Rr. 137 SrübauSsave 183. Jahrgang Donnerstag, 15.Zum M3 (tr|d)ein! itiqltd), außer Sonntage und Jeiertag* Beilagen: Die Düuftnerte Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholl» Monais-Bezngrpreir: Ulit 4 ‘Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschliisse onter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siehe». Postscheckkonto: Sranffurt am Blain 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vniS vnd Verlag: vrühl'sche Universttätr-Vuch. und Steinörudcrei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und SeschSstsftelle: Schnlstratze 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummcr bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°, mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Tknriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An- zeigenteil L D. TH.Kümmel sämtlich in Gießen. Reichskanzler Adolf Hiller vor den Führern der ÄSDAP. Ralionaisoziaiismus und (Staat. — Oie Neugestaltung deutschen Lebens im Sinne des Nationalsozialismus. Berlin, 14. Juni. (TU.) Die Reichspresse- ft c 11 e der NSDAP, teilt mit: Im Mittelpunkt Der Führertagung der NSDAP, am Mittwochnach- mittag stand die große Rede des Führers, der in mehrstündigen Ausführungen insbesondere die Frage des Berhältnijses zwischen NSDAP, und Staat behandelte. In der Lösung dieser Frage, die vielleicht eine jahrelange Entwicklung brauche, liege das Schicksal der Erneuerung des Reiches. Der Führer wies auf die entscheidende Bedeutung der Weltanschauung als Grundlage jedes großen Staatsgedankens überhaupt hin und kennzeichnete dann auch die entscheidende Stellung der NSDAP, als der Trägerin der Weltanschauung des neuen Deutschland. Der Aufbau und die Stärkung der nationalsozialistischen Bewegung, in der die Wurzel unserer Straft liege, sei deshalb eine der wesentlichsten Ausgaben, die im Interesse des neuen deutschen Staates zu erfüllen seien. Das Gesetz der nationalen Revolution sei noch nicht abgelaufen. Seine Dynamik beherrsche heute noch die Entwicklung in Deutschland, die in ihrem Laufe zu einer Neugestaltung deutschen Lebens unaufhaltsam sei. Der Führer behandelte dann die Probleme, deren Lösung der nationalsozialistischen Bewegung hier zur Ausgabe gestellt lei, im Einzelnen. Die größtmöglichste Förderung der Strafte unseres deutschen Volkstums müsse immer und überall der Ausgangspunkt und die Richtschnur unseres Handelns fein. Der Führer gab am Schluß seiner bedeutsamen Ausführungen der gerade in den letzten Wonaten ganz besonders gestärkten lleberzeu^ung Ausdruck, daß die nationalsozialistische Bewegung in dem Maße, wie sie die innenpolitischen Schwierigkeiten meistere, auch aller wirtschaftlichen und auhenpolitifchen Schwierigkeiten Herr werde. Er habe die felsenfeste Ueberzeugung, daß diese gewaltige, von unerhörtem Idealismus getragene Arbeit unserer Bewegung, Jahrhunderte überdauern werde und durch nichts mehr beseitigt werden könne. Das sei der Lohn für jeden Kämpfer in unseren Reihen. Diese Bewegung, die sich im Kampfe zusammen- geftinden habe, und im Kampfe groß g e - morden sei, sei das Beste, was Deutschland auf- zuweisen habe. Heute flehe die NSDAP, g e f e ft i g» ter und ftärfer d a w i e jemals zuvor. Ihre inneren Strafte und ihre äußere Stellung habe sich in den letzten Monaten gewaltig konsolidiert, ihre Organisation unerhört gehärtet. Das neue Deutschland, das von dieser Bewegung getragen werde, sei durch keine Macht mehr zu erschüttern, wenn wir Nationalsozialisten stets bleiben, was wir sind und waren und uns stets der Quelle unserer Straft bewußt bleiben: Der Nationalsozialistischen Partei. Der Der aus der Hührerlagunq. Auf der Führertagung wurden nach Begrü- ßungsworten des Stabsleiters der PO. Dr. Le y in einer ausgedehnten Aussprache zunächst i n - terneOrganifationssragen derPar - te i behandelt. Reichspropagandaleiter Dr. Goebbels kündigte a. a. ein H i l f s w c r k d e r RSDAP. für den kommenden Winter an. Reichsschahrneistcr Schwarz sprach über die Frage des Mitgliederzuganges der Par- tei und ihre zukünftige organisatorische Behandlung. Der Vorsitzende des Llntersuchungs- und Schlichtungsausschusses, Reichsleiter Buch, behandelte die Frage der Aufnahmevor- f ch r i f k e n über die Angehörigen andersgearteter Vereine und Verbände in die NSDAP, sowie die Grundzüge für die Schaffung einer besonderen Parteigerichtsbarkeit. Wichtige Anregungen interner organisatorischer Art gaben auch Gauleiter Mutschmann, Reichsleiter Dr. Frank II. und Gauleiter Äube. Anschließend an die Aussprache, die auch eine Reihe für Preußen wichtige Probleme aufwarf, ging der preußische Ministerpräsident pg. Göring in bedeutsamen Ausführungen auf die politischen Verhältnisse in Preußen ein. Im Verlaufe seiner Rede brachte er u. a. zum Ausdruck, daß die Beruhigung in wirtschaftlicher Beziehung in Preußen in den letzten Wochen erfreuliche Fortschritte gemacht habe. Er dankte den Parteidienststellen für ihre tatkräftige Unterstützung in dieser Hinsicht. Als preußischer Ministerpräsident sprach er dem Führer der deutschen M-bcitsfront, Dr. Ley, Dank und Anerkennung aus für dieses Werk sowie für fein entfchie- denes und würdiges Auftreten auf der internationalen Arbeitskonferenz in Genf. Zum Schluß ging Parteigenosse Göring auf die beabsichtigte Neu- gestaltung des Preußischen Staatsrates ein. Das Ziel der Neugestaltung dieses poli- tischen Gremiums sei, eine engere Verbundenheit und ein lebendigeres Zusammenwirken zwischen Volk und Staat in Preußen herzustellen, als es die bisherige parlamentarisch-demokratische Gestaltung dieser Körperschaft ermöglichte. Der bayerische Iustizminister Frank II. teilt im Zusammenhang dieser Ausführungen mit, daß auch in Bayern die Errichtung eines Staatsrats mit entsprechenden Ausgaben in Vorbereitung sei. Ein Gruß an die österreichischen Parteigenossen. Am Schlüsse der Führertagung wurde das folgende Telegramm an den Landesinspekleur h a - dicht und die NSDAP. Oesterreichs ab- gcsandl: heil Ihnen und Ihrem tapferen verhallen. Die in Berlin versammelten Reichsleiter und Gauleiter der NSDAP, grüßen Sie und die österreichische Partei, wir gedenken in Achtung und Ehrfurcht aller Parteigenossen, die durch ein wahnsinniges Sy st em ins Gefängnis geworfen wurden unter hinwegfehung über jedes Recht und mit Unterschiebung einer Verantwortlichkeit für Handlungen, für die sie nicht oeratilroorllidj find. Oie Zuspitzung der Lage in Oesterreich. Habicht und drei andere ASDAp.-Jührer ausgeiviesen. Wien, 14. Juni. (WTB.) Nach einer Mitteilung des Bundeskanzleramtes an die deutsche Gesandtschaft ist Reichstagsabgeordneter Habicht in Begleitung von zwei Sicherheitsbeamten in feinem eigenen Auto heute von Lin; an die Grenze nach Passau gebracht worden. Dem gleichfalls der deutschen Gesandtschaft zugeteilten Herrn E o h r 9 , der in Wien ist haft ist, ist gestern abend der Aus w e i sungsbescheid zugegangen. Er hat hiergegen Berufung eingelegt, die für drei Tage aufschiebende Wirkung hat. Der Führer der SA. Oesterreichs, Alfred Bigler, ist in Begleitung von zwei Kriminalbeamten im eigenen Auto ebenfalls an die österreichische Grenze gebracht worden. Desgleichen wurden auf eigenen Wunsch Dr. Gerhart Weyh, der kommunalpolitische Referent der NSDAP., und der Adjutant Habichts, Friedrich Steiner, mit dem Linzer D-Zug ebenfalls in Begleitung von Kriminalbeamten zur Grenze befördert. Die drei Funktionäre der NSDAP, waren im Laufe des heutigen Tages aus dem Bundesgebiet ausgewiespn worden und hatten keinerlei Berufung dagegen eingelegt. Weitgehende Vollmachten für die Sicherheitsdirektoren. Wien, 14. 3uni. (Xil.) Aus einer Rede des Heeresministers V a u g o i n geht hervor, daß de r W i r k u n g s k r e i s d e r S i ch e r he i t s- direktoren in den österreichischen Ländern weitaus größer ist, als es ursprünglich den Anschein hatte. Den Sicherheitsdirektoren untersteht nicht nur die Polizei und Gendarmerie des Landes und sie sind nicht nur berechtigt, Abteilungen des Dundesheeres anzufordern, sondern es wird ihnen im Falle einer Gefahr auch die Assistenz der privaten Formationen zur Verfügung stehen, aus denen die Assistenzkörper (Hilfspolizei) gebildet werden. Außerdem ist ihnen aber auch das gesamte Pressewesen unterstellt. Ferner haben sie für die genaue Beachtung des Vereins- und Versammlungs rechts zu sorgen. Insbesondere scheint dabei beabsichtigt zu sein, die sogen. 8-2-Dersammlungen, das finb Versammlungen für Mitglieder oder Eingela - bene einer strengeren Kontrolle zu unterstellen, da bisher die verbotenen politischen Versammlungen unter der Flagge von ^.Versammlungen abgehalten werden konnten. Der Heeresmi- nifter sagte schließlich, die Sicherheitsdirektoren hätten dafür zu sorgen, daß die Krawalle a u f den Hochschulen beendet werden, d. h. also wohl mit anderen Worten, daß den Sicherheitsdirektoren gestattet sein wird, in die Autonomie der Hochschulen einzugreifen. Or. Wasserbäck nach London verseht. B e t l i n , 14. Juni. (TU.) Wie die Telegraphen- Union erfährt, wird der ausgewicsene Vretzeatlache der österreichischen Gesandtschaft Dr. W a s s e r b ä ck Berlin im Laufe des Donnerstag verlassen. Er ist zur österreichischen Gesandtschaft nach London versetzt worden. Wiener Blätter veröffentlichen Erklärungen des Ministers Schumy $u der Ausweisung Dr. Wasserbäcks, in denen -schumy die befremdende Behauptung ausstellt, daß zahlreiche Maßnahmen der Reichsregierung gegenüber Oesterreich auf den Landesinspekteür der NSDAP, für Oesterreich, Habicht, zurückzuführen seien, und daß daher seine Festnahme vollauf gerechtfertigt sei. Im übrigen betont Schumy, daß das Vorgehen gegen Dr. Wasserbäck mit dem gegen Habicht nicht zu vergleichen sei, und droht, daß er sich jetzt ernstlich mit der Frage des Warenverkehrs zwischen Deutschland und Oesterreich werde beschäftigen müssen. Das Flaggen von schwarz weiß-roten Fahnen in Tirol verboten. 2 n n s b r u ck, 14. 