Nr. 19| Erstes Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 17. August 1935 (Er|d)etnt tägltd), außer Sonntag» und feiertags Beilagen: Die Illustriert, Giehener Famllienblätter Heimat im Dild Die Scholl, monats>Be$ngsprets: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustriert« , 180 Zustellgebühr.. . -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüfse anterSammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Rranffurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drud und Verlag: vrühl'sche UntverfitSkr-vvch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20“, mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr fj.Ibgriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Bietzen. Was geht in der Sowjetunion vor? Stummes Land. — Menschen übergenug. — Die rote Armee muß die Ernte sichern. - Der Fünfjahresplan als Rüstungsplan. Don unserem -Berichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Moskau, im August 1933. Als in den letzten Julitagen 1914 das Gewitter des Weltkrieges unabwendbar schien, und die ersten Regimenter durch Zarenorder bereits einberufen waren, hatte ich auf russischem Boden im Eisenbahnzug eine denkwürdige Unterredung. Ein Generalstabsoffizier verbreitete sich über öie Kriegsaussichten und gab der damals herrschenden Meinung Ausdruck: „Wir werden Deutschland mit unseren Muhen zudectcn, wir werden es überschwemmen mit unseren Soldaten." Auf den Hinweis, daß die deutsche Kriegstechnik vermutlich ungeheure russische Soldatenma sen verschlingen werde, antwortete der Generalstäbler wiederum echt russisch: „Und wenn schon! Bon diesem Dreck haben wir genug — übergenu g!" Menschen, — ja, Men schenmassen haben in Rußland noch nie eine Rolle gespielt. Lind wenn man in Europa den Kopf schüttelt und von Moral und Menschlichkeit spricht, so möge man bedenken, daß das alte Zarenrustland e i n kalb asiatischer Staat war, das; das bolschewistische Rußland sich aber bewußt noch mehr nach Asien hin orientiert hat. Menschenleben? Davon gibt es genug — übergenug in Rußland! Wie es ihrer übergenug in Indien und in China gibt. Zählt man die Zehntausende Chinesen, die eine LIeberschwemmung des (Selben Fsusses verschlingt, die Tausende Inder, die bei den Bombardements ihrer Dörfer durch englische Kriegsflugzeuge in Burma oder sonstwo ums Leben kommen? Lind man will so pedantisch sein, von einer erbarmenswerten Hungersnot in der Likraine zu sprechen? „Wichtig ist nicht, ob eine oder zwei Millionen Menschen umlommen, — wichtig ist, daß die kommunistische 3öce triumphiert". Also sprach der bolschewistische Gott, Lenin. In der Ukraine aber und in Südrußland, im Kaukasus und im Schwarzerde-Gebiet muß zur Zeit ein gewaltiges Geschehen im Gang sein. Muß sein! Denn dem ausländischen Berichterstatter in der Räteunion ist jetzt einSchloß vor den Mund gehängt worden. Was er berichtet, hat er in Moskau „gehört", d. h. kennt es vom Hörensagen, läßt es sich in den seltensten Fällen von den amb llchen Stellen bestätigen ober nennt die unausbleiblichen Folgen, weil er die feststehenden Boraussetzungen kennt. Er ist hellhörig geworden, er hat gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen, er kennt die Bedeutung der sachlichen Strititen, die auch in der Sowjetpresse erscheinen. Und er kann Tatsachen beurteilen. Dieser Tatsachen liegt aber eine Fülle vor. Nur einige seien hier genannt: Das Reiseoer - bot für ausländische Journalisten; die Züge, die mit feldmarschmäßig ausge- rü steten Soldaten seit Tagen durch Moskau rollen. Die Antwort, die ihm auf eine diesbezügliche Anfrage „von zuständiger Stelle" zuteil wurde: „Beschäftigen Sie sich gefälligst mit anderen Dingen ... nun, z. B. mit dem Umbau des Staates"; der Abbruch der Verhandlungen mit den ausländischen Oelsirmen; die ungeheuren, die furchtbaren Ernte- sörgen... Das ist nur Weniges aus dem stummen Lande. Aber es genügt. Auf Sowjetrußland prasseln furchtbare Schicksalsschläge nieder. Es ist unzweifelhaft ein Akt der höchsten Notwehr gewesen, wenn die Kremlregierung sich vor allem Ausland die Blöße gab, das ganze Land gewollt in tiefe Finsternis zu tauchen und jede Berichterstattung zu verbieten. Denn im Kreml fitzen kluge Leute. Sie wissen, daß unweigerlich in vielen Fällen d i e Phantasie dort in Aktion treten muß, wo der eigene Augenschein unterbunden ist. Sie sagen sich aber, daß keine Phantasie an bie Wirklichkeit heranreichen kann. Und deshalb fürchten sie die Phantasie, die außerdem jederzeit „dementiert" werden kann, noch weniger als die Wahrheit. Die Wahrheit aber ist, daß von der diesjährigen Ernte schlechterdings alles abhängt. Wird sie wirklich gut, wie man angekündigt hat, und gelingt es, sie restlos einzubringen, dann kann die Ernährung wenigstens der städtischen Proletarier gerettet werden, — um das Land kümmert sich ohnehin niemand. Gelingt es aber nicht, sie verlustlos einzubringen, so ist ein Rückschlag aus die parteitreuen Arbeiter in den Kollektivwirtschaften sowohl als auch auf die städtischen Proletarier unvermeidlich. Dann — ja, was dann wird, das roaat man heute noch nicht zu erwägen. Und nun rollen Züge mit Soldaten durch die Städte... Werden ganze Regimenter auf Urlaub geschickt? Werden sie zu diesem Zweck mit Handgranaten und Maschinengewehren ausgerüstet? Stimmt es, daß Moskau eine „goldene E r - nährungsinsel" ist? Wo das hungernde Elend aus Hunderttausenden von Gesichtern schaut? Mo man furchtbar elende und verkommene Gestalten auf Schritt und Tritt sieht? Wo das Njedojedanie (ein technischer Ausdruck, etwa „nicht genug essen") an der Tagesordnung ist? Stimmt es, was man er- zählt, sich von Ohr zu Ohr zuflüstert, daß auch das amtliche Büro Intourist seine Rundreise eingestellt hat? Daß die Leichen in der Ukraine nicht mehr beerdigt werden können? Daß dort der Aufruhr förmliche Orgien feiert? „Beschäftigen Sie sich lieber mit dem inneren Umbau der Räteverwaltung", wird einem von „zuständiger Stelle" empfohlen. — Dieser innere Umbau der Staatsverwaltung ist das neue Renommierstück der herrschenden Kommunisten. Es heißt, daß auch die GPU. der neugegründeten Staatsanwaltschaft für die Gesamtunion unter- stellt ist, daß ihr neuer Leiter Akulow ein liberaler Mann (ein und die Gesetzmäßigkeit im Staat, d. h. die Gesetzmäßigkeit in der Rechtsprechung wieder einführen sott. Es soll, wie Krylenko selbst angekündigt hat, nicht mehr Vorkommen dürfen, daß von rund 50 Todesurteilen, die eine lokale GPU. gefällt hat, bei näherer Nachprüfung durch die Staatsbe- Hörden nicht weniger als 48 aufgehoben und die Todeskandidaten glattweg freigelassen werden mußten. Auch für den Diebstahl eines Kohlkopfes, aus Hunger begangen, soll in Zukunft nicht mehr die Todesstrafe verhängt werden. Es soll also anders werden, alles, alles soll anders werden! — Aber wann? in einer grauen Zukunft, in jenem goldenen Zeitalter, wenn es keinen Hunger und kein Elend mehr geben, wenn — bie Ernte eingebracht fein wird. Die gleiche Ernte, die der Bauer nicht einbringen will, derentwegen jetzt Regimenter schwer bewaffneter Soldaten durch das Land rollen. Es ist ein furchtbares Geschehen im Gange. Schläge prasseln auf das arme schwer geprüfte Land nieder. Und dieser Schläge wegen wird das Land in Finsternis getaucht. Denn auch die Gegenschläge können |o besser geführt werden. Dieses Geschehen aber mußte kommen, weil der ganze große A u f • bau plan', der zu Unrecht die ganze Welt durch Jahre in Atem gehalten hat, nicht ein wirtschaftlicher, sondern in erster Linie ein militärischer Plan gewesen ist. Litwinow, der erfolgreiche Außenkommissar, hat feine Errungenschaften bei seinem Aufenthalt in Frankreich (und mit gutem Vorbedacht eben dort!) so formuliert: „Wir sind durch unseren Fünfjahresplan — man mag mitt» schaftlich von ihm denken, was man will — schon sehr stark geworde n". Darin liegt der Kern: wir sind stark geworden! Darin liegen die Leitsätze, die den Plan und das ganze Land fünf Jahre lang vorwärtsgetrieben haben, und sie erklären jede, auch die kleinste Erscheinung in Sowjetrußland. Der Angriff des Kapitalismus, der mit Bestimmtheit kommende, wurde den Massen eingepaukt; zu glauben, wurde ihnen zur Pflicht gemacht; wer nicht glaubte, war Landesverräter. Und unter diesem Motto wurden immer neue Lei st ungen der Bevölkerung erpreßt und immer neue Verzichte und Entbehrungen. Das Wirtschaftliche, das von Litwinow nur im Nebensatz erwähnt wird, hat nur insofern eine Rolle gespielt, als es b e i w A u f - bau der Kriegsindustrie dienlich war. Jetzt ist es soweit. „Wir sind schon sehr stark geworden." Wir haben Tanks in beliebiger Anzahl, wir haben eine ganz hochmoderne Luftflotte von erstklassigen Bombenflugzeugen, unsere Jugend ist militarisiert, die Munitionssabri- k c n arbeiten mit Hochdruck, der Fünfjahresplan als R ü ft u n g s p l a n hat sich bewährt, wir haben im Polarmeer durch den Weißmeerkanal eine neue Basis — und jetzt, ausgerechnet jetzt d.roht das Land zu versagen. Aber im Regletnent der Roten Armee steht geschrieben, sie sei „gegen den äußeren und gegen den inneren Feind" bestimmt. Und deshalb rollen jetzt die Echalons durch die Städte nach den Dörfern der Ukraine und des Kaukasus'. Aber ist denn nur die innere Grundlage gefährdet? — 3m Außenhandelsmonopol glaubte man, bei dem in der Weltwirtschaft herrschenden Tohuwabohu