnenrevision ein Kassenfehlbetrag non 13 500 Mark festgestellt worden, dessen Entstehung der Kassierer mit Mankobeträgen erklärt«, deren Meldung er unterlassen hatte. Der Arbeitsausschuß der Bank hat am 5. 3anuar 1933 das nach § 17 der Banksatzungen erforderliche Cinverstaiid- nis zur vorläufigen Cnthebung vom Amte erteilt und die sofortige Einleitung der Antersuchung angeordnet. Der Kassierer ist am 6. 3anuar 1933 schriftlich von der vorläufigen Amtsenthebung in Kenntnis gesetzt worden Das Ergebnis der Antersuchung wurde dem Rrbeits- ausschuh in der Sitzung vom 12. 3anuar 1933 nvtgctcilt, worauf er den Beschluß faßte, daß bis zum 17. 3anuar 1933 der Ersah des Fehlbetrags sichergestellt und der Verzicht auf Gehalt. "Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung von dem Kassierer erklärt werden sollte. Der Ersah des Fehlbetrages von 1 3 500 Mark ist inzwischen sichergestellt worden. Außerdem ist der Beamte unter Verzicht auf alle seine Rechte a u s g e s ch ie d« n. Die Darstellung eines Teils der Presse, daß die Bank keine besondere Eile mit der Aufklärung gehabt habe, ist unrichtig. Ebenso unrichtig sind die Behauptungen über die Entstehung des Schadens wie die Anterschlagung von Poststücken. Die Zahlung einer Weihnachtsgratifikation an den Kassierer ist nicht erfolgt. Der Kassierer erhielt iin ganzen ein Mankogeld von monatlich 25 Mark, also 300 Mark im 3ahre, und nicht, wie behauptet wurde, ein Mankogeld von 60 Mark monatlich und außerdem 3000 Mark Mankogeld im 3ahre. Revision auch im Mordprozeß Knirsch. WER. Frankfurt a. M.. 18.3an. Gegen das Todesurteil, das das Schwurgericht gegen den Geldbriefträgermörder Willi Knirsch gefällt hat, ist von feiten seines Verteidigers Dr. Elle Revision eingelegt worden. Der Fall wird also auch das Reichsgericht beschäftigen. Wettervoraussage. Durch die Jslandstörung einerseits und durch das Mittelmeerfallgebiet anderseits hat sich eine über Deutschland laufende Rinne tieferen Druckes ae- bildet. Von den britifchen Jnfeln fließt infolgedessen maritime Luft abwärts und vom Mittelmeer her drängt sich wärmere vor Wenn auch die Luftbewegung schwach und namentlich über Deutschland eine Beruhigung der Luftmassen zu erkennen ist, so dürfte immerhin der Störungseinfluß ausreichen, um sowohl auf die Temperaturen mildernd einzuwirken, als auch Bewölkung und etwas Schnee hervorzurufen. Aussichten für Freitag: Schwankender Frost, zeitweise Ausstieg bis in Nullpunktnähe, bewölkt und dunstig, stellenweise auch etwas aufklarend, vereinzelte Schneefälle. Aussichten für Samstag: Fortdauer des winterlichen Witterungscharakters. Lufttemperaturen am 18. Januar: mittags minus 1,7 Grad Celsius, abends 1,7 Grad; am 19. Januar: morgens 2,1 Grad. Maximum minus 0,5 Grad, Minimum minus 9.6 Grad. Erdtemperatu- ren in zehn Zentimeter Tiefe am 18. 3anuar: abends minus 1 Grad: am 19. 3anuar: morgen« minus 0,9 Grad Celsius. Bestrebungen in der DT. Rechnung getragen. Beide Vorträge sanden lebhaften Beifall. Solch« Vorträge sotten daher auch in den folgenden Versammlungen gehalten werden. Zwischendurch wurden Anfragen gestellt und beantwortet, und insbesondere über die bisher schon getroffenen Vor- , — Bereitungen zum Deutschen Turnfest in Stuttgart in Oberhessen durchgeführten Spritzungsversuche an Auskunft gegeben. Turnerlieder umrahmten Vor- Obstbäumen zur Bekämpfung der Obstbaumschad- träge und Besprechungen, in denen auch die I singe und zur Verbesserung der Qualität des Obstes. Freude der anwesenden Mitglieder über die .ttrciö itrtCDbcr«. Reuerung und der Wunsch zum Ausdruck kam, , » re ä n ä ir ^nn Am Montaanach- daß die nächsten Versammlungen eine noch gro- Kirch- G o ns, 18. Jan. Am Montag ck) Bete Z°hl det Mi.gl-edet »ufammenfuBrcn möd>. mittag erdete M> lcn‘ gen für Diehtransport. der gerade in dem Augen- _____________________ blick rückwärts fuhr, als eine ältere tftau die Straße passieren wollte. Die Frau bemerkte den Vorgang zu spät und erhielt von dem Kraftwagen einen heftigen Stoß, so daß sie an Armen und Beinen Verletzungen erlitt, die allerdings nicht sehr schwerer Ratur zu sein , . ... . . „ . IioA<. । scheinen. Die Schuldfrage ist noch nicht völlig nähme zweimal verlängert worden war. Es siegt ' y.- . jedoch die Vermutung nahe, daß im FrüMhr die 9cna i. «itbirtOClt angefangene Schneise fertiggestellt wird. Die Rot- MtCtÖ {MlPinflCn „ standsarbriten gehen weiter. — Der Geflügel- * Ridda, 18. 3an. Die Obstbaumz ah• und Kaninchenzuchtverein hielt am I u n g in unserer Gemarkung ergab folgendes Re- Samstag seine Jahreshauptversammlung in der fultat an tragfähigen Räumen : 2981 Wirtschaft Faber ab Der erste Vorsitzende, Tafeläpfel, 1659 Wirtschaftsäpsel. 4 2 iaf€lb r- Hch. Würz, erstattete den Geschäftsbericht. Der nen, 382 Wirtschaftsbirnen, 99 Stämme Sutzsir- Mitgliederbestand beträgt 62 Mitglieder und schen, 71 Stämme Sauerkirschen. Fruhzwetschen 5 Ehrenmitglieder; ausgcschieden sind 11, Reuauf- waren 40 und späte 1653 Bäum« vor)anden nahmen waren 5 zu verzeichnen. Der Rechner Mirabellen wurden 137 und Reineclauden 112 Ivhs. Diez berichtete über den Stand der Ver- Bäume, Aprikosen 9. Fruhpsirsiche 16. Säatvsir- einskasse Der gesamte Vorstand wurde einftim- siche 16, und Walnüsse 102 Bäume sestgestellt. mig wiedcrgewählt. Zu Ehrenmitgliedern wurden Roch nicht tragfäh, ge Baume waren Ludwia Weigand und Hch. Peter ernannt. 1906 Tafeläpfel-, 5">0 Wirtschaftsapfel-, 183 -^a» _ o _ _ n resnÄ ir <'tnn ilnferm Ge- felbirnen- und nur 3 W rtschaftsbiri eiibaume vo - schen, 71 Mirabellen, 45 Reineclauden, 13 Aprikosen. 12 Frühpfirsiche, 23 Spätpsirfiche und von t , Walnüssen 93 Bäume noch nicht tragfähig. — Die Viehzählung in unserer Stadt ergab 198 ' 1 Pferde, 261 Stück Rindvieh, 286 Schafe, 316 Schweine, 92 Ziegen, 2206 Stück Federvieh und MMikiMAU Roman von CertRolhberg. (Urheberschutz durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.) 