3uni. (TU.) 3n Tirol nehmen die behördlichen Maßnahmen gegen jede Bekundung des nationalen Willens der Bevölkerung ihren Fortgang. So wurden am Dienstag Gastwirte in Innsbruck, die nach dem Verbot der Hakenkreuzfahne mit schwarz-weih-roten Fahnen geflaggt hatten, davon verständigt, daß das Aufhängen der deutschen Reichsfarben verboten sei und daß die Fahnen eingezogen werden müßten. Wegen dieser Maßnahmen hat der deutsche Generalkonsul in Innsbruck entsprechende Schritte bei der Landesregierung in die Wege geleitet. Ein Aufruf des Gauleiters Frauenfeld. Wien, 14. Juni. (WTB.) Der Wiener Gauleiter der NSDAP. Frauenfeld hat einen Aufruf a n di e deutsche Bevölkerung Wiens gerichtet, in dem es u. a. heißt: Es haben sich in den letzten Tagen überall bedauerliche Dinge in Oesterreich zugetragen. Wir lehnenesaufdasaus- d r ü ck l i ch st e und schärfste ab, mit diesen Ereignissen in irgendeinen Zusammenhang g e b r a ch t zu werden. Diese Geschehnisse haben ihre Ursache in den in den letzten Monaten geschaffenen Zuständen. Da wir dieseZustände nicht g e • schaffen haben, können wir auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Ich weise auch die ganz unbegründet und willkürlich erhobene Beschuldigung der Staatsfeindlich- feit der NSDAP, zurück. Es gibt nicht einen einzigen Fall, der diese Behauptung recht- fertigen würde. Man hat in diesen Tagen eine Hetze gegen die NSDAP, in Oesterreich entfesselt, weil hier die jüdische Presse mit geradezu sadistischer Freude die führende Rolle eingenommen hat. Man verspricht sich von einer Auflösung eine Auslöschung des Nationalsozialismus. Darin irrt man s i ch. Alle Der- suche, unsere Arbeit zu zerstören, müssen und werden scheitern. Unser Kampf geht weiter. Er wird erst enden durch die Schaffung des Heiligen Dritten Deutschen Reiches — in der Erringung des Zieles: Ein Gott, ein Führer, ein Volk und ein Reich! Großdeutscher Einspruch beim Bundespräsidenten. Wien, 14. Juni. (TU.) Eine Abordnung von Nationalrats mitgliedern der Großdeutschen Volkspartei sprach am Mittwoch beim Bundespräsidenten, beim Vizekanzler und beim Justizminister vor. Sie erhob Ein- s p r u ch gegen die Verhaftung einer großen Zahl von Deutschen, die mit den Anschlägen der letzten Tage in keinem, wie immer gearteten Zusammen- hang stünden und verlangte die schnellste Enthaftung aller derjenigen, gegen bie fein unmittelbarer strafbarer Tatbestand vorliege. Sie erhob ferner Einspruch dagegen, daß zwei politische nationale Par- teien als staatsfeindlich erklärt worden seien, ohne daß die Untersuchung irgendwelche staats- feindlichen Handlungen ergeben hätte. Die Abordnung machte weiter auf den Schaden aufmerksam, den die Wirtschaft dadurch erleide und forderte die Herstellung normaler Verhältnisse zum Deutschen Reiche. Die Abordnung oer- mies noch darauf, daß durch die jetzt geübte Praxis die Radikalisierung immer weiter fortschreiten werde, weshalb nichts unversucht bleiben dürfe, um eine solche Entwicklung aufzuhalten. Der Bundespräsident, der Vizekanzler und der Justizminister nahmen die Erklärungen zur Kennt- nis, versprachen, die vvrgebrachten konkreten Fälle schnellstens zu überprüfen und diejenigen aus der Haft zu entlassen, deren Unschuld außer Zweifel stehe. Sie bedauerten, daß sich das Verhältnis zwi- schen Oesterreich und dem Deutschen Reich durch politische Zwischenfälle getrübt habe und gaben der Hoffnung Ausdruck, daß bald wieder normale poli» tische und wirtschaftliche Verhältnisse zwischen den beiden Staaten hergestellt würden. Eine Erklärung des Zentrums Berlin, 14. Juni. (TU.) Die Pressestelle des Zentrums teilt mit: „In verschiedenen Presseauslassungen, die sich mit der Entwicklung in Oesterreich befassen, ist von einer Verbindung des Zentrums mit der Christ- lich-sozialenParteiOestcrreichsund der Regierung Dollfuß die Rede. Diese angebliche Verbindung soll sogar darin bestehen, daß Vertreter des Zentrums auf die innerösterreichischen Verhältnisse im Sinne einer Vertiefung der Gegensätze zwischen der Regierung DoUfuh und der RSDAP. Einfluß zu nehmen versuchen. In Verbindung hiermit wird von der Notwendigkeit eines Vorgehens gegen das Zentrum gesprochen. Wir stellen hierzu fest: Diese Behauptungen und Gerüchte entbehren jeglicher Grundlage. Don feiten des Zentrums — sowohl der Führung, wie der untergeordneten Instanzen — besteht weder eine Verbindung, noch eine Fühlungnahme mit der Christlich-sozialen Partei und der Regierung Dollfuß. Das Zentrum hak durch seinen Führer D r ü n i n g seine Bereitschaft zur positiven Mitarbeit am Ausbau des neuen Staates klar zum Ausdruck gebracht. Es hält an dieser Einstellung nach wie vor fest." Verbot des Oeutschnationalen Kampfrings im prasidialbezirk Dortmund. Dortmund, 14. Juni. (TU.) Der Polizei- Präsident hat am Mittwoch den Deutschnatio- nalen Kampsrina für den Präsidialbezitk Dortmund auf Grund des § 1 der Verordnung des Reichsprafi. deuten zum Schutze oon Volk und otaat vom 28. Fe- bruar 1933 in Verbindung mit § 14 und 41 des Polizeioerwaltungsgefetzes aufgelöst. In der Begründung des Verbots heißt es u. a.: jodjon seit längerer Zeit waren Klagen laut geworden, daß der Kampfbund ein Sammelbecken für fommuniftifdjc (Elemente geworden sei. Durch die von der Polizei daraufhin angestellten Ermittlungen ist einwandfrei festgestellt worden, daß ctroa? 5^0,; entberneu aufgenommenen Kampfringmitglieder noch bis Mä rz 1933 zur SPD. o d e r K P D. gehört haben. Da infolge der regen Werbetätigkeit des Kampfringes zu befürchten war, daß er oon marxistischen und kommunistischen (Elementen voll- ständig aufgesogen wurde und der Unwille der Be- oolferung in den letzten Tagen verschiedentlich zu Zusammenstößen mit den Kampfbundmitgliedern ge« fuhrt hatte, mußte zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung sowie im Interesse der ungehinderten Durchführung der Nationalen Revolution das Der- bot ergehen. Es soll dabei anerkannt werden, daß bje Führung des Kampfringes eine direkte schuld an den vorhandenen Zuständen nicht trifft. Die Verhältnisse sind ihr leider über den Kops ge- wachsen, was eine Erklärung darin findet, daß die genannten Kreise sich während der letzten Jahre nicht die genügende Kenntnis der marxistischen und kommunistischen Kräfte durch den damals unvermeidlichen Kampf auf der Straße verschafft hatten. Eine Erklärung des Keichskampfring- führers von Bismarck. Berlin, 14. Juni. (ERB.) Der Reichskampf, rmgfuhrer der Deutschnativnalen Front, Staatssekretär oon Bismarck, übergibt der Oeffentlichkeit eine Erklärung, in der er die Ver- dächtigungen, der Deutschnationale Kampfring dulde kommuni st ischeElemente in seinen Reihen, nachdrücklichst z u r ü ck w e i st. Um allen weiteren Verdächtigungen den Boden zu entziehen, habe er den Befehl an alle Führer des Deutsch- nationalen Kampfringes gerichtet, ehemalige Ange- hörigen der KPD. und SPD., des Reichsbanners oder ihrer Nebenorganisationen, die nach dem 30. Januar 1933 dem Kampfring beigetreten find oder sich zum Beitritt angemeldet haben, sofort aus den Listen des Kampfringes zu st r e i ch e n , wenn sie nach dem 1. Januar 1932 noch aktiv in marxisti- schen Organisationen tätig waren. Verbot des „Wehrwolf" in Sachsen. Dresden, 14. Juni. (TU.) Das sächsi- scheMinisterium des Innern hat auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. Februar 1933 den „Wehrwolf samt seinen Untcrverbänden für das Gebiet des Freistaates Sachsen aufgelöst und verboten. Das Vermögen der aufgelösten Verbände ist zu beschlagnahmen und sicherzustellen, etwaige Geschäftsstellen sind zu schließen. Wer sich als Mitglied der aufgelösten Verbände betätigt, die aufgelösten Verbände auf andere Weise unterstützt, oder den organisatorischen Zusammenhalt weiter aufrecht erhält, wird bestraft. Die aus dem Wehrwolf hervorgegangene ,Schwarze Brigade Sachsens" wird von dieser Verordnung nicht berührt, Verbot des Zungdeuffchen Ordens in Württemberg. Stuttgart, 14. Juni. (WTB.) Der Leiter derwürttembergischenPolitischenPo- lizei teilt mit: Auf Grund des § 1 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und -staat vom 28. yebruar 1933 und der Verfügung des Innenministeriums über Neuorganisation der Politischen Polizei vom 12. Mai 1933 wird für Württemberg der Jungdeutsche Orden E. 2. n u f g e l ö ft und das vorhandene Vermögen beschlagnahmt. Eine Entschließung derOeutschnationalenpreußenfraktion. Berlin, 14. Juni. (Vdz.) Die deutschnationale Fraktion des Preußischen Landtages hielt am Mittwoch eine mehrstündige Sitzung ab, in der die politische Lage erörtert wurde. (Es wurde eine Entschließung über die beamtenpolitische Lage angenommen, in der es heißt, daß in der Oeffentlichkeit in letzter Zeit wiederholt Aeußerungen gefallen seien, aus denen in der Beamtenschaft der Eindruck em- stehen könnte, als wenn in absehbarer Zeit alle nicht nationalsozialistischen Beamten entfernt werden sollten. Demgegenüber verweise die deutschnationale Preußenfraktion auf die Rede des Ministerpräsidenten Gör in g im Landtag vom 18. Mai, wo der Ministerpräsident wörtlich erklärt habe: Ich möchte an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, daß die Zugehörigkeit zu einer anderen Par- lei, soweit sie nicht als staatsfeindlich erklärt worden ist, keineswegs ein Hindernis in der beruflichen Laufbahn fein soll. Der Arbettswaffenstillstand ist noch in Wirksamkeit. Berlin, 14.3uni. (CAB.) Der Bezirks- leiter der Deutschen Arbeitsfront für Münster in Westfalen hat, wie das „Berliner Tageblatt" meldet, eine Erklärung erlassen, in der es u. a. heißt: „Das unverantwortliche Vorgehen gewisser Elemente im Arbeitgeberlager hat in der Oeffentlich- leit die Meinung auftommen lassen, als ob die Anordnungen des Leiters der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley vom 16. Mai betreffend einen „W affen still st and" von acht Wochen für alle Arbeitsmenschen der Stirn und der Faust nur für einzelne Geltung hätten. Ich warne dringend davor, diese Anordnungen Dr. Leys unbeachtet zu lassen, um Taris- Verträge zu durchbrechen, sei es in Lohn-, Gehalts- oder sonstigen Bestimmungen. Desgleichen warne ich, den Waffenstillstand durch Kündigungen oder Entlassungen zu gefährden. Die Amtswalter der ASBO. sind beauftragt, Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnungen sofort nach Münster zu melden. Am 8.Juni wurde ein Fabrikant aus dem Ruhrrevier von dem Bezirksleiter dcr Deutschen Arbeitsfront wegen Durchbrechung des Wirtschaftsfriedens und wegen Gefährdung der Arbeitsstätte sowie wegen staatsfeindlicher Aeuhe- rungen in ein Konzentrationslager übergeführt. Dcr Betrieb wird unter nationalsozialistischer Leitung wcitergeführt. Wie die Pressestelle der ASBO. in Essen noch mitteilt, ist auch der Inhaber einer Photofirma wegen wirtschaftlicher Sabotage von der politischen Polizei verhaftet worden. Der Hessische Volksbund zur Reichsreform. Gießen, 15. Juni. (WEM) Der Landes- a r b e i t s a u s s ch u h des Hessischen V o l k s b u n d e s hat zur Frage der Reichsreform folgende Entschließung gefaßt: Der Landesarbeitsausschuß des Hessischen Bolksbundes (Vereinigung zum Zusammenschluß von Hessen und Hessen-Aassau) begrüßt es, daß die nationale Regierung im Reiche unter dem Volkskanzler Adolf Hitler, zu dem auch wir stehen, nach 14 Jahren des Geredes an ter Reichsreform vorbei es unternommen hat, auch hier die Tat den vielen Worten folgen zu lassen. Wir sehen in der Einsetzung der Reichs st atthalter in den Ländern keine Gefährdung der Eigenart der Reichsteile, sondern begrüßen das Re ichsstatt- h a l t e r a m t im Gedenken an jene große Zeit deutscher Geschichte, da man keine Landesherren und Kleinstaaten kannte, da noch das Reich nach des Volkes Stämmen und Landmannschaften gegliedert war und die Souveränität des deutschen Volkskönigs in den Ländern des Reiches durch die Herzöge und Mar kgrafen ausgeübt wurde. Wir haben das Vertrauen zu der nationalen Regierung, daß sie sich nicht mit dem Statthalteramte begnügen wird. Das grvhdeutsche Volksreich ter Zukunft, dem auch unser Streben gilt, soll die politische Verkörperung der deutschen Ration sein. Das Reich der Zukunft soll nicht auf irgendwelche bundesstaatlichen Zufälligkeiten gegründet werden, sondern aus das deutsche Volk und seine seelischen, geistigen und wirtschaftlichen Kräfte. Linser Volk ist davor bewahrt geblieben, dem öden Einerlei des Zentralismus zum Opfer zu fallen. Es gilt, seinem natürlichen Wuchs die Fesseln abzunehmen. die Bruderkriege, Erbteilungen unu Herraten ieiner Fürsten in Gestalt der Landesgrenzen ihm auf- erlegt haben, die vielfach den Blutkreislauf der natürlichen Zellen des deutschen Volks- und Wirt- schaftskörpers