Nr.M SvübauSgabe 185. Jahrgang Mittwoch, 17. Mai 1955 Lrfcheint tägltd),auhn Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustriert« Siebener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholl» monatrBejngspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Hnjeiger -iehen. pollschelttonto. firanlfurt am Main 11686. Metzcner Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck vnd Verlag: vrühl'sche Universtläls-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Gietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Lchulstraste 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag oorher. Preis für { mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20", nicyC. Lhesredakteur. Dr. Frtedr. 2vilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für denAn- geigenteil LD.Th.fiümmcI sämtlich in Gießen. LmeFnedenöboWastRoosevettsan dieStaatsobechäupter derWelt ©er Präsident der Vereinigten Staaten schlägt zur Stabilisierung des Weltfriedens und Bekämpfung des Wirtschafis- Chaos Annahme des Macdonaldplans, etappenweise Abschaffung der Angriffswaffen, allgemeinen Rüstungswaffenstillstand und einen neuen Nichtangriffspakt vor. Washington, 16. Mai. Präsident Roosevelt hat in der vergangenen Rächt an die 4 4 Staatsoberhäupter der an den Genfer und Londoner Konferenzen beteiligten Rationen u. a. an Reichspräsident v. Hindenburg, an König Georg von England, an den französischen Staatspräsidenten und an Kalinin in Moskau einen dringenden Appell gesandt, um der Abrüstungs- und der Weltwirtschaftskonferenz zum Erfolg zu verhelfen. Die Botschaft hat folgenden Wortlaut: „Seiner Exzellenz Herrn Feldmarschall Paul von Bcneckendorff und von Hindenburg, Präsident des Reiches, Berlin. Washington, Weißes Haus, den 16. Mai 1933. Eine tiefe Hoffnung des Dolles meines Landes drängt mich als das Haupt seiner Regierung, mich an Eie zu wenden und durch Sie an das Dolk Ihrer Rationen. Diese Hoffnung besteht darin, daß der Frieden durch praktische Abrüstungsmahnahmen gesichert werden möge und daß wir alle unserem gemeinsamen Kampf gegen das wirtschaftliche Chaos zum Siege verhelfen mögen. Zu diesem Zweck haben die Rationen zwei große Weltkonferenzen einberufen. Das Glück, die Wohlfahrt und selbst das Leben der Männer, Frauen und Kinder, die die ganze Welt bewohnen, ist eng mit den Entscheidungen verknüpft, die ihre Regierungen in der nahen Zukunft fällen werden. Die Weltwirtschaftskonferenz wird bald zusammentretcn und schnell zu ihren Entschlüssen kommen. Die Welt kann nicht mehr auf Beratungen warten, die schon lange hinausgezögert sind. Die Konferenz muß durch Stabilisierung der Währungen, durch Auftauung der Kanäle des Welthandels und durch internationale Maßnahmen zur Erhöhung des Preisstandes Ordnung an Stelle des gegenwärtigen Chaos schassen. Sie mutz, kurz gesagt, heimische Programme zur wirtschaftlichen Wicderer- holung durch weises und wohl erwogenes internationales Dorgehen ergänzen. Die Abrüstungskonferenz hat sich über ein Jahr hingcschleppt und konnte bis jetzt keine befriedigenden Beschlüsse erreichen, verschiedenartige Ziele flohen immer noch gefährlich auseinander. Unsere Pslichl liegt in der Richtung, greifbare Erfolge durch gemeinsames vorgehen zustande zu bringen, von dem gebieterischen Rus dieser großen Pflicht müssen kleinliche Hindernisse roeg- gef cgi und kleinliche Absichten ver- g e s s e n werden. Lin selbstsüchtiger Sieg muß ebenfalls zu einer ausschließlichen Niederlage führen. Die Forderung eines dauerhaften Friedens für unsere Generationen in jedem Teil der Welt ist das einzige Ziel, das unserer besten Bemühungen wert ist. Wenn wir fragen, welches die Ursachen für die Rüstungen sind, die trotz der Lehren und der Tragödie des Weltkrieges eine größere Last für die Dölker der Erde sind, als jemals zuvor, dann wird es klar, daß diese zweierlei Ratur sind: 1. Der offene oder verhohlene Wunsch von Regierungen, ihre Gebiete auf Ko st en eines Rachbar st aates zu vergrößern. Ich glaube, daß nur eine kleine Minderheit von Regierungen oder von Dölkern einen solchen Zweck verfolgt. 2. Die Ang st einiger Staaten vor einem Einmarsch. Ich glaube, daß die überragende Mehrheit der Dölker sich zur Beibehaltung Übermäßiger Rüstungen verpflichtet fühlt, weil sie einen Akt des Angriffes gegen sich fürchtet und nicht, weil sie selbst Angreifer sein will. Eine Berechtigung für diefe Angst ist vorhanden. Moderne Angrissswafsen sind ungeheuer viel stärker als moderne Verteidigungswaffen, wenn alle Rationen sich dahin verständigen sollten, d i c Massen,die ei nenersolgreichenAn- griff ermöglichen, aus ihrem Besitz und ihrem Gebrauche fortzulassen, bann werden die Grenzen und die Unabhängigkeit einer jeden Ration wieder sicher werden. Das Endziel der Abrüstungskonferenz muß die vollständige Ausschaltung aller Angriffswasfen sein. Das unmittelbare Ziel ist eine erhebliche Herabsetzung einiger dieser Waffen und die Abschaffung von vielen anderen. Die amerikanische Regierung glaubt, dah das Programm für die sofortige Herabsetzung der An- griffswafsen, das jetzt in Genf erörtert wird, nur ein erster Schritt auf dem Wege zu unserem Endziel ist- Wir glauben nicht, dah die vorgeschlagenen Schritte weit genug gehen. Trotz- bem begrüßt die amerikanische Regierung die jetzt vorgeschlagenen Maßnahmen und will ihren Einfluß dahin ausüben, weitere abschnittsweise Abrüstungsschritte zu erreichen. Es gibt, am klarsten! ausgedrückt, drei Schritte, auf die man sich in den gegenwärtigen Besprechungen einigen mutz: 1. Den ersten endgültigen Schritt auf dieses Ziel, wie er in dem Macdonald-Plan ausgeführt ist, sofort zu tun. 2. Sich über den Zeitpunkt und das wei - tereDorgehenzur Ergreifung des f o l g e n * den Schrittes zu einigen. 3. Sich zu einigen, dah während derZeit des ersten und der folgenden Schritte keine Ration ihre Rüstungen über die Dertragsverpflichtungen hinaus erhöhen soll. Aber der Friede der Welt muß während der ganzen Abrüstungsperiode gesichert sein. Ich schlage daher einen vierten Schritt vor und zwar gleichlaufend mit und völlig abhängig von der Erfüllung dieser drei Vorschläge und vorbehaltlich der bestehenden Vertragsrechte: Alle Staaten der Welt sollen einen feier- llchen und endgültigen Richtan- g r i s f s p a k t abschließen. Sie sollen feierlich die Verpflichtungen wieder bestätigen, die sie zur Begrenzung und Herabsetzung ihrer Rü st ungen übernommen haben und, vorausgesetzt, dah diese Verpflichtungen getreulich oon allen Unterzeich- nerslaalen erfüllt werden, einzeln die Erklärung abgeben, keine bewaffnete Macht irgend welcher Art über ihre Grenze zu schicken. Der gesunde Menschenverstand zeigt, daß der Fortschritt gehemmt und endgültig aufgehalten werden tann, wenn irgend eine starke Nation es ablehnt, sich mit echter Aufrichtigkeit diesen gemeinsamen Bemühungen für politischen und wirtschaftlichen Frieden — den einen in Genf und den anderen in London — anzuschließen. In einem solchen Falle wird die zivilisierte Welt, die beide Friedensformen an- strebt, wissen, wo die Verantwortung für einen Fehlschlag liegt. Ich bitte dringend, daß fein Staat eine solche Verantwortung auf sich lädt und daß alle bei diesen großen Konferenzen beteiligten Staaten ihre politischen Ziele, zu denen sie sich bekannt haben, in Handlungen umsetzen. Das ist der einzige Weg zum politischen und wirtschaftlichen Frieden. Ich hoffe, daß Ihre Regierung sich der Erfüllung dieser Hoffnungen anschließen wird. gez. Franklin B. Roosevelt." Roosevelt begründet die Notwendigkeit seines Appells. Washington, 16. Mai. (TU.) Präsident Roosevelt übersandte dem Kongreß eine Abschrift seines Weltaufrufs mit einem Begleitschreiben, in dem er betont, daß sein Schritt notwendig geworden sei, da selb st süchtige und kurzsichtige Interessen einer geringen Minderheit oon Nationen den wirtschaftlichen und militärischen Weltfrieden gefährdeten. Es fei höchste Zeit, für die Vereinigten Staaten und jede andere Nation, die einfache Tatsache zu verstehen, daß die Furcht eines Landes vor der Zerstörung seiner nationalen Souveränität nur durch die völlige Ab- schafsung solcher Waffen beseitigt werden könne, die solches Vorgehen ermöglichen, d. h. nur durch die Abschaffung der Angriffswasfen. Bleibende Verteidigungsanlagen, wie Befestigungen und Anlagen zur Küstenabwehr, erforderten auch geringere Ausgaben als schwere Angriffswasfen, die laufend verbessert werden müßten. Gerade die letztere Tatsache sei mehr als irgendeine andere für die heutigen Schulden und die drohenden Bankerotte in den einzelnen Ländern verantwortlich. Es gebe nur einen Weg zur Abrüstung, nämlich d i e Abrüstung f e l b st. Es gebe auch nur c i n Mittel Invasionen z u verhindern, indem man sie unmöglich mache. Ein Volk habe Angriffswaffen nur nötig, wenn alle Völker Angriffswasfen besäßen. Es würde sie gerne aufgeben, wenn bie anderen sie abfdjaffen. Roosevelt betonte, er haoe weder mit England noch mit Frankreich konferiert, bevor er seinen Appell an die 54 Rationen sandte. Sein Appell richte sich nicht besonders an Deutschland, sondern an die ganze Welt. Die Einbeziehung Rußlands bedeute keineswegs, daß eine Anerkennung der Sowjetunion geplant sei. Er habe seinen Appell auch an Rußland nur deswegen gerichtet, weil cs an den Genfer und Londoner Beratungen teilnehme. Amerika lege Wert auf den Punkt des Richtangrissspaktcs, der die Heber» schreitung der Grenzen mit bewaffneten Kräften verbiete. Amerika sei bereit, auch seinerseits die Konsequenzen zu ziehen und keine Truppen mehr nach Lateinamerika zu senden. Die Truppen in Peiping und Tientsin seien dort unter internationalem Abkommen, blieben also vom Richtangriffspakt, der solche Fälle ausdrücklich ausschlietze, unberührt. Das erste Echo der Roosevell-Volschast. Genf stellt Entspannung fest. Genf, 16. Mai. (TU.) Die Botschaft Roosevelts findet in allen Konferenzkreisen st a r k e Beachtung. In der gegenwärtigen äußerst gespannten und kritischen Lage der Abrüstungskonferenz sei sie zunächst eine gewisse Erleichterung der Lage und als ein Anstoß für die Weiterführung der Verhandlungen aufgefaßt, durch den die französischen Sabotageoersuche der letzten Zeit verhin- dert und die schwer gerüsteten Großmächte gezwungen werden, nunmehr ihrerseits positiv zu dem englischen Plan Stellung zu nehmen und eine weitgehende Einschränkung ihrer gesamten Rüstungen anzunehmen. Vom deutschen Standpunkt aus kann immerhin schon jetzt darauf hingewiesen werden, daß die Reichsregierung den englischen Abrüstungsplan bereits grundsätzlich unter bestimmten Voraussetzungen angenommen hatte und auch der amerikanische Vorschlag keineswegs