Kr. 295 Drittes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)8amstag, 16. Dezember 1955 Der Zesuch des ReichMatthalters beim Gießener SWerlorps. Am Donnerstag weilte — wie gestern schon berichtet — der Herr Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger in Begleitung des Herrn Staatsministers Jung und einiger weiterer Herren als Gast beim Offizierkorps des 1. Bataillons Infanterie- Regiments Rr. 15 in Gießen. Unser nebenstehendes Bild zeigt den Herrn Reichsstatthalter inmitten des Offizierkorps. Vordere Reihe von rechts nach links: Staatsminister Jung, der Bataillonskommandeur Major von Wachter, Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, Generalmajor a. D. Fritz, der Landes- Polizeiführer Oberstleutnant I a ° e o b s e n , der Personalreferent Direktor L o e w e r. — (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.) deren Träger sind die der Technischen Nothilfe auf das schärfste abgegrenzt. Ueberschneidungen sind dadurch vermieden. Durch Belassung der Technischen Nothilfe für bestimmte technische Aufgaben ist am besten eine sachgemäße Arbeitsleistung gewährleistet, verfügt sie doch über die praktischen Einsatzersahrun- gen, die benötigten zuverlässigen Fachkräfte und die in mühsamer Arbeit geschaffenen organisatorischen und technischen Einsatzunterlagen. Trotz der äußeren Trennung der Organisation von den Organen des Staates und den nationalen Verbänden ist die Zusammenarbeit in allen wichtigen Fragen gewährleistet. Ihr Verhältnis zum Staat ergibt sich aus der Bestimmung in den Richtlinien, in' denen das Aufsichtsrecht des Herrn Reichsministers des Innern über die Technische Nothilfe und das Recht der dafür zuständigen staatlichen Organe geregelt ist, den Einsatz der Technischen Nothilfe anzuordnen und über den Umfang des Einsatzes zu entscheiden. Mit der Bezeichnung der Technischen Nothilfe als „Machtmittel des Staates" wird sie zu der Staatsführung in ein besonders starkes und enges Verhältnis gebracht. Gleichzeitig ist aber für die f e ft e V e r a n k e - rung in ben nationalen Ä reifen, bie im Sinne bes nationalsozialistischen Staates als zuverlässig gelten, gesorgt. Da nur Deutsche arischer Abstammung Nothelfer werben können, bie nach Gesinnung unb bisheriger Betätigung bie Gewähr da- für bieten, baß sie jeberzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten, ist eine innige Wechselbeziehung zwischen ber Technischen Nothilfe unb bissen nationalen Kreisen geschaffen. Gerabe diese Bestimmungen tragen wesentlich bazu bei, bie Technische Nothilfe durch beren personelle Verankerung in ben nationalen Kreisen zu einem brauchbaren und unbebingt zuverlässigen Instrument bes nationalsozialistischen Staates zu machen. * Oie Stellung der TN. im nationalsozialistischen Staate. Von pg. Dr. £. Röthenmeier, Reichswerbeleiier der Technischen Nothilfe. Nachdem durch den vor kurzem erfolgten Erlaß neuer Richtlinien unter die Entwicklung der Technischen Nothilfe' ein Schlußstrich gezogen ist, ist es angebracht, einmal die Stellung ber Technischen Nothilse im öffentlichen Leben und im nationalsozialistischen Staate, wie sie sich jetzt nach der Neuregelung der Verhältnisse zeigt, klar zu um» reißen. Dabei kommt es darauf an, die für die Praxis entscheidenden Tatsachen kurz aufzuzeigen. Zunächst ist festzustellen: in dieser, wie überhaupt in jeder anderen Beziehung, stellen die neuen Richtlinien den bedeutungsvollsten Markstein in der vierzehnjährigen Entwicklung ber Technischen Not- Hilfe bar. Die früheren Grunbsätze ber Neutralität unb Ueberparteilichkeit, die mit ben Zwecken ber Technischen Nothilfe im neuen Staat unb ihrer eigenen inneren Einstellung nicht vereinbar finb, sinb endgültig über Bord geworfen Wörden und an ihre Stelle die selbstverständliche Unterordnung unter die Staatsführung und Einordnung in ben Organismus des neuen Staates gesetzt worden. Sichergestellt ist, daß in jeder Einzelfrage in Zukunft die Entscheidung durch die Erfordernisse der nationalsozialistischen Weltanschauung bestimmt wird. Klares, bedingungsloses, mutiges Eintreten für den nationalsozialistischen S it ist die Vorbedingung für den weiteren Fortbestand der TN., engste innere Verbundenheit mit den nationalsozialistischen Kämpfern unb Zielen bie Voraussetzung für ihre erfolgreiche zukünftige Arbeit. In biefem Sinne geht bie TN. im neuen Staate frisch ans Werk, ihrer befonberen Stellung unb ihrer Verantwortung voll bewußt. Sie kann es um so leichter unb freubiqer, als bie nationale Einstellung ber in ihr oe^.nigten Kräfte trabitionett ist. Vom ersten Tage an ftanb sie im Kampfe gegen ben Bolschewismus, bestaub ihr Zweck in ber Beseitigung von Notstänben, bie ihre Ursache in dem vom Marxismus geprebigten unb geförberten Klassenkampf unb bem baburch heraufbeschworenen Kamps aller gegen alle hatten; verfolgte sie bas Ziel bes Wieberausbaues einer starken, selbstbewußten deutschen Nation; verrichtete sie Dienst am Volk 14 Jahre hindurch und trat mit Wort unb Tat ein für bie vom Führer roieber zu Ehren gebrachten Grundsätze.