mittendurch abschnüren. Die Kräfte des deutschen Volkstums und der deutschen Volkswirtschaft können erst die erforderliche staatliche Pflege erhalten und erst dann dem Reiche wahrhaft dienstbar gemacht werden, wenn d r e G r e n- zen der politischen Zellen — ter zu schaffenden Reichsländer — mit den Grenzen der deutschen Stämme, Land- mannschaften und W i r t s ch a f t s g e- bietesichdecken. Wir fordern für die Reichs- länder nicht etwa irgendwelche geheiligten Re- servate des ancien regime, sondern die zur Pflege des heimlichen Volkstums und der heimischen Wirtschaft, zum Ausbau der Heimat als kraftvolle Zelle des Reiches erforderlichen Selbstverwaltungsrechte. Wir danken dem Herrn Hessischen Ministerpräsidenten Professor Dr. W e r n e r , daß er sich bei seinem Amtsantritt zum Gedanken der Reichsneugliederung und zu einem zu schaffenden gröherenReichslandH essen bekannt hat. Wir haben das Vertrauen zu den nationalen Regierungen im Reiche und in Hessen, daß nunmehr endlich der Wunsch aller Vernünftigen in Hessen und Hessen-Aassau Wahrheit werten möge, nämlich der Zusammenschluß beider Gebiete in einem deutschen Reichsland. Oer dritte Konferenztag in London. Oie Delegierten Englands, London, 14. Juni. (WTB.) Zu Beginn ter heutigen Sitzung ter Weltwirtschaftskonferenz ergriff, nachdem der Belgier Hymans einstimmig zum Vizepräsidenten der Konferenz gewählt worden war, Bundeskanzler Dr. Dollfuß das Wort. In einer unerwartet kurzen Rede (sie dauerte nur etwa sieben Minuten) trat Dollfuß nachdrücklich gegen jede Abwertung und Inflation ein und drang auf die Regulierung der Produktion und Ausfuhr als Vorbedingung für Herabsetzung der Tarife. Weiter teilte er mit, daß Oesterreich für den Zollwaffenstillstand sei. OerbntischeSchahkanzlerEhamberlam legte dann die Wirtschaftslage nach dem Kriege dar. Cv bemerkte, Großbritannien habe sich hoffnungsvoll daran gemacht, im Jahre 1925 die Vorkriegsbedingungen wiederherzustellen und sei zum Gold st andard zurückgekehrt. Es sei damals noch nicht erkannt worden, wie weit die erforderlichen Bedingungen für das Wirken des Goldstandards sich verändert hatten. Das unvermeidliche Ergebnis sei ein Sturz des Preises der Waren gewesen. Eine endgültige Regelung der Kriegsschuldenfrage stehe nicht innerhalb des Programms dieser Konferenz. Aber eine solche Regelung müsse erfolgen, wenn die auf anderen Gebieten ergriffenen Maßnahmen wirksam sein sollen. Die Zentralbanken mühten reichlich Geld zu günstigen Sätzen zur Verfügung stellen, um die notwendigen Voraussetzungen für eine Erhöhung des Preisniveaus zu schaffen. Die Stabilisierung der Währungen müsse in zwei Etappen durchgeführt werten, uni) zwar müsse man zuerst die Währungen der Hauptländer ungefähr ins Gleichgewicht bringen, und dann müsse man auf eine Wiederherstellung des Goldstandards hin- gieXcn. Sie Rückkehr Großbritanniens zur Goldwährung habe eine Erhöhung des Preisniveaus zur Voraussetzung, denn nur so könne das Gleichgewicht zwischen Preis und Produktionskosten wieder hergestellt worden. Die Wiederaufnahme des normalen internationalen Kreditverkehrs müsse erörtert werden. Dor allem müßten alle Wege besprochen werden, die es einem notleidenden Lande ermöglichen, die zur D e * s eitigung der Währungsbeschränkungen notwendige finanzielle Unterstützung von den Gläubigerländem selbst zu erhalten. Alle übertrieben hohen Zolltarife seien herabzusetzen. Dieses Ziel erreiche man am besten durch eine Reihe zweiseitiger Verträge. Solche Vereinbarungen könnten allerdings nur voll zur Wirkung kommen, wenn die Meistbegünstigungsklausel in ihnen enthalten sei. Willkürliche Kontingente seien allmählich zu beseitigen. Regierungsprämien, wie zum Beispiel Ausfuhr- und Schiffahrtsprämien, seien allmählich herabzusetzen und schließlich durch internationale Vereinbarungen zu beseitigen. Amerikas und Rußlands. Der amerikanische Haupidelegierie Eordell Hüll malte ein äußerst düsteres Bild von der augenblicklichen Weltlage und den herrschenden chaotischen und panikartigen Verhältnissen. Die Menschheit fei heute schlimmer dran und unsicherer als vor 12 Jahren. Wir würden das in uns gesetzte Vertrauen täuschen, wenn die Konferenz vertagt werden würde mit der demütigenden Folgerung, daß wir unfähig sind, eine angemessene neue Politik zu bieten, und daß die weltzerstörende Nachkriegspolitik andauern muß. Wenn irgendeine Nation die Konferenz zum Scheitern bringen sollte, so werde sie vielleicht zeitweiligen Nutzen daraus ziehen, aber zugleich für unbestimmte Zeit die Hilfe für die Notleidenden in jedem Lande verzögern. Diese Nation würde Hinrichtung durch die Menschheit verdienen. Der wirtschaftliche Nationalismus der Nachkriegszeit, fuhr Hüll fort, behindere das internationale Kapital und den Handel. Die Drosselung des internationalen Handels von 50 Milliarden Dollars auf 15 Milliarden Dollars enthülle die tragischste Phase der kurzsichtigen und rücksichtslosen Politik, die nach dem Kriege angenommen wurde. Die Zeit sei für die Regierungen gekommen, aufzuhören, dem Handel Schranken zu errichten, die nur wieder Vergeltungsmaßnahmen zur Folge haben. Hüll erklärte weiter, daß brauchbare Märkte nur erzielt werden könnten durch die Befreiung des Welthandels im Wege gemeinsamer Aktionen aller Regierungen, durch die Stabilisierung der Devisen und der Währungen und durch die Herabsetzung der Handelsschranken auf ein angemessenes Maß. Hüll drana auf eine Politik allmählicher, sorgfältiger Anpassung übertriebener Tarife. Eine solche Politik werde gesündere und gedeihlichere Bedingungen sichern und gleich weit vom extremen Nationalismus entfernt fein. Der erste Schritt müßte ein sofortiger allgemeiner Tarifwaffen st ill st and sein. Geeignete Maßnahmen müßten ferner auf dem Gebiete des Geldwesens getroffen werden, um eine größtmögliche Stabilität zu erreichen. Die amerikanische Delegation sei bereit, einen konkreten Vorschlag für alle diese Fragen zu machen. Oer russische Außenminister Litwinow erklärte, die Ziffer über die Einfuhrmöglichkeiten Sowjetrußlands feien bekannt, und forderte die Delegierten auf, auch d i e Einfuhrmöglichkeiten/hier Länder bekannt zu geben. Die Sowjetunion ethebe keinen Einwand gegen den Vorschlag eines wirtschaftlichen Waffenstillstandes. Ein solcher Waffenstillstand, fügte er unter deutlicher Anspielung auf .den britischen Boykott russischer Waren hinzu, wäre jedoch nur wirksam, wenn die Staaten davon abliehen, bestehende Maßnahmen des Wirtschaftskrieges auch weiterhin anzuwenden. Er schlage deshalb vor, gleichzeitig mit dem Waffenstillstand eine sofortige Suspendierung de» Mahnahm en des Wirtschaftskrieges eintreten zu lassen, und werde die Annahme einer dahingehenden Entschließung beantragen. Der tschechoslowakische Außenminister B e n e s ch trat namens der Kleinen Entente für eine schnelle Wiederher st ellung des Goldstandards ein und sagte, die Kleine Entente sei bereit, mit den anderen Staaten Verhandlungen anzuknüpfen, die die Abschaffung der Devisenbeschränkungen zum Ziele haben sollten. Der ungarische Finanzminister I m r e d i erklärte, die Lage Ungarns sei daraus zurückzu- sühren, daß der Friedensvertrag dem Staat lebendige Glieder entrissen habe. Imredi schloß sich der Forderung Beneschs nach Abschaffung der Devisenbeschränkungen an. Kunst und Wissenschaft. Das 9. Deutsche Regerfest in Kassel. In Kassel findet vom 23. bis 25. Juni unter der Schirmherrschaft des preußischen Ministerpräsidenten Göring das 9. Deutsche Regerfest der Deutschen Max »Reger -Gesell» schäft statt. Unter der Gesamtleitung des ersten Staatskapellmeisters Dr. h. c. Robert Laugs sind zwei große Chor- und Orchesterkonzerte im Festsaal der Stadthalle, ein Kirchenkonzert in der Martinskirche, eine Zwischenmusik auf Schloß Wilhelmstal und eine Kammermusik im Staatstheater vorgesehen. Unter den Mitwirkenden befinden sich der Organist der Leipziger Thomas- kirche Professor Günther Ramin, ferner Professor Gustav Havemann (Violine), das Stuttgarter Wendling- Quartett, die Münchener Altistin Johanna Egli und eine Reihe von Kasseler Künstlern. Max Reinhardt Ehrendoktor von Oxford. Die Universität Oxford verlieh Max Reinhardt, der dort den „Sommernachtstraum" als Freilichtaufführung inszenierte, die Würde eines Doktors Honoris Causa o f Civil La w, die höchste Auszeichnung, die Oxford zu vergeben hat. An der Feier nahm das ganze Professoren- Kollegium teil. Zu Ehren Reinhardts gab der Vizekanzler der Universität anschließend ein Essen. Reinhardt besitzt seit mehreren Jahren bereits den Dr. e. h. der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und der Christian-Albrecht-Universität in Kiel. Professor Erich Leschke f. In noch nicht vollendetem 46. Lebensjahr ist der Berliner Internist Professor Erich Leschke an den Folgen einer Operation gestorben. Aach anfänglichem Studium der Philosophie hatte er sich der Medizin zugewandt. Er begann als Assistent am Physiologischen Institut ter Universität Bonn. Unter Pflüger kam er dann an das Cppendorfer Krankenhaus in Hamburg, zuerst zu Much, dann zu Fränkel ans Pathologische Institut. Aach kurzer chirurgischer Tätigkeit in Bonn wurde er 1912 Assistent von Kraus an der zweiten inneren Klinik der Berliner Charite, wo er bis 1927 blieb. Cr wurde von hier aus Privatdozent und außerordentlicher Professor. Seine wissenschaftlichen Arbeiten betreffen hauptsächlich die Störungen des Kreislaufs, ter Atmung, des Stoffwechsels und der inneren Sekretion. Aoch vor einigen Monaten erschien sein Buch: „Die wichtigsten Vergiftungen, Fortschritte in deren Erkennung und Behandlung". Vielfach hat Leschke sich auch zu literarischen und philosophischen Problemen geäußert. Erfolg der deutschen IBagner-Jeftfpirie in Paris. Die deutschen Wagner-Festspiele wurden an der Großen Oper nach „Tristan und Isolde" mit der Ausführung von Wagners „Walküre" unter Leitung von Dr. Wilhelm Furtwängler fortgesetzt. Auch diese Vorstellung brachte den deutschen Künstlern einen großen undnachhaltigen Erfolg. Nach dem ersten Akt brach ein Beifallssturm los, wie man ihn hier selten feststellen konnte. Es ist damit zu rechnen, daß der große Erfolg der deutschen Wagner-Festspiele die Große Oper veranlaßt, bereits jetzt Verhandlungen über deutsche Aufführungen unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler für das nächste Jahr einzuleiten. Oie Dame, die den Apfel aß. Elne Wiener Geschichte von Julius Kreis. War das eigentlich eine feine Dame? So, wie in ten vornehmen Modeblättern etwa die Fürstin Rippenstein oder die Frau Generalkonsul von Kipfelbach in ter Trambahn fahren würden, wenn sie Trambahn führen, in einem Straßenkostüm von schmetternder Schlichtheit, von ganz einfacher Kostspieligkeit. Feine Damen können auch ganz altmodisch erscheinen, mit Mantillen, Zwirnhandschuhen, Zeugstiefletten, ein bißchen „z'samm'- zupft", wie ter Volksmund sagt, aus Beharrung, aus exklusiv-konservativem Geist. — Einen ganz sicheren Anhaltspunkt über Art und Herkunft gibt die Aufmachung nicht. Cdeldamen, deren Ahnen schon mit Bodo, dem Eroberer, ins Land ritten, sind manchmal wie Seiltänzerinnen aus einem Wanderzirkus gekleidet, leichtfertige Bajaderen sitzen dir vielleicht wie Sterntreuz-Ordensstifts- damen gegenüber. Die Frage, ob Kleider ßeute machen, ist offen. älnsere Dame nun war