Freitag, (7. November 1935 183. Zahrgang Nr. 270 Erstes Blatt Annaymr von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° . mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für denAn» zeigenteil L D.Th.Kümmel sämtlich in Gießen. Erichetn» tägltd), autzei Lonniaas und Feiertags Beilagen. Die Illustriert» (BieRener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl« Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM^ 1 9b Ohne Illustrierte . 1 80 Zustellgebühr . -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, ßernsprechanschliiss« unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeigcr General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'fche Untversttätr-Vuch- und Stetndruckerei B. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Was will England? Oie deutsch-polnische Aussprache am" b n Sri en «r qan3en Seit zu" g-sähkd-n, zeit an biefem 2anb[lrid) nahm, durchaus b-bmgt uuiiui ucu , ... v. <. ...... mnr imh hn& p« hnhpi hpn pmpnpn Vorteil m Auae reaktionäre Hitler der Witzblätter, der die Arbeiter der Schwerindustrie ausliesert und Hand m H f“r ensinos^ Seinen ®" .s-s Ä? bett „'kitt' LÄ-- * >n Gesetzes. Ein einzi» raölj schwerer be einen Tcha« iacht. ngst wirksame Gewohnheilr- »rutsche Straf- Gedanken von baut. Danach islängüd» von er etwojr/a beging. Ein me Abwehr Miel auf jtbaul Der qinelngeborea ungendte- nft sei die Ge- edrs Gemein- Einzelne auf lheil ver- c Semeiuschast wie ein Bolt rrzicht auf die ein Mitglied und ®eH* ih Seharrllch- tf Seiten der rabrauchbnren yi entfernen. "ÄS ühner Schritt m mia,5 6iS chland aber das Fom Gesetz te Zahl der nheitsoerbrecher te der N-msttt i, die eine S' n, nach verschtt' iu dein gleichen eien, fehl ge- litte wurden N &to6uW’ tbmen. ®'( 1000.11 Ä"-j nur für die ■ Die MebereinsiihMg der MMgenchisbarkeii abl.3amiarl934 Das Menschenfressern gefallen seien. grOSS^Tube 7035 mild, leicht schäumend, ganz wundervoll Im Geschmack verfolgen. Einigung in Washington. Bor dem Bertragsabschlutz zwischen Rußland und Amerika. Washington. 16. Jlov. (121.) Präsident Roosevelt und Auhenkommissar Litwinow erzielten am Donnerstagabend ein Uebereinkom- mcn, das nunmehr alle strittigen Fragen umfaßt. Die beiderseitigen Abordnungen arbeiten zur Zeit einen Vertragsentwurf aus. der voraussichtlich von beiden Seiten gebilligt werden wird. Für den späten Abend ist noch eine weitere Besprechung im weihen Haus vorgesehen. Die Veröffentlichung einer amtlichen Mitteilung sieht bevor. Wettervoraussage. Das Kalttufthoch über Skandinavien hat sich weiter aufgebaut und bewirkt durch seine Südseite in fast ganz Deutschland östliche Winde. Wenn auch durch die Biskayastörung noch warme Luft vorgetrieben wird, wodurch Bewölkung und Nebelbil- dung zustande kommen, so dürfte doch der hohe Druck im wesentlichen die Wetterlage bestimmen. Niederschläge sind daher kaum oder nur in ge- ringem Mähe zu erwarten. Die Temperaturen gehen in aufklarender Nacht wieder unter den Gefrierpunkt zurück und kommen tagsüber nur wenig über Null zu liegen. Aussichten für Samstag: Neblig-wolkig mit Aufklaren, leichter Nachtfrost, meist trocken. Aussichten für Sonntag: W.enig Aende- rung der Wetterlage. Lufttemperaturen am 16. November: