Nr. 296 Erstes Blaff 183. Zahrgang Montag, 18. Dezember 1933 Eriche»»« idgHtt), auyo fconntoqs und feiertags Beilagen Die 3Uu|tnertt (Bießener Famtlienblätter Heimat Bild Die Scholl» Olonats Bezugspreis. Mir 4 'Beilagen NM 1.96 Ohne Illustrierte . 180 Zustellgebühi . -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höhere» Gewalt. Hernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Ziehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzemrAnMger General-Anzeiger für Oberhessen Druck unv Verlag: vrühl'lche Univerfitäls-Vuch- and Stctnönidcrei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schnlltratze 7. Annahme von 4n.tc-^ea für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm Höhe ffi*- Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrift 20" . mehr. Chefredakteur Dr Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil t. D.TH.Kümmel sämtlich in Biegen. Enge Zusammenarbeit zwischen Krankreich und der Kleinen Entente. Beneschs pariser Heise hat das Bündnis der antirevisionistischen Mächte bekrästigt. Paris. 18. De;. (LNB. Funkspruch.) Der tschechoslowakische Außenminister Dr. Benesch Hal es, wie bei all seinen Reisen, auch bei seinem Pariser Besuch nicht an lautester Publizität fehlen lassen. Die Oefsentlichkeit must den Eindruck haben, über alles, was zwischen Lencsch und Paul-Voncour besprochen wurde, ausführlich informiert zu sein. Und doch enthalten diese Informationen wenig neues, so dast man sich fragt, ob mit derartigen Feststellungen der Zweck der Pariser Reise des tschechoslowakischen Außenministers erschöpft war. Was über den Völkerbund. die Abrüstung und Mitteleuropa erklärt wurde, sind Fragen, die schon oft erörtert worden sind. Frankreich und seine Verbündeten sind gegen jede Verfassungsreform des Völkerbundes. sie wollen, dast alle Abrüstungs- Verhandlungen nach Genf zurückführen und sie halten an dem Plan eines zunächst wirtschaftlichen W i e d e r z u s a m m e n - schlusses der Nachfolge st aalen im Dona u r a u m fest. Besonderen Werl legte Paul-Boncour vor der Presse auf die Erklärung, dast die Pariser Besprechungen gegen niemand gerichtet seien. Mit dieser wiederholt abgegebenen Erklärung ist aber der Eindruck nicht aus der Welt zu schaffen, dast in Paris der versuch gemacht wurde, das französische Bündnissystem neu ; u beleben und zu einer Arbeitsgemeinschaft gegen jeden versuch einer europäischen Reorganisation zu entwickeln. Nach Andeutungen französischer Blätter scheint Benesch besonders in der Abrüstungsfrage neue Zusicherungen von Frankreich erhalten zu haben, die sich nicht nur auf die Nichtabrüstung, sondern auf bie RÜstungs- Vermehrung beziehen. Der wahre Eharakter der Besprechungen wird sich jedenfalls am deutlichsten in dem künftig mehr oder weniger demonstrativen Auftreten der Vertreter der Kleinen Entente offenbaren. Dr. Benesch reist heute nach Prag zurück. In französischen diplomatischen Kreisen sucht man die Bedeutung der Pariser Besprechungen mit der Erklärung zu begründen, dast sie über den Rahmen einer tschechoslowakisch-französischen Aussprache hin- ausgingen, da Benesch auch im Namen der Staaten der Kleinen Entente gesprochen habe. Zwei Ergebnisse seien besonders wichtig: Erstens die unverbrüchliche Treue, die Frankreich seinen Alliierten halte, und umgekehrt, zweitens die Tatsache, dast dieses Einvernehmen gegen kein Volk und gegen keine Macht gerichtet sei. Als wesentlicher Faktor wird ferner herangezogen, dast Frankreich sich weiterhin f ü r das Donau-Problem interessiere. Oer englische Standpunkt. Keine neuen Garantien über Locarno hinaus. London, 18. Dez.« (WTB.-Funkspruch.) „Daily Telegraph" schreibt, der britische Botschafter in Berlin, Sir Eric P h i p p s, der im Buckingham- palast zu einer dreioiertelstündigen Besprechung von König Georg empfangen wurde, dürfte heute eine weitere Besprechung mit dem Premierminister und den anderen Mitgliedern des Abrüstungsausschusses des Kabinetts haben und dann die Rückreise nach Berlin antreten. Der Botschafter werde in der Lage fein, dem Reichskanzler darzulegen, welche Bedeutung die britische Regierung seinen letzten Erklärungen beimesse. Er werde ihn darüber unterrichten, in welchen Punkten London mit Berlin übereinstimme und in welchen Punkten London genauere Mitteilungen ober vielleicht eine Abänderung wünschen würde Der Korrespondent betont nochmals, daß die britische Regierung entschlossen sei, ihre eigenen Verbindlichkeiten nicht über Locarno und bie Dölkerbunbssatzung bi naus auszubehnen unb schließt, britische Kreise seien bezüglich der Aussichten der deutsch-französischen Besprechungen entschieden hoffnungsvoller als vor einer -Zöche. — „Morning Post" sagt, die Aufgabe, die sich die britische Regierung gestellt habe, bestehe darin, Frankreich dem deutschen Standpunkt zugänglich zu machen, ohne Frankreich dafür irgendwelche weiteren Garantien anzubieten. Der tschechische Oonauplan Die neue „Großmacht im Donauraum". Paris, 17. Dez. (WTB.) Der tschechoslowakische Außenminister Dr. Benesch entwickelt im „Excelsior" noch einmal den. altbekannten Plan einer wirtschaftlichen Di «anisation d e r Do- nauländer. Pacy seiner Ansicht gehört das österreichische Problem zum großen Pro- krlem Mitteleuropas. Die Donaufrage muß, so schreibt Dr. Benesch, durch die Schaffung einer wirtschaftlichen Mächtegruppierung gelöst werden, die dem wirtschaftlichen Verfall in Mitteleuropa ein Ende setzen würde. Diese Gruppierung hätte die Bedeutung einer Großmacht, in der die Beziehung der einzelnen Teile zueinander auf einer Verständigung und Zusammenarbeit ganz Mitteleuropas aufgebaut wäre. Die natürliche Entwicklung denke ich mir so: Die Kleine Entente besitzt bereits ein politisches Statut. Wir sind jetzt dabei, ihr ein. w i r t s ch a f 11 i ch e s S t a- t u t zu geben. Ich glaube, daß die Verflechtung der wirtschaftlichen Interessen die wirtschaftliche Mitarbeit Ungarns herbeiführen würde. Die politischen Fragen müssen hierbei vorläufig beifeitegelaffen werden. Die nächstfolgende Etappe wird die wirtschaft- schaftliche Mitarbeit Oesterreichs fein. Ein auf diese Weise geschaffenes System wirtschaftlicher Zusammenarbeit würde es ermöglichen, den wirtschaftlichen Zustand Mitteleuropas zu bessern. Die Regelung der politischen Angelegenheiten würde damit erleichtert werden. Jede nationale Einheit öiefes erweiterten europäischen Systems würde ihre Individualität und ihre politische Unabhängigkeit behalten. — Zum Schluß spricht sich Dr. Benesch gegen jeden Versuch aus, bie Gre n ze n gewaltsam zu reoibieren, ba dadurch Krieg, Chaos unb Anarchie heraufbeschworen würben. Er pläbiert für Schaffung „abstrakter" Grenzen mittels einer neuen Auffassung ber regionalen, allgemeinpolitischen unb wirtschaftlichen Beziehungen. Das Leistungsprinzip in der presse Gaupreffechef Wowerieö spricht im Rundfunk. Frankfurt a. M„ 17. Dez. (MSN.) Ueber fünf Minuten Presse sprach ber Führer bes Lan° besoerbanbes Rhein-Main im Reichsverdanb ber beutfehen Presse Gaupressechef Woweries im Runbsunk. Dabei führte er u. a. folaenbes aus: Der äußere Aufbau ber Reichspressekammer ist mit ber enbgültigen Festsetzung von neun Fachschaften zur Erfassung aller im Pressewesen tätigen Volksgenossen oollenbet. Damit ist ber Gebanke Der berussstänbischen Vertretung für bas Pressewesen vollstänbig burchgesührt. Man soll barin ben symbolhaften Ausbruck sehen, daß im nationalsozialistischen Staat durchaus nicht gezögert wird, ber Presse bie für ihre Arbeit notwendige Vorzugs st eUung freizugeben. Sowohl diese Tatsache der Anerkennung der gesamten Presse als auch die ihrer berufsständischen einzigartigen Durchbildung wären ohne die Persönlichkeit des Präsidenten der Reichspressekammer und langjährigen vertrauten Mitarbeiters des Führers, des Parteigenossen Verlagsdirektors A m a n n, so schnell nicht denkbar gewesen. Es kommt ihm nicht darauf an schlechthin zu diktieren, sondern das Grundsätzliche seiner Arbeit liegt ausschließlich in der praktischen Gestaltung einer Synthese zwischen Staat unb Presse. Amann erkennt aus eigenster Erfahrung die ungeheuren Leistungen und Verdienste der nationalsozialistischen Kampfpresse an, scheut sich aber als ebenso strenger wie wohlmeinender Erzieher durchaus nicht, auch heute im Zeichen des Sieges der Parteipresse das Leistungs- prinzip als ausschließliche Voraussetzung der Weiterentwicklung vorzusehen. Es ist somit der parteiamtlichen Presse nicht möglich, sich auf zweifellos verdienten Lorbeeren etwa ausruhen oder ausbreiten zu können. Wie der gesamten nationalsozialistischen Bewegung und wie letzten Endes allem 21 u f ft redenden ist auch der Presse mit dem 13. Dezember in eindeutig klaren Bestimmungen das Schicksalsgesetz gegeben worden, wie es in Hölderlins Dichterworten zum Ausdruck kommt: „Uns ward gegeben, auf keiner Stufe zu ruhen." Es muß dabei einmal gesagt werden, daß im Vergleich zu der bürgerlich-neutralen bzw. nicht parteiamtlichen Presse die nationalsozialistischen Zeitungen sich eines dreifachen Leistungsprinzips befleißigen müssen, der redaktionellen Leistung, der verlagstechnischen Leistung und der betriebstechnischen Leistung: denn es ist ein Unterschied, ob man sich in Ruhe und Frieden einen wohldurchdachten Betrieb einrichten kann ober im härtesten Kampf mit ungeeignetsten Mitteln unb unter größten Schwierigkeiten einen notbürftigen Gefechtsstanb sich schaffen muß. Es ist ein Unterschieb beinahe so groß wie ber etwa zwischen einem Telegraphenamt und einer Jnfanterienachrichtenstelle, ein Unterschied, der sich jedoch nicht auf den Wert der einzelnen Einrichtungen übertragen laßt, im Gegenteil genau so wie die nationalsozialistische