6 itortictiung Nachdruck verboten. Seine dunklen Augen gingen über sie hin. Waren ihre Worte anzügllch gemeint? Da sagte sie: „Es war ein sehr netter Abend. Diese Wiener Kapelle spielte hervorrag nd. Ich habe mich schon dadurch sihr gut unterhalten." „Ra, dann ist es ja gut", sagte er zufrieden, aber Pia fühlte, daß er mit seinen Gedanken weit fort von ihr war. Das Auto bog in den Schlohhof von Achern ein. Harry sprang heraus und half den beiden Damen. Plau.ernd schritt er dann mit ihnen die Treppe hinauf, wo Joseph Wimpert schon wartete, um noch etwaige Befehle entgegenzunehmen. Loch man hatte keine Befehle für ihn. Pias Hand zitterte, als sie für einen Augenblick in der Rechten Acherns lag. Der merkte es nicht, er hörte nur immer noch im Geist ein bezauberndes Mädchenlachen. Er sah ein schönes, stolzes Gesicht mit großen, dunklen Augen, lind doch wußte Harry von Achern auch jetzt ganz genau, daß es nur eine wilde, begehrende Leidenschaft war, die sich seiner bemächtigt hatte. Eine große, reine Liebe war es nicht. Die würde kaum jemals in sein Leben kommen. Dazu war er auch gar nicht geschaffen. Er konnte nicht immer nur anbeten, — er mußte besitzen! Oben in Harrys Schlafzimmer wartete trotz gegenteiligen Befehls Joseph Wimpert und legte seinem Herrn alles zurecht. Harry von A.^ern lachte plö^lich. Es war ein lautes, jungenhaftes, frohes Lachen. „Ra, alter Knabe, möchten wir zwei nicht endlich mal ans Heiraten denken? Ich meine doch, es wird Zeit für uns beide", sagte er aufgeräumt zu dem treuen Alten. 3n Joseph Wimperts ewig beleidigtem Gesicht verzog sich keine Miene. Er sah seinen jungen Herrn nur vorwurfsvoll an und meinte dann bedächtig: „Gnädiger Herr, von mir wollen wir nicht reden. Ich werde das lieber bleiben lassen. Ader für gnädigen Herrn wird es höchste Zeit. Eine junge Frau fehlt im Schloß. Das gnädige Fräulein Pia —" Er schluckte und sah seinen Herrn hilflos an. Der verstand, lieber sein soeben noch lachendes Gesicht ging ein Schatten. Doch dann sagte er gleichgültig: , . „ w . „Hast Angst um das gnädige Fraulern? Rein, Alter, sie würde trotzdem, ich meine, trotz meiner Heirat im Schloß bleiben, solange sie selbst es will." Da senkte Joseph Wimpert den eisgrauen Kopf. I Er hatte auch verstanden. Rach einer Weile ging | er hinaus. Harry von Achern aber lachte ärgerlich hinter ihm her und brannte sich noch eine Zigarette an, um seine Gedanken in andere Bahnen lenken zu können. Edelgarde! Seltsam war es, wie sie ihn gleich von An- fang an gefesselt hatte. Sonst war er eigentlich gewöhnt, die Frauen eine Zeitlang zu studieren. Das war hier ganz fortgefallen. Sie gefiel ihm auf den ersten Blick. Warum sollte er sich das nicht unumwunden eingestehen? Wie eine seltene, schöne Blume erschien sie ihm noch jetzt. Ihre Rücksichtslosigkeit, ihn ganz für sich in Anspruch zu nehmen, hatte ihn amüsiert. S.e vergab sich nicht das geringste, aber sie fragte auch nicht nach der Meinung der Menschen! Diese Eigenschaft war auch etwas wert. Etwas, was ihn anzog. Er trat ans Fenster, sah in die warme Sommernacht hinaus. Es war schon spät, trotzdem fühlte er keine Müdigkeit. Kein Gedanke ging zu Pia, die in ihrem Zimmer stand, mit großen, angstvollen Augen um sich blickte und sich verzweifelt fragte: „Was soll nun werden? Ich liebe Harry, wie nur eine Frau einen Mann lieben kann: er aber liebt diese dunkle Schönheit, die er bisher ebensowenig kannte wie sie." So schnell also verschenkte Harry von Achern seine Liebe! Pia Eichendorff kauerte dann noch lange in einem der tiefen Sessel und grübelte darüber nach, wie es denn werden foll?, wenn Harrys jung? Frau hier einzog. Wenn sie sehen mußte, wie lieb er sie hatte, dann würde ihr Schloß Achern zur Hölle werden. Dabei kam ihr nicht einmal der bittere Gedanke, daß sie durch seine Schuld von vielen Freuden der Jugend ausgeschlossen war. Sie wußte nur, daß sie eines Tages von Achern fort mußte. Wohin dann? Fünftes Kapitel. Es gab jetzt viel Arbeit in Achern und auf den umliegenden Gütern. Die G.selligkeit konnte beim besten Willen nicht des öfteren gepflegt werden. Trotzdem machte Harry von Ahern sich oft frei und ritt auf ein Stündchen nach Gollwem hinüber. Er wurde dort stets mit größter Herzlichkeit von Herrn Augsten und dessen Töchtern empfangen. Unb der wußte ganz genau, daß er nur um Edelgardes willen kam. Eine dunkle Glut erfüllte ihn für das schöne Mädchen. Ihre Augen lockten und glühten ihm dieselbe Sehnsucht entgegen, die in ihm war, doch ihr Mund sprach oberflächliche Worte. Sie machte ihn toll, das fühlte er immer mehr. Dennoch war etwas in ihm, Vas ihn warnte. Er hätte sich selbst verlachen mögen, doch es war so. Rach und nach kam eine gewisse Ruhelosigkeit über ihn. Seine großen, dunklen Augen blickten jetzt meist finster, und er I fand daheim nur noch wenig Zeit für ein Plau- | derstündchen mit Pia und Frau Horlinger. Pia b'mcrfte es und senkte tief den blonden Kopf. Sie streifte nun in Gesellschaft Frau Horlingers viel in der Umgebung umher. Einmal schritten sie einen schmalen, langen Waldweg bahn, und als sie aus dem Wald heraustraten, da standen sie dicht vor dem alten, schönen Schloß Hohen- brück. Die Rosen rankten sich über die hohe Mauer. Ein ';em und Jubilieren war im Park, das Zirpen der Grillen tonte herüber, und irgendwo schlug die Amsel im Gebüsch. Pia überkam ein kindliches Verlangen. „Liebe Frau Horlinger, ich mochte so gern einmal in diesen verwunschenen Park hineinsehen. Es ist das Besitztum des alten Herrn von Hohen- brüd. Es ist doch weiter nichts dabei, ist kein Verbrechen." Frau Horlinger hegte Bedenken. Es konnten Hunde im Park fein. Sie würden durch ihr Gebell jemanden herbe.locken, und das würde bann sehr unangenehm für Pia fein. Am Gemäuer stand eine alte Holzbank, und Pia kletterte mühsam hinauf, wobei sie sich auf die SMtem der alten Dame stützte. Sie sah über die Mauer. Atemlos schaute sie in dieses Blumenparadies. Eine ganze Weile blieb sie so und konnte sich nicht losreihen von dem Anblick dieses blühenden, verwunschenen Gartens. Da wandte sie wie magisch angezogen den Blick nach rechts, und sie blickte gerade hinein in das verwitterte, böse Gesicht eines alten Herrn. Drohend hob er beide Fäuste gegen sie und bewegte den Mund, als ob er etwas sagen wolle, doch lein Wort klang zu Pia herüber. Sie blickte wie erstarrt in diese funkelnden Augen und glitt bann langsam von ber Bank herab. Frau Horlinger sah erschrocken in das blasse Gesicht. „Was war denn, Kind? Warum sind Sie so blaß?" Pia schob den Arm durch denjenigen Frau Horlingers, zog sie hastig weiter und sagte dann: „Ach, ich bin nur so erschrocken. Da hat mich ein alter Herr so furchtbar angesehen. Ganz entsetzlich war dieser Blick. Herr von Achern erzählte mir einmal, daß