Nr. so Lrühattssabe 183. Jahrgang Mittwoch, 15. Zebruar 1935 Lricheini tdgltd), außer Sonntaas und ^tierioq» Beilagen: Die DDuftnerte (Bienenei Jamilienblätter Heimat >m Bild Dieöcholle monatsBeingspreis: Mil 4 ‘Beilagen 1.95 Ohne Illustrierte , l 80 Zustellgebühr . . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt Hernsorechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift |ür Drahtnachrichten Anzeiger Kietzen postschecklonto: fironlfnn am Ifiain 11686. GiehemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen knick vnb Verlag: vriihl'sche Univerfitäls-Vuch- und Zteindnickerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulitrahe 7. Annahme von Mnjeige» für die Tagesnummer bi® zum Nachmittag vorher. Preis itir I mm HSHe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfenrng; für R» klameanieigen von 70 1h Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr Friedr. Wilh. Gange. Derantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Gange, für Feuilleton Dr H.Tdqr ot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und fflr fronAnzeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Oie Beisetzung der 62 Opfer von Neunkirchen. Neunkirchen, 14. Febr. (TU.) Während schwere Wetterwolken am Tage der Katastrophe I die Stimmung der schwergeprüften Bevölkerung der Stadt noch mehr niederdrückten, lag am Tage : der Traucrfeicr strahlender Sonnenschein über ■ Neunkirchen. Der Wiederaufbau wurde, nachdem t, I die allerschwerste Gefahr gebannt war, nur unterbrochen, um am Nachmittag den Todesopfern der furchtbaren Explosionskatastrophe ein stilles Gedenken zu widmen. Nachdem am Vormittag in der Herz- I e s u k i r ch e ein feierlicher Gottesdienst abgehalten worden war, an dem Vizekanzler v. P a - pen, Ncichsarbeitsminister Seldte, der Ober- Präsident der Nheinprovinz Dr. Fuchs und der Präsident der Regierungskommission des Saar- gebicts, Knox, sowie zahlreiche Vertreter der Behörden, Organisationen und Vereine teilgcnom- men hatten, fand um 15 Uhr auf dem Unteren Markt die eigentliche Trauerfeier statt. Die Trauerfeier. Die Feier begann mit dem Glockengeläute aller Kirchen der Stadt. Auf dem Unteren Markt standen die Wagen mit den 62 Särgen und dahinter die Angehörigen der To - t e n. Links von der Kanzel sah man den Vizekanzler v. Papen, den Reichsarbeitsminister S e l d te , Oberpräsidcnt Fuchs, den Präsidenten Knox an der Spitze der Saarregierung, Vertreter des Eisenwerks sowie sämtlicher Behörden des Saargebiets. Auch der französische I Arbeitsministcr Paganon nahm an der Feier teil. Auf dem Platz und in den Zugangsstraßen hatten Mitglieder der NSDAP., der Stahlhelm, die Krieger- und Arbeitervereine Aufstellung genommen. Den Hintergrund bildet die Chri- stuskirche, wo die Rcdnerkanzel aufgestellt ist. Um diese haben sich Bergknappen in ihrer Berufstracht gruppiert, hinter ihnen Reihen französischer Grubenarbeiter in Uniform. Eine lange Reihe von Kranzträgern von Vereinen und Körperschaften sowie die Fahnenabordnung schließen sich an. Wenige Minuten vor 15 Uhr kommt der katholische Klerus, in seiner Mitte Weihbischof Dr. Mönch, in feierlicher Prozession auf den Platz. Die evangelische Geistlichkeit hat sich auf der anderen Seite des Katafalks aufgestellt. Die Feuerwehrleute entzünden ihre Fackeln. An den Fenstern des Diltoria-Hospitals sieht man hie unD_ da weinende, schwarzgekleidete Frauen, Angehörige oder Krankenschwestern. - Tiefes SchweigenI Drei Schläge von Herz 3esu, von St. Paul, von den anderen Kirchen! — Jetzt legt der Handwerker im ganzen Saargebiet sein Werkzeug aus der Hand, der Schreiber die Feder, der Chauffeur läßt den Volant — zehn Minuten Schweigen im ganzen Saarland! Und dann erschallt der Choral der Feuerwehrkapelle. Der Gencralsupcrintendent der Rheinprovinz D. Stoltenhoff, Koblenz, betritt die Kanzel. Er erinnerte daran, daß kaum das Leid, daÄ die furchtbare Grubenkatastrophe im 3ahre 1930 über das Land an der Saar brachte, verblaßt sei. und schon wieder fahre lähmendes Entsetzen durch Herz und Glieder. 3 n eng ft er Verbundenheit mitfühlender und mit» tragender Liebe stehe die weite deutsche Heimat zu allen so schwer Heimgesuchten. 3c finsterer der Tag und je unbegreiflicher unser Erleben, desto sehnsüchtiger mühten wir unsere Hände durch die schier undurchdringlichen Wolken äußerer und innerer Bedrängnis emporheben. Alles sei zu überwinden durch die Kraft dessen, oer die Menschheit gebildet habe. Gott gebe, daß die Trauerstunde für alle ein tief eindringlicher Ruf sei hin zu dem. der das unerhört gewaltige Wort sprechen durfte: 3ch bin die Auferstehung und das Leben. Das ergreifende „Es ist bestimmt in Gottes Rat" tont, gesungen vom Saar-Sängerbund, in weichen dunklen Klangen über den Platz, und dann spricht der Weihbischof von Trier Dr. Mönch, der früher 15 Jahre lang als Pfarrer in Neunkirchen Freud' und Leid mit seinen Pfarrkindern geteilt hat. Er wies darauf hin, wie viel furchtbarer die Wirklichkeit die Berichte übertroffen hat: Not, Leid und Zerrissenheit überall, wohin man sieht, wohin man hört. Aber die innigste Teilnahme des ganzen deutschen Volkes mit den Hinterbliebenen sei gewiß, Wenn die Frage nach dem Warum dieses Unglückes auftauchc, so gebe es keine Antwort. Aber vielleicht sollte es (ein, um in unserer Zeit des Eigennutzes und der kalten Selbstsucht die enge Verbundenheit der Menschen in ein helles Licht zu rücken, die heldenmütige Treue der Feuerwehren, der Männer vom Roten Kreuz, der Polizei, der Behörden, der Aerzte und Krantenschwestern, der Opferwilligen im ganzen Lande. Vielleicht habe ^Gott eine Gelegenheit geben wollen, der ganzen f’Sßelt zu zeigen, daß dieses Pflichtbewußtsein, diese reine Menschenliebe, diese echt christliche Bruder- gcsinnung immer noch und unterschiedslos vorhanden feien. Letzte Sofort. Nach dem von der Feucrwehrkapelle gespielten Choral „Wenn ich einmal soll scheiden", seht sich der Trauerzug nach dem Friedhof in Bewegung. Dumpfes Glockenläuten setzt von allen Kirchen ein. Die Vereine, die sich auf der Hauptstraße formiert haben, setzen sich mit ihren Fahnen in Bewegung, zuerst die weltlichen Vereine, dann die kirchlichen, dann die Beamten und Angestellten des Eisenwerkes und der Stadt, an die ,ch I« (in1 ticn an ab!. !l>. jjsA v.ov TeIe!e6tebE5'^ SfSSS Veilerver Stadttheater Gießen- wf ^uLer. w , 6h Uhr. £ 1933. bigshöhe - ho" Hen-en^iomon sich die Teilnehmer an der eigentlichen Trauerfeier auf dem Unteren Markt anschließen, deren Kernpunkt die lange traurige Reihe der zehn Leichenwagen mit den 40 evangelischen Toten bildet, und alle Angehörigen. 3hnen folgt in ähnlicher Anordnung der Trauerzug der katholischen Toten. Zwischen beiden Trauerzügen haben die offiziellen Persönlichkeiten, die Trauergäste aus dem Reiche usw. Aufstellung genommen. Mehr als 20 000 Menschen bewegen sich hinter den Särgen durch die Stadt. Eine halbe Stunde lang währt der Zug unter dem ergriffenen Schweigen der Zuschauer. 3n dem um die Kapelle liegenden Teil des Friedhofes hat man das Ehrengrab gegraben, ein gemeinsames Grab für alle Katholiken auf der einen Seite und für die Evangelischen auf der anderen Seite des Weges. 