Amerika gibt nicht nach Reichsiagspräsideni Göring gegen Schieicher Völkerbund und Ostafien-Konflikt Geschäftsbelebung nachweisen. Der Index der industriellen Weltproduktion habe in den Monaten August und September des vergangenen Jahres das ersten Mal wieder angezogen. Die Aufgabe wäre nun, auch im internationalen Wirtschaftsverkehr den Weg für eine aufslei- gende Konjunktur zu ebnen. Die Befreiung des internationalen Warenaustausches von allen Annahme von »njeigej für die Tagesnummer bis zum Nachmitlag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klamearneigen von 70 mm •Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20“, mehr. Chefredakteur. Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undlürdenAn- zeigenteil i.D. Th.Kümmel sämtlich in (Siegen. Berlin. 16. Jan. Die Verhandlungen zwecks Erneuerung des deut f ch - s ch wedi s ch en Handels- und S ch i f s a h r t s v e r t r a g e s. die im November 1932 in Stockholm begonnen haben und vom 4. bis 11. Januar in Berlin fort- ge eht wurden, find ergebnislos verlaufen. Die schwedische Regierung hat am 14. ds. Mts. die Mitglieder der schwedischen Verhandlungs- Delegation nach Stockholm zurückberufen und erklärt, daß Voraussetzungen zu weiteren verhand- lungen bei der jetzigen Lage nicht vorhanden seien. In dem jetzigen vertrage mit Schweden sind wichtige deutsche Zölle auf land- und forst- wirt chaftlichem Gebiet gebunden, z. B. für Schnittholz. Rindvieh, Speck, Schmal, und lebende Fische. Um hier wieder die erforderliche Freiheit zu erhalten, war auf deutschen Wunsch zwischen beiden Regierungen vereinbart worden, den Handelsvertrag am 15. Februar 193 3 autzer kraft treten zu laufen. Bei den Verhand- lungen ergab sich trotz deutscher Bereitschaft zu wett- gehendem Entgegenkommen, daß die schwedischen wünsche nach neuen deutschen Zo11bin - düngen, insbesondere auf dem Gebiete der Land- und Forstwirtschaft, so weit gingen, das, ihre Erfüllung in Anbetracht der Lage dieser wirtschafts- zweige in Deutschland unter den augenblicklichen Verhältnissen nicht möglich erschien. Sie Ursache der Schwierigkeiten. streitenden Parteien zu einer endgültigen sachlichen Stellungnahme gelangen müsse. Bisher mar bekanntlich der Völkerbund jeder sachlichen Stellungnahme aus dem Wege gegangen. Das amtliche Dementi des Dolkerbundssekreta. riats wird in internationalen unterrichteten Kreisen lediglich als eine die Tatsachen entstellende Darstel- lunq bewertet, die offenbar durch die kategor > - s ch e Ablehnung des Vermittlungs Vorschlages von chinesischer Seite, sowie durch die Befürchtung einer Bloßstellung maßgebender Persönlichkeiten notwendig geworden war. Der Zwischenfall beleuchtet von neuem die völlig haft- nungslosen Versuche, den Streit im Fernen Osten zu schlichten. Aus dem toten punkt. Em deutscher Fndustrieführer vor schwedischen Industriellen Stockholm, 16. Ian. (WTD.) Dr. 3. Herle, der Geschäftsführer des Reichsverbandes der deutschen Industrie, hielt heute abend vor der Handelskammer Stockholm und dem Schwedischen Industrieverband einen Dortrag, dem er das Thema „Krise und Gesundung der deutschenWirtschaft' gegeben hatte. Zu den deutsch-schwedischen Handelsbeziehungen führte Dr. Herle u. a. aus, daß sich im Verhältnis zur Dorkriegszeit der Anteil Schwedens an der Belieferung des deutschen Marktes nicht geändert habe. von Schweden aus gesehen, sei jedoch der Anteil Deutschlands am Gesamterport Schwedens in den letzten Jahren von 19 o. h. auf 13 v. h. gesunken, während zugleich der Anteil Großbritanniens von 26,5 auf 29 v. h. gestiegen »st. Diese unterschiedliche Entwicklung führte der Dortragende aus die besondere Zusammensetzung des schwedischen Exports zurück. lich die besonders ft junkturempfmdlichen Eisenerze einen erheblichen Anteil an der Einfuhr Deutschlands aus Schweden ausmachten, spielten Gens, 16.Jan. (TU.) 2m..Neunzehner- Ausschuß des Völkerbundes für die Behandlung des japanisch-chinesischen Streitsalles der am Montag unter dem Vorsitz Hymans wieder zusammentrat, kam es zu einem eigenartigen Zwischenfall. Dem Ausschuß lag das schreiben des chinesischen Gesandten Dr. Yen vor, in dem die chinesische Regierung den von Hymans unö Drummond verfaßten, für China völlig untragbaren Vermittlungsvorschlag scharf ablehnt. Hymans und Drummond versuchten nun, Die -tat- fache dieses Vermittlungsvorschlages in Abrede zu stellen, obwohl der den Wünschen Japans weitgehend Rechnung tragende Vorschlag von den amtlichen Dölkerbundsstetten betätigt worden war. Drummond erklärte, er habe der spanischen Abordnung lediglich gewisse Ratschlag e gegeben. Ein amtlicher Vermittlungsvorschlag an die beiden Mächte sei nicht ergangen. kri-S vrd Perlog: vrLHNchc Unioe:fltäfs=Bu. o. uno au dem ergebnislosen Ablauf der bisherigen Der- &£££! zwischen Deutschland und Schweden erfahren wir von zuständiger Seite daß die H a u p t s ch w i e r i g t e i t sich bei der tfrage der schwedischen S ch n i t t h o l za u s f u h r ergab. Die schwedischen Vertreter haben leden Dertrag ohne Zollbindung bei Schnittholz ab- grlchnt, trotz der deutschen Versuche, auf anderen Gebieten Entgegenkommen zu -eigen So wurve Schweden selbst bei dem von Deutschland ange- strebten Me.stbegünstigungsabkommen auf Grund der Meistbegünstigui-gsklaufel des deutsch-ruma- nifchen Der träges immer noch layrsich 6X>.»Stuck Rindvieh zu einem Zollsatz von 15 Mari noch Deutschland einführen können. Weiter »«langte Schweden die unbeschränkte Cinfuhrberechtigung für P f l a st e r st e i n e. Dies ist aber für Deutschland unmöglich gewesen. Da die schwedischen Vertreter den deutschen vor- schlag, ein Meisibegünstigungsabkommen zu schlie- tzen, ablehnten und einen Zolltarifvertrag verlangten, der möglichst die allen Vertragsfähe aufrechterhalten fällte, konnte der versuch, einen Interessenausgleich zu sinden, zu keinem Ergebnis führen, so datz die schwedischen Vertreter abreiften und die schwedische Regierung am Samstag erklären ließ, die Voraussetzungen für weitere Verhand- lungen seien bei der jetzigen Lage nicht vorhanden. In unterrichteten Kreisen ist man der Auffassung. daß es f ür uns durchaus nicht unvorteilhaft fein wird, wenn sich letzt m den deutsch-schwedischen Handelsbeziehungen ein de i 3 cio Meistbegünstigungszust and ergibt. Obwohl wir hierbei zwar gewisse Zolt- binbungen verlieren, so darf doch nicht unterschätzt werden, daß wir im Hinblick auf die bevorstehenden Verhandlungen nut anderen Staaten eine beachtliche handelspolitische Freiheit gewinnen. 