mittags 5,9 Grad Celsius, abends 2,3 Grad: am 17. November: morgens 2,7 Grad. Maximum 6,2 Grad, Minimum 1,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. November: abends 3,4 Grad; am 17. November: morgens 2,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer % Stunde. Zwei französische Militärflieger Menschenfressern zum Opfer gefallen. gel nach wie vor jeder Zeuge zu vereidigen ist. Das Gesetz erweitert lediglich die bisher nur auf rein formale Falle beschränkte Ausnahmen und gibt dem Richter eine größere Macht, über die Qualitäten der Zeugen au entscheiden. Der Staat hat nicht die Absicht, sich vor der Lüge zu beugen, aber er fühlt sich sicher genug, auch ohne unnötige Beeidigung von Zeugen Recht sprechen zu können. Aus oder Welt Wiedereröffnung der Vierfchen Klinik in Berlin. In Berlin wurde die alte Klinik-Professor Biers, die fast zwei Jahre lang geschlossen war, durch einen feierlichen Akt, an dem über 300 Ehrengäste teilnahmen, wierdereröffnet. Die Feier wurde vom preußischen Kultusminister R u st im großen Hörsaal des Langenbeck-Hauses mit einer Rede eingeleitet, in der er über die Aufgaben des deutschen Arztes im neuen Deutschland sprach. Der Arzt müsse in tiefer Volksverbundenheit den rechten Weg finden, damit das Volk zu ihm komme. Der Minister übergab sodann die Klinik ihrem neuen Deutschlands unb Polens weiterhin gefestigt, denn unverkennbar sei die Rolle, die der selbständige deutsche Staat Danzig in einer Annäherung beider großen Völker zu spielen habe. Der Verzicht auch nur auf den Gedanken, Gewalt gegeneinander zu gebrauchen, müsse nicht nur in einem ueberein» kommen verankert werden, sondern sich in die Herzen der Nationen eingraben. Das sei die Erwartung, die Danzig nach dieser bedeutsamen deutsch- polnischen Aussprache hege. Sie sei ein Anreiz, die von Dr. Rauschning eingeschlagene politische Linie mit Polen mit innerlicher Zustimmung weiterhin zu Das Gesetz über die Einschränkung der Eide. Berlin, 16. Nov. (TU.) Das Reichskabinett hat bekanntlich in seiner letzten Sitzung u. a. ein Gesetz über die Einschränkung der Eide im Strafverfahren beschlossen. Dieses Gesetz wird für die tägliche Praxis der Gerichte von großer Bedeutung werden. Es ist geschätzt worden, daß imJahr etwa 2 M i l- Honen Zeugeneide in Strafprozessen und Zivilprozessen geleistet werden. Dieses Uebermah hat dazu geführt, daß im Volk das Gefühl für die Bedeutung des Eides verloren gegangen ist. Des- halb bestimmt das neue Gesetz, daß von der Vereidigung in bestimmten Fällen nach Ermessen des Gerichts abgesehen wird. Das Gericht soll nach seinem Ermessen den Zeugen dann nicht zu vereidigen brauchen, wenn der Staatsanwalt, der Verteidiger und der Angeklagte auf die Vereidigung verzichten. Es wird bann angenommen, daß genügende Sicherheit dafür vorhanden ist, daß die Aussage aller beteiligten Personen als wahr gilt. Weiter soll das Gericht von der Vereidigung absehen können, wenn es einstimmig der Meinung ist daß die Aus- sage unerheblich ist und daß auch unter E i d eine andere Aussage nicht zu erwart e n ist. Es soll ferner von dem Eid abgefehen werden, wenn das Gericht einstimmig der Meinung ist, daß die Aussage offenbar unglaubhaft ist unb daß auch unter dem