eine scharfe Waffe zu besitzen, um das Lieberspringen des Funkens zu verhindern. Lind diese hat nun jetzt auch getrogen. Die Standard Oil- und die Shell-Gesellschaften sollten hier die Möglichkeit bieten. Es handelte sich um Objekte, die in die Hunderte von Millionen gingen, die Baku und Grosnyj auf Jahre hinaus beschäftigen sollten. Lind diese Verhandlungen haben sich nunmehr zerschlagen. Wieder einmal hat sich der Stacheldraht des Außenhandelsmonopols nicht als Schuh-, sondern als Abschreckungsmahnahme erwiesen, die Amerikaner und Engländer wollen nicht. Dieser Schlag kann sich als einer der schwersten erweisen, der die Union je getroffen hat. Das Land ist aber in Finsternis gehüllt. Lind gegen den Bauern knattern Maschinengewehre. Bezeichnende Vorgänge in Malmedy. Brüssel, 16. Aug. (ERD.) Fünfvonacht Mitgliedern der sozialdemokra tischen Parteileitung in Malmedy sind aus der Partei ausgeschicden und — wie die E toi le Beige wissen will — zurRSDAP. ü b e r getreten. Der Bruch entstand, weil zwei sozialdemokratische Parteiführer aus Malmedy eine Gruppe Ferienkinder nach Deutschland begleitet hatten, obgleich die Verschickung von Ferienkindern nach Deutschland im Rahmen der sozialdemokratischen Boykottpropaganda von der Brüsseler Parteileitung ausdrücklich verboten worden war. Als die Partei Maßnahmen ergriff, erklärten sich noch drei andere Malmedyer Sozialdemokraten mit ihren beiden Parteifreunden solidarisch und verliehen die Partei. Zwei von den fünf ausgeschiedenen Sozialdemokraten besitzen Gemeinderatsmandate, so daß die RSDAP., wenn der Liebertritt tatsächlich erfolgen sollte, demnächst im Gemeinde- rat von Malmedy vertreten wäre. ©cr deutsche Bürgermeister von Marienbad nicht bestätigt. Prag, 16. Aug. (WTB.) Das „Prager lagbla tt" berichtet, daß dem deutschnationalen Bürger- meister von Marienbad Dr. Hans Turba ein Bescheid des Innenministeriums zugestellt wurde, daß leine Wahl zum Bürgermeister nicht bestätigt wird. Gründe für diese Maßnahme werden nicht angegeben. Turba war der Einberufer der letzten Die „Enthüllungen Eine Stellungnahme der Landesleitung Oesterreichs. Berlin, 16. Aug. (ENB.) Die Landesleitung der NSDAP. (Hitler-Bewegung) Oesterreichs teilt zu den „Enthüllungen" der „Reichspost" folgendes mit: 1. Für die Leitung der nationalfozialiftischen Politik in Oesterreich ist allein die Lundesleilung zuständig und verantwortlich. Infolgedessen sind alle Behauptungen, wonach das Außenpolitische Amt der NSDAP. Weisungen nach Oesterreich gegeben habe, von vornherein unzutreffend. 2. Die Landesleitung hat seit ihrer Verlegung nach München keinerlei Beziehungen mit der deutschen Gesandtschaft in Wien unterhalten. Insbesondere hat sie weder Auftrag noch Kenntnis davon erhalten, daß auf dem Wege über bie Gesandtschaft Privat- oder Parteipost befördert wurde. Der von der „Reicbspost" erwähnte Königlich Albanische Konsul E. Grosch in Frankfurt a. M. ist der Landesleitung völlig unbekannt. 3. Ebensowenig bekannt sind der Landesleitung die zum Abdruck gebrachten Denkschriften und Memoranden über wirtschaftspolitische Maßnahmen gegen Oesterreich. Abgesehen davon vermag sie übrigens in diesen nicht das mindeste für die Partei Belaste n d e zu erblicken, nachdem ihr derartige Vorschläge und Anregungen unaufgefordert nicht nur vereinzelt, sondern zu Dutzenden Tag für Tag aus allen Teilen Oesterreichs zugehen als Arbeiten von Privatpersonen und Wirtschaftlern, die damit der Bewegung einen Dienst zu erweisen glauben. 4. Die Behauptung, daß im Lager Lechfeld eine aus Oesterreichern gebildete bewaffnete Truppe zum Zwecke des Einfalls nach Oesterreich aufgestellt werde, ist vollendeter Llnsinn. Richtig ist lediglich, daß die groß: Z:hl a s Ocsterreich g.flüch eter Mitglieder der RSDAP., soweit sie sich nicht selbst erhalten können, in Arbeitslagern zusammengestellt werden, um zu verhindern, daß sie planlos und hilflos im Lande umherirren. 5. Mit diesen Feststellungen erledigen sich alle von der „Reichspost" gezogenen Schlußfolgerungen und Kombinationen. Sitzung des Deutschen Dolksrates, die mit der Ab- fingung des Horst-Wessel-Licdes endete. Ist Schulabbau Vereinfachung der Verwaltung im Sinne des Gesetzes? Berlin, 16. Aug. (VDZ.) Rach den neuen Deamtengesetzen des Reiches können Beamte auch zur Vereinfachung der Verwaltung in den Ruhe st and verseht werden, selbst wenn sie noch nicht dienstunfähig sind. Wie daS VDZ.-Büro aus Kreisen der deutschen Kommu- nalverwaltung hört, ist man bei den Kommunen der Auffassung, daß diese Bestimmung auch die Möglichkeit gebe, Lehrpersonen in den Ruhestand zu versetzen, um Schuleinrich» tungen abbauen oder verkleinern zu können. Da es sich hier um eine Frage von erheblicher grundsätzlicher und praktischer Bedeutung handelt, hat der Deutsche Gemeinde t a g an die Reichs- und an die preußischen Zentralbehörden die Ditte gerichtet, eine Entscheidung dahin zu treffen, daß der Abbau oder die Einschränkung von LInterrichtsanstalten ebenfalls eine Maßnahme zur Vereinfachung der Verwaltung im Sinne der neuen gesetzlichen Bestimmungen ist. "der „Reichspost". Eine weitere Erklärung des Außenpolitischen Amtes der NS0AP. Berlin, 16. Aug. (ENB.) Das Außenpolitische Amt der NSDAP, teilt mit: Die von uns erwähnten „Enthüllungen" der nunmehr im Original vorliegenden Wiener „Reichspost" geben angebliche Briefe über bie deutsch-österreichische Politik und wirtschaftspolitische B e • trachtungen wieder. Wir können nochmals feststellen, daß diese Briefe nichtausdem Außen- politischen Amt der NSDAP, stammen. Bis zur Klärung der unseren Parteigenossen Erwin Schneider und Hans von Ditz zugeschriebenen Privatbriefe sind die beiden Parteigenossen vom Außenpolitischen Amt der NSDAP, beurlaubt worden. Neue Kampsmaßnahmen der Regierung Dollfuß. Berlin, 16. Aug. (TL1.) In einem fast neunstündigen Ministerrat wurden zwei Verordnungen beschlossen, die von erheblicher politischer Be- deutung sind. Die eine Verordnung ändert das Bundesgesetz über Erwerb der Landes- und Dun- desbürgerschaft dahin ab, daß diejenigen mit dem Verlust der Landes- bzw. Bundesbürgerschaft zu rechnen hoben, die imAus- lande ö st e r r e i ch f e i n d l i ch e Handlungen unterstützen, fördern oder sich zu diesem Zweck ohne Ausreisebewilligung i n d a s Aus land begeben, falls eine solche Ausreisebewilligung nachzusuchen ist. Bekanntlich ist jetzt insbesondere auch für das Deutsche Reich eine solche Ausreisebewilligung vorgeschrieben. Ferner kann auch bei diesen Personen auf Beschlagnahme und Verfall des Vermögens erkannt werden. Eine weitere Verordnung beschäftigt sich mit der Möglichkeit und der Durchführung des Verfalls von Vermö- gen politischer Parteien, deren Betätigung in Oesterreich verboten ist. Solche Parteien sind die RSDAP. und die Kommunistische Partei. In Innsbruck wurden in der Vorwoche Oberleutnant von Lützow und der Zeitungsbeamte Q u i r 5 f e I b an Stelle unbekannter Täter wegen jMalens von Hakenkreuzen zu fivoen Neue Wege im Eisenbahn-Verkehr. Generaldirektor Kleinmann über seine Pläne. Berlin, 16. Aug. (ENB.) Der neuernannte stellvertretende Generaldirektor der Reichsbahn Klein- m a n n erklärte im „Angriff" über seine Pläne und Ziele u. a.: Unser erstes Ziel wird sein, i m Personal wieder Puhe und Vertrauen zur Hauptverwaltung herzustellen. Es bestehen heute noch gewisse Härten, die in den nächsten Wochen ausgeglichen werden sollen. So gibt es Unterschiede zwischen den Bestimmungen der Personalordnung und den allgemeinen Bestimmungen über das Reichsbeamtentum, deren Beseitigung von Neichsbahnerjeite in dem Ruf „Zurück zum Reich" gefordert wurde. Der Personalausschuß wirb dafür Sorge tragen, daß vor allen Dingen d e r - VielrtfFrvntckStnpser A r b ei t und Brot finden. Ferner soll eine bedeutende Verjüngung des Personalbestands eintreten. Der damit nötig werdende Abbau älterer, vor allem höherer Beamter wird vielleicht dazu beitragen, den leider zum Teil immer noch herrschenden Klassendünkel endlich zu beseitigen. lieber die sachlichen Ziele äußerte sich Generaldirektor Kleinmann: „Auf sachlichem Gebiet wird mein erstes Ziel sein, Schiene und Landstraße für die Verkehrsbedienung in Einklang zu bringen." Der Z u b r i n g e r o e r k e h r sowohl für Güter als auch für Personenbeförderung muß in weitgehendem Maße durch das Auto ausgenommen werden. Für hohe Dauergeschwindigkeit aus langen Strecken ist die Eisenbahn geeigneter. Der Mas seng i^terverkehr bleibt immer der Bahn erhalten. Die Einrichtung der Oberbetriebsleitung brachte eine Steigerung derReise - geschwindigkeit um etwa 50 v. H. So brauchte z. B. noch 1924 ein Eilgüterzug Köln— Berlin 36 Stunden, durch bie Organisation der Oberbetriebsleitung ist diese Fahrzeit auf 14 Stunden gesunken. 