2m übrigen rechnet man nicht mit der Gefahr eines Zollkrieges mit Schweden, da auch Schweden daran kaum ein Interesse haben würde angesichts der Tatsache, daß dann der deutsche Maximaltarif gegen Schweden in Kraft gesetzt würde. Zur Deckung des Generalsekretärs veröffentlicht jetzt das Völkerbundsfekretariat, entgegen allen Gepflogenheiten, ein auffallend klares Dementi, in dem mitgeteilt wird, die ,apanifche Abordnung habe sich nach den Verhandlungen mit Hymans und Drummonds mit ihrer Regierung m Verbindung gefetzt wegen gewisser neuer Vorschläge, die jetzt von japanischer Seite im Neunzehner-Aus- schuß gemacht werden sollen. Die japanische Regierung habe um eine 48stündigeVer- schiebung der Verhandlungen des Neunzehner-Ausschusses nachgesucht. In der amtlichen Verlautbarung wird sodann vorsichtig angedeutet, daß der Neun'zehner-Ausschuß im Falle eines e n d - gültigen Scheiterns der Ausgleichsverhand- lungen zwischen Japan und China gezwungen fein würde, das Schiedsverfahren auf Grund des Artikels 15 Absatz 4 des Dölkerbundsvertrages zu eröffnen wonach der Völkerbund unabhängig von den Kein plah für Belgier. Berlin, 16. Ian. (TU.) Gegen die in Berlin geplante belgische Kunstausstellung wurde von den vereinigten Landsmannschaften Cv.pen-Malrnedh-Monschau folgender Protest erhoben: „Die vereinigten Landsmannschaften Eupen-Malmedy-Monschau erheben schärf st enProte st gegen den Plan der belgischen Legierung, in der deut s ch en Leichs- h a u p t st a d t eine staatsbelgische Kunst- ausstellung zu veranstalten. Zu einer Zeit, in der unsere deutschen Volksgenossen in Eupen-Malmedy dem unerhörten Terror einer belgischen Legierung ausgesetzt sind, und diese gleiche belgische Legierung sich Nicht gescheut hat, einen angesehenen beut sch en Priester, der nur seinen kirchlichen Pflichten lebte aus seiner Heimat auszuweisen, bringt das deutsche Dolk kein Verständnis für staatsbelgische Kunstausstellungen auf, sieht es in einer solchen Zumutung der belgischen Legierung vielmehr eine "E Lichtach- tung feiner heiligsten Gefühle. Die Beschäftigung mit belg scher Kunst wird deutschen Menschen erst dann wieder zuzumuten sein, wenn der bei- gische Staat zu europäischer Gesittung zurückgekehrt ist und auf bie mittelalterlichen Methoden, mit denen er die Eupen^Mal- medyer unterdrückt, verzichtet hab Die vereinigten Landsmannschaften Eupen-Malmedh-Mon- schau deren Aufgabe es ist, für die unlösliche Schicksalsverbundenheit zwischen Eupen - M a l m e d Y und dem D e u ts ch e nL ei ch einzutreten, erwarten, daß das deutsche Dolk vor einer Kunstausstellung, die zugleich staatsbelgische Propaganda ist, geschützt wird.' Verhaftung eines kommunistischen Abgeordneten. Gotha, 16. Jan. (WTD.) In einer hiesigen Gastwirtschaft, in der ein Kursus zur A u s - bildung kommunistischer <5 u n 111 d- när e abgehalten wurde, machten Kriminal- und Schuhpolizeibeamte Feststellungen, bei denen belastendes Material vorgefunden wurde. Der Leiter und Lehrer des Kurses, der Landtagsabgeordnete Josef Lösel- Gotha, wurde wegen dringenden Derdachts der Dorbereitung des Hochverrats vorläufig fest genommen. Auch in einem Erfurter Lokal wurden am Sonntag 3 9 kommunistische Funktionäre bei einem Schulungskursus von der Polizei zusammengefunden. Auch hier wurde zahlreiches hochverräterisches Material beschlagnahmt. „Freiheit" in Gowjetrußland. Berlin, 17. Ian. (TTl.) Die unter dem 2. Fünf j ahr es plan vorgesehene Dertrei- bung von revolutionär u n z u v e r lal- sigen Elementen aus den russischen Grotz- Weimar, 17. Jan. (TU.) Reichstag5präsident Göring hielt am Montagabend in einer öffentlichen Kundgebung der NSDAP, in der Weimar- Holle eine programmatifche Rede, in der er zu dem Kabinett Schleicher und dem Fall Gre- gor Straßer Stellung nahm. Er führte u. a. aus- Einen Monat habe nun das deutsche Volk bereits das Kabinett Schleicher, von dem es geglaubt habe, es fei ein Kabinett des autoritären Staats- gedankens. Es fei aber nur bei den Hoffnungen und Versprechungen geblieben. Line wirtschaftliche Aenderung könne nur durch eine politische Aenderung erreicht werden, indem der Marxismus vollkommen gebrochen und ein vollkommen neuer Geist in das Volk getragen werde. Ein System, das aus Verrat entstanden sei, könne kein Volk glücklich machen, zumal immer nur an dem Objekt des deutschen Volkes manövriert werbe» Reichskanzler von Schleicher sei, wie Reichs- taospräsident Göring weiter ausfuhrte, em Kanzler der Mischung, oder auch Beimischung. Immer rede er von neuen Projekten und vergesse dabei das Wichtigste, zu Helsen, daß denen, tue heute noch auf eigener Scholle sitzen, diese erhalten bleibe. Getrieben werde politische Vergiftung, was der Fall Treviranus beweise, bei dem der Name Schleicher ja auch eine Rolle gespielt habe. Diese Täuschungen würden aber an der NSDAP, zerschellen, da ihre Washington, 16.Jan. (TU.) Die amerikanische Regierung hat in einem Rundtele- gkamm -ihre sämtlichen diplomatischen Vertreter m Europa angewiesen, auf alle Anfragen zu erklären, daß die amerikanische Regierung an dem » - , Standpunkt festhalte, wonach sie die A n e t g n u n a Autoritäre oder parlamentarische tH dyt Enerke n n e. Stimson unternahm diesen Aaaissührmig? I Europa 'umlaufende Gerüchte, daß die Hoover-Regierung in der mandschurischen Frage nach- ,geben wolle. Wem es bei der Regierung mißfalle, der komme über Bord. Das Schiff aber führe weiter zur Ret- tung und Befreiung des deutschen Volkes. n, H Ws Blatt M M-S°NS Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen hemmenden Fesseln müsse daher unbedingt ge- @ent 1ß. gan. (CNB.) Nach den heutigen Ver- forderl und allen Autarkiewünschen mit Lach- Handlungen des 19er Ausschusses besteht all- druck entgegengetreten werden. I gemein der Eindruck, daß die Vermittlungsbe- Der Weltwirtschaftskonferenz, die in diesem Jahre mühungen des Völkerbundes im ^lifch-iapani- zusammentritt, fei hier eine vordringliche Aufgabe scyen Konflikt ° ^emlich auf ^ wahrscheinlich schon aeltellt Dr Herle schloß seine Ausführungen m angekommen sind, und datz sie wayricyeimia) 1 1 dankbarer E^nnerung an die großzügige Hilfe ziemlich bald als ergebni lo ° gebrochen Schöna wahrend des Sieges. 'e” "Ä S Seiten «vr* t wurde in den heutigen Verhandlungen betont, datz Nur amerikanische Waren! der Völkerbund nicht mehr länger die Zeit mit , . , , m .... t I unnützen und aussichtslosen Bemühungen ver- Lin lehrreiches Beispiel. bringen dürfe, Washington lTU^) Das Le- mirb behaustet, daß in der Debatte eine Präsentantenhaus hat, offensichtlich auf bemerkenswert verschärfte Stimmung aegen Japan Grund der Propaganda der Hearst Ausdruck gekommen fei. Es sei dabei bejon- Presse. mit 154 18 ©hmm^ eineI JJJJ ausgefallen, daß der englische Außenminister läge angenommen, die bestimmt, daß sämtliche « . fauchen Stimmungsauße- amrilan.fj« Regierung«,teilen nur amen- eineawTg" entaogen hätte. Man will Übri. lanilche Waren lause n Kursen. Srernon -uM-N^reme weg m'eri(ag in bec lc!). wird u. a. auch ein Aus trag betroffen ber nach Oei, diplomatische Schritte ,m chme- Deutschland vergeben worden war. Es han javanischen Konflikt unternommen worden delt sich um die Lieferung von Turbinen für den Im %ertreter der Vereinigten Staaten in Boulderdamm. Die Dorlage geht letzt an den |gerlin Botschafter Sackett, ist hier eingetroffen, Senat. um die Entwicklung als Beobachter zu verfolgen. ftäbten nimmt, wie der „Lokalanzeiger" auS Moskau berichtet, ihren Anfang. In den Großstädten wird die gefamte Bevölkerung zunächst durch Hunderte von neueingerichteten Einwohnermeldeämtern gesichtet. Diese Arbeit soll bis zum 15. April vollendet sein. Pässe werden ohne weiter'- verweigert: 1. Priestern, die nicht in den wenigen dort bestehenden Kirchen angestellt sind, sowie Mönchen und Bonnen: 2. allen, die schon einmal mit der GPU in Konflikt gekommen sind, sowie 3. allen denen, die nicht mindestens drei Jahre