liblt " — Bi SÄ eingerichtet, preis.* moH ... Y“-1’ nnf “"Htnajiei, i w wen zu verk. 05432 iid), um ttet 'vie. tiWrolemaiiiijDd »Harder“ mn9 M. um. v en L ?ooD 13. Bit aus- 'öen id)t. inn. 5421 15 p Wz MH. ^NtC?Mvr ./ ev., ieniu. ■ inl ■San. NM. • unt. Ml e verf., 9 iof. a> in n te&N, 3 WTcm21 B*i- 7”wS: h-M Nr. 217 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, Ib. September (955 Seulschlands biologische Lebenöbilanz. Von Or. von Tyszka, Profeffor an der Universität Hamburg. Die Bevölkerung des Deutschen Reiches betrug 1871: 42,1 Millionen, 1890: 49,4 Millionen. 1913: 67,8 Millionen, jedoch 1925 (auf verkleinertem Gebiet) nur 62,6 Millionen und nach der letzten Zählung vom 16. Juni 1933: 65,3 Millionen. Die jährliche Zuwachsrate stellte sich in der ersten Periode auf 1,1 0. H., in der zweiten auf 1,5 0. 5)., dagegen in der Nachkriegszeit nur noch auf 0,8 v. 5). In diesen wenigen Zahlen: dem starken Aufstieg der Bevölkerungszahl bis 1913, dem plötzlichen Rückgang m der Nachkriegszeit durch die Folgen des Diktats von Versailles und dem nur langsam zögernden Wiederanstieg von 1925 bis 1933 liegt Deutschlands biologische Lebensbilanz bcschlos- sen. Und das »st das Tragische an dieser Enlwick- lung, daß, wie eine Betrachtung vom biologischen Standpunkt aus zeigt, jener Wiederanstieg oer Volkszahl in den letzten Jahren nur ein scheinbarer ist, daraus beruhend, daß die Sterb- l i ch k e i t s v e r h ä l t n i s s e günstiger geworden smd, daß also die Bevölkerung eine längere Lebensdauer hat. Dagegen läßt der Nachwuchs infolge fortgesetzt sinkender Geburtenzahl immer mehr nach. Dadurch wird eine Beoöl- kerunaszunahme oorgetäuscht, die in Wirklichkeit, gemessen an der Wiedererneuerung des Volkskörpers von unten her, gar nicht vorhanden ist. Unser Volk wächst aus seiner natürlichen Quelle, dem Geburtenüberschuß, schon heute nicht mehr. Der von der Statistik formal berechnete Ucberschuß der Geborenen über Die Gestorbenen von 6 auf ^OOO .der Bevölkerung ist nur ein scheinbarer, in Wirklichkeit ergibt sich nach der sogenannten „bereinigten Lebensbilanz" schon jetzt ein Geburtendefizit von 1,5 auf 1000. Und da Die Zahl der zu erwartenden Geburten und Sterbe- fälle bekannt ist, kann man schon heute den Zeitpunkt genau berechnen, an dem selbst diese schein- bare Beoölkerungszunahme verschwindet, und unser Volk nun auch tatsächlich ziffernmäßig zurückgeht. Das Statistische Reichsamt hat berechnet, daß selbst unter der Annahme, daß die Sterblichkeitsverhältnisse weiter so günstig bleiben, bereits im 3 ahre 1 9 4 5 die Bevölkerungszahl Deutschlands mit 67,7 Millionen ihren Höchststand er- reicht hat. Von da an geht die Volkszahl dauernd und in immer stärkerem Maße zurück. 1960 werden in Deutschland nur noch 65 Millionen und um das Jahr 2000: 46 Millionen wohnen. Was bedeutet das für die Zukunft unseres deutschen Vaterlandes? — Heute ist trotz der Bevölkerungsverluste durch Krieg und den Gebietsabtretungen Deutschland immer noch das volkreichste Land in Europa, — wenn wir von Rußland absehen. Erst im weiten Abstand folgen Großbritannien, Frankreich und Italien. Aber schon nach wenigen Jahrzehnten wird es ganz anders aussehen. Die Tendenz, die schon in Den letzten Jahrzehnten zum Ausdruck kam: die Verlagerung des europäischen B e v ö l k e r u n g s s ch w e r p u n k t s nach dem D ft e n, die Ueberflügelung der germanischen Völker durch die slawischen wird dann in immer wachsendem Maße um sich greifen. Während jetzt auf die germanische Dölkergruppe noch ungefähr ein Drittel der Gesamtbevölkerung in Europa entfällt, wird bereits in drei Jahrzehnten ihr Anteil auf ein Viertel gesunken sein, während der Anteil der slawischen Bevölkerungsgruppe auf über bie Hälfte angestiegen sein wird. Damit wird nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich und kulturell die germanische Bevölkerung und mit ihr das Deutschtum immer mehr in den Hintergrund gedrängt, ^d das Gespenst der Abhängigkeit und Hörigkeit von den zahlenmäßig immer mehr wachsenden slawischen Völkern taucht auf. Eine zweite nicht minder schwere Gefahr birgt das Aushören des Bevölkerungswachslums unseres deutschen Volkes: nämlich auch eine Verschlechterung des qualitativen Menschenbestandes. Der Rückgang der Geburtenzahl wirkt nicht auf eine Auslese der Besten, sondern umgekehrt auf Erhaltung der Minderwertigen und Ausmerzung der qualitativ hochwertigen und kultur- tragenden Volksteile. Die von dem Augustinerpater I. Mendel entdeckten Vererbungsregeln haben nämlich bargetan, baß bei zu schwacher Fortpflanzung nicht genügenb Spielraum vorhanben ist, um die erbgefunbe Masse zum Durchbruch kommen zu lassen. Es besteht schon beim Zweikindersystem — und erst recht beim Einkindersystcm —, aus bas wir zusteuern — bie große Gefahr, daß d i e m i n - berroertigen Eigenschaften sich im ftär- feren Maße vererben und dadurch die Rasse oer- schlechtem. Schon nach fünfmaligem Generationswechsel, sagt Burgdörfer, besteht ein solches Volk praktisch nur noch aus den Nachkommen des geringwertigen, minder tüchtigen Teils. Die Nachkommen des hochwertigen Teils sind so gut wie aus- geworben. Dem quantitativen und qualitativen Rückgang unseres Volkes tatenlos zusehen, wäre ein Verbrechen an der Zukunft unseres Volkes. Wir sind nicht gewillt, uns auszugeben, sondern wir werden uns dagegen mit aller Kraft zur Wehr setzen. Es ist das große Verdienst unserer Regierung, den Kampf gegen die Verschlechterung unserer Rasse mit aller Energie ausgenommen zu haben. Die ersten Schritte und Etappen auf diesem allerdings sehr schweren Wege sind schon getan. Die Aufnahme des Siedlungsgedankens ist ein solcher erster Schritt. Die Quelle der Erneuerung unseres Volkstums ist nicht die Stadt und die städtische Bevölkerung, sondern das Bauerntum. Schon vor mehr als 40 Jahren hat Georg Hansen in seinem Buch: „Die drei Bevölkerungsstufen" statistisch nachgewiesen, daß die städtische Bevölkerung nach drei Generationen aussterben muß, wenn ihr von der bäuerlichen nicht neues Blut zugeführt wird. Wiederherstellung eines kräftigen, leistungsfähigen Bauerntums, '.Rentabilität der Bauernwirtschaft, Ansiedlung von Erwerbslosen in Bauernstellen auf fruchtbar gemachtem Oedland sind Voraussetzungen dafür, daß wir eine Bevölkerung erhalten, die sich ihrer Aufgabe bewußt ist, mitzuwirken an der Er- baltung unseres Volkstums durch trabitionstreue B"ege ber Familie unb der Nachkommenschaft. Auch das kürzlich erlassene Gesetz über die Gewährung von E h e st andsdarlehen verfolgt das gleiche Ziel: Förderung von Eheschließungen und Gründung von gesunden Familien mit starkem Nachwuchs. Ganz besonders ist hier aber das soeben erlassene Gesetz zur Verhütung von erbkrankem Nachwuchs zu begrüßen, das einer qualitativen Verschlechterung unserer Rasse durch Unfruchtbarmachung erbkranker Personen ent- aegenwirken soll. Das Gesetz bestimmt, daß Personen, deren Nachkommenschaft nach den Erfahrungen ärztlichen Wissenschaft an schweren körperlichen oder geistigen Gebrechen leiden würden, durch operativen Eingriff sterilisiert werden können. Gerade diese gesetzgeberische Maßnahme ist von weittragendster Bedeutung. Es wird ein Markstein in der Geschichte unseres Volkes fein, daß eine Regierung versucht, dem Verfall des Volkes durch Ver- erbung von krankhaften Eigenschaften energisch ent- gegenzutreten. Das was von Eugenikern, Aerzten wie von Volkswirtschaftlern und Politikern schon seit Jahrzehnten gefordert wird, Einhalt zu tun der Vererbung degenerierender Krankheiten, ist hier endlich zur Tat geworden. Die Hauptsache bleibt aber doch, daß in unferm Volk als Ganzes ber Wille zum Wieber- a u f ft i e g immer mehr unb immer stärker zum Durchbruch kommt unb bas Bewußtsein unb bie Ueberzeugung sich burchsetzt, bah wir nur bann eine Zukunft haben können, wenn unser Volk wieder zahlenmäßig durch Zunahme der Geburten wächst-, daß wir aber zum Volkstod verurteilt sind, wenn unsere Familie zu einer Zwergfamilie ohne Nachkommenschaft verkümmerte. Lord ©reg unb ber Ausbruch bes Weltkrieges. Äon Or. Gustav Wolost, 0. ö. profefior Der Tod Lord Greys, des englischen Ministers des Auswärtigen im Juli 1914, hat noch einmal die Gedanken, insbesondere in England und Deutschland, auf den Anteil gelenkt, den er an jenen Schicksalstagen gehabt hat. Zufällig sind in England noch unabhängig von dem Eindruck des Todes zwei Aeußerungen gefallen, die, im Urteil auseinandergehend, für die Anschauung weiter Kreise gewiß von Wichtigkeit sein werden. Die „Times" rühmte in einer neuen Aufwallung ihrer Deutschfeindschaft seine Politik mit großen Worten: Greys Eintritt in den Krieg sei weniger auf Berechnung und Ueberlegung als auf einen i n ft i n 11 i d e n Entschluß, hervorgerufen durch die unruhige unb bedrohliche Politik Deutschlands, zurückzuführen, und nie habe England Grund gehabt, diesen Entschluß zu bereuen. Anders Lloyd George, fein langjähriger Mitarbeiter, von dessen Erinnerungen gerade am Todestage ein neues Stück erschienen ist. Nach ihm war Grey überhaupt nicht der Mann eines Entschlusses, er habe nie die Dinge meistern können, er fei, wie er es früher schon einmal ausgedrückt hat, mehr in den Krieg hineingerutfcht als hineingegangen und habe durch seine Schwäche die energische Führung behindert. Gegen das günstige Urteil der „Times" über den Ausgang des Krieges ließe sich vom englischen Standpunkt manches einwenden — die Zurück- brängung ber englischen Seemacht burch bie amerikanische, bie beständige Bedrohung Großbritanniens durch die französische Lust- und Unterfeeflotte, bie ber Geschichte an der Universität Gießen. Unruhe in Jnbien unb anberen Dominions, bie Schuldenlast unb Arbeitslosigkeit u. bgl. —, aber wir wollen barüber mit den Englänbern nicht rechten, uns interessiert jetzt mehr die Tätigkeit Greys im Juli 1914, weil dadurch das Schicksal Deutschlands und der Welt bestimmt worden ist. Hier sind beide, die „Times" und Lloyd George, im Irrtum. Grey war weder entschlußlos, noch ist er einer plötzlichen Eingebung feines 3 n ft i n f t s gefolgt. Seine Politik un Juli war vielmehr die logische Fortsetzung seiner vorherigen; seit Jahren hatte er der deutschen Regierung systematisch die verwerflichsten Motive untergeschoben und die Möglichkeit, ja d i'e Wahrscheinlichkeit eines Krieges erwogen, und beim Auftauchen der Krisis zwischen Oesterreich und Rußland war er entschlossen, den Krieg herbeizuführen. Seinen Vorsatz hat er durchgeführt in vollendeter Skrupellosigkeit, ohne Scheu vor den verwerflichsten Mitteln: er hat die russische Regierung in ihrer Kriegsneigung angefeuert und hat, um England in den Krieg zu treiben, sich der bewußt falschen Berichterstattung seinem Könige wie seinen Ministerkollegen gegenüber schuldig gemacht. Grey wußte bei Beginn ber Krisis nach ber Gr- morbung des Erzherzogs genau Bescheid über die von Rußland geschürten Umtriebe Serbiens gegen Oesterreich-Ungarn-, er wußte, daß sich die Wiener Regierung in schwerster Notwehr befand und nahm an, daß das Komplott zum Mord in Serbien geschmiedet fei. Trotzdem hat er auf bie Nachricht DOtnr2e'l. morgens) Durch Buchanan, Den englischen Bot- Idjafter in Petersburg, Daß RußlanD bereits Rü- ftungen begonnen habe. Daß Sasonow, Der Mini- ' Auswärtigen, unD Palöologue, Der fron- 3ofifd)e Botschafter, unbcDingte Unterstützung Serbiens gegen Oesterreich für notwendig erklärt unb Englanbs H 11fe verlangt hätten, falls baraus ein Bruch zwischen Rußlanb unb ben Mittelmächten hervvrgehe. Palsologue habe sonor erklärt, Frankreich und Rußland seien auch ohne England zum Kriege gegen Deutschland unb Oesterreich entschlossen Die Sprache Des russischen Außenministers", hieß es weiter, „war in Dieser Hinsicht jeDoch nicht so entschiebe n". Grey mußte aus biesem Bericht entnehmen, bah Sasonow zwar mit ber Möglichkeit bes Kriege rechnete, aber noch nicht entschlossen war. ohne Gnglanbs Beistanb zum Kriege mit Den Mittelmächten zu schreiten, baß also eine ehrliche Vermittlung Englanbs unb ein kräftiger Druck auf Rußland, einen gerechten Aus- gleich mit Oesterreich zu suchen, gewiß A u s si ch t auf Erfolg habe, zumal um dieselbe Zeit auch günstige Nachrichten aus Wien eingingen. Aber Grey tat das Gegenteil: er bemühte sich so- gleich, die letzten Bedenken des russischen Ministers gegen den Krieg bei Seite zu räumen. Er ließ ihm sogleich mitteilen, England werde zu Ruß- land unb Frankreich stehen, wenn sich aus ber serbisch-österreichischen Frage ein Bruch zwischen Rußlanb unb ben Mittelmächten en‘- wickele, er billigte bie russischen Rüstungen unb sagte schließlich bem Grafen Benckenborff, bem russischen Botschafter in London, er werde durch eine Scheinoermittlung Deutschland beim Kriegsausbruch in eine militärisch ungünftige Lage zu bringen suchen (25. Juli). Daß damit jede Friedensmöglichkeit dahinfiel, ist verständlich; Rußland hat sogleich seine Rüstungen mit gesteigerter Energie betrieben und unerfüllbare Forderungen an Oesterreich gestellt. Alle Bemühungen Deutschlands, eine Verständigung zwischen Oesterreich und Rußland zu finden, mußten vergeblich bleiben. Nun handelte es sich für Grey um die Notwendigkeit, feinem Kabinett, dessen Mehrheit für aufrichtige Vermittlung unb Erhaltung des Friedens war, die Zustimmung zu dieser, den Frieden mor- denden Politik zu entreißen. Zu dem Zweck hat er den Ministern am 27. Juli einen falschen Bericht über die Lage oorgelegt. Er hat, wie wir aus den Aufzeichnungen des Ministers Morley, eines ehrlichen Friedensfreundes, der nach bem Kriegsausbruch seine Entlassung genommen hat, erfahren, bem Kabinett oorgefpiegelt, baß nach Buchanans Bericht Rußlanb unb Frankreich a u f alle Fälle zum Kriege entschlossen seien, falls Oesterreich auf ber Bestrafung Serbiens bestehe, möge Englanb mitgehen ober nicht: ben oben zitier- ten Satz, baß Sasonow noch Bebenken trage, falls Englanbs Mitwirkung nicht sicher sei, hat er unterschlagen. Die Mi- nifter würben daburch in ben Glauben versetzt, daß jede Vermittlung überflüssig sei, und daß es sich für England nur um die Frage handle, ob es mitkämpfen ober neutral bleiben solle. Hätten sie gewußt, baß Sasonows Entschluß noch nicht gefaßt war, hätten sie gewiß einen starken Druck in Petersburg verlangt unb bie Mißbilligung der russischen Rüstungen, bie ben Frieben aufs stärkste ge- sährbeten, ausgesprochen. Es ist nicht abzusehen, welche Wirkung eine solche englische Erklärung gehabt hätte: um seinen Elf Schillsche Offiziere. Erzählung von Erich Tüllner, GOS. Am 16. September 1809 würben in Wesel bie elf Schillschen Offiziere erschossen. Es ist am Morgen bes 28. April 1809. Sechs- hunbert Reiter, ohne Gepäck, ohne Proviant, ohne Munition, verlassen Berlin durch Hallesche Tor — sechshundert Schillsche Husaren. Exerzieren — die Parole! Die sechshundert Reiter, staubbedeckt unter früher Sonne, halten bei Potsdam. Schill tritt vor: „Kameraden! Der Feind steht mitten unter uns, grausam, frech unb unbarmherzig. Ihr wart babei, als Preußen fiel, feib auch babei, wenn es bie Fesseln abwirft! Im Westfälischen, in Tirol, in ber Altmark — überall rührt sich das Volk. Aufruhr, Kameraden! Wer soll eure Frauen vor der Willkür des korsischen Eroberers schützen, wenn nicht ihr! Wer soll euren Kindern die Freiheit erkämpfen, wenn nicht ihr! Preußen steht auf, bedenkt Euch, daß ihr nicht die letzten seid! Kameraden! Unser gnädiger König hat mir befohlen, dem westfälischen Korps des Obersten Dörnberg Succurs zu bringen. Wer von Euch in dieser großen Stunde abseits stehen will, sage es frei: ich entbinde ihn von seinem Eide. Wer aber bereit ist, um der Freiheit Preußens willen sein Leben einzusetzen, der folge mir!" Sechshundert Arme recken sich: Sechshundert Stimmen rufen: wir alle! Der Frühling springt aus ben Knospen: Frühling ber Freiheit, denken sechshundert Reiter und wissen nicht, daß der Befehl des Königs nur fingiert ist. Und bann ziehen sie westwärts wie sie gekommen finb: ohne Gepäck, ohne Proviant, ohne Munition, ohne Gelb — ein Häuflein Husaren, Jagb auf ben Korsen zu machen ♦ Die Elbe ist längst überschritten. Neue Truppen sind zu Schill gestoßen — aber die Zukunft ist doch düster wie nie zuvor. „oag* mir, Flemming, weshalb wir ben Aufruhr ins Lanb tragen? Weshalb?" „Ruhig, Schill, mit uns ist Gott, weil sonst niemand mit uns ist. Belügen wir einander nicht! Der König mißbilligt unser Unternehmen, Navoleon verfolgt uns, Dörnberg, Satte und all' die Geschlagenen sind uns ein schlechtes Vorbild." „Aber?" fragt der Major. „Aber", sagt Flemming, -dunklen Glanz in der Stimme. „Aber es geht iim Preußen!" „Ja ... ja .. dreimal ja! Und wir werden gehen, wenn wir dem König Das letzte Dorf zurückgewonnen haben. Wir werben gehen, preußische Offiziere, sonst nichts!" Nacht senkt sich nieber. Ferbinanb von Schill denkt: daß er dem König bie Treue brach um seiner Liebe zu Preußen willen, ist vor Gott eine geringe Schuld. Daß er aber sechshundert Reiter ins Ungewisse des Todes führen will, bürdet ihm sechshundertfache Verantwortung auf. Die Nacht verrinnt. Schlaflos wandert der Major ums Lager. Verräter, klagt fein Gewissen — aber die Sterne stehen auf Unsterblichkeit. Dleigrauer, dumpfer Morgen! Im Westen wellt bas Land sich auf wie ein Feld von Gräbern. Als Schill schweigend die Wache passiert, hort er den Reiter sagen: „Die Saat steht schlecht. Aber einmal wird Fruchtbarkeit roieberfommen Und bafür wollen wir sterben!" Im Mai bieses Jahres fällt bie Entscheidung. Schill, von aller Hilfe abgeschnitten, hat mit seinem Detachement die Ostseeküste erreicht. Hat die billige Flucht noch Böhmen verschmäht und mitten im Frieden Stralsund genommen. Die Stadt, die Wallenstein vergeblich bestürmte, wird Napoleon nicht standhalten. Denn schon sammelt sich ein Heer zur Belagerung. — „Flemming, Winterfeld, Blendinger, ihr alle, hört zu!" sagt Schill mit rauher, gesprungener Stimme. „Ihr seid für mich eingetreten lange genug. Dieser Kopf, den ich nun 33 Jahre trage, ist zehntausend Franken wert. Zehntausend Franken, Kameraden! Vor den Toren steht der Feind, um ben lebenbigen Preis zu holen. Wer zu mir hält, mag bleiben. Ich aber habe keine Hoffnung mehr auf Preußen, seit seine Männer sich in bie Mauselöcher verkrochen haben." Am Morgen des nächsten Tages wird Stralsund genommen. Der Kampf ist schnell entschieden. „Preußen", ruft Schill und gibt dem Pferd die Sporen zur letzten Attacke. Und — Preußen der letzte Gedanke — sinkt er tödlich getroffen nieder. Vier Monate fast vergehen, bis bie elf Schillschen Offiziere, bie man gefangen nahm, Gewißheit über ihr Schicksal haben. Zu Wesel am Rhein sind sie gefangen, zu Wesel am Rhein werden sie sterben. Schill ist gefallen, Schill, ein Helb, ber gegen bie Treue aufbegehrte und für ein Phantom sein Leben ließ. „Wozu also alles?" seufzt Kracht. „Dazu, daß man verreckt, mitten in Deutschland Gefangener der fremden Eroberer?" „Lächle, Kracht!" singt die sanfte Stimme des jungen Wedel! „Und verzweifle nicht!" sagt Blen- binqer. . Verzweifle nur nicht!" Die Stunden schreiten Dahm, unerbittlich :m= wiederbringlich. Abermals fragt Kracht: ,,W^u 1 das alles?" und abermals singt Das tapfere KinD: „Lächle, Kracht, Kamerad, lächle!" * Da steht Winterfeld auf, in sich ruhend wie ein Stück westfälischen Ackers, und poltert: „Ein preußischer Offizier ist kein Hundsfott. Wir werden sterben — und den erwürg' ich, der um Gnade winselt. Wir werden sterben — aber in dieser Stunde sage ich euch, daß aus unseren Leibern Deutschland sprießen wird." Es geht auf Morgen Die Elf liegen schweigend und denken. „Deutschland", fragt einer wie aus dem Traume. „Deutschland", sagt Winterfeld lächelnd, als träfe ihn der Widerschein der kommenden Sonne. „Denn vor der Ewigkeit erkenne ich, wie nahe das Reich der Deutschen ist." Stunden danach. Türen gehen, Wächter unb Ofiziere betreten bie Zelle. Die Elf erheben sich, straffen sich, Augen in Auge mit ben Bütteln bes Kaisers. Und vernehmen das Urteil. Zwei Stunden noch Leben! Dann werden die Trommeln wirbeln, dann wird die Salve sie niederreißen, die der Korse befahl. Die Elf sind blaß. Aber mit starren Gliedern hören sie, was sie erwartet. Und als die Türen sich wieder schließen, lacht Kracht verächtlich: „Jetzt weiß ich, wozu! Daß wir bie Lumpen bas Sterben lehren — bazu!" Wacht Preußen auf, als um Mittag bes 16. Sev- tember 1809 die Tore sich offnen und man die Elf zum Richtplatz führt? Sie gehen, elf Schillsche Husaren, zur Schädel- ftätte. Und keiner wankt. Dies ijt der Platz, an dem sie fallen werden. Die Trommeln wirbeln. Paarweis bindet man sie mit Stricken. Und als schon die Hähne gespannt sind, schreit Wedell auf: „Brüder! Wir sind auserwählt, fürs Vaterland zu sterben! Dankt ber Ehre, Brü- ber! Sterbt preußisch!" Die Salve prasselt. Zehn preußische Husaren stürzen nieber. Einer, Webell, den bie Kugeln verfehlten, ruft: „Hier sitzt bas preußische Herz!" — Dann fällt auch er. fflf Tote gehen aus, um Preußen zu wecken. Und werden die elf Husaren gerufen, so antwortet Deutschland: Hier! Ein bayerisches Vofksstück von Mar Oinaler. Die Ganghofer - Thoma - Bühne der Gebrüder Schultes in Egern am Tegernsee, die durch ihre Gastspiele auch in Gießen bekannt geworden ist, brachte das oieraftige Schauspiel ,.D’ Jaaga" (Die Jäger) von Mar Di agier mit großem Erfolg zur Uraufführung. Der Versager En'omolooe an der Hessischen Landesuniverütat Gießen, ist Oberbayer von Geburt und hat sich von jeher für die Wiederbelebung der bodenständigen Mundartliteratur eingesetzt. ,,D' Jaaga" sind ein richtiges bayerisches Volksstück. Dingler behandelt einen in seiner Heimat noch heute lebendigen Stoff: ben Tob bes am Leonharditag im November 1877 am Tegernsee ums Leben gekommenen Wilbschützen Jennerwein, ber sich bei seinen Lanbsleuten eines ähnlichen Rufes erfreute wie etwa in unserer Gegend Der SchinDerhannes. Jennerwein wurDe von seinem Freunde Pfederl, Der vor kurzem selbst noch ein Wil- berer war unb bann ein ehrbarer Jagbgehilse geworben ist, im Jähzorn unb aus Eifersucht hinterrücks erschossen. Dingler gab ber berühmten Wilderer- Legenbe in einer volkstümlich schlichten unb psychologisch zwingenden Gestaltung eine neue Form und eine neue Betonung, indem er neben den schon bei Lebzeiten von seinen Landsleuten verherrlichten Jennerwein ben Täter Pseberl in ben Vordergrunb der Handlung rückte, ihm Gerechtigkeit widerfahren ließ und sein Schicksal zu begreifen unb zu beuten versuchte. Die klare und unsentimentale Komposition des Stoffes und bie urwüchsige Mundart machen das Schauspiel zu einem echten Volksstück, das kraft seines Gehaltes auf oberflächliche Effekte und jegliches Zugeständnis ans Publikum gut und gern verzich- ten kann. Die Aufführung der Schultes-Bühne ver- half dem Stück mit einer geschlossenen Ensemble-Leistung und ausgezeichneter Einzeldarstellung zu einem überzeugenden und verdienten Erfolg. ÖochfdMilnacfiriditen. Der Direktor ber Mebizinischen Universitätsklinik in Frankfurt a.M., Professor Dr. Franz Vok- Hard, hatte vor einiger Zeit einen Ruf nach Ber- I i n als Leiter der dortigen Medizinischen Universitätsklinik erhalten. Wie nunmehr bekannt wird, hat Professor Dr. Volhard diese Berufung a b gelehnt. Auf ber Jahresversammlung der American Chemical Society aus ber Weltausstellung in Chikag 0 würbe ber hervorragenbe deutsche Chemiker Professor Dr. Richard W i 11 st ä 11 e r, M ü n- chen Nobelpreisträger von 1915, in Gegenwart zahlreicher amerikanischer und europäischer Wissenschaftler mit der W i U a r d - G i b b s - M e d a i 11 e. der höchsten Ehrung ber amerikanischen Chem'e- Wissenschaft, ausgezeichnet Folgenden Lehrkräften an ber Universität Köln ist auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums die Lehrbefugnis entzogen worden: dem Honorarprofessor für indo-iranische ‘Philologie Dr. Isidor Scheftelowitz, dem 0. 