3n der Mitte der Anlage wird bald ein Denkmal errichtet werden und ein gemeinsamer Grabstein für alle. Nach der Ankunft auf dem Friedhof vollzog die katholische Geistlichkeit die Einsegnung ihrer Toten nach dem üblichen Ritus, und dann sprach Pfarrer Teske für die evangelischen Toten und ihre Hinterbliebenen die Worte der Einsegnung. Unter den Kränzen sah man zwei große Kränze aus Rosen mit weißen Nelken, die im Namen des Reichspräsidenten niedergelegt worden waren, daneben Kränze der Reichsregierung, des Reichskommissars, der Saarregierung und der Familie Stumm. Feierliche Choräle beschlossen die Seiet. Oie Ausräumungsarbeiten. Neunkirchen, 14. Febr. (TU.) Die Aufräumungsarbeiten wurden auch am Dienstag mit aller Energie weitergeführt. Von den zwölf Vermißten konnten noch am Vormittag fünf als Leichen geborgen werden, die zusammen mit den übrigen Toten am Nachmittag im Rahmen der großen Trauerfeier beerdigt wurden. Die Saarbrückener Straße ist nahezu vollständig geräumt. Man ist zur Zeil mit dem Abbruch der am schwersten beschädigten Häuser beschäftigt. In phantastischen Formen ragen nur iwd) die Ueberreste der Benzol- bebälter und (9a fo triller hervor. Der ausgeglühte Kondensator droht einzustürzen, so daß gewisse Absperrungen unvermeidlich sind. Oer BOA. sorgt für die Kinder der Neunkirchener Opfer. Berlin, 14. Febr. (TU.) Der Hauptvorstand des Vereins für das Deutschtum im Ausland hat beschlossen, in seinen Heimen Plätze für Kinder der Neunkirchener Opfer zur Verfügung zu stellen. Wenn das Saargebiet erfreulicherweise auch kein deutsches Auslandsgebiet ist und in kurzer Zeit auch äußerlich wieder zum Reich zurückkehrt, so handelt es fidf doch um ein im nationalen Kampf und unter fremder Verwaltung'stehendes Grenzland, dessen Schicksal auch vom VDA. immer mit besonderer Anteilnahme verfolgt wird. r ♦ 4 Vr Die Beisetzung des Grasen Apponyi. Die Menschenmenge strömt in den Kuppelsaal des Budapester Parlamentsgebäudes, um von dem großen ungarischen Staatsmann Graf Apponyi Abschied zu nehmen. Im Hintergrund am oberen Ende der Treppe ist der Sarg aufgebahrt. Unter riesiger Beteiligung des ganzen ungarischen Volkes wurden die sterblichen Ueberreste des Grafen Aponnyi zu Grabe getragen. Tausende von Trauernden standen auf dem riesigen Platz vor dem Parlament. 3m Kuppet- saal selbst hatte nur ein Teil der Trauergäste Platz nehmen können. Die Familienangel, ör gen, der Reichsverweser Admiral Hort Hy, die Vertreter der fremden Regierungen und Monarchen, Darunter der deutsche Gesandte Baron von Schön. Die riesigen Kranzspenden waren im Erdgeschoß des Parlamentsgebäudes längs der Säulen und Wände untergebracht worden, unter ihnen die Kränze des Reichspräsidenten von Hindenburg, Mussolinis, des Königs von Bulgarien, des Prälidenten der österreichischen Republik usw., auch ein Kranz des Nationalverbandes deutscher Offiziere mit schwarz-weiß-roter Schleife. Der Fürsterzbischof von Gran, Kardinal S z e - redy zelebrierte das feierliche Requiem. Ministerpräsident G ö m b ö s feierte danach mit einem Rückblick auf das lange erfolgreiche Wirken des Verstorbenen seine Verdienste um sein Land und den Weltfrieden. Braucht Hessen einen Reichskommissar? Staatspräsident Or. Adelung erklärt: Ruhe und Ordnung sind in Hessen nicht gefährdet. Darmstadt, 14. Febr. (WSN.) Zu den Gerüchten über die Ernennung eines Reichskommissars für Hessen erklärte Staatspräsident Dr. Adelung im „Darmstädter Tagblatt" u. a.: Die Reichsregierung hat erklären lassen, daß ihr von der Absicht, einen Reichskomm.ssar nach Hessen zu entsenden, nichts bekannt sei. Bei einer Rücksprache mit Mitgliedern des Reichskabinetts in Berlin fand ich diesen Eindruck bestätigt. Ein solches Vorgehen stände auch nicht im Einklang mit Wortlaut und Sinn der Reichsverfassung, die in Artikel 48 vor- sieht, daß der Reichspräsident erforderlichenfalls mit Hilfe der bewaffneten Macht einschreiten kann, wenn „die öffentliche Sicherheit und Ordnung des Landes gestört ober gefährdet wird". Es muß aber immer wieder betont werden, daß die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Hessen nirgends gestört oder gesä-hrdet ist. Keineswegs können die wenigen Zusammenstöße links- und rechtsradikaler Gruppen in Hessen als „erheblich" bezeichnet werden, besonders dann nicht, wenn man die Nachrichten über derartige Zusammenstöße i m kommissarisch regierten Preußen zum Vergleich heranzieht. Die hessische Polizei hat es bisher in vorzüglicher Weise verstanden, Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten und ist auch in Zukunst imstande, sich restlos durchzusetzen. Es würde allerdings die Arbeit der Polizei sehr erleichtern, wenn sich alle Volksgenossen unterschiedslos zur Richtschnur nähmen, daß die Polizei allein berechtigt und in der Lage ist, etwaige Störungen des öffentlichen Lebens zu unterbinden, und es wäre besser um die Form des politischen Kampfes unserer Tage bestellt, wenn nicht immer wieder das „Recht auf die Straße" von den verschiedensten Seiten so einseitig betont würde. Der Grundsatz der Gesinnungsfreiheit ist im Dolksstaat Hessen stets gewahrt worden. Das gilt auch für d i e Beamten und deren politische Tätigkeit, die nur an die durch das Dienstverhältnis gezogenen Schranken gebunden ist. Nach wie vor ist für die Landesregierung oberster Pflichtfatz die Beobachtung der Reichs- oerfaffung und der Verfassung des Volksstaats Hessen. Darin wird sie sich auch nicht beirren lassen durch die planvoll organisierten Alarmruse nach Berlin. Jeder Schrift gegen die Selbständigkeit Hessens und seine verfassungsmäßigen Rechte wäre Bruch der Reichsverfassung. Oos 'Zentrum erwartet Leuschners Rücktritt. Stirn beiger doll daS Fnncnmin stcrinm kommissarisch verwalten. Bingen, 14. Febr. (Lpd.) Das Bingener Zentrumsorgan, Die ..M ittelrheinische Volkszeitung", schreibt heute u. a.: Minister Leuschner hat bei einigen in Der Letzten Zeit abgerollten Prozessen nicht . günstig bestanden. Die Verhandlungen haben nicht Dazu beigetragen, das Ansehen das eine Quelle Der Autorität ist, zu heben. Daraus Folgerungen zu ziehen, ist Leuschners eigene Angelegenheit Aber er weiß auch. Daß seine Person Der hessischen Regierung politische Angelegenheiten bereitet, er weiß, Daß Die Prozesse seine politische Stellung nicht g e ft ä r f t haben, sonDern Der Opposition ganz empfindliche Angriffsflächen boten. 3st es da zu viel verlangt, wenn man Minister Leuschner bittet, fein Ausscheiden aus Der hessischen Regierung zu vollziehen? Wir halten es nicht nur für politisch klug sondern sogar für politisch notwendig, Daß Leuschner aus Der nunmehr gegebenen Situation Die Konsequenzen zieht. Die beste und begrüßenswerteste Lösung wäre Die Bildung einer geordneten Mehrheitsregierung. Die Nationalsozialisten als stärkste Fraktion haben hier eine Pflicht, die schon über ein 3ahr alt ist. Solange eine geordnete Mehrheitsregicrung nicht zustandekommt, bleibt nur eine Möglichleit: Das 3nnenminifte- rium muh Minister Kirnberger in kommissarische Verwaltung nehmen. Minister Kirnberger ist nicht nur ein persönlich unt tabeiiger Mann, er hat obendrein das Kunststück fertiggebracht, trotz der politisch bewegten und erregten Zeit außerhalb des Kampfes yl bleiben. Die hessische Regierung müßte nur die Entschlußkraft haben, drohenden Gefahren vorzu» beugen. Das ist gar nicht schwer, nur ein mutiger Entschluß von Minister Leuschner ist notwendig. Ein Staatssekretär««! für den Mittelstand. Erklärungen Minister Hugcnbcrgs. Berlin, 14. Febr. (TU.) 3n einer Bespre^ chung des Reichswirtschaftsministers Dr. Hu- g e n b e r g mit Abordnungen des Mittelstandes, besonders auch des Handwerks und des Einzelhandels, wurde u. a. auch die Frage der Einrichtung eines Staatssekretariats für Den Mittelstand erörtert. Dr. Hugenberg erklärt, daß er die Einrichtung einer solchen Stelle beim Reichswirtschaftsministerium für den neuenHaus- ha11 beantragen werde. Gelegentlich der Kabinettsbildung fei bereits klargestellt, daß im Rahmen der einheitlichen Behandlung aller Wirtschaftsfragen von Reich und Preußen, wie sie durch die Zusammenfassung der Ministerien erstrebt werde, eine unmittelbar dem Minister unterstehende neue Stelle geschaffen werden solle, deren Aufgabe es sei, dafür zu sorgen, daß die Gesichtspunkte mittelständischer Wtrlschaftsauffas- fung praktische Berücksichtigung finden. Cs wurde dann auch die Frage des m i 11 e I ft ä n- dischen Kredites besprochen. Dr. Hugenberg erklärte, es werde die Aufgabe der nächsten Zeit fein, die ungesunde Zentralisierung des inittelständischen und ländlichen Kredites, die mit Kriegsbeginn eingesetzt habe, wieder abzubauen und zugleich auch solche Härten und Schäden zu beseitigen, wie sie z. B. durch die seinen Auffassungen nicht entsprechende Gestaltung der O st h i l s e zu Lasten des Handwerks, Einzelhandels usw. entwickelt habe. Selbstverständlich dürfe man auf diesem Gebiete nicht voreilig experimentieren. Er sei aber mit den zu treffenden neuen Maßregeln beschäftigt und werde sie entsprechend der großen Wichtigkeit der Sache beschleunigen. Oie Neuregelung des Bollstreckungsschuhes. Berlin, 