Organisation auf allen Gebieten das Rückgrat des öffentlichen Lebens in Deutschland geworden ist. So ist auch die nationalsozialistische Presse heute, morgen und für die ganze Zukunft des nationalsozialistischen Reiches immer unersetzlich. Wenn die nationalsozialistische Presse im Bewußtsein ihrer Bedeutung unb Aufgabe eine Verbreitung im Volke mit Nachdruck betrieb, so hatte darin keine andere Zeitung die automatische Berechtigung zu eilfertigen Beanstandungen unb nicht selten überbesorgten Klagen. Erst als U e b ergriffe immer weitere Uebergriffe auslösten unb untaugliche Elemente s i ch ber Werbung bemächtigten, entstaub ein bringenbes Bebürsnis zur Klärung ber Lage. Die leistungsfähige Presse kann sich nunmehr beruhigt ihren Aufgaben zuwenden, ihre Belegschaft unbesorgt ihren Tagespflichten nachgehen, besonders aber der einzelne Volksgenosse kann nach eigen em Ermessen und persönlicher Freiheit darüber entscheiden, welche Zeitu n g seinem Charakter, seiner Weltanschauung und seinenNeigungen am nächsten steht. Die Namen der in ber Presse an führender Stelle stehenden Persönlichkeiten sind die oberste Gewahr für sicherlich einwandfreie Realisierung allgemeinnühiger unb erfolaver- versprechender Bedingungen zur Pressearbeit. Der Reichsführung der Presse gebührt der Dank des Volkes und die Anerkennung aller Fachleute, das Mittel dazu ist in nationaler Disziplin und aufrichtiger Zusammenarbeit bewiesene L e i - st u n g jeder Zeitung und Zeitschrift. preffearbeit ist Dienst am Volke. Frankfurt a. M., 16. Dez. Arn Samtagvorrnittag fand im Bürgersaal des Rathauses eine Mitgliederversammlung des Zeitungsverlegervereins von Hessen-Nassau unb Hessen statt, ber Reichsstatthalter Sprenger unb ber Führer ber Rhein-Mainischen Presse Woweries, beiwohnten. Der Vorsitzende Traupel gab bie Aenberung bes Namens bes „Zeitungsoerlegervereins von Hessen-Nassau unb Hessen" in „Verein Rhein-Mainischer Zeitungsverleger" bekannt. Diese Namensänberung liege auf ber Linie ber Geschehnisse, wie sie sich seit ber Machtübernahme durch Aböls Hitler eingestellt hätten. Die Rhein-Mainische Presse mache keine Politik, jonbern füge sich ein in ben Rahmen, ber ihr durch ben Führer unb Volkskanzler gezogen sei. Manch kleine Geister glaubten in dem, was sich hier organisch entwickele, etwas zu sehen, das mit dem heute viel, aber meistens fälschlich gebrauchten Ausdruck „R e i d) s r e f o r m" Zusammenhänge. Der Reichsstatthalter sei der letzte, der irgendwie der großen Politik des Führers vorgreife. Bei den Zeitungsverlegern im Gebiet von Rhein, Main und Lahn habe schon immer die Erkenntnis bestanden, daß dieses Gebiet wirtschaftlich und kulturell zusammengehöre. Die heutige Tagung finde in einer Zeit statt, die für das Gebiet der Presse eine neue Epoche einleite. Mit der Schaffung der Reichs-Pressekam- mer sei allen arbeitenden Volksgenossen, soweit ste irgendwie für die Presse ihre Arbeitskraft einsetzen, eine Organisation entstanden, die planmäßig ein Ziel verfolge: die Verwirklichung des Dritten Reiches, die zur praktischen Tat werdende nationalsozialistische Weltanschauung. In absehbarer Zeit werde bie gesamte beutsche Presse nationalsozialistisch sein, wie bas gesamte beutsche Volk ja auch nur noch nationalsozialistisch werbe existieren können. Den nationalsozialistischen Zeitungen gebühre in ber Entwicklungszeit das Primat ber Führung auf bem Gebiet ber Presse. Es sei selbstverständlich, daß die nationalsozialistische Presse sich auch qualitativ an die Spitze zu stellen habe, da im nationalsozialistischen Staat auf d i e Dauer nur bie ßeiftung sich werbe behaupten können. Wenn bei ber bürgerlichen Presse das aufrichtige Bestreben sich zeige, ganz im nationalsozialistischen Staat aufzugehen, dann entziehe die Trägerin des neuen Staatsgedankens, die NSDAP., dem früher abseits Stehenden nicht die Hand. Im totalen Staat werde es am Ende nur eine totale Presse geben. Das Zeitungswesen im Dritten Reich müsse ein Instrument sein ober werben, bas ber Nationalsozialismus spielen könne. Der Vorsitzenbe Traupel legte bann fein Amt mit Rücksicht auf seine Berufung als Lanoeshaupt- mann nieber. Auf Vorschlag würbe bann Verlagsbirektor Gutbrob (Frankfurter Volksblatt) zum V o r s i tz e n b e n bes „Vereins Rhein-Mainischer Zeitungsverleger" gewählt. Der neue Vorsitzenbe bat um bie Unterstützung bei ber Arbeit zum Wohl bes Rhein-Main Gebiets unb des gesamten Volkes. I Das deutsche Volk stehe im Kampf um seine Lebens- 1 rechte. Der Verleger gehöre mit in die vorderste Linie dieser Kampffront. Unsere Führer, darunter auch der Reichsstatthalter, hätten stets darauf verwiesen, daß der gesamte Kampf vergebens sein werde, wenn es nicht gelinge, eine geiftige und seelisch« Umgestaltung des gesamten Volkes durchzu» führen. Neichsstaiihalter Sprenger dankte dann dem seitherigen Vorsitzenden Traupel für seine Pionierarbeit, die er für die Presse geleistet habe, und begrüßte den neuen Vorsitzenden Gutbrod. Der Reichsstatthalter führte dann u. a. aus: In der Entwicklung der gesamten deutschen Presse ist ein vollkommener Umbruch einge» treten. Die Presse hat einstmals mit Recht von sich gesagt, daß sie die siebente Großmacht sei. Aber von jener stolzen Zeit bis zu unserer Zeit hat sich eine Entwicklung vollzogen, die nicht gradlinig war, sondern abwärts geführt hat. Im Zeitalter der lideralistifchen Wirtschaftsentwicklung ift auch das Pressewesen herabgesunken in ben Wirtschaftskampf bis zu bem Punkt, wo bie einzelnen Unternehmungen lebigltd) ihre Aufgabe vom Wirtschaftsstand- punkt aus betrachteten, herabgesunken zum Kampfmittel ber Parteien ber oerschiebensten Richtungen, bie bas nationale Leben zersetzten und zerrütteten. Mit Schrecken denke ich noch zurück, daß gerade in Frankfurt ein Unternehmen war, das bei und nach der Reichsgründung feinen Kampf absolut gegen das Zweite Reich eingestellt hatte. Die Frankfurter Zeitung hat nichts untersucht gelassen, Deutschland und damit dem Vaterlande und dem Volke zu schaden. Wenn man heute dort Zitate nachliest, wie z. B. bei der Entlassung Bismarcks, so sind das Schulbeispiele dafür, wie tief eine solche Presse gesunken oder wie sie mit Bewußtsein Deutschland und das deutsche Volk bekämpfte. In den schlimmsten Jahren, die wir erlebten, der chaotischen Entwicklung auf allen Gebieten des geistigen und wirtschaftlichen sowie des kulturellen Lebens, hat mit Recht einmal ein Mann aus ber Presse, besten Werbegang nicht als sonberlich einwandfrei anzusehen ist, einer anderen Zeitung, dem Berliner Tageblatt, ins Stammbuch geschrieben: „Der Wertmesser für Kraft und Macht ist in unserem Zeitalter das Gel d". Er konnte dies gut sagen, denn seine Ideen und Gedanken waren Gelb und Prosit. Hierzu gesellte sich noch die M a ch t l u st. Diese Machtlust wurde einem Teil der Presse mit zum Verhängnis, denn sie verknüpfte ihr Schicksal mit den Parteien, von denen wir wissen, daß sie letzten Endes schuld waren am Schicksal Deutschlands. Am 30. Januar fanden wir dann zwei Arten der Presse vor, und zwar die Unternehmungen, bie vollkommen befangen waren im lideralistischen Denken unb Hanbeln, bie vollkommen in ber Kiellinie bes alten Systems lagen, unb die logischerweise zunächst einmal das Neue überhaupt nicht begriffen, obwohl sie es jahrelang auf das bitterste bekämpften. Die andere Richtung der deutschen Presse stellten die nationalsozialistischen Kampforgane dar, die unter den unsäglichsten persönlichen und materiellen Opfern ihren Kampf geführt haben. Die Presse unseres Gebietes zum Beispiel ist aus nichts entstanden, ohne Geld unb ohne Macht, benn wo war ber Journalist ober Verleger, ber sich bamals bereitgefunben hätte, auch nur eine Zeile bem Nationalsozialismus zur Verfügung zu stellen. Lebiglich burch bie Opserfreubigkeit einzelner hat sich bie nationalsozialistische Presse im Kamps gegen den Staat unb bie anderen Verleger durchgesetzt. Der Kampf der letzten Monate wird als selbstverständlich hingenommen werden müssen. Die Totalität der nationalsozialistischen Führung und Pol'tik geht an nichts vorüber, also auch nicht an der Presse. Der Präsident der Reichspressekammer hat erklärt, baß die Presse ein In st ru ment ber nationalen Selbsterziehung sein müsse. Damit führt er die Presse wieder Ihrem ureigensten Aufgabengebiet zu. Dienst am Volk ist höchste Aufgabe der deutschen Presse, ist eigentlich der Zweck ber Presse. Lines aber wird verlangt, daß diese Arbeit im Dienst des Volkes sieht, im Dienst ber Volkserziehung, bas ist bie Entwickelung der nationalfozia- li st Ischen Weltanschauung unb Politik. Ich bin der Letzte, ber glaubt, man könne eine Zeitung erhalten, ohne daß ihre wirtschaftliche Grundlage erhalten wird. Es muß selbstverständlich bas Augenmerk darauf gerichtet sein, baß das Unternehmen wirtschaftlich gedeiht. Aber nie wieder darf der Gedanke kommen, daß dieses Instrument hervorragend geeignet sei, der Raff- und Profitgier zu frönen. An Ihnen liegt es, die Presse umzugestaltcn. Man sei nicht der Austastung, das möge in erster Linie Aufgabe der Journalisten sein. Ich bin der Auffassung, baß gerade in d e r W e ch - selwirkung zwischen Verleger und Journalist, in dem Ausgleich des Wollens des Verlegers und des könnens des Journalisten mit ber Erfolg ruht, und damit ist auch die Möglichkeit des Wettbewerbs gegeben. Dieser Wettbewerb muß aber auch die Formen einhalten, die sich au» der Gesamtausgabe der Presse an sich ergeben. Zunächst soll der Wettbewerb in der besseren Lei st ung bestehen. Wenn ber Verein Rhein-Mainischer Zeitungsverleger in ber Vergangenheit schon bestanden hatte, dann wären jene kleinmütigen gehässigen Kämpfe ber ein- Zeinen aneinanbergrenzenden