11. a. sind durch diese Stellen Nachtverbindungen geschaffen, die in einer Nacht 3 0 0 Kilometer bequem bewältigen können. Wird das Gut abends aufgegeben, so muß es am nächsten Morgen 300 Kilometer weiter zur Verteilung zur Verfügung stehen. Das bedeutet eine Mindestreisegeschwinbigkeit in Zukunft von 45 bis 50 Kilometer, also eine Streckengeschwindigkeit von mindestens 65 Kilometer in der Stunde. Wirtschaftlich kann das jedoch nur durchgeführt werden mit Hilfe eines organisierten Zubringer- und Derteilerdienstes und durch kleine Transporteinheiten. Die großen Erfolge, die man mit der Betriebsleitung beim Güterverkehr gehabt hat, waren Veranlassung, die Tätigkeit der Oberbetriebsleitung auf den Personenfern- verkehr auszudehnen. Das bedeutet eine Wei tere Beschleunigung der Reisegeschwindigkeiten im Perfonenfernverkehr. Tagen 21 r r e ft und 250 Schilling Geldbuße für die Heimwehrhilfskasse verurteilt. Da sich die beiden nicht zum Strafantritt meldeten und ihr Aufenthalts, ort auch nicht ausgekundschaftet werden konnte, wurden nun an ihrer Stelle kurzerhand der Innsbrucker Arzt Dr. Fritz Lantschner, der Vater der bekannten Skiläufer Fritz und Guzzi Lantschner, verhaftet und zur sofortigen Strafverbüßung eingeliefert. Oie Eröffnung der Zunlausstellung im Rundfunk. Berlin, 17. Aug. (CNB. Funkspruch.) Wie die Pressestelle der Reichsrundsunkgesellschaft bekanntgibt, wird man bei der Uebertragung der feierlichen Eröffnung der 10. Funk- ausstellung in Berlin durch Reichsminister Goebbels, die am Freitag, 18. d. M., 11 Uhr, erfolgt, unter dem Motto: „So schwingt des Dritten Reiches Herzschlag durch den deutschen Raum" einen völlig neuen Weg der Rundfunkberichterstattung einschlagen. Auf den bisher üblichen beschreibenden Hörbericht des Rundfunkreporters wird man verzichten. Die Hörer sollen an ihren Lautsprechern das Ereignis als künstlerisch geformtes Hörerlebnis erleben, genau so, wie es die Ausstellungsbesucher erleben. Kein Ansager schildert, was vorgeht. Statt dessen wird die Feier durch Wechselgespräche zwischen Rufern und Chor, die der Ansprache des Ministers vorangehen und ihr folgen, zu einer akustisch sorgfältigen Hördarbietung ausgestaltet. Aus aller Welt. Zwei Hitlerjugendführer tödlich verunglückt. Ein schweres Motorradunglück ereignete sich, wie aus Chemnitz gemeldet wird, auf der Straße von Elterlein nach Scheibenberg. Die beiden unverheirateten Lehrer Löpzbein und Brückner aus Crottendorf, die beide der NSDAP, angehören und als Führer der Hitlerjugend im ganzen Bezirk bekannt sind, stießen auf einer Dienstfahrt mit einem Landpostkraftwagen zusammen. Sie mürben beide von der Maschine geschleudert und so schwer verletzt, daß sie auf der Stelle tot waren. Kraftwagen in einen Abgrund gestürzt. Bei der Rückkehr vom Stilfser 3och stürzte ein Mailänder Kraftwagen, der mit vier Personen beseht war, in einen von einem Wildbach durchflossenen Abgrund. Einer der 3nsassen konnte sich noch durch Abspringen retten. Die drei anderen Insassen des Wagens verschwanden in dem Abgrund. Die Nachforschungen waren bisher ergebnislos. Man nimmt an, daß die Verunglückten durch das Wasser fortgeschwemmt wurden. Anwetter über Rorditalien. 3n den letzten Tagen wütete über Rordostitalien mit Ferrara als Zentrum ein außerordentlich heftiger Sturm, der von Hagelschlag und Gewittern begleitet war. Der Sturm fällte Bäume, deckte Häuser ab und stürzte Mauern und Telegraphen-Stangen um. Der Verkehr der elektrischen Dahnen und die Telephonverbindungen waren aus lange Zeit unterbrochen. Der Sachschaden ist sehr bedeutend. Auch im übrigen Oberitalien gingen heftige Gewitter nieder mit einem starken Rückgang der Temperatur, die in den letzten Tagen in Mailand beständig 35,5 bis 36 Grad im Schatten aufwies. Wettervoraussage. Obwohl von der Biskaya her sich Barometeranstieg bemerkbar macht, ijt ein Stillstand der Störungstätigkeit vorerst nicht zu erwarten. Wohl setzt vorübergehend Aufheiterung ein, doch wird das Tiefdruckgebiet im Raume zwischen Island und Irland, das n Energie erheblich gewonnen hat, bei seinem Weiterzug bis auf das Festland vorgreifen und feucht-milde Ozeanluft heranbefördern. Unter ihrem Einfluß kommt es erneut zu Bewölkungsaufzug, wobei stellenweise Niederschläge, teils verbunden mit Gewitterstörungen, zu erwarten sind. Aussichten für Freitag: Weiterhin wech- selhaft und feucht-warm, bewölkt mit vorübergehender Aufheiterung, noch einzelne, teils gewitterige Regensälle. Lufttemperaturen am 16. August: mittags 22,1 Grad Celsius, abends 18,5 Grad: am 17. August: morgens 17,8 Grad. Maximum 24,4 Grad, Minimum 16,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. August: abends 22 Grad: am 17. August: morgens 19,1 Grad Celsius. — Niederschläge 1 mm. — Sonnenscheindauer 2% Stunden. Das Geniehospiz im Mythental. Ein Bericht aus der Schweiz. In einer stillen Straße in Zürich steht ein Haus, wie es in der Welt viele Häuser gibt: ein schönes, altes Haus, in dem ein nicht mehr junges Ehepaar wohnt. Ohne Kinder. So ein Haus könnte leicht ein Herzenstod sein, voll von Egoismus, Weltflucht und Resignation. Hier aber ist ein Wunder geschehen. Dor allen Dingen wohnt nicht ein Ehepaar darin, sondern ein verheiratetes Liebespaar: er 73 Jahre alt, sie entsprechend jünger; beide durch eine späte, aber dafür um so verständnisvollere und bewußtere Neigung zusammengesührt. Liebe zueinander, Liebe zu den Menschen und Liebe zur Musik, das ist der Dreiklang, auf dem ihr Leben aufgebaut ist. Von acht bis neun Uhr morgens tonen Celloklänge ans Ohr: der alte Herr, frisch und voll ^unendlichem Eifer, übt, bevor er in seine Fabrik geht. Vormittags erkennt ein wissender Hörer, daß am Klavier ein Komponist am Werke ist. Die Frau vertont gerade die Mutterlieder der liebreichen Dichterin Johanna Siedel. Am Nachmittag erklingt das Zusammenspiel von Cello und Klavier: das ist die Feierstunde des Tages, in der sich zwei Menschen in einem Kunstwerk zusammenfinden. In diesem Hause — Richard Strauß nennt es „das Geniehospiz im Mythental" — kann man viel und Wichtiges lernen. Vor allem lernt man, daß wahre Gastfreundschaft die lustigste und produktivste Art von Geldoerwertung ist. Das Geniehospiz ist immer voll von Gästen. Das sind alles Menschen, die irgend einer Kunst treu dienen und die ihr Dienst gerade nach Zürich ge- führt hat. Entweder sind sie schon lange Freunde oes Hauses — die Hausfrau war als junges Mädel Liszt-Schülerin, ihr Mann von jung auf mit allen Künsten verbandelt — oder sie sind Freunde von Freunden. Beides gilt als vollwertige Legitimation. Vor allem für Musiker. Die Liebe zur Musik durchweht alle Räume des Hauses Wer Musik erfindet, wer Musik macht, ist hier liebes Kind. Aber die Lieblinge unter den Musikern sind jene, die mit ihrem Talent die höchste Reinheit der Gesinnung, die tiefste Achtung vor dem Kunstwerk verbinden. Man wird das am besten verstehen, wenn man erfährt, daß Adolf Busch und Rudolf Serkin zu den verehrten Gästen des Hauses gehören. Wie ist diese einzigartige Gaststätte entstanden? Warum kamen diese schwierigen, zurückhaltenden und meist mißtrauischen Menschen? Was hatte man ihnen zu bieten? Ein ruhiges und behagliches Heim gab es wohl auch anderswo. Aber hier war ein Ört, wo sie vergessen durften, daß sie berühmt sind. Kein Mensch, der sich nach Ruhm sehnt, kann sich oorstellen, wie das Getöse des Ruhmes dem davon Betroffenen auf die Nerven geht. Der berühmte Mensch ist Eigentum der Menschheit, und zwar meist nicht ihres wertvolleren Teiles. Selten haben Genie und Talent den Verkehr, den sie wünschen und den sie brauchen. Sie werden überlaufen, überrannt und konfisziert. Die Erklärung ist sehr einfach- Während sich die feinfühlige Menschheit aus Schüchternheit oder aus Stolz zurückhält, ist die weniger zart empfindende von einer Durchschlagskraft, die alle lebendigen Keime zerstört. So kann man oft aus dem Munde gefeierter Menschen echte Klagetöne hören, weil nicht der Beste zu ihnen bringt. 3m Geniehospiz geht es ihnen gut. „Guten Tag Herr Pfitzner", sagt Martha bie treue Schaffnerin des Hauses, und ebenso gelassen sagt sie „Herr H u b e r m a n n", „Herr Q a m o n b" ober „Herr von Sauer". Ohne Ueberschwang, ohne lieber- Hitzung, liebreich und einfach wird der werte Gast empfangen. Die Frau des Hauses fragt ihn mit echter Teilnahme nach seinem Ergehen: gerade nur so viel und soweit, als einer gern antworten mag. Der Hausherr, mit jenem handfesten Humor begabt der den besten Schweizern eignet, empfängt den Ankommenden mit einem Scherz, der die Rührung des Wiedersehens verdecken soll. Sicher macht er Mary Wigman, Elisabeth Schumann oder Alma M o o d i e ein unerwünschtes Kompliment über ihren neuen Hut. Ober er versichert ber reizenden und eindrucksvollen Rezitatorin Marga Muff. Stenz, Rezitation sei ihm ein Greuel. Aber das hilft ihm gar nichts. Künstler, mit schärferen Sinnen Die Wahlen zur Hessischen Landessynode. EPH. Am 15. August war der Termin zur Einreichung von Wahloorschlägen für die hessische Landessynode abgelaufen. Wie wir erfahren, liegt nur ein Wahlvorschlaa, derjenige der „Deutschen Christen" vor. Die auf diesem Wahlvorschlag Genannten dürfen als gewählt angesehen werden, so daß eine weitere Wahlhandlung nicht notwendig ist. Im Interesse der Einigkeit in den evangelischen Gemeinden ist dies lebhaft zu begrüßen. Vorbehaltlich der Nachprüfung durch die Wahlkommission sind folgende Personen als gewählt zu betrachten: Starkenburg. Geistliche Abgeordnete: 1. Knab, Karl, Pfarrer, Gustavsburg: 2. Berck, Ludwig, Pfarrer, Roßdorf; 3. Weber, Richard, Pfarrer, Lampertheim: 4. Bürst lein, Ferdinand, Pfarrer, Offenbach a. M. Weltliche Abgeordnete: 1. (Södel, Heinrich, Bürgermeister, Langen; 2. S t o 11, Gustav, Johannes, Lehrer, Darmstadt; 3. Witterschein, Philipp, Studienrat, Groß-Umstadt; 4. Zürtz, Alfred, Maschinist, Darmstadt; 5. Ära eil, Alexander, Dr., Landgerichtsrat, Darmstadt. Oberhessen. Geistliche