nr.64 Kvühausgabe 185. Jahrgang Donnerstag, 16 März |933 Erscheint täglich, nutzer Lonnings und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild • Die Lcholle Monat, Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM I 95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: firontfurl am Main 11686. GktzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drutf und Verlag: vrlihl'sche Univerfitäl§-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulltraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20'’ , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wüh Lange; für Feuilleton Dr H.Tkyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil i.D.Th.Kümmel sämtlich »n Biegen. Scharfe Zuspitzung des Versaffungskonflikls in Oesterreich. Um Die Einberufung des Nationairais. — Das Kabinett Dollfuß im Kampf um ein ' diktatorisches Regime. Oesterreich hinkt nach. Don unserem D-Korrespondenten. Wien, den 14. März 1933. In reichsdeutschen Zeitungen wird die Lage in Oesterreich neuerdings mit Deutschlands Situation im Sommer 1932 verglichen. Die Regierung hat praktisch dasParlamentausgeschaltet, die Machtmittel des Staates sind in der Hand der beiden Regierungsparteien, der Christlich- Sozialen und des Hetmwehrblockes vereinigt, die Sozialdemokratie fürchtet Reuwahlen und unterstützt unter dem Deckmantel einer Scheinoppo- fition die Regierung Dollfutz. Mib einer Stimme Mehrheit beherrschen die beiden Regierungsparteien den Rationalrat. Der außenpolitische Kurs ist ausgesprochen lau und nachgiebig, die innenpolitische Opposition sucht man durch Polizeimatznahmen niederzuhalten, die Flut der nationalsozialistischen Bewegung aber steigt unaufhaltsam. Man hat aus der deutschen Entwicklung nichts gelernt, man sucht den Rational- soziolismus von der Verantwortung fernzuhalten, Oesterreich hinkt der deutschen Entwicklung um ein ganzes Iahr nach. Die Christlich sozialen sind trotz der programmatischen Anjchlutzbeteuerungen wenigstens zum Teil Gegner einer deutsch-österreichischen Vereinigung. Der Heim wehrblock ist innerlich gespalten, die Richtung des Für st en Starhemberg betont zwar, daß auch sie den Anschluß wünschte, praktisch führen jedoch allzu viele Wege in das l e g i t i m i st i s ch e Lager, als daß Starhemberg als bedingungsloser Anschlußfreund angesprochen werden könnte. Der von P s r i e m e r geführte Teil der Heimatwehren, der auch organisatorisch nur noch lose Fühlung zur zentralen Leitung Starhembergs hat, vertritt die großdeutschc und revolutionäre Idee. I)ie Nationalsozialisten unter ihrem energischen Gausührer Frauenfeld bringen in immer stärkere Teile zumal der ländlichen Bevölkerung ein und arbeiten auss engste mit der Psriemerschen Heimwehrorganisation zusammen. Die Partei der Großdeutschen vergleichbar etwa mit dem reichsdeutschen Kampfblock Schwarz-Weiß-Rot, behauptet sich gut und steht in folgerichtiger Opposition zu Dollfuß. Wer wird in Oesterreich Sieger bleiben? Doll- f u ß betreibt etwa seit einem Jahre eine ausgesprochen srankreichireundliche Politik. Zwar hat die Unterwerfung unter die Bedingungen der von Frankreich vermittelten Anleihe von 300 Millionen Schilling unserem wirtschaftlich schwergeprüften Lande bisher nicht einen Groschen erbracht. Dafür aber hat sich die Dollfußregierung auf ein zwanzigjähriges Anschlußverbot eingelassen. Deutschland, das etwa in der gleichen Zeit ein brüchiges Industrieunternehmen mit vielen hundert Millionen Mark sanierte, ließ sich uriverzeihlicherweise die Gelegenheit entgehen, maßgebenden Einfluß auf die Geschicke des österreichischen Staates zu nehmen. Es wäre ohne Zweisel mühelos in der Lage gewesen, die erforderlichen 300 Millionen Schilling nicht^nur zu versprechen, sondern auch tatsächllch dem Staate zur Verfügung zu stellen. Dies hätte automatisch die Loslösung Oesterreichs aus der französischen Verstrickung zur Folge gehabt. Wir Oesterreicher haben oftmals den Eindruck, als würde man im Reich allzu sehr in der Innen- -politik aufgehen und die großen gemeinsamen außenpolitischen Probleme nicht erkennen. Wer weiß in Deutschland etwas davon, daß es in Oesterreich eine einflußreiche, besonders auch finanzkräftige Habsburgische Restaura - tionsbewegung gibt? Sie hat ihre Fäden nach Wien, nach Budapest und nach Prag gesponnen, sie wird unsichtbar von der rührigen Exkaiserin Zita geleitet, sie träumt davon, eines Tages alle politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten des süd- osteuropäischen Raumes durch eine Wiederauf- richtung Der Habsburger Monarchie beseitigen zu können. Als vor etwa vier Wochen das gemeinsame englisch-französische Ultimatum wegen der italienischen Waffenlieferungen nach dem burgenländischen Orte Hirthenberg von Oesterreich eine schmachvolle Unterwerfung verlangte, war es der habsburgische Kronanwärter Erzherzog Otto, der persönlich in Paris' intervenierte. Das Ergebnis war, daß die Bedingungen gemildert wurden, Oesterreich sich in der Sache aber unterwarf. Man hofft im legitimiftijdjen Lager aus das Fort- fchreiten der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Oesterreich, Ungarn und der Tschechoslowakei. Es ist kein Wunder, daß die Franzosen, denen das famose Briandsche Paneuropaprojekt ebenso gescheitert ist, wie der Tardieusche Donaustaatenblock, sich von einer Wiederaufrichtung der habsburgischen Mitteleuropamacht die endgültige Einkesselung Deutschlands erhoffen. Französisches Geld fließt in vielerlei Kanälen, dns einzig Erfreuliche ist, daß die Masse des Volkes immer mehr aus dem legitimistischen Lager wegschwenkt in die Reihe der wirklich großdeutschen Bewegungen. So läßt sich das Schicksal Oesterreichs unschwer voraussagen. Je länger die Regierung Dollfuß in ihrer unmöglichen Lage beharrt und versucht, den Volkswillen zu unterdrücken, desto stärker wird die Macht der Nationalsozialisten, der Großdeutschen und der Psriemerschen Heimwehren. Fürst Starhemberg wird den Rest seines Ansehens verwirtschaften, wenn er noch lange die kompromißlerische Taktik über das grundsätzliche Bekenntnis stellt. Man wird u m d i e Neuwahlen nicht herum kommen. Sie werden die jetzige Regierungsmehrheit stürzen und den Nationalsozialisten einen ungeheuren Erfolg bescheren. In Deutschland sollte man rechtzeitig die alsdann zu ergreifenden gemeinsamen Schritte vorbereiten. Es ist uns Deutschen in Oesterreich ein Trost und eine Zuversicht, daß Hitler gleichzeitig auch der Führer der österreichischen N a t i o n a l s o z i a l i st e n ist. So lebt in uns die glühende Hoffnung, daß der Siegeszug der nationalen Revolution, der vor der Mainlinie nicht halt gemacht hat, auch nicht Haltmachen wird vor den Zwangsgrenzen, die nicht«Staat von Staat, sondern Reichsvolk von Reichsoolk trennen. Jas Parlament am Mmmentrelen verhindert. Eine Warnung des Bundespräsidenten. Straffner soll den Nationalrat nicht einberufen Wien, 15. Marz. (WTB.) Bundespräsident M i k l a s hat an den Abgeordneten Dr. Straffner ein Schreiben gerichtet, in dem er sich gegen d i e Einberufung desRa - tionalrates durch Dr. Straffner wendet. Wenn Dr. Strasiner glaube, daß er als der Präsident, der zuletzt demissioniert habe, zur Weiterführung der Geschäfte und daher auch zur Einberufung des Hauses berechtigt sei, so handele es sich dabei um einen bloßen Analogiebeschluh, der in Verfasfungsfra- gen nicht genüge; es bedürfe vielmehr ausdrücklicher Gesetzesbestimmungen. Die Anhänger der letzteren Meinung sahen daher den einzigen unanfechtbaren Ausweg zur Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Funktion des Rationalrates in einer Rotverordnung des Bundespräsidenten, die die Lücke des Geschäffsordnungsgesehcs schließt. Da dieser Vorschlag von keiner Seite abgelehnt worden sei, sollte nach Meinung des Präsidenten dieser Weg beschritten werden. Der Bundespräsident richtete an den Abgeordneten Dr. Straffner das eindringliche Ersuchen, nicht auf der Einladung des Rationalrates zu bestehen, weil ein unnachgiebiges Beharren geeignet wäre, den inneren Frieden in schwerster Weise zu gefährden. KnmmalpoUzei fperrt dos Parlament Straffner führt die Litz' ng des National- rat* durch Die von Dr. Straffner zu 15 Uhr einberufene Sitzung des Rationalrates wurde schon um 14.35 Uhr eröffnet. Die Abgeordneten der Sozialdemokratischen Partei und die Groß- deutschen waren in der überwiegenden Mehrzahl bereits kur; vor 14.15 Uhr im Saale erschienen. Kur; danach trafen 10 0 Kriminalbeamte in Zivil im Parlamentsgebäude ein und besetzten alle (Eingänge und die Türen zum Sitzungssaal. Straffner konnte nur durch die neben feinem Büro liegende Tür in den Sitzungssaal gelangen. Da weitere Abgeordnete von den Kriminalbeamten nicht mehr in den Sitzungssaal gelassen wurden, beschlossen die im Saal anwesenden Abgeordneten, die Sitzung zu beginnen, weder die Stenographen, noch die Beamten des Rationalrates waren anwesend. Straffner bestimmte daher zwei Abgeordnete zu Protokollführern. Straffner schilderte dann eingehend die Vorgänge, die zu der Krise führten und seine Rechtsauffassung über die Lage. (Er habe, so sagte er weiter, diese Sitzung einberufen, umdieAktionsfähigkeit des Parlaments herzustellen. Den Zeitpunkt der nächsten Sitzung werde er bekanntgeben. Wegen der gewaltsamen Behinderung von Abgeordneten am Betreten des Sitzungssaales werde er nach Paragraph 76 des Strafgesetzes (öffentliche Gewalttätigkeit) Anzeige erstatten. Als Straffner erklärte, daß d i e Sitzung gefchlof- f e n sei, ertönte lebhafter Beifall. Die Abgeordneten verliehen den Sitzungssaal mit Hochrufen auf Straffner und die Republik und Rufen wie: „Rieder mit der Diktatur, nieder mit den Putschisten!" Die Opposition rüst die Gerichte an. Präsident Straffner hatte für eine halbe Stunde nach der Rationalratssitzung eine Obmännerkonferenz einberufen, die aber nur von der Opposition beschickt wurde. Präsident Straffner wird wegen des polizeilichen Eingriffs bei den zuständigen Gerichten Anzeige wegen öffentlicher Gewalttätigkeiten gegen Bundeskanzler Dr. Doll- f u ß erstatten Zur Fortführung der parlamentarischen Verhandlungen wird Dr. Straffner eine Obmänner-Konserenz einberufen, um die Reu- wähl des Präsidiums des Rationalrats in die Wege zu leiten. Die vom Bundeskanzler Dr. Dollfuß a n d e n Polizeipräsidenten von Wien ausgegebene Weisung hatte folgenden Wortlaut: „Da die an den Rationalrat gerichtete Einladung, sich im Parlamentsgebäude heute um 15 Rhr zu versammeln, ungesetzlich ist,/erteile ich Ihnen den Auftrag, diese nicht nach den Vorschriften des Versammlungsgesetzes angemeldete Versammlung zu verhinder n." Die Regierung stellt sich auf den Standpunkt, daß cs sich nicht um eine Tagung des Parlaments gehandelt hat, da nur eine Minderheit der Abgeordneten anwesend war. Der Abgeordnete Straffner habe dementsprechend auch zur Abgabe seiner Erklärung, nicht den Präsidenten st uhl eingenommen. Es handle sich um eine einfache Versammlung, die unter das Dersamm- lungsverbot falle. Diese Versaminulng habe jedoch nicht st a t t g e f u n d e n , da sie auf 15 Uhr einberufen war, die Straffnersche Erklärung aber bereits um 1 4,4 0 il fj r abge - Oesterreichische Heimwehr bei einem Marsch durch die Bundeshauptstadt, flankiert von einer starken Polizeiabteilung. — Ein Bild, wie man es in Wien oft zu sehen bekommt. ei- geben worden sei. Das Vorgehen des Abgeordneten stelle sich demgemäß lediglich als Absage der ursprünglich beabsichtigten Versammlung dar. Protestkundgebungen gegen Dollfuß. LtarkePolizciaufgcbote imZentrum Wiens. Die innerpolitische Lage wird in parlamentarischen Kreisen als überaus kritisch bezeichnet. Die Polizei besetzte in Alarmausrüstung mit Karabinern bestimmte Punkte, darunter auch den Burgplatz, wo auf dem äußeren Burgtor Poften mit Maschinengewehren ausgestellt wurden. Als die Ringstraße von Kraftwagen befahren wurde, in denen man Regierungsmitglieder vermutete, erschallten ihnen Schmähruse entgegen, ebenso den Kraftwagen, die mit Offizieren des Bundesheeres beseht waren. Dazwischen organisierte die Menge Sprechchöre, die „Deutschland erwache! Dollfuß verrecke!" riefen. Wiederholt wurden das Horst-Wessel-Lied und das Deutschlandlied gesungen. 