Länder und Stöbt» nicht geführt werden Von Frankfurt n M. aus hak die nationalsozialistische Revolution im Rhein-Main- Gebiet ihren zielrichtigen Weg gefunden. Durch die Absetzung de» Frankfurter Oberbürgermeisters und anschließend der heffischen Regierung im Mär; d. I. wurde die Mainlinie praktisch überwunden. Da» 13oll soll sich nicht mehr sehen als Hessen, al» Preußen, sondern, wie es sich durch den Nationalsozialismus entwickelt hat. Darin soll Ihre Aufgabe bestehen, nun da» gesamte Volk diesem Ziel entgegen Zufuhren Der Vorsitzende Gutbrod dankte dem Reichs- stattholter für seine Ausführungen, worauf die Versammlung ein dreimaliges „Sieg-Heil!" auf den Führer ausbrachte Es folgten dann noch die Besprechung der Bestimmungen des Werberates der deutschen Wirtschaft und die Regelung geschäftlicher Angelegenheiten. Nie Klärung in der presse. Rudolf Heß erklärt die Anordnung über Werbung der Presse für allePartcigcnosscn bindend. München, 16. Dq. (CJtB.) Die die Reich»- presseftelle der NSDAP. milteill, ha« der Stelloer- treler de» Führer» Rudolf heh folgende Verfügung erlassen: Mir liegt die Anordnung de» Präsidenten der Reichspressekammer vom • 13. Dezember 1933 über Fragen de»vertrieb»undderLe;ieher- Werbung, sowie über Reugründungen auf dem Gebiet der presse vor. Zwecks Gewährleistung de» organischen Aufbaues der deutschen Presse im nationalsozialistischen Staat und der lückenlosen Wirksamkeit der Anordnung der Reichspressekammer übernehme ich die Anordnungsür denGe s a m lbere l ch der Partei und bestimme hiermit zu deren Ziffern 2 bi» S.- Alle Parteigenossen, gleichgültig in wel- chen politischen oder wie immer gearteten Organisationen sie tätig sind, sind verpflichtet, dieser über Fragen des Pressewesens erlassenen Anordnung innerhalb ihre» Arbeitsbereich» nachzukommen. Die von dem Stellvertreter des Führers ange- xogcnen Punkte 2 bis 5 der Presseonordnung des Präsidenten Amann vom 13. Dezember erklären eine Verpflichtung zum Bezug bestimm- ter Zeitungen insbesondere durch Anordnungen, Befehle oder Kontrolle, ferner den Liefe- rungszwang bestimmter Zeitschriften durch Einwirkung von Organisationen für unzulässig. Der Punkt 4 enthält das verbot ausschließliche Deröffentlichungsbefugnis für Bekanntmachungen und Nachrichten, Punkt 5 das verbot der Bezieherwerbung nach Listen, bezirksweise oder von Haus zu Haus. (Störungen des Weihnachtsgeschäfts untersagt Berlin, 16.Dez. (1DIB.) Der Reichswirisch a f t» m i n l st e r hat in einem Schreiben an öle Landesregierungen und die Spitzenverbände gebeten, alle Maßnahmen zu treffen, um die ungeflörte Abwicklung de» Weihnachtsgeschäfts sichcrzuskellcn. Diese Anordnung richtet sich vor allem gegen Maßnahmen und Sonderaktionen, die eine Benachteiligung der waren- und Kaufhäuser, Einheitspreis- und Filialgefchäste, sowie nichtarischer Geschäfte gegenüber einzelnen Gruppen des Einzelhandels darstellen. Ohne eine geordnete Abwickelung de» Weihnachtsgeschäft» würden , die betroffenen Teile des Einzelhandels nicht imstande sein, ihren Abnahme-undZahlungsverpslichtun- g c n nachzukommen und weiterhin durch Erteilung neuer Aufträge neue 21 r- beitvmögllchkeilen zu schaffen. Monatlich nur noch ein Kameradschaftsabend für die Beamtenschaft. Braunschweig, 18. Dez. (111.) Auf einer großen Kundgebung der Beamtenschaft des Landes Braunschweig sagte der Führer der Deutschen Beamtenschaft. Reef, er habe ungeordnet, daß künftig im Monat nur noch ein k a m e r a ds ch a s t » a be n d der Fachschaf- t e n abgchalten werden dürfe, um der Gefahr einer Auseinanderorganisierung der Familie zu begegnen, wenn andere Organisationen einen entsprechenden Beschluß fallen würden, könnten sic zur Be h e b u n g berechtigter ft lagen beitragen. Die Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Berlin, 16. Dez. (WTB.) In dem Bericht über die letzte Kabinettssitzung ist mitgeteilt, daß die Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht künftig verschwinden solle. Diese Mitteilung beruht auf einem Irrtum Die Genossenschaften mit unbeschränkter Haftpflicht, von denen es etwa 20 000 gibt, bleiben be ft eben Rur werden bie Unterschiede zwischen der Genossenschaft mit unbeschränkter Haft pflicht und der Genossenschaft mit unbeschränkter Nachschub pflicht b c - jcitigt. Es gibt in Zukunft nur eine Genosien- schäft mit unbeschränkter Haftungsform: das ist die Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. In Fortfall kommt die „Genosien- schäft mit unbeschränkter Nachschub pslicht", die schon bisher keine grohe Bedeutung gehabt hat. Oer Führer der irischen Blauhemden verkostet Westport (Grafschaft Mayo, Irland), 17. Dez. (WTB ) General O' Duffy wurde heute, al» er in der Uniform der Blauhemden in einer Versammlung der gegen be Valero gerichteten Bewegung erfdjicn, verhaftet. Die Der- Haftung ging in aufoerft dramatischer Form vor sich. Mittag» erschien O'Dufsy aus einer groben Blauhemdenverfammlung. Trotz des Reaierunas- Verbote» trug er unverhüllt das Blauhemd. Seine begeisterten Anhänger truaen ihn aus den Schultern jjum Rednerpult Sofort sprangen zwei Poltzeiofslziere hinzu und legten Hand an O Duffy, der energisch protestierte. Alle versuche (einer Anhänger, die Verhaftung zu verhindern, djlugen fehl. O'Dussy wurde, von Blauhemden be- gleitet, nach der Kaserne abgefübrt Die Polizei hatte die ganze Stadt Westpor» umzingelt. Hunderte von berufenen Blauhemden, die der Versammlung beiwohnen wollten, war- bereit» vor der Stadt ungehalten worden O Dusty wird vor ein Militärgericht gestellt werden Schluß der Verhandlung im Reichsiagsbrandstisterprozeß. Der Verteidiger Torglers Or. Sack plädiert auf Fresipruch feines Mandanten. Leipzig. 16. Dez. (WTB.) Am Samstag be- Sann Rechtsanwalt Br« Sack, der Verteidiger des Angeklagten T o r g I e r, mit seinem Plädoyer: Der Prozeß hat gezeigt, daß auch im neuen Staate Adolf Hitlers die Richter unabhängig fein sollen Der Prozeß wird uns zeigen, daß das Wort, das Hitler am 23. Marz gesprochen hot, daß diefer neue deutsche Staat ein Rechtsstaat auf nationalem Boden ist, durch die nachfolgenden Gescheh» nisie geheiligt worden ist. Man hat gesagt, daß ich ein Doppelspiel triebe, daß es mir darauf ankäme, Torgler zu verraten, weil zwei Weltan- schauungen uns trennen, nämlich meinen Klienten, den Äommunften Torgler, von mir, dem nationalsozialistischen Verteidiger. Diese Leute konnten sich nicht oorstellen, daß ein anständiger Nationalsozialist es über sich bringt, anständig, fair, korrekt einen Menschen von entgegengesetzter Gesinnung zu verteidigen. Rechtsanwalt Dr. Sack verliest ein Telegramm, das ihm in der letzten Nacht von dem sogenannten Verteidigungskomitee ^gegangen ist und in dem es heißt: „Antrag des Ober- reichsanwalt» gegen Torgler beweist, daß Sie mit der Führung Ihrer Verteidigung insbesondere mit der Ablehnung jeder politischen Verteidigung Ihren Mandanten an die Anklagebehörde und Regierung verraten haben." Ich habe keine Bedenken, dieses Telegramm damit zu bekräftigen, daß ich sage, ich würde mir selbst als schlechter Verteidiger Torglers Vorkommen, wenn ich alle dem nachgegangen wäre, was man versucht hat, an mich heranzutragen. Alle diese Momente haben, was beabsichtigt war, nicht vermocht: Mißtrauen zwischen dem Kommunisten Torgler und dem nationalsozialistischen Verteidiger zu säen. Dr. Sack befaßt sich bann mit der Möglichkeit der Anwendung der Lex L u b b e. Ihre formelle Der- fassungsmätzigkeit fei zu bejahen. Zweifel bestünden aber über die materielle Derfaffungsmöglichkeil Als Nationalsozialist habe er nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, Gesetze auch kritisch zu prüfen. Die Ansichten darüber, ob der Senat die Möglichkeit habe, solche Gesetze nachzuprüfen, seien geteilt. Der Verteidiger macht bann längere staatsrechtliche Ausführungen über die Grenzen der ver- faffungsgefehegbung, um schließlich ein Prü- fungsrecht über die materielle verfaffungsmögllchkeit der Gesetze zu bejahen. Auch beim Staatsnotrecht müßten die absoluten Schranken des Berfassungs- recht» Geltung erhalten. Dr. Sack erfiärt: Ich habe das unerschütterliche vertrauen zum Reichsgericht. daß es den Anspruch der Volksgemeinschaft auf Vergeltung erfüllen, daß es aber auch dem Angeklagten fein Recht auf ein gerechtes Urteil geben wird. Rechtsanwalt Dr. Sack leitet den zweiten Teil feiner Ausführungen ein mit der Versicherung, er habe Torglers Verteidigung übernommen, als ihm Torgler gesagt habe, daß er am Reichstagsbrand unbeteiligt sei und daß er aus feiner politischen Gesinnung nie ein Geschäft g e m ad) t habe. Als Verteidiger Nörglers fei er nicht Verteidiger der Kommunistischen Partei. Aus dem politischen Charakter dieses großen Sensarionsprozesses ergebe sich ganz von selbst eine Häufung von Fehlerquellen, die dadurch entstanden seien, daß die Vorarbeiten der Polizei zum großen TeU recht unvollkommen geführt wurden. Der Verteidiger verweist in diesem Zusammenhang auf die Erklärung des Ministerpräsidenten Göring, daß der Reichstagsbrand in eine Zeit fiel, in der bie Neugestaltung der vom alten System übernommenen Polizei erst gerade in Angriff genommen war. Der Verteidiger bemängelte, daß man Torgler jeden kleinen Irrtum stark eingekreidet habe, wahrend man dem Zeugen Grothe, einem Wichtigtuer und Tendenzlügner, das Recht zugebilligt habe, sich fortwährend zu widersprechen. Die vom Ankläger angenommene Mittäter- schast Torgler» sei vollkommen auege- schlossen. Unmöglich könne man sagen: Da Torgler zu einer bestimmten Zeit nicht in seinem Bureau gewesen ist. hat er in dieser Zeit den Brand vorbereitet! Das würde eine Umkeh- rung der Beweislast bedeuten. Rach deutschem Strafrecht