in der betreffenden Stadt ansässig sind. Unter Androhung schwerster Strasen müssen am 15. April all« diejenigen, denen ein Paß verweigert worden ist, ihre Wohnungen räumen und das Stadtgebiet verlassen haben. Sie dürfen sich in einem Umkreis von 100 Kilometer von ihren früheren Heimatstädten nicht niederlassen. U. a. sind Taufende von sogenannten Großbauernfami- licn, die nach Enteignung ihres Grundbesitzes sich in den Städten durchzubringen versuchten, jetzt wieder einer ungewissen Zukunft ousqeliefert. Sie solllen nach dem Willen der Kommunistischen Partei ausgerottet werden. Kleine politische Nachrichten. Das thüringische Dolksbildungsministerium hat die Bekanntmachung über die Feiertage der Thüringer Schulen veröffentlicht. Außer dem 18 Januar als Tag der Reichsgründung soll noch der 10 November als Geburtstag Luthers und Schillers wechselnd nach den Bestimmungen des Volksbildungsministeriums einem Großen unseres Volkes gewidmet werden Der ehemalige polnische Außenminister Z a l e s k i wurde zum Präsidenten des Aufsichtsrats der Warschauer Handelsbank ernannt Damit scheint es entschieden zu sein, daß Zaleski wenigstens für die nächste Zeit der Politik fernbleiben wird. Versammlung handelt. Dafür müssen aber Tatsachen vorliegen, die diese Vermutung zweifelsfrei erscheinen lassen. Bei Versammlungen unter freiem Himmel (nicht dagegen bei Versammlungen in geschlossenen Räumen) kann das Verbot nur dann erfolgen, wenn eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit besteht 3. Die polizeiliche Auslösung von Versammlungen ist künftig nur in vier Fällen möglich: zur Verhütung unmittelbarer Gefahr füt Leben und Gesundheit der Teilnehmer an der Versammlung, bei Tätlichkeiten in der Versammlung, die nicht mehr als Einzelerscheinungen anzusehen sind, sondern der Versammlung einen unfriedlichen Charakter geben, bei Anwesenheit von Bewaffneten, die vom Versammlungsleiter nicht entfernt werden; schließlich bei Verweigerung der Zulassung von Beauftragten der Polizei. Durch diese Verordnung der Reichsregierung ist die frühere Demonftrations- und Versammlungsfreiheit in vollem Umfange wiederhergestellt. Die Polizei hat nunmehr die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Staatsbürger in den Genuß dieser Rechte und Freiheiten kommen. Dabei wäre es sehr zu begrüßen und würde ^ur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung wesentlich beitragen, wenn alle Streife der Bevölkerung durch die sorg- ältige Beachtung der versammlungsrechtlichen Be- timmungen — insbesondere durch möglichst aus- ührliche und rechtzeitige polizeiliche Anmeldung politischer Veranstaltungen aus eigenem Antrieb — die Polizei weitgehend unterstützen würden. Mittelstand und Steuerpolitik. Der Sparerbund und die Dolksrechtpartei hatten für vorigen Samstag zu einer Versammlung eingeladen. Stadtratsnutglied Reiber begrüßte die Teilnehmer. Iustizrat Lindt sprach über das Thema ..Mittelstand und Steuerpolitik". Den Ausführungen sei solgendes entnommen: Jin Jahre 1891 habe Bebel gesagt, daß die Katastrophe schneller kommen werde, als man denke. Biedergong sei aber in anderer Form gekommen. als er es vermutete. Die gegenwärtige Lage könne man wohl als unhaltbar bezeichnen, denn die Welt biete sich in allgemeiner Einordnung dar. Der Mittelstand als Kulturträger sei radikalisiert und proletarisiert worden, zwar weniger seiner Gesinnung, aber mehr seiner äußeren Lebenshaltung nach. Die Enteignungsgesehe des Jahres 1925 hätten den Mittelstand ruiniert. Den Opfern des Mittelstandes gebühre für das Verdienst, den Krieg finanziert zu haben, auch ein Maß billigen Bächts. Dem Mittelstand habe aber von den Parteien keine zum Recht verhalfen. Vielmehr seien ihm immer drückendere Steuern auserlegt worden. Immer sei das staatliche Interesse zu viel, das wirtschaftliche Interesse des Mittelstandes zu wenig vertreten worden. Deshalb befinde sich der Bürger immer in scharfem Gegensatz zum Finanzamt. Heute erhebe man nicht weniger Denn 50 verschiedene Steuern. Die Steuergesetzgebung müsse als überspitzt betrachtet werden. Trotz aller neuen und hohen Steuern sei das Defizit des Reiches nicht gedeckt. Die Umfahfteuer erweise sich immer wieder als besonders hart. Das außerordentliche an dieser Steuer sei, daß sie von jedem Arbeitsprozeß erhoben werde. Immer wieder sei die Forderung erhoben worden, die Umsatzsteuer zu reduzieren. Sie sollte vor allem nicht von lebensnotwendigen Artikeln erhoben werden. Das Steueraufkommen werde immer geringer, weil aus dem Wirtschaftskörper nichts mehr herauszuholen sei. Zunächst fei eine wesentliche Vereinfachung der Steuergesetzgebung zu sordern. Steuerbescheide gelte es klarer zu Seftalten. Für viele seien sie unverständlich. Der insluß von Parteien auf die Steuergesetzgebung mühte ausgeschaltet werden. Die Politisierung der Gemeindeverwaltung müsse überhaupt in Fortfall kommen. Steuern sollten gerecht, ausreichend, tragbar sein. Steuergesetze dürften nicht durch die Ministerialbureaukratie herausgebracht werden, wenn sie nicht zuerst von interessierten Verbänden geprüft seien. Hierauf wandte sich der Redner der Lage der Sparer in der Gegenwart zu. Leider müsse man feststellen, daß die Hoffnungen der Sparer auf die wurden. Zwar bemühe man sich jetzt in der Regie- gierung, auch den Wünschen Der Sparer gerecht zu werden, es müsse aber noch viel geschehen. Der Sparerbund und die Volksrechtpartei feien eifrig bemüht, in der Frage der Aufwertung Klarheit zu schaffen Einige Eingaben an die zuständigen behördlichen Stellen seien nicht ganz ohne Erfolg gewesen. In speziellen Abusführungen beschäftigte sich der Vortragende noch mit dem Wesen der Kirchensteuer. Abschließend betonte er, daß die Geselle von 1925 einer Revidierung bedürften. Das Vertrauen des Sparers müsse neu erworben werden, wenn gesunde Verhältnisse in der Wirtschaft geschaffen werden sollen. Schuldigkeit müsse erfüllt werden, Treue müsse bleiben um des Rechtes und der Sittlichkeit willen. Dem Redner wurde von der Versammlung lebhafter Beifall zuteil. Gictzencr Wochcnmarktpreise. * Gießen, 17. Ian. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Süßrahmbutter 120, Landbutter 100 bis 110, Kochbutter 80 bis 90, Matte 20 bis 25, Wirsing, gelb 8 bis 10, grün 12, Weißkraut 6 bis 8. Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Alntcrfoblrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25, Feldsalat 80 bis 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 3), Kartoffeln 3, Aepfel 18 bis d0, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 60 bis 80, Büsse 35 bis 40; das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 40 bis 60, inländische Eier 11 bis 12, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pfennig: der Zentner: Kartoffeln 2,50 Mk. Vornotizen. — Ta ge skalender für Dienstag: Stadttheater, 20 bis gegen 23 äl&r, „Hamlet, Prinz von Dänemark". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplah, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Iungdeutsche Bewegung, Hotel Hindenburg, 20 Uhr, Staatsbürgerabend.— Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der träumende Mund": 22.45 Uhr: „Frankenstein". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, in neuer Inszenierung in dieser Spielzeit zum erstenmal das Trauerspiel „Hamlet" von Shakespeare unter Oberspielleiter Peter Fasfots Regie. Gewöhnliche Preise. Spielende argen 23 Uhr. — Arnold und Bachs Schwank „Stopfe!" kommt am Mittwoch, 18. Januar (15. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement), 20 Uhr, zur Ausführung. Gewöhnliche Preise. Ende 22 Uhr. * < Auszeichnung eines Gießener Gelehrten. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird mitgeteilt: Die Modern Language Association of America hat Herrn Ge- heirncrat Professor Dr. Dehaghel zum Ehrenmitglied (Honorary Mamber) ernannt. Beflaggung der Dienstgebäude am Reichsgründungstag. Die hessische Regierung gibt bekannt: Die Reichsregierung wird am 18. Januar als dem Reichsgründungs- tagr in der getarnten Reichsverwaltung flaggen lassen. Sie Hit die Landesregierungen gebeten, sich dem Vo gehen anzuschließen. Das Gesamt- Ministerium ordnet hiermit an, am 18. Januar alle öffentlichen Gebäude zu beflaggen. Ist nur eine Gelegenheit zum Aufziehen der Fahne vorhanden, so sind unter allen Umständen die Reichsfarben zu zeigen. Sofern staatliche Behörden nichtstaatseigene Gebäude innehaben, ist auch für deren entsprechende und angemessene Beflaggung zu sorgen. Die Kommunal- und Gemeindeverwaltungen werden ersucht, ihre Dienstgebäude gleichfalls zu beflaggen. Kunst und Wissenschaft. 70. Geburtstag des Rationalökonomen Professor SombarL Professor Dr. Werner S o m b a r t, der bekannt» Nationalökonom und Soziologe der Berliner Universität, begeht am 19 Januar seinen 7 0. Geburt s t a g. Sombart, der mehrere aufsehenerregende Werke, wie „Der moderne Kapitalismus". „Die deutsche Volkswirtschaft im 19. Jahrhundert und im Anfang des 20 Jahrhunderts" und „Der Bourgeois" herousgab, gilt als einer der besten Kenner und Darsteller der gegenwärtigen Wirtschaftsformen. Der Geiger Willi Bunnefter f. Der international bekannte Geigenkünstler Prof. Willi B u r m e st e r ist in Hamburg, 63 Jahre alt, einem Herzschlag erlegen. Burmester war dieser Tage von München in seiner Vaterstadt Hamburg eingetroffen, wo er in den nächsten Tagen ein Konzert geben wollte. Burmester mar der Sohn eines Musikers und be- §ann schon im Alter von vier Jahren fein Studium et dem sehr strengen Vater. Mit sieben Jahren spielte er zum ersten Male öffentlich im Hamburger Elbpaoillon. Im Jahre 1886, siebzehnjährig, begann er feine Konzertreisen, errang sich bald internationalen Ruf und erreichte mit der Zeit eine ungewöhnliche Höhe des Virtuosentums. 1890 bis 1891 war Burmester Konzertmeister und Lehrer in Sondershausen: später lebte er in Weimar, Helsingfors, Berlin und Hamburg. Außer der Bearbeitung von einer Reihe von Virtuosenstücken ist von seiner Tätigkeit eine Serenade in I)-Dur für Streichquartett mit Kontrabaß zu erwähnen. Heftern Der gestern über den britischen Inseln und Frankreich gelegene Tiefausläufer hat sich von der Js- landstörung abgefpalten und scheint auf unsere Wetterlage Einfluß zu gewinnen. Wenn auch im wesentlichen durch die aus dem Hoch ausfließende 'Kaltluft der Frost bestehen bleibt, so wird doch durch die Störungstätigkeit, besonders in der Höhe, maritime Luft vorgeschoben, bei deren Einmischen es zu vereinzelten, wenn auch leichteren Schneefällen kommen dürfte. Aussichten für Mittwoch: Vielfach dunstig und bewölkt, vorübergehend auch aufklarend, Frost schwankend, dabei auch zeitweise etwas abschwächend, vereinzelte Schneefälle. Lufttemperaturen am 16. Januar: mittags minus 2,7 Grad, abends — 5,7 Grad: am 17. Januar: morgens — 2,9 Grad. Maximum minus 2,5 Grad, Minimum minus 6,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. Januar: abends minus 0,6 Grad: am 17. Januar: morgens minus 0,8 Grad Celsius. Verantwortlich für Politik: I V. Ernst B l u m i ch e i n Aus aller Welt. Eine Kusine des Reichspräsidenten gestorben. Nach langem, schweren Leiden verschied Frau Helene von Beneckendorff und von Hindenburg, geborene Freiin von Zedlitz und Neu- kirch, eine Kusine des Reichspräsidenten, im 66. Le- bensjahr. Sie war die Witwe des 1904 verstorbenen Günther von Beneckendorff und von Hinden- bürg, vormaligen Besitzers von Neudeck, dem Stammgut der Familie von Hindenburg, das jetzt im Besitze des Reichspräsidenten ist. Dort findet auch die Beisetzung statt Frau von Beneckendorff hat in ihrem Leben viel Not und Elend gelindert und war in der Organisation der Vaterländischen Frauenoereine tätig. Das neue Segelschulschiff der Reichsmarine. lieber die Bauausführung des neuen Segel- f d) u I f d) I f f e s der Reichsmarine, die der Schiffswerft und Majchinenfabrik von Blohm & Voß, Hamburg, von der Marineleitung übertragen worden ist, werden jeßt nähere Einzelheiten be» Fanntgegeben. Das Schiss wird als Dreimastbark mit zwei durchlaufenden Decks, Back und Hütte nach der höchsten Klasse des Germanischen Lloyd gebaut: es erhält alle erforderlichen Sicherheitseinrichtun- gen Die Abmessungen sind: Länge über alles 73,0 Meter, Länge zwischen den Loten 62,0 Meter, größte Breite 12,0 Meter, größter Tiefgang in voll ausgerüstetem Zustand 5,0 Meter bei einer Wasserverdrängung von etwa 1500 To. Ein Hilfsdieselmotor, Typ MAN, wird dem Schiff eine Geschwindigkeit von etwa 8 Seemeilen erteilen. Das Schiff erhält Einrichtungen für eine Besatzung von 226 Mann Arzt und Patient während einer Operation gestorben. Durch eine ungewöhnliche Verkettung verschiedener Umstände sind im Krankenhaus von Varel (Oldenburg) zwei Menschen ums Leben gekommen. Der Arzt Dr. Buken nahm an einem 25jährigen Patiente nnamens Buscher eine Operation vor, um ein Kinnabszeh zu entfernen. Während der Operation entbedtc der Arzt eine sehr starke Vereiterung im Halse des Patienten, die, hätte man sie nicht sofort geschnitten, den Erstickungstod des Kranken hätte herbeiführen können. Dr. Duken entschloß sich daher, auch diese Operation vorzunehmen. Ter sehr schwierige chirurgische Eingriss dauerte bereits eine Stunde, als der Arzt plötzlich von einem starken Unwohlsein befallen wurde. Er schleppte sich noch ins andere Zimmer, wo er wenige Minuten später an einem Herzschlag verschied. Die Schwestern hatten inzwischen sofort einen anderen Arzt des Krankenhauses alarmiert, es gelang ihnen aber nicht, in der Zwischenzeit die schwere Blutung am Halse des Operierten zu stillen, so daß auch der Patient starb, ehe der andere Arzt zur Stelle war. In einigen Blättern wird der Vermutung Ausdruck gegeben, daß Dr. Buken an einer Blutvergiftung, die er sich bei der Operation zugezogen haben könnte, verstorben sei. Dr. Buken war 38 Jahre alt. Schwerer MotorradunsaU. Auf dec Ehausiee ac.ccil-J.eltz.n— Mahlow in der Umgebung von Berlin fand man den Reichs- wchrunteroffizier Thomas tot und den Unteroffizier M a e r k e r sehr schwer verletzt in der Rähe ihres stark beschädigten Motorrades auf. Das Unglück geschah zwischen dem Kilometerstein 8,4 und 8,5 am sogenannten Fuchsberg, wo die Chaussee eine starke Steigung macht. Die Ursache des Unglücks ist unbekannt. Unteroffizier Maerker wurde ins Lazarett nach Tempelhof gebracht. Er konnte noch nicht vernommen werden. Ein mysteriöser Vorfall. In der Nähe des Alexanderplatzes in Berlin wurde um Mitternacht