Nr. 138 Srüvaussabe 183. Jahrgang greitag, 16 .Juni (953 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick VN» verlas: vrühl'lche Univ-ifilälr^vuch. und Lteindruckerel R. £angt In Sietzen. rchristleitun, UN» Scschäfttttelle: Schnlftratze 7. ‘“9Si®nIeie°."mtl Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20u , mehr. Chefredakteur- Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undfürdenAn» Crlchelnt tügltch, autzei bonntogs und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Bießener Familienblätter Heimat im Bild DieScholli monat$>Be$agsprel$: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustriert« . 1.80 Iustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Weltverschuldung und Währungsabwertung die Hauptursachen der Weltwirtschaftskrise. Oie Grundlinien der deutschen Politik auf der Londoner Konferenz. Berlin, 15. 3uni. (TU.) Gegenüber den auf der Londoner Dcllwirlschaslskonferen; geäußerten Ansichten von Vertretern verschiedener Regierungen verweist man in Berliner politischen Kreisen noch einmal nachdrücklichst auf die Rede des Relchsauhenministers v. R e u r a t f), die ganz b c ff i m m t e positive Forderungen stellte, nämlich 1. die internationalen Schulden können nur durch Waren- und Dien ff lei ft ungen bezahlt werden. 2. (Es ist zunächst eine Lösung der J i - nanj- und ftrebitfragen ersorderllch, ehe die handelspolitischen Fragen überhaupt behandelt werden können. Die Londoner Konferenz stand zunächst nur unter dem Eindruck der Frage der p o I i t i s ch e n Schulden der (Bläubigerlänöer gegenüber den Bereinigten Staaten. Rach Ansicht der Reichsregierung ist das eine Angelegenheit, die Amerika mit seinen Schuldnern selbst zu regeln hat; immerhin beträgt aber die Forderung der amerikanischen Regierung an politischen Schulden noch nicht ein Sech st et der weltwirtschaftlichen Berschuldung insgesamt. Gerade diese ungewöhnliche Weltwirfschaftsverschuldung ist aber öle Haupfursache der wirtschaftlichen Weltkrise. Es erscheint daher gänzlich ausgeschlossen, das; die Deoisenbeschränkung, sei es in Deutschland, sei es in anderen Ländern aushören können, wenn nicht zuvor diese Frage der weltwirtschaftlichen Berschuldung g e I ö ff ist. Aus diesem Grunde haben die Ausführungen des englischen Schahkanzlers Reoille Chamberlain in Berlin Beachtung gefunden, der nicht weniger als dreimal wiederholt hat, daß der internationale Kredit wiederhergestellt werden müsse. Unter keinen Umständen aber wird man im Ausland erwarten können, daß sich die Reichsregierung noch einmal zur Uebernahme neuer Schulden fj ergeb e n würde, um auf diese weise ihre Zahlungsbilanz auszugleichen. 3m engen Zusammenhang mit der gesamten Schuldenbereinigung steht übrigens auch hie Frage der währungsstabilisie- rung. Sie muh zuvor gelöff werden. Dumping, d. h. Schleuderaussuhr infolge des Abweichens vom Goldstandard ist das Handels- Hindernis, um dessen Beseitigung sich man in London so sehr bemüht. Frankreich zahlt auch diesmal nicht. Paris, 15. Juni. (SU.) Dem „Echo de Paris" zufolge hat die französische Regierung ihren Botschafter in Washington angewiesen, an zuständiger Stelle zu erklären, daß Frankreich die 3 u n i r a t c ebensowenig bezahlen werde wie die Dezember rate, solange nicht eine Gesamtlösung der Schuldenfrage gefunden sei. D a l a d i e r soll dem amerikanischen Staatssekretär Hüll, der ihn vor seiner Abreise nach Paris in London aufsuchte, diesen Standpunkt ebenfalls auseinandergeseht haben, wobei er gleichzeitig auf die R o t w e n d i g - keit einer Stabilisierung des Dollars hinwies. Hüll soll darüber etwas erstaunt gewesen sein, woraus das .Echo de Paris" den Schluß zieht, daß Frankreich tauben Ohren p r e d i g e. Wegen dieses mangelnden Derständ- nisses in Amerika leiste Frankreich nach wie vor Widerstand gegen die Ernennung eines Amerikaners zum Vorsitzenden des Währungsausschusses der Londoner Konferenz; denn das würde einen Sieg der Inflationsfreundc bedeuten. Die Engländer, die hierin anfangs der gleichen Auffassung gewesen seien wie die Franzosen, schienen sich aber jetzt für diese Frage nicht mehr zu interessieren. Wieviel Hai Amerika zu bekommen? ,2 er l in. 15. 3uni. (ERB.) Mit der vorläufigen englisch-amerikanischen Einigung über die Kriegsschuldcnsrage ist selbstverständlich das Problem der interalliierten Kriegsschulden keineswegs gelöst. Die Einigung zwischen England und Amerika füllt nur eine provisorische Regelung dar, sie ebnet aber den Weg für „.Handlungen, die das Problem der interalliierten Kriegsschulden einer endgültigen 2e- I rcimgung unterziehen könnten. alliierten und assoziierten Machte betrugen ursprünglich 42 ™ .n, a r t wovon im Laufe der 3ahre 18 Milliarden Mark gestrichen wurden. Auf die so verminderte Schuldsumme wurden bis Milte 1931 rund 1,7 Milliarden Mark Tilgung und rund 5 Milliarden Mark Zinsen geleistet. Vom 3uli 1931 bis 3uni 1932 waren die fälligen Zahlungen durch das Hoover - Mo ° r a t o r i u m aufgeschoben. Ende 1932 haben dann einige Schuldner die Zahlungen an die Vereinigten Staaten von Amerika, den Hauptgläubiger, wieder ausgenommen, aber dabei zu verstehen gegeben, dah sie auf eine Rachprüfung der Schuldverpflichtungen hoffen. Alles in allem handelt es sich noch um eine Kapitalsumme von rund 27 Milliarde i. Mark, die von einer endgültigen Revision der Kriegsschulden betroffen werden würde. Die ersten nach Ablauf des Hoover-Moratoriums am 15. Dezember 1932 fälligen Raten, die von den bereinigten Staaten zur pünktlichen Zahlung verlangt wurden, find damals von Großbritan- n i e n, Italien, der Tschechoslowakei, Finnland und Litauen gezahlt worden, während Frankreich und Belgien die vertraglich feftgelegten Zahlungen nicht geleistet haben. Polen, Estland und Ungarn griffen damals für einen Teil ihrer Verpflichtungen auf Moratoriumsklauseln in den Schuldverträgen zurück, für den Rest wurde die Zahlung nach dem Vorbild Frankreichs und Belgiens ebenfalls verweigert. Nach dem Stand vom 16. Dezember 1932 haben die Vereinigten Staaten im ganzen rund 19,6 Milliarden Dollar an Kriegsschulden Z u fordern. Dieser Betrag umfaßt 10,8 Milliarden Dollar für Tilgung und rund 8,8 Milliarden Dollar für Verzinsung. Von den heute erwarteten Zahlungen, die einen Gesamtbetrag von 144 Millionen Dollar ausgemacht hätten, sind bisher in Washington nur 11 148 522 Dollar eingegangen. Vor dem Abschluß eines Währungs-Waffenstillstandes London, 15. Juni. (TU.) Die Stabilisienings- Verhandlungen zwischen den englischen, amerikanischen und französischen Abordnungsmitgliedern und Finanzsachverständigen haben gute Fortschritte gewacht. Wie verlautet, steht der Abschluß eines „WährungswaffenstiHstandes" fiir die Dauer de r Weltwirtschaftskonferenz als vorläufige Stabilisierungsmaßnahme bevor. Der Währungswaffenftillstand würde darin bestehen, daß der Dollar, das Pfund und der F r a n k e n für die Dauer der Konferenz in ein ft a b i 1 e s Verhältnis gebracht wird, mittels des englischen