müsse dem Angeklagten die Schuld nachgewiesen werden, und e» sei nicht umgekehrt die Ausgabe de» Angeklagten, seine Unschuld zu beweisen. Selbst wenn man bie objektive Richtigkeit ber Aussage von Karwahne unb Stroger unterstelle, bann würde daraus folgen, daß am 27. Februar nachmittags Torgler mit Lübbe zusammen gesehen worden ist. Sie können sich über alles mögliche unterhalten haben. Dieser Tatbestand reiche nicht aus, um ein Schuldig festzustellen. Woher wisse der Vberreichsanwolt, daß Torgler von der Tat gewußt hat, baß er sie billige ober teilgenommcn hat? Karwahne sei von der besten Absicht beseelt, die Wahrheit zu sagen, seine Aussage sei aber objektiv unrichtig. Bei ber nächtlichen Aus- sage von Karwahne, Kroger unb Frey auf bem Polizeipräsidium liege ber typische Fall einer wechselseitigen Suggestion unter der Einwirkung einer S°ntation»m"ldmm vor. Au» ber zunächst einheitlichen (Befamtbelaftung de» Angeklagten Torgler sielen dann Frey und Kroger aus. Nur Karwahne blieb übrig. Bei aller menfchsichen Vollkommenheit fei es aber nicht möglich, namentlich angesichts ber Lichtverhältnisie im Obergeschoß des Reichstags, eine solche Wiedererkennung festzustellen, wie sie Karwahne behauptet höbe. Mit Zeugenaussagen vom Schlage des Verbrechers Lebermann brauche man sich nicht aus- einanderzusetzen. Grothe sei zwar unbestraft, aber nach ärztlicher Auskunft ein Pfnchopath mit hysterischem Einschlag. Keine seiner Behauptungen habe her Nachprüfung standgehakten Es lohne sich auch nicht, auf den Komplex der Bekundungen von Kämpfer, Kempner, Singer und Kun zack näher einzugehen Kunzack insbesondere habe die Pru'ung feiner Zeuaenquasität nicht bestanden Der verdacht, daß Torgler in feinen Taschen Brand- material in den Reichstag gebracht habe, fei durch bie «mündliche Beweis rhebuna in keiner Weife be- ftätiot morden Der Oberreichsonmalt Habe die These ausgestellt, da Torgler nicht nachweifen könne, wie er am Branbtog die Zett von 19 bis 20.45 Uhr verbracht hat, wüste angenommen werden, daß er I in dieser Zeil an der Brtmboorberritnng gearbeitet habe. Dazu überreichtder Verteidiger bem Gericht eine Zeittafel, in ber genau ausgezeichnet ist, was in diesem Zeitraum nach den Angaben des Angeklagten und der verschiedenen Zeugen im Reichstag in der Umgebung Torglers geschehen ist. Dadurch werde der genaue Nachweis geführt, daß Torgler in der kritischen Zeit gar nicht in der Lage gewesen wäre, sich mit der Vorbereitung der Brandlegung im Plenarsaal zu befassen. Der Verteidiger schildert da» Verhalten Torgler» nach dem verlassen de» Reichstag, und sagt, ein THann, der eben da» schwere verbrechen der Reichstagsdrandssistung begangen hätte, würde sicherlich nicht in jo langsamem Tempo mit der kränklichen Sekretärin zu Aschinger gegangen sein und dort ruhig und mit so gutem Appetit ein reichliche» Abendessen verzehrt Haden, viele seiner Gesinnungsgenossen, führt Dr. Sack au», Haden nicht zu ihm gestanden. So mancher hat sich eine Rückzugsstellung gesichert. Lr halte nicht» zur Abreise vorbereitet, er be- sah keinen falschen Paß aus der Pahsälscherzentrale. keine falsche Wohnung zum Tarnen. Dieser gute Trottel möchte ich beinahe sagen, mußte hier bleiben, hat sich in seiner Linsältigkeit gestellt und trat für seine Idee ein. Torgler Hal mir gegenüber immer aufrechterhalten, er wisse,' daß er Gott sei dank als Deutscher an diesem verbrechen nicht beteiligt fei. Ich kann mir oorstellen, daß Torgler, wenn es ihm gelungen wäre, von ber Gemeindeschule ein Stipendium zu bekommen, vielleicht entgegengesetzt aus der Verbundenheit zu unserem Staat seine Tätigkeit in Richtung auf die uns jetzt fo befeeü- genbe Volksbewegung geleitet haben würde. Es war ihm aber versagt. Ich kann verstehen, daß ein Mensch von 15 oder 16 Jahren in Bitternis verfällt, wenn er morgens Brätchen austragen mutz, um ein paar Groschen für Vater unb Mutter hin- zuzuuerbienen. Torgler ist bas typische Probukt eines Autodidakten, dem die runde innere Abge- schliftenheit zur 'Berorbeitunp all besten, was auf ihn einbringt, fehlt. Richtig an gefegt hätte dieser Mann für sein Proletariat wirklich viel erreichen können. Ich frage, was denn bie bis ins kleinste gehende gewissenhafte Beweisaufnahme an hochverräterischer Betätigung Torgler» ergeben hat. Ich habe bafür keinen Beweis erbringen sehen. In biefem Prozeß hat ber Oberreichsanwalt d i e Anklage gegen bie brei Bulgaren nicht aufrechterhalten Er hat fein eigenes An- klogegebäude erschüttert. Er bat bamit in bie Einheit des Belastungskomplexes Karwahne, Frey und Kroyer eine Diskrepanz hineingetragen, bie auch für den Angeklagten Torgler von Bedeutung ist. Der Oberreichsanwalt hat gesagt, es fei nicht ermittelt worben, wohin die anderen Tater ver- jchwunden seien. Daraus ziehe ich dcn Schluß, daß man bie Beteiligung anderer, nicht ermittelter Täter nicht strikte ausfchließen kann. Dann kann man aber auch nicht sagen: Da keine anderen gefunden worden sind, muß man Torgler verurteilen. Denken Sie an die Worte de» Ministerpräsidenten (Döring in diesem Prozeß. Al» Torgler seine Unschuld beteuerte. Hat der Tstinifterpräji- dent (Döring ihm geantwortet: „3d) nehme diese Erklärung zur Kenntnis. Aber Ausgabe de» Hohen Gericht» ist e», z u prüfen, ob e • wahr i st !' Damit Hal der Ministerpräsident zu erkennen gegeben, daß er den Rcchlsspruch vertrauensvoll in Ihre Hände legt, stein anderer als unser Führer Hal gesagt: „Möge Gott un» davor bewahren, daß ein Deutscher an diesem verbrechen beteiligt ist." Wit diesem Wunsche werde ich nicht schließen, sondern ich kann sagen, an der Hand dieser minutiösen, bl»^ in» kleinste gewissenhaft durchgeführten Beroei»-' aufnahme ist Golt sei Dank eine» erbracht sue mich, daß dieser Deutsche Torgler gottlob an diesem Reichstagsbrand nicht beteiligt ist. Diese meine innere Ueberzeugung gibt mir vor Ihnen die Berechtigung, die ich verantwortungsbewußt trage, zu sagen: Sprechen Sie den Angeklagten Torgler frei! Oie Replik der Anklagevertreter. Landgenchtsdirekior parisius erwidert bann kurz auf bie Ausführungen Dr. Leus- fette, des Verteidigers van ber Lübbes: bie Ansicht, baß bei Lübbe bie Voraussetzungen des Hochverrats nicht gegeben seien, stehe mit den Feststellungen des Prozesses in Widerspruch. Fest- gestellt sei die Tatsache, daß die Reichstagsbrand- ftiftung nicht von Ludbe allein, sondern von mehreren Tätern begangen worden ist. Für die Frage des Hochverrats sei die Mittäterschaft anderer nicht entscheidend. Selbst wenn Ludbe Alleintäter gewesen wäre, fo wäre er doch des Hochverrate Ichuldig. Dan der Lübbe habe über seine politischen Motive keinen Zweifel gelassen. An die Inbrandsetzung des Reichstags sollte sich nach Absicht Lübbes unmittelbar der bewaffnete Aufstand anschließen. Unter diesen Umständen könne man die Brandstiftung nicht als eine Vorbereitung zum Hochverrat betrachten, sondern als eine Handlung, durch die das Vorhaben des Hochverrats unmittelbar aur Ausführung gelangen sollte. Diesem verbrechen gegenüber sei irgendeine milde Aui- faffung nicht am Platz. OberreichsanVall Dr. Werner erklärt, van der Lübbe hat es sich nicht so gedacht, wie der Verteidiger meinte, daß seine Tat eine gewisse Erregung in her Bevölkerung Hervorrufen und das Thema aufgeregter Stammtischunterhal- tungen bilden mürbe: nein, er wollte mit feiner Tat bie Massen a u f p e i t f d) e n zum unmittelbaren 5) a n b e l n. Noch den neuen strafgesetzlichen Vorschriften kommt allein bie Todes st rase für Die hier abzuurteilenden verbrechen in Frage, auch die rückwirkende Kraft der verschärften Strafbestimmungen ist gegeben. Der Oberreichsanwalt wendete sich bann gegen bie Ausführungen des Rechtsanwalls Dr. Sack. Wenn es richtig ist, daß Torgler wenige Stunden vor der Tat mit van ber Ludbe am Tatort zusammen gewesen ist, wenn außerdem richtig ist, daß Torgler und Lübbe Dies bestreiten, bann ergibt sich daraus notwendig ber Schluß, baß b t e f e beiden zusammen etwas getan haben, was mit dem Brand zusammenhängt. Man würbe es nirgend» verstehen können, wenn man nicht zu ber Annahme käme daß diese beiden über den Brand gesprochen haben. Ich betone nach wie vor, daß ich nicht den mindesten Zweisel darüber habe, daß Torgler subjektiv die Tat al» seine eigene gewollt unb als Mittäter gehanbe11 hat. Rechtsanwalt S e u f f e r t antwortet, nach seiner Auffassung fei die Beteiligung mehrerer Täter an der Brandstiftung nicht f e ft g e ft e 111 worden, es handele sich dabei nur um eine Vermutung. Wenn nach der Vermutung der Reichsantealtfchaft van der Ludbe nicht einen Mittäter, sondern nur Nebentäter gehabt habe, bann könneLubbe für bie Handlungen ber Nebentäter nicht verantwortlich gemacht werden. Rechtsanwalt Dr. Sack beharrt auf dem Standpunkt, daß die Ablehnung der rückwirkenden Kraft von Strafverschärfungen geeignet fei, ber neuen Bewegung bie Rechtssicherheit zu geben. Im übrigen könne er nur nochmals feststellen, baß bie Hauptverhandlung nichts für eine Teilnahme Torglers an einer Ausführungshanblung des Hochverrats ergeben habe. Selbst wenn man glaubt, daß Torgler tatsächlich mit Ludbe im Reichstag zu- fammengetroffen fei, reiche bas nicht aus, um daraus eine solche Teilnahme Torglers zu beweisen. Das letzte Wort der Angeklagten. Am kommenden GamStag Verkündung des Llrteils. Dorsihender: „Ich richte nun an bie Angeklagten bie Frage, ob sie noch etwas erklären wollen." Der Angeklagte oanberßubbe.ber während ber ganzen Sitzung mit tiefgcfenltem Kopf da faß, erhebt sich zögernd und sagt in holländischer Sprache: „Nein, ich habe nichts ist e h r z u jagen." D i m i tr o f f erklärt zunächst, er habe nach § 258 bas Recht, für sich selbst zunächst