0. Professor für deutsche unb nordische Phil^l»" - Dr. Hans Snerber, di-n Privatdozenten Dr S r'in Cohn-Vossen «Mathematik) und Dr. Hans Rosenberg (Mittlere und neuere Geschichte). Kollegen diesen Weg zu versperren hat Grey die Tatsachen vorsätzlich gefälscht und zugleich mit seinem Rücktritt gedroht, wenn das Kabinett in dem angeblich unvermeidlichen Kriege neutral bleiben wolle. Ebenso hat er nachweisbar den Ko - nig Georg falsch unterrichtet, und natur- llch seinen Kollegen, mit Ausnahme weniger Ern- ^weihten wie Asquith und Haldcme, tem Wort von seinen Mahnungen und Versprechungen an Rußland vom 25. Juli gesagt. Erst lange nach dem Kriege haben die englische Aktenpublikation und Morleys Aufzeichnungen Greys Handlungsweise ans Licht gebracht, aber die Konsequenzen für die Beurteilung Greys und seiner engeren Freunde sind drüben in der Oeffentlichkeit noch nicht gezogen worden. , , , _ Also, mit den unlautersten Mitteln hat Grey sein Land bewußt in den Krieg Hinei nge führt, vieleicht den Krieg erst unvermeidlich gemacht. Die Schlußfolgerung für die Versailler These liegt auf der Hand. Aus der provtnzialhauptstadt. Herbstfäden. „Einmal, an jenem Sommerlagern Herbst, die Spinneweben banden alle stoppeln, von fernen Wäldern schimmert blau herüber ein hold Geheimnis .. heißt es in Lilie ncro ns dämonischem Gedicht von der Hasenhetze^ ehe der Tod als mageres, hämisch lachendes Männchen aus dem gebrochenen Auge des Windhundes tritt. Dämonisch sind auch, in dieser unheimlichen Vertauschung der Zeiten, solche späten Sommertage im Herbst und dämonisch diese Gewebe, echte Geisterfäden, die ein Wesen und Tun entfalten, die, wie es der Dichter darum mit einem Tätigkeitswort sagt, das kahle, tote Land „binden". Sie rühren von kleinen, jungen Feldspinnen her, den Krabbenspinnen, die an schönen Tagen bis in den Spätherbst ihren Faden quellen lassen, am Boden befestigen und, wenn er lang genug ist, abbeißen, um mit ihm auf den leisen,., unmerklichen Luftströmen dahinzuschiffen., „Mädchensommer" nennt der Volksmund das Gespinst, meint damit aber nicht blutlebende Mädchenjugend der Menschenwelt, sondern das zwergige elbische Werk vom Rocken der Schicksalsspinnerinnen. Wenn die Geisterbeziehung vergessen wird und die Vermenschlichung der Natur eintritt, kommt der Name „Altweibersommer" auf, Name für späte Jugend und späte Liebe mit weißen Fäden im Haar, für tödlichen, wehmütig-schönen Nachsommer, der sich noch nicht in den Herbst und Winter ergeben will und sehnsüchtig nach den anderen schielt, die erst Frühling und Sommer haben. Jedoch es gibt eine Stufenfolge vom Elbischen über das Menschliche zum Göttlichen, und auf dieser höchsten Staffel finden wir auch für Flugsommer und Graswebe eine dritte Namengebung und Deutung: nämlich Frauensommer, Mariensäden, Ma- riengarn. Da hört der Dämonenzauber auf, da wird auch die Herbstblume, da wird auch das Unkraut gut, Saat, die niemand säte und niemand einführt, die nutzlos sich selbst genug ist, Ernte für Gottes Scheuer. Ueber das Feld wie über einen See geht in Glitzerbahnen die Sonne von jedem unserer Schritte bis zum Horizont, sie sitzt als Himmelsspinne in tausendfachen Lichtnetzen wie die Weihnachtskerze im gläsernen Engelshaar. Von dem allen singt E i ch e n d o r f f: „Durch die Felder sieht man fahren eine wunderschöne Frau, und von ihren langen Haaren aoldne Fäden auf der Au spinnet sie und singt im Gehen: ' Eia, meine Blümelein, nicht nach andern immer sehen, eia, schlafet, schlafet ein." H. B. N2D21P. Zum Gau-Parteitag 1933 erläßt der Kreisleiter Dr. Harth an alle Ortsgruppen- und Zellenleiter folgende Anordnung: 1. Mit der Vorbereitung des Gauparteitaaes ist Pg. Arthur Michel in Gießen beauftragt. Alle Zuschriften, die den Gauparteitag betreffen, sind an ihn, Dammstraße 24, zu richten. 2. Alle Ortsgruppen- und Zellenleiter sammeln sofort die Meldungen für die Teilnahmen am Gauparteitag. Ich weise ausdrücklich darauf hin, daß nicht nur Parteigenossen, sondern auch die Mit- alieder aller übrigen nationalsozialistischen Organisationen und Sympathisierende zur Teilnahme berechtigt sind. 3. Die Fahrt nach Frankfurt a. M. erfolgt im Sonderzug. Die Sonderzüge sind in der „Oberhessischen Tageszeitung" am Donnerstag, den 14. September 1933, angegeben. 4. Die Zellenleiter geben ihre Meldung bis Donnerstag, den 19. September, an die Ortsgruppenleiter. Die Ortsgruppenleiter melden am 19. September die Teilnehmer ihrer Ortsgruppe der Zahl nach gesondert nach Einsteigestationen an Hand der angegebenen Sonderzüge. 5. Zugleich ist anzugeben, wieviel Parteigenossen an den Sonderzügen der einzelnen Abteilungen teilnehmen wollen. 6. Die Fahrtermäßiaung beträgt 75 Prozent. Nähere Angaben folgen. In der Ortsgruppe Gießen-Nord findet für die Zelle 6, Block 4 (Schützenstraße, Zu den Mühlen, Bootshausstraße, Wißmarer Weg) am kommenden Montag, 20.30 Uhr, bei Pg. Schmitt, „Fischerhof", Schützenstraße, ein B l o ck a b e n d statt. Wegen der Wichtigkeit des Abends ist das Erscheinen aller Parteigenossen unbedingt erforderlich. Mitglieder, der NSBO., der Frauenschaft, HI. und BDM. sind willkommen. — Am 20. September findet für die Zellen 6 und 7 im Kaufmännischen Dereinshaus um 20.30 Uhr Zellenabend statt. Redner ist Pg. B u l l - mann. In derOrtsgruppeGießen-Ost findet am Montag, 20.30 Uhr. in der „Stadt Lich" Amtswaltersitzung statt. DieOrtsgruppeGießen-Süd veranstaltet am Dienstag, 19. September, 20.15 Uhr, im Physiologischen Institut den zweiten Luftschutzabend für die Zellen Liebigstraße (1) und Wilhelmstraße (2). Pg. Dr. Eichler spricht über „Abwehr von Gaskampfstoffen". Alle Parteigenossen und auch die übrigen Volksgenossen dieser Straßen werden zu dem Abend erwartet. An die Vereine unserer Stadt. Zum Zwecke der rechtzeitigen und umfassenden Verkehrswerbung ist es erforderlich, daß die Vereine unserer Stadt die für den kommenden Winter und für das Jahr 1934 geplanten Veranstaltungen umgehend dem Verkehrs- bund Oberhessen, Sitz Gießen, Stadthaus, zur Kenntnis bringen. Der Verkehrsbund Oberhessen wird im Auftrage des Herrn Sonderkommissars für den Fremdenverkehr in Hessen und des Hessischen Verkehrsverbandes die Meldungen sammeln und das Material an den Herrn Sonderkommissar bzw. an den Hessischen Verkehrsoerband zur Verwertung bei den W e r b e m a ß n a h m e n für unsere hessische Heimat weiterleiten. Damit die Werbearbeit ungesäumt auf breiter Grundlage in Gang gesetzt werden kann, ist es erforderlich, die Meldungen der Vereine bis zum 2 5. September an den Verkehrsbund Oberhessen, Sitz Gießen, Stadthaus, einzureichen. Kein Vereinsvorstand versäume diese Mitarbeit, die sowohl im Interesse der Veranstalter, wie auch ihrer Heimatstadt und unseres schönen Hessenlandes dringend erforderlich istl Mittwochs-Abonnement im Gießener Stadttheater. Die Intendanz kann — wie man uns schreibt — allen Theaterfreunden die erfreuliche Mitteilung machen, daß auf Grund der sehr regen Nachfrage nach Abonnements und zahlreicher Neumeldungen von der Theaterdeputation beschlossen wurde, den Mittwoch als dritten Aboxmements-Tag beizubehalten. Anmeldungen bzw.'Neumeldungen werden von der Theaterkasse täglich mündlich und schriftlich zu allen drei Abonnements-Tagen noch entgegengenommen. Bunter Abend im Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Unter dem Motto: „Wir stellen uns vor und werben!" veranstaltet die Intendanz des Stadttheaters am Dienstag, 19. September, 20 Uhr, im Stadttheater einen Bunten Abend. Alle Theaterfreunde, Abonnenten und Nicht-Abonnenten (damit sie es doch noch werden), laden wir zu dieser Veranstaltung ein. Sie sollen Gelegenheit haben, unsere Neuen kennenzulernen; aber auch unsere Neuen möchten das Gießener Publikum kennenlernen. Wir wollen doch alle auf dem Weg über das National- theater zu wahrer Volksgemeinschaft kommen. Und wir erwarten alle Gießener am Dienstag! In buntem Reigen: Musik, Gesang, Rezitationen und Tanz, Scherz, Ernst und Humor, alles soll zu Wort kommen. Damit wir alle bei uns wissen, gilt der Einheitspreis von 20 Pf. auf allen Plätzen. Verkauf ab Montag nur an der Theaterkasse von 10 bis 12.30 und 14 bis 17 Uhr. Telefonische Vorbestellungen werden auf keinen Fall berücksichtigt. Polizeiberichte. Die Staatspolizeistelle bei der Polizei- direktion Gießen berichtet: Ueber die Angehörigen eines Arbeitsdienstlagers im Kreise Friedberg waren Gerüchte im Umlauf, die das Einschreiten der Staatspolizei erforderlich machten. Nach eingehenden Ermittlungen durch die Staatspolizeistelle in Gießen stellte es sich heraus, daß ein K o m m u n i st aus Ober-Flor st adt die Gerüchte wissentlich falsch verbreitet hat. Er wurde deshalb am Donnerstag in Ober-Florstadt estgenommen und, nachdem er am späten Abend ün Geständnis abgelegt hatte, nach Gießen über- ührt und dort am kommenden Tage der Staats« mwaltschaft vorgeführt, die Haftbefehl beantragte, der auch vom Richter erlassen wurde. Die Verhaftung erfolgte wegen Vergehens gegen die Verordnung des Reichspräsidenten zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung der nationalen Erhebung vom 21. März 1933. Zwei durchreisende Männer wurden festgenommen, weil sie beim Vorbeimarsch eines SA.-Stur- mes mit entrollter Fahne diese nicht grüßten und durch ihr Verhalten Anlaß zu Aergernis gaben. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet. * Die Kriminalpolizei stelle bei der Polizeidirektion Gießen berichtet: Wegen Abtreibung wurde am Mittwoch ein 37 Jahre alter Kaufmann von Gießen festgenommen. Er unterhielt mit einigen Mädchen intime Beziehungen. Durch unerlaubte Eingriffe suchte er die eingetretenen Folgen au beseitigen. In einigen Fällen konnte er überführt werden. Bei der vor- genommenen Durchsuchung wurde außer allerlei Instrumenten auch eine Pistole vorgefunden. Er wurde in Untersuchungshaft genommen. Am Dienstag wurde in der Marktlaubenstraße ein Fahrrad gestohlen. Ein Anwohner beobachtete den 22 Jahre alten Schuhmacher Hans Hohl von Gießen, als er sich an dem Rade zu schaffen machte. Der Verdacht lenkte sich daher auf Hohl. Bei der am folgenden Morgen bei ihm vorgenommenen Durchsuchung wurde das abhanden gekommene Fahrrad in vollständig auseinandergenommenem und neu gestrichenem Zustand oorgefunden. Hohl wurde dem Amtsgericht zugesührt und kam in Untersuchungshaft. Auf Grund eines Ausschreibens wurde am Mit- woch der 31jährige Händler Ernst Hausmann aus Röthges wegen Betrugs festgenommen und dem Amtsgericht zugeführt. Am Donnerstag gegen 23.30 Uhr versuchte ein junger Mensch in der Marburger Straße einem allein nach Hause gehenden Mädchen die Handtasche zu entreißen. Auf die Hilferufe des Mädchens ergriff der Täter die Flucht. Er wird wie folgt beschrieben: 20 bis 22 Jahre alt, 1,65 Meter groß, schmal, blasses Gesicht, blonde Haare, trug dunklen Anzug. Kragen und Kopfbedeckung trug der Unbekannte nicht. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizei. Opferfreudigkeit der Eisenbahner. Das Ergebnis der bisher von den Bediensteten im Reichsbahndirektionsbezirk Frankfurt a. M. laufend gespendeten Beträge für die Nationale Arbeit beträgt für die Monate Juli, August und September insgesamt 60 000 Mark. Im Geschäftsgebäude der Neichsbahndirektion Frankfurt a. M. wurden für die Zwecke der Arbeitsbeschaffung allein 1500 Lose ver- kauft. Auch die Eisenbahnerschaft hat damit den Beweis ihrer Opferfreudigkeit und ihrer Verbundenheit mit der nationalen Regierung in reichem Maße erbracht. Nationale Spenden. Man berichtet uns: Die dem Verband südwestdeutscher Konsumvereine angeschlossenen Konsumgenossenschaften haben für die Adolf- Hitler-Spende einen Betrag von 20166,50 Mark gezeichnet. Für die Spende zur Förderung der nationalen Arbeit wurden von Verwaltung und Personal dieser Genossenschaften zusammen 13 472,70 Mark an die Finanzämter ab- aeliefert. Außerdem haben die Angestellten und Arbeiter in den Genossenschaften sich bereiterklärt, sich monatlich 4269,80 Mark für diese Spende vom Lohn abziehen zu lassen, was einen Jahresbetrag von 51237,60 Mark ergibt. — Der Konsumverein Gießen hat sich daran wie folgt beteiligt: Für die Adolf-Hit- ler-Spende wurden 200 Mark gezeichnet, für die Spende zur Förderung der nationalen Arbeit wurden von Verwaltung und Personal 100 Mark aufgebracht und an das Finanzamt abgeführt. Außerdem werden für die Spende zur Förderung der nationalen Arbeit monatlich 140 Mark vom Lohn einbehalten, was einen Jahresbetrag von 1680 Mark ergibt. Es ist auch dies ein Zeichen dafür, daß mit der Gleichschaltung ein neuer Geist in die Konsumgenossenschaftsbewegung eingezogen ist. Daten für Samstag, 16. Teptember. 1736: der Glasbläser Daniel Fahrenheit im Haag gestorben (geboren 1686); — 1809: Erschießung der Schillschen Offiziere in Wesel; — 1858: der englische Politiker Sonar Law in Neu-Braunschweig geboren (gestorben 1923); — 1877: der Volkswirtschaftler Walter van der Bleek in Berlin geboren; — 1927: der Hygieniker Max von Gruber in Berchtesgaden gestorben (geboren 1853). Taten für Sonntag, 17. September. 1631: Sieg Gustav Adolfs von Schweden über Tilly bei Breitenfeld; — 1739: der russische Feld- marschall Gregor Alexandrowitsch Potemkin in Tschischowa geboren (gestorben 1791); — 1805: der preußische Staatsmann Karl Otto von Raumer in Stargard gestorben (geboren 1859); — 1915: WilNa von den Deutschen erobert; — 1917: der Landschaftsmaler Toni von Stadler in München gestorben (geboren 1850). Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 16. Sept. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 bis 1,35 Mark, Kochbutter 1,10 Mark, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 11, Wirsing (gelb), das Pfund 8 bis 10, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, Gelbe Rüben 10, Rote Rüben 10, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 10, Bohnen (grün) 15, (gelb) 18 bis 20, Unterkohlrabi 8, Tomaten 12, Zwiebeln 10, Kürbis 6, Kartoffeln 3 Pf., der Zentner 2,20 bis 2,50 Mark, Frühäpfel, das Pfund 8 bis 12, Falläpfel 4, Pfirsiche 30 bis 35, Brombeeren 30 bis 35, Preißelbeeren 25 bis 30, Aepfel 8 bis 10, Birnen 8 bis 12, Zwetschen 5 bis 8, Mirabellen 12 bis 15, junge Hähne 70, Suppenhühner 65 bis 70, Enten 80, Tauben das Stück 50, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 25, Einmachgurken 1% bis 4, Endivien 5 bis 15, Lauch 10, Rettich 5 bis 20, Sellerie 10 bis 25, Radieschen, das Bund 10 Pf. L^ornottzen. — Tageskalender für Samstag: Turnverein von 1846, 20.30 Uhr, „Bayerischer Hof", Monatsversammlung. — Palast-Lichtspiele, 9 bis 21 Uhr, Zinnsoldaten-Truppenschau. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Lied geht um die Welt" mit Joseph Schmidt. — Tageskalender für Sonntag: Nationalsozialistische Frauenschaft, Kreisleitung Gie- ßen, Volkshalle, 11 Uhr Festgottesdienst, 14 Uhr Kundgebung. — Provinzial-Sängertag, 14 Uhr, Ge- werkschastshaus. — Fachverband der Wäschereien und Plättereien Oberhessen/Lahn, Ortsgruppe Gießen, 10 Uhr, Gastwirtschaft Rausch am Oswalds- garten, Mitglieder-Versarnrnlung. — Wandervogel „Höhenflug" Gießen, 20 Uhr, Cafö Leib, Familienabend. — Kraftpost-Gesellschaftsfahrt nach Marburg, Abfahrt 8 Uhr. — 224er, 15 Uhr, ab Lud- wigsplatz, Familienspaziergang. — Waldeslust, Schallplattenkonzert. — Palast-Lichtspiele, 9 bis 21 Uhr, Zinnsoldaten-Truppenschau. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Lied geht um die Welt". * * Besuchszeiten der Museen. Die Museen und Sammlungen im Alten und Neuen Schloß sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet t. ** Sonderhalte stelle Li ch er Straße. Aus Anlaß der Kreisfrauentagung der NS.-Frauen- schäft hält der Personenzug Fulda—Gießen (Alsfeld ab 7.56, (Brünberg ab 8.46, Gießen an 9.21 Uhr) ausnahmsweise (etwa gegen 9.16 Uhr) am Bahnübergang an der Licher Straße. ** Die Ob ft oer ft eigerungen der Stadt Gießen betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil. Interessenten, die sich über Zeiten und Treffpunkte für die Versteigerungen informieren wollen, seien besonders darauf aufmerksam gemacht. ** Die Steuersätze für Umlagen und Sondergebäude st euer in der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1933 find in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil veröffentlicht. Es fei besonders darauf aufmerksam gemacht. ** Die Vergebung der Düngemittel» l i e f e r u ng betrifft eine städtische Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil. Angebote sind bis zum 1. Oktober beim Städtischen Vermessungsamt, Bergstraße 20, Zimmer 3, einzureichen. Näheres ist aus der Bekanntmachung ersichtlich. ** Der näch ste Rindvieh-(Nutzvieh-) Markt findet am Dienstag, 19. September, der nächste Schweinemarkt am Mittwoch, 4. Oktober, statt. Auf die heutiae Bekanntmachung sei besonders aufmerksam gemacht. ** 2) i e Gewerbeschule Gießen, die in diesem Jahre auf ein 95jähriges Bestehen zurückblickt, eröffnet am 2. November ihr Wintersemester. Sie hat in dieser langen Zeit Tausenden von Handwerkern und Handwerksmeistern das geistige Rüstzeug für einen erfolgreichen Lebenskampf mitgegeben. Es ist heute mehr denn je für jeden Handwerker notwendig, sich die erforderlichen theoretischen und fachlichen Kenntnisse anzueignen, um den gewaltig gestiegenen Anforderungen der heutigen Zeit genügen zu können. An der Anstalt ist Gelegenheit vorhanden, sich in fast allen Gewerben aus- und fortzubilden, die staatliche Abgangsprüfung und gemäß den Bestimmungen der Hessischen Handwerkskammer die Meisterprüfung abzulegen. Man beachte die heutige Anzeige. ** Der Alice-Schul verein eröffnet das Winterhalbjahr am 30. Oktober. Die Kurse in Weißnähen, Schneidern, Sticken und Bügeln beginnen an diesem Tage wieder, ferner die halbjährige Haushaltungsschule und Kochkurse von kürzerer Dauer. Auch Die hauswirtschaftliche Fachschule nimmt noch Schülerinnen auf. Die Schulen des Alice-Vereins geben, wie wohl bekannt, die Gewähr für eine tüchtige Ausbildung in allen weiblichen Arbeiten in Haus, Familie und Beruf. (Siehe heutige Anzeige.) ** Werbepreisangeln an der Lahn. Der Angelfportverein Gießen und Umgebung (Mitglied des Reichsverbandes Deutscher Sportangler) veranstaltet an seinen Vereinsgewässern bei Dutenhofen und Atzbach am morgigen Sonntag ein Propaganda- und Werbepreisangeln. Sportfreunde können sich gegen Entrichtung von einer Mark Startgeld daran beteiligen. Das Angeln beginnt x morgens um 7 Uhr am Vereinshaus bei Atzbach. Weidgerechte Sportangler werden vom Angelsportverein noch als Mitglieder aufgenommen. Da ab 1. Januar 1934 ein neues Fifchereigefetz gelten wird, nach dem nur noch solche Personen einen Reichsfischereischein erhalten, die dem Reichsverband deutscher Sportangler angeschlossen sind, empfiehlt es sich, diesen Anschluß alsbald herzustellcn. Anmeldungen sind an den 1. Vorsitzenden Ludwig Fischer, Riegelpfad 20, zu richten. Die Hessische Höhere Bausch ule Bingen, eine höhere technische Lehranstalt für Hoch- und Tiefbau, bezweckt die Ausbildung von Bauhandwerkern zu Gewerbetreibenden, Bau- gewerksmeistern oder Unternehmern und berechtigt nach fünffemeftrigem Besuch zum Eintritt in die mittlere technische Laufbahn. Die Absolventen erhalten die „Mittlere Reife" und werden zur Bau- Meisterprüfung zugelassen. Das Wintersemester beginnt am 3. Oktober. Die Aufnahmebedingungen sind die der Höheren Technischen Lehranstalten des Deutschen Reiches. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen. ** Eine Fünfundachtzigjährige. Frau Margarete Thomas, geborene Rudolph, Schif- fenberger Weg 5 wohnhaft, begeht am kommenden Montag, 18. September, ihren 85. Geburtstag. Neuorganisation der hessischen Photopraphen. Frankfurt a.M., 14.Sept. Der Hessische Photograp Hen-Bund hielt kürzlich in Frankfurt feine Mitgliederversammlung ab, in der nach einem einstimmigen Beschluß die Innung aufgelöst wurde und in drei Innungen für die Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen überführt wird. Gleichzeitig wurde in Anwesenheit der Vertreter vom Kreisamt und der Handwerkskammer Darmstadt ein Landesverband für das Photographenhandwerk gegründet. Zum Verbandsführer wurde Hans Schramm (Darmstadt) bestellt, der seinerseits die Jnnungsführer ernannte. Als Jn- nungsführer für Oberhessen wurde der Photogra- phenmeister Zimmer (Gießen) bestimmt. Sodann hielt Herr Dr. Kollbach, Syndikus der Handwerkskammer, einen längeren, interessanten Vortrag über die neue Bewegung im Handwerk und die damit verbundene Neugestaltung der Gewerbeordnung. Allgemeinen Beifall fanden die Neuerungen, die in Aussicht gestellt wurden: insbesondere die Einführung der „Beschränkten Gewerbefreiheit", der Handwerkerrolle, Beseitigung der Schwarzarbeit und Doppelverdiener. Nach der kommenden Verfügung kann nur derjenige einen Beruf ausüben, für den er den Nachweis führen kann, daß er dis Dorgefthrtebene Lehrzeit durchgemacht, und die Meisterprüfung bestanden hat. Mit dieser Maßnahme kommt Ordnung und Sauberkeit auch in das Handwerk, und kann nicht jeder Unberufene, zum Nachteil der Allgemeinheit, sich betätigen. Gerade für den Photographenberuf sind diese Bestimmungen von großer Bedeutung. In keinem anderen Beruf wird so viel gepfuscht wie hier. So sehr die Liebhaberphotographie zu begrüßen sei, so hat dieselbe aber einen Umfang angenommen, der sich zum Schaden der Berufsphotographen auswirkt, wie ein Fernstehender fick keine Vorstellung machen kann. Es ist deshalb freudig zu begrüßen, daß hierin Klarheit und Ordnung geschaffen wird, nicht zum Nachteil für die Allgemeinheit. Reicher Beiiall lohnte den Redner für feine Ausführungen. Eine allgemeine Aussprache brachte manche Wünsche und Beschwerden zum Ausdruck. Mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes und einem dreifachen „Sieg* Heil" auf unseren Volkskanzler Adolf Hitler, wurde die Versammlung geschlossen.