oder eines kombinierten Währungsausgleichsfonds aufrecht erhalten, bzw. vor Schwankungen beschützt würde. In Konferenzkreisen glaubt man, daß das Verhältnis zwischen dem Dollar und dem Pfund auf etwa 4,10 Dollar zum Pfund festgesetzt würde. Der Führer der amerikanischen Delegation auf der Weltwirtschaftskonferenz Eordell Hüll erklärte in einer Pressekonferenz, es sei noch kein endgültiges Ucbereinfommen über die Frage der Währungsstabilisierung in Sicht, obgleich die Klärung des Problems von Tag zu Tag fortschreit?. Zu der allgemeinen Entwicklung der Konferenz bemerkt Hüll: „Ich bin heute zuverfichtlicher als je!" Oer zweite Tag der Nationalsozialistischen Jühreriagung. Berlin, 15. Juni. (ERB.) Wie die Reichspressestelle der NSDAP, mitteilt, wurde der zweite Tag der Führertagung der NSDAP, durch eine eindrucksvolle Rede des Stellvertreters des Führers Rudolf Heß eingeleitet. Seinen Ausführungen stellte er den Leitgedanken vorauf, daß die natio - nalsozialistische Bewegung das Rückgrat lind das Stahlgerippe des neuen Staates sei. Jeder Versuch des Marxismus, auf» neue sein Haupt zu erheben, müsse radikal unterbunden werden. Andererseits müsse sich die ganze Organisation der Bewegung auf die positive Arbeitfürden neuen Staatein ft eilen. Der Nationalsozialismus fei dabei, den wahren Sozialismus durchzuführen, und den wahren Staat aufzubauen unter der Führung des wahren Staatsmannes. Dr. Ley betonte dann, daß innerhalb von zwei Jahren der Klassenkampf ausgerottet und dadurch den arbeitenden Menschen der größte Schutz gegeben werden müsse. Deutschland müsse den deutschen Arbeiter haben, dann werde es groß und mächtig sein. — 211s nächster Redner erläuterte Pg. Gottfried Feder neben der Behandlung einer Reihe von wirtschaftlichen Einzelfragen insbesondere die großzügigen Arbeitsbeschaffungspläne Adolf Hitlers. — Als letzter Redner entwarf der Reichsschulungsletter Pg. G oh des ein Bild des Aufbaues der Schulungs- und Erziehungsarbeit in der Partei.. Nachdem in der Nachmittagssitzung der Letter de» Amtes für ständischen Ausbau Pg. Dr. Frauendorfer das Wesen und die Grundzüge des ständischen Ausbaues vom allgemeinen und vom natio- nalsozialistifchen Standpunkt aus entwickelt hatte, beschäftigte sich Reichspropagandaleiter Dr. Goebbels mit der Gestaltung des Verhältnisses von Partei und Staat sowie mit aktuellen Propagandafragen. Er wies darauf hin, daß die Frage der E i n- glieberung der neuen Parteigen off e n in die nationalsozialistische Organisation in Kürze durch einen Erlaß geregelt werde. Es sei ein Gebot der Gerechtigkeit, und auch der Selbstwehr für die NSDAP., d i e alte Garde, die in guten wie in kritischen Zeiten zu ihr stehe, zu erhalten und ihr die Stellung zu geben, auf die sie traft ihrer ß e i ft u n g und ihres Könnens einen Anspruch habe. Die Krisengefahr der Partei im November und Dezember des vorigen Jahres hätte die NSDAP, niemals durch ihre Wähler überwunden, sondern nur durch die Standhaftigkeit der Parteigenossen und Kämpfer. Dr. Goebbels entwickelte sodann seine Gedanken über den Ausbau des Propagandamini- ft e r i u m 5 vom Gesichtspunkt der nationalsoziali- stischen Ideen aus, denen dieses für die Verbundenheit des Volkes mit dem Staat so bedeutsame Ministerium sein Entstehen verdankt. Er wies darauf hin, daß beispielsweise der „Tag der Arbeit" das Ergebnis einer Propagandaaktion gewesen sei, deren Wucht bisher in der Welt nicht erreicht wurde. Ohne den I.Mai wäre der 2. Mai nicht möglich und denkbar gewesen. In seinen wetteren Ausführungen befaßte sich der Reichspropagandaleiter des näheren mit den aktuellen Fragen des Pressewesens, des Rundfunks, des Films, des Theaterwesens und der Kunst. Dr. Goebbels -schloß seine eindrucksvolle Rede mit der Versicherung, daß Die im Amte befindlichen Parteigenossen das große Vertrauen zu würdigen wüßten, das ihnen die Parteigenossenschaft dadurch entgegenbringe, daß sie sich mit allen ihren Sorgen und Nöten an sie wende, und warb seinerseits um verständnisvolle Unterstützung der Regierungsarbeit. Volk und Saat sollten in Deutschland eins werden, damit wir später einmal jagen können: Deutschland ist eine Nation geworden. Der deutsch-österreichische Konflikt. Habichts Ooppelstettung in Wien. Bon der Regierung Dollfuß anerkannt. Berlin, 15. Juni. (Telegraphen-Union.) Der ausgewiesene Presseattache an der deutschen Gesandtschaft in Wien, Habicht, berichtete auch vor der ausländischen Presse über seine Verhaftung in Oesterreich und seine Ausweisung. Dabei legte ihm der Vertreter der Havasagentur die Frage vor, wie es ihm möglich gewesen sei, zugleich Presse» at^achs und Generalinspekteur der NSDAP, zu fein und wie dabei fein Verhältnis gegenüber den österreichischen amtlichen Stellen war. Habicht erwiderte darauf, in der Tat sei diese Doppel st ellung etwas schwierig gewesen. Wenn die österreichische Regierung i h m sofort gesagt hätte, in dieser Doppelst ellung könne sie nicht mit ihm verkehren, so würde er sich darüber nicht gewundert haben. Die österreichische Regierung habe aber weit davon entfernt, dies zu tun, mehrere Wochen lang sehr intensiv mit i b m verhandelt. Die verschiedensten Mitglieder hätten ihn zu Besprechungen eingeladen und alle möglichen Verhandlungen geführt. E r ft mehrere Wochen später, nachdem diese Verhandlungen nichtzu demerhofftenErfolg geführt hätten, habe die öfterreiichsche Regierung plötzlich die bekannten Maßnahmen gegen ihn getroffen. Aus der Tatsache, daß alle möglichen offiziellen Persönlichkeiten mit ihm verhandelt hätten, ergebe sich, daß die österreichische Regierung ihnin seiner amtlichen Stellung durchaus anerkannt habe. Rund 1250 Verhaftungen. Wien, 15. 3uni. (TM.) Erst jetzt liegen über» sichtliche Berichte über die Verhaftungen vor, die im Zuge der Polizeiaktton im gesamten Bundesgebiet vorgenommen worden sind. Es sind danach rund 114 0 Funktionäre der nationalsozialistischen Partei inHast, wobei abschließende Berichte aus Salzburg und Vorarlberg, sowie aus dem Burgenland noch fehlen. Den größeren Teil der genannten Ziffer stellt Riederö st erreich mit 408 Verhafteten, dann die Steiermark mit 340 Derhaf- teten. 3n Tirol sind 187, Oberösterreich 200 und in Kärnten 110 Verhaftungen vorgenommen worden. Unter diesen Verhafteten befindet sich eine ganze Reihe von Staatsbeamten, darunter 3 Staatsanwälte, 7 Richter, 37 Gendarmeriebeamte, 21 aktive Angehörige des Bundesheeres, 8 frühere Stabsoffiziere, 150 Lehrer, 61 Angestellte der Bundesbahnen, 47 Landesbeamte, 37 Rechtsanwälte, 81 Bürgermeister. 47 Stadträte, 111 Gemeinderäte und 214 Funktionäre der Bezirke. Ein Dollfuß-Interview und seine Richtigstellung. London, 15. 