Abgeordnete: 1. CI oh, Paul, Pfarrer, Frischbarn; 2. Schäfer, Paul Gerhard, Pfarrer, Bad Nauheim: 3. Sriba, August, Dekan, Nidda; 4. Linden st ruth, Otto, Pfarrer, Butzbach: 5. Rühl, Karl, Pfarrer, Reichelsheim. Weltliche Abgeordnete: 1. Nebeling, Rektor, Gießen; 2. Hofmann, Georg Ludwig, Bürgermeister, Ulfa; 3. Sornfamm, Heinrich, Prof. D. Dr., Gießen; 4. Heiland, Hermann, Dr., Dberftubienöirettor, Büdingen; 5. Köhler, Karl, Obersteuerinspektor, Hungen. Rheinhessen. Geistliche Abgeordnete: 1. Becker, Reinhard, Pfarrer, Albig; 2. Olff, Richard, Pfarrer, Bodenheim; 3. I o b , Karl, Pfarrer, Mainz. Weltliche Abgeordnete: 1. Frieß, Albert, Bürgermeister, Neu-Bamberg; 2. Heidt, Heinr., Dr., Studienrat, Mainz. Außer diesen 24 Gewählten wird die Synode noch weitere 12 Personen umfassen, die von dem Prälaten der Landeskirche in Kürze berufen werden. Aus der proviuzialhauptstadi Wenn die Dreschmaschine brummt. Vor ein paar Tagen war es. Da hörte ich in einer Scheune die Dreschflegel erklingen: Klipp, klapp! Der Abend war schön und kühl und wurde nach ber Hitze bes Tages als Wohltat empfunden. Die Fenster konnte man nicht schließen. Ich ging deshalb hinüber" zum Nachbar und sah den Dreschern !u. Der Bauer, die Bäuerin und der älteste Sohn landen da, um bas erste Korn auszudreschen, denn ias Brotmehl war ausgegangen, auch brauchte man langes, glattes Stroh für neue Strohfeile. Ich machte mir meine Gedanken, als ich diese drei Leute bis spät in die Nacht arbeiten sah. Sie konnten nicht warten, bis die Dreschmaschine ins Dorf kam, sie mußten schon vorher, trotz der drängenden Erntearbeit, ihr bißchen Roggen ausdreschen, um weiter leben zu können. Den ganzen Tag hatten sie in der Hitze gestanden, mit der Sense das reife (Betreibe gemäht, aufgelegt, gebunden und auf Haufen zusammengestellt. Das Wetter war so, baß die Frucht schon einige Tage darauf eingefahren werben konnte. Dumpf und gleichmäßig ertönte ber Schlag ber Dreschflegel: eins, zwei, drei, eins, zwei, drei. Die Korner spritzten hoch auf. Dann wurde gewendet, das Stroh geschüttelt, und von neuem klopften die glatten Hölzer auf die reife Frucht, um bas tägliche Brot herauszuholen. Spät abends verabschiedete ich mich von den fleißigen Dreschern und ging gedankenvoll zu Bett. Das Klipp-Klapp fang mir das Schlaflieb. Ich erwachte am anbern Morgen, als bie Sonne schon aufgegangen war. Die Nachbarsleute waren längst wieder im Feld. Wahrhaftig, sie haben es nicht leicht, unsere Bauern. Sie stehen selbst bei der stärksten Hitze, ohne Schutz auf ihrem Acker und ernten die Frucht. Kein Lüftchen regt sich. Aber unverdrossen saust die Sense in die dürren Halme. Erntezeit! Nun ist heute die Dreschmaschine gekommen. Kaum steht sie auf ihrem Platz, da fahren auch schon die hochbeladenen Leiterwagen heran. Die Pfeife ertönt, langsam setzt sich bas Schwungreab ber Maschine in Bewegung, und der Dreschwagen wird lebendig. Die Garben werden vom Wagen herübergereicht, eingeschoben, und die Hämmerchen im Innern vollbringen In kurzer Zeit die Arbeit, die mit den Dreschflegeln nur langsam vonstatten geht. Die goldenen Körner werden in die angehängten Säcke gesammelt, bas Stroh kommt an ber Hinterseite heraus, unter bem Dreschwagen sammelt sich die Spreu. Auch die Arbeit bei der Dreschmaschine ist nicht leicht. Frauen und Männer, sogar die Kinder, müssen tüchtig zugreifen. Zu der grellen Sonne gesellt sich dichter Staub, ber ringsum alles bedeckt und bas Atmen erschwert. Ermüdet und abgehetzt, denn der Nachbar will auch seine Frucht ausdreschen und drängt, verstaubt, mit entzündeten Augen vom Schmutz, so verlassen die Bauersleute die Maschine und fahren die Körner, das Stroh und die Spreu nach Hause. Nach kurzer Zeit schon stehen sie wieder im Feld, neue Arbeit wartet hier. Die Jugend schafft unentwegt und tapfer mit. Für sie gibt es ein Zauberwort. Das heißt: Kirmes! Denn nach getaner Arbeit folgt das dörfliche Fest, wie jedes Jahr. Die Jugend läßt sich das nicht nehmen. Und alle Hitze und aller Staub werden vergessen sein, wenn die Musikanten zum Tanz auf- spielen. Gl. Zugunsten des Staates eingezogene Vermögenswerte. Die Staatspressestelle teilt aus einem Rundschreiben des Herrn Landespolizeipräsibenten Dr. De st an bie Kreis« und Polizeiämter mit: Oluf Grund des § 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuh von Volk und Staat vom 28. Februar 1933, sowie auf Grund des Gesetzes über bie Einziehung Volks- unb staatsfeindlichen Vermögens vom 14. 3u(i 1933 werden die laut Anordnung des Herrn Generalstaatsanwalts beim Landgericht Berlin vom 9. Mai 1933 sicher- gestellten Vermögenswerte: 1. der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Landesverband Hessen, 2. des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Gau Hessen, 3. der nachfolgenden durch Ausschreiben vom 2. Mai 1933 verbotenen Zeitungen: „Hessischer Volksfreund" Darmstadt, „Volkszeitung Mainz, „Offenbacher Abendblatt" Offenbach, „Oberhessische Volkszeitung" Gießen unb „Wormser Volksmacht Worms, beschlagnahmt unb zugunsten des Landes eingezogen. Das Staatspolizeiamt ist beauftragt, die beschlagnahmten Vermögenswerte zu inventarisieren. Die Ernennung besonderer Treuhänder zum Zwecke der Liquidation des eingezogenen Vermögens bleibt Vorbehalten. Oie Landhilfe im Winter. Die Pressestelle des Lanbesarbeitsamtes Hessen teilt mit: Der Kampf gegen bie Arbeitslosigkeit wirb erst bann wirklich zum Erfolg, wenn es gelingt, Rückschläge zu vermeiden unb ben Arbeitslosen in langfristige Beschäftigung zu bringen. Hierzu kann unb muß vor allem auch bie Landwirtschaft weit- gehenb beitragen. Durch bie Lanbhilfeaktion wirb insbesondere ber kleinbäuerliche betrieb in biesem Sommer und Herbst nachhal - tig unter st ützt. Der Bauer hat eine zusätzliche Arbeitskraft bekommen, und den Barlohn hat er durch den Landhelferzuschuß ohne weiteres aufbringen können. Es ist nicht mehr als recht und billig, wenn der Bauer dafür auch im Winter bie Ver - pflichtung übernimmt, den Land- Helfer d u r ch z u h a l t e n. Ist ber Zuschuß im Winter auch um ein paar Mark niedriger, so sind die Aufwendungen des Landwirts in dieser Zeit auch nicht so hoch. Dafür erhält ber Landwirt seine angelernte Arbeitskraft. Es liegt daher im eigenen Interesse der Landwirte, die nicht schon in kluger Voraussicht ihren Landhelferoertrag auf 12 Monate abgeschlossen Haden, schleunigst die Verträge bis zur Gesamtdauer von einem Jahr zu verlängern, damit keine Unterbrechung in ber Veschäf. tigung der Landhelfer eintritt. Die Arbeitsämter werden den Landwirten dabei mit Rat unb Tat zur Seite stehen. Es ist Ehrenpflicht ber Landwirtschaft, zu verhindern, daß von ben 14—15 000 hessischen RG -Lehrerbund. Kreis Gießen. Die Dezirksobleute des KreiseS Gießen sind für den Bezirk Gießen Stadt: Rektor Rebe l in g, Gießen (Goetheschule): für den Bezirk Gießen-Land: Lehrer Siegfried, Grohen-Linden; für den Bezirk Großen-Duseck: Lehrer Edelmann, Beuern; für den Bezirk Lollar: Lehrer EmmeI, Staufenberg; für den Bezirk Londorf: Lehrer Schmidt, Kesselbach; für den Bezirk Hungen: Lehrer Arnold, Utphe; für den Bezirk Lich: Lehrer Schön, Lich: für den Bezirk Grünberg: Stud.-Assessor Dender, Grünberg. Der Kreisobmann: Dr. Henß. Landhelfern ein nennenswerter Teil im Winter arbeitslos wird. Jüdische Mitglieder in Haudwerks- orgamsationen. Der Reichsoerband des Deutschen Handwerks hat dem Gewerbeverein für Nassau auf eine Anfrage wegen der Zugehörigkeit jüdischer Mitglieder zu Handwerksorganisationen folgende Antwort erteilt: „Die Frage der Zugehörigkeit jüdischer Mitglie- der zu Handwerksorganisationen ist dahin zu beantworten, daß an ber Zugehörigkeit nichts zu ändern ist, soweit zwingende gesetzliche Vorschriften, wie hinsichtlich der Zugehörigkeit zu Handwerkskammer und Zwangsinnung, bestehen. Darüber hinaus mürbe aber auf jeden Fall zu vermeiden fein, daß bie jüdischen Mitglieber ber Handwerksorganisation Aemter in der Organisation bekleiden unb besonders Vorstandssitze innehaben. Soweit die Zugehörigkeit zur Handwerksorganisation nicht gesetzlich Borge» schrieben ist, muß es an sich den einzelnen Organisationen überlassen bleiben, bie Frage ber Zugehörigkeit jüdischer Mitglieder zu regeln. Grundsätzlich würde aber selbstverständlich auch hier Wert darauf zu legen fein, daß jüdische Mitglieder keine Aemter bekleiden und besonders keine Dorstandssitze innehaben. Besondere Richtlinien sollen zunächst nicht aufgestellt werden." Genoffenschastsrechner sind nicht Doppelverdiener. Der Landesbauernsührer Dr. Wagner hat von ber Gauleitung ber RSDAP-, Agrarpolitische Abteilung in Darmstadt, folgende Mitteilung ergehen lassen: Bauern, die als Vorsitzende oder Rechner in Genossenschaften der andern landwirtschaftlichen berussständischen Organisationen tätig sind, dürfen als Doppelverdiener nicht angesehen werden. 