der alte Herr alle Menschen haßt. Was mag die Welt ihm getan haben, daß er so verbittert werden konnte?" Die alte Dame konnte ihr natürlich keine Auskunft geben. Pia blieb ziemlich schweigsam auf dem Rachhauseweg. ülnterwegs trafen sie bann noch den Iagbwagen aus Gollwem, ber bie brei Schwestern von ber Stabt zurückbrachte. Man sprach ein paar sreunbliche Worte miteinanber, unb bann fuhr bas Gefährt weiter. Der neu angelegte Tennisplatz hinter bem Herrenhaus von Gollwem war der Vermittler, daß Harry von Achern jetzt meist gegen Abend herüberkam, um den Partner für Edelgarbe abzugeben. Sie spielte vorzüglich, und ihre schöne, schlanke Figur flog graziös über den Platz, nur feiten einen Ball durchlaffend. Sie war sehr stolz auf ihr Können unb erzählte mit glänzenden Augen, daß sie in Köln einmal der deutschen Meisterin gegenübergestanden si 'e, all, sie zu Besuch einer Tante in der froj.n, rheinischen Stadt weilte. Ingeborg und Franziska lachten zutraulich zu Achern herüber, flüsterten sich etwas zu und huschten bann davon. Drüben tauchten nämlich die beiden Herren Brcnden auf, bie lebenslustigen Söhae des Großindustriellen Dren- den, der sich hier das alte Jagdschloß des Fürsten Ottern gekauft hatte unb befjen Söhne hier bem Iagdfport hulbigten. Seit sie aber bie beiben blonden Mäbel gesehen hatten, war für sie ber Jagdsport Rebensache geworden. Mit lauten Scherzworten wurden sie jetzt bort brühen empfangen. Achern war mit Ebelgarbe allein. Wochen lagen zwischen heute unb bem Tage, an bem sie sich tcnnenlemten. Unb immer heißer, immer begehrender war in ihm bie Leibenschaft für bas schöne Mäbel emporgeloht. Schlank unb ges hmei- dig ftanb sie neben ihm, wie in leichter Derlegen- hllt auf ihren Tennisschläger blickend. Die Augen Acherns brannten auf bem schönen, bräunlichen Gesicht des Mädchens. Was hatte es denn für einen Zweck, noch länger zu werten? Ganz tief beugte er sich zu ihr. „Gdelgarde, ich liebe Sie!" Sie stand regungslos, ein leichter Taumel ging über sie hin. Sie hing dem Klang ber leiben» schriftlichen Männerstimme nach. Er faßte ihre Hand. Langsam hob sie die bunflen Augen zu ihm. In diesen Augen lag bie Antwort. Da küßte er den ihm entgegenblühenden Mund. Drüben standen sie staunend da, schrien bann laut: „Wir gratulieren!“ unb kamen gerast, um den Verlobten bie Hänbe zu schütteln. Stolz unb strahlend nahm Edelgaroe bie Glückwür.sHe entgegen. Harry von Achern aber sah im Geist ein Paar seltsame, bunielblaue Augen, einen herb geschlossenen Mäbchenmur.b. Da schmiegte Ebel- garde sich an ihn, und sein Arm legte sich um sie. Langsam gingen sie bem Schlosse zu. Herr Augsten gab natürlich gern feinen 6'gen. Sein vieles Geld und der alte Ache rusche Rame paßten sehr gut zusammen. UebrigenS hatte er das längst gewußt, daß es so kommen würde. Seine Wünsche waren im Leben überhaupt stets in Erfüllung gegangen, sogar ber, baß seine Frau ihn eines Tages verlieh, nachdem sie ihm durch ihre Launen und ihr unbeherrschtes Wesen das Leben jahrelang zur Hölle gemacht hatte. Edelgarde hatte vieles von ihr, unb es war gut, daß ihm Achern die Sorge für sie abnahm. Die anderen beiden Mädel waren gutmütige, lebensfrohe Geschöpfe, die würden ihren Weg schon machen. Die konnten auch in Gottes Ramen noch recht lange hier bei ihm in Gollwem bleiben. Herr Augsten war also ganz zufrieden, ließ Sekt aus bem Keller holen unb feine Hausbame stellte mit fabelhafter Geschwindigkeit ein Diner zusammen. So sah man bann in hellen Tennisanzügen bei Tisch und feierte Dorverlobung. (Fortsetzung folgt.) Wäsche kaufen? 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Es handelt sich nicht um Musik und auch nicht um Architektur; köstlich gleichgültig steht das braun-goldene Llnwe- sen aus der Renaissance von 1830. Lind die Atmosphäre ist, Gott sei Dank, ansteckend; in dem Plüsch der Bänke wandert es — nein, nicht Insekten, gewiß nicht, aber Leitungen, die an die Rerven gehen; und in der Luft, die physikalisch keine mehr ist, geistern die Meinungen, die Konflikte, die Beziehungen. Die Kellner — bald eilen sie, bald stehen sie wie Standbilder dieser Kafseehausösfentlichkeit. Kein Gast muh warten, und die Kellner haben, o Wunder. dennoch Zeit zu stehen! Einige sind alt und wackeln, aber der Mechanismus ihres Dienstes, ihrer Intelligenz und ihrer Fürsorge geht weiter. Einer sieht aus wie der selige Offenbach: Backenbart, sehr österreichisch, Kneifer mit Schnur. Mein Gott, wie ist es so nrtt, einem solchen alten Kellner zu begegnen, der nichts ist als ein einziger Prägedruck seines Berufs... Tassen klappern ein wenig, die Billardkugeln klopfen; die Spiegel an den Wänden sind still und spiegeln alles bis dorthin, wo aus der Wiederholung des Gespiegelten das Grenzenlos- Gleiche wird. Die Dillards sind scharfgrün, die Plüschbänke purpurrot, die Sitten liberal. Cs ist eine Heimat; wahrhaftig, es ist ein Zuhause; und ich gehöre schon dazu. Es ist nicht laut. Die Kellner erfüllen das Einnhafte ihres Menschenlebens in diesem gemeisterten, täglichen Berus und sind mit ihrer lebenslangen Arbeitsdauer am gleichen Platz ein Stückchen von einem Gleichnis der Achsen der Ewigkeit. Sie haben das lange Gedächtnis, und wir gehen vorüber. braucht lediglich die Möglichkeiten dieses Berufs zu begreifen, um dessen gewiß zu fein. Schön ift, was man ernst nimmt und ganz und gar kann. Am groben Tisch dort drüben, dem Tisch mit der langen Plüschbank, haben sie jeder ein Glas Wasser vor sich stehen und diskutieren nicht laut, aber eindringlich. Vielleicht ist das Ganze eine Art von Verschwörung. Richt der Tisch dort allein; sondern auch der Kellner — und auch ich. Er hat mir die Zeitungen gebracht, weil es sich für ihn versteht, daß ein Kellner einen Gast in die Atmosphäre des Cafös einbezieht — und diese ist publizistisch gespeist, ist politisch. Es gibt nicht nur D.llard und Schach und Kaffee und „Kipferln"; es gibt auch Zeitungen und Gespräche. Lind es wird klar: ein Kaffeehaus — das ist für Wien, was die Agora für Athen gewesen ist, die Agora, der Hauplplah, der Markt, der Ort der öffentlichen Zusammenkunft; und was das Forum für das alte Rom gewesen ist. Das Wiener Kaffeehaus ist die Zelle der österreichischen Oeffentlichkeit. Rur daß eben viele solche Zellen da sind, so viele, wie es Cafes gibt; während die Alten nur die eine Mitte