als Verteidiger unb bann als Angeklagter zu sprechen Vorsitzender: „Sie haben bas Recht auf bas letzte Wort, unb das wird Ihnen jetzt gewährt." Der Angeklagte Dimitroff ergeht sich bann in endlosen Aeußerungen über bie politische Situation zur Zeit des Reichstagsbrandes. Er beteuert immer wieder, daß die KPD. an ber Reichstags- branbftiftung völlig unbeteiligt und uninteressiert sei, unb beantragt schließlich, nach zahlreichen (Ermahnungen des Vorsitzenden, endlich zur Sache zu kommen, ihn nicht mangels ausreichenden Beweises, sondern wegen erwiesener Unschuld fteizusprechen. Als er diesen Antrag auch noch auf Poposs, laneff unb Torgler ausbebnt, unb überdies Entschädigung |ür seine durch den Prozeß verloren gegangene freie Zeit verlangt, entzieht ber Vorsitzende ihm bas Wort. Poposs verliest bann in bulgarischer^ Sprache eine längere Erklärung, die Satz für Satz dom Dolmetscher übersetzt wird. Popofs erfiärt darin, daß er al» bulgarischer Emigrant und Kommunist sichumdiepolitischenDingeinDeutsch- land nicht gekümmert habe, unb an bem Reichstagsbrand gänzlich unbeteiligt fei Er wolle nicht wegen Mangels an Beweisen, sondern wegen erwiesener Unschuld freigesprochen werden Eine Erklärung gleichen Inhalts gibt auch ber Angeklagte Tanesf ab. Der Angeklagte Torgler erfiärt, er wolle nicht burch eine Bcweiswürbigung bas Pläboyer seine» Verteidigers abschwächen, bem er auch hier in ber Oeffentlichkeit fernen wärmsten Dank als Angeklagter unb als Mensch ausspreche. Der Antrag des Oberreichsanwaltes auf lobesftrafe treffe ihn als einen völlig Unschuldigen Ich habe, schloß Torgler, von bem Plan der Reichstagsbrandstiftung nichts geahnt, tonst würbe ich mit allen Kräften diese» wahnsinnige verbrechen verhindert haben, weil diese Brandstiftung nur zu einem fürchterlichen Schlag gegen die KPD. führen konnte. Ich habe diesen Lubde zum ersten Male in meinem Leben am 2& Februar im Polizeipräsidium gesehen Ich bin völlig unschuldig auf diese Anklagebank gekommen unb bitte Sie deshalb um Freisprechung. Senatepräsident Dr. Bänger schließt darauf gegen 21 Uhr die Verhandlung. Die Verkündung de» Urteils erfolgt am Samstag, den 23. Dezember, um 9 Uhr. Professor Oeffauer wieder in Lchuhkaff Frankfurt a. TL, 17 Dez. (MSN.) Die aus München-Gladbach gemeldet rotrb, ist Professor Dr. Dessauer, ber noch Schluß ber Beweisaufnahme im Volksoereins-Prozeß am Freitag aus der Untersuchungsh chft entlassen worben war, nunmehr zum eigenen Schutz wieder in Haft genommen worden Die früher ist er jetzt wieder im Evangelischen Krankenhaus untergebracht, west er wegen schwerer Nöntgenoerbrennung und dadurch notwendig gewordene Operationen ärztlich behandelt werden muß und noch sehr schwach ist. Die Erleichterungen, bie Professor De flauer wegen feinet Zustandes zuteil wurden, werden ihm auch jetzt wieder gewährt. Aus aller Welt Kommunistischer Mörder zum Tode verurteilt. Eines der scheußlichsten Verbrechen aus der Zeit der politischen Verhetzung fand vor dein Cottbuser Schwurgericht nach dreitägiger Verhandlung seine Sühne. Der 21jährige Kommunist Bernhard P i s ch o n, der am 18. Februar 1932 den SA.-Mann Gornatowski erschlagen hatte, wurde wegen erwiesenen Mordes zum Tode verurteilt. Der mit- angeklagte Fritz Sommer erhielt wegen versuchten Totschlags 8 Jahr Zuchthaus. Der Tod des nationalsozialistischen Freiheitshelden hatte monatelang die Oeffentlichkeit stark beschäftigt, weil cs bisher nicht gelungen war, den Mörder ausfindig zu machen. Erst nach der nationalsozialistischen Erhebung konnte man den Täter in der Person des Kommunisten Pischon ausfindig machen. Pi schon legte auch bald darauf ein volles Geständnis ab. 125 Millionen für das Winierhilfswerk. Das bisherige Ergebnis. Etwa 15 Millionen Volksgenossen betreut. Berlin, 17. Dez. (LAB.) Am Sonntagmittag sandte die Fuukstunde Berlin eine Unterredung, die ihr Vertreter Rausch mit dem Reichsleiker des win- terhilfswerkes h i l g e n f e l d t hatte. 3n dieser Unterredung wurden der Aufbau und die Arbeitsweise dieser ganz Deutschland umspannenden Organisation und ihre bisherigen Leistungen besprochen. Ls er- oab sich u. o., daß das Winierhilfswerk etwa 15 Millionen bedürftige Volksgenossen und deren Angehörige zu betreuen hat und daß die bisherigen Leistungen nach dem Stande der letzten Meldungen u. a. folgende sind: Jßr 20 Millionen Mark Kartoffeln, für 52 Millionen Mark Brotgetreide, Mehl und andere Lebensmittel und 20 Millionen Zentner Kohlen im werte von 24 Millionen Mark, insgesamt mit den Bargeldspenden rund 125 Millionen Mark. Bestellte Arbeit. Eine eigenartige Höllenmaschincnaffäre in Saarbrücken. Saarbrücken, 16. Dez. (CNB.) Die sozialdemokratische „Volksstimme" berichtet in großer Aufmachung von einem beabsichtigten Höllen- maschinenattentat auf den Marxistenführer Max Brauns. Die ganzen Umstände des Attentats ind jedoch so verdächtig und eigenartige, daß begründete Annahme besteht, daß Max Brauns die- es Attentat selbst veranlaßt hat, oder es ich um ein Provokateur ft ück handelt. Nach dem Bericht sei ein an die Geschäftsstelle der Arbeiterwohlfahrt gerichtetes Paket in der Wohnung Max Brauns abgegeben worden. Die Sekretärin Brauns habe das Paket geöffnet und zu ihrem Entsetzen festgestellt, daß es eine Steingutflasche mit Sprengstoff und einem elektrischen Zündkontakt enthielt. Als Absender sei auf dem Paket angegeben worden „S. V. 25 Neunkirchen". Der Zündköntakt sei auf dem Transport jedoch gerissen und die Flasche geplatzt, so daß die Maschine nicht hätte explodieren können. Selbstverständlich weiß die „Volksstimme" schon, daß die NSDAP, dieses Attentat veranlaßt habe, in sozialdemokratischen Kreisen spricht man bereits von einem bevorstehenden Verbot der NSDAP, im Saargebiet. Max Brauns hat berreits mehrfach aus Reklamegründen sich interessant zu machen versucht. Vor einigen Monaten z. B. behauptet er, der Gau Pfalz des NSDAP, habe auf seinen Kopf einen Preis von 3000 Franken ausge- fetzt, für die er jeden Beweis schuldig geblieben ist. Das Attentat sollte nun vermutlich dazu dienen, die Saarregierung zu einem Vorgehen gegen die NSDAP, zu veranlassen und zu beweisen, daß die Ruhe im Saargebiet ohne Hinzu- ziehung fremder Truppen nicht aufrechterholten werden könne. Diesen letzteren Beweis zu führen, bemüht sich die Sozialdemokratie schon seit langem. Deutschland, Deutschland über alles ... Wien, 16. Dez. (CNB.) Bei der Eröffnungsfeier einer von der Akademie der Bildenden Künste veranstalteten Ausstellung, an der auch Unterrichtsminister Schuschnigg und Kardinal Erzbischof Innitzer teilnahmen, erhoben sich, als ein Streichquartett die ersten Sätze des Kaiser- Ouortetts von Haydn spielte, plötzlich fast alle Anwesenden von ihren Sitzen und st i m m t e n spontan das Deutschlandlied an. Mini- sterSchuschnigg verließ „entrüstet" seinen Platz, und auch der Erzbischof begab sich aus dem Saal. Der Rundfunk, der die Feier übertrug und dessen lieber- wadjung offenbar heute nicht schnell genug funktionierte, brach die Uebertragung ab, doch zu spät: Das Deutschlandlied war bereits zu Ende gesungen, und die in seinem Gesang zum Ausdruck kommende Willenskundgebung der deutsch fühlenden Teilnehmer an der Feier überall in den österreichischen Landen gehört worden. Keine Bermuna pater Muckermanns ins Reichsministerium für Volksauf- kiärung und Propaganda. Berlin, 16. Dez. (WTB.) Die in verschiedenen Tageszeitungen erschienenen Meldungen, daß Pater Friedrich Muckermann ober Professor He r« mann Muckermann in das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda berufen worben fei, finb unrichtig. Eine solche Berufung ist nicht erfolgt, sie war auch niemals geplant. Es ist auch nicht beabsichtigt, sich der Dienste des Herrn Professor Muckermann ober des Paters Muckermann in sonstiger Weise für das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda zu bedienen. Rudolf Heß spricht am 24. Dezember zu den Ausländsdeutschen. Berlin, 16. Dez. (ERB.) Der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, wird voraussichtlich am Sonntag, 24. Dezember 1933, um 21 Uhr über d i e deutschen Sender zu den Ausländsdeutschen sprechen. Durch diese Ansprache wird deutlich zum Ausdruck gebracht, daß sowohl die deutsche Regierung als auch die mit ihr verschmolzene große deutsche Freiheitsbewegung es für eine Selbstverständlichkeit hält, an dem deutsch e st e n aller F e st e , wo sich die Gedanken der Millionen auslandsdeutscher Volksgenossen noch mehr als sonst an die Heimat und die Lieben daheim ketten, unseren Ausländsdeutschen ein Zeichen treuer Verbundenheit zu geben. von der l.Großhessischen Synode. Volk und Kirche. Auf vielfachen Wunsch veröffentliche ich hiermit den Wortlaut meiner Schluß- ansprache auf der Tagung zu Mainz am 28. November 1933. D. Berck, Präsident. Wir kommen zum Ende der Tagung. Der Grund ist gelegt. Die Kirche des Landgrafen Philipp des Großmütigen, des reformatorischen Fürsten Hessens, ist aus unseliger dynastisch-diktierter Teilung durch Anschluß neuen Landes im Wiedererstehen begriffen und wird durch Beitritt althessischen Gebietes aus dem Marburger und Hinterland, wie wir hoffen möchten, noch erweitert werden. Mit Dank schauen wir zurück auf das. Erreichte, dessen gewiß, daß uns des zu Erfüllenden und zu Erarbeitenden noch viel bleibt, auch in der Verfassung, wenn die Richtlinien der Deutschen Evangelischen Kirche für die Gestaltung der Landeskirchen uns demnächst vorgelegt werden. Mit neuem Vertrauen gehen wir in die Zukunft. Die Treue Gottes mag uns geleiten! Der deutsche Mann und deutsche Christ, dessen 450. Geburtstag wir erst erlebten, und M. Bucer, der Vater des Kir- chengemeindegedankens, mögen uns