3uni. (WTB.) 3n einem Interview mit einem Reutervertreter behauptete Bundeskanzler Dollfuß, die Rationalsozialisten in Oesterreich begingen gegenwärtig Terrorakte, um den Eindruck zu erwecken, daß die österreichische Regierung nicht Herr der Lage sei. Der Bundeskanzler bedauerte, daß alle Maßnahmen der Regierung gegen die österreichische RSDAP. fälschlicherweise als u n - freundliche Akte gegen das Deutsche Reich betrachtet würden, und betonte mit Rachdruck, dah die Haltung der österreichischen Regierung gegenüber der RSDAP. Oesterreichs eine Angelegenheit von rein inner- österreichischem Interesse sei. Mm die gegenwärtige Spannung zu beseitigen, fei guter Wille ton beiden Seiten nötig, und bei Oesterreich fei guter Wille vorhanden. * Zu diesen Ausführungen des österreichischen Bundeskanzlers wird in Berlin erklärt: Die Behauptung, daß die Maßnahmen der österreichischen Regierung gegen ihre eigenen Staatsangehörigen hier in Deutschland als unfreundlicher Akt gegen das Deutsche Reich betrachtet würden, geht fehl. Die deutsche Regierung betrachtet diesen Teil der Maßnahmen der Regierung Dollfuß als eine innerösterreichische Angelegenheit. Als eine innerösterreichische Angelegenheit kann cs aber nicht angesehen werden, wenn die österreichische Regierung Reichsdeutsche in Oesterreich das Tragen des Hakenkreuzes verbietet, wenn sie Reichsange- hörige ihrer nationalsozialistischen Parteizugehörigkeit halber verhaftet oder schließlich unter Bruch des Völkerrechtes den PresfeattachL der deutschen Gesandtschaft in Wien ins Gefängnis sperrt. Hier liegt, wie eben erst von Herrn Neichsminister Dr. Goebbels den Vertretern der deutschen Presse auseinandergesetzt worden ist, die wahre Ursache des Konfliktes. Der gute Wille, diesen Konflikt zu beseitigen, den Herr Dollfuß von der deutschen Regierung fordert und als bei ihm vorhanden in Anspruch nimmt, leuchtet aus solchen Handlungen nicht hervor. Straffreiheit im Braunschweiger Stahthelmkonflckt. Braunschweig, 15. Juni. (WTB.) Laut Mitteilung des Staatsministeriums hat die Staatsanwaltschaft gegen die vier Stahlhelmführer Schrader, Seidel, Nowack und Meineckc und gegen mehrere Reichsbannerführer und Reichsdan- nermitgüeber bei dem hiesigen Sondergericht wegen der bekannten Vorfälle im März d. I. Anklage erhoben. Das wesentliche Ergebnis der Ermittlungen hat die Gefährlichkeit der von den Angeklag- ten getroffenen Maßnahmen, die auf eine g e - fdjloffcne Ueberfütjrung von Reichs- bannerformationen in den Stahlhelm hinausliefen, ergeben, so daß eine gemeine Gefahr im Sinne des 8 4 Abs. 3 der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat herbeigeführt war, die nur durch umfassenden Polizeieinsatz beseitigt werden konnte. Da durch das Eingreifen des braunschweigischen Ministers des Innern, heißt es in der amtlichen Verlautbarung weiter, die Gefahr in der Nacht vom 27. zum 28. März beseitigt ist und durch die weiteren Maßnahmen dieRuheundOrdnung im Lande Braunschweig erhalten sind, hat das braunschweigische Staatsminifterium beschlossen, um die Herstellung der Volksgemeinschaft weiter zu fördern, Straffreiheit gewähren, wobei aus Gründen der Gerechtigkeit kein Unterschied zwischen den beteiligten Stahlhelmführern und Reichsbannerführern gemacht werden konnte. Das braunschweigische Staatsministerium erklärt jedoch bei dieser Gelegenheit ausdrücklich, daß es auf keinen Fall dulden wird, daß Organisationen im Lande Braunschweig bestehen, die die gegebenen politischen Verhältnisse innerlich nicht anerkennen und die erlassenen Gesetze nicht achten. Polizeimahnahmen gegen Agitation der Stahlhelm-Selbsthilfe. Recklinghausen, 15. 3uni. (WTB. Funkspruch.) Wie der Polizei-Präsident mitteilt, verbreitete die .Stahlhelm-Selbsthilfe e. V." ein Werbellugblatt, in dem die Stahlhelm-Selbsthilfe als die einzige ideale Arbeitnehmerorganil.'- tion der Selbst- und Gemeinschaftshilfe bez?ichn^t wird. 3n dem Flugblatt werden nicht nur Stah'.- helmmitglieder, sondern auch dieübrigen nationalen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zum Eintritt aufgefordert. Gleichzeitig waren in Langenbochum und Gladbeck Werbeversammluvgen zur Stahlhelm-Selbsthilfe einberufen worden. Dcr Polizeipräsident hat sich genötigt gesehen, diese Versammlungen zu verbieten, wett die Gefahr bestand, dah durch eine so weitgehende Werbetätigkeit der Stahlhelm-Selbsthilfe die ZurNeuordnung derCvangeiischenmrche Berlin, 15. Juni. Wie die Pressestelle der „Deutschen Christen" mitteilt, hat Recchs- innenminister Dr. Frick eine Besprechung mit Dr. von Bodelschwingh gehabt, um die grundsätzlichen staatlichen Gesichtspunkte gegenüber den kirchlichen Vorgängen sicherzustellen. Die Mitteilung schließt: „Die Ereignisse der nächsten Tage werden den Sinn dieses Empfanges noch naher klären." Dazu schreibt die „Tägliche Rundschau u. a.: Bekanntlich werde seit langem ein Projekt studiert, demzufolge die R e i ch s st a t t h a l t e r als Rechtsnachfolger der Landesherren und also auch als Inhaber der Kirchen Hoheit (ius circa sacra) mit dem Recht zur Kirche n r e so r m (ius reformandi) angesehen werden sollen. Werde aus einer Verletzung der Kirchenverfassung eine Be- unruhiguna des Kirchenvolkes erfolgen, so sei der Staat berechtigt, einer Kirche gegenüber, die sich in die Illegalität begebe, dieses ius reformandi in Zuspruch zu nehmen. Die K r e i s s y n o d e von W i t t e n b e r g hat mit 70 gegen 5 Stimmen eine Entschließung gefaßt, in der es heißt: Wir unterwerfen uns willig dem von den Führern der Kirche zum Reichsbifchof be° stimmten D. von Bodelschwingh und begrüßen in ihm den durch soziale und nationale Gesinnung und Tat bewährten Mann. Wir bitten ihn mit Nachdruck das Einigungs- und Re- formwerk unserer Kirche zu vollenden und hierbei vor allem der Kirche die Kräfte einzu- gliedern, die die Träger der nationalen Erneuerung unseres deutschen Volkes sind. Eine Erklärung von ÄZehrkreispfarrer Müller. Berlin, 15. Juni. (TU.) Wehrkreispfarrer Müller hat die folgende Erklärung der Oef- fentlichkeit übergeben: , „Durch mißverständliche Aeußerungen in der Presse ist der Anschein entstanden, als ob ich beim Neubau der Kirche der Bekenntnisfrage eine nur untergeordnete Bedeutung zumähe. Ich stehe nach wie vor uneingeschränkt «auf dem Boden dessen, was in unseren Richtlinien über den Bekenntnisstand niedergelegt ist, d. h. wir treten ein für völlige Wahrung des Bekenntnis st andes der Reformation, verlangen aber von diesem Grunde aus ein bekenntnismähiges Wort der Kirche zu den brennenden Fragen der Gegenwart. Es ist selbstverständlich, daß das für uns keine leeren Worte sind, sondern daß wir für die Durchführung des Erstrebten mit aller Energie und Verantwortung eintreten." Ore Lübecker Bodelschwingh-Kund- gebung nicht verboten. Lübeck, 15. 3uni. (WTB.) Die Rachrichtenstelle des Senats teilt mit: Wie dem Senat bekanntgeworden ist, ist das Gerücht verbreitet, daß die von der Iungreforma- torischen Bewegung für Freitag, 16. Juni, in Lübeck geplant gewesene Kundgebung für den Reichsbischof D. v. Bodelschwingh polizeilicherseits verboten worden sei. Demgegenüber wird darauf hingewiesen, daß von einem Verbot der Veranstaltung nicht die Rede sein kann. Die Kundgebung ist lediglich um acht Tage verschoben worden. Oer Mecklenburgische Oberkirchenrat zur Reichsbifchofsfrage. Schwerin, 15.Juni. (ERB.) Der Oberkirchenrat von Mecklenburg-Schwerin sagt in einer Erklärung, daß Pfarrer von Bodelschwingh nicht als ordnungsmäßig berufener, sondern nur alsfür das 21 in t beftimmter Reichsbischof anzusehen sei. Irgendwelche Rechte oder Funktionen im Rahmen des Evangelischen Kirchenbundes ständen ihm n i ch t zu. Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit gefährdet wird. Ein Beschluß des sozialdemokratischen parteivorftandeö. . B e r 11 n, 15. Juni. (DDZ. Funkspruch.) Der sozialdemokratische Parteivorstand faßte folgende Entschließung: „Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands mißbilligt ausdrück- 1 i ch alle vom 2lusland ergangenen, scheinbar im Namen der Partei abgegebenen Kundgebungen und erklärt, daß niemand im Auslande ein Recht habe, im Namen der Partei zu sprechen. Die Vertreter der Parteiorganisationen werden in den nächsten Tagen eine r e st l o s e Klärung der Angelegenheit herbeiführen." Dieser Be- sd)luß des sozialdemokratischen Parteivorstandes bedeutet eine scharfe Zurückweisung der bisherigen SPD.-Führer Wels, Vogel, Breitscheidt und Stampfer. Man darf annehmen, daß die sozialdemokratischen Parteiorganisationen den Ausschluß der vier verfügen werden. / Zur Verhaftung Or. Mierendorfs. / Darmstadt, 15. Juni. (WSN.) Vom Hessischen Staatspolizeiamt wird zu der Verhaftung Dr. Mierendorfs mitgeteilt: Am Abend des 13. Juni 1933 wurde in einem Frankfurter Caf6 der frühere Pressechef dec hessischen Regierung Dr. Karl M i e r e n d o r f aus Veranlassung des Hessischen Staatspolizeiamts in Schutzhaft genommen und nach Darmstadt übergeführt. Der Aufenthalt Dr. Mierendorfs war seither unbekannt. Es bestand aber schon längere Zeit der Verdacht, daß er mit einem hiesigen Rechtsanwalt in geheimer Verbindung steht. Durch geeignete unauffällige Ueberwachung dieses Herrn wurde fcst- gestellt, daß er sich am Dienstagabend unter Vorspiegelung einer beruflichen Besprechung i n F r a n k- furt mit einem Bekannten treffen würde, dessen Name zwar nicht genannt war, dessen angegebener Vorname Karl-Heinz aber sehr verdächtig erschien, zumal Karl der Vorname Dr. Mierendorfs ist. Die Beobachtung des Frankfurter Cafes ergab, daß es sich tatsächlich um Mierendorf handelte, der sich seither unangemeldet in Berlin, angeblich bei dem Schriftsteller Karl Zuckmeyer, dem bekannten Verfasser des Bühnenstücks „Der fröhliche Weinberg", aufgehalten hat. Dr. Mierendorf ist bekannt als rechte Hand Leuschners, geistiger Führer der SPD. Hessens und schärfster Gegner und Bekämpfet: der NSDAP. Seine Verhaftung hat in der gesamten deutschbewußten Bevölkerung größte Befriedigung ausgelöst, die sich gelegentlich der Verbringung Dr. Mierendorfs in das Gerichtsgefängnis in teilweise stürmischen Kundgebungen äußerte. Gegenüber etwaigen Gerüchten wird ausdrücklich betont, daß irgendwelche körperliche Mißhandlungen des Schutzhäftlings nicht erfolgt sind. Eine deutsche Erklärung zu den Vorfällen auf der Internationalen Arbeiterkonferenz. Berlin, 15. Juni. (WTB.) Zu den -Vorfällen der letzten Tage auf der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf wird amtlich mitgeteilt: Die deutsche Regierung hat wiederholt betont, daß sie in der Arbeit das Höch sie Gut sieht. Sie mißbilligt jede Beleidigung der Arbeitnehmer irgendeines Landes. Genfer Pressevertreter verurteilen das Verhalten Or. Oanger. Genf, 15.Juni. (WTB. Funkspruch.) Unter Hinweis auf die von amtlicher deutscher Seite gegebene sachliche Darstellung der Vorgänge aus der Presse- konferenzderdeutschenDelegationauf drrJnternationalenArbeitskonferenz am 8. d. M. haben die Pressevertreter, die an dieser Konferenz teilgenommen haben, eine Erklärung abgegeben, in der es heißt: Wir verurteilen es auf das schärfste, daß der Vertreter der „Danziger Valksstirnme", Dr. Alfred Dang, unter schwerer Verletzung der für alle Pressekonferenzen maßgebenden Regeln ausländischen Blättern eine Darstellung übermittelt hat, die unter böswilliger Entstelluna des Tatbe st andes der Absicht diente, das Ansehen der deutschen Vertretung zu schädigen und die öffentliche Meinung gegen Deutschland aufzuhetzen. 50Lahre Krankenversicherung Berlin, 15. Ium. (WTB.) Arn Donnerstag waren 50 Jahre verflossen, seitdem das Kran- kenversicherungsgesetz am 15. 3uni 1883 erlassen wurde. Durch dieses Gesetz wurde die Grundlage für die deutsche Krankenversicherung geschaffen, deren Geist und Grundsätze heute nicht nur das Krankenversicherungsrecht Deutschlands, sondern auch das der ganzen Welt beherrschen. Am Anfang betreute die Krankenversicherung vier bis fünf Millionen Versicherte. Auf dem höchsten Stande 1929 wurde eine Mitgliederzahl von rund 22 Millionen erreicht. Gegenwärtig unterstehen dem Schutze der Krankenversicherung etwa 19 Millionen Versicherte. Dabei sind die mitge- schühten Familienmitglieder nicht mitgezählt. Bei der großen Bedeutung der Krankenversicherung für die Erhaltung der deutschen Volkskraft und den Schutz der arbeitenden Bevölkerung wird es sich die Reichsregierung in besonderem Maße angelegen sein lassen, diese soziale Errungenschaft dem deutschen Volke unversehrt zu erhalten. Die von ihr tatkräftig und zielbewußt durchgeführten Maßnahmen werden die Krankenversicherung von allen Schlacken reinigen und im Geiste ihrer Begründer über die gegenwärtige schwere Zeit in eine bessere Zukunft führen. Unbekannte Tierstimmen schollen fern und dumpf aus den Gründen und versickerten in den weichen Urwaldpolstern der Hänge: zuweilen brach das Licht eines märchenhaft großen Sternes durch das Dickicht der Wipfel und warf fiir einen Augenblick Dämmer- nis über den Weg und über das weiße Fell meines Tieres. Von den verwünschten Laternenträgern war kein Laut mehr zu vernehmen. Doch als ich endlich auf dem noch nächtlichen Hochplateau ankam, da standen sie hübsch nebeneinander alle viere und schwenkten die Lichter. „He da, ihr Halunken, warum, glaubt ihr wohl, hab' ich euch mitgenommen, euch und eure Laternen?!" Ein freundliches Kinderlachen antwortete meinen englischen Drohungen, sie lobten mein Pferdchen, daß es so klug den Wen gefunden, sie streichelten meinen Pelz: mariner Pelz — guter Pelz! — sie strahlten vor Harmlosigkeit, sie froren fein bißchen, sie waren alles in allem unsäglich entwaffnend. Ich schüttete mein Kleingeld in ihre entzückt geöffneten Hände und schickte sie samt ihrem guten Gewissen und ihren Laternen nach Darjeeling zurück. Es mochte etwa in dreitausend Meter Höhe sein. Die namenlose Einsamkeit des Hochplateaus umfing mich, während ich, wärmesuchend an dem zottigen Leib meines Pferdchens geschmiegt, in die fahle Stunde zwischen Nacht und Tag starrte. Und zum ersten Male im Leben offenbarte sich mir, die ich nur auf Sonne und 2Bärme geschworen, die ungeheure, die unfaßbare Schönheit und Majestät der Kälte. Denn was da heranschritt aus langsam hinschwindender Nacht, das war nicht bloß ein bißchen Schnee- kühle und Gletscherhauch, das