hatten und damit natürlich noch eine stärkere Oeffentlichkeit. Diese Publizität des Kaffeehauses, diese kollektive ßuft, diese verbindende Atmosphäre: sie ist der Bereich der Verschwörung, in die der Kellner mich hineinz'ehen wollte, weil es sich in Wien eben so versteht. Er begreift, daß ich ein Novize bin. Ich aber — ich werde sofort ergriffen. Die Luft überträgt; ich schlage die Blätter auf: die Buchstaben werden lebendig; die Blätter reden mich an, und ich spüre, wie gut sie .gemacht" sind. Lind ich spüre auch: sie sind so gut gemacht, weil sie wissen, daß sie gelesen werden, und zwar hier gelesen werden, in diesem Cafe, mit diesem Eifer! Denn mit Eifer werden sie wörtlich gelesen. Lind auch in diesem Eifer gibt es Versenkte, gibt es Eremiten. Reihenweise sitzen sie auf den Plüsch- bänken und lesen Zeitung, jeder für sich jede für sich und so sehr lesen sie, daß zwischen Männern und Frauen, die jedes für sich auf der gleichen Plüschbank sitzen, sogar das Geschlecht erloschen scheint. Hier also im Cafe gibt es Leser, echte, fast professionelle Zeitungsleser, und darum sind die Zeitungen so unterhaltend, ja aufregend. Hier- Wiener Kaffeehaus. Don Wilhelm Hausenstein. Es ist warm und ein wenig üppig und auch ein wenig kahl: es ist bräunlich und golden und ein wenig nachgeräuchert, und es ist auch einfach. ia fast ein bißchen nüchtern. Eine merkwürdige Mischung — warm-braun und üppig-golden, und dennoch ein bißchen nüchtern. Fast sage schwächlich. Ja. sachlich: denn offenbar ist dies Lokal nicht ein kunstgewerblicher Zweck, sondern es dient einer Sache. Einer Sache. Wir werden sehen Welcher Sache? Dem Kafseetrinken. Gewiß. Aber beileibe nicht nur dem Kaffeetrinken, sondern noch vielen anderen Sachen dazu. Sicher ist vorab nur dies: das Kunstgewerbe ist hier nicht Zweck ge- worden. Cs ift da nicht so wie manchmal bei uns in Deutschland: daß im Cafe die Kunst beinahe schon die Hauptsache ist und die Menschen eigentlich nur herumsihen wie Staffage, wie eine lebendige Ausstattung; wie eine Menge, die da ist. um dem blendenden Kunstgewerbe durch menschliche Anwesenheiten mehr Relief zu geben. Es ist auch nicht so, wie sonst manchmal in der neu- sachlichen Welt: dah man die Hygiene spurt und in ein Lokal geht, um dem von diesem Standpunkt einwandfreien Bilde der Lokalität zu hickdigen. Jemand hat einmal gesagt, es gäbe Cafes so neusachlich und so weiß wie ein Sanatorium. -Jcun, dies Wiener Cafe ist kein Sanatorium Es ist altmodisch, wie unsere Väter waren. Es hat noch die Haltung von 1870, 1883. Renaissance mit Braun und räucherigem Gold und mit Vergoldungen und mit Plüsch. Ich finde es herrlich. Ich brauche an keine Kunst zu denken und kann wich den Sachen hingeben. Den Sachen. Dem Kaffeetrinken (und natürlich ist der Kaffee ausgezeichnet). Lind den anderen Sachen. Welchen? Wir werden sehen. lammen einen Rhythmus machen, das Anklopfen des Elfenbeins der einen Kugel am Elfenbein der anderen. Es ist ein trockener, kurzer, ganz und gar präziser Ton. Peng. Ich schaue auf den kleinen runden Marmortisch vor mir und gewahre einen Schachgrundriß. Er ist fest: eingefärbt — oder gar eingelegt? Gleichviel. Man kann ihn nicht wegwischen, wegschie- ben. Da sitze ich nun, allein und talentlos. Wie gerne würde ich spielen. Ich schaue neidisch an die anderen Tische. Da spielen sie Schach. Es ist erstaunlich: ich zähle fünf Tische in meiner nächsten Rahe, an dc.cen sie Schach spielen mit der ganzen wunderbaren, fast metaphysischen Der- senktheit der Menschen, die vom Schach einmal ergriffen sind und es lebenslänglich bleiben. Sie haben die Ruhe von guten Buddhisten. Da sitzen sie wie in der Mitte des Richts: reine Anschau- ung, die mathematisch und auch ein wenig mystisch ist. Viel mehr als Entdecker: Mönche des Spiels, Eremiten des Spiels, Eremiten, die einander besuchen und dabei allein bleiben, dabei immer ihre Eremitage Herumtragen. Lind es ist kein Konzert. Lind es ist nicht strahlend hell, sondern dämmrig wie bei Rembrandt. Lind es surrt kein Ventilator, wohl aber ziehen bläulichweiße Rauchfältchen fein umher, fein und langsam, wie in die Linendlichkeit entsandt und in ihr umherträumend, während sie ziehen. Der Kellner sieht mich sitzen und fühlt, wie allein ich bin, und ungebeten bringt er mir Zeitungen. Ich müßte meinen, es fei System dabei; denn die Auswahl, die er mir bringt, ist vollkommen. Es ist eine Enzyklopädie der Parteien und der sogenannten Weltanschauungen; Illustriertes und Linillustriertes; Inländisches und Ausländisches. Ich bin dem Kellner noch undurchsichtig, er macht Stichproben mit mir. Offenbar wird er von morgen ab genau wissen, was ich brauche. Ich bewundere ihn. Er ist «'in Diplomat, ein Psychologe; ein fürsorgenrer Verwandter ohne Grad; er hat es mit meiner o.eie zu tun; er ist ein Freund ohne Rainen — kurz ein guter Kellner: Verkörperung des Ideals, das diesem schönen Beruf gesetzt ist. Denn es ist ein schöner Beruf; man braucht lediglich die Meisterschaft in ihm zu haben, um es zu wissen; man eingliederung in den Berus noch immer die tüchtige Derufsleistung ist und nicht eine irgendwie geartete politische Llmwälzung. Die Gefahr dieser schiesen Betrachtungsweise lag besonders im vergangenen Jahr hauptsächlich bei der jüngeren Berufsgeneration vor. Erfreulicherweise konnte sie überwunden werden. Heute ist die Erkenntnis wieder gefestigt, ja im Wachsen, daß der einzelne sich in erster Linie durch eine tüchtige Berufsleistung im Daseinskampf behaupten muß und daß diese Bewährung kein irgendwie geartetes politisches System ihm abnehmen kann. Einige große Probleme harren im neuen Jahr der Erledigung. Kann die 40-Etunden- Woche allgemein auch für die Angestellten eingeführt werden? Hier zeigt sowohl der einzelne Angestellte wie auch seine Berufsvertretung starke Zurückhaltung, weil sich kaufmännische Tätigkeit nicht so leicht verkürzen läßt, wie es in den meisten Fällen bei gewerblicher Arbeit möglich ist. Bei dem Kaufmannsgehilfen droht nur die mit der Arbeitszeitverkürzung möglicherweise verbundene Gehaltskürzung, aber die Arbeitsleistung soll die gleiche bleiben. Lleberall wird heute bei der Angestelltentätigkeit ein vermehrter Arbeitsanfall beobachtet, weil infolge der allgemeinen Verarmung die Zahl der Käufe trotz gesunkenen Llmsatzes nicht kleiner, sondern oft größer geworden