Druck des Eides auf eine wahre Aussage nicht zu rechnen ist. Schließlich wird eine generelle Einschränkung vorgenommen für Privatkl'agesachen und Uebertretungen. In beiden Fällen soll nur dann wenn es unerläßlich ist, die Wahrheit auf diesem Wege an den Tag zu bringen, der Eid abgenommen werden. Damit soll vor allem der Eides- seuche in den Bagatell-Beleidigungsklagen ein Ende gemacht werden. Von zuständiger Seite wird mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß durch diese gesetzmäßige Einschränkung der Eide vor Gericht in keiner Weise etwa der Unwahrheit Vorschub geleistet werden soll Die Bestimmungen sind derart, daß in der Re- fünf und die Oberkriegsgerichte statt mit fünf mit sieben Richtern besetzt. Bei dem gerade in der Wehrmacht besonders aus- prägten Gefühl für Ueberlieferung wird man es auch begreiflich finden, daß an der Jahrhunderte langen Bezeichnung der Gerichte als Kriegsgerichte festgehalten ist. Als besonders erfreuliches Plus dürfte ferner zu buchen (ein, daß das Rechtsmittel der Beschwerde eine weitgehende Einschränkung erfahren hat. Besondere Hervorhebung verdient noch die Neugestaltung der Beweisaufnahme, die es — abgesehen von Beweismitteln, die zur Stelle sind — dem freien Ermessen des Gerichts überläßt, welche Beweise es erheben will. Die Oeffentlichkeit des Verfahrens ist beibehalten. Die Abschaffung dieses, für das Vertrauen in die Rechtspflege geradezu grundlegenden Prinzips oder auch nur die Einrichtung einer auf Wehrmachtangehöriae beschränkten Oeffentlichkeit wäre gewiß für die Volkstümlichkeit der Militärgerichtsbarkeit kein Vorteil gewesen. Im übrigen sind bei der Anpassung an die in neuerer Zeit erfolgten Aenderungen der allgemeinen Strafprozeßordnung nur solche Aenderungen berücksichtigt, die auch unter der neuen Staatsauffassung Bestand versprechen, andere dagegen unberücksichtigt geblieben. Der Standort der Kriegsgerichte. B e r l i n, 16. Nov. (TU.) Don unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß die Kr i e g s g e r i cht e erster Instanz bei den Wehrkreiskommandos eingerichtet werben, also in Königsberg, Stettin, Berlin, Dresden, Stuttgart, Münster und München. Außerdem werden zur Erleichterung der Durchführung des Verfahrens Zweigstellen errichtet in Allenstein, Schwerin, Potsdam, Frankfurt (Oder) und Breslau, ferner in Magdeburg, Weimar, Hannover und Nürnberg. Oberkriegsgerichte werden errichtet beim Gruppenkommando I Berlin und beim Gruppenkommando II in Kassel, Zweigstellen in Königsberg und München. „Petit Journal" in Paris läßt sich aus Dakar (Senegal) melden, daß zwei französische Militärflieger, die Ende Juni d. I. während eines Tornados über Dakar abgetrieben wurden und in Portugiesisch-Guinea notlanden mußten, von dort hausenden Kannibalen ermordet und aufgefressen worden seien. Eine genaue Unter« suchung, die von einem französischen Offizier gemeinsam mit den portugiesischen Behörden m der Gegend von Suzannah an der Mündung des Rio Caches durchgeführt wurde, soll einwandfrei ergeben haben, daß die beiden Flieger noch ^&ten, als sie in der sumpfigen Gegend notlandeten. Die Eingeborenen, Die vernommen wurden, weigerten sich jedoch, irgendwelche aufklärenden Angaben über den Verbleib Der