eine unabänderliche Annahme des englischen Planes verlangt, sondern diesen zur Grundlage der Verhandlungen der Abrüstungsfragen erklärt. Besonders die deutsche Forderung auf radikale Abschaffung der Angriffswasfen, deren Vorhandensein der Präsident der Vereinigten Staaten ausdrücklich als ein wichtiges Moment der Beunruhigung erklärt, findet in der Botschaft eine dankenswerte Unterstützung. Der dritte Punkt ist nach hiesiger Auffassung dahin auszulegen, dah eine Wiederanpassung des deutschen Rüstungsstandes an den der übrigen Staaten im Rahmen des englischen Planes zu erfolgen hat, dessen Einzelregelung für Deutschland auf der Kon- ferenz festzulegen ist. Richt anders ist auch der vierte Punkt zu verstehen, dah die in dem neu zu treffenden Abkommen zu übernehmenden Abrüstungsverpflichtungen getreulich erfüllt urrd durch eine feierliche R i ch t a n g r i s s s - crklärung erhärtet werden. Wie sehr es im übrigen dem amerikanischen Präsidenten darauf ankommt, daß fein Dorschlag a l s ein unteilbares Ganzes gewertet wird, geht auch daraus hervor, daß die Botschaft an alle Rationen geht, die auf der Abrüstungs- und der Weltwirtschaftskonferenz vertreten sind, also z. 2. auch an Sowjetruhland. ©er erste Eindruck in Berlin. Berlin, 16. Mai (ERB.) In Berliner politischen Kreisen wird darauf hingewiesen, dah der von Roosevelt empfohlene Macdonald-Plan sich aus einer Linie bewege, die auch von Deutschland in Genf eingehalten worden ist. Die Stellungnahme zu der amerikanischen Kundgebung muh natürlich dem Reichskanzler für seine morgige Reichstagsrede Vorbehalten bleiben. Als ersten Eindruck kann man aber immerhin feststellen, daß die Kundgebung des amerikanischen Präsidenten in hiesigen politischen Kreisen freundlich begrüßt wird, namentlich unter dem Gesichtspunkt, dah das Antlitz Amerikas sich jetzt wieder mehr Europa zuwendet. Was sagt die Berliner presse? Berlin, 17. Mai. (ENB.) Zu der Botschaft Roosevelts führt die „D. A. Z." aus: Mit Genugtuung nehmen wir natürlich die freundlichen Aeuße- rungen zur Kenntnis, die Präsident Roosevelt auch für Deutschland findet, aber seine neuen Erklärungen lassen gar keinen Zweifel, daß Amerika heute wieder in viel höhexem Maße als bisher geneigt ist, zusammen mit England den französischen Wünschen in Bezug auf die Zusammenhänge von Rüstung und Sicherheit entgegen,3ufommen. Das Blatt betont ähnlich wie auch die „Börsenzeitung", dah Deutsch- l a.n b nicht aufrüften wolle, sondern daß die anderen, Frankreich an der Spitze, den Versailler Vertrag gebrochen hatten, in- dem sie die Abrüstungsverpslichtungen nicht erfüllten. Es sei die schamloseste Verdrehung, weil Deutschland sein Recht auf gleiche Sicherheit fordere, ihm den Vorwurf der Aufrüstung zu machen. Der „L o k a I a n z e i g e r" sagt, bei der starken Betonung des Derständigungswillens durch die deutsche Delegation in Genf und bei den mehrfachen Versicherungen des unbedingten Wil- Oie heutige Kanzlerrede im Rundfunk. Die heutige Reichslagsrede des Reichskanzlers wird in der Zeit von 15 bis 18 Uhr auf alle deutschen Sender übertragen werden. Um 2 0 Uhr wird die Rede in einer wachs- platlcnaufnahme für alle deutschen Sender wiederholt. lens zum Frieden, die der Reichskanzler abgegeben hat, hat Deutschland keinen Aniah, sich diese Ermahnungen Roosevelts besonders zuzuschreiben. -- Die „K r e u z z e i t u n g" hebt hervor, daß Deutschland auch diesem letzten Versuch seine Hilfe nicht versagen wird. Dah der amerikanische Präsident mit seinem Dorgehen grundsätzlich den Schritt zur Wiederbeteiligung an der europäischen Politik getan habe, sei ein Ereignis von historischer Tragweite. Es beweise, daß es dieDerantwortungbegris- f e n habe, die sein ebenfalls demokratischer Amtsvorgänger Wilson dem amerikanischen Dolke hinterlassen habe. Die „G e r m a n i a" bezeichnet den Schritt des amerikanischen Präsidenten als eine Erleichte rung der allgemeinen Lage, eine Entspannung der mit Elektrizität geladenen Atmosphäre und als einen Anstoß zu endlicher Aktivität der Genier Konferenzmaschine. — Die „D o s s. 3 t g." wirft die Frage auf, ob der Appell Amerikas dazu diene, zwischen Deutschland und Frankreich zu vermitteln ober nicht. Er mute Deutschland offenbar zu, auf Kategorien von Kriegsmaterial Verzicht zu leisten, die es bisher für sich in Anspruch genommen habe. Er mute der Gegenseite zu/ sofort wesentliche Reduzierungen von Angriffswasfen und Abschaffung vieler anderer vorzunehmen und ihre Zustimmung dazu, zu geben, dah die Angriffswaffen fchliehlich überhaupt abgeschafft würden. Die Forderung an Deutschland scheine klar und entschieden. Die Forderung an bie Gegenseite werde erst dann ganz klar und entschieden gemacht worden sein, wenn sie zahlenmähig bestimmt sein werde. Solle der amerikanische Vorschlag als Vermittlungsvorschlag aufgefaßt werden können, so mühte jene zahlenmäßige Festsetzung in fair p 1 ay erfolgen. Ungünstige Aufnahme in Paris London. 17. Mai. (DTR. Funkfpruch.) per- tinax meldet dem „Daily Telegraph" aus Paris: Präsident Roosevelts Botschaft ist in amtlichen Kreisen ungünstig ausgenommen worden. Sie läuft nach hiesiger lleberzeugung darauf hinaus, Frankreich die Annahme der britischen Vorschläge vom 16.Mär; anzuempseh- len. Ueberdies spreche der Präsident nicht einmal andeutungsweise oon der Möglichkeit einer Abänderung der traditionellen amerikanischen Reutralitätsdoktrin. Fünf Jahre nach dem Briand-Kellogg-Pakt einen neuen Richtung riffspakt abzuschließen, werde in Paris als zwecklos betrachtet. Das Außenministerium sucht die Botschaft des Präsidenten möglichst günstig auszulegen. Die kreise dagegen, die in Fühlung mit dem Ministerpräsidenten D a l a d i e r stehen, erklären, daß er bei der jetzigen schwierigen Lage Europas ohne Zögern jede Maßnahme verwerfen werde, die eine Schwächung der französischen Landesverteidigung mit sich bringen könnte. London angeblich enttäuscht. London, 17. Mai. (WTD. Funtspruch.) Der ..Daily Telegraph" schreibt: ünbeftreilbar war in britischen Kreisen bie erste Empfindung nach Kenntnisnahme der Botschaft des Präsidenten Roosevelt tiefe Enttäuschung. Man hatte einen neuen greifbaren Beitrag Amerikas zum Problem der europäischen Sicherheit erwartet, der bestehen würde in der Beteiligung des Präsidenten an einem Konsultativ» paki. Indessen verlautet, dah die gestrige Erklärung des Weihen Hauses ein eilig beschlossener Schritt gewesen sei, der darauf abzielte, M c Reichstagsbebatte am Mittwoch zu beeinflussen. Es wird versichert, das; der Präsident nach wie vor beabsichtige, in naher Zukunft leinen Konsultativpakt bekanntzugeben. Moskau zur Mitarbeit bereit. Moskau, 16. Mai. (TU.) Die Botschaft Roosevelts, die an den Dorsihenden des Bollzugskomitees, Kalinin, gerichtet ist, hat hier großes Aufsehen erregt. Sie wird als ein n e u e r A u f t a k t zur Normalisierung der sowjetrussisch-amerikanischen Beziehungen angesehen. Amtlich wird darauf hingewiesen, daß die Regierung der Sowjetunion an der Frage der Abrüstung ehrlich mitgearbeitet habe, und zwar in dem Sinne, daß der Unterschied zwischen Siegern und Besiegten Vernich- t e t werden solle. Die Sowjetregierung werde jeden ernsten Versuch in der Abrüstungsfrage unterstützen, der auch zu einer Beilegung der Weltwirtschaftskrise führen kann. Die Sowjetregierung sei bereit, alle ernsthaften Vorschläge zur wirtschaftlichen Gesundung anzunehmen unter der Voraussetzung, datz die Struktur des russischen Außenhandels unberührt bleibe. Die konstituierende Sitzung des Hessischen Landtags. Or. Mütter zum LandiagSpräsidenten gewählt.—Ministerpräsident Or. Werner begrüßt den Reichsstaithalter furHeffenund erläutert dieAusgaben derRegierung. Oer Landtag verabschiedet beide Ermächtigungsgesetze. WHP. D a r m st a d t, 15. Mai. 2m festlich geschmückten Plenarsaal des hessischen Landtags fand heute in Anwesenheit des Reichsstatthalters Sprenger die konstituierende Sitzung des neuenHcssenparlaments statt. Die gerade Wand des Saales zierten die Fahnen Hessens, des alten und neuen Reiches. Vor dem mit Hakcnkreuzbanner versehenen Sitz des Landtagspräsidenten steht der rutweiße Sessel für den Reichs st atthalter, von zwei Lorbeerbäumen flankiert. Der Saal selbst ist mit Girlanden aus frischein Grün umwunden, die Regierungsbänke sind mit rotweihen Bändern drapiert. Ministerpräsident Dr. Werner heitzt den Reichsstatthalter am „Braunen Haus" in der Rheinstratze herzlich willkommen, dessen Zugang bis zum Landtagsgebäude auf der einen Seite Schutzpolizei, auf der andern SA. Spalier bilden. Reichsstatthalter Sprenger dankte Dr. Werner für die Begrüßungsworte, und erklärte, es sei ihm eine hohe Ehre, im Auftrag des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler Statthalter in Hessen zu sein. Er werde allezeit ein treuer S ch i l d h a l t e r sein zum Heile aller Hessen und des ganzen deutschen Vaterlandes. Als der bisherige Landtagspräsident und jetzige Staatssekretär Jung den Beginn der Sitzung ei'n- läutet, füllen sich rasch die Reihen der Abgeordneten. Die Nationalsozialisten sind in Uniform, die sieben Abgeordneten des Zentrums und der deutschnationale Abg. Böhm in Zivil auf den vorderen Bänken untergebracht, da durch die Verkleinerung des Landtags und das Fernbleiben der Sozialdemokraten zwei Reihen Bänke frei geworden sind. Hinter der Ministerbank sind die Spitzen der Mi- nisterialbehörden und der Landespolizei postiert. Landtogspräsident Jung begrüßt die Abgeordneten des 7. hessischen Landtags und schlägt als Landtagspräfidenten den Abgeordneten Dr. Müller vor. Die Dahl wird einstimmig gebilligt. Dr. Müller übernimmt das Präsidium und dankt für das ihm ausgesprochene Vertrauen: er versichert, daß er sein Amt als deutscher Mensch und Nationalsozialist führen werde. Auf seinen Vorschlag werden die Abg. Klostermann (NS.) und Weckler (Zentrum) zu Vizepräsidenten gewählt. Die Fraktionen sollen ihre Vertreter für die Ausschüsse, die nunmehr aus sieben Mitgliedern bestehen, noch benennen. Reichsstatthalter Sprenger, von Ministerpräsident Dr. Werner, Landtagspräsident Dr. Müller und Staatssekretär Jung geleitet, betritt den Saal. Abgeordnete und Zuhörer erheben sich von den Plätzen, und Landtagspräsident Dr. Müller begrüßt den Statthalter als Vertrauensmann des Führers mit einem dreifachen Sieg-Heil, in das die Anwesenden einstimmen. Reichsstatthalter Sprenger nimmt auf dem rotweißen Sessel Platz. Landtagspräfident Dr. Müller stellt fest, daß eine Entwicklung, die vor Jahrhunderten angebahnt war und durch widrige Umstände unterbrochen wurde, heute ihre vernünftige Fortsetzung gesunden habe. Damit sei der Weg gewiesen, wie endlich e i n