3n den Abendstunden wurden die besetzten Punkte allmählich wieder geräumt und die Bereitschaft stufenweise abgebaut. (Es herrscht vollkommene Ruhe. Das Programm der Reichstagstagung. Baldige Vertagung bis zum Herbst Berlin, 15. März. (DdZ.) Im Reichstagsgebäude fand unter dem Vorsitze des Reichstagspräsidenten Göring eine BesprechungderFrak- tionsführer statt, an der die Vertreter aller Parteien mit Ausnahme der Kommunisten teilnahmen. Der Reichstag wird sich nach dem Staatsakt in Potsdam am Dienstag um 17 Uhr i n der Kroll-Oper konstituieren und sogleich die Wahl seines Vorstands vornehmen. Für Donnerstag ist die Entgegennahme einer Regierungserklärung und die Beratung des E r m ä ch t i g u n st s g e s e tz e s vorgesehen. Außerdem sollen einige mternationale'Ueber einkommen und Anträge der Parteien zur Beratung kommen. Man rechnet für die Verhandlungen des Reichstags mit insgesamt drei bis vier Sitzungstagen. Im Anschluß daran wird eine längere Vertagung, wahrscheinlich bis zum H e r b st, eintreten. In der Fraktionsführerbesprechung wurde eine Aenderung der Geschäftsordnung dahin beschlossen, daß künftig die ersten Reichs- tagssiyungen nicht mehr vom Alterspräsidenten, sondern von dem jeweilig amtierenden Präsidenten eröffnet werden. Am Dienstag wird also die Sitzung nicht vom Alterspräsidenten Litzmann, sondern von dem bisherigen Reichstagspräsident Göring eröffnet. Der bisherige Reichstagspräsident Minister Göring wird auch im neuen Reichstag wieder zum Präsidenten gewählt werden. Für die Teilnahme an dem Potsdamer Staatsakt sind an alle Parteien, mit Ausnahme der Kommunisten, Anfragen ergangen, auf die im Falle der Zusagen die Einladungen folgen werden. Vom Zentrum steht schon sest, daß es geschlossen an dem Staatsakt in Potsdam teilnehmen wird. Die Sozialdemokraten haben bisher ihre Entscheidung noch nicht mitgeteilt. Oie Mehrheiisverhälinisse in den Parlamenten. Nach Ausschaltung der Kommunisten. Berlin, 15. März. (DDZ.) Da nach den Dispositionen der zuständigen Stellen die Kommunisten weder im Reichstag noch im Preußischen Landtag an den parlamentarischen Arbeiten beteiligt werden, ergibt sich, daß in beiden Häusern die nationalsozialistische Fraktion allein über die einfache Mehrheit verfügt. Der Reichstag, der mit Einschluß der Kommunisten 647 Mandate umfassen würde, zählt bei Ausschaltung der 81 KPD-Abgeordneten nur noch 566 Mitglieder. Die 288 Rationalsozialisten verfügen also über die einfache Mehrheit; anders steht es jedoch um die verfos - sungsändernde Zweidrittelmehrheit. Hierfür wären im Reichstag nach Ausschaltung der Kommunisten immer noch 376 Stimmen erforderlich, während die Rationalsozialisten (288) und die Kampffront Schwarz-Weih°Rot (52) zusammen nur über 340 Stimmen verfügen. Cs müßte also für die Erreichung der Zweidrittelmehrheit die Stimmabgabe noch von anderen Fraktionen hinzukommen. 3m Preußischen Landtag bleiben nach Ausschaltung der 63 kommunistischen Abgeordneten noch 411 Mandate übrig. Auch hier haben also die Rationalsozialisten mit ihren 211 Stimmen allein die Mehrheit. Die Zweidrittelmehrheit würde im Preußischen Landtag 274 Stimmen erfordern; Rationalsozialisten (211) und Kampffront Schwarz-Weiß-Rot (43) haben jedoch zusammen nur 254 Mandate, so daß für den Landtag hinsichtlich der Zweidrittelmehrheit das Gleiche wie für den 1 Reichstag gilt. Oie Regierung an der Arbeit. Deschlüffe -es Reichskabinetts Aufhebung der Einftellungsprämie. Berlin 15. März. (IlL Amtlich.) Das Reichskabinett erörterte In seiner Sitzung am Mittwoch die mit der Reichviagseroffnung zusammenhängenden Fragen, insbesondere auch die Einbringung und Durchführung des Ermächtigungsgesetzes. Ferner nahm dos Reichskabinett einen Bericht über die kommunistischen Umtriebe zur Kenntnis. Es wurde vorgeschlagen, eine Ablieferungsfrist für die ge st oh- lenen Spreng st offe mit ganz brutalen Strafen festzufetzen und zwar mit Rücksicht darauf, dah von den nachweislich gestohlenen etwa 3000 Zentnern Sprengstoffen bisher nur etwas über 200 Zentner cmfgc-- den worden find. Diese riesigen Spreng- stofsmeng. Hellen naturgemäß in der Hand von rrbcr.ch i n Elementen eine enorme Gefahr dar. Das chs* nnett war im Anschluß an einen Bericht d Reichskommissars für Arbeitsbeschaffung grundsäl, der Meinung, dah die E i n st e l - tungs Prämien vom 1. April d. 3. ab a b - geschafft werden sotten. Die Formalitäten werden noch in Linzelverhandlungen festgestellt werden. 3m übrigen wird sich ein Ausschuh des Reichskabl- netls schon in den nächsten Tagen mit den Vorschlägen beschäftigen, die eine wesentliche Förderung det Arbeitsbeschaffung versprechen. Mit Rücksicht auf die Bildung des Reichsministeriums für volksaufklärung und Propaganda beschloß das Reichskabinett die Auflösung der Reichszenkrale für heimaldienst, für die setzt keine stoatspolltische Rotwendigkeit mehr besteht. Rücktritt des Reichsbankpräsidenten Or. Luther? Berlin, 16. März. (OB.) wie die „Bossische Zeitung" meldet, erwartet man in wirtschaftlichen Kreisen, dah Reichsbankprasident Dr. Luther im Lause des heutigen Tages seinen Rücktritt erklären wird, und zwar auf Grund einer gütlichen Einigung. Der Reichsbankpräsident hatte, wie bereits mitgeteilt worden war, gestern vormittag eine längere Aussprache mit dem Reichskanzler. Man nimmt an, dah Dr. Schachtzum Reichsbankpräsidenten ernannt wird. Die Durchführung der Landhilfe. Berlin, 15. März. (TLI.) Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Dr. Syrup, hat an die Arbeitsämter Anweisungen über die Durchführung der Landhilse gerichtet. Dr. Syrup weist darauf hin, dah die Landhilfe solchen Betrieben zugute kommen soll, die sich überwiegend auf die Mitarbeit von Familienangehörigen stützen. In den Richtlinien wird eingehend Las Verfahren, die Kostenregelung unb ihre Verrechnung geregelt. Auch die Verpflichtungen des Detriebsinhabers sowie des Helfers werden auf der Grundlage eines Arbeitsdertragsmusters festgelegt. Anträge von Arbeitslosen auf Zuweisung als Helfer zur Landhilfe sind danach bei dsm Arbeitsamt des Wohnortes zu stellen. Der Antrag des Betriebsinhabers auf Förderung aus der Landhilfe ist durch die Gemeindebehörde des Wohnorts an das zuständige Arbeitsamt zu richten. Die Vermittlung der Helfer ist eine Aufgabe der landwirtschaftlichen Arbeitsvermittlung. Gegen den Willen des Detriebsinhabers kann kein Helfer zugewiesen werden. Aamentlichcn Anforderungen ist nach Möglichkeit zu entsprechen. Sobald der Helfer die Stelle angetreten hat, muh das Arbeitsamt sich den Arbeitsvertrag zur Anerkennung vorlegen lassen. Der Betriebsinhaber soll seine Forderung nach Ablauf des Monats beim Arbeitsamt geltend machen. Die Landhilfe tritt mit Wirkung vom 1. März 1933 in Kraft. Reue Maßnahmen im Arbeitsdienst. Berlin, 15. März. (WTB.- Der Reichskom- missar für den Freiwilligen Arbeitsdienst, Reichs- arbeitsrninister S e l d t e hat die wichtigsten vorläufigen Regelungen für den organisatorischen Ausbau des Arbeitsdienstes getroffen. Ohne späteren endgültigen Organisationsformen vorzugreifen, wird zunächst die Leitung des Ar> beitsdienstes zu einer vollständigen und in sich geschlossenen Verwaltung ausgebaut; dabei wird die äußere Verbindung zur Verwaltung der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbells- lpsenversicherung aufrechterhalten, da diese für Finanzierung und Terwaltung des Arbeitsdienstes zunächst unentbehrlich ist. In den Bezirken der Landesarbeitsämter wird die Leitung vollständig und hauptamtlich in dieHände von neu- be st eilten Bezirkskommissaren gelegt. Innerhalb der Landesarbeitsämter werden jeweils die Bereiche mehrerer Arbeitsämter zu einem eigenen Arbeitsdienstomt zusammen g e f a h t, das an das dafür jeweils best- geeignete Arbeitsamt angelehnt wird. Durch eine umfassende Landesplanung soll die Auswahl der Arbeiten unter den Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit, der Landeskultur, Siedlung und Raumpolitik sinnvoll gestaltet werden. Die geschulten Führer st ämme der Verbände sollen für den Aufbau der späteren Arbeitsdienstpflicht sichergestellt werden. Ore württembergische Regierung gebildet. Stuttgart, 15. März. Im württembergi- schen Landtag fand die Wahl des Staatspräsidenten und des Landtagspräsidenten statt. Der nationalsozialistische Abgeordnete Murr erhielt 36 Stimmen, der sozialdemokratische Abg. Keil 12 und der sozialdemokratische Abg. Pflüger eine Stimme, außerdem wurden 19 Weiße Zettel abgegeben. Murr wurde also verfassungsgemäh zum Staatspräsidenten gewählt. Murr erklärte, daß er selbst noch das Innen- und das Wirtschaftsmini st erium übernehme. Weiterhin berief er zum Kultus - und Iustizmini- st e r den nationalsozialistischen Landtagspräsidenten Mergenthaler, zum Finanzmi- n i st e r den deutfchnationalen bisherigen Finanzminister Dr. Dehlinger, ferner den deutschnationalen Abgeordneten H i r z e l zum ehrenamtlichen Staatsrat mit beratender Stimme. Zum Landtagspräsidenten wurde der nationalsozialistische Abg. Dr. Ionathan Schmid gewählt. Fahnenrückgabe an die RGOAP. in München. München, 15. März. Dse Fahnen und die Standarte, die am 8. Rovember 19 2 3 an der Feldherrnhalle von der Polizei den Rationalsozialisten abgenommen worden waren, wurden am Mittwoch vom Polizeigebäude zum Braunen Haus gebracht. Mit militärischen Ehren erfolgte der Einholungsakt vor dem Gebäude, wo die SA. in Stärke von 750 Mann Aufstellung genommen hatte. Als die Fahnen aus dem Gebäude gebracht wurden, erklang der Präsentiermarsch und General v. E p p mit sämtlichen Staatskommifsaren und der Führung der Münchener SA. schritt unter Vorantragung der Fahnen die Front der SA. ab. Stabschef Hauptmann a. D. R o e h m hielt hierauf eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Im Ramen des Obersten SA.