___ Sprcmitttuden Der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr 16 bie 17 Uhr Samstag nadjmittao qeichlosien Anzeigenausträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. In der heutigen Nummer des Gießener Anzeigers beginnt ein neuer Noman von Anny von panhuys unter dem Titel Gin Lied vom GMB Zugleich nimmt in der wahlfrei bezogenen Samstagsbeilage „Die Illustrierte des Gießener Anzeigers" ein neues Werk seinen Anfang, ein Gutsroman von Olaf Bouterweck, betitelt Die Heimat ruft! Man bezieht den Gießener Anzeiger mit seinen Beilagen für die zweite Septemberhälfte in Gießen durch die Austräger, auswärts durch die örtlichen Dertriebsstellen und die Post Bürgerpflicht und Gtadtcheater. Von Wilhelm Hahn, Fraltionsführer des NS. Gießener Stadirates. Heber unferm Theater steht das stolze Wort: „Ein Denkmal bürgerlichen Gcmeinsinnes". — Heute gilt es. dieses Denkmal zu erhalten. Der von Stadt und Staat dem Theater bewilligte Zuschuß ist nämlich schon zum größten Teil verbraucht. Unter keinen Umständen darf aber der Etat überschritten werden. Infolge der politisch aufgeregten Zeit im vorigen Herbst und noch mehr in diesem Frühjahr war der Theaterbesuch bei uns wie in sämtlichen andern Städten ganz erheblich zurückgegangen. Ungünstig wirkte sich für unser Theater noch die durch die plötzliche Abberufung P r a s ch s entstandene in- tendantenlose Zeit aus. Auch die von uns während des Sommers in Darmstadt im Kleinen Haus und in Bad-Nauheim gegebenen Gastspiele bedeuteten einen herben Verlust, der in erster Linie wohl eben- falls durch die Zeilverhältnisse bedingt war. Um die Stadt vor weiteren Einbußen zu schützen, — unser Theater ist nämlich ein städtisches Institut, für die, die es nicht wissen sollten — ist es erforderlich, daß die Besucher- und insbesondere die Adon- nentenzahl sich in der Kommenden Winterspielzeit erheblich steigert. Von Seiten der Theatei.'eitung ist alles getan, um die Theaterbesucher zufriedenzustellen. Der sorgfältig ausgestellte Spielplan verspricht nicht nur Den Besucher zu unterhalten und zu ergötzen, sondern ihn auch weiterzubilden. Daneben wurde eine Reihe neuer Kräfte verpflichtet, denn das Publikum sieht mit Recht gerne wieder unbekannte Schauspieler, die die Rollen schon früher gesehener Stücke nach anderer Auffassung bringen. Außerdem liegt die Leitung unseres Theaters in der Hand eines neuen, jungen und tatkräftigen Intendanten, dem Theaterblut feines Vaters in den Adern steckt und dessen bisherige erfolgreiche Tätigkeit an seinem früheren Wirkungsort Gewähr dafür bietet, daß er nur beste und in erster Linie deutsche Kunst bringt. Die Nachkriegszeit, in der der alles zersetzende jüdische Einfluß auf unser Theater gewaltig war, das flache Gesellschaftsstück eine beherrschende Rolle spielte und die dreckigsten Zoten und übelste Erotik dem Publikum vorgesetzt wurden, ist durch die na- tionalsozialistische Revolution überwunden. Unter nationalsozialistischer Führung sollen die Theater wieder kunststälten des Dohren, Edlen, Guten und Schönen werden. Es liegt jetzt an Dir, Bürger, nachdem der Ein- fluß des fremdrassigen Elementes ausgescholtet ist, an unferm Werk mitzuhelsen. Gar manche Stadt wird uns wegen unsres schönen Theaters beneiden. Mit Stolz können wir es jedem Besucher Gießens zeigen. Er ist um so berechtigter, als der Bau durch den Opfersinn der Gießener Bürger im Wege der freiwilligen Svende zustande kam. Was früher aber auf diesem Wege geleistet wurde, das muß der Bürger eines nationalsozialistischen Staates auch fertig bringen. Derjenige, der eine auskömmliche Einnahme hat, muß sich verpflichtet fühlen, ein Abonnement zu nehmen. Es ist bekannt, daß heute in finanzieller Hinsicht von dem Beamten viel verlangt wird, und daß der Geschäftsmann ebenfalls Das Stadttheater wirbt! Bist Ou schon Abonnent? Oer Werber kommt auch zu Dir! zu kämpfen hat, und trotzdem geht es immer noch vielen schlechter als diesen beiden Kategorien. Der nationalsozialistische Volksgenosse — und dieses ist doch heute jeder — hat, wenn er eine Geldleistung erbringt, immer nur auf den zu sehen, dem es schlechter geht, und der dennoch opfert sonst ist er keiner. Im übrigen ist hier das Opfer insofern nicht groß, da eine wirkliche Gegenleistung gewährt wird. Die Ausgabe, die getätigt wird, ist aber auch nicht unnötig, denn der Mensch, der arbeitet, muß Entspannung und Erholung haben, um neue Arbeitsfreude und Schaffenskraft zu gewinnen. Vergesse daher keiner, der dazu in der Lage ist — und dies sind die meisten — das Gute mit dem Nützlichen zu verbinden und sich ein Theaterabonne- ment zu nehmen. Je größer die Zahl der Abonnenten ist, desto billiger kann die Platzmiete gestaltet werden. Nichts wäre bedauerlicher, als wenn wir gezwungen wären, die Pforten unseres schönen Theaters zu schließen. Ein jeder helfe und trage nach seinen Kräften dazu bei, für den Fortbestand unsrer Kunststätte zu sorgen. Es geht um die Erhaltung eines „Denkmales bürgerlichen Gemeinsinnes". Oer Gießener Haushalt für 1933. I. Der Gießener Stadtrat hat sich bei der Feststellung des Gießener Haushaltsvoranschlags für das Rechnungsjahr 19 3 3 in bester Weise bemüht, dem Erfordernis der größten Sparsamkeit in der städtischen Haushaltsführung soweit wie nur möglich Geltung zu verschaffen. Die Arbeit der nationalsozialistischen Stadtratsfraktion des maßgebenden Faktors unserer Kommunalpolitik, hat denn auch zu dem erfreulichen Ergebnis geführt, daß der Voranschlag in feiner Gesamtsumme von 6873 143,34 Mark im Vorjahre auf 5 942 624,16 Mark für 1933 gesenkt wurde. Davon entfallen auf die Betriebsrechnung im Vorjahre 5 981762,81 Mark, in diesem Jahre 5 474 211,85 Mark, in der Vermögensrechnung im Vorjahre 891 380,53 Mark, in diesem Jahre 468 412,31 Mark. Die Senkung der städtischen Haushaltskosten wird von der Bürgerschaft zweifellos begrüßt werden. Bei einer Betrachtung der Einzelheiten der verschiedenen Haushaltskapitel bemerkt man mancherlei interessante Veränderungen in den Positionen, die dem Kenner der Haushaltswirtschaft unseres Gemeinwesens offenbaren, wie sorgsam und zielklar bei der Gestaltung des Haushalts von den verantwortlichen Männern gearbeitet worden ist. Dabei ist man sowohl den personellen Kosten, wie auch den sachlichen Ausgaben gründlich nachgegangen; man hat an den geeigneten Positionen abgestrichen, zum Teil aber auch in der erforderlichen Weise gegenüber dem Vorjahre erhöht, im ganzen jedoch den Grundsatz einer gesunden und sachlich vertretbaren Sparsamkeit als oberstes Gesetz des Handelns strikt eingehalten. Als bemerkenswerte Einzelheiten möchten wir aus dem neuen Haushaltsplan folgendes hervorheben: Allgemeine Verwaltung. Titel 1 Stadtverwaltung schließt nach dem Haushaltsplan in der Endsumme mit einem Zuschußbedarf von 259 722,39 Mark gegen 267 494,81 Mkrk im Vorjahre ab. Dabei sind die Aufwendungen für persönliche K o st e n in der Hauptsache Besoldungen, auf 211 629,33 Mark in diesem 2ahre gegen 217 990,25 Mark im Vorjahre bei nahezu unveränderter Höhe der Einnahme (für dieses Haushaltsjahr 24 418 Mark gegen 24 570 Mark im Vorjahre) festgesetzt. In diesen Zahlen nach dem gedruckten Voranschlag für 1933 kommen jedoch die vom Stadtrat nach dem Abschluß des Voranschlags- entwurfs beschlossene Herabstufung der Gehälter einer Reihe von Beamten, sowie die für diese erfolgten prozentualen Kürzungen noch nicht zum Ausdruck; die Endsummme dieser Position wird sich also noch wesentlich ermäßigen. Die Höhe der sachlichen Verwaltungskosten beläuft sich im neuen Haushaltsjahr auf 53 530,34 Mark gegen 54 600,04 Mark im Vorjahre. Für verschiedene Verwaltungsausgaben find 18455,65 Mark (im Vorjahre 23 541,18 Mark) vorgesehen, denen auf der Einnahmeseite 23 397,35 Mark (im Vorjahr 28 354,38 Mark) gegenüberstehen. Der Abschnitt Verkehr schließt im neuen Haushalt auf der Ausgabenseite mit 27112,76 Mark gegen 28 562,76 Mark im Vorjahre, auf der Einnahmeseite mit 2000 Mark gegen 3030 Mark im Vorjahre ab. Besonders interessant ist hier, daß der Stadtrat den voraussichtlichen Zuschuß zu den Betriebskosten der Volkshalle von 15 000 Mark im Vorjahre auf 12 000 Mark für das neue Haushaltsjahr gesenkt hat. Bei einer häufigeren Inanspruchnahme Der Volkshalle durch Veranstaltungen mancherlei Art Dürfte Die Ersparnismaßnahme der Stadt durch vermehrte Einnahmen des Volkshalleoereins sicherlich ausgewogen werden. Erfreulich ist hier weiterhin, daß Der Stadtrat an den Aufwendungen für Die Verkehrs- Werbearbeit nichts gestrichen hat. Mit Recht rft man babei von der Ansicht ausgegangen, daß die Mittel für Verkehrszwecke als eine durchaus produktive Ausgabe für die Gesamtwirtschüft anzusehen sind. Titel 2 Versicherungsamt, Standesamt, Drtsgeridjt schließt für Das neue Jahr mit einem Zuschuß von 26 739,85 Mark gegen 27 695,07 Mk. im Vorjahr, auf Der Einnahmeseite mit 2525,65 Mk. gegen 2333,65 Mk. im Vorjahr ab. Dabei erscheinen im einzelnen das V e r s i ch e - rungsamt mit 12 567,82 Mark (im Vorjahr 13120,60 Mk.) Ausgaben und mit 190 (270) Mk. Einnahmen, Das StanDesamt mit 16 297,68 Mk. (16 408,12 Mk.) Ausgaben und 2335,65 Mark (2063,65 Mk.) Einnahmen, das O r t s g e r i ch t mit 400 Mark Zuschußkosten wie im Vorjahre. Titel 3 Wohnungsamt, Mieteinigung s- amt und Instandsetzungsstelle, Die im vorigen Jahre noch einen städtischen Zuschuß in Höhe von 8537,16 Mark erforderten, sind im neuen Haushaltsplan verschwunden. Das Wohnungsamt ist aufgelöst, die Geschäfte des Mieteinigungsamts find auf das Amtsgericht übergegangen, die Kosten der Instandsetzungsstelle sind bei den Aufwendungen für die Stadtverwaltung mit verrechnet. Beim Titel 4 Ruhegehalte, Witwen- und Waisengelder beziffert sich der städtische Zuschuß im neuen Haushaltsjahre auf 111616,05 Mark gegen 118 635,08 Mark im Vorjahre. Die Einnahmen sind auf 3200 Mark gegen 3500 Mark im Vorjahre veranschlagt. Beim Titel 5 Beiträge zu sozialen Versicherungen ist der Zuschuß aus städtischen Mitteln mit 4300 Mark für Das laufenDe Haushaltsjahr gegenüber Dem Vorjahr, in Dem er auf 4500 Mark veranschlagt war, nahezu unverändert geblieben. Polizeioerwallung. Im Titel 1 Baupolizei beläuft sich der städtische Zuschuß auf 21 192,55 Mark gegen 20 855,72 Mark im Vorjahr. In der Hauptsache handelt es sich hier um Besoldung und sachliche Bürokosten. Titel 2 Feldpolizei schließt mit einem Zuschuß in Höhe von 11 894,04 Mark gegen 13 925,72 Mark ab. Auch hier dreht es sich fast ausschließlich um Besoldungskosten. Titel 3 Staatliche Polizei weist einen städtischen Zuschuß in Höhe von 114 071 Mk. gegen 114 080 Mk. im Vorjahre auf. Davon entfallen auf den städtischen Beitrag zu den Kosten Der Ortspolizei 114 000 Mk. wie im Vorjahre (95 Polizeistellen je 1200 Mk ). Einnahmen stehen dieser Ausgabe nicht gegenüber. Titel 4 Beiträge z u sozialen Versicherungen macht als städtischen Zuschuß eine Ausgabe von 570 Mk. gegen 475 Mk. im Vorjahr erforderlich, der eine Einnahme von 350 Mk. (125 Mk. im Vorjahr) gegenübersteht. Grundbesitz, Land- und Forstwirtschaft. Im Titel 1 Gebäude erscheinen die Gebäude mit Alt-Wohnungen (vor 1919 erbaut) in Ausgabe mit 60 066,92 Mk. gegen 64 117,92 Mk. im Vorjahr, In Einnahme mit 110992,82 Mk. gegen 116 540,92 Mk. im Jahre 1932. Die Gebäude mit Neu-Wohnungen (seit 1919 erbaut) sind in Einnahme und Ausgabe je mit 228 824,26 Mk. gegen 231 163,96 Mk. im Vorjahre veranschlagt. Die Kleinwohnungsbauten Schott- straße sind für 1933 in Ausgabe mit 9774,38 Mk. gegen 8912,63 Mk. im Vorjahr, in Einnahme mit 10 512 Mk. gegen 10 362 Mk. im Vorjahr verzeichnet. Die Gesamtrechnung der Oe- bäube schließt in Einnahmen mit 350329,08 Mk. (im Vorjahr 358 066,88 Mk.), in Ausgabe mit 298 665,56 Mk. (im Vorjahr 304 194,51 Mk.) ab, so daß nach dem Voranschlag ein Ueberschuß von 51 663,52 Mk. (im Vorjahr 53 872,37 Mk.) verbleibt. Titel 2 Grund st ücke schließt mit einem Zuschuß von 8673,56 Mark gegen 5458,79 Mark im Vorjahre ab. Die größte Ausgabe dieses Titels entfällt auf Grundsteuern und Straßenreinigungsgebühren, für die im neuen Haushalt 29 500 Mark gegen 31500 Mark im Vorjahr vorgesehen sind. Im Titel 3 Waldungen ergibt sich für den städtischen Haushalt des neuen Wirtschaftsjahres ein Einnahmeüberschuß in Höhe von 23 010 Mark gegen 50 235 Mark im Vorjahr. Die erhebliche Minderung des Ueberschusses findet darin ihre Erklärung, daß in diesem Jahre, angesichts des Standes der Holz- preise, keine Entnahme aus dem Forstbetriebsstock gemäß dessen Verwaltungsvorschrijt gestattet ist, während im vorigen Jahre eine solche Entnahm? in Höhe von 24 660 Mark möglich war. Bemerkenswert an diesem Titel ist noch, daß die Werbungskosten der Holzfällung für das neue Haushaltsjahr auf 26 100 Mark gegen 23 200 Mark im Vorjahre veranschlagt sind, während die Einnahme aus Dem Holzoerkauf auf 98 100 Mark gegen 98 640 Mark im Vorjahr geschätzt ist. Titel 4 Jagden erbringt bei einer Ausgabe von 729,50 Mark (im Vorjahre 654,56 Mark) und einer Einnahme von 3465 Mark (3365 Mark) einen lieber- schuß von 2735,50 Mark (2710,50 Mark). Im Titel 5 Faselhaltung ist eine Ausgab» von 1400 Mark wie im Vorjahr vorgesehen, im Tit. 6 Vertilgung schädlicher Tiere wird mit einer Ausgabe von 1000 Mk. wie im Vorjahre, im'Titel 7 Beiträge an Vereine wird mit 20 Mark Ausgabe gerechnet; Einnahmen sind hier nicht verzeichnet. Titel 8 Beiträge zu sozialen Versiche- r u n g e n macht, wie im Vorjahre einen städtischen Zuschuß von 10 700 Mark erforderlich. Erster Sprechabend der Mr-Jugend. Der Bann 116 der Hitler-Jugend hielt gestern abend im CafS Leib seinen ersten öffentlichen Sprechabend ab, zu Dem besonders auch die Eltern und Erzieher eingeladen und zahlreich erschienen waren. Der Bannführer begrüßte die Gäste, nachdem ein Vorspruch den Abend eröffnet hatte und die Fahne eingebracht worden war. Als erster Redner sprach Oberbannschulungsleiier Silber. Das Volk in der Not habe sich wiedergefunden, so führte er u. a. aus, Menschen seien hervorgetreten, herausgewachsen aus dem Volke, Menschen, die einen Leidensweg gegangen seien und wußten, was dem Volke nottue. Die Idee des Nationalsozialismus sei besonders von der Jugend stürmisch aufgenommen und vom Wort zur Tat gemacht worden. Der Führer habe die Jugend gerufen, und sie fei gefolgt. Immer wieder in der deutschen Geschichte sei es die Jugend gewesen, die stürmte, sie habe die Banner getragen und neuen Ideen zum Durchbruch verhalfen. In seinen -weiteren Aussüh- rungen ging der Redner Dann auf die Geschichte der Jugendbewegung ein, um den Weg aufzuzeigen, der zur Hitler-Jugend geführt hat. Im Kriege habe das Volk seine Besten verloren. Die Jugend sei führerlos gewesen, aber sie habe sich nicht der roten Fahne ergeben, sondern sich, in kleinen Kreisen zusammengefunden, sei gewandert und habe die Heimat lieben gelernt. Sie sei aber in all dem Haß und Streit der Parteien kämpferisch geworden, habe neue, härtere Form gefunden, wurde Stoßtrupp, während jede der ehemaligen politischen Parteien um die Jugend warb, ohne sie zu einigen. Aber die deutsche Jugend habe sich ausgemacht, habe die Ausländsdeutschen aufgesucht und gelernt, was wahrhaft und was nicht deutsch sei. Deshalb habe sie auch jahrelang gegen Den Staat leben müssen. Erst Adolf Hitler habe der Jugend den klaren Weg gewiesen. Die Jugend sei hinter ihn getreten, habe seine Persönlichkeit erfühlt, ihn als den Führer erkannt und ihm treue Gefolgschaft geschworen. In der SA. sei aus der Jugend Der Typ Des neuen Menschen geroorDen, denn der Führer habe ein neues Ethos gelehrt und durch feine eigene Energie ein großes Vorbild gegeben. Die Hitler-Jugend habe sich deshalb aus allen Schichten bilden können. Die anfänglich Abfeitsstehenden seien durch Tat und Vorleben überzeugt worden. Es gebe jetzt nur noch Den aroßen, einenden nationalsozialistischen Gedanken. Aus innerer Freiheit im nationalsozialistischen Staat werde eines Tages die äußere Freiheit erwachsen. Das Heute sei nur Anfang. Deshalb gelte es, nicht müde zu werden im Kampf. Das Wirken der nationalsozialistischen Jugend werde immer notwendig sein. Die Jugend müsse aber auch immer zum Opfer bereit sein. Aus dem Jungvolk heraus solle der Junge zum Hitler-Jungen werden, aus dem Hitler-Jungen solle ein guter Staatsbürger werden. Im Jungvolk solle der Junge leben, wie es feiner Art entspreche, in der Hitler-Jugend solle ihm der Geist wahrer völkischer Gemeinschaft gelehrt werden. Dabei werde aber die Jugend nie als „Masse" zu betrachten sein, denn jeder sei ureigen tätiges Mitglied in der Volksgemeinschaft nach seinen Fähigkeiten. Die deutsche Familie solle erhalten bleiben. Der Junge solle nicht aus ihr heraus- gerissen werden. Die Familie aber müsse sich in den Dienst der Volksgemeinschaft stellen. Der Junge solle um Das Erbe seiner Familie wissen und sich Dessen bewußt sein, was an Schweiß mit ihm oer- bunDen ist; aber immer solle vermieden werden, daß vom Besitz her Klüfte aufgerissen würden zwischen Arm und Reich. Zwischen der Hitler-Juaend und Der Familie müsse enge Gemeinschaft gepflegt werden. Jeder Jugendliche müsse ein ganzer Kerl sein, der immer seine Pflichten erfülle, Darüber hinaus aber immer noch Zeit habe, feinem Vaterlande zu bienen. (Lebhafter Beifall!) Als zweiter Redner sprach der Sozialreferent im Oberbannstab Pfarrer Rühl. Der Glaube an sich selbst habe Das Volk gerettet. Gott habe gewollt, daß das deutsche Volk lebe. Durch Rasse und Sprache werde ein Volk nicht allein geschaffen, sondern nur durch den heißen Glauben an die gemeinsame Kraft. Er (Redner) glaube unerschütterlich an das Volk und an Deutschlands Jugend ; deshalb stehe er inmitten der Hitler- Jugend. Es sei ein Glück, glauben zu dürfen, es sei aber auch große Aufgabe und ebenso große Verantwortung. Die Jugend müsse zeigen, daß sie der Hilfe Gottes, die in der Sendung des Führers bestand, wert sei. Die Hitler-Jugend wolle wieder Volksgemeinschaft. Die foß. „Gesellschaft" müsse ausgerottet werden, wenn sie die Volksgemeinschaft nicht verstehen wolle. Man wolle auch nicht „Gebildete", die sich mit den Gebildeten aller Welt verstehen könnten, wenn sie nicht vermöchten, Den eigenen Volksgenossen zu verstehen. BilDung sei nur Dort, wo sie nicht trennenD zwischen Dem gemeinsamen Blut stehe. GebilDet sei Der, welcher Den Weg zu des Volkes Art gefunden habe. Diese Bildung allein wolle die Hitler-Jugend. Der Name Hitler-Jugend bedeute für die Jugend eine besondere Ehre, die mehr verpflichte, als irgend etwas anderes. Die Hitler-Jugend müsse Schule des Gehorsams sein. Der Hitler-Junge müsse in Der Unter- orDnung Größe beweisen. In Der Hitler-Jugend sei eine neue Gläubigkeit. Es roerbe wie selbstverständlich von Gott geredet. Deshalb gehöre zu dieser Jugend auch der Geistliche. Deshalb werde auch die Zukunft andere Gestalt haben, als die Vergangenheit. In der Zukunft trete anstelle des Materialismus die Gläubigkeit. So wie die Größten unseres Volkes immer in innigster Verbundenheit mit Gott gestanden haben, so solle unser ganzes Volk mit Gott verbunden sein und in Gläubigkeit zu Gott streben. Nachdem der Oberbannschulungsleiter Ruder noch ein kurzes Schlußwort gesprochen hatte, der erste Vers des Horst-Wessel-Liedes gesungen und das dreimalige „Sieg-Heil!" auf Führer und Vaterland verklungen war, wurde der erste Sprechabend geschlossen. Geschichten aus aller Well. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Revolution in Hemdsärmeln. (vk) Neuyork. An Der Kreuzung der 6. unD Der 43. Straße befinDet sich ein Mammut-Theater, das über 3000 Zuschauer faßt. In diesem „Hippodrom" gastiert jetzt ein Kollektiv Der kürzlich in Konkurs gegangenen Opern-Gesellschaft von Chikago unD spielt vor- wiegenD deutsche Opern-Werke. Anläßlich Der jüngsten „Lohengrin'-Äufführung fand nun eine im Neuyorker Theaterleben bisher noch nie dagewesene Revolte statt. Allerdings nicht künstlerischer Art. Vielmehr war es eine Revolution in Hemdsärmeln. Sämtliche Männer im Zuschauerraum zogen nämlich wie auf Kommando ihre Ueberröcke aus, unD kaum wurde Dies von Den Orchesker-MitglieDern bemerkt, so folgten sie rasch dem Beispiel. Die Damenwelt war entsetzt. Demonstrativ klatschte sie — noch vor Beginn der Oper — Dem einzigen „Gentleman" im Hause zu, nämlich Dem Kapellmeister, der, schwitzenD, aber mit einem tadellosen Frack bekleidet, am Dirigentenpult stand. Da kam das dritte Glockenzeichen. Der Kapellmeister greift — nein, nicht zum Dirigentenstab, sondern zu seinem gutsitzenden Frack. Zieht das lästige Stück mit einem kühnen Ruck aus und gibt in Hemdsärmeln den Einsatz. Und in der Folge schwitzten nur noch die Schauspieler. Dänemarks „großer alter Mann". (E. v. M.) ft o p e n f) a g e n. 3n diesem Jahre starb auf feinem mittelalter« l'chen Schlosse Aalholm, Der letzte dänische Magnat, Lehnsgraf Frederik von Naben-Leoetzau, aus dem uralten Geschlecht der mecklenburgischen Raben. Sein Werk als Außenminister in den Jahren 1905 bis 1908 liegt in den diplomatischen Akten vergraben, lieber den Politiker mußte man sich aus den Nachrufen unterrichten, aber den Menschen Raben-Levetzau kannte jedes Kind. Unzählig die Anekdoten, die über ihn verbreitet werden. Als er Außenminister wurde, sprach ganz Dänemark von den „sieben vollausgerüsteten Schlössern", die Der Alte von Christiansholm Dem „Ansturm Der Feinde" entgegenzusetzen hatte. Sein sagenhafter Reichtum trug ihm trotz seiner schlichten Ritterlichkeit viele Angriffe ein, unD einmal seufzte er auf: „Es ist Doch schauDerhaft, wie Die Zeitungen mich zum Idioten stempeln. Bald glaube ich es beinahe selbst". — Da sich Der Graf nur schwer von seinem treuen Kammerdiener trennen konnte, wollte er ihn gern ins Außenministerium mitnehmen; der langjährige dortige Amtsdiener widersprach. Raben versuchte den Alten zu überreden mit dem Hinweis, dak er, Raben, doch schließlich der Minister sei. Worauf der Amtsdiener ftettinge seelenruhig erwiderte: „Gewiß, Eure Exzellenz, aber wie lange?* — Das Argument war schlagend, und lachend verzichtete der Außenminister auf seinen Wunsch. Kleine Liebesgeschichte. _. Stockholm. Eine junge Dame, Tochter wohlhabender Eltern, liebte einen jungen Rechtsanwalt. Der war noch ziemlich unbekannt und seine Praxis noch nicht allzu groß. Und deshalb sagte der Papa zu seinem laiauBpdimtS ä Motorwagen-Verkaufsgesellschaft m.b.H. SXSS NORDWrST KrenzplaUlO ALchterchen: „Daraus wirb nichts! Es sei denn, er bewahrt dich einmal vor dem Zuchthaus! Und dabei lachte der Papa, denn dieser Witz war gut, seine Tochter, bitte: seine Tochter! würde ja niemals an die Zuchthauspforte klopfen!... Aber sie klopfte doch. Sie nahm ihren erstklassigen Sportwagen mit den 100 PS, setzte den Chauffeur hinter sich auf den Notsitz, fuhr über Land, wählte einen schonen Bauernhof, sauste mitten hinein und Lichtete beträchtlichen Sachschaden an. Bor Gericht gab es großes Rätselraten. Warum käste das Fräulein in den Bauernhof, wo sie doch eine ausgezeichnete Fahrerin ist? Das Fräulein konnte sich an nichts erinnern. Aber es gab ja noch die gute Mama. Die erinnerte sich sehr genau an jenen Ausspruch des Vaters ... vom Zuchthaus ... Und da hatte man die Lösung. Denn der junge Rechtsanwalt wurde natürlich der Verteidiger des jungen Mädchens. Der Richter schmunzelte, — und es gab einen Vergleich, mit dem der Bauer zufrieden sein konnte. Nun hätte es ja auch im schlimmsten Fall noch lange kein Zuchthaus gekostet, davon konnte man selbst den Herrn Papa nicht überzeugen, wohl aber davon, daß sein Töchterchen imstande sei, demnächst nicht nur auf Bauernhöfe loszurasen, wenn-- nicht rechtzeitig vorgebeugt wird. PS. Aber es ist schon oorgebeugt worden! Der Rechenkünstler. (Avk.) Budapest.! Sein Vater schenkte ihm dereinst einen „Vierling", ein Vier-Kreuzer-Stück. Der Junge ging zum Kaufmann, um sich Bonbons zu kaufen. Er mußte lange warten im Laden, denn der Verkäufer nahm gerade eine größere Bestellung auf, zu einer Hochzeit, und war damit beschäftigt, die recht komplizierte Addition im Schweiße seines Angesichts fertig zu machen. „Strengen Sie sich nicht so an", meinte der Bub mit dem Vierling, „macht so und so viel!" Der Verkäufer schnauzte den vorlauten Bengel an. Der Kaufmann ebenfalls. Das Ergebnis hat aber, wie die beiden Männer nach einer geschlagenen halben Stunde stöhnend feststellen mußten, dem Kind recht gegeben. Man staunte den Knaben an, gab ihm eine ausgesucht schwere Aufgabe, und er löste sie glatt. Einige Tage später wurde das also entdeckte Wunderkind von Schulprofessoren geprüft. Alle staunten, mit Verlaub, Bauklötze. Und der geschäftstüchtige Vater unternahm mit dem jugendlichen Kopfrechner-Genie eine Weltreise. Erste Station: Wien. Ort der Vorführung: Die Hofburg. Anwesend: Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Frau von Metternich, Fürst zu Hohenlohe und noch einige Persönlichkeiten, die nicht ganz unbekannt sein dürften. Aufgabe: In der k. u. k.