Reich, ein Wille und ein Volk geschaffen werden könne. Darauf beruhe der Glaube all derer, die sich Deutsche nennen dürfen, an Deutschlands ewige Zukunft. Ministerpräsident Dr. Werner heißt nun den Reichsstatthalter namens der hessischen Regierung herzlich willkommen: Sie, Herr Reichsstatthalter als Beauftragter unseres Führers, der Sie als langjährigen Mitkämpfer und Vertrauten hierher gesandt hat, sind uns herzlich willkom- m e n. Wir haben in Hessen keine andere Pflicht zu tun, als nach Kräften mitzuwirken, daß Ihr schweres und verantwortungsvolles Amt erfüllt werde in deutschem, nationalsozialistischem Geist und im Geiste Adolf Hitlers. Durch das Reichsstatthaltergeseg vom 7. April 1933 sind alle Länderbestimmungen, die ihm entgegenstreben, aufgehoben worden. Der Reichsstatthalter hat für die Beobachtung der von dem Reichskanzler aufge st eilten Richtlinien der Politik zu sorgen. Ihm werden Befugnisse der Landesgewalt übertragen, und zwar die Ernennung und Entlassung der Landesregierung und der übrigen Mitglieder der Regierung, die Auflösung des Landtags und die Anordnung von Neuwahlen, die Ausfertigung und Verkündung der Landesge- setze, die Ernennung und Entlassung der unmittelbaren Staatsbeamten und Richter, sowie das Begnadigungsrecht insbesondere bei Todesurteilen. Durch das Reichsstatthaltergesetz hat auch der Länderparlamentarismus aufgehört zu bestehen. Ein Mißtrauensvotum gegen den Vorsitzenden und Mitglieder der Landesregierung ist ausgeschlossen. Auch gegen den Reichsstatthalter gibt es selbstverständlich kein Mißtrauensvotum. Ein p o - litischer Konflikt zwischen Reich und Ländern, wie wir ihn vor dem Staatsgerichtshof erlebt haben, ist in Zukunft nicht mehr möglich. Der Slaathaller ist Sendbote der Reichsgewall, und damit ist der Vorrang der Reichspolitik und Reichsregierung unter allen Umständen anerkannt. Der bundesstaatliche Charakter des Reiches, wie er früher bestand, ist aufgehoben. Dabei ist trotzdem die Wahrung und weiter- sührung der Selbständigkeit der Länder gesichert, und zwar unter weitestgehender Rücksicht auf das Eigenleben und die Mannigfaltigkeit der landschaftlichen, stammesmäßigen, geschichtlichen und wirtschaftlichen Eigenart. Aber es gibt nur noch e i n Reich und nur noch einen Führer. Die Landesgesehgebung ist der Reichspolitik gleichgeschaltet. Die territoriale Neuordnung der Länder ist noch nicht in Angriff genommen. Die Gleichschaltung des Willens des Führers zwischen Reich und Ländern ist klar und unbestritten. Sie muß mit Entschiedenheit bis zur letzten Zelle durchgesührt werden. Nur so ist ein einziges großes Deutschland möglich, nur so ist cs möglich, die starke Zentralgewalt zu schaffen, wie sie andere Staaten seit Jahrhunderten besitzen und zu ihrer Größe auswerteten. In einer Unterhaltung mit dem Herrn Reichskanzler habe ich bereits darauf hingewiesen, daß Hessen ein L^nd besonderer Art und Artung ist nicht nur stammesmäßiger, sondern auch wirtschaftlicher und sozialer Natur. kein deutscher Gliedstaat hat mehr gelitten unter der feindlichen Besetzung und Besatzung als Hessen. Dieses klar herauszuarbeiten ist Pflicht der hessischen Regierung, und wir vertrauen darauf, daß der Herr Reichsstatthalter auf Grund seiner eigenen Kenntnis des Landes das Notwendige veranlassen wird. Die beiden großen Städte im Süden und Norden haben mit der Dauer der Erwerbslosigkeit Dassen hessischer Arbeiter ausgeschieden und damit dem Lande ungeheure Lasten auserlegt, wie sie aus der Fürsorgenotwendigkeit erwachsen. Ich mache darauf aufmertsam, daß die Hei m- arbeit, besonders im Kreis Offenbach in der. Portefeuille-Industrie dringend eine Reuordnung,i auch im Interesse der Erhaltung des Gewerbes, erfordert. Die Lage der Gemeinden bei uns ist geradezu katastrophal und es müssen alle Anstrengungen gemacht werden, um die notwendige Hilfe vorn Reich zu erlangen. Große und wichtige kolonisatorische Arbeiten haben wir zu erledigen. Ich will von der Grünlandwirtschaft im Vogelsberg allein nicht sprechen, ich denke vor allem an unsere „pontinischen Sümpfe": die Riedentwässerung ist eine Großtat, die getan werden muß, um hunderttausende von Morgen besten Landes in klimatisch bevorzugter Gegend dem deutschen Reich und Volk für den Pflug zu sichern. Es ist eine Aufgabe, die vyn der Reichsregierung mit großer Sympathie verfolgt wird, wie ich bei meinem Vortrag bei dem Führer, dem Reichsinnenminister und dem Reichsfinanzminister erfuhren konnte. Reben der Förderung des Straßenbaues, insbesondere des Autostraßenbaues ist eine Arbeitsbeschaffung in breitester Form notwendig. Ich bitte deshalb auch den Herrn Reichsstatthalter, diesen wichtigsten und grundlegendsten Fragen seine Aufmerksamkeit zu schenken. Annahme der Ermächtigungsgesetze. Dr Werner schloß mit einem dreifachen Sieg- Heil auf den Reichsstatthalter, auf das hessische und deutsche Vaterland und seinen Führer Adolf Hitler. Mit einem festen Händedruck dankte Reichsstatthalter Sprenger dem hessischen Ministerpräsidenten für seine Begrüßung. In Fortsetzung der Beratungen verabschiedete der Landtag ohne Aussprache in erster und zweiter Lesung zwei Gesetze. Das Ermächtigungsgesetz besagt: Landesgesehe können außer in dem in der Verfassung vorgesehenen Verfahren auch durch den Ministerpräsidenten erlassen werden. Dies gilt auch für die in Artikel 54 und 57 der Verfassung bezeichneten Gesetze. Die vom Ministerpräsidenten erlassenen Gesetze können von der Verfassung abweichen, soweit sie nicht die Einrichtung des Landtags als solche zum Gegenstand hoben. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. — Das Gesetz Über die Ausübung der- Befugnisse der Landesregierung bestimmt: Die Befugnisse, die nach den hessischen Gesehen und Verordnungen dem Gesamtministerium, dem Staatsministerium oder dem Staatspräsidenten zustehen, werden von dem Ministerpräsidenten und im Falle seiner Verhinderung von dem Staatssekretär ausgeübt. Landtagspräsident Dr. Müller dankt dem Hause für die flotte Arbeit und erklärt, er werde den Landtag erneut zusammenrufen, wenn das notwendig sei. Sämtliche Anwesenden singen stehend den ersten Vers des Deutschlandliedes und das Horst-Wessel-Lied. Kundgebung vor dem Landtag. Der Reichsstatthalter spricht. Rach Schluß der Landtagssitzung sprach der Reichs st atthalter vor einer großen Men- schenmenge zu der vor dem Landtag auf dem, Adolf-Hitler-Platz aufmarschierten Schutzpolizei, SA. und SS. Stürmisch begrüßt erklärte er u. a.: Ich überbringe öie Grüße des Führers, der mit der Einsetzung der Statthalter das Reich festigen und ausbauen will. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß ich nun aber auch erwarten kann, daß Ihr bei der weiteren Durchführung der nationalen Erhebung Garanten sein werdet bis das deutsche Volk in der Verschiedenheit seiner Stämme eins geworden ist. Dann ist die Garantie für seine innere Freiheit und Zukunft geschaffen und damit die Voraussetzung, auch nach außen hin zu bestehen für alle Zeiten. Wir senken unser Haupt in Ehrfurcht vor der Größe der deutschen Arbeit und seinem Führer Adolf Hitler. Begeistert braust ein dreifaches Sieg-Heil über den Platz. Der Statthalter dankte und begab sich, von der Regierung begleitet, nach dem Flugplatz, um zur Reichstagssitzung nach Berlin zu fliegen. Aufklärungsamt für Raffenpflege bei -en ärztlichen Gpitzenverbänden. Berlin, 16. Mai. (VDZ.) Auf Anregung des Reichskanzlers Adolf Hitler ist das Aufklärungsamt für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege bei den Spihenverbänden der Deutschen Aerzteschaft in Berlin errichtet worden. Cs arbeitet in enger Fühlungnahme mit dem Reichsinnenministerium und dem Reichsministerium für Propaganda und Volksaufklärung. Zu seinem Leiter ist Dr. med. W. Gro ß. München, berufen worden. Dem Aufklärungsamt ist die P r e s s e st e l l e der ärztlichen Spihenverbände unter ihrem bisherigen Leiter Dr. med. Sy Unger und der Verlag der Deutschen Aerzteschaft unter Leitung von A. Hoffmann, Leipzig, angegliedert worden. Zur Vorarbeit für den künftigen ständischen Aufbau hat, der Kommissar der ärztlichen Spihenverbände Dr. G. Wagner, München, die ersten Maßnahmen zur Verschmelzung des Deutschen Aerztevereinsbundes und des Verbandes der Aerzte Deutschlands (Hartmann-Bund) getroffen. Die künftige Gesamtockganisation wird ihren Sih in Berlin haben. Keine Veröffent ichur gen vor der gerichtlichen Klärung der Korruptionsfälle. Berlin, 16. Mai. (TU.) Der Reichswirt- . schaftsminister Dr. Hugenberg hat den Kommissaren, die er in einzelnen besonderen Fällen eingesetzt hat, untersagt, ihre Untersuchungsergebnisse von sich aus der Presse bekannt zu geben. Insbesondere seien alle Mitteilungen über angebliche Korruptionsfälle solange anzuhalten, bis eine gerichtliche Klarstellung erfolgt sei. Die Veranlassung zu dieser Maßnahme bildet die Beobachtung, daß manche in letzter Zeit erhobenen Anschuldigungen sich nicht nur als unbegründet erwiesen hätten, sondern zum Teil auck) a u f üblen Denunziationen, insbesondere von früheren Ange st eilten beruhten. Oer Einberufungstermin der ersten Arbeitsdienstpflichtigen. Berlin, 16. Mai. (ERB.) Die Reichsleitung des Arbeitsdienstes teilt mit: In der Presse ist die Behauptung aufgestellt worden, daß nunmehr der 1. Januar 1 934 a l s Einziehungstermin für die ersten Arbeitsdienstpflichtigen festgelegt sei und datz der Jahrgang 1915 eingezogen werde. Die Reichsleitung des Arbeitsdienstes erklärt demgegenüber, daß noch nicht endgültig fe st steht, welcher Jahrgang einberufen wird: auch ist der genaue Einberufungstermin noch nicht fest gelegt. Der 1. Januar 1934 ist es keinesfalls. Die Verwandlungen Devrienls. (Sine Anekdote von Karl Lerbs. Ein Schauspieler, der als junger Anfänger ein Gastspiel Emil Devrients am Leipziger Stadttheater mitwirkend erlebte, pflegte in späteren Jahren zu erzählen, daß er in Erscheinung und Auftreten des großen Darstellers die höhere und die niedere Wirklichkeit des gestalteten und des durch keine Gestaltung gebändigten Lebens in erschütternder Verflechtung sich offenbaren sah. Man probte das Schauspiel „Rubens in Madrid" von der Birch-Pfeiffer, und Devrient erschien erst auf der vierten oder fünften Probe, niedersteigend aus den olympischen Bezirken eines fast schon mythisch gewordenen Ruhms: ein schlanker, mit lässiger und leiser Anmut sich bewegender Mann, dessen weltmännischer Verhaltenheit man seine sechzig Jahre nicht angesehen haben würde, wenn nicht das Grau über den hager gewordenen Schläfen und ein paar scharfgekerbte Falten sie dem aufmerksameren Blick verraten hätten. Zu solcher Betrachtung aber hatten die aufgeregten und ehrfurchtsvoll beflissenen Mitspieler weder Mut noch Zeit: denn der Gast, der bei der Üblichen Vorstellung das verbindlich-unverbindliche Lächeln einer fast kränkenden Zerstreutheit zeigte, nahm in seinen Auftritten alsbald in einer alles zusammen- raffenden Weise die Führung. Er selber sprach, immer in derselben zugleich lässigen und strafsen Haltung, seine Sähe flüchtig, rasch und . mit halbem Ton: nur zuweilen hob sich die ein wenig näselnde Stimme plötzlich zu einem Klang, der klirrend aufflog wie rauschender Trommelwirbel oder wie heller Schlag auf Metall tönte: Dann stand ein Sahgebebild licht wie gleißendes Gold im hoxchenden Raum, und vor der so jäh verwandelten Gestalt stockte den Hörern der Atem. Sie freilich kamen nicht zu einer so haushälterischen Einsetzung ihrer Kräfte: denn mit schnellen, gleichsam befestigenden Gesten und beiläufigen Bemerkungen, in denen nur zuweilen die Unge- duld mit flüchtiger Scharfe aufblihte, wies Devrient ihnen in seinen Auftritten Rang und Stellung an und zog um sich her einen magischen Kreis, dessen Grenzen keiner von ihnen mehr überschreiten konnte. Während der Auftritte, in denen er nicht beschäftigt war, saß er aus einem Stuhl an der Rampe, mit gekreuzten Armen, völlig unbeteiligt; und in der Pause ging er rasch in sein Ankleidezimmer. Als er zurückkam, um die Szene zu proben, in der Rubens in eine Verkleidung als alter holländischer Maler schlüpft, sah er, daß auf der dunklen Bühne sich dem Verbot zum Trotz eine Anzahl von nicht beschäftigten Damen und Herren des Ensembles versammelt hatte. 