beiden Flieger zu machen. Man habe aber die Gewißheit, daß sie in die Hände von Berlin, 16. Nov. (TU.) Ein gemeinsamer Erlaß des Reichswehr- und des Reichsjuftizministers kündigt die Wiedereinführung der Militärgerichtsbarkeit zum 1. Januar 1934 an. Da Die Wiedereinführung „auf Der Grundlage Der MilitärstrafaerichtsorDnung vom 1. Dezember 1898" erfolgen sollte, konnte eine völlige Neugestaltung nicht erwartet werben. Dies verbot sich auch Deshalb, weil Die Durch Die nationalsozialistische Staatsauffassung geforDerte R e - form Des gesamten Strafprozeßrech- t e s sich zur Zeit noch in Den er ft en 21 n - fangen befindet, ihre Ausgestaltung aber erst ab- gewartet werden muß, bevor sie für das Teilgebiet Des militärischen Strafprozesses nutzbar gemacht werden kann. Als ein besonders glücklicher Griff wird es bezeichnet, daß bei der Besetzung dieser Standesgerichte nicht wieder auf die Vorschriften zurückgegriffen ist, wonach nur Offiziere als Beisitzer mitzuwirken hatten, sondern daß nach altdeutschem Grundsatz hierzu auch Unteroffiziere und Mannschaften herangezogen werden. Daß Die Gerichtsverfassung durch Fortfall der sog. niederen Gerichtsbarkeit (Regimentsgerichte) eine wesentliche Vereinfachung erfahren hat, wird begrüßt werden. Im übrigen ist die Einteilung der Gerichte in Gerichte erster Instanz — Kriegsgerichte — und solcher zweiter Instanz — Oberkriegsgerichte — und in ein Revifions- gericht unverändert geblieben. Die Organisation ist so durchgeführt, daß im Heere bei jedem Wehrkreiskommando eine erfte Instanz (Kriegsgericht) bei den beiden Gruppen- kommandos je eine zweite Instanz (Oberkriegsgericht), in der Marine zwei erste Instanzen je an Bord und an Land und zweite Instanzen beim Flottenkommando und den Stationskommandos gebildet werden. Als Revisionsgericht fungiertdasReichsgericht. Das Rechtsmittel der Berufung wird unbeschränkt zugelassen, dagegen ist die Revision auf bestimmte Straftaten eingeschränkt. Bei Kapitolver- brechen sind die Kiegsgerichte statt mit drei mit Leiter, Professor Magnus. Der Dekan der medizinischen Fakullät, Professor G o ch t, dankte dem Minister für die schnelle Wiedereröffnung der traditionellen Lehrstätte. Geheimrat Prof. Bier sprach gleichfalls seinen herzlichen Dank aus und erklärte, die Wiedereröffnung der Klinik habe ihm die größte Freude bereitet. Professor Magnus bekannte sich sodann zur großen Tradition des Hauses und hielt anschließend einen Vortrag über „Die Entwicklung der Wundchirurgie" seit dem Wellkriege. Die Veranstaltung schloß mit dem Horst-Wessel-Lied. Die (Eingliederung der Dentisten in Den Gefunbheitsdiensi. Der vom Reichsministerium Des Innern bestellte Reichsführer Der Deutschen Dentisten Karl S ch a e f« f e r (SchwanDorf) hatte eine Tagung in Frankfurt a. M. für Die Vorsitzenden der Provinzial- und Landesverbände im Reiche anberaumt, um Die Belange Des BerufsstanDes auf Den GrunDton unD Die GrunDrichtung abzustimmen, wie sie von Der obersten Leitung geDacht find. Hauptgegenstand der Ausführungen des Reichsführers war das kommende Dentistengesetz, durch welches der Stand der deutschen Dentisten und ihre Reichsorganisation eine vollständige Umformung erfahren. Die Reichsleitung Abteilung