war der Atem des Weltalls selbst, hinwehend über den Scheitel der Erde. Aus Tälern, fahlen, fernen, stiegen Wände, Schlünde und Eis bis hinauf zu Gipfeln, die sich in den farblosen Räumen der Ewigkeit verloren; die ganze gigantische Welt des Himalaya, lichtlos noch, aber eisig klar, bis zu den fernsten Fernen Tibets, wuchs in die silbergraue, lautlose Stunde vor Sonnenaufgang, und um sie her schwebte jener Atem des Alls, dessen Kälte und Größe so über alle Vernunft und allen Begriffen, so sehr Wort der Ewigkeit war, daß selbst der verlorene Hauch, der darüber wehte auf mein Hochplateau, genügte, mir das Herz zu erstarren in ohnmächtiger Anbetung. Aber das tote und bleierne Grau fing an, sich zu beleben, nicht langsam, sondern mit einem Male, wie van den lichtspendenden Fingerspitzen eines Gottes angerührt. Ein rosiger Schein, von einer zarten Glut und einem Glanze ohnegleichen umfloß die entrückten Gipfel, Eis wurde zu Purpur, Grauen der Schlünde wurde zur Wiege des Lichts, über dem Scheitel der Erde hob sich segnend das Lächeln der Himmel. Kleine politische Nachrichten. Ministerpräsident Göring ist vom Flughafen Tempelhof nach Stettin abgeflogen. Er begibt sich von dort zur Hochzeit der Tochter seines Schwagers zu einem kurzen Aufenthalt nach Stockholm. Am Montag, 19. Juni, am Geburtstag des Reichsministers Hugenberg, spricht um 20.05 Uhr der Pressechef der Deutschnationalen Front, Hauptmann a. D. Brosius, im Rundfunk in einem kurzen Vortr.ag über „Hugenberg und sein Werk". Der Vortrag geht über alle deutschen Sender. Durch Lautsprecher wird er auf die im ganzen Lande stattfindenden deutschnationalen Versammlungen, die zu Hugenbergs Geburtstag veranstaltet sind, übertragen. * Reichswirtschaftsminister Dr. Hugenberg. der zur Zeit in London ist, wird a m M o n t a g, 2 6. 3 uni, in Berlin auf einer Reichsgruppenführertagung des Deutschnationalen Bundes des gewerblichen Mittelstandes zu dem Thema: „Er st der Betrieb — dann die Organisation!" sprechen. • Das preußische Staatsministerium hat die Auflösung der preußischen Landwirtschaftskammern beschlossen. Der Landwirtschaftsminister wird Kommissare einsetzen, die bis zur Konstituierung der neugewählten Kammern die Geschäfte führen. Die Reuwahlen zu den Landwirtschaftskammern werden beschleunigt durchgeführt werden. Das württembergische Jnnenmin ist e- rium hat auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat die Kampfgemeinschaft revolutionärer Eine kärgliche halbe Stunde, eine ewige halbe Stunde lang lag das von Menschen nie bezwungene Reich des Himalaya, der Thron der Götter, frei von Nebeln und Wolken vor den Augen der Sterblichen. „Dm mani padrne hum — o du Kleinod im Lotos, Amen!" fangen die Stürme, die brausenden Herolde der Weltallkalte, über dem ewigen Eis. — Aber mein Pferdchen schnaubte freudig und unbekümmert in Licht und Tag. Tonfilm: Oie blonde Ehnstl. Inmitten eines beschwingten und sicherlich bewußt mehr der heiteren Muse gewidmetem Sommerprogramms bringt das Lichtspielhaus in glücklicher Abwechslung einen Film ernsten Gepräges. Es handelt sich bei dem Bildstreifen „Die blonde Christi" um die Verfilmung des Ganghoferfchen Romans „Der Geigenmacher von Mittenwald", der allerdings eine sehr freie Bearbeitung erfuhr. Die Grundmotioe des Romans sind zwar gewahrt, haben aber eine durchaus filmische Ausschmückung erfahren, die im Interesse der Publikumswirkung notwendig gewesen sein mag. Der Regisseur war dabei aber nach besten Kräften bemüht, den volkstümlichen und landschaftsgebundenen Charakter zu wahren. Die Handlung dürfte vom Roman her, vielen bekannt sein. Es ist die Geschichte der jungen Christine Schröder, die, bedroht von einem zudringlichen Manne, den jungen Geigenbauer Hans Brandtner kennen und lieben lernt, ihn aber nach Mailand ziehen lassen muß, damit er die Grundlage für einen zukünftigen Ehestand schaffen kann. Briefe kommen von Mailand, die aber Christi nie erreichen, weil die Mutter, die gegen die Verbindung ist, die Briefe verbirgt. So mußte Christine an des Liebsten Wort zweifeln und gibt dem älteren Geigenbauern Benedikt ihr Ja-Wort, da er sich inzwischen als großer Wohltäter erwiesen hatte. Erst als Hans zur Hochzeit kommt, klären sich die Zusammenhänge und Benedikt sucht und findet den Tod, um den beiden jungen Menschen den Weg zum Glück frei zu machen. Die dramatische Handlung erfahrt in diesem Film eine sehr eindrucksvolle Wiedergabe, insbesondere durch die vorzügliche Darstellung. Karin Hardt verbindet als Christi viel zarte Mädchenhaftigkeit mit tiefem Qfrnft. Rolf von Goth gibt sehr verhalten den jungen Geigenbauer. Theodor L o o s als Benedikt Oberbucher und väterlicher Freund weiß durch feine ruhige Sicherheit und hochentwickelte darstellerische Kunst zu gefallen. Gertrud d e Lalsky gibt der mütterlichen Figur der Frau Schröder die hier notwendige Härte. In der lustigen Charge des immer hungrigen Otto sieht man Josef Stöckel. Die Landschaft der Berge gibt dem Film Der Scheitel her Erde. Von Sofie von llhde. Copyright 1933 by I. L. A., Wien. Es war zwei Uhr des Morgens. Darjeeling, das „Land des diamantenen Donnerkeils des Lamas", lag in tiefer Ruhe, über Tibet und Nepal standen die klirrenden Sterne der Gebirgsnacht. Die zwei oder drei Grad Kälte, die herrschten, genügten, um mir, die ich eben aus Kalkutta und somit aus vierzig Grad im Schatten gekommen war, das Mark in den Knochen und das Gehirn im Schädel vereisen zu lassen. Apathisch wie ein Erfrierender bestieg ich, in Pelze gehüllt, das zottige weiße Pony, das vor der Türe des Berghotels wartete, und schickte mich an, zu reiten, wohin es eben lief. Ziel sollte der Tiger-Hill sein, von besten Hochplateau man vor Sonnenaufgang die sonst stets verhüllte überirdische Einsamkeit der Himalanagipsel nebellos erblicken konnte: aber wäre das Pony in die Rhododendronwildnis der Berghänge oder in die Teeplantagen der Niederungen gelaufen — gleichviel! Nur nicht auch noch denken und handeln müssen, während einem das Herz im Leibe erfror. Wie eine ferne und niemals zu erreichende Fata Morgana flatterte die herrliche, göttliche, kochende Hitze der indischen Täler durch meine erstarrten Gedanken. Vier junge, tibetanische Burschen mit seltsam schonen Laternen begleiten mich, um mir den Weg zu weisen. Warum vier? Genügte nicht einer? Aber von mir aus auch dreißig!! Alles war egal! Ge- spensterhaft umringten ihre mongolischen Gesichter in dem ungewissen Flackerlicht der Laternen das zottige Pferd. Doch bald erwies sich, daß auch einer noch zu viel und herzlich überflüssig war. Denn kaum hatte die undurchdringliche Schwärze des steilen Bergwaldes uns ausgenommen, als die vier auch schon mitsamt ihren nun recht nötig gewordenen Laternen verschwunden waren. Kichernd wie Kinder und behend wie Ziegen kletterten sie auf irgendwelchen Wild- pfaden zur Höhe und ließen mich mit meinem Pony auf dem schmalen, gewundenen Bergwaidsträßchen in einer wahrhaft höllischen Finsternis allein. Es war selbst zum Fluchen zu kalt. So blieb mir nichts übrig, als dem braven Pony die Zügel auf den Hals zu legen und der guten Drientierungsgabe des Pferdes zu vertrauen. Das stieg denn auch treu den aewohnten Weg, vorsichtig tastend mit den klei- nen Hufen. Als sein Atem anfing hastiger zu gehen auf den? immer steileren Wege, ermannte sich meine eingefrorene Energie so weit, um abzusteigen, und am Zügel mehr geführt denn führend, schritt ich durch die unsäglich fremde Nacht. Nationalsozialisten (schwarze Front — Otto-Straßer-Bewegung) für Württemberg auf- g e I ö ft und das vorhandene Vermögen beschlagnahmt. Die Pläne des Präsidenten Roosevelt, die. Unterstützungen für die amerikanischen Kriegsteilnehmer erheblich (über 25 Prozent hinaus) zu kürzen, wurden vom Senat mit 51 zu 39 Stimmen abgelehnt. Stattdessen wurde ein weniger weitgehender Plan angenommen. Gegen diesen Plan wird Roosevelt sein Veto einlegen. Kunsi unh Wissenschaft. 