ein etwa 40jäbrlger Mann mit einer schweren Kopfverletzung bewußtlos aufgefunden. In feinen Taschen fanden sich erhebliche Geldbeträge in deutscher und ausländischer Valuta, so 18 900 Schweizer Franken, 23 000 französische Franken, 520 österreichische Schillinge und 100 amerikanische Dollar. Er wurde als der Hausdiener Hans Kowall agnosziert. Kowall erlangte im Krankenhaus für kurze Heil die Besinnung, konnte aber nicht angeben, rote er zu seinen Verletzungen gekommen war. Es ließ sich auch noch nicht ermitteln, wie er in den Besitz der Geldbeträge gelangt ist. Das größte holländische Theater abgebrannt. In dem Rotterdamer Theater .Arena", das das bisher größte holländische Theater darstellte, brach ein Brand aus, der bald eine gewaltige Ausdehnung annahm und in wenigen Stunden das umfangreiche Gebäude bis auf die Grundmauern zerstörte. Die Löscharbeiten wurden durch den starken Frost sehr erschwert. Als die ersten Motorwagen der Feuerwehr erschienen, stand der gesamte Aufführungssaal bereits in hellen Flammen. Die Feuerwehr mußte ihre ganzen Anstrengungen darauf richten, die in der Rähe befindliche Postanstalt und den angrenzenden Zoologischen Garten zu schützen. Der angerichtete Schaden ist sehr groß. Der „Regenbogen" in Brasilien gelandet. Wie aus Ratal (Brasilien) berichtet wird, ist das französische Flugzeug „Regenbogen" am Montag um 16.48 Uhr Ortszeit dort eingetroffen. Das Endziel des mit sechs Personen besetzten Flugzeuges ist Buenos Aires. Der Apparat hat di« 3160 Kilometer, die St. Louis in Senegal von Ratal in Brasilien trennen, in 14 Stunden 27 Minuten zurückgelegt. Aus Der provinzialhaupistaDt. Einbehaltung der ersten Äürgersteuerrate bei wochenlohnernpsängern. Die Bürgermeisterei Gießen übermittelt uns nachstehenden Runderlaß des Reichsfinanzministers über die „Einbehaltung der ersten Bürger steuerrate bei Wochenlohnempfängern: Der erste Fälligkeitstag für die vom Arbeitslohn einzubehaltende Bürgersteuer ist der 10. Januar 1932. Die Steuer ist bei der nächsten auf den 10. Januar 1933 folgenden Lohnzahlung vom Arbeitslohn einzubehalten. Eine Reihe von gewerblichen, insbesondere kurz- arbeitende Betriebe, werden in der Zeit vom Dienstag, 27. Dezember 1932, bis Samstag, 31 Dezember 1932, aus betriebswirtschaftlichen Gründen geschlossen. Einzelne Betriebe, die so verfahren, gewähren ihren Arbeitnehmern in dieser Zeit Lohnvorschüsse, die bei den nächsten Lohnzahlungen des neuen Jahres abgerechnet werden. Sind die Löhne in diesen Fällen außerdem noch infolge Kurzarbeit gemindert, so würde es eine große Härte sein, wenn in dieser Zeit außer den Lohnvorschüssen auch noch die Bürgersteuerrate vom Lohn abzuziehen wäre. Unter der Voraussetzung, daß der Betrieb zwischen Weihnachten und Reujahr geschlossen ist, daß ferner die Arbeitnehmer für dies« Zeit einen Lohnvorschuh erhalten und daß es sich endlich um kurzarbeitende Arbeitnehmer handelt, ermächtige ich ausnahmsweise die Arbeitgeber, die erste Bürgersteuerrate statt an der ersten auf den 10. Januar 1933 folgenden Lohnzahlung erst an der zweiten Lohnzahlung nach dem 10. Januar einzubehalten. In den Fällen, in denen auch noch diese Lohnzahlung durch die Verrechnung des Vorschusses bei den kurzarbeitenden Arbeitnehmern betroffen wird, darf die Einbehaltung sogar auf die dritte dem 10. Januar folgenden Lohnzahlung verschoben werden. Eine weitere Verschiebung kommt nickt in Frage. Für die Frage, ob nach den Verhältnissen vom Fälligkeitstage die Voraussetzungen für eine (Steuerbefreiung von der ersten Dürgersteuerrat« gegeben sind, kommt es auch bei dieser Regelung nach wie vor nur auf die Verhältnisse des 10. Januar 1933 an. Das neue Bersammlungsrecht. Die Hessische amtliche Presse st eile teilt mit: Durch die Verordnung des Retchspräsidenlen zur Erhaltung des inneren Friedens, die am 19. Dezember von der Regierung von Schleicher erlassen wurde, ist das öffentliche Versammlungsrecht auf eine vollkommen neue Grundlage gestellt worden. Die Veränderungen sind auherordentlick einschneidend, denn die früher vorhandenen Beschränkungen sind sämtlich in Wegfall gekommen. Da in der Oeffentlichkeit weitgehend Unklarheit über den jetzigen Rechtsaustand besteht, fei über die wesentlichen Bestimmungen folgendes mitgeteilt: 1 Versammlungen und Auszüge unter freiem Himmel. Während bisher weit- gehende Anmeldungen und Verbotsoorschriften bestanden (unter freiem Himmel waren Versammlungen nur auf umfriedeten Plätzen gestattet), be- fleht jetzt keinerlei Anmeldepflicht mehr, ohne Rück- icht darauf, ob die Versammlungen und Aufzüge politisch oder unpolitisch sind, ob sie in geschlossenen Räumen oder unter freiem Himmel abgehalten werden. Die Polizei erhält nur dann Kenntnis von solchen Versammlungen oder Auszügen, wenn sich die Veranstalter aus eigenem Antrieb, beispielsweise zwecks Sicherung durch polizeilichen Schutz an sie wenden. 2. Verfammtungsoerbote. Die auf Grund der bisherigen Notoerordnungsbestimmun- pen der Polizei gegebenen weitaehenden Handhaben für vorbeugende Verbote von Versammlungen sind aufgehoben Eine Verbotsmöglichkeil besteht jetzt nur noch, wie früher, auf Grund der Reichsoer» fasjung (Artikel 132 Abs. 1) und des Reichsvereinsgesetzes (§ 1), wenn es von vornherein offenbar ist, daß es sich um eine unfriedliche oder bewaffnete Rauhe Haut ? || 6 iflte schnell und I zuverlässig 1 LCREMEMOUSONj MV Wirtschaft Bei'Unbehagen. lb 354V Fichten-Stämme Fichttzn-Derbstg. 116 /006 A Hessische Bürgermeisterei Ettingshausen, zum Aus O p p e r. f«f‘cr ® i 122 12 22 3 1680 1950 1620 41 rm rm rm rm Hit: fit 832 562 33,5 11,9 elfer f. genkWer Pros, rg, 63 Jahre alt, lefler toar bittet 2a 2b 3a 3b eeschättsdrucksachee Rechnungen Briefblätter Brlefumschläu» Postkarten 6eschäftskarten H' Brühl. 8chul»trafl» » 3b- „ la- „ lb. „ 2a- „ 2b- „ 3a« ,, 3b- „ 4a-„ 4b. „ l.Kl. 2. „ Hast, ütonotntn ©i eßen Größtes Spezialhaua Oberhessens für Herren-,Sport und Knabenbekleidung 22,26 fm 3,30 , 2,83 „ 32,44 „ 4,63 „ 28,41 „ 39,72 „ 25,94 , 33,69 „ 10,55 „ 25,80 „ 7,31 „ 3,09 tt.dn bekamt» « Mw Uni. feinen 10. (8 t. tljrere auf^tn« ie Kapitalismus“, 19. Jahrhundert berts" und „Der einer der heften nnmrtigen Wirt. 3. Kl. 4. „ 6 Stck. 29 „ 4 „ 178 „ 121 „ 57 „ 34 „ 7 „ 13 „ 3 „ 1 „ 147 „ 162 „ 157 „ RM 089 1 JO, IM. Ni» echf mii dem Nameny tug Ayati» «u* jede« f>*dtun* l.Kl. = 49 92 II. Kl. = 16,86 III. Kl. steigerung: Eichen-Stämme 1. bis Efchen-Stämme 1. „ Kiesern'Stämme 2a-Kl. „ 3a« „ Bei lebhaften Umsätzen.. befriedigend das Ist das Ergebnis der ersten Inventurwoche• Und warum? Well Unsre Angebote in Anzügen und Mänteln unerreicht - -wie immer - - sind. Benutzen Sie noch die wenigen Tage ,die sich zur Benutzung dieser seltenen,billigen Angebote bieten. Unser Ruf bürgt - trotz billigster Preise - für Qualität und Verarbeitung! iÄ«.’ Die üfC Ifltbüube n io 2 ’n mit |ü. 9ebau6e gleich. Leihgestern, am 14. Januar 1933. Bürgermeisterei.__________ ^rentu und Nuhholzversteigerung im Gräslicheu Revier Feldheim bei Hungen. Overheffen. L .rrvkreis Gictz^n. X Wieseck, 15. Ian. Die hiesigen Stan» des am tsre gifter des letzten Lahres toei.en 41 Geburten. 