Volksgesundhell hat eine den praktischen Bedürfnissen der Zahnbehandlung Rechnung tragende Zielsetzung durch den Reichsführer bekanntgegeben. Die Mitarbeit Der Dentisten als GlieD Des Gesundheitswesens unb die Zulassung zu Den Krankenkassen findet gleichfalls eine neue Bearbeitung. Dem Ausbau des gesamten dentistischen Berufsbildungswesens, insbesondere seiner großen Höheren Lehranstalten in Berlin, Dresden, Frankfurt a. M., Karlsruhe, Königsberg, Leipzig, München, wie Der Sonderklassen für Dentistenpraktikanten an Den Berufsschulen in 70 größeren StäDten DeutschlanDs und. Den sozialen Wohlfahrtseinrichtungen Des BerufsstanDes hat Der Reichsführer gleichfalls stärkste FörDerung zuge- sichert. Kaufen Sie! 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Er wurde knabenhaft verlegen, wenn er sich darauf ertappte. „Legen Sie mir einen Zettel auf den Schreibtisch, Lena! Ich werde so zerstreut!" Aber es war nicht Zerstreuung! Es war die Wirkung des Morphiums, die ihm Körper und Geist zer- fraß. Manchmal, wenn sie ihn unvermutet ansprach, schrak er zusammen, mußte sich besinnen, und gab eine verkehrte Antwort. Sie war immer auf der Hut! Immer in Sorg«, es könnte ihm ein Mißgriff in der Praxis passieren. Aber wenn sie dann sah, daß er sich trotz allem wieder hochraffte und Herr seines Körpers und seines Geistes wurde, beruhigte sie sich wieder. Zuweilen besorach sie sich mit Dick. Montrey war so ratlos wie sie selber. „Wann ich wüßt, daß es nicht gar zu schlimm ausfallt, töt ich ihn einmal in denStroß'ngrob'n hineinchauffiern", knurrte er. „So ein kleines Beinbrücheri, meintweaen auch ein großes, daß er an die zehn oder zwölf Wochen zur Er- holung braucht, fönnO gar net schad'n. Dann bringen wir ihn in eine Klinik, dort kann er sich langsam auskurieren." Aber Lena widerriet. Man konnte nicht wissen, wie so ein Wagnis ausfiel. Sie fuhren beide zusammen, als in dem gegenüberliegenden Schlafzimmer Madlens schrilles Organ aufgellte Ein Stuhl flog krachend an die Türe. Ein hysterisches Lachen folgte. — Dann war Ruhe. Aber diese Ruhe war unheimlich. Lena saß halb zusammengeduckt neben Montrey und zitterte an allen Gliedern, obwohl solche Auftritte sich in der letzten Zeit tagtäglich ereigneten, sagten sie ihr doch immer wieder den gleichen Schauder über den Rücken. Die junge Frau nahm sich nicht einmal mehr während der Zeit der Sprechstunde zusammen. Die Patienten hatten erst die Köpfe zusammengesteckt und sich erstaunt in die Augen gesehen. Dann lächelte man. Man tuschelte im Gange und im Treppenhaus. (Eine Woche später wußte die ganze Straße davon und nach weiteren vierzehn Tagen das ganze Viertel, wie es um Dr. Grudes Ehe stand. Wie immer ergriff man Partei für die beiden: die einen für den Mann, die anderen für die Frau! Er war dreiunddreißig Jahre und sie zwanzig! Und er hatte ihre Schwester geliebt! Und auch das klügelte man allmählich heraus: er sollte Morphinist sein! „Schrecklich! Mit einem solchen Menschen in Gemeinschaft leben zu muffen! Kein Wunder, wenn die junge Frau Lärm schlug." Und selber mußte man auch Vorsicht walten lassen. Ein Arzt, der Morphinist war! ... Man konnte nicht wissen, welche Gefahren einem dabei drohten. Grudes Praxis begann sich zu lichten. Er