14. Febr. (ENB.) Wie wir erfahren, hat das Reichskabinett die Beratungen über die Neuregelung des Vollftreckungs- f ch u tz e s beendet. Die Verordnung, die verabschiedet wurde, wird nunmehr dem Herrn Reichs- Präsidenten zur Unterzeichnung oorgelegt. Ihre Veröffentlichung ist für morgen zu erwarten. Der wesentliche Unterschied gegenüber dem bisherigen Vollstreckungsschutz besteht darin, daß der Voll- streckungsschutz nunmehr vollkommen gleich- mäßigausdasganze Reich Anwendung findet. Bis zum 31. Oktober wird durch die neue Verordnung allgemein die Zwangsvollstreckung in landwirtschaftliche Grundstücke und in alle Gegenstände des festen und beweglichen Inventars einschließlich des Hausrats aller Betriebe der Land- und Forstwirtschaft und des Gartenbaues untersagt. Räumungsklagen gegen Siedler find hiernach nicht mehr möglich. trat und Jta» gust. um ftlich da« S er Die idas hnell zur Dort i rum- t aus Zau- if ein war. vurde Man gegen I übet De» eifrig jenem kohlen Steuer zur Schluß dschie- kN. ager m. Die lUgcnd- aorben. räume, oa 200 i wirb. Isachsen i Haus , eburge» lager | c eben- i ing sin- nahen, >cn Ar- kochen, | für|orgc sozialen n junge i iben sich nächsten - tlich er- • hiesige | jt buid) n g mit der weit t hinaus । onwerke, | , urtS - mfte um ha“ cr- 925. be- )eS Ver- ’ nig zum ehörl seit Lahntal- deS Ge- ' )ie „(Sä- aber, Der 1 Sanges- bend da» inhe für ।» hat hier , ib leider rrt. Zwei ' en Man- Gebender ft erbau f e n ( a Huf - . an dessen > and Wei- * erc Wet- und nach t. Durch illerdings { Die über ergiebige südlichen . rben oben Druck wolkigem ichen lich S, später- Rieder- aftig und » trocken. Vielfach Tag und jen mild, 10,8 Grad morgens Minimum . in 10 cm 9. März: e 0,0 mm. Oie weißen Zelter. Von Wilhelm Schäfer. Kuno von Faihberg war so arm wie tapfer. Drum als er Gerda von Reichenstein als Braut heimsühren wollte, erbat er seines Oheims, des mächtigen Grafen Sponheim Hilfe. Der kam auch schließlich mit reichem Troß, dem Neffen seine Braut zu freien: doch als er ihre Schönheit sah, verließ er alle Treue und dachte sich selber noch trotz seinem Alter ein Weib ins Haus zu holen. Das war den Reichensteinern von Herzen recht, und obwohl sich Gerda nicht in den Wechsel schickte, wurde bald die Hochzeit angeseht. Kuno von Faihberg, der nichts von ihrem Sinn erfahren konnte, als daß sie eines anderen Hausfrau werden sollte, gab sich durch Wochen einer zornigen Schwermut hin. Dann sandte er ihr den Zelter, darauf sie oft mit ihm geritten war, durch einen Knecht als seine Hochzeitsgabe. Er hatte dieser Schimmel aber zwei; und als der Tag in einem Morgenrot anbrach, da Gerda mit ihren Eltern nach der Nahe ausreiten mußte, wo nach dem Willen des Grafen Sponheim die Hochzeit gefeiert werden sollte: stand auch das andere Tier gesattelt im Hof der kleinen Burg: denn Kuno gedachte selber einen scharfen Nitt zu tun, um nichts zu sehen von dem Zug. Doch konnte er nicht fort und saß noch trüben Sinnes an seinem Fenster, als drunten schon das fröhliche Getrappel rheinaufwärts kam. So sah er, daß Gerda wie so manchmal den weißen Zelter ritt, und wußte nicht, ob sie ihn kalten Sinnes verspotten wollte. Als sie nun aber unter seinen Mauern waren, so dicht, daß er sein Schwert hätte hinunter- werfen können, da mochte das Geklapper der vielen Hufe seinen Schimmel im Hof unruhig machen, so daß er bei einem lustigen Trompetenton von unten auf einmal hell zu wiehern begann. Kaum aber war das Echo davon ing Tal gefallen, als unten der Zelter aus der Reihe brach und mit behenden Sähen den gewohnten Weg hinauf zur Burg geflogen kam. Kuno von Faihberg sah das, was ihm gehörte, zu sich kommen und säumte nicht mehr, ans Tor zu springen, wo kaum die Ketten niederrasselten, als schon, zwar abgehetzt von solchem Ritt, doch stolz auf seine Last, der Zelter in den Burghof sprengte. Da brauchte es kaum eines Blickes, um zu wissen, daß sie noch beide eines Herzens waren und gleich den Zeltern einander zu- gehörten. Während er der blassen Braut aus dem Sattel half, hatten die Knechte schon die Brücke aufgezogen, so daß die ersten Reiter der Grafen das Tor verschlossen fanden. Den hatte die bittre Rot der Gerda schon vorher so gerührt, daß er nach diesem Borfall selber den Reichensteiner bat, es bei dem zweiten Tausch zu lassen. Er war zwar nicht beim Hochzeitsfest der beiden, doch wußte er so reich zu schenken, daß auch die Eltern Gerdas den Handel zufrieden waren. Das Gedicht für FranzJoseph. Ein Kindheitserlebnis von Joe Lederer. Im Frühjahr 1915 war ich einen Tag lang eine interessante Persönlichkeit, auf den Titelblättern der illustrierten Zeitungen war mein Bild, und die oier- oder fünfhundert Kinder, die zur Volksschule Wien, Dadlergasse, gehörten, hatten alle mir zu Ehren schulfrei, so großartig war die Angelegenheit. Ich kann mich noch genau an alles erinnern. Eigentlich fing es im Winter an, an einem Winternachmittag, ich sollte meine Rechenaufgaben machen, da kam meine Mutter ins Zimmer und sagte: „Bist du noch immer nicht fertig, — was kritzelst du denn da?" Aber irgend jemand rief nach ihr, sie ging wieder hinaus, und ich war gerettet. Aus dem Schulheft zog ich den Brief heraus,' den ich vor ihr versteckt hatte. „Lieber Kaiser! Bitte sei nicht böse, daß ich Dir schreibe. Weil Du wegen dem Krieg so viele Sorgen hast, wollte ich Dir eine Freude bereiten und habe ein Gedicht gemacht..." Es war nicht nur irgendein Gedicht, es war mein allererstes Gedicht. „Sie haben gehungert und gelitten — und haben für Gott und die Freiheit gestritten", so sing es an. Und dann ging es weiter mit Mut und Blut und Feindeshand und Vaterland. Ich erzähle das nicht, damit man mich auslacht, sondern weil mir damals so wunderbar war. Ich hatte doch Worte niedergeschrieben, die sich reimten, etwas Feierliches war in mir, ich war mir ganz fremd geworden vor Seligkeit. Dann schickte ich Gedicht und Brief ab, hübsch adressiert: Kaiser Franz Joseph, Wien. Schönbrunn. Ich wollte ihm wirklich eine Freude machen: und ganz im geheimen dachte ich: er wird mir antworten, und bann werde ich ihm wieder zurückschreiben, und dann kommt ein neuer Brief von ihm, und bann ... Aber es kam keine Antwort. Er schien keine Lust zu haben, mit mir zu forrefponbieren. Ich war froh, bah ich niemand bavon erzählt hatte, nicht einmal Papa. Der Gläubiger hat unter bestimmten Bor- aussehungen das Recht, den Antrag auf Fortführung bzw. Einleitung des Zwangsverfahrens zu stellen. Allgemein ist dieses Recht für Altenteile, Tlnierhaltungs- verpflichtungen, Löhne, Steuern u. dgl. gegeben. Weiter wird dem Gläubiger der ersten Hypothek das Recht auf Zwangsversteigerung gegeben, wenn er den Nachweis führen kann, daß der Schuldner in der Bcrgangenheit längere Zeit seine Zinsverpflichtungen nicht erfüllt und auch nach Erlaß der jetzigen Verordnung seine fällige Zinszahlung nicht geleistet hat. Durch diese Bestimmung wird ein Anreiz zur Weiterzahlung der Zinsen geschaffen und das Funktionieren der Realkreditinstitute gesichert. Die Zwangsvollstreckung bleibt weiter gestattet für Gläubiger von Krediten, die nach dem 30. Juli 1931 für die laufende Betriebsführung gegeben worden sind, sofern nicht der Schuldner aus außerordentlichen Gründen zahlungsunfähig geworden ist, z. B. durch Seuchen. Mißernten, aber auch durch Rückwirkung des allgemeinen Preisstandes. Durch die Verordnung wird insgesamt der ordentlich wirtschaftende Bauer vor der Zwangsvollstreckung geschützt, während böswillige Schuldner nach wie vor zur Abdeckung ihrer Verpflichtungen angehalten werden sollen. Unter Umständen wird sich an diese Verordnung noch eine Sicherung für die kleinen Gläubiger des Handwerks und Mittelstandes anschließen. Der Zweck der Verordnung über den Vollstreckungsschutz besteht vor allen Dingen darin, eine Voraussetzung für d i e Entschuld u n g zu schaffen, für die nunmehr in sachlich erforderlichem Umfang die nötige Zeit zur sorgfältigen Vorbereitung gewonnen worden ist. Oer Reichslandbund gegrüßt das Kabinett Hitler. Berlin. 14. Febr. (CND.