ist, was fast in jeder Hinsicht eine mengenmäßig größere Angestelltentätigleit erfordert. In der Sozialversicherung hoffen die Angestellten einen weiteren Ausbau der beruf s st ä n di sch e n Selbstverwaltung in Da leuchtet es uns scharfgrün in die Augen, viel schärfer als eine Wiese mit zuviel Licht. Das Grüne empfängt einen Schlagschein von niedrig hangenden Lampen. Das Grüne — das sind die Billards. Leise und langsam gehen die Spieler um die Dillardtische, deren viele sind, und man hört in unregelmäßigen Abständen, die doch zu- der Angestellten- und Krankenversicherung und vor allem endlich die Zulassung von berufsständischen Ersatzkassen in der Arbeitslosen . Versicherung. Hier haben die Angestellten mit dem großen bürolratis- en Zwangsapparat der staatlichen Arbeitslosenversicherung sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Auf dem Wege der Selbsthilfe sich eigene berufsständische Arbeitslo'enkasien schaffen zu dürfen, die den beruflichen Bedürfnissen angepaßt sind, ist die Forderung, die im Gesamtinteresse baldigst ihre Verwirklichung finden muß. Da gegen Schluß des alten Jahres die Berufsverbände der Arbeitnehmer auch von Seiten der Regierung eine neue Würdigung erfahren haben und ihre Daseinsberechtigung, ja Notwendigkeit im modernen Wirtschaftsstaat anerkannt wird, darf gehofft werden, daß die vielseitigen berufsständischen Erfahrungen ter Gewerkschaften bei der Krisenüber- Windung und der Vorbereitung des neuen wirtschaftlichen Aufstiegs im Gesamtinteresse wieder stärkster.s eingeschaltet werten. Die Auffassung der Angestellten bezüglich Lieberwindung der Wirtschaftsnot geht jedenfalls dahin: Gebt im neuen Jahr dem Kaufmann, den sachverständigen, an der Wirtschaft unmittelbar beledigten Derussstän.en größerenRaumzur Mitbestimmung und Selbstverwaltung, gebt ihnen die Freiheit zur selbständigen Regelung ihrer sozialen und berufsständischen Angelegenheiten. Möge der Staat von Eingriffen in das absehen, was sich verantwortliche Berufsstände auf dem Wege der Selbsthilfe geschaffen haben und noch schaffen werden, dann wird er auch zur Lösung der ihm gestellten Ausgaben fähig werden, dem Volke Freiheit und neuen politischen und wirtschaftlichen Lebensraum zu schaffen. Durch die Reihen der Angestellten, insbesondere der Kaufmannsgehilfen, gehl heute unoeriennbar eine hoffnungsfrohe Regung. In ihrem Bereich ift im Ganzen gesehen eine gewisse Stabilisierung der Berhältnisse eingetreten, die auf manchen Gebieten sogar ersreuliche Ansätze zum Besseren erkennen lägt. Die Gehaltskürzungen scheinen hoffentlich für immer zu Ende zu fein. Die Deflationsepoche ift überwunden. Die mehr als zweijährigen Erfahrun- gen mit dem fast ununterbrochenen Lohn- und Gehaltsabbau genügen, um zu erkennen, daß auf diesem Wege der Wirtschaftsschrumpfung nicht Einhalt geboten werden kann, sondern höchstens ihre Förderung erreicht wird. Die Massenkündigungen und Entlassungen haben aufgehört; ja es sind in zahlreichen Fällen die gekündigten Anstellungsoerträae neu abgeschlossen worden. Die Zahl der Prozesse vor den Arbeitsgerichten um Gehalt und Anstellungsbedingungen ist wesentlich geringer geworden. Die Vermittlungs- Möglichkeit von kaufmännischen Kräften ist in den letzten drei Monaten erheblich größer als früher, besonders nach den mittleren und kleineren Betrieben, die für neues Personal heute auf- nahmesähigcr als Großbetriebe find. Die große Wirtschaftskrise hatte den wirklichen Kaufmann sehr zum Schaden der Gesamtwirtschaft stark in den Hintergrund treten lassen. Durch Organisation, Technik und Verringerung des Personalkörpers glaubte man der Krise Herr zu werden. Jetzt besinnt man sich wieder auf den Kaufmann, der bei der Gestaltung der gesamten Wirtschaft ebenso entscheidend mitzusprechen hat, wie er für den einzelnen Betrieb verantwortlich ist. Politiker und Techniker, die das Feld der Wirtschast fast einseitig jahrelang beherrscht haben, treten in die zweite Linie. Aus der Erkenntnis, daß die Wirtschaftsführung i n er ft er Linie Aufgabe des Kaufmanns ift, der schöpferische Unternehmerinitiative zu entfalten hat erwachsen auch dem Kaufmannsgehilfen wieder größere Chancen, besonders in der Kundenwerbung, wo branchekundige Werbekorrespondenten, Derkauss- und Reisepersonal verlangt werden, wie überhaupt die individuelle schriftliche und mündliche Behandlung des In- und namentlich auch des Auslandskunden heute wieder mehr geschätzt wird, als das schablonenmäßige der Rationalisierungsepoche. Die persönliche Initiative des wägenden und wagenden Äaufmanas ist erfreulicherweise also vielerorts im Anmarsch. Das aber bedingt ein gutes Vertrauensverhältnis zw : schen Arbeitgeber und Angestellten und eine Würdigung der Persönlichkeit. Gerade der Kaufmann muß seinem Mitarbeiter eine freie, aufrechte und selbstbewußte Haltung wünschen und nicht jene Unterwürfigkeit, die eines mitdenkenden und geschäftsinteressierten Mitarbeiters unwürdig und am Ende dem geschäftlichen Erfolg nur abträglich ift. Es scheint sich jene Wertschätzung des geschäfts- interessierten Angestellten wieder anzubahnen, die für eine Konjunkturbelebung von erheblicher Bedeutung ist. Je mehr die Heraushebung der Angestellten aus d e r Arbeitnehmer- mässe auch vom Unternehmer bejaht wird, umso früher können die vielerorts zu beobachtenden Ansätze zu einer bcrussständischen Entwicklung zur vollen Entfaltung gelangen. Ein weitblickender Kaufmann muß an der Differenziertheit der Gesellschafts- und Berufsschichten, ihrer verschiedenen Geschmacksbildung und ihrer ständig begründeten sozialen- und Kulturlage interessiert sein, denn je mehr wir das amerikanische Typen- und Schablonenmäßige auf allen Gebieten anwenden, umso mehr entfernen wir uns von deutscher Art und umso mehr wird der Kaufmann zum bloßen Verteiler geringwertiger Massenware, anstatt Wecker und Befriediger echter Kulturbedürsnisse zu fein. So ist der V i l d u n g s w i 11 e der Angestellten in Sonderheit nach der fachlichen Seite hin in letzter Zeit erheblich stärker geworden, toerm auch nicht eine gewisse Müdigkeit bei vielen stellenlosen Derufsgenossen zu verkennen ist, weil sie glauben, keine Anwendungsmoglichkeiten für größeres Derufswissen und -können in naher Zukunft zu sehen. Hier muß der Derussverband immer wieder aufrichten und die Erkenntnis vermitteln, daß der Ausgangspunkt für die WiederBerlin schwächer später etwas erho'.t. Berlin, 19. Ian. (WTB. Funkspruch.) Unter dem Eindruck der weiter verworrenen innerpoliti- schen Lage und verstimmt durch einige Sonderbe- wegungen nach unten eröffnete die Börse bei sehr kleinem Geschäft in schwächerer Haltung. Die leichte Teilerholung der Deutschen Bonds in Reuyork war zu unbedeutend, um sich stärker aus- zuwirken, besonders da die Allgemeintendenz in Wallstreet schwach war. Montane setzten bis zu VA Prozent schwächer ein. Das Interesse für Gelsenkirchen hat auf das Dementi der JG.