- „Einer für alle, alle für einen" und „Gemeinnutz geht vor Eigennutz". Wo die Technische Nothilse früher tatsächlich stand, steht mithin unverrückbar fest. Ihr Platz war dort, wo die nationalgesinnten Kräfte standen, wo der Wille zur Ordnung und Sauberkeit zu finden war, wo die aufbauwilligen deutschen Volksgenossen sich gegen die Kräfte der Zerstörung zusammenfanden. Mit ihren stets im Prinzip gleichgebliebenen Aufgaben, Zwecken und Zielen ist die TTL automatisch unb organisch als festes, dauerhaftes und zuverlässiges Glied der Staatssührung in den nationalsozialistischen Staat hineingewachsen. Sie ist ein vom Staat beaufsichtigter, ihm unterstellter, vom Vertrauen der nationalgesinnten Volksgenossen getragener, vom nationalsozialistischen Geist erfüllter, leistungsfähiger Faktor des öffentlichen Lebens zur Beseitigung von nicht vorauszu- sehenden, das Leben der Bevölkerung ober bie Existenz des Staates bedrohenden öffentlichen Notständen. Was aber sagen die Richtlinien der Technischen Nothilse darüber? Welche Funktion haben sie der Technischen Nothilfe im öffentlichen Leben und im neuen Staate zugewiefen? Eindeutig und klar sind die Aufgaben festgelegt. Sie bestehen in der Beseitigung öffentlicher Notstände in lebenswichtigen Betrieben einerseits unb in bem Gas- unb Lufschutzdienft andrerseits. Wenn es auch auf ben ersten Blick und bei oberflächlicher Betrachtungsweise so scheint, als ob ben ersteren Aufgaben im neuen Staat keine befonbers große Bebeutung mehr zukomme unb bas Schwergewicht auf den letzteren liege, so entspricht eine solche Ansicht nicht dem Ergebnis einer gründlichen Prüfung. Wenn man von den laufenden, der Erhaltung und Festigung der Schlag- fertigten der TN. dienenden Vorbereitungsarbeiten absieht, so ist es außer Zweifel, daß keine der obigen Aufgaben deshalb an Bedeutung verliert, weil sie nicht laufend zu leisten sind. Man müßte sonst aus den gleichen Gründen die Notwendigkeit der Reichswehr ober gewisser Teile ber Polizei ober ber Feuerwehr ober ber Sanitätskolonnen verneinen. Nicht durch die nicht regelmäßige ober nicht ununterbrochen sich vollziehenbe Einsatztätigkeit wirb ber Wert unb bie Bebeutung ber Technischen Nothilfe bestimmt, sondern durch die Tatsache, daß der, wenn auch vielleicht selten eintretende, Notfall einen für bas Leben ber Bevölkerung unb bie Existenz bes Staates entscheibenben Fall darstellt. Eine Daraus- schauenbe unb verantwortungsbewußte Staatsführung wirb es deshalb als ihre felbstverstänbliche Pflicht unb als eine unerläßliche Notwenbigkeit betrachten, sich gegen solche Eventualitäten bestmög- lief) zu schützen. Was aber bas Aussetzen ber lebenswichtigen Betriebe bebeutet, bas nicht nur durch Streiks ober Unruhen ober Sabotageakte ober höhere Gewalt verurfacht zu sein braucht, weiß jebermann. Unb ber Gas- unb Luftschutzbienst ist eine unbestreitbare nationale Notwenbigkeit erster Drbnung. Gegenüber anberen staatswichtigen Aufgaben unb Weiteste Kreise ftanben bisher unb stehen auch heute hinter der Technischen Nothilfe. Gerade In Fachkreisen genoß und genießt sie den besten Ruf. In der jüngsten Zeit von den verschiedensten ILehür- den, Betrieben, Verbänden, Organisationen und Korporationen abgegebene Urteile lassen erkennen, daß nicht nur die rückliegende erfolgreiche Tätigkeit dankbar anerkannt wird, sondern die Ueberzeugung vorherrscht, daß die Technische Nothilfe auch im neuen Staat notwendig ist. Die große Vertrauensstellung der IN. In der Öffentlichkeit wurde durch diese Urteile dokumentiert. Ihr großer Wert ist darin zu erblicken, daß alle diese Kreise und an erster Stelle die Reichsregierung darin einig sind, daß man alle wesentlichen Voraussetzungen bei der Technischen Nothilfe als gegeben ansieht: rationelles Arbeiten, höchste Leistungsfähigkeit und größte Zuverlässigkeit! Oberfoeffen. 40 Jahre Kriegerverein Albach. * Albach, 15. Dez. Der Äriegeroereln Albach feierte am Sonntag sein 40. S t i f t u n g s- f e ft. Nach dem Kirchgang brachte Pfarrer D ö ll in einer Ansprache zum Ausdruck, daß der Verein vier Jahrzehnte hindurch die Treue zu Volk und Vaterland gewahrt und an der alten Tradition festgehalten habe. Anschließend legte der 1. Der» einssührer, Lehrer Groh, am Denkmal einen Kranz nieder unb gebachte in Treue der für uns gefallenen Helden bes Weltkrieges. Am Abenb fanb bei Gastwirt Will eine Feier statt, zu ber zahlreiche Gäste unb Freunbe erschienen waren Der 1. Vereinsführer begrüßte bie Teilnehmer, bankte befonbers ben Herren aus Gießen, Be- zirksfllhrer Prof. Kraemer, Albin Klein fen. unb jun., sowie Kam. Bonharb für ihre Teilnahme an ber Feier. Er schilderte die Entwicklung des Vereins