-Funkspruch.) Der Bundesvorstand des Reichslandbun- d e s faßte eine Entschließung, in der er dem , Reichspräsidenten/s einenDank fürdie Berufung der /Führer der nationalen Bewegung zur Staatsführung ausspricht. Der Reichslandbund sehe darin den ersten Schritt, die rettenden Kräfte im ganzen Lande zur Einigung zu führen. Er werde das Einigungswerk innerhalb des deutschen Landvolkes mit "allen Kräften fördern und unterbauen. Die Landwirtschaft könne das große Sanierungswerk nicht von irgendwelchen Wahlergebnissen abhängig machen. Sie vertraue auf das Wort der Führer, die Macht nicht aus der Hand zu geben, auf alle Gefahr hin den Weg zu gehen, der nötig sei, daß Deutschland nicht verkomme. Die Z e i t d e r T a t e n sei gekommen! Oer Wahlaufruf der Deutschen Volkspartei. Berlin, 14. Febr. (SIL) Der Parteivorstand der Deutschen Dolkspartei erläßt einen Wahlaufruf, in dem es u. a. heißt: Unbeirrt durch engen Parteigeist gehen wir in den Wahlkampf in einem christlich-nationalen Block, um durch die Listen der Deutschen DolLspartei für eine nationale Mehrheit zu kämpfen. Der DBP. fällt im Kampfe um die nationale Rettung aber noch eine besondere po- • lit.sche Aufgabe zu. Die Parteien der Regiernmgs- koalition und ihre Führer, mit denen wir uns in den nationalen Zielen der deutschen Politik einig wissen, hüllen sich trotz laut in die Lande schallender Agitation in tiefes Schweigen über die staatspolitischen. Wirtschafts- und sozialpoliti- schen Ziele uitb Wege ihrer zukünftigen Arbeit. Beide Regierungsparteien lehnen es bewußt ab, das Dunkel ihrer Zukunftspläne im Wahlkampf zu lichten. Wer deshalb die Aufgabe der kommenden Wahlen die feste nationale Mehrheit erreichen, aber gleichzeitig nicht Vollmachten für ungewisse Ziele erteilen will, der wählt die Deutsche Volkspartei. Je stärker dieser Flügel der nationalen Front aus dem Wahlkampf hervorgeht, desto sicherer wird der deutsche Arbeiter, Bürger und Bauer vor den Gefahren politischer und wirtschaftlicher Experimente be wa h r t bleiben. Wir lehnen den P a r t e i st a a t mit feinen Diktaturgefahren ebenso ab, wie wir den Klassenstaat stets bekämpft haben und bekämpfen werden. Kommunistische Fühlungnahme mit den freien Gewerkschaften. Berlin, 14. Febr. (TU.) Der Berliner Bezirksausschuß der kommunistischen Gewerkschaftsopposition hat dem Ortsausschuß des ADGB. eine Aussprache über gemeinsam zu ergreifende Schritte vorgeschlagen, wobei betont wirb, baß man diese Verständigung trotz des Bestehens grundsätzlicher Differenzen suche. In der gleichen Weise hat sich der Vorstand des roten Einheitsverbandes der Metallarbeiter mit der Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiteroerbandes in Verbindung gesetzt. Der Ortsausschuß des ADGB. hat in feinem Antwortschreiben unter ausdrücklicher Betonung des Oer Zwischenfall Morath. Berlin, 15. Febr. (VDZ.) Ueber den Angriff auf den volksparteilichen Abgeordneten M o r a t h im Ueberwachungsausschuß hört das VDZ.-Büro folgendes: Als der Protcstfturm der Nationalsozialisten gegen Löbe als Vorsitzenden einsetzte, hatte der Abgeordnete M o r a t h die Absicht, den Saal zu verlassen. Er hatte sich aber kaum von seinem Platz erhoben, als er merkte, daß es sich um eine Ürauerfunbgebung für bie O p - er von Neunkirchen handelte. Er ist bann tehen geblieben und hßlt sich erst, als der tellvertretende Vorsitzende Frank die Sitzung chloß, zum Ausgang begeben. An der Tür erhielt er bann plötzlich einen Schlag in ben Rücken. Er drehte sich um und bekam einen zweiten Schlag ins Gesicht. Der Angreifer war der nationalsozialistische Abgeordnete Streicher. Morath verwahrte sich gegen diesen Angriff und rief: „Für wen halten Sie mich, was fällt Ihnen ein?", worauf andere nationalsozialistische Abgeordnete auf ihn eindrängten. Streicher rief aus: „Er hat während der Trauerkundgebung geraucht, die haben ja keine Würde, diese Marxisten." Der Abgeordnete Morath erklärte ausdrücklich, daß er wahrend der Trauerkundgebung n i ch t g e r a u ch t hat. Oas Zentrum wendet sich an Göring. Berlin, 15. Febr. (VDZ.) Im Namen der Zentrumsmitglieder des Ueberwachungsausschusses hat 'Abgeordneter Weg mann an den Reichstagspräsidenten Göring ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: Da Sie vom Vorsitzenden des Ausschusses über die Vorkommnisse vom 7. d. M. unterrichtet und gebeten worden sind, ben ordnungs- mäßigen Verlauf der heutigen Sitzung zu ermöglichen, muß ich meinem schmerzlichen Be- dauern Ausdruck geben, daß Sie dem Ausschuß die Ausübung seiner verfassungsmäßigen Rechte nicht ermöglicht haben. Ihr Nichteingreifen berührt mich um deswillen besonders eigenartig, well wir noch vor wenigen Monaten in dem gleichen Ausschuß gemeinsam gegen oer- fassungswidrige Maßnahmen der Regierung von Papen und für die Rechte der Volksvertretung gekämpft haben. Meine Fraktion hat Ihnen bei den letzten Präsidentenwahlen einmütig die Stimme gegeben im Vertrauen auf Ihre feierliche Erklärung, daß Sie die Geschäfte unparteiisch gemäß der Geschäftsordnung und der Verfassung führen würden. Nach Verfassung und Geschäftsordnung gehört es zu den vornehmsten Pflichten des Präsidenten, die Arbeiten des Plenums und seiner Ausschüsse zu gewährleisten. Sie werden mit mir davon durchdrungen sein, daß Sie sich von der unparteiischen Erfüllung Einheitsfrontgedankens örtliche Verhandlungen als wertlos abgelehnt, da nur zentrale Verhandlungen zu einem Ziele führen könnten, darum bitte er, daß sich die zentrale Körperschaft der NGO. mit der Zentrale des ADGB. in Verbindung setze. Oie Reichsliste des Zentrums. Berlin, 14. Febr. (CNB.) Der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Zentrumspartei stellte folgende R e i ch s l i st e für Die Reichstagswahl zusammen: 1. Dr. Brüning, Reichskanzler a. D.: 2. Prälat Professor Dr. Ludwig K a a s ; 3. Dr. Stege r w a l d, Reichsminister a. D.: 4. Thomas Esser, Gewerbebankdirektor: 5. Dr. Hermes, Reichsminister a. D.; 6. Dr. H a d e l s b e r g e r , Fabrikbesitzer: 7. Dr. Wirth, Reichskanzler a. D.; 8. Dr. Florian Klöckner, Fabrikbesitzer: 9. Oberlehrer Hofmann, Ludwigshafen: 10. Frl. Peeren- boom, Düsseldorf. Ihrer präsidialen Pflichten auch nicht durch Ihre Parteifreunde im Ausschuß abhalten lassen dürfen. Auch Dr.I.auk II. schreibt an den Aeichstagspräfidenten Berlin, 14. Febr. (TA.) In einem Schreiben, das der Reichstagsabgeordnete Dr. Frank I I an den Reichstagspräsidenten Goring gerichtet hat, wird darauf hingewiesen, daß der Abg. Löbe am Dienstag wiederum versucht habe, den Vorsitz im Lleberwachungsausschuh auszuüben, obwohl er die von ihm begangene ungeheuere Herabwürdigung Adolf Hitlers durch die Bezeichnung „Adolf der Slowake" nicht mit dem Ausdruck lebhaftesten Bedauerns zurück- genommen habe. Der nationalsozialistischen Aus- schußmitglieder habe sich infolgedessen stärkste Erregung mit dem Augenblick bemächtigt, als Löbe die Eröffnung der Sitzung verkündet habe. Dr. Frank 11. habe erklärt, daß wegen der Stellungnahme der größten Fraktion zu Löbe dieser tatsächlich verhindert fei. den Vorsitz zu führen, und daß somit, um überhaupt eine sachliche Sitzung zu ermöglichen, der Stellvertreter den, Vorsitz zu übernehmen habe. Er, Dr. Frank II.. habe daraufhin die Sitzung eröffnet, eine Gedenkrede auf die Neunkirchener Opfer gehalten. während sich die Mehrzahl der Abgeordneten von den Plätzen erhoben habe und dann zum Zeichen der Trauer die Sitzung geschlossen. Die Sozialdemokraten und die Kommunisten hätten während der Trauerrede den Saal verlassen. Dr. Frank Ii. erklärt weiter, es solle in der Erregung über das Verhalten der Marxisten einem Mitglied« des Ausschusses, das während der Trauerrede die Zigarre im Munde behalten hatte, die Zigarre aus dem Mund genommen worden fein. Er selbst fei nicht Zeuge dieses Vorfalles und müsse deshalb näheren Bericht darüber abwarten. Dr. Frank II. ersucht am Schluß seines Schreibens den Präsidenten, verleumderischen Darstellungen der Sitzungsvorgänge, wie sie von Marxisten gegeben würden, entgegenzutreten und bittet um Schutz der nationalsozialistischen Ausschußmitglieder in der Wahrung ihrer Rechte. Preußens Vertretung im Reichsrat. Berlin, 14. Febr. (TU.) Die Kommissare des Reiches für Preußen haben folgende Zusammensetzung der Vertretung