-Farben stark nachgelassen. Rheinstahl waren 2% Prozent gedrückt, während Mans- felder und Schlesische Bergbau etwas freundlicher lagen. Don Braunkohlenwerten verloren Rheinische Braunkohlen 4 Prozent. Kaliaktien gaben bis zu 2 Prozent nach. Von chemischen Werten waren Farben VA Prozent niedriger. Contigummi verloren 3% Prozent, holten aber im Verlaufe VA Prozent wieder auf. Elektropapiere büßten bis zu VA Prozent, RWE. darüber hinaus 23A Prozent ein. Gasaktien, Maschinenfabriken, Kabel- und Drahtwerte, Autowerte, Papier- und Zellstofswerte verloren bis zu etwa VA Prozent. Metallwerte, Textilpapiere, Brauereien, Banken, Schiffahrtsaktien und andere Verkehrswerte zeigten nur Abbröckelungen um Bruchteile eines Prozentes. Kunstseideaktien waren im Einklang mit Am terdam schwach und etwa 3 Prozent gedrückt. Aku er chienen anfangs mit Minus-Minus-Zeichen. Den größten Verlust wiesen Holzmann nach anfänglicher Minus- Minuc-Rotiz mit einem Rückgang von l'A Prozent auf. Dieses Papier war schon gestern abend in Frankfurt auf die notwendig gewordenen Abschreibungen, die einen Eingriff in das Aktienkapital erforderlich machen könnten, sehr schwach veranlagt. Heute waren zum ersten Kurse etwa 40 bis 50 Mille vorhanden. Die Anteile von Wasserwerken zeigten gut behauptete Tendenz. Im Verlaufe setzten sich allgemein Besserungen bis zu 1 Prozent durch. Deutsche Anleihen waren stark unregelmäßig. Ältbesitz eröffneten 3A Prozent niedriger, gewannen bann aber mehr als 1 Prozent. Neubesitz blieben gehalten. Reichsschuldbuchforderungen lagen eher etwas schwächer. Die übrigen Rentenmär kie verkehr- Oie Lage der Angestellten D.n Heinrich Auerbach,Gauvorsteher im OHD. ten mit Ausnahme der variablen Jndustrieobliga- tionen zumeist in behaupteter Haltung. Von Ausländern waren Bosnier 20 Pf. höher, Lissabonner Stadtanleihe erholten sich um % Prozent. Auch sonst bemerkte man vielfach kleine Erholungen. Am Geldmarkt hat sich auch heute nichts an der augenblicklichen Situation geändert. Tagesgeld blieb mit VA bzw. 4% Prozent an der unteren Grenze weiter leicht. Privatdiskonten, Reichswechsel per 15. April und Reichsschatzanweisungen per 17. Juli blieben gefragt. Frankfurt schwächer. Frankfurt, 19. Jan. (WTB. Drahtmeldung.) Die Tatsache, daß die erhoffte Zusammenkunft Hitler-Schleicher trotz neuerlicher Bemühungen des Herrn von Papen als gescheitert zu betrachten sein dürste, hat die an und für sich schon unsichere innerpolitische Situation noch verstärkt, was an der heutigen Börse zu erneut schwächerer Tendenz und starker Zurückhaltung aller am Börsengeschäft beteiligten Kreise führte. Das gestern von der IG.-Farven- Industrie veröffentlichte Dementi über die Gelsenkirchen-Gerüchte wird jetzt noch dahingehend ergänzt, daß nicht nur die JG.-Farben-Industrie, sondern der ganze Konzern die Reprivatisierungs- absichten als unzutreffend bezeichnet, was das Interesse für den Montanmarkt merklich erlahmen lieh. Auch die schon an der Abendbörse durch Ka- pitalzusammenlegungsgerüchte schwache Veranlagung der Holzmann wirkte verstimmend nach, zumal die Gesellschaft in einem heute herausgegebe- nen Kommunique einen mäßigen Eingriff in das Aktienkapital infolge der schlechten Geschäftsverhältnisse, insbesondere bei den südamerikanischen Gesellschaften, zugibt. Bei sehr schleppendem Geschäft schritt die Kulisie zu Abgaben, so daß Rückgänge bis zu 2 v. H. überwogen. Es eröffneten IG. mit 99,75 v. H. 0,25 v. H. schwächer. Deutsche Erdöl verloren 1 v. H., Gelsenkirchen, Mannesmann, Phönix und Stahlverein bis zu 1,75 o. H. Die Holzmann-Aktie kam zunächst mit Minus Minus-Zeichen mit 50,50 v. H. gegen den gestrigen Schlußkurs wieder 7,50 v. H. schwächer zur Notiz. Allgemeine Lokal und Kraft gaben 1,40 v. H. und Elektrowerte etwa 0,50 bis 1 v. H. nach. Aku waren nach dem Verlust von gestern abend um 0,25 v. H. erholt, ebenso lagen Zement Heidelberg und Zellstoff Waldhof im gleichen Ausmaß gebessert. Reichsbank waren 0,75 v. H. niedriger, Schiffahrtswerte lagen uneinheitlich bei nur geringen Abweichungen. _ Renten lagen durchweg schwächer. Altbesitz minus 0,75 o. H., Neubesitz minus 0,25 o. H. Am festverzinslichen Markt war die Tendenz etwas freundlicher. Gold- und Liquidationspfand- briefe, sowie Kommunalobligationen waren gesucht und etwa von 0,50 bis 1,25 v.H. erholt. An den übrigen Marktgebieten war die Tendenz uneinheitlich bei jedoch nur geringen Abweichungen. Von fremden Werten blieben Türken, Rumänen, Mexikaner und Bosnier unverändert, Schweizer Bundesbahnanleihe lagen bis zu 1 v. H. fester. Im Verlaufe war die Stimmung auf einigen Teilgebieten des Aktien- und Rentenmarktes e t - was freundlicher. Am Aktienmarkt ergaben sich Besserungen von etwa 0,25 bis 0,50 v. H. und später für einige Spezialwerte solche von 1 bis 2 v. H. Am Rentenmarkt lagen Altbesitz fest, der Kurs stieg von 65,50 auf 67,25 v. H. an, auch Neubesitz und späte Reichsschuldbuchsorderungen etwas höher. ^roiitfurtcr «u)iaa)*u.cyniavli. Frankfurt, 19. Jan. Austrieb 142 Rinder, 1209 Kälber, 341 Schafe, 619 Schweine (90 Litauer). Es kosteten: Beste Mast- und Saugkälber 32 bis 36, mittlere Mast- und Saugkälber 21 bis 31, geringe Kälber 22 bis 26 Mark; Mastlämmer und jüngere Masthämmel, 23 bis 25, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genäl/.te Schafe 20 bis 22, fleischiges Schafoieh 16 bis 1'/Marc; vollfleisch. Schweine von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 36 bis 38, von etwa 160 bis 200 Pfund 35 bis 38 Mark. — Marktoerlauf: Auf allen Marktgebieten mittelmäßig, ausverkauft. Strafkammer Gießen. * Gießen, 17. Jan. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen einen Arbeiter vo.i hier wegen Sittlichkeitsvervrechens verhandelt. Er wurde zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er an einem Mädchen unter 14 Jahren unzüchtige Handlungen vorgenommen hatte. Der Rechner einer Spar- und Darlehnskaffe aus der Gegend von Ortenberg wurde wegen Unterschlagung zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Trotz feines Leugnens hielt ihn das Gericht auf Grund der Beweisaufnahme für überführt, Kassengelder in Höhe von etwa 1400 Mark sich angeeignet zu haben. Ein früher in Grünberg wohnendes Ehepaar war angeklagt worden, Quittungen der Stadtkasse über Holzgeldzahlungen gefälscht zu haben. Das Schöffengericht hatte die Frau zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt und den Mann mangels Beweises freigesprochen. Die Strafkammer stellte heute das Verfahren auf Grund der Amnestie ein, da die Straftat aus wirtschaftlicher Not begangen war. Ein Arbeiter von hier, der auch gelegentlich fremde Rechtsangelegenheiten besorgt, war des Rückfallsbetrugs, Der Urkundenfälschung und der Unterschlagung bzw. Untreue angeklagt. Er hatte in verschiedenen Fällen den von ihm vertretenen Personen vorgespiegelt, er werde für sie Eingaben an die Behörden machen, und sich yierfür bezahlen lassen, während er in Wirklichkeit gar nichts tat. Er ließ sich Geldbeträge für angebliche Zeugenladungen, Anfertigung von Zeichnungen usw. geben und behielt Das Geld für sich. Emen Kohlenhändler veranlaßte er zur Lieferung von Briketts, indem er ihm oortäuschte, er habe von einem Klienten noch 100 Mark zu bekommen und bezahle dann sofort. Einem Wirt erklärte er auf dessen Bemerkung, es werde nichts aufgeschrieben, er bezahle, während er gar kein Geld hatte, als er Die Zeche begleichen sollte. Für Den Kohlenhändler eintaffierte Beträge behielt er für sich. Nach eingehender Beweisaufnahme wurde er zu 1 Jahr und 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Lugendnotwerk im Bezirk Lich Nach 14 Tagen fei man dann in der Lage, unter Einbeziehung der Sammlungsergebniffe^ und des Reichszuschussi 1 ~ Reichszuschusses zu dem System des Ausschlags der nicht gedeckten Restkosten überzugehen, die unter Umständen sehr gering oder gar nicht mehr vorhanden seien. Für das Jugendnotwerk müsse bei einer hiesigen Bank ein Konto angelegt werden. Es müsse ferner ein Finanzausschuß gebildet werden, der die Gelder verwalte und Rechnung über die Organisation führe. Die berufliche, geistige und sportliche Betreuung, schlage er vor, dem Arbeitsamt dzw dem „hessischen Heimatwerk" zu üder- A Lich, 17. Jan Am Montagnachmittag wurde im Saale des „holländischen Hof" eine von Bürgermeister Geil als Borsitzendem des Küchen- und Kontroll-Ausschusses zur Durchführung des N o t • Werkes der Deutschen Jugend für den Bezirk Lich der A r b e i t s a m t s - N e b e n st e l l e L i ch einberufene Versammlung zur Besprechung des Iugendnotwerks und dessen Organisation in unterer «tadt abgehalten. Etwa 80 Personen der an der Durchführung des Jugendnotwerkes interessierten Kreise, darunter vor allem Bürgermeister, Geistliche und Lehrer, sowie Vertreter der Wohlfahrtsorganisationen der zum Bezirk der hiesigen Nebenstelle gehörigen Gemeinden waren der Einladung gefolgt. Bürgermeister Geil legte zunächst die bereits bekannten Ziele des Notwerkes dar. Im Bezirk Lich seien bis jetzt aus 2 2 Gemeinden 144 Jugendliche gemeldet. Diese Beteiligung stelle vor allen Dingen große Anforderungen an die Raumfrage. Er habe diese dadurch zu lösen versucht, daß er mit dem Besitzer des Steinschen Saales eine entsprechende Vereinbarung getroffen habe. Eingehender Berechnung nach stelle sich die Verpflegung unter Zugrundelegung einer täglichen Fleischporllon von 200 g pro Kopf mit allen Nebenkosten aus etwa 40 Pfg. pro Tag und Kopf. hiervon werde der Betrag von 13 Pf. pro Tag und Kopf aus Reichsmitteln gedeckt. Es bestehe Hoffnung, daß die restlichen Kosten durch freiwillige Spenden an Naturalien und Geld aus dem Bezirk aufgebracht werden könnten. Er sei in der Lage, mitzuteilen, daß bereits 50 Mark in bar überwiesen seien, weiterhin habe der Kreisausschuß des Kreises Gießen für die Beschaffung von Lebensmitteln 250 Mark für das Jugendnotwerk bewilligt, wovon ein angemessener Betrag nach Lich kommen dürfte. Der Vorsitzende des Zweigvereins vom Roten Kreuz, Oberamtsrichter Dr Bernhard, teilte mit, daß von dem Verein weitere 100 Mark zur Verfügung gestellt würden. An Naturalien seien bereits, so fuhr der Bürgermeister fort, zur Verfügung gestellt 60 Zentner Kartoffeln und ein Zentner Erbsen Um die Verpflegung von vornherein auf eine sichere Grundlage zu stellen, schlage er vor, daß jede lassen. Die Darlegungen des Bürgermeisters Gelt führten zu einer lebhaften Aussprache, an der sich u. a. verschiedene Bürgermeister der Bezirksge- meinden, Geistliche und Lehrer beteiligten. Wenn auch anerkannt wurde, daß die Vorarbeiten des Vorsitzenden die Durchführung des Jugendnotwerkes auf dieser Grundlage ohne weiteres gewährleisteten, so war doch die Frage umstritten, ob für das flache Land eine Verpflegung der I u - gen dl ich en ins Auge gefaßt werden solle. Verschiedene Redner vertraten den Standpunkt, daß die berufliche, geistige und sportliche Betreuung auch durchgeführt werden könne ohne eine derartige Maßnahme Einzelnen Rednern war der Bezirk für die Durchführung der Betreuung zu groß, sie waren der Ansicht, bar' das unter Zusammenschluß weniger Gemeinden geschehen müsse. Der Vorsitzende trat diesen Auffassungen an Hand der bisher erlassenen Vorschriften entgegen, wies darauf hin, daß nut der Durchführung des ganzen Jugendnotwerkes die Reichsanstalt und die dieser unterstellten Arbeitsämter beauftragt seien und die Nebenflellenbezirke die kleinsten Zellen dieser Organisation seien. Er gab zu, daß sich nach mancher Hinsicht um die Notwendigkeit einer Verpflegungsstation streiten lasse, entgegnete aber, es handle sich nicht in erster Linie um das Essen als solches, sondern daß auch in der gemeinsamen Verpflegung ein Mittel zu sehen Gemeinde etwa für die ersten 14 Tage für jeden gemeldeten Jugendlichen den Unterstützungsrichtsatz für Jugendliche (das sind pro Woche 3 Mark) zur Verfügung stelle. Aus diesem Betrage werde ein Grundstock ge bilde» und die ersten kosten bestritten. fei. das die Jugendlichen des ganzen Bezirks kameradschaftlich zusammenführe. Er befürchte, daß mit großen Abänderungsvorschlägen unter Umständen das ganze Jugendnotwerk