unb bankte befonbers ben noch lebenden sechs Gründern für das Zusammenhalten während der langen Reihe der Jahre. Während einer Kuchenbacken. Von Zelix Riemkasten, GOS. Wenn Mutti einen Kuchen backt für die ganze Familie, bann backt Mananne baneben einen «einen Privatkuchen für sich. Der Kuchen, ben Mutti backt, wirb entroeber so einer ober so einer, aber Manännes Kuchen wirb jedesmal „Sdnbtorte", benn Sanb ist einer ihrer Hauptzutaten. Natürlich nimmt sie ben Sanb nicht in ber groben, alltäglichen Form, in der er überall vorkommt, fonbern sie nimmt ihn fein gepulvert, unb sie nimmt ihn nicht aus ber Büchse unb nicht von ber Erbe, fonbern er gerät in jener Erscheinungsform, bie man lanbläufig „Dreck" nennt, ganz von selbst in den Kuchen. Es kommt noch viel mehr hinein. Zucker und Salz, Eier und Schmalz, auch Milch, alles überhaupt, was hineinzukommen hat in einen Kuchen. Auch ein paar Kindertränen kommen hinein und geben nachher den feinen, rounbermilben Beigeschmack Mananne nämlich meint es so gut, unb ihr Eifer ist so groß, baß Mutti gewiß nicht ohne Schelten auskommen kann, unb bann rennen ber gute Eifer unb ber löbliche Wille so bitter weh auf bie Schelte, unb bazu kommen bann noch bie Einsicht und die Ungeduld und die niederschmet- terne Erkenntnis der immer noch dick gelagerten Tolpatschigkeit, daß aus dem Zusammenprall so vieler Gefühle in einem so kleinen Brüstchen, un- fehlbar Tränen hervorgehen müssen. Und bie kommen in ben Kuchen, in ben großen Familienkuchen. „Es ist eine Um t von bem Mäbel", schimpft Mutti, aber Vati hat Verstänbnis für unhyaienische Backmethoben. Er selber, in einer sehr viel früheren Zeit, hat immer Kirschenwasser fabriziert, unb zwar gern unb oft. Die Quetsche, mit ber er bie Kirschen zerquetscht hat, war bie weit verbreitete Natur- Unioersal-Hanbquetsche gewesen, bie aus Daumen unb Zeigefinger bestaub, unb mindestens der Daumen hatte damals stets eine dicke, schwerlösliche Auflage aus dunkelgrauen Substanzen getragen. Nun also backt das Kind Mananna neben Muttis großem Kuchen ihren kleinen Privatkuchen und Vati sitzt dabei und raucht wohlwollend Pfeife. , „Daß mir bloß nichts von der Asche in den Ku- ^Als"Ä das ein Unglück wäre. Man braucht es doch nur etwas gründlicher zu verehren Man soll aber Frauen, die beim 'Kuchenbacken find, niemals reizen. Dati kneift also nur das linke Auge tief zu und guckt mit dem rechten Auge zu Mananne hinüber, die auf dem Stuhle kniet 'uni) den halben Bauch über den Tisch gelegt hält, auf dem gehörten wird. Früher hat Dati sich beim Kuchenbarten eingemischt. Er versteht nichts davon, und es ist ihm auch höchst egal, aber die Frauen freuen sich, wenn man ihnen etwas fagt, das nach Anteilnahme aussieht. Heute sagt Vati nichts mehr. Mutti würde sonst „wild" werden. Nur Mananne redet immer noch sehr viel beim Kuchenbarten. Sie muß dies alles doch wissen, sie muß es doch lernen. Nach ihrer Ansicht müßte alle fünf Sekunden etwas an- deres getan werden. „Nu, Mutti, nu, soll ich nu Milch reingießen?" Oder: „Mutti, mach' doch mehr Zucker zu, ja?" Nein, nichts. Das ist schon bald langweilig. Aber gerade jetzt nimmt Mutti ein Ei, haut es an die Tischkante und kippt es in den Teig. Und noch ein Ei! Und noch ... „Ach, Mutti, laß mich ...!" Denn das wäre entzückend, das wäre geradezu Glück im Winkel, das ist ja so ... nein, Mutti, nun laß mich doch! „Nein", schätzt Mutti, „du machst mir nur eine aröße Ferkelei." Aber immerhin ist sie doch unsicher in ihrem Entschluß, denn soviel Glückshunger kann sie nicht tottreten. .Schön", sagt sie, „bann kannst bu es mal versuchen. Aber bu haust es nicht auf, bu kippst es nur hinein. Sieh mal, so, nun ist es auf. Nun los, nun kipp' rein!" . Das kann bestimmt nicht gut gehen. Ware sie kaltblütiger, blasierter, ja, wäre sie auch nur drei Monate älter, so möchte es vielleicht gehen, so aber geht es gewiß nicht gut. Und siehe, das Ei lauft nicht in den Teig hinein, sondern in ben Aermel, unb jetzt steht ber schweigsame, weise, beherrschte Vati stumm auf unb sucht zur Küche hinauszukommen, bevor ihm das Gelächter noch aufplatzt. Er läßt sogar bie Tabakspfeife liegen, sie fällt schwächlich um unb gibt ein bißchen Asche an bie Butter ab, unb draußen schießt ihm das Gelächter aus Mund und Nase zugleich heraus. In der Küche aber erhebt sich Geschrei. Als Vati wieder hereinkommt mit einem Gesicht, als sei nichts gewesen, steht das Kind an ber Was- ferleitung. Mutti aber sagt nichts, benn tn Mariannes Gegenwart will sie nichts sagen, nur ihre grüngefärbten Blicke sprechen. Kurzum es „kribbelt" in ihr. Unb bie „ganze Butter ist voll Asche. Eine Behauptung, über bie Vati sich empört, sich gerechterweife empört, unb währenb er sich empört unb fast nichts fagt, steht bas Kinb Mananne unglücklich unb teuflisch an ber Wasserleitung unb blinzelt ihm zu: „Du unb ich — wir