-Führers, der heute als Reichskanzler die Geschicke Deutschlands lenft, gebe ich die Feldzeichen wie- Ländlicher Bogelhof. Don Peter Bauer. Er liegt als geräumiger, geschützter Platz zwischen den rechtwinkelig aneinandergrenzenden Gebäuden des Gehöftes. Wohnhaus, Scheune, Stallungen und ein Stück Gartenmauer sind es, die ihn umragen. Er ist ungepflastert bis auf die breiten Verbindungswege der einzelnen Gebäude. Durch die hohe, weitverzweigte Krone eines Birnbaumes tanzt der Reigen des Iahres. Bald wird sich ein Knospengewimmel auf den windgeschwenkten Zweigen wiegen. Unter ihnen tummelt sich eine Schar großer und kleiner Vögel, aus deren buntem Gemisch die Farben Weiß, Braun und Schwarz am häufigsten leuchten. * Das Hühnervolk ist in der Lieberzahl und benimmt sich auch danach. Die Hennen gackern, picken und scharren mit so viel Wichtigtuerei, als ob nur sie auf der Welt wären und alles nur für sie. Keiner der vielen Ichlinge und Reid- bolde gönnt dem andern ein Korn. Um eines auf- gestöberten Wurmes willen rennen sie minutenlang einander nach und jagen sich gegenseitig die Deute ab. Ein gelegtes Ei wird mit einem Riesen- fpektakel angezeigt. Der ganze Hof und die Rach- barschaft müssen sich das laute Getue eines Vogels anhören, den der jahrtausendalte Umgang mit den Menschen so seiner eigenen Ratur entfremdete, daß er diesen einfachen Vorgang wie eine Iahrmarktssensation hinausschreit. Daß ihnen nur ein Mann zugeteilt ist, macht die Hennen dem Hahn sklavisch ergeben. Er braucht nur ein paar lockende Töne ausstoßen, da sind sie um ihn herum und picken gierig in die Erde, die er auseinanderkraht, auch wenn sie nichts finden. Der Hahn genießt diese blinde Unterwürfigkeit seines großen Anhangs mit stolz gewölbter Drust. Er trabt wie ein Paradepferd einher und trägt den schillernden Sichelschweif wie eine Fahne. In seine laute Stimme ist er verliebt. Wenn er auf dem Misthügel kräht, schlägt er hinterher mit den Flügeln, so begeistern kann er sich über sich selbst. Aber nur den Hennen pocht das Herz rascher bei seinem ewig gleichförmigen „Kikeriki 1“ Schon die Perlhühner, die wie vornehme, ältere Damen sich auffällig absondern, läßt das eitle, selbstgefällige Wesen des vermeintlichen Hofherr- fchers falt. Wagt er Annäherungsversuche, genügen einige Schnabelhiebe, den dünkelhaften Stutzer in die Flucht zu schlagen Die Tauben sind noch größere Futterneider als die Hühner. Selbst wenn sie sich den Wanst feist vollgestopft haben, schnappen sie stzch einander die Körner weg und kröpfen sie ein. Ihr ständiges Kopfnicken ist wie jedes übertriebene Herum dienern nur ein schönes Getue, das über ihre Mißgunst und Selbstsucht nicht hinwegtäuschen kann. In der Liebe ist eine völlige Entartung einae- rifsen. Während die wilde Felsentaube, von der alle Kulturarten abstammen, noch in strenger Einehe lebt werden hier die Liebespartner nach Willkür und Laune getauscht und gewechselt. Der ruck- sende und turtelnde Täuber, der eben diese Schöne mit verliebtem „Du, Du!" und wilden Drehungen und Bücklingen bestürmt, fängt bei der nächsten Gelegenheit das gleiche Gegirre und Geschnä- bel mit einer andern an. Gänse lieben Gesellschaft. Das Gemeinschaftsgefühl liegt ihnen von ihren Stammeltern, den Wildgänsen, her im Blute. Darum scharen sie sich auch zur Herde um den Hirten. Im Hof sammeln sie sich gern um die Futterstätte oder den Wassertrog und stecken mit vorgereckten Halsen geheimnisvoll die Köpfe zusammen, um zu tuscheln und zu schnattern. Sie führen sozusagen Tischgespräche und kümmern sich dabei kaum um ihre Umgebung. Aber sie wollen selbst auch nicht gestört sein. Aähert man sich ihnen, so lassen sie ihren Unwillen durch stärkeres Geschnatter laut werden. Rützt das nichts, bann machen sie entschlossen gegen den vermeintlichen Angreifer Front. Mit schmetternden Fanfaren trompeten sie sich gegenseitig Mut zu und stoßen schließlich mit bösem Gezisch vor. So oft sie Gelegenheit dazu haben, verlassen sie die Enge des Hofes und marschieren hintereinander zum nächsten Gewässer, das sie wie die Griechen einst das Meer, mit jubelnden Rufen begrüßen. . Auch die Enten, die noch mehr als die Gänse die Freiheit des Wassers lieben, sind keine Höflinge. Die Natur hat ihnen kurze, kräftige Ruder, aber feine Laufbeine unter den Körper gesetzt. Darum ist ihr Gang ein beschwerliches Watscheln wie der eines Fußfranken, wobei der Körper geschaukelt anstatt getragen wird. Erst im Wasser sind sie daheim und stehen gründelnd Kopf vor Freude. Der Truthahn ist der ewige Fremdling auf dem Hofe, der in Verbitterung und Gereiztheit über seine eigene Spottgestalt, zu der ihn die Men- ichen aufgemästet haben, sein einsames Leben lebt. Roch schreitet er stolz und erhobenen Haup- der in die Hand der Kämpfer zurück. Uebernehmt sie als Symbol der Treue und Standhaftigkeit. — Der feierliche Akt endete mit dem Horst-Wessel- Lied. Nachprüfung von Strafverfahren gegen Kämpfer der nationalen Erhebung. Berlin, 15. März. (WTB. Amtlich.) Im Kampf für die nationale Erhebung des deutschen Volks sind Straftaten begangen worden, die zu rechtskräftiger Verurteilung oder zur Einleitung von Strafverfahren geführt haben, in welchen die Täter zum Teil auch in Untersuchungshaft genommen worden sind. In Würdigung der vaterländiichsn Beweggründe der Täter haben die Kommissare des Reichs in Preußen den kommissarischen Justizminifter ermächtigt, eine Nachprüfungdieser Fälle zwecks beschleunigter Durchs uh r u n g von Gnadenakten zu veranlassen. Nachdem die nationale Revolution sich siegreich durchgesetzt hat und die Sicherheit dafür besteht, daß der Wille der nationalen Regierung von sämtlichen Behörden vollstreckt wird, kann keinerlei strafbare Handlung mehr entschuldigt und geduldet werden. Die Poiempaer Verurteilten auf freiem Fuß. G l e i w i tz, 15. März. (TU.) Auf Grund des Erlasses der Kommissare des Reiches für Preußen, wonach Straftaten beschleunigt nachgeprüft werben sollen, bie im Kampf um bie nationale Erhebung bes beutschen Volkes begangen wurden, find, wie bie Tel. Un. zuverlässig erfährt, bie im August vorigen Iahres vom Beuthener Sondergericht verurteilten Potempaer Täter Kottisch, Lachmann, Hoppe, Wol- niha, Müller und Gräupner auf freien Fuß gesetzt worben. Die wegen der gleichen Straftaten noch in Untersuchungshaft befinblichen Mitangeklagten Golombek unb Dutzkt, bie zur Zett der Durchführung bes Sondergerichtsverfahrens flüchtig waren, würben auf Grunb bes gleichen Erlasses aus ber Untersuchungshaft entlassen. Kleine politische Nachrichten. In Darmstadt sind die Einheitspreisgeschäfte und die Großwarenhäuser ge» schlossen. Die Polizei hält mit Unterstützung der Hilfspotizei den Verkehr aufrecht. * Der Rundfunk überträgt am Freitag, 13.15 Uhr, aus Stettin eine Kundgebung des Pom- merschen Landbundes mit Ansprachen des Staatssekretärs v. Rohr und des Reichsministers Göring und am gleichen Tage, 19 Uhr, aus Breslau eine Stahlhelmtundgebung mit einer Rede des Vizekanzlers v. Papen zum 120. Jahrestag des Aufrufs Friedrich Wilhelms (II. an sein Volk. Die Unsicherheit über die'Gewerbe st euer- pflicht der Konsumvereine in Sachsen soll vom 1. April ab dadurch beseitigt werden, daß die unbedingte Gewerbe st euerpflicht der Konsumvereine vorgeschrieben wird, gleichviel, ob sie ihren Geschäftsbetrieb nur auf den Kreis der Mitglieder bezieht ober nicht. Die gesetzliche Grundlage hierfür ist die im Reichsfinanzministerium ausgearbeitete Aufhebung der Real? fteuerfperre. * Der Kommissar für das Land Sachsen hat auf Grund der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat die Vornahme der Wahl von Betriebsvertretungen (Betriebs-, Angestellten- und Arbeiterräten) bis auf weiteres untersagt. Der frühere preußische Ministerpräsident Dttn Braun hat den Verwaltungen des Reichstags unb des Preußischen Landtags mitgeteilt, daß er ro e b e r sein Reichstags- noch fein Landtagsmandat annefjme. Wünsche der Angestelltenschaft in Hessen. Der Vertreter des DHV. Dom Staatspräsidenten Dr. Werner empfangen. Darm stabt, 15. März. (WER.) Rachbem gestern bie Vertreter bes Mittelstanbes vorn hessischen Staatspräsidenten empfangen worben waren, empfing heute ber Staatspräsibent bie Vertreter bes Gaues Main-Weser im Deutsch- nationalen Hanblungsgehilfen- Verbanb. Gauvorsteher Auerbach (Frankfurt a. M.) beglückwünschte ben Staatspräsibent zur Uebernahrne bes hohen Amts unb gab ber Freude Ausdruck, daß der Volksstaat Hessen endlich eine nationale Regierung habe. Er erklärte, daß ber DHV. jederzeit bereit sei, die Regierung bei ber Lösung aller sozial- unb wirtschaftspolitischen Fragen nach besten Kräften zu unterstützen. Erfreulicherweise verbinde den DHV. mit dem Staatspräsidenten jahrzehntealte freundschaftliche Beziehungen, da der Staatspräsibent genau wie ber DHV. für bie Verwirklichung bes völlischen, nationalen unb sozialen Gebankens eingetreten sei. _ Staatspräsident Dr. Werner bankte herzlich für die Glückwünsche und unterstrich feine alte enge Verbundenheit mit dem DHV. und feine Hochachtung vor dessen Leistungen. Er erklärte, der DHV. sei heute aus dem sozialen, wirtschaftlichen unb politischen Leben nicht mehr wegzu- benken. Der Vertreter bes DHV. bat ben Staatspräsidenten u. a., sich für Maßnahmen zur balb- möglichsten Milderung ber großen Arbeitslosigkeit einzufetzen. Insbesondere gelte bie Sorge bes DHV. der Ll.nterbrin- gung ber stellenlosen Angestellten. Staatspräsident Dr. Werner erklärte, daß hoffentlich bereits in den nächsten Tagen umfangreiche A r b e i t s b e s ch a f f u n g s p l ä n e verwirklicht werden könnten. Die Genehmigung durch Berlin fei bereits erfolgt. Zur 71 e u - besetzung ber leitenden Stellen im ehemaligen Ministerium für Arbeit unb Wirtschaft wünscht ber DHV. eine Berücksichtigung von aus nationalen Arbeitnehmer- kreisen hervorgegangenen Persönlichkeiten. Staatspräsident Dr. Werner hatte hierfür volles Verständnis unb sagte bie Heranziehung bes DHV. bei Erledigung ber sozial- und wirtschaftspolitischen Fragen zu. Der DHV. kündigte an, daß er seine Wünsche zu verschiedenen Cinzel- fragen noch schriftlich unterbreiten würbe. Berufungen ins hessische Kultusministerium. Darmstabt, 15.März. (WER.) Der Minister für Kultus unb Bilbungswesen hat, wie schon gemelbet, ben Stubienrat Dr. Blank in Gießen als Mitarbeiter für bas höhere Schulwesen, Lehrer Großmann in Rierstein für bie Volksschulen berufen. Als Hilfsarbeiter wurde im Kultusministerium eingestellt der Schulver.