beim kirchlichen Aufbau im Geiste der großen Geschichte der hessischen Kirche begleiten. Die 62. These an Wittenbergs Schloßkirchentür weise uns Grund und Weg: „Der rechte wahre Schatz der Kirche ist d a s aller- heiligste Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gotte s." Dieses Kleinod der Kirche, das größte, das sie hat, lassen wir uns nidjt verletzen noch verfälschen. „Unsere Religion heißt Christus" — dieses Glaubensbekenntnis eines nationalsozialistischen Führers Deutschlands lassen mir uns nicht wegnehmen. Doch nicht der Christus, der einstmals lebte im orientalischen Lande ober jetzt uns fern ist in einem abgeschlossenen Himmel; vielmehr der Herr und Meister, der in deutscher Zunge zu uns redet und in deutsches Fleisch und Blut verwandelt mit uns geht mb kämpft, wie Gebhardt, Thoma und andere Meister ihn gemalt. Verdeutschtes, eingedeutschtes Christentum, wie Martin Luther es uns lehrt, — das ist das Heiltum, dem wir Kirche bauen, das ist die Reformation, die wir an uns und in uns zu vollziehen, die wir am deutschen Volke fortzuführen haben, die uns deutsche Christenleute hinweist und hineinstellt in die deutsche Welt, aus alle ihre Straßen, Plätze und Felder, ihr zu dienen mit dem Besten, das wir haben, mit dem Evangelium aus reformatorischem 23er- stände heraus, wie echte deutsche Theologie sie lehrt und wahre beutfdje Kirche sie lebt. Also unseren Volksgenossen zu dienen wie Martin Luther seinen lieben Deutschen — das ist uns Kirchenleuten deutscher, evangelischer Art nicht Zwang von außen, nicht kluges Rechnen noch rücksichtelndes Geschäftemachen. „Ich kann es ja nicht lassen, ich muß auch sorgen für mein arm, elend, verlassen, verraten, verkauft Deutschland, als ich schuldig bin meinem lieben Vaterlande" — dies Lutherwort, dies Luther- gewissen gebietet uns, also daß unser kirchlicher Dolksdienst ganz aus dem Innersten kommt, aus der innersten Begnadigung von Gott und seinem Wort und aus der innersten Verpflichtung an Gott und fein Evangelium. Weil wir evangelisch fein dürfen, müssen wir deutsch fein. Also Gott verbunden sind wir v o l k s v erkunden — und können nicht anders. So fügen mir — Gott füge es —: das Beste zum Bau des Dritten Reiches. Der Herr unser Gott lasse uns das Evangelium empfangen und erleben in feiner beseligenden Gnade und Herrlichkeit, auf daß wir das Deutschtum erwerben und verkünden in seiner nationalen, sozialen verbindenden und verpflichtenden Kraft, der Gemeinschaft deutschen Lebens und der Kirche christlichen Glaubens zum Heil, also daß das Volk wieder Kirche und die Kirche wieder Volt werde! Also walte Gott über Volk und Kirche! Er hatte bei einer Schlägerei in dem Dorf Klein- Gaglow bei Cottbus den schwerverletzt am Boden liegenden SA.-Mann Gornatowski mit einem Stein erschlagen. Sommer hatte den SA.-Mann Geselle durch einen Messerstich in den Rücken lebensgefährlich verletzt. Zahlreiche Opfer schwerer Stürme über Nordsee und Ostsee. Der Sturm über dem Kanal hat weitere Menschenopfer gefordert. Vier Seemannslei- ch e n sind an der Küste von Norfolk angetrieben worden. Die Ertrunkenen gehörten zu der Besatzung des englischen Frachtbampfers „Bloomfleet", der Mitte voriger Woche mit einer Ladung von 1000 Tonnen Kohle von Goole nad) Epswich in See gegangen war und seitdem verschollen ist. An Bord befanden sich 13 Mann, die wahrscheinlich alle ertrunken finb. * In einer der letzten Nächte ist der Hamburger Motorsegler „Zufriedenheit" zwischen Darfferod und Ahrenshoop bei einem schweren Schneetreiben mit Windstärke 10 bis 12 in der Ostsee auf einem. Sandriff gestrandet. Das Schiff befindet sich in der Nähe des Leuchtturms Darfferod 300 Meter vom Strande entfernt und bietet einen trostlosen Anblick. Alle Luken sind eingeschlogen. Der Lagerraum, der mit Waschmitteln, Seifenflocken, Zinn und Zink gefüllt mar, ist fast restlos leergespült. Das Schiff war von der Besatzung verlassen und ein Beiboot mit verschiedenen Rettungsringen und Schmimmwesten mar an den Strand getrieben worden. Wenig später mürbe von dänischen Fischern ein Floß zwischen Ahrenshoop und Darsserort gesichtet und nach Warnemünde eingebradjt. Auf dem Floß befanden sich der Kapitän Des Motorseglers, Georg Bahlmann, und der Steuermann N a - gel, die angeseilt und erfroren waren. Bon dem Schiftsjungen Reumann und dem Matrosen Dietrich fehlt jede Spur. Auf dem Floß befand sich ferner ein Sack mit sämtlichen Schifispapieren. Dem Stralsunder Bergungsdampfer Herta gelang es infolge der stürmischen See und des Eisgangs nicht, das Schiff zu bergen. Inzwischen ist ein Hamburger Bergungsdampfer eingetroffen, um die Bergungsarbeiten aufzunehmen. * Auf der Ostsee und im Finnischen Meerbusen herrscht, wie aus Reval gemeldet wird, sehr fernerer Sturm. Bei den Aalandsinseln sind zwei Dampfer untergegangen, wobei elf Seeleute ums Leben tarnen. Vccrndkatastrophe im Moskauer Gpll.-Gebäude. Eine nichtamtliche Warschauer Nachrichtenagentur will in den Besitz eingehender Mitteilungen über eine Brandkatastrophe gekommen sein, wonach das große Zenttaloerwaltungsgebäude der GPU. in Moskau im Innern so gut wie vollständig zerstört worden ist. Zahlreiche Insassen des GPU.-Gefängnisses sollen Dabei umgekommen sein. Die' Katastrophe soll sich bereits am 3. Dezember abgespielt haben. Nach Behauptungen der Agentur sind die Einzelheiten sorgfältig geheimgehalten worden. Von russischer Seite mar bisher weder eine Bestätigung, noch ein Dementi zu erlangen. Das Feuer ist, wie berichtet wird, im Hauptgebäude der GPU. frühmorgens ausgebrochen, konnte aber erst gegen mittag gelöscht werden. Während der Löscharbeiten ertönten Gewehrschüsse aus dem Innern des brennenden Hauses. Ändere Gefangene find in den Flammen umgekommen, da man ihnen den Ausgang ins Freie versperrte. Der Brand ist ausgebrochen im Zusammenhang mit der Säuberungsaktion unter den Funktionären der GPU., die vorn Staatsanwalt Akulow eingeleitet worden war; es sollen über zehn Verhaftungen, vor allem wegen Unterschla- gungsverdacht, erfolgt sein. Die Voruntersuchung hat ergeben, daß der Brand wohl auf diejenigen Beamten der GPU. zurückzuführen ist, die im Hause geblieben waren, um jene Dokumente zu vernichten, die sie hätten kompromittieren können. Großer Bestechungs- und Erpressungsskandal bei der Brüsseler Polizei. Seit einiger Zeit lief gegen mehrere Brüsseler Polizeikommissare eine gerichtliche Untersuchung wegen Erpressung und Amtsmißbrau- ch e s. Nunmehr wurden außer zwei Polizeikommissaren aus Brüsseler Vororten auch der Brüsseler Polizeipräsident Angerhaulen verhaftet. Kurz darauf erfolgte die Festnahme des Polizeivorstehers des 6. Brüsseler Bezirks; weiter ist ein Polizei- kommissar aus Antwerpen in Haft genommen worden. Angerhausen und die übrigen Verhafteten hatten mit einem pensionierten Kommissar, der eine Benzinhandlung eröffnet hatte, ein Abkommen getroffen, ihm gegen eine Provision von 10 v H. Kunden zuzuführen. Sie gingen dabei außerordentlich raffiniert zu Werke. Anzeigen gegen Kraftwagenführer häuften sich in letzter Zeit immer mehr. Den Angezeigten wurde bei der Ausnahme umfangreicher Protokolle zu verstehen gegeben, daß ein aus dem Dienst ausgeschiedener Kollege eine Benzinhandlung eröffnet habe, und daß es ratsam sei, den Brennstoffbedarf dort zu decken. Selbstverständlich tarnen viele Kraftfahrer diesem Verlangen nach. Die Folge war, daß die Protokolle und Strafbesdjeide verschwanden. Auf biefe Weise wurden dem Benzinhändler Hunderte von Kunden zugeführt. Der pensionierte Beamte, Pauwels mit Namen, und seine beiden Söhne sitzen bereits hinter Schloß und Riegel. Der Reichsbund Volkstum und Heimat korporativ der Reichskulturkammcr angeschlossen. Der Reichsbund Volkstum und Hei - m a t hat sich in diesen Tagen korporativ der Reichskulturkammer und den zuständigen Fachkammern für seine sämtlichen Mitglieder angeschlossen. Der Reichsbund Volkstum und Heimat, der von der Reichsleitung der NSDAP, vor wenigen Monaten begründet und mit der Führung der gesamten Volkstumsarbeit im nationalsozialistischen Sinne beauftragt wurde, erhält durch diesen Anschluß sämtliche Redjte, welche mit der Mitgliedschaft der Reichskulturkammer verbunden sind. Für die einzelnen Mitglieder des Reichsbundes Volkstum und Heimat, wie auch für die in den Reichsbund eingeglieberten ober dem Reichsbund angefdjloffenen Verbände und Organisationen entfällt eine weitere Anmelde pf licht, soweit es sich um die durch den Reichsbund geleistete Volkstums- und Heimatarbeit handelt. 2Horb an einer Greisin in Berlin. In Berlin wurde die 74jährige Witwe Ida Krüger unter eigenartigen Umständen erhängt aufgefunden. Die Kriminalpolizei stellte bei der Erhängten eine schwere Schädeloerletzung fest. Auf dem Fußboden und Teppich wurden große Blutspuren und Haare der Frau Krüger gefunden. In der Wohnung der Frau Krüger wurde deren Nachbarin, Frau Frieda Iuchniewicz, angetroffen. Sie will durch die von ihr offen Vorgefundene Korridortür in die Wohnung der ihr güt bekannten Frau Krüger gegangen sein und diese erhängt aufgefunden haben. In ihrem Schreck habe sie die Wohnung nicht wieder verlassen, vielmehr sogar noch die Sicherheitskette vor die Korridortür gelegt. Eine Folge ihrer Aufregung sei es audj gewesen, daß sie auf Klopfen nicht geöffnet habe. Frau Iuchniewicz hat später in ihrer eigenen Wohnung einen Selbstmordversuch —ebenfalls durch Erhängen — unternommen. Sie wurde zur Vernehmung zum Polizeipräsidium gebracht. Die Witwe Krüger ist offenbar ermordet worden. Freigesprochen und — gelyncht. In Amerika ist ein neuer Fallvon Lynchjustiz zu verzeichnen. Der Neger Cord Cheek wurde 5 Kilometer von Columbia in Tennessee an einem Baume aufgehängt aufgefunden. Wie sich herausstellte, ist er gelyncht worden. Der Neger wurde nach mehrwöchiger Untersuchungshaft vom Schwurgericht Nashville von der Anklage, einen An- griff auf ein weißes Mädchen verübt zü haben, frei- gesprochen. Die Täter sind unerkannt entkommen. Ein Schloß bei Garmisch niedergebrannt. Im Schloß Kranzbach bei Klais in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen brach ein Brand aus. Die Tätigkeit der Feuerwehren war durch den starken Frost und durch Wassermangel so behindert, daß das Hauptgebäude völlig niederbrannte. Blutige Sträflingsrevolte in Honduras. In Tegucigalpa (Honduras) kam es im Zuchthaus Trujillo während des Fluchtversuchs einer Anzahl von Sträflingen zu einem Kampf, in dessen Verlauf neun Sträflinge getötet und vier Soldaten verwundet wurden. Dreizehn Todesopfer beim Uebersoll auf ben Trcmssibirien-Lxpreß. Wie zu dem Uebcrfall auf den Trans - sibirien-Expreß bei Tsitsikar ergänzend gemeldet wird, hat sich die Zahl der Opfer bedeutend erhöht. 