für den Bezirk in Frage gestellt werde, und er legte der Versammlung die Frage vor, ob sie auf diese Gefahr hin auf ihrer Stellungnahme verharren wolle, was die Versammlung einmütig verneinte. Schließlich einigte man sich, nachdem auch besonders der Leiter der hiesigen gewerblich gegliederten Fortbildungsschule, Lehrer Meckel, ferner Dr. Kammer- Villingen und Kaufmann Schmidt-Lich für das Notwerk eingetreten waren, dahin, daß unter der Voraussetzung, daß die Verpflegung einen wesentlichen Bestandteil des I u g e n d n o t w e r k s p r o g r a m m s bilde (worüber in einer bereits einberufenen Bürger- meifteroerfammlung beim Kreisamt Gießen in An Wesenheit des Direktors des Arbeitsamtes Gießen, Regierungsrat Dr Bues, volle Klarheit geschah fen werden würde) das Jugendnotwerk auf der vor- gefchlagenen Basis für Lich eingerichtet werden solle. Es 'wurden bann nach den Vorschlägen des Vorsitzenden folgende Ausschüsse gebildet: Ein Hauptausschuh unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Geil-Sich und des Beigeordneten als Stellvertreter, bestehend aus den Bürgermeistern der Bezirksgemeinden, den Geistlichen von Lich, einem Vertreter der jüdischen Gemeinde, den Leitern der Volks- und der Fortbildungsschule, dem Zweigvereinsvorsitzenden des Voten Kreuzes, dem Direktor des Landwirtschaftsamtes Sich, dem Vorstand des Kriegervereins, des Turnvereins, des Ortsgewerbevereins und des Vereins für Handel und Gewerbe, sowie zweier Vertreter des Gemeinderates von Lich und verschiedenen anderen Herren. Ein Kassenausschuh unter dem Vorsitz des Lehrers i. R. K n ö l l, der sich zur Führung des ganzen Rechnungswesens bereit erklärt hat, bestehend aus zwei weiteren Lehrern im Ruh<^ stand, und den Bürgermeistern von Garbenteich und Steinbach als Revisoren. Ein Küchen ausschuh unter dem Vorsitz der Fürstin Witwe Karl, bestehend aus zwei Mitgliedern des Frauenvereins Lich, dem Herrn Major a. D. Stamm, dem Tierarzt Dr. E r b und den Metzgermeistern Stein und Rau. Für die Ingangsetzung und Durchführung der Sammlung ein Zentralausschuh in Lich, bestehend aus dem Leiter des Kreiswohlfahrtsdienstes, Pfarrer ® raubt in Lich, als Vorsitzendem, dem Vorsitzenden des Zweigvereins vom Roten Kreuz, Oberamtsrichter Dr. Bernhard, und dem Vorsitzenden des Kriegerverein-, Stadtrechner Häuser. G. A.-Sport. Weltrekord im 2Rücfenfhig. Der italienische gliegerleutnant Calacicchi stellte mit 42 Minuten 37 Sekunden einen neuen Weltrekord im Rückenfliegen auf. Kilian außer Gefecht. Der bekannte deutsche Bobfahrer Hans Kalian (Garmisch) wurde bei feinem letzten Rennen in St. Moritz doch schwerer verletzt als vorher angenommen wurde. Kilian hat einen Bluterguß davongetragen und muß so auf ärztliches Anraten noch einige Wochen pausieren Er wird allerdings an den am 11. und 12. Februar stattfindenden Welt- Meisterschaften in Schreiberhau wieder teilnehmen. »Schluß des redaktionellen Teils.) Die Sternfahrt nach Monte Carlo beweist wieder einmal, wie beliebt die Continental Reifen sind. Die meisten Teilnehmer fahren diese Reisen. 421V In allen Apotheken erhältlich zum Preise von RM. 0.89, 130.1.88. Nur echt mit dem Namenszug SltaunlAA auf jede» Packung Urwald-Mate 57,8 rm lAf C DDE DRUCKSACHEN 11 W 1% DkarUhl'ache Druckerei rm rm rm rm rm rm rm rm rm rm die Drogerie, die Ihr Vertrauen verdient. 35,7 8,0 33,8 27,3 1790 14,2 14,4 Mat6 ist ein unübertreffliches Mittel gegen Harnsäure und übt der tägliche Genuß des Tees eine wohltuende Wirkung auf die Tätigkeit der Blase u. Niere ans. Magenleidenden ist der tägliche Genuß des Tees, statt chin. Tee und Kaffee, zu empfehlen. 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D.: Dr. R o senberg. Wellen Buchenreisig 2. und 3. Kl. Wellen Hainbuchenreisig 2. Kl. Wellen Birken-, Eichen-, Kiefern- und Fichtenreisig Buchenjcheiter 1. Kl. Eichenjcheiter 1. Kl. Kiefernjcheiter 1. Kl Kiesernjcheiter 2. Kl Fichtenjcheiter 1. Kl. Fichtenjcheiter 2. Kl. Buchen- und Eichenknüppel Kiefernknüppel Fichtenknüppel Kiefern- und Fichtenstöcke Zwangsversteigerung 126/32 Am Donnerstag, dem 23. Februar 1933, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichts- gebäude zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche von Gießen dem Wilhelm Dippel und Ehefrau Auguste, geb. henke, in Gießen zugeschriebene Anwesen Kaiserallee 40 41 ID Jlur 3, Tic. 293 = 246 qm Grabgarten -- 116 qm Grasgarten Flur 3, Nr. 294 - 399 qm Hof reite geschätzt 15 800 RM.. versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 16 Januar 1933. I. A des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. rm Eichenstocke 4,2 rm Eichen-'Nutzscheiter 1. Kl. Lagd-Derpachtung. Freitag, den 27. Januar 1933, nachmittags 1 Uhr, wird die zirka 360 Hektar große Wald- und Aeldjagd der Gemeinde Lüßseld auf dem Bürgermeistereibureau, dahier, auf sechs Jahre verpachtet. Das Jagdgebiet ist von Station Neuhaus der Nebenbahn Nieder-Gemünden— Kirchhain 2 Kilometer entfernt und von Station Burg-Nieder-Gemünden in 5 Kilometer zu erreichen. Nähere Auskunft erteilt die unterzeichnete Stelle. 416D Büßfeld, den 18. Januar 1933. Bürgermeisterei Büßfeld. Heß. Yrennholz-Verfleigemngen der StaOf Gießen. Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen versteigert werden: 418C A. Montag, den 23. Januar 1933, 9'/j Uhr, aus der Abt. 54 des Sladtwaldes, Försterei Rodgen. 123,4 rm Buchenjcheiter 1. Kl. 17,0 rm Buchenjcheiter 2. Kl. waldes, Försterei Hochwart: Buchenjcheiter 1. Kl Dee MUge. Totf ist zu guter Letzt doch der teuerste. 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Februar 1933. vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche von Gießen dem Ingenieur Heinrich Brinkmann zu Gießen zugeschriebene Anwesen Bahnhofstraße 58 Flur 1, Nr. 871 - 928 qm hofreite geschätzt 60 468 RM., versteigert. 412D Die amtsgerichtliche Verfügung ist in der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 16. Januar 1933. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen-Giadi. Die noch rückständigen Beiträge für den Monat Dezember 1932 können noch vis zum 25. Januar 1933 ohne Kosten bezahlt werden 410D Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung und evtl. Beitreibung. Die Einzahlung kann täglich von 8 bis 1 Uhr bei unserer Kasse oder auf unser Postscheckkonto Amt Frankfurt a. M. Nr. 10833 erfolgen. Hinkler, Rechner.