-Armee gibt es soundsoviel Regimenter, Mannschaftsstand pro Kompagnie soundsoviel, Stand des Offizierskorps foundfohoch. Wieviel beträgt die Tagesgage der ganzen Armee? Und was kostet die Armee im Jahre an Gehältern? Nach einigen Minuten nannte der Junge die Summe der Tagesgelder. Sie stimmte haargenau. Dann berechnete er den Jahresetat. Das stimmte nicht. Man lachte das Wunderkind aus. Der Junge aber meinte gelassen: „Verzeihung, die Onkels haben vergessen, daß die Soldaten an Kaisers Geburtstag Doppellöhnung bekommen!" Die Lacher verstummten. Kaiser Franz Joseph war sprachlos. Die Kaiserin gab dem Kind einen Kuß. Nach der Wiener Festvorstellung vor dem Herrscher fuhren Vater und Sohn durch halb Europa. 1882 wurde das Zahlenyenie der Königin von England vorgestellt. Heute ist er, der Rechenkünstler, ein vergessener, müder, besitzloser alter Lagerverwalter einer Budapester Pfandleihe. Oie Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedaktionStisch. Der moderne Knigge. Dick geht auf der Straße. Läßt etwas fallen. Bückt sich. In dieser Minute kommt Rülps aus dem Hause, sieht den Gebückten und haut zu. „Erlauben Sie mal!" springt Dick in die Höhe. „Verzeihung — ich dachte. Sie wären Stulpnagel." „Selbst wenn ich Stulpnagel wäre", schleudert Dick eine Manschette, „finde ich es flegelhaft, so zuzuhauen." „Das ist meine Angelegenheit", spuckt Rülps einen Kirschkern auf die Straße. „Außerdem finde ich es höchst unerzogen von Ihnen, sich ohne weiteres in meine Beziehungen zu Stulpnagel zu mischen." Afrikanische Reise. Der Forschungsreisende hielt einen Vortrag über seine Afrikareise und sprach: „Auf meiner Reise durch das Land der Menschenfresser stand ich gewissermaßen dauernd mit einem Bein im Grabe und mit dem anderen Bein im Kochtopf ..." Der Kloß. Als der große Caruso in der Mailänder Scala in einem seiner letzten Lebensjahre den Rhadames gelungen hatte, meinte nach der Vorstellung der „Aida" ein mißgünstiger Kollege: „Der Kerl hat ja einen Kloß im Hals!" Der Direktor, der daneben stand, drehte sich um und sagte: „Für diesen Kloß, mein Lieber, würde ich Ihnen pro Abend gut und gern zweitausend Lire zahlen." Kunst und Wissenschaft. Der Schlachtenmaler Theodor Rocholl f. In Düsseldorf ft a r b an den Folgen eines Unfalls der bekannte Schlachtenmaler Theodor R o - ch o l l im Alter von 79 Jahren. Rocholl wurde als Sohn eines Pfarrers in Sachsenberg (Waldeck) 1854 geboren, studierte in Dresden, München (bei Pi- loty) und Düsseldorf. Als Tier- und Schlachtenmaler ist Rocholl dann bald sehr bekannt geworden. Er nahm — wie zuvor beim deutschen Expeditionskorps zur Bekämpfung des Boxer-Aufstandes — auch am Weltkrieg als Schlachtenmaler teil und erhielt dabei mehrere Verwundungen. Rocholls letztes Werk ist die Darstellung des Schlageter» Males in Düsseldorf. Von seinen früheren Bildern seien genannt „Der Todesritt von Vionville, „König Wilhelms Ritt um Sedan" und „Graf Walder- fees Einzug in Peking." Schach-Ecke. Bearbeitet von Otto Beniner. Problem Nr. 351. Von W. A. S h i n k m a n n t, Grand Rapids. Weiß 10 Steine: Khl; Tb4; Lh6; Le6; Sf2; Sc8; Be2; d2, a3, a4. Schwarz 10 Steine: Kc5; Lbl; Lc7; Ba6, c6, e7, f6, e5, g5, f4. Weiß zieht und setzt in drei Zügen matt. Problem Nr. 352. Don W. A. S h i n k rn a n n +, Grand Rapids. Weiß 4 Steine: Kb6; Db4; Ba2, e2. Schwarz 6 Steine: Kd5; Ba3, b7, e5, e6, f4. Weiß zieht und setzt in zwei Zügen matt. Partie Nr. 250. Ein Remisduell aus dem I. Internationalen Sommerturnier des RUttelrheinischen Schachbundes. Gespielt in der 5. Runde am 13. August 1933 in Bad 6ms. weiß: Dr. Adam, Bingen. Schwarz: Benkner, Frankfurt a. 21L 1. c2—c4, Sg8—f6. 2. Sgl—f3, (Zuckertort-Reti- Eröffnung.) 2. ..., b7—b6. (Das sofortige Fian- chetto des Damenläufers ist nur möglich, wenn Weiß die Besetzung des Zentrums durch 2. Sbl—c3 ufw. unterläßt.) 3. g2—g3! (Gilt als die beste Art der Bekämpfung des schwarzen Aufbaues, da die große Diagonale sofort dem Schwarzen streitig gemacht wird.) 3 Lc8—b7. 4. Lfl—g2, e7—e6. 5. 0-4), Lf8—e7! 6. d2—d4. (Dem Geiste der von Weiß gewählten Eröffnung hätte der Aufbau 6. d2—d3, Sbl—d2 nebst b2—b3 und Lei—b2 mehr entsprochen, da Weiß doch zunächst auf die Besetzung des Zentrums durch Bauern verzichten will!) 6. ..., d7—d6. 7. Sbl—c3, Sb8—d7. 8. b2—b3, 0—0. 9. Lei—b2, Sf6—e4. (Entlastung durch Abtausch. Eine Fesselung des Springers durch Sf3—d2 ist ungefährlich, da dann der weiße Springer auf c3 mit Angriff auf die Dame geschlagen wird.) 10. Ddl—c2, Se4Xc3. 11. Lb2Xc3, f7—f5. (Gegen 12. e2—e4 gerichtet. Gleichzeitig wird jede Gefahr auf dem Königsflügel damit beseitigt.) 12. d4—d5, eG—e5. (Die Schwäche des Feldes eG ist in dieser Stellung ohne Bedeutung.) 13. Lg2—h3, g7—g6. 14. e2—e4, f5Xe4. 15. Dc2Xe4, Sd7—c5. 16. De4—e3, a7—a5. (Die Springerstellung auf c5 muß gesichert werden.) 17. Tal—dl, Lb7—c8. 18. Lh3—g2. (Weiß ist durch den Zentrumsvorstoß 12. d4—d5 etwas in Nachteil geraten.) 18. ... Lc8—g4. (Etwas verfrüht. Schwarz sollte mit 18. Le7—fG, Dd8—e7, Ta8—e8 und evtl. Ld7—15 seine Umgruppierung beenden und durch den Vorstoß e5—e4 seinen kleinen Positionsvorteil vergrößern.) 19. h2—h3, Lg4—d7. 20. Kgl—h2, Le7 —16. 21. S13—d2, Dd8—e7. 22. Sd2—e4, Sc5Xe4. 23. Lg2Xe4, Ta8-e8. 24. Lc3—d2, L16—g7. 25. De3—g5, Ld7—15. 26. Dg5Xe7, Te8Xe7. Auf Vorschlag von Dr. Adam remis gegeben. Eine von beiden Seiten vorsichtig und korrekt gespielte Partie. Lösung des Problems Nr. 349 . Von I. Möller. 1. L18—a3!, c6-c5. 2. DH—c4, Ke5—d6. 3. Dc4 Xc5+ matt. 1. ..., Ke5—e4. 2. La3—d6! usw. 1. ..., Ke5—d4. 2. Dfl—d3+, Kd4—e5. 3. La3 —d6+ matt. Lösung des Problems Tlt. 350. Von H. Vetter. I. Sd5—14! usw. Ans der Schachwelt. Aus Berlin kommt die schmerzliche Nachricht, daß der Presse- und Propagandawart des Großdeutschen Schachbundes, Major Viktor S t a h l k n e ch t, plötzlich geftorben ist. An der Gründung und Gestaltung des Großdeutschen Schachbundes nahm er hervorragend Anteil und hat bis zuletzt seine ganze Kraft in den Dienst der Sache gestellt. Der berühmte amerikanische Problemkomponist W. A. S h i n k m a n n ist kürzlich 85jährig in Grand Rapids gestorben. Seine erste Aufgabe erschien im Jahre 1870, und bald war sein Weltruf als einer der genialsten und erfindungsreichsten Problemkomponisten begründet. Er hat ungefähr 3000 Ausgaben verfaßt. Der Mittelrheinische Schachbund veranstaltete in der Zeit vom 1. Juli bis 10. September d. I. fein I. Nationales Sommerturnier für die Mei- sterschaftsspieler des Bundes. Die in Wiesbaden aus- getragene Endrunde ergab folgenden Schlußstand: 1 Dr. Adam (Bingen), 5 Punkte; 2. Beniner (Frankfurt a. M ), 4% P. (nach Wertungssystem Sonnedorn-Berger); 3. U l r i ch (Kreuznach), 4>L P.; 4 Dr. Stimm (Eppstein), VA P.; 5. Schome - r u s (Darmstadt), 3 P.; 6./8. Roß (Frankfurt a.M ), Schurig (Wiesbaden), Dr. Schultheiß (Höchst am Main), je 2% P. Wilhelm Vogel Medizinalpraktikant Edith Vogel, geb. Scheerer zeigen ihre Vermählung an Nordeck, Sonntag, den 17. September 1933 05 68 ! MMe l AmvliiM? | werd, fachgemäß : u. vreiswert ge- | stimmt u. revar. o&erPS i iiiehen.Ladwigslr.5p i Telephon 2403 ■ r Verkauf v. neuen । u.gebr.Klavieren Klein-Torpedo Die stabile vollwert. Schreibmasch.,schon für monatl.8,75^, bei Barzahlg. hoher Rabatt. [6438D Niederhausen Bürobedarf Bahnhofstr. (gegen- über Hotel Schütz) Fsrkßl LäulerscUweine liefert laufend. Billige Preise und reelle Bedienung zugesichert. [5721D Artur Kröck, Heuchelheim, früher Gasthaus „Zur Stadt Gieß." Mercedes Kleinschreibmaschine nur 172.— RM. schon für monatl. RM.7.90 Franz Vogt & Co. Seltersweg 44 Ruf 2464 4512a Dienstag, den 19. September 1933, 20 Uhr BUNTER ABEND Stadt-Theater Gießen Leitung: Hanns König Es stellen sich vor und werben \\ der neue Dezernent U vt der neue Intendant yL die neuen Mitglieder Preise auf allen Plätzen 20 Pfennig Verkauf: nur Theaterkasse • ab Montag, von 10 bis 12.30 und 14 bis 17 Uhr 5711 D ■■■ " 1111 11 '/ Ärger und Verdruß Bettenhaus Beerenstrauch., u. WF P ES. 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Rochalls ■ Darstellung des Sdjlageter- Don seinen früheren Bildern Todesritt von Bionville, Jtö- m Sedan" und Jraf Walder- n $ie * ION8 , .jtinff »i«w6W* E 1 ri > 3 T—’ d 77 V V *X 'M P W ,‘A • i r "■ ;S.....4 WZ ■UAL.. - 7.;« * 7 E OM 3 I .? * x 4 y ig | Die Mitglieder des Staatsrates beaeben sich nach der historischen EröffnungBtzung zu dem Denkmal Friedrichs des Großen Unter den Linden, wo das Staatsministenum in Treue und Dankbarkeit fur Ln König einen Kranz niederlegte. - In der ersten Reihe: General L i etzm a n n, Generalseldmarschall von Mackensen und Admiral von Trotha. Der Kanzler an derVrandWe von Oeschelbronn Der Führer mH feinem Gefolge zwifchen den eingeüfcherten Läuferreihen de- badifchen Ortes . Oeschelbronn. Die Weihe von sieben neuen Polizeifahnen durch den Mlmfierpräsidenten Goring. Amtseinführung des neuen Frankfurter Polizeipräsidenten. Frankfurt, 15. Sept. (WSN.) Am Donnerstagnachmittag erfolgte durch den Regierungsprasioen. ten die Einführung des vom Preußischen Minister des Innern zum kommissarischen Polizeipräsidenten in Frankfurt a. M. ernannten SA.-Gruppenführers B e ck e r l e. Der Regierungspräsident begrüßte den neuen Polizeipräsidenten und beglückwünschte ihn zu seiner künftigen Amtsführung. Er hob hervor, daß die schweren Aufgaben, die den neuen Polizeipräsidenten erwarten, nur zu lösen seien, wenn er das Vertrauen seiner Beamtenschaft und der Frankfurter Bevölkerung besitze, hieraus begrüßte der ständige Vertreter des Polizeiproswen- ten Regierungsrat Dr. 5) e r b t den neuen Chef. Der neue Polizeipräsident übernahm sein Amt mit der Versicherung, daß er es im Sinne des obersten Führers führen werde. Drei Voraussetzungen seien es, die er selbst mitbringe und die er auch von jedem Beamten fordere, nämlich Vertrauen, Kameradschaft und nationalsozialistischen Geist. Er werde bemüht sein, fein Amt im Sinne seiner vorgesetzten Dienstbehörde zu erfüllen und das Verhältnis zwischen der Frankfurter Bevölkerung 1 t i 7* >< .17 Der grob- geftatt in bet -Reuen Aula der Berliner Unwerfität während der Anfprache des Minifler- M D 1 Präsidenten. Amerikanische Hockey-Spielerinnen in Berlin. —- 7 Ä ■ /""7/ • 77 igt **uS> Vife 1 >st: «jJJJk unb !e leiblich, A Un,er «V»r 6" aus 1Q90 63 ' um928lsu-« “Watt. «X5Ä » »Ä hoben. 8e0enüb‘t Bietzen. AW-t b-r Tast, "l-l kann am kam. Lurt-tag be. TaÜm, die Dot zehn n ;i7 konnte, i[t er NWx, der aus Uei. ™ Lu einet Stätte mtr wieder gerne Ein. ES wurde hier ein ^ursche sestge. 'chen gegenüber wK. rnd dadurch Aergemis letzen in hast gebracht. 5- Sept. Unter Seteifi. 5 5. bis 8. Sckuljahres ndesjugendwett- 1 Volksschule aus* Werten alle Kinder mit m Sportplatz, Waner )e Andacht. Die Knaben ’fgruppen von je 6 bis ' lljahrcn getrennt einen cklung der Sümpfe, na- >pen zur Preisverteilung Mafien mit dem Gesang f)mt mürbe. Der Leiter ' a n n begrüßte alle (Er* efjmern unb Sßitarbei' iö wies in feiner Hüt- )ie Bedeutung der in lusgetragentn Mm- vtm dreschen „Sieg* Karren Ädvij Hitler der das gemeinsam gefolgte. Die Siegener. Crötzmann vorge- Etgebnis: 8. Schul- ilhelm Stein mit 8 Punl- pH, 1 Punkte. 7. 6 d) u I- mann Bolk mit 8 Punk- >t, 7 Punkte. 6. Schul- z Will mit 10 Punkten: Punkte. 5. Schuljahr: hinterlang mit 8 Punk- uhl mit 7 Punkte 16.Sept. Der älteste randmirt Philipp Pepp' m Sonntag fein 89. Lf n, 15. Sept. 3n diesen anderjugendweU- n von Leihgestern SSÜfl Der Kegelklub »LU fg( W««!”,-®, 96i' 2 heinr. rte&i ■ ®Äv 9 Wd°>" »SftÄSSS . bekannt. vP Rubrer n ®etL nm®fitern fol0enöei des lL, 'SZL rÄt?*s; ne < hei 061 ,j,,n B wurde 9 Darlehb" s öes Die Kundgebung des Deutschen Hausbe- s i tz e s in Dresden am Sonntag, 17. September, mittags, im Zirkus Sarrasani wird wegen Verhinderung des Referenten vertagt. Kleine politische Nachrichten. Wie die Nationalsozialistische Landpost, das Blatt des Reichsernährungsministers DarrS mitteilt, wird der deutsche Erntedanktag am Sonntag, den 1. Oktober als Hauptkundgebung des deutschen Bauerntums auf dem Bücke berg bei Ha. mein stattfinden und in der Zeit von 17 bis 19 Uhr über alle Sender übertragen werden. Einer Iagdeinladung des ungarischen Ministerpräsidenten (3 ö m b ö 9 folgend, ist Vizekanzler von Papen in Begleitung von Dberreaicrungs» rat o. Bose und seines Adjutanten o. Tschirschky- Boegendorff, nach Ungarn gefahren. Im Sanatorium „Waldfrieden" in Zehlendorf erschoß sich der frühere Direktor der Berliner Funk« stunde Knöoke. Er war gemeinsam mit andern Leitern des Rundfunks vor etwa sechs Wochen ver- haftet worden. Er und seine Kollegen wurden beschuldigt, mit den Geldern des Berliner Rundfunks zum Schaden der Allgemeinheit gewirtschaftet zu haben. des Sonderkommissars für den Fremdenverkehr erhalten habe. Der Vorstand hat nunmehr folgende Zusammensetzung: Rektor Rohrbach (1. Führer), Reg.-Rat S t r a cf (2. Führer), Kaufmann Ferdinand P l a n z (Schriftführer), Oberstadtsekretär S e i p p e l (Rechner). Der 1. Führer begrüßte den neuen Vorstand mit herzlichen Worten und sprach die Erwartung aus, daß auch der neue Vorstand seine im Dienste der Allgemeinheit stehenden Aufgaben in einträchtiger, ersprießlicher Zusammenarbeit erfüllen möge. Der Vorstand ließ an alle Mitglieder die Bitte ergehen, recht zahlreich neue Mitglieder zu werben, da der Verein nur bei all- seitiger Unterstützung seine wertvollen und wichtigen Ausgaben erfüllen könne. Zum Schluffe der Sitzung wuroen noch verschiedene Anregungen und Wünsche zur Ausgestaltung des Fahrplans der Reichsbahn* und Äraftpoftftrerfen erörtert. — Dieser Tage ver- anftaltete die Ortsgruppe Alsfeld des Vereins für das Deutschtum im Ausland im großen Saale des „Deutschen Hauses" einen gut besuchten Vortragsabend. Studienassessor Zoll (Alsfeld) sprach über feine Eindrücke in Griechenland. Der Vortragende, der länaere Zeit an der deutschen Schule in Athen als Lehrer tätig war, gab eine fesselnde Darstellung des Landes und seiner Bewohner. Besonders erfreulich war die Feststellung, daß die deutsche Schule in Athen sich eines hohen Ansehens erfreue und die belle dortige Schule sei. Auf ihrem vorgeschobenen Posten ift diese Anstalt ein wertvoller Träger und Mittler für das Deutschtum Im Ausland. Eine Reihe interessanter Lichtbilder ergänzte den Vortrag vorteilhaft, Ein Trio der Herren Zoll (Klavier), Dr. Dingel- dey und P l o ch (Violinen) sorgte für eine passende musikalische Umrahmung. st. Kirtorf, 15. Sept. 3m laufenden Jahre wurde hier eine rege Bautätigkeit entfaltet Es wurden neben mehreren Wohnungsneubauten mehr als ebensoviele Scheunen errichtet sowie eine Anzahl alter Bauten instandgesetzt, so daß die heimischen und auch auswärtige Bauhandwerker vollauf beschäftigt waren. Der damit erforderlich gewordene Erweiterungsbau der Wasserleitung wurde vor kurzem beendet. Gegenwärtig ist die Chaussierung eines Feldweges im Gange. Preußen- Aus derNSOAP.iniKreiS Biedenkopf. * Gladenbach, 15. Sept. Am Dienstag, dem 19. September, 20.30 Uhr, findet in Gladenbach, Saal Elmshäuser, ein Werbeabend der S S. statt. Es spricht Reichsredner Gauwirtschafts- rat und SA.-Oberführer Paul Hoffmann- Essen über „Liberalistische oder nationalsozialistische Wirtschaft?" Die Ortsgruppe Gladenbach der NSDAP, und der SS.-Sturm 3/III/5 laden alle Volksgenossen zu diesem Abend ein. Kreis Wetzlar * Launsback, 15. Sept. Dieser Tage fand im Saale des Gastwirtes Rinn eine öffentliche Versammlung statt, in welcher der stellvertretende Kreisleiter der NSDAP., Haus- Wetzlar, über das Thema „Der Weg zum Dritten Reich" sprach. Der Redner verstand es, in klaren Worten den hiesigen Volksgenossen in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saale klar und deutlich den Weg und die Ziele des Nationalsozialismus vor Augen zu führen. Insbesondere führte er aus, mit welcher Mühe und Tatkraft sich die heutige Regie, rung gerade für die Arbeitsbeschaffung und das traurige Los der Erwerbslosen einsetze, welche Be- mühung auch in aller Kürze den hiesigen Erwerbslosen zugute komme. Sichtbar freudig folgte die Versammlung den Ausführungen. Durch fern einfaches, schlichtes Auftreten hat sich der Redner bei den hiesigen Volksgenossen, die in andächtiger Stille feiner Rede zuhörten, die größte Achtung und Sympathie erworben, und somit das einst so rote ßaunsbad) dem nationalsozialistischen Gedanken ein großes Stück nähergedrachl. Pg. 6 cf) m i b t richtete dann noch einige ernste Worte an tue Anwesenden, sich treu hinter den großen Führer zu stellen, und daß gegen jeden, der glaubt, heute noch das Dritte Reich mit seiner Führung verächtlich machen zu können, mit aller Strenge rücksichtslos durchgegriffen wird. Stützpunktleiter Schmidt- Krofdorf dankte dann allen Volksgenossen. Mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes und einem dreimaligen „Sieg- Heil" schloß die Versammlung, der sich eine Mitgliederversammlung anschloß. Pg. Schmidt wurde zuni stellvertretenden Stützpunktleiter bestimmt, was von den Pg. und SA.-Kameraden freudig ausgenommen wurde. Stützpunktleiter K. Schmidt- Krofdorf ermahnte zum Schluß noch einmal die kleine Schar zur treuen Pflichterfüllung und Kameradschaft. An der Transformatorenleitung getötet Darmstadt, 15. Sept. (WSN.) 3n der Irans- formatorenjtation des Betriebes Nieder-Ramftadt der Odenwälder Hartsteinindustrie ereignete sich heute ein tödlicher Unfall. Der 62jährige Maurer Georg Daum aus Ober-Ramstadt, der schon 40 Jahre im Betriebe tätig war, nahm ohne Erlaubnis der Betriebsleitung in der Iransforma- torenstation Ausbesserungsarbeiten vor. Nachdem er schon einige Zeit gearbeitet hatte, muß er mit der 26 000-Volt-Stark st romlei- tu n g in Berührung gekommen und auf der Stelle getötet worden sein. Er wurde später von vorbeikommenden Arbeitskameraden tot aufgefunden. Eine ganze Familie vor dem Tode des Ertrinkens gerettet. WSN. Nieder -Zngelheirn, 15. Sept. Als bas Paddelboot eines Ehepaares aus Ludwigshafen, das seinen kleinen Jungen bei sich hatte, im Wellen* gang eines Dampfers tippte sprang der Arbeitslose Ernst F ö r st e 1 entschlossen in bie Fluten und rettete unter eigener Lebensgefahr nacheinander bie ganze Familie, die, unter Hilferufen sich an das Boot anklammernd, rheinabwärts trieb, vom Tode des Ertrinkens. Berliner Frühbörse. Berlin, 16. Sept. (WTB.-Funkspruch.) Am Wochenschluß lag der Vormittagsoerkehr sehr ruhig, von einem nennenswerten Geschäft von Büro zu Büro kann kaum gesprochen werden. Man ist jedoch weiter freundlich gestimmt und rechnet für den Börsenbeginn zumindest mit den gestrigen Schlußkursen. Erhöhtes Interesse dürfte sich dem Rentenmarkt zuwenden, da die bereits vorliegenden Orders sich überwiegend auf festverzinsliche Werte erstrecken. Kurstaxen sind vorerst noch schwer erhältlich, doch nennt man IG. Farben mit etwa 114 bis 115, Siemens mit 135 ca. Am Devisenmarkt nannte man London- Kabel 4,67, Schweiz 16,31'/-, Amsterdam 7,83, Paris 80,87, Mailand 60,06 und Spanien 37,81. bedeuteten, wurde In diesen lagen die Durchführung einer weiteren Maßnahme von 400 Tagewerken beantragt. Es handelt sich hierbei um die Um- und Durchbearbeitung des Drainagenegcs in der „Mark", wofür ein Darlehen von 1000 Mark aus dem Reinhardt-Programm ausgenommen werden soll. Dieser Tage weilte Kulturbaumspektor Vogt vom Kulturbauamt Gießen hier, um die technischen Vorarbeiten für diese Maßnahme zu erledigen. Es deutet auf eine sparsame und gesunde Finanzlage unserer Gemeinde hin, wenn trotz der für diese Arbeiten aufzubringenden Zuschüsse der Umlage-Bedarf für das $Rj. 1933 um 1000 Mark gesenkt werden konnte. — Hier sind zur Zeit zahlreiche Fälle von Atmungs-Erkrankungen zu verzeichnen. Neben Kindern werden auch Erwachsene davon befallen, bei denen die Krankheit in der Regel stärker in Erscheinung tritt. Die Patienten haben mitunter hohes Fieber und müssen in den meisten Fällen für einige Tage das Bett hüten. Kreis Spotten. ♦ Eichelsdorf, 14. Sept. Während eines Gewitters, das heute gegen 16 Uhr nibba- aufwärts zog, konnte hier eine starke Wind- Hose beobachtet werden. Laub, Blätter aller Art, Wasser, Erde, Steine und Dachziegel tanzten i n tollem Wirbel durch bie Luft. Am itiUgekgten Himmelsbachschen Sägewerk und an der Iunkermühle wurden die Dächer beschädigt. Außerdem fielen mehrere Obstbäume dem Natur- ereignis zum Opfer. Kreis Büdingen. 4- Hirzenhain, 15. Sept. Eine große Du- m u 11 f 3 e n e spielte sich heute Nacht in unserem Dorfe ab. Die erregte Volksmenge zog vor das Pfarrhaus und verlangte stürmisch die Auslieferung des Ortsgeistlichen Erhardt. Der Geistliche, dem nachgesagt wird, daß er den ehemaligen Linksparteien sehr nahegestanden habe unb heute noch nahestehe, hat sich badurch mißliebig gemacht, daß er in der Schule den Schülern, bie mit Heil Hitler grüßten, zu wissen gab, er wünsche diesen Gruß nicht. Der herbeigerufene Bürgermeister versuchte die Ordnung her- jzustellen, cs gelang ihm jedoch erst, als auch die Gendarmerie auftrat. Der Geistliche, der vor einigen lagen mit Wirkung von 1. Oktober ab pensioniert wurde, ist ab gereist. Kreis 2lls,cld. oo AlSseld, 15. Sept. Am 1. Oktober d. I. tritt der seitherig» Direktor Vogeley der hiesigen Dezirkssoarkasse in den Ruhestand. Als Nachfolger wurde Rechtsanwalt Vogt gewählt. Dem Vor- sland gehört ferner noch an Bürgermeister Dr. uJölfing. Neu hinzugewählt wurde in den Vor- s>and der Geschäftsführer der Landkrankenkasse Ludwig Bender. Zum Rechner wurde der seitherige Kontrolleur der Kasse, Krieger, an Stelle des freiwillig ausgeschiedenen Rechners Porr, vom Auf- Pfhtsrat gewählt. — Zum kommissarischen ersten Beigeordneten her Stadt und Stellvertreter des Bürgermeisters wurde Rechtsanwalt Vogt ernannt, als zweiter kommissarischer Beigeordneter Kaufmann B i e r h e l l e r. X Alsfeld, 14. Sept. In der jüngsten Vorstandssitzung des hiesigen Verkehrs- und Derschönerungsoereins gab der Vor- sitzende, Rektor Rohrbach, bekannt, daß die Gleichschaltung des Vorstandes bie Genehmigung Wettervoraussage Der hohe Druck hat sich weiter über das Festland ausgebreitet unb wird in den nächsten Tagen da- Wetter beherrschen. Somit bleiben bei meist aufheiterndem Himmel die scharfen lemperaturgegen- sähe zwischen Tag und Nacht bestehen. In den Morgenstunden wird es vielfach zu Nebelbildungen kommen. Aussichten für Sonntag: Nach kalter Nacht und Frühnebel tagsüber aufheiternd, warm und trocken. Aussichten für Montag: Im wesentlichen noch Fortdauer der Hochdruckwetterlage. Lufttemperaturen am 15. September: mittags 16,7 Grad Celsius, abends 12,4 Grad: am 16. September: morgens 6,9 Grad. Maximum 17,6 Grad, Minimum 5,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. September: abends 16 Grad; am 16. September: morgens 12,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 7A Stunden. (Schluß des redaklionellen Teils.) Die Ernährung unseres Volkes aus eigener Scholle kann sichergestellt werden, wenn auch der letzte Landwirt die Maßnahmen hinsichtlich Bodenbearbeitung, Saatpflege und Düngung ergreift, welche in den letzten Jahren immer wieder betont worden sind. Gerade die Düngung des Wintergetreides mit den Kernnährstoffen Kali und Phosphorsäure trägt in erster Linie dazu bei, ausreichende Mengen an Brotgetreide zu erzeugen, da besonders das Kali die Kräftigung der jungen Saaten ermöglicht, vor Auswinterung und Krankheiten schützt sowie schließlich ein lagerfestes Getreide mit voll ausgebildeten Körnern garantiert. Um diese Ausgabe zu erfüllen, muß das Kali in Form von 2—3 dz 40er Kalidüngesalz je Hektar (2—3 kg je Ar) oder die dreifache Menge Kainit entweder vor der Saat ober nach bem Aufkäufen der Pflanzen verabreicht werden, damit die schützenden Eigenschaften sich bereits während der Winterperiode auswirken können und so die Voraus- setzungen für eine befriedigende Ernte geschaffen sind. 5441D Bekanntmachung. 