Nr.40 SvühauSsabe 183. Jahrgang Donnerstag, 16. Zebruar (933 Lrlchein« tagltd), außer Sonntags und ßeierlag». Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat m Bild Die Scholle monatSiBeingspreis: Mit 4 Beilagen 1.95 Ohne Illustrierte , 1 80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. liernsvrechanschlüsfe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: fironlfurt am Main 11686. Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Cmf und Verla?: Srihl'lchr U«iv«isi!Si5-vuch, and Steintrudtrtl R. lange in «letze«. Schriftlettnn? nnd Selchästrllelle: SchnNtratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Re- klameanieigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Will). Gange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlurnschein undlür denAn- zeigenteil i.D.Th.kümmel sämtlich in Biegen. Oer Aufmarsch zum Neichsiagswahlkamps. Rundfunkübertragung einer Hit!er-Rede unterbrochen. In Stuttgart ein Lcitnngskabel dirchschnitten. Stuttgart, 15. Fcbr. (Tül.) 3n einer großen Wahlkundgebung der NSDAP, sprach am Mittwochabend Reichskanzler Adolf Hitler in seiner Eigenschaft als Führer der nationalsozialisti- fchen Bewegung in der Stadthalle in Stuttgart vor etwa 7000 Zuhörern. Die Rede wurde im Rundfunk übertragen, gleichzeitig durch Lautsprecher auf den Stuttgarter Marktplatz, wo sich gleichfalls eine große Menge von Zuhörern versammelt hatte. Hitler setzte sich mit Liner auf dem Zentrumsparteitag in Alm gehaltenen Rede des württembergifchen Staatspräsidenten Dr. Bolz auseinander und griff die Zentrumspartei und ihr Zusammengehen mit dem Marxismus scharf an. Bei der Ucbertragung der Rede Hitlers auf den Rundfunk ist eine Störung cin- getreten, die ungefähr 20 Minuten dauerte. Diese Störung ist darauf zurückzuführen, daß daHKabel, das von der Stadthalle zum Te- lcgraphenamt gelegt wurde, zerschnitten wurde. Die Polizei hat die Stelle gefunden. Sie liegt vollkommen frei etwa zwei Meter , über der Erde. Wie von der NSDAP, mitgeteilt wird, hotte sie die Polizei gebeten, die freiliegende Stelle überwachen zu lassen. Dies fei jedoch von der Polizei a b g e l e h n t worden. Ob die Zerstörung des Kabels auf einen Anschlag von kommunistischer Seite zurückzuführen ist, ist noch nicht festgestellt. Der Wahlaufruf der Oeutschnaiionalen. Berlin, 15. Febr. (TU.) Die Parteileitung der Deutschnationalen Volkspartei erläßt folgenden Wahlaufruf: Die Deutschnationale Volkspartei geht, verbunden mit anderen gesinnungsverwandten Kräften der nationalen Bewegung auf ihrer alten Liste 5 unter dem Kennwort „Kampffront Schwarz-weiß°rot" in den Wahlkampf des 5. März. Das Bündnis, das der Feldmarschall v. Hindenburg mit der gesamtnationalen Front durch die Bildung der neuen Regierung schloß, hat den Weg für das neue Reich freige - macht. Ungestört vom parlamentarischen Intri- guenspiel, ungehindert durch die hemmenden Kräfte des Zentrums und der Marxisten soll die B e - freiung Deutschlands von außenpoli-- s ch e n Fesseln, soll der Wiederaufbau von Wirtschaft und Arbeit im Innern in Angriff genommen werden. Die Bedeutung der Wahlen des 5. März liegt darin, daß jetzt dem Volk Gelegenheit gegeben werden soll, sich entschlossen hinter den neuen Kurs zu stellen. Der neue Staat muß der stolzen Geschichte Deutschlands entsprechen, auf christlich- konservativer und sozialer Grundlage aufgebaut sein, das Recht des freien Mannes, die Grenzen der Heimat mit der Waffe in der Hand zu verteidigen, der Schutz des Familienlebens und der christlich-deutschen Kultur, soziale Gerechtigkeit und das Recht auf Arbeit, der Schutz des Privateigentums und des wirtschaftlichen Unternehmungsgeistes, Freiheit der Rechtspflege, Unantastbarkeit der Grundlagen des Beamtenrechts — das muffen die Grundmauern des neuen deutschen Baues sein. Schwarz-weiß-rot sollen wieder die Farben des Deutschen Reiches sein. Millionen und aber Millionen deutscher Menschen sehen in einem solchen Staat die Erfüllung ihres Willens. Wir wollen diesem Willen auch in dieser Wahl Ausdruck verleihen. Wir wollen die Kräfte sammeln, um auf die Neugestaltung Deutschlands entscheidenden Einfluß zu nehmen. Die Deutsch- nationale Volkspartei ruft für den Kampf auf, den fie gemeinsam mit anderen nationalen Kräften ihrer Weltanschauung unter dem Kennwort „Kampffront Schwarz weiß-rot" (Liste 5) führt. Der Wahlaufruf des Christ- lid - ozia en Volksdienstes. Berlin, 15. Febr. (TU.) Die Reichsführung und Reichsleitung des E h r i st l i ch - f o z i a l e n Volksdienstes erklärt in einem Wahlaufruf u. a.: Trotz der Bedenken, die der Volksdienst in bezug auf die Verwirklichung wahrhaft nationaler und sozialer Ideen durch die gegenwärtige Reichsführung habe, sei er entschlossen, dieser Regie- r u n g e >. n e ehrliche Möglichkeit zu geben, ißr Können im Dienst an Volk und Staat zu zeigen. M.t der Reichsregierung werde der Volksdienst für bie Freiheit und Gleichberechtigung Deutschlands nach außen, für eine starke, gegen unsachliche, unverantwortliche Störung gesicherte Reichs- und Staatsführung, für die Ueberwindung des Bolschewismus und den Schutz christlicher Sitte und Dolks- erziehuna^ für eine saubere und sparsame Verwaltung in Reich, Staat und Gemeinde und den Schutz der nationalen Wirtschaft, besonders des Bauern- und Mittelstandes kämpften. Er werde sich aber auch ebenso einfetzen gegen jeden Versuch der politischen Entmündigung des deutschen Volkes durch Unterbindung der verfassungsmäßigen Rechte der Volksvertretung ünd Aufrichtung einer Parteiherr- ichaft, wie gegen die Unterdrückung der Rechte der Arbeitnehmer auf freien Zusammenschluß und ungehinderte Wahrnehmung ihrer Belange, sowie auch gegen jeden Versuch einer Gefährdung oder Entwertung der Sozialversicherung, des Ärbeitsrechts, des Tarifvertrages und des staatlichen Schlichtungs- wesens. Der Aufruf betont, daß nur eine starke Vertretung des Christlich-sozialen Volksdienstes den Nationalsozialismus vor einer Ueberwucherung feines sozialen Gehalts durch die einseitig nationalkapitalistisch - reaktionäre Umklammerung befreien und vom Mißbrauch der ihm zugefallenen Macht abhalten könne. Nur eine solche Gruppe mit rein evangelischer Zusammensetzung könne den Gefahren begegnen, die eine Vereinigung des katholischen Zentrums mit dem weithin katholisch geführten Nationalsozialismus in sich schließe. Der Reichswahlvorschlag der Deutschen Volkspartei. Berlin. 15. Febr. (TU.) Die Deutsche Volks- partei hat folgende Kandidaten für den Reichs- wahlvorschlag aufgestellt: Rechtsanwalt Din- geldey, Handelslammerfhndikus Dr. Hugo, Frau Oberstudiendirektorin Dr. Elsa Matz, Postdirektor M o r a t h, Gärtnereibesitzer Schröder. Bankier Dr. v. S t a u ß, Bergmann W i n- n c f e l d. Generaldirektor Dr. Albrecht. Konteradmiral a.D. Brüninghaus. Korvettenkapitän a. D. M e h e n t h i n. Drechslerobermeister Feuerbaum. Hausfrau Margarethe F a e h r e. MgliilkierMordanWagaiispräsideniRoosevell Oer Bürgermeister von Ehikago verletzt. - Oer Täter verhaftet. Miami (Florida). 15. Febr. (MTV. Funkspruch ) heute abend wurden auf denkünftigen Präsidenten Roosevelt bei einem zu seinen Ehren veranstalteten (Empfang fünf Revolver- schusse von einem unbekannten Täter abgegeben. Der Präsident wurde nicht verletzt. Der Angreifer zog ganz unerwartet eine Pistole und bevor die Anwesenden angreifen konnten, begann er zu feuern. Der Bürgermeister von Ehikago, C e r m a k, wurde von einer kugel getroffen. Es ist noch nichts über die Schwere seiner Verletzung bekannt. Unter den Anwesenden soll auch eine Dame getroffen worden fein. Der Angreifer wurde verhaftet. Der Anschlag auf den Präsidenten erfolgte a n - läßlich eines Empfanges in einem Park in viscayno vay, der veranstaltet worden war, um seine Rückkehr von einer Kreuzfahrt nach den Vahama-Jnseln zu feiern. (Er hatte auf der Jacht „Rourmahal" mit dem Besitzer der Jacht. Vincent A st o r, eine Fischexpetion unternommen und beabsichtigte, von Miami aus mit der Eisenbahn nach Neuyork zurückzukehren, um die Vorbereitungen zur Bildung seines Kabinetts fortzusehen. Der Präsident saß in seinem Auto. (Ein Augenzeuge berichtet, der Angreifer habe nicht auf Roosevelt gezielt, sondern auf den Bürgermeister von Ehikago, E e r m a k, der sich ungefähr sechs Meter von dem künftigen Präsidenten entfernt befand. Angesichts der Aufregung der Menge wandle sich Roosevelt um und winkte mit erhobenem Arm, um zu zeigen, daß er unverletzt fei. Der Täter wurde vom Publikum ohne Schwierigkeit ergrif- f e n und der Polizei übergeben, die ihn unverzüglich ins Gefängnis brachte. Roosevelt gab seinen Plan, nach Reuyork abzureisen, auf und stieg in das Auto, in dem der verwundete Bürgermeister von Ehikago nach dem Krankenhaus gebracht wurde. 3m Auto sitzend hielt Roosevelt den Kops des verletzten in seinem Arm. Ein Augenzeugenbericht. Wer ist der Täter? Miami (Florida)) 16. Febr. (WTB. Funkspruch.) Ein Telegraphenbote gab als Augenzeuge des Anschlages auf Roosevelt folgenden Bericht: Ich stand in unmittelbarer Nähe des Auto Roosevelts. Der Täter befand sich inmitten der Menge zur Rechten des.Autos. Roosevelt setzte sich nach Beendigung seiner Ansprache nieder. In diesem Augenblick fielen die Schüsse. Offenbar hatte der Täter auf diesen Augenblick gewartet. Der Bote hörte Roosevelt sagen: „I am allright". Ein Vertreter von „Associated Preß" berichtet, der Schütze habe über seine Schulter offenbar blindlings gefeuert. Er heißt Joe Zingaro und wohnt in Neuyork. Nach Angabe eines in der Nähe stehenden Freundes Roosevelt soll er die Schüsse mit dem Ruse: ch töte alle Präsidenten, i ch töte alle Beamten" abgegeben haben. Nach einer anderen Version soll er gesagt haben: „Jetzt habe ich es C e r m a f gegeben." Daraus ließe sich schließen, daß er es nur auf diesen abgesehen habe. Der Mann wurde überwältigt und an ein Automobil gefesselt. Gangsters die Urheber des Anschlags in Miami? Neuyork, 16. Febr. (WTD.-Funkfpruch.) Die mit der Untersuchung des Anschlages in Miami beschäftigten Behörden scheinen teilweise der Ansicht zuzuneigen, daß ChikagoLr Gangsters den Bürgermeister Cermak beseitigen wollten, der das Gangsterunwesen energisch bekämpft. Bon anderer Seite wird das aber wieder bestritten, indessen ersuchte der Chikagoer Polizeichef die Behörden in Florida, 18 Gangsters festzunehmen, die sich in der Ilmgegend von Miami aufßalten. Desgleichen wurden Eisenbahnbehörden ersucht, die Namen von Chikagoern mitzuteilen, die in der letzten Zeit Fahrkarten nach Florida nahmen. Das Befinden Cermaks der einen Brust- schuß erhalten hat, ist besorgniserregend. Um Mitternacht wurde eine Notoperation vorgenommen, deren Erfolg noch ungewiß ist. Ein Geheimpolizist bekam einen Kopfschuß. Leicht verletzt wurden zwei Frauen, ein Zunge und ein Mann, der dem Täter den Revolver entriß, wobei eine Kugel feinen Kopf streifte. Roosevelt besuchte sämtliche Opfer des Attentats im Krankenhaus. Präsident Hoover an Roosevelt. Washington, 15. Fcbr. (WTB.