- toalter Siebert in Auerbach. — Für bie Leitung bes gesamten Schulwesens in Hessen ist Lehrer Ringshausen in Offenbach bestellt unb gleichzeitig zum Oberschulr at ernannt worben. Die Veränderungen in der hessischen Polizei. Darmstabt, 15. März. (WSR.) Der Kommissar für bas Polizeiwesen in Hessen hat den Standartenführer Dr. I v e r s in Eberstadt, M. d. L-, als Regierungsrat mit ber Leitung des Polizeiamts Darmstadt beauftragt. Zu seinem Stellvertreter wurde Regierungsrat Köhler in Darmstadt, ber bereits früher dienstlich am Polizeiamt Darmstadt tätig war, beauftragt. Der seitherige Leiter des Polizeiamts Darmstadt, Polizeidirektor D i 11 m a r, wurde mit Dienstleistung im Innenministerium beauftragt. tes, wie er es einst in den Llrwäldern Louisianas tat, wo er als ber heilige Vogel untergegangener Inbianerstämme auf Zypressen unb Magnolien horstete. Aber das geringste Geräusch macht ihn unruhig unb argwöhnisch. Er traut keinem Schritt, keinem Zuruf. Mißtrauen unb Lleberreiztheit erfüllen ihn wie ein böser Zünbstoff. Ls bebarf nur des geringsten Anstoßes, bann explodiert sein Zorn in Wutausbrüchen. So, wenn man ihm ein votes Tuch Vorhalt. Er kullert unb welscht, sträubt bie Febern, fächert den schweif unb läßt die halbgeblähten Flügel auf ber Erbe schleifen. Daboi schwellen bie schnurrigen Fleischklunker am Halse, bie Brustborsten spreizen sich unb über ben Schnabel wächst purpurrot eine Rase herab. Das alles soll schrecklich unb gewaltig wirken unb bleibt doch nur lächerlich, komisch und grotesk. Vielleicht weiß es auch der Puter wie ein Clown, dessen Schicksal es ist, sich immer wieder -u bemalen und lächerlich zu machen. Den bie Menschen sich nicht ernst denken können unb dessen heiligsten Zorn sie nur wie einen neuen Trick belachen würden. Vielleicht weiß es dieser Verbitterte unb Einsame unb steigert in grausamer Selbstverspottung nur seine Qual ... Auch ber Pfau paßt nicht in diese Umgebung. Dafür hat ihn feine indische Heimat mit zuviel fremder Pracht ausgestattet. In ben sprühenden unb schillernden Augen seiner königlichen Schleppe leuchtet das tiefe Blau ferner Tropennächte unb das helle Grün ihrer Sterne. Ein Abglanz des zauberischen Farbenprunks ber Dschungelwelt funkelt auf jeber Feder seines seidenen Gefieders. Man muh an geminenhaft glitzernde Vögel unb Falter benken, an metallisch schimmernde Schlan- gen und Echsen und an phantastische Blumen. Eine aus zartesten Febern blüht ihm auf bem Scheitel. Cr bleibt allen Annäherungen bes Menschen gegenüber kühl unb verschlossen. Er sucht keinen Anschluß, sondern jagt bie Hühner, wenn sie ihm lästig werben. Sogar gegen bie Katze läuft er Sturm. Ihr raubtierhaftes Anschleichen haßt er leidenschaftlich. Er wittert in ihr wohl eine Verwandte ber Tiger unb Leoparben, vor benen er in ben Dschungeln auf der Hut sein muh. Seine Stimme, bie etwas Klägliches hat, ist im ilrtoalb ein elementarer Schrei unter vielen. Sie gehört zur Symphonie biefer Landschaft. Hier wirkt sie häßlich und abstoßend. Der Daum ist des Pfaues liebster Aufenthalt. Dort fühlt er sich erhaben über bas lärmende Treiben ber kleinen Reiber unb Zänker und träumt im Schlaf den Traum ber Freiheit. Vom „Pillendrehers Man hat bei bem Pillendreher, diesem Käser, der als Skarabäus schon bei ben alten Aeghptem als ein heiliges Tier verehrt wurde, bisher einen sozialen Instinkt angenommen, weil man glaubte, daß ein Käferpaar, also ein Männchen und Weibchen, beim Herstellen und Fortrollen ihrer Dung- Kugel, der sog. Futterpille, planmäßig zusammen- wirkten. Gegen diese Annahme wendet sich nun Prof. Hanns von Lengerken in einem Aufsatz des bei Hugo Dermühler in Berlin erscheinenden „Naturforschers", in bem er über feine eingehenden Beobachtungen dieses merkwürdigen Tieres berichtet. Die Behauptung, daß zwei Käfer ihre Pille gemeinsam fortbewegten, ist irrigerweise dadurch entstanden, bah ein besitzloser Pillendreher, der einer sich bewegenden Kugel begegnet, sich an dieser zunächst hochrichtet unb dadurch bie Bewegung ber Kugel hemmt. Das ist aber keineswegs eine soziale Handlung, und ein sinnvolles gemeinsames Fortrollen der Dung- Kugel durch zwei Käfer kommt niemals vor. Vielmehr handelt es sich, wenn sich zwei Käfer an einer Futterpille gemeinsam zu schaffen machen, in ber Regel darum, bah ber eine bem anbern feinen Besitz stehlen will. Ist das Männchen mit dem Backen der Pille beschäftigt, so bleibt ein etwa sich hinzugesellendes Weibchen völlig gleichgültig, unb bas Männchen vollendet seine Tätigkeit ohne Hilfe des Weibchens, ja, schiebt es sogar als Hindernis beiseite. Treibt bann das Männchen bie Pille rückwärts, so folgt das Weibchen in zwei bis drei Zentimeter Entfernung mit aufwärts gerichteten Fühlern, um durch bie Witterung bes Dunges bem Männchen stets auf ber Spur zu bleiben. Beim Eingraben ber Futter- Pille verhält sich bas Weibchen völlig untätig unb erweckt ben Anschein, als fehle ihm überhaupt ber Instinkt des Vergrabens der Pille, obwohl es boch, sich selbst überlassen, genau so gut wie bas Männchen bie Futterpille unter bie Erde bringt, ja sogar ben für bie Brutpille bestimmten Dung ganz allein eingräbt. Der Gelehrte kommt zu dem Ergebnis, baß ber soziale Instinkt des Pillendrehers sich auf eine vorübergehende Frahgemeinschaft eines Männchens und eines Weibchens unter ber Erbe beschränkt und aus bie vom Weibchen allein ausgeführte Brut- fürforge, die aber ben Grab einer wirklichen Brutpflege nicht erreicht. ’len ha, Qut uni «tititbs. 'Eliten. Unb unter|agt M'deni Düo ieid)5tag5 unb ’B er Weber .onbtagr. Freitag nift ötQQt5’ 'Usters Gz, ^Bresl^ b"C •difeti. äuiV/?' fei?* Ä^ben fr* Lchtz. ^fmanamini, derReal, ejfen. Pfongen. Arbeitnehmer« iiten. Staats« volles 3er- ibung bes ' unb toirt- §3. tünbigls denen SinjeU würbe. ilerium. 1.) Der Niesen hat, wie r. Alant in höhere Schul- erstein für bio rbeiter würbe bet Schulder« Für die Lei« in Men ist iM beeilt Ural er« :n izei. I.) Der Komtessen hat ben in Eberstadt. >er Leitung b t beauftragt. Regierungsial i früher dienst« g war, braus- i Polizeiamts a t, wurde mit sterium be« j Zänker und Freiheit. r. diesem Käfer, ton ÄeMtern . bish?r einen man glaubte. >en und Dell)' n ihrer W «B in einem > '356 sKf SS ritt »> w«” SÄ fS* „W6* LS auf S-r Ls S**g?Ä »in-Sfci«- i 2ru^ rabt-^ Wale daß D'Mfirüber' lf ei"^s und Aus der provinzi'alhauptfladt. Was der Städter wissen muh! Don Siudienprofessor Heinz Reuther. Was weiß der Städter über die Erz^lgungskoften von x. B. einem Zentner Roggen? Mensc^n, die gewohnt sind, auch In landwirtschaftlichen Dingen nach induslriellen Gesichtspunkten zu urteilen, vergleichen oft den zur Saat benutzten Zentner mit dem Mehrfachen des Ernteergebnisses. Alles was da- zwischen liegt an Arbeit und Treue, Hoffnung und Sorge das Jahr entlang, das bleibt ihm größtenteils unbewußt, weil man wohl die Erfolge, aber nicht die Lasten kennt. Die Ausgaben für ein Hektar Rogaen betragen: Pacht, bxw. Verzinsung des im Boden steckenden Kapitals 90 RM. Stalldüngermitfel, entspricht dem Wert des erzeugten Strohes Handelsdüngemittel Gespannarbeit Handarbeit Druschkosten Saatgut Allgemeine Unkosten (Steuern, Feld- Hut usw.) 90 48 60 54 45 39 Erzeugungskosten für 1 Hektar 426 RM. Bei einem Ernteergebnis von 45 Zentnern je 1 Hektar beträgt der Selbstkostenpreis also 426 RM. und die Selbstunkosten für den Zentner somit den ^nfundoierzigsten Teil von 426 RM., sind 9,24 RM. Werden dem Landwirt nun unter Berufung auf den Weltmarktpreis oder unter Geltendmachung von Mängelrügen nur 8,25 RM. je Zentner bezahlt, dann bedeutet das für ihn einen Verlust von 44,55 RM. pro Hektar. Damit geht der größte Teil der in die obige Berechnung eingesetzten Arbcits- kosten verloren. Die Arbeit war fast umsonst geleistet und alle von vornherein an den Erfolg geknüpften Anschaffungsmöglichkeiten werden hinfällig. Für einen Bezirk mit 2480 Hektar Roagenanbau- fläche läßt sich hieraus ein Verlust von 100 480 RM. berechnen. Das sind bei 48 RM. Dünaemittelkosten für 1 Hektar die Düngekosten von 2093,44 Hektar. Wenn 48 RM. einer Volldüngung von 3 Zentner schwefelsaurem Ammoniak, 3 Zentner 40er Kalisalz und 3 Zentner 18 v. H. Superphosphat entsprechen, dann können 2093,44 Hektar mal 9 Zentner oder aufgerundet 94 Waggon Düngemittel (je 200 Zentner) nicht bezogen werden. Handelt es sich um 42 Gemeinden, bann können in jeder 2% Waggon Düngemittel nicht zur Anwendung kommen. Wenn der Düngemittelverbrauch trotzdem nicht wesentlich zurückgegangen ist, dann beweist das, daß der Landwirt der von ihm betreuten Erde dient und daß er hinter den Bedürfnissen seiner Scholle zurücktritt. Sie ist sein Herr unb e r nicht der ihrige. Den vorstehend berechneten Unkosten von 426 RM. für 1 Hektar darf nicht der Charakter einer Lehrmeinung beigemessen werden. Nachbarliche Be« triebe können schon andere Ergebnisse haben. Klima, Bodenbearbeitung, Düngung, Lage des Betriebes, wirtschaftliche Verhältnisse bedingen diese Aende« rungen. Es soll nur erklärt werden, wie viel ein Zentner Roggen kostet unb wie sich niebriger Preis unb geringe Erträge auswirken. Wer in biefer Berechnung bie Beträge für Düngemittel unb Saatgut kürzen würbe, verstieße gegen Das oberste Gesetz bes Pflanzenbaus. Das Gesetz lautet: Die fleißigste unb wiberstanbsfähigste Pflanze gewährleistet nur bei sorgsamster Bobenbearbeitung, Düngung unb Pflege ben Erfolg. Was wollen aber bie obigen nüchternen Zohlen noch außerbem besagen? Sie wollen: ein duftumflossen blühend Roggenfeld, daraus der Erde Segensströme quellen, zum Nutzen einer Großstadt' weit ihr auf den starren Marktplatz stellen, damit fein Segen kann in alle Seelen rinnen, bah sie sich auf ben Tag unb auf ihr Brot, auf Gott unb Heimatscholle unb auf sich selbst besinnen. Oer 18. März in Heften schulfrei. Der Hessische Minister für Kultus- und Bildungswesen teilt mit: „3n einem mehr als zehn Jahre langen Kampf haben wir Nationalsozialisten gegen den internationalen, Volk und Vaterland zerstörenden, Glauben, Tugend und Charakter verderbenden Irrsinn gekämpft, haben ihm die Macht im Staat entrissen und haben nun selbst nach einem ihn niederschmetternden Sieg die Führung im Reich und am 13. März auch im Hessenlanoe in die Hand genommen. Es ist unsere Aufgabe, den Sieg des deutschen Gedankens unserem Volte eindringlichst zum Bewußtsein zu bringen und zu seiner Erhaltung auS unserer Jugend ein selbstbewußtes, stolzes, kraftvolles und gläubiges Geschlecht zu formen. ,3ch ordne daher an: Am Samstag, 18. März, fällt der Anterricht an sämtlichen Schulen aus. Es werden gruppenweise Feiern abgehalten, bei denen durch die Leiter auf oie historische Bedeutung des 13. März hingewiesen wird. Der Gegensatz zwischen dem Vergangenen und dem Zukünftigen wird dabei hervorgehoben und der aufbauende, staatSpolilische, sittliche Wert des nationalen unb sozialistischen Gedankens in den Vordergrund gestellt. Die Feier muh e i n Bekenntnis zu Deutschland we d n. Das Deutschlandlied, Horst-Wessel-Lied, Schülervorträge usw. dienen der Belebung, und die Fahnen des Zweiten und Dritten Reiches treten in Erscheinung. Lehrer und Schüler können, soweit sie dazu berechtigt sind, das braune Ehrenkleid an« legen. Der Raum oder das Gelände der Feier ist so zu wählen, daß weite Kreise der Bevölkerung daran teilnehmen können." Taten für Tonnersiai, 16. März. 1930: der spanische General und Ministerpräsident Primo de Rivera in Paris gestorben. 