3n unser Handelsregister, Abteilung A, wurde eingetragen: 56780 Am 24. August 1933 bei der Firma Georg Lecker zu Gießen: Die Firma ist geändert in Georg Becker, Baugeschäft. Inh. Aug. Niedling. Inhaber ist der Maurermeister August Niedling in Gießen. Dem Georg Becker in Gießen ist Prokura erteilt. Die Darlehnsschuld bei der Frankfurter Hypothekenbank in Frankfurt a. M., die auf dem Anwesen Goethcstraße 21 zu Gießen hypothekarisch gesichert ist, geht auf den neuen Inhaber nicht über. Am 29. August 1933 bei der Firma Otto Göbel & Lo. in Gießen: In Marburg ist eine Zweigniederlassung errichtet. Am 30. August 1933 bei der Firma 3. & G. Stern in Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 31. August 1933 die Firma Samuel Löwenstein in Lollar. Inhaber ist der Kaufmann Samuel Löwenstein in Lollar. Der Samuel Löwenstein Ehefrau, Frieda geb. Joseph, in Lollar ist Prokura erteilt. Am 8. September 11,33: a) Die Firma Gräfin Vera von llTonts, 0. h. in Gießen. Gesellschafter sind: Gräfin Vera von Monts in Bispingen und Kaufmann Rudolf Hassemer in Gießen. Die offene Handelsgesellschaft hat am 1. Mai 1933 begonnen, b) Bei der Firma Lina Lernard in Gießen: Die Firma ist geändert in Stofffpezialhaus Bernard & Sohn. Als weiterer persönlich haftender Gesellschafter ist der Diplomkaufmann Hugo Bernard in Gießen in die Firma eingetreten. Die offene Handelsgesellschaft hat am 1. Juli 1933 begonnen. 3n unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 11. September 1933 bei der itirma Osco-Gummiwaren-Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen folgendes eingetragen: Die Firma ist erloschen. " Gießen, den 13. September 1933. __________Hessisches Amtsgericht.__________ Bekanntmachung^ Dienstag, den 19. September 1933, findet in Gießen Rindvieh- (Nutzvieh.) Markt statt. Aufttiedszeit von 6A bis 7A Uhr vormittags. Sämtliches Vieh wird gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. Der nächste Schweinemarkt findet Mittwoch, den 4. Oktober 1933 statt. 5687C Gießen, den 16. September 1933. Bürgermeisterei Gießen. I. B.: Dr. Selb. Praxis bis 24. Sept, geschlossen Dr. Gerster Nervenarzt Bekanntmachung. Betr.: Die Umlagen und die Sonder- gebäubefleuer der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1933. Mit Genehmigung des Hessischen Staatsministeriums, Ministerialabteilung Ib (In- nern), vom 9. September 1933 zu Nr. St. M. Ib 43 240 werden in der Stadt Gießen im Rechnungsjahr 1933 folgende Steuersätze erhoben: 5709C Auf je 100 IHarF Steuerwerk Rps. 1. der Gebäude unb Bauplätze 34 2. des land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitzes 47 3. a) auf 100 RM. des Ge° roerbeiapitals 63 b) auf 100 RM. des Gewerbeertrags 286 4. auf je 1,— RM. des float- lichen Sondergebäudesteuer- folls 1931 von den Steuer- werten a) bis 7000 Mark 52,6 b) über 7000 Mark 45,93 abzüglich 20 v. H. Sondersteuersenkung. Auf Grund der Anordnung des Hessi. schon Ministers des Innern find für die beiden ersten Ziele Vorauszahlungen auj die obigen Umlagen erhoben worden. Die endgültig festgestellten Gemeindeumlagen für 1933 werden in 6 Zielen jeweils zum 25. der Monate Mai, Juli, September und November 1933 und Januar und März 1934 erhoben. Auf die sich auf Grund der demnächst zur Zustellung kommenden Steuerbescheide ergebende Steuerschuld werden die für das Rechnungsjahr 1933 geleisteten Vorauszahlungen aufgerechnet. Bei verspäteter Zahlung werden Verzugszinsen erhoben. Gießen, den 13. September 1933. Bürgermeisterei Gießen. 3.23.: Dr. Selb. 054 8 Bekanntmachung üngen der Düngemittellieferung. Die Lieferung des zum D£..o... "... städtischen Wiesen benötigten künstlichen Düngers, und zwar: 5707C [ISO Betten Scblifzim, Polmer, Slihl- murjiD m>den,Teilt Em KtoemnObellibrlX Suhl/Th. Dr. Hinrichs Zahnarzt wohnt jetzt Neuenbflue 25p. gegenüber der Stadtpost Fernsprech-Anschluß 3426 600 Zentner Thomasmehl, 15—16proj„ 300 Zentner fielt, 18—22prozentig, 50 Zentner Aehkalk ist zu vergeben. Die Lieferung hat bis zum 1. November 1933 zu erfolgen. Mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis zum 1. Oktober 1933 beim Städtischen Vermes- sungsamt, Bergstraße 20, Zimmer 3, einzureichen. Es wird noch darauf hingewiesen, daß sämtliche Angebote in kg/°/0 einzureichen sind. Angebote, die diese Angaben nicht enthalten, können keine Berücksichtigung finden. Gießen, den 14. September 1933. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Dr. S e i b. Crif. Herd u. Ausguß, aebr., sucht rranff. Str. 23 p. |Verschiedenes| Evangelist Schwefel wird am Montag. 18. Sevt., abends 8.15 Uhr, im Saal derChristlichen Versammlung, Wev- steingasse 9, einen Vortrag halten. Jedermann ist herzlich eingeladen. [5725D Kaufgesuche"! Autogarage Wellblech, gebr., zu kaut, gesucht. Schr. Ang. m. Preis unt. 5720Dcr.d.Gß.Az. Gebrauchter Gasbaileoieo (möglichst Automat) zu kaufen gesucht. Schristl. Ang. unt. 8715 D a. d. G. A. Transportabler Hühnersiall z. kauf. ges. Größe u. Vreisangeb. unt. 05442 a. b. Gß. Az. 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September 1933, soll die diesjährige Obsternte öffentlich meistbietend versteigert werden, und zwar vor- mittags 8 Uhr beginnend: von den Bäumen an der Kropbach (Hardtberg), an den Kläranlagen, am Leihgesterner Weg, an der Licher Straße, vorn Baumstück Licher Straße und hinter dem Neuen Friedhof. Zusammenkunft: 8 Uhr an der Wirtschaft „Feldschlößchen" Rodheimer Straße: 0% Ubr an der Kläranlage; 10% Uhr am Leihgesterner Weg (Gummifabrik); UA Uhr an der Licher Straße (Wirtschaft „Zur Stadt Licy"); 14 Uhr an der Licher -traße (Baumstück); 17 Uhr am Neuen Friedhof, vor dem Haupteingang. 57080 Gießen, den 15. September 1933. Bürgermeisterei Gießen. 3.23.: Dr. S e Ib. Ei""*erwa9en erbrachte die?2 Sf UnCl6D DflU^PfOKl^ohneNXotorhaW Die Kreite. Eine Erzählung von Wilhelm Holzamer. (Schluß.) Das ging dem Wiesenmüller denn doch über die Hutschnur. Er band sein Halstuch um und ging ins Dorf zum Bürgermeister. Da erfuhr er, daß der Jerrisepp die Genehmigung eingeholt und alles ordnungsgemäß oorgelegt und begründet hatte. Es war freilich nicht gesagt, daß er der Wiesenmühle das Wasser schwächen werde, aber es war genug damit, daß er ihr es nicht genommen hatte. Wenn er seine Wasserverhältnisse verbesserte, so war das ja ganz natürlich. An dem Wiesenmüller sein Wasserrecht war nicht gerührt, wenigstens nach Ansicht des Bürgermeisters. Das übrige müßten dann freilich die Advokaten besorgen. Der Wiesenmüller kratzte sich hinter den Ohren. Schon wenn er das Wort Advokat hörte. Er hatte sich vorgenommen, im Leben keinen Prozeß mehr zu führen, nachdem er vor langen Jahren den ersten verloren hatte. Da hatte er gesehen, was das kostet. Es war wegen eines Aeckerchens damals gewesen: gegen den Bruder seiner Frau. Das Aeckerchen ging dabei verloren und zwei andere noch dazu. Der Wiesenmüller besann sich unterwegs, wie er die Sache auf gütlichem Wege schlichten könne. Er dachte an den Paul Ludwig. Das war der Müller von der Ecklocher Mühle. Der muhte einmal mit dem Jerrisepp reden, ehe es zur Klage kam und das Gericht sich in die Sache mischte. Der Paul Ludwig war ein sonderbarer Kauz. Seit Jahren war er nicht aus seiner Mühle herausgekommen. Um die Menschen kümmerte er sich gar nicht. Er hatte nur seine Mühle, das Feld, die Wolken und seine Pfeife. Er war der Wetterkenner. Morgens in aller Frühe reckte er den Kopf aus feinem kleinen Mühlenfensterchen heraus und schaute sich nach dem Wetter um. Und das geschah so noch ein paarmal am Tage. Er wußte ganz genau Bescheid. Wenn der Paul Ludwig sagte, daß es zur Kirchweih regnen werde, so konnte man ganz sicher sein, daß es eintraf. Wenn ein Verein ein Fest feiern wollte, ging man erst zum Paul Ludwig, um ihn wegen des Wetters zu befragen. Das meiste Ansehen hatte der Paul Ludwig gewonnen, als er die schlechten Weinjahre prophezeit hatte. Und sie waren alle so eingetroffen, wie er es vorausgesagt hatte. Er beobachtete alles, die Kleeblüte und den Bienenflug, die Vogelstimmen und den Nestbau der Vögel, und noch viele ganz natürliche Dinge, die er den Leuten gar nicht sagte, wenn sie ihn fragten. Außerdem putzte er die Schwarzwälder Uhren aus, wenn sie stehen geblieben waren, und ölte sie auch ein. Er konnte alles. Nichts, was er nicht hätte bosseln können. Er reparierte sogar den Musikanten des Dorfes die Instrumente, und wenn sich einer einen ganzen Tag lang abgemüht hatte, den Stimmstock in einer Geige zu stellen und es ihm doch nicht gelungen war, so ging er eben zum Paul Ludwig, der machte es im Handumdrehen. Wie aber der Bienenstand vom Paul Ludwig aussah, so schön gab's keinen mehr in der ganzen Gegend. Von den Umgestaltungen, die der Jerrisepp mit seinem Wasser und in seiner Mühle vorgenommen hatte, war ihm schon erzählt worden, aber so sehr er sich dafür interessierte, hingegangen wäre er nicht. Nun ihn der Wiesenmüller bat, ihm den Vermittler zu spielen, war's ihm gerade recht, das war ihm eine Gelegenheit, sich die Arbeit vom Jerrisepp anzusehen. Er stülpte also sein besseres Käppchen auf, zündete seinen Kloben noch einmal an, steckte sich ein Päckchen Tabak ein und ging zum Jerrisepp. Der Jerrisepp zeigte ihm alles, die ganzen Verbesserungen und Einrichtungen, und der Paul Ludwig guckte ganz genau. Sagen tat er nicht viel. Höchstens mal ein „Hm, hm", oder mal ein paar tiefere Züge aus der Pfeife. Das war schon ein bedeutender Beifall. Der Jerrisepp freute sich. Wenn es einer verstand, war es der Paul Ludwig. Und er guckte ins allerkleinste und einzelnste. Alles {Heberte er aus. Aber von der Sache mit dem Wiesenmüller sagte er nichts. Die hatte er ganz über dem Neuen, was er da sah, vergessen. Und sie zählte ihm auch nicht mehr, nachdem was er gesehen hatte. Er hatte vielmehr einen richtigen Respekt vor dem Jerrisepp gewonnen. So was hätte er dem gar nicht zugetraut. Der war doch ein dicker Duckmäuser, der. Und daß er jetzt so freundlich und bereitwillig im Zeigen war, das war lauter Stolz von dem. Aber, dachte der Paul Ludwig, was fchadet's! Er darf stolz fein. Was er da gemacht hat, hat wirklich Hand und Fuß und kann sich sehen lassen. Dumm nur, daß man nicht schon früher darauf gekommen ist. Die Welt macht doch Fortschritte. Es war schon richtig düster, als er ging. Und er war schon ein Stück Wegs gegangen, da fiel ihm der Wiesenmüller wieder ein. So ging er noch einmal zurück. Aber nun wußte er gar nicht, was er sagten sollte. Es war ja alles richtig und in feiner Ordnuna. „Du, Jerrisepp , sagte er, „der Wiesenmüller beklagt sich, er hat fein Wasser." „Die Wiesenmühl' hat zu Lebtag noch nit viel Wasser gehabt. Und soll ich vielleicht dem Wiesenmüller Wasser hinunterbringen?" „Ja, recht hast du, Jerrisepp." „Die vierte Mühl war schon zu Lebtag ein Stiefkind. Immer hat da das Gefäll gefehlt. Ich wunder' mich, daß sie so lang' sich gehalten hat und das Wasser nit schon längst ausgegangen ist." „Recht hast du eigentlich." „Wer die da hingebaut hat, der hat auch nit allzuviel Ueberlegung und Verständnis gehabt, oder die Bach ist damals anders gelaufen." „Das ist's, die Bach ist damals anders gelaufen. Das war alles anders. Und früher war die Wie- fenmühl' eine von den allerbesten in der ganzen | Umgegend. Aber fett der Wiefenentwäfferung ist das anders geworden." ,Alfo müßt' der Wiesenmüller eigentlich die Gemeind' verklagen und nit mich, wenn er kein Wasser hat." „Ja, eigentlich müßt' er das", sagte der Paul Ludwig. „Denn seit der Wiesenentwässerung, die die Gemeinde gemacht hat, geht's ihm so schlecht mit dem Wasser." Dann ging der Paul Ludwig wieder und hatte das Gefühl, daß er die Sache vom Wiesenmüller sehr gut vertreten habe. Der Wiesenmüller beruhigte sich aber dabei nicht. Er wollte jetzt unbedingt sein Recht haben. Und trotz seiner Scheu vor den Advokaten fuhr er nach Mainz und machte die Klage anhängig. Und legte gleich einen tüchtigen Batzen Geld auf den Tisch. Nun kamen die Sachverständigen und prüften die neue Anlage vom Jerrisepp und den Wassermangel von der Wiesenmühle, und prüften alle Einsprüche, zum Beispiel den, daß der Jerrisepp das Wasser unterhalb der Mühle zu tief gelegt habe. Aber der Jerrisepp war sattelfest. Er hatte sich genau an die Bestimmungen gehalten. Es war wenig Aussicht. Dazu mußten immer neue Vorlagen gemacht werden. Der alte Müller war ganz krank. Von Bub auf an hatte er die Mühle jeden Tag klappern hören, von morgens bis abends und sogar in der Nacht, nun stand sie still. Totenstill war's, abgestorben begraben. Der Alte konnte nicht mehr ruhen, nicht schlafen. Die Stille weckte ihn. Sie verjagte ihn aus feiner Mühle. Auch der Müllerin ging's so. Als ob sie nun ohne Haus und Heimat wären, ganz verstoßen und verlassen mar ihnen. Dann und wann nur bekam das Wasser einen stärkeren Trieb und das Rad lief ein wenig, aber es war nicht der Mühe wert. Auch Stauungen halfen wenig. Wenn überhaupt etwas zu machen gewesen wäre, so hätte das wenigstens ein paar Hundert Mark gekostet. Die ganze Mühle war nun aber dem Wiesenmüller verleidet. Geld wollte er keines mehr an sie hängen. Er schickte die Eve zum Jerrisepp, fragen, wann er 3U ihm kommen könnt'. Die Eve kam zurück mit der Antwort, daß es fein könne, wann es dem Vater passe. Dabei wußte sie des Rühmens kein Ende zu finden, wie fein alles in der Reihe fei beim Jerrisepp, wie er nun mit zwei Gängen mahle, und wie er nun gar nie mehr trocken sitzen könne. Der alte Müller kraute sich hinter den Ohren. Er sah die Eve lang und durchdringend an. „Es hat dir also gefallen?" „Ich könnt' nit anders sagen, Vater." „Hm, hm? ’s ist fein in der Reih'?" „Ich müßt lügen, Vater." Der Alte ging hinaus auf den Hof und machte sich da zu schaffen. Nach einer Weile kam er wieder herein. Er fragte die Eve: „Willst ihn?" „Wen?" fragte die Eve lachend. „Hm!" — er deutete zur Mühle hinüber. „'s ist alles fein in der Reih', Vater." „Willst ihn also?" „Wann's Euch recht wär', Vater." „Hm!" Am Sonntag lag der Wiesengrund tief im Nebel. Man konnte den Nebel schneiden. Er benahm einem ordentlich den Atem. Als die Kirche aus war, sagte der Wiesenmüller zu seiner Frau: „Mutter, es wird uns nix anders übrigbleiben. Die Wasserregulierung vor ein paar Jahr, jetzt der Jerrisepp... 's hilft halt nix. Und das ganze Geld zu oerproAeffieren, und am End' noch mit der Gemeind' anfangen... Wo ist denn mein tariert wollen Halstuch? 's ist mir, meiner Seel, kein leichter Gang..." Die Mutter nickte. Der alte Wiesenmüller schritt langsam und vorsichtig durch den Nebel nach der Mühle vom Serri« fepp. „Kommt Ihr, Nachbar?" Der Wiesenmüller sah sich um, Küch' und Keller, das Wasser, das neue Rad, den neuen Gang, den Stad, den Dachboden. Es gefiel ihm alles sehr gut. Ordentlich begeistert war er von allem, was der Jerrisepp eingerichtet hatte, und er kargte nicht mit seinem Lobe. „Slber in der Mühle drunten bleiben wir wohnen, wir zwei Alten. Fertig!" „Wie Ihr wollt." „Den Kniestock sparst du dir. Fertig!" „Wie ihr wollt", lächelt der Jerrisepp. „Und die Hochzeit?" „Noch vor dLr_Lüstnacht", sagte der Jerrisepp. „Noch vor der Fastnacht? Soll mir recht ein." Dann besprachen sie noch die Mitgift, und was so drum und dran hing. „Es trifft sich halt so", meinte nad) einer Pause der Jerrisepp, „die neu’ Chaussee hätt' auch an Euch können Dorbeigefjen, dann Hütt' ich's Nach- gucken gehabt. Freilich, mein Wasser war immer besser gewesen als Eures. Aber man muß sich zu helfen wissen. Wenn man’s Leben verkehrt anpackt, nur an einer Stell’, dann bleibt’s verkehrt für fein Lebtag." Der alte Wiesenmüller klopfte ihm auf die Schulter: „Du brauchst dir nix einzubilden. Wenn ich's nit gewollt hätt', dann roär’s nit geschehen. Und man weiß noch nit, roer’s von uns zwei am längsten ausgehalten hätt'. Fertig!" Dann ging der Wiesenmüller wieder seinen Weg zurück. Der Heimweg war ihm ein gut Teil leichter. Es wär' aber gar nit notwendig gewesen, daß die Freierei so viel Geld gekostet hätt', der Jerrisepp hätt's nur gleich richtig anpacken sollen. Na, was vorbei war, war vorbei. So dachte er. Am Sonntag drauf wartete der Jerrisepp auf der Kirchentreppe auf die Eve und führte sie heim. Da wußte das ganze Dorf, daß die Heirat ausgemacht war. Trotz Prozeß, man hatte sich's ja freilich immer gedacht. Denn was ein rechter Müller ist, freit in einer Mühl'. Das war zu Lebtag so.— 5710 A die erfolgreichste Zentrifuge d.r.p. pejn deutsches Erzeugnis D R-G M- In Köhler’s Jagdrevier finden Sie einen neuen und dichten Herbst-Bestand. 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SrcnzbeseM gebaut Günstiger ssesiiandssto renaen, S)DI schreitende Grenzen. Schranke bleiben el natürliche der Schw> reichs lec nicht oen Line d malte und $ Aber n Lauterbm dem, wai zwischen i hinweg - Dreilände Besestigmi heil des Triumph. Die W die uwei systems oe jeigt erfd)i fentfid) en Waffen. 21. „HJliftytrafie faß roiberfpr zösische Bese gebend ist. durch tv Kampskr So liest i Systems Grundia nalwend mehrsaä Todes man ei Jeuetroi der Lag die ein) Zahlreich Panzern Front, ' baranlal dring Feuer eine G, einen hl nicht ein Feuer ( fampfroa, nlfff mad Ne ®ibetf nr. 217 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) Samstag, 16. September 1935 Wehr und Waffen. Frankreichs Ostbesestigungen ein'e Bedrohung der deutschen Sicherheit. Oie Zone des Todes. — Eine unterirdische Kriegssiadt. — Oeulsche Städte im Bereich der französischen Kanonen. — Was sagt man in Gent? , Unsere Westgrenze ist bedroht. Das ist für uns keine Neuigkeit mehr, aber wir müssen uns täglich daran erinnern lassen. Tun wir es selbst nicht, so tun es unsere Nachbarn. Die Berichte, die soeben nach der großen Inspektionsreise des französischen Ministerpräsidenten D a l a d i e r bekannt werden, zeigen erschütternd, wie sehr Frankreich seine Grcnzbesestigungsarbeiten gegen Deutschland aus- gebaut hat Günstiger als für jeden anderen europäischen Festlandsstaat ist Frankreichs Grenzgestaltung. Pyrenäen, Hochalpen und Jura ziehen schwer zu überschreitende natürliche Wälle an seinen landfesten Grenzen. Gegen Deutschland schützt die doppelte Schranke des Oberrheines unb der Vogesen. So bleiben etwa 220 Kilometer, auf die, weil ohne natürliche Hindernisse an Deutschland grenzend, sich der Schwerpunkt des militärischen Interesses Frankreichs legt. Freilich, auch die Oberrheingrenze ist nicht vernachlässigt. Line doppelte Sperre von „Kasematten", schwer bestückten, aus Panzerglocken und Scharten feuernden Belon-Blotf- Häusern beherrscht lückenlos den Strom, der einst „Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze" war und die Ihn begleitende Jllebe- rung. Der begonnene Rheinseitenkanal mit seinen mit schiffahrt-technischen Gesichtspunkten kaum zu begründenden, riesenhaften Abmeffungen wird die Stromschranke verdoppeln. Sperrbefestigungen in den Vogesen ergänzen das befestigte System in der Rheinebene. Aber was hier am Rhein zwischen Hüningen und Lauterburg geschaffen ist, ist nichts im Vergleich zu dem, was zur Befestigung der „L a n d b r ü ck e" zwischen dem Rhein und — über Saar und Mosel hinweg — der luxemburgisch-belgisch-französischcn Dreiländerecke entsteht. Erst hier feiert französische Befestigungskunst und die finanzielle Unbeschwertheit des einzigen Weltkriegssiegers ihren höchsten Triumph. Die Weltkriegserfahrungen, die Erinnerung an die ungeahnte Widerstandskraft des Stellungssystems des großen Krieges ließen es zunächst ange- geigt erscheinen, ein gleiches System, nur mit wesentlich erhöhter Stärke jeder Einzelanlage zu schaffen. Aber die auf diese Weise entstehende „Milchstraße von Unterständen" hätte dem Grundsatz widersprochen, der heute für die gesamte französische Bcfestigungsmethode maß- und richtunggebend ist. Ein Maximum an Wirkung durch ein Minimum an lebendiger Kampfkraft! So lieh man innerhalb des tiefen engmaschigen Systems der besestigten Stellung, bas bie Grundlage bildete, nur so viel entstehen, wie notwendig erschien, um eine lückenlose, tiefe, mehrfach durch Feuer überlagerte „Zone des Todes" zu schaffen. Diesen Anlagen aber gab man ein höchstrnah an passiver Stärke, an Feuerwirkung und an äußerstem Raffinement der Lage, wie die Waschen eines Rehes liegen die einzelnen „casemates“ im Gelände. Ihre zahlreichen Schnellseuerwaffen wirken aus panzern oder Belonscharten heraus gegen Front. Flanken und kehle, auch bie ber Rachbaranlagen, auf biese weise ein unburch- dringliches System gegenseitiger Feuerunter st ühung schaffend, kaum eine Geländefalte, kaum eine Schlucht oder einen Hohlweg gibt es in dieser Todeszone, die nicht einzusehen sind, keine, in die nicht das Feuer einer Steilfeuerwaffe hineinreichle. kampfwagenabwehrwassen und Geländehint^r- nisse machen den Tankangriff, der einst 1918 die Widerstandskraft der befestigten Feldstellungen brach, illusorisch. Der feste Abschluß aller Kämpfer von ber Außenwelt verurteilt bas Gas, von bem man hier unb bort wohl eine Wenbe ber Kriegführung erwartete, zur Unwirksamkeit. Kleinheit ber Ziele — nur bie eigentlichen Kampfräume ragen an bie Erboberfläche empor — unb mächtige Stärken ber in Eisenbeton geformten Decken unb Wänbe lassen bie Rolle selbst schwerster Angriffsartillerie als ausgespielt erscheinen. Jedes Netz aber, so schlußfolgerten trotz aUebem die Franzosen, kann zerrissen werden, wenn nicht mit heutigen Mitteln, so doch vielleicht früher ober später. So schob man in bas System ber Kasematten, bie als Wellenbrecher gegenüber ber Flut eines örtlichen Einbruchs gebuchten „petit ouvrages“ ein. Es finb ungeachtet ihres Namens mächtige Verteibigungswerke, eine geschickte Zusammenstellung von Fernkampfanlagen u. zu beren unmittelbarer Verteidigung, Kampsanlagen für ben Nahtamps. In ihnen unter Panzerschutz auf- gestellte Batterien beherrschen bas Zwifchengelänbe bis zu ben entsprechenben Nachbaranlagen unb bie darin liegenden Kasematten. Auch die letzteren im Falle der Gefahr mit eigenem zusammengefaßten Feuer zu belegen, wird im Vertrauen auf den sicheren Schutz der Besatzung durch Beton und Panzer für ganz unbedenklich gehalten. Sodann die „ensembles“! Zu ihnen gehören die häufig genannten gemakigen Anlagen des Hochwaldes, des Hakenbergs, von Bilsck) usw. Man kann sie ohne weiteres als geschlossene, aber in das Gesamtsystem eingefügte „Festunge n" bezeichnen. Sie sind die Eckpfeiler ber ganzen Zone, dazu bestimmt, wichtigste Einbruchspunkte unb be- herrschenbe Höhen unbebingt zu sichern unb ben benachbarten Abschnitten burch ihre allseitige Feuerkraft feste Anlehnung zu geben. In ihnen haben auch jene Ferngeschütze Aufstellung gefunben, bie tief in beutsches Land hinein wichtige Verkehrspunkte am Rhein unb noch jenseits bes Rheines beherrschen. Hinbernisse finb von jeber Feuerlinie unb um jebe Kampfansage so angebracht, baß ber Angreifer im wirksamsten Feuer aufgehalten wirb. Sie sollen gegen Menschen unb Kampfwagen sichern. Das billigste unb am häufigsten verwenbete Hinbernis ist bas alte Drahthinbernis, bas in einer Höhe von 1,30 Meter unb in einer Tiefe von 20 bis 30 Meter mit Stacheldraht an eisernen, betonierten Pfählen gebaut wirb. Gegen Kampfwagen werben Steilpänge, Gräben unb Betonmauern, Eisengitter unb Minen verwenbet. Unsere kurze Darstellung würbe unvollständig sein ohne Erwähnung bes Netzes u n t e r i r b i - scher Anlagen, bie alle Teile bes befestigten Systems untereinanber unb mit bem rückwärtigen Gelänbe verbinben. hier, 30 bis 70 Bieter unter ber (Erbe, rollen Rlunitionszüge zu Färberanlagen, wie sie ber moderne Bergbau kennt, zu Bahnhöfen mit Abstellgeleisen und allen sonstigen Ber- kehrseinrichtungen. Feldbahnen rollen hier durch die großen Hauptgänge bis zu den gewaltigen Förderanlagen, deren elektrisch betriebene Fahrstühle auch die schwersten Geschosse bis unmittelbar an das Geschütz heben. In den Seitengängen liegen, schalldicht und von ein- gepumpter Frischluft durchspült bie Ruhe- r ä u m e für die Bereitschaften und Ablösungen, die mit allen Bequemlichkeiten eingerichtete, höchst wohnliche unterirdische Kasernen darstellen. Sie haben Rlannschaftsräume, Zimmer für Offiziere, Küchen, Geschäftszimmer, Magazine, Brunnen und Maschinenräume. Diese erhalten elektrische Erzeuger unb elektrische Speicher. Der elektrische Strom wirb verwenbet für Beleuchtung, Scheinwerfer, Betrieb von Pumpen zum Austrocknen, Trinkwasser- Hebung, Lüftung, Luftbruckanlagen, Motoren zum Drehen unb Heben ber Panzertürme, Munitions- aufzüge usw. Diese unterirbisch zusammenhängende Verbindung gestattet eine brauchbare Lüftung, erneuert die Luft, Die französischen Herbsimanöver. MM A * j — ---.