-Funkspruch.) Bei Bekanntwerden der Nachricht zu dem Mordanschlag auf Roosevelt äußerte Präsident Hoover seine tiefste Bestürzung über diesen Zwischenfall. Er ließ sofort ein Telegramm an Roosevelt übermitteln, in dem es heißt: „Ich freue mich überaus, daß Sie nicht verletzt wurden." Oer Personalschub in Preußen. Große Veränderungen in Polizei und Verwattung. Berlin, 15. Febr. (WTB.) Wie der Amt- liche Preußische Pressedienst mitteilt, haben die Kommissare des Reiches in Preuße» folgende Personalveränderungen auf Grund des Vertrages des Kommissars des Reiches für das preußische Ministerium des Innern, Reichs- Minister Göring, beschlossen: Auf Grund des § 3 der Verordnung vom 26. Februar 1919 werden unter Gewährung des gesetzlichen Wartegeldes sofort einstweilen in den Ruhestand versetzt: die Regierungspräsidenten Dr. Friedensburg in Kassel (Staatsp.), Ehrler in Wiesbaden (SPD.). König in Arnsberg (SPD.); die Polizeipräsidenten Maier in Stettin (SPD.), Thaiß in Breslau (Zentrum), Wende in Waldenburg (SPD.), Oexle in Halle (Staatsp.), Krüger in Weißenfels (SPD.s, Barth in Hannover (SPD.), Danehl in Harburg-Wilhelmsburg (SPD.), Zörgiebel in Dortmund (SPD.), Steinberg in Frankfurt a. M. (SPD), Dr. Biesten in Koblenz (Zentrum, Weyer in Oberhausen (Zentrum), Graß in Bochum; der Landrat Apel in Frankfurt a. M.- Höchst. Der Regierungspräsident v. Velsen in Hannover wird mit der Vertretung des beurlaubten O b er p rä s i ö en t e n der Provinz Hannover Roske beauftragt. Der Landrat R o t b e r g in Goslar wird zum Regierungspräsidenten in Kassel ernannt. Der Ministerialrat Zschitsch im preußischen Ministerium des Innern wird zum Regierungspräsidenten in Wiesbaden ernannt. Der Polizeipräsident Melcher in Berlin wird zum Oberpräsidenten der Provinz Sachsen in Magdeburg ernannt. Zu Polizeipräsidenten werden ernannt: In Berlin der Konteradmiral a. D. o. Leoetzow in Weimar, in Waldenburg der Rittmeister a. D. o. Hiddesen in Alt-Jauernick (Kreis Schweidnitz), in Hannover das bisherige Mitglied des Reichstages Lutze! in Hannover, in Harburg- Wilhelmsburg der Kapitän Carl Christiansen in Bremen, in Dortmund das bisherige Mitglied des Landtages Wilhelm Schepmann in Hattingen (Ruhr), in Frankfurt a. M. General a. D. v. ußeftrem in Wiesbaden-Biebrich, in Oberhausen der Major a. D. Niederhoff in Mülheim (Ruhr), in Halle der Polizeioberst a. D. Roosen in Altenhof (Schorfheide). Der Regierungspräsident z. D. Pauli in Potsdam wird mit der kommissarischen Verwaltung des Landratsamtes in® oslar beauftragt. Der Ministerialrat Dr. C o r f i n g im preußischen Staatsministerium wird in gleicher Eigenschaft in das preußische Justizministerium versetzt. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hatte der Kommissar des Reiches für das preußische Ministerium des Innern, Reichsminister Göring, am 14. Februar eine eingehende Aussprache mit dem Regierungspräsidenten von Düsseldorf, Bergemann. Im Anschluß daran hat Reichsminister Göring dem Regierungspräsidenten Bergemann sein volles Vertrauen aus- gesprochen und ihn mit Rücksicht auf die besonders schwierigen Verhältnisse in seinem Bezirk, insbesondere im Ruhrgebiet, unter Anerkennung seiner bisherigen ausgezeichneten Amtsführung er- sucht, fein A m t weiter zu führen. Regierungspräsident Bergemann hat dies 3 u g e f a g L Ein Gonderkommiffar für Rheinland und Westfalen. Recklinghausen, 15. Fcbr. (WTB.) Der preußische Minister des Innern hat mit sofortiger Wirkung über die Wahlzeit hinaus den Höheren Polizeiführer im Westen. Polizeikommandant Sticler von Heyde* kämpf zum Sonderkommissar mit besonderen Vollmachten für die Pro* vinzen Westfalen und Rheinland bestellt. Als Ches des Stabes tritt zu ihm Polizei- major von Oven. Der Höhere Polizeiführer im Westen, der dem preußischen Innenminister unmittelbar unterstellt ist, übernimmt die einheitliche Leitung der gesamten staatlichen und kommunalen Polizei sowie die dcr L a n d j ä g e r e i in Rheinland und Westfalen. Seine Anordnungen ergehen im Auftrage des preußischen Ministers des Innern. Preußen im Reichsrat. Vorbesprechung der Länder. Berlin, 15-Febr. (WTB.) In der bayerischen Gesandtschaft fand eine Besprechung der Staats- und Ministerpräsidenten der Länder Bayern, Sachsen, Württemberg Baden, Thüringen und Hessen, sowie der Vertreter der Hansestädte statt. Es ergab sich hinsichtlich der grundsätzlichen Fragen völlige Einmütigkeit. Cs kam dabei zum Ausdruck, daß man von selten des Reichsrates nicht erwarten könne, daß er sich ohne weiteres mit der Ernennung von Bevollmächtigten durch die R e i ch s k 0 m m i s s a re zur Vertretung des Landes Preußen abfinde. Es besteht ferner darüber Einmütigkeit, daß man jedoch im gegenwärtigen Zeitpunkt bestehende Meinungsver^chiedenhciten nicht auf die Spitze treiben wolle. Man war sich auch darüber einig, daß es in diesem Augenblick mit Rücksicht auf den anhängigen Rechtsstreit vor dem Staatsgerichtshof keinen Zweck habe, Sitzungen im Reichsrat abzuhalten, sondern daß man bestrebt sein müsse, die Sitzungen möglichst zu vertagen, um die Streitfrage durch den Staatsgerichtshof aus der Welt schaffen zu lassen, soweit es sich nicht um unaufschiebbare besonders dringliche Angelegenheiten handelt. Dabei war man der Ansicht, daß auch bei solchen besonders wichtigen Angelegenheiten die spätere Entscheidung des Staatsgerichtshofes die Rechtmäßigkeit gefaßter Be,chlüsse beeinträchtigen könnte. In welcher Weise aber dem Wunsche nach Nichttagung des Reichsrates in der morgigen Sitzung Ausdruck gegeben werden soll, darüber gingen die Meinungen auseinander. Cs wird jedoch in Kreisen der beteiligten Länder angenommen, daß auch hierüber in der Vollsitzung ein Mehrheitsbeschluß zustandekom- men wird. Minister Leuschner tritt am 1. April zurück. Die S^D. kündigt s.inc Ucb.rsicdlung nach Genf an. Darmstadl, 15. Febr. (05)1.) Die sozial- demokratische Landtagsfraktion des fjeffifdjen Landtags beschäftigte sich mit der politischen Lage und gibt eine Mitteilung aus, in der es u. a. heißt: „Die wütenden Angriffe der Gegner auf bie Minister Adelung und Leusch- net und die Versuche, sie mit allen Mitteln aus dem Amt zu drängen, bilden das höchste Lob für ihre Arbeit und den Beweis, daß sie als Minister an der Spiße des Freistaates Hessen, insbesondere in der Führung der staatlichen Vermattung und der Organisierung der staatlichen Machlmitlel ihre Pflicht im Sinne der Republik getan haben. Die sozialdemokratische Landlagsfraktion empfindet es unter diesen Umständen besonders schmerzlich, daß entsprechend den schon anfangs Januar gefaßten und veröffentlichten Beschlüssen Minister Leusch- net, dem Rus der Gewerkschaften folgend, a m 1. April d. J. aus seinem A m t ausschei- d e t und seine Tätigkeit beim Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes i m Verwaltungsrat des Internationa- len Arbeitsamts in Genf antritt. Sie Hal mit Bedauern davon Kenntnis genommen, daß diese Entscheidung nicht rückgängig gemacht werden kann, bringt jedoch zum Ausdruck, daß Minister Leuschner bis dahin weiter seine Pflicht wie bisher in feinem Amt so tut, wie das die gesamte republikanische Bevölkerung von ihm erwartet." cd a* CB n- ift. im ich aS er Sie >aS .cll zur ort tm- iu< allein )ar. irde Ikon gen iber de- frifl nem hlen reu» «ut bluß chie- I. ger Die genb- rdcn. iuine. , 200 wirb. id)|en Haus urgs« ifltr eben- Z fin- iahen, 1 Ar- ochen, rforge üalen junge 'n sich «chsten ch er» stesige buid) g mit r weit )inau8 werke, r teile um 1“ er* L, be- l Ver- 1 -um ort seit hntal- -s Se- „Cä- rr, der anges- nb bäte für at hier leider . 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Ich ging auf ihn zu, und als er trotz wiederholter Aufforderung das Rauchen nicht unterließ, schlug ick ihm die Zigarre fort. Weder von mir noch van einem meiner Parteigenossen wurde jener Abgeordnete aus den Rücken oder in das Gesicht geschlagen. Die Zurechtweisung des Abgeordneten Morath war mit dem ausdrücklichen Hinweis erfolgt, deß e» ein unwürdiges Verhalten fei, wenn während einer Toten gedenk- rede geraucht würde." Reichstagsabgeordneter Morath (DVP.) teilt mit, daß er die Absicht gehabt habe, den Saal zu verlassen, als der Lärm der Nationalsozialisten ein- setzte. Gr habe sich aber er ft z u m Ausgang b e g eb? n, als 15er stellvertretende Vorsitzende der Abgeordnete Frank II d i e Sitzung schloß. An der Tür habe ereinenSchlaginoenRucken bekommen, und als er sich umdrehte, einenzwei- ten Schlag ins Gesicht. Der Angreifer sei der Nationalsozialistische Abgeordnete Streicher gewesen. Der Abgeordnete Morath erklärt ausdrücklich, daß er während der Trauerkundgebung seine brennende Zigarre in der Hand gehabt habe, ohne sie in den Mund zu nehmen, und daß er sich nicht zusammen mit den Sozialdemokraten und Kommunisten aus dem Saal entfernt habe. Wie wir hören, hat der R e i ch s t a g s p r ä s i - dent eine Untersuchung über die Vorgänge im Ueberwachungsausschuh angeordnet. Er wird dafür Sorge tragen, daß in Zukunft ähnliche Vorfälle unterbleiben. Zur Neuregelung des Vollstreckungsschuhes. Berlin, 15. Febr. (TU.) Zu der Verordnung über den Vollstreckungsschuh für die Landwirt- schäft wird amtlich noch folgendes mitgeteilt: Allein der feste Wille, die zur Gesundung der deutschen Landwirtschaft eingeleiteten Maßnahmen durchzuführen und die äleberzeugung von ihrem Erfolge, haben zu dem schwerwiegenden Entschluß Veranlassung gegeben, den gegenwärtigen Bollstreckungsschuh auch über die erst vor wenigen Wochen getroffenen Maßnahmen hinaus zu erweitern. Besondere Unterstreichung bedarf der Hinweis auf das Interesse der Gläubiger. Es handelt sich hier nicht um einen ausschließlichen Konflikt Schuldner — Gläubiger. Der gleiche Konflikt besteht zwischen den rangbesseren und rangschlechteren Gläubigern. Gelingt es, durch die eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen, wenn auch unter zeitweiligen Opfern der Gläubiger, die Betriebe durch die Krisenzeit durchzuhalten, bis zu der Zeit, wo ausder Ernte größere Barmittel erzielt werden, so ist Schuldnern wie ®Iäubio'''*n unendlich viel mehr gedient als mit einer Liq i dation der Substanz. Auf der anderen Seite tu die Kehrseite durchaus nicht zu beriennen. Die VcichSregierung und ebenso die Kreise, die den Vollstreckungsschuh befürwortet haben, verschließen sich keineswegs den Gießener Gtavttheater. Gastspiel des Hessischen Landcstheaters: „Ter Rosenkavalrer". Als es seinerzeit bekannt wurde, daß Richard Strauß nach den Höhepunkten klanglicher und szenischer Dramatik („Salome", „Elektra") eine mufl- kalische Komödie als fein nächstes Werk ausersehen hatte, horchte man erstaunt auf; aber diese Um- kehr war zu allermeist in dem Bestreben begründet, einen Stoff mit mehr menschlichen Hintergründen zu bearbeiten. Dieses Vorwalten eines persönlichen Momentes fand dann später In dem ,Intermezzo", dem Geschehnisse aus dem Leben des Meisters zugrunde liegen, seinen letzten Aus- druck. Daß in Richard Strauß eine besondere Fähigkeit für das Komische schlummerte, das hatten verschiedene Züge in seinen symphonischen Dichtungen erkennen lassen, nicht