21m den neuen Frankfurter Generalintendanten. Dor einigen Tagen ist der bisherige 3ntendant des Stettiner Stadttheaters Meißner zum Generalintendanten der Franifurter Bühnen verpflichtet worden. Heute veröffentlicht nun das nationalsozialistische „Frankfurter Volksblatt" einen Offenen Brief eines alten Stettiner Parteigenossen an Meißner, in dem diesem enge Beziehungen zur SPD. nachgesagt werden. Tl. a. sei bei der Besetzung des Stettiner „Volksboten" - Hauses ein Brief des 3ntendanten Meißner gefunden worden, in dem er am 3. März bat, ihn aus den Li st en der Partei zu st reich e n, und auf der Sammelliste der Eisernen Front war festzustellen, daß er noch vor kurzem wiederholt für die Eiserne Front Geld gab. Die Redaktion des „Frankfurter Volks- blatts" bemerkt zu diesem offenen Brief: 3eht ist es an Herrn Meißner das Wort zu ergreifen. Wir wissen, daß er ein guter Theater- s a ch m a n n ist und einguterWirtschaft- I e r. Gerade der letzte Faktor war wohl für eine Anstellung in Frankfurt entscheidend. Der Rationalsozialismus verlangt aber auch Charaktere, und so erwarten wir von Herrn Meißner, daß er aus diesem Schreiben dieKonsequen- z e n zieht, es sei denn, die Vorwürfe seien vollkommen aus der Luft gegriffen. Aus aller Welt. Der streikende Fahrstuhl. Der letzte 21bschnitt der allgemeinen Debatte der Weltwirtschaftskonferenz in London brachte einen amüsanten Zwischenfall. Die große Spannung, mit der die Beschlüsse des Konferenzbureaus erwartet wurden, hatte die Delegation rechtzeitig in der großen Halle versammelt. 21ber sie warteten vergeblich. Die Mitglieder des Bureaus traten nicht ein. Schließlich stellte sich heraus, daß das gesamte Bureau i m Fahrstuhl i) e s Hauses zwischen Zwei Stockwerken st ecken geblieben war. Es dauerte acht Minuten, ehe sie befreit werden konnten. Das verspätete Eintreffen des Vorsitzenden der Konferenz, der die Delegierten am ersten Tage 3 u größerer Pünktlichkeit ermahnt hatte, rief im Saale große Heiterkeit hervor. Dom Blitz erschlagen. Ein schweres Gewitter, das am Nachmittag des Fronleichnamstages über Karlsruhe nieder- ging, forderte zwei Todesopfer. Die Ehefrau des Fabrikanten L e i ch t l i n g und der Pfarrer der evangelischen Christengemeinschaft in Karlsruhe, Wilhelm Luttenberger, befanden sich im Garten des Leichtlingschen Wohnhauses in der Kaiserallee in Karlsruhe, als ein Blitz in die hohe Silberpappel fuhr, unter der sich die beiden befanden. Sie wurden auf der Stelle getötet. Paddelbootunglück auf dem Rhein. Auf dem Rhein kenterte unweit der berüchtigten Stromschnelle zwischen 3 stein und Groh- Kembs ein mit Düsseldorfer Personen, Herr und Dame, besetztes Paddelboot. Das Doot war in die hohen Wellen eines vorbeifahrenden Schleppzuges geraten, schlug um, und die beiden 3nsassen ertranken, ehe ihnen Hilfe gebracht werden konnte. Die Personalien der Ertrunkenen sind noch nicht bekannt, auch sind die Leichen noch nicht geländet. einen ansprechenden Hintergrund: die Photographie, wie auch die Tonwiedergabe dürfen gut genannt werden. Im Beiprogramm sieht man hervorragende Bilder aus Rom. Der Besuch des Lichtspielhauses empfiehlt sich. n- Zeitschriften. — „DerRatursorsche r", vereint mit „Ra- tut und Technik". Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Raturwissenschaft und ihre Anwendung in Raturschuh. Unterricht. Wirtschaft und Technik. Herausgeber Dr Oskar Prochnow. 3ahrgang X, Heft 3: 40 Seiten Text, 4 Tafeln und 28 Textabbildungen. Preis vierteljährlich 2,50 Mark, einzeln 1 Mark, Hugo Der- mühler-Derlag, Berlin-Lichterfelde. — Die bekannte Zeitschrift bringt in dem 3uniheft einen interessanten Aufsatz über die Kraftquellen des Segelfluges. Eine uralte Kernfrage der Flugforschung ist beantwortet durch gründliche Versuche t ielec 3ahre. Das Geheimnis des Segelfluges der großen Wasser- und Landvögel ist ihnen abgelauscht worden — und von den Versuchen P. 3dracs dazu nimmt die grofte Oeffentlichkeit kaum Kenntnis: Wir können ja segeln wie die Vögel. Wirtlich? — darüber berichtet Dr. F. Höhn- d o r s, der Tleberseher der 3dracschen Schrift und zeigt, daß wohl immer die Kunst des Albatros in der Ausnutzung der verschiedenen Windgeschwindigkeiten der Luftschichten über den Wellen den Segelfliegern unter den Menschen verschlossen bleiben wird. — Viele Ratschläge für Raturaufnahmen geben uns die durch ihr prächtiges Buch ..Waldweben" bestens bekannten Verfasser Gerhard und Wolff und zeigen zugleich Hochleistungen ihrer schwarzen Kunst. Prof. Moewes von der Staatlichen Stelle für Raturdenkmalpflege bespricht die neue preußische Tier- und Pflanzenschutzverordnung. Kleinere Abhandlungen über die Entdeckung des positiven Elektrons, über die Schleifen auf Blihbildern, über Trockeneis, über unfern Kalivorrat usw. zeugen von der Vielseitigkeit der reich bebilderten und sorgfältig gedruckten Zeitschrift. Dochschulnachrichten. Der ordentliche Professor in der juristischen Fakultät der LIniversität Kiel Dr. Wedemeyer ist auf seinen Antrag zum 1. Oktober von seinen Verpflichtungen entbunden worden. — Dem Präsidenten der Universität Chikago. H u ch i n s, dem Präsidenten der Rorthwestern Llniversith Scott und dem Präsidenten der ilni* versität Wisconsin Frank wurde die Goethe- Plakette verliehen. 3" Son W-il oiiito ’ §ra9, Sein A bie v Seit« alle ver Die 2lf und B troö >h Mite ausgele heiratet wenn ii aufflefü Diese Fragen heißt, Frauen der Fa A oder gegen Gejchie für do Dies Das Somm Grfran Mrun nach bei beobacht verlause währen! zusteiler solches Die P Durchs! wachen ausbrü frischen bunben hackslei fers srh All Die C Halter in zur Wie Zubillig des Rei entlaffer Ministei huyse Minister arischer worben Dannsto Oberfell M 15 EM, stellung - Licht Christ?. Manch Fettpreis daß babi derben s. schastsgei •Betteuer arbeitslo! Der Pse, "uh En! legungen vor Augc zu Wecken einbekoinr E schön onbern , frechen l ..^ah wj oic naibf -Seht de iWeiDt so bricht taten in ?°.uer r Astenzn uJauet hegende » toi Mw. wird Bafse Ar habe «'s bie 6, Kugniss Nehmen t ’l0Lin »ei Wtie um, .Mau, "toller lasset K SS? gelb,, L verbs^ i> *ienn Aus der Provinzialhauptstadt. 