merkte es nicht einmal, war nur froh, endlich etwas mehr Ruhe zu bekommen. Aber Lena konstatierte es mit Schrecken. Richt, weil die Einnahmen zurückgingen, sondern aus Besorgnis um seinen Ruf als Arzt. Vielleicht rüttelt« sie ihn wach, wenn sie mit ihm darüber sprach. Er hörte sie geduldig an und nickte: „Ich weiß schon, Lena, jo! ... Haben Sie noch ein bißchen Geduld mit mir! Es wird ja ohndies nicht mehr zu lange dauern!" Nacht für Nacht lag sie nun schlaflos, biß die Zähne in die Kiffen, um nicht hinauszuschreien und war am Morgen so zerschlagen wie er selbst. Die Praxis machte kaum mehr Arbeit. Dafür häuften sich die Schuldet,. Lena hatte Dick zum Scheine seinen Gehalt aus- bezahlt, weil es Grude so haben wollte. Aber er gab ihn ihr im Geheimen wieder zurück. „Ich kann das nimmer mitansehen, Lena! Ich kann einfach net!" klagte er. „Sie dürfen nicht gehen", beschwor sie ihn. „Er muß jemand haben, der das Letzte verhütet." ,Zs ja eh keine Red vom Gehen", beschwichtigte er. „Ich bleib schon und wann wir miteinander ver- hungern. Aber für das eine kann ich net garantieren, ob ich ,sie' net eines Tages über den jjauf’n knall." Die Lena wußte, wie ernst es ihm war und wagte kaum mehr aus dem Hause zu gehen, wenn sie Dick und Madien allein in der Wohnung wußte. Madien selber aber kümmerte sich um nichts. Sie sand es nur gräßlich langweilig in der engen Begrenztheit ihres Heimes, obwohl Grude jetzt mehr Zeit fand, sich ihr zu widmen. Zuweilen las er ihr des Abends sogar vor. Dann lag sie in den Kissen und ärgerte sich, wenn sein Kopf plötzlich hintenüber glitt. „Wie ein alter Mann", dachte sie gereizt. Dann sah sie nach Christas Bild an der Wand, das sie seinerzeit für ihn erbeten hatte und bekam einen bösen Ausdruck um die Winkel des Mundes. Was hatte er nun schon davon? Was er sagen würde, wenn sie ihm eröffnete, daß die Schwester gar nicht tot sei? Sie empfand eine so grausame Lust, ihm ihren Betrug einzugestehen, daß sie ihn mit offenem Spotte fragte: „Was würdest du tun, wenn Christa lebt«?'; Er schüttelte nur den Kopf und legte ihn müde wieder zurück. „Laß die Toten ruhen, Modlen ..." Was er noch hinzusetzte, konnte sie nicht verstehen, so leise war es gesprochen. Die Tage liefen. Eines Abends, als Grude eben zu einer Schwer- kranke n gerufen wurde, hörte Madien auf dem Flur eine Stimme, die in ein leises Flüstern überging. Es litt sie nicht mehr im Schlafzimmer. Sie mußte wissen, wer es war. Vorsichtig schob sie den Riegel zurück und spähte hinaus. Dor der weißen Gangtoilette stand Rolf und neben ihm eine Dame, die einen schwarzen Schleier von ihrem Haar nahm. Als dieTüre knarrte, wandte die Fremde den Kopf. Ein gellender Schrei klang auf. Madien sprang zurück. Aber Wellenberg hatte bereits den Fuß über die Schwelle gestellt. „Das macht dein schlechtes Ge- wissen", sagte er gleichmütig. „Christa hot mit dir zu sprechen." Feindlich tauchten die Augen der jungen Frau in die der Schwester. Dann machte sie eine Hand- beroegung, die zum Eintreten aufforderte. Wellenberg blieb zurück und hört«, wie sich der Riegel wieder vor die Tür schob. Es war das letzte Mittel, das er mit Dick und Lena, bi« längst in Madlens Betrug eingeweiht waren, zu Grudes Rettung