1925: der Mediziner August Wassermann in Berlin gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Alice-Schule, Turmhaus am Brandplatz, 10 bis 13 Ahr, Ausstellung von Schülerinnenarbeiten der Kurse und Fachschule. — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 20 bis 22 Uhr als 23. Vorstellung im Freitag-Abonnement Br. Franks Komödie „Nina" (Spielleitung: Karl Hehler). Gewöhnliche Preise. — Samstag, 18. März, und Sonntag, 19. März, die beiden vorletzten Vorstellungen der Operetten-Revue „3m weißen Röhl". Beide Vorstellungen zu kleinen Operetten-Preis.n. Dcrzugsgutscheine hab n Gültigkeit; Samstag auch Schülerkarten. Die für Samstag bzw. für Sonntag vorbestellten Karten müssen bis Freitag- bzw. Samstagmittag 13 ilfyr abgeholt werden, da der regen Rachsrage wegen über nicht abgeholte vorbestellte Karten anderweitig verfügt werden mutz. Spieldauer der Vorstellungen am Samstag von 20 bis 23 Ahr, am Sonntag von 18.30 bis 21.30 Ahr. — Vortrag im Oberhessischen Ge - schichtsperein. Auf den heutigen Vortrag im Oberhessischen Geschichtsverein von Prof. Dr. Ebel über „Gründung und Verfassung der Stadt Gießen" mit Lichtbildern aus dem alten Gießen sei noch einmal hingewiesen. Der Vortrag beginnt pünktlich um 20.15 Ahr im Kunstwissenschaftlichen Institut. •* Dienstiubilaum bei der Reichsbahn. Reichsbahnzugschaffner Heinrich Weller beim Bahnhof Gießen, wohnhaft in Wieseck, Gießener Straße 44, konnte am Dienstaa auf eine fünf- unbzwanzigjahrige Dienstzeit bei Der Reichsbahn zurückblicken. Aus diesem Anlaß würbe bem Jubilar von bem Leiter bes Bahnhofs Gießen, Reichsbahn- amtmann Dörr, unter warmen Worten der Anerkennung ein Glückwunschschreiben ber Reichsbahnverwaltung ausgehändigt. Bon feinen Mitarbeitern wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil. • ** Sonntagsrückfahrkarten zur Kölner Frühjahrsmesse. Vom Bahnhof Gießen wird uns geschrieben: An die Besucher der diesjährigen Kölner Frühjahrsmessen werden vom 18. bis 22. März gegen Vorzeigung eines von der Messe- unb Ausstellungs-Ges. m. b. H. Köln auf ben 'Hamen bes einzelnen Messe-Besuchers ausgestellten Besucherausweises, sowie gegen Vorzeigung von messeamtlichcn Ausweiskarten unb Einkäuferausweisen von allen höchstens ?50 Kilometer von Köln entfernten Bahnhöfen — also auch von Gießen unb umliegenden Bahnhöfen — Sonntagsrückfahrkarten nach Köln ausgegeben. Die Geltungsdauer ber Sonntagsrückfahrkarten wirb wie folgt festgesetzt: a) Die am 18. März (Samstag) unb am 19. März (Sonntag) gelosten Sonntagsrückfahrkarten gelten zur H i n fahrt jeweils von 0 Uhr an bis zum 19. März 24 Uhr (Beenbigung ber H i n fahrt) unb zurRück - fahrt bis zum 20. März 24 Uhr (Beenbigung ber Rück fahrt) ; b) bie am 20., 21. unb 22. März gelösten Sonntags-Rückfahrkarten gelten bis zum 22. März 24 Uhr durchgehend zur Hin - unb Rückfahrt. Am 22. 3. 24 Uhr muß bie Rückfahrt beendet fein. An die Abiturienten des Jahres 1933. Von der Gießener Studentenschaft werden wir um Aufnahme folgender Zeilen gebeten: „In diesen historischen Tagen ruft nicht allein eine starke Regierung, sondern durch sie und mit ihr das ganze deutsche Volk zur Mitarbeit am Wiederaufbau seiner zerrütteten Wirtschaft und an der Erneuerung seiner verwüsteten Lebensgrundlagen auf. Niemand empfindet das Kommen einer gewaltigen neuen Zeit so tief und frohbewußt wie die Iugend aller Klassen und Stände, die die Autorität der Staatsführung nur aus geschichtlichen Quellen kennt, die aber gläubig weiß, daß alles, was sie nun an Arbeit für unser Volk erfahren wird, Dienst an ihrer eigenen Zukunft ist. Wie einst in den Tagen der Freiheitskriege erhebt sich das Volk selbst aus dem Sumps einer widernatürlichen Lethargie und schließt die Reihen über Stände und Klassen hinweg zum letzten Kampf gegen seine Zerstörer und zu neuer, opferwilliger Arbeit für das kommende Reich. Der jungen Generation unserer Zeit ist es vergönnt, gegenwartsnah zu erleben, wie unter dem Druck ungeheuerster Not ein gequältes Volk zur selbstbewußten Nation wird, sie darf es im eigenen Herzen spüren, daß sich immer und überall das Lcbensrecht eines Volles über Dogmen und Theorien hinweg den Weg zum Licht sucht. Die Not furchtbarer Jahre hat bie Jugend unseres Volkes früh reif unb wissend gemacht. Mit klaren Augen steht sie in bem großen Geschehen der^ Zeit unb sucht sich ein Ziel für ben Einsatz ihrer Schaffenskraft, wie sie vorher ein Ziel ihrer Begeiste- rungssähiqteit im Kampf für bie Nationwerbung des deutschen Volkes fand. Deutsche Jungmannschaft, bie du gerade jetzt die höheren Schulen verläßt, bedenke wohl, wenn du ins Leben trittst, was dich für Verpflichtungen und Aufgaben erwarten, bie nie zuvor einer Jugend gestellt wurden. Du bist national unb bu sagst es oft unb stolz. Weißt bu, was bas bebeutet? Hast du einmal darüber nachgedacht, daß du kein Recht hast, fwlz auf dein nationales Fühlen zu fein, als ob es dein Verdienst wäre; oder glaubst du, es fei dein Verdienst, daß du deine Mutter liebst? Es ist ein heiliges Recht, das dir gestattet, dein Bolt zu lieben wie deine Mutter. Wenn bu die Verpflichtungen, die aus dieser Liebe für dich erwachsen, erkennst und erfüllst, erst bann darfst bu stolz bekennen: ich bin ein Deutscher unb fühle national. Iedes Recht verpflichtet. Das ist die Losung für die kommende Aufbauarbeit. Dein Volk, junger De' tkcher, erwartet dein Detenntnis durch die Tat. Angcheuer werden die Anforderungen an die Ovi^oereitschaft aller Kreise sein, die die Zukunft stellt und stellen muß, um den gegenwärtigen Tiefstand zu überwinden. Neue Wege und neue Ziele verlangen gebieterisch nach neuem Mut und nach neuen Formen des Einsatzes aller Kräfte. Stellt euch vor, ein Kreuzzug der Arbeit riefe euch zu einem gigantischen Kampf für Deutschlands Zukunft auf! Wollt ihr da hinten bleiben oder wollt ihr nicht vielmehr alten Traditionen treu als Freiwillige an der Spitze marschieren, längst ehe die äußere Form einer Dienstpflicht eure Teilnahme verlangt? Diese Dienstpflicht wird kommen! Soll sie euch beschämen, wenn sie euch auS dem Studium und aus dem Berus zur Erfüllung eurer Aufgaben gegenüber Volk und Vaterland herausruft? Ihr alle habt beim Abgang von der Schule das Merkblatt für das Werkhalbjahr der deutschen Iugend erhalten. Legt es nicht leichtsinnig aus der Hand, es ist ein Stück eurer unb eures Volkes Zukunft. Deutschland ruft feine Söhne! Folgt diesem Rufi Meldet euch zum Werkhalbjahr bei den zuständigen akademischen Bün- den für Arbeitsdienst oder den Arbeitsämtern." 3m Bereich der Provinz Oberhessen beim Bund für Arbeitsdienst an der Aniversität Gießen, Zimmer 6, Sprechstunden Montags, Mittwochs und Freitags von 12 bis 1 Ahr, sowie beim Arbeitsamt Gießen, Bahnhofstraße. Sinnierter Raubüberfall. WEN. Frankfurt a. M., 15. März. Am Damstagnachmittag wurde einem Lehrling In der Hedderichstraße, der auf einem Rad zum Postamt fuhr, ein Deutel mit 550 Mark Bargeld entwendet. Wie die Kriminalpolizei inzwischen festgestellt hat, ist auch dieser angebliche Raubüberfall, wie so viele andere. fingiert Bereits am Tage vor der „Tat" hat sich der Lehrling mit zwei Freunden verabredet, wie sie möglichst unbemerkt den Raubüberfall ausführen konnten. Sie fuhren auf Rädern nach dem Postamt 10 und probierten aus. ob die Sache auch klappt. Am nächsten Tage, zu der verabredeten Zeit, folgten dem Lehrling feine Freunde auf Rädern, überholten ihn und nahmen ihm ben Geldbeutel, als wenn es ein Staffettenstab wäre, ab und fuhren davon. Die Deute teilten sie sich bann im Stadtwald. Der Anstifter zu dieser Tat, d. h. der angeblich Bestohlene, hat bis jetzt von seinen Komplicen noch keinen Pfennig erhalten. Am Abend ber Tat besuchten bie beiden Räuber mehrere Weinlokale unb setzten so einen Teil beS geraubten Geldes um. (Inzwischen sind sie jeboch ermittelt worben; ein Teil deS Gelbes konnte toieber herbeigeschafft werden. Die Täter sind junge Durschen im Alter von 18 unb 19 3ähren. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Scbriftleitung.) ft. B., Gießen. „Spitz bie Schar" ruft bie Kohlmeise, nicht aber — wie irrtümlich angenommen wirb — bie weiße Bachstelze. Buntes Allerlei. Das Jubiläum des Regenschirms. Die Regenschikmfabrikanten behauptet!, bah ber Regenschirm jetzt gerade zweitausend 3ahre alt sei unb baher ein 3ubiläum zu begehen habe. Die Erfindung des Regenschirms soll auf eine chinesische Frau zurückgehen, die sich angeblich im Wettstreit mit ihrem Manne befand, wer das nützlichere Hausgerät Herstellen könne. Der Mann konstruierte einen Schlüssel — es wird wohl ber Hausschlüssel gewesen fein —. bie Frau dagegen schuf ein kleines tragbares Dach, das dem Spaziergänger bei Regen Schuh gewährte. Römer unb Römerinnen trugen bann später bereits Sonnenschirme. bie aus Seide hergestellt waren. Das Hauptland des Regenschirms ist heute das feucht» England, wo seiner Ausgestaltung besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Die mittelalterlichen Regenschirme hatten riesige Ausmaße, gewölbte und zugespitzte Formen und oft kostbar ziselierte oder mit Edelsteinen ausgelegte Griffe. Das Dri- tische Museum bewahrt Den Regenschirm Oliver Cromwells auf; der immer verdrießliche und verschnupfte Staatsmann trug stets einen großen, graubraunen Schirm mit massivem Holzgriff. De- sonderS vornehme Leute ließen sich von ihren Dienstboten ,beschirmen". Die spätere Zeit hat diese Bedientenrolle dem Manne zugewiesen, der durchaus seine "Begleiterin mit dem Schirm schützen soll, obgleich er selbst dabei vom Regen unter die Traufe des Schirms kommt unb so bie Sturzbäche bes Himmels gesammelt vom Regendach über sich ergehen lassen muß. Ein König, der jedes Jahr gekrönt wird. Der König von Toro, ein Herrscher befl AgaNda-Gebietes, zu dem das berühmte Mond- Gebirge gehört, wird immer wieder gekrönt, obgleich er schon seit vielen Iahren auf dem Thron sitzt, denn der alte Drauch schreibt vor, daß die Zeremonie jedes Iahr am Tage seiner Thronbesteigung wiederholt wird. Dieser Tage hat das Fest wieder stattgefunden, und alle Europäer, die in seinem Reich wohnen, sowie Vertreter fast jedes ostafrikanifchen Stammes waren dazu cingelabcn. Die Zeremonie begann mit einem Gottesdienst, der von einem anglikanischen Dischof unter Anwesenheit vieler Tausender Untertanen des Herrschers unter freiem Himmel in ber in bem Lande gesprochenen Lunjoro-Sprache abgehalten wurde. Danach erschien der König in feierlichem Auszug in dem großen Rats-Saal, in dem er Versammlungen abzuhalten pflegt, und hielt eine Ansprache, worauf er nach seinem Palast, einer Anzahl von Gras gedeckten Hütten, zurückkehrie. Hier wurde er von seinem ersten Minister gekrönt, und mit dem Krönungsornat geschmückt. Dann sand eine große Prozession rund um den Palast statt, wobei der Herrscher voranschritt, geschützt durch einen riesigen Regenschirm, das Zeichen seiner Würde, das von einigen hohen Beamten getragen wurde; seine Minister und Anterhäuptlinge schlossen sich in langem Zuge an. Das Ende des Festes hatte einen modernen Anstrich, denn es bestand in einem Fußball-Wettkampf zwischen eingeborenen Spielgruppen, bie um ben vom Herrscher gestifteten Krönungspreis rangen. „piiddmgMpn" unb „Schtagerkompomst". Lustige Geschichten von der alten Marine. Die Belohnung. Diese Anekbote stammt von einem Matrosen bes Vermessungsschiffes „Möwe", der sie wie folgt erzählte: Wir hatten bie „Möwe" von ber ©übfee zur Außerdienst,'tcllung nach Tsingtau gebracht. 3m Hafen lag bas Flaggschiff des Kreuzergeschwaders, Panzerkreuzer F. 3ch wurde an Bord geschickt, um im Geschwaderbureau einen wichtigen Brief abzugeben. Als ich das Backbord-Fallreep hoch kam, sah ich auf dem Achterdeck ein abgebranntes Streichholz liegen. An- willkürlich hob ich es auf unb warf es über Borb. Da rief ein Korvettenkapitän, ber auf bem Achterbeck auf unb ab ging: „Der Mann von bet „Möwe", mal Herkommen!" 3ch baute mich erwartungsvoll vor ihm auf, er tippte an bie Mühe, zog einen (leinen Notizblock auS ber 3ackettasche und kritzelte etwas aufS Papier. Dann riß er das Blatt ab unb gab es mir. 1 Pubding. v. K. ftanb darauf. 3m Geschwaderbureau belehrte man mich, daß ich durch den Zettel des Ersten Offiziers Anrecht auf einen Pudding erhalten habe; ich möge nur in die Kombüse gehen. 3n der Kombüse waltete außer einigen Antersmutjes ein riesiger BootSmannsmaat seines Amtes, der mich anbrüllte: „Was wollen Sie?" 3ch hielt ihm ben Zettel hin unb bat um einen Pudding. Er sah auf mein Mützenband unb schrie. „3n der ©übfee habt ihr nischt mehr zu fressen gehabt unb nun kommt ihr her unb wollt unsere Pubbings auffuttern!“ Auf einem Borb ftanb eine ganze Reche leckerer Pubdings aufmarschiert. Er nahm einen davon, klatschte ihn in einen blechernen Chkumm hinein unb gab ihn mir nebst einem Löffel. 3n einem Winkel in ber Nähe ber Kombüse verzehrte ich ben sehr wohlschmeckenben Pubbing mit großem Appetit Ich war noch nicht fertig damit, als der Küchengewaltige aus ber Kombüsentür sah unb schrie: „Hier, der verhungerte „Möwe"-Kuli!" Ich kam unb er klatschte mir noch einen Pubbing hinein. „Damit ihr auf ber „Möwe" nicht sagt, wir hätten nischt zu fressen hier!" erllärte er rauh. Nach ber Heimreise wurde ich auf bas Linienschiff D. kommandiert Nach einiger Zeit kam auch v. K. an Bord als Kommandant. Er führte auch hier die Puddingprämie ein. Ieder bekam einen Pudding, von bem er sah, daß er sich um Sauberkeit unb Orbnung verdient machte. In der ganzen Flotte war er bald bekannt als „Puddingskäppn". Leider machten einige sogenannte „Päckchen" unter der Besatzung sich die Pudding-Erziehungsmethode zunutze, indem sie unbemerkt Streichhölzer. Twistflocken, Zigaretten- ftummel usw. an Deck warfen, die sie dann, wenn v. K- in Sicht war, mit scheinheiligem Eifer auf- sammelten Der „Lchlagerkomponist". Kapitän zur See v. K. war überhaupt bekannt durch seine Iovialität und durch die Kunst, mit ber er bie Besatzung seines Schiffes gewissermaßen spielend dazu brachte, im Kohlen, Sport, Schießen usw. fast immer bie beste des Ge» schwaderszu sein. Zum Kohlen zum Beispiel, bas bie Mannschaft dadurch, wie sie sich dazu anzieht, ja sowieso zu einer Maskerade macht, pflegte v. K. vor Beginn eine spaßhafte Ansprache zu halten, eine Art karnevalistischer Büttenrede, die aber fast nie ihre Wirkung verfehlte, da sie seine Leute derart anspornte, daß in ber Fixigkeit der Kohlenübernahme sehr oft eine Spitzenleistung erzielt wurde. Der Speach begann stets mit der Anrede: „Seeleute unb Soldaten!" unb endete regelmäßig mit der schließlich durch Tradition geheiligten Aufforderung: „Die ganze Flotte, fa, mehr noch, die gesamte K- W. (Kaiserliche Marine) muh mal wieder von unS sprechen! Wir müssen mal wieder einen Schlager mannen! Auf in ben Kamps!" v. K. führte deshalb den Spitznamen „Der ©chlagerkomponist". Gütig und grob. Bekannt in der ganzen Flotte war v. K. auch durch- die geradezu väterliche Milde gegenüber der Besatzung. Er hatte es im allgemeinen auch gar nicht nötig, streng zu fein. Nur gegen Leute, Die nicht zu seinem Schiff gehörten, konnte er bei besonderem Anlaß grob werden. Eines Montags ging v. K. morgens mit seinem Linienschiff in See. Das Schiff hatte gerade von ber Boje los- geworfen und die Schnauze seewärts gerichtet. Maschinen: halbe Fahrt. Da gewahrte v. K. an Steuerbord, noch ziemlich weit voraus, ein Dingi (kleines Doot) mit einem uniformierten ©ec- mann, offenbar einem Heizer darin, ber aus Leibeskräften pullte unb direkt auf bas Linienschiff zuhiclt. In ber Annahme, es sei ein Mann feiner Besatzung, ließ v. K. die Maschinen stoppen, legte beide Hände an den Mund unb ries: ..Heizer! Heizer! Wollen Sie noch mit? Dann machen Sie schnell!" Der Heizer horte nicht. Nun lieh v. K. sich ein Sprachrohr geben unb brüllend zwar, doch nicht ohne väterliches Besorgtsein, erkundigte er sich abermals: „Heizer! Heizer! Wollen Sie noch mit? Dann machen Sie schnell'" Da rief der Heizer, ziemlich „pampig", zurück: „Ich gehöre gar nicht an Bord!" Ietzt aber hauchte ihn v. K. mit Donnerstimme an: „Sie verdammter Kerl! Dann scheren Sie mir nicht vor den Bug und verderben Sie mir das Ma- notier nicht, Sie Hampelmann!" Die Diktiermaschine. Eine geschäftstüchtige Berliner Firma versuchte im Jahre 1913 ihre Diktiermaschine auch auf der Flotte einzuführen. Denn auf der Flotte wurde, notgedrungen, wahnsinnig viel geschrieben. Admiralstabsoffiziere und Flaggleutnants, Geschwader- und Flottensekretäre unb sogar einige Kommanbanten. darunter Kapitän zur See v. K., versammelten sich eines Tages auf dem Flottenflagg'chiff, und der Vertreter der Firma führte ihnen den Apparat vor. Man sprach das Diktat in einen Trichter hinein, es wurde- von einer Walze ausgenommen und diese Walze gab das Gesprochene bann mit Grammophonstimme zu jeber gewünschten Zeit beliebig oft und beliebig schnell wieder von sich. Die Maschine erregte allgemeine Bewunderung. Am Schluß der Vorführung erklärte der Vertreter der Firma sich bereit, auf etwaige Fragen noch Antwort zu geben. Da lieft sich Kapitän zur See v. K. vernehmen und fragte mit Anschulbsrniene: „3a. nun sagen Sie mir doch mal, wo kommen denn nun eigentlich die fertigen Briefe raus?" Mann über Bord! v. K. war Iunggeselle. Deshalb war sein Schiff auch nachts im Hafen nie sicher vor ihm. Einmal hatte er sich folgenden Trick ausgedacht: Er ruderte gegen Mitternacht in Zi'.ll in einem Zivilboot in bie Nähe feines Schiffs, antwortete auf bas „Boot ahoi!" mit „Passiert!", pullte daraus unbemerkt näher heran bis an b)p Bordwand unb schrie bann aus Leibeskräften „Mann über Borb! Mann über Bord!" Darauf'wartete er, dicht an die Bordwand gedrückt mit ber Ahr in ber Hanb. wie lange es dauerte, bis sein Schiff das Rettungsboot zu Wasser hatte. Beim erstenmal llappte es vorzüglich. Er konnte feft- ftellen, daft das Boot sehr fix zu Wasser kam und pullte befriedigt unb ungesehen an Land Jtitüd. Beim zweiten Versuch, einige Monate später, gewahrte ihn aber, ohne ihn zu erkennen, ber wachhabende Oflizier und schrie ihn an: -Wo ist denn der Mann?" „Hier dicht bei mir treibt er“, antwortete v. K. mit verstellter Stimme. „Na, dann ziehen Sie ihn doch raus, Sie Rindvieh!" brüllte ihm jetzt der Wachhabende zu. Woraus v. K. es vorzog, sich zu erkennen zu geben. Der Wachhabende bekam einen bannigen Schrecken. Aber v. K. nahm ihm seine Grobheit natürlich nicht übel. tj.Jixfport Zechten im Turngau Hessen (OT). Um die Teilnahmeberechtigten zu den Meisterschaften des Mittelrheinkreises festzustellen, fand am Sonntag in W e h l a r ein Ausscheidungs- fechten der Fechter statt. Zu den Florett- kämpfen waren 14 Fechter angetreten, von denen nach zwei Vorrunden zu je sieben Teilnehmern acht in die Endrunde kamen. Die Gefechte der Endrunde zeigten eine erfreulich gute Leistungshöhe. 3m leichten Säbel bewarben sich acht Fechter um den Sieg. Hier wird noch zu hart gefochten, und man vermißt noch die technischen Feinheiten in der Klingenführung. Die Ergebnisse. 3n jeder Waffe erwarben sich sechs Fechter die Berechtigung, an den Kreismeisterschaften der mittelrheinischen Turnerfechter teilzunchmen. Florett: 1. Robert Schauh, Tv. Wehlar, 4 Siege (im Stichkampf 3); 2. Ludwig Gerhardt, Tv. 1846 Gießen, 4 Siege (im Stichkampf 1); 3. Hans Mulch, Tv. Wetzlar, 4 Siege (im Stichkampf 1); 4. Walter Gerhardt, Tv. 1846 Gießen, 4 Siege (im Stichkampf 1); h. Karl Hahn, Tv. 1860 Bad-Vauheim, 3 Siege: 6. Wilhelm Chateau, T.--U. Spv. Marburg, 2 Siege. Säbel: 1. Ludwig Gerhardt, Tv. 1846 Gießen, 6 Siege: 2. Hans Mulch, Tv. Wetzlar, 5 Siege: 3. Karl Hahn, 'Tv. 1860 Bad°Rauheim, 4 Siege: 4. Wilh. Fink, T.- u. Spv. Marburg, 2 Siege: 5. Gg. Matt, Tv. Wetzlar, 2 Siege: 6. Konrad Plaack, T.- u. Spv. Marburg, 1 Sieg. Die Kämpfe wickelten sich unter der sicheren Leitung von Gaufcchtwart Kühn (Friedberg) reibungslos ab. Als Kampfrichter war u. a. tätig Hergenrother vom Tv. 1846 Gießen. SpieLvereinigung 1900 Gießen. 1900 11 — Laubach I 7:0 (2:0). Das letzte Heimspiel der diesjährigen Verbandsspielserie gestalteten die Vlauweißen zu einem eindrucksvollen Sieg. Der Gegner Laubach stellte eine sympathische Mannschaft, die jedoch nicht vollständig antrat. 