Nr. 40 Erstes Blatt 183. Jahrgang Donnerstag, 16. Zebruar 1933 Lricheini «ügllch, autza Sonntags und Feiertag» Beilagen; Die Illustrierte (Bienener Familienblätter Heimat m Bild Die Scholl» IHonats-. Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RÄ.4 195 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. . - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt Sern|pred)anfd)lüffe anter Sammelnummer 2251. Anlchrrst für Drahtnach» richten Anzeiger Siehe». Postscheckkonto: ^ronnurt am Main 11686. GietzenerAiizeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn- Verlag: vrühl'fche Untverfitülr-Vuch- und Stetnöniderei R. tanne in Gießen. Zchristleitung und Geschäftritelle: 5chu!ltraße 7. Annahme oon Anze.geZ für die Tagesnummer bi« ZUM Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, ausmärt, 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“, mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Berantmortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein unbfür benTln» jeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Siegen. Frankreichs Kriegsindustrie iorpedieri die Abrüstung. Warum eine Aussöhnung zwischen Paris und 2Rom nicht zustandekam. Don unserem römischen ^-Korrespondenten. Dom, Mitte Februar. Ein Verhängnis will es, daß dem europäischen Frieden je. esmal, wenn er sich mühsam erheben will, von irgendeinem Tolpatsch ein Prügel zwischen die Deine geworfen wird. Der neue französische Botschafter in Rom hatte die besten Absichten. Er schickte einen Schwarm von Zeitungsherolden voraus, die verkündeten, daß er um jeden Preis Italien gewinnen wolle, in Minne und Freundschaft. Die ewige Reibungsfläche müsse verschwinden. Er sagte es gern und oft, vielleicht eine Kleinigkeit zu oft. Kaum in Rom eingetroffen, noch hatte er sein Beglaubigungsschreiben nicht überreicht, galt sein erster Besuch der Ausstellung der faschistischen Revo- lution. Sehr klug, sehr nett, vielleicht eine Kleinigkeit zu nett. Man merkte die Absicht. Italien wollte an Höflichkeit nicht zurückstehen und behandelte den Professor E y d o u x . den geständigen Spion, samt seiner Freundin vor dem Eondergericht mit ausgesuchter Liebenswürdigkeit vielleicht eine Kleinigkeit zu liebenswürdig. Man war so schön im Zuge, es hieb bereits, Mussolini betrachte es als seine zweite große Po- litische Ausgabe, auch die Bersöhnung mit der lateinischen Schwester zuwege zu bringen, nachdem ihm das Unwahrscheinliche einer Aussöhnung zwischen Quirinal und Vatikan so meisterhaft geglückt war. In diesem Augenblick tappte der Alltag plump in das seine diplomatische Gewerbe. Jene fran- zösische Presse, die in ihrer schon abgeschmackten Sucht, alles Unangenehme, was Frankreich zustößt, dem Boche in die Schuhe zu schieben, als Reservesündenbock den Faschismus entdeckt hat, jene von der Kriegsindustrie ausgehaltenen Blätter wollten in dem Saboteur der ,Atlan- t i a u e“ Italien erkannt haben. Ferner habe Italien an Ungarn Bombenflugzeuge geliefert, neben den Waffen von Hirtenberg, und schließlich ließ Herriot und nicht bloß Herriot durchblicken, daß Mussolini heimlich e i n B ü n d - nis mit Deutschland und Ungarn an- gezettelt habe. Gleichzeitig gefiel es dem gallischen Gockel, in Genf wieder einmal auf die Abrüstung zu krähen. Rom antwortet nun auf eine Weise, die Aufsehen erregen muß. Es wird der französischen Regierung nicht mehr und nicht weniger vorgcworfen, als daß sie den Frieden Europas aus Geldgier verrate. „Mit Blindheit geschlagen" oder „Agenti provocatori“ liest man über den Leitartikeln der italienischen Regierungspresse. Wir erleben, so beginnt der Leiter des offiziösen Giornale d'Italia, Birginio Gayda, seine Philippika, augenblicklich eine offene Wiederaufnahme italienfeindlicher Kundgebungen feilens französischer agents provocateurs. Er weist di« Anschuldigungen der französischen Presse wie Her- riots und anderer Parlamentarier als Provokation zurück und eröffnet seinerseits das Feuer mit peinlichen Enthüllungen, die man auch Erläuterungen zur französischen Politik, insbesondere in Genf, nennen könnte. Wer stehe hinter dieser Politik? Bor allem die Kriegsindustrie, das Comite des Forges. Richt zufällig ständen an der Spitze des Feldzuges gegen Italien und für die Kriegsrüstungen der „Malin", das „Echo de Paris", das „Iournal des Debats" und der amtliche wie tendenziöse „Tcmps". Alle diese Blätter werden vom C o - mit£ des Forges bezahlt und kontrolliert. Sie stehen im Dienste einer Industrie, die ihre hohen Dividenden der Herstellung und dem Handel mit Waffen verdanke, ein Gewerbe, das zu seinem Gedeihen die Vorbereitung einer permanenten Kriegsatmosphäre brauche. Die französische Demokratie biete damit eine Gala- vorstellung ihrer Dekadenz. Sie arbeite gegen die Abrüstung und gegen die Ruhe in Europa. Das klingt ja nun freilich etwas anders als die honigsüßen Phrasen von dem edlen, friedliebenden Frankreich, gegen deren Import sich sogar die Kleine Entente zu sträuben beginnt. Gayda aber bleibt bei der Anklage nicht stehen, er begründet sie auch: Zusammen mit der hohen Militärbürokratie und der Hochfinanz ist das Comitä des Forges heute die wahre beherrschende Macht in F r a n k re ich und auf dec ständigen Suche nach Feinden sür Frankreich und seine Vasallen. Die Kanonenfabrikanten sind es, die aus dem französischen Projekt gegen die Abrüstung sprechen, denn die Kanonenfabrikanten verteidigen damit ihre Ware. Vergessen wir nicht, daß der Leiter des riesigen französischen Rüstungstrusts, Eugen Schneider, Ehrenvorsitzender des Comite des Forges, allein in den letzten drei Jahren 5000 Kanonen und 25 000 Tonnen Schiffspanzer für die Marine geliefert hat, eine'große Zahl der neuen Kriegsschiffe, und Chalons für Saöne, wo er gleichfalls im Aufsichtsrat der Kriegsfabriken sitzt, die neuen Rhein« und Alpenfestungen, für die bereits sieben Milliarden ausgegeben wurden. Vergessen wir nicht, das unter den 250 Gesellschaften des Comite des Forges mindestens 80 bloß von der Herstellung von Kriegsmaterial leben. Vergessen wir nicht, daß in der Generalversammlung von 1932 Eugen Schneider den Aktionären eine Dividende von 25 Prozent mit folgenden klaren Worten ausschüttete: „Während unsere Betriebe für Eisenbahn und Schiffahrt zu wünschen übrig lassen, haben die Rüstungswerke zu unserer nicht geringenZusrieden- heit gearbeite t." Aehnlich erklärte in der Generalversammlung vom 31. März 1932 der Vorsitzende der Stahl- und Gußeisenindustrie von Firminy, Marcel Dumuis: „Unsere Waffen- fabriken arbeiten gut, die andern unregelmäßig. Hoffen wir also, daß die Staatslieferungen zu- nehmen." Die Skodawerke des tschechischen Verbündet. an deren Spitze Schneider steht, werfen jährlich für Waffenexport 90 Millionen im Durchschnitt ab. Poincare ist Rechtsberater des Comite des Forges gewesen. Herriot wird von der Dankgruppe des Credit Lyonnais gehalten, die gleichfalls mit der Rüstungsindustrie verfilzt ist. Der Marineminister Carlo Dumont, der bei der Flottenkonferenz eine Rolle spielte, sitzt im Vcr- waltungsrat der französisch-japanischen Dank, die in direkter Geschäftsverbindung mit Schneider steht. So wird Frankreich regiert, die Kanoneninteressen beherrschen einen guten Teil der europäischen und Weltpolitik. Daher die fortwährende Agitation gegen Deutschland und Italien, die Aufregung um die Kleine Entente, diesen guten Äun- den daher die Torpedierung der Flottenkonferenz in London, der Abrüstungskonferenz in Genf. Man macht die Feinde (si creano i ne- mici) und macht die Friedensgefahr, um einen Vorwand für die Rüstungen zu haben. Der dauernde Gärungs- und Spannungszustand in Europa ist künstlich gemacht, weil nur unter einem solchen die Dividenden der Kriegsindustrie gedeihen können. Schulter an Schulter mit den politischen Machenschaften arbeitet die Finanzspelu- lation bald gegen dieses, bald gegen jenes Land Europas, das heißt gegen den Frieden. Der Spekulation dient die Provokation. Und so kommt es nie zu Abrüstung und Sicherheit. ... So steht das wortwörtlich da, im Giornale d'Italia vom 12. Februar 1933, unterzeichnet von Virginia Gayda. So hart wurde der Finger noch selten auf die wunde Stelle gelegt. Vielleicht gibt das in Genf doch ein bißchen zu denken. Und die französische Regierung wird nicht umhin können, zu antworten. Sollte man meinen. Sicher ist auf jeden Fall, daß der Weg, den das heutige Frankreich geht, nicht zur Verständigung mit Italien führen kann. England schlägt einen europäischen AichtangrWpakt vor. Genf. 15. Febr. (TU.) Im politischen Ausschuß der Abrüstungskonferenz wurde der englische Vorschlag über die Verpflichtung der Mächte, in einem Streitfall unter keinen Umständen zur Gewalt zu schreiten, erörtert. Er entspricht im wesentlichen den Bestimmungen der Vereinbarung der fünf Großmächte vom 11. Dezember, bleibt jedoch ausschließlich aus die europäischen Staat en beschränkt. Die feierliche Verpflichtung, unter keinen Umständen bei einem Streitfall Gewalt anzuwenden, soll gleichzeitig mit dem '21 b » rüstungsabkommen unterzeichnet werden. Der englische Vorschlag, der auf den Erfahrungen des japanisch-chinesischen Streitfalles aufgebaut ist, bezweckt nicht nur den Krieg, sondern auch die moderne Form der Kriegsführung ohne Kriegserklärung und ohne Abbruch der diplomatischen Beziehungen unmöglich zu machen. Außenkommissar Litwinow verlangte den Beitritt sämtlicher Mächte der Welt, sowie die sofortige Unterzeichnung der Verpflichtungen noch vor dem Abschluß des Abrüstungsab- kommens. Die Beschränkung auf Europa sei gefährlich und schädlich. In deutlicher Anspielung auf den japanisch-chinesischen Streit erklärte Litwinow, eine außereuropäische Macht könnte sonst ohne Kriegserklärung mit militärischen Machtmitteln weite Provinzen eines Landes besetzen. Botschafter Radolny cr .ü.tc. uau die deut- sche Regierung ihre uneingeschränkte Z u st i m - mu iug zu dem englischen Vorschlag erteile. Die Frage der Zuziehung der außereuropäischen Staaten könnte am zweckmäßigsten bis zur Behandlung der die außereuropäischen Mächte berührenden Fragen verschoben werden. Ra» dolny beantragte, daß die feierliche Verpflichtung erst beim Abschluß des Abrü - stungsabkornrnens unterzeichnet werde. Paul-Voncour schloß sich dem englischen Vorschlag untc- ^"m ausdrücklichen Vorbehalt an, daß diese Vers, flich ung dem von Frankreich vorgeschlagenen '^e.itag der gegenseitigen Hilfsmaßnahmen nicht ersetzen dürfe. Der englische Vorschlag bilde vielmehr die Grundlage für die von Frankreich verlangten regionalen Sicherheitsabkommen. Angesichts der großen grundsätzlichen Gegensätze beschloß der Ausschuß die Einsetzung eines Redaktionsausschusses. Der neue SiaateMock auf dem Balkan. Das Abkommen der Kleinen Entente. Genf, 15. Febr. (TU.) Die Konferenz der Kleinen Entente wurde am Mittwochabend abgeschlossen. lieber das Ergebnis der Beratungen wurde eine amtliche Mitteilung veröffentlicht. Die drei Außenminister find zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Notwendigkeit einer Organisation des Friedens und einer Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen mit allen zentraleuropäischen Staaten für die Kleine Entente die Uebernahrne neuer Pflichten bedeutet. Zu diesem Zweck haben sie die notroenbigen Maßnahmen getroffen, um die Kleine Entente in einem vereinheitlichten internationalen Organismus umzugestalten, der für Öen Beitritt anderer Staaten unter noch näher zu bestimmenden Bedingungen im Einzelfalle offen- stehen soll. Zu jedem politischen Vertrag eines der drei Staaten der Kleinen Entente, jedem einseitigen Akt, der die politische Lage der drei Staaten gegenüber einem dritten Staate ändert, sowie jedem wirtschaftlichen Abkommen, das bedeutungsvolle politischen Folgen nach sich zieht, die ein- ftimmige Zustimmung d e s Rates der Kleinen Entente notwendig ist. Die gegenwärtigen politischen Verträge eines jeden Staates der Kleinen Entente mit einem dritten Staat sollen soweit als möglich vereinheitlicht werden. Die drei Außenminister haben ferner bedeutungsvolle Beschlüsse auf wirtschaftlichem G e - biete gefaßt. Sie betreffen die Schiffahrt auf der Donau, Eisenbahn- und Luftverkehr, Post, Telegraph, Telefon, Funkwesen, sowie die Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den