'Sogleich — man probte noch im Straßenanzug — blieb er stehen und sagte: „Mantel und Stock". Mit dem Mantel, den er sich lose um die Schultern warf, mit dem Stock, den er in die Hand nahm, schien er sich zu völliger Verwandlung zu verzaubern, einer gespenstischen Verwandlung: Seine Schultern zogen sich zusammen, sein Rücken rundete sich zu leichter Krümmung, seine Wangen schienen einzusinken, seine Augen glühten in tief verschütteten Höhlen, und um die Krücke des Stocks schloß sich mit hartem Griff eine knochige Greisenhand. Aber es war eine Gestalt voll Erhabenheit, ein Idealbild des Alters: Er gab, sagte der Erzähler, dieser schönen Maske mit erstaunlicher Verwirklichungskraft die Form, die ihm sein Wunsch als Erscheinung seines eigenen Alters malte. Dann, beim Abgehen, als er in der Kulisse die ergriffenen Gesichter der ungebetenen Zuschauer sah, warf er den Mantel ab, mit der Bewegung, wie man eine Last abschüttelt: Sein Körper straffte sich mit biegsamem Schwung wie eine aus gewaltsamer Beugung aufschnel- lende Klinge, er stieß mit einer befreiten Bewegung die Arme in die Luft, lächelte wie bord einer Last erlöst und sprang, ehe irgendwer das Wort an ihn richten konnte, auf schlanken, federnden Deinen die Treppe hinan, die zu den Ankleidezimmern führte. Der Zufall fügte es, daß wenige Minuten spater droben eine vom Luftzug aufgewehte Tür dem Erzähler den Blick in die vierte Verwandlung des großen Mannes freigab; und diese schonungslos grausame Enthüllung zeigte ihm emen sehr alten, von gewaltsamer Anspannung lies erschöpften Mann, kauernd auf dem Stuhl, auf den ihn die Atemlosigkeit hingeschleudert hatte, mit rasselnder Brust nach Luft ringend dre Hand, eine welke Greisenhand, um die schweißfeuchte Stirn gekrampft. Der unfreiwillige Lauscher, aus Ehrfurcht und neidvoller Bewunderung jäh herabgerissen zur Zeugenschaft dieser letzten, von der rachsüchtigen Ratur angerichteten Verwandlung, stand einen Augenblick erstarrt, bis der Schleier aufschießender Tränen ihm' den schauerlichen Anblick dieser letzten Szene wie ein gnädig zu rechter Zeit gesenkter Vorhang entzog. Nachruf für Paul Ernst. Der neue- künstlerische Leiter des Staatlichen Schauspielhauses in Berlin, Hanns Iohst, plante schon seit Wochen die Aufnahme des Schauspiels „H e i l i g er Crispin" von Paul E r n st in den Spielplan des Staatstheaters, um dem greifen Dichter die Ehrung zuteil werden zu lassen. ■ MPA M die er längst verdient hat, und die ihm bisher oor- enthalten worden war. Das Schicksal hat es gewollt, daß Paul Ernst wenige Tage vor dieser Aufführung seines reifsten Wertes starb. Nun wird dieses Schauspiel am Tage nach seiner Beisetzung über die Buhne gehen. Hanns I o h st stellt uns dazu folgende Ausführungen zur Verfügung: Der Kranz, den das preußische Staats-Schauspielhaus am Grabe Paul Ernsts niederlegt, heißt die Aufführung des „Heiligen Crispin". Als Ehrung des Meisters war sie geplant, Zeichen seiner Unsterblichkeit ist sie nun. Denn während gestern die Erde das Vergängliche von Paul Ernst ausnahm, lebt heute sein Unvergängliches auf. Sein Frohsinn und seine Heiterkeit brechen das Gesetz der Graber und auferstehen in der Gemeinschaft aller durch feine Kunst Beschenkten. Die schönste Genugtuung unseres Hauses ist, daß wir in die letzten Wochen des Dichters Freude tragen durften durch die Gewißheit der heutigen Premiere. Sie war gedacht als Zeichen, daß es mit der Vergeßlichkeit der Nation und dem Unrecht an unseren Meistern vorbei ist. Wir sind im letzten Augenblick seines Daseins aufgetreten, wir, feine ehrlichen Freunde — aber seine Zukunft kennt keine letzten Augenblicke mehr. Sie besitzt jene dichterische Kraft, die einem Jahrhundert ihr Gesicht verleiht und ihre Masken schnitzt. Der „Heilige Crispin" erhält seinen Heiligenschein schon wunderlicherweise bei Lebzeiten. Unserem Paul Ernst blieb diese Huldigung versagt, sein Lorbeer wächst über seinem Grabe. * Kultusminister Rust hat an die Witwe des Dichters, Frau Else E r n st, folgendes Beileids- t e I e g r a m m gerichtet: Tiefbewegt von dem Hinscheiden Ihres Gatten, wenige Tage nachdem das neue Deutschland seiner Verbundenheit mit ihm durch die Berufung in die Dichterakademie Ausdruck gab, spreche ich Ihnen in aufrichtiger Teilnahme fein herzliches Beileid aus. Das neue Deutschland wird Paul Ernst, einem der tiefsten und reinsten Führer des deutschen Volkes das geben, was ihm die Vergangenheit versagte. „Liebe aus den ersten Ton." Das ist ein musikalisches Filmspiel nach Motiven von Paul Ilgen st eins „Kammermusik": die tr= freuliche Geschichte vom Tenor der Herzogin, die uns bereits aus der gleichnamigen Operette bekannt ist und mit ihren drolligen Mißverständnissen und Verwechslungen auch in dieser dritten Fassung ihre unterhaltsame und heitere Wirkung nicht verfehlt. Carl Froelich hat das Merkchen sauber in Szene gesetzt. Carl I ö k e n , der zur Zeit beliebteste Tenor von Berlin und die hübsche, pikante Lizzi Wald- müder spielen als Kammersänger und Herzogin Elisabeth die erste Violine in diesem Spiel im Schloß. Johannes Riemann und Lee P a r r y bilden das Pärchen übers Kreuz: Adele Sandrock und Hans Leibelt geben die Repräsentationsrollen mit gedämpftem Humor. Musik: Milde-Meißner. — Im Beiprogramm erlebt man einen interessanten Besuch im Museum des Films und fühlt sich um ein Vierteljahrhundert zurückversetzt beim Anblick eines ergreifenden Dramas in xmei Akten, welches trotz feiner schrecklichen Begebenheiten unwiderstehlich zum Lachen reizt. (Lichtspielhaus.) Aus der Provinzialhauptstadt 20 bis 22 Uhr. des 3aud)c und Abortgruben gespritzt sich eine Oelhaut aus dem Wasser, Um die Rückverlegung des Finanzamtes Butzbach. 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Liebe auf den ersten Ton". — Aus dem Stodtlhealerbureau wird Deutsche, entdeckt Deutschland! Mannigfaltigkeit und Einheit der deutschen Stämme. Von Or. Friedrich Schulze-Maizier. Auch auf Dachrinnen und Schmuckgefäße ist zu achten. 2. Die Gießwasserbchälter kippe man alle 14 Tage völlig um. Dadurch gelangt die Brut restlos auf die Erde und trocknet aus. 3. Falls die Behälter sich nicht völlig ausleeren lassen, so kann man sich durch starkes Durchspülen und gleichzeitiges Ueberlausenlassen des Wassers Helsen. Schnakenlarven dürfen nicht Zurückbleiben. , r 4. Auch durch festschließende Deckel, mit Hilfe von Sackleinwand und dergl. kann man verhindern, daß Schnaken ihre Eier in das Wasser der Gefäße legen. Wo demnach verständnisvolles und zuverlässiges Mitarbeiten der Gartenbesitzer angctroffen wird, bestehl die Aufgabe der städtischen Abgesandten nur im Nachsehen Diese Nachprüfung darf natürlich nicht vernachlässigt werden. Auch muß den städtischen Beauftragten allein die Entscheidung zustehen, ob Sa- prol angewandt wird oder nicht. Bei genauer Innehaltung dieser Vorschläge kann die Schnakenplage durch Hausschnaken bald unterdrückt sein. Das gilt jedoch nicht für die Wiesen-- und Waldschnaken, die uns in Gießen ebenfalls zu schaffen machen. Auch sie entstehen zu Millionen. Infolge ihrer andersgearteten Lebensweise müssen sie etwas anders bekämpft werden. Diese Aufgabe fällt ganz den Behörden zu. Wir finden diese Schnaken nicht dort, wo wir die Hausschnaken und ihre Brut zu suchen pflegen. Zwar kommen im Herbst auch von ihnen einige ins Haus, doch überwintern diese Schnaken meist als Eier, die infolge ihrer schlechten Auffind- barkeit gegen Zugriffe geschützt sind. Gewisse Waldschnaken überwintern auch als Larven. Während für die Hausschnakenlarven und die meisten Wiesen- und Waldschnaken eine Eisdecke tödlich ist. kommen die genannten überwinternden Larven entweder mit dem Sauerstoff aus. der im Wasser gelöst ist, oder sie bohren die Luftgänge von Wasserpflanzen an und versorgen sich auf diese Weise mit dem notigen Sauerstoff. Gegen diese Larven hilft eine Saproldccke auf dem Wasser nichts. Für die Umgebung von Gießen ist das ohne Bedeutung, da gerade diese Schnakenarten bisher nicht in großer und störender Jndividuenzahl aufgetreten sind. E. M. Taten für Donnerstag, 18 Mai. 1782: der Freischarenführcr Major Adolf Freiherr von Lützow in Berlin geboren; — 1799: der französische Schriftsteller Pierre August Caron de Beaumarchais in Paris gestorben, — 1804: Napoleon wird erblicher Kaiser, — 1848: Eröffnung der ersten Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt n. 