ausgedacht hatten. Christa muß der Schwester ins Gewissen reden. Madien saß auf dem Rand ihres Bettes und sah unsicher zu dem bleichen Gesicht auf, das kaum mehr eine Ähnlichkeit mit dem anderen hatte, das da zu ihren Häupten aus dem breiten Goldrahmen zu ihr herabsah. So schmal und durchsichtig war es geworden. „Was willst du eigentlich von mir?" stieß sie heraus. „Dich fragen, was du zu tun gedenkst, um Felix* Leben wenigstens wieder einigermaßen erträglich zu gestalten?" Madien schob die Brauen zusammen und ihr« Hand flog unwillkürlich hoch. Das war ja beinahe wie eine Vernehmung vor Gericht. Und sie saß doch hier in ihren eigenen vier Wänden. Christa täuschte sich, wenn sie glaubte, daß sie so leicht einzuschüchtern war. Sie sagte schroff: „Wie wir unser Geben eingeteilt haben, geht niemand etwas an! Auch dich nicht! Und so unerträglich wie du dir das vorstellst, ist es wiederum nicht. Daß ich nicht immer bester Laune bin, ist nicht verwunderlich. In dieser Zeit sind alle Frauen so. Das hat mir Felix selbst gesagt. — Außerdem ist es lad), haft, daß du dich in unsere Angelegenheiten mengst. Du irrst, wenn du etwa glaubst, daß mein Mann auch nur eine Stunde der Sehnsucht nach dir gehabt hat. Seit wir verheiratet sind, hat er deinen Namen kaum mehr erwähnt." Und als Christa zusammenzuckte, tat sie noch ein übriges, die Schwester zu verletzen. „Selbst wenn er dich sehen würde, trennte er sich nicht von mir und dem Kinde. Und was ich damals getan habe, das tat ich aus Liebe... Jawohl, aus Liebe!" schrie sie, als der Mund der Schwester sich verächtlich verschob. „Und jetzt?" fragte Christa beherrscht. „Mein Gott, jetzt? ... Man kann sich doch nicht gegenseitig auffressen vor Zärtlichkeit. Und das Um- schmeicheln und Süßtun wie du, das habe ich ni« gelaunt. Wenn du etwa daraus gerechnet halt, daß ich ihn freigebe, so möchte ich dir diese Hoffnung ein für allemal nehmen. — Er bleibt bei mir." Christa ließ den Blick, der durch das Zimmer ge- wanden war, wieder zu ihr zurückkehren. „Du bist abgeschweift", sagte sic ruhig. „Ich habe Beweise, daß Felix neben dir das Leben eines Märtyrers führt. Du hast ihn zu einem Morphinisten gemacht! »eine Praxis hat abgenommen! Rolf sagt, daß er auf dem sichersten Wege ist, zugrude zu gehen. Des- wegen habe ich nicht geschwiegen, daß ich ihn der Verzweiflung in die Arme treibe. Ich habe geschwiegen, um fein Glück zu schonen! — Und das deine!... Aber nun, da es kein Glück geworden ist, habe ich keine Rücksicht mehr zu nehmen. Ich werde auf ihn warten und ihm sagen, auf welche Weise du dir das Recht gestohlen hast, seine Frau zu sein. Wieviel verlangst du, wenn ich ihn von dir lostaufe?" ,»a!...“ Wellenberg, der in Grude» Sprechzimmer am Fenster stand, schrak zusammen, als er diese» häh- sich-hysterische Lachen Madien» hörte. „Was verlangst du?" wiederholte Christa. „Du siebst ihn wohl immer noch?" „Hast du daran gezweifelt?" Und bann geschah das Unerhörte: ... Christa glitt vor der Schwester in die Knie und drückte die gefalteten Hände gegen deren Leib. ,„Had Erbarmen mit ihm." Madien fühlt« die Schwere, mit welcher der schlanke Körper gegen den ihren lag und empfand ein Gefühl erhebenden Triumphes „Da machst du nun ein solches