zuletzt In seinem Rondo „Till Eulenspiegels lustige Streiche". Hier nun kam ihm im Text des „Rosenkavallers" ein Stoss von gana besonderer Anregungskraft entgegen, der bei ihm stärksten Widerhall wachrufen mußte. Es war sicher eine glückliche Fügung, daß ihm in Hugo von Hosmannsthal eine dichterische Per- sönlichkeit zur Seite stand, die ungemein befruchtend auf die musik-dramatische Entwicklung von Richard Strauß sich auswirken konnte. Ja, man Seht nicht fehl in der Annahme, daß vielleicht Mozarts „Figaros Hochzeit" und „Don Juan" ohne da Pontes Mitarbeit in der vorliegenden Form ebensowenig möglich gewesen wären, wie das Overnschafsen Richard Strauß von der „Elek- tra" ab. Es märe interessant, aus dem Briefwechsel der beiden festzustellen, wie hier Dichter und Musiker sich Hand in Hand gearbeitet haben, wie sie im gegenseitigen Gedankenaustausch und gegenfei- ttger Anregung das Werk förderten und wie hier eine psnchologisch tief schürfende Dichternatur mit ungemein feinem Empfinden dem Musikalischen den Boden bereitete, auf dem es sich zu üppiger Blute entfalten konnte. Ebenso reizvoll ist es zu verfolgen, wie Richard Strauß als Wirklichkeitsmensch die heitere Gesamtatmosphäre des Dichters mit plastischen Strichen z. B. in der Charakterzeichnung des Ochs von Lerchenau scharf markiert. „Das Publikum müsse lachen, nicht lächeln." Es geschah sicher nicht ohne besondere Absicht die Handlung in die Rokokozeit zu verlegen. Hier war das geistige Milieu für das Gesellschaftsspiel gegeben und damit auch eine Rorm für die geistige Haltung des Stils. Dieses Zeitalter war Richard Strauß besonders geistesnah durch die Tradition geworden; ja, als Mozart-Dirigent hatte er ganz besondere Erfolge errungen. Zum andern war ihm aber auch die Wiener Sphäre als solche sowohl musikalisch wie auch örtlich ver- Gefahren, die der Vollstreckungsschutz begreiflicherweise in sich schließt. Daß der landwirtschaftliche Vollstreckungsschuh kein vollkommener fein kann, daß sowohl im Interesse bestimmter Gruppen von Gläubigern wie auch im Interesse des auf Kredit angewiesenen Schuldners von dem Vollstreckungsschutz weitgehende Ausnahmen gemacht werden müssen, wird von dem Befürworter des Vollstreckungsschutzes absolut anerkannt. Ebenso wird von denjenigen, die den Vollstreckungsschutz grundsätzlich bekämpfen, in keiner Weise in Abrede gestellt, daß für diese Krisenzeit gewisse Hilfsmaßnahmen unbedingt notwendig sind, und daß es ganz unmöglich ist, die Zwangsvollstreckung in der jetzigen Krisenzeit ebenso laufen zu lassen wie in früheren Zeiten. Oer Reichskanzler empfängt Vertreter der Kriegsopfer. Berlin, 15. Febr. U.f Der Reichskanzler empfing am Mittwoch den Vorsitzenden des Reichsverbandes Deutscher Kriegsopfer e. 03., Dietrich Lehmann, und Referenten der Reichsleitung der ASDAP. für Kriegsopfer den Reichstagsabgeordneten Oberlindober und ließ sich die besonderen Wünsche der Kriegsopfer auf Verbesserung ihrer Versorgung und Fürsorge vortragen. Der Reichskanzler erklärte, daß er sich auch als Reichskanzler den Kriegsopfern gegenüber a l s Kamerad fühle und besorgt sei, bereits in kürzester Frist dringend notwendige Verbesserungen in der Versorgungs- und Für- sorgegesetzgebung durchzuführen. Eine Reichspropagandazentrale unter Or. Goebbels. Berlin, 15. Febr. (Täl.) Wie die «Deutsche Zeitung" hört, soll der Rundfunk in Zukunft unmittelbar dem Reichskanzler unterteilt werden. Diese Eingliederung des Rundfunks in den Regierungsapparat hängt mit noch weiteren organisatorischen Aenderungen zusammen. Das Reichsministerium des Innern will die «Zentrale für Heimatdienst" auflösen und dafür eine Reichspropaganda- zentrale einrichten, die nicht dem Reichsinnenministerium, sondern dem Reichskanzler unterstellt werden soll, und als deren Leiter der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Goebbels ausersehen fein soll. Diese Reichspropagandazentrale wird sich mit den Fragen des Rundfunks, der Presse, des Tonfilms usw. beschäftigen. Internationaler Kongreß der Krastverkehrswirtschast. Unter großer Beteiligung von Vertretern der Behörden, der in- und ausländischen Automobilindustrie, der übrigen Wirtschaft, der ausländischen Gesandtschaften und der ausländischen Handelskammern wurde in Berlin der Internationale Kongreß der Kraftverlehrswirtschaft eröffnet, der vom Bureau Permanent International des Constructeurs d'Automobiles, Paris, veranstaltet wird. Unter den Anwesenden bemerkte man u. a. den Reichsverkehrsminister Frhr. Eltz v.Rübenach, Oberbürgermeister Dr. Sahm, den Prinzgemahl der Riederlande, den Präsidenten der Internationalen Handelskammer Olbraham F r o h w e i n. Der Kongreß wurde von dem Präsidenten des Bureau Permanent International des Constructeurs d'Automobiles, Asutis, eröffnet, der in seiner Begrüßungsansprache u. a. ausführte, während der Aera des wirtschaftlichen Aufstieges hätten sich in den Konkurrenzverhältnissen zwischen Eisenbahn und Kraftwagen keine Schwierigkeiten ergeben. D'-eie seien erst mit der Zeit des wirtschaftlichen Abstieg.'s hervorgetreten. Die Schuld an der geringeren Benutzung der Verkehrsmittel trage aber in erster Linie die Wirttraut und als Süddeutschen besonders nahestehend. Trotzdem aber ließ er sich nicht zum Archaismus verleiten, sondern die Handlung wurde ihm zur Basis individuellen Durchdringens, gesehen mit den Augen der Gegenwart und erfühlt mit Lebensnähe. 2lls wichtigster Faktor des musikalischen De- schebens ist die Gestalt der Marschallin anzusehen in der Wehmut und Resignation ihrer vielleicht letzten Liebe zu Oktavian, dem sie dann in edler entsagender Selbstverleugnung zur Stifterin des neuen Liebesglücks wird. Wiederum stark für musikalische Aufblühen ist die erste Liebe Oktavians zu der reiferen Frau; aber erst in dem Zusammentreffen als Rosenkavalier mit der fast noch kindisch naiven, unerschlossenen Sophie findet er sich selbst im Aufwallen der großen, tatbereiten Liebe. In diesem Rahmen kontrastiert Ochs von Lerchenau, ein Großtuer, Mitgiftjäger, ein Wüstling. in Einzelzügen an Falstaff gemahnend; überheblich in der Würde seines Erbadels gegenüber dem neugeadelten Faninal. Dazu ein zu allem bereites Jntrigantenpaar und die Fülle und Reichhaltigkeit der charakteristischen Rebenpersonen, die auf einen Musiker wie Richard Strauß förmlich wie elektrisierend wirken mußten und ihn zu vielfältigster Zeichnungskunst anlockten. Im Gegensatz zu den vorausgegangenen beiden Werken braune die im Rosenkavalier te;t- gebundene Gefühlöhaftigkeit neben dem musik- dramatischen Prinzip das Rein-Musikalische zu besonders starkem Durchbruch. Wir finden ihn groß in der Zeichnung der Situation mit einer fast an das Artistische gemahnenden Sublimiert- heit des Klanglichen und in der Ausprägung typischer Gebärden und Bewegungen in Rhythmus und Melos Da aber, wo die Situation die Höhe des Gefühls ausstrahlen läßt, da gibt auch der Musiker Richard Strauß seine großen Höhepunkte wie etwa im Schlußduett des ersten Aktes zwischen Marschallin und Oktavian oder in der Lvrik des zweiten Aktes bei der in Zartheit getauchten Ueberrcidjung der silbernen Rose und dem von Innigkeit erfüllten Duett von Oktavian und Sophie; dann im dritten Akt, als nach Aeberwindung des Maskenspiels das Rein- Menschliche im Terzett sich wieder Geltung verschafft, und wie er in letzter Schlichtheit und ursprünglicher Einfachheit des Schlußduetts Töne von Herzlichkeit anschlägt. Dazwischen aber sprüht es von geistvollen Einfällen schärfster Pointierung als Milieukontur. Da darf der WalzerrhythmuS mit Prickeln und Sentiment in typisch Richard Strauß'scher Prägung nicht fehlen. Er wird zum Leitgedanken der komischen Zwiespältigkeit des Ochs von Lerchenau am Schluß des zweiten AlteS; im letzten Akte sich zum Grotesken steigernd, bei der Entlarvung des skrupellosen Liebesritters. Ständig aufs neue muß man die | schastSkrlse. Der Gedanke, die Eisenbahn durch das Auto zu ersetzen, sei absurd. Beide müßten sich aber aufeinander ein ft eilen, um auf diese Weise der Allgemeinheit zu dienen. Aeichsverlehrsminister Freiherr v. Sitz- Rübenach erklärte: Als Deichsminister, der die verschiedenen Zweige des Verkehrs gleichmäßig zu betreuen hat, liegt mir die Regelung des Wettbewerbes zwischen den Eisenbahnen und Kraftfahrzeugen besonders am Herzen. Die der» kehrswirtschaftliche Bedeutung des Kraftfahrzeuges liegt in seiner Anpassungsfähigkeit an die schnell wechselnden örtlichen und zeitlichen Der- kehrsnotwendigkeiten der Wirtschaft. Die Eisenbahnen sind das an feste Fahrpläne gebundene Masfenverkehrsmittel; sie sind infolge der Grösts ihres Verkehrsnetzes sowie des volkswirtschast- Uchen Charakters ihrer Tarife noch auf lange Zeit das unentbehrlichste Instrument der Wirtschaft und damit das Rückgrat des gesamten Verkehrs. Das französisch-russische Problem. Herriot bicbcit sich in Moskau an. Paris, 15. Febr. (WTD.) In der illustrierten Wochenschrift „OHarianne" nimmt Herriot Stellung zum französisch-russischen Problem. Er begrüße es, daß angesichts der Angriffe gegen den sog. Konstruktivplan Frankreichs in Denf und angesichts der, wie er sich ausdrückt, am wenigsten erwarteten Abfälle in Genf, Litwinow sich über Frankreichs Ansichten in zurückhaltender oder sogar wohlwollender Weisegeäuhert habe. Er habe mehrere der französischen Vorschläge unterstützt, er habe anerkannt, daß Frankreichs Sicherheitswesen von Interesse fei, er habe den Aufbau der nötigen Garantien anempfohlen, damit der Kellogg-Pakt voll wirksam werde, und sehr interessante Bemerkungen über die Definierung des Angriffes gemacht. Dafür müsse man ihm danken. Wenn die Sowjetunion, so fährt Herriot fort, es wünscht, werden sich in Frankreich unabhängige Persönlichkeiten finden, die bereit sind, ihr in diesem Friedenswerk nach außen und am Wiederaufbau im inneren zu helfen. Ich habe dieses Land 1922 besucht und Gutes und Schlechtes festgestellt. Ich bleibe Demokrat, Republikaner und Franzose. 