eine Mischung aus Qualität und Dazar. Der Mantel, nobel von Pelz und Schnitt, dafür trugen die Schuhe am hellichten Aachmittag talergrohe Agraffen aus Glasbrillanten, ein sehr schönes, altgoltenes Halskettchen von einer giftfarbenen Ansteckblume benachbart, das Hütchen wieder von rassiger Einfachheit und Qualität, aber die Handschuhe hatten ein extravagantes Farbmuster, außen blau, innen orangefarben. Das Haar quoll verdächtig weizen- blond und filmisch, das Gesicht war, wenn man Männerurteil trauen darf, unbestritten hübsch, ja sogar apart: wenn man die Frauen hörte: Hübsch? Aa ja! Aber doch recht gewöhnlich. Es konnte vielleicht die Frau Generalkonsul von Kip» selbach sein, nicht ganz geschmackssicher, es konnte aber auch das Blumenmädchen Fisi Aazelmaier dahinterstecken. Denn so genau, wie ter Typ in ten Journalen abgcbiltet ist, präsentiert sich das Individuum sehr selten. Als die Dame den Wagen betrat, ging ein Aufrauschen durch die Passagiere. Die Herren beendeten ungewöhnlich schnell ihre Zeitungslektüre und manche prüften, reflektorisch, ob ihr Schlips gut saß, die Frauen im Wagen sandten der Aeuangekommenen Blicke zu, die wie Bolzen mit scharfen Widerhaken an ihr hängen Mieten. Der Schaffner, sozusagen amtliches Aeutrum im Raum, schnupperte ganz diskret das Parfüm ein und hatte, als er den Fahrschein abgab, vor Wahrung des Dienstgesichts eine scharfe Falte zwischen den Brauen. Die Dame sah sich nach Empfang des Fahrscheins unbefangen und munter im Wagen um, wie es vielleicht in ter Unbeherrschtheit einer Fifi Aazelmaier liegt, oder aber auch in dev souveränen Sicherheit ter Frau Generalkonsul begrüntet sein kann. Ater es kam noch problematischer. Die Dame also entnahm einer Einkaufstüte von vornehmer Bauart und bestem Firmenausdruck einen schönen Apfel, besah ihn mit zärtlichem Wohlgefallen und biß unbekümmert mit schönen, blanken Zähnen hinein Es schmeckte ihr sehr gut und sie war auch so ganz in ihre Apfelmahlzeit vertieft, daß sie keinen Blick mehr für ihre Umgebung hatte. Sie hielt den Apfel mit Charm und Grazie in der Hand und drehte ihn voll sachlicher Teilnahme ten Zähnen zu. Alle Fahrgäste sahen erst diesem Apfelessen gespannt und gebannt zu. Dann lächelten einige Damen im Wagen mokant, während die Herren neugierig-anerkennend den Schmaus verfolgten. Was überlegten nun die Psychologen? Fräulein Fisi Aazelmaier — wenn Sie 's ist und heute als große Dame ausfährt — wird nie, niemals ihre Vornehmheit durch öffentliches Apfel- essen in Frage stellen. Das kann sich nur — eventuell — Frau Generalkonsul von Kipfelbach leisten, die so absolut und unerschütterlich große Dame ist, bafr sie die kleinen Gesetze der Konvention übersehen darf. Ja, mehr noch: daß sie vielleicht in ter Lage ist, von sich aus das Gesetz über Schicklich und Unschicklich zu diktieren, daß morgen schon die vornehme Welt in ter Trambahn Aepfel essen muß! Ober aber: Fräulein Fifi beweist durch ihr Apfelessen ein solches Maß innerer Freiheit, daß sie dadurch von selbst zur großen Dame wird. Oder aber: Frau Generalkonsul von Kipfelbach ist gar nicht so souverän, sondern hat aus irgend einem Grund ganz plötzlich Heißhunger nach den schönen Aepfeln in der Tüte und würde sich zu Tote schämen, wenn jemand aus ihrem Kreis... Oder ater: Fifi Aazelmaier denkt sich weiter gar nichts dabei, als sie den schönen Apfel verspeist — nur das eine: Jetzt könnt' ich eigentlich 'mal einen Apfel essen (Ein Zug, ter nicht gegen sie spricht.) 3m Wagen denken viele Fahrgäste: Warum ißt diese Dame (dieses Fräulein, dieses Mädchen dieses Frauenzimmer, dieses Flitscherl) so ungeniert einen Apfel? Die Frauen verurteilen sie ohne lange Psychologische Flausen zur Degradation ins Gewöhnliche, ins Ordinäre. Aur die Herren denken noch mit unvermindertem Wohlgefallen über sie nach. ®ie Dame hat ten Apfelschmaus beendet und teeht ten Apfelrest spielerisch wie ein Kind am Stiel noch ein paarmal herum. Was wird sie tun? Sie wischt sich die Mundwinkel mit einem Hauch von seidenem Tüchlein, wickelt mit schnellen spitzen Fingern den Apfelrest darein und versenkt das kleine Paketchen in ihre Handtasche. Die bange Frage: Fifi Aazelmaier oder Generalkonsulin von Kipfelbach ist weiter ungelöst. 3st Fifi so ein schlampiges Mädchen oder kommt es Frau von Kipfelbach gar nicht darauf an, für gehabten Genuß ein Seitentuch zu opfern? Als sie den Wagen verläßt, reicht sie mit dem liebenswürdigsten Lächeln dem Schaffner aus der Tüte heraus einen Apfel. Da salutiert ter Dienstpflichtige höflich am Mützenschild und sagt: Besten Dank, gnä' Frau! Eine Fahrgastin mit einem Korb auf dem Schoß murmelt ter Aussteigenden nach: Gnä' Frau! Gnä' Frau! Des waar te rechte Gnädige! Aepfel fressen auf ter Trambahn! Wenn des zur Buidung g'hort! — Vielleicht gehört dieses Apfelessen nicht zur Bildung. Vielleicht sind sonst gute und tolerante Menschen etwas schokiert darüber, weil die Trambahn kein Speisewagen ist. Sind wir nicht kleinlich! Ein schöner Apfel ist etwas Appetitliches und Erfreuliches, und eine schöne Frau nicht minder. Warum soll beides zusammen den Anstand gefährden? Seien wir dankbar! Die Schöne hat den schönen Apfel so reizend und appetitlich verspeist, sie hat in das Grau der Trambahnfahrt so etwas wie eine kleine Zirkussensation gebracht. Ein Mensch hat sich einmal nicht „scheniert". Wir salutieren vor Fifi von Kipselnazelmaierbach. Wie ter Schaffner: Besten Dank, gnä’ Frau! Aber die Frage, die Frage bleibt noch drei Haltestellen weit offen: War es eigentlich eine feine «Same?--Und darüber kommt niemand weg, leit Eva im Paradies vor aller Oeffentlich- keit ten Apfel verweist hat. Wie die Zoo-Bewohner reisen. Manche Insassen der zoologischen Gärten werden an Ort und Stelle geboren, aber die weitaus größere Anzahl muß aus ihrer fernen Heimat hergebracht werden, und ein solcher Transport verlangt große Sorgfalt und Vorbereitung. Eine wilde Be. ftie für eine weite Ozeanreife zu „verpacken", ist kein leichtes Stück. Die Korbe und Kisten oder Käfige müssen stark genug sein, um jeden Versuch der Flucht auszuschalten: sie müssen Türen und Öffnungen enthalten, damit die Insassen gefüttert und gesäubert werden können: auch für Luftzufuhr muß gesorgt sein. Jedes -Lier hat feine besondere Art des Trans» Ports. Alligatoren z. B. reifen in sargähnlichen Äi- sten, Schlangen in Zinnkästen mit Glasdeckeln Da die Zwerg-Fluh-Pferde stets ein Bad brauchen so 1 wurde eins dieser Tiere kürzlich in einem eisernen Tank verfrachtet. Für die Fleisch-Freffer muß die nötige Aahrung in Gestalt von lebenden Tieren an Bord mitgesührt werden. Den Pflanzenfressern aber kann man leider nicht immer ganz frisches Gemüse reichen, und es gibt Tiere, die sterben, weil sie jede konservierte Aahrung ablehnen. Doch selbst bei allen Vorsichtsmaßregeln kommt es zu merkwürdigen Zwischenfällen: von solchen plaudert ein Oberwärter des Londoner Zoo in einer englischen Zeitschrift: „Zch brachte einmal eine Fracht von wilden Tieren aus Abeffinien, als ein junger Löwe krank wurde. Ich nahm ihn in meine Kabine und legte ihn in das Bett über meinem. Ich hatte ganz vergeßen, daß dieses Lager von einem anderen Passagier, einem dem Whisky sehr zugetanen Schotten, benutzt wurde. Als dieser schwer geladen hereinkam, stieß er einen gellenden Schrei aus und floh. Am nächsten Morgen erzählte et, er habe während ter Aacht „Tiere" geleben, und da er das Herannahen des Säuferwahnsinns fürchtete, trank er während der Reste keinen Tropfen mehr. Aiemals werde ich eine Fahrt vergessen, bei der ich einen Büffel-Bullen und feine Kuh mitbrachte. Obwohl die Tiere in getrennten fetten Käfigen untergebracht waten, brach der Dulle aus, und als ich hastig auf Deck eilte, sah ich das wütende Tier alles um sich her zerstören, während die Matrosen ihn vergeblich mit dem Lasso zu fangen suchten. Manche der mitfahrenden Araber waren aus Angst ins Meer gesprungen, andere hingen zitternd an Seilen, die sie heruntergelassen hatten. Die Aufregung war bald beseitigt und das Tier wieder gefangen. Auf einer anderen Reise biß sich ein peruanischer Bär durch die festen Stäbe seines Käfigs durch und kletterte auf die Kommando-Brük- le, von der aus er sich neugierig die Umtr-elt betrachtete. Der Kapitän zog schon den Revolver, aber ich hielt ihn wegen des Wertes des Tieres zurück. Da kam uns das Meer zu Hilfe, das durch eine plötzliche Erschütterung des Schiffes den Bären von seinem Platze und über Bord schleuderte- Leider konn- ten wir den Ausreißer nicht mehr retten und mußten ohne ihn weiterfahren. Ein paar afrikanische Wildkatzen, die in einer Kabine erster Klasse sich einni- steten, nachdem sie ausgebrochen waren, wurden durch die Seekrankheit, die sie zu spüren bekamen, so zahm, daß sie sich geduldig wieder einfangen ließen. Das Landen der Tiere bringt ebenfalls manch unange» nehmes Abenteuer So wollten einmal zwei riesige Strauße durchaus nicht das Schiff verlassen, bis wir schließlich auf einen guten Einfall kamen- wir ließen ein Paar Damenstrümpfe holen und zogen je. dem der Tiere einen über den Kopf, worauf sie ganz friedlich wurden. Heute bedient man sich mit vielem Erfolg bei manchen Tiertransporten ter Flugzeuge". Aus -er Provinzialhaupista-t. Iruhesiandsverfetzungheffischer^ichter. Der Herr Reichsstatthalter in Hessen hat auf Vorschlag der hessischen Regieruna auf Grund des § 3 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 am 1. Juni folgende Ruhestandsversetzungen verfügt: Landgerichtsrat bei dem Landgericht Mainz Karl Mayer. Landgerichtsrat beim Landgericht Mainz Dr. L e o y, Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Offenbach Walter Jakob Ascher. Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Alzey Dr. Fritz Marx, Staatsanwalt in Mainz David Julius Lev«, Notar in Wörrstadt Dr. Ludwig Baum. Notar in Offenbach Dr. Siegfried Guggenheim. Notar in Offenbach Dr. Bern. Hard Katz und Notar in Gießen Justizrat Dr. Ernst Rosenberg, sämtlich mit Wirkung vom 16. Juni 1933 ab. Zum Schuh der Waldungen. Der hessische Minister für Kultus und Bildungs- wefen richtet an die hessische Lehrerschaft eine Mahnung. in der es heißt: Zu Beginn der Wanderzeit gilt es, den auf Schutz des Waldes gegen Verunzierung und Beschädigung gerichteten Bestrebungen wie in der Vergangenheit so auch in diesem Jahre die eifrigste Unterstützung zuteil werden zu lassen. Mit dem Anwachsen des Wanderverkehrs im Walde gewinnt die Ausgabe, über die Schule auf die Heranwachsende Jugend erzieherisch einzuwirken, in zunehmendem Maße an Bedeutung. Ich empfehle da- her, keine Gelegenheit beim Unterricht oder bei Spaziergängen vorubergehen zu lassen, ohne der Jugend den Schutz der einheimischen Tiere und Pslanzen- welt und Vermeidung von unnötiger Verunzierung der Natur ans Herz zu legen. Volks-, Berufs- und Betriebszählung! Hilf das Zählgeschäft erleichtern, indem du die Zählpapiere in allen Teilen richtig und vollständig aussüllst und mit Unterfchrist versiehst. Bon Freitag, 16. Juni, mittags, wer- den die Zählpapiere wieder abgeholt werden. Wer keine Zählpapiere erhalten hat, wolle sich im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 13, melden. Verbot der Festsetzung von Mindest« preisen durch Verbände. Der Reichskommissar für Preisüberwachung und der Leiter des Wirtschaftspolitischen Amtes der NSDAP., Reichskommissar Dr. Wagener, geben bekannt: Es ist uns mitgeteilt worden, daß Verbände und Vereinigungen des Lebensmittelshandels unter dem Motto, „nationale Aufbauarbeit zu leisten", Mindestpreise, M i n de st Handelsspannen und Minde st Zuschläge im Lebens- mittelhandel verabredet oder festgesetzt haben. Eine solche Verquickung des hohen Gedankens der nationalen Erhebung mit egoistischen Interessen widerspricht den Worten des Herrn Reichskanzlers „Gemeinnutz geht vor Eigennutz". Der Gedanke des Gemeinnutzes beschränkt sich nicht auf die Wirtschaftsverbundenheit einzelner Inter- essenvertretungen, er umfaßt vielmehr den gesamten unteilbaren Lebensbereich der Nation. Sicherlich ist heute auch die Lage des Lebensmittelhandels vielfach schwer und gefährdet. Die Lage vieler Volksgenossen zwingt aber zur äußer st en Selbstbeschei- d u n g in der Sicherung der eigenen Existenz. Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat am 13. Juni eine Verordnung erlassen, die die Wirksamkeit von Verabredungen oder Festsetzungen von Mindestpreisen, Mindesthandelsspannen oder Mm- destzuschlägen jeder Art auf dem Ernährungsgeb'et künftig von der Genehmigung der Preis- Überwachungsbehörden abhängig macht. Taten für Donnerstag, 15.Jnni. 1520: Luther von Leo X. in den Bann getan; — 1606: der Maler Rembrandt in Leyden geboren; — 1888: Kaiser Friedrich HL in Potsdam gestorben; Thronbesteigung Kaiser Wilhelms II.; — 1905: ber Afrikaforscher Hermann von Wißmann in Weißen- bad) gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Oberhess. Kunstoerein, Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Neues Schloß, 10 bis 13, 15 bis 18 Uhr, Werbe-Ausstellung hessischer und rheinischer Kunsttöpfereien. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die blonde Christi" mit Kann Hardt. • LU. Universitäts-Gottesdienst. Don der Pressestelle der Universität wird mitgeteilt: Arn Sonntag, 18. Juni, 11.15 Uhr, findet in der Neuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt. Die Predigt hält Herr Profesior v. Haenchen. ** Schulpersonalien. Der Rektor serdi- nanb B a ch zu Großen-Linden und der Lehrer Paul Stieler zu Seibelsdorf im Kreis Alsfeld wurden mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Der Rektor der Volksschule zu Büdingen Wilhelm Pebler wurde auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Juli ab in den Ruhestand versetzt. ** Straßensperre. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Kanalbauarbeiten wird der A u l w e g vom 14. Juni bis auf weiteres zwischen der Wil- helmstrahe und dem Leihgesterner Weg für den Verkehr mit Fahrzeugen aller Art polizeilich gesperrt. Die aufgestellten Sperrschilder sind zu beachten. *• Motorradunfall. Heute morgen gegen 6 Uhr verunglückte der 39jährige Gießereiarbeiter Heinrich Krauskovf von Crumbach mit seinem Motorrad auf der Fahrt zur Arbeitsstätte und stürzte so unglücklich, daß er den linken Unterarm brach. Auf Veranlassung des Arztes in Rodhelm wurde er in die,-Chirurgische Klinik gebracht •• Die Gleichschaltung im VfB. Der Verein für Bewegungsspiele 08 halte dieser Tage entsprechend den Anordnungen vorn WSV. in seinem Vereinsheim auf dem Waldsportplatz Führerwahl abgehalten, die sich sehr weihevoll gestaltete und ein Bekenntnis zu Deutschlands Erneuerung brachte. In dem mit den Farben schwarzweißrot und den Fahnen der nationalen Erwebung geschmückten Dereinsheim hatte sich eine große Anzahl der Mitglieder unter den mit frischem Eichengrün umrahmten Bildern Hindenburgs und Adolf Hillers eingefunden. Nachdem der seitherige Vorsitzende, Herr Overbeck, einen Rückblick über die Dereioslätigkeit der letzten Zeit gegeben hatte und den Mitgliedern für ihre Mitarbeit gedankt batte, legten er und der seitherige Vorstand die Aemter nieder. Als Versammlungsleiter wurde Mitglied Happ bestimmt, der dem anwesenden Vertreter des Gaues Gießen-Wetzlar, Pg. Hen ° f e l (Gießen) das Wort erteilte. Dieser gab das neue Programm des deutschen Sportes bekannt und betonte besonders, daß gerade jetzt der Sport dazu berufen fei, alle Sportler und die Mitglieder zu staatsbejahenden nationalen Deutschen zu machen. Nach ihm sprach der Dezirksvorsitzende Happ über die Geschehnisse in der Politik und die Auswirkung derselben auf den deutschen, insbesondere auf den Fußballsport. Auf einmütigen Vorschlag wurde alsdann Carl Overbeck einstimmig zum Dcreinsführer gewählt. C- Overbeck dankte und gab das Versprechen ab, so, wie er sich die vergangenen 35 Jahre aktiv sich dem Sportleben gewidmet habe, so wolle er es auch weiterhin tun; nicht nur allein zum Wohle des VfB. und seiner Jugend, sondern auch zum Wohle des gesamten Vaterlandes. Die Verpflichtung durch den Vorsitzenden des Bezirks Hessen-Hannover schloß mit dem Deutschlandlied. Don der Ernennung der engeren Mitarbeiter und Fachwarte wurde wegen der beabsichtigten Vereinfachung der Dereinsoerwal- tung an diesem Abend abgesehen. Die eindrucksvolle Sitzung wurde mit einem „Sieg-Heil!" auf Hinden- benburg und den Dolkskanzler Adolf Hitler und unter Abfingen des Horst-Weffel-Liedes gefchlosien. Heue kommissarische Bürgermeister. *23621. Darmstadt. 13. 3unL Die Staats- Pressestelle teilt mit: 3n nachgcnannten Gemeinden wurden an Stelle von zurückgetretenen Bürgermeistern und Beigeordneten kommissarisch bestellt: Brauerschwend: für den Beigeordneten Konrad Heinrich Decker II. Willy Stroh; Dieder-Ohmen: für den Beigeordneten Heinr. Sommerkorn II. der Ortsgruppenleiter Erb, Flensungen: für den Beigeordneten Wilh. Eckhard der Landwirt Heinr. Dräuning: Fischbach: für den Beigeordneten Georg Hermann der Schmiedemeister August Echneucker; Hergersdorf: für den Beigeordneten Emil Grünewald der Landwirt Friedrich 2rausch; W i s s e l s h e i m : für den Bürgermeister Heinrich Berg der Verwalter Fritz Thiele; W ö r r st a d t: für Bürgermeister Schmahl der Landwirt Eduard Bliche! II.; Auerbach: an Stelle des zurückgetretenen Bürgermeisters Dlickensdörser wurde der Landtagsabgeordnete Georg Brückmann in Auerbach a. d. B. zum kommissarischen Bürgermeister bestellt; Grebenau: der frühere Beigeordnete Hermann Junker, welcher sein Amt seinerzeit niedergelegt hatte, wurde zum Beigeordneten wiederbestellt; Hackenheim: da der seitherige Beigeordnete Franz Kaiser »um Bürgermeister bestellt wurde, wurde Friedrich Wilhelm Singer als kommissarischer Beigeordneter bestellt; Otterbach: als kommissarischer Beigeordneter für die Gemeinde Otterbach wurde der Landwirt und Zimmermann Julius Kutt bestellt, da der seitherige Beigeordnete Johannes Jost zum kommissarischen Bürgermeister verpflichtet wurde. Angenrod: als kommisfarischer Beigeordneter für die Gemeinde Angenrod wurde Karl Köhler bestellt, da der seitherige Beigeordnete Karl Hoffmann zum kommissarischen Bürgermeister verpflichtet wurde. Die Amtszeit der nachgenannten Bürgermeister und Beigeordneten wurde für beendet erklärt und an ihre Stelle die nachgenannten Kommissare ein» gesetzt: Strebendorf: Beigeordneter Heinrich Dickel durch Förster Peter Richtberg; Arnshain: Beigeordneter August Opperts- häuser durch Heinrich Fröhlich; Burg-Gemünden: Bürgermeister Werner durch Landwirt Heinrich Bermann; Wendelsheim: Beigeordneter Wilhelm burd) Kaufmann Friedrich Reinhardt; Welgesheim: Bürgermeister Philipp Schnor- renberger durch Landwirt August Heinrich Bretz; Dintesheim: Beigeordneter Müller durch Landwirt Rudolf Hahn; Breitenbach: Beigeordneter Johann Friedrich Reeg durch Heinrich Dosch; Kirch-Brombach: Bürgermeister Karl Mei- finger durch Adam Klinger; Alten-Buseck: Bürgermeister Becker durch Wilhelm Kahl 2; Crainfeld: Beigeordneter Rehberger durch Johannes Meinhardt 4; Hartershausen: Beigeordneter Georg Happel 3 durch Heinrich Kreuzer 1. Kreis Alsfeld. ss. Grebenau, 13. 3unL Die vor einigen Jahren hier errichtete Filiale der 'Mechanischen Kleiderfabrik Georg Dietrich Bücking (Alsfeld), die ständig etwa 25 bis 30 Mann beschäftigte, wird nunmehr ihren Betrieb vergrößern und etwa 100 2Hann beschäftigen. Di« Firma, die ursprünglich hier eine Fabrik errichten wollte, aber fein geeignetes Baugeläirde für diesen Zweck »ur Verfügung gestellt bekam, hat nunmehr diesen Plan fallen lassen und den Saal der Gastwirtschaft Krug auf lange Jahre gemietet. Zur Zeit wird der Saal umgebaut und bedeutend vergrößert. Die Erweiterung dieser Filiale wird in unserer industriearmen Gegend sehr begrüßt. Kreis Wetzlar. < Wißmar, 13. Juni. Im festlich ge- schmückten Wolfschen Saale, der bis auf den letzten Platz beseht war, fand am Sonntagabend die allen Anwesenden in steter Erinnerung bleibende Schlageter-Gedenkfeier statt. Zur Eröffnung der Feier trug der Mandolinenklub Wißmar einen schneidigen Marsch vor. Pg. Lehrer Schnorr- Wißmar legte in markanten Worten die dem deutschen Volke durch den Versailler Vertrag auferlegten Lasten klar und würdigte dabei das Leben und Sterben 2llbert Leo Schlage- ters. Der vom Gesangverein „Germania" vorgetragene Ehor: „Wo ist's am schönsten?" fand reichen DeifalL Den Höhepunkt der Feier erreichte das schön und eindrucksvoll von der Kros- dorser 62L vargestellte Schlageterspiel „Aus Deutschlands schwerer Zeit". Stürmischer Beifall belohnte die großartige Aufführung. Anschließend spielte der Mandolinenklub die Märsche: „2n Treue fest" und „Deutschmeister". Pg. Michel-Gie- ß e n verstand es als Redner meisterhaft, die Anwesenden durch seine Ausführungen im Banne zu halten. Mit einem Hoch auf unser Vaterland, unseren Volkskanzler Adolf Hitler und dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes fand die denkwürdige Feier, nachdem Pg. Zellenwart Best allen Mitwirkenden aus vollem Herzen den Dank der Wißmarer Parteigenossen ausgesprochen hatte, ihr Ende. Eine interessanie Statistik des Kreises Biedenkopf. Biedenkopf, 13. Juni. (WSN.) Zum Schluß des abgelaufenen Rechnungsjahres 1932 33 verzeichneten die Hinterlandgemeinden Hülshof, Katzenbach, Rachelshaufen und Wolfgruben keinen einzigen Erwerbslosen. Anbere Ge- meinben bagegen, wie Breidenbach, Bottenhorn, Enbbach, Friebensborf, Gladenbach, Günterod. Hartenrod, Holzhausen, Niedereisenhausen, Steinperf, Wallau u. a. waren sehr st a r k b e l a ft e t, zum Teil mit 50 bis zu 81 Wohlfahrtserwerbslosen. Buntes Allerlei. Nächtliche Begegnung mit Schlangen. 