drei Staaten im allgemeinen und die Dorzuaszollab- tommen im besonderen. Weiter ist beschlossen worden, daß die drei Regierungen an ihre Ernis- s i o n s b a n k e n mit der Aufforderung heran- treten sollen, einen Plan für die Zusammen- arbeit aufzustellen. Paris hochbefriedigt. Ein Schachzug gegen die „italienische Gefahr". Paris, 15. Febr. (TU.) Die Pariser Presse ist über den schon vor längerer Zeit angetüniLiU» festeren Zusammenschluß der Kleinen Entente sehr befriedigt. Man lobt die beteiligten Staaten, daß sie in Zukunft nicht nur in der Abrüstungsfrage, sondern auch in allen wichtigen politischen Fragen geschlossen vorgehen wollten. Die Beschlüsse der drei Außenminister, die sich in Genf zusammengesetzt hätten, um dem neuen Zusammenschluß eine feste Grundlage zu geben, bezögen sich nicht nur auf die wirtschaftliche Lage Mitteleuropas, sondern auf den gesamten Wiederaufbau Europas und auf die Fragen dec bevorstehenden Weltwirtschaftskonferenz. Außerordentlich wichtig sei es, daß Süd- slawien und Rumänien beschlossen hätten, zwischen beiden Ländern eine Brücke über Die Donau zu schlagen. Der „Petit Parisien" spricht von der „ß i n i e Gdinge n—S alo - niki", die ein Bindeglied zwischen den Staaten der Kleinen Entente und Polen darstellen würde. Das „Echo de Paris" berichtet, daß die Kleine Entente in Zukunft als eine politische Einheit aufzufassen fei. Bisher habe das Bündnis der Kleinen Entente sich lediglich gegen Ungarn gerichtet, jetzt gelte es. der italienischen Gefahr au begegnen. Die neu zu errichtende Donaubrücke schaffe einen Verbindungsweg, der ganz unabhängig von den Verbündeten Italien, Ungarn und Bulgarien fei. Italien ernilintertdieMzedonier Gegen den Belgrader Zentralismus. Rom, 14. Febr. (ERB.) „Giornale d'Italia" befaßt sich mit den Beschlüssen des Mazedonier- Kongresses und erklärt, der Schmerzensruf Der 30 000 Mazedonier dürfe bei den verantwortlichen Faktoren des zivilisierten Europas nicht unge- h ö r t bleiben. Dieser Schrei geselle sich zu dem der Kroaten, der Serben, der Mohammedaner von Bosnien und Herzegowina, der Montenegriner und der A l b a n e r, die in geschlossenen Siedlungen am We strande des neuen Iu - g o s l a w i e n lebten. Zwischen Kroaten und Mazedonier bestehe Einvernehmen. Die Empörung der bedrückten Völker sei im Begriff, fie mit Riesenschritten einer Einheitsfront entgegenzuführen. Die nationale Bewegung in Jugoslawien nehme im direkten Verhältnis mit den Gewalttätigkeiten und den Bedrückungsversuchen zu. Wir sehen, so schließt das Blatt, diesem historischen Prozeß der Spaltung zwischen Belgrad und der Peripherie mit der Aufmerksamkeit eines Volkes zu, das im Bewußtsein seiner Verantwortung für die Ordnung und den Frieden in Europa lebt. Ernste Lage in Rumänien. Zuspitzung des Eiscnbahncrstrciks. Bukarest, 15. Febr. (TU.) 4000 Arbeiter der Pukarester Eisenbahnwerk statt en traten am Mittwoch erneut in den Streik, weil die Militärbehörden in der vergangenen Rächt elf Arbeiter, die in Verdacht stehen, den aufgelösten kommunistischen Gcheimorganisationen anzugehören, in Haft genommen haben. Die Streikenden fordern nicht nur Freilassung der Verhafteten, sondern stellen auch eine Reihe politischer Forderungen, darunter Aufhebung deS BclagerungszustanDes. Die Verhandlungen zwischen den streikenden Arbeitern und den Militärbehörden dauerten den ganzen Tag. In K lause n b u r g wurde ein Arbeiter durch Gewehrschüsse schwer verletzt. In Constanza schoß ein kommunistischer Führer im Augenblick seiner Verhaftung den Polizeikommissar nieder und verübte Selbstmord. Im übrigen wurden im ganzen Lande, namentlich in den größeren Städten Verhaftungen vorgenommen. In den Abendstunden hat sich die Lage weiter verschärft, so daß sich die Regierung genötigt sah, stärkere militärische Kräfte ein» Ausetzen und schärfer vorzugehen. Die Presse- direktion gibt folgenden Lagebericht: „In K lause n b u r g ist es der Polizei gelungen, in die von den streikenden Arbeitern besetzte Werkst ä 11 e der Eisenbahn von rückwärts her einzudringen, worauf die Arbeiter kapitulierten. Die Rädelsführer wurden verhaftet. In Bukarest beginnt soeben die gewaltsame Räumung der von den streikenden Arbeitern besetzten Eisenbahnwerk st ätte, wobei es bei den Gendarmen bisher zwei Verwundete gegeben hat. Aus der Richtung der Fabriken ist zur Zeit Sirenengeheul zu hören. Alle Meldungen über eine in Rumänien auSgebro- chene Revolution sind in das Reich der Fabel zu verweisen. Ein Grund zur Beunruhigung Hegt nicht vor. Schwere Schießerei in Bukarest. Bukarest, 16. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Arbeiter, die sich in den Eisenbahnwerkstätten verschanzt hatten, haben während der Rächt mehrere Schüsse auf die sie umzingelndenPolizisten abgegeben. Dabei wurden mehrere Polizeibeamte verletzt. Um 6 Uhr früh richtete der Vertreter der Staatsanwaltschaft an die Arbeiterschaft den Aufruf, die gesamten Betriebsräume unverzüglich zu v e r- lassen. Dieser Aufruf wurde dreimal wiederholt. Die Arbeiter antworteten jedoch erneut mit Revolverschüssen. Das Militär war daher gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Es folgte eine Salve, durch die Drei Arbeiter getötet und neun verletzt wurden. Schließlich ergab sich die Arbeiterschaft. In allen Bukarester Fabriken ist die Arbeit bereits wieder ausgenommen worden. Simon sordett die Ratifizierung von Lausanne. TerFeruost onflikt bedroht dcnBölkcrbund. London, 15. Febr. (TU.) Der englische Außenminister Sir John Simon äußerte sich auf einer Kundgebung für die Nationalregierung in Southampton über die Abrüstung und das Lausanner Abkommen. Wenn auch die Einzelheiten eines allgemeinen Rüstungsabkommens schwierig sein mögen, so seien doch die grundlegenden Meinungsver- schiedenheiten nicht technischer, sondern politi- scherNatur. Die englische Politik suche auch das Gefühl des Vertrauens zw.scheu den Nationen zu vermitteln, da sich hierauf jede international vereinbarte wirksame Abrüstungsmaßnahme stutzen müsse. Die Beziehungen zwischen dem Lausanner Abkommen und Genf beständen darin, daß seit den Tagen der Friedensoerträge die Repa- rationen, die europäische Stabilität und selbst den europäischen Frieden bedroht hätten. Man könne es sich einfach nicht leisten, irgendetwas zu tun, was die Ratifizierung unmöglich machen würde. Sollte die Reparationsfrage etwa wieder von neuem aufgeworfen werden, so würde das Vertrauen in der ganzen Well untergraben. Die Weltmarktpreise würden scharf weiter fallen und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten würden sich wiederum verschärfen. Das Lausanner Abkommen sei mit vollem Recht als ein Waffen st ill st and bezeichnet worden. Es komme jetzt darauf an, es durch gegenseitige Anpassung und durch eine verständige Handhabung zur dauernden Grund- I a g e für die Erholung der Well zu machen. Die Lage i m Fernen O st e n bereite jeden^ der den Völkerbund stütze, die schwerste Sorge. Eng« land habe bis zum äußersten zu einer Aussöhnung mitgewirkt, wie dies die erste Pflicht des Völkerbun- des in einem solchen Falle sei. Der Völkerbund aber sei kein Ueberftaat, der einen beherrschende» physischen Ztpang auf seine Mitglieder ausüben könne, sondern nur eine internationale Organisation, die d i e Zusammenarbeit an dis Stelle von Gewalt fetze und die AussöhnunG >t d t- 3 X« |t, in ch iS er ie rs *n ur •rt n- di u- ■in ir. de an en x?c irrig cm len tu» )ur uh de* e r Die nd- )en. me. irb. )sen aus rge- ier ien- Heu. hen, arge nlen inge sich )ften er» eflge mich mit weit naus »erke, •18- : um er* , bc* Ver* zurn :t feit ntal» . Ge- „Cä- •, der "ges- ) daS > für t hier leider Zwei. Man- benS* t o r - u | e n huf- beffen > wei* Wet- ) nach Durch cdings über liebige Glichen n ab- Druck [tigern m sich päter- kieder* g und rocken, vielfach ig und mild, 3 Grad lorgens nimum 10 cm . März: ),0 mm. in einem Konflikt suchen soll. Sollte ein Vergleich im Augenblick fehlschlagen, so habe der Völkerbund die Pflicht, mit Festigkeit und Unparteilichkeit einen Bericht herzustellen und Empfehlungen zu machen, so Daß die öffentliche Meinung der Welt zu einer Lösung und Regelung beitragen könne. Das Attentat auf Roosevelt. Die Vernehmung des Täters. Mi a m t, 16. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Äußerungen des verhafteten Täters, Zingara, dah er auf Roosevelt geschossen habe, weil so viele Menschen dem Hungertode nahe seien, und dah ein Magenleiden ihn auf den Attentatsgedan- ken gebracht habe, bestärken die Vermutung, dah es sich um einen Geisteskranken handelt. Trotzdem wurden, da immer noch die Möglichkeit besteht, daß der Anschlag Cermak galt, in Ehikago mehrere bekannte Gangsters verhaftet. Zingara gehört seit acht Jahren dem Bauarbeiteroerband in Rew-Persey an. Zingara soll im weiteren Verhör zugegeben haben, dah er vor drei Tagen einen Revolver in der Absicht kaufte, Präsident 5) o o • o e r 3M erschießen. Als er von Roosevelts Ankunft in Miami erfuhr, habe er beschlossen, diesen zu ermorden. Zingara bestand bei seiner Verneh- mung darauf, daß er von niemand beeinflußt worden sei, noch den Plan mit irgend jemanden erörtert habe. Die Polizei verhaftete im Zusammenhang mit der Tut einen Freund Zingaros, Andreas Volenti. Der Zustand des bei dem Anschlag auf Roosevelt schwer verletzten Bürgermeisters von Ehikago ist ernst, aber nicht lebensgefährlich. Die Kugel drang durch das Zwerchfell, streifte die Leber und blieb in dem elften Rückenwirbelknochen stecken. Die Aerzte halten einen chirurgischen Eingriff für gefährlich. Oer Sabotageakt auf den Stuttgarter Rundfunk. Stuttgart, 16. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Polizei hat gestern abend noch zahlreiche Personen fe st genommen, die im Verdacht stehen, während der Hitlerkundgebung das von der Stadt- Halle zum Telegraphenbouamt führende Kabel durchschnitten zu haben. Bei einigen Verhafteten wurden auch Waffen gefunden. Schon zu Beginn der Hitlerversammlung war mehrmals eine Kabelstörung versucht worden, was aber sofort bemerkt wurde. Die Reichspost hatte zwar d i e Kabelbrunnen bewachen lassen, aber nicht die Freileitungen. Das Telegraphenbauamt bestreitet, daß die Nationalsozialisten an das Amt herangetreten seien mit dem Anträge, das Kabel durch «A.°Leute bewachen zu lassen. Der Staatskommissar für den Südfunk, Vögele, begab sich nach Schluß der Kundgebung sofort zum Reichskanzler, um über die Vorfälle und das bisherige Untersuchungsergebnis Bericht zu erstatten. Dr. Göbbels und der Reichspressechef der NSDAP., Dr. Diet- rich, erkannten an, daß den Rundfunk keinerlei Schuld trifft. Die Störung erfolgte auf e i n e r post eigenen Leitung. Wie amtlich mitgeteilt wird, hat der Reichspost- minister sofort nach Bekanntwerden der Störung eine Untersuchung eingeleitet und angeordnet, daß die für den technischen Rundfunkbetrieb ver. ontwortlichen Beamten Postbaurat Feucht, Oberpostdirektor M ö s s i n g e r und Dr. K o f e s unverzüglich bis zum Abschluß der Untersuchung auherD lenst gesetzt werden. Gegen beide Beamten ist sofort ein Dienststrafverfahren eingeleitet worden. Außerdem wird auch noch untersucht werden, inwieweit ein Verschulden der Polizei oorliegt. Oie Gerüchte um die Bildung eines propagandakommiffariats. Berlin, 16. Febr. (ERB. Funkspruch.) Zu den Gerüchten, dah die Einrichtung eines Kommissariats für Rundfunk und Propaganda geplant sein soll, dessen Leitung der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Göbbels übernehmen würde, wird von zuständiger Stelle erklärt, dah über derartige Dinge überhaupt nicht gesprochen worden sei. Kleine politische Nachrichten. Auf Grund der Verordnung des Reichspräsi- denken zum Schuhe des deutschen Volkes ist der .Vorwärts" bis zum 22. Februar verboten worden. Dieses Verbot wird mit einem Artikel »Für die Wahrheit! Der Dlutsonntag in Eisleben" begründet. Auf Grund der gleichen Verordnung ist das „3 - Tl h r - A b e n d b l a t t" bis zum 22. Februar verboten worden. * Kardinal-Staatssekretär Pace11i hat dem deutschen Botschafter am Heiligen Stuhl das Beileid des Pap st es zur Kata- strophe von Neunkirchen ausgesprochen. Der Reichskanzler hat dem Papst in eine* Telegramm an den Kardinal-Staatssekretär für das Mitempfinden gedankt. Offizielle