2lber ich wünsche von Herren, daß ein vielleicht zu Hirngespinsten neigendes oder dem Mystizismus ergebenes, auf jeden Fall aber generöses Volk seine P r o s p e. rität toiebererlange. — Iedesmal, wenn ich mich mit ihm beschäftigen kann, wird es ohne Voreingenommenheit und ohne Vorurteil geschehen. Ich habe es in gewissen Augenblicken ab gelernt, mich an gewissen Koalitionen gegen Sowjetruß- land zu beteiligen, die man zusammen- hringen wollte. Völker erobert man wirklich nur durch Güte. Selbst wenn man Mißerfolge haben sollte, ist es meiner Ansicht nach eine Ehre, an der Anerkennung der Rationen zu arbeiten. Ich bleibe diesem Gesetze treu, weil es das Gesetz der Republikaner ist und auch das Gesetz der Einsicht. Krisenstimmung in Paris. Das Finanzsanierungsgesctz noch immer gefährdet. Paris, 14. Febr. (ERB. Eigene Meldung.. Heber den Gesetzentwurf, der nach fast 40stündi- ger Beratung von der Kammer verabschiedet wurde, empfindet, wie man heute feststetten konnte, keine der Regierungsparteien eine reine Freude, obwohl er als eine Art Sa- nierungsmaßnahme zur Beseitigung des Dudget- defizits betrachtet wird. Die Erregung, die sich der Arbeiterbevolkerung bemächtigt hat, nimmt zu, und am Donnerstag wird sich zeigen, in welchem Matze die Geschäftswelt in Paris Schlagfertigkeit und Situationsgemähheit in der Handhabung der orchestralen Mittel bewundern vom feinsten Klangfiligran bis zur Fülle des Orchesterklanges, so auch in der geistvollen Ver« webung von Bühnenmusik und Orchester im brüten Akt. Aber immer bestimmt eine innere Logik das musikalische Geschehen. Die Ausführung dieser Komödie für Musik durch die Darmstädter zeigte in allen ihren Phasen seine stilgemäße Abgestimmtheit, Aus- gegllchenheit und Geschlossenheit. UeberaU war sie von pulsierendem Leben erfüllt mit einem sorgfältigen, liebevollen Eingehen in die mannigfaltigen Gegebenheiten des Szenischen (H.S t r o h- b ach). Ganz besonders waren die kontrastierenden Momente in die deutlichste Erscheinungsform gerückt worden. Iede der vielen Reben- personen war auf ihren Auswirkungskreis abgestimmt; so wurden z. B. die Lakaiengruppen zum treffenden Spiegelbild ihrer unterschiedlichen Gebieter in Lebensform und gesellschaftlicher Haltung. So konnte die Mckieuschilderung, den Schauplätzen der Handlung entsprechend, in Ursprünglichkeit zum lebensnahen Hintergrund werden. Ständig zeigte sich der erfolgreiche Wille, dem Werke zu dienen. Ein jeder, auch in der scheinbar unbedeutendsten Rolle, fügte sich dem Ganzen organisch ein. Stark in allen Momenten der Durchgestaltung war Inger Karen als Feldmarschallin. Als Dame von gesellschaftlichem Range bewies sie vornehmen Takt selbst menschlichen Schwächen gegenüber. ©rofrtoar sie in den Augenblicken, wo sie entsagungsvoll auf Frauenrechte in Edelmut Verzicht leistete. Verinnerlicht, von wärmstem Empfinden getragen, erhob sie sich zu hoher gesanglicher Ausdruckskraft, dabei mit einem schönen schwebenden Piano der feinsten Regung nachgebend. Richt minder bedeutend war Erna von G e o r g i als Oktavian In starker innerer Verbundenheit zum Szenischen und Musikalischen. Anpassungsfähig in jeder Lage, gewandt im Spiel, geboten durch den Gang der Handlung. Der Sophie gab Fritzi Iokl zunächst jene älnerschlos- senheit, die erst allmählich mit dem Erwachen des Menschlichen-Persönlichen aufblühte zu hingebungsvoller Innigkeit. Daß sie diese innere Entwicklung auch Im Gesanglichen fein ausprägte, hob die Gestalt der Sophie. Ganz besonders aufeinander abgestimmt waren diese drei Frauenstimmen im Ensemble, zum besonderen Vorteil der ihnen zugeteilten lyrischen Höhepunkte. Interessant war es zu sehen, wie Theo Herrmann die vielen kleinen Zuge, mit denen Richard Strautz die Rolle von Lerchenau gezeichnet hat, zu einer t>crfonlubcn Einheit zusammenschweitzte, wie er die tm «RosenkavaIler" erstmalig geschaffene neue Form des Parlando, da» Richard Strauß später im .Intermezzo" zu einer weiteren Entwicklung führte, trotz der eminenten Schwierigkeiten mei- , daraus reagiert. Zum Zeichen deS Protests Ist nämlich die Schließung der Sinzeihandelsgeschäfte für etwa fünf Stunden nachmittags propagiert worden. Man nimmt an, daß sich die Kammer nochmals mit den wesentlichen Bestimmungen des angenommenen Gesetzentwurfs wird beschäftigen müssen, weil der Senat voraussichtlich starke Abänderungen an der Vorlage vornehmen tüirb,_ vor allem an den Artikeln, die eine Einschränkung der Militärkredite vor-, sehen. Man behauptet sogar, daß die Senatoren die von der Kammer angenommene Krisensteuer als zu drückend für die Steuerzahler durch eine sehr empfindliche Kürzung derBeam- tengehälterzu ersetzen beabsichtigen. In diesem Falle würden die Gewerkschaften auf öen Plan gerufen werden, und die Situation könnte unter Umständen einen Charakter annehmen, der das Kabinett Daladier veranlassen dürfte, von sich aus eine Reuregelung der Frage der Krisensteuer zu beantragen. Zu allem diesem kommt der Vorstoß des Senators Milan gegen die Sozialversicherung. Hier handelt es sich um eine Angelegenheit, die, wenn sie mit dem Finanzsanierungsgesetz verbunden werden soll, sich zu einem K o n f l ik t z w i s ch e n Kammer und Senat auswachsen könnte. Wer wird Amerikas Botschafter in Berlin? Washington, 14. Febr. (CNB.) In demw kratischen Kreisen des Bundessenats wird die Möglichkeit erörtert, daß HerbertBayardSwope non Roosevelt zum amerikanischen Botschafter in Berlin ernannt werden wird. — Swope, der im Jahre 1882 in Heidelberg geboren und In Amerika erzogen wurde, war Kriegsberichter statter der „New-York World" auf deutscher Seite von 1914 bis 1916. Er ist bekannt geworden durch seine Schilderungen des Sieges des Generalfeldmarschalls o. Hindenburg an den Masurischen Seen. Swope schrieb ein Buch mit dem Titel „Inside the German empire". Er wurde später Chefredakteur der „World" bis zu deren Aufgehen im „New-York World Tele- gram" im Jahre 1930. Swope, der sehr wohlhabend ist, ist ein Bruder des Generaldirektors der General Electric Company. — Weiter wird vermutet, daß Norman Davis zum Botschafter in Paris und Senator Robinson zum Botschafter In London ernannt werden. Kleine politische Nachrichten. Der Reichspostminister hat den Dundfunkkom- missar Staatssekretär a. D. Dr. Bredow seinem Wunsche entsprechend abberufen und mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Rundfunk- kommifsars des Reichspostministeriums den Staatssekretär im Reichspostministerium Dr.-Ing. Kruckow beauftragt ♦ Durch Anordnung des ReichsarbeitSministerS wird zum 1. April 1933 das Hauptversorgungsamt Württemberg aufgelöst mit dem Hauptversorgungsamt Baden zu einem Hauptversorgungsamt Südwestdeutschland mit dem Amtssitz in Karlsruhe vereinigt. Ferner werden aufgelöst die Versorgungsämter Ellwangen und Radolsszell. * Das belgische Kabinett Droqueville hat seine Demission erklärt, nachdem es bei einer Abstimmung über die Ungültigkeitserklärung einer Gemeindewahl durch ein Zusammengehen einiger Liberaler mit den Sozialisten mit 72 ge-'cn 82 Stimmen in die Minderheit geraten wer Der König hat es abgelehnt, die Demission anzunehmen. fierte und so diese Bussofigur zu einem besonderen Kabinettstück werden ließ. Durch stimmliche Kraft überraschte Iohannes Drath als neugeadelter Herr von Faninal, in seiner äußeren Haltung dem Wandel der Situationen folgend. Typische Gestalten schufen Regina Harre als Iungser Marianne, das Intrigantenpaar Eugen Vogt und Martha Liebel. Das Orchester unter Dr. Hans Schmidt- I s s e r st e d t erschloß in feinnerviger Art den unerschöpflichen Reichtum an klanglichen Delikatessen bei souveräner Beherrschung der instrumentalen Anforderungen; spritzig, aufschaumend, von starkem Impuls getragen. Das Klanglich- Sinnliche des Musikalischen wurde intensiviert durch harmonische Einstellung des Beleuchtungstechnischen (Karl Löffler und Ludwig Keim). Das vollbesetzte Haus folgte mit sichtlicher Verbundenheit dieser Aufführung von ganz besonderem Hochstande. Dr. H. Tonfilm: »Ein Mann mit Herz". Die Welt des kleinen Angestellten ist seit einiger Zeit von der Literatur entdeckt worden. Auch der Tonfilm hat sich des Themas bald bemächtigt. Er hat allerdings davon abgesehen, soziologische Untersuchungen anzustellen und etwa eine Typologie dieser aus Millionen von Einzelwesen sich zusam- mensetzenden Gattung zu versuchen. (Ein solcher Versuch eignet sich besser für die Buchform.) Der Film beschränkt sich vorerst darauf, das Motiv lust- spielmäßig auszuwerten, in diesem speziellen Fall erleben wir eine Umkehrung des Motivs der „Privatsekretärin". Es handelt sich also um den erfüllten Wunsch träum eines kleinen Bankbeamten. Das geht hier so unwahrscheinlick zu wie dort im umgekehrten Fall — aber die Unwahrscheinlichkeit wird auf eine so nette, liebenswürdige und unter« baltlame Art vom Regisseur Gäza von B o l o a r y serviert, daß man ihm nicht böse sein kann; auch wenn man etwa nach dem Auftakt, der an die grob- artige stumme Filmreportage „Berlin" erinnert, etwas anderes erwartet haben sollte; Bolvary hat noch eine Menge hübscher Einfälle im Hintergrund. Gustav F r ö.h l i ch in der Hauptrolle: sympathisch und ritterlich, ein tüchtiger Junge und guter Kamerad. Maria S o l v e g heißt seine scharmante Partnerin. Gustav Waldau, der stellenweise merkwürdig an Bassermann erinnert, gibt sehr kultiviert den allmächtigen Präsidenten. Der Komiker Paul Kemp bringt eine drollige Charge. Dom Ensemble sind noch Ali G h i t o und Gina F a l k e n b e r g zu nennen. Die leichte und spritzige Begleitmusik stammt von Robert Stolz. — Der Film läuft seit gestern im Lichtsoielbaus; im Beiprogramm sieht man u. a. Aufnahmen vom neuen Kabinett und vom großen Fackelzug der nationalen Verbände in Berlin. 1t .b Oie Armee der -euischen Wanderer. Don Dr. Sötz-Oarmstodt. 2m Winterschlaf liegt Wald und Flur. Doch ' schon steigt die Sonne höher, neue« Leben regt sich bereit- Im Schob der Mutter Erde. Auch m den Herzen der Menschen regt sich wieder dre Sehnsucht nach Sonne und Wärme, nach Waldes- 8rün und Blumenduft, nach Vogelsang und läferschwirren. Bald wird der Lenz mit Dlüten- glast und Knofpenfprießen seinen Einzug in die Land« halten — dann heraus au- Stube und Werkstatt, au- Kontor und Fabrik I — hinein in die Gotte-natur! — So war es immer, und so wird sich auch in diesem Jahre ein Strom von naturliebenden Menschen in die deutschen Wälder ergießen zu frohem Wandern. Dabei benutzen die meisten Wanderer Einrichtungen, die ein grober Verband in jahrzehntelanger. selbstloser Arbeit für die Allgemeinheit ge- schaffen hat und erhält, ohne allerdings in der breiten Oeffentlichkeit die Anerkennung zu finden, die sein Wirken verdient. Gemeint ist der Reichs- verband der deutschen Gebirgs- und Wanderer» vereine. von dem hier einiges mitgeteilt werden soll: Sin gewaltiges Heer vckN deutschen Wanderern ist in ihm organisiert. 2n 53 Gebiets- und Wandervereinen mit 2500 Ortsgruppen sind rund 300 000 Mitglieder in ihm vereinigt. Seil über 50 Jahren bestehen große Wanderverbände in fast allen deutschen Mittelgebirgen vom Niederrhein. Eifel und Sauerland bis hinunter zu Schwarzwald und Schwäbischer Alb, vom Daiernwald und Fichtelgebirge bis zum Saarwald und HunSrück, von der Heide bis hinunter zur sonnenersüllten Pfal» und von da über Odenwald, TaunuS. Vogelsberg. Spessart, Rhön, Westerwald nach Thüringen, hinüber zum Erzgebirge, Vogtland. Sächsischer Schweiz, Rie- sengebirge bis hinein in die deutschen GebirgS- dercine der Tschechoslowakei. Äeberall haben sie gearbeitet seit einem halben Jahrhundert, ohne viel Aufheben- von ihren Leistungen zu machen: 55 000 Kilometer farbiger Wegebezeichnungen durchziehen die deutschen Mittelgebirge und führen auch den weniger landeskundigen Wanderer auf herrlichem Pfad durch die Schönheiten heimischer Natur. 