3ch bitte dafür zu sorgen, daß in keinem Fall Bauern wegen dieser Arbeiten als Doppelverdiener angegriffen werden. Kaninchen-Ausstellung in Gießen. Der Kaninchenzuchtverein Gießen veranstaltete am Sonntag im Eaf6 Ebel eine lokale Ausstellung, die mit rund 103 Tieren der verschiedensten Rassen beschickt war. Das Ergebnis der Prämiierung durch Preisrichter Haas, Friedberg, war folgendes: VelgischeRiesen: 1. Preis Heinr. Fenster; 2. Preis K. Keil; 1. und 3. Preis G. Schellhaas. Weiße Riesen: Ehrenpreis H. Feuster; zwei 3. Preise G. Schellhaas. Groh-Chinchilla: 1., 2. u. 3.Preis 3ofi. Gries: 2. u. 3. Preis H. Stroh; zwei 3. Preise G. Harig. Blaue Wiener: 3. Preis G- Schellhaas. Weihe Wiener: Ehrenpreis, vier 2. und ein 3. Preis Karl Kirchner. Hasenkaninchen: Ehrenpreis, 1. und zwei 3. Preise Phil. Schäfer. Lux kaninchen: 1. und zwei 3. Preise O. Steih. Englische Schecken: 1. und zwei 2- Preise L. Kreiling; 3. Preis 3. Ricolai. Rheinische Schecken: Ehrenpreis und drei 3. Preise Wilhelm Ulrich. Klein-Silber: zwei 3-Preise 3. Ricolai. Hermelin: Ehrenpreis, 2. und zwei 3. Preise 3- Volz; zwei Ehrenpreise und zwei 3. Preise O. Steih. C h i n ° R ex: 1. und zwei 2. Preise O. Urfta&t. begabt als Menschen sonst, fühlen, wie viel Verehrung für ihr Können und welche Freude, wieder einmal ein Stück Vollendung unter seinem Dache zu haben, ben Mann erfüllt. Er freut sich der „Arrivierten", aber seine ur- eigenste Domäne sind jene, bie noch nichts sind, die noch nichts gelten. Als man ihn eines Tages fragte, ob er den jungen Maler Schiele kenne, sagte er hastig teilnahmsvoll: „Geht es ihm schlecht?" „Nein", war die Antwort, „dem geht es sehr gut." — „Dann kenne ich ihn nicht." Dafür kennt er aber alle, die Talent haben, das noch nicht zur Entfaltung gelangt ist. Diese, ob es nun künftige Maler, Schriftsteller, Musiker ober Schauspieler sind, finden bei ihm materielle unb moralische Hilfe. Er läßt sie was lernen und sieht ihrem Wachstum wohlwollend kritisch zu. Werden sie etwas Rechtes, bann freut er sich, mißlingt es ihnen, so verschafft er ihnen trocken unb sachlich, ohne Vorwurf unb ohne Sentimentalität eine andere Arbeit, in ber sie immerhin einen ganzen Kerl oorstellen können. Um Vorwände, zu helfen, ist ihm nicht bange. Jeden, der ihn braucht, ernennt er zu etwas. Er und feine Frau haben Adoptivkinder, Pflegekinder, Wahlkinder, Ferien- kinder, Samstagskinder, Ausflugskinder, Kinder aller Arten und jeglichen Alters. So fern von Snobismus ist das alles, baß ber Außenstehende nie erführe, was für merkwürdige Freunde diesem Hause in allen Erdteilen wohnen, wenn es nicht zufällig herauskäme. Aber es kann geschehen, daß man den Namen einer berühmten Künstlerin nennt unb der Hausherr daraus melancholisch saat: „Ich bin so glücklich, daß diese Ehescheidung |o gut vonstatten gegangen ist; die Stellung als Vertrauensmann beider Teile war mir schier zu schwer." — Man lobt ein neues Buch. „Das ist bei uns im gelben Zimmer entstanden, sagt bie Hausfrau. Es gibt zu Mittag Salzburger Nockerl — „Die ißt Weingartner so gern." Es kann aber auch Casella oder Anton Wild- gans gewesen sein, ber gern Nockerl aß. Das weiß ich nicht mehr. Kommt der Tag, an dem ber berühmte Gast in Zürich auftritt unb sind feine Pflegeltern im Saal, so kann er sich barauf verlassen, baß sie gekommen sind, weil sie in biesem Augenblick nirgends lieber sind als bei ihm. Fehlen sie einmal, so heißt bas: „So innig wir bich lieben, dein heutiges Programm interessiert uns nicht." Der peinliche Begriff „Logierbesuch", wie verliert er hier alle Schrecken! Alles ist selbstverständlich, absichtslos, unaufdringlich. Man ist bei sich zuhause, aber in einem Hause, in dem einem jede Verantwortung abgenommen wird. Die Freiheit darin ist so groß, wie jene auf den Schweizer Bergen unb ebenso darin ist das Licht. In Zürich besteht die Sitte, an Nebeltagen auf den Uetli zu steigen unb dort in ber Sonne auf das Nebelmeer in der Stadt herunter zu sehen. Die Leute in ber Mythenstraße haben das nicht nötig. Sie leben geistig immer über bem Nebelmeer. Schade, daß Mozart selbst nie- mals im Geniehospiz in der Mythenstraße war. Der hätte am besten hingepaßt. Dr. E. Sch. Schönheitspflege bei den Affen. Man kann keine Affengruppe betrachten, ohne zu beobachten, wie eifrig sie sich gegenseitig ben Pelz pflegen unb dabei mit großer Ausdauer eine Haararuppe nach der andern umlegen und glätten. Daß bei diesem Geschäft eine gewisse Schönheitspflege ausgeübt wird, hält der englische Zoologe Tinklepaugh nach einem Vorfall wahrscheinlich, über den in „Ratur und Museum" berichtet wird. Der Gelehrte hielt in seinem 3nftitut für vergleichende Psychobiologie lange Zeit ein Affenpaar, das zweimal mehrere Wochen voneinander getrennt wurde. Als die beiden wieder zusammen- kamen, bemerkte das Männchen, daß sich das Aussehen des Weibchens dadurch sehr geändert hatte, daß die Haare der Augenbrauen und der Backenbart stark gewachsen waren. Sofort, nachdem die beiden wieder vereinigt waren, machte sich der männliche Affe daran, dem Weibchen die Brauen auszureiben und besonders lange abzu- beißen. Die zu langen Dackenhaare zog er ihm einzeln aus. Bei diesem Geschäft lehnte sich das Männchen öfters zurück, betrachtete das Weibchen prüfend unb schien schließlich von bem Erfolg seiner Bemühungen immer mehr befriedigt. Angora: Ehrenpreis und 1. Preis Karl Fißler. Derbandspreis für besten Zuchtstamm und Wanderpreis für beste Gesamtleistung erhielt Karl Kirchner. Gictzcner Wochcnmarktpreise. * Sieben, 17. Aug. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,25 bis 1,30 Mark, stochbutter 1,— Mark, Matte 25 Pf., Köse, das Stück 4 bis 10, Wirsing (grün), das Pfund 8, Weißkraut 8, Rotkraut 10 bis 12, Gelbe Rüben 10, Rote Rüben 10, Spinat 15, Römischkohl 5 bis 8, Bohnen (grün) 15 bis 20, Bohnen (gelb) 15 bis 20, Erbsen 20, Mischgemüse 10, Tomaten 18 bis 25, Zwiebeln 10, Pilze 25, Kartoffeln (neue) 3 Pf., der Zentner 2,30 bis 2,60 Mark, Frühäpfel, das Pfund 25 bis 35 Pf., Falläpfel 6, Pfirsiche 35 bis 40, Birnen 15 bis 35, Pflaumen 12, Zwctschen 25, Mira- bellen 20 bis 25, Reineclauden 15 bis 25, junge Hahne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 40 bis 50, Eier (inländische) 8% bis 9, Blumenkohl 5 bis 40, Salat 5 bis 10, Salatgurken 5 bis 40, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 8 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bund 5 Pf. Bornotizen. — Tageskalenderf ü rDonnerstag: Dergfchenke, 20 Uhr, Künstler-Konzert. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Die Tänzerin von Sanssouci". • Bur noch Kugelschuß auf Rot-, Dam - u » d Rehwild in Hessen. Wie der Hessische Iagd-Elub Darmstadt mitteilt, hat die zuständige Stelle des hessischen Staatsministeriums verfügt, daß auf Rot-, Dam- und Rehwild ab 1. Oktober nur noch der Kugelschuß angewendet werden darf. •• Gleichschaltung der Bürgervereinigung Sachsenhausen — Dießen-In der am SamStag abgehaltenen Generalversammlung der Bürgervereinigung Sachsenhausen- Gießen zum Zwecke der Gleichschaltung wurde der langjährige 1. Vorsitzende, Herr Dierlamm, erneut zum Dereinsführer bestimmt. Ferner wurden bestellt: aum 2. Dereinsführer Herm. Thomas: 1. Schriftwart W. Bogel: 2. Schrift- wart Gustav Schlosser: 1. Kassenwart Anton Wagner, 2. Kassenwart Wilh. Decker: Beisitzer Adam Zinn, Valentin D i t t m a r, Paul Dchuldt, K. Spruck. Kassenrevisoren Curt S ch ü ß l e r und R. Kirchner. ** U n g l ü ck s f a l l beim kindlichen Spiel. Gestern nachmittag ereignete sich beim Spielen einiger Buben in der Wilhelmstraße ein Unalücksfall, der für das betroffene stind zum Glück noch glimpflich verlaufen ist. Die Buben spielten an einem Zaun, wobei der 9 Jahre alte Sohn der Witwe Weigand, Frankfurter Straße wohnhaft, beim Herrunterrutschen an dem Staket sich die Spitze der Stange in den Leib stieß. Ein älterer Junge holte den bedauernswerten Knaben schnell herunter und verbrachte ihn zu einem Arzt, von wo er nach erster Hilfeleistung der Ehirurgischen Klinik zuge- K wurde. Der Junge hat eine Verletzung an der hdecke davongetragen, zum Glück besteht aber keine Gefahr für ihn. Der Vorfall möge anderen Kindern eine Warnung sein! ** Bauliche Veränderungen auf dem T a u f st e i n. In einer Sitzung des Gesamtvorstandes des Vogelsberger Höhen-Clubs wurde der Beschluß gefaßt, die Feuerschale auf dem Bismarck- türm auf dem Taufstein entfernen zu lassen und den Turm mit einem Kupferdach zu decken. Die Beibehaltung der Feuerschale war unmöglich geworden, nachdem sich gezeigt hatte, daß zwischen der Schale uni) dem Mauerwerk Regen- und Schneewasser in den Turm eindrang und diesen schadhaft machte. Ferner konnte auch wegen der Gefahr von Wald- dränden die Feuerschale seit Jahren nicht mehr benutzt werden. Durch die bauliche Veränderung dürfte die Erhaltung des Bismarckturms noch auf viele Jahre hinaus gesichert sein. Während der Umbauzeit ist der Besuch des Turmes gesperrt. ** Die Radfahrer sollen versichert werden. Die neue Führung des Deutschen Radfahrerverbandes, in dem alle deutschen Radfahrervereine zusammengefchloffen sind, hat sich die Aufgabe gestellt, für alle Radfahrer eine großzügige Haftpflicht- und Unfallversicherung zu schaffen. Für einen geringen Jahresbeitrag (nicht mehr als 3 Mk.) will man jeden deutschen Radfahrer vor allen wirt- ichaftlichen Schäden, die durch einen Unfall verur- sacht werden, schützen. Die Hilfe soll sogar soweit gehen, daß an Schwerverletzte Tagegelder bis zu ihrer Genesung gezahlt werden. Der DRV. ist der erste Verband, der bewußt die Nichtsportler unter den Radfahrern durch wirtschaftliche Vorteile als Mitglieder werben will. Auch der „Tag des deutschen Radfahrers" am 27. September, der zu einer imposanten Kundgebung für den deutschen Radsport werden wird, liegt in der gleichen Linie. Obecheffen Der Stand der Ernte Anfang August in Millionen Tonnen Preußen. Kreis Metzlar. Winterroggen Sommerroggen Winterweizen Sommerweizen Spelz Wintergerste Sommergerste Hafer (8,27) (0,09) (4,35) 0,65) (0,16) (0,62) (2,59) (6,65) Beneiden könnte man einen Menschen, der so recht herzhaft in eine dicke Stulle beißt und auf beiden Backen kaut. Und doch würde ein jeder dazu imstande fein, der regelmäßig abends und morgens seine Zähne mit der hochwertigen Oualitätszahnpaste Ehlorodont pflegt. Richt nur die Mühe ist gering, sondern auch die Ausgabe, denn Ehlorodont ist eben eine Zahnpaste von höchster Dualität, und darum ist sie sparsam und billig im Gebrauch. 