Beileidskundgebungen liegen weiter vor von Rumänien, Oesterreich, Italien, Sowjetrußland, Rorwegen, der Tschechoslowakei, Bulgarien, Brasilien, Peru, Ungarn, Haiti. * Die Reichstagsabgeordnete des Zentrums, Frau T e u f ch aus Köln, sollte in Eupen einen Vortrag über die Stellung der Frau im sozialen Dasein halten. Ihr ist von den belgischen Behörden die Einreiseerlaubnis verweigert worden, und zwar mit der Begründung, daß der Veranstalter des Vortragsabends, der Heimatbund, und feine Führer das Vertrauen der belgischen Behörden nicht verdienten. * Königin Wilhelmina der Aiederlande hat die Zweite Kammer aufgelöst. Die Neuwahlen sind auf den 2ö. April anberaumt worden. Kunst und Wissenschaft. Professor Karl Correne f. 3n Dahlem bei Berlin ist Professor Dr. Karl Cor- rens, der Wiederentdecker der sogenannten „Men- d e l s ch e n Regeln", an einer Lungenentzündung gestorben. Correns, am 19. September 1864 in München geboren, hatte sich 1892 in Tübingen habilitiert, war 1902 ao. Professor in Leipzig und 1914 Direktor des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für Biologie in Dahjem geworden. Der bekannte Forscher hatte sich vor allem um die Entwicklungsgeschichte der Pflanzen und um die Geschlechtsbestimmung der Tiere und Pflanzen bedeutende wissenschaftliche Der- dienste erworben. Im Jahre 1900 hatte Correns die in Vergessenheit geratenen „Mendelschen Regeln" neu entdeckt. Wenn man erst seit 1900 von einer modernen Vererbungslehre sprechen kann, so ist dies nicht zuletzt der weiterbauenden und unermüdlichen Arbeit des Verstorbenen zu danken. Die Kaiser-Wil- Helm-Gesellschaft und die Biologie hat einen der tüchtigsten Gelehrten verloren. Heinrich Mann, Käthe Kollwih, Stodtbaurat Wagner aus der Akademie der Künste ausgefchieden. Wie die „DAZ." berichtet, haben im Verlauf einer lebhaften Auseinandersetzung in der Preußi- Das Schicksal der Verschütteten auf der „Königin-Louise '-Grube. Wie das Oberbergamt Breslau mitteilt, sind von den zehn verschütteten Bergleuten der Kö- nigin-Louise-Grube in Hindenburg (O. S.) bisher vier Mann lebend, wenn auch mit mehr oder weniger schweren Verletzungen geborgen worden. Ein Toter ist halb freigelegt. Das Schicksal der übrigen fünf Leute ist ungewiß. Es besteht jedoch die Hoffnung, daß sie noch am Leben sind. Der Tod im Rathaus. Ein tragischer Vorfall ereignete sich im Rat- haus Chorlottenburg. Als dort der 72^ährige Arzt Dr. Adam S ch r o h e, aus der Spreestraße in Charlottenburg, erschienen war, brach er plötzlich während eines Gespräches mit einem Beamten zusammen. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende bereitet. Als die Tlmstehenden den Toten fortschaffen wollten, stürzte einer von ihnen, ein älterer Mann, dessen Personalien noch nicht festgestellt sind, ebenfalls tot zu Boden. Explosion in Triest. — Jünf Tote. In einer Mineralölrasfinerie in Triest ist eine Sauerstofflasche explodiert. Fünf Personen, darunter der stellvertretende Direktor des Unternehmens, haben den Tod gefunden. Sechs Personen sind verletzt worden. Eine Mühle fliegt auseinander. — Ein Toter, ein Schweroerlehter. In Beuren (Hunsrück) versuchten einige Leute, eine Hafermühle, die früher Handbetrieb hatte, mit einem 18 ?8 Motor zu treiben; dabei erzielte die Mühle eine solche Geschwindigkeit, daß plötzlich die ganze Anlage unter lautem Krach auseinander- flog. Von den umherfliegenden Maschinenteilen erlitt ein Mann eine schwere Kopfverletzung, an der der Verunglückte inzwischen verstorben ist. Der Kasten der Maschine traf einen zweiten Mann am Unterleib. Dieser mußte sich mit schweren Verletzungen in ärztliche Behandlung begeben. Sein Zustand gibt zu ernsten Bedenken Anlaß. Unliebsame Begegnung mit Hirschen. Einen dramatischen Zusammenstoß mit einem Rudel Hirschen erlebten vier Radfahrer auf der Hunsrückerstrahe bei Bad Kreuznach. Die Hirsche, die auf der Straße standen, hatten offenbar das herannahen der Radfahrer nicht gehört. Sie erschraken plötzlich, und einer der kapitalen Hirsche nahm in seiner Wut einen Radfahrer kurzerhand auf das Geweih. Das wütende Tier schleppte Mann und Rad zehn Meter weit, um dann seine Last ab- zuwersen. Der Radfahrer kam, abgesehen von einigen Hautabschürfungen, mit dem Schrecken davon. Das Rad wurde demoliert. Ehe sich die Radfahrer besinnen konnten, waren die Hirsche im Dickicht verschwunden. Zwei Strafgefangene niedergeschossen. 3m Landgerichtsgefängni,s in Weiden (Ober- Pfalz), in dem auch der zum Tode verurteilte Felix Schied er untergebracht ist, waren seit einiger Zeit in einer gemeinsamen Zelle ein zu fünf Iahren Zuchthaus verurteilter Schwerverbrecher und ein Oesterrricher inhaftiert, der im Verdacht steht, den Einbruch in die Kirche von Schwarzenbach bei Pressath begangen zu haben. Diese beiden Gefangenen wurden nachts von Oer Tanz. Kennen Sie das „Tanzlegendchen" von Gottfried Keller? Diese bezaubernde Geschichte von der kleinen Heiligen, die das „unheilige' Tanzen beim besten Willen nicht lassen tonnte, und die es dann auch schließlich durch,etzte, daß das Tanzen heilig gesprochen wurde, und der ganze Himmel mit allen seinen Heiligen anfing, das Tanzbein zu schwingen? Wenn ich mir eine Heilige aussuchen müßte —: Diese rhythmen-trunrene kleine Heilige von Keller würde ich wählen. Denn auch ich glaube an den Tanz als eine Quelle vieler Freuden. Ost haben die Philosophen gefragt, welche der Künste zuerst bestanden haoe. And sie sanden, daß im Anfang aller Dinge der Rhythmus gewesen sei, und daß er sich gespalten habe in Musik und Tanz. Und es scheint wirklich, dah der Tanz die primärste aller Künste ist, denn bei den primitiven Völkern finden wir ihn so ausgebildet und so geheiligt wie keine andere Kunst sonst. Heute wie vor Hunderten von Iahren tanzen Suvseemädchen, Araberinnen, Reger, Indianer, Hindumädchen den Göttern zu Ehren. Manchmal ind diese Götter auch Liebesgötter. Denn der Tanz ist die alte Drücke vom Heiligen zum Pro- anen, von der Anbetung der himmlischen zur Anbetung der irdischen Liebe. Indien, Japan Griechenland, drei alte Kulturen, haben ihre schönsten Mädchen in dieser Kunst vervollkommnen lassen, den Göttern und Menschen zur Freude. Wir Europäer haben in den Städten einen Sport aus ihm gemacht, haben Vereine um ihn herum gegründet, mit Wettbewerben, Turnieren, Rekor- den. Unb~ haben ihm mit alledem in der Stadt einen größten Zauber genommen. Erfreulicherweise ist aber auf dem Lande dem Tanz noch ein Teil seines ursprünglichen Sinnes erhalten geblieben: Ausdruck eines starten Gefühls, der Freude oder der Verehrung, der Trauer oder der Liebe zu fein. Wie da die Dorfburfchen ihre Schönen umfangen, wie da die alten Bauern ihre Mütterchen feierlich herumschwingen, das hat noch etwas mit richtigem Tanz zu tun. Es steckt noch viel von der ganzen natürlichen Kraft dieser Menschen und ihrer Glieder darin. Sie freuen sich. Sie lieben ich. Und darum tanzen sie. So muß es fein. Tanz als Ausdruck unseres Emp- | Indens. Kinder wissen das ganz genau, ohne es I gelernt zu haben. In ihren Spielen kommen „Freu- I schen Akademie der Künste Frau Professor Käthe 5k o 11 w j tz und Heinrich Mann ihren Rücktritt erklärt und sind aus dem Verband der Aka- demie a u s g e s ch i e d e n. Die Gründe sollen, dem Blatt zufolge, darin liegen, daß Frau Kollwitz und Heinrich Mann die Aufrufe der Sozialdemokratischen bzw. der K o m m u n i ft i - schen Partei, die sich scharf gegen die gegenwärtige Regierung wenden, mitunterzeichnet haben. Auch Stadtbaurat Wagner ist aus politischen Gründen aus der Akademie ausgeschieden. einem Gefangenenaufseher überrascht, als sie sich außerhalb ihrer Zelle befanden. Als er sie an.ief, wurde er von ihnen mit einer Eisenstange bedroht. Der Aufseher zog in der Rotwehr seine Dienstpistole und gab zwei Schüsse ab. Durch einen dieser Schüsse wurde der Oesterreicher sofort getötet und der andere Gefangene lebensgefährlich verletzt, so daß er ins Weidener Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Der Aufseher blieb unverletzt. Gerüchtweise verlautet, dah von den beiden Ausbrechern ein Befreiungsversuch für Schieber geplant war. doch liegen nach Auskunft der Gefängnisverwaltung hierfür bis jetzt keinerlei Anhaltspunkte vor. Sechs Todesopfer der Alkoholvergiftung in Szegedin. Wie aus Szegedin (Ungarn) gemeldet wird, ist noch ein sechstes Todesopfer der bereits gemeldeten Alkoholvergift ungen zu beflogen. Fünf Holzfäller befinden sich noch in schwer vergiftetem Zustand im Szegediner Spital. Man befürchtet, dah fich die Zahl der Toten noch erhöhen wird. In dem Dorfe, aus dem die Holzfäller stammen, mußten noch etwa 80 Personen wegen Alkoholvergiftung ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Der Branntweinhändler, der so freigebig den Alkohol spendete, ist verhaftet worden, da man annimmt, dah der Alkohol ver. giftet war. Die Obduktion der bisher Derstorbenen zeigt die typischen Merkmale einer aluten Alkoholvergiftung. Falschspiel Im Berliner „Club des Westens". Im vergangenen Rovember waren im „Club des Westens" in Berlin sieben zum Baccarat fertiggemachte Kartenspiele beschlagnahmt worden. Nunmehr ist festgestellt worden, dah fünf dieser Spiele nach bestimmten Schlüsseln gelegt worden waren. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dah seit Iahren im Club zahlreiche Personen durch F a l s ch s p i e l geschädigt worden sind. Biele Besucher des Clubs haben sich wirtschaftlich vollständig ruiniert. Eine Reihe von Personen, die im Club verkehrte, hat Selbstmord begangen, weil sie durch Spielverluste in verschiedenen Berliner Clubs ihre wirtschaftliche Cxistenzfähigkeit verloren hatte. Flugzeugabsturz in England. — Vier Tote. Bei Salisbury stürzte ein Militärflugzeug aus noch ungeklärter Ursache ab. Vier Personen mürben getötet. Jünf Todesopfer bei einem Hotelbrand in Kanada. Dei einem Brand des Imperial-Hotels in Tisdale (Saskatchewan) sind fünf Personen ums Leben gekommen. Zahlreiche Personen wurden zudem schwer verletzt; man befürchtet, dah sich die Zahl der Opfer noch bedeutend erhöhen wird. Japanisches Marineflugboot abgestürzt. — Drei Tote. 3n einer bet letzten Rächte ereignete sich in der Ducht von Tokio ein schweres Flugzeugunglück Eines der mobernsten und größten Marineflugboote stürzte infolge Motorschadens ab und ging unter. Gin Leutnant und zwei Hnteroffidiere ertranken, da sie sich nicht aus dem Führerraum befreien konnten. Die übrige Besatzung von sieben Mann schwamm an Land. dentänze" und „Trauertänze" vor, genau wie bei den primitiven Völkern, die uns an Lebendigkeit des körperlichen Ausdrucks ja fo sehr überlegen fin . UiJir, die „Nicht-Primitiven", fangen langsam an, von ihnen zu lernen. Wir beobachten mehr und mehr unfern Körper, lassen ihn wieder zu neuem Recht kommen, räumen ihn [einen gleichberechtigten Platz neben dem der Seele ein. Und fo sollten wir auch wieder lernen, richtig zu tanzen. Gar nicht im Frack und Abendkleid, sondern mitten am Tag, wenn uns danach zumute ist. Ich bin überzeugt, daß eine Frau, die „schlechter Laune" ist, wenn sie allein in einem Zimmer ein bißchen still (oder gelassen) vor sich hin- tanzt, ihre gesamte schlechte Laune für eine ganze Weile los ist. Wir wissen ja alle, welch ungeheuren Einfluß ein paar Takte Musik und ein paar entsprechende Bewegungen auf unsere Psyche haben können. Ein Marsch klingt von der Straße her zu uns herauf ... wir gehen im Takt, und unser ganzer Körper strafft sich, wir halten uns unwillkürlich etwas gerader ... innerlich und äußerlich. Ein Walzer, den eine Drehorgel draußen spielt: wir wiegen uns in ihrem Takt, uns wird ein bißchen weich zumute, wir denken an den Frühling, an viele Dinge, die mit diefen paar Takten vielleicht für unsere Erinnerung Zusammenhängen. Sie fühlen sich gespannt, abgespannt von dem vielen Sitzen über einer Arbeit, angespannt von zu großer Erregung ... Tanz ist das wunderbarste Ventil, das es gibt! Jeder hat heute ein Radio ober ein Grammophon, jeder weiß im Notfall ein paar Takte irgendeines leichten Musikstücks zu fingen ... Versuchen Sie es! Nehmen Sie sich Gottfried Kellers kleine Heilige zum Vorbild! Tanzen Sie,! Liliom. Oie Wählerliste liegt offen! Dom Sonntag, 19. Febr., bis einschl. Sonntag, 26.Febr., liegt für die Reichstagswahl im Stadt- haus, Bergstraße 