70 älnterkunftshäuser, 250 älnterstandshütten. Tausende von Ruhebänken. Qucllenfassungen, Au-sichtstempeln laden zu erauickender Rast. 73 Türme auf ragender Hö^e lassen den Blick schweifen über Berge und Täler. — 20 große Verbände haben bis jetzt Wandererschutzpfade zur Vermeidung der Straßen mit Kraftfahrverkchr angelegt. Alle Verbände aber führen Hunderttausende von Menschen hinaus zu planvoller Wanderung, dabei alle Unter» schiede von Partei. Stand und Konfession überbrückend, arbeitend für die wahre deutsche Volksgemeinschaft über alles Trennende hinweg. Reben diese rein praktische Wandertätigkeit und Förderung des Wanderns tritt eine reiche Kulturarbeit: Zahllos sind die Karten, Führer, Heimatwcrle. die die Wanderverbände heraus» acben und auf dem neuesten Stand erhalten. Alle Verbände haben eigene Lichtbildsammlungen. unterhalten Auskunstsstellen zur Beratung des Wanderers und arbeiten stetig an der Verbesserung der Verkehrsmöglichkeiten ihres Bereiches. Das Jugendwandern flndet, teilweise in besonderen Jugendgruppen, eifrige pflege, die Jugendherbergen, ursprünglich von den deutschen Wandervereinen geschaffen, Unterstützung und Hilfe. Sind das nicht Leistungen für die Allgemeinheit, für unser Volk, die für sich sprechen? And doch, wie viele genießen die Einrichtungen, die die Wandervereine geschaffen, und wie wenige tragen zu ihrer Erhaltung bei, dadurch, daß sie in den einzelnen Wanoerverbänden Mitglied sind! Gerade in der heutigen Zeit der Rot ist es doppelt wichtig, daß solche gemeinnützig arbeitende Verbände oei den breiten Massen der Devölleruno Unterstützung finden, Somit sie finanziell leistungsfähig bleiben und Mitarbeiten können an dem Wiederaufbau unseres Volkes. Die Pflicht der Dankbarkeit sollte es für jeden deutschen Wanderer selbstverständlich machen, dem Wander- oder Gebirgsverein seines Wohnortes beizutreten und mit dem geringen Beitrag sein Scherflein beizusteuern zu dieser wahrhaft nationalen Arbeit. Darum: helft und unterstützt die deutschen Gebirgs- und Wandervereiuei Für deutsches Wandern und deutsche Volksgemeinschaft! Aus der Provinzialhaupifladi. Daten für Donnerstag, IK.Fcbruar. 1497: Philipp Melonchthon in Bretten geboren: — 1620: Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, in Kölln an der Spree geboren: — 1826: der Dichter Viktor von Scheffel in. Karlsruhe geboren: — 1834: der Naturforscher Ernst Haeckel in Potsdam geboren. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: „Das Dreimäderlhaus", Operette in 3 Akten, Musik nach Franz Schubert, in neuer Inszenierung (Leitung: Wrede- M o e h l - D ä u l k e) als 19. Vorstellung im Freitag-Abonnement morgen von 20 bis 23 Uhr. Operetten-Preise. Schülerkarten haben Gültigkeit. — Am Samstag, 18. Februar, 15.45 Uhr, zum letztenmal: „Hamlet", Trauerspiel von Shakespeare (Spielleitung: Oberspielleiter Peter F a s- s o 11). Ende 19 Uhr. — Am Sonntag, 19. Februar, 18.30 Uhr, als Fremdenvorstellung Wiederholung der Operette: „Das Dreimäderchaus". ermäßigte Operetten-Preise. Ende 21.30 Uhr. — Deutsche Zungenschaft auf den Schlachtfeldern der Westfront. Man schreibt uns: Der Stamm „Ulrich von Hutten" der Christlichen Pfadfinderschaft Deutschlands veranstaltet am kommenden Samstag, 18. Februar, Im Reuen Studentenheim. Leihg«sierner Weg. «inen Bündischen Abend, der vom Fahrterleben deutscher 2ugend auf den Schlachtfeldern des Großen Krieges zeugen soll. 2n über 100 eigenen Aufnahmen werden die blutgetränkten Gefilde im Westen gezeigt werden: Hactmannsweller Kopf, Vogesen. Verdun, Argonnen, Champagne, ReimS, die so vi< Heldentum sahen. Die Fahrt entsprang dem Gedanken, ein Land kennenzulernen, das einmal deutsch war. das Elsaß, und die Toten des Weltkriege- zu ehren, die um Deutschlands willen fielen. Sie wollte Delennt- niS hündischer Zungenschaft und 2ungmannschaft zum Erbe dieser Frontgeneration sein. Es spricht u. o. auch der Landesmarkführer Groß-Hessen/ Pfalz, Pfarrer Schäler» Dad-Rauheim, über Weg und Ziele bünd.scher Jugend. Die Zungen der Gruppe werden den Abend mit Fahrten- und Soldatenliedern und einem Sprechchor: „Vom Ruf des Reiches" gestalten helfen. Man beachte die heutige Anzeige. * ** D on der Landesuniversität. Der auß.rordentliche Professor an der LandeSuniver- Ntät Medizinalrat Dr. Heinrich Walther wurde auf sein Rachsuchen vom 1. April 1933 in den Ruhestand versebr. *• 3 n den Ruhestand verseht. Der KreiSayt Obermedizinalrat Dr. Wilhelm Zinst e r beim Kreisgcsundheitsamt Gießen wurde aus sein Rachsuchen mit Wirkung vom 1. April 1933 in den Ruhestand versetzt. ** D ie Arbeiten der Lahnkanalisierung, die gegenwärtig an der Lahn unterhalb des Elektrizitätswerkes im freiwilligen Arbeitsdienst durchgesührt werden, machen gute Fortschritte. Don den zu bewältigenden 475 laufenden Metern Ausschachtungsarbeiten sind etwa 50 Meter bereits geschafft. Die Zugendlichen, die sich hier zu gemeinnütziger Arbeit zusammen» gefunden haben, arbeiten unverdrossen. Die Arbeit ist nicht leicht: das lehmige Erdreich ist naß und dadurch doppelt schwer, der Boden zäh. Aber ein Wagen nach dem anderen rollt vollbcladen über die Schienen zur Seite, Stück für Stuck wird das Erdreich gelost, immer weiter schiebt sich die Drücke, auf -der die Schienen liegen, In der Richtung nach dem Schlachthof zu. 3n dem tief ausgeschachteten Teil des Flußbettes hat sich teils durch den hohen Grundwasserstand, teils durch Regen und Schnee viel Wasser angesam- melt, so daß man sich gezwungen sah, einen besonderen Kanal seitlich abzustcchen, durch den das Wasser nach der etwas tieferliegendrn Lahn ab- fließt. Das Flußbett, das sich jetzt im blanken Erdreich darbietet, wird später mit. den vorher auf großer Fläche ausgestochenen Rasenstücken befestigt werden. Immer wieder gewinnt man den Eindruck, daß hier ein Stück Arbeit geleitet wird, dessen Wert und Bedeutung groß ist. Ecsreulich ist es. daß die jungen Leute mit unverminderter Freude und Lebendigkeit bei der Arbeit sind. Manches Scherzwort wird laut; die sinnvolle Beschäftigung wird befreiend empfunden. ** Letzte Wiederholung von „Hamlet" als Schüler- und Volksvorstel» lung. Aus dem Stadttheaterbüro teilt man uns mit: Die Intendanz hatte ursprünglich die letzte Ausführung des Trauerspiels „Hamlet" von Shakespeare für Samstag, 18. Februar, nur als Schülervorstellung angeseht. Da aber auch aus den Kreisen der sonstigen Theaterbesucher große Rach- frage nach Karten besteht, hat die Intendanz sich entschlossen, die letzte Ausführung dieses Klassikers als Volksvorstellung zu erweitern. Es gelten für Schüler Schülerpreise, für Erwachsene Volksvor- stellungspreise. ** Uebertragung der Frankfurter Hitlerrede durch den Südwest funk. Reichskanzler Adolf Hitler wird am Donnerstag, 23. Februar, in der Frankfurter Festhalle in einer nationalsozialistischen Wählerversaminlung sprechen. Aus diesem Anlaß sendet der Südwestfunk um 20 Uhr zunächst einen einführenden Funkbericht von der Fcsthallen-Kundgebung, den Dr. G ö b b e l s geben wird. Daran anschließend wird um 20.30 Uhr die Rede des Reichskanzlers übertragen. •• Brennholz-Versteigerung d e r Stadt Gießen. Bei der gestrigen Brennholz- Versteigerung in den Waldungen der Stadt Gießen (Försterei Wieseck. die letzte Versteigerung im Hangelstein) wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Buchenscheiter l.Kl. je Raummeter 8,60 Mk., Buchenscheiter 2. Kl. je Raummeter 5,40 Mk., Eichen, scheiter 1. Kl. je Raummeter 5,60 Mk, Fichtenschel« ter 2. Kl. je Raummeter 4 Mk., Duchenknüppel je Raummeter 6 Mk., Ahornknüppel 6 Mk., Buchen» stocke 5,60 Mk., Fichtenstöcke 2,20 Mk. je Raummeter, Buchenreisig 3. Kl. je 100 Wellen 14 Mk., Fichten- reisstangen 4. Kl. je Stück 0,25 Mark. Die Fortschritte im deutschen Luftverkehr. Trotz des Rückganges der Flugleistung im innerdeutschen Luftverkehr sind im Jahre 1932 Beförderungsergebnisse erzielt worden, die einen erfreulichen Fortschritt bar- stellen. Die Zahl der zurückgelegten Personenkilometer hat sich im Jahre 1932 gegenüber dem Vorjahre um rund elf Prozent erhöht. 86 678 Passagiere benutzten die Verkehrsflugzeuge, wahrend im Vorjahre dieses Verkehrsmittel nur 82 893 Personen beförderte. Auch in der Gepäck- beförderung ist eine Steigerung zu verzeichnen, die sogar 15 Prozent aus macht. Es wurden nämlich 777 825 Kilogramm Fracht gegen 675 175 Kilogramm im Vorjahre befördert. Der 2ujt- expreßdienst. namentlich nach England. Frankreich und Skandinavien, ist als Folge der Erhöhung der Zollmauern beträchtlich zurückgegangen Aus dem Darmstädter Voltebank-Prozeß. WSR. D a r m st a d t, 15. gebe. 3m Darmstädter Dolksbankprozeh wurde heute die Vernehmung des Zeugen Bankbeamten Mager fortgesetzt- Er gibt an, daß seine Schuld aus Spekulationsgeschäften dem Aufsichtsrat offiziell erst bekannt wurde, als er bereits die Dank verlassen hatte. Schon vor dem 3ahre 1928 bestand in den Kreisen der Angestelltenschaft das offene Geheimnis, daß viele Kunden ihr Konto Überzogen hatten und mit unwahrscheinlich hohen Krediten belastet waren. Die Großbanken hätten stark zur Spekulation animiert, leider hätten sich viele ihrer Tips nicht erfüllt- Auf Vorhalt des Staatsanwalts, daß seine Bekundung vor dem Untersuchungsrichter viel belastender für die Angeklagten waren, er- llärt der Zeuge, daß er, den man draußen als Kronzeugen anspreche, damals In seiner Verärgerung über Auseinandersetzungen mit Direktor Weiler manches zuviel gesagt habe. AuS der Vernehmung der Zeugin D a r t h e l, die seit 14 Jahren bei der Vollsbank beschäftigt unb Sekretärin in der Direktion ist, ist besonders interessant, daß seinerzeit auf Anregung des DerbandsrevisorS Schneider Debitorenlisten aufgestellt wurden, um jederzeit die Verbindlichkeiten der Dolksbank feststellen zu können. Als dann Gerüchte über den wackligen Stand der VollSbank umliefen, habe sie auf Geheiß bei Direktors Weller einen Teil der Debi - torenlisten verbrennen muffen, weil Direktor Weiler den Verdacht hegte, ein Bankangestellter könne aus der Schule plaudern. Wahrscheinlich aus Rücksicht auf die Kunden fei die Vollsbank in 10 bi- 12 Fällen in der Rangstelle der Sicherung zurückgetreten. Der Zeuge Bankbeamte O st e r t a g leitet seit 1928 die Effektenabteilung. Damals seien, betont er, die Ef- fektcnkonten dec Angestellten bereits zum größten Teil in der Abwicklung begriffen gewesen und neue Geschäfte wurden kaum noch getätigt. Roch anfangs 1930 feien für Direktor Decker mehrere Geschäfte getätigt worden, ohne daß für Kunden vorgeschriebene Duchungen erfolgten. Die Beweisaufnahme wird am Donnerstag fortgesetzt. Buntes Allerlei. Gefilmter Steckbrief. Ein Steckbrief, wie er gewöhnlich erlassen wird, wäre sehr zu vervollkommnen, wenn man von dem Verbrecher eine kinematograt-httck-» Aufnahme vorführen könnte, die ihn beim Spreche., in lebhafter Bewegung, mit allen Ei.^^tten seiner unbewußten Haltung Wiedergabe. 