3m Traume widerfährt eS unS gar nicht selten, daß wir uns irgendeinem Ungeheuer gegenüber sehen, das uns bedroht und dein wir uns macht- los ausgeliefert glauben. Schlimmer ist es aber, wenn sich solche «ächtiiche Begegnung nicht im Rei- che des Traumes, sondern in der Wirklichkeit ab- spielen, wie es jüngst eine Anzahl friedlicher Bewohner von St. Louis, die sich niemals als Schlangenbeschwörer betätigt hatten, erleben muhten. Hier war eine wahre Schlangenepidemie ausgebrochen, die an dem Tage ihren Ursprung genommen hatte, da bei Frau H. B. Hilton ein Ehepaar Aldrich als -Untermieter eingezogen war, bad als seinen Beruf Löwenbändiger und Schlangenbeschwörerin angegeben hatte. Als mühte sie die Wahrheit dieser Behauptung beweisen, zeigte die Mieterin der entsetzten Wirtin zwei Riesenschlangen, die sie in einer Kiste hielt. Rur ihre Versicherung, das Gefängnis immer gut verschlossen zu halten, konnte Frau Hilton veranlaßen, diese unliebsamen Hausgenossen in ihrem Heim zu dulden. Wenige Wochen später kündigte das Ehepaar Aldrich, doch muhte es vorher seiner Wirtin gestehen, daß die Schlangen aus der Da- bemanne, in der sie sich zum Baden und Trinken aufgehalten hatten, verfchwunden und unaufsindbar waren. Aber die beiden trösteten die Entsetzte mit der Versicherung, bah die Tiere augenblicklich ihren Winterschlaf hielten und daher ungefährlich seien. Wenn sic hungrig wären, würden sie schon von selbst wieder auftauchen und bann würde Mrs. Aldrich sich ihre Lieblinge holen. Die Schlangen liehen sich nicht blicken, solange der ZirkuS. dem das Ehepaar angehörte, noch in ber Stabt weilte. Erst nachdem sie schweren Herzens ohne ihre Schlangen abgereist waren, ba begannen bie Tiere ihr Unwesen in ber Rachbarschast zu treiben unb hier panischen Schrei- len zu verbreiten. Als eines Rachts ber nicht weit von Frau Hilwn wohnenbe Henry Johnson in seine im Erdgeschoß gelegene Küche hinunterging, um sich einen Trunk Wasser zu holen, stieh er im Finstern mit bem nackten Fuß an ein im Wege liegendes Etwas, bas er im Halbschlaf für bie Katze hielt unb beiseite schieben wollte. Aber er würbe von panischem Schrecken gepackt, als sich bie vermeintliche Katze aufrichtete, sich um sein Bein zu win- ben begann, unb er in bem Zwielicht bie funkeln- ben Augen einer 4 Meter langen Riesenschlange erkannte. Es gelang ihm mit Mühe, sich von bem Tiere zu befreien unb das Rachtgespenst, bas nichts anderes als bie eine der beiden programmwidrig ihren Winterschlaf unterbrechenden Schlangen war, mit einem Baseball »Schläger zu töten. Doch auch die zweite, sich noch ihrer Freiheit erfreuende Schlange wurde die Urheberin einer ähnlichen unerwünschten nächtlichen Begegnung. Als der Pförtner deS Hauses, in bem bie Tiere ausgerissen waren, spät am Abend noch einmal bas Kellergeschoß des Hauses aufsuchte, weil er nach einem Hühnchen, bas hier ber Wirt zu einem Sonntagsbraten mästete, sehen wollte, erblickte er es gerade noch, wie es im Rachen einer 3 Meter langen Riesenschlange verschwand. Doch dieser Festbraten wurde dem Ziere zum Verhängnis Der von der nächtlichen Schlangenbegegnung in Kenntnis gesetzte Direktor deS Zoologischen Gartens, George Vierheller, der mit den Lcbensgewohnheiten dieser Reptilien wohl vertraut war, rechnete richtig damit, bah das Tier nun infolge des reichen Mahles träge und leicht zu fangen fein werde. 3n bet Tat wurde es in dem Keller zusammengerollt unb schlafend ausgefunden. Mit einem gabelförmig gebogenen Stab wurde es am Kopf gefaßt und in den Zoo gebracht, wo eS nun hinter Schloß unb Riegel sitzt. Die geängstigten Bewohner eines ganzen großen Häuserblocks, die durch vier QEonate in ständiger Furcht gewesen und deren Rechnungen für elektrisches Licht aus Angst vor nächtlichen Zusammenstößen mit Schlangen im Dunkeln ins Riesige angewachsen waren, atmen nun erleichtert auf. Sie besuchen immer wieder das Schlan- genhaus des Zoologischen Gartens, um sich zu überzeugen, bah „ihre" Schlange sich bart wohl verwahrt befinbet. Ein mißlungener Schatzgräbertrick. Eine kleine Komödie wirb aus ber ilmgegeno von Prag berichtet. Ein Bauer namens Havltcek war auf den Gedanken gekommen, auS den Viesen Gerüchten von vergrabenen Schätzen, die in den Dörfern umlaufen, für sich Kapital zu schlagen. Es gelang ihm auch, einen reichen Rachbar davon zu überzeugen, daß et in einem alten Buch Angaben über den Ort eines vergrabenen Schatzes gefunden habe. Et erhielt dadurch Mittel zum Heben dieser Reichtümer unb benutzte zu gleichet Zeit bie Gelegenheit, um sich heimlich mit bet Tochter bes reichen Mannes zu verloben. Die Vorbereitungen zogen sich aber solange hin, bah ber Geldgeber die Geduld verlor unb bem anbeten brohte, ihn bei ber Polizei anzuzeigen, wenn nicht ber Schah am nächsten Tage gefunden werbe. In seiner Verzweiflung zog Havlicek seine Braut ins Vertrauen unb diese versprach, ihm zu helfen. Sie nahm einen Dukaten aus bem Hochzeitsschmuck, ben ihr bie Mutter vererbt hatte, legte ihn in ein Tongefäh, bas vergraben wurde, unb bann würbe bie,er Schatz am nächsten Tage „entdeckt." Zuerst wat der Vater entzückt, aber als er erkannte, bah bas Gesäh von ihm selbst gekauft worben wat und das gefundene Goldstück bem fehlenden Dukaten in der Keife feiner Tochter auls Haar glich, geriet er in wilde Wut und zeigte ben jungen Mann an, ber zu brei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Rach 23er- bühung ber Strafe soll er aber als Arbeitet von bem reichen Mann angenommen werden, und vielleicht bekommt er doch noch bie Tochter zur Frau. Welche Miemng bringt uns dieser Sommer? Eine klimatologische Plauderei von Dr. Rudolf Wegner. Wenn jemand wüßte, welche Witterung uns ber Sommer bescheren wird, so wäre er ein gemachter Mann. Sicher könnten bann mancher Kurort, manche Pension und Hotelwirte ihre Dispositionen danach treffen. Dor allen Dingen der Landwirt! Aber vorläufig tappt man noch herum, denn die Treffsicherheit der Vorhersage für den nächsten Tag beträgt einstweilen bis 85 Prozent. Die Prognosen auf Grund von Wetterkarten gelten nur für ein bis zwei, höchstens drei Tage. Einen gewissen Ersatz, um die durchschnittliche Witterung einer Gegend zu * beschreiben, bietet uns bie Klimakunde, die eben den mittleren Zustand der Atmosphäre kennzeichnet, und die man mit anderen ©orten auch als die „Gesamtheit der Witte- rungen" bezeichnen kann. Uns interessieren besonders deutsche Verhältnisse, und wir wollen daher kurz seftstellen, wie die klimatischen Verhältnisse im Sommer über Deutschland verteilt sind. Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni bis zum 31. August. Die h ö ch st e Lufttemperatur, die man in dem 30iährigen Zeitraum von 1881 bis 1910 gemessen hat („Klimaatlas von Deutsdstand"), belief sich auf 39,8 Grad C in ber bayrischen Stabt Amberg (Oberpfalz). Als mittlere Höchstwerte finben wir in den einzelnen Monaten: Im Juni 32,1 Grad in Ingolstadt, 31,2 in Jena unb 31,1 in Berlin; im Juli 33,4 Grad wieder in Ingolstadt und 32,6 in Jena, in Heilbronn, und im August nochmals in Ingolstadt 32 Grad, in Jena 31,8 und in Heilbronn am Neckar 31,6 Grad. Die mittleren Niedrigst- werte finden wir verzeichnet mit nur 8 Grad in Borkum und Helgoland, ferner 7,8 Grad in Stuttgart unb 7,7 Grad in Berlin; im Juli Niedrigstwerte von 10,5 Grad in Borkum und Helgoland und 10,1 Grad in Berlin, im August wieder- um in Borkum und Helgoland säst 11 Grad. Um ben Witterungscharakter eines Sommers zu bestimmen, müssen wir auch die Anzahl der Sommertage, das sind bie Tage, an benen das Temperaturmaximum mindestens 25 Grad beträgt, rennen. Den mittleren Höchstwert von Sommer- tagen hat in jenem 30jährigen Zeitraum der Ort Geisenheim bei Wiesbaden mit etwa 49 Tagen, ihm folgen Jena mit 45 und Heilbronn mit 44 Tagen, die g e r i n g ft e Anzahl wies Helgo- land mit zwei Tagen auf, alsdann folgten Westerland und Kiel mit rund vier und Borkum mit 5,4 Tagen. Wo liegen nun in unserem Vaterlands die Gebiete, die durchschnittlich warme oder kühle Sommer aufweisen? Warme Sommer finden wir im oft- lichen Deutschland, wo die Mitteltemperatur des Juli, als des eigentlichen Sommermonats, ungefähr 17 bis 18,5 Grad C beträgt; ähnliche Verhältnisse zeigt Bayern. In der oberrheinischen Tiefebene steigt bie Wärme im Juli auf etwa 20 Grab. Kühle Sommer haben bie westliche Ostseeküste, bie Nordseeküste und ein großer Teil von Hannover. Die Julitemperatur beläuft sich auf 16 bis 17 Grad. Außerdem gehören zu den Ländern mit kühlen Sommern die Mittelgebirge. Daher reift man im Juli und August auch gern an die relativ kühle See; für das Gebirge gelten ähnliche Grundsätze. Im Juli finden wir die geringste Bewölkung an der hin- terpommerfdjen Küste, in ber oberrheinischen Tiefebene, am Bodensee und am Fuße bes Riesengebirges. Im August zeigt bie Nordseeküste den größten Wert ber Bewölkung. Unb bie Regenverhältnisse und ihre Verteilung? Don der Weser bis an die Ostgrenze unseres Reiches, ausgenommen Ostpreußen, Sachsen und einen großen Teil Schlesiens, fällen im Juni bis etwa 60 Millimeter Niederschlag, in West- und Süd- deutschland durchschnittlich 60 bis 100 Millimeter, in den Gebirgen aber bedeutend mehr. Im Juli findet im allgemeinen in Deutschland die Haupt regenzeit statt. Jrn Mittel hat man in diesem Monat von 60 Millimeter Regen an in der Ebene bis zu 250 Millimeter und darüber in ben bayerischen Alpen gemessen. Im August verzeichnet ein großer Teil Ostdeutschlands nur 50 bis 60 Millimeter Regen, ber übrige Teil Deutschlands rund 60 bis 100 (Gebirge höhtr). Die Hauptregenzeit beginnt etwa Ende Juni, und eine der bekanntesten Bauernregeln besagt ja auch, daß es, wenn es am Siebenschläfertag (27. Juni) regnet, dann sieben Wochen hintereinander regnen soll. Das will weiter nichts sagen, als daß es zu dieser Zeit eben sehr häufig zu Niederschlägen kommt. Nach interessanten Untersuchungen über die sommerliche Witterung für Berlin hat Geheimrat Hellmann festge-stellt, daß für diese Stadt der wärmste Tag in die Zeit vom 13. Mai bis zum 2. September fallen kann Die heißesten Tage fallen aber auf den Zeitraum vom 15. bis 19. Juli. Dieser bekannte Gelehrte hat weitere Forschungen über den Witterungscharakter eines Sommers an gestellt. Nach ihm folgt für Mitteldeutschland auf einen sehr milden Winter ein mariner Sommer unb auf mäßig milde und mäßig kalte Winter kühle Sommer. Da ber letzte Winter nur mäßig kalt war, tritt diesmal wahrscheinlich ein kühler Sommer ein. Selbstverständlich können aber auch Abweichungen auftreten. Eine andere, wichtige Forlchung ergab, daß in einem Zeitraum von 35 Jahren regnerisch-kühle mit trockenen, warmen Jahren abwechseln. Wahrscheinlich befolgen auch bie Alpengletscher in diesem Zeitraum ein Dor- ober Zurückweichen. So waren z. B. die Jahre von 1871 bis 1885 kalt unb naß, unb eine trockene Periode herrschte um 1900. Eine feuchte Periode setzte um 1915 ein, die wohl jetzt allmählich ausklingen mag. Als Ursache läßt sich vielleicht bie 33- bis 34jährige Sonnenflerfenperiobe heranziehen. Auch aus der Zirkulation ber GoIsst r o m t r i f t kann man wertvolle Schlüsse auf ben Witterungscharakter ziehen. Besteht von August bis Februar daselbst eine schwache Zirkulation, so sind zur gleichen Zeit von November bis April niedrige Wassertemperaturen an ber europäischen Küste unb eine niedrige Lufttemperatur in Mitteleuropa bis April zu erwarten, und schließlich im kommenden Sommer eine schlechte Roggen- und Weizenernte in Westeuropa unb Norddeutschland. Bei einer starken Gesamtzirkulation treten bie gegenteiligen Phasen auf. Weiterhin sanden die Gelehrten Petterson und Meinardus nahe Beziehungen zwilchen Luftdruck und Wind wie Temperatur und Eisverhält- nissen im Nordatlankik. Schließlich lassen sich noch Beziehungen zwischen dem Auftreten des Monsuns in Indien und den Luftdruckabweichungen von Argentinien mit der Witterung in Deutschland anknumen. Alle diese Vorgänge müssen sich natürlich auf Zusammenhänge zu- rücksühren lassen. Der bestimmte Hauptfaktor ist aber die verschiedene Strahlungsenergie der Sonne. Auch wissen wir, daß das Maximum der Temperattir vielfad) bann auftritt, wenn ein Sonnenfleckenminimum herrscht: und bas könnte wohl im Jahre 1934 zu erwarten fein. SJl.