beibe, wir kriegen es auf ben Kopf!" Es ist besser für alle, baß Vati nun roieber hinausgeht. Seine Tabakspfeife nimmt er mit. Unb bie Zeit geht hin, bie Stunbe verrinnt, am Enbe buftet es herrlich gut aus ber Küche, und zwei Kuchen stehen im Backofen, ein großer Kuchen für die Familie und ein kleiner für Mananne extra. Und obwohl Mutti wütend ist auf Dati und sehr schwach in den Nerven gegen Mananne, so versöhnt sie sich gleichwohl mit Dati aus eine heimliche, leisetretende, schlangenlistige Art. Sie kommt e klein und weichmütig irgendwie mit ihm zu- nen, unb nachbem sie einige Wörter miteinan- ber gesprochen haben unb somit eine Brücke geschlagen haben, bringt sie bie große Frage an, bie ihr sonst bas Herz abbrürfen würbe. „Was meinst bu wohl, ob der Kuchen geraten wird?" Oh ja, das kann man wohl meinen. Die Hauptsache ist nur, Mananne davon abzuhalten, immerzu das Ofenloch aufmachen zu wollen, um nachzusehen, ob ber Kuchen ... nämlich ber Kuchen, ob ber nämlich schon fertig ist? Unb bann schließlich ist er fertig. Ein wunder- barer unvergleichlich schöner Kuchen für die Familie, unb ein kleines, brutzliges buntelbraunes Ding baneben, knüppelhart, schwärzlich unb vermurkst Da ist Mananne traurig, ba staunt sie unb fragt, wie bas habe kommen können. Unb sehr niebergefdjlagen ist sie. Bis bann Mutti ihr ein liebliches Wunber vorweist: ein tabellos geratener ganz kleiner, ganz lieber Kuchen, ein Küchlein nur, ein wahres Puppenküchlein, aber er ist für Mananne ganz allein. Denn so ist bas: wenn Mutti auch schelten muß, lieb ist sie trotzbem, unb sie kennt nicht nur bie Zutaten, bie einen Kuchen gut unb lecker machen, fonbern sie kennt auch all bie kleinen, feinen Zutaten, bie ein Kinberherzchen glücklich machen. Zeitschriften. — „Der Naturforscher" vereint mit „Natur unb Technik". Bebilberte Monatsschrift für bas getarnte Gebiet ber Naturwissenschaft unb ihre An- roenbung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft unb Technik. Herausgeber: Dr. Oskar P r o ch n o w , Jahrgang 10, Heft 9: 36 Seiten, zwei Tafeln unb 52 Textabbilbungen, Preis vierteljährlich 2,50 Mk., einzeln 1 Mk. Hugo Bermühler Derlag, Berlin- Lichterfelbe. — „Mensch ober Affe?" Unter Dor- anfteUung biefer Frage äußert sich Universitäts- Professor Dr. Hans Weinert über das Rätsel des „Eoanthropus", bes „Morgenröte-Urmenschen" von Piltbown. Er entscheibet sich bafür, baß ber „Eoanthropus" schon nahe an ber Stufe bes Homo sapiens, bes jetzigen Menschen, ftanb unb im wesentlichen nur im Untertiefer urtümliche Merkmale hatte. Treffliche Bilder von Einschlüssen im Feuerstein bringt in großer Fülle Dr. O. Wetzel und gibt damit eine schöne Ueberfidjt über die Formenmannigsattigkeit der Einschlüsse in diesen bei uns häufigen Steinen. Daß bie im letzten Jahrzehnt so sorgfältig erforschten Gurwitsch-Strahlen immer noch bes eigentlichen physikalischen Nachweises trotzen, zeigt Dr. K. Kuhn. Grünblich untersucht Forstmeister Scheibter bie Reizwirkungen der Prozessionsspinnerraupen und zeigt an trefflichen Bildern, daß es die feinen, kleinen Haare der Raupen sind, die die so gefürchtete Reizwirkung auf bie Haut ausüben. Dem Freunb ber Vögel wirb bie Untersuchung Dr. O. Helnroths über bie Frage befonbers wertvoll fein, ob man Beobachtungen an gefangenen Tieren wissenschaftlich verwerten könne. Die Antwort: Zur Verwertung von Gefangenschaftsbeobachtung gehört viel Erfahrung. Wer bie aber hat, kann an feinen Tieren viel mehr beobachten als ber Felbbeobachter, der nur feiten so an die Tiere herankommt und sie in allen Lebenslagen so genau vor sich hat, wie der, der sie aufzieht. Doch müssen sich beide Beobachtungen er- gänzen. Zahlreiche kleine 'Beiträge und Berichte über neue Forschungsergebnisse beschließen das wie immer mit viel schönen Bildern ausgestattete unb hervorragend gedruckte Heft. — Die deutsche Frau und ihr segensreiches Wirken und Schaffen, das ist das Thema, um das sich die diesjährige Weihnachtsnummer der 111 u st r i r- t e n Zeitung (I. I. Weber, Leipzig) rankt. Die Entwicklung des deutschen Frauenlebens vom Mittelalter bis in bie moberne Zeit schildert bann Valerian Tornius in anschaulicher Weise, unb in zahlreichen Bilbbeispielen, zusammengetragen aus ben Kunstschätzen ber vergangenen Kulturepochen, vollzieht sich vor unseren Blicken noch einmal bie ganze Evolution ber beutschen Frau. — Gullao Frenssen singt bas Hohelieb auf bie beutfdje Mutter als den Schoß unb ben Ursprung bes beutschen Volkes, unb bie moberne beutfdje Frau, bie sich In ber Geschichte ber Frauenbewegung einen Namen gemacht hat, tritt uns in einem Beitrag von Dr. Ilse Reicke entgegen, bem auch eine große Zahl von Porträts bebeutenber Frauen beigegeben ist. Ein boppelfeiliges Tableau zeigt Vertreterinnen ber Der- schiebenen beutschen Stämme mit ihren charakteristischen Gesichtszügen. Minute des Schweigens