3n den Vereinigten Staaten ist die Polizei dazu übergegangen, Personen nicht nur in das Verbrecheralbum aufzunehmen, sondern von ihnen ein Filmbild her- zustellen. Wenn dieser Mann dabei später von neuem die Gesetze verletzt und aufgespürt werden soll, bann kann die Vorzeigung eines solchen Silms In zahlreichen Kinos 1n ganz anderer Seife seine Erscheinung vergegenwärtigen, als dies bei einer gewöhnlicyen Photographie möglich ist. Es ist allerdings nicht leicht, einen „Unter- weltler" dazu zu bringen, daß er seine ganze Persönlichkeit auf diese Weise offenbart. CS müssen dazu sehr geschickte Tricks angewendet werden, denn gewöhnlich suchen sich Verbrecher beim Photographieren dadurch zu schützen, daß sie Grimassen schneiden und sich dadurch unähnlich machen. Die Filmaufnahme erfolgt deshalb so. daß der „Star" davon nicht- ahnt, sondern daß plötzlich angefangen wird, zu drehen und die Aufnahme schon beendet ist, wenn der Verbrecher erst die ihm drohende Gefahr richtig begreift. Väter haben immer Recht! Wie stark der Ahnenglaube und die damit verbundene Verehrung deS VakerS noch immer in Japan ist, zeigt das Urteil, das kürzlich ein japanischer Dichter fällte. Ein Rechtsanwalt hatte in Tokio eine Klage gegen seinen Vater eingc- bracht: er behauptete, daß da- Familienoberhaupt Gelder der Familie, über die er nicht daS Verfügungsrecht hatte, für sich verwendet habe, und forderte einen Erlaß, der ihn an der weiteren Vergeudung deS Famil'.enguteS hindere. Der Richter lehnte aber die Klage ab, ohne di» Verhandlung zu eröffnen, und zwar mit folgender Begründung: „Die Verehrung des Vater- lst eine bet Haupttugenden des japanischen Volke- und die Wurzel sittlicher Zucht. Söhne bleiben immer Löhne, auch wenn sie glauben, ihre Eltern hätten Unrecht getan. Eine Kritik des Vaters steht dem Sohn nicht zu: er kann nicht Richter der Handlungen deS Vaters sein, und für ihn muß der Vater immer Recht haben. Dieser Grundsatz lebt in unseren Gesetzen und muß aufrecht erhalten werden auch in diesen Tagen fremder schädlicher Einflüsse. Da da- Strafgesetz dieVer- folgung der Eltern durch ihre Söhne und Töchter verbietet und auf Vater, oder Muttermord besonders schwere Strafe legt, so ist es berechtigt, diesen Grundsatz auch in Zivilsachen anzuwenden: die Klage wird daher abgewiesen." Alte Dinge in neuer Zeit Unpolitischer Brief aus der Reichshauptstadt. bescheidenste Büro — bas hat doch wohl kein Recht darauf, sich Haus zu nennen? Wie sieht es denn aus? Dutzende von großen Firmen haben noch zu den Zeiten der Konjunktur aus Reklamegründen umfangreiche Grundstücke gekauft, kostbare zehn- bis zwölsstockige Gebäude errichten lassen, die in leuchtenden roten und blauen Glasbuchstaben ihren glorreichen Namen verkünden. Da sie aber beim besten Willen auch in den günstigsten Zeiten nicht in der Lage waren, mit ihren Büroräumen alle zwölf Stockwerke zu füllen, kalkulierten sie von vornherein so, daß sie Zweidrittel der freibleibenden Stockwerke an andere Unternehmen vermieten wollten, denen zu Pro- vagandazwecken auch die teuerste Miete nicht zu tzoch war. Als die Gebäude freilich fertig waren, herrschte schon die Depression; die hilfreichen Unter- nehmen ließen sich nirgendwo blicken, und nur ganz selten gelang es den Mutterunternehmen, ihre Fehl- spekulation durch gelegentliche kärgliche Mietkontrakte auszugleichen. So war es im Westen wie am Akxanderplatz, in Neukölln wie in der City. Ein einziges Haus macht eine vorteilhafte Ausnahme. Es steht am Potsdamer Platz und nennt sich vermutlich deshalb „Colümbus-Haus" weil feine Besitzer das Ei fanden, das ihnen ermöglichte, trotz Krise und Notzeit 80 verschiedene Mietparteien in seine zehn Stockwerke zu pferchen. Diese 80 Herrschaften sind vielleicht weniger auf Glanz und Re- Präsentation bedacht als darauf, auf wenig Raum möglichst hell und freundlich hausen zu können. Man findet dort ein Aerztekollektiv, das gemeinsam ein Wartezimmer und ein paar Sprechzimmer umschichtig benutzt, was von immerhin zehn Personen höchst raffiniert ausgerechnet werden mußte. Man findet eine Reihe von Handelsvertretungen, Re- klamebüros, Maklern, Detektiven, Rechtsanwälten. Schräg gegenüber von den Detektiven hat sich finni« verwerfe ein Bankunternehmen niedergelassen. In holder Eintracht hausen ein Kunstgewerbeatelier und ein Biehgroßhändler auf einem Flur. Ein Graphologe macht einem Friseur Konkurrenz. Ein Wettbüro und eine Sparkasse, ein Architekt und ein Schneider, mehrere Pressevertretungen und ein Schreibmaschinenbüro sind bunt und witzig durch- einanbergemürfelt. Als Krönung der ganzen Angelegenheit sollen noch einige RestaurationsbetriebE sich in diesem Hause ansiedeln, sobald die Konzession erteilt ist... Trotz allem: Berliner Konditoreien. „Noch immer sieht man unsere Holden mit der ganzen respektiven Familie, mit Vater, Mutter, Tante, Brüderchen und Schwesterchen von einem Äonditorladen nach dem anderen wallfahrten, als wären es Pafsionsstationen. Dort besehen sie sich die Ausstellung, eine Menge Zucker- und Drageepüpp- chen, die harmonisch nebeneinander aufgestellt, rings beleuchtet, von vier perspektivisch bemalten Wänden eingepfercht, ein hübsches Gemälde bilden. Ich hab« eine Menge dieser Konditorladen mit durchwandert, da ich nichts Ergötzlicheres kenne, als unbemerkt zu- zufchauen, wie sich die Berlinerinnen freuen — wenn es mir auch selbst durchaus keine Freude macht, meinen Kuchen vor vielen Spiegeln zu essen und wenn auch die bedienenden Jungfräulein zumeist noch älter sind als der Kuchen selbst. Auch kann man kein Wort im Vertrauen sprechen, sonst hört es der Nachbar, so eng stehen Tische und Stühle ..." Diese Feststellung wurde nicht heute, sondern vor rund hundert Jahren gemacht — und der sie niederschrieb, war ein in Berlin etwas anrüchiges Subjekt, ein gewisser Heinrich Heine. Nichtsdestoweniger ist man bei einem Rundgang durch die Berliner Stadt häufig erschüttert, wie aktuell diese Beobachtung heute noch immer ist. Berlin hat In den letzten zwanzig Jahren sein Gesicht dutzende von Malen geändert. Kein Zwerg Nase, der nach sieben Jahren Abwesenheit in diese Stadt zurückkehren würde, wäre in der Lage, sie wiederzuerkennen. Aber die kleinen, engen, altmodischen, traditionsgeschwängerten Konditoreien an allen Ecken dieser merkwürdigen Stadt sind geblieben, vielleicht als das einzig Zeitlose, als dos einzige Beständige im Wert von einer Taffe Kaffee mit Sahne. In ihnen kann man sich eine halbe Stunde niederlaffen. wie in einem sicheren Port und kann dem undeutlichen Straßenlärm, der von draußen kommt, so zuhören, wie man das Meer le einer Muschel klingen hört... Tod eines Schauspielers. Vor ein paar Tagen ist in feinem möblierten Zimmer im Osten Berlins ein alter Schauspieler gestorben. Er war ein wenig über 60 Jahre alt. Seinen Namen zu nennen, hätte wohl keinen Zweck. Denn es war ein Name, den wohl kaum ein Mensch auf der Erde kannte. Es war ihm in der letzten Zett wirtschaftlich nicht besonders gut gegangen. Er hatte ein Engagement an einer Berliner Bühne wenige Wochen zuvor verloren. Trotzdem erzählen feine Nachbarn, er sei fast heiter an der Grippe gestorben, zu der dann noch ganx zuletzt eine Lungenentzündung hinzutrat. Warum hatte er sein Engagement verloren? Er hatte etwas getan, was mit der heutigen Zeit, dem heutigen Theaterbetrieb, den heutigen Sitten und Gebräuchen in krassem Gegensatz steht. Er, der Statist an einer Berliner Bühne, hatte mitten in einer Vorstellung von sich aus eine Rede gehalten, eine kurze Rede zwar, aber eine Rede, die die Direktion des Theaters derart verblüffte, daß sie ihn vor Schreck fristlos entließ. Man gab ein Stück, „Cromwell" mit Namen. Dieses Stück handelte von der Geburt der englischen Republik, von der blutigen Niederschlagung der Revolution, von der Aburteilung der Freiheits- Helden vor dem hohen Tribunal. Auf dem Theaterzettel war neben den klingenden Namen der Stars ganz unten, ganz bescheiden, vermerkt: „Volk, Adlige, Gefangene". Wer diese Namenlosen aber verkörperte, das verriet die Direktion nicht. Es genügte, daß sie zur Erfüllung des Bildes je nach den Anweisungen des Regisseurs zähneknirschend ober .Hoch" rufend den Rundhorizont entlangspazierten. Im dritten Akt gab es eine Gerichtsszene. Die Schauspieler, ihres Zeichens Helden und Revolutionäre, wurden mit Stumpf und Stiel zum Tode verurteilt. Desgleichen einige Komparsen. Der Vorhang sollte über eine todgeweihte, trifte kleine Gesellschaft fallen, die von den stämmigen Wärtern in ihre dumpfen Zellen abgeschleppt werden sollten. Do drängte sich plötzlich unmittelbar vor dem Fal- kn des Vorhangs eines Abends eine Gestalt aus dem Hintergrund ins Rampenlicht. Sie hatte den Arm emporgeworfen. Sie sprach mit rollender Stimme: „Hall, ihr Schergen! Ihr könnt uns wohl um einen Kopf türjer machen. Unsere Ideale jedoch könnt ihr niemals, niemals aus der Welt ausrotten. Es lebe der Freiheitskampf des engllschen Volkes! Es lebe die Republik!" Das Publikum, das wohl zu ahnen begann, daß hier eine Improvisation vorlag, stand vor Verwunderung von seinen Sitzen auf. Es applaudierte minutenlang. Der unbekannte Schauspieler, dessen Namen niemand kannte, stand noch einen Augenblick im grellen Licht, hingerissen, mit leuchtenden Augen. Dann räumt« ihn der Vorhang fort. Am anderen Tag stand — wohl auf Veranlassung der Direktion — in den Zeitungen zu lesen, es habe sich hier nicht um eine volitische Manifestation gehandelt, sondern wohl eher um den Ausbruch von Geltungsbedürfnis eines alten Schauspielers, der nach jahrzehntelangem Komparsendasein noch einmal in feinem Leben am Rampenlicht stehen wollte. Die Zeitungen gaben begütigende Kommentare, sie legten der Direktion nage, den alten Mann nicht zu maßregeln. Dies scheint nun doch geschehen zu sein. Aber seine Mission war erfüllt. Noch einmal hatte er, wie eine Vision, bk große Sache „Theater" erlebt. Noch einmal hatte er im Mittelpunkt gestanden, als Star, als Liebling, als König. Dann konnte ihn sogar eine durchschnittliche, durch Unterernäh' rung begünstigte Grippe aus der Welt fortnehmen, die ihm nun nicht mehr viel zu sagen hatte. Arbeitslose Wolkenkratzer. Als wir früher Klavierunterricht hatten, lernten wir unter anderem auch das Lied von den Burgen, stolz und kühn, die an der Saale Hellem Strande stehen sollen. Ihre Dächer seien zerfallen, brachte man uns bei, der Wind striche durch die Hallen, und das, was darüber hinzöge, seien allenfalls noch Wolken. Ich weiß nicht, warum mir dieses Lied im Augenblick einfällt, wenn ich die Berliner Hochhäuser betrachte, die, modern und schlank, im Lauf der letzten fünf Jahre in ollen Zentren Berlins aus dem Bo- ! den gewachsen sind. Sie hohen etwas unendlich I Melancholisches an sich. Denn ein Haus, in dem kein l Mensch sich angestedelt hat. noch nicht einmal das :6 1« ft. m ch 18 er He a- cll ur irt m- Us i titln ar. rbe ian gen der dcs irlfl icm cu- zur duft hie- ger Die ,end- den. ume. 200 uird. äffen -laus irge- per eben« I sin- ätzen, Ar- >chen, sorge ,iakn junge n sich chsten h er- iefige buid) g mit weit inaus verke. rts - te um ' er» 5, be- Vcr- zum rt feit pntal- s Ge- ..Cä» r. der nges- d das e für it hier leider Zwei Man- rbenS- stor » u s e n Hus- beffen t» wei» Wet- b nach Durch rdings : über liebige blichen in ab» Druck »Ifigcm m sich später» liebet» ig und rocken. Helfad) ig und mild, 3 Grad lorgens nimum 10 cm . März: 1,0 mm. S.Ji.