-'fpOTt Fußball: 1900 - VW. Lokaltrcffen auf dem Waldsportplatz. Den Abschluß der Fußballsaison 1932/33 in Gie- ;en stellt das Fußball-Lokaltreffen aus dem Waldportplatz dar. Die Begegnung kann einen sehr chönen Abschluß der Saison darstellen. Die beiden Mannschaften können sich dabei gewissermaßen einen guten Augang verschossen. Wie das Spiel ausgeht, ist nicht vorherzusagen, wichtiger ist diesmal vielleici)t, daß guter Sport gezeigt wird. In der letzten Zeit haben die beiden Mannschaften der hiesigen Vereine nicht sehr glücklich gekämpft und von eindrucksvollen Siegen konnte nicht gerade die Rede sein. Um so mehr wird es notwendig, daß sich die Mannschaften wieder einmal aufrafsen, ein rassiges Spiel zeigen und dem Zuschauer den Aufwand an Zeit und Geld lohnen. Nachdem sich die Mannschaften im letzten Lokalkampf, der damals die Verbandsspiele beschloß, mit einem Siege des VfB. trennten, erwartet man diesmal einen ausgeglichenen Kampf. In beiden Mannschaften hat es große Veränderungen gegeben, so daß die Spielstärke des letzten Lokaltreffens zu keinem Vergleich herangezogen werden kann. Auch der vergangene Sonntag ließ kein klares Bild über die Leistungsfähigkeit der Mannschaften entstehen, denn die Gegner der Hiesigen erwiesen sich als sehr ungleich. Die Blauweißen konnten einen verhältnis- mäßig leichten Sieg erringen, die Grünweißen hatten einen schwereren Gegner und verloren. Die beiden Mannschaften werden voraussichtlich und mit nur geringen Abänderungen in den Aufstellungen des vergangenen Sonntags antreten. Es sind nominiert: 1900: Brambach Zeiler Lippert Langsdorf Heilmann Schmelz Dörr Hainbach Hofmann Bromm Schneider Fehling Lehrmund Haupt Heller Schmidt Bingel Knaus Feuster Wilhelm Leutheussr V f B.: Haas Man erwartet einen harten, spannenden, aber auch ritterlichen Kampf, dem man im Interesse einer reibungslosen Durchführung einen gerechten und fähigen Schiedsrichter wünscht. Wie man hört, leitet Sch n a u dt - Lollar das Treffen, der im Spiel VfB. Gießen — VfB. Friedberg recht sicher seines Amtes waltete. — Gießener Radsporttage im BDR. Straßenrennen. - Saalsportwettbewerbe. — Rasenradball. Der „Gießener Radfahrer-Verein 1885" im BDR. hat sich die Aufgabe gestellt, auch in seinem Heimatgebiet durch eine große Werbeveranstaltung neues Leben in den Radsport und da ganz besonders in den Straßenrennsport zu bringen. Die ersten Gaurennen in diesem Jahre haben gezeigt, daß durch die Startberechtigung aller Lizenz-Fahrer Aussicht besteht, auch den Straßenrennsport wieder vorwärts zu bringen. Durch die Ausschreibung von Wettbewerben will der Verein die führende Stellung im Radsport festigen helfen und der Jugend auch Gelegenheit zum Wettkampf geben. Gießen ist sehr zentral gelegen. Das Straßenrennen ist offen für alle lizenzierten Fahrer. In diesem Jahre soll mit einem kleinen Straßenrennen begonnen werden, damit auch der vorhandene Nachwuchs in den Kampf eingreifen und sich für größere Rennen schulen kann. 120 Sm. werden aus einer Rundstrecke von 4 mal 30 Sm. gefahren. Das Ziel befindet sich auf einer Aschenbahn. Wertvolle Preise sind bereits für dieses'Rennen'gestiftet. Die Ausarbeitung und Durchführung des Rennens liegt in den Händen des Straßenfahrwartes August Deibel, der durch seine jahrelange Teilnahme an allen größeren Rennen in allen Teilen Deutschlands fast überall noch bekannt sein dürfte. Immer war der Gau Lahn bei den Ausschreibungen von größeren Straßenrennen vertreten. Erinnert sei nur an „Rund durch Westdeutschland", „Quer durch Ohrn- und Lahntal", „Großen Kometpreis" usw. Das soll wieder kommen. Die Radsporttage werden am Samstag, 1. Juli 1933, eingeleitet durch ein großes Sommernachtsfest in der Restauration Karlsruhe. Bei dieser^Veranstaltung kommen auch die Saalfporlwettbewerbe zur Geltung, und zwar werden Ausschreibungen erfolgen für 2er-, 3er-Radball, 2er-Kunstfahren, 6er- Schulreigen. Auch diese Wettbewerbe sind offen für alle lizenzierten Fahrer, bzw. Vereine. Selbstverständlich werden auch die Sieger dieser Wettbewerbe mit Ehrenpreisen ausgezeichnet. Eine Wanderfahrt, offen für Vereine des Gaues, wird dazu anspornen, diese Werbeveranstaltung zu unterstützen. Für die nötige Unterhaltung und Abwechslung wird gesorgt. Am Sonntag, 2. Juli 1933, findet das bereits erwähnte Straßenrennen und ein 6er Rasenradballwettbewerb statt. Die Vorspiele hierzu werden vormittags und das Endspiel nachmittags, vor Ankunft der Strahen- fahrer auf einem Sportplatz ausgetragen. Da acht Tage nach dieser Veranstaltung die deutschen Meisterschaften im 6er-Rasenradball stattfinden und Gießen für einen großen Teil der teilnehmenden Mannschaften ohne große Unkosten zu erreichen ist, dürfte die Austragung dieses Wettbewerbes als eine kleine Vorprüfung für den großen Kampf, begrüßt werden. Die Reichswehr in der Sport-Offensive. Der überraschende Erfolg der Reichswehr-Sportler vom Potsdamer Infanterie-Regiment Nr. 9 bei dem traditionellen Berliner Grog-Staffellauf im Mai dieses Jahres hat die gesamte deutsche Sportwelt wieder einmal aufhorchen lassen. Die altbekannten Berliner Sportvereine mit ihren Leichtathletik-Kanonen wurden auf der ganzen Front geschlagen. Derjenige, der zu würdigen weiß, wie verhältnismäßig selten wirkliche Könner, selbst in Vereinen von tausend Mitgliedern und mehr, vorhanden sind, darf diesen Erfolg als das Ergebnis eines allseitig besonders durchtrainierten Menschenmaterials betrachten, als den Sieg des Gedankens des Massensportes. Die Reichswehr ist immer mehr zum Hort dieses Gedankens geworden. Die Zeit ist nicht mehr fern, wo jeder deutsche Soldat ein hervoragender Sportler wird genannt werden können. 3n diesem Jahre wird das besonders offenbar werden, da die Reichswehr erstmalig ihre eigene handballmeislerschaft austrägt. Jede Kompanie der Reichswehr ist verpflichtet, sich daran zu beteiligen. Jeder deutsche Soldat muß Handball trainieren, um mitzuhelfen, die wirklich beste Kompanie-Mannschaft auf die Beine zu bringen. Don höchsten Stellen gefördert wird dann die Bataillonsmei st erschüft aus- getragen. Das geht hinauf bis zu den Wehrkreisen und dem Gruppenkommando, deren Auswahlmannschaften dann um den Titel des Deutschen Armeemeisters anzutreten haben. Wenn auch die Reichswehr von jeher in ihrem sportlichen Auftreten sich größter Bescheidenheit und wohltuender Zurückhaltung im manchmal etwas lauten Lärm des Vereinslebens befleißigte, fo ist doch sicher, daß die neuen Meistermannschaften — wie einst die Träger von Schützenketten und Schießpreisen — sich der besonderen Wertschätzung bei den Vorgesetzten erfreuen werden. Damit geht zusammen, daß die Sportvereine, die bisher von Reichswehrangehörigen gegründet wurden und sich aller möglichen und unmöglichen Namen bedienen mußten, nunmehr ebenfalls „offiziell" werden. Sie sollen in Zukunft überall einheitlich benannt werden, und zwar ist von oben herab der einfache Titel „IHilitärfportocrein“ bestimmt worden. Eine einheitliche Sportkleidung ist nur noch eine Frage der Zeit, während das sportliche Abzeichen bereits festgelegt worden ist. Es ist der Germanen- schild mit einem Schwert, das ähnlich getragen wird wie die Vereinsabzeichen der bürgerlichen Vereine auf dem Sportdreß. Aus dieser Neuordnung dürfte besonders in den kleinen Garnisonen mannigfacher Segen entsprießen. Die Reichswehr wird damit vorbildlich in der Der- einsgestaltung und ein entscheidender Faktor im Leben der sporttreibenden Bevölkerung, wie man sich leicht vorstellen kann. Dies um so mehr, als bisher fast in allen Sportzweigen einzelne „Kanonen" bereits den feldgrauen Rock trugen und zu sportlichen Meisterehren gelangten. Don den bisherigen soldatischen Sportvereinen gehörten 90 v. h. der Sportbehörde und 10 v. h. der DT. an. Die Reichswehr wird auf diesen Idealen allgemeiner massenmäßiger Trainingsweise weiterbauen. Der eingangs erwähnte Potsdam-Berlin-Sieg ist ein Meilenstein auf diesem Wege. Denn man muß sich klar machen, daß der Reichswehr in diesem Falle nur ein Menschenmaterial von 1500 Leuten zur Verfügung stand, der Berliner Schutzpolizei dagegen feit Jahren fast 15 000 Menschen sportlich „dienstbar" sind! Auch ist zu bemerken, daß die bekanntesten Schuposportler zum Teil reine Zivilisten sind, da jeder Privatmann sich in den Sportvereinen der Polizei betätigen darf. Daher kommt es auch, daß die Polizei Jugendmannschaften besitzt, die bei der Reichswehr ausgeschlossen sind. Die Vereine werden sich „strecken" müssen, um gegen die Sportvereine der Reichswehr bestehen zu können. Ein Blick auf die Einzelerfolge von Wehrmacht-Angehörigen und auf ihre Mannschaftssiege macht das ohne weiteres deutlich. Denn es ist schwer, ein Sportgebiet zu nennen, wo Soldaten nicht führend waren! Don den bekannten Reitersiegen im Ausland bis hin zum Eissegeln, immer waren Dertreter der Wehrmacht in Front. Ausnahmen bestätigen lediglich die Regel. Pioniere der Reichswehr find mit die besten deutschen Kanufahrer, im Schwimmen sind die Magdeburger Soldaten in den ersten Mannschaften der dortigen Elitevereine. Feldwebel Grimm ist einer der besten deutschen Hammerwerfer, der Bayer Vogel ift der berufene Nachfolger des Weltrekordmanns Feldwebel H i r f ch f e l d - Ostpreußen. Der Schwimmer E f f e r ift Reichswehrangehöriger, der fabelhafte Athlet Huber- Stuttgart ist einer der ersten Mehrkämpfer unseres Vaterlandes, er ist der einzige Deutsche, der in diesem Jahre 7,24 Meter weit sprang. Schon diese Namen, die keineswegs etwa vollständig sind, sprechen genügend für die sportliche Güte unserer Wehrmacht. Nur die erstklassigen Skifahrer der verschiedenen Spezialformationen der Reichswehr möchten wir noch erwähnen. Es ist zu erwarten, daß uns in Zukunft ähnliche Enttäuschungen erspart bleiben werden, wie sie insbesondere die deutschen Leichtathleten auf der letzten Olympiade erlebt hoben. Der Sportbetrieb in Deutschland wird so organisiert, daß derartige Fehlschläge kaum noch vorkommen werden. Kurze Sportnotizen. Die Teilnahmeberechtigung für die Deutschen Schwimm-Meisterschaften, die vom 4. bis 6. August in Weimar abgewickelt werden, ist auf die Mitglieder der DT. und die Mitglieder der deutschen schwimm- und Sportvereine im Auslande ausgedehnt worden. * E i n neuer Skandal soll sich in der internationalen Leichtathletik ereignet haben. Nach einer schwedischen Zeitungsmeldung soll der polnische Olympiasieger Kusoczinski für einen Start in Finnland 1500 Dollar gefordert haben. * Die FIFA., der Internationale Fußball-Verband, hält vor der nach Rom vergebenen Haupt- tagung am 26. Juni noch eine Vorstandssitzung in Paris ab, bei der über die Einteilung der 16 Nationen für die Fußball-Weltmeisterschaft beraten wird. Wirtschaft. * Neue Ballgesellschaft WahßS: FreytagAG., Frankfurt a. M. Der Auf- fichtsrat der mit 2 Millionen Mark arbeitenden Neuen Ballgesellschaft Wayß & Freytag 2IG., Frankfurt a. M., hat in seiner Bilanzsihung beschlossen, der Generalversammlung am 30. 3uni vorzuschlagen, für das am 31. Dezember 1932 abgelaufene erste Geschäftsjahr nach angemessenen Abschreibungen von etwa 140 000 Mark und noch Schaffung einer Niicklage für Risiken in ausländischer Währung von 100 000 Mark den erzielten. Reingewinn ton 60 847 Mark auf neue Rechnung vorzutragen. 