13. Personen haben ihr Leben einge- büßt, nämlich ein Russe, sechs mandschurische Staatsangehörige, drei japanische Zivilisten und drei japanische Soldaten. 15 Personen, ein russischer So- bat, drei mandschurische Soldaten und elf mandschurische Zivilisten wurden verletzt. Die Zahl der von den Banditen entführten Personen ist nock) nid)t bekannt. Die Nachricht, daß auch ein Angestellter der Skoda-Werke namens Gebauer getötet wurde, konnte noch nidjt bestätigt werden. Hochwasser in Venedig. — 15 Menschen ertrunken. Venedig und Umgebung sind von einer furchtbaren Wolkenbruchkatastrophe heimgesucht worden, in deren Verlauf das Wasser in den Kanälen und Flüssen um fast eineinhalb Meter gestiegen ist und Straßen und Plätze überschwemmt hat. In dem südlich von Venedig an der Lagune gelegenen Ort Chioggia sind 15 Menschen in ben Fluten umgekommen. Rhein und Mosel schwer vereist. Die gewaltige Eisversetzung auf bein Rhein an der Loreley war am Sonntag bas Ziel vieler taufenb Schaulustiger. Cs ist in der Tat ein gigantisches Naturschauspiel. Meterhohe Eisblöcke haben sich an der engsten Stelle des Rheins zusammengeballt, und soweit man blickt, zieht sich eine unübersehbare Fläche dahin. Am Sonntagmittag konnte man schon eine nahezu zehn Kilometer lange Eisfläche bewundern. Das Packeis reicht jetzt nahezu bis an Bacharad) heran. Fortwährend schieben sich die oft bis 100 Quadratmeter großen Eisschollen unter unheimlichem Krachen unter- und übereinander. In diesem Jahrhundert ist es das dritte Mal, daß der Rhein in Eisfesseln liegt; dagegen war es noch nicht zu verzeichnen, daß der Rhein in einer Ausdehnung von zehn Kilometern zugefroren ist. * Die Tatsache, daß bereits vor mehreren Tagen bei Winningen ein schwerbeladenes Fuhrwerk gefahrlos die Mosel überqueren konnte, hatte dem Gemeinderat von Winningen Veranlassung gegeben, für Sonntag ein großes Eissest auf dec Mosel vorzubereiten. Bei herrlichstem Sonnenschein wurde dieses Eisfest zu einem vollen Erfolg. Das Weihnachtshilfswerk des viehhandels. Der Reichsverband des nationalen Viehhandels Deutschlands hat seine Mitglieder zu einem Weihnachlshilsswerk des deutschen Viehhandels aufgerufen. Dieser Aufruf hat schon jetzt einen durchschlagenden Erfolg. Aus dem Be r l i n e r Zentralviehhof wurden in 10 Tagen 1062 Stück Großvieh,' Schweine, Kälber und Schafe angeliefert. Weitere Sendungen sind im Anrollen, so daß man für Berlin mit einer Anlieferung von 1200 Stück im Werte von 180 000 bis 200 000 RM. rechnen kann. Die Schlachtungen Haden Berliner Schlächter freiwillig zugunsten des Winterhilfswerks übernommen. Es stehen bann 2000 00 Pfund Fleisch zur Verfügung. Die Verteilung wird durch das Winterhilfswerk erfolgen. Das in Berlin zur Verfügung stehende Fleisch ift für Berlin sowie für Nord- und Westdeutschland bestimmt. Für das übrige Deutschland sind als weitere Sammel- und Verteilungsplätze bestimmt: Leipzig, München und Stuttgart. 300 000 Mark für das Haus bet Deutschen Kunst. Von der Generalversammlung des Reichsverbandes der Prioatoersicherungen wurde nach einer Meldung der „Münchener Neuesten Nachrichten" beschlossen, dem Haus der Deutschen Kun st einen Betrag von 3 00 000 Mark alsSpende zur Verfügung zu stellen. Die neue Leitung der Berliner liationalgolerie. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Rust, hat ben seinerzeit dem Leiter des Städtischen Museums in Halle, Professor Alvis Schardt, erteilten kommissarischen Auftrag, die 'Jlationalgalerie und das Äronprinzenpalais in Berlin stellvertretend zu leiten, mit dem 16. November für beendet erklärt. Als Direktor der Nationalgalerie und des Kronprinzenpalais wurde der Leiter der Städtischen Kunstsammlungen in München, Dr. Eberhard Hanfstaengl, berufen. Austritt der deutschen Gruppe aus dem Internationalen Penclub. Die deutsche Gruppe des Pen-Clubs hat ihren Austritt aus dem internationalen Pen-Club erklärt, nachdem in der Sitzung des internationalen Exekutivkomitees des Pen-Clubs in London gegen die Stimme des deutschen Delegierten Dr. von Schmidt-Pauli die Aufnahme von kommunistischen Schriftstellern in den Pen-Club als Pflicht beschlossen wurde. Wie weiter verlautet, wird die deutsche Gruppe sich vom internationalen Pen-Club voll und ganz lösen, jedoch, neu konstituiert, sich an die nationalbewußten Dichter und Schriftsteller in anderen Ländern wenden, die bereit sind, unter Wahrung und Achtung der nationalen und volks- Frieden der Welt und den Austausch der geistigen Güter der Nationen zusammenzuarbeiten. Ueberfallkommando macht Jagd auf einen wild gewordenen Bullen. In Weißenfee bei Berlin wurde auf der Charlottenburger Straße ein von drei Schlächtergesellen an einem Strick geführter Bulle, der mit einer Blende versehen war, plötzlich wild, riß sich los, entledigte sich seiner Blende und rannte in Richtung Pankow davon. Arn Kissingenplatz würbe bas wütende Tier von der inzwischen alarmierten Feuerwehr gestellt, der es aber nicht gelang, ben Bullen einjufangen. Der Feuerwehr blieb darum nichts anderes übrig, als das Pankower Ueberfall- fommanbo zu rufen. Inzwischen war der Bulle durch die Prenzlauer Promenade nach Heinersdorf gelaufen. Dod wurde das Tier, ^da es Menschenleben gefährdete, durch mehrere Schüsse getötet. Bluttat bei Gera. In Hartmannsdorf bet Gera fand dec abends nach Haufe kommende Händler Tolle seine 32jäh° rige Ehestau in der Speisekammer ermordet auf. Sie war mit einem Hammer niedergeschlagen worben unb wies außerbem zwei Stichwunden in der Stirn auf. Als der Tat verdächtig wurde der Schmied W u n d r i ch festgenommen, der früher bei den Eheleuten gewohnt hatte und njegen Streitigkeiten zwangsweise aus der Wohnung entfernt worden war. Wettervoraussage Da sich der hohe Druck mehr auf das Festland verlagert und sich weiter verstärkt hat, bleibt bas vorwiegend trockene Frostwetter erhalten. Die durch die nördlichen Störungen herangeführte Warmluft wird nur vorübergehend zu Bewolkungsauszug ober Nebelbildungen führen. Aussichten für Dienstag: Noch Anhalten des Frostes, bewölkt mit Aufklaren, trocken. Lufttemperaturen am 17. Dezember: mittags — 4,4 Grad Celsius, abends —8,2 Grad; am 18. Dezember: morgens —8,5 Grad. Maximum —3,9 Grad, Minimum —10,8 Grad. — (Erbtemperaturen in 10 afl Tiefe am 17. Dezember: abends —6 Grad; am 18. Dezember: morgens —7 Grad Celsius. — Son- ncnscheindauer 3‘Z- Stunden. B 518 Ijvonnes Geheimnis Vornan von Klothilde von Stegmann llrheberrechtsschuh: günf »Türme »Verlag Halle (Saale) 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Irene, die vergeblich versucht hatte, Bertas Redestrom einzudämmcn, mußte laut auflachen. Dabei war ihr gar nicht nach Sachen zumute. Seeburgs Interesse an Yvonne schien ja immer starker zu werden. Aber die Borstellung, die gute alte Berta mit Lippenstift und Schminke hantieren zu sehen, war gar zu drollig. Frau von Merten, die erst begierig zugehört hatte, sand es für richtig, ihre Wurde als Dame zu betonen. „Berta, Sie sollen nicht so über unsere Mieter sprechen. Das schickt sich nicht." „Schickt sich nicht! Schickt sich nicht!" brummte Berta halblaut. „Aber das schickt sich, daß der arme Herr von Seeburg sich an so eine wegwirft. Wo der bloß seine Augen hat, machte ich wissen!-' Sonst würde er sehen, daß es noch andere Menschen gibt, bte sich nicht erst zwei Stunoen lang putzen müssen, bis sie sich sehen lassen können." Irene wußte sehr wohl, daß Bertas Worte auf sie gemünzt waren. Blutiibergossen ging sie in ihr Zimmer. Dort setzte sie sich ans Fenster, starrte trübselig hinaus. Das Herz mar ihr schwer. Sie mußte zurückdenken an den Abend, an dem sie Seeburg kennengelernt hatte. Jenen Abend, da er sie weinend auf der Bank am Tiergarten gesunden hatte! Wie wohl ihr seine ruhige, herzliche Art damals tat. Wie gut hatte er ihr zugeredet und sich ihrer angenommen! Als er dann plötzlich mit dem Vorschlag kam, selbst zu ihnen zu ziehen — was für ein unwirkliches Glucksgefühl war da in ihr erwacht! Irene erinnerte sich jeder einzelnen Sekunde. Wie sie ans Fenster getreten war, nur damit Seeburg ihr Erröten nicht sehen sollte. Eine unsinnige Freude hatte sie empfunden. Und dann war alles ganz anders gekommen! Denn dann war ^oonne Dumont eingezogen. Seitdem hatte Seeburg kein Auge mehr für sie selbst gehabt. Mein Wort, außer dem Notwendigsten und den üblichen Redensarten, war mehr zwischen ihnen gefallen. Machtlos hatte Irene zusehen müssen, wie Seeburg immer mehr in 'floonnes Bann geriet. Und Liebe, wirkliche Liede war es doch nicht, was Yvonne zu Seeburg trieb. Das hatte sie aus jenem eigentümlichen Gespräch zwischen Wassiliew und Yvonne gehört. Wie hatte Doktor Miller gesagt? Jede Beobachtung sollte sie ihm Mitteilen, auch wenn sie ihr noch so unwichtig erschiene. Da wollte sie sich doch morgen gleich mit ihm in Der- I binbung setzen. Tatenlos würbe sie fcbenfaffs nicht zusehen, wenn Seeuurg sich in eine Gefahr begab. War er auch für sie verloren — was sie dazu tun konnte, um zu verhindern, daß ihm etwas zustieße, das sollte geschehen. 