gedachte man nochmals der gefallenen Heiden und der verstorbenen Kameraden. Bezirksführer Prof. Stroemer sprach dann über fcer. Aufbau und den Sinn der Kameradschaft inner halb der Kriegeroereine Er überreichte dabei den Gründern und den Slameraben für 25jährige Mitgliedschaft ein« Auszeichnung. Zum Schlüsse seiner Ausführungen gab er einen kurzen Ueberblitf über die politische Lage und schloß dann ipit einem drei- fachen Sieg-Heil!" auf unseren Reichspräsidenten von Hindenburg, sowie auf unseren großen Dolkskanzler Adolf Hitler. Anschließend wurden das Deut'chland- und das Horst-Wesfel-Lied gelungen. Kamerad B a n h a r d schilderte im weiteren Verlaufe der Feier seine Kriegserlebnisse in Mazedonien und zeigte eine Reihe eigener photographischer Aufnahmen. Nachdem Lehrer Groh das Schlußwort gesprochen hatte, blieb man noch geraume Zeit famerab- schastlich beisammen. Kaninchen-Ausstellung in Aidda. △ Nidda, 14. Dez. Die Kaninchenzucht- vereine des Kreisoerbandes Büdingen hielten eine Kreisgruppenschau in der hiesigen Turnhalle ab, die von hier und den Kanin- chen-Zuchtoereinen Altenstadt, Büdingen, Düdelsheim, Lißberg, Ober Widdersheim, Schotten und Stockheim mit 172 Nummern von Ausstcllungs- tieren in 19 Rassen beschickt war. Zur Eröffnung der Ausstellung hatten sich viele Borstandsmitglieder der genannten Vereine sowie zahlreiche Züchter und geladene Ehrenausschußmitglieder eingefunden. Die Leitung lag in den Händen des Mitgliedes Karl Dölzing von hier. Der Besuch der Ausstellung war am Sonntag recht stark. Zeder Besucher, der die Eintrittskarte mit der Zahl eines vollen Hunderter (100, 200 usw.) erhielt, gewann ein von Ausstellern gestiftetes Kaninchen. Mancher gewann auch bei der Tombola ein reinrassiges, wertvolles Kaninchen. Der Zweck tiefer Veranstaltung war, das Interesse an der Kaninchenzucht zu fordern und über den Wert derselben zu belehren. In dieser Hinsicht waren besonders die ausgestellten prächtigen Fellarbeiten aus Kaninchenfellen von Frau Friß in Fulda für die Besucherinnen der Ausstellung von großem Interesse. Die schönsten ausgestellten Tiere wurden prämiiert. Als Preisrichter war D Tilemann aus Frankfurt a. M. gewonnen worden. Wir geben hier nur die Besitzer der mit Ehrenpreisen und 1. Preisen ausgezeichneten Kaninchen bekannt Im ganzen wurden etwa 80 Preise, darunter gestiftete wertvolle Ehrenpreise, den Züchtern ausgehändigt. U. a. erhielten für: Belg. Riesen: K. Zimmermann (Altenstadt), EP und I Preis. Weiße Riesen: W Gerlach (Du- delshcim), EP.: K Weber (Düdelsheim), 1. Preis. Deutsche Riesen-Schecken: ft Heil mann (Nrdda), ED. F. Günther (Büdingen), 1. Preis. Deutsche Widder: Karl Keller (Nidda), EP.: F. Barth (Büdingen), 1. Preis. Französische Riesen-Silber: A. «rost (Altenstadt), EP. Deutsche Groß Silber: W. M e u s e r (Büdingen), 1. Preis. Groh-Chinchilla: R. Müller (Nidda) und D. Müller (Selters), je ein EP. Klein-Chinchilla: R. S ch m ü ck (Büdingen), EP. Blaue Wiener: Hch. Sinnet (Dübelsheim), EP.: Kg Buxbaurn (Altenstadt), 1. Preis. Weiße Wiener: A. H o r m a n n (Lißberg) unb Kg. Paul (Altenstabt), je ein EP.: W. Stein (Nidda) und e ein 1. Preis Rheinische idda) und Hch. Stahl (AlVenstadt),' fe ein 1. Preis. Hasenkaninchen: K. Rentei (Nidda), EP: K. Erk (Nidda), EP. unb 1 Preis. Marburger Feh W. M ü l l e r (Altenstadt), EP. filein-Silber: Karl Rentei (Nidda), 2 EP.: Fritz Groh (Nidda), 1. Preis. Holländer: Heinrich Harter (Altenstadt), 1. Preis. Schwarzloh: Karl R e i ch h o l d (Altenstabt), EP.; ft. Z i n t e l (Unter* Schmitten), 1. Preis. Hermelin: L. üdjnorr (Büdingen) und I. Weiblinger (Büdingen), je einen 1. Preis. Chinex' L Becker (Schotten), 3. Preis. Havanna: 0. Peppler (Ober-Wiüders- heim), 3. Preis. Landkreis (tiiefcen. 00 Klein-Linden, 15. Dez. Am Mittwochabend sprach Missionar B l u in e r (Marburg) in der Kirche über seine Wirksamkeit bei den Massai in Deutsch-Ostafrika. Er schilderte bas Leben der Eingeborenen unb ben Segen, den bie Mission ihnen gebracht hat. Gute Lichtbilber, von bem Reb- ner währenb seines 25jährigen Aufenthaltes in Afrika aufgenommen, ergänzten bas gesprochene Wort. Die Kollekte war für die Leipziger Missions- gefellfchaft bestimmt. Fr. M ü l l e r (Altenstabt), j> ^ckiecken: f)d). Fuchs (R Z Alten -Buse> bes Ertrages würbe ber Winternothilfe zugeführt. • D a u b r i n g e n, 15. Dez. Dieser Tage fand in der Wirtschaft von Willi Erb eine Generaloer- sammlung des Obst- und Gartenbauver- eins zum Zweck ber Gleichschaltung statt. Der seitherige 1. Vorsitzende Wilh. Walter VII. teilte mit, daß der Vorstand seine Aemter zur Verfügung stelle. Der landwirtschaftliche Fachberater Karl Grälz II. ernannte sodann Wilh. Walter VII. nun Führer, Provinzialbaumwart Wilh. Erb zum Rechner unb Feldlchütz unb Daumwart Wilh. Braun III. zum Schriftführer des Vereins. Der Führer dankte