Theater um ein Nichts!" schalt sie ärgerlich. „Was fehlt ihm denn? Er hat doch olle»! Das bißchen Streit, das wir zuweilen mitsammen haben, gibt es doch in anderen Ehen auch. Warum nimmt er auch alles immer gleich so tragisch! Da gäbe es ja gar kein Fertigwerden mit lauter Rücksichtnahme und um Verzeihung bitten. Ich sag«, wie ich's meine, und er soll es auch tun." „Er ist anders als du", verteidigte Christa den Geliebten und streichelt« nun die Händ«, die sich vor ihr zurückziehen wollten. „Du siehst doch selbst, rote er leidet, Madien. Ich vermeinte ihn glücklich . . . und du hast ihn unglücklich gemacht. Ich wollte ihn schonen und habe ihn dem Elend preisgegeben. Ich verkroch mich, seinen Frieden nicht zu gefährden, und du schaffst ihm ein Leben der Hölle Denk doch, wenn er dir eines Tages genommen würde. Kannst du dir das vorstellen, Madien?" Die junge Frau nagte an ihrer Unterlippe. „Mein Gott, an so etwas stirbt man doch nicht gleich. Ich weiß schon, an der ganzen Hetze ist nur Dick schuld. Dick und Rolf. Das ist der Dank, daß ich Montrey im Hause dulde." (Fortsetzung folgt.) ist der Schulweg eine Lust Knabenanzug „Gerhard“, schwere Knabenhose „Kiel“, schwere /*QO Qual., für6 bis 7 J. 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Per Klrchenvorietand der Lukasgemeinde. — Der Vorstand dee fiemelndevereins d.Lnkasgemeindc I Lichtspielhaus • Gießen H Heute Freitag zum letztenmal: Unsichtbare Gegner I Ab Samstag: Theodor Loos und Blee Bieter in I dem herrlichen Kriminalfilm (?OisC Geheimnis des blauen Zimmers I Vorverkauf VON Buchen-, Hainbuchen-, Lichen- und Fichten-Stammhol; aus den Waldungen der Gemeinde Hungen. Aus dem Wege der Submission kommen zum Verkauf: 7017t) Vuchen-Schnitthalz: III. Klasse *15 hn, IV. Klasse 70 fm, V. Klasse 30 km. Hainbuchen-Stämme: II. Klasse 25 fm, III. Klasse 12 fm. Lichen-Stämme: I. Klasse 5 fm, II. Klasse 30 fm, III. Klasse 70 fm, IV. Klasse 40 fm, V. Klasse 5 fm. Fichten-Siämme: la-Klasse 12 fm, Id- Klasse 70 fm, Ita-Klasse 100 fm, Ild-Klasse 30 fm, Ilta-Klasse 10 fm, IIId-Klasse 5 fm. Wirtschaftsjahr 1933: Fichten-, Därr- und windfallholz: ta-Klasse 1,65 fm, Ib- Klasse 3,78 fm, Ila-Klasse 2,68 fm, Ild-Klasse 1,49 fm. Sämtliches Holz wird nach den in Hess. Staatswald gültigen Vorschriften aufgearbeitet und ohne Binde gemessen. Gebote sind schriftlich mit der Aufschrift „Holzverkauf" spätestens bis zum Dienstag, dem 21. November 1933, vormittags 10 Uhr, bei der Bürgermeisterei Hungen «inzureichen, woselbst anschließend die Dehnung der Gebote in Gegenwart erschiene- ner Bieter erfolgt. Die Gebote sind nach Holzarten und Klassen getrennt einzureichen und gelten, falls nicht anders bemerkt, für ungeschältes Holz. Zahlungsbedingungen: je / sofort nach erteilter Genehmigung, 1. Juni, 1. September und 1. Dezember 1934. Bei Barzahlung sofort nach erfolgter Ueberweisung kann ein Nachlaß bewilligt werden. Die Holzmengen sind nur geschätzt, Verschiebungen innerhalb des Klassenanfalls können vorkommen, ein Mehr- bzw. Minderfall von 20 v. H. muß übernommen werden. Auskunft erteilt Förster Bommersheim, Villingen. Hungen, den 10. November 1933. Bürgermeisterei Hungen. Fendt. 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