—1 2n ber Champagne haben bie Herbstmanooer ber französischen Armee begonnen, bei benen vor allem bemerkenswerte Fortschritte in ber Motorisierung unb Tarnung ber Truppengattungen zu verzeichnen finb. Auf dem ganzen Manövergelände ist kaum ein Pferd zu sehen, unb sogar bie Infanterie ist so gut gesichert, daß unerfahrene Zuschauer überhaupt nicht merken, baß sie sich mitten im Kriegsgelände befinden. hält die verseuchte Luft ab und entfernt die beim Schießen entstandenen Gase. Hierzu wirb bie Luft durch besonders gebaute Lüftungs st ollen an- gesaugt, durch Filter gereinigt und nach der Reinigung in die Stollen gebrückt. Durch Erzeugung eines Ueberdrucks in sämtlichen Anlagen wirb bas Einbringen von Gasen oerhinbert. Wir müssen uns barüber klar fein, daß deutsches Land heute von vornherein unter dem Feuer weittragender französischer Geschütze liegt. Die Sperrgruppen bei Kembs, Reu Breisach und Rheinau bestreichen mit ihren Geschützen das oberbabische Lanb bis weit in ben Schwarzwald hinein. Während Straßburg seinen Rang als Festung erster Drbnung aufgegeben hat, finb zwischen Straßburg unb Lau terburg fünf neue Sperrgruppen entstauben, burch bie bie deutschen Stäbte Ächern, Baden-Baben, Rastatt unb Karlsruhe unter Feuer genommen werben können. Eine weitere Sperrgruppe, bie von Belfort ausgeht, liegt auf ben östlichen Abhängen ber Vogesen. von ber Befestigungsgruppe hochwalb unb Bitsch aus können die deutschen Städte Germersheim, Landau, Pirmasens unb Zweibrücken unter Feuer genommen werben. Besonbers weittragende Geschütze auf dem Hochwald sollen schwere Sprenggeschosse bis Mannheim-Ludwigshafen unb Kaiserslautern fdjleubern, während der Befestigungsraum Diedenhosen ganz Luxemburg unter Feuer nehmen und außerdem das Maseltal absperren kann. Wenn man sich noch an bie Rüstungsindustrie erinnert, kann man sich ungefähr ein Bild von unserer bedrohten Westgrenze machen. Man übertreibt nicht, wenn man, gering gerechnet, annimmt daß Frank- reich nicht weniger als 3600 schwere Geschütze hat. Man roeif3r baß Frankreich über 221 schwere Batterien verfugt. Das sind offizielle Zahlen in ben Stärkenachweisungen für ben Völkerbunb. Sie geben natürlich keinerlei Einblick in die gewaltigen Geschützreserven, b'e für eine Mobilmachung bereit- stehen unb ftänbig von ber Rüstungsindustrie burch immer wieder verbessertes Material ergänzt und vermehrt werden. Auch in der R c i ch w c i I e der Geschütze haben unsere Rachbam die Leistungsfähigkeit de» Weltkriegs längst Überboten. Die Lisenbahn- gesckütze erreichen bis zu 30 Kilometer. Auch die Kaliber sind gewachsen: so baute Frankreich eine Eisenbahnhaubihe mit 52-Zenlimeter- Kaliber. Unsere „Dicke Berta“ ist also um 10 Zentimeter Rohrweite übertroffen. Dieses Geschütz hat ein Rohr von 8,5 Meter Länge unb Granaten von 1400 Kilogramm, das sind 500 Kilogramm mehr, als eine 42-Zentimeter- Granate hatte. Für diese Gewichte ist eine Reichweite von 18 Kilometer vorgesehen. So sieht ber offensive Charakter ber neuen Befestigungen aus, die Aussallstor und Rückhalt für modernste Angriffsheere sind. Frankreich hat sich ge- sichert, aber wir stehen waffenlos. Selbstbesinnung ist Gebot ber Stunbe. GneiSenaus roarnenbe Worte hatten zu lange Wahrheit, als er prophetisch vor über 100 Jahren Schrieb: „Deutschland Soll ber (Befahr fteter Invasion ausgefetzt fein. Frankreich Soll Stets mächtig unb geharnischt bastehen. So will es bie Politik. Vergeblich hat bie Vernunft bagegen gestritten!" Soll das weiter fo bleiben? planmäßiger Ausbau des Lustschuhes. Erziehung zu Diszip in und Selbsthilfe. Der Ruf: Luftschutz lut not! hat überall Wiberhall gefunben. Deutschland würbe im Ernstfall zum Kriegsgebiet werben, wo es keinen Unterschieb zwischen Kombattanten unb Nichtkombattanten gibt, und darum geht ber Luftschutz alle an. In einem Berliner Polizeidienstgebäude wurde ein Gasschutzkeller errichtet, ber allen zu stellenden An- forberungen gerecht wirb. — Unser Bilb zeigt einen Gasfilter, mit dessen Hilfe der Keller gasrein gehalten wird. Die ßanbesgruppe Brandenburg-Grenzmark des Reichsluftschutzbundes ist jetzt mit einem Sofort- Programm, bas sich eng an ben Aufruf bes Reichsluftfahrtministers Göring hält, zur Tat geschritten. Im ersten Teil werben Werbung unb Pro» paganbfl behandelt. Wehroerbänbe, Schulen, Frauenorganisationen, alle müssen helfen, burch schlagartig zusammengestelltes Propagandamaterial ben Gebauten bes Luftschutzes in jebes Haus zu tragen. In jebem Haus ist ein Luftschutzwart i ernannt, ber bie Einzelarbeit leistet, um bas Ge- I bankengut bes Schutzbunbes Fum Allgemeingut zu machen. Das Bau- unb Organifations- Programm sieht bie planmäßige Aufnahme sämtlicher vorhanbener Kellerräume, bie Schaffung eines Musterschutzraumes, Räumung ber Böben von allem brennbaren Gerümpel, Erfassung von Haus- unb Branbwarten sowie Haushelserinnen, bie planmäßige Schulung aller biefer Kräfte unb planmäßigen Ausbau aller Kellerräume zu einsturz-, fpütter- unb gassicheren Schutzräumen vor. Der Musterraum soll ber Lehrraum für ben Unterricht werben. Ungefähr ein Drittel ber Gesamtbevölkerung muß zur aktiven Mitarbeit im Luftschutz herangezogen werben, buch Frauen unb Jugendliche. Das Sofort-Proaramm bes Reichsluftschutzbunbes stellt erst ben Anfang bar. (Eine weitgehende Erziehung ber Bevölkerung zum richtigen Verhalten muß sich anschließen. Dem Volk muß bas Gefühl ber Sicherheit wiebergegeben werben, bamit cs nicht tatenlos bie Geschehnisse über sich hereinbrechen läßt. Die erste große Gasschutzübung hat vor einiger Zeit in Berlin-Tempelhos ftattgefunben. Man hatte angenommen, baß feinbliche Flieger Berlin mit Giftgasbomben belegt haben. Die Flieger finb roieber abgeflogen unb bie Bevölkerung sitzt verschüchtert, aber zunächst geborgen, in ihren Kellern. Die Straße ist menschenleer. Aus bem Polizeirevier, bas im Kriegsfall auch bie Funktionen bes Luftschutzreviers übernimmt, läutet ber Fernsprecher. Es wirb G i f t g e f a h r gemelbet. Wenige Minuten später sausen bie Giftspürer herbei in weiten grauen Gummianzügen, mit ber Gasmaske versehen. Sie suchen bas angegriffene Gebiet ab unb entnehmen giftbetaute Erbstücke, Baumzweige, Pflanzen usw. unb eilen bamit in bas nächste chemische Caboratorium, wo bie Art bes Giftgases Schnell festgestellt wirb. Dann setzt bas Reinigungswerk ein. BlitzSchnell wirb ber Geräte- wagen, entlaben, SprengSchläuche werben angefefot unb als erstes Abwehrmittel bas gejamte giftbetaute Gelänbe unter Waffer gefetzt Dann wirb gasfeinblicher Clorkalk barüber gestreut. Dies Gemisch wirb mit Besen grünblich burcheinanber gemengt unb bleibt im Ernstfälle eine Stunbe liegen. Dann wirb bie Maste burch langbauernbe Wasserspülung entfernt unb bie Gefahr ist beseitigt. Die Veranstaltung gab einen anschaulichen Begriff bavon, wie weit bereits bie Vorbereitungen ber Stabt Berlin für ben Luftschutz gebiehen finb. Die hierfür eingesetzten Mannschaften waren grünblich für alle Phasen ihres Eingreifens vorbereitet unb man hatte es verstauben, trotz bes fühlbaren Mangels an Mitteln, bie für anbere Zwecke vor- hanbenen Geräte behelfsmäßig praktisch für bie Zwecke bes Luftschutzes anzusetzen. Die italienische Armee. (Beneral von Seerft hat in feinem Buche „Gedanken eines Soldaten" das Problem: Staatsmann unb Heerführer klar umriffen. In der Hand des ersteren laufen alle lebenswichtigen Fäden zusammen, während ber anbere bie einzelnen Entscheidungen trifft. Das motte Mustolmi als wirklicher Regierungschef verwirklichen. Aber sein echtes Genie zeigt sich in ber Art, ben Soldaten zu formen. Hat er babei nicht von bem Begriff bes „civis" unb bem „miles" bes antiken Roms geträumt? — Der General st abschef, der dem Regierungschef zur Seite steht, ist der Armeeführer. Er weiß daher täglich, was zu tun ist unb welche Ziele erreicht werben müssen. Es bildet sich fo eine Zusamme narbeit in allen Instanzen zwifchen ber politischen unb ber militärischen Macht. Alle Staaten finb baburdj groß geworden, daß ber Wille, dem Vaterland zu bienen, die Gegenfätze zwischen ben Ministerien unb ben Armeeführern besiegt hat. Daraus ergibt sich ein Verfchwinden der „Autonomie der Waffen" unb eine gemeinsame Arbeit mit ben Ministerien der Außenpolitik, ber Finanzen, ber Wirt- Schaft unb des Verkehrs. Das italienische Gefetz vorn 10. März 1926 stellte die Armee auf folgende Grundlagen: Ein Kommandant des (Benera Ifta bes, 4 Armeekommanbamen, 19 territoriale Armeekorps unb bas Militärkommanbo Sizilien, 29 territoriale Militärdivifionen unb ein Militärkommanbo Sardinien 3 Kommandanten ber Alpenarmee mit 9 Alpen- regimentern, 12 Jägerregimenter mit Maschinen- gewehren auf Fahrrädern und Motorrädern (Berfa- güeri). 3 Kaoallerieführer mit 12 Regimentern. 30 Regimenter Feldartillerie, 12 Regimenter schwere Feldartillerie, 1 Regiment Artillerie zu Pferde, 3 Regimenter Gebirgsartillerie, 5 Regimenter Schwere Artillerie, 5 Regimenter Küstenartillerie. 13 Flugabwehrabteilungen, 12 Regimenter (Benie- truppen unb die rabio-telegraphiSchen Abteilungen, Pioniere, Eifenbahner unb Luftfchiffer, 1 Abteilung Kampfwagen, 13 Kraftfahrabteilungen, 13 Train- fompanien, 1 militärische Abteilung. 211$ Mussolini bas Gesetz dem Parlament oorlegte, faßte er es in zwei Worte: „Die Militäroer - f a f f u n g". Es war tatsächlich eine Berfaffung, bie der Armee, deren Stärke im Durchschnitt auf 220 000 Mann festgesetzt ist, bie aber zwifchen 325 000 im Sommer unb 150 000 im Wimer Schwankt, eine sinngemäße Entwicklung ermöglicht. Die italienische Armee hat bie Dreierforma- t i o n angenommen Die Dioif, on ist die taktifche Kampfeinheit, mit ihren drei Jnfanterieregimentern und den anderen zugeteilten Truppen. Sie ist als bewegliche Einheit geeignet, die Kriegsaufgaben von sich aus zu löfen, eine ähnliche Aufgabe, wie sie einft die römifche Legion zu erfüllen hatte. Capitano D. Borellu SJt.-'Sport Kußball und Geländesport. Die Bezirksklasse im Kreise Gießen sieht für den morgigen Sonntag vier Spiele vor. Es steyen sich gegenüber: Wetzlar —Ockershausen, Nauheim gegen Marburg, Großkarben — Butzbach und Steinberg gegen 1900 Gießen. FC. Teutonia Watzenborn-Steinberg Liga gegen 1900 Gießen Liga. Die Blauweißen haben also nach Watzenborn- Steinberg zu fahren. Der Ausgang des Spiels ist nicht oorherzusagen. Die 1900er treffen auf eine ehrgeizige Mannschaft, die sehr aus sich heraus- zugehen vermag und auf eigenem Boden schwer zu schlagen ist. Die Watzenborn-Steinberger sind besonders bekannt dafür, daß sie beide Halbzeiten glänzend durchstehen und dabei immer auch noch einen gefährlichen Endspurt liefern. Für die Mannschaft der Spielvereinigung kann also der Kamp des morgigen Sonntags eine Kraftprobe sein, zudem die Gastgeber durch ihr vorzügliches Ergebnis in Marburg sehr an Selbstvertrauen gewonnen haben dürften. Auf den Ausgang des Spieles ist man sehr gespannt. Die Liga der Spieloereinigung wird also auf der Hut sein müssen, wenn sie nicht gegen diese leistungsfähige Landmannschast die ersten Punkte verlieren will. Für die Mannschaften des BfB. ist für den morgigen Sonntag Gelände spart angesetzt. Lediglich die 1. Jugend und die 1. Schülermannschaft bestreiten Fußballspiele gegen die gleichen Mannschaften von Großen-Buseck bzw. gegen Lich. Städtewettkampf der OHV.-Turnergilden. Der Gepäckmarsch. Zu dem am.Sonntag und Montag stattfindenden Städtewettkampf der Turnerqilden im DHD.-Bezirk Main-Weser, sind erfreulicherweise in der Gäste- klasse aus der SA. einige Mannschaften gemeldet worden. Und zwar entsendet der Sturm 14 zwei Mannschaften, der Sturm 11 eine Mannschaft. Außerdem wird die Polizei Butzbach mit zwei Bereitschaften in dieser Klasse starten. Die TurnergilLe Gießen stellt in Klasse A vier Mannschaften und zwar: Mannschaft 1: Schwan, Koch G., Koch F., Peters, Heck. Mannschaft 2: Herbert L., Rieß, Enders, Arzbacher, Hau. Mannschaft 3: Müller K., Schickedanz, Bree, Haus, Kirschbaum. Mannschaft 4: Bill, Jost E., Brückmann, Thein, Dolpert. In Klasse B (Jugend) stellt die Turnergilde Gießen eine Mannschaft und zwar: Krug, Rüffer, Jost W., Schmück, Ortwein. Die zuerst genannten Leute sind die Mannschaftsführer. Leichtathletische Zugerrdmeisterschasten des Kreises Gießen (OSB ). Von der Spielvereinigung 1900 werden morgen (Sonntag) vormittag auf deren Platz die Jugend- meisterschaften des Kreises Gießen (umfaßt die politischen Kreise Gießen, Wetzlar, Alsfeld und Schotten) zur Durchführung gebracht. Die Jugend, die in diesem Jahre verhältnismäßig wenig Betätigungsmöglichkeit hatte, wird in fast allen leichtathletischen Disziplinen Gelegenheit haben, ihre Kräfte zu messen. Die männliche Jugend kämpft in drei Klassen. Die A-Klasse umfaßt die Jahrgänge 1915/16, die B-Klasse 1917/18 und in der L-Klasse ist 1919 und jünger vertreten. Bei den Mädchen ist eine Zweiteilung vorgenommcn, nämlich Mädchen, klasse A mit Jahrgang 1916/17 und Mädchenklasse B mit Jahrgang 1918 und jünger. Voraussagen lassen sich schlecht machen. Neben dem Veranstalter dürften vor allem der Wetzlarer Sportverein und auch der OSC. Gießen in Erscheinung treten. Damit zu rech- nen ist auch, daß die Landoereine ebenfalls gute Kräfte entsenden. 1900er Leichtathleten bei „Eintracht" Frankfurt. Zum wahrscheinlich letzten auswärtigen Wettkampf in dieser Saison starten morgen (Sonntag) einige Leichtathleten der Spielvgg. 1900 bei den Nationalen Wettkämpfen der Frankfurter Sportgemeinde „Eintracht". In der Leistungsklasse I gehen Eldracher (100 Meter) sowie Gugel und Kilo (Kugelstoßen u. Diskuswerfen) an den Start. Außerdem sind die 1900er noch in einigen Wettbewerben der Klassen II und III, sowie der Alte-Herren-Klasse vertreten. Bei der starken Konkurenz — es ist beste süddeutsche Klasse am Start — werden die Spielvereinigungsleute schon in Bestform sein müssen, wenn sie Plätze belegen wollen. Sportverein 1920 Heuchelheim. Die 1. Mannschaft des Sportvereins Heuchelheim erwartet am kommenden Sonntag die 1. Elf des VfB. Aßlar. Die Gäste stellen eine äußerst schnelle und technisch hochstehende Mannschaft, die nicht zu unterschätzen ist. Es dürfte mit einem spannenden Kampf zu rechnen sein, lieber den Ausgang des Spieles ist nichts vorherzusagen. Das Vorspiel in Aßlar endete 3:3. Vorher spielen die 1. Jugend und die 2. Mannschaft gegen die gleichen von Aßlar. Diese Spiele dürften für die Einheimischen schwer zu gewinnen sein. Oie Weltmeisterschaften der Tennislehrer. Die Tennislehrer haben durch ihre großartigen Kämpfe ihrer Veranstaltung den Erfolg auch in diesem Jahre wieder gesichert. Obwohl nach dem plötzlichen Wetterumschlag die Temperaturen am Donnerstag recht niedrig waren, wohnten am Nach- mittag den Spielen auf der schönen Blau-Weiß- Anlage am Roseneck rund 5000 Zuschauer bei. Her- vorragendes Tennis wurde im Doppelspiel geboten. Im Kampf um den Eintritt in die Schlußrunde gelang es Nüßlein-Najuch unter großem Jubel der Zuschauer die Titelverteidiger Kozeluh - Burke mit 6:4, 7:5, 11:9 aus dem Rennen zu werfen. Das deutsche Paar spielte in phantastischer Form. Nüßlein, wohl der beste Mann des Quartetts, wurde von Najuch hervorragend unterstützt. Die Gegner wehrten sich wohl nach Kräften, aber sie vermochten dennoch den Deutschen nicht einmal einen Sah abzugewinnen. Die beiden ersten Sätze holten sich Nüßlein-Najuch ziemlich schnell. Erbittert tobte dagegen der Kampf im dritten Satz. Nach 4:4 führten die Weltmeister von 5:4 über 6:5. Die Trub schm kamen erst bei 8:7 nach vorn, bei 9 8 mißlangen ihnen sogar die Schlußbälle und erst bei 10:9 wurde Satz- und Spielgewinn erzwungen. Im Einzelspiel wurde zunächst zwischen Kozeluh und Ramillon der am Vortage wegen Dunkelheit abgebrochene fünfte Satz nachgeholt, den der Prager gewann und damit seinen Sieg mit 3:6, 6:2, 6:3, 2:6, 6:1 herstellte. Nunmehr begannen in beiden Gruppen die Entscheidungsspiele. In der Meisterschaftsgruppe A schlug der in großer Form befindliche Tilden den noch vom Doppelspiel mitgenommenen deutschen Altmeister Roman Najuch mit 6:1, 6:2, 6:3 sehr sicher. Im ®ampf um den fünften bis achten Platz der Gruppe B traten schon alle vier Bewerber in Tätigkeit. Der Amerikaner Barnes besiegte Hermann Bartelt 8:6, 6.3, 6:4. Bartelt hielt sich im ersten Satz ausgezeichnet, hatte auch bei 6:5-Führung die Möglichkeit, den Satz zu erobern, doch verschlug er den Matchball. Während nun dem jungen Yankee alles glückte, ließ der Deutsche auf dem schwer bespielbaren Platz stark nach. Im letzten Spiel des Tages behielt der Franzose Ramillon über den Frankfurter Messerschmidt mit 6:3, 6:2, 6:4 die Oberhand. Hans Nüßlein besiegte bei den Weltmeisterschaften der Tennislehrer in Berlin am Freitag den ehemaligen Weltmeister Karel Kozeluh-Prag mit 6:0, 6:3, 7:5. Die Entscheidung im Kampf um den Titel liegt nunmehr zwischen Nüßlein und Tilden. E ne deutsche Handballmeisterfchast. Federführend ist die DT. Zwischen der DSB. und der DT. fanden in Berlin Besprechungen, die endlich die Grundlage zu gemeinsamer Arbeit im Handball geschaffen haben. Es wurde vereinbart, daß DSB. und DT. zukünftig gemeinsame Meisterschaftsspiele austragen, wobei beide Verbände gleichberechtigt sind. Federführend für Einladungen usw. ist die DT. Die Verteilung der Mannschaftsgebühren erfolgt dergestalt, daß die von den DSB.-Vereinen an Die DT. gelangen, und daß die Gebühren der Deutschen Jugendkraft und der ADT.-Vereine zu gleichen Teilen an die DSB. und die DT. gehen. Die Klasseneinteilung soll nach dem Leistungsprinzip erfolgen und ist so schnell wie möglich vorzunehmen, damit am 24. September die Meisterschaftsspiele beginnen können. Alle bisher zu diesem Tage ausgetragenen Meisterschaftsspiele gelten als Privatspiele. ZugendweiLkämpfeimAmiRechienbach Die Jugendwettkämpfe des Bezirks „Hüttenberg" fanden auf dem neuen Sportplatz der Gemeinde Klein-Rechtenbach statt. Bei herrlichstem Sonnenschein wurden die jugendlichen Kräfte im friedlichen Kampfe gemessen. Da eine recht zahlreiche Siegerzahl zu verzeichnen war, seien nur die vier besten Sieger einer jeden Gruppe genannt. Oberstufe: 1. Erwin Schmidt, Dornholzhausen, 83 Punkte; 2. Otto Wenzel, Hörnsheim, 81 Punkte; 3. Fr. Viehmann, Hochelheim, 76 Punkte; 4. Hch. Hahn, Hörnsheim, 75 Punkte. Unterstufe: 1. Otto Galurn, Ebersgöns, 71 Punkte; 2. Paul Sauber, Dornholzhausen, 70 Punkte; 3. E. Straßheim, Dornholzhausen, 67 ^U1fpe* 4- Fr. Schmidt, Münchholzhausen, Die beste Stafettenzeit erzielte Münchholzhausen. Die Sieaeroerkündung klang in einer kurzen An- prache des Obmannes, Lehrer Knoche, Klein- Rechtenbach, aus. Nach einem dreifachen „Sieg- Heil!" auf unfern großen Führer Adolf Hitler wurde die Veranstaltung mit dem Deutschlandlied geschlossen. Oie 5. Etappe der pairouillenfemfahri Die Patrouillenfahrer traten auf der fünften Etappe von München nach Nürnberg über 190 Kilometer bereits die Heimreise nach Berlin an. Die Fahrt war diesmal wenig vom Wetter begünstigt, denn fast auf dem ganzen Wege machte ein starker Landregen den Fahrern große Schwierigkeiten. Ein ganz großes Rennen fuhr die Standarte 2 Berlin, die noch eine 22 Minuten bessere Fahrzeit als vor zwei Tagen in der Richtung nach München herausfuhr. In 5:40:50,6 fuhr die Standarte die schnellste Zeit des Tages, da Grün-Weiß Berlin durch Defekte erhebliche Zeitverluste erlitt. Die Meistermannschaft kam mit sieben Mann in 5:57:22,2 durchs Ziel und führt im Gesamtergebnis vor allen Mannschaften mit fast sechs Minuten Vor- prung vor der Standarte 2 Berlin. Die sechste Etappe. Die Patrouillenfahrer setzten am Freitag ihren Weg nach Berlin mit der sechsten Etappe von Nürnberg nach Hof über 137,5 Kilometer fort. Die Strecke stellte keine allzu großen Anforderungen, nur im Frankenwald gab es einige Steigungen zu überwinden. Die Berliner Standarte II fuhr einmal mehr ein großes Rennen und kam als Erste in Hof nach einer Fahrzeit von 4:42:14 Stunden ein, gefolgt von der Standarte XI Brcslau (5:11:07) und der Standarte III Berlin. Grün-Weiß Berlin, >ie auf dem ersten Abschnitt ausgezeichnet abge- chnitten hat, fiel diesmal ziemlich auseinander und kam zehn Minuten später als die siegenden SA.- Leute und noch 4'A Minuten hinter Fedia Berlin in Hof ein. In der Gesamtwertung liegt jetzt die Berliner SA.