10. Kapitel. Berta hatte mit ihren Bemerkungen über von Seeburg den Nagel auf den Kopf getroffen. Seeburg war überglücklich von Yvonne gegangen. Yvonne war reizender und zärtlicher gewesen, als er je erhofft. Daß eine Ehe zwischen ihnen nicht möglich sei, das war ja der Grund gewesen, der Seeburg solange zaudern ließ, Yvonne zu betennen, welchen Eindruck sie auf ihn gemacht habe, daß er sich in Verlangen nach ihr verzehre. Yvonne hatte ihm nur mit einem leisen, spöttischen Lächeln über das Haar gestrichen und ihm geantwortet: „Ch^ri, ist es nicht das Wichtigste, daß wir uns lieben? Ich wurde nie eine Mette fein wollen für einen Mann. Wir sind doch freie, erwachsene Menschen." Seeburg hatte darauf nicht viel erwidert, hatte sie an sich gerissen und ihr Gesicht und ihre Hände mit Müllen bedeckt. „Oh, wie jung du bist und wie stürmisch!" hatte sie ihm zugeflüstert. „Nein, Ch6ri! Du sollst dich nicht in Sehnsucht verzehren. Warte noch, nur eine kurze Weile. Ich liebe dich viel zu sehr, um dir etwas zu versagen." Dann aber hatte sie sich mit sanfter Entschiedenheit frei gemacht und ihn gebeten, zu gehen. Man mußte vermeiden, daß jemand im Hause erfuhr, wie sie beide zueinander standen. „Die stolze Tochter des Hauses rümpft sonst ihr Näschen über mich. Sie kann mich ohnehin nicht recht leiden, die fade Jungfrau Tugendreich. Die Augen würde sie mir ausfraßen, wenn sie etwas von uns beiden ahnte. Da hast du ein Herzchen gebrochen, Ch6ri, ohne es zu merken." Seeburg waren diese ironischen Bemerkungen über Irene sehr peinlich. Er hätte für sie eintreten müssen und fand sich feige, daß er cs nicht tat. Auch später noch, als er allein war und die Geschehnisse des Abends überdachte, fühlte er, daß er verlegen wurde, weil er Irene nicht in Schutz genommen hatte. Seit wann war er so unritterlich? Aber — vielleicht hatte er den ersten schönen Abend nicht trüben wollen? Doch er spürte bald, daß er sich selbst etwas vor- täuschte. Da verscheuchte er seine Gedanken, die Irene galten, wie einen lästigen Bettler. Es war gegen einundzwanzig Uhr, als Yvonne Seeburg verabschiedet hatte. Aber er vermochte es nicht, den schönen Abend einsam in seinem Zimmer zu beschließen. Die Sehnsucht nach Yvonne trieb ihn hinaus. So hatte er sich einen Wagen genommen und war nach Wannsee gefahren, um dort den Rest des Abends zu verbringen. Wie gern hätte er Yvonne mitgenommen! Sie hatte aber für diesen Abend ein Zusammensein abgelehnt. „Direktor Perlain aus Paris will mich heute sprechen. Wir haben uns im Esplanade verabredet. | Dort wohnt er auch. Es kommen wahrscheinlich noch ein oder zwei Kollegen hin. Auch Cucienne Gontard wird da sein. Das ist eine sehr wichtige Sache für nicht. Es kommt darauf an, wer in dem nächsten großen Film die Hauptrolle spielen wird: Lucienne oder ich." „Yvonne, ich wollte dich den ganzen Abend schon fragen", hatte Seeburg gesagt, „in welchen Rollen kann ich dich im Film in den letzten Jahren schon gesehen haben? Je länger ich mit dir zusammen bin, um so mehr habe ich die Empfindung, als hätte ich dein süßes Gesicht schon immer gekannt. Aber nicht so, wie ich es heute sehen darf, froh, beglückt. Es ichwebt mir anders vor. Leidend, mit einem schmerzlichen Zug, verhärmt. Hast du eine solche Rolle gespielt, und in welchem Film war das?" „Ich weiß nicht, welche Rolle du meinst. Aber du kannst mich morgen in meinen Hauptrollen sehen. Direktor Perlain läßt sich eine Anzahl Ausschnitte aus Filmen, in denen ich aufgetreten bin, vorführen. Komm doch auch hin! Dann kannst du mir gleich sagen, welche Rolle du meinst. Hier, nimm meine Visitenkarte. Um neunzehn Uhr im .Esplanade', Saal fünf. Es darf sonst niemand dabei sein. Wenn du sehr nett bist, kannst du mit mir und Perlain dann bei Borchardt zu Abend essen." „Das paßt insofern schlecht, Yvonne, als ich übermorgen früh mit dem ersten Zuge dienstlich nach Brandenburg fahren muß. Wenn ich da so spät heimkomme und schon um fünf Uhr von meiner Wohnung aufbrechen muß —" „Aber das ist doch ein wunderbares Zusammen- treffen, ChtSri! Sleib doch bann die Nacht einfach im Hotel International. Vielleicht wäre es auch für mich praktisch, schon damit du in deiner Ritterlichkeit dich nicht gezwungen fühlst, mich heimzubringen! Ich habe überdies um zehn Uhr schon wieder eine geschäftliche Verabredung im International. Wenn ich gleich an Ort und Stelle bin, kann ich wenigstens ordentlich ausschlafen, dann früh aufstehen, das über- lasse ich gern den deutschen grauen. Und wenn du den Abenden meiner Nähe bist. Ch^ri, bann —" Sie sah ihn mit leibenschaftlichen Augen an. Cin heißes Gefühl der Leidenschaft durchrann den Mann-, aber gleich darauf meldete sich ein peinliches Empfinden, dessen er nicht so schnell Herr werden konnte. Das geheime Versprechen, das Yvonne ihm da gemacht — ob andere grauen auch so handeln würden, wenn sie liebten? Ach was, er war ein schwerfälliger Deutscher und verstand nicht, keck zu- zugreifen, wenn das leichte Glück ihm die Hand bot. Er wollte auch einmal bedenkenlos sein! Aber besser war es, wenn man im Hotel International nicht auf den Gedanken käme, daß er und Yvonne zusammengehörten. * Irene hatte am nächsten Tage Doktor Miller an- gerufen. Der hatte geraten: „Lassen Sie in Ihren Beobachtungen nicht nach, Fräulein von Merten. Es ist ja möglich, daß wir uns unnötige Sorgen um Seeburg machen. Ich bin mit meinen Ermittlungen nicht weitergekommen. Aber irgend etwas steckt da- I hinter, und so ist zu viel Vorficht bester als zu wenig!" Irene war in ihrer Sorge um Seeburg etwa, erleichtert, wenn sie mit Doktor Miller g^procheu hatte. Nun konnte sie an ihre eigenen Angelegenheiten denken. Sie halte von der Beta-Film-Gesellschaft auf ihre schriftliche Bewerbung den Auftrag bekommen, sich bei dem Personalchef oorzustellen. Es wurde eine Privatsekretärin gesucht. Wenn die Stellung und das Gehalt einigermaßen annehmbar waren, würde sie den Posten übernehmen. Sie konnte und wollte nicht langer untätig zu Hause sitzen. Sie mußte Arbeit haben, mußte sich von ihren Gedanken befreien, die ununterbrochen um Seeburg kreisten. Der bärbeißige Türhüter wollte Irene zunächst nicht herrinlassen, ehe er genau wußte, was der Zweck ihres hommens sei. Erst als Irene ihm den Brief, in dem ihr Be- such erbeten wurde, zeigte, gab er den Eingang frei. Er tat es, als ob er allein zu bestimmen hatte, wer das Gebäude betreten dürfe, als ob er damit eine Gnade gewähre. Der Personales, Herr Ritzow, der Irene empfing, machte einen guten Eindruck. Er hatte tadellose Formen und schien ein angenehmer Mensch zu sein. Irene hatte die Empfindung, daß auch sie einen günstigen Eindruck mache Nach eingehender Prüfung sagte Herr Ritzow, der hl feinem ganzen Wesen den ehemaligen Offizier verriet: „Wir wären bereit, Fräulein von Merten, Ihnen den Posten zu übertragen. Ein Probemonat ist bei uns Grundsatz. Das ist allerdings mehr eine Formalität. Wir müssen uns vor all.tn auf Sie verlassen können, daß über die Dinge, die Sie in Ihrer Eigen- schäft als Sekretärin des Herrn Direktor Friedrich erfahren, nicht gesprochen wird. Sie, mein Fräulein, sind ja von Ihrer Tätigkeit bei der Bayrischen Gesandtschaft, die recht gute Auskunft erteilt hat, das als eine Selbstverständlichkeit gewohnt.- Es ist möglich, daß man von der Konkurrenz versuchen wird. Sie auszuhorchen. Das ist in unserer Branche leider nichts Außergewöhnliches. Da müssen Sie natürlich auf der Hut fein. Und auch der Presse gegenüber ist Diskretion geboten. Sie haben ja wohl kaum Fühlung dahin. Auf eines muß ich Sie noch aufmerksam machen, ehe Sie sich binden: Der Ton hier unterscheidet sich leider zu seinem Nachteil in manchem von dem, den Sic von Ihrer letzten Tätigkeit her gewöhnt sind. Er ist — sagen wir — etwas ungenierter. Aber Sie machen mir ganz den Eindruck, (jräulein von Merten, als ob Sie es verständen, jemand in die Schranken zurückzuweisen, wenn der Versuch gemacht würde, diese zu überschreiten. Herrn Direktor Friedrich selbst ist dieser Ton verhaßt, aber sonst — wir können nicht nur auf gute Formen sehen. Sie konnten in dieser Hinsicht bei Direktor Friedrich und mir natürlich auf jede Unterstützung rechnen. Also wollen Sie morgen antreten? Wir bieten Ihnen dreihundertfünfzig Mark; davon geht natürlich Ihr Anteil an den Soziallasten ab." (Fortsetzung folgt.) Die Edeka-Seschäfte gehen wieder 3i Rabatt .füllt die f üdieii imlüäsdiesdirantt Bestecke 7597 A Besonders Da freut „Sie" fleh 7 591 D 6156 D vt wu pm u i vw. n J.-1 Kaisers -Avi^ot 7603 D Id'tctdl'atie, in derSommemachi KOI < KAISERS ™- Jakob Maternus, Klinikstraßs 22 Hans Noll, Ludwigsplatz-Drogerle Hans Noll, Neustadt-Drogerie August Wallenfels, Marktplatz 17 Di« Geburt eines gesunden Gonnlagsmäbels zeigen in dankbarer Freude an Ein Film von Wifi und Humor. W(‘»i»n< und Sommerlnunc Rechtsanwalt Or.Damser und Frau in größter Auswahl. — Echt Silber — WeUner-Silber, 100 Gramm Auflage — Alpaka-Silber, 90 u. 100 Gramm Auflage — Verchromte Bestecke und rostfreier Stahl in mehreren Mustern H. Elges, Hindenburg-Drogerie, Seltersweg Engel-Apotheke A. Hab,ich Gustav Geisse, Seltersweg Richard Grünewald, Bahnhofstraße 27 E. Koch &. Sohn, Parfümeile, Seltersweg Dan gslee lilmtruu ui Ufa-Ton-Woche Heute abend: vM __^eche rlch i en cn. 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