4907V 8,35 0,09 4,60 0,54 0,15 0,68 2,64 6,58 I1 ner ober polizeilich getöteter seuchenkranker wurde oorgeschlagen: Eduard Leib (Haus Rr. 6), Wilh. Leib (82), Ludwig Meiling, Karl Bender (62), Wilhelm Winter- Gleiberg. Zum 1. Führer wurde der seitherige Dorsitzends Hermann Stotz, zu seinem Stellvertreter Ernst Wonnig gewählt. Der Dorstand seht sich im übrigen zusammen aus: Otto Braun, Karl Otto Säger I. (Führer der Schicßabteilung), Reinhold Obst, Ludwig S ch u d t (Schriftführer). Phil. Hch. Stotz, Da. T r ö l l e r sen. (Rechner) und Karl D o n E i f f I. Altveteran Konr. Salzmann wurde zum Ehrenvorstandsmitglied ernannt. zeugung in vollem Umfange gedeckt werden. Für die Landwirtschaft ergibt sich unter Berücksichtigung des Futterbedarfes der deutschen Viehwirtschaft beim Vergleich mit den Vorjahren aus mindestens zwei Gründen ein der Preisentwicklung günstigeres Bild. Einmal kommt im Wirtschaftsjahr 1933/34 die im Vorjahre erfolgte Einfuhr von rd. 1 Mill. Tonnen (Betreibe in biefem Jahre in Fortfall. Zum anberen wirb in Auswirkung des inzwischen geschaffenen Reichsausgleiches zwischen Oelkuchen und (Betreibe die im vergangenen Jahre sestgestellte Verdrängung von Fut- tergetreibe aus dem yuttertrog im Umfange von mehreren 100 000 Tonnen in diesem Jahre unterbleiben. Einer etwaigen Mehrer zeugung von einigen 100 000 Tonnen (Betreibe in diesem Jahre wird also im Laufe des Jahres eine M i n d e r e i n- fuhr von etwa 1,5 Mill. Tonnen Getreide und (Be- treideerfatz (Eiweißfuttermittel) gegenüberftehen. Die (Betreiocmarttlage ist demnach innerlich durchaus gesund. Soweit auf Grund der Vorschätzung der Getreideernte eine besondere Markt- pflege erforderlich erscheint, wird die Reichs» regierung die nötigen Folgerungen sofort ziehen. Ferner werden die am Getreideumschlag beteiligten Wirtschaftskreise und Derbände unter allen Umständen die Zahlung von Unter- preis en gegenüber den öffentlichen Markt- preisen ver hindern. Wenn beispielsweise, wie kürzlich gemeldet, für Roggen im Einzelsalle ein Preis geboten wurde, der aus spekulativen Absichten heraus um 36 Mk. je Tonne unter dem Marktpreis der Gegend lag, so werden solche Personen künftig als Saboteure des nationalen Aufbaues behandelt werden. Mit der Leitung der Börsen ist zur Unterbindung derartiger Methoden die engste Derbindung herzustellen. Gleichzeitig wird dafür Sorge getragen, daß örtlich ein enges Zusammenarbeiten zwischen Landwirtschaft, Genossenschaften und Handel durchgeführt wird, um zeitweiliges Ueberangebot und stoßweise Belieferung der Märkte zu verhindern. Den Mühlen- und Backbetrieben wird es zur nationalen Pflicht gemacht werden, in der Zeit des natürlichen verstärkten Angebotes von Getreide entsprechende Mengen an Brotgetreide und Brotmehl aufzunehmen. (Schluß des redaktionellen Teils.) Z Krofdorf, 16. Aug. Aus der letzten Sitzung der Gemeindevertretung von Krofdorf- Gleibera ist folgendes xu berichten: Da» Rat- bau® soll mit neuem Außenputz versehen werben. Aus bem Arbeitsbefchafsungsprogramm wird ein Darlehen von 500 Mark beantragt, das zinslos gegeben wirb und von 1934 ab in 5 gleichen Jahresbeträgen xurückxuzahlen ist. Der über 500 Mark hinausgehende Kostenbetrag wirb von der Gemeinde aufgebracht. Die Verputzarbeiten sollen Hermann Schleenbecker zu Krofdorf und Ernst Mandler zu Gleiberg, welche die Wenigstsor- bomben sink), gemeinsam ausführen. Der Bezahlung ber Arbeit werben bie Durchschnittssötze der Angebote Schleenbecker und Mandler zugrunde gelegt. Die Klempnerarbeiten (oll Robert Schleen- decker zu Krofdorf ausführen. — Das von der Stadt Wetzlar voraeschlagene Abkommen über den Gewerbeloh ns ummen st eueranteil der Gemeinde für 1933 wurde angenommen. — Als Kommisfionsmitylieder für die Abschätzung gefalle- ***" " täteter seuchenkranker Tiere Gründung der Laubacher Bant. □ Laub ach, 16. Aug. 3m Anschluß an die leiden Liquidationsversammlungen deS durch emen Staatszuschuß sanierten Laubacher Bor- schuh-Bereins eGrnbH. sand die Gründung der Laubacher Bank statt. Der Dorstand fetzt sich zusammen au»: Direktor Ludwig Hohmann sen., Stellvertreter Otto Braun, Rechner Hermann K r ö ck. 3n den Aufsichtsrat wurden gewählt: Frdr. Döll, Wilh. Slbe, Bürgermeister Hch. Graf (Gonterskirchen), Wilhelm K r e i ck e r, Otto Müller (Ruppertsburg) und Paul Schumann (Ruppertsburg). Der Geschäftsanteil der neuen Kasse betragt 100 Mark, die Haftsumme 250 Mark. Mehr als zwei Geschäftsanteile können von einem Genossen nicht erworben werden. ®ine große Anzahl von Mitgliedern deS früheren Laubacher Dorschuß-Der- eins erklärten ihren Beitritt. Landkreis Gießen. t Treis ad. Lumda, 16. Aug. Der 22jährige ledige Karl D p p e r von hier, der sich am Sonntag- nachirnttag aus seinem elterlichen Hause entfernt hatte, wurde heute nachmittag ertrunken in einer tiefen Stelle d e r Lumda gefunden. Ob er beim Baden einem Herzschlag erlegen ist ober ob Selbstmord oorliegt, ist zweifelhaft, da er entkleidet war und seine Kleider geordnet am Ufer lagen. — Bei einer am Sonntag vorgenommenen Wahl eines weltlichen Ab geordneten unserer Gemeinde und seines Stellvertreters zum Dekanatstag wurden die seitherigen Abgeordneten, Lehrer Heinrich Walter und Gemeinderechner Sinne ft ruth durch Zuruf c i n ft i m m i g wiedergewählt. x Lich, 16. Aug. In ber gestern Abend unter dem Vorsitz von Stiftsdechant Kahn abgehaltenen Sitzung der Gefamtkirchengemeindever- t r e t u n g wurden die Wahlen zum Dekanats- t a g vorgenommen. Durch Zuruf wurden die bisherigen Abgeordneten Rektor Erb und Schreiner- meister Menges (Stellvertreter) einstimmig wie- dergewählt. Streik Büdingen. * Büdingen, 16. Aug. In dem Nachbarorte Bückes ereignete sich am Sonntagnachmittag ein em ft er Verkehrsunfall. Dort stießen ein Automobil aus Drtenberg und der 52 Jahre alte Motorradfahrer Karl Heinrich Volz aus Düdelsheim so heftig zusammen, daß Volz mit schweren Kopfverletzungen und einem komplizierten Unter- schcnkelbruch in das Mathildenhospital in Büdingen eingeliefert werden mußte. Hier ist ber bebauerns- werte Mann nach mehrtägigem Schmerzenslager an seinen schweren Verletzungen gestorben. L Aus dem Kreise Bübingen, 16. Aug. Dieser Tage würbe in Büdingen eine P f l i ck t - innung für die Friseure des Kreises Büdingen gegründet. Nachdem die Richtlinien für den organischen Aufbau des Handwerks eingehend erläutert worden war, wonach das Führerprinzip auch für bas Frifeurhandwerk gilt, wurde Friseurmeister Karl Appel- Büdingen xum Führer bestimmt, der dann seine Kollegen Theodor Ferro- Nidda zu feinem Stellvertreter, Georg Liebe- g o 11 - Büdingen zum Rechner, Karl Schmid- Büdingen zum Schriftführer und Fritz Bauer- Drtenberg zum Beisitzer ernannte. Von den bann folgenden Verhandlungen ist ber Beschluß des Vorstandes, daß vom 1. September an die öonn- tagsruhe auch im Frifeurges chä f t ein- geführt wird, von besonderem Interesse. Mit einem „Sieg-Heil" auf Reichspräsidenten und Volkskanzler und nach dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes wurde die Gründungsfeier geschlossen. * Ridda, 16. Aug. Die Glaubensbewegung .Deutsche Christen" veranstaltete gestern abend in der Turnhalle eine Kundgebung, die sehr gut besucht war. Der Kirchenkreisleiter, Dekan S c r i b a von hier, eröffnete im Ramen der Glaubensbewegung .Deutsche Christen" die Dersammlung und begrüßte die Erschienenen. Dann hielt Pfarrer Rühl von Reichelsheim einen Dortrag über .Kirche und Dolk" und führte u. a. aus: Was wir in diesem Lahre erlebt haben, ist etwas Gewaltiges. Es ist die größte Revolution des letzten Jahrtausends. Der Mann, der uns die Umkehr gebracht hat, ist unser Dolks- kanzler Adolf Hitler. Er stellt auch die Kirche vor neue Aufgaben, denn er betont immer wieder, daß unser Dolk auch eine religiöse Erneuerung durchmachen muß. Gott redet mit jedem seine eigene Sprache. Dolkstum und Rasse sind etwas Gottgewolltes. Deshalb muß jedes Dolk sein Dolkstum rein erhalten. Die deutschen Christen wollen das Führertum, durch das uns Gott erkennen lassen will, daß die verschiedenen An Brotgetreide würden sich hiernach rund 13,83 Mill. Tonnen gegen 13,52 Mill. Tonnen im Vorjahre, und an Getreide insgesamt rund 23,73 Mill. Tonnen gegen 23,38 Mill. Tonnen im Vorjahre ergeben. Mit Ausnahme von Hafer und Spelz, deren Anbau in diesem Jahre in größerem Umfange eingeschränkt wurde, steht somit bei fast allen Haupt- getreibearten ein ungefähr ebenso großes Gesamtergebnis wie im Vorjahre zu erwarten. Bei Beurteilung der vorstehenden Zahlen ist allerdings zu berücksichtigen, daß auch bei der Durchführung ber Erntevorschätzung zu Anfang August das (Betreibe größtenteils noch nicht eingebracht war, so baß sich