1900 war jederzeit tonangebend. Schwächen zeigte nur die Verteidigung und in der ersten Spielhälfte der Angriff. Vach einer Umstellung wurde es aber auch hier besser, so daß sich auch die ersehnten Treffer einstellten. Beim Seitenwechsel lagen die Hiesigen schon mit 2:0 vorne. Der sehr faire Kampf endete unter der vorzüglichen Leitung des Schiedsrichters Wlodarek - Wieseck mit 7:0 Toren. An 1900s Reserve liegt es nunmehr, im letzten Spiel am 26. März in Lollar die Meisterschaft der 2. Bezirksklasse (Gruppe Gießen-Butzbach) zwischen Lollar und Watzenborn-Steinberg zu entscheiden. 1900 111 — Lollar II 2:3 (0:3). Dieses Gesellschaftsspiel war ein Treffen zweier vollständig verschiedener Halbzeiten. Infolge über- raschen'der Verhinderung eines Spielers führten die Hiesigen die erste Spielhälfte nur mit lOSpie- lern durch und waren selbstverständlich gegen den sehr spielstarken Gegner (diesjähriger Gruppen- meister» sehr im Vachteil. Die Vlauweißen fanden sich nur sehr schlecht. Lollar führte deshalb auch bald mit 0:3 und so wechselte man die Seiten. Durch ein schönes Tor von Schoeneck und einen weiteren Treffer von Georg Arnold H. verkürzte der Plahverein nach der Pause auf 2:3, verpaßte aber die sich bietenden Chancen zum Ausgleich. Schiedsrichter Philipp- Gießen leitete den stets fairen Kampf einwandfrei. Die deuffcheZuhballelf gegen Frankreich Der Spiel-Ausschuh des Deutschen Fußballbundes hat die deutsche Mannschaft, die au kommenden Sonntag im Olympischen Stadion zu Berlin-Grunewald den zweiten Länderkampf gegen Frankreich bestreiten soll, in folgender Form nominiert: Jakob (Jahn Regensburg): Haring er (Bayern München), Wend! (München 1860); Grämlich (Eintracht Frankfurt), Hergert (Pirmasens), Mantel (Eintracht): Fischer (Pforzheim), L a ch n e r (60 München), Rohr (Bayern), Lindner (Eintracht), Ko- bierski (Fortuna Düsseldorf). Ersatzleute sind: Buch loh (Speldorf), Brunke (Tennis Borussia Berlin), Appel (Berliner SV.) und Richard Hofmann (Dresdner SC.). e Frankreichs endgültige Elf hat folgendes Aussehen: Defosse; van Dooren, Mattier: Chantrel, Kaucsar, Delfour: Liberati, Gerard, Vicolas, Rio, Langillier. Ersah: Mairesse, Del- mer und Marcier. * Eine Rundfunk-Liebertragung vom Länderspiel Deutschland—Frankreich am Sonntag in Berlin wird es wahrscheinlich nicht geben, da der Deutsche Fußball-Bund auf Anregung seiner Vereine, die durch diese Uebertragung einen Einnahme-Rückgang befürchten, für die Rundfunks Gesellschaften schier unannehmbare Forderungen stellt. Stuttgart - die Stahl des Turnfestes 1933. Der Stuttgarter Schriftsteller und Arzt Dr. Friedrich Wolf sagt: Stuttgart ist die Stadt der „Superlative". Stuttgart hat die schönsten Höhenwege, die romantischsten Villenhänge, die saubersten Straßen, die meisten Hochhäuser, die zahlreichsten polizeilichen Verfügungen; Stuttgart hat vielleicht die zahlreichsten Filmverbote, aber Stuttgart hat auch die härtesten Schwabenschädel. Die mittlere Jahreswärme von Stuttgart (9,8 Grad Celsius), die es seiner geschützten Lage verdankt, stellt die Stadt sogar noch über Baden-Baden, und macht sie zu einer der gesundesten Städte Deutschlands. Sie ist die Stadt mit der geringsten Säuglingssterblichkeit (nur 5 v. H.). Als erste Stadt in Deutschland hat Stuttgart eine Tuberkulosen-Siedlung (für Familien mit lungenkranken Mitgliedern) erstellt (1929). Zu den größten Merkwürdigkeiten der Stuttgarter Gegend gehört das Mineralquellengebiet der Stadtteile Cannstatt und Berg. Nirgends in Europa sprudelt ein solches „Wunder von Wasserfalle" aus dem Boden hervor, wie hier in dem kaum eine Viertelstunde umfassenden Gebiet des Cannstatter Beckens: eine kostbare Spende der Natur. Stuttgart hat das größte Mineral-Freischwimmbad Deutschlands (2000 Quadratmeter Wasserfläche). Stuttgart hat in seinem Helslacher Schwimmbad die e r ft e 5 0-Mcter-Hallenschwimmbahn in Deutschland geschaffen. Stuttgart ist für das deutsche Badewesen eine klassische Stätte. Unter den Großstädten Deutschlands besitzt Stuttgart noch die meisten Weinberge (580 Hektar). Die Stadt kann auch den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, das erste Winzerinnendenkmal in Deutschland errichtet zu haben: eine junge Frauengestalt mit einem schlafenden Kind auf dem Arm, die ein mit Trauben und Früchten und dem Mostkrug (Weinkrug) gefülltes Körbchen trägt. Das „Mammutbaum-Wäldchen" im Rosensteinpark (beim Abstieg zur Wilhelms) ist — bis jetzt jedenfalls — das größte Sequoienwäldchen Deutschlands. Mit Stolz zeigt der Stuttgarter jedem Besucher „seinen größten Mammutbaum-Wald". Das Museum für Völker- und Länderkunde (Linden-Museum)' übertrifft an Großartigkeit und Seltenheit seines Materials alle völkerkundlichen Museen Europas: es ist eines der reichsten und bedeutendsten völkerkundlichen Institute der Erde. Stuttgart hat als einzige Stadt Europas ein Museum der Geschmacklosigkeiten (im Landesgewerbemuseum). Stuttgart hat in einzelnen seiner Museen einzigartige Stücke, beispielsweise in seiner Naturaliensammlung das größte in einem Museum vorhandene vollständige Fischsaurier - Skelett (Leptopterygius acutirostris), ferner Mammut-Skelette mit Stoßzähnen von bis zu 4 Meter Länge und 10 Zentner Gewicht. Die Weltkriegsbücherei auf Schloß Rofenftein stellt eine in Deutschland, ja, in Europa und der ganzen Welt fast unerreichte und einzigartige Sehenswürdigkeit dar: 65 000 Bücher und Broschüren mit einem riesigen Zeitungsarchiv, einer großen Sammlung von Werbeplakaten und Maueranschlägen, von Fotos, Notgeld, Kriegsmarken,' Lebensmittelkarten. Mehr als 30 Räume des Hchloffes find damit belegt. Den ersten Tiergarten von Bedeutung in ganz Deutschland hatte Stuttgart. Es war die von König Friedrich im Jahre 1812 erbaute Menagerie, die aber schon wenige Jahre später infolge des großen Mißwachsens im Land durch König Wilhelm I. wieder geschlossen werden mußte. Stuttgart ist die vielseitigste Industriestadt Deutschlands, sie ist aber auch, wie der Verkehr bei der Städtischen Sparkasse ausweist, die sparsamste Stadt. Die in der Welt größte Fabrik für Bäckereianlagen und die größte deutsche Schuhfabrik sind in Stuttgart zu Hause. Im Möbelfache hat Stuttgart die Führung in ganz Europa. Diese Führung ging von Paris an Wien über und bann an die Stadt Stuttgart. Stuttgart ist die erste deutsche Stabt, bie ben Mut gehabt hat, ein Hochhaus (bie Oberpostdirektion) zu erstellen. Stuttgart ist bie erste beutsche Stabt, in der die Reichsbahn ein eigenes Hotel errichtet hat, ein Versuch, der nach jeder Richtung gelungen ist. Im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl besitzt Stuttgart die meisten Personen- und Lastkraftwagen vor allen Städten im Reich. Reichsbahn und Deutsches Turnfest. Für bie Fahrt zum Deutschen Turnfest in Stutt- gart werben von ber Reichsbahn eine Reihe von Vergünstigungen eingeräumt, bie es vielen Turnern ermöglichen bürsten, am Turnfest teilzunchmen. Die Vergünstigungen sind folgender Art: 1. .Für Sonderzüge 50 o. H. Ermäßigung. (Hin- und Rückfahrt im Sonderzug; Hinfahrt im Sonderzug. Rückfahrt in jedem Zuge des öffentlichen Verkehrs. Rückfahrt im Sonderzug, Hinfahrt in jedem Zuge des öffentlichen Verkehrs.) Geltungsdauer für Rückfahrt 8 Wochen. 2. Gleiche Ermäßigung 50 v. H. für Zu- und Ab» fahrt zu und von dem Ausgangspunkt ber Sonber- züge. (Anschlußstrecken, jeboch nicht über 100 Kilometer entfernt.) 3. München und Karlsruhe werden in gleicher Weise zur Rückfahrt zugelassen wie Stuttgart (Gleiche Ermäßigung 50 v. H.) 4. Für Turnfahrten ab Stuttgart (bei 50 Erwachsenen) ebenfalls 50 v. H. Ermäßigung. 5. Im Umkreis von 250 Kilometer um Stuttgart werden besondere Turnfestrückfahrkarten mit einer Ermäßigung von 33*/3 v. H. ausgegeben für die Tage vom 22. Juli bis 25. Juli. (Festbesucher die auswärts wohnen müssen.) Kurze Gportnotizen. Geglückt ist am Dienstagabend den kanadischen Eishockeyspielern die Weltmeisterschaftsrevanche. Die Kanadier blieben über die Massachusetts Rangers 2:1 (0:0, 1:0, 1:1) erfolgreich. Erfreulicherweise verlief das Treffen diesmal ohne Zwischenfälle. Wirtschaft. „Sofortprogramm" der Hauptgemein- schast des Einzechandels. Die Hauptgemeinschaft hat in einem Schreiben an den Reichswirtschastsminister auf die Ereignisse der letzten Tage hingewiesen und unter dem Gesichtspunkt der gegenwärtigen Lage die allerdringlichsten Fragen als Vorschlag eines „Sofortprogramms" aufgezählt. Insbesondere.werden gefordert: 1. Beseitigung des schädlichen Wettbewerbs von Betrieben der Öffentlichen Hand, 2. Zugabeverbot, 3. Inkraftsetzung einer kleinen Vovelle zur Gewerbeordnung, die schon vorliegt und u. a. die Möglichkeit bietet, untaugliche Personen aus dem Handels st ande auszuschließen, die sich in den letzten Jahren bei ihm eingefunden haben, 4. Erlaß von Bestimmungen, die ungeeigneten Personen oder Betrieben das Recht zum Halten von Lehrlingen im Einzelhandel aberkennen, 5. VeuRegelung von Sonntags- ruheundLadenschluß im Sinne einer Wiederherstellung der Gleichberechtigung aller Formen der Warenverteilung und besserer Anpassung der Verkaufszeiten des Einzelhandels an die Einkaufsmöglichkeiten der Verbraucher. Ferner wird die Erhebung einer „E r ö f f n u n g s - st e u e r" für neue Betriebe und eine Sperre für die Veuerrichtung von Warenhäusern usw. vorgeschlagen. Schlachihofgebirhren und Fleischbesteuerung. Das statistische Reichsamt hat erstmalig eine tarifstatistische Bearbeitung der Vieh - und Schlachthofgebühren durchgeführt. Den größten Anteil an der Belastung des Fleisches nehmen in den wichtigsten Großstädten die Schlacht- und Schaugebühren mit rund 65 bis 80 Prozent der Gebührensumme in Anspruch. Danach folgen die Auf- triebs- oder Marktgebühren, deren Anteil sich für die verschiedenen Vieharten zwischen 15 und 25 Prozent bewegt. Es folgen die Wiegegebühr mit rund 2 bis 10 Prozent und die Stallgebühr mit 1,25 bis 8 Prozent des Gebührenbetrages. In bezug auf den Einzelhandelspreis ergibt sich eine Belastung bei Rindfleisch von 4,22 bis 5.73 Prozent und bei Schweinefleisch von 4,39 bis 6.15 Prozent. Bei Berücksichtigung des orts- typischen Absatzverhältnisses würde sich- die Gesamtbelastung des Fleisches vom Erzeuger bis zum Ladenfleischer, auf die Mengeneinheit Fleisch bezogen, für Rindfleisch auf 3,19, bis 5,13 M^ je Doppelzentner und für Schweinefleisch auf 3,45 bis 5,45 Mk- je Doppelzentner belaufen. Der Hauptanteil der Belastung des Fleisches entfällt auf die Umsatzsteuer mit 28 bis 39 Prozent. * D i e L e b e n s v e r s i ch e r u n g s u n t e r- nehm ungen Ende 1 9 3 2. Im Vovember- Dezember 1932 ist laut „Wirtschaft und Statistik" die Anzahl der Kapitalversicherungen bei den privaten und öffentlichen Lebensversicherungsunternehmungen zusammen um 27 000 Stück gestiegen. Der Zugang entfällt ausschließlich auf die privaten Lebensversicherungsgesellschaften. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte die Anzahl der Kapitalversicherungen noch um 100000 Stück. 1930 sogar um 200 000 Stück zugenommen. Die Kapitalbeträge der Lebensversicherungen haben weiter, insgesamt um 139,6 Millionen Mark abgenommen. * Um bie Doppelbesteuerung der Gesellschaften m. b. H. In einer Eingabe an den Reichswirtschaftsminister und Reichsfinanzminister hak sich die Zentrale für Gesellschaften m. b. H., Köln, gegen die ungerechtfertigte Doppel- und Sonderbesteuerung gewandt. Die Eingabe gipfelt in folgenden Vorschlägen: Veugestaltung der Tarife, Beseitigung der Doppelbesteuerung durch Erweiterung des § 57 des Einkommensteuergesetzes, Abzugsfähigkeit der Gesellschafter- und Geschäftsführerbezüge in angemessener Höhung bei der Ermittlung des Gewerbebetrages. Äntragsrecht, in jeder Hinsicht wie eine offene Handelsgesellschaft besteuert zu werden, für Gesellschaften mit beschr. Haftung mit dem wirtschaftlichen Charakter einer offenen Handelsgesellschaft und für Familien-Gesellschaf- ten mit beschränkter Haftung. * Neuyorker Börse eröffnet f e ft. Die Neuyorker Effektenbörse eröffnete nach ber 12tägigen Verkehrsunterbrechung in sehr fester Haltung. Die Zuversicht grünbete sich auf bie günstige Wirkung ber gegen bie Bankenkrise ergriffenen Regierungsmah- nahmen. Die Jnflationsbefürchstungen spielen offenbar kaum noch eine Rolle, bagegen kommt in ber währenb ber Verkehrsunterbrechung erfolgten Zurückziehung früher erteilter Kauf- unb Verkaufs- orbers bie starke Unsicherheit ber Börsentenbenz zum Ausbruck. Frankfurter Abendbörse freundlich. Frankfurt a. M., 15. März. Vachdem im Mittagsvcrkehr meist neue Kursbesserungen eingetreten waren, machte sich bei der Kulisse an der Abendbörse wieder einiges Realisationsbedürfnis bemerkbar. Die Kurse bröckelten zwar überwiegend etwas ab, die Grundstimmung blieb aber durchaus freundlich. Man wollte Tauschoperationen von hoch in niedrig stehende Werte beobachten. Das Geschäft war relativ belebt. Die festen Veu- yorker Kurse fanden nur wenig Beachtung. Am Rentenmarkt war die Umsatztätigkeit klein. Deutsche Anleihen gaben leicht nach. Goldpfandbriefe waren noch gefragt und konnten teilweise nur beschränkt zugeteilt werden. Äeubesitz 10,15 bis 10,10 bis 10,15, Altbesitz 69,50, Schutzgebiete 7,05, 6proz. Rhein. Hyp. Bank Reihe 5 bis 9 88 rat, Mannesmann 73,5, Phönix 41 bis 40,75, Bekula 115,50, Daimler 29,50 bis 29,88 bis 29,63 bis 30, Licht L Kraft 99,50, IG.- Farben 124, Metallgesellschaft 38,50 bis 39. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 15. März. Die Getreidebörse lag fast auf der ganzen Linie geschäftslos. Weizen bröckelte etwas, ebenso blieben Mühlenprodukte nur knapp behauptet, koährend im übrigen die Montagspreise unverändert waren. Weizen 212 50 bis 210, Roggen 174, Braugerste 180 bis 182,50, Hafer 145 bis 147,50, Weizenmehl (südd. und Niederrhein.) 30,50 bis 31,50, Roggenmehl 23,75 bis 24,50, Weizenkleie 8 bis 7,90, Roggenkleie 8,50 bis 8,40. Tendenz: still. Schweinemarkt in Schotten. * Schotten, 15. März. Auf dem heutigen Schweinemarkt in unserer Stadt standen 330 gctfel, 76 Läuferschweine und 11 Einleger zum Verkauf. Man bezahlte für Ferkel bis zu 6 Wochen alt 16 bis 18 Mark, 6 bis 8 Wochen alt 18 bis 20 Mark, 8 bis 13 Wochen alt 20 bis 22 Mark, Läuferschweine 23 bis 26 Mark, Einleger 25 bis 30 Mark. Bei gutem Geschäft wurde der Markt geräumt. Schweinemarkt in Homberg. =er. Homberg, 15. März. Der heute hier abgehaltene Schweinemarkt war mit 279 Stück Ferkeln befahren. Für 6 bis 8 Wochen alte Ferkel zahlte man pro Kopf 19 bis 25 Mark. Die Tendenz des Marktes war schleppend, es verblieb ein Ueberstand. Auf dem Krämermarkt waren etliche Stände aufgeschlagen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H.. Lombardzinsfuß 5 o. H. Sranirun a. 2JI. Sern» Schluß» kurs Schluß!. Abend« börse Schluß» lurs Schluß!. Mittagbörse Datum 14.3. 1 15-3- 14.3. | 15-3- 6% Deutsche Reichsanlethe v. 1921 78 78 75 78 78 6% ehem.7% Dl.Reichsanl. v. 1929 96.5 97,5 96,5 97 Sy2% Doung-Anleihe von 1930 .. 81,5 81.25 81 81 Deutsche Anl.-Ablos.-Schuld mit Auslos.-Rechten ......... 69,75 69.5 69,13 69,5 Desgl. ohne Auslof.-Rechte...... 10.15 10,15 9,65 10 6% ehern. 8% Heil. Boltsstaat 1929 lrückzahlb 102%) ......... 77 77.75 77 77,75 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auölol.-Rechlen ........ - 68 Deutsche Komm. Cammelab I.An leihe Gerte 1 mit Mslos.-Rechten 65,25 65.25 65,65 65 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Banl Goldpfe.llS unkündbar bis 1935 6% ehern. ?% granls. Hpp.-Ban! Gvldvse.LO unkundbar bis 1936 86.5 87,75 86.5 87,25 — V/z% ehetrt. 4'/2% Franks. Hyp. Bank-Ligu.-Psandbriefe ..... 87,5 87 4 — _ 6’/z% ehern. i/t% Rheinische Hyp.-Bant.LIuu.-Goldvse. 87,5 87,4 6% ehern. 8% Pr. LandeSpsand btiefanftalt, Pfandbriefe R. 19 85,25 85,75 85,25 85,25 6% ehern. 7% Pr. Landespsand briefanstalt. Pfandbriefe R. 10 85,25 85,25 4% Oesterretchiiche Goldrente... !3 13 — — 4,20% Oesterreichifche Silberrente 1,25 1,25 1,3 — 4% Ungarische Goidrenie .... — — — — 4% Ungarische StaalSrenre v. 1910 — — E— 4'/,% desgl. von 1913 ...... — — — — 6% abgesl. Goldmerikaner von 99 6,25 6,4 6,5 — 4% Türkische gollanlethe von 1911 5,25 5,1 5,4 5,2 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Serie 1 ................ —. — 5,6 5,45 4% deSgl. Serie II ............ 5,5 — 5,5 5,55 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 6,9 6,8 6,7 4fi%Rumän.vereinh.Rentev.l913 10,4 10,25 — - 4% Rumänische vereinh. Rente .. 5,6 5,5 5,5 5,45 8%% Anatolier ............... 24,75 — 24.75 i — ।antiuri u. jjl Berlin Schluß« kurs Schluß!. Abend- bürte Schluß« lurS Echlußl. Mittag- börse Datum 14-3. 5.3- 14.3. 15.3. Hamburg-Amertka-Pakei ..... 1 >8 25 18 17.9 17,65 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 — — 35 Hansa Dampfschiff........... 0 — — — 29,75 Norddeutscher Lloyd ......... 0 18,4. 13,25 18,4 18,25 A ®. für Verkehrswesen 9(ft. .. 0 46 45.5 45.75 45,75 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 93 92 92.75 92,5 Commerz- und Pnval-Bank ... 0 53 53.5 53.5 53,5 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................ 0 70,25 70,25 70,25 70,25 Dresdner Bank.............. 0 61,5 61,5 61,5 61,5 Reichsbank ................. 1 40,75 138 5 140 139 A.E.G...................... 0 32,25 32 32,5 32 Elektr. Lteferungsgesellschaft ... 5 93 91 92 91 Licht und Kraft 6 100,25 99,5 100 100 Felten & Guilleaume ........ 0 60,75 62 61 62,75 Gesellschaft für Elektrische Unter- nehmungen .............. 4 89,5 89 25 90,25 89 Rheinische Elektrizität ........ 6 100,5 — — 103 Schurken & Co.............. 0 97,25- 96 96,75 96,5 Siemens & Halske........... <1 151,5 152 150,5 152.5 Lahmeyer L Eo.............. 10 134.5 133,5 133,25 133,75 Buderus ................... o 58 59,5 58 59,5 Deutsche Erdöl ............. 4 104,65 104,65 104,9 105 Gelsenkirchener .............. 0 66 67,5 65,65 67,75 Harpener.................. 11 92,25 94,5 91,5 94,25 Hoesch Eisen—Köln-Neueisen.. 0 69,25 70,5 Ilse Bergbau ............ 7 154 — 156 Ilse Bergbau Genüsse........ 7 115.75 115 115,75 115,9 Klocknerwerke .............. 0 60 62.5 60 62,4 Mannesmany-Röhren........ 0 72,5 73,5 71,75 74 Marisfelder Bergbau......... 0 27,75 28,25 Oberschles. Kokswerke......... c — — 79,9 81,75 Phöntr Bergbau............. 0 99,25 40,75 38,9 41,13 Rheinische Braunkohlen ...... 10 207 206 209,5 208,5 Rhetnslahl.................. 0 85,5 86,13 85,5 85,9 Frankfurt a.M. Berlin Echluß- lurs Schlußl. Abend« börte Sch'uß- turü Schlußl. Mittag. böne Datum 14.3. 15.3 14.3. 15.3. Veretnigre Stahlwerke..... .. u 39,5 40,75 39,5 40,9 L-tavi Minen ............ ... 0 17.5 18,75 17,75 18,9 Kaliwerke Aschersleben..... .. 6 137,5 136,5 138,5 137 Kaliwerke Westeregeln ..... ... 6 40 65 139 140 138,5 Kaliwerke Salzdetfurth .... ... 9 201,5 204,25 201,5 203,5 I G. Farben-Jndustrte .... ... 7 125 124 124,65 124,9 Scheideanstall............ ...10 174 172,5 — — Goldschmidt ............. ... 0 43 43,9 43,13 43,25 RütgerSwerke ............ ... 0 53 53,5 52,9 54,25 MetallgekeUschaft.......... ... 0 36,5 39 36 38,5 Philipp Holzmann........ ... 0 52,5 51,5 53,5 52 Zementwerk Heidelberg ... Zementwerk Karlstadt...... ... 4 ... 0 61 62 _ Wayß & Frevtag ......... ... 0 3,75 3,75 — — Schultheis Patzenhofer..... Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 _ _ 113 113,5 ... 0 34,25 35 34 34,5 Bemberg............... ... 0 44 —— 42 41,5 Zellstoff Waldhos ......... ... 0 54 52,5 54 52,65 Zellstoff Aschaffenburg .... ... 0 — 23 — 25 Dessauer Gas ........... ... 7 — 113 112,75 Daimler Motoren......... ... 0 32,25 30 31,9 30,75 Deutsche Linoleum ....... ... 0 37 36,25 <6,75 35,5 Ocenstein & Koppel....... ... 0 50 52,9 33 Leonhard Tietz........... ... 6 35,5 33,5 35,13 Chade................... ...12 128,75 129 129,13 Gritzner................. ... 0 32 32 31 32 Mainkraftwerle Höchst a-Ä. ... 4 Süddeutscher Zucker ...... ... 8 159,5 1 160 159 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. Banknoten. 14. Mürz 15.Mürz Amtliche Dotierung Amtliche Dotierung Geld | Ziric »ein Brie Helsingfors. 6,404 6,416 6,404 6,416 Wien...... 48,45 48,55 48,45 48,55 Prag....... ■ —- — Budapest ... — — — — Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland .... 169,68 170 02 169,58 169,92 Oslo....... 73,98 74,12 73,98 74,12 Kopenhagen. 64,54 64,66 64,49 64,61 Stockholm... 76,47 76,63 76,42 76,58 London ..... 14,45 14,49 14,46 14-50 Buenos Aires 0,823 0,827 4,204 0,823 0,827 Neuyork.... 4,196 4,186 4,194 «rüffel----- 58,74 58,86 58,74 58,86 Italien..... 21,44 21,48 16,59 21,45 21,49 Parts..... 16,55 16,54 16,58 Schweiz... 81,42 81,58 81,37 81,53 Spanien.... 35,11 35,19 35,11 35,19 Danzig .... 82,32 82,48 82,32 82.48 Japan ...... 0,899 0,901 0,899 0,901 Rio de Jan. 0,239 0,241 0,239 0,241 Jugojlawien 5,554 5,566 13,18 5-554 5.566 Lissabon.... 13,16 13,16 13,18 Berlin, 15-Mürz Geld »rief Amerikanische Noten.............. 4,17 4,19 Belgische Noten.................. 58,58 58,82 Dänische Noten ................. 64,12 64,38 Englische Noten ................. 14,42 14,48 Französische Noten............... 16,50 16,56 Holländische Noten............... 169,21 169.89 Italienische Noten................ 21,38 21,46 Norwegische Noten .............. 73,80 74,10 Deutsch Oesterreich, ä 100 Schwing — Rumänische Noten............... 2,46 2,48 76,55 Schweizer Noten................. 81,19 81,51 Spanische Noten ................. 34,98 35,12 Ungarische Roten................