des preußischen Staates im Reichsrat beschlossen: Als Bevollmächtigte des preußischen Staates die Kommissare des Reiches: v. Papen, Göring, Popitz, Hugenberg und Rust. Als stellvertretende Bevollmächtigte im Hauptamt: Staatssekretär Dr. Nobis, die Ministerialdirektoren Dr. Landfried, Schütze, Neumann, Dr. Hog (Finanzministerium) und Hauptmann a. D. Körner (Ministerium des Innern). — Die Kommissare des Reiches haben weiter beschlossen, die Die Vorgänge im Werwachungsausschliß Pava war schon den ganzen Winter über krank gewesen, ich wußte nicht, was ihm fehlte. Sein Gesicht war goldbraun geworden wie Metall. Manchmal fragte mich die Lehrerin: „Wie geht es deinem Vater?" Ich wollte nicht mit fremden Menschen über meinen Papa sprechen. „Danke, es geht ihm gut", sagte ich. Die Lehrerin sah mich mit hochgezogenen Brauen an. Aber ich wollte weder mit ihr, noch mit sonst jemand über Papa sprechen. Der Schnee war plötzlich fort, die Kastanien im Schulgarten hatten dicke Knospen. Eines Tages als ich heimkam, empfing man mich in heilloser Aufregung. „Was hast du angestellt, mein Gott, was ...!" Ein Detektiv war dagewesen, ein strenger Herr, der unbedingt herausbekommen wollte, wer mir den Brief an den Kaiser diktiert hätte. Hochverrat, Majestätsbeleidigung? Meine arme Mutter zitterte vor Entsetzen. Der strenge Herr gab keine Auskünfte, machte Notizen und verschwano. Auch in der Schule hatte er sich nach mir erkundigt. Aber abgesehen von der Schande, daß ich in die Direktionskanzlei gerufen wurde und dem Direktor alles haargenau erzählen mußte, geschah mir absolut nichts. Papas bester Freuest) ging an die Front, er kam, um von uns Abschied zu nehmen und brachte mir eine große Puppe mit. Sie hatte echte Wimpern und ein weißes Spitzenkleid. Ich freute mich nicht. Papa lag zu Bett, er sprach wirre Dinge, man muß die Telegramme abschicken, sagte er, die Krawatten sind im Kursbuch, — ach, die ewige Nacht... Dann wurde meine Mutter zum Schuldirektor gerufen. Ein Schreiben mit fünf großen Siegeln war angekommen. Und am übernächsten Tag war eine Menge fremder Leute in der Schule, der Turnsaal war mit Fahnen und Blumen und Gipsfiguren geschmückt. Ein paar honigsüße Herren sausten um mich herum und sagten: „Erzähl uns doch alles, geh, sei lieb, da hast du also den Brief geschrieben, und..." Nach jedem Wort bekam ich Schokolade. Dann rissen sie mir die Bonbontüten wieder aus der Hand, weil sie mich photographieren wollten. Ein junger Mann mit einem Zeichenblock zupfte immer an mir herum. Mir war ganz schwindlig. Endlich kam der Schuldirektor und mit ihm lauter andere Schulräte und Gott weiß was noch. Meine Mutter sah sehr weit fort von mir, auf der Estrade und nickte mir zu. „Seine k. und k. Apostolische Majestät geruhten Allergnädigst vom Inhalt des beiliegenden Briefes und Gedichtes Kenntnis zu nehmen, waren über diese spontane und finnige Anhänglichkeitskundgebung eines jugendlichen Gemüts sehr erfreut und spenden huldvollst der Joe Lederer das anverwahrte, mit einem Allerhöchstderen Initialen tragenden An- Ministerialdirektoren Dr. Badt, Brecht und C o s z m a n n in den einstweiligen Ruhe st and zu versetzen. Kunst unv Wissenschaft. Junge italienische Kunst in Berlin. Die Erwerbung jungitalienifcher Meister durch die Berliner National g a l e r i e wurde tm Kronprinzenpalais mit einem Festakt gefeiert, zu dem zahlreiche Persönlichkeiten aus Diplomatie, Kunst und Wissenschaft erschienen waren, u. a. der italienische Botschafter C e r r u t t i, Reichsminister Göring und Reichsminister Dr. Popitz. Nach einleitenden Worten des Direktors der National- galcrie Geheimrat I u st i, würdigte Reichsminister Göring die kulturpolitische Bedeutung der neu erworbenen Werke. Er erklärte u. a. Faschismus und Nationalsozialismus find darin einig, ihre Völker vor der Anarchie, vor der Zerstörung durch den Bolschewismus zu schützen. Beide wenden sich dagegen, daß Zersetzung und Anarchie in der grauenhaften bolfchewistischen Idee auch auf dem Gebiete der Kunst voran- schreiten und das Heimische zerstören sollen. Ich begrüße daher namens der Reichsregierung, daß als erstes Land Italien es ist, das hier in dem deutschen Museum eine Heimstätte gefunden hat und begrüße es doppelt und dreifach, daß es das neue Italien ist, das uns hier zeigt, was heimisches Empfinden, heimische Kraft, heimische Kunst zu gestalten wußte. Ich begrüße es besonders, daß es Künstler waren, die ebenfalls aus der Idee des Faschismus die Kraft geschöpft haben und die nun auf dem Gebiete der Malerei den Faschismus so zur Geltung bringen, wie er als stärkste Ausdrucks- form des italienischen Volkes heute seine Geltung hat. Das neue Deutschland, das mit dem 30. Januar angebrochen ist, das bereit ist, alle jungen Kräfte zu wecken, die nur in einer Generation ruhen können, die sich auf sich selbst besinnt, eine Regierung, die gewillt ist, deutsches Blut auf allen Gebieten wieder zur Geltung zu bringen, sie müssen sich verwandt fühlen mit dem faschistischen Italien. Großer Erfolg der Berliner Philharmoniker unter Jutfroänglec in London. Das Berliner Philharmonische Orchester begann seine diesjährige Konzertreise in England mit einem Beethoven -Abend in der Queenshall in London, die bis auf den letzten Platz gefüllt war. Der deutsche Botschafter, der den Dirigenten Furtwängler in der Botschaft ausgenommen hatte, der österreichische Gesandte von Franken steim, Mitglieder des englischen Kabinetts, darunter Schatzkanzler Chamberlain und viele Mitglieder der englischen Gesellschaft, waren zu diesem Kunstereignis erschienen, das Furtwängler zuletzt noch zu einer Wagner-Gedächtnisfeier ausgestaltete, indem er über das Programm hinaus das Vorspiel zu den „Meistersingern" zugab. Furtwängler und sein Orchester wurden mit rauschendem, nicht endenwollendem Beifall überschüttet. Es war, wie „Daily Expreß" sagt, eine Art Heldenverehrung. Junge Damen küßten, hingerissen von der Eroika, das Bild Furtwänglers im Programm. Die Londoner Presse erkennt durchweg an, daß das Berliner Philharmonische Orchester der Lehrmeister für die englische Musikkunst war, die sich an ihm aufgerichtet und weiter ausgebildet habe. Trauerfeier für Minister a. D. Dr. Becker. In Dahlem bei Berlin sand die Trauer- feier für den verstorbenen ehemaligen Kultusminister Professor D. Dr. h. c. Dr. Carl Heinrich Becker statt. Generalsuperintendent D. Dibe -> lius entwarf ein Bild von der Tätigkeit des Verstorbenen. Für die Berliner Universität sprach Professor Dr. S ch a e d e r, der über das Lebenswerk von Professor Becker sprach und besonders seine starke Verbundenheit zur Jugend unterstrich. Zuletzt sprach der ungarische Gesandte, der dem Verstorbenen im Namen der ungarischen Regierung besonderen Dank für seine Tätigkeit im ungarischen Kulturkampf aussprach. Die Leiche wurde auf dem Dahlemcr Waldfriedhof beigesetzt. heiliger gezierte goldene Halskettchen als Allergnädigste Anerkennung ..." Der Schuldirektor las zuerst diesen Bries vor, und dann hielt er eine Rede. Es war eine lange Rede, und der Saal war voll mit Menschen, und ich stand ganz allein, und alle starrten mich an. Es würgte mich im Hals, ich dachte an Papa, aber ich rührte mich nicht und sah geradeaus in die Luft. Dann überreichte mir der Schuldirektor die Miller- gnädigste Anerkennung", sie lag auf himmelblauem Samt und glitzerte in der Sonne. Und dabei sagte er etwas von „ ... würdig erweisen" und „Es wird dir einstmals eine tröstende Erinnerung sein, daß dein Vater durch dich noch diese Freude erleben konnte ..." So sagte er mir ins Gesicht, daß Papa sterben mußte. Später registrierten die Reporter: „Schluchzend nahm das Kind das kaiserliche Geschenk in Empfang." Und sie schrieben, daß mir dieser Tag unvergeßlich sein würde ... Zeitschriften. — „Philosophie und Leben", hg. v. Prof. Ang. Messer. Verlag Felix Weiner, Leipzig. Viertels. 