-'fport Hindenburgpreis für den Segelflieger Wolf Hirth. Der Hindenburgpreis zur Förderung des Segelfluges 1932 ist einstimmig dem Diplomingenieur Wolf Hirth (Grunau) in Anerkennung seiner sportlichen und wissenschaftlichen gleich zu bewertenden Leistungen zugesprochen worden. Westdeutsche Hochschul-Hanvbal! Me sterschast. Universität Köln wird Meister. In Köln-Mühlheim wurde die westdeutsche Handball-Meisterschaft der Hochschulen entschieden. Die beiden Universitäts-Mannschaften aus Köln und Münster lieferten sich eine ebenbürtige Partie, doch konnte die Universität Köln zum Schluß noch mit 5:4 (1:2) einen glücklichen Sieg herausholen. Tischtennis auf dem Lande. Grohen-Bufeck I — Großen-Llnden I 6:5. Das am vergangenen Sonntag in Grotzen- Linden ausgetragene Rückspiel endete mit einem knappen Sieg für Grohen-Buseck. Die einzelnen Ergebnisse: Einzelspiele: Rau—Bläh 21/16, 16 21, 22/20, 15 21, 21'18; Diertelhausen — Seipp 21/12, 21/15, 21/17; Stcinmüller — Volk 26/24, 11'21, 18/21, 16 21; Pfeiffer —Junker 21/9, 22z20, 19 21, 21/17; W. Schwalb — H. Luh 15 21, 13 21, 21 14, 11/21; Kümmel — W. Luh 24/22, 15 21, 21/19, 21 18; A. Schwalb — E. Schwarz 17 21, 21 17, 18/21, 15/21. Doppelspiele: Rau-Pfeiffer — Blah-Bolk 12/21, 21/17, 19/21, 22 20, 23/21; Stcinmüller- Diertelhausen — Seipp-H. Schwarz 21/8, 21/14, 21 17; Schwalb W.-Schwalb A. — Luh, Sy - SchwarzE. 21 23, 20/22, 14/21; Kümmel-Pfeiffer — Luh W.-Junker 19/21, 12/21, 19/21. Kurze Sportnotizen. D i e Deutschen Ski-Meisterschaften sind wegen der ungünstigen Schneeoerhältnisse in Freudenstadt um eine Woche auf die Tage vom 24. bis 26. Februar verschoben worden. Verlegt wurde auch der Abfahrtslauf auf dem Feldberg im Schwarzwald. Er wird am 29. Februar stattfinücn. * Di e Toronto Nationals, die kanadische Eishockeymannschaft, die an den Weltmeisterschaften in Prag teilnimmt, trug ihr erstes Spiel auf europäischem Boden in Liverpool aus, wo sie eine englische Auswahlmannschaft mit 6:2 schlug. In ihrem zweiten Spiel konnten die Toronto-Kanadier gegen die Oxforder Studentenmannschaft nur 1:1 unentschieden spielen. A n den Eishockey-Weltmeisterschaf- t e n in Prag, die am kommenden Samstag beginnen, nehmen nun endgültig die folgenden Länder teil: Kanada, USA., Deutschland, Oesterreich, Belgien, Schweiz Tschechoslowakei, Rumänien, Italien und Polen. Schweden, der Verteidiger der Europameisterschaft, hat endgültig verzichtet. * Schneefall melden die meisten deutschen Mittelgebirge. Auch in der Rhön und in Teilen des Schwarzwaldes bestehen wieder Wintersport-Möglichkeiten. Deutsches Turnfest - Fest einer Ration. „So gehet denn hin, ihr unsere lieben Gäste und verkündet daheim, was ihr geschaut. Der- kündet, wie ihr bewegten Austausch der Gedanken und Gefühle in der Hebung der gemeinsamen deutschen Turnkunst empfunden und im tiefsten Herzen erlebt habt, dah wir zueinander gehören, dah wir ein Fleisch und ein Blut!" Kann man den Sinn der Deutschen Turnfeste reiner zeich-ea, als es Heinrich v. T r e i t s ch k e mit vorstehenden Worten in seiner Festrede zum 3. Deutschen Turnfest in Leipzig 1833 getan hat. Inzwi.chen sind viele Deutsche Turnfeste hingegangen, die Turnerschaft feiert in den Tagen vom Ä. bis 30. Juli 1933 das 15. in der Reihe. Immer sind sie eine Feier des Bekenntnisses, des Bekenntnisses zu Turnen und Daterland. Der innerste Antrieb für den einzelnen Teilnehmer ist der Wunsch, an diesen Festtagen als Mitglied der Turnerschaft für ihre Größe und Bedeutung einzustehen und mitzuhelfen, daß sich der Sinn des Turnens der großen Oeffentlichkeit darstellt. Wenn sie zu Dreihigtausenden gemeinsame Freiübungen machen, so geschieht es in diesem Augenblick gewiß nicht zur körperlichen Ausarbeitung, sondern eben als Befennfnis gemeinsamen Strebens, wie ein gemeinsamer Schwur der Ergebenheit und Pflichttreue. Rakürlich hat dieses Fest einen gediegenen turne- mfq>en Inhalt, dazu gehört naturnotwendigerweise auch die Krönung der Besten, also der Wettkampf der Meister. Die Gestalt dieser Wettkämpfe wechselt, sie entspricht jedesmal dem, was zur Zeit an For» men des Betriebes fest gegründet ist. Insofern sind die Deutschen Turnfeste ein Spiegel der Geschichte der Turnkunst. So enthielt schon das 1. Deutsche Turnfest in Koburg 1830 Wettlauf Hoch'prung, Schwimmen, Riegenturnen an Reck, Darren und Pferd, Ringen, Turnspiele und — Feuerwehrübungen. Das Leipziger Turnfest 1833 enthielt u. a. den "Lauf über ein griechisches Stadion" und ein „Steinstoßen mit Weitsprung" verbunden. Gemeinsame Freiübungen und Musterriegenturnen waren schon in jener Zeit in Brauch. Die Turn- seftordnung von 1907 brachte einen volkstümlichen Fünfkampf, Wettschwimmen, Fechten und Schaurudern. Das letzte Turnfest vor dem Kriege. Leipzig 1913. vereinte schon 65 000 Teilnehmer, bei einem Stande der Mitgliedschaft von 1 100 000. Das miL.bl®t Vorfeiertagen und sechs Hauptfesttagen die heutige zeitliche Größe. Die erste Feier nach Friedensschlutz, München 1923 brachte den Ausdruck turnerischer Erneuerung. Auf der Theresienwiese war ein regelrechter Sportplatz entstanden und alle Formen der Leibesübungen kamen zur Geltung, so daß 1928 in Köln nicht viel hinzuzufügen war. Das kommende Fest wird einen vollkommenen lieberblick über olle sommerlichen Zweige der Körperkultur gewähren. In diesen großen Feiern spiegelt sich aber nicht weniger als die Turngeschichte auch die Geschichte Deutschlands. Entstanden sind sie aus der Sehnsucht tzach dem „einigen, so schönen und herrlichen Daterland" wie es Theodor Ge- orgii in seiner Festrede vom Jahre 1860 ausdrückte. Diese Sehnsucht durchweht die Feiern Berlin 1861 und Leipzig 1863. „Richt ob es geschehen wird, steht die Frage, nur wann es sich vollenden wird", und „So wahr ist es, daß ein Dolk unfehlbar erreicht, was es begeistert und ernstlich will". „Wo der Staat noch zaudert, ein notwendiges Gesetz zu geben, wo er die Ehre der allgemeinen Wehrpflicht dem Dolle vorenthält, da treten freiwillig die Männer zusammen, da scharen sich die Schützen und unsere fröhliche Turnerschaft und lehren der Jugend die ersten Tugenden des Kriegers. Manneszucht und die Herrschaft über den gestählten Arm und festen Mut. das Daterland zu schirmen mit dem eigenen Leibe." So hat Treitschke in seiner schon genannten wundervollen Rede die Zukunft vorweggenommen. 2Us sich dann durch Bismarck das erfüllte, was für Jahn „Traum seines erwachenden Lebens, Morgenrot seiner Jugend. Sonnenschein seiner Manneskraft und der Abendstern" war, der ihm zur ewigen Ruhe winkte, da gewannen die Feste in steigendem Maße Größe und Glanz aus Deutschlands glücklicher Zeit. Aber ihre ganze Kraft zogen sie doch deutschem Schicksal gemäß, aus der deutschen Rot. Das Turnfest 1923 zu München mit seinen 220 000 Teilnehmern war ein solches elementares Kundtun der Gefühle innerer Unbesiegbarkeit. Die Turner des Rheinlandes liehen sich damals von der Besahungsarmee den weg zum Turnfest nicht sperren, sie schwammen, ihre Mahnen ge- schühk am Leibe, nächtlicherweile über den Rhein. Die Seiet 1928 von Köln mit 250 000 Besuchern toar dann zugleich öie Befreiungsfeier dieses gleichen Rheins von fremder Herrschaft, Hnd wenn die Turner in diesem Jahre-trotz aller Rot nicht minder zahlreich als früher ins schöne Stuttgart einziehen werden, so wird dies, dürfen wir hoffen, zugleich die Feier der wiedergewonnenen ganzen Freiheit fein. ^00 Jahre Laubacher Dezirlssparlaffe. a Laubach, 15. gebt. Am 9. April d. I. kann die hiesige Bezirkssparkasse auf ihr lOOjähtiges Bestehen zurückblicken. Hebet die Entwicklung der Kasse wird der derzeitige Direktor, Oberamtsrichter i. R. Zimmermann, eine Denkschrift verfassen. Mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Derhältnisse beschloß der Dorstand, von einer größeren Jubiläumsfeier Abstand zu nehmen und in der am 1. Oktober stattfindenden Hauptversammlung der 100jährigen Gründung in einfacher, aber würdiger Weise zu gedenken. Der Aufstieg und das außerordentliche Dertrauen, deren sich die Laubacher Dezirksspar- kasse erfreut, sind beredte Zeichen für ihre gute Verwaltung. 40 Jahre Veteranen- und Mlitärverein Groß-Eichen. n Groß.Eichen, 14. Febr. Am Sonntag feierte der hiesige Veteranen - und Mili- tat verein sein 40jähtiges Bestehen Dem Ernst der Zeit entsprechend wurde von einer größeren Feiet abgesehen. Am Vormittag besuchte der Verein geschlossen mit Fahne den Gottesdienst. Abends fand dann im Rahnschen Saale die diesjährige Hauptversammlung statt Der 1. Vorsitzende, Gg. Zimmer, begrüßte die sehr zahlreich erschienenen Mitglieder und widmete dem im vergangenen Jahre Heimgegangenen Gründungsvorsitzenden Johann Philippi und den im Weltkrieg gefallenen Kameraden herzliche Worte des Gedenkens. Hierauf folgte die Rechnungsablage durch den Rechnet O. I o st. Die Rechnung wurde gutgeheißen und dem Vorstand Entlastung erteilt. Aus Anlaß des Jubeltages konnte fünf Mitgliedern das Ehrenzeichen für 40- jährige Mitgliedschaft überreicht werden, und zwar den beiden noch lebenden Gründern K. Schmidt und Konrad Paul, sowie den Mitgliedern Aug. Hofmann, Wilh. I un g und Eduard Rahn, die gleich nach der Gründung dem Verein beigetreten waten. In bewegten Worten dankten die Jubilate für die ehrenvolle Auszeichnung. Dann wurden die Wahlen vorgenommen. Der gesamte Vorstand, sowie der Rechner und Vereinsdiener wurden einstimmig wiedergewählt. Ehrenvorsitzender K. Schmidt überreichte sodann einen von ihm dem Jubelverein gestifteten Ehrenfahnen- nagel, den der 1. Vorsitzende mH Worten be8 Dankes in die Obhut des Vereins nahm. Weiter wurden noch verschiedene Vereinsangelegenheiten erledigt, u. a. wurde auch die Gründung einer Kleinkaliber-Schühenabteilung ins Auge gefaßt. Als Schießleiter wurde Heintch Becker II. gewonnen. Der 1. Vorsitzende gab sodann einen Heberblick über den Verein feit seiner Gründung. Am 12. Februar 1893 wurde der Verein zur Pflege der Kameradschaft und der Vaterlandsliebe gegründet. Gründer waren: Johann Philippi (f), Karl Ellrich (f), Karl Schmidt, Konrad Paul, Konrad Rau (t), Heinrich Alt (f), Karl Stein (f) und Konrad Rühl. Dem jungen Verein traten alsbald einige Reservisten und die Veteranen von 1856 und 1870/71 bei. Stetig wuchs der Verein weiter. 