33 Eheschließungen und 23 Todesfälle auf. In der evangelischen Pfarrer wurden gekauft 39 Kinder: in Gießener Krankenanstalten drw. in der Entbindungsanstalt wurden 7 Kinder geboren und getauft. 1931 waren es 53, und 14 in Gießen. Kirchlich getraut wurden 27 Paare. Don 25 kirchlich Beerdigten waren 5 tn Gießener Kranlenanstalten verstorben. 1931 war o:e Zahl der Trauungen 40, die der Beerb.Zungen 43. Am Abendmahl nahmen teil 702 Eememdoglie- der (1931: 728). Austritte aus der Landeskirche fanden 26 statt: dazu 4 konfessionell unmündige Kinder (1931: 23 und 5). £ _ -. v. Londorf, 16. Ian. Am Sonntag fand fret im Gewerbeschulsaal in Sachen des Iugend- n o t w e r k e s unter dem Vorsitz von Dur^r- meister Au mann (Londorf, als Vorsitzender Holzsubmission. Die Gemeinde Bersrod verkauft Im Stand im Wege des schriftlichen Angebots: Fichten-Stämme: rirka 70 bis 80 fm Klasse 2a bis 4a. Angebote sind bis Sum Freitag, dem 20. Januar L 3., mittags 2 Uhr, bei hiesiger Bürgermeisterei einzureichen, wo an« chließend die Eröffnung erfolgt. Die Bedingungen werden im Termin bekannt« gegeben. dönds m $ ) ninus V y des Küchen- und Kontrvllausschusses eine Besprechung mit den örtlichen Aus- schußmitgliedern und den Herren Dürger- meistern der Gemeinden, welche zum Bezirk der Rcbenstelle Londorf gehören, statt. Aach einleitenden Tegrüßungsworten des Vorsitzenden und Erläuterung deS Zweckes der Zusammenkunft. welcher durch den Vertreter des Arbeitsamtes. Rebenstellenleiter Z i n ß e r (Grünberg) ergänzt wurde, ergab die gemeinsame, anregende Aussprache folgendes: Die Kosten für tägliche Verabreichung eines kräftigen, sch m'a ck - haften Mittagessens an die zu betreuenden Iugendlichen sollen müglichst durch Sammlungen in den einzelnen Gemeinden ausgebracht werden. Die Sammlungen soll:n alsbald in die Wege geleitet werden. Die Spenden können in Raturalien oder Geld gegeben werden. Die anwesenden Lehrer erklärten sich bereit, für die geistige Betreuung der Iugend mit- zuwirken. Es wurde alsdann noch ein Arbeitsausschuß. bestehend aus sämtlichen Bürgermeistern des Bezirkes, g-bildet. Für den Küchen- ausschuß wurde bestimmt Bürgermeister Wagner (Geilshausen). Lehrer Stöhr (Londorf). Sparkassenrechner Louis A u m a n n (Londorf), Gemeinderatsmitgl'ed Ranft (Londorf). Rach» dem nochmals die soforttge Sammlung von freiwilligen Spenden den Vertretern der einzelnen Gemeinden empfohlen und gleich ein Sammelaus- schuß für die Gemeinde Londorf gebildet wurde schloß der Vorsitzende mit herzlichen Dankes- worten cm die Teilnehmer für die Förderung des Neuwahlen erhöhten Unsicherheitsperiode gehemmt werden müße. Dazu kam noch die schwache Haltung der Auslandsbörsen, insbesondere die Kurseinbuße der Deutschen Bonds an der gestrigen Neu« yorker Börse blieb nicht ohne Einfluß. Den weiteren Glattsteftungen der Spekulation stand keine Aufnahmeneigung gegenüber, so daß bei s a st vollkommener K e s ch ä f t s st t l l e durchschnittliche .Kursverluste von 1 bis 2 vH. ein- traten. Einige Spezialwerte waren darüber hinaus von 2 bis 3 d. S). schwächer. Von Montanwerten verloren Gelsenkirchen 2 v. H., Mannesmann 2 25 v. $)., Rheinstahl 1,90 o. H., Phönix 1,75 v. H-, Rheinische Braunkohlen und Stahlvercin ic 1 v. H. Schwach lag auch der gesamte Ehemiemarkt, an dem IG. und Deutsche Erdöl 1,90 v.H., Goldschmidt 2 50 d. Sy, Rütgcrswerke 2 v. H. und MetallgeseU« schäft 1,13 v.H. einbüßten. Don Elektrizitatswerten eröfsneten Gessürel 2,25 v.H., Schuckert und Sie« mens bis zu 2 v. $)., AEG. und Lahmeyer bis zu 0,50 v.H. niedriger. Don sonstigen Spezialwerten gaben Reichsbank 2 40 v. $)., Zellstoff Waldhof 2,75 o. S). und AG. für Verkehrswesen 2,40 v. f). nach. 2m übrigen setzten Norddeutscher Lloyd 0,50 d. f). schwächer ein, während Gebr. Junghans behauptet blieben. Fester lagen Süddeutsche Zucker mit plus 1 38 v. Sy Nach den ersten Notierungen bröckelten die Kurse meist weiter von 0,25 bis 0,50 ab, teilweise traten auch Erhöhungen im gleichen „ 3........ Fichten-Nutzrollen 5,4 rm Zusammenkunft vormittags 9% UJjr am neuen Sportplatz in der Hard. Günstige Zahlungsbedingungen. Die stärkeren Klassen sind Schnittholz und für Schreiner vorzüglich geeignet. Ettingshausen, den 18. Januar 1933. ©er Lohnkamyf im Si gerland Siegen, 16. Jan. (WTB.) In der Siegerländer Erzindustrie haben etwa 70 Prozent der Belegschaften die neuen Lohnbedingungender Ar« beitgeber abgelehnt und sind heute früh nicht zur Arbeit erschienen. Der Rest von 30 Prozent arbeitet unter Vorbehalt und will die Entscheidung des Schlichters abwarten. Um Unruhen im Keime zu ersticken, wurde in Wissen die gesamte Landjägerei des Kreises Altenkirchen zu« sammengezogen. Zu Zwischenfällen ist es bisher nicht gekommen. Die Gewerkschaften haben tue Be« legschäften zu strengster Disziplin angehalten. e • Cornelius Heyl AG.. WorMs. Die ao. GV. der Corncl.us-Heyl-AD., Worms, hatte sich mit der Frage der Lieberführung ausländischer Sondergesellschaften aus dem Besitze der Lornelius-Hetzl-Crbengemeinschaft in den der AG. zu befassen. Es handelt sich hierbei um je ein holländisches, schweizerisches und argentinisches Unternehmen, sowie um eine Berliner Gesellschaft. deren Uebernahme für die Rentabilität der Cornelius-Hehl-AG. von großer Bedeutung sein dürfte. In ausgedehnten Vorverhandlungen zwischen einer vier- und einer zweigliedrigen Familiengruppe wurde eine Einigung bezüglich der Uebernahmebedingungen gesucht. Gerüchtweise verlautet, daß es sich um ein Millionenobjekt handeln soll. Genaue Einzelheiten können nicht mitgeteUt werden, da die Presse zur eigentlichen GD. nicht zugelassen wurde. Berlin stärker rückgängig. B e r l i n , 17. Jan. (WTB. Funkspruch.) Die Befürchtung einer Verschärfung der inner« politischen Lage war auch heute ausschlaggebend für die Tendenz der Börse Auf nahezu allen Märkten war Angebot in größerem Umfange vorhanden, fo daß sich allgemein mehrprozen- tiqe Abschwächungen ergaben Die 6petu« lation hatte sich gestern noch nicht "st os entlastet und war durch das schwache Reuyork, insbesondere den Rückschlag am Markte der deutschen Werte, recht verstimmt. Günstige Nachrichten aus der Wirt« Ickaft, wie der Abschluß des deutsch-tichechischen Kohlenabkommens, die deutsch-englischen Kohlenverhandlungen, die Dividendenerhohung bei der Ham- im Hamburger injä^S ball, mietnaho« Seit eine unge* ö 1890 bis 1891 WrjnSon- mar, h-lf'"Sl°^ '(üi Ruhholzversteigerung. Donnerstag, 19. Januar 1933, kommt aus dem Großen-Lindener Gemelndewald nachstehendes Nutzholz zur Versteigerung: Fichtenstämme: 199 Stück mit 31,67 fm Klasse (N) la 135 „ 40,22 „ .. ' 58 . 34,12 „ „ N 24 w n ^-3,03 n i* )N) 4 „ „ 5,52 „ „ (N) 1 " 1,83 „ „ (N) — 613 Stück - 55,17 fm Fichten-Derbstangen Nächsten Fce.tag. den 20. Januar 19M, kommt in den Waldungen der Gemeinde Ettingshausen folgendes Nutzholz 3ur3®*ß burger Dereinsbank und vor allem auch der recht günstige Reichsbankausweis für die zweite Januarwoche vermochten sich nicht auszuwirken. Mit Ausnahme der 1 Prozent festeren Rheag waren überhaupt keine Gewinne zu verzeichnen. Mehr als 2 Prozent gedrückt waren von Montanen Deutsche Erdöl, Gelsenkirchen und Mannesmann, von Kaliwerten Aschersleben und Westeregeln, die sogar mehr als 4 Prozent einbüßten. Unter chemi- dien Papieren waren Heiden und IG.