20, Zimmer 14, die Wähler- liste zur Einsichtnahme offen. Personen, die bis zum 5. März 1933 das Wahlalter von 20 Jahren erreichen, Wahlberechtigte, die in letzter Zeit ihre Wohnung gewechselt haben ober erst zugezogen sind, oder durch Verheiratung einen anderen Namen führen usw., mögen nicht versäumen, sich von der richtigen Eintragung in die Wählerliste durch Einsichtnahme zu überzeugen. Wählen darf nur, wer in der Wählerliste verzeichnet steht. Man beachte die heutige Bekanntmachung der Bürgermeisterei. Llnser neuer Roman. Aachbem wir den Abdruck des RomanS „Du warst mir doch bestimmt!" von Gert Nothberg in der gestrigen Ausgabe des Gießener Anzeigers zum Abschluß gebracht haben, beginnen wir in der vorliegenden Rümmer mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes, das sich, wenn nicht alles täuscht, zu einem unserer stärksten Publikumserfolge gestalten dürfte. Wir glauben den Wünschen unserer Leserinnen und Leser entgegenzukommen, wenn wir ihnen heute wieder ein Werk zur Lektüre bieten, dessen Autorin sich nicht nur bei uns, sondern auch bei einer großen Gemeinde treuer Anhänger im ganzen Reich immer wieder glänzend bewährt und einen weithin geschätzten Hamen geschaffen hat. llnser neuer Roman "Wie sie ihn bezwang" von 3- Schneider Foersil. ist ein groß angelegter Familien- und Liebesroman aus unserer Zeit, der von Fortsetzung $u Fortsetzung mit wachender Spannung und herzlicher Anteilnahme verfolgt werden dürfte. Wir brauchen ja unfern Lesern die außergewöhnlichen Vorzüge der allgemein beliebten Schriftstellerin — packende Darstellung, höchste Spannung einer vielfach in überraschenden Steigerungen und dramatischen Konflikten aufgebauten Handlung, und lebenswahre Charalterzeichnung — nicht ausdrücklich zu rühmen, da Frau Schneider- Fosrstl ja burch ihre zahlreichen, früher hier veröffentlichten Arbeiten allenthalben hinlänglich bekannt ist. Romane wie „Lache Bajazzo", „Das Erbe bes Herrn von Anstetten", „Wenn Menschen auseinanbergehen" und „Wenn Töchter Frauen werden" dürften noch in angenehmster Erinnerung sein. Auch der neue, erst vor kurzem zum Abschluß gelangte Roman vereinigt in sich alle die Eigenschaften, die den Werken der Frau Schneider- Foerstl eine so weite Verbreitung und allgemeinen Beifall gesichert haben; er wird auch bei uns — davon sind wir fest überzeugt — seinen Weg machen und die Herzen unserer Leserinnen und Leser im Sturm gewinnen. Oas Werkhalbjahr für Abiturienten. Zu der am Montag von uns veröffentlichten Mit- teiluna des Landesarbeitsamts Hcffen in Frankfurt am Main über das freiwillige Werkhalbjahr wird uns heute von der Gießener Studentenfchajt folgendes geschrieben: Nachdem es sich als vorläufig undurchführbar erwiesen hatte, em pflichtgemäßes Werkjahr für alle Abiturienten durch entsprechende Verordnungen der Reichsregierung Durchzuführen hat die Deutsche Studentenschaft aus eigener Initiative den groß angelegten Versuch gemacht, von sich aus an den Idealismus der jungen Generation zu appellieren und zu einem freiwilligen Werthalbjahr aufzurufen. Das Ergebnis dieses Appells überzeugte auch bisher dem Gedanken des Werkjahres ablehnend gegenüber» stehende Regierungsstellen davon, daß mit dreier Maßnahme einem allgemein empfundenen Bedürfnis Rechnung gefrayn würde. Daraufhin wird jetzt auch von feiten der Regierung dem freiwilligen Werkhalbjahr jede erdenkliche Unterstützung zuteil. In einem Merkblatt, bas den Abiturienten dieses Jahres zugestellt wird, geben der Reichsminister des Innern und der Reichstommissar für den Freiwilli- neg Arbeitsdienst die Richtlinien für ein Wcrkhalb- jahr, die in jeder Weise der Auffassung entsprechen, die die Studentenschaft bei ihrem Ausruf leitete. Heute iMes insbesondere die Ausgabe Der Acmter für Arbeitsdienst innerhalb der Einzelstudentenschaften, im Rahmen eines größeren Ausschusses von Dozenten, Studenten und sonstigen Persönlich.eiten, die in der Lage und gewillt sind, den Arbeitsdienstgedanken in der akademischen Jugend zu empfinden und selbst weiter zu führen, praktische Arbeit für die Unterbringung der jungen arbeitsdienstwilligen Abiturienten und Studenten zu leisten und dafür Sorge zu tragen, daß die hohe erzieherische Seite dieses Werkhalbjahres bei der Ejngliederung in den schon bestehenden Arbeitsdienst voll zur Geltung kommen. Im engsten Einvernehmen mit dem Arbeitsamt und allen übrigen Dienstträgerorganisationen geht Die Studentenschaft der Universität Gießen an die ihr gestellten Ausgaben, den Gedanken des Arbeitsdienstes als hohe Schule für die Gemeinschaftserziehung durch die Tat zu vertiefen und durch Das Wort zu verbreiten. Ein Rundschreiben, gemeinsam vom Arbeitsamt und der Studentenschaft gezeichnet, wird den jungen Abiturienten Aufklärung Darüber geben, wann, wo und wie sie sich selbst für das freiwillige Werkhalbjahr und Damit für Den ArbeitsDienst einsetzen können. AnmelDungen nimmt sowohl Das Arbeitsamt Gießen, wie Die Studentenschaft durch ihr Amt für Arbeitsdienst entgegen. Wechsel in der Leitung des Arbeitsamts Gießen. Wie wir zuverlässig hären, wird Der Leiter des Arbeitsamts Gießen, Regierungsrat Dr. B u e s, am 1. März von der Leitung des hiesigen Arbeitsamtes scheiden und auf einstimmige Wahl Der zustänDigen Verwaltungsausschüsse das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des Arbeitsamts in Köln übernehmen. Tiroler Werbegruppe in Gießen. Iunge Tiroler weilten gestern in unserer Stabt Acht stämmige Burschen und ein Mädchen, eine „Gitsch", wie die Tiroler sagen, alle voll fröhlichem Humor und voll Freude, ihrer Heimat dienen zu können. Der Verein für das Deutschtum im Ausland, Ortsgruppe Gießen, hatte sie eingeladen und nun füllten sie gestern vor vielen erwartungsvollen Zuhörern im Cafe Leib den Abend drei Stunden lang mit ihrem Wesen, mit ihrer frischen Art, mit ihrem ungekünstelten Charme, der bei aller Derbheit doch etwas Beschwingtes an sich hat und immer wieder zum Durchbruch kam. Ihr Kommen aber hatte den tieferen Zweck, $u werben für Südtirol, daran zu erinnern, daß Südtirol und Tirol überhaupt deutsches Land sei und nicht vergessen werden dürfe, daß die Menschen jenes herrlichen Landes sich dem Mutterland innig ft verbunden fühlen und nur wünschen, mit dem Mutterland endlich in einem Groh-Deutschland vereinigt zu sein. Sie warben für den Anschluß und zugleich auch für den Verein für das Deutschtum im Ausland. Studienrat Dr. König hielt die Begrüßungsansprache. Der Abend solle Heimat und Volkheit bewußt werden lassen. Mit Oesterreich gehe es um deutsches Schicksal, mit Oesterreich werde' Deutschlands Schicksal entschieden und erkämpft. Die Gäste seien aus Oesterreich, aus Tirol, aus Südtirol und deshalb doppelt willkommen, weil sie heldenmütig gegen Italien ihre deutsche Eigenart verteidigen. Hierauf sprach ein Mitglied der Gruppe einen lustigen Dorfpruch, der bei allem Humor doch Aus aller Well. Aus der Proviuzialhauplsta-l. gefror Schaljapin, der weltberühmte russiiche Opernsänger, dessen Darstellungen des „Boris Go- boneff" und „Don Basilio" jedem unvergessen bleiben werden, begeht demnächst seinen 60. Geburtstag. die Sehnsucht der Tiroler nach der Verbindung mit dem Deutschen LaiH durchklingen ließ. Sodann hörte man «n Hand zahlreicher.herrlicher Lichtbilder einen Vortrag über Tirol. Zunächst erstand vor dem geistigen Auge deutsche Grenzlandnot, Karten veranschaulichten die harten Trennungen deutschen Gebietes und deutschen Volkstums vom Mutterland, der Redner sprach besonders von Tirol und dem Leid, das die Tiroler um ihres Deut.chtums willen auf sich nehmen muhten. Er sprach von dem italienischen Regime In Südtirol und dem Willen, das Deutschtum in der dortigen Bevölkerung gewaltsam au -n otten. Dann aber sah man im Lichtbild die schöne Stadt Innsbruck, im Geiste machte man eine Reise vom Brenner nach Doyen und sah dabei viel landschaftliche Schönheit, weitere Bilder zeigten die Stadt Bozen und die nächste Umgebung; in knapper, anschaulicher Form wußte der Vortragende vom Zwergkönig Saurin sowie von der mit ihm verbundenen Sage zu crzäh'en und führte damit die Zuhörer gleich in einen der schönsten Teile der Dolomiten, in die Rosengartengruppe mit ihren vielen Gipfeln. QTlan lernte die Dolomiten bei Lienz kennen und wurde zum Schluß noch in die westtiroler Alpen, nach Meran und )um Ortler geführt. Der Vortrag wurde sehr beifällig ausgenommen. Im weiteren Verlauf des Abends lauschte man dann einigen Volksliedern, („Fch kenn' ein Tal" und „O, könnt' ich in mein Heimatland") die in ihrer etwas schwermütigen, aber doch sehr melodiösen Fassung ihre Wirkung nicht verfehlten. Einen wesentlichen Teil des Programms bildeten die Schuhplattler. Reben dem schönen .Heidauer" und dem Tanz aus „Reith im Winkel", die allgemeineren Charakter trugen, sah man den Tiroler Figurentanz, zu zweien getanzt, der in seiner überraschenden Fülle der Figuren außerordentlich fesselte. Richt weniger originell war die Musik, die man in einem Zither- solo, in einem Geigensolo und dem »Stupser Ländler" hören konnte. Weitere Schuhplattler („Hüho" und „Etschtaler", „Earntaler" und „Tiroler Buaben"> unterhielten ebenfalls ausgezeichnet. Den Höhepunkt aber bildete (nachdem man noch den urwüchsigen „Holzhacker" gesehen hatte) der ..Müllertanz". Symbolische Bewegung, Musik, Takt und figurale Gestaltung wirkten in diesem Tanz so einheitlich zusammen, daß man sich schlechterdings etwas vollkommeneres von einem Volkstanz nicht vorstellen kann. Der "Beifall war dementsprechend anhaltend und herzlich. Den Beschluß bildete einer der bekannteren Watschentänze, der einen geradezu dramatischen Verlaus nahm. Dann sang die Gruppe gemeinsam das Tiroler Truhlied. Ein Schlußwort im Dialekt bat die Zuhörer, der deutschen Südtiroler im Mutterlande nicht zu vergessen. Gictzencr Wochcnrnarktprcise. * Gießen, 16. Febr. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt- Süßrahmbutter 110 Pf., Landbutter 110, Kochbutter 80. Matte 20 bis 25, Wirsing (gelb) 10, (grün) 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10. gelbe Rüben 10 bis 12, Spinat 25, rote Rüben 10, Grünkohl 15, Rosenkohl 25, Unterkohlrabi 6 bis 8. Feldsalat 120 bis 150, Meerrettich 30 bis 50. Schwarzwurzeln 25 bis 30, Zwiebeln 10, Kartoffeln 3 tf>ro Zentner 2,50 Mk.), Vüsse 40, Honig 40 bis 50, Suppenhühner 70 bis 80, junge Hähne 70 bis 90 Pfennig pro Pfund; Tauben 40 bis 60. Eier (inl.) 10, Käse 5 bis 10, Blumenkohl 30 bis 60. Salat 25 bis 30, Lauch 5 bis 10. Rettich 10 b s 15. Sellerie 10 bis 30, Endivien 15 bis 30 Pf. pro Stück. — Tageskalender für Donnerstag: Gießener Konzertoerein, 20 Uhr, Stadtkirche, 7. Konzert, Reger- Der Einsiedler — Brahms: Ein deutsches Requiem. — DHV., 20.30 Uhr, im Heim, Monatsoersammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Mann mit Herz . — Astoria-Licht- spiele, Seltersweg: „Sein kleiner Kamerad" und „Z 1044 letzte Fahrt". — Eine Vorführung der Loheland- Gy m n a st i k findet im Rahmen eines Unter- baltungsabends des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft am Samstag. 