1914 zogen viele Mitglieder ins Feld; 5 liehen ihr Leben in Feindesland (Ernst Schombcrt, Emst Hch. Faust, Emst Tröller, August Tröller und Emst Elbrich). Rach dem Kriege meldeten sehr viele Krieger ihre Mitgliedschaft an, so daß dssr Verein zur Zeit etwa 70 Mitglieder zählt. Der Vorsitzende schloß mit einem Hoch auf den Verein, den H'.ssiaverband und das deutsche Vaterland. Stehenv wurde das Deutschlandlied gesungen. Zollsekretär i. R. H o f - mann forderte dann zu reger Werbearbeit auf, um auch die zu gewinnen, die leider noch abseits stehen. Die Glückwünsche der Gemeinde zum Jubiläum sprach Bürgermeister F a u st in beredten Worten aus und schloß mit einem Hoch auf den Jubelverein. Es folgten sodann noch einige Stunden gemütlichen Zusammenseins. — Büchertisch. — Die Einkorn men st euererklarung 1 9 3 3. Hnter dem Titel „Die Einkommensteuer- erklämng und Körper, chaftssteuererklärung 1933" ist im Jndustrieverlag Spaeth & Linde, Verlin W 10, Genthiner Straße 42, eine Broschüre erschienen, in der die einschlägigen Fragen nach dem Einkommen- und Körperschaftssteuergeseh, den letzten Rotverordnungen und neuesten Erlassen behandelt werden. Alle Fragen sind an Hand von Mustereintragungen so eingehend erläutert, daß die Ausfüllung der Formulare für jedermann leicht fein wird. Das Heft, dessen Preis sich auf 1,45 Mk. beläuft, sei allen Interessenten zur Beachtung empfohlen. (45.) Wirtschaft. Der deutsche Außenhandel im Zanuar 1933. Qan* und Ausfuhr sind im Januar der Erwartung entsprechend stärker gefallen. Im einzelnen betrug die Einfuhr 368 Millionen Mark und die Ausfuhr 391 Millionen Mark, so daß der Monat Januar mit einem Ausfuhrüberschuß von 23 Millionen Mark gegenüber 68 Millionen Mark im Dezember abschließt. Gegenüber dem Dezember ist die Januareinfuhr um 55 Millionen Mark zurück- gegangen, davon entfallen auf Lebensmitteln 26 Millionen Mark, auf Rohstoffe 18 Millionen Mark und auf Fertigwaren 10 Millionen Mark. Der Rückgang der Januarausfuhr beträgt gegenüber dem Monat Dezember 100 Millionen Mark, wovon 88 Millionen Mark auf die Fertigwaren und 10 Millionen auf Rohstoffe und halbfertige Waren entfallen. Der Rückgang der Ausfuhr hat mehr oder weniger den Warenumsatz auf fast allen Gebieten getroffen. Es ist aber nicht zu erwarten, daß der in früheren Jahren beobachtete stärkere Rückgang der Ausfuhr im Februar sich im laufenden Jahre zeigen wird, da erst die nächsten Jahre,'wenn die eingeführten Verbesserungen der Handelsstatistik sich voll ausgewirkt haben, zeigen werden, welches der wahre Saisonverlauf- in Ein- und Ausfuhr um die Jahreswende ist. * * Verlängerung des Westdeutschen Zementverbandes um zweiJahre. In der Gesellschafter- und WerkbesiHerversammlung des Westdeutschen Zementverbandes, die am 15. Februar in Bochum stattfand, wurde der Lieferungsvertrag auf zwei Jahre bis zum 31. Dezember 1934 verlängert. Eine kurzfristige vorzeitige Kündigungsmöglichkeit ist für den Fall vorgesehen, daß ein Außenseiter auf dem Markt neu erscheint und den Versand von Zement aufnimmt. Sranffurfer Abendbörse uneinheitlich. Fr ankf urt a. M., 15. Febr. Auf die erneut schwachen Reuyorker Eröffnungskurse reagierte die Abendbörse mit stärkster Zurückhaltung. Die amerikanischen Dankschwierigleiten fanden wegen ihrer mehr lokalen Bedeutung nur noch wenig Beachtung, dagegen zeigte man sich im Hinblick auf die weitere innen- und außenpolitische Entwicklung besorgter. Infolge der Enge der Märkte erfuhren die Kurfe im vergleich zu dem Berliner Schluß nur unbedeutende Veränderungen. JG.- Farben blieben mit 107,25 Prozent knapp gehalten. Siemens waren dagegen leicht erhöht. Am Rentenmarkte eröffnete die Reubesitzanleihe mit 9,15 Proz. unverändert, während Reichsaltbesitz und späte Reichsschuldbuchforderungen die erholten Schlußkurse des Mittagsverkehrs nicht ganz hielten. Am festverzinslichen Marit zogen Deutsche Kommunal-Sammel-Ablösungsan- leihe l um 1,50 Prozent auf 61,5 Prozent an. Von fremden Werten blieben türkische Anleihen trotz niedrigerer Pariser Kurse fest. Reubesitzanleihe 945, Altbesitzanleihe 67,13, 6proz. Stahlverein- Vvnds 68,25, 4proz. Schuhgebietsanleihe 6,35, 4- Prozentige Türken Bagdad-Bahn Seriell 6, Reichsbank 147,75, Gelsenkirchen 58, Harpener 88 25, Kali Aschersleben 113, Mannesmann 60, Rheinstahl 74,25, Stahlverein 35 bis 34,75, Bekula 119,38, Gement Heidelberg 50, Ehern. Albert 58, Scheideanstalt 154,75, Licht & Kraft 91,50, IG - Farben 107,25, 2G.-Farben-Bonds 98,50, Siemens 135,25, Hapag 17,25. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 15. Febr. Die Veröffentlichung der Vollstreckungsschutzverordnung für die Landwirtschaft löste an der heutigen Getreidebörse zwar einige Zurückhaltung aus, doch war die Grundstimmung in Erwartung weiterer Agrarmaßnahmen und auf Grund der höheren Preise in Berlin etwas fester. Das Angebot war gering, aber auch die Rachfrage hielt sich in sehr engen Grenzen. Die Hmsatztätigkeit beschränkte sich nur auf die Deckung des notwendigsten Bedarfs, zumal auch vom Mehlmarkte, an dem die Forderungen um 0,25 Mark per Doppelzentner erhöht waren, keine Anregung ausging. Das Futtermittelgeschäft war sehr ruhig bei knapp gehaltenen Preisen. Cs notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen 204, Roggen 163,50, Sommergerste für Brauzwecke 177,50 bis 180, Hafer (inl.) 130 bis 135, Weizenmehl (südd. Spez. 0 mit Austauschweizen) 28,75 bis 29,75, do. Niederrhein. Spez. 0 mit Austauschweizen 28,75 bis 29,75 Roggenmehl, 60prozentige Ausmahlung 22,75 bis 23,75, Weizenkleie 7,40, Roggenkleie 7,85 bis 8 Tendenz: stettg. In Handelsklassenware fanden Abschlüsse nicht statt. Sranffurt a.M. Berlin furd fünf b»rs- bör e 14.2- I 15.2. 14.2- 15.2. 108,13 107,4 48,25 48,25 4,65 4,6 4,9 4,5 0 37 36,5 28,75 28 28 142 I 142,25 142.5 Die hinter den 194,5 74,65 0 6 6 48 50 35,9 15,75 115 117 171,5 5 0 v io 0 5 0 0 26,5 80 92,5 52 78.25 98,5 86.5 135,25 116,75 150 106 45 60 23,5 26,5 80,5 91,5 51,5 26,65 81,75 92,5 52,25 23 37 34,75 15,75 113 115 170 28,5 68 38,5 47 49,5 26 101,75 38,5 46,13 50,5 114 23 38 41,5 37 141 37,65 42,5 35,5 79 99 87,5 132 118 7 10 0 0 0 35,25 15,75 114,5 117,5 171 47,75 50 38 43,75 35,13 47,5 91,25 58.25 89 80 99 87.4 132,75 118 46,5 89,75 57,75 88,75 53 149,5 105,75 44,65 60,13 24 68,9 34,75 192 75 38,25 47 50,5 27 46,75 89 58 88,25 26,75 81 91,25 51,13 106,9 155 38 43,25 35,25 35 15,65 112,5 114,5 170 106,5 46,13 60,25 24 70 35,65 195 74.25 22 37,25 Buderus .... Deutsche Erdöl 101,25 39 46,5 49,75 26 112,5 22,5 37,13 40,25 36,75 139,9 151,5 106,25 46 60.4 23,5 78,5 99 87 134,75 116,65 A.E.G (Helft. Lieserungsgesellschast"'.' Licht und Kraft ............ Reiten & (HuUleaume Gesellschaft für Elektrilche Unternehmungen ............... Rheinische Elektrizität . Schucken & Go.............. Siemens & Halske Labmeyer L Lo....... 48 91 59,13 88,5 53,9 107,25 154,75 37,5 42,5 35,13 34,5 191 74.25 3 G. Farben-Jndustrie Scheideanstalt........ Goldschmidt Rüigerswerke Metallgesellschaft Devisenmarkt Berlin - Frankfurt cl Ht Datum •■Kereintflte Stahlwerke........ Olavi Minen ............... Kaliwerke Aschersleben Kaliwerke Westeregeln Kaliwerke Salzdetfurth Philipp Holzmann o| Zementwerk Heidelberg d Lementwerk Karlstadt.........o Maytz L Drehtag ............o| Mannesmann-Röhren .. ManSselder Bergbau ... Oberschlei. KokSwerke... Tchönix Bergbau....... Rheinische Braunkohle, Rheinstahl Gelsenkirchener y Harpener.............. o H°e!ck> Lisen-Köln-Neuesken.. 0 Ilse Bergbau . .... 3lfe Bergbau Genüsse .. Klötknerwerke ......... Gritzner....................oi Mainkraftwerke Höchst a.«. ... 4 Süddeutscher Zucker e Schultheis Patzen Hofer 0 Slku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 Bemberg................. 0 Zellstoff Waldhof 0 Zellstoff Aschaffenburg 0 Dessauer GaS...............7 Daimler Motoren Deutsche Linoleum y Orenktein & Koppel 0 Leonhard Tietz g Thade........................ Schluß. -openo» . 7 . 0 . 0 . n . 0 . 0 .10 . 0 NU Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt deschlosfenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H.. Lombardzinsfuß 5 o. H. Zramfun a. 2)1. Berlin Schluß- kurs Schlußf. Abend- börs- Schluß« lurs Schluß!. Mittag« böi-se Datum 14-2. 15.2. 14.2. 15-2 6% Dennche Retchsanleche v. 1921 ebem.7% Di. Reichöanl. v. 1929 79 94 79.5 94 79,25 79,75 Doung-Anleihe von 1930 Deutsche Anl.-Ablos.-Zchuld mii 80,5 30 81 79,5 Auelos.-Rechten 67 67,13 9,15 67,9 9,2 67,4 De Sgl. ohne Anslos.-Rechte..... 9,13 6% ebem.8% Hess. BolkSstaat 1929 9,15 (ruckzahlb 102%) ... 76,25 76,75 Oberhofen Provinz-Anleihe mit 77 77 Auslos.-Rechten ............ Deutsche Komm. Sammelab I.An — — — — leihe Seriei mit Auslos.-Rechten S% fhem. 8% tzranks. Hyp.-Ban, 61,75 61,5 61,75 60 Golbpfe. 15 unkündbar bis 1935 8% ehern. 7% ftranis. Hyp.-Banl 84,25 83,65 — • — Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 6V:% eben,. 4Yt% Franks. Hyp. Bank-Liqu.-Psandbriese 84 85,75 83,25 86 — — 6%% etjem. 4yt% Rheinische Hyp.-Bank-Liau.^oldpse. 6% ehern. 8% Pr. Landespiand 86 85,5 — — briefanfiall, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landeepsand — 83,5 84,9 84,25 briefonflafl, Pfandbriefe Ä. 10 84 84 — — 4% Oefterretchiscde (Solörenie... 17,75 12,25 4,20% O österreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente...... _ 4% Ungarische SiaaiSrente v. 1910 _ 4’4% desgl. von 1913 — 6% abgeli. Goldmexikaner von 99 *% Türkische Zollanleihe von I9n 6,4 5,45 5,35 6,5 5.4 6,65 5,35 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1 . .... 4% desgl. Serie II ............ 5,9 6 5,95 5 95 5,9 5,95 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 6,9 6,3 414%Rumän.oereinh.Rentev.l913 10,9 10.9 10,9 5,75 25,6 4% Rumänische vereinh. Rente .. •%% Anatolier ............... 5,75 75,25 5,7 11 1 5,75 25.5 I .vraniiUr. u. «w. öeriui Echluß- kurs Echlußk. Abend- börfe Schluß« kurs Schlußk. Mittag« börse Datum 14.2. 15.2. 14.2. 15.2. Hamvurg-Amenla-Pakei ..... 1 17,25 17,25 17.25 17,25 Hamburg-Cüdam. Dampfschiff. 0 37 40 Hansa Dampfschiff.......... 0 — _ 32 32 25 Norddeutscher Lloyd ......... 0 17,65 17,5 17,5 17.4 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 41 40 40,5- 41 95 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 97 97 97,75 97,75 Commerz- und Prioat-Bank... Deutsche Bant und DiSronto- 0 53 53 53,5 53,5 Gesellschaft................ Dresdner Bank.............. 0 72,5 61,5 148 71,75 61,5 147,75 72,25 61,5 148,65 71,75 61,5 148,4 Reichsbank ................. 1 14- Februar 15.Februar Amtliche weid Notierung 1 »rie Amllichk Geld Notierung ?ric Helsingiors. 6,394 6,406 6,394 6,406 Wien...... 48,45 12,465 48,55 48,45 48,55 Prag-.-.. 12,485 12,465 12,485 Budapest ... — — — Sofia..... 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland .... 168,93 169,27 74,07 168.93 169,27 Oslo....... 73,93 73,93 74,07 Kopenhagen. 64.34 64,46 64,34 64,46 Stockholm.. 76,87 77,03 76,52 76,68 London ..... 14,46 14,50 14,46 14,50 Buenos Aires 0,833 0,837 0,833 0,837 4.217 Nenyork.... 4,209 4,217 4,209 Brüssel.... 58,56 58,68 58,57 58,69 Italien..... 21,505 21,545 21,505 21 545 Parts..... 16,43 16,47 16,445 16.485 Schweiz ... 81,14 81,30 81,12 81 .98 Spanien... 34,52 34,58 34,54 34,60 81,83 0,871 Danzig----- 81,67 81,83 81,67 Japan ..... 0.879 0,881 0,869 Rio de Ian. 0,239 0,241 0,239 0,241 5,566 13,17 Jugoslawien Lissabon... 5,554 13,15 5,566 13,17 5,554 13,15 Banknoten. Amerikanische Noten.............. Belgische Noten................. 4,20 58,41 63,97 4.22 58,65 64.23 14 48 Dänische Noten ............... Englische Noten ................. Französische Noten............... Holländische Noten ............... 16,405 168,56 21.465 73,75 I69?24 21.545 74,05 Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, h 100 Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten............... 2,46 76,35 2,48 76,65 81,26 34,54 Schweizer Noten................. Spanische Note«............. . 34,40 Ungarische Roten................