3ur Volks-, Berufs- und Betriebszählung. Bon der Bürgermeisterei Gießen gehl uns folgende Mitteilung des Präsidenten des Statistischen Reichs- amts zur Aufklärung der Bürgerschaft über die Fragebogen zur Volks-. Berufs.-und etriebsZahlung zu: „Es find Zweifel aufgetaucht, in welchen Fällen die Fragen auf der Haushaltungsliste Seite 2 l i n k s unten („Zu beantworten für alle verheirateten Frauen ...“) zu beantworten find. Die Anmerkung „auszufüllen, falls oben unter A und B zwei verheiratete Frauen aufgeführt sind" ist trotz ihrer engen Verbindung mit der für eine zweite Frau vorgesehenen Zeile zum Teil dahin ausgelegt worden, als ob die Fragen an die ver- heirateten Frauen nur dann zu beantworten wären, wenn in der Haushaltungsliste mehr als eine Frau aufgeführt ist. Diese Auffassung ist natürlich irrig. Die besonderen Fragen sind, wie es ja auch in der Hauptüberschrift heißt, zu beantworten für alle verheirateten Frauen, also auch dann, wenn — wie es gewöhnlich der Fall ist — nur eine verheiratete Frau unter A oder B aufgeführt ist. Die Fragen brauchen dagegen nicht beantwortet zu werden für Witwen, Geschiedene und für ledige Mütter, wohl dagegen für vorübergehend anwesende verheiratete Frauen." Oie polizeiliche Nahrungsmittelkontrolle Das Polizeiamt Gießen teilt mit: In den Sommermonaten häufen sich erfahrungsgemäß die Erkrankungen infolge Genusses nicht einwandfreier Nahrungsmittel, insbesondere werden Erkrankungen nach dem Genuß nicht frischen Hackfleisches vielfach beobachtet. Aus diesem Grunde ist in den Fleisch- oerkaussordnunyen das Verbot enthalten, Hackfleisch während der wärmeren Jahreszeit auf Vorrat her- zustellen und seilzuhalten und vorgeschrieben, daß solches Fleisch bei Bedarf stets frisch zu bereiten ist. Die Polizeiorgane sind angewiesen worden, die Durchführung dieser Vorschrift genau zu über- wachen. Die Bevölkerung wird auf die Gefahren ausdrücklich hingewiesen, die mit dem Genuß nicht frischen Hackfleisches, insbesondere von Pferden, verbunden sind, und es wird empfohlen, nur solches Hackfleisch zu kaufen, das vor den Augen des Säufers frisch zubereitet wird. Aus dem hessischen Staatsdienst entlassen. Die Staatspresseftelle teilt mit. Der Reichsstatt. Holter in Hessen hat auf Grund des § 2 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums ohne Zubilligung von Ruhegehalt und unter Absprechung des Rechtes auf Führung einer Amtsbezeichnung entlassen: Ludwig S ch w a m b , früher Staatsrat im Ministerium des Innern, Richard van Baß- h u y s e n , früher Oberregierungsrat in dem gleichen Ministerium. Gemäß § 3 des Gesetzes ist wegen nicht- arischer Abstammung aus dem Staatsdienst entlassen worden Dr. Max May, früher Oberstaatsanwalt in Darmstadt. Vornotizen. — Tagesta tender für Freitag : Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand- Platz, 15 bis 17 Llhr, Ausstellung. — Neues Schloß, 10 bis 13, 15 bis 18 Uhr, Werbe-Aus- stellung hessischer und rheinischer Kunsttöpfereien. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Die blonde Ehtistl". Hessischer Landesbeauftragter für Innere Mission. EPH. Eine zahlreich besuchte Versammlung der Vertreter der Anstalten, Verbände und Vereine der Inneren Mission Hessens, die in dem Landesverband der Inneren Mission in Hessen zusammengeschlossen finb, hat den Geschäftsführer des Landesverbandes der Inneren Mission, Direktor Ptorrer Röhricht in Darmstadt, zum Beauftragten der Inneren Mission in Hessen bestimmt. Die Landeskirchöiregierung hat ihn zum Landesbeauftragten für die Innere Mission bestätigt. Für diesen Entschluß war die Er- wägung maßgebend, daß eine in der jetzigen Zeit mit besonderen Vollmachten ausgestattete Persönlichkeit vorhanden sein muß, die den Auftrag hat, mit den Behörden selbst verantwortliche Verhandlungen zu führen über die aus der gegenwärtigen Lage sich ergebenden Fragen. Taten für Freitag, IK.Funi. 1858: König Gustav V. von Schweden auf Schloß Dtottningholm bei Stockholm geboren: — 1871: Einzug aus Frankreich zurückkehrender Truppen in Berlin; — 1922: Teilung Oberschlesiens. ** Eine Achtzigjährige. Am heutigen Freitag, 16.Juni, kann Frau Sophie Steck Witwe, Hammstrahe 7, ihren 80. Geburtstag begehen. ** Der „ Hubertus, Verein weidgerechter Jäger, Sitz Gießen", hielt, wie man uns berichtet, feine Monatsoersammlung bei gutem Besuch im Schützenhaus ab. Nach der Erledigung von Neuaufnahmen und Neuanmeldungen nahm die Versammlung zu der Tatsache Stellung, daß im Vorjahr trotz gesetzlichen Verbotes zahlreiche Reh- bocke mit Schrot abgeschossen worden sind. Es wurde festgestellt, daß die Möglichkeit zur Beschlagnahme solchen Wildes beim Jäger, Händler oder Derbrau- cher besteht. Der Vorstand wurde daher beauftragt, Schritte zu unternehmen, die auf eine schärfere Ueberwachung des erlegten Wildes und des Handels mit Wild, Wilddecken usw. hinzielen. Besonderes Interesse fand eine Ausstellung der 26 Rehböcke, die als Sammelausstellung in Köln gewesen waren. An Hand der Ausstellung machte Studienrat H ö l z e I den Unterschied in einer Bewertung nach freiem Er- messen der Richter, wie im Verein seither üblich, und nach der Formel, wie auf den Deutschen Jagdausstellungen jetzt im Gebrauch, klar. Die zum Teil sehr beträchtlichen Abweichungen führten zu dem Entschluß, in Zukunft nur noch nach der Formel zu bewerten. Im Anschluß an die geschäftlichen Verhandlungen sprach dann Studienrat Hölzel über das Thema „Was lehrt uns die Wildmarkenforschung für die jagdliche Praxis?" In dem eingehenden und mit großem Interesse aufgenommenen Vortrag machte der Redner die Hörer mit den Ergebnissen der Auswertung der Wildmarkenforschung näher bekannt und zeigte, welche Folgerungen sie bezüglich der Wildwanderungen, des natürlichen Geschlechtsver- hältnisses, der Wildbrek^ntwicklung, des Wildalters, der Gehörnentwicklung und der Rassenbildung beim Wild heute schon gestattet, wie aber anderseits eine breitere Grundlage durch stärkeres Markieren oon Jungwild unbedingt wünschenswert ist, um dadurch noch bessere Einblicke in unklare Fragen zu geroin- nen. Der Vortragende bat die Mitglieder, auch ihrerseits dadurch mitzuhelfen, daß sie bei sich meist zufällig ergebender Gelegenheit Markierung mit dem vom Allg. Dtsch. Jagdschutzverein herausgebrachten Wildmarken vornehmen. Etadihaushali undLandwirtschast. Ein Wort an die Stadtfrauen. Manche Hausfrau klagt, daß die Butter- und Fettpreife anziehen. Sie kann es nicht verstehen, daß dadurch die Bettung für Deutschland erzielt werden soll, daß man ihr schon so schmales Wirtschaftsgeld belastet. Vielleicht hat sie unter der Verteuerung zu leiden, vielleicht ist der Mann arbeitslos, das Einkommen mehr als gering. Der Psennig spielt eine wichtige Rolle, und sie muh Entbehrungen tragen Zweck dieser Darlegungen soll es sein, ihr den wahren Tatbestand vor Augen zu führen und ihr Verständnis dafür zu wecken, daß sie viel großzügiger wieder