je nach dem weiteren ©erlauf des Erntewetters mehr oder minder große Ausfälle ergeben können. An Frühkartoffeln hat die Augustschätzung im Reichsdurchfchnitt einen Hektarertrag von 122,9 Doppelzentner, gegen 125,4 Doppelzentner im Jahre 1932 ergeben. Auf Grund der Nachweise über die Anbauflächen ist mit einer Gesamternte an Frühkartoffeln von rund 3 Mill. Tonnen zu rechnen, das ist um rd. 150 000 Tonnen weniger als im Vorjahre. Der nach dieser neuesten Erntevorschätzung zu er- wartende Ertrag der Getreideernte 1933 muß vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus ent. schieden begrüßt werden. Die Ernte ist zwar noch nicht in der Scheune und noch mancherlei Wit- terungseinflüffe können den Ertrag vermindern. Soviel ist jedoch sicher: Der Brotbedarf des deutschenVolkeskannauseigenerEr- evangelischen Kirchen sich xu einer ReichSkirche zusammenschließen müssen. Die Zeit ist ernst, der Kampf ist schwer. Möge die evang. Kirche diesen Ruk hören und möchten sich doch alle evangelische Christen in den Kampf einreihen. Für seine Ausführungen erntete der Redner großen Beifall der Zuhörer. Dekan S c r i b a dankte Pfarrer Rühl für feinen Dortrag, ebenso dem Schülerchor, der den Abend durch passende Lieder und Choräle umrahmt hatte, und dem Organisten Acker- mann, der zu Beginn der Tagung ein Musikstück für Dioline vorgetragen hatte. Mit dem Wunsche, daß der Abend einen bleibenden Einfluß bei allen anwesenden Glaubensgenossen hinterlassen und xu der Gründung einer Ortsgruppe .Deutsche Christen" in unserem Kirchspiel führen möchte schloß der Kirchenkreisleiter die Dersammlung, die vor Aufbruch zum Weggehen noch daS Luther- lied: .Sin' feste Burg" anstimmte. y Bad Salzhausen, 16. Aua. In unterem Badeorte herrscht feit Juli in unveränderter Weise bis jetzt Hochbetrieb. Sämtliche Gasthofe und Fremdenoenfionen sind von Kurfremden voll be- wohnt. Im Kaufmanns-Erholungsheim sind 170 Kurgäste untergebracht. Auch in Nidda und den benachbarten Orten wohnen Badegäste. Die Zahl ber Passanten hat gegen früher in biefem Sommer erfreulich zugenommen, wodurch die täglich abgegebenen Bäder eine Steigerung erfahren. In den letzten Wochen wohnten hier stets durchschnittlich über 400 Kurfremde. Kreis Schotten. □ Laubach, 16. Aug. Der hiesige Krieger- und Militärverein wurde am Samstagabend im .Schützenhvf" gleichgeschaltet. Nach den im Statistischen Reichsamt zusammen- gestellten Ergebnissen der Zweiten) Erntevorschätzung zu Anfang August haben sich die Aussichten für die diesjährige Getreideernte gegenüber bem Stanbe zu Anfang Juli infolge der günstigen Juliwitterung noch etwasaebefsert. Nach den Meldungen der amtlichen Saatenstandsberichterstatter ergeben sich für den gesamten Reichs- durchschnitt zu Aanfang August folgende Hektar- ertrüge: Winterroggen 18,7 dz (gegen 18,3 dz bei ber Julischätzung), Sommerroggen 14,1 (14,2) dz, Winterweizen 22,7 (21,4) dz, Spelz 13,4 (13,0) dz, Wintergerste 25,3 (23,5) dz, Sommergerste 20,1 (19,3) dz, Hafer 20,7 (19,4) dz. Unter Zugrunde- legung ber Anbauflächen würden sich hiernach fol- genbe Gesamterträge für die diesjährige Ernte (im Vergleich zu den endgültigen Ergebnissen der Ernte 1932) errechnen: Lichtspielhaus - Gießen $3 OTTO GEBÜHR LIL DAGOVER Ab heute Donnerstag der große Fridericus-Tonfilm M.i HANS STUWE HANS etAUStWETTE« MAIGOI WAUE» MANS J UNKE »MANN IOSA VAI Eni . »AUI OHO . HANS MIEIENOOIM . Cai i »laten CA»l 01 VOGT IEINHAID GOETZKE . HUGO »ISCHfl KOF-E REGIE: FRIEDRICH ZELNIK S i ? 3» Gutes Beiprogramm - Ufa-Ton-Woche an* die 100-Jahrleier de« lnf.-Reg.11l Im Jahre 1913 auf dem Trieb Verkäufe iBeli.Eiclie.ieil. Beiütelle.i Tisch vroiStv. z.verk. asm 3.erfr.Bnanlha,r..4 I Mod. Kücheoeioriclilg. bill. zu. verk. oe wird ' “"b lpr°"g Mort auf. Wi von mir' .. «x. Mrsir 3®*'* *>w f*hte Troll, ging sie.- hingeworsenen Berner,un, -olsMogMom Morgen chte, war ihr IJlame in alltr NÄnfürr„|ai|(n| n9enn hatte man nicht mehr unge Frau MagH Weiter i) grosie Künstlerin gezeigt; nicht gedacht, — es war ein hung folgt.) 513=2 ■ Wtio^ /Wochen sSJfei 'ÜubeteT eM puDf* SiE ,sX tos.« Stellenangebote Sanitätsverein (ließen (2 Wie) Kassenbotenges. (31ebenbeidi.).56t. Ang.m.Gebaltsans. etb.b.20.8.a.Cnii^ ,tr. IS. Kaution erw. Peri. Loril. nur aut Anforderung., HNHNNH Wegen ErkrantunS meines Mädchens SversS-Z ordentl-, tüchtiges Wädche« SSSE 513SD a- I oder grötzere I Wohnung | zum 1. Olt. gesucht. | Slnfl.mt hol. Datei, I Jem, Weinberg'tt.1 Äiritt 3U mieten gefugt. schriftl.Anaeh.um. 1 YMoaLKMÄn). ^xaum.Tocbt.iudjt falB I Lchriftl.Anaeb.unt. I 0D12a.d.Gietz.Anz. ab 8 Nr. 191 Zweiteg Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Donnerstag, 17. August 1955 Oer Kampf um den fünften Weltteil. 23on G. von Llngern-Siernberg. Es gibt auf der östlichen Halbkugel ein Volk ohne Raum und einen Raum ohne Q3 o IL 3m mittleren (Ja pan leben auf einen Quadratmeter durchschnittlich 750 Menschen, bei- nahe fünfmal so viel als in Deutschland oder Frankreich, die sich auf dem eigenen Boden nicht ernähren können. Weiter südlich liegt der Weltteil A u st r a l i e n mit nur 6,5 Millionen Einwohnern, mit immensen Landflächcn, die auf den Ansiedler harren, auf denen Millionen und Abcrmillionen einen auskömmlichen Lebensunterhalt finden würden. «Leit sich Japan als moderner Staat in die Völkergemeinschaft eingereiht hat, hat es Australien als Siedelungsraum begehrt. Als am Anfang un,eres Jahrhunderts das politisch so bedeutungsvolle japaniich-englischeBünd» n i s abgeschlossen wurde und Japan als Großmacht nach dem Frieden von Eimonoseki seinen Eroberungszug aus dem asiatischen Kontinent begann, forderte es von England als Preis für die Freundschaft eine Politik der offenen Tür für die japanische Auswanderung nach A u st r a l i e n. Kaum aber, daß in der Presse das Ansinnen Tokios bekannt gegeben wurde, erhob sich in Australien ein Sturm der Entrüstung. Australien wolle ein weißer Erdteil bleiben, nie würde eine farbige Cin- wanderuna geduldet werden. Mehr als dreißig Jahre sind seitdem verflossen, Japan als Weltmacht des Ostens hat eine Position nach der anderen gewonnen, auf seinem siegreichen Vordringen in der Mandschurei und in China haben weder Europa, noch Amerika Japan, trotz Völkerbund und Dölkerbundkowmission, Einhalt gebieten können, aber die Frage nach einem Raum für den Lieberschuh seiner Bevölkerung ist ebenso ungelöst geblieben, wie sie es srüher war. Die Mandschurei liefert Japan alle Rohstoffe, deren es für seine Industrie bedarf, aber als Eiedlungsland kommt es nur in geringem Ausmaße in Betracht. Das Klima ist im Winter zu rauh, der japanische Bauer verträgt es nicht, und so geschieht es denn, daß in der Mandschurei neben etwa 30 Millionen Chinesen nur eine halbe Million Japaner ansässig geworden sind. Der dicht bevölkerte Rorden Chinas ist ebensowenig geeignet den japanischen Bevöl- kerungsüberschuß aufzunehmen, so bleibt denn das Problem, „wohin mit dem Volk ohne Raum?" in erster Linie für Japan selbst, aber dann auch für die gesamte Welt eine offene, drohende Frage, auf die eine Antwort das Schwert erzwingen kann. Sie gibt dem schwelenden Konflikt im Fernen Osten, den Kriegshandlungen in der Mandschurei und in China, durch die Japan seine Macht festigt und ausbreitet, eine schicksalhafte Bedeutung. Die Vereinigten Staaten verstärken ihre Kriegsmarine um viele Einheiten und verlegen den Schwerpunkt ihrer Flottenbasis aus dem Atlantischen in den Stillen Ozean. Auch Japan vermehrt die Zahl seiner Kriegsschiffe und Tokio gibt es unverhüllt zu, daß in dem dem Deutschen Reiche geraubten Inselarchipel der Mariannen und Karolinen Flottenstützpunkte angelegt worden sind und noch weiter ausgebaut werden. England wendet Singapore und Hongkong eine besondere Aufmerksamkeit zu, es baut diese beiden Stützpunkte feiner fernöstlichen Machtstellung zu formidablen Seefestungen aus. Alles das geschieht im Hinblick drohender Ereignisse im Pazifik, die früher ober später bereinigt werden müssen, es handelt sich dabei nicht um den machtpolitischen Hunger gewisser Großmächte, sondern Existenzfragen von Völkern und Rassen stehen auf dem Spiel. Auch wirtschaftliche Probleme und Gegensätze müssen geklärt werden, und es erscheint zweifelhaft, ob es auf friedlichem Wege geschehen kann. Billige japanische Industrie- waren überschwemmen den indischen Markt und dringen weit in das Innere von Indochina vor, der europäische Handel leidet unter der Konkurrenz, und wenn nun auch der Boykott japanischer Waren in China aufhört und die beiden gelben Reiche mit zusammen fast 500 Millionen Einwohnern einen Freundschaftsdund schließen, so hat, nicht nur bild- lich gesprochen, der Untergang des Abendlandes auf der Osthälfte der Erde begonnen. In dieser kritischen Stunde hat der Dekan oon Canterbury auf der Missionsfeier in Guildford der Welt einen Vorschlag zu machen gewagt, der sicherlich im voraus die Billigung einflußreicher britischer Kreise gefunden hat. Der hohe Geistliche meinte, England solle bie weiten Territorien Rorbaustraliens, bie ihres Klimas wegen nicht für bi' weiße Befiebelung taugten an Japan a b t r e t e n. Dadurch würde der Konfliktsstoff im Fernen Osten vermindert werden, und England würde für alle Zeiten einen ehrlichen Freund m Dftafien besitzen. Der Dekan fügte seinem Vorschlag hinzu, daß er sehr wohl wisse, daß er nach