-Farben bis zu 2% Prozent abgeschwächt. Von Elektroaktien verloren Felten, Gessürel, HEW-, RWE. und Schultert bis zu 3% Prozent. Bei Gasaktien waren Dessauer Gas bis zu 23Ä Prozent gedruckt. Don Metallwerten gaben Deutsche Eisenhandel starker nach. Bei Bauwerten fielen Holzmann durch einen Rückgang von 3/j Prozent auf. Auck Berger waren besonder; im Verlaufe bis zu 2% Prozent niedriger. Von Papier« und Zellstoffwerten gingen Waldhos um 2J4 Prozent zurück. Brauereien waren allgemein 2% Prozent, Engelhardt sogar 4/< Prozent nachgebend. Don Schiffahrtswerten waren' Hansa- dampf beinahe 3 Prozent unter gestern. Wetter verloren Reichsbank insgesamt annähernd 4 Prozent. Den Rekord hielten Deutsche Atlanten mit einem lagesocrluft von VA Prozent. Auch in der zweiten Börfenstunde änderte sich nicht viel, nur vereinzelt bemerkte man kleine Deckung, meist waren neue Abschwächungen bis zu 1 Proz. festzustellen. Schu- bert und Salzer kamen verspätet säst 4 Prozent niedriger zur Notiz. Deutsche Anleihen waren schwach veranlagt. Altbesitz gaben nach anfänglicher Mmus-Minus- Notiz über VA Prozent nach. Relchsfchuldbuchforde- rungen und die übrigen Rentenwerte waren ange« boten und mehr als 1 Prozent gedruckt. Don Aus» ländern waren Lissaboner Stadtanleche und Rumänen als besonders schwach zu erwähnen. Der Geldmarkt blieb in sich weiter leicht, die Sätze waren aber unverändert, nämlich Tagecgeld I 4% bzw. 414 Prozent. Das Geschäft in Privatdis« tonten war sehr ruhig, doch konnte man eher Nach« frage feststellen. Reitwechsel per 10. April und Reichsschatzanweifungen per 17. Juli blieben gefragt. Frankfurt schwächer. Frankfurt a. M., 17.Jan. (WTB. Drahtmeldung.) Die heutige Börse eröffnete in Fortsetzung der Ungewißheit über bie innerposttische Weiterentwicklung in erneut schwach er 4. e n • denz. Die Wahrscheinlichkeit einer Reichstagsauflösung hat verstimmt, auch wett der Fortgang der wirtschaftlichen Entwicklung in einer^vor^ n -Schleier e Modeheu* Braut Ei-J Salomon rm Fichten-Nutzschett „ Fichten-Nutzknüppel 17,8 „ Fichten-Nutzreiser Zusammenkunft vormittags 10 Uhr auf der Provinzialstraße Leihacstern-G.ehen, an der Winkelschneife (Distrikt Ranzen, GroßewLinden, den 16. Januar 1933. Hessische Bürgermeisterei. Lang. ___________ Holzverfieigerung. Aus dem Gemeindewald der Gemeinde Leihgestern, aus den Distrikten Schind« anger, Sättel und Bucht, sollen Donnerstag, den 19. d. TU., nachmittags 1 Uhr. m der Wirtschaft „Zur Krone" nachoerzelch« nete Sortimente versteigert werden: 2 Eichen-Abschnitte = 1,57 fm 4 Kiefern-Abfchnitte = 2,92 fm 11 Eichen-Derbstangen = 0,51 fm 16 rm Fichten-Nutzscheit 102 rm Buchen'Brennscheit Eichen-Brennscheit Buchen-Knüppel Eichen-Knüppel Fichten-Knüppel Buchen-Wellen Eichen-Wellen Fichten-Wellen rm Stockholz . Bei der Ruh- und Brennholzversfeige. tung aus dem Markwald Grüningen- Dorf-Gill am Samstag, dem 21. l. M., kommt das ausgeschriebene Lärchenstammholz nicht zum Ausgebot. 3660 Gießen, den 16. Januar 1933. Der Markoorstand: Nicolaus, Oberforstmeister. Nutzholzversteigerung. Vornan von Gert Gothberg. (Urheberschutz durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.) 4 Fortsetzung Nachdruck verboten. Tückischer Zufall? Frau Dorrheim erschrak. »Das wolle der Himmel verhüten", dachte sie dann inbrünstig. Als die Wagen dann die lange Kastanienallee entlang fuhren, sah Achrrn ihnen ein Wellchen nach, dann ging er rasch die Treppe hinauf und betrat nach kurzer Zeit das Eßzimmer, wo die Dienerschaft soeben noch ein wenig Ordnung schaffte und Pia mit Frau Horlinger noch das Silber wegschloß. Sie hatte ihn nicht bemerkt: er stand unweit der Tür und beobachtete sie schweigend. Das Lächeln auf Pias Gesicht zog ihn an. Dieses Lächeln war wie eine Erfrischung nach all dem einstuüierten Kram, den er den ganzen Abend über hatte genießen müssen. Da bemerkte ihn Pia. Sofort war das Lächeln von ihrem Gesicht verschwunden: sie fragte: „Möchtest du noch etwas?" Eine Heine Zornesfalte erschien auf seiner Stirn. Er hatte schon viele Male beobachtet, daß Pia jedes Zusammensein mit ihm mied, to:nn sie es nur irgend konnte. Dann aber kam doch gleich wieder das Bewußtsein: sie ist ja im Recht, tausendmal im Recht ist sie. So sagte er jetzt nur noch: »Hast du eine Einladung nach Dorrheim für Donnerstag erhalten?" Pia nickte. „3 a, au Fräulein Ilses Geburtstag. Es sind nette Menschen, sie verkehrten ja schon früher in Achern." Ter Schloßherr preßte die Lippen zu einem festen schmalen Streifen zusammen. Natürlich, man würde sich ja ihr gegenüber einer ganz besonderen Herzlichkeit befleißigen. Cs war ja immer gut, wenn man die Verwandten des begehrten Objekts auf seiner Seite hatte. % Harry lachte plötzlich. Pia sah ihn verwundert an. Da sagte er: „Entschuldige, Pia, doch mir kam eben ein sehr lustiger Gedanke, der mit der Einladung nach Dorrheim zusam : enhängt. Jetzt aber will ich dich nicht länger aufhaltcm. Gute Rächt, Pia!" „Gute Rächt, Harry!" Achern rief auch Frau Horlinger einen Gruß zu und ging davon. Als Pia später in ihrem schön eingerichteten Zimmer stand, dachte sie an den heutigen Abend. Wie vorzüglich Harry ausgesehen hatte! Er war entschieden die vornehmste Erscheinung im hiesigen älmkreis. Ob er Ilse Borrheim heiraten würde? Denn daß dieser Wunsch auf feiten der Dorrheims bestand, hatte sie natürlich ebensogut bemerkt, wie Harry und alle anderen. Ob er dieses gesund aussehende. selbstbewußte Mädchen mit den so kalt blickenden Augen wirklich zur Frau nahm? Llnd jvenn, was ging es sie dann an? Wenn er Ilse Dorrheim nicht nahm, dann nahm er eben eines Tages irgendeine andere, denn heiraten mußte er schließlich doch einmal. Seltsam! Wie weh ihr der Gedanke tat, daß er eines Tages heiraten würde. ilnb so seltsam war es auch, daß sie in letzter Zeit nie mehr so brennend gewünscht hatte, die zwei Jahre bis zu ihrer Mündigkeit möchten recht schnell vergehen, damit sie dann Achern verlassen konnte. „Weil er anders zu mir ist als früher, weil er mich nicht mehr haßt, deswegen ist mir dieses Zusammensein erträglich geworden", dachte sie dann. HnZ) als sie in den weißen Kissen lag, da dachte sie noch einmal: „Weil er mich nicht mehr haßt." Plötzlich hatte Pia das Gesicht in die seidene Decke vergraben und weinte bitterlich. • Am Donnerstag fuhren sie dann nach Dorrheim hinüber. Es waren noch einige Freunde und Verwandte geladen. Harry von Achern hatte das unangenehme Gefühl, daß er „vocgeführt" werde. Desonders den Verwandten der Borrheims gegenüber hatte er dieses Gefühl. Zumal ihn ein alter, dicker Herr stark musterte, so, wie man vielleicht ein Pferd von allen Seiten mustert, ehe man es kauft. Rachdem er sich eine Weile darüber geärgert hatte, erwachte der Llebermut in ihm. Auch die Erlenbacher, denen wahrscheinlich gezeigt werden sollte, daß ihre Hoffnungen vergeblich seien, waren geladen. Harry von Achern pirschte sich also an die Erlenbacher Madels heran und plauderte so angeregt mit ihnen, besonders mit Eva Erlenbach, daß Frau Dorrheim sprachlos vor Wut das junge Mädel musterte und Vergleiche zog zwischen der Heinen, häßlichen Eva und ihrem eignen Kinde. „Hätte ich die Dande bloß nicht eingeladen", dachte sie reuevoll: „was kann uns denn von denen