3m lausenden 3ahre seine das 3n- landgeschäft infolge des Arbeitsbcschaffungspro- gramms eine gewisse Belebung. Die Bauten im Auslande verlaufen programmähig. * Bergmann - Elektrizitäts - Werke AG., Berlin. Die GV. genehmigte die Herabsetzung des Stammkapitals auf 8,80 (44,0) Mill. RM., sowie die Regularien für 1932. Der Buchgewinn von 35,20 Mill. RM. dient neben der Verlustdeckung von 21,93 Mill. RM. zu Sonderabschreibungen und Rückstellungen. Die ersten Monate 1933 haben nach den Ausführungen des AR.-Dorfitzenden Dr. v. S t a u ß den Beweis erbracht, daß die getroffenen Maßnahmen richtig feien, und die Zuversicht bestätigt, die bereits bei Feststellung der Bilanz ausgesprochen wurde. Der Auftragseingang fei zur Zeit nach Lage der Verhältnisse befriedigend, in den letzten Monaten wurde die Belegschaft um zirka 10 v. H. erhöht. * Vereinigte Glanz st off - Fabriken AG., Wuppertal-Elberfeld. Der Abschluß der Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG., Wuppertal-Elberfeld, für das Geschäftsjahr 1932 weift nach Abschreibungen in Höhe von 8,7 (i. D. 6,52) Mill. RM. einen Verlust von 5,4 Mill. RM. aus, ter sich durch den Vortrag aus 1931 von 4,7 auf rund 10,1 Mill. RM. erhöht. Die Verwaltung schlägt der auf den 27. 6. nach Elberfeld ein^uberufejiten GV. vor, den Reservefonds von 20 Mill. RM. in der Weife aufzulösen, daß der nach Deckung des rechnungsmäßigen Verlustes verbleibende Betrag von etwa 9,9 Mill. RM. zur Bildung eines Wertberichtigungskontos verwandt wird, das dazu dienen soll, die endgültige Abschreibung an den Dauerbeteiligungen der Gesellschaft vorzubereiten. Sranffurter Abendbörse freundlich. Frankfurt a. M., 14. 3uni. Die Abendbörse lag weiter außerordentlich still. Die Kulisse verharrte mangels geeigneter Anregungen in völliger Stagnation Die Stimmung war nicht unfreundlich, doch bröckelten die Kurse infolge der Geschäftsstille vereinzelt weiter leicht ab. Gegen den Berliner Schluß gaben 3G.-Farben 0,25 Pro- zent, Bekula 0,50 Prozent, Rheinstahl 0,50 Proz. und gegen den hiesigen Mittagskurs Cement Heidelberg 1 Proz. nach. 3m Verlaufe waren 3G> Farben bei kleinstem Umsatz leicht befestigt; amtlich schlossen sie mit 132,89 nach 132,50 Prozent und im freieen Markt nannte man sie mit 133 v. H. Der Rentenmarkt lag zwar ebenfalls geschäftslos, doch blieben die Schlußkurse voll behauptet, Altbesih konnten sich später etwas erhöhen. Dl. a. notierten: Neubesih 12,40, Altbesih 76 39 bis 76,50, Schutzgebiete 7,95, Zolltürken 6,39, Reichsbank 138, Gelsenkirchen 63, Harpener 104,75, Mannesmann 69,50 Bries, Rheinstahl 94,25, De- kula 114,25, Cement Heidelberg 80, Licht & Kraft 111,50, Gesfürel 93, Holzmann 58, Metallgesellschaft 39, Rütgerswerke 59,50, Schnellpressen Frankenthal 8, Reichsbahn-VA. 99,25, Hapag 17,75, Norddeutscher Lloyd 18,65. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt o. M., 14. Juni. Die Getreidebörse lag nach der Preissteigerung vom Montag sehr ruhig und fast geschäftslos. Brot- und Futtergetreide sowie Mehle blieben im Preise unverändert, wahrend Futtermittel, besonders Mühlennachpro- butte weiter befestigt waren. Es notierten: Weizen 210, Roggen 172,70 bis 173,50, Hafer 152,50 bis 155, Weizenmehl südd. und niederhein. Spez. 0 30,25 bis 31,25, Roggenmehl 23,50 bis 25,25, Weizenkleie 8 dis 8,10, Roggenkleie 8,75. Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 13. 3uni. Ein Spezereihändler, der zugleich auch Gemeinderechner war, war in Zahlungsschwierigkeiten geraten, ilm diese zu be- >heten, hatte er wiederholt in die Gemeindekasse gegriffen in der angeblichen Absicht, dieses Geld, sobald ihm möglich, wieder in die von ihm verwaltete Gemeindekasse zurückzulegen. Eine unerwartet von dem Kreisamt vorgenommene Revision der Kasse ergab einen Fehlbetrag von mehreren tausend Mark. Dlm die begangenen Unterschlagungen zu verdecke-i, hatte er die zur Eintragung bzw. Kontrolle der Einnahmen und Ausgaben bestimmten Bücher bewußt unrichtig geführt. Wegen schwerer Amtsunterschlagung tourte der Angeklagte, ter bisher noch nicht bestraft worden ist, und der den der Gemeinte entstandenen Schaden zum größten Teil gedeckt hat, zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen Gefährdung ter Sittlichkeit wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit gegen einen aus der Untersuchungshaft vorgeführten Arbeiter verhandelt, der unter der Anklage stand, an einem noch schulpflichtigen Mädchen sich wiederholt vergangen zu haben. Zur Verhandlung war ein großer Zeugenapparat aufgeboten. Wegen Sittlichkeitsverbrechens wurde der Angeklagte zu 1 3 a h r 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzlnsfuß 5 v. H. jrantiuri a. Dt. Berlin Gchluß« fur« Schluß!. Abend« bfirfc Schluß, kur« Schluß!. Mittag« börse 'Datum 13.6. | 14.6 13.6. | 14-6. 6% Deutsche Reichsanietye v. istn 84,5 84,25 84 84,5 6% efjem.7% Dt.ReichSatü.v. 1929 90,65 90,5 90,75 90,75 6Vi°o Doung-Anleihe von 1930 . 78 77.5 78 77,25 Deuts tt^ Anl.-Ablüs.-Schuld mh AuSlos..Rechten ............ 75,65 76,5 75,25 76,4 DeSgl. ohne AuSios.-Rechte..... 12,6 12,4 12.6 12,4 6% ebem. 8% Helf. Volksstaat 1929 trückzahlb. 102%)........... 79,5 — 79,5 79,5 Oberhcssen Provinz. Anleihe ml AuSlos.-Rechten ............ 68 68 —— — 6% Hess. Landerbank Darmstadt GoldR. 12....... 82,5 82,25 82,5 82 6¥i% Hess. Landes Hypotheken- öank Darmstadt Ligui...... 86,25 86,25 ■— — Deutsche Komm. Sammclab I.An leihe (seriel mit AuSlos.-Rcchten 69,25 70,25 69,65 70 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Baw Goidpse. 15 unkündbar 618 1935 83,75 83,5 — —• 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Banl Koldvse. 16 unkündbar bi« 1936 83,75 83,5 — 6Yi% ehem. «'/,% Franks. Hhp. Bank-Ligll.-Psandbriefe ..... 86,25 S5 — — ehem.4'/,% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpse. ... 85,75 86 — ■■ 6% ehem. 8% Pr. Landerpfand bricfanftalt, Pfandbrtesc R. 19 84 84 85 85 6% ehem. 7% Pr. LandeSpfand brielanstait. Pfandbriefe R. 1< 84,5 84,5 — — Verrechnungskurs ........... 85,65 85,7 85.65 85,7 «% Oesterretchische Woldrente... — — — 17,75 4,20% Oesterreichische Silberrente — — 1,4 1,4 4% Ünflarlfdw Goldrente....... — — — — 4% Ungarische Staatrrente v. 1910 — — — — — 6% abfleft. Goidmepkaner von 99 11,13 11,5 11,25 11,25 4% Türkische Zollanleibc von 1911 6,25 6,4 6,25 6,45 4% Türkische Bagdadbahn-Anleth Serie I.................... 6,25 6,25 6,25 6,45 Fränkin« a.M. Berlin Schluß« hin) Schluß!. Abmdbörse Schlußkurs Schluß!. Miltagbörse Datum 13.6. 14.6. 13-6. 14-6. 4% desgl. Serie 11 ........... 6,25 6,25 6,3 6,5 5% Rumän. vereinh. Rente v. 19«' 5,75 6,1 6 4^r%Rumän.vereinh.Rcntev.l9U 10,5 10,75 4% Rumänische vereinh. Rente 4,95 5 4,9 5 8%% Anatolier ............. 28,25 28 27,75 28 Hamburg-Amerika-Paket ..... < 18 17,75 17,75 17,75 Hamburg.Südam. Dampfschiff. Hansa Dampsschiss........... 0 0 — 27,5 26 26 Norddeutscher Lloyd ......... 0 18,75 18,65 18,9 18,5 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 — 51,5 51,9 51,5 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 93 92,25 91 Commerz- und Privat-Bank... Deutsche Bank und DiSconio- 0 51 51 51,5 51,5 Gcsellschast................ ( 59,5 59 59,5 59,25 Dresdner Bank.............. 0 48,5 48 48,5 48 Reichebank ................. 1 139 138 139,25 138 «EG.................... 1 25,75 25,25 25,75 25,4 Elektr. Lleserungegcsellschatt ... k 92 92 92 92,5 Licht und Krasl ............. l 113,75 111,5 114 111,25 Felten & Guilleaume ........ Gesellschaft für Elektrische Unter- 0 57 56 36,25 56 nchmungen............... 4 94 93 94,13 93,4 Rheinische Elektrizität ........ 5 97 96 97 Schutte« L Co.............. v — 113 113,75 113 Siemen« & Halske........... < 166,5 165 167 165,65 Lahmeyer LCo.............. 10 126,5 125,25 126,65 125,75 Buderus ................... D«mische Erdül ............. 4 75,75 119,4 63,75 75,25 118,5 63 76 119.25 64,13 76 118,25 62,75 Gelsenkirchener.............. 0 Harpener................... 0 106 104.75 105,65 104,25 Voesch Eisen—Köln-Neuessen.. 0 — — 70 69,4 31|e Bergbau ............... — 160 163.75 160 Ilse Bergbau Genüsse ........ 7 —- 122 123,25 123,25 Rlodnctroerte ............. 0 59,5 70,5 59,25 59.75 59,13 ManneSmann-Röhren........ 0 69,5 70,65 69 Jrantiun a. M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börsc Schluß« lurs Schluß!. Mittag- börfe_ Datum 13.6. 14-6. 13-6. 14.6. Mansteiber Bergbau...... ... 0 25 25 25,131 25,5 Koköwerke ............... ... 0 — — 85 83,5 Phönix Bergbau.......... ... 0 41,5 41 41,65 40,9 Rheinische Braunkohlen ... Rheinstabl............ ...1<| ... c 212 210,5 94,25 212 96,25 210 94,75 Bereinigte Stahlwerke..... ... O 41,5 40,5 41 40,4 Otavi Minen ............ ... n 18.5 18,25 18,75 18,25 Kaliwerke Aicher«leben..... ... ti 129,75 130,65 132 131 Kaliwerke Westeregeln..... ... 6 135 131,5 135 132.5 Kaliwerke Salzdetfurth .... ... f 178.5 176,5 176,5 176 »J G. Färben-Industrie .... 134 132,9 134,25 132,75 Scheidcanstalt . .... ...10 171 170,75 — — Goldschmidt .......... ... 0 51,4 51,5 51,5 51,5 Rütgerswerke ........... ... O 61 59,5 60,9 59,4 Metallgeiellichan......... — 39 39,13 39,25 Philivv Hol,mann........ ... 0 58 58 57,4 58 Zementwerk Heidelberg ... ... 4 81,5 80 - — Cementwerk Karlstadt...... ... O 78 78 - —- Schulthei» Patzenhoser..... ... 0 _ _ 126.4 124,5 Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 39,5 40 39,9 40.25 Bemberg................ ... 0 — 48 48 48 Zellstofk Waldhos ......... ... 0 51,5 51 50,65 50,5 Zellstoff Aschaffenburg .... ... 0 23,5 22 23 21 Dessauer ®a«............ ... 7 — 117,5 116,13 Daimler Motoren......... Deutsche Linoleum ..... ... 0 ... 0 31 19,25 30,25 48,5 31,25 49,25 30,25 48,5 Orenstein & Koppel ....... Leonhard Tietz........... ... 0 ... 6 23,5 23,5 48,25 23,25 48,13 23,25 Ehade................... ...12 175 170,5 173 170 Gritzner......... 27 26,25 27,5 Mainkraftwcrke Höchst a.M. ... 4 69 70 Süddeutscher Zucker ...... ... e 154,5 — 155,25 155,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Banknoten. 13. Juni 14. Juni Amtliche Notierung Amtliche Notierung Seid Brie, Geld Sriei Helsingsoro. 6,329 6,341 6,339 6,351 Wien...... 46,95 47,05 46,95 47,05 12,64 12,66 12,64 12,66 Budapest ... — Sofia..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland ... 170.43 170,77 170,08 170,42 OSIo....... 72,28 72,42 72,38 72,52 Kopenhagen. 63,84 63,96 63,89 64,01 Stockholm.. 73,78 14,33 73.98 73,78 73,92 London ..... 14,37 14,34 14,38 Buenos Airee 0,898 0,902 0,903 0,907 Neu York ... 3,462 3,468 ■*•3,506 3,514 Brüssel .... 59,06 59.18 59,09 59,21 Italien..... 22,06 22,10 22,07 22,11 Paris..... 16,62 16.66 16,61 16,65 Schweiz ... 81,77 81,93 81,62 81,78 Spanien... 36,21 36,29 36,06 36,14 Danzig.... 82,62 82,78 82,52 82,68 Japan..... 0,889 0,891 0,894 0,896 Rio de Ian. 0,229 0,231 0,229 0,231 Jugoslawien Lissabon ... 5,195 5,205 5,195 5,205 13.04 13,06 13,05 13,07 Berlin, 14-3unl Geld 2^ rief Amerikanische Noten.............. 3,47 3,49 Belgische Noten.................. 58,93 59,17 Dänische Noten ................ 63,52 63,78 Englische Noten ................. 14,30 14,36 Französische Noten............... 16,57 16,63 Holländische Noten............ .. 169,71 170,39 Italienische Noten............... 21,95 22,03 Norwegische Noten .............. 72,2i 72,49 Deutsch Oesterreich, » 100 Schilling Rumänische Noten............... 2,46 2,48 Schwedische Noten............... 73,60 73,90 Schweizer Noten................. 81,44 81,76 Spanische Nuten................ Ungarische Noten................