-Standarte II mit großem Vorsprung ebenfalls an der Spitze mit einer Zeit von 31:57:28,6 Stunden. Der „sch!ag"-feriige Dempsey. Eine nicht alltägliche Begebenheit, daß der Ringrichter im Boxring einen der Kämpfer ko. schlägt, trug sich in dem kleinen kalifornischen Städtchen San Bernardino zu. Im Hauptkampf einer dortigen Veranstaltung boxte der Australier Grimes sehr unsauber. Er hielt und klammerte seinen Gegner und schlug alle Ermahnungen des Ringrichters Jack Dempsey in den Wind. Als es Grimes noch bunter trieb, verwarnte der frühere W"lt- meister den völlig unbeherrschten Australier, der daraufhin versuchte, einen Geraden gegen Dempsey abzuschießen. Ehe aber Grimes sein Ziel erreichte, war ihm Dempsey schon zuvor gekommen und hatte einen wohlgezielten Kinnhaken gelandet, der Grimes in das Land der Träume beförderte. Dempsey hob seinen bewußtlosen Angreifer vom Boden auf und trug ihn aus dem Ring. Nach seiner Rückkehr ^üsirte er den Kampf" für Unentschieden. Es versteht sich von selbst, daß Amerikas einstiger Box- heros von den 3000 Zuschauern als Held des Tages stürmisch gefeiert wurde. Kurze Gportnoiizen. Deutsche Amateurboxer kämpften mit gutem Erfolge in Kopenhagen. Der Halbschwergewichtler Harms (Hannover) schlug den Dänen Larsen in der ersten Runde entscheidend. Der deutsche Mittelgewichtsmeister Bernlöhr (Stuttgart) gewann gegen A. Nielsen überlegen nach Punkten. Der Deutsche Ruderverband verlegt seine Geschäftsstelle Anfang Oktober nach Berlin. Zum gleichen Termin tritt der verdiente Schriftführer Geerk in den wohlverdienten Ruhestand. Führerrat und Fachbeirat des Deutschen Wassersport-Verbandes sind vom Führer, Kapitänleutnant Jasper, erstmalig zum 20. September nach Berlin einberufen worden. * Beim „Deutschen Sportfeft an der Saa r", das am 19. September in Saarbrücken stattfindet, werden neben der deutschen Ländermannschaft noch Dr. Peltzer, die Sprinter der Frankfurter Eintracht, sowie weitere namhafte deutsche Leichtathleten an den Start gehen. * Die USA. -Hockey-Damen siegten am Freitag in Leipzig über die Damen des Leipziger SC., dessen Läuferreihe vollkommen versagte, nach überlegen geführtem Spiel hoch mit 5 : 0 (3 :0). Bernlähr-Stuttgart, Deutscher Mittelgewichtsmeister der Amateure, siegte in Kopenhagen über den Dänen A. Nielsen überlegen nach Punkten. * Die Berufsfahrer-Straßenrennen sollen zur Werbung für den Radsport im nächsten Jahre durch den neugegründeten Industrie-Verein, einem Mitglied des Deutschen Radfahrer-Verbandes, wieder stark gefördert werden. * Generaldirektor Toyka-Dortmund ist als Nachfolger von Kommerzienrat Schill-Osthofen zum neuen Kassenwart der DT. bestimmt worden. * Ein „Nacht - Städtespiel" im Fußball findet am 27. September in der belgischen Hauptstadt bei künstlicher Beleuchtung zwischen den Fußballmannschaften von Köln und Brüssel statt. * Italiens Boxstaffel, die am $2. September in München einen Länderkampf gegen Bayern austrägt, wird zwei Tage später in Nürnberg gegen eine verstärkte Mannschaft des dortigen Polizei-Sportvereins antreten. * ® in e „W oche der Deutschen Mei st er" soll Ende Oktober in Saarbrücken stattfinden. Da= be‘ f°üen u. a. Hertha-BSC. Berlin, der Handball- meister SV. Waldhof, der Wasserballmeister Hellas Magdeburg, die deutsche National-Boxstaffel, be= deutsche Motorsportler und führende Leichtathleten in Aktion treten. HandballgroßkampfbeiderSpielveremigungiyoo Postsportverein Frankfurt in Gießen zu Gast. Arn kommenden Sonntag haben die Handball- fpieter das große Wort. Nachdem Spiele erster Fußballmannschaften für den kommenden Sonntag nicht vorgesehen sind, behaupten die Handballspieler das Feld. Die Spielvereinigung 1900 hat als Gegner für ihre erste Handballelf die 1. Mannschaft des Postsportvereins Frankfurt verpflichtet. Vor drei Jahren standen sich die beiden Vereine zum ersten Male gegenüber. Damals bezogen die Blauweißen auf dem Platz des Gegners in Frankfurt eine derbe Niederlage. 12:3 lautete das Ergebnis. Die Gäste zählen zu einer der besten süddeutschen Mannschaften und man darf erwarten, ein Spiel zu sehen, wie das gegen die Polizei Darmstadt, das vielen noch in guter Erinnerung sein wird. Schade ist nur, daß diesmal nicht cruch das Bataillon mit in Aktion treten kann, denn es wird auch den Soldaten nicht so sehr häufig Gelegenheit gegeben sein, so spielstarkem Gegner gegenüberzutreten. Die Frankfurter verfügen vor allem über einen sehr schnellen und schußfreudigen Sturm. Die Läuferreihe assistiert dem Sturm vorzüglich und in der Verteidigung werden die Blauweißen auf ein Bollwerk stoßen, das nur wenige Chancen auf Torerfolge offen lassen wird. Die Spielvereinigung 1900 hat für diese Begegnung folgende Mannschaft aufgestellt: Lott Volkmann Birkenstock Krämers Hofmann Mann Schüler Steines Th. Betz Krüger Hamann Auch die Spielvereinigung hat in ihrer Verteidigung den denkbar besten Mannschaftsteil. Lott im Dor gilt als hervorragend. Den Frankfurtern wird es also nicht so sehr leicht gemacht werden, wenn sie Tore erzielen wollen. Eine verläßliche Läuferreihe wird den Sturm unterstützen, der auf allen Posten gut besetzt ist. Im Sturm stehen durchweg bewährte Kämpfer. Ob den Blauweißen ein Sieg beschieden sein wird, erscheint ftaglich. Den Frankfurtern ist inner- halb ihres Gebietes doch mehr Gelegenheit gegeben, gegen spielstarke Gegner anzutreten. Die Elf der Spielvereinigung muß meist gegen gute Mittelklasse kämpfen, kann sich infolgedessen immer nur aus eigener Kraft in ihrem Können steigern. An einem Sieg der Frankfurter wird kaum zu zweifeln fein. Wenn die 1900er die Oberhand behalten wollen, so wäre das eine recht freudige Ueberraschung. Der Kampf wird auf dem Platz der Spieloer« einigung 1900 auf dem Trieb ausgetragen und beginnt um 16 Uhr. Die Freunde des Handballsportes dürften als Zuschauer auf ihre Rechnung kommen. Die zweite Handballmannschaft spielt in Holzheim gegen die dortige erste Mannschaft. Segelflieger über Hirzenhain.... Oie ersten Tage. Schön, zu schön zum Fliegen war das Wetter während der ersten Tage des Hirzenhainer Segel- flugwettbewerbes der Landesgruppe VII Frankfurt. In klaren Linien lagen die Höhenzüge des Westerwaldes und des Rothaargebirges vor den Augen der Fünftausend, die sich am Sonntag, 10. September, im Fliegerdorf zur Eröffnung einfanden. Ein farbenprächtiges Bild war es, als sich fast 200 Seaelflugpiloten und Schüler vor ihren Vögeln aufgebaut hatten und den Landesgruppen- und Schwarmführer U l m und dann den Reichsstatthalter und Schirmherrn des Wettbewerbes, Sprenger, begrüßten. SA., SS., Hitler-Jungvolk und Jugend traten zum Fliegergruß in Reih und Glied an. Reichsstatthalter und Landesgruppenführer sagten dem Fliegerdorf, das schon so manches Opfer an Gut und Blut für den Segelflugsport gebracht hat, den alljährlichen Wettbewerb der Landesgruppe VII zu. Wiegmeyer, der mit seinem Rhönbussard nach einem gelungenen Flugzeugschlepp über der Fest- Versammlung kreiste, schilderte nachher in begeisterten Worten den eindrucksvollen recht fliegerischen Eröffnungsakt. Maier-Gießen konnte den Andrang der Fluggäste, die ihre Heimat von oben sehen wollten, nicht bewältigen. Eine zweite und dritte Motormaschine mußten eingesetzt werden. Inzwischen waltete die Teko (Technische Kommission) unter Leitung des Kettenführers S t a m e r von der Wafser- kuppe ihres verantwortungsvollen Amtes. So mancher Vogel, der im Lastwagen eingetrudelt war, mußte für Stunden gesperrt werden. Wie gut ist es, daß die Gruppen ihre Maschinen selbst gebaut haben, nicht nur ihre eigenen Piloten, sondern auch ihre eigenen Flugzeugerbauer sind. Um viel Unannehmlichkeiten und Merger zu vermeiden, wird die Landesgruppe in Zukunft Zeichnungen von nur bewährten Flugzeugtypen vermitteln und mit einem Stab gut gerüsteter Bauprüfer die Bauten gewissenhaft überwachen. Der Rhönbussard des Konstrukteurs Dr. Jakobs stellt ein Meister- und Präzisionswerk des Flugzeugbaues dar. Ebenso sonnig und schön war der Montag. Ein leichter Ost-Süd-Ost führte die leichteren Schulgleiter und Hangrutscher auf den Osthang am Wasserwerk. Die Wiesbadener Ortsgruppe hotte sich mit sechs A-ptüfungcn und einigen B-Starts mit 22 Punkten einen beachtlichen Vorsprung. Bald eiferten die Bonner und Frankfurter Ortsgruppen nach. Mit seinen weiten ruhigen Gleitflügen versuchte ein Grunau-Baby „Prinz von Dranien", das von Prinz August Wilhelm vor nicht allzu langer Zeit In Herborn getauft wurde, seine ersten Jungfernstarts. Eine „Kassel 20", einige „Hols-der-Teufel" und eine „Grüne Post" bemühten sich in sportlicher Konkurrenz, den ausgesetzten Tagespreis zu erringen. Es galt einen Segclflug von mindestens fünf Minuten Dauer auszuführen. Für die Wetterlage konnten aber Piloten und Maschinen nichts. Auch am Dienstag blieb der Preis noch in Händen der Wettbewerbsleitung, trotzdem Wiegmeyer mit feinem Rhönbussard, die Thermik des Dietzhölztales über dem Dorf Biershausen ausnutzend, fast heran kam. Um fo eifriger schulten die Bonner, die Wiesbadener, die Frankfurter und die Rüsselsheimer an der B-Kuppe des Westhanges. Am Nachmittag rückte Utech mit der „Darmstadt II" und einer bewährten Gruppe ein, neue Konkurrenz bildend. Am morgigen Sonntag sollen große Sachen geboten werden. Rundfunkprogramm. Sonntag, 17. September. 6.15 Uhr: Von Bremen: Hafenkonzert. 8.30: Von Trier: Katholische Morgenfeier. 9.30: Stunde des Chorgesangs. 11: Der Goethepreisträger Hermann Stehr spricht! 11.30: Von Leipzig: Reichssendung: Bach-Kantate. 12: Von Hamburg: Mittagskonzert. 14.40: Stunde des Landes. 15.30: Stunde der Jugend. 16.30: Kurhaus Wiesbaden: Nachmittagskonzert. 18: Vortrag. 18.30: Fröhliches Zwischenspiel. 19.15: Kolonial-Deutschland. Afrikanische Schicksalsfahrt. 20: Großes Opern-Konzert. 22.45 bis 24: Nachtmusik. Montag, 18. September. 7.15 Uhr: Frühkonzert. 12: Mittagskonzert. 14.20: Jeder hört zu! 15.20: Musikalischer Zeitvertreib. 16.30: Nachmittagskonzert. 18: Deutscher Almanach. 18.10: 3X5 Minuten. 18.25: „Seltsame Testamente." Vortrag von Albert Schweitzer. 18.45: Kurzbericht vom Tag. 19: Von Breslau: Reichssendung: Stunde der Nation. Arbeiter hört zu! Arbeiterfrauen im Kampf des Alltags. 20: Kurzsendungen. 22: Zeitdienst. 22.45 bis 24: Nachtmusik. Dienstag, 19. September. 7.15 Uhr: Frühkonzert. 10.45: Praktische Rat- schlüge für Küche und Haus. 12: Mittagskonzert. 14.20: Jeder hört zu! 15.20: Der Hausfrau zur Erholung. 16.30: Nachmittagskonzert. 18: Die Schlacht bei Bertrix" II — Unterhaltung zwischen A. von Reckow und Studienrat Kaiser. 18.45: Kurzbericht vom Tage. 19: Reichssendung: Stunde der Nation. Horridoh — die Jagd fängt an. 20: Staats- theater Kassel: Friedemann Bach. Oper in 3 Akten von Paul Graener. 22.45 bis 24: Nachtmusik. Mittwoch, 20. September. 7.15 Uhr: Kassel: Frühkonzert. 9: Vom Deutschlandsender: Schulfunk. „Schill". Ein Hörspiel von Jochen Günther. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 12: Mittagskonzert. 14.20: Jeder l)ört zu! 15.30: Stunde der Jugend. 16.30 Nachmittagskonzert. 18: „Abenteurer unter uns". Vortrag von Wilhelm Gottlieb. 18.25: Zeitfunk. 18.45: Kurzbericht vom Tage. 19: Reichssendung: Stunde der Nation. Zeppelin. 20: Weitz Ferdi und seine Dachauer. 21: Eine deutsche Automobilfabrik bringt einen neuen Wagen heraus. Querschnitt durch ein großes Werk. 21.50: Neue Schumann-Funde. 23 bis 24: Tanzmusik. Donnerstag, 21. September. 7.15 Uhr: Frühkonzert. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 12: Mittagskonzert. 13.30: Mittagskonzert. 14.20 Jeder hört zu! 15.30: Stunde der Jugend. 16.30: Nachmittagskonzert. 18: „Freie Konkurrenz, .ihre Grundsätze und Ziele", Vortrag von Dr. rer. pol. Wilhelm Hilbig, Frankfurt a. M. 18.25: Zeitfragen. 19: Neichssendung: Stunde der Nation. Das deutsche Vaterunser. Für Soli, gemischten Chor, Knabenchor, großes Orchester und Orgel. 20: Unbekannte Loewe-Balluden. 21: Glanz von gestern. Glanz von morgen. Baden- Baden einst und jetzt. Hörfolge von Hans Kuhn. Freitag, 22. September. UH Ulli UUVI’U/Ul —------- V----- -------। 21.50: Die felbstspielende Notenorgel. Dortrag mit Schallplattenbcispielen. 22.45 bis 24: Nachtmusik. | Wirtschaft Der- IG.- unb Der deutsche Handel seit Anfang 1933 der im Dor- verringerte Zufuhr am Kälbermarkt Durchschnitt als im Juli Farben erneut 0,50 v. H. ob. Der Rentenmorkt lag für deutsche Anleihen b) 20 Kühe d) 11 c) 21 Die jahr ganz einheitlich vorhandene Dorsprung der größeren Betriebe teilweise verlorengegangen. Die günstigere Urnfatzentwicklung des Großhandels im Vergleich zum Einzelhandel deutete bereits auf ein Aufhören des Abbaues der Einzel- handelsläoer hin. Bei einem 7prozentigen Rückgang der Wareneingänge und einem lOprozen- tiaen Umsahrückganq muß eine leichte Wiederauffüllung der Läger im Einzelhandel erfolgt sein. Die Kunden in den Warenhäusern lm um mehr als ein Fünftel geringer 1932. Innerhalb der Spezialgeschäfte ist bis 23. Bullen a) 27 bis 29, b) 22 bis a) 23 bis 26, b) 19 bis 21, c) 15 bis bis 14. Färsen a) 28 bis 31, b) 25 bis bis 24. • Heinrich Lanz A G., Mannheim. Die Heinrich Lanz AG., Mannheim, hat ihren Belegschaftsbestand seit März um 1041 Köpfe auf 3275 erhöhen können, wobei bemerkenswert ist, daß entgegen früheren Jahren, in denen im August und Kleine Strafkammer Gießen. Die in Groß-Karben wohnhafte A. K. hatte im Herbst 1931 den damaligen Bürgermeister Buß dadurch beleidigt, daß sie ihm auf der Straße den Ausdruck „Schwindler" zurief. Das Amtsgericht Vilbel verurteilte sie zu einer Woche Gefäng- n i s und zur Tragung der Derfahrenskosten. Gegen dieses Urteil legte die Angeklagte Berufung ein, die gestern entsprechend dem Antrag des Staatsanwalts zurückgewiesen wurde. In einem Beschluß wird Bewährungsfrist gewährt. Der Stukkateur I. D. aus Vilbel war vom Amtsgericht Vilbel wegen Bedrohung und vorsätzlicher Körperverletzung zu vier Wochen Gefängnis verurteilt worden. Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte Berufung ein. In der gestrigen Haupt- verhandiung gab er die in einem etwas angetrunkenen Zustand begangene Straftat reumütig zu. Der Staatsanwalt beantragte Zurückweisung der Berufung. Das Gericht sprach ihn von der Anklage wegen Bedrohung frei. Wegen Körperverletzung erhielt er 5 0 M k. Geldstrafe, eventuell 10 Tage Gefängnis. Der ehemalige Hausbursche bei einer Filiale der Firma Schade & Füllgrabe in Bad-Nauheim, Friedrich Graff, wurde vom dortigen Amtsgericht wegen Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe von sieben Monaten verurteilt. Gegen dieses Urteil verfolgte der Angeklagte das Rechtsmittel der Berufung. Die gestrige Verhandlung ergab, daß der Angeklagte ein Jahr lang Lebensrnittel aus dem Lager, in dem er tätig war, entwendete und die Sachen einem Komplizen zum Verkauf zuschob. Der Staatsanwalt hielt das Urteil der Dorinstanz gerechtfertigt und beantragte Zurückweisung der Berufung als unbegründet. Das Gericht änderte das Urteil des Vorgerichts, indem es wegen Verbrechens im Sinne des § 242 RStGB. auf vier Monate Gefängnis erkannte. Für zwei Monate Gefängnis erhält der Angeklagte bedingten Strafaufschub. 26. 18, 27, a) 37 bis 42, b) 31 bis 36, c) 26 bis 30, d) 21 bis 25. Der Schafmarkt war für hiesige Verhältnisse etwas überfahren, so daß die Preise bei mittelmäßigem Handel um 3 Mark nachlieben, doch wurde der Auftrieb von 464 (gegen 234) Stück ausverkaust. Schafe a) 24 bis 26, b) 20 bis 23, c) 16 bis 19 Mark für 1 Zentner Lebendgewicht. Samstag, 23. September. 7.15 Uhr: Frühkonzert. 10.10 bis 10.40: Schul- fünf „Leben und Werk Karl August ßingaers", Hörfolge. 12: Mittagskonzert. 14.30: Kleine» Wochenend. 15.30: Stunde der Jugend. 16.30: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18: Anläßlich des 150. Geburtstages von Peter von Cornelius: Vortrag von Dr. Carl Cornelius. 18.30: Wochenschau. 1850: Kurzbericht vom Tag. 19: Reichssendung: Stunde der Nation: Berchlesgadner Land. Eine Heimatstunde vom Landsitz des Führers. 20: Albrecht Dürer: Ritter, Tod unb Teufel. Eine Be- trachtung von Dr. Wilhelm Fraenger. 20.30: Robert und Bertram oder „Die lustigen Vagabunden". September die saisonmäßig bedingten Abbaumaß- j nahmen einfetzen, bis heute Entlassungen noch nicht oorgenommen xu werden brauchten. Hierin zeigt sich deutlich das wiederkehrende Vertrauen der Abneh- merschaft zum Erzeuger. Der Geschäftsgang und Auftragseingang ist in allen Abteilungen befrie- digend. Frankfurter Abendbörse. F r a n f f u r t a. M., 15. Sept. Die Abendbörfe hatte mangels neuer Kundenorders nur sehr kleines Geschäft aufzuweisen. Die Stimfnung war nicht unfreundlich, wenn auch die Berliner Schluß- Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Der Eindruck, daß die erste starke Massierung des Gelreideangebots aus der neuen Ernte überwunden ist, verstärkte sich auch in der abgelausenen Woche, nachdem schon im letzten Berichtsabschnitt die Anlieferung aus erster Hand weit kleiner war. Den Hauplanstoß für die Besserung der Marktlage schien die plötzliche Belebung des Mehlgeschäftes gegeben zu haben. Das Exportgeschäft war weiterhin nur mäßig. Lediglich nach Dänemark soll wieder stärker Roggen ausgeführt worden sein. Die Stimmung des Marktes war recht fest, später wurde sie allerdings wieder ruhiger. Am Weizen markt erfolgten zunächst noch recht lebhafte Käufe, im Verlaufe der Woche lieg die Nachfrage aber infolge des wieder nur kleinen Mehlabsatzes merklich nach, und der erhöhte Preis von 190 (+3 RM.) per Tonne, ging auf 188 RM. per Tonne zurück. Dagegen blieb die am Roggenmarkt ein- getretene Preisbesserung von 4 auf 155 RM. per Tonne voll behauptet. Braugerste in feinsten Sorten blieb zu 17750 bis 180 RM. per Tonne unverändert. Am H a f e r m a r k t zeigte sich bessere Nachfrage, so daß der Preis für neue Ware um 2 RM auf 132 bis 133 RM. per Tonne anstieg, alter Hafer kam nicht mehr zur Notiz. Am Futtermittelmarkt war Weizenkleie um 70 Pf. höher, Roggenkleie, Erdnußkuchen und Treber zogen je 25 Pf. an. Das Geschäft war lebhafter, da das an den Markt kommende Angebot sehr klein war. Weizenkleie 8,35 bis 8,40, Roggenkleie 8,00, Soyaschrot 8,40 bis 8,65 ohne Monopolzufchlag, Palmkuchen 8,60 o. M., Erdnußkuchen 10,00 o. M., Treber 14,50 RM. je 100 Kilogramm. Die Mehlpreise zogen um eine halbe Mark an und notierten je 100 Kilogramm wie folgt: Weizenmehl Spez. 0 mit Auslandweizen 27,75 bis 28,75, do. ohne Auslandsweizen 26,25 bis 27,25, Roggenmehl 0—60prozentige Ausmahlung 22 bis 2250, do. südd. Spez. 0 2250. Wochenbericht öom Frankfurter Gchlachtviebmarkt. Das Geschäft am Schlachtoiehmarkt war in der abgelaufenen Woche angesichts der z. T. wieder stark erhöhten Beschickung nicht ungünstig, größere Preisoerschiebungen traten aber ebenfalls nicht ein. Der Absatz gestaltete sich infolge der schon wesentlich kühleren Witterung verhältnismäßig gut, so daß ein gewisser Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage vorhanden war. Trotz erhöhter Beschickung ist vor allem die Stabilität der Schw"inepreise bemerkenswert, wenn sie aud) zu in großen Teil saisonmäßig bedingt erscheint. Schließlich bot die vermehrte Nachfrage nach schweren, fetten Schweinen dem Gesamtmarkt eine Anregung, dagegen sind leichte, magere Tiere fast unverkäuflich und stark vernachlässigt, was eine weitere Erhöhung der Preise zumindest erschwert. Nach mittelmäßigem Handel und bei um eine Mark anziehenden Preisen wurde der Auftrieb von 4869 (in der Vorwoche 4464 Stück) ausverkauft. Schweine b) 44 bis 47, c) 44 bis 47, d) 40 bis 46, e) 38 bis 43. Am Rindermarkt war der Zutrieb mit 1754 um 21 Stück stärker, unter dem sich jedoch viel noch nicht ausgereistes Weidevieh befand. Der Handel war schleppend und bei um 1 bis 2 Mark nachgebenden Preisen (außer für Bullen) verblieb Ueberstand. Ochsen al) 28 bis 31, a2) 24 bis 27, Reichsschuldbuchforderungen bei etwa behaupteten Kursen ebenfalls ruhig, dagegen erhielt sich Nach- frage nach Stadtanleihen, von denen Mainzer mit 53 v. H. um 3 v. H. höher lagen als gestern mittag. Goldpfandbriefe blieben auf dem erhöhten Mittagsstand gut behauptet. U. a. notierten: Neubesitz 9,90, Altbesitz 77, Schutzgebiete 6,80, 4proz. Zolltürfen inkl. Kupon 5,30, Reichsbank 141, Buderus 65,25, Harpener 80,50, Klöckner 52,50, Phönix 32, AEG. । 18,50, Bekula 106, Bemberg 44,50, Conti Gummi 135, Scheideanstalt 172,50, JG.-Farben 115,25 bis V 11450, Holzmann 59, Siemens 13550, Hapag 11,65, | Nordd. Lloyd 12,65. 7.15 Uhr: Frühkonzert. 12: Mittagskonzert. 14.20: Jeder hört zu! 15.20: Musikalischer Zeitvertreib. 16.30: Kassel: Nachmitagskonzert. 18: Aerzte-Dor- trag: „Arzt, Sport und Wehrsport", Dortrag von Prioatdozent Dr. Lampert. 18.20: Trier: „Die Wirtschaft des Saargebietes in ihrer Verbundenheit mit Deutschland", Dortrag von Ludwig Kreutz, Saarbrücken. 19: Reichssendung: Stunde der Nation: Fischer am Kurischen Haff. 20: Konzert. Werke von Lothar Winsverger. 20.50: Zum Angedenken an den badischen Poeten Samuel Friedrich Sauter. Konsolidierung der Umsätze im Großhandel und die Verlangsamung des Umsatzrückganges im Einzel- handel wird in ihrer Bedeutung für die Rentabilität der Handelszweige dadurch gesteigert, daß wenigstens teilweise eine Entlastung von der Kostenseite damit einhergeht. Die unter dem Druck der starken Umsatzrückgänge erzielten Kostensenkungen der letzten Jahre konnten im ersten Halbjahr 1933 meist noch fortgesetzt werden. 3m Großhandel verteilen sich seht verringerte Ausgaben auf ein etwa gleichgebliebenes Um- sahvolumen: die prozentuale kosienbelastung finkt. Im Einzelhandel ist allgemein die Steigerung der prozentualen Kostenbelastung langsamer geworden. Die durch die Umsatzcntwicklung begünstigten Einzelhandelszweige konnten eine Senkung der prozentualen Kostenbclastung erreichen, und auch einige andere Handelszweige haben trotz fortschreitenden Umsatzrückganges dasselbe Ergebnis erzielt. Die Ergebnisse der regelmäßigen Berichterstattung über die Entwicklung des Handels dürften diesmal mit besonderem Interesse erwartet werden, nachdem die wirtschaftliche Situation sich seit Jahresbeginn in mancher Beziehung entscheidend gewandelt hat. Wiederum bestätigt sich jedoch in dem jetzt vorliegenden Bericht der Forjchungs- ftelle für den Handel für das erste Halbjahr 1933, daß der Handel als letzte Wirtschaftsftufe einen Konjunkturumschwung am spätesten verspürt. Innerhalb des gesamten Handels hat der Großhandel die Wirtschaftsbelebung früher als der Einzelhandel gespürt. Seine Umsätze zeigten im ersten Halbjahr 1933 erstmalig eine Tendenz zur Konsolidierung, in den letzten Monaten teilweise auch zu einer leichten Steigerung. Die Einzelhandelsumsätze sind im ersten halb- jahr 1933 gegenüber dem schon sehr niedrigen Varjahresstand nochmals um reichlich 10 v. h. zurückgegangen. Anzeichen einer Besserung zeigten sich im Einzelhandel insofern, als das Ausmaß des Umsatzrückgangs sich gegenüber dem Vorjahr halbierte und im Verlauf des ersten Halbjahres 1933 sichllich geringer wurde. Don dem erneuten Umsatzrückgang des Einzelhandels entfallen nicht ganz die Hälfte auf Preissenkungen. Mengen- und qualitätsmäßige Verbrauchseinschränkungen betragen wohl knapp 6 v. H. Bei dieser allgemeinen noch immer ungünstigen Umsatzgestaltung des Einzelhandels ist jedoch eine Reihe von Sonderentwicklungen zu beobachten. Wirtschaftspolitische Maßnahmen (Aufhebung der Kraftfahrzeugsteuer für neue Fahrzeuge, Ehestandsdarlehen) brachten den davon beeinflußten Handelszweigen in den letzten Monaten b e - trächtliche Umsatz st eigerunaen. Der kreditgebende Einzelhandel scheint aus der Konsolidierung der Einkommensverhältnisse und Einkommensaus- sichten auch Nutzen gezogen zu haben. Konsum- vereine und Lebensmittelabteilungen der Warenhäuser hatten an der Konsolidierung der Umsätze des Lebensmitteleinzelhandels keinen Anteil. Für die Warenhäuser gilt ganz allgemein die Feststellung, daß ihre Umsätze sich im Gegensatz zu früheren Jahren infolge Kuntz e n a b w a n d e r u n g in die Spezialge- schäfte feit März erheblich ungünstiger als die der Spezialgeschäfte entwickelt haben. 