18. Februar, J6 Uhr. in der Liebigshöhe durch Schülerinnen von Frau Elsbeth Braun. Marburg, statt. Die Hebenden sind Kinder und Erwachsene. Es soll gezeigt werden, daß das Ziel der Loheland-Lehrweise ein rein pädagogisches ist, bei dem es nicht auf die vollkommene Leistung, sondern auf den ordnenden Geist im Sinne einer Wen chenbildung ankommt. Im gymnastischen Ueben selber werden die Erfahrungen gemacht, die richtunggebend werden für das weitere Vordringen in die Gymnastik. Man sieht in die Bewegung nicht hinein, was nicht schon in ihr liegt und behält den engsten Anschluß an die Wirklichkeit. Darum geht auch der Einfluß der Gymnastik so tief in das Leben mit seinen Forde- rungen und seiner Arbeit. Gäste sind zu dem äln.erhaltungsabend willkommen. (Räheres siehe Anzeige.) • "Schneefall trat heute morgen und im Laufe des frühen Bormittags in Gießen ein. Die Dächer und Straßen wurden dadurch in ein weißes Kleid gehüllt, das in den Straßen der Innenstadt allerdings nicht lange anhielt. Wie wir vom Hoherods- köpf hören, schneite es auch dort ziemlich Im Walde liegen 10 cm Schnee, die Temperatur beträgt 7 Grad minus. Die Sportmöglichkeit ist noch gering. •* Die Hundehaltung in Gießen. Die Zahl der Hunde In Gießen, die durch die Hundesteuerrolle für 1933 festgeftellt ist, beträgt 805 (gegen 857 im vorigen Jahre). Die Zahl der Besitzer eines Hundes beträgt 732 (777). Sog. Zwinger- Hunde, die als rassereine Tiere in das Hunde- ftammbud) eingetragen sind und nur zur halben Steuer herangezagen werden, sind 37 (40) ange» meldet. Van der Steuer befreit sind 34 (39) Hunde, und zwar 24 (28) Wachhunde für öffentliche Gebäude, 2 Führerhunde für Blinde und Taubstumme, 8 (9) Hunde für Polizei- und militärische Zwecke. ** B e s i tz w e ch s e I. Das Grundstück des verstorbenen Kreisfeuerwehr • Inspektors August Dickor 6, Schanzenftraße 8, wurde von dessen Erben an Schuhmachermeister Ludwig Hill verkauft. Der 3 a g b 11 u b Gießen und Umgebung hielt — wie man uns berichtet — dieser Tage seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der wiedergewählte 1. Vorsitzende Herr August Balzer erstattete Bericht über das erste, recht günstige Geschäftsjahr und gab seiner be- fonberen Freude darüber Ausdruck, daß der junge Verein gefestigt dastehe und die Mitgliederzahl mit nahezu 60 sich innerhalb der kurzen Zeit seit der Gründung fast verdreifacht habe. Dies sei der beste Beweis dafür, daß am gleichen Orte ein zweiter Verein mit den gleichen Zielen und Bestrebungen daseinsfähig und auch oaseinsberechtigt fei. 3m weiteren Verlaufe der stark besuchten Versammlung wurde der Vorstand in seiner bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt (hinzu trat nut Herr W alter- Butzbach), die verschiedenen Ausschüsse gewählt und das Programm für das kommende 3ahr fest- gelegt Don besonderem 3ntereffe dürften im Rahmen der Veranstaltungen die vorgesehenen Vorträge über: „3agdlich wichtige Vogelarten", „Fährtenkunde". „Wildfütterung". „Jagdliche Raturaeschichte", „Aufmachung der Iagdtro- phäen , „Altersbestimmung für Rehwild" und sonstige Vorträge sein. 3n der Aussprache wurde auf die Vorteile, die sich für die Mitglieder durch den Abschluß einer Kollektiv-Haftpflichtversicherung ergeben, aufmerksam gemacht. Hinge» toiefen wurde ferner auf den in manchen Volkskreisen bestehenden 3rrtum, daß auch Hase, Reh und Hirsch mit Trichinen behaftet sein könnten. Diesen falschen Ansichten könne nur durch allgemeine Aufklärung entgegengetreten werden. Rach fachmännischem Urteil kann nur das Fleisch des fleischfressenden Tieres, also das des Raubzeuges (Fuchs, Dachs usw.) und auch das des Wildschweines trichinös fein. Letztere Wildgat- tung unterliege jedoch der Trichinenschau. Zum Schlüsse der Versammlung gedachte der Vorsitzende eines vor kurzem verstorbenen, echten Weidmannes der engeren Heimat, des Forstmeisters Graf c r n ft o r f f, dessen Weidmannstugenden allen 3ägern Vorbild sein müßten. Schöffengericht Gietzen * Gießen, 15. Febr. Der Zusammen st oß zweier Züge im Bahnhof Saasen, über den seiner Zeit von uns ausführlich berichtet wurde, beschäftigte heute in einer längeren Verhandlung das Schöffengericht. Angeklagt waren der Weichenwärter Schm, und der Bahnarbeiter Schw. Im Bahnhof Saasen kreuzen fahrplanmäßig kurz vor 7j Uhr ein von Gießen kommender Güterzug und ein in der Richtung nach Gießen fahrender Personenzug. Am 10. November herrschte ziemlich dichter Nebel. Nachdem der Güterzug in den Bahnhof eingelaufen mar, gab der Angeklagte Schm, dem bereits von Grünberg herannahenden Personenzug die Einfahrt frei, leitete ihn aber durch ein Versehen nicht auf das zweite, für Kreuzungen zur Verfügung stehende freie Gleis, sondern auf bas von dem Güterzug besetzte Hauptgleis. Bei klarem Wetter hätte der Lokomotivführer des Per- fonenzugs von weitem aus der Stellung des Einfahrtssignals ersehen können, daß die Weiche falsch lag und er auf den im Bahnhof haltenden Güter- zug auffahren werde. Bei dem herrschenden Nebel konnte er das aber erst im legten Augenblick bemerken und bei der Kürze des Bremswegs den Zug nicht mehr zum Stehen bringen. Der Zusammenstoß war unvermeidlich. Seine Wucht wurde dadurch etwas gemildert, daß ein leichter, mit Sand beladener Wogen des Güterzuges in Trümmer ging. Die Fahrgäste des Personenzugs wurden durcheinander geworfen, eine größere Anzahl verletzt, doch sind zum Glück keine Menschenleben zu beklagen. Der Materialschaden war bedeutend, die beiden Maschinen waren ineinander verkeilt und mehrere Wagen stark beschädigt. Der Angeklagte Schm, gibt feine Schuld unum- wunden zu, behauptet aber von dem Angeklagten Schw., bergan diesem Tage den Dienst des Fahrdienstleiters versah, den Auftrag erhalten zu haben, bas Einfahrtssignal für den Personenzug zu ziehen. Schw. bestreitet das entschieden. Wäre tn_e Behauptung des Schm richtig, so hätte sich auch Schw einer Zuwiderhandlung gegen die Betriebsvorschriften schuldig gemacht. Denn Schm., der die erforderlichen Prüfungen nicht gemacht hat, durfte Signale und Weichen nicht bedienen In der Verhandlung konnten diese Widerspruche in den Angaben der beiden Angeklagten nicht ausreichend aufgeklärt werden Das Gericht konnte sich daher von der Schuld des Angeklagten Schw. nicht überzeugen und sprach ihn, dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend, frei. Schw. erhielt eine Qelöftrafe von 100 R M Kirche und Schule. Landkreis Gietzen. y Staufenberg. 15. Febr. 3n der ® c - f a m tkirchen-gemeindevertretung deS Kirchspiels Kirchberg, die im Konfir- manöenfaal zu Kirchberg tagte, fand eine notwendig gewordene Ergänzungswahl des Kirchenvorstandes für die hiesige Gemeinde statt. Gewählt wurden die Herren Wilhelm Reuter und Beigeordneter Christian Korber. Außerdem wurde der Voran- la 9 f ü r 1 9 3 3 vorgelegt und genehmigt. Er schließt mit etwa 500 Mk. weniger Ausgaben als im Vorjahre ab. An den erstatteten Bericht über den kirchlichen und sittlichen Zustand der Gemeinden schloß sich eine lebhafte Besprechung. Hervorzuheben ist. daß Kirchen- und Abend- mahlsbesuch nach der sonntäglichen Statistik eine aufsteigende Tendenz aufweisen und die Gaben für Werke der Barmherzigkeit trotz der Rotzeit nicht abgenommen haben. Als ein Mißstand wurde festgestellt, daß im letzten Fahre am Konkirmationstage (2. Osterfeicrtag) in einem Kirch'pielsorte in zwei Wirtschaften öffentliche Tanzmusik stattfand. Die Kirchenbehörde hotte vor einigen Fahren die frühere Verlegung der Konfirmation auf Ostern nur unter der Bedin- gung gestattet, daß am 2 Ostertoge öffentliche Lustbarkeiten (wie früher an Pfingsten, das jetzt freigeworden ist), nicht stattfinden. Es ist sicher zu hoffen, daß die wenigen Gastwirte der fünf Gemeinden in diesem Fahre und in Zukunft von öffentlicher Tanzmusik am Konfirmationstage ab- sehen und diese an einem anderen Sonntage abhalten werde», widrigenfalls eine Verlegung der Konfirmation auf Sonntag noch Ostern, wie früher, stattfinden müßte. tticttrrvn m iiafnot Die Störung im Nordosten hat sich weiter abge- flacht, befördert aber durch ihre Rückseite fortgesetzt Kaltluft noch dem Kontinent. Unter ihrem Einfluß kommt zeitweise noch wechselhafte Bewölkung auf, die auch vereinzelt etwas Schnee mit sich bringt, dabei wird aber des öfteren Aufklaren einfetzen. Kalt- lüft und nächtliches Aufklaren werden weiterhin Nachtfrost verursachen, ihn stellenweise sogar etwas verschärfen. Aussichten für Freitag: Teils wechselnd wolkig, teils aufklarend, Nachtfrost, nur ganz vereinzelt etwas Schnee. Lufttemperaturen am 15. Februar: mittags —0,9 Grad Celsius, abends —1,3 Grad; am 16. Februar: morgens 0,1 Grad. Maximum 3 Grad, Minimum —1,8 Grad. Gewinnauszug 5. Klaffe 40. Preuß.-Südbeutsche (266. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten 5. Ziehungstag 13. Februar 1933 Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hebe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus bk Lose gleicher Nummer in ben Abteilungen I und II beiden 3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4 Gewinne «u 10000 911. 61866 200697 14 Gewinn* >u 6000 cm. 61162 64706 90638 127828 138137 247276 255184 16 Gewinne ,u 3000 M. 40782 69951 118234 259805 283667 297728 310746 333663 62 ®ttr»nnt »n 2000 M. 12531 22126 23031 56359 61054 76077 108590 110851 118894 130082 156230 173847 182721 198596 199164 200381 216706 239484 247494 258885 263399 284053 285816 294220 309481 330483 331624 343623 352340 353515 369646 112 «'etrmne 1000 9h. 6968 11836 18583 35648 57776 58720 60823 65704 66244 87239 95165 95558 120724 125967 138303 139151 140866 142271 148038 153136 157746 162139 163717 168324 176596 177921 186951 190189 204094 215131 227899 231040 235653 251879 259244 263906 264778 270491 274018 284584 288887 295186 296364 302444 309885 314745 318026 325874 347098 349633 364810 365930 367772 376698 385086 396371 1 74 Gewinne iu 600 971. 807 2467 4033 4268 8826 8874 10380 14294 15863 20183 24241 27010 27060 36695 36738 37080 37614 40513 43859 45486 47108 63037 53372 61189 61433 61979 6536666811 72481 74298 76968 77005 77371 78360 87786 90463 93825 100718 109113 (09524 111165 115349 117283 119726 122315 124317 135771 145680 152688 153096 153314 153732 158241 179179 182365 190723 191646 212267 229978 236368 247292 247465 248558 256400 267826 275714 276912 284303 286868 289049 290249 309056 315885 325359 328409 335369 340709 342033 352243 352983 361637 364630 366004 367554 384509 390157 390751 In der heutigen Nachmittogsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 6 Gewinne ju 10000 süL 50415 117431 178439 12 Gewinne »u 5000 QU. 81955 91754 114193 122624 254128 320504 14 Gewinne tu 3000 HL 50451 70873 137402 210340 312408 322791 354687 46 Gewinne »u 2000 M. 1596 22171 23815 47776 67635 71194 73524 94141 159217 162036 182852 190324 221772 235456 240391 242064 271273 294198 306304 333693 335900 373709 381058 94 Gen inne ju 1000 Qh. 14211 17374 29852 49342 61490 67149 59206 92974 95853 107819 151937 189062 225682 267516 354590 130391 157682 189876 230685 281710 361130 135178 163459 215935 237779 289308 367118 138103 168865 216132 247927 296079 373352 105094 151139 173228 222133 266018 342326 382185 15268 101253 146117 170926 219194 249669 305971 374883 13925 160 Gen mut »u 500 Mi. 849 6798 18844 31704 32808 34466 36310 37396 39198 43409 46438 47244 52689 67607 59532 63720 65477 67302 68268 73175 84238 85272 92716 94262 95685 108131 11038'2 110651 115667 118785 126762 139146 155482 156727 160838 161812 164139 167106 172647 177791 190158 200477 212185 214466 220247 226890 227723 233101 238482 238823 246853 251305 266438 274143 279748 285739 288926 289375 291063 294026 298322 308062 311820 332659 338800 339839 342388 369700 361159 361938 363084 372306 377769 379322 388890 389943 398089 399149 Im Gewmnrade verblieben. 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne au je 50000. 2 zu je 20*000, 4 zu je 100 00, 6 zu je 7 000, 10 u je S-OOO, 26 zu je 25000, 158 zu je 100 0, 4'6 zu je 5000, 824 zu ie 8000. 24' 4 zu je 2 0. 4930 zu e 000, 82'6 zu je 500, 243 4 zu ie 400, und 100 Schluß- promien zu je 3COO Dt. Der (Sieger im .Maraihon«Lauf^ der $3000, 4 zu je 100 00, 6 zu je 7 OOo, 10 u je 6KX», 24 zu ,e 25000, 150 zu je 100 0, 0« zu je 5000, 7X8 zu ie 8000, 2326 zu je 2 - 0. 4704 zu -e 1000, 786« zu je 600, 23208 zu e 400, u. 100 Schlußprämien zu jetz S •t ie i» ll ir rt n» 14 Irin ir. de an ,en »er ws rifl em len eu» )ur lüft )ie- nd- me. 200 iirb. )sen aus rgs- jen- ben, hen, nlen inge sich Iften er- esige tu i cf) mit weit aauS >erke, 18- : um er» , be» Der» zum t feit ntal» Ge» „Cä» , der iges- > daS : für t hier eider Zwei Man» benS» t o r » i f c n )uf- deffen toei» Wet- । nach Durch bings über iebige -liehen a ab» Druck ckigem n sich päter- ieder» 3 und roden, ielfach g und mild, । Grad orgens nmum 10 cm März: ,0 mm. fufcbödew »* i. ' der hie! Ter^ om 6d ßimmui Antrag uni) fiii stern Z hier in gehend gen übi schuldet hältnisl Sinbcj Meilen Wanze weckt ui ständige die Zus bared 1 endlich tont, bi sich in । sterzeix Gebet Zeit ge 0rig Urheberr brochen Äärger wurde Linden ist iN' Jahre Äbgeor der 2c Amtsze ein gut Faber Konrad sind ge1 U e abend I darauf Teste Alle g A-"ihre ?'ef> un R? hlit bei 'i* M den 9' Jahre OjDtlit iinvel teilte MiU läge fl( tultutl' und v Otgln zeichne' teils a Witter Lauge Die 3 nungäi Haft lagc^ >rl stehen J übet. • zu 2uc von der sayung' der tou i ®. über di Llltbür geistige & Ha Moch, v°n vor, ober |ub der Ieu| dos j)ati über öq t)ai verbuch,, Sämling andernv- wieder j fonb bei dlumniie Q6*. Bei K Eir feuern 5*5 Sina Jnn gesi mui E pm m Malb * ngen durch umd Henn. Kirchner Am Nahrnngsberg 16 Fernrnf 4167. Schöne Herren« undTamcnmacken- kostüme lehr billig zu verleihen. 