hereinbekommt, was sie jetzt scheinbar opfert. Richt mit schönen Worten soll sie bestochen werden, sondern ganz einfach die Dinge für sich selbst sprechen lassen. Daß wir die Landwirtschaft brauchen, wird auch die naivste Frau mittlerweile eingesehen haben. Geht der Bauernstand zugrunde, verlieren etwa zwei Drille! des deulschen Volkes Lebensfähigkeil. so bricht alles zusammen, und die Städter geraten in Hungersnot. Eine Arbeit kann auf die Dauer nur fortgeführt werden, wenn sie eine Eslstenzmöglichkeit erbringt. Erhält also der Bauer für seine Erzeugnisse nicht einmal den Gegenwert seiner baren Aufwendungen, wird er nicht willens und in der Lage fein, weiterhin Dieh zu züchten, Getreide unb Gemüse anzubauen. Er wird sich damit begnügen, nur so viel zu erzen- gen, als er für seinen eigenen Lebensbedarf benötigt. Wir haben diese Erscheinung in Rußland gesehen, als die Sowjets damit begannen, dem Bauern feine Erzeugnisse ohne entsprechenden Gegenwert abzu- nehmen. Die Folge war eine grauenvolle Hungersnot in weiten Gebieten des russischen Reiches. Wenn der Bauer verelendet, nruß auch die In- dustrie umkommen. Der Bauer ist einer der wichtigsten Auftraggeber. Er braucht vom Düngemittel bis zum Kartoffelsack, oon der Hacke bis zum Dreschflegel, von der elektri- schen Lichtanlage bis zur Dampfmaschine täglich und immer wieder das, was in den großen Fabriken her- gestellt wird. Neue Arbeitslosigkeit ist die Folge. Sind keine Aufträge mehr do, müssen die Arbeiter ent laHen werden. Neues Leid kommt über ungezählte rzamilien und trifft uns alle. r» 84,5 84,5 — 84 Verrechnungskurs 85,7 85.75 85,7 85,75 4% Oesterreickiicke Goldrenie... —- _ 17,75 4,20% Lesterreichische Eilberrenü — 1,2 1,4 4% Ungarische Goldrente....... —— 4% Ungarische Staatsrente v. 191( 4V,% besgl. von 1913......... 6% obgeil. Goldmexikaner von 99 — —— —— — — _ 11,5 11,5 11,25 11,5 4% Türkische Zollanleihe von iSi । 6.4 6,45 6,45 6,45 4% Türkische Bagbadbahn-Anleih' "Serie I..................... 6,25 6,4 6,45 — strankluri a.M. Berlin Schlußkurs Schlußl. Abend- btfri- Schluß« kurs Scklußk. Miliag- bflric Datum 14.6. 15.6. 14.6. 15.6. 4% desgl. Serie II ............ 6% Rnmän. Vereins,. Rente v. 1903 4'/r%Rumän.veretnh.Renlev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente . 3%% Anatolier .............. Hamburg-Amerika-Paket ..... , Hamburg-Südam. Dampfschiff. o Hansa Dampfschiff...........o Norddeutscher Lloyd .........o A.G. für Verkehrswesen Akt. .. o Berliner Handelsgesellschaft.... 4 Commerz- und Privat-Bank... 0 Teutsche Bank und Disconto- Gesellickast................c Dresdner Bank..............<> Reichsbank ................. , A.E.G..................... 1 Elektt. LiesemngSgesellschaft... ■ Licht und Kraft ............., stellen & Guilleaume ........0 Gesellschaft für Elektrische Unter- nehmungen............... 4 Rheinische Elektrizität ........6 Cchuckert L Co..............0 Siemen« & Halske...........; LahmeyerLEo..............10 Buderus ...................। Deutsche ErdSl .............4 Geilenkirchener..............0 Harpener...................0 Hoeich Ellen—Köln-Neuelien.. 0 alle Bergbau ...............7 rilfe Bergbau Genüsse ........7 Klöcknerwerkc ...............0 Mannesmann-Rühren........0 6,25 6,1 5 28 17,75 18,65 51,5 51 59 48 138 25,25 92 111.5 56 93 97 113 165 125,25 75,25 118,5 63 104 75 160 122 -9,25 69,5 6,4 5,75 4,9 28 17,5 18,4 50 51 59 47,5 137,5 25,13 92 111 55,75 93 96,75 113,5 164.5 124 75,25 117,75 62,75 104,_l 156 121.5 59 68,75 6,5* 6 5 28 17,75 26 18,5 51,5 91 51,5 59,25 48 138 25,4 92,5 111,25 56 93,4 97 113 165,65 125,75 76 118,25 62,75 104,25 69,4 160 123,25 59,13 69 6,6 10,5 5 28,25 17,5 25 18,5 50,25 91 51,5 59 47,5 137,65 24,9 92 110,5 56 93,13 95.5 113,25 164,65 124,25 75,5 117 62,65 104,75 68,65 157,5 122 59 68,9 strantsuri a. Ml. Berlin Schluß« kurs Schlußl. Abcnd- börle Schluß« lurs Schlußk. Mittag- börse Datum 14.6- 15-6. 14.6- 15.6. Mansfelber Bergbau....... .. 0 25 25 25,5 25,75 Kokowerte ............... .. 0 — — 83,5 83 Phönix Bergbau........... .. 0 41 40,9 40,9 40,75 Rheinische Braunkohlen .... ..1" 210,5 208 210 208 Rheinliabl ........... .. 0 94,25 40,5 94,25 40,13 94,75 40,4 94,5 40,13 Bereinigte Stahlwerke...... .. 0 Ltavi Minen ............. .. 0 18,25 18 18,25 13.4 Kaliwerke Aschersleben...... .. 6 130,65 132 131 132 Kaliwerke Westeregeln...... Kaliwerke Salzdetfurth..... .. 6 .. 9 131,5 176.5 132,5 176 132,5 176 175 .3 G. starben.Jndllstrte..... erfielbeanftalt............. .. 7 132,9 132,13 132,75 132,25 ..10 170,75 171 Goldschmidt ............. 51,5 39,5 51,5 59 4 51,13 59 Rütgerswerke ............. .. 0 59^4 Metallgesellschaft........... 39 39,13 39,25 38,5 Philipp Holzmann......... Zementwerk Heidelberg .... Cemenlwerk Karlstadt....... . 0 58 57,5 58 58 :; 80 78 79,5 79 Schultheis Payenhoser...... . 0 124,5 40.25 48 50,5 21 116,13 30,25 48,5 125,75 40 49,5 50,5 115,75 Mu (Allgemeine Kunstseide) . Bemberg............. . 0 40 48 51 22 39,75 49,5 51 22 Zellstost Waldhos.......... ßellstoss AschassettLurg ..... Dessauer Gas ........... . 0 . 0 . 7 Daimler Motoren.......... 30,25 48,5 Deutsche Linoleum ........ 48,25 30 Crenfteln & Koppel ....... . 0 48,13 Leonhard Tietz............ Chade.................... 23,5 170,5 23 170.75 23,25 48,25 23,4 170 171,5 Gritzner......... 27,5 70 27,5 27,5 Mainkraftwerke Höchst a.M. . : 4 70 Süddeutscher Zucker ........ 154,5 155,5 155,25 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. 14 Juni 15-3unl Amtliche Notierung Geld | Brie Amtliche Notierung Geld | 23ric" Helsingior». Wien...... Prag...... Budapest ... Sofia ..... Holland .... Oslo....... 6,339 46,95 12,64 3,047 170,08 72,38 63,89 73,78 14,34 0,903 3,506 59,09 22,07 16,61 81,62 36,06 82,52 0,894 0,229 5,195 13,05 6,351 47.05 12,66 3,053 170,42 72,52 64,01 73,92 14,38 0,907 3,514 59,21 22,11 16,65 81,78 36,14 82,68 0,896 0,231 5,205 13,07 6,339 46.95 12.64 3,047 170,08 72.48 63,84 73,68 14,33 0,908 3,506 59,04 22,07 16,62 81,67 36,06 82,52 0,894 0,229 5,195 13,05 6,351 47,05 12,66 3,053 170,42 72,62 63,96 73,82 14,37 0,912 ?,514 59.16 22,11 16,66 81,83 36,14 82.68 0,896 0,231 5,205 13,07 Kopenhagen. Stockholm... London ..... Buenos Airee Reuyork... Brüssel----- Italien..... Paris ..... Schweiz... Spanien.... Danzig.... Japan..... Rio de Jan. Jugoslawien Lissabon.... Banknoten. Berlin, 15.Jun: Geld Brief Ameritanticke Roten.............. 3,47 3,49 Belgische Roten.................. 58,88 59,12 Dänische Noten ............... 63,47 63,73 Englische Noten ................. 14,29 14,35 stranzöjische Nolen............... 16,58 16,64 Holländische Noten............... 169,71 170,39 Italienische Noten............... Norwegische Noten .............. 21,95 72,31 22,03 72,59 Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten............... 2,46 2,48 Schwedische Noten............... 73,50 73,80 Schweizer Noten................. 81,49 81,81 Spanische Nolen................ 35,93 36,07 Ungarische Wetee................