3m 3uli 1933 war die Zahl der bedienten turje infolge einiger Glattstellungen der Kulisse nicht ganz behauptet waren. So eröffneten JG.-Farben zunächst 0,13 v. H. niedriger und gaben nach Feststellung des ersten Kurses weitere 0,25 v. H. nach, während AEG. und Schifffahrtswerte keine *** änberungen aufroiefen. Im Verlauf bröckelten (1279 gegen 1608) drückte sich in leicht ansteigenden Preisen- (ca. 1 bis 2 Mark) aus. Das Geschäft war mittelmäßig, der Markt wurde geräumt. Kälber Aus der Zellenstrafanstalt in Butzbach wird der schon häufig vorbestrafte Friedrich Kuhn oorge- führt, der sich wegen Sachbeschädigung, begangen in der Strafanstalt, zu verantworten hatte. Die Hauptverhandlung zeigte das rüpelhafte, rabiate Benehmen des Angeklagten. Er war seiner Zeit vom Amtsgericht in Butzbach zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die gegen dieses Urteil eingelegte Berufung wurde entsprechend dem Antrag des Staatsanwalts zurückgewiesen. Mit wüsten Beschimpfungen nahm der Angeklagte das Urteil entgegen. Amtsgericht Gießen. Ein Gießener Gemüsehändler hatte sich wegen Zuwiderhandlung gegen die Gewerbeordnung zu verantworten, weil er ohne Gewerbeschein tm Wege des Straßenhanüels Obst vertrieb. Gegen den gegen ibn ergangenen Strafbefehl leigte der Angeklagte Einspruch ein. In der gestrigen Hauptoerhandlung beantragte der Amtsanwalt eine Geldstrafe in Höhe von 25 Mark, eventuell 5 Tage Haft. Das Urteil Die in Gießen wohnhafte Frau Müller beleidigte in der ii b c l ft c n Weise anläßlich des Geburtstages des Führers die Hakenkreuzfahne. Der Amtsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten. Das Gericht erkannte entsprechend dem Antrag des Anklagevertreters. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 17. September. 14. Sonntag nach Trinitatis. Stadtkirche. 8 Uhr: Psarrassiftent Dörsam; 9.30: Prosessor D. Matthes (Darmstadt); 11: Kmderkirche für die Matthäusgemeinde; Pfr. Mahr. — Johannes- kirche. 8: Psr. Ausfeld; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Jol^innesgemeinde; 9.30: Pfr, Bechtolsheimer; 10.45: Kinderkirche für die Lukas- gemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 20: Bibelbesprechung im Johannessaal; Psr. Müller. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Psr. Ausfeld; 11: Kinderkirche für Luther- und Iohannesgemeinde; Pfr. Ausfeld. — petruskapelle. 9.45: Pfarrassistent Dörsam. — Volkshalle Gießen. 11: Pfr. Sattler (Wieseck). — Wieseck. 9.15: Gottesdienst; Kollekte. — Alten-Buseck. 10: Missionar Walcher; Kollekte. — Großen-Buseck. 10.30: Gottesdienst; Kollekte. — Oppenrod. 8.15: Beichte; anschließend Gottesdienst und hl. Abendmahl; Kollekte.— Albach. 8.30: Predigtgottesdienst; Kollekte.— Steinbach. 9.30: Predigtgottesdienst; Kollekte. — Kirchberg. 10: Iubiläumsgottesdienst für das eDange» lische Diakonissenwerk; 11: Christenlehre für die konfirmierte männliche Jugend. — Lollar. 20. — Heuchelheim. 10: Festgottesdienst aus Anlaß des 100- jährigen Bestehens der Kaiferswerther Anstalten und des 10jährigen Bestehens des Jugendbundes für entschiedenes Christentum Heuchelheim mit Festkollekte. ein Posaunenchor und der Jugendbund Heuchelheim; 15: Nachmittags-Festfeier in der Kirche zum 10. Ju- biläum des Iugendbundes für entschiedenes Christentum Heuchelheim unter Mitwirkung eines Posaunenchors, eines Sprech- und eines Massenchors; Kollekte; 20.30: Evangelisation im Jugendbundsaal mit Lieder- einlagen. — Klein-Linden. 9: Gottesdienst mit hl. Abendmahl für die Jungverheirateten; 11: Kinder- gottesdienst. — Garbenteich. 10.30: anschließend hl. Abendmahl. — hausen. 13. — Watzenborn-Steinberg. 9: Pfr. Steiner (Hausen). — Grüningen. 12.30. Pfr. Reusch (Leihgestern). — Cid). 9.30: Stiftsdechant Kahn; Christenlehre für die männliche Jugend; 12.45: Kindergottesdienst; 14: Stistspfarrer Draudt. — Bettenhausen. 8.45: Jugendgottesdienst; 9.30: Hauptgottesdienst. — Cangsdorf. 11: Hauptgottesdienst; 20: Eröffnungsfeier der Konfirmandenzeit. katholische Gemeinden. Samstag, den 16. September. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 17. September. 15. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Kinder; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht. — Grimberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Dorttag unb Andacht. — Cid). 10: Hochamt mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Mittwoch, den 20. September. Hungen. 6.15 Uhr: Messe. Oeffentticher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringenden Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 1 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Aerzte : Frl. Dr. Gürtler, Dr. Schäffer. Zahnarzt: Dr. med. dent. Hinrichs. Apotheke: Hirschapotheke. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beichlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. .rranltur u. Dl. Serlw Schluß- lur< «Schluß». Abend- VSrie Schluß- kur« Schluß». Mittag- bSrse Datum 14.9. 15.9. i 14.9. | 15-9. 6°ö Tcut|6e Reichsanleihe v. 1927 83 83.751 83.5 83.4 6% et>em.7% $l.SRcidnanL6. > 929 t>yt°o Doung-Anleihe von 1930 . 98 98 98 98 81.75 80.4 81.5 80.75 Deutsche Anl-Ablos.-Schuld mit Auelos.-Rechten ............. 77,13 77 76.75 77.13 Tee gl. ohne Au.üos.-Rechte...... 10.1 998 10.05 9 9 6% chem.8% bell. öoltoftaat 1929 (cückzahlb. 103%)............ 74,13 73,75 73 75 73.75 6°o beii- L'anMban! Darmstadt Gold R. 12.................. 76 77,5 - 76,5 6V."o dell LandeS-Hypotheten- banl Darmstadt Llaul........ 81 82 - - T verheilen Provinz-Anleihe mit Aueloi.- Rechten ............. 66,5 — - — Deutsche Komm. Sammelabl. An> leibe Serie 1 mit AuSIos.-Rechten 68.5 70 4 68.75 — 6% ehern. 8% granks. Hyp-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 78 80,5 - — 6% ehern. 7% Franks. Hvp.-Bank Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 78 80 5 — * 6';% ehem 4%% Franks Hnp- Bank-Liau-Psandbriese....... 80 80,9 - — 6V.°o ebem. 4li°o Rheinische vap.-Bank-Liqu.-Soldpse. 84.75 85.25 - 6°o ehern. 8% Pr. Landeepsank» briesansiali, Pfandbriefe R. 19 78,5 — — 78.5 6% ebem. 7% Pr Lan verpfänd- vriefansiali, Pfandbriefe R. 10 80,5 — 80,5 80.5 Steuergutsch. Verrechnungskurs 86 65 86.7 86 65 86 7 4% Oeilerretchstche Goldrenre . 4,20% Cefierrcidiildie Silberrente 10.4 10 5 — 10 65 0.70 0 70 0.70 0,70 1 Ungarische Goldrente 41 4 4.15 4,2 4 ’,, Ungarische Slaairrenre v. 1910 1.85 4 4 4 4 4 1; “o deegl. von 1913........ 4 3,9 — 4,4 6% abgesi. Goldmexikaner von 99 5,25 5 25 3,25 5,6 4% Türkische Zollanleihe von 1911 5.15 5.35 5-25 i.4 4% Türkische Hagdadbahn-Anleihe Serie I..................... 5 — — 5,13 Hrantiun o. 271. Berlin (Schlußkurs Schlußl. Abend- b-tri.- Gchluß- fur4 Schluß» Mittag- bSr'e Datum 14.9. 15-9. 14-9. 15-9. 4u^ bt?Ml Serie II ............ 5.1 5,3 —- 5 15 5% Rumän. vereint,. Rente v. 1903 3 3 — 4!4%Rumün.vereink>.Rentev.l913 4,5 4 5 4,65 — 4% Rumänische vereinh. Rente 2.4 2.45 2.6 2,5 2%% Anatolier ............. 24.4 24.4 24 3 24,5 Hamdurg-Amerika-Pakel ..... 0 11,4 11.65 11,25 11, 5 Hamburg-Süoam. Dampfschiss. 0 - — 28 27,13 Honsa-Tampsschisf........... 0 - - 20 5 20.5 Norddeutscher Lloyd ......... 0 12,25 12.65 12,25 12.65 A-G. für Berkehrrwesen Alt. .. 0 43 43 42 42 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 82.25 83 83 83 25 Coinmerj. und Prwat-Bank ... 0 48 47 65 48 47,75 Deutsche Bank und Diseonto- GejeUschast................ 0 18,5 48,5 48.5 48.5 Dresdner Bank.............. 0 42 41,5 42 41.75 Reichrbank ................ 1 - 141 141 141 141,5 iLC.®...................... 0 18,75 18.5 18.5 18,5 Bekula............. in#; 75 106 106,75 106.9 Dcktr. LieferungSgesellschafk... 6 71,5 74 5 73 Licht und Kraft 6 91 91.25 91,25 92 Seiten & Guilleaume......... 0 44 45 44,5 43 cSelellsch.s.eiekir.Unternebmuna. 6 73 72.75 73 73 5 Rdeinyche Elektrizität ....... 5 77,25 77.75 77,5 75 Schlicker, & i£o............... 6 88 2 .6 89,5 87,25 89.4 Siemens L Halske..., 7 135 135.5 134,75 135.5 Labmeyer & io............. 10 115 113,75 116,25 Buderus ................... 0 65,5 65.25 65 64,25 icurid-e Erdöl .............. 96,75 97 25 97 96,9 Geilenkirchener.............. 0 50 49,5 50 49.5 Harvener ................ 0 83.25 80.5 82,13 81 Hoelch Eilen—stöln-Neuessen .. 0 - 55.5 54.75 Ilse Bergbau ............... 6 134,75 — 137 136.5 Ille Bergbau Genüsse........ 6 99 99,5 98.5 99 -löcknerwerke ............... 0 53,5 52.5 53 52.5 iNannesmanu-Nbbrnl........ 0 55 53.75 55 54-25 Sraniiun a. DI. flerim Schluß- kurv Schluß». Abend- börir Schluß- lur« Schluß». Minag- börsc Datum 14.9. 15.9. 14.9. 15-9. ManSselder Bergbau......... 0 24.75 24 25 23.25 SokSwerie ............... 0 - 64.75 63,5 Plionir Bergbau............. a 33 25 32 33 32.5 Rheinische Braunkohlen ..... .0 178 178 181,5 Rheinstahl .................. 0 76,5 75,5 76.13 75 Bereinigte Stahlwerke........ 0 32 31,1 32 4 32 4 £ tarn 8Jhnen ............... 0 19 5 12 5 12,25 11,25 Kaliwerke Aschersleben........ 5 109 109 108.75 109 Kaliwerke Westeregeln........ 5 108 109 109,5 108,5 Kaliwerke Salzdetfurth.....iyt 150 151.5 150 151 I. ®. Farden-Indultrie....... 7 115 114,5 114,75 115,4 Scheideansialt............... 170,5 172-5 Goldschmidt ................ G 43,25 44 43,5 44 RüigerSwerke ............... 0 49,75 48,75 49.9 49,75 Melallgelellichast............. 0 53,5 53 Philipp Holzmann ........... 0 41,5 59 58,5 59 Zemenlweri Heidelberg ...... 0 65 67,75 - - Zementwerk Karlklad!......... 0 - - - - EchuirbetS Pa-enhoser ....... 0 - — 94,25 98 'M hi (Allgemeine Kunstseide) .. 0 28,75 29.25 28,65 28.5 Bemberg................. 0 44 44.5 43.5 45.5 Zellstoff Waldhof ............ 0 35.75 35,5 34,75 35 Zellstoff Aschaffenburg ....... 0 19.5 20 — 20 Te lauer 0M ............... 7 — — 99,25 99.75 Daimler Motoren............ 0 26.75 27.13 26,5 26,5 Deutsche Linoleum........... 0 39.65 39-5 41 39,5 £rensletn L Koppel .......... 0 28,25 295 Leonhard Dietz .............. 0 11 10,75 11 10,9 Jbate...................... 10 157 157.5 157 157-5 Acrumulatoren-Iabrik........ 0 179.5 — 180 180.5 Jonti-®ummi ........... 0 133 5 135 133.5 13 Grttzner.................... 0 - - Mainkrastwerke Höchst a>M.... 4 — 55 75 — - Süddeutscher Zocker......... 8 154 154,29 154,25 154.25 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2!l. 14.September 15-Geptember Amtliche Dotierung Amtliche Dotierung Sei" Ärie- Geld 3rie Helsingfor».. 5,924 5,936 5.894 5.906 Wien....... 47,95 48.05 47,95 48,05 12.42 12.44 12,415 12,435 Budapest ... Sofia...... 3,047 169 48 3,053 169.82 3,047 169,33 3.053 169.67 Holland .... Lolo....... 67.23 67,37 66.73 59,29 66.87 59,41 Kopenhagen. 59,79 59,91 Stockholm... 69.03 69.17 68.53 68.67 London ..... 13,38 13.42 13.265 13,305 Buenos Aires 0.928 0,932 0.933 0,937 Neuvork.... 2.902 2,908 2,842 2,848 Brüste!..... 58,57 58,69 58,49 58.61 Italien..... 22.12 22,16 22,10 22,14 Baris ...... 16,43 16.47 16 40 16,44 Schweiz .... 81.20 81.36 81,22 81,38 Spanien.... 35,06 35,14 35,06 35.14 T anzig..... Japan...... 81,47 0 782 81,63 0.784 81,47 0,776 81.63 0 778 Rio be Ian. . 0,241 0.243 0.239 0,241 Jugoslawien. Lissabon.... 5,295 5.305 5.295 5,305 12.64 12.66 12.61 12.63 Banknoten. Serlin, 15-September Meld Zrief Amerikanische '/toten.............. 2.795 2,815 Belgische Roten.................. 58,33 58,57 Dänische Noten ................. 59,03 59,27 Englische Noten ................. 13,225 13,235 Iranrolstche Noten............... 16,36 16,42 Holländische Noten............... 168.91 169,59 Italienische Noten.......___...... 21 98 22,08 Norwegische Noten .............. 66,57 66.83 Deutsch cesterreich, 6 100 Schilling — — Rumänische Noten.............. — —— Schwedische Roten.............. 68,36 68,64 Schweizer Noten................. 81.04 81,36 Spanische Noten................. 34,93 35.07 Ungarische Noten................ Ein Lied vom Glück. Vornan von Anny von panhuyel. Nachdruck verboten! Es dämmerte zeitig, obwohl es schon Frühling war; aber in der rauhen Oberlausitz kümmert sich der Lenz nicht um den Kalender, da zieht er immer erst spät ein. Die Wolken hingen dunkel und schwer am Himmel, verdüsterten das Landschaftsbild. Die Abteile des Zuges, der von Dresden kam, waren schon erleuchtet. Zwei Damen saßen in einem der Wagen dritter Klasse. Sie hatten bisher wenig Notiz voneinander genommen; als es jetzt aber stark zu regnen anfing, seufzte die eine — sie war rotblond und zart —: „Welch abscheuliches Wetter!" Die ihr Gegenübersitzende lächelte ein wenig. „Regen ist aud)* schön. Besonders angenehm ist es, wenn man im molligen Zimmer sitzt und hört ihn draußen an die verschlossenen Läden klopfen ober aufs Dach. In der Stadt ist Regen oft unangenehm, aber auf dem Lande singt er eine andere Melodie, finde ich." Die Rotblonde fragte: „Sie wohnen auf dem Lande?" Die andere, unter deren Hütchen sich dunkelbraunes Gelock zeigte, hob den Blick. Ungewöhnlich große tiefblaue Augen hatte sie. Sie beantwortete die Frage. „Ich wurde auf dem Lande groß. Richtiger, in feiner kleinen Stadt. Aber das ist beinahe dasselbe." Die Rotblonde sagte: „Ich war noch nie längere Zeit auf dem Lande." Sie zögerte ein wenig und setzte hinzu: „Ich fahre jetzt zu Bekannten auf ein Gut in der Oberlausitz." Sie dachte, was ging es die Mitreisende an, daß sie auf dem Gut eine Stelle als Gesellschafterin antrat? Eigentlich hätte sie gar nichts zu sagen brauchen, aber die kleine Unwahrheit war ihr fast wider Willen entschlüpft. Die Dunkelhaarige mit den feinen, doch unregelmäßigen Zügen nickt nur und blickte hinaus in die Landschaft, die so spukhaft verwischt vorbeizog. Dämmerung und Regen färbten alles grau in grau: die Häuser der kleinen Dörfer und den Wald, die Berge und Felder. Grau der Himmel, grau die Erde und grau, was da in unzählbaren Regen- schnllren die grauen Wolken mit der grauen Erde verband. Beide gaben sich jetzt ihren Gedanken hin. Gedanken, die ganz verschieden voneinander waren. Die zwei vergaßen fast, daß sie sich schon ein wenig unterhalten hatten, sie schienen mit offenen Augen zu schlafen. Nur wenn der Bummelzug auf einer kleinen Station hielt, versuchten beide durch die vom Regen schon sehr angelaufenen Scheiben festzustellen, wie der Ort hieß. Einmal sahen beide zufällig gleichzeitig auf ihre Uhr, tinb bann wurde die Rotblonde unruhig. Sie begann an ihrem Köfferchen herumzuhantieren. Ein wenig später beschäftigte sich die Dunkelhaarige mit ihrem ziemlich großen Koffer. Die Rotblonde dachte flüchtig: Wie dumm, daß sie vorhin gesagt hatte, sie führe zu den Bekannten auf ein Gut! Die Mitreisende schien auch auf der nächsten Station aussteigen zu wollen. Vielleicht verkehrte sie In Schloß Maltstein und würde dann natürlich bald erfahren, daß sie nur eine Gesellschafterin war. Sie beruhigte sich jedoch gleich wieder. Wahrscheinlich hatte die andere keinerlei Beziehungen zu der Herrin von Maltstein, und man sah sich nie wieder. Der Zug hielt. Die Rotblonde stieg zuerst aus. Sie grüßte beim Aussteigen flüchtig. Die Dunkelhaarige erwiderte den Gruß und folgte ihr sofort. Sonst waren auf der Station nur ein paar Bauern ausgeftiegen. Sie beeilten sich, durch den Regen zu kommen und das Stationsgebäude zu erreichen. Auch die beiden jungen Damen liefen so schnell, wie sie konnten, um ein Dach über den Kopf zu bekommen. Sie standen dann plötzlich wieder nebeneinander und stutzten, als sie beide einen Brief aus der Tasche zogen, um ihn in betont auffallender Weise in die rechte Hand zu nehmen. Aber ehe sie noch dazu kamen, gegenseitig ihrem Erstaunen Ausdruck zu verleihen, stand ein Mann vor ihnen, dessen Figur ganz in einem Wettermantel untertauchte, dessen Umrisse darin verschwanden. Eine Schirmmütze bedeckte vollständig den Kopf. Eine tiefe Stimme fragte kurz: „Da beide Damen sich mit einem Brief als Erkennungszeichen bewaffneten, bitte ich, mir zu sagen, welche von Ihnen die heute erwartete Gesellschafterin der Frau von Malten auf Schloß Maltstein ist, die ich abholen soll?" Ein greller Blitz zuckte nieder, gab den Gesichtern etwas Lebloses, Starres. Ein Donnerschlag folgte, der sich in Knittern und Knattern löste. Es dauerte fast eine Minute, ehe die beiden Gefragten antworten konnten. Doch dann erfolgte die Antwort wie aus einem Munde: „Ich bin die erwartete Gesellschafterin!" Beide sahen sich einander fragend an. Die vor ihnen stehende Männergeftalt schien sich zu verändern, das Gesicht auch. Es waren da mit einem Male weibliche Umrisse, und nun nahm eine schmale, feste Hand die Mütze ab, und die beiden Gesellschafterinnen erkannten, es war eine Frau, die vor ihnen stand, und nun kurz, fast befehlend sagte: „Begleiten Sie mich in den Warteraum, damit wir feststellen, welche von Ihnen ich nach Maltstein fahren muß." Einander mit verwundert fragenden Blicken messend, folgten beide der im weiten Wettermantel von grobem Tuch Voranschreitenden. Der Warteraum lag in matter Beleuchtung. Er enthielt nur ein paar Tische und Stühle. Der Wettermantel flog Über eine Stuhllehne, und eine knabenschlanke große Dame, mit kräftiger Gesichtsfarbe und kühner Adlernase, wies auf ein paar Stühle. „Nehmen Sie Platz. Wir müssen sowieso mit der Fahrt warten; das Wetter ist zu höllisch geworden." Im selben Augenblick zuckte ein Blitz nieder, der den kleinen Raum in unheimliche Helle riß. Jetzt saßen sie zu britt am Tisch. Erst als ber Donnerschlag verhallt war, begann bie Frau: „Ich heiße Roberta DIbers unb bin bie Inspektorin von Gut Maltstein. Ich kam, um bie Gesellschafterin ber gnäbigen Frau abzuholen. Da Sie beide behaupten, es zu fein, bitte ich um Beweise." Zwei Briefe wurden der hochgewachsenen Frau entgegengehalten. Sie nahm beide in Empfang, zog beide aus den Umschlägen und las den kurzen Inhalt beider. Sie murmelte etwas vor sich hin, was wie ein Fluch klang, und ihre schwarzen Augen musterten beide junge Damen. Sie mochte nur ein paar Jahre älter sein als die zwei, aber ihr scharf geschnittenes Gesicht ließ sie älter erscheinen, vielleicht lag es auch nur an ihren sicheren Bewegungen,^ihrer etwas befehlenden Sprechweise. Sie ent- „Es bleibt nichts übrig, als Sie beide mit nach Maltstein zu nehmen. Dort mag Frau von Malten weiter bestimmen. Irgendein Irrtum muß schuld sein, daß statt einer Gesellschafterin gleich zwei Damen antreten." Sie brummte: „Nach meiner Ansicht ist eine schon überflüssig." Sie hüstelte, wurde sich wohl erst jetzt ihrer Un- Höflichkeit bewußt. Es blitzte unb bornierte weiter. Eine Reihe von Blitzen riß ben kleinen Wartesaal immer roieber in ein kaltes bläuliches Licht, unb bie Gesellschafterinnen fröstelten unb zitterten. Ihre hoffnungsvolle Fahrt in die Oberlausitz fing an, sich sehr unerfreulich zu gestalten. Der Rotblonden fiel ein: sie hatte sich noch nicht Dorgeftellt. Sie lächelte ein wenig: „Frau Inspektor, wie Sie aus dem an mich gerichteten Brief ersahen, heiße ich Olga Zabrow, Baronesse Zabrow, mit vollem Namen." Die Dunkelhaarige sagte leise: „Sie lasen wohl, daß ich Marlene Werner heiße." Dann herrschte wieder Schweigen. Nach einer Weile klopfte Roberta DIbers mit Öen Fingern der Rechten auf den Tisck. „Eine blöde Geschichte ist das mit Ihnen beiden, aus der ich nicht klug werde." Auf ihrer sehr geraden Stirn, über der das glattanliegende, zurück- gebürftete Haar wie schwarze Seide glänzte, zeigte sich eine tiefe Falte. „Ich rate einer von Ihnen, freiwillig zurückzureifen. In einer halben Stunde ist ein Zug nach Dresden fällig. Ich glaube, die gnädige Frau rechnet nur mit dem Kommen Fräulein Werners." Olga Zabrow zupfte spielerisch an ben rotgolbe- nen Löckchen über ihrem Ohr. „Ich trete freiwillig nicht zurück. Ich bin schrkft» lich engagiert worben unb bestehe auf meinem Recht." Zunächst antwortete ihr nur ein Achselzucken ber schlanken Inspektorin, aber nach einem Weilchen meinte sie lässig: „Klammern Sie sich nicht zu fest an Ihr Recht. Es hanbelt sich ja sowieso nur um einen sehr vor- übergehenben Aufenthalt im Schloß. Bis jetzt sind alle Gesellschafterinnen balb roieber fortgegangen. Die gnäbige Frau ist tiefsinnig, der Sohn menschenscheu, und wenn Sie erst mal nachts die weiße Reiterin gesehen haben werden, vergeht Ihnen sicher der letzte Rest der Lebensfreude, die Sie mit nach Maltstein bringen." „Ich fürchte mich weder vor der tiefsinnigen Dame, noch vor ihrem menschenscheuen Sohn", erwiderte in etwas trotzigem Ton Olga Zabrow unb setzte hinzu: „Wer aber ist bie weiße Reiterin?" Marlene Werners Augen fragten auch. Die Inspektorin verzog ein wenig ben Mund. „Die weiße Reiterin ist ber Spuk von Schloß Maltstein." Beide Mäbchen lachten unwillkürlich, aber ein Blitz ließ bas Lachen auf ihren Gesichtern ersterben, und ihre Hände zuckten nach den Ohren, als es jetzt mit solcher Gewalt donnerte, daß man meinte, im nächsten Augenblick müsse alles zusammenkrachen. Nachdem es wieder still geworden, sprach die Dritte am Tisch tief und betont: --Ich suh die weiße Reiterin von Maltstein schon mehrmals, und andere sahen sie ebenfalls; auch Frau von Malten schreckte ber Spuk. Die weiße Reiterin ist eine Vorfahrin ber Familie von Malten. Ein schneeweißes Pferd war ihr Lieblingstier, als sie noch lebte, unb sie roar eine verwegene Reiterin. Sie starb auf einem ihrer wilden Ritte am Herzschlag, und seitdem/ es ist zweihundert Jahre her, sieht man sie zuweilen um das Schloß reiten. Sie trägt ein langes, weißes Reitkleid unb zeigt sich immer,* wenn der Familie Malten eine Gefahr- droht." Sie erhob sich brüsk. „Wir können hier nicht länger herumsitzen, unb bas Auto wirb ja auch burch dieses Wetter kommen." Marlene Werner entfuhr es: „Ich bitte Sie, bei dem Gewitter können wir doch nicht fahren." „Ich fahre jetzt fort", war die schroffe Erwiderung. „Ihnen steht es natürlich frei, hierzubleiben." Marlene Werner dachte an ihre leere Börse unb baran, wie sehr sie sich gefreut, eine Stellung ge- funben zu haben. Sie rief überschnell: „Selbstverständlich werde ich mitfahren!" Die schlanke Frau warf den Wettermantel wieder um, fetzte die Mütze auf und ging voran, dachte nicht daran, den beiden, die ihr folgten, etwas von ihrem Gepäck abzunehmen. Draußen, in dem kleinen Bahnhofsgebäude, befand sich niemand mehr. Schräggeaenüber roar eine Wirtschaft. Dorthin hatten sich die mit dem Zug angekommenen Fahrgäste geflüchtet. (Fortsetzung folgt.) Stoffe für den Herbst! 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ISO eigene Naturauf- nahmen aus dem Tiei- und Pflanzenleben des heimatlichen Waldes mit Einführungstext von K. Gerhard und O. Wolff.....Leinen RM 4.80 Norderoog. Ein deutsches Vogelparadies. Natururkunden von den Halligen u. vom Wattenmeer von P. F. Weckmann-Wittenburg Preis: Broschiert RM.3 gebunden RM. 4.- Heimatschutz und Heimatpflege. VonRektor Hermann Wille. Preis: Br. RM. 1.80, gb. RM.2.95 Naturschutz und Ingenieurwerk.VonDr.W Lindner. Preis: Brosch. RM.2. geb. RM. 3.— Vom deutschen Weidwerk. Von Prof. Dr. Koepert. Broschiert RM.2 50,gebunden RM.3.50 Heimatschutz.V.E.Rudorff.Br, RM.2.-,gb.RM.3.- Naturdenkmäler aus der Vogelwelt. Von v. Lucanus. Brosch. RM. 2 —, gebunden RM. 3.— Die deutsche Landschaft. Von E. L. Schellenberg. Broschiert RM. 2.—, gebunden RM. 3.- Naturschutz und Forstwirtschaft. Von Forstmeister Feucht. Brosch. RM. 2 —, geb. RM. 3.- Naturschutz und Arbeitsschule. Von W Schoenichen...Brosch. RM. 2.50, geb. RM. 3.50 Die Kamera im Dienste der Natur. 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