den oe- stehenden Begriffen durch seine Anregung eine Ketzerei begangen habe, bie sich aber angesichts des Gesamtwohles ber Menschheit verantworten ließe. Das Echo aus Australien ließ benn auch nicht auf sich warten. Der Minister von Queensland bezeich nete den Dekan als einen Phantasten, ber durch feine Rede ein Verbrechen begangen habe, und ber in australischen Angelegenheiten nichts ver- ftänbe. Aehnlich äußerten sich anbere australische Politiker Der Bischof von Brisbane machte sogar den Vorschlag, NeuGuinea, bas unter australischem Manbat steht, unter der Bedingung Deutschland zurückzugeben, daß deut- sche Kriegsschiffe die Verpflichtung übernehmen, die Ufer Australiens im Falle kriegerischer Verwicklungen mit Japan zu schützen. Anregend hat die Rede des Dekans oon Canterbury im besonderen auch auf die australische Bundesregierung gewirkt. Sie hat umgehend zwei großen SiedlungsgefeUschasten ausgedehnte Landkonzeslionen in ’Jlorb- a u ft r a l i e n erteilt, englische und australische Finanzgruppen haben bereits den Gesellschaften de- deutende Summen zur Verfügung gestellt Es Han- beit sich babei um Gebiete am Golf von Carpen- taria unb am Rorbwestsluß, bie insgesamt eine Fläche von einer halben Millionen Quabratmeilen tropischen Gebietes umfassen, unb nach Angaben bes Daily Expreß zehn Millionen Ansiedlern eine ausreichende Existenzmöglichkeit bieten sollen. Die Ansiedler aber müssen ausnahmslos der weißen Raffe angehören, keinem Gelben soll der Zutritt nach Australien gewährt werden. Das ganze ungeheure Gebiet wird sc^itzungsweise nur von 4000 Weißen und oon einigen Tausend halbwilden Eingeborenen bewohnt, es kann also füglich als g a n z u n b e s i e d e 11 bezeichnet werden. Wenn die australische Regierung in der Tat, wie vorgesehen, sofort 60 Milliarden Mark in die Er- schließung Nordaustraliens für Kononialzwecke in- oeftiert unb 10 Millionen Auswanderern der nor- blichen Nassen eine Existenzmöglichkeit bietet, so verdient der Plan bie allergrößte Beachtung. Er beweist aber auch, w i e e r n fl bie Gefahr einer japanischen Invasion in Austrdlien bewertet wird- Massenansieblungen oon Norblänbern in den Tropen haben bisher immer einen Fehlschlag zur Folge gehabt. Eine Kolonisation in so großem Ausmaße, wie sie jetzt in Nordaustralien geplant ist, hat bisher niemals ftattaefunben, ber Gedanke mutet beshalb als phantastisch an, auch dürfte es nicht leicht fein, bie Milliarden zu mobilisieren, die zur Erschließung bes Gebietes, zur Anlage oon Verkehrswegen und oon Häsen, zur Pflege von paffenben Kulturen, für Wohnungsbauten usw. notwendig sind, aber ganz davon abgesehen, wird Japan kaum als uninteressierter Zuschauer beiseite stehen, wenn ihm der Zugang in das „gelobte Land" der Zukunft immer fester verstopft wird. Der Kampf um den fünften Erdteil zwischen der gelben und der weißen Rasse bildet eine Schicksalsfrage der nahen Zukunft. ßporffameraben von Heffen-NasiauunbOberheffen! Jluf Vorschlag ber Führer des DFB unb ber DSB würbe ich mit Zustimmung des Reichssportführers oon I j ch a rn m e r - 0 ft e n mit der Führung der Fachfäulen I! unb III bes Gaues XII beauftragt Den durch die Neugliederung zu uns gekommenen Vereinen und Kameraden aus dem Hanauer, Friedberger, Limburger und Rheingaugebiet rufe ich ein herzliches Willkommen zu, den ausscheidenden Vereinen und Kameraden aus dem Göttinger Gebiet einen ebenso herzlich gemeinten Abschiedsgruß. Manchem alten Pionier des Fußballspiels in Kassel, Marburg, Gießen und Fulda bin ich aus meiner aktiven Spielzeit vor dem Kriege kein Unbekannter mehr Jetzt gilt es, im Zurückgehen auf diese idealistische Jugendzeit bes Sportes die großen erzieherischen Werte, die in unserem schönen Kampfspiel liegen und die von dem materialistischen Geist der Nachkriegszeit teilweise verschüttet wurden, wieder für unseren neuen Volksstaat lebendig werden zu lassen. Einsatzbereitschaft und Opferbereitschaft, sozialen Kameradschaftsgeist unb lauterste Uneigennützigkeit wollen wir durch unseren Sport wieder bewußter üben und pflegen unb schon in ber uns anoertrau- ten Iugenb heimisch werben lassen. So werben auch wir Solbaten ber Nation unter der Führung unseres großen Dolkskanzlers Adolf Hitler. Die Aufgabe ist gestellt' Jetzt alle Mann ans Werk: bie vielen bewährten Alten unb bie burch ben Kampf für bas neue Deutschland schon geflößten Jungen! An sie alle ergeht mein Ruf zur Mitarbeit Nichts für uns, alles für Deutschlanb' Heil Hitler! Oberftubienrat Dr Riemann, Führer bes Gaues XII. Die Einteilung bes Gaues XII in Kreise wirb in Kürze bekanntgegeben. Der Gau XII umfaßt bie Provinz Hessen-Nassau ausschließlich bes Stabt- unb Lanbkreises Wiesbaden, bes Stadtkreises Frankfurt unb bes Main-Taunus- freifes, einschließlich Dberheflen unb ber rheinischen Enklave Wetzlar. Alle Vereine biefes Gebietes werben aufgeforbert, bie Anschriften bes Vereinsführers unb bes Schriftwartes (evtl. Rufnummer) an bie Gaugeschäftsstelle Kassel, Weißen- burgerstraße 1, zu fenben. Dr. Riemann. Deutschland schlägt Ungarn im Schwimmer - Landerkampf. Bei bem Schwimm-Länberkampf zwischen Deutschlanb unb Ungarn, ber in Bubapest ausgetragen würbe, vermochten unsere Schwimmer mit 27:17 Punkten eine, überlegenen Sieg zu erkämpfen. — Unser Bilb Zeigt bie Begrüßung vor bem Kampf. Links bie beutschen, im Hintergrund» bie ungarischen Teilnehmer. 25 Jahre Turnverein Holzheim. Spielfeft des 5. Kreises im Bezirk Hessen (OT ) Der T o. Holzheim, ber in biesem Jahre auf sein 25jähriges Bestehen zurückblicken kann, beging bas Gebenken an bie Grünbung burch eine würdige Jubiläumsfeier. Diue wurde am Samstagabend durch eine G e - bädnnisftunbe am Gefallenen-Denk- m a l eingeleitet. Dazu hatten sich mit dem Iubel- verein die SA.-Formationen und sämtliche Vereine des Ortes eingefunden Georg Sarnes jr. fand in längerer Ansprache tiefempfundene Worte des Gedenkens für den Opfertod der auf dem Felde der Ehre gebliebenen Kameraden unb legte einen Kranz am Ehremaie nieber Der Gesangverein, unter Leitung von Georg Sarnes sen., gab der erhebenden Feierstunde einen würdigen musikalischen Rahmen. Abends galt ein schlichter Festkommers im Samesschen Saale der Erinnerung an die Gründung des Vereins. Der Vereinsführer, H. Grieb, gab in feiner Festansprache ein anschauliches Bild oon der Geschichte des Vereins, ber sich im Laufe ber Jahre burch seine rührige Tätigkeit einen geachteten Namen unter ben Landvereinen bes Bezirks Hessen (DI.) erworben hat. Die bem Verein noch angehörenben Grünber (Georg Sarnes sen.. Karl Reitz, Hrch. Jung IX., Ernst Engel, Hrch Wetz III.) würben für ihre Verbienste um ben Verein in feierlicher Weise geehrt. Die Glückwünsche bes Bezirks Hessen überbrachte ber stell- oertretenbe Bezirksführer K. Schneiber (Butzbach), währenb für bie Gemeinde Bürgermeister Buß unter Ueberreichung eines Fahnennagels bem Iubeloerein Dank unb Gruß übermittelte. Die Kreis» riege erfreute mit ausgezeichneten turnerischen Darbietungen am Reck, Barren unb Pferb. Die Feier klang aus in bem Gesang bes Deutfdjlanbliebes unb bes Horst-Wessel-Liedes. 2lus Aillah ber Jubiläumsfeier war dem Tv Holzheim die Durchführung des diesjährigen Spielfestes des 5. fireifes im Bezirk Hessen (DT.) übertragen worden. Von herrlichem Wetter begünstigt, nahmen die Spiele, von Kreisspielwart L. W e i ck h a r d t, Butzbach, mit Umsicht geleitet, am Sonntag einen schönen und harmonischen Verlaus. Zu den Faustball-Spielen waren neun Mannschaften angetreten. Der seit Jahren im Faustball sehr rührige Landverein Holzheim konnte in sämtlichen Klassen den Sieg an sich bringen. Er hat sich durch den Sieg in der A-Älaffe die Berechtigung erworben, an den Ausstiegspielen zur Bezirksklasse teilzunebmen. Ein Handball-Blitzturnier hatte in zwei Klassen eine Beteiligung von je sechs Mannschaften aufzuweisen. In der A-Klasse setzte sich Tv. Lang-Göns als beste Mannschast durch und gewann das Endspiel gegen Tv. Hörnsheim sicher 3: 1. In der 6. Kl ässe wurde der Turnverein Hochelheim durch den Sieg über den Tv. Albach Erster. Ein Handball-Auswahlspicl „Stadt gegen Land" wurde von bei Stadtmann- schäft 9: 5 gewonnen. Eine gute Beteiligung wiesen auch die V o 1 k s - sportkämpfe auf, die unter Leitung von KreiSturnwart W- Lang. Lang-Göns. zum Austrag kamen: 25 Mannschaften von je 5 Mann rangen um die Siegespalme und warteten zum Teil mit recht beachtlichen Leistungen aus. Die Siegerverkündigung nahm am Abend Be- ürkssührer Dr- Rau, Butzbach, vor. mit herzlichem Dank an den Tv Holzheim für die treffliche Vorbereitung, die es ermöglichte, daß das große Programm des Tages flott zur Abwicklung kommen konnte. Die Ergebnisse ber Spiele. 5 a u ft b a 11. A-Klasse: Tv Holzheim I — Tv. Rieder- Mörlen I 51:38; T u Spv. Butzbach II — Tv. Holzheim I 29: 64; T- u. Spv. Butzbach II gegen Tv Rieder-Mörlen I 34: 40 1. Tv. Holzheim I, 4 Punkte; 2. Tv. Rieder- Mörlen I, 2 Punkte; 3. T-u. Spv. Butzbach II, 0 Punkte B-ÄIaffe: Tv. Holzheim II — Tv. Steinfurth I 59:44; Tv. Holzheim II — Tv. Steinfurth II 66:18; Tv. Steinfurth I — Tv. Steinfurth II 42:21. 1. T v. Holzheim 11 (4 P ); 2. T v. Steinfurth I (2 P.); 3. Tv. Steinfurth II (0 P.). Alters-Klaffe: Tv. Holzheim — Tv. Rieder-Mörlen 54:44. 1. T v. Holzheim; 2. Tv. Rieder- Mörlen. Jugend: Tv. Rieder-Mörlen (kampflos Meister). Freundschaftsspiel: Tv. Ried