für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und brachte ein dreifaches „sieg-Heil!" auf unseren Dolkskanzler aus. Er ermahnte ferner alle Mitglieder zur besseren Pflege ihrer Obstbäume unb zum pünktlichen Besuch ber Versammlungen. Der landwirtschaftliche Fachberater Karl Grölz II. gab ber Erwartung Ausdruck, daß der Verein in echt nationalsozialistischem Sinne geführt werde und brachte ebenfalls ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf ben Dolkskanzler Abolf Hitler aus. Kreis Büdingen. (D 9t ibb a, 15. Dez. Stubienrat dulmann würbe zum Direktor ber Realschule berufen. Die Stelle würbe seither von Stubienrat Braunewcll vertretungsweise versehen. — Die Viehzählung am 5. d. M. hatte hier solgenbes Ergebnis: 94 Pferde, 21 Kälber, 96 Stück Jungvieh, 127 Milchkühe, 277 Schafe, 320 Schweine, 98 Ziegen, 3041 Stück Febervieh (Gänse, Hühner) unb 101 Bienenstöcke. SrrefToften der Redaktion. (Nechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit ber Schriftleitung) JJ. 3., Gießen. Die Geltungsdauer des § 397 des Angestelltcnversicherungsgesehes ist auf Grund des Gesetzes zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit ber Invaliben-, ber Angestellten- unb der knappschaft- lichen Versicherung vom 7. Dezember 1933, fünfter Teil, Kapftcl IT, § 27 — mit Ausnahme des Absatzes 3 —, bis jum Schlüsse des Jahres 1936 verlängert worben Sofern Sie nicht in ber Zwischenzeit eine invaliben- ober angestelltenoersicherung^ pflichtige Beschäftigung ausgenommen haben, wird Ihnen bas Ruhcgelb nicht entzogen. 3. Sch. in G. Der Stauf eines vor dem Krieg« erbauten Wohnhauses gibt bem Erwerber kein Recht, einem in biefem Haufe befinblichen Mieter zu kunbigen, falls nicht etwa einer ber gesetzlichen Mietaufhebungsgrünbe bes Mietcrichutzgesetzes vorliegt. Eine Ausnahme gilt nur für einen solchen Hausbesitzer, ber minbestens brei Jahre Eigentümer ist unb nicht in einem anberen, ihm gleichfalls eigentümlich gehörigen Hause wohnt Aus Grund ber derzeitig gültigen gesetzlichen Bestimmungen sind Sie daher bei Weigerung des Mieters zur Zeit nicht in ber Lage, mit Aussicht auf Erfolg in eine Wohnung des zu erwerbenden Hauses ein- zuziehen. ft. h. in 6. Ein eigentlicher gesetzlicher Zinsfuß für landwirtschaftliche Hypotheken besteht u. W. nicht. Durch § 1 ber Verordnung bes Reichspräsidenten über bie Zinserleichterung für ben lanb- wirtschaftlichen Realkrebit vom 27. September 1932 sind bie Zinsen einer Forderung, welche durch eine Hypothek an einem landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Grundstück gesichert ist, soweit sie für bie Zeit vom 1. Oktober 1932 bis 30. September 1934 geschuldet wird, um 2 v. H. herabgesetzt worden. Diese Zinssenkung ist aber nach § 7 ber Berorb- nung nur eine Zinsstunbung und muß später wieder zurückgezahlt werden bzw. sie wird dem Kapital zugeschlagen. Am besten erkundigen Sie sich bei.ber öffentlichen Sparkasse Ihre» Bezirk». Berliner Trühbörse. Berlin, 16. Dez. (WTB. Funkspruch.) Im Berliner Frühoerkehr kam es kaum zu irgendwelchen Umsätzen. Die gegen Schluß der gestrigen Börse unb auch an ber Frankfurter Abendborse eingetretene G e f ch ä f t 5 ft i 11 e dürfte heute in Anbetracht bes Wochenendes eine Verstärkung erfahren, fo daß im Zusammenhang damit mit Kursabbröcke lungen gerechnet werden muß. Die neuen gesetzgeberischen Maßnahmen ber Reichsregierung werben lebhaft besprochen, ohne baß jedoch von ihnen eine Beeinflussung ber fRnrfe ausqehen könnte In eilen Fachgeschäften erhältlich. 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Nach altem Brauch geht das Siebzig-Millionenoolk der Japaner schon Monate vorher in die Tempel, um die Götter anzuflehen, das von ihnen stammende Geschlecht des Mikado zu erhalten, aber jedesmal sind die Hoffnungen enttäuscht worden. Wenn der Tag der Niederkunft herannahte, wartete die ganze Nation, ob ein zweifaches Sirenengeheul die Geburt des Thronfolgers verkündete, aber stets ertönte die Sirene nur einmal, und jedermann wußte, daß die Kaiserin ein Mädchen, nur ein Mädchen, zur Welt gebracht habe. Diesmal aber ist ganz Japan überzeugt, daß Ende Dezember der 125. Mikado geboren wird. Man glaubt aus allerlei Anzeichen dafür eine Bestätigung zu haben, seltsame Geschichten werden darüber erzählt und die Stadt Tokio hat bereits große Festlichkeiten für das glückliche Ereignis vorgesehen. Moms Ende. (k) Neuyork. Es läßt sich nicht bestreiten, daß Amerikas ältester Elefant an der großen NRA gestorben ist, an der amerikanischen Aufbaubeweaung, die mit ihren Reden und Paraden versucht, Amerika mit sich fortzureißen. 