'UL; •r- 1862: der Okkultist und Parapsychologe Albcrt Freiherr von Schrenck Notzing in Oldenburg geboren; — 1869: der ehemalige Kronprinz Rupprecht von Bayern in München geboren. Bornotizcn. — Tageskalender für Mittwoch. Oberhessischer Kunstoerein, Turmhaus am Brandplatz: Danach sprach Bürgermeister Dr. Scheller. Als Kernpunkte stellte er heraus, daß die seinerzeit für die Verlegung des Finanzamtes angeführten Gründe sich als Fehlschlüsse erwiesen hatten. Die damalige Begründung habe von Anfang an nichts Ueberzeugendes gehabt. Die Wohnungsfrage, die zunächst den Grund abgeben muhte, habe sich als ganz anders gelagert erwiesen, wie schon damals von Butzbacher Seite aus betont wurde. Dor allem ober sei die Voraussage, es könnten erhebliche Personalersparnisse gemacht werden, als gänzlich irrig erwiesen. Es sei nicht nur keine Ersparnis gemacht worden, sondern die Personalkosten hätten sich im Gegenteil vermehrt. Besonders sei hervor- zuheben, daß neben diesen fiskalischen Verlusten die Bevölkerung von Butzbach und Umgebung schwere Ausfälle zu tragen habe. Der Redner bezifferte den rein materiellen Schaden auf 120 000 RM. im Jahr, wobei der Derdienstausfall und das Risiko von größeren Geschäftsverlusten bei Kaufleuten und Gewerbetreibenden noch nicht in Rechnung gestellt sei. Wie vor anderthalb Jahren stehe auch heute die ge- Buntes Allerlei. Von einer Brillenschlange umhalst. Ein Bewohner von Broken Hill in Bord-Rhodesien. R- LyonS. ging friedlich in seinem ®orten spazieren, als plötzlich eine Brillenschlange von einem Baum auf seine Schulter herabfiel und sich rasch viermal um seinen HalS ringelte. Sie zog ihre heftigen MuSkeln immer enger zusammen, zischte wütend und hatte ihren HalS schildförmig gebläht. Wie aus Johannesburg berichtet wird, verlor Lyons in dieser furchtbaren Gefahr keinen Augenblick seine Geistesgegenwart Er konnte gerade den Kopf deS giftigen Reptils aus dem Winkel feiner Augen sehen, hob langsam seine Hände und packte Die Kobra, um die Windunaen aufzulösen, die sich ihm bereits erstickend um den Hals legten, während die Schuppen sich in seine Haut emschnitten. DaS Grausige seiner Lage wurde noch dadurch erhöht, daß sein eingeborener Diener in den Garten kam, mit einer Flinte bewaffnet, und diese auf die Schlange richtete, ohne zu bedenken, daß ein Schuß nur den Kops seines Herrn zerschmettern konnte. Glücklicherweise fiel Lyons ein, daß das Gewehr nicht geladen war; er fuhr also fort, sich von der Schlange zu befreien, und es gelang ihm auch schließlich, ohne Schaden zu erleiden, die Windungen zu lösen und die Kobra zu töten. Blutspuren. Als man vor kurzem auf dem Bahnhof von Orleans in dem Abteil eines aus St. Etienne kommenden Zuges starke Blutspuren entdeckte, glaubten die Beamten, daß hier ein Verbrechen verübt worden sein müsse. Der Waggon wurde abgehängt, amtlich versiegelt und Die Polizei benachrichtigt; da man einen Mord vermutete, nahmen Detektive die Suche nach der Leiche auf. Aber als die Zeitungen von der geheimnisvollen Angelegenheit in großer Aufmachung berichteten, löste sich alles in Wohlgefallen auf, denn ein 12- jähriges Mädchen, Simonne Poirier, betrat schüchtern die Polizei-Inspektion und fragte nach dem Inspektor. Als sie dorgelasfen wurde. Tagte Tic: .Ich möchte nur den Mord ausklären. von dem die Zeitungen so viel erzählen. I ch war es nämlich!" Das Erstaunen des Beamten verschwand, als ihm Simonne erzählte, fie habe unterwegs in dem Zuge starkes Nasenbluten gehabt. Haus zu befürchten. Dazu müssen die Gartenbesitzer allesamt nut- heljcn. Sie sind durch die Polizeiverordnung vom 28. Rovcmber 1911 dazu verpflichtet. Sie wird jährlich vom Oberbürgermeister der Stadt be- fanntgegeben. (Der Bekanntmachung des Kreis- arntes (z. B. vom 5. Dezember 1930) wonach die Scknakenbrut in den Monaten Dezember bis Februar zu vernichten ist, muh ein Druckfehler zugrunde liegen. Denn Schnakenbrut der Hausschnaken gibt cs in diefen Monaten praktisch nicht. Als tropische Tiere brauchen die Hausschnaken zur Entwicklung Sommerwärme.) Erfahrungsgemäß richtet sich niemand nach den genannten Verordnungen. Auch ist vereinzelte Bekämpfung nutzlos. Deshalb wird es gut fein, wenn die Stadtverwaltung auch die Sommer- betämbfung einheitlich regelt. Dazu mögen die folgenden Richtlinien dienen. Die Polizeiverordnung verlangt die Vertilgung der Larven mit Saprol. Alle drei Wochen soll diese teerische Flüssigkeit auf die Wasseroberfläche von Regensässern, Gießwasferbehältern, Wasserlachen, Jauche und Abortgruben gespritzt werden. Es bildet Landkreis Gießen. I I Großcn-Lindcn. 15. Mai. Am Samstag fand hier der alljährlich einmal vorgesehene Feuerschutztag statt. Unter Vorantritt des Spielmannzuges der Freiwilligen Feuerwehr marschierten die Freiwillige und die Pflichtfeuerwehr mit den Jeuerlöschgeräten nach einem Umzug durch Den Ort auf Dem freien Platz bei Der Turnhalle auf. Unter Leitung ihres ersten ÄommanDantcn, Landwirt Wilhelm Volk, führte anschließend die Freiwillige Feuerwehr ein Schau- ererzicrcn vor. Zum Schluß hielt Der erste Kommandant eine Ansprache, in der er auf Den Zweck und die BeDeutung dieser Veranstaltung hinwies, die ebenso sehr der Bekämpfung, al« auch der Verhütung von Bränden diene. - ©rünberg. 13. Mai. Dieser Tage hielt der hiesige Zweigverein des V H E im .Wilden Mann" seine Hauptversammlung ab. Den Jahresbericht erstattete der 1. Vorsitzende. Rektor Bender. Die Mitgliederzahl beträgt 85. darunter 3 Ehrenmitglieder; sie hat sich Damit auf derselben Höhe wie im Vorjahre gehalten. Bei 14 Wanderungen war eine durchschnittliche Beteiligung von 21 Wanderern zu verzeichnen. Gelegentlich einer Familienfeier konnten an acht slei- fjige Wanderer Auszeichnungen verliehen werden. Der Zweigverein ließ bei Der Bismarckfeier auf Dem Hoherodskopf ein Bild des verstorbenen Oberamtsrichters Fritz (Komponist des Vogelsberg- Liedes) als Geschenk an den Hauptvcrcin überreichen. Die Rechnungsablage ergab einen kleinen Ueberschuß Der Kasse Mit einem Sieg-Heil auf Das EhrenmitglieD Des VHE.. Staatspräsidenten Dr. Werner, auf Den Reichspräsidenten von Hindenburg und den Reichskanzler Hitler schloß Der Vorsitzende die Versammlung. Zur Bekämpfung der Schnakenplage. Die Schnakenplage in den Häusern und Gärten von Gießen wird im Wesentlichen von der Hausfchnake hervorgerufen. Die Bekämpfung die- fer lästigen Insekten muß sich nach ihrer Lebens- weise richten. Im vergangenen Winter hat die Stadtverwaltung die Vernichtung der in den Kellern überwinternden Schnakenweibchen durch Abflammen der Kellerwände wieder ausgenommen. Diese Maßnahme ist gut gewesen, doch ist sie nicht ausreichend, um weitere Plagen zu verhindern. . Im Weichbild von Gießen finden sich m Den Gärten in großer Zahl Wasserbehälter Der verschiedensten Art xum Auf bewahren von Gieß- wasser. Dadurch daß dieses Wasser oft genug wochenlang steht, bietet es eine vortreffliche Gelegenheit zur Entwicklung der Hausschnakenlarven. Die Hausschnakenplage wird dort geradezu her- angezs'chtet. und in kurzer Zeit ist wieder die Zahl der Schnaken eingeholt, die im Winter mühsam vernichtet wurde. Die Vermehrung der Tiere ist so ungeheuer, daß im Herbst die Plage erneut auftritt. Dagegen hilft nur die Bekämpfung der Schnaken im Sommer. Sie richtet sich gegen die Larven der Tiere. Wenn ihnen in vernachlässigten Wasserbehältern keine Entwicklungsmöglichkeit geboten wird, ist auch keine Schnakenpflage im .....................-taffer, Die den Schnaken- läroen beim Lustholen das Atemrohr verstopft. Sie ersticken in kurzer Zeit. Diese Maßnahme bringt ge- wisse Unbequemlichkeiten und Nachteile für den Gartenbesitzer mit sich. Er muß sich hüten mit saprolhal- tigern Wasser seine Pflanzen zu gießen. Gewöhnlich wird auch darüber geklagt, daß Vögel und Bienen nach dem Genuß solchen Wassers eingehen. Meist bewahrheiten sich diese Angaben nicht, weil die Tiere saprolhaltiges Wasser meiden. Jedoch wird der Bienenzüchter gut tun, seinen Bienen eine einwandfreie Tränke mit oft gewechseltem Wasser zu bieten. Es ist für ihn so am sichersten, daß die Bienen nicht verdächtiges Wasser genießen. Die Stadtverwaltung braucht eigentlich nur eine einheitliche Aufsicht auszuüben. Die Verwendung von Saprol kann sehr stark eingeschränkt werden. Es ist nur Dann nötig, die Wasserbecken mit Saprol zu de- spritzen, wenn der Besitzer durch eigenes Verschulden am Tag des Nachprüfens noch Schnakenlarven am Leben gelassen hat. In den meisten Fällen genügt die Aufklärung. In den meisten Fällen werden Dann Die Gartenbesitzer ihr Gießwasser selbst vor Schnakenbrut schützen. Dies geschieht auf folgende Weise: 1. Man kehre alle nichtgebrauchten Gefäße (Blech- do!en, Gießkannen u. dergl.) grundsätzlich um, damit nicht Wasseransammlungen entstehen. lichcr Uebcrrafchung vernahmen, baß auch Die preußischen Ketzer an Den Herrn Christus glauben. Schwerlich Dürfte es vorkommen. Daß (wie ein aus Dem RorDosten ftammenDer Germanist erzählte) rheinische SolDaten, Die zu einer Hebung nach Der Ostmark kommandiert waren, vorsorglich Seife und Zwirn mitbrachten. Da fie meinten, bei Den Barbaren Des Ostens gäbe es solche Kulturgüter noch nicht. Aber andere, leider wesentlich tiefer greifende landsmannschaftliche Vorurteile sind noch immer genug zu überwinden im deutschen Vaterlande. Um nur eines Der häufigsten zu- nennen Daß Die vielzitierte „M a i n l i n i e" cm purtiku- laristisches Phantom war. haben die Ereignisse der allerletzten Zeit bewiesen (bekanntlich ist der brückenreichc Main, an dem sich so viele auf furt endigende Ortsnamen finden, weit mehr ein verbindender als ein trennender Fluß; die Würzburger. obwohl fie aus dem rechten Mainufer Hausen, würden protestieren, wollte man sic für „Norddeutsche" erklären); aber die schiefe und übertriebene Art, in der man (selbst Bismarck hat hier in seinen Anfangsjahren gelegentlich gesündigt) deutschen Norden und Süden gegeneinander ausspielte, scheint immer noch nachzuwirken. Immer noch spukt der plumpe und völlig irreführende angebliche Gegensatz zwischen den „tatkräftigen Verstandesmenschen des Nordens'' und den „behaglich genießenden Gemütsmenschen" des Südens. Wir sollten ihn endlich für immer verabschieden. Als ob der Unterschied zwischen Dem kolonisierten, slawisch durchsetzten Osten und dem viel früher kultivierten Westen nicht wichtiger wäre! Als ob es nicht ebenso gescheite wie energische Schwaben gäbe und höchst behagliche Pommern, höchst gemütvolle Ostpreußen! Und wer längere Zeit in Sachsen lebte, wird sich fragen, ob Die viel erzählten Dialektswitze nicht ein recht verzerrtes, ja läppisches Bild von einem Menschenschläge verbreiten halfen, der so gar nicht „gemütliche" Kampf- und Tatmenschen wie Lessing und Fichte hervorgebracht hat. Ohne Zweifel, es wird hier noch auf allen Seiten aneinander gesündigt, auch bei gebildeten und leidlich vorurteilslosen Deutschen. Wir müssen eben alle noch lernen, nicht Klasse gegen Klasse, Stand gegen Stand, sondern auch Stamm gegen Stamm die Augen und vor allem die Herzen immer besser und feiner für einander offen zu halten. „Deutsche, entdeckt Deutschland!" möchte man auch hier raten. Selbst Vielgereiste, wenn sie sich ehrlich Rechenschaft geben, müssen einsehen, daß es im Grunde oft nicht zum Besten steht mit ihrer erlebten Kenntnis Der Deutschen Gaue. Gewiß, man geht fleißig in Die Museen, wenn