3 Hefte 1,80 Mk.. Einzelheit 0,75 Mk. — Das Februar-Heft handelt von den Problemen, Nöten und Idealen der jungen Generation. Es beginnt mit einer ausführlichen Analyse des Buches „Die Sendung der jungen Generation" von Günther Gründel. Aus dem Brief eines Lehrers spricht ergreifend der soziale Sinn und der Opferwille eines jungen Deutschen. Ein jugendlicher Arbeiter erzählt seinen inneren Entwicklungsgang. Diese Erzählung sowie weitere Briefe, die in der „Aussprache" mitgeteilt werden, ermöglichen tiefe Einblicke in das seelischgeistige Leben unserer vielfach so verschlossenen Jugendlichen und verraten mehrfach erstaunlich hohe Begabungen. Hochschulnachnchten. Auf den Freiburger Lehrstuhl der Kunstgeschichte wurde an Stelle von Professor Dr. Hans I a n tz e n der Privatdozent Dr. Kurt Bauch von der Tlniversität F r a n k f u r t a. M. berufen. Dem o. Professor Erich Freiherrn von Red- wih an der Universität Bonn ist der Heidelberger Lehrstuhl der Chirurgie an Stelle des emeritierten Professors E n d e r l e n angeboten worden. Aus der Provinzialhauptstadt. Oie Ausführungsbestimmungen zur Neuregelung derVerfammlungSsrecheii Zur Handhabung der Notverordnung , des Reichspräsidenten aum Schuhe des Deutschen Do.ies vom 4. Februar 1933, die eine grundlegende Neuordnung der Presse- und Versamm- lungsfreiheit gebracht hat, srnd vom hessischen Innenminister nunmehr die erforderlichen Aus- führningsbestimmungen erlassen worden. Danach hat die Anmeldung der öffentlichen politischen Versammlungen sowie aller Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel innerhalb der üb.ichen Dienststunden bei den Kreisämtern zu erfolgen. In den Gemeinden mit staatlicher Verwaltung der Ortspolizei sind die Anmeldungen bei den Polizeiämtern und in den Gemeinden Dingen, Alzey und Gonsenheim bei den Bürgermeistereien anzubringen. Dabei ist nicht nur allgemein die Gemeinde und der Tag der Veranstaltung, sondern es sind auch die Stunde der Veranstaltung, d.r Versammlungsraum oder -platz, bei Auszügen und galten auch die einzelnen Ströhen, die berührt werden, genau anzugeben. Oert- lich zuständig sind die Kreisämter, Polizeiämter oder Polizeiverwaltungen, in deren Bezirk die anmeldepflichtige Veranstaltung staitsindet. Erstreckt s.ch eine anmeldepflichtige Veranstaltung über mehrere Amtsbezirke, so ist sie unter Angabe dieser Tatsache bei jedem einzelnen örtlich zuständigen Amte anzumelden. Sollen sich Veranstaltungen über einen größeren Bezirk Hessens erstrecken, dann können sie auch bei dem Landeskriminalpolizeiamt in Darmstadt angemel- det werden. Leitende Beamte des Staates, die in der Verordnung vor Beschimpfung oder böswilliger Verächtlichmachung unter besonderen Schutz gestellt werden, sind in Hessen: der Staatspräsident, .die Minister und deren Stellvertreter, die Vorstände der Provinzialdireitionen, der Kreisämter, der Polizeiämter und des LandeS- kriminalpolizeiamtes. Die übrigen Paragraphen der Ausführungsverordnung bestimmen, welche Behörden in Hessen für die in der Notverordnung vorgesehenen Matznahmen im einzelnen zuständig sind. Konzert für die Winternothilfe. Zum Besten der Gießener Winternothilfe veranstaltet Frau Dr. Meyer mit ihrer Gesangschule in Verbindung mit der Kapelle unseres Bataillons am 2 0. Februar in der Neuen Aula ein Konzert. Den Besuchern wird eine erlesene Vortragsfolge einige genußreiche Stunden bereiten. Näheres wird noch im Anzeigenteil bekanntgegeben. Daten für Mittwoch, lo.Februar. 1564: der Physiker und Astronom Galileo Galilei in Pisa geboren; — 1763: der Friede von Hubertusburg beendet den Siebenjährigen Krieg; — 1/781: der Dichter Gotth. Ephraim Lessing in Braunschweig gcstorben; — 1855: der Maler Hugo Vogel in Magdeburg geboren; — 1915: deutscher Sieg über die Russen in der Winterschlacht in Masuren; — 1928: der englische Staatsmann Lord Henry Asquith in London gestorben. ^urnotifrcn. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, 19. Vor- stellung im Mittwoch-Abonnement, das Lustspiel „Bargeld lacht" von Cammerlohr und Cbermayer. Spielleitung: Peter F a s s o t t. Gewöhnliche Preise. Ende 22 Uhr. — Die Operette „Das Dreimäderlhaus" von Willner und Reichert mit der Musik nach Franz Schubert kommt am Freitag. 17. Februar, als 19. Vorstellung im Freitag- Abonnement zur Ausführung. Opcretten-Preise. Schülerkarten haben Gültigkeit- Anfang 20 Uhr. Ende 23 Uhr. — Als Schülervorstellung am Samstag. 18. Februar, letzte Aufführung des Trauerspiels „Hamlet" von Shakespeare. Schülerpreise. 15.45 bis 19 Uhr. — Am Sonntag, 19. Februar, als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Operettenpreisen die Operette „Das Dreimäderlhaus" mit der Musik nach Franz Schubert. Schülerkarten haben Gültigkeit. Beginn 18.30 Uhr, Ende 21-30 Uhr. — Der Gießener Cisverein beginnt heute abend wieder mit seinen regelmäßigen Rollschuhübungsabenden. Da es mit dem Schlittschuhlaufen vorbei sein dürfte, werden sich bie Uebungsstunden in der Volkshalle wieder allgemeiner Beliebtheit erfreuen. (Wan beachte die heutige Anzeige.) * * Geschäftsjubiläum. Heute vor 25 Iahren eröffnete Herr Iakob Schupp, Stein- strahe—Bahnhofstraße, in der Walltorstraße eine kleine Reparaturwerkstätte für Fahrräder und Nähmaschinen. Zugleich begann er mit dem Handel von Fahrrädern und Nähmaschinen. Bis zum Iahre 1915 verblieb er in der Walltorstraße. Von 1915 bis 1930 verlegte er sein Geschäft in den Seltersweg. Hier gliederte er seinem Betrieb noch eine Motorradhandlung mit Reparaturwcrkstätte ein. Da sich das Geschäft immer weiter entwickelte und ju einem der besten Spezialgeschäfte am Platze wurde, reichten die Räumlichkeiten nicht aus. Durch den Erwerb eines eigenen Grundstückes in der Steinstrahe war es chm möglich, der Entwicklung seines Geschäfts durch den Bau einer modernen Werkstatt mit Garage und Verkaufsraum Rechnung zu tragen. Seit Iuni vorigen Iahres betreibt er neben dem Hauptgeschäft in der Steinstraße ein Reparatur- und Verkaufsgeschäft in der Bahnhofstraße. * * VHC. Gießen. Die zweite Vereinswanderung des VHC. Gießen führte am Sonntag wieder in die nähere Umgebung unserer ctabt. Durch einen Teil der Lindener Mark ging wie man uns berichtet, auf hart gefrorenen Wegen mit Umgehung von Großen-Linden durch Hörnsheim, das noch viele alte Torbogen auf» öutoeifcn hat, zur Mittagsrast nach Groß-Rech- tenbach. Die Sonne, die den Wanderern ein ^?0es Stück das Geleite gab, war indessen auch fleißig bei der Arbeit, so daß der Weitermarsch auf manchmal recht weichen Pfaden vor sich ging. □Kit gutem Humor wurden jedoch diese Hindernisse überwunden und der Aufstkeg auf den Etoppelberg unternommen. Wenn auch der Fernblick vom Aussichtsturm durch Nebelbildung start beeinträchtigt war, so entzückte doch der Blick auf die nähere Umgebung des Berges, namentlich auf die alte Reichsstadt und das Lahntal. Der Abstieg erfolgte durch den Wald mit zahlreichen Haselstauden, deren Blüten bereits den kommenden Frühling ahnen ließen, über Münchholzhausen zum Endziel Dutenhofen, wo die Schluhrast abgehalten wurde. ** Warnung vor einem Betrüger. In mehreren deutschen Städten sind Krankenkassen durch einen angeblichen Obermonteur Gellert auf folgende Weise geschädigt worden: Unter der Firma Domag, Plauen im Vogtland, meldet er verschiedene Arbeiter an, die angeblich im Dienste dieser Gesellschaft stehen sollen. Beiträge für die angeblichen Mitglieder zahlt er nicht; auch sind diese Beträge bei der Firma Vomag nicht beizutreiben, da die Domag den Gellert nicht kennt. Gellert ist u. a. auch in Frankfurt a. M. und Hanau ausgetreten. Die Kasse schädigt er durch falsche Krankmeldungen. ** W i n t e r f e st der 4. Kompanie. Am Samstagabend hielt die 4. Kompanie, die Maschinengewehr-Kompanie unseres Bataillons (Ira« ditions-Kompanie des Infanterie-Regiments Prinz Carl), in den Räumen der „Liebigshöhe" ihr diesjähriges Winterfest ab. Der Chef der Kompagnie, Hauptmann Hofmann, hielt eine kurze Begrüßungsansprache, in der er besonders die Kameraden der verschiedenen Militärvereinigungen herzlich willkommen hieß und der Veranstaltung einen fröhlichen Verlauf wünschte. Der Abend brachte ein unterhaltsames Programm. Die Kapelle des Bataillons bestritt unter Leitung von Obermusikmeister Krautze den musikalischen Teil der Veranstaltung und wartete mit Darbietungen von Lortzing, Puccini und Strauß aus. Mit besonderem Beifall wurden Hymne und Triumphmarsch aus „Aida" (mit großen