01000 Edith Fischer Damenschneiderin Schanzenstrahe 10. 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Es klöpple nicht! Mochte man's nun von hinten noch vorn, oder von von vorn noch hinten nehmen, mochte man addieren oder subtrahieren, vermehren oder teilen, und was der Teufel noch alles, immer standen dos Soll und dos f)aben wie zwei bissige Köter einander gegenüber Da Halle nun der Verwalter hundert Zentner j)eu verbucht, vierzehn Klafter Brennholz und tausend Sämlinge aus der Jungpflanzung Und auf der andern Seite hatte das 4- + 4- Finanzamt das alles wieder in jid) hineingefressen In Steuerjachen oer- tond der otaat absolut keinen Spaß, und der Kopf »rummte einem von Haus-, Grund-, Gewerbe-, Um- atz-, Dergnügungs-, Erbschafts-, Vermögens-, 'Boren-, Einkommen-, und weih Gott war noch für Steuern Es gab zwar zuweilen auch nette Leute auf den Finanzämtern, aber nur — zuweilen. Sie waren dünn gesiebt, wie in Deutschland die Multimillionäre, man muhte sie suchen, wie Goldkörner im Wüstensand. Und wenn einer nicht zahlte: heidi! Dann schnitt man ihm das Korn vom Felde, nahm ihm dos Kolb vom Euter und die Uhr aus der Westen- lösche Zahlen macht Frieden! Aber Freude machte es nicht Und die's wirklich hatten, die schlugen dem Vaterlands ein Schnippchen, brachten ihr Scherflein ins Ausland und bauten sich ein Schloh in der Heimat und schlugen eine Hypothek darauf, dah sich öie Dachziegel krümmten Dunnertiel noch mal. Nun kam er wieder ins Polemisieren und hatte doch geschworen, es nie und nimmer zu tun, weil es nun absolut nichts nützte Baron Merlin warf dos große Hauptbuch gegen die Ecke des großen Schreibtisches, daß es in einem kunstgerechten Salto mortale zu Boden schlug. Er muhte sich bücken, es wieder oufzuheben. Ans Fenster tretend, sah er über den Gutshof und hörte von den Stallungen herüber das Stampfen der Pferde ßonb- wirtfchaft hotte einmal einen goldenen Boden! — Hatte' — Auf so einer zweihundert Tagwerk grohen Klitsche saß man früher mollig Und heute hockte man darauf, wie auf einem Haufen Brennesseln Gestern hatte die alte Schweinemama sechzehn rosige Ferkel geworfen und neun davon gleich wieder mit ihrem Gewicht erdrückt Strohdumm war so ein Vieh und---„Wo fehlt's denn, Lisaweth?" Er sah mit seinen grauen Augen, aus denen ewig dos Staunen und der naive Glaube eines Kindes fnrach nach der alten Hat^hätterin. die sich hager und knochig durch die halbgeöffnete Tür ins Zimmer schob „Es ist zum Auswachsen, Herr Baron.' „Wohin willst du denn noch wachsen, Lisaweth? Sie mußte lachen, so verschmitzt blinzelte er zu ihr herüber. Aber es war ihr gar nicht jo zu Mut „Bucklig könnt sich einer zahlen", lamentierte sie „Der Schlosser hat neue Scharniere an die Kellenür gemacht und gleich die Hand aufgehalten von wegen dem Arbeitslohn. Und was die Zengerin ist, die sagt, sie hätt' noch vierzig Mark gut vom letzten Kartoffelklauben." ,2Die gibst du ihr, Lijawech, auch roenn's gelogen ist Die Zengerin ist ein armer Teufel und hat ein halbes Dutzend Mäuler zum Stopfen!" „Und wir haben wahrscheinlich niemand zum Sattmachen, Herr Baron!" „Hab' ich das gesagt!--Aber du hast sie noch immer alle satt gekriegt." Sein Gesicht bekam einen nachdenklichen Ausdruck „Manchmal denk' ich. dos Beste wär' — — — verkaufen!" „Jesus Maria!" Die Tür schnappte ins Schloß, so kräftig hatte sich die Alte dawider gelehnt. „Wär' ein Sündengeld, das Sie für Ichenhausen bekämen Herr Baron, und der junge Herr--" .„Hockt hinter seinen Maschinen, jawohl, und schert sich den Teufel, wie die Karre hier lauft Die kann bis über die Deichsel in Dreck versinken. er rührt keinen Finger, sie wieder herauszuholen Und ich alter Mann sitz' da und warte und warte und macht mich lieber heut als morgen aufs Altenteil fetzen und Enkel auf den Knien halten! Aber do wird ein anderer eher Urgroßvater, bis ich Großvater werde " „Der junge gnädige Herr sollte heiraten!" „Weiß Gott, ja, das sollt' er!" Merlin sah ihr belustigt ins Gesicht „Fändest du eine, die dielen Eisberg nimmt9" „Freilich die rechte müßt's schon sein!" Sie erinnerte sich plötzlich daß sie Backwerk im Rohr hatte und schoß davon Merlin sah ihr nach und bekam einen versonnenen Ausdruck in die grauen Augen So unrecht hatte die Lisaweth nicht Heiraten mußte der Hans Jörg! Und die Rechte müßt' es fein' Woher aber gerade die Rechte nehmen9 Er sah nach dem Bilde seines Einzigen. das ihn als sechzehnjährigen Jungen vorstellte Do hatte der Junge noch gelacht und ganz Ichenhausen vom Keller bis zum Giebel durcheinonder- geroirbelt und die gesamten Nachbargüter auf den Kopf gestellt. Dann hatten ihn die Benediktiner in die Kur genommen und ihm Griechisch. Latein und i i) e t. Dutzend andern Krempel beigebrocht Und das hatte ihn verdorben, und zwar so gründlich, daß er setzt nicht einmal mehr ein Vollblut von einem Außenseiter unterscheiden konnte. Nur das Reiten: dos konnte er noch! Und das nicht schlecht Und die Zeitungen brachten ab und zu einen Artikel von ihm und schrieben von seinen Erfindungen. Aber das, was die Hauptsache gewesen wäre, eine Frau, fand er nicht. Nr. 40 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Donnerstag, (b. gcbruor 1953 Oberheffen. Landkreis Gießen. 4- Klein-Linden, 14. Febr. Die Gemei n- nutzi ge Baugenossenschaft Kletn-Ltn- den hielt im Gasthaus .Zur Deutschen Siche" ihre Jahreshauptversammlung ab. Dach dem vom Dorsitzenden erstatteten Geschäftsbericht gelangten im vergangenen Jahre erhebliche Beträge für Hof- reitenverbesserungcn und Instandsetzungen der Wohnungen zur Ausgabe Soweit es die Finanzlage gestattet, sollen in diesem Jahre vorwiegend kulturtechnische Berbesserungen an den Grabgärten und Hofreiten vorgenommen werden. Bei der Mitgliederbeweguna ist ein starker Abgang zu verzeichnen, der aus die Erhöhung des Geschäftsanteils auf 300 Ml. zurückzusühren ist. Dach einer Mitteiluna des Ministeriums des Innern ist die Baugenossenschaft als gemeinnützig anerkannt. Die Devilionsbescheinigung bestätigte eine ordnungsmäßige Geschäftsführung der Genossenschaft. Dach der Bilanz für 1932 beträgt das An- lage-Dermögen der Genossenschaft 101 927,77 Mark Dem Gesamtvermögen von 107 969,71 Mk. stehen Schulden in Höhe vön 37 818,68 Mk. gegenüber An Geschäftsguthaben stehen 12 177,98 Mk. zu Buch. Die Entlastung des Borstandes wurde von der Dersammlung einstimmig beschlossen. Zwei fahungsgemäß ausscheidende Aufsichtsratsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt. t Grohen-Linden, 16. Febr. Der weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannte Altbürgermeister Leun feiert heute in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 7 8. Geburtstag. Er stand der Gemeinde ununterbrochen in den Jahren von 1884 bis 1917 als Bürgermeister vor. Unter seiner Amtsführung wurde die Wasserleitung gebaut; daß Großen- Linden Bahnstation und Güterbahnhos erhielt, ist ihm ebenfalls als Berdienst zuzurechnen. Lange Iahre gehörte er dem Hessischen Landtag als Abgeordneter an. Doch heute ist er im Borstand der Bezirksfparkasse Gießen tätig. Heber seine Amtszeit hinaus war er seinen Mitbürgern stets ein guter Berater. — Der Landwirt Kaspar F a b er feiert seinen 79., der Eisenbahnarbeiter Konrad Müller seinen 74. Geburtstag. Beide find geistig und körperlich noch sehr rüstig. LJ Grohen-Linden, 15. Febr. Gestern abend fand eine öffentliche Gemeinderatsfi h u n g statt. Es kam ein wiederholter Antrag der hiesigen Vereine auf Herabsetzung der Dergnügungs st euer zur Beratung. Die am Schluß der Aussprache vorgenommene Abstimmung ergab die erneute Ablehnung des Antrages. < Leihgestern, 14. Febr. „Wirtschaftsnot und Kindererziehung" war das Thema, das gestern Schwester Grete Quack aus Darmstadt hier in einem Frauenabend behandelte. Ausgehend von dem Gedanken, dah sehr viele Klagen über die Wirtschaftsnot der Gegenwart verschuldet sind aus einem Leben über die Verhältnisse, forderte die Aednerin Erziehung des Kindc'3 zur EinfachheiL Daneben stellte sie als zweiten Punkt die Dankbarkeit, die eine seltene Pflanze in unserer Zeit geworden, wieder ge- weckt und gepflegt werden müsse, denn nicht durch ständiges Schielen nach dem, der mehr hat, werde die Zufriedenheit gefördert, sondern durch dankbares Dehmen dessen, was Gott beschieden. Unb endlich wurde die letzte und wichtigste Kraft betont, das Gebet. Denn nur der Mensch wird sich in allen Wechselfällen des Lebens als Meister zeigen, der schon in der Kindheit durch das Gebet der Mutter an seinen Gott für alle Zeit gebunden ist. Mit Dank an die Rednerin und dem Ehoral: »Ach bleib mit deiner Treue" schloß der Abend. * Watzenborn-Steinberg, 15. Febr. Am heutigen Donnerstag kann Herr Joseph S ü h von hier, wohnhaft Klossengasse 2, bei guter Gesundheit seinen 7 5. Geburtstag feiern 00 Lollar, 14. Febr Der hiesige Turn- und Gejangverein Mitglied des Hessischen und Deutschen Sängerbundes, hatte für Sonntag abend zu einem Liederabend im Gasthaus „Zum Schwanen" eingeladen Mit dem „Deutschen Sän- gergruß" eröffnete der Verein das Konzert In seiner Begrüßungsansprache teilte der erste Vorsitzende Philipp H a r b u s ch mit, daß die Veranstaltung bis zuletzt durch Erkrankung vieler Sängerinnen und Sänger an Grippe in Frage gestellt gewesen fei Er erwähnte weiter, gerade in der heutigen schweren Zeit solle man das deutsche Lied pflegen, da es Trost und Erholung biete Die Vortragsfolge, deren erster Teil nur ernste Musik aufroies, während der zweite Teil aus den heiteren Ton gestimmt war, brachte Männer-, Frauen und gemischte Chöre a capella und mit Begleitung Der Verein hat unter Leitung von Fortbildungsschul- lehrer Eberle wieder sehr schöne Fortschritte gemacht, er bot nur Gutes Sämtliche Darbietungen legten Zeugnis ab von dem Ernst, mit dem in dem Verein gearbeitet wird Aus der Fülle des Gebotenen rann nur einiges erwähnt werden Die Männerchöre „Abendlied" von Kuhlau und „Mein Mädel hat einen Rosenmund" waren gut ausgearbeitet und kamen korrekt zum Vortrag, die Frauen- chöre „Sehnsucht nach der Heimat" (Volkslied"), „Waldesweise" (von Engelsberg mit schönem Altsolo), „Die Spinnerin" (Volksweise) wurden weich und sehr ausdrucksvoll aesungen Unter den gemischten Chören, die sehr schön klangen, waren zwei außerordentlich ansprechende Vertonungen des Chorleiters. Besonders gefiel noch ein Frauenchor mit Begleitung von Klavier (Eberle junior), Horn (Geißler) und Trommel (Nettche). Ein Walzer für Männerchor mit Klavierbegleitung (Hartmut Eberle), mit Feuer und Schwung oor- getragen, der die Begeisterung der Zuhörer entfachte, bildete den wirksamen Schluß des Konzerts. In der Wahl der Solisten hatte der Verein einen sehr guten Griff getan. Käthe Gärtner (Alt) verfügt über eine sympathische, geschulte, volle Altstimme, mit der sie Lieder von Schumann, Schubert und anderen vorzüglich zum Vortrag brachte. Im zweiten Teil des Konzerts fang fie Wiener Lieder, die Sängerin erntete begeisterten Beifall, der wohlverdient war und fie zu einer Zugabe bewog. Weiter wirkte der Cellist Theodor Frank- Wetzlar mit. Mit hohem technischen Können verbindet er ein sehr ausdrucksvolles Spiel. Auch er mußte sich zu einer Zugabe verstehen und wurde mit reichem Beifall belohnt. In dem Chorleiter hatten beide Solisten einen geschickten, anschmieg- {amen, dezenten Begleiter am Klavier Alles in allem machte der wohlgelungene Liederabend dem Turn- und Gesangverein und besonders auch seinem Dirigenten alle Ehre. + Grünberg. .5. Febr. Dieser Tage hielt der Männergesangverein seine Hauptversammlung ab. Der vom 1. Vorsitzenden, Uhrmacher meister Dich. Södel, erstattete Jahresbericht legte Zeugnis ab von regem Leben, das im Verein herrscht. Bei einer aktiven Sängerzahl von 53 war die durchschnittliche Besucherzahl der Singstunden 40. Abgchalten wurden 51 Uebungs- stunden an sämtlichen Stunden nahmen teil. G. Schombert, E. Fuldat und Rud. Trink- aus. an 50 Singstunden: W. Lehmann, K. Frank, Rud Fuldat und G. Feichten- deiner, an 49: Hch. Werner, E. Thraum und O. Heußinger, an 48: K. Fuldat, A. K r e u d e r uno H Gerhard. Ger Verem wirkte an verschiedenen örtlichen Veranstaltungen mit, trat mit einem wohlgclungenen Konzert an die Oeffentlichkeit und war beim Deutschen Sänger- fest in Frankfurt mit einer Fahnenabordnung vertreten Reben 53 aktiven Sängern zählt er noch 70 passive Mitglieder und hat 9 Ehrenmitglieder. Die Iahresrechnung ergab einen kleinen Hcber- schuh, der dem vorhandenen Fonds zugeführt wurde, der als Grundstock zur Finanzierung des im Jahre 1934 hier stattfindenden Bundesfestes des Lahntal-Sängerbundes dienen soll. Die Vorstandswahl ergab die säst einstimmige Wiederwahl des seitherigen Vorstandes, der sich folgendermaßen zusammensetzt: Hhrmachermeister Richard I ö ck e l, Dorsikender, Stadtrechner Rud. G e h - ringer, Stellvertreter; Steinhauer Heinrich Schmidt IV., Rechner. Landwirt K Christ, Schriftführer; als Beisitzer K. W e r n e r und Otto Heuhinger, als Dotenwart Gg. Schombert und als Vertreter der passiven Mitglieder Bürgermeister Dr. M i l d n e r. Eine besondere Ehrung wurde den beiden Sangesbrüdern Fr Feldmann und O. Heuhinger zuteil; für 30jährige Sangestätigkeil wurden sie zu Ehrenmitgliedern ernannt und ihnen eine Ehrenurkunde überreicht. Das nächste Konzert soll als Silcherabend ausgestaltet werden. Der Verein steht unter der Leitung von Musiklehrer Fritz Leib (Gießen) und kann im Jahre 1934 aus sein lOOjähriges Bestehen zurückblicken. — Am Sonntagabend hielt der Gesangverein „Sänge r k r a n z" ein Konzert in der Turnhalle ab. Die durchweg gut vorgetragenen Chöre, denen neben ernsteren auch solche heiteren Inhalts sich anreihten liehen eine sorgfältige Schulung des Chors unter der sicheren Leitung des Chormeisters Konrad D i c o l a i (Grohen-Buseck) erkennen. Besonderen Anklang fanden die mit Orchester be- gleitung (Reichswehrkapelle) vorgetragenen Strauhschen Walzer „Wiener "Mut“ und »An der schönen blauen Donau". QIufiloorträge der Kapelle und ein gut gespielte» —yeaterstück trugen wesentlich zum Erfolg des Abends bei. törcte jyttcDbcrß. WSD. Friedberg, 15. Febr. In Wölfersheim wurde morgens eine Bauerfamilie, als fie zur gewohnten Zeit nicht erschien, vermiht. Bei näherem Dachsehen fand man die Eltern und ein kleines Kind in ihren Schlaf- räumen in den Betten bewußtlos vor. Kohlenoxydgas hatte die Leute während des Schlafes überrascht. Es gelang, die Frau und daS Kind bald wieder zu sich zu bringen, dagegen muhte der Mann dem Krankenhaus in Friedberg zugeführt werden £ Steinfurth, 14. Febr. Dach einem erfolgreichen Konzert im Dezember hatte der hiesige Männergesangverein „Frohsinn" zu einem Körnerabend in den „Darmstädter Hof" eingeladen. Drei Werke des Dichters. das Drama „Joseph Heiderich" oder „Deutsche Treue" und die Schwänke „Der Dachtwachter" und „Die Gouvernante" wurden aufgeführt, die den Freiheitshelden von 1813 in seiner ernsten ethischen, als auch seiner heiteren sonnigen Lebensbejahung nahe brachten. Dach der Begrüßung durch den Präsidenten Philippi und einem Eröffnungschor gab Lehrer Schmandt zur Einführung zunächst ein kurzes Lebensbild Körners, der, noch nicht 22 Jahre alt, als Lützow- scher Jägerleutnant den Heldentod starb. Alle Spieler waren eifrig bemüht, der Darstellung ihrer Rollen gerecht zu werden und den Abend zu einem vollen Erfolg zu gestalten. Die Äaiierseier für die Opfer pon Neunkirchen. WA :■ «U - M • • s f'*-. V; / y 6 W-& _ 7/ «- . . x- « Die Aufbahrung der Sarge auf dem Marktplatz. Die Hand in den Taschen seines Rockes vergraben, ließ er die Töchter der Gutsnachbarn Revue passieren Eine Schande, wenn man dem großen Men sehen mit seinen zweiunddreißig Jahren noch eine Braut suchen mußte. Aber wenn er's nicht tat saß man in dreißig Jahren noch auf demselben Fleck, und fuhr, bis in die Knochen abgerackert, in die Grube. Und dem Jungen kam es gar nicht zum Bewußtsein, daß es auch noch andere Pflichten gab, als ein tüchtiger Ingenieur und ein schneidiger Pilot zu sein und neue Flugzeugtypen zu erfinden und sich in Berühmtheit und Männergunst zu sonnen. Er ging nach der Tür. rief den Hund, der unter dem Schreibtisch doste und trat .auf den Flur. Don der Küche herauf kam feiner säuerlicher Bratendufi, mit dem von Tomaten und Essiggurken gemischt Zwischenhinein roch es nach irgendeinem Backwerk. Das bißchen Essen war eigentlich noch das Einzige, das man hatte, und die Lisaweth wußte, was einem alten Magen wohl tat. Im Park war em Gärtnerbursche beschäftigt, die Laubengänge zu beschneiden, und ein zweiter machte die Wege vom Untraut rein. Immer, wenn er ins Freie trat, mutete es ihn an, als stände er mitten auf der Insel der Seligen Hundert Jahre und darüber waren die Eichen, die sich in regelmäßigen Abständen die breite Auffahrt hinunterzogen. Ahn und Urahn bis hinauf zu den Kreuzzügen hatten an der Ichenhausener Scholle gearbeitet und geschafft und er, der vorletzte Merlin, wollte das verschachern, was tausend Jahre gebraucht hatte, so zu werden, wie es war.---Ein Sündengeld, hatte die Lisaweth gesagt. „Heiraten soll er", bestimmte Merlin verbissen. Es mußte ja nicht gerade eine Bucklige fein, ober eine, die halb blind neben ihm herllef Obwohl, das Bucklig- und das Blindsein war das Schlimmste noch nichi Diel schlimmer war's, wenn ihn eine nicht verstand Denn: ihn verstehen, das mußte die, die ihm Kamerad werden wollte Er freute sich, wie schön blank der Kies war. der zu seinen Füßen knirschte und schnupperte den Duft der Akazien ein, die gruppenweise den Bach umsäumten, der den Park durchlief Hinter einem Wall von Blutbuchen tauchte das rote Dach der Oekon.,. miegebäube auf Einen Baumstumpf als Sitz benutzen!), sah er ba* nach hinüber Daß ihm der Junge heute nicht aus dem Kopfe gehen wollte? Unb wieder strengte er feine Sinne an, wo er die Paffende für ihn her- nehmen könnte. Sämtliche Familien, in denen Töchter warteten, ließ er an sich oorübergleiten. Aber es fand sich nichts. Der Ebenhausener, dessen blaues Schieferdach man über die sattgelben Weizenfelder hecyberblinfen sah. hatte zwar vier Mädels, aber sie waren so gut wie verlobt, wenigstens zwei davon, und die andern beiden zählten noch nicht. Das waren Iungküken Und außerdem wo Hans Jörg auftauchte, oer- schwand alles, was Röcke trug, von selber. Der Ebenhausener hatte ihm auch einmal den Grund dafür gesagt: Fesch ist dein Hans Jörg, ein schöner Mensch, unb weiß ber Teufel auch wie gescheit, aber gerade das fürchten die Frauenzimmer wie den Gottseibeiuns. Wenn er von Maschinen und Propellern anfängt, von Kurbelbruch und goldnem Schnitt und all dem Krimskrams, bann nehmen sie Reißaus und machen flinke Beine. Da muß schon eine kommen, bie einen dreifachen Doktor hat, ober sonst was Urgelehrtes ist. Mit einer Mittelsorte ist der nicht zufrieben. Merlin tat einen Seufzer, ging ben Bach entlang bis an die kleine Brücke, die zum Gasthof führte und sah den Reitknecht, wie er eben die trächtige Stute nach dem Wasser führte. Sie ging müde unter der lebendigen Last unb ließ ben Kopf nach vom hängen. Er tätschelte ihr ben Hals unb fuhr bie glänzenbe Mähne herab: „Nun bauert’s nimmer lange, Verona, dann hast du's überstanden." Eigentlich war alles, was Weib hieß, zu bemitleiden! Diesem einen kam keine aus. Es ging nicht anders! Mußte sein. Wenn heute Hans Jörg eine junge Frau ins Haus holte, war das erste, daß er auf Kinder wartete. Und wer schenkte die?--- Das konnte niemand als ein Weid. Und nun, da er den ergebenen Blick des Tieres auf sich gerichtet fühlte, sah er plötzlich die Frau, die er für seinen Einziaen suchte, in leichtem Revel vor sich herschweben: schlank, wie der Sohn, unb hochgewachsen wie er. Daß sie blond war, war selbst- verständlich Eine schwarze Jchenhauserin kam nicht in tfrage. Schwarz waren sie alle selber, bie Merlins. Ein bißchen Mischung tat immer gut. Und blond — bie Blonden waren immer ein bißchen schmiegsamer, ein bißchen weicher im Gemüt. Und wohl auch ein bißchen nachgiebiger als die anderen. Blieb nur öie Frage noch, wo sie war, die Blonde, Zarte, Schmiegsame. Im Begriff, ben Gutshof zu betreten, sah er den Grafen Harrach, seinen Nachbar, die Allee herauf- reiten. Stehenbleibend bot er ihm den Gruß: „Ncn Morgen, Rochus!" Dessen Rechte streckte sich ihm entgegen: „Ren Morgen auch, mein Atter." Man war zusammen Kadett gewesen, hatte, roie’s Zeit war, seinen Abschied genommen, brav geheiratet und war Schollen- menfd) geworden. Nun sah man sich zuweilen, ober man sah sich nicht. „Vereinsamen tut man, als wäre man in Sibirien", sagte Merlin und jagte dem Gaul des Jugendkameraden eine Stechfliege weg. „Du willst es ja nicht anders. Zu keinem Skat kommst du mehr und zu keinem Bierabend. Ich erinnere mich kaum ber Zeit mehr, baß du dich auf Jettenbach hast blicken lassen. Wo man sich trifft, überall fehlst du. Ich mein, deine Aecker laufen dir nicht weg, wenn du sie einmal einen Nachmittag allein läßt." (Fortsetzung folgt) l > j t> s r e s ll >r rt i- 18 in r. de in en •ec eS ■ifl ?m en •u- ut uß ie» e r Die oben. 200 ird. len IUS gs- e r en- )en, )en, irge ilen nge sich ften er- fige urch mit weit iau8 erke, ts- um erbe» Beräum i seit xtal- Ge- ,Sähet ges- das für hier rider Zwei Han» >enS- or - . f e n iuf- 'Cffen bei» Wet- nad) Durch dings über ebige lichen i ab- Druck tigern i sich räter- ,eder» I unb öden, elfad) I unb mild, Grad irgens imum .0 cm März: 3 mm. Wirtschaft. Berlin etwas freundlicher. Berlin. 16. Febr. (WTB.-Funkspruch.) Nach der Beruhigung in Amerika zeigte sich auch in Berlin eine etwas freundlichere Grund- st i m m u n g. Zu den Anfangskursen war allerdings teilweise noch etwas Ware da. so daß verschiedentlich Rückgänge zu verzeichnen waren, denen aber auch Besserungen gegenüberstanden. 3n Erwartung der politischen Weiterentwicklung herrscht noch immer starke Zurückhaltung. Die Hoffnungen auf eine Reichsbankdiskontsenkung erhielten sich, Hlus der Wirtschaft lagen Rachrichten von Belang nicht vor. Die Abweichungen gegen den Bortag betrugen zu Beginn des Verkehrs zumeist nur Bruchteile eines Prozentes. Auffallend war eine Steigerung der Wintershall-Aktien im Freiverkehr um mehr als 5 Prozent, zumal dieses Papier in den letzten Tagen schon beachtliche Besserungen erzielt hatte. Hier regten Dividendenhoffnungen und die vorgeschlagene Einziehung von 20 Millionen Reichsmark Aktien an. Auch Ilse stellten sich bei nicht sehr großen Llmsähen 4,5 Prozent höher. Weiter waren Contilinoleum, Felten, Hamburger Elektrische Werke und Bayerische Motorenwerke 1 bis 1,5 Prozent gebessert. Anderseits lagen Reichsbank, Aktiengesellschaft für Verkehrswerke, Deutsche Erdöl, Harpener. Rheinische Braunkohlen, Kali-Chemie, Westeregeln, Akkumulatorenfabrik und Chadeaktien 1 bis 2,5 Prozent gedrückt. Im Verlaufe waren Bayerische Motorenwerke weiter stark gefragt und um 3 Prozent gebessert. Auch verschiedene anddre Werte zogen bis zu 1,5 Prozent an, während sich im allgemeinen nur kleinere Erhöhungen ergaben. Das Geschäft wurde etwas lebhafter. Deutsche Anleihen tendierten freundlicher. Altbesitz zogen im Verlaufe etwa 0,50 Prozent an. Variable Industrieobligationen zeigten kein ganz einheitliches Aussehen. Reichsschuldbuchforderungen waren etwa 0,50 Prozent höher. Die übrigen festverzinslichen Werte schienen eher etwas angeboten zu sein. Am Geldmar kt blieb Tagesgeld mit 4,39 Prozent bzw. 4,25 Prozent an der unteren Grenze unverändert. Da die Tranche Reichsschatzanweisungen per 15. September ausverkauft ist, ist eine neue Tranche per 16. Oktober ausgegeben worden, für die sich ebenso wie für Privatdiskonten und Reichswechsel per 15. Mai Interesse zeigte. Sranffurf freundlich. Frankfurt, 16. Febr. (WTB. Drahtmeldung.) Das Kennzeichen bei Beginn der heutigen Börse war zwar größte Geschäfts st ille, doch war eine freundlichere Tendenz unverkennbar, zumal weder aus der Politik, noch aus der Wirtschaft ungünstige Nachrichten Vorlagen und auch die amerikanischen Bankschwierigkeiten wegen ihrer mehr lokalen Bedeutung kaum noch beachtet wurden. Im Hinblick auf die weitere Entwicklung der innen- und außenpolitischen Verhältnisse bestand jedoch noch Zurückhaltung. Ausschlaggebend für die freundlichere Tendenz waren kleine Aufträge sei- tens der Kundschaft, denen sich die Kulisse nach den Abgaben der beiden letzten Tage mit einigen Deckungen anschloß. Bei kleinem Umsatz zeigten die ersten Notierungen überwiegend Erhöhungen von 0,25 bis 0,75 v. H. Vereinzelt ergaben sich noch einzelne Abschwächungen, so bei Deutsche Erdöl mit minus 1 v. H., Reichsbank mit minus 0,75 v. H. und Licht und Kraft mit minus 0,50 v. H. Montanwerte eröffneten auf Käufe des Rheinlandes etwa von 0,25 bis 0,65 v. H. höher. Am Elektromarkt standen Siemens im Vordergrund des Interesses; nachdem bereits an der Abendbörse entgegen der Allgemeintendenz eine Erhöhung von 1 v. H. zu verzeichnen war, lag der Kurs erneut 0,50 v. S). fester. Gesfürel zogen 0,40 o. H. an, AEG., Bekula, Reichsbank und Schuckert waren behauptet. IG. eröffneten mit 107,50 v. H. 0,25 v. H. höher und zogen später auf 108 v. H. an, wie überhaupt im Verlaufe die Umsatztätigkeit etwas belebter war und die Kurse durchweg leicht anzogen. Siemens gewannen 1,25 v. H. deutsche Anleihen und späte Reichsschuldbuchforderungen wurden etwas belebter umgesetzt, wobei Besserungen von 0,25 v. H. bis 0,50 o. H. zu verzeichnen waren. Jndustrieobligationen lagen meist unverändert, ebenso ergaben sich für Staats- und Stadtanleihen keine nennenswerten Verschiebungen. Der Pfandbriefmarkt lag sehr still, es bestand eher etwas Nachfrage, ohne daß aber die Kurse wesentlich verändert waren. Im weiteren Verlauf blieb die feste Stimmung bestehen, die erhöhten Kurse blieben gut behauptet. Die Umsatztätigkeit war denkbar gering. Deutsche Anleihen und späte Reichsschuldbuchforderungen bröckelten leicht ab. Tagesgeld war zu 3,75 o. H. etwas gesucht. frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 16. Febr. Auftrieb: 128 Stück Rinder, 903 Kälber. 