92 Jahre hatte Mom auf dieser Erde recht und schlecht in Zirkussen und Zoologischen Gärten zugebracht. Bis man ihn, um die alles umfassende Wucht der NRA zu demonstrieren, zu einer Parade abholte. Gerade hatte man ihn in die Parade eingereiht, als er plötzlich zusammenbrach. Die Tierärzte eilten herbei und stellten einen Blutsturz fest, der den Riesen gefällt habe. Eine kleine Dosis von 30 Liter Medizin sollte ihn wieder Halbwegs auf die Beine bringen. Mit Kranen und Hebewerkzeugen schaffte man Mom auf seine vier Beine und versuchte, ihm die Medizin einzuflößen. Aber Mom bekam noch eine Herzaffektion hinzu — und Amerikas ältester Elefant starb mit 92 Jahren bei der ersten Parade seines langen Lebens. Gefängnisdirettor hinter eigenen (wittern. (hk) Stockholm. An sich sind die Schweden ein überaus ehrliches Volk. Die großen Banditen kommen von auswärts. Und einen Kreuger kann es überall einmal geben. Viel mehr als eine derartige große Sensation erregt jetzt der Fall von Wad die Gemüter. Man denke: dort hatte man einem Direktor die Verwaltung des Gefängnisses anvertraut. Und eines Tages stellte sich heraus, daß der Direktor sich schwere Ün- terschladungen hatte zuschulden kommen lassen. Man mußte ihn also oors Gericht bringen. Und hier diktierte man ihm neun Monate Gefängnis zu. Aber jetzt beginnt erst das Dilemma. Da er von dem Gericht in Wad verurteilt worden war, hätte er seine Strafe unverzüglich in Mad in seinem eigenen Ge- fängnis antreten müssen. Eine Ueberführung in ein anderes Gefängnis sieht die schwedische Strafordnung nicht vor. Was sollte man da schon machen? Man hat dem Direktor einen Strafaufschub gegeben und versucht nun, eine Sonderregelung zu erwirken, damit der Gefängnisdirektor nicht gerade bei sich zuhause ins Gefängnis kommt... Der „FlicgendeSchotte" — starkramponiert. (h) Aberdeen. Als der „Fliegende Schotte" nach achtmonatiger Abwesenheit wieder in seiner Heimatstation Tilburl) landete, standen den schottischen Lokomotiv- und Zugführern die Tränen in den Augen. Einesteils vor Freude, weil Englands schnellster und elegantester Zug wieder daheim war, dann aber auch aus Trauer über das Aussehen ihres Freundes. Als Werbemittel für England, als kleinen Beitrag zur Chikagoer Weltausstellung hatte man den Fliegenden Schotten über das große Wasser geschickt. 12 000 Meilen fuhr er in Amerika und Kanada umher: drei Millionen Menschen besichtigen ihn. Acht Wagen muß man jetzt ganz und gar wieder in Stand sehen und neun innen und außen herrich- 1 ten. Denn unter den drei Millionen Besuchern waren anscheinend 2 999 999 Andenkensammler, von denen jeder sich ein Stück Leder, einen Splitter, eine Scherbe aus den zerschlagenen Scheiben als Andenken mitnahm. Man schraubte die Lampen heraus, man schnitt die Fensterhölzer und die Leder entzwei. Alles war „Souvenir“ an den „Fliegenden Schotten". „Wie Könige hat man uns empfangen, stundenweit kamen die Menschen über die Prärie geritten, um den „Fliegenden Schotten" zu sehen. Sie schossen ,vor Freude' mit ihren Pistolen näch dem Zug, wenn wir nicht hiellen. Eine tolle Bande, die Leute aus den amerikanischen Steppen!" Den Amerikanern hat alles an dem Zug gefallen, so gut, daß sie es Mitnahmen. Nur die Signalpfeife nicht. Das wäre ja eine Kinderflöte, ulkten sie. Die englische Eisenbahngesellschaft hat beschlossen, nie mehr einen Zug zum Anschauen nach Amerika zu schicken. Es sei praktisch so, daß man sich beinahe den Rücktransport sparen könne. Das war der zweite Grund, weswegen man in Tilburl) weinte, als der „Fliegende Schotte" heimkehrte — stark ramponiert. Der Tanz auf dem Heuboden. (z) Amsterda m. In Holland darf nur mit behördlicher Erlaubnis geschlachtet werden. Die Polizei und vor allem die Landgendarmen, hierzulande „Veldwachter" genannt, sind stets auf scharfem Auslug nach Schwarzschlächtern, und es ist schon zu manchem blutigen Strauße zwischen ihnen und den erbosten Bauern gekommen. Ein tragikomischer Vorfall hat sich jüngst in dem Dorfe H. in der Provinz Ober-Mel ereignet. Dort fand sich der Bauer van L. abends heimlich mit drei Kollegen in seiner Scheune zusammen, um mit ihnen eine Kuh zu schlachten. Der Bürgermeister des Dorfes, der zufällig des Weges kam, roch den „Braten" und verlangte Einlaß in die verschlossene Scheune. Sofort war es drinnen muckmäuschenstill. Daraufhin holte der Bürgermeister seinen „Veldwachter", und als sie zur Scheune zurückkamen, war das Tor auf, die geschlachtete Kuh hing an einer Wand, von den Missetätern jedoch war keine Spur zu entdecken. Was lag näher, als sie im Heu des Heubodens versteckt zu vermuten? Bürgermeister und Gendarm kletterten hinauf und begannen zu suchen: im Kriege, wo jedes Mittel erlaubt ist, pflegen die Soldaten mit dem Bajonett ins Heu zu pieken, — das darf man aber in Friedenszeiten nicht, da man doch jemanden dabei erstechen könnte. Was machten Bürgermeister und „Veldwachter"? Sie begannen auf dem Heu einen richtigen Kriegstanz mit dem Erfolg, daß es schon nach wenigen Minuten unter ihnen zu wimmern begann und zwei Leute aus dem Heu hervorkrochen, der Bauer von L. und einer seiner Freunde. Beiden