Posaunen) ausgenommen. Nicht weniger lebhaften Beifall fanden die Märsche mit Fanfarentrompeten und Kesselpauken, die wieder mit viel Schmiß zu Gehör gebracht wurden. Die Gesangsabteilung wartete mit einem ernsten und einem heiteren Liede auf und gefiel durch die frische Art des Vortrags. Unteroffizier Lande- s e l d unterhielt ausgezeichnet mit verschiedenen lustigen Vorträgen in Frankfurter Mundart. Mit großem Beifall wurden die Hebungen im Boden- ttunen ausgenommen. Die Soldaten zeiaten hier erstaunliche Leistungen und wußten ihr Auftreten durch einige humorvolle Einlagen besonders wirkungsvoll zu gestalten. Ein Clown tat seinerfei^ alles, um die Lachmuskeln der Zuschauer in Bewegung zu setzen. Den Abschluß des offiziellen Teiles des Programms bildete die Wiedergabe des Armeemarsches II., Nr. 118, „Radetzkymarsch", durch die Gesangsabteilung in Verbindung mit dem Orchester. Bei Tanz und geselligem Beisammensein vergingen die restlichen Stunden des Abends. Amtsgericht Gießen. Es mag ab und zu vorkommen, daß langsam fahrende Radler auf der Landstraße Hunde an der Leine mit sich führen. Ratsam ist es nicht, auch bedenklich, denn immerhin können langangeseilte Hunde als Verkehrshindernisse angc- . sehen werden. Einen ungewöhnlichen Anblick, was den Straßenverkehr anlangte, hatten - aber am 27. November v. 3. auf der Straße von Treis nach Mainzlar einige Wegebenuher. Sie bemerkten, daß ein offensichtlich abgehetzter deutscher Schäferhund, der infolge allzu engen Maulkorbes nur schwer zu atmen vermochte, neben einem in beschleunigtem Tempo (etwa 20 Kilometer) fahrenden Auto herlief. Er war an einer Leine angebunden, die aus dem Innern des Wagens führte. Die Augenzeugen empörten sich hierüber, und wie berechtigt ihre Empörung war, sollten sie bald erfahren, denn es handelte sich schließlich nicht mehr um ein Mitführen, sondern um ein Mitziehen des Hundes, der sich der Geschwindigkeit des Autos nicht anpassen konnte. Er wurde eine Strecke förmlich geschleift und fiel dann, als endlich der Wagen hielt, in gänzlich erschöpftem Zustande nieder. Er blutete stark und hat auch auf der Landstraße Dlutspuren hinterlassen. In dem zweisitzigen Kleinauto befanden sich zwei Insassen aus Nachbarorten; der eine lenkte, der andere befaßte sich mit dem Hund, den sie in das Innere des Wagens mitgenommen hatten. Die Insassen wollten ihn seinem Eigentümer, einem Mühlenbesitzer, der ihn in einem Rcchbawrte gclauit hatte, zuführen. Der Hund wurde in dem engen Raum unruhig und wandte fidf angeblich gegen seinen Begleiter, so daß sich die Insassen schließlich entschlossen, den Hund auszusetzen und an der Leine mitzuführen, ohne zu bedenken, daß ein derartiges Mitführen eines Hundes in jedem Fall, auch wenn derartige sichtbare Folgen, wie im Fragefall, nicht eintreten, eine grausame Tiermißhandlung bedeutet und als Tierquälerei zu bewerten ist, ganz abgesehen davon, daß es auch eine Gefahr für den Verkehr auf der Straße bilden kann. Sonderbar mutete die Entschuldigung der beiden Angeklagten an, sie hätten den Hund ermüden und dadurch willfähriger machen wollen. Eines ausdrücklichen Verbots einer solchen Mitnahme von Hunden bedurfte es in den Verkehrsordnungen nicht. Einmal hat wohl der Gesetzgeber mit derartigen Ausslüssene von Unvernunft und Gefühllosigkeit nicht gerechnet, dann aber bietet der einschlägige § 360 pos. 13 StGB- zur Zeit in strafrechtlicher Hinsicht noch einen hinreichenden Tierschutz. Die beiden Angeklagten erhielten Geldstrafen von je 30 Mark. Beginn der Beweisaufnahme im Volksbankprozeß. Darmstadt, 14. Febr. (WSN.) Im Volksbankprozeß wurde heute mit der Zeugenvernehmung begonnen. Bankbeamter Müller (Volksbank) ist der Meinung, daß die Kreditpolitik an die Genehmigung des Aufsichtsrates gebunden war unb glaubt sich erinnern zu können, daß Äreditüber- schreitungen oft nachträglich genehmig t wurden. Dem Zeugen sind bei der Reorganisation der Depotabteilung einige Effektenkonten von Herren der Verwaltung in ihrer Höhe aufgefallen und er äußerte gegenüber dem Direktor Weiler seine Bedenken. Der Zeuge hat im Jahre 1926 zum ersten Male selbst Auftrag auf einen Effektenkauf gegeben, Sicherheiten wurden von ihm nicht verlangt und eine Krediturkunde nicht ausgestellt. Den angeklagten Direktor Becker bezeichnet der ''Zeuge, der B. schon aus seiner früheren Stellung in der Vereinsbank kannte, als einen „Dankmann", der etwas kann. Der Bankbeamte Wiedemann ist seit 31 Jahren auf der Darmstädter Volksbank tätig und meint, daß der Eintritt von Direktor Becker in die Volksbank die Spekulationslust der Bankangestellten belebte. Er bestätigt, daß bei Spekulationsgeschäften die Effekten als lOOprozentige Sicherheit bewertet wurden, Effekten für Anlagekredite jedoch nur mit 60 bis 65 v. H. Die Sicherheit habe eben in der Person des Kreditnehmers liegen müssen. Auch der Zeuge hat spekuliert, als die Verluste feine Der« rnögensverhältnisse überstiegen, habe er jedoch Schluß gemacht. Da ihm die Effektengeschäfte des Direktors Becker wegen $rcr Höhe und der Art ihrer Verbuchung bedenklich erschienen, wurde er unter Umgehung des Angeklagten Direktor Becker bei dem ersten Direktor Weiler vorstellig. Dieser Schritt hat nach seiner Auffassung dazu geführt, daß bann die Spckulationskonten der Dorstandsmitglie- der unter Chiffre geführt wurden. Dankdirektor a. D. Brink äußert sich über den Eindruck, den die Kreditpolitik der Volksbank im Jahre 1929 bei der Darmstädter Vereinigung genoß. Die Vernehmung des ehemaligen Bankbeamten Mager wird nach einem Zusammenstoß zwischen dem Vorsitzenden und dem Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Oppenheimer abgebrochen. Buntes Allerlei. Acht Monate in chinesischer Gefangenschaft. Drei ältliche Damen, die im vergangenen Iahr acht Monate als Gefangene bei chinesischen Räubern schmachteten, sind jetzt in aller Stille nach ihrer englischen Heimat zurückgelehrt. Es sind die Missionarinnen Mildred Cable und die Schwestern Eva und Fracesca French,, die seit 30 Iahren der englischen Mission in China angehören und das Evangelium zu den Dörfern von Tibet, der Mongolei und Turlestan getragen haben. Die älteste, Miß Cable, ist eine zarte, kleine, grauhaarige Frau, der man es nicht zu- trauen möchte, daß sie mit ihren Begleiterinnen viermal auf Kamelrücken und auf holpernden Eingeborenenkarren die Wüste Gobi durchquert hat. Indem sie wie die Eingeborenenfrauen sich kleideten, dieselbe Nahrung zu sich nahmen und die Sprache des Landes fließend beherrschten, gelangten diese drei Frauen an Orte, an denen noch niemals vorher Weiße gewesen. So waren sie z. B. die ersten weihen Frauen, die die kürzlich entdeckten „Gräber der 1000 Buddhas" bei Tun-wang bewundern konnten. In dieser Stadt, die im äußersten Nordwesten von China liegt, wurden sie gefangen genommen, als der Räuberhauptmann Ma Chong-Iing sie zu Anfang des vergangenen Iahres einnahm. Sie wurden bann in eine Oase In der Wüste gd> schleppt und dort festgeyalten, lieber ihre Er» lebnissc äußerten sie sich nur spärlich. „Der Banditenhäuptling war gar nicht so schlimm"» meinte Miß Cable. „Cs waren seine Soldaten, von denen wir viel auszustehen hatten. Doch was soll man viel klagen. Es war nicht gerade schön, aber wir haben die Zeit überstairden. Eines Tages wurde uns klar, daß die Zeit für uns gekommen war, und da rissen wir aus." Die drei unbewaffneten und schwachen Frauen machten nun ihren Weg durch Turkestan bis zu der Südgrenze von ©ibir c.i und erreichten glücklich die Eisenbahnlinie bei Nowosibirsk. Während all dieser Abenteuer hatten sic nerr eine Begleitung bei sich, nämlich Topsy, ein taubstummes Mongolenmädchen, das sie fünf Iahre vorher gerettet hatten. „Topsy war eins der Millionen unerwünschter Kinder in China", erzählten sie. „Wir fanden sie in Suchau, unserem Standort in der Provinz Kansu, aus der Straße liegend. Sie ist seitdem immer bei uns gewesen und mit uns nach England gekommen. Vielleicht hat unsere Gefangenschaft auch etwas Gutes gehabt. Wir predigten den Räubern das Evangelium, und sie waren durchaus nicht abgeneigt, uns zuzuhören. Wie uns seitdem berichtet wurde, sollen einige von ihnen sich