246 Schafe, 458 Schweine. Es wurden notiert: Kälber, beste Mast- und Saugkälber 35 bis 39, mittlere Mast- und Saugkälber 30 bis 34, geringe Kälber 25 bis 29: Schafe, Mastlämmer und jüngere Masthämmcl. Weidemast, 24 bis 26, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 21 bis 23. fleischiges Schasvieh 17 bis 20; Schweine, vollfleischige Schweine von zirka 200 bis 240 Pfd. Lebendgewicht 40 bis 42, desgl. von zirka 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 40 bis 42. Marktverlauf: Kälber und Schweine rege. Schafe ruhig, ausverkauft. Büchertisch. — Helene von Matter: Eine deutsche Frau erlebt Sowjetrußland. 140 S. mit 30 Eigenaufnahmen. Lwd. 2,75 RM., kart. 2,20 RM. Bergstadtverlag, Breslau I. — (444) — Die Autorin war mehrfach, auch gegen den Willen der Sowjets und als Bauersfrau, in Sowjetrußland. Mit Interesse verfolgt man die ohne gegnerischen Eifer, aber mit gesundem Empfinden vorgetragenen Berichte über ihre Erfahrungen. Betrachtungen über Rußlands allgemeines Gesicht, Erfahrungen über Frau und Familie über den Fünfjahresplan, über Arbeiter und Arbeitsverhältnisse, über die Auswirkungen des Sozialismus auf die Landwirtschaft sind fesselnd zu lesen. Den Berichten über das Deutschtum in Rußland, das Gesundheitswesen, das Bildungswesen folgen zusammenfassende Schlußbetrachtungen, die in einem Warnungsruf vor einem Sowjetregiment enden. 30 Eigenaufnahmen veranschaulichen den Reisebericht. Rauhe Haut: Penaten-Creme in Apotheken und Drogerien RM 0.30, 0.55, 1.10 ^ose-Marie Die Geburt eines gesunden Töchterchens zeigen an Hans Zhring und Frau Käthe,geb.Steinhäuser £id) lr-Z. Gießen, Kath Schwesternhaus), IS. 2.33. 1148 d Astoria-Lichtsplele ■■HB Heute bis Sonntag Doppelprogramm I I. Tom Ree ne in dem sensationellen Wild- K West-Tonfilm in deutscher Sprache 1 io5 c Em Sein kleiner Kamerad 1 Z1044 ££ I Die „Atlantik**-Katastrophe der Luft I Tm Rahmen einer spannenden Han ilung zeigen wir I Ihnen die Sturm fahrt des Lufischifles Z 1044 durch I Schnee u. Eis. bis es auseinanderbricht u. abstürzt. W Der große Maskenball des Turnvereins von 1846 am Samstag, dem 18. Februar 1933, in sämtlichen Festräumen der Turnhalle am Oswa dsgarten, beginnt um 7.59 Uhr abends 1139D Gäste sind willkommen Karten-Vorverkauf bei: Pap erhaus Ernst Jung, Sehersweg, und Friseur Georg Wahl, Neusiaot Werben Sie mittelst der Zeitungsanzeige und In geeigneten Fällen auch durch gute Drucksachen! Fachliche Beratung, wirksame Entwürfe, beste Ausführung und günstige Preisvorschläge bietet Ihnen die BrOhPsche Druckerei. GieBen, ^chulatreBe 7. Anruf Nr. 225 LimispielliausGielien GoeihebnndGiegen Äur Sonntag, 19. Febr., 11.15 Uhr vorm. Kulturfilm - Früh - Vorstellung „IKARUS“ Günther Plüschows Fliegerschicksal Ein Heldenlied ohnePathosI Dieser Film hat dokumentarischen Wert und zeigt einen Teil des Heldenschicksals des einstigen Fliegers von Tsingtau und nachmaligen Entdeckers des Feuerlandes. In der Einleitung erzählt der Ozeanflieger Köhl dem Sohn Plüschows von den Taten des Vaters, bis das einzigartige Bildmaterial. das Plüschow von seinen verwegenen Seefahrten und Flügen mii gebracht hat, an die St Ile der Erzählung tritt. Aufgenommen von Günther Plfl ehow t Mitarbeiter: E Dreblow T — Hanptm. Köhl — Th. Loos. — Wolfgang Zeller, Musik. Dieser Tonfilm wird ein Erlebnis für alle Kulturfilmfreunde sein! Kleine Preise M. 0.50 bis 1.40 Jugendliche M. 0.30 bis 0.70. Für Goethebund- und Verbandsmitglieder M. 0.50 und 100 gegen Einlösung der Gutscheine Nr, 4 Vorverkauf: Emst Challier. n56c Zwangsversteigerung 8,K31 Arn Donnerstag, dem 9. März 1933, vormittags 9 Uhr, wird im Arntsgerichis- gebäude zu Gießen, Zimmer 107, das nachstehende im Grundbuche von Gießen 1. der Jakob Happel Witwe, Luise geb. Herbert in Gießen zu %, 2. dem Hans Wilhelm Emil Happel in Gießen zu % zugeschriebene Anwesen Große Mühlgasse Ar. 30 750D Flur 1, 31t. 980 -- 183 qm hofreite Flur 1, Jlt. 986 = 583 qm hofreite. geschätzt zusammen 27 540 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 30. Januar 1933. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Bekanntmachung. Offenlegung der Wählerliste für die Reichstagswahl am 5. Mär; 1933. Die Wählerliste für die zur Reichstagswahl in der Stadt Gießen mit Gemarkung Schiffenberg und Herrnwald stimmberechtigten Personen liegt vom Sonntag, dem 19. Februar 1933, bis einschließlich Sonntag, den 26. Februar 1933, im Wahlamt im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer 14, werktags von 8 bis 13 Uhr und 15 bis 18% Uhr, Samstag, den 25. Februar 1933, von 8 bis 13 Uhr, an den beiden Sonntagen von 9 bis 13 Uhr zu jedermanns Einsicht offen. 1146C Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerliste sind innerhalb der Offenlegungsfrist bei Meldung des Ausschlusses bei dem Wahlamt schriftlich oder mündlich zu erheben. Soweit die Richtigkeit einer Behauptung nicht offenkundig ist, sind Beweismittel beizubringen. Wird ein Einspruch nicht sofort für begründet erachtet, so entscheidet über ihn der Kreisausschuß endgültig. Gießen, den 16. Februar 1933. Bürgermeisterei Gießen. I. D.: Dr. Selb. Bekanntmachung. Sehr.: Baulandumlegung Wilhelmstraße— Aulweg—Wartweg der Gemarkung Gießen. 1134C Nachdem das Ministerium der Finanzen, Abteilung für Bauwesen, den Plan für die Neueinteilung und den Antrag auf Umlegung der Grundstücke Flur V Nr. 167u/ioo, 168°/.°, 172/173, 174, 175, 1756/io, 176, 177, 1776/io, 1783/io, 178‘/io, 1788/io, 1786/io, 1787/io, 178"/.°°, 17823/.oo, 178'°/.°°, 178-7/i°°, 179/180, 181, 182, ISS1/.«, 183°/.°, 1841/.°, 185'/.°, ISS1/.», 188°/.°, 189, 190'/.°, 233, 236, 237, 238, 239, 240, 24V/.O, 241°/.°, 242V.o, 2423/i°, 242°/.°, 2427/.», 242°/.» 243, 244, 245, 246, 247, 250°/.°, 251, 253°/.°, 256, 257, 258, 259, 260, 3551/.», 355°/.°, 356, 3561/.°, 357, 358, 360, 361, 368, 369, 372 der Gemarkung Gießen genehmigt hat, liegen die Vorarbeiten in der Zeit vom 20. Februar 1933 bis einschließlich 28. Februar 1933 während der Dienststunden im Stadthaus, Bergstraße — Vermessungsamt —, Zimmer 15, offen. Wir bringen dies gemäß Artikel 21 des Gesetzes über die Umlegung von Bauland vom 15. Oktober 1927 mit der Aufforderung zur' öffentlichen Kenntnis, daß Einwendungen während dieser Zeit bei der unterzeichneten Stelle schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden können. Mieter und Pächter, denen ein vorbezeichnetes Grundstück auf Grund des Miet- oder Pachtverhältnisses überlassen ist, werden aufgefordert, etwaige Ansprüche aus dem Miet- oder Pachtverhältnis geltend zu machen. Gleichzeitig fordern wir hiermit die Beteiligten auf, die Einträge der Eigentums- und sonstigen Rechtsverhältnisse in den öffentlichen Büchern, insoweit sie den bestehenden Verhältnissen nicht mehr ent- prechen, innerhalb einer Frist von einem Monat bei dem zuständigen Amtsgericht berichtigen ober ergänzen zu lassen, damit die bestehenden Rechtsverhältnisse beim Umlegungsverfahren berücksichtigt werden können. Gießen, den 14. Februar 1933. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Dr. Zwangsversteigerung 126/32 Am Donnerstag, dem 23. Februar 1933, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichts- gebäude zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche von Gießen dem Wilhelm Dippel und Ehefrau Auguste, geb. heute, in Gießen zugeschriebene Anwesen Kaiserallee 40 411D Flur 3, 3Xr. 293 - 246 qm Grabgarten -- 116 qm Grasgarten Flur 3, Nr. 294 = 399 qm hofreite geschätzt 15 800 RM., versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 16. Januar 1933. 3.21. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Brennholzversteigerung im Markwald Dettenhausen am Montag, dem 20. Februar, Anfang vormittags 9% Uhr, an der Waldecke der Straße Bettenhausen—Muschenheim. 1150D Scheitholz: Buche 180 rm, Eiche 40 rm, Kiefer 12 rm, Fichte 5 rm. Knüppel: Buche 40 rm, Eiche 25 rm, Kiefer 15 rm. Stöcke: Buche 84 rm, Eiche 4 rm. Reisig: Buche: Durchforstung 300 rm, Buche IH.Kl. 75 rm, Eiche: Durchforstung 100 rm, Eiche und Fichte: Schlagreifig 75 rm. Fichte: Stangen in Schichthaufen 40 rm. Bettenhausen, den 15. Februar 1933. Roth, Markvorsteher. Nutz- und Brennholzversteigerung Dienstag, den 21. Februar L 3., vorm. 10 Uhr anfangend, werden aus dem Gemeindewald Wohnbach versteigert: (1151D Stämme: Eiche, N: 1. Kl. 81 St. = 6,35 fm (Deichseln) Kirschbaum: 1. und 2. Kl. 2 St. = 0,79 fm Hainbuche: 8 St. -- 2,25 fm Eiche, N: 1. Kl., 4. und 5. Kl. 8 St. = 10 fm Derbstangen: 1. bis 3. Kl. = 72 Stück Reisstangen: 4. bis 7. Kl. = 325 Stück Ruhscheiter: Eiche, 2,50 m lang (Gartenpfosten) -- 31,8 rm Scheiter, rm: Buche 82,5, Eiche 13,2, Kiefer 20, Fichte 22,2 Knüppel, rm: Buche 36, Eiche52, Fichte 10 Reisig, rm: II. und III. Kl.: Buche 122 Reisig, rm: I. Kl.: Buche 3, Liche 8 Stöcke, rm: Buche 6. Zusammenkunft am Waldeingang Straße Wohnbach—Münzenberg. Wohnbach, am 15. Februar 1933. Hessische Bürgermeisterei Wohnbach. Kratz. Rutz- und Brennholzversteigerung aus dem Gemeindewald Salzböden. Am Donnerstag, dem 23. d. M., vormittags von 10 Uhr ab, wird im Saale der Gastwirtschaft Weisbrod, dahier, das nachstehende Holz öffentlich meistbietend ver- steigert: 1149D L Ruhholz. 8 Eichenstämme mit 1,81 fm 24 rm Eichennutzscheit 6 Eichenstangen 1. Kl. 4 Buchenstämme mit 2,22 fm 35 Fichten tämme mit 8,27 fm 58 Fichten langen I. und II. Kl. II. Brennholz. 140 rm Eichenscheit und -knüppel 398 rm Eichenreiser 563 rm Buchenscheit und -knüppel 1482 rm Buchenreiser Zahlungsbedingungen für auswärtige Käufer vor der Abfuhr, spätestens am 1. Juni 1933. Das Holz liegt in den Distrikten Rainbach, Greuse und Hardt. Salzböden, den 14. Februar 1933. Der Gemeindevorsteher Bodenbender. Ingenieur- Flugzeugbau,Flieger- iigcmcMi gchu|c papiertechnik SChUle Eig. Lehrwerkstätten Maschinenbau, ... . Elektrotechnik, SM A I IN 9 I Automobilbau W VI III Q I llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Wer seine Krawatte gut bindet ..... trägt meistens auch einen guten Anzug Vom konservativ-modisch geschnittenen Anzug bis zum Anzug mit dem letzten Schick zeigt Ihnen augenblicklich unser Spezial-Maßfenster. Nur durch Anwendung mod. Präzisions - Arbeitsmaschinen sind diese Preise möglich geworden: 78.- 88.— 98.- 108.— aKÖHLER Gießen - Seltersweg Nr. 17 Das fortschrittlichste Fachhaus Oberhessens Eigenes Maßatelier Im Hause. — Auch Ihre Stoffe werden verarbeitet 1 3 A lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Ausnahme-Tage fürNudelnu.Dörrobst Eier-Bruchmakkaroni...........«und 38 Eier-Nudeln in Pergamentbeuteln.... 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