man reift, man betrachtet aufmerksam Kirchen unD Burgen. Kunst- unD GeschichtsDenkmäler. Aber wie wenige unserer Gebildeten machen sich Die Mühe, das Volkstum Der von ihnen bereisten deutschen Landschaften näher kennen zu lernen! Und wenn sie neben1 Dem „Land" auch ein wenig auf Die „Leute" achten, wie oberflächlich bleiet Diese Kenntnis zumeist. wie viele Fehlerquellen trüben Dann oft das Urteil! Selbst ein fo verdienter Volksforscher wie Riehl: wie merkwürdig schief, wie spürbar voreingenommen mutet sein Urteil über den mitteldeutschen Volkscharakter denjenigen an, Der MittelDeutschland wirklich unD von GrunD auf kennt! Steine des Anstoßes, Züge, die einem nicht gefallen wollen, wird man überall finden, bei Den „weichen" Thüringern ebenso wie bei den „forschen" Brandenburgern oder Den „groben" Bayern UnD man wird sich nur dann nicht an ihnen wehe tun. nur dann Die richtige, sozusagen universaldeutsche Einstellung gewinnen, wenn man alle Be- sunde. Die guten wie die minder erfreulichen, mit jenem gefunden Humor und mit jener weitherzigen Unbefangenheit hinzunehmen weiß, welche der fympathifche Vollsfestredner in Gottfrieds Kellers Novelle „Das Fähnlein der sieben Aufrechten" an Den Tag legt: „Was wimmelt Da für verschieDenes Volk im engen Raume, mannigfaltig in feiner Hantierung, in Sitten und Gebräuchen, in Tracht und Aussprache! Welche Schlauköpfe und welche Mondkälber laufen ba nicht herum, welches Edelgewächs und welches Unkraut blüht da lustig durcheinander, und alles ist gut und herrlich und ans Herz gewachsen; denn es ist im Vaterland!" * Butzbach, 15. Mai. Auf Veranlassung Kampfbundes für den gewerblichen Mittelstand, Des Einzelhandelsvereins und Des Ortsgewerbeoereins, fand Dieser Tage eine Bürgeroersammlung im .Hessischen yof" statt, zu Der u. a. auch Vertreter von Behörden unD Organisationen erschienen waren. Nach Der Begrüßung Durch Den VorsitzenDen Des KampfbunDes, Kaufmann Wiehler, sprach Kaufmann Wilhelm S e i p p e l über Den Zweck Der Zusammenkunft. Er wies Darauf hin, Daß vor einem Jahr Das jinanjamt von Butzbach weg- verlegt fei, was sich schon heute als Fehler erweise. Das Finanzamt habe seit über einem halben JahrhunDert seinen Sitz in Butzbach gehabt unD sei eines Der heften Finanzämter gewesen, so Daß kein GrunD zur Auflösung vorgelegen habe. Die angeschlossenen VerbänDe würben alles Daransetzen, Daß Der Fehler, Der Dem Staat roif Der Bevölkerung Geld koste, gutgemacht werDe; man habe zu Der nationalen Regierung Das Vertrauen, Daß sie Dieses Unrecht Des alten Systems ausmerzen werDe. uns geschrieben: Heute, 20.30 Uhr Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. Vorletzte Aufführung Des Lustspiels: „Die Deutschen ftleinftäDter“ von Kotzebue unter Der Spielleitung von DberjpicIIciter Peter Fassott und mit Frau Auguste P r a s ch - Greve n b e r g , EhrenmitglieD Des Meininger Landes- theaters, als Gast. Gewöhnliche Preise. SpielDauer von 20 bis 22 Uhr. — Freitag, 19. Mai, 31. Vorstellung im Freitag.Abonnement unD zum letztenmal Das Lustspiel „Die Deutschen KleinstäDter" qpn Kotzebue. Gewöhnliche Preise. SpielDauer von Einer der besten und gründlichsten Kenner deutschen Volkstums, der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl, hat einmal einen Ausspruch getan, den vielleicht erst wir Heutigen voll zu würdigen wissen: „Der Volksgeist ist nicht etwa ein nebliges Gespenst, über das man gut Worte machen kann, weil es doch noch niemand gesehen; er läßt sich leibhaftig zitieren, wenn einer nur die rechte Beschwörungsformel weiß." Wir alle spüren es, daß dieser Volksgeist wieder rege wurde und sich sein ewige- Lebensrecht aus freie Entfaltung nicht länger verküm- ------ - ------- - - - ■ , ,. . . mern lassen will. Um so mehr Anlaß für uns, samte Landbevölkerung aus der Umgebung hinter bedenken, daß jene „Beschwörungsformel" nur Dem Antrag, Das Finanzamt nach Butzbach I £ann gesunden werden kann, wenn es eben die zurückzuverlegen. Das Gesuch an den Herrn re$tc« ist, wenn sic die Artung des deutschen Reichsfinanzminister fei ebenso wie damals von Gesamtwesens richtig und den tatsächlichen Ver- sämtlichen 24 Gememden, Die semerzeit dem Finanz- ^Itniffen gemäß zur Geltung bringt. amt angeschlossen waren, unterzeichnet. Die Bevolke- aßer gilt vor allem eines: Wir Deutschen rung habe mit Befriedigung feststellen können, daß ein ^olk der größten landschaftlichen Man- die früher behördlicherseits betriebenen Zentralisa- nigsaltigkeit, das sich aus einer Fülle verschie° tionsbestrebungen, Die zur Entvölkerung des platten ^enartiger Stammesindividualitätcn zusammen- Landes geführt haben, von der nationalen Regierung und das trotzdem in geradezu wunderbarer adgelehnt werden und man irn Gegenteil daraus aus- ^eise über alle Unterschiedlichkeit hinweg eine gehe, die Derbindung , wischen Stad t u n d gewaltige geistig-seelische Einheit bildet. Dieses LanDenqerzuqe st alten und Damit Die Wirt- Wechselspiel von Mannigfaltigkeit und Einheit schäft im Mittelstand zu stärken. Bedeutungsvoll und Don jeher der Reiz (freilich auch die Ge- richtungweisend sei Der Beschluß Des preußischen j^hr) des deutschen Gesamtlebens gewesen. Das Justizministeriums, Die von Der früheren Regierung schon auf sprachlichem Gebiet verfolgen, verfügte Aufhebung von 60 kleinen Amtsgerichten Spielen doch in kaum einer andern europäischen zurückzuziehen, da nach Ansicht der neuen Regierung Sprache die Dialekte eine so erhebliche Rolle Die Ersparnisse bei Der Verwaltung in keinem Ver- mic in &et unfern. Jede Stammesindividualität bältnis ftänDen zu Den Verlusten, welche Die Wirt- im deutschen Volkstum hat ihre eigene Sprache, schäft Der betreffenDen Stähle unh ihrer Umgebung unZ) fortgesetzt bereichert sich die Sprache aus erlitten. Dieselben GrünDe sprächen für Die Zuruck- 6em unerschöpflichen Bestand der Mundarten. Die Verlegung Des Finanzamtes nach Butzbach, Da hier wundervolle Nuancenfülle und Vielgestalt, der außer den großen Verlusten, welche Die Bevölkerung Synonymenreichtum unserer Sprache erklärt sich treffen, auch Die Behörde nur Ausfälle zu verzeichnen ni$t )ulc^t Quä tiefer Tatsache. Vollends unser habe. Die gesamte Bürgerschaft habe zu der natio- kusiureUes Leben, wie überwältigend spiegelt es nalen Regierung das Vertrauen, daß sie den bered). ;Gnc Einheit in der Dielgestalt, jene Dielgestaltig- tigten Wünschen der Bevölkerung von Butzbach und teit in öcr Einheit wieder! Was hat unser geiftig- Umgebung Rechnung tragen werde. seelisches Volksleben so reich gemacht und es Es sprachen bann noch Kaufmann Nern als zur Erfüllung großer Kulturaufgaben besonders Vertreter des Einzelhandels, Dachdeckermeister befähigt? Doch wohl vor allem seine Vielstimmig- Heyd für den Ortsgewerbeverein, Bankvorstand (eit, die immer wieder zu einer vollen und wohl- Steinhäuser für die Dereinsbank, Bankvor- I tönenden Harmonie zusammenklang. Gewiß sind fand P a b ft für Die Gewerbebank und Direktor wir Deutschen ein Volk mannigfachster Zusammen- Falter für das Maihildenstift. Alle Redner brach- setzung, Vermischung und Ueberkreuzung. Daß ten ihre volle Zustimmung zu dem Vorgehen Der aber aus Schlesiern wie aus Bayern, aus Thü- Organisationen zum Ausdruck und versprachen auch ringern wie aus Westfalen, aus Schwaben wie ihrerseits Unterstützung. An Hand von praktischen aus Ostpreußen immer wieder rein und stark Beispielen legten sie bar, welche Schwierigkeiten Die der gemeindeutsche Grundton hervor- Bevölkerunq durch die Verlegung des Finanzamtes brach, das ist vielleicht das größte, schönste nach Friedberg und Gießen habe, und daß die Wunder dieser deutschen Polyphonie. Wer nur Richtigstellung dieses Fehlers im allgemeinen Inter- fo erhebliche Verschiedenheit der deutschen Stam- esse Der Wirtschaft liege. Forstassessor SchneiDer mesindividualitäten sieht (die gewiß nicht unter« als Ortsgruppenleiter Der NSDAP, betonte, daß schätzt werden darf), wer immer nur betont, daß aerobe Die Leitsätze Des Führers Dahin gingen. Durch wir nach Abstammung und Geschichte nun ein- Verbindung zwischen Stadt und Land die Volks- mal kein Volk aus einem Guß seien, wer nicht Gemeinschaft zu stärken. Er werde Den Antrag un- bas Gesamtdeutsche aus allen Landschaftlichen terstützcn und versuchen, bei den höheren Stellen der heraushört, beweist damit nur, daß er taub ist Parteileitung Unterstützung zu erwirken. für das Entscheidende und Wichtigste. Zum Schluß wurde folgende Entschließung Wir haben jetzt endlich den deutschen Parti- an Den Herrn Reichsfinanzminister einstimmig an- kularismus überwunden ^vatlich über- genommen: „Die in Dem überfüllten Saal Des wunden Zu feiner seelischen Ueberwindung „Hessischen Hofes" versammelte Bevölkerung Butz- hat noch immer manches zu geschehen, und jeber Dachs bittet DringenDft im Interesse von Handel von uns kann das Seine dazu beitragen Wieer und Gewerbe und zur Erhaltung des Mittelstandes das anfangen soll. Indern er, mit ber Idee des das Finanzamt nach Butzbach zu ruckzu- großen deutschen Ganzen im Herzes sich immer verlegen, Da keine Ersparnisse erzielt roerDen tiefer und freudiger Sineinlebt in die Mannig- und Bevölkerung von Butzbach unD Umgebung faltigleit unserer landschaftlichen Desonderung. dimere Verluste erleidet. Bitten Herrn Reichsfinanz- Indem er zunächst einmal den Gau unö Stamm, Minister Ausschuß persönlich zum Bericht zu emp- aus dem er s e Iber kam. ^cht «rundlich kennen fangen. Antwort an Bürgermeisterei erbeten. Bür- zu lernen sucht (manch einer wird sich tounbern, geroerfammlung Butzbach." wieviel er hier rwch zu entdecken hat). D>ann Mit dreifachem „Sieg-Heil" auf den Reichspräsi- aber, indem er sich auch um andere deutsche benten von Hinbenburg, Dolkskanzler Adolf Stammesarten kümmert und Zwar gerade um Hitler und Staatspräsidenten Dr. Werner bieicmgen. die ihm bisher fremd und vielleicht wurde die Kundgebung geschloßen. nicht immer ganz systematisch ^rkamen. Es ist _______ leider unser aller Verhängnis, daß wir im Urn- x Kfz« gang mit einander so oft am Dordergründlichen Haftbefehl in der Mordfache «urtp. hängen bleiben, uns so oft am Nebensächlichen WEN Frankfurt a. M., 16 Mai. Dor eini- stoßen, statt durch die freilich nicht immer Degen Tagen war der 18 Jahre alte Fritz Lange- queme Schale zum K e rn des andern hmdurch- (oth genannt „Fred", unter dem dringenden Aubnngcn. Hand aufs Herz, Dolksgenossen, gilt Verdacht festgenommen worden, den Mord an das hier und da nicht auch deute noch für die dem Zigarrenhändler K u r t h in der Kronprinzen- Art und Weise, wie einzelne deutsche Stamme straße ausgeführt zu haben. Langeloth war dem übereinander urteilen? Gewiß ist vieles