bekehrt habend Die tapferen Missionarinnen wollen jetzt ein Iahr zu Hause bleiben und dann ihre Arbeit in ihrem alten Wirkungskreis wieder aufnehmen. Briefkasten Oer Redaktion (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schnftleitung > G. IN. Soweit aus dem Schreiben zu ersehen ist, ist das Wochcnendhäuschen. da es anscheinend mit bem Grund und Boden fest verbunden ist, ein „Gebäude" im Sinne der Steuergesetze. Es wäre somit an und für sich der Grundsteuer unterworfen. Für den Fall jedoch, daß es nach dem 1. April 1931 bezugsfertig geworden ist, ist es gemäß § 20 Abs. 1 des Dritten Teiles Kapitel II der Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 1. Dezember 1930 bis zum Jahre 1938 einschließlich von der Grundsteuer befreit. Die weitere Voraussetzung hierfür, daß das Häuschen mehr als 75 o. H. Wohnzwecken dient, wird hierbei | als gegeben erachtet. Das vermfcneIchol. Oie „verhexte" Kaiferstadt — ein Brennpunkt im Fernen Osten. isteife-Erinnerungen von FU'x Baumann. Schon im September 1931 erregte der Name I e h o l die allgemeine Aufmerksamkeit, als der erste Kommissar dieser Provinz, Tanghulin, der Zentralregierung in Nanking die Unabhängigkeit Iehols bekannt gab. Allerdings zwang der in T.'chintschau residierende Marschall Tschang« h s ü l i a n g den Kommi,sar, die Unabhängigkeits- proklamation zu verleugnen, aber im März 1932 erklärte der Außenminister des Mandschustaates in einem Telegramm an verschiedene Regierungen, darunter die Vereinigten Staaten, daß Iehol zu Mandschukuo gehören müsse. Die jüngste japanische Aktion konnte daher nicht mehr überraschen. Und die Schangheikwan-Ai- s ä r e ist, wie Lord Cecil kürzlich betonte, insbesondere lehrreich. Denn die Iapaner behaupteten, ohne jede Spur von Beweis, daß Chinesen dort eine Bombe gegen japanische Truppen geworfen hätten. Deshalb beschossen und zerstörten die Iapaner die alte historische, durch ihr „Tien Hsier Ti QJi Kwan" — „Das erste Tor unter dem Himmel" bzw. „in der großen Mauer" — berühmte Stadt, wobei Tausende von Einwohnern den Tod sanden, von denen die Mehrzahl keine Ahnung vom Ursprung des ganzen Zwischenfalls gehabt haben können. Aber: „Japans Interessen werden verletzt". Und um die „Wiedergutmachung des Unrechts" mit seinen echten oder erfundenen Zwischenfällen dreht sich der Konflikt in der Mandschurei und hat jetzt auch Iehol in den japanischen Interessenkreis einbezogen. Ein Blick auf die Karte genügt, um die Bedeutung von Schanheikwan zu erkennen — die Stadt bildet den Schlüssel zur Provinz Iehol. Da jedoch die Provinz Iehol am äußersten westlichen Ende Mandschukuos und weit von seinem Zentrum gelegen ist, keine Eisenbahnverbindungen besitzt und sich wegen ihrer Unwegsamkeit ausgezeichnet für den Guerillakrieg eignet, der von Peting aus leicht dirigiert und ermutigt werden kann, so dürften die Iapaner in Iehol kein leichtes Spiel haben. Wohl wurde vor einigen Iahren eine gegen zehn Meter breite Heerstraße von der Stadt Iehol nach dem an der Peking-Mukdenbahn liegenden Orte Lwan Hsien erbaut, aber ihre Benutzung würde die Iapaner in die britische Sphäre führen, in das Gebiet der Kailan Mining Company. Kommt Iapan in den Besitz der 60 000 englischen Quadratmeilen umfassenden und über 4 Millionen Einwohner zählenden Provinz Iehol, so ist es als Herr von Nordchina zu betrachten, wie denn auch der Weg nach Peking durch diese Provinz von jeher die Route gewesen ist, die Angriffsbewegungen der nördlichen Rassen gegen China in den früheren Iahrhunderien stets gewählt haben. Die Hauptstadt Iehol oder Tschöngtu (chinesisch Cheng-te°fu = Heißer Fluh) gilt seit ihrer Gründung durch den Kaiser Kang-Hsi als „Kaiserstadt", sie geriet jedoch schon im Iahre 1820 in Verruf, in dem der Kaiser Chia°Ching damals am 2. September im dortigen Sommerpalast durch einen Blitzstrahl getötet wurde, was man als ein böses Omen deutete. Das Herrscherhaus mied daher Iehol, und erst vierzig Iahre später, 1860, flüchtete der Kaiser Hsiek Feng nach der Besetzung Pekings durch die englischen und französischen Truppen dorthin. Als er aber kurz darauf in Iehol starb, glaubte man erst recht an die Umtriebe böser Geister und tat die Kaiserstadt in Acht und Dann. Sie geriet so in Verruf, daß die „der alte Buddha" genannte Kaiserinwitwe Tse Hsi nach der Einnahme Pekings durch die alliierten Truppen im Iahre 1900 nicht zu bewegen war, nach Iehol zu flüchten, sondern sich in Sianfu in Sicherheit brachte. Als dann die Revolution in China ausbrach und die Mandschu-Dhnastie gestürzt wurde, weigerten sich die Mitglieder des Kaiserhauses ganz entschieden, in Iehol Zuflucht zu suchen — die Stadt gilt noch heute als verhext, woran die Iapaner allerdings keinen Anstoß nehmen werden. Die Entfernung von Peking, dem heutigen Peiping, nach der außerhalb der großen Mauer, die die Chinesen „Wan li chang chang" — die Myriaden Meilen lange Mauer — nennen, gelegenen Stadt Iehol beträgt 458 chinesische Li oder gegen 150 englische Meilen (engt Weile = 1,6 Kilometer). Man benutzt die Poststrahe, die über Shunyihsien und Miyunshien nach der bei der großen Mauer befindlichen Bergfestung Ku- peikow und von dort über Vaoping hsien nach Iehol führt. Die Straße, deren Beschaffenheit, wie fast überall in China, sehr zu wünschen übrig läßt, ist nur bei gutem Wetter passierbar — Regengüsse und Sandstürme, ganz abgesehen von winterlichen Hindernissen gestalten die „Post- straße" zu einem wahren Marterwege, wo die besten Kraftwagen versagen, und das Reitpferd oder der Reitesel bilden die einzigen Reisemöglichkeiten. Die berühmten chinesischen Reisekarren bleiben oft tagelang im Dreck stecken und versagen beim Durchqueren der hochgeschwollenen Flusse. Unterkunft bieten unterwegs chinesische Herbergen und die alten kaiserlichen Rasthäuser. Als Rückweg kann man von Iehol die Dschunkenfahrt auf dem Lwanfluh nach der schon erwähnten Stadt Lwan Hsien wählen und von dort mittels der Eisenbahn nach Peiping zurückkehren, während stromaufwärts die Fahrt nicht anzuraten ist, weil die Schiffe von Kulis geschleppt werden müssen, was die Reise gewaltig in die Länge zieht. Immerhin verkehren jährlich gegen 3400 Handelsdschunken auf dem Flusse. Ohne Dolmetscher und die von der Regierung einzuholende Erlaubnis können die Sehenswürdigkeiten Iehols nicht in Augenschein genommen werden. Die an einer Biegung des Heißen Flusses gelegene Kaiserstadt ist von hohen Bergen umgeben, die im Winter die unangenehmen Nordwinde abhalten und die Stadt im Sommer zu einem kühlen Aufenthalt gestalten. Ungleich anderen chinesischen Städten gemahnt ihre Bauart an Tibet. Und in der Tat wurde Iehol im Iahre 1780 im Stile der Residenz des Panschen Erdeni Lama in Taschilumbo (dem „Berge des Segens") in Tibet erbaut. Die von einer Mauer umgebenen Palastgebäude befinden sich nördlich von der Stadt. Blickt man von einer Anhöhe auf den Komplex, so bietet sich dem Auge ein Wirrwarr von Kiosken mit vergoldeten Kuppeln, von Pagoden, farbigen Gebäuden, die sich terrassenförmig auf den Hügeln erheben, von Seen, -Kanälen und Brücken in grellen Farben. Und immer wieder bemerkt man als architektonischen Schmuck den Phönix und den Drachen, auf den Terrassen die obligaten Steinlöwen als Wächter. Nimmt man das Ganze näher in Augenschein, so offenbaren sich wie überall in China die Spuren des Verfalls. Besonderes Interesse erregen die Paläste: der Pi-Shu-Shan- Chwang, her „Kühle spendende Bergpalast", und der Pu°To-La, eine getreue Nachbildung der Residenz des Dalai Lama am Berge Potola in der Nähe Lassas, der bedeutendsten Stadt Vor- der-Tibets. Oestlich vom Pu-To-La erhebt sich der Hsü Mi Fu Shao Mao, der „Tempel des bergehohen Glücks und hohen Alters", der den heiligen Hallen des Taschilumbo bei Shigatse in Tibet nachgebildet ist. Der in einem Kiefernhain gelegene Shu-Hsiang Tse-Tempel mit seinen Grotten und Steintreppen ist eine Nachahmung eines der Tempel auf dem heiligen Taishan in Schansi. Eine im Iahre 1764 erbaute gut erhaltene neunstöckige Pagode mit chinesischen, mandschurischen, mongolischen und tibetanischen Inschriften soll eine Nachbildung der berühmten Nankinger Porzellanpagode