waren durch den Jndianertanz der Behörde einige Rippen gebrochen worden, und dasselbe Gericht, das demnächst einen Prozeß wegen Schwarzschlachtens gegen van L. und seine Helfer zu verhandeln haben wird, ist auch vor die Aufgabe gestellt, Bürgermeister und „Veldwachter" wegen schwerer Körperverletzung zu belangen. Die letzte Leibeigene. (1) Charbin. Als der Zar Alexander II. vor nun siebzig Jahren die russischen Bauern aus der Leibeigenschaft befreite, war Awdotja Akimowa 65 Jahre alt. Sie gehörte zu jenen, die selbst nicht gern auf ihre Leibeigenschaft verzichteten. Die Befreiung war mit allerlei Selbständigkeit im weiteren Leben verbunden, und so manches Bauerndorf zog es vor, in patriarchalischen Diensten weiter zu leben. Und nun ist die letzte Leibeigene gestorben. 13 Jahre (!) ist sie alt geworden, in einem Vorort Charbins wurde sie zur letzten Ruhe gebettet, und wer ihr Alter nicht glaubte, dem wurde gern ihre Geburtsurkunde aus dem Jahre 1798 gezeigt. Aber mit Awdotja Akimowa hatte es noch eine besondere Bewandtnis. Sie ist auch die älteste Kinderfrau. Aber eine allrussische Kinderfrau, und das ist so: Eine gute russische Kinderfrau bleibt ihr Leben lang bei ihrer Herrschaft. Sie geht von Generation zu Generation mit. Oft kam es im alten Rußland vor, daß eine Kinderfrau die Enkel ihres Herrn betreute, den sie selbst noch aus den Windeln gehoben hatte. Eine beispiellose Treue und Anhänglichkeit war gang und gäbe. Awdotja Akimowa war die „Njanja" der Edlen von Golowin. Zuletzt zwar schon schwach von Erinnerung, erzählte sie in guten Stunden doch gern und ausführlich von der Flucht ihrer Herrschaft aus dem brennenden Moskau 1812. Mehrere Kaiser hat sie überlebt, und was ihrem Aller den besonderen Reiz gab, war, daß sie sich noch bis zum Schluß als die leibeigene „Njanjcr' derer von Golowin betrachtete und nichts daran ändern ließ. i • ü• -H,- ?<*'... bei Sodbrennen 25o gr. o,5o. Tabletten 0,20 2 Uhr, aut dem Neuen Friedhof statt. 07025 Giefcen (Neuen-Bäue 11), den 16. Dezember 1933. 06988 Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme, die reichen Kranz- und Blumenspenden, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen, sagen wir Allen auf diesem Wege herzlichsten Dank. Gießen (Marktplatz 8). den 16. Dezember 1933. Die Beerdigung findet Montag, den 18. Dezember, nachmittags In tiefem Schmerz: Geschwister Drescher geb. Schmidt im fast vollendeten 71. Lebensjahr. Die trauernden Hinterbliebenen: Martin Balser Bekanntmachung. Betr.: Beschaffung freier Lernmittel für die Volks- und Berufsschulen. Gv.SiadtmiMon • Sonnta,17.12.5'/Uhr: Sonntagsschal- Weihn.-Feler. Vurtrag 8l Jäht desh.ans. Am 14. Dezember entschlief sanft nach kurzer Krankheit unsere liebe, treusorgende, herzensgute Mutter Frau Julie Drescher Wwe. Der Bedarf an freien Lernmitteln (Tafeln, Federn, Schulbüchern ufro.) soll für 1934 auf dem Wege des öffentlichen Wettbewerbs vergeben werden. Angebots-Formulare können auf dem Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer 14, abgeholt werden. An dem Wettbewerb nehmen nur Angebote teil, die schriftlich und auf dem von der Bürgermeisterei vorgeschrtc- beneu Formular eingereicht und versiegelt find. . Schlußtermin für bte Einsendung der Angebote: [7551C 24. Januar 1934. Gießen, den 15. Dezember 1933. Bürgermeisterei Gießen. _______F. B.: Bartholomäus._______ Bekanntmachung. Nach eurem Beschluß des Vorstandes der Land- und forstwirtschaftlichen Be° rufsgenofsenschaft für Hessen in Darmstadt sollen die restlichen 20% des Beitrages für 1932 nicht mehr erhoben werden. Gleichzeiti fordert die Berufsgenossenschaft auf, etwaige Beitragsrückstände aus früheren Jahren baldigst an die Stadtkasse abaufübrea, weil keinerlei Erlaß voir Rückständen stattfinden kann. I7564C Gießen, den 9. Dezember 1933. Bürgermeisterei Gießen. I. B.: Dr. Seib. Betrifft: Weihnachtsferien an den Berufsschulen. Bekanntmachung. Düs Hessische Staatsministerium, Mi- nisterialabteilung für Bildungswefen, Kultus, Kunst und Volkstum, bat angeordnet, daß die diesjährigen Weihnachts- ferien für die Berufsschulen — ohne Kürzung der Osterferien — bereits am Samstag, dem 16. Dezember, beginnen. Wiederbeginn des Unterrichts am 8. Iw nuar 1934. (7o62C Gießen, den 14. Dezember 1933. Stadtschulamt. I. V.: Dr. Henß. Für Ehestands- Darlehen: | (Im Schaufenster ausgestellt)"] Schlafzimmer In Eiche m. Nußbaum, m. Waschkommode, m. Marmor, 2 gepol- sterte Stuhle u. Handtuchhalter RM. 425.- Küche in nat.-lackiert, bestehend aus: Büfett, Tisch und 2 Stühle .. RM. 15U." Wohnzimmer In Elche m. Nußbaum, bestehend aus: Büfett, Tisch, 4 Stühle mit Polstersitz, 1 Couch ..... RM. 320.- zusammen RM. ÖUD.- Große Auswahl auch In anderen Preislagen ERNST RAU GIESSEN Brandplatz :: Ruf 2208 gegenüber dem alten Schloß früher Th. 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