Gutes kommen? Aber das kommt davon, wenn man seine Töchter gut erzieht. Ilse ist zu schüchtern. Der Achern ist verwöhnt und will umworben sein. Ilse soll sich gefälligst nicht so dumm benehmen und ihm etwas mehr entgegenkommen." Tahinzielende Defehle erhielt Ilse dann in einem Rebenzimmer von ihrer Mutter. Sie gab sich denn auch redlich Mühe, Achern an ihre Seite äu fesseln Er aber sah immer wieder nach dem Erlenbacher Evchen hinüber, was in dem Herzen Frau Erlenbachs freudige Hoffnung weckte. Rur Eva selbst wußte, daß sie lediglich den Blitz- ableiter abgab, und in ihrer lieben, offenen Art sagte sie ihm das auch. Er war ein wenig verlegen, meinte dann aber doch: „Ich bewundere Ihren Scharfsinn, Fräulein Eva, ich wollte tatsächlich —" Er stockte. nicht den Anschein erwecken, als ob Sie sich um Ilse bewerben", ergänzte sie lachend. Er küßte ihr dankbar die Hand. Eva zuckte zusammen, denn sie liebte ihn. Loch ohne leden Wnnsch war diese Liebe. Drüben aber im Kreise der älteren Damen hatte dieser Handkuß einen Sturm entfacht. Man begnügte sich zwar mit vielsagenden Blicken, aber die Freundschaft zwischen Erlenbachs und der Familie Dorrheim bekam an diesem Tage einen Riß, der. wenn überhaupt jemals wieder, doch nur schwer gekittet werden konnte. Pia dachte: „Ilse Dorrhrim wird es also nicht sein." Ihre Augen folgten Harrys hoher Figur, und in ihr war eine große Freude, daß er Ilse Dorrheim nicht mochte. Achern war zu sehr Kavalier, als daß er sich nicht auch wieder zu Ilse gesellt hätte. Er bemühte sich, recht liebenswürdig zu fein. Es gelang ihm auch. Ilse wieder froh zu stimmen. Das änderte aber nichts daran, daß später, als die Gäste fortgefahren waren, der dicke Onkel Adolf aus Dunzlau. den man eigens herzitiert hatte, damit er sein Urteil über den in Aussicht genommenen Schwiegersohn abgeben sollte, ganz gemütlich sagte: „Hm. feiner Kerl! Aber euren Wünschen gefügig machen könnt ihr den nicht, da müßt ihr euch schon einen andern suchen." Ilse Dorrheim sah ihn sprachlos an. Dann brach sie in lautes Weinen aus. Frau Dorrheim aber sah ihren Druder empört an. Rein, dieser Adolf, er war aber auch zu ungehobelt. Sie erhob sich würdevoll und sagte: „Wir wollten von dir ja auch nur wissen, ob er dir gefällt. Das Weitere wird sich schon finden." „Er gefällt mir sehr, sehr. Da steckt noch was drin. Eine Figur hat er, — Donnerwetter! Ra. ich wünsche euch also, daß er euem Wunsch erfüllt. Daran glauben kann ich nicht, das müht ihr schon entschuldigen." An dieser Dickköpfigkeit ließ sich nichts ändern. Zanken durfte man sich auf keinen Fall mit Adolf, denn er sollte für die Ausstattung Ilses herhalten, da das Bargeld knapp war auf Dorrheim und der reiche, alte Junggeselle es entbehren konnte. So schluckte man das hinunter. Aber eigentliche fidele Stimmung war in den nächsten Tagen nicht auf Borrheim, — das hätte kein Mensch behaupten können. Viertes Kapitel. Harry von Achern war sehr erstaunt, als er eines Tages einen 03rief vom Rechtsbeistand seines verstorbenen Vaters erhielt. Und dann las der Schloßherr von Achern, was der Vater ihm noch mitzuteilen hatte, nachdem er nun schon so lange drüben auf dem stillen Dorffriedhof in der Familiengruft neben der Mutter ruhte. „Lieber Harry! Da ich stets das Gefühl habe, daß es nicht mehr lange mit mir dauern wird, so habe ich mich entschlossen, ein Schriftstück auszuferttgen, das Dir ausgrhändigt werden soll, falls Pia noch friedlich in Achern leben kann, wenn Du Herr über Aichern bist. Denn dann hast Du bewiesen, daß Du endlich ein Mann bist und Deinen kindischen Haß gegen die Heine Pia begraben hast. Ich habe damals bei der Toten Papiere gefunden, die mir bewiesen, daß die unglückliche Frau die verstoßene Tochter des alten Guido Hohen- brück war. Sie hatte nichts begangen, nur dem Mann ihrer Liebe, dem bekannten Maler Ernst Eichendorff, war sie gefolgt, hatte ihn gegen den CEillen ihres Vaters geheiratet. Eichendorfs ist jung gestorben und ließ seine Witwe unversorgt mit dem Kinde zurück. Helene Eichendorff hat versucht, sich allein mit ihrem Kinde durchzubringen, doch es gelang ihr nicht, sie war viel zu zart und unwissend, um den Kampf mit dem Leben aufnehmen zu können. Als ich sie fand, trug sie ein Schreiben bei sich. Sie bat darin, daß man noch einmal versuchen solle, ihren Vater um ihres Kindes willen zu versöhnen, sie fühle sich sehr schwach und glaube, daß sie nicht mehr nach Hohenbrück komme. Sie wandte sich an den Finder der Zeilen und bat um sein Wort, nicht zu verraten, daß Helene von Hohmbrück am Wege verhungert sei. Ich gab der Toten mein Wort. Harry. Helene war immer so stolz und still gewesen, ich kannte sie, und es war gut, daß gerade ich sie fand, denn es war nicht nötig, daß die Menschen über diese Tragik eines Lebens zwischen Kaffee und Kuchen behaglich schwatzten. Ich ging zu dem alten Hohenbrück und bat ihn dringend, sich des Kindes seiner verstorbenen Tochter anzunehmen. Er stierte mich nur an und lachte dann. Außer diesem harten Lachen habe ich kein Wort von ihm gehört, und ich wartete geduldig zwei Stunden darauf. Dann bin ich gegangen, da mir klar geworden war, daß ich mit meiner Erzählung eher einen Stein hätte erweichen können — nur nicht diesen alten, in Weltverachtung erstarrten Mann. So habe ich Pia Eichendorff in mein Haus genommen! Jetzt weiht Du, warum. Sollte Guido von Hohenbrück ft erben, er ist ja heute weit über siebzig, und sollte er fein Testareent hinterlassen, dann ist Pia die Erbin, — seine alleinige Erbin. Die, die auf dieses Erbe seit Jahren warten, haben keinen Anspruch daraus, wenn Pia ihre Rechte geltend macht. Und Tu wirst es für sie tun, wenn einmal diese Zeit da ist! Tu weißt, daß Pia wohl kaum jemals heiraten wird, und so bitte ich Dich heute: sei Pia stets ein Schutz, wenn sie dessen bedarf. Sollte sie durch ein Testament ihres Erbes verlustig gehen, dann soll Pia von Dir hunderttausend Mark erhalten. Du bist verpflichtet dazu, Harry, es ist durchaus kein Geschenk! Ich an Deiner Stelle wüßte, was mir zukäme. Pia muß es ja auch tragen, — warum Du nicht?? Doch das ist weder ein WunsH. noch ein Befehl, das ist Deine Sache, und ich will Pia glücklich wissen, nicht in einer"unglücklichen Ehe. So, mein Junge, nun weißt Du alles. Weißt auch, daß Dein Vater volles Okrtrauen in Dich setzt. Zwischen uns beiden steht nichts mehr, Junge. Ich habe auch mit Mama sehr glücklich gelebt in den letzten Jahren. Leb' wohl und einen herzlichen Gruß. Dein Daten.* (Fortsetzung folgt.) d57A Inventur-Verkauf Gebrüder Stamm bis 22. Januar irische Mche für mittrood). Donnerstag unö 3reifng la Schellfische, Kabeljau u. Seelachs o.K. ...........Pfd. 35^ im Ausschnitt..........Pfd. 40 4 Goldbarsch, Bratschellfische, Portionöschellfische Grüne Heringe. Pfd. 18--,3 Pfd. 50 4 GUTSCHEINE der Winternot- hilse werden n Zahlung genommen Bücklinge........Pfd. 26 und 35 4 Sprotten...........*/< Pfd. 15 4 V,-Pfd.-Kiste............28 4 Heringe, Holl., la Milcher .. St. 10 4 Deutsche, gemischt......St. 8 4 Norweger...........St. 4 4 Isländer Matjes......St. 25 4 Holl. Sardellen . .. Pfd. Mk. 1.30 Sauerkraut, wohlschmeckend, eig. Herstellung......... 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