besser Kurth in dessen Geschäft behilflich. Vom Amts- geworden, gewiß ist der gemeindeutsche Gedanke geruht ist jetzt Haftbefehl gegen Langeloth gerade jetzt wieder erfreulich erstarkt. Etzwerlich erlassen toorlteiK I wird man heute noch jene wackeren Ba,uvaren * treffen, die (wie Riehl einmal berichtet) mit ehr- Zusammenschluß von Turnvereinen. Dr. Edm. Reuendorff, der Führer der Deutschen Turnerschaft, erläßt folgende amtliche Mitteilungen: „Es ist erfreulich und geschieht zu Recht, daß man heute auf allen Gebieten daran geht, gleichartige Verbände zusammenzuschließen. Es wird von selbst dazu führen, daß man auch gleichartige Vereine zusammenschließt. Es sollte uns veranlassen, zu prüfen, ob wir nicht in vielen Fällen gut daran tun, da, wo in einem Ort mehrere Vereine bestehen, die der Deutschen Turnerschaft angehören, diese zu einem Verein- Werden zu lassen. Daß es in den Großstädten oder in Städten, die durch Eingemeindungen zu einer politischen Einheit geworden sind, verschiedene Vereine gibt, ist natürlich, und man soll sie in ihrer Selbständigkeit bestehen lassen, sofern sie eigenes Leben haben und bodenständig sind. Wo cs aber in kleineren Mittelstädten oder gar Kleinstädten mehrere Turnvereine gibt, da sollen sie zu einem Großverein zusammengcschlosscn werden. Das gilt besonders da, wo die Vereine sich nur dadurch unterscheiden, daß die Masse ihrer Mitglieder verschiedenen gesellschaftlichen Schichten angehört. Solche Unterschiede im Aufbau der Turnvereine darf cs künftig nicht mehr geben. Wir sind alle Turnbrüder und Turnschwcstcrn und sind alle Bürger desselben Dolksstaates. 2 ch ordne an, daß in allen Orten, wo es mehrere Turnvereine gibt, die Führer der Vereine baldigst zusammentreten, um darüber zu beraten, wie in Großstädten und weit ausgedehnten Mittelstädten die Arbeitsgemeinschaften unter den Vereinen enger und reicher gestaltet, wie in den kleineren Mittelund Kleinstädten die verschiedenen Turnvereine zu einem verschmolzen werden können. Ich mache die Gauvertretcr für die Durchführung dieser Anordnung verantwortlich." Zu seiner zweiten Verordnung macht Dr. Reuendorff folgende Ausführungen: 3n einer ganzen Reihe kleiner Orte ist es zu Arbeitsgemeinschaften zwischen SA. und Turnvereinen gekommen, und zwar der Art, daß sich unsere Turner zur Teilnahme am Wehrturnen in die SA. unter Leitung der SA.-Führcr einordncn, und daß anderseits die SA. am Turnen des Turnvereins unter Leitung unserer Turnwarte und Vorturner teilnchmen. Ich begrüße solche Arbeitsgemeinschaften aufs freudigste und empfehle, sie überall, wo es möglich ist und nützlich erscheint, herzustellen. Turner- schast und SA. sind aus demselben deutschen Geiste geboren. Sie streben demselben Ziele zu. So kann man sich nur freuen, wenn sie ihm Schulter an Schulter in guter Kameradschaft ent- gcgenstreben. Erste Gelände- und Wehrsporiübung im Gau Gießen Wehlar. Der Reichs-Sportkommissar legt größtes Gewicht auf den bisher in den Sportvereinen fast unbekannten Gelände- und Wehrsport, und stellt den Vereinen und Verbänden anheim, solange dieser Sport nicht allgemein obligatorisch eingeführt ist, ihn freiwillig nach bestimmten Richtlinien durchzuführen. Der Jugendobmann des Gaues Gießen-Wetzlar hatte aus diesem Grunde für alle Jugendlichen und Senioren bis zum vollendeten 25. Lebensjahre, soweit sie nicht durch Teilnahme an Wettspielen behindert waren, am vorigen Sonntag eine Gelände- fportübung nach den Richtlinien des Westdeutschen Spielverbandes angesetzt. Das Gebiet des Gaues wurde von ihm in 6 Äruppen — Grünberg, Butzbach, Gießen, Wetzlar, Burgsolms und Weilburg — eingeteilt. Mit der Durchführung in der Gruppe Gießen wurde die Spielvereinigung 1900 beauftragt. Die der Gruppe Gießen zugeteilten 10 Vereine mußten einen für jeden besonders bestimmten Weg von 10 Km. in der Zeit von zwei Stunden zurücklegen. Alle Marschrouten hatten ein gemeinsames Ziel, die Wellersburg, wo unter fachmännischer Leitung theoretischer und praktischer Unterricht erteilt werden sollte. Leider tat der anhaltende Regen der Veranstaltung großen Abbruch. Einzelne Vereine führten dagegen den vorgeschriebenen Marsch aus, bcsorders hervorgehoben seien der SV. Lollar, der mit gut 40 Mann vertreten war, und die Spielvereinigung 1900. Die Teilnehmer wurden dann in der Wellersburg von dem Gaujugendobmann ausführlich über Sinn und Zweck des Gelände- und Wehrsportes unterrichtet. Anschließend erläuterte Obergefreiter Kuhnert die Grundbegriffe der Rkarschordnung und Disziplin, sowie der Geländeübungen. Dann sprach der Gauathletik- sachbearbeiter Lipp über leichtathletisches Training in Verbindung mit dem Geländesport. Nachdem der Obmann gerade die Jugendlichen des Fußballsportcs aus ihre sportlichen Pflichten und Ziele verwiesen und alle aufgefordert hatte, sich nicht von dem Wehrsport auszuschließen, sprach Herr K. Müller von der Spielvereinigung 1900 die mit großem Beifall aufgenommenen Schlußworte. Als Vertreter der älteren Sportanhänger erklärte er, daß für ihn und seinesgleichen jetzt kein Zweifel mehr bestehe, daß jetzt die Alten, die eigentlichen Pioniere des Sportes, insbesondere des Fußballsportes, sich dem Sport wieder zur Verfügung stellen könnten und würden, weil durch die grundlegende Neuorientierung dem Sport seine ursprünglichen Ziele wieder zurückgegeben seien, nämlich die Ertüchtigung und Wehrhaftmachung unserer Jugend. Mit dem Deutschland- und Horst-Wessel-Lied wurde die erste Geländesportübung beschlossen, die trotz des schlechten Wetters einen befriedigenden Verlauf nahm. VfB. Gießen. VfL. I — Spo. Dillenburg 1 6:0 (4:0). Die Griinweißen hatten am vergangenen Samstag einen Gegner aus dem Dillkreis zu Gast. Man bekam einen recht interessanten Kampf zu sehen: der Gegner setzte sich gegen die Vfber energisch zur Wehr. VfB. trat in veränderter Aufstellung, jedoch ohne Leutheuser und Wilhelm an. Der Sieg der Grünweißen war in dieser Höhe durchaus verdient. VfB. trat wie folgt an: Haas: Bingel, Fehling: Haupt, Knaus, Hintze: Ranft, Heller, Winter, Roth, Lehrmund. Vom Spielbeginn ab zeigte sich VfB. überlegen: trotz der Neueinstellungen zeigten die Grünweißen ein flottes, erfolgbringendes Zusammenspiel. Die Gäste waren während der ganzen ersten Spielhälfte gezwungen, sich auf Abwehr zu beschränken, was nur zum Teil gelang. Aus sinnvoll vorgetragenen Angriffen kamen die VfBer durch Winter, Ranft, Heller und Roth zu vier Toren Vorsprung. In der zweiten Halbzeit konnte der Gastgeber noch zwei Tore durch Heller und Knaus erzielen. Als Roth auf den Mittelläuferposten ging, kam VfB. gegen Ende des Spiels nochmals in Schwung, aber es wurde nichts mehr erreicht. Die Gäste, deren bester Mann der Mittelläufer war, kamen nicht zum Ehrentreffer. Bei den VfBern waren Roth, Haupt und Haas im Tor sehr gut, wie überhaupt die neuen Kräfte sich ausgezeichnet in die Mannschaft einfügten. vfv.IV — Grünberg I 2:5 (2:2). Die neu aufgestellte vierte Mannschaft stand im ersten Spiel einem sehr spielstarken Gegner gegenüber. Die Grünweißen konnten jedoch das Spiel vollkommen offen halten: bei Halbzeit stand die Partie noch unentschieden. Der Gegner war technisch sehr gut, der Sturm sehr schußsicher. Der Torwart der Grünweißen zeigte sich von der besten Seite. Die Jugend war spielfrei. Gegen Heuchelheims Schüler gewannen die Schüler des VfB. auf dem Waldsportplah glatt mit 5:0. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 II — VfB. Detter 1 3:1 (1:1). Ein spannendes und interessantes Spiel lieferten sich diese Mannschaften auf dem 1900- Sportplah. Die Gäste zeigten ein sehr gutes Können, und die Hiesigen blieben eigentlich zu Anrecht Sieger. Die Gäste waren in der gesamten Spielanlage den Blauweißen überlegen. Hervorragend Torwart und Verteidiger. Alle Handlungen wurden eingeleitet von dem äußerst tüchtigen Mittelläufer, der für seine Ballabgaben bei den Reben- und Borderleuten bestes Der- ständnis fand. Fast alle Spieler zeigten sehr gute Ballbehandlung. Diese Vorzüge konnte 1900 nur durch größeren Eifer und größere Schußkraft der Stürmerreihe ausgleichen, sowie durch das glänzende Spiel von Torwart Fischer. Bis zur Pause war das Spiel verteilt: dementsprechend auch das Ergebnis (1:1). Klingel- Höfer (1900) verwandelte einen Eckball direkt, der Halbrechte der Gäste glich auf Flanke von links aus. Rach dem Seitenwechsel hotte Wetter etwas mehr vom Spiel. Die unermüdlichen Läufer und Verteidiger des Plahvereins ließen aber keinen weiteren Erfolg zu. Einen weiteren Eckball von Klingelhöfcr verwandelte Günther (1900) durch Kopfball zum 2:1, dem Mittelstürmer Jäckel bald durch schönen Schuß den 3. Treffer folgen ließ. Das Spiel wurde größtenteils im Regen, jedoch bei guten Bodenverhältnissen, ausgetragen. Schiedsrichter Schnauth (Lollar) leitete den fairen Kampf jederzeit einwandfrei. Ein Ain» entschieden wäre den ansprechenden Leistungen der sympathischen Gäste eher gerecht geworden. 1900 III — VfB. Detter II 3:0 (1:0). Dieser Sieg wurde von den Hiesigen leichter errungen, obwohl 1900 zahlreichen Ersah eingestellt hatte. Reben besserem spielerischen Können hatte der Gastgeber auch körperlich das Aeber- gcwicht. Bei Wetter überragte der Mittelläufer seine Mannschaftskollegen. Die Blauweißen waren ständig groß überlegen, und der Sieg hätte dementsprechend ein weit höherer sein müssen. Nachdem Kraft (1900) vor der Pause seinen Verein in Führung gebracht hatte, erhöhten nach dem Wechsel die beiden Arnold apf 3:0. Auch dieses Spiel war fair und wurde von Schiedsrichter Kreiling (VfB. Gießen) zufriedenstellend geleitet, obwohl auch hier der heftige Regen große Anforderungen stellte. Handball der Sp.-Dg. 1900. 1900 komb. — Tv. Steinbach 19:4. Eine etwas ungleiche Paarung. Die kombinierte Mannschaft der Spielvereinigung zeigte sich sehr gut aufgelegt, insbesondere legte der Sturm eine selten gesehene Schußfreudigkeit an den Tag. Bei Halbzeit lagen die Gäste mit 10:1 im Hintertreffen. To. wieseck I — 1900 II 4:7. Die zweite Mannschaft weilte in Wieseck und zog sich recht gut aus der Affäre. Die Wieseckcr Elf war ebenfalls in guter Form und gab einen ebenbürtigen Gegner ab. Bei Seitenwechsel lagen die 1900er mit 4:2 Toren in Front, sie erhöhten bis zum Schluß auf 7:4. Straßenrennen des Gaues Lahn im BOR. Am vergangenen Sonntag lief mit Start und Ziel Gießen (Karlsruhe) das 100 - Kilome - * Arbeitsbeschaffung durch d i e Friedrich Krupp AG. Die Friedrich Krupp AG. hat sich zur Vergebung größerer Aufträge entschlossen. Nach den Ende Dezember vergebenen Aufträgen von etwa 2,5 Millionen Reichsmark für betriebliche Verbesserungen usw. sind nunmehr weitere Bestellungen in Höhe von insgesamt 3,1 Millionen Reichsmark genehmigt und zum Teil herausgegeben worden. Der Einkauf der Firma bei Fremden ist gegenüber dem Stande vom Oktober 1932 auf mehr als das Zweifache gestiegen. * Mainkraftwerke A G^, Frankfurt (M a i n) - H ö ch st. In der Aufsichtsratssitzung der zum Lahmeyer-Konzern gehörenden Mainkraftwerke AG., Frankfurt (Main)-Höchst, wurden Bilanz und Erfolgsrechnung vorgelegt. Der Reingewinn einschließlich Vortrag beträgt 908 438 (908 321) RM., woraus wieder 4 v. H. Dividende auf 22,4 Millionen Reichsmark Aktienkapital in Vorschlag gebracht werden. Frankfurter Abendbörse. Frankfurt a. M., 16. Mai. Die Abendbörse hatte ein weiter befestigtes Aussehen, wobei die Erklärung Roosevelts von starkem Einfluß war, weil man von ihr erwartet, daß sie zur außenpolitischen Entspannung wesentlich beitragen dürfte. Das Geschäft nahm indessen keinen größeren Umfang an, zumal von der Kundschaft nur wenig Orders' Vorlagen, und auch die Kulisse immer noch gewisse Zurückhaltung an den Tag legte. Gegenüber den Berliner Schlußkurscn ergaben sich jedoch meist Besserungen von 0,5 bis 1 Prozent. IG.-Farben gewannen zunächst 1,1 Prozent und später weitere 0.6 Prozent. Im Verlaufe stellten sich weitere Besserungen um durchschnittlich 0,5 Prozent ein, und die ^lmsahtätigkeit war zuweilen etwas belebter. Bon Kaliaktien zogen Aschersleben um 4,25 Prozent an, ferner lagen Scheideanstalt 2,5 Prozent fester, wobei wiederum nur beschränkte Zuteilung erfolgte. — Am Rentenmarkt bestand verstärktes Interesse für Alt- und Reubesih, die um 0.6 bzw. 0,45 Prozent anzogen. Auch späte Reichsschuldbuchforderungen und Stahlverein-Bonds sowie einzelne Goldpfandbriese waren etwas befestigt. Reubesih 12,10 bis 12,20, Altbesih 75,90, Schuhgebietsanleihe 7,90, 6prozentige Stahlvercin 64, 6prozentige Frankfurter Hypotheken-Bank Gold R. 1 bis 4 81,75, Reichsbank 128, Gelsenkirchen 66 bis 66,50, Kali Aschersleben 131,75 bis 131/0. Westeregeln 133 bis 134, Mannesmann 76/0. Phönix 43,50 bis 44, Bekula 103,50, Zement Heidelberg 84, Scheideanstalt 170, Licht und Kraft 112, 2G -Farben 129,90 bis 130,50, Siemens 157, Reichsbahn- ter - Straßenrennen des Gaues Lahn im Bund Deutscher Radfahrer auf der Strecke Gießen—Marburg—Kirchhain und zurück. Das Rennen kam im Einzelstart zum Austrag. Der Wettergott hatte es diesmal nicht gut gemeint, denn es regnete durchweg sehr stark, und die Straßen waren infolgedessen zum Teil sehr aufgewcicht. So wurden große Anforderungen an die Fahrer gestellt: die Zeit, die für dieses Rennen benötigt würde, kann man als sehr gut bezeichnen. Sieger des Rennens wurde Karl Muhl vom RV. v. 1885 Gießen in der Zeit von 3:8,10 Stunden: 2. Mebus, RV. v. 1885 Gießen, (zweimal Reifenschaden) 3:8,59; 3. Spatz, RV. v. 1885 Gießen, 3:15,17; 4. C. MuhI, RV. v. 1885 Gießen, 3:25,25; 5. Faust, RV. Germania Gießen, 3:29,05 Stunden. Gauklasse: Weber, DB. von 1885 Gießen, 3:55,58 Stunden. Tisch-Tennis -er Sp.-Vg. 1900. Wetzlarer Sportverein I — 1900 II 3:6. Wider alles Erwarten vermochte 1903’8 zweite Garnitur die erste Mannschaft des Wetzlarer Sportvereins in Wetzlar niederzuringen. Der bessere Durchschnitt der Spielvcreinigungsleute war ausschlaggebend. Das Ergebnis stellt einen der schönsten Erfolge dar, den die zweite Mannschaft bislang erringen konnte. Rachstehend die Ergebnisse (Wetzlar jeweils zuerst genannt). Einzel: Zampetri — Reichel 21:19, 21:16, 21:6; Broomen — Gros 18:21, 21:18, 21:8, 15:21, 18:21; H e r t st e i n — Oelemann 15:21, 21:23, 17:21; Sukalski — Gros 14:21, 19:21, 23:25; Zemdt — Götz 18:21, 21:10, 22:20, 21:13; Fischer — Meyer- Hoff 21: 19, 14:21, 16:21, 19:21. Doppel: Zampetri-Broomen — Reichel-Oelemann 21:18, 19:21, 20:20, 21:9, 21:14; Denner-Hertstein — Gros- Oelemann 19:21, 14:21, 13:21; Zerndt- Sukalski — Götz-Meyerhofs 24:26, 21:6, 21:7, 19:21, 17: 21. Vorzugsaktien 96,90 bis 97, Hapag 18,75, Rord- deutscher Lloyd 19,75. Kreisfeuerwehriag in Krofdorf. ch Krofdorf, 15. Mai. Am Sonntag fand in Krofdorf der Berbandstag der Feuerwehren des Kreises Wetzlar, verbunden mit dem 20. Stiftungsfest der hiesigen Wehr, statt, lieber 700 Feuerwehrleute aus allen Teilen des Kreises fanden sich auf dem Sportplatz am Bürgermcistereigebäude ein, um den tadellos vorgeführten Schulübungen mit und ohne Geräte der Krofdorfer Wehr beizuwohnen. Ebenso großes Interesse, auch unter den vielen Zuschauern, fand der Brandangriff auf die Schule an der Gleibergcr Straße, wobei die Vielseitigkeit einer guten Wehr ins rechte Licht gerückt wurde. Der anschließende Festzug durch den Ort bot ein imposantes Bild. In der Gastwirtschaft Moos tagten dann die Delegierten unter Leitung des Kreis- brandmeisters Vogels, Wetzlar. Der stellvertretende Amtsbürgermeister Haus, Bieber, und Bürgermeister Will richteten ebenso wie der Vorsitzende herzliche Degrühungsworte an die Versammlung. Aus dem Jahresbericht ging hervor, daß es infolge der Zuteilung des Kreises an Hessen-Rassau, insonderheit durch die großzügige Unterstützung der Rassauischen Brandver- sicherung, gelungen iftK den Krcisverband von 15 Wehren auf einen Stand von 69 Wehren mit 2248 Mitgliedern zu bringen. Die Wehren leisteten im vergangenen Jahre bei 5 Grohfeuern, 3 Mittelfeuern, 16 Kleinfeuern und 4 Waldbränden Hilfe. Der Kassenbericht wies günstige Zahlen auf. Eine große Anzahl von Mitgliedern wurde ausgezeichnet, darunter von Krofdorf für 20jährige Zugehörigkeit: K. Bender, I. H. Dender, K. Schubecker, K. Bender II., H. Schleenbecker, H. Schmidt, W. Reeh, F. Jochem, F. Rolshausen und W. P l a ß. Der 1. Vorsitzende und der Kassierer wurden einstimmig wiedergewählt. Ein Vortrag von Brandmeister Riegel von der Werkswehr Buderus über Gasschutz mit vielen praktischen Vorführungen fand starke Beachtung. In der Turnhalle, wo die gesellige Feier stattfand, gab der Ehrenkommandant der Krofdorfer Wehr einen Rückblick über die Entwicklung in den 20 Jahren des Bestehens der Ortswehr. Kreisleiter Haus begeisterte die Anwesenden mit einer Ansprache, der das Horst-Wessel-Lied folgte. Wirtschaft. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankzuri a. IM. Berlin Schluß« hird Schlußk. Abend« bürfc Schluß« kurS Schlußk. Miitag« bürfc Saturn 15.5. | 16.5. 15.5- 16.5. 6% Deupche Reichsanioche v. iü2i 6% cie m.7% Di. ReichSanl. v. 1929 84,75 85 84,75 84,75 92,25 91,5 92,5 91,5 5%% youiifl-ÖInlellM’ von 1930 . Deutsche Aill.-Ablös.«Schuld ml — 80 81,5 80 Auslos.-Rechton ............ 73,5 75,9 72,75 75,25 De Sgl. ohne AuSIoj.-Rechte...... 6% ebcm.8% Hess, «ol’oflaat 1929 11 12,2 10,5 11,75 (rnckzahib. 102%)-............ Cbcrbefien Provinz-Anleihe mi — — - 68 Auslos.-Rechton ............ a% Hess. Landesbank Darmstadt 67 67,5 - — Gold R. 12......... 6X1% Hess. Landes Hnvotheken- 84 — 83,5 dank Darmstadt Liqui...... Deutsche Komm. Eammelab l.An 85,5 85,75 — — leihe Serie! mit Auslos.-Rechton 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Bam 67,75 69 66,75 68 Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6% ebem. 7% Franks. Hhp.-Ban 82 81,25 — — Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 6^% ebem. •!>/.% Franks. Hhp. 81,75 81 — — Bank-Ligu.-Psandbriefe ..... 5%% ebem. 4'/t% Rheinische 82,5 83,25 •— — Hllv.-Banl-Lian.-Goldpsc. ... 6% ehern. 8% Pr. Landespsand 83,75 83,25 — — briesanslalt, Psandbriese R. 19 6% ehern. 7% Pr. LandeSvsand — 83 — 83 briefanftQll. Psandbriese R. U 84 84 84,5 84,5 Verrechnungskurs 85,13 85,3 - 85,3 4% O österreichische öolörente... 14,5 14,75 14,65 14,75 4,20% Lestorreichifche Cllberrente — — 1,2 1,25 4% Üngarildic Goidrente....... — - — — 4% Ungarische staatsrrnte v. 1910 —— — — 41-2% dosgl. von 1913......... — — — — 6% abgest. Goldmexikaner von 99 7,75 7.75 8 8 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bogdodbahn-Anleihe 6,4 6,475 6,45 6,45 Serie 1.................... 6,25 6,475 6,4 6,45 Frankfurt a.JJL Norlin Schluß« hird Schluß!. Abend« b6ri> Schluß« furd Schlußk. Mtllag« börfe Latum 15.5. 16.5. 15.5. 16.5. 4% desgl. Serie II ........... 6,3 6,475 6,45 6.4 6% Ruman. vereinh. Rente v. 1903 5,65 5,65 5,95 5,9 4%%Rumän.vereinh.Rentev.l9iz 11 io;75 12,2 11 4% Rumänische vereinh. Rente 8%% Anatolier............. 4,85 4.9 4,85 4,9 30,75 30,75 30.7 31 Homburg-Amerika-Paket ..... Hamburg-Südam. Dampfschiff. i 17,75 18,75 17,5 18,25 0 — - 33 33 Hansa Dampfschiss........... 0 — 27 29 Norddeutscher Llohd ......... 0 19 19,75 18,5 19,25 W.W. für Verkehrswesen Akt. .. 0 51 54,5 51 54 Berliner Handelsgesellschaft.... i 98,25 97,5 97,75 97 Commerz- und Privat-Bank ... 0 51,5 52 51,5 52 Tonische Bank und Diüconto« Gesellschaft................ c 60 60 60 60 Dresdner Bank.............. 0 59,5 59 59,5 59 Reichsbank ................. 1 127 128 127.75 127,9 A.E.G............. 1 26,25 26,5 26,13 26,5 Elektr. LieferungSgefellfchaf« . .. b 96,5 100,5 96,5 99.75 Licht und Kraft ......... k 108 112 108 110,75 Felten & Guilleaume ........ Gesellschaft für Elektrische Unter- 0 61 68 65,5 67,25 nehmungen......... ■1 94,5 97 93,5 96,25 Rheinische Elektrizität ........ 5 86 99 96 97,75 Schurken L Co......... 0 108,25 111 108 109,75 Siemens & vaiSke........... « 152,25 157 150,75 155 Lahme her L Co.............. 10 125.5 127 126 126 Buderus . ................ 74,25 76 73 76 Deutsche Erdöl ....... ..... 4 113 117,5 112,5 116,5 Gelsenkirchener.............. 0 61 66,5 60,5 64,75 Harpener................... 0 94,5 100 93,5 98,5 Harsch Eisen—Köln-Neuessen.. 0 — — 72,5 77.13 Ilse Bergbau ............... alle Bergbau Genüsse........ Klöcknerwrrke ............... 7 7 117,5 115 114.5 0 63.5 64.5 61,75 63.4 ManneSmann-Röhren........ 0 73 76,5 71.9 75,4 Frommri a. 2)1. Ncrlm Schluß« hird Schluß!. Abend« börfe Schluß« hird Schlußk. Millag« börfc Datum 15.5. 16.5. 15.5. 16.5. Mo neun der Bergbau...... ... 0 27 28 26,25 29.25 Kokswerke . ............. ... c — 84,75 87,4 Phönix Bergbau......... ... c 40,25 43,5 39 42,4 Rheinische Braunkohlen .. ...10 193 188 189 185 »liheinkiabi ........ ... 0 80 92 85,13 91,4 Bereinigte Stahlwerke..... ... 0 39 41,9 38 41,4 Otavi Minen ............ ... 0 18,5 18,75 17.5 18.75 Kaliwerke Aschersleben..... ... 6 124 131,5 124 127,5 Kaliwerke Westeregeln..... ... 6 125,75 134 125 131,5 Kaliwerke Salzdetfurth .... ... P 176 181 177,5 179 3 G. Farbon-Industrte .... ... 7 125,75 130.5 124,5 128,75 Schoideanstalt............ ...10 163 170 — Goldschmidt ............. ... O 51 53 51 53,25 Rütgerswerke ............ ... 0 56 56.75 55 56,5 MetaUgeseilfchast.......... 36,75 37,4 37 37 Philivv Holz mann........ ... 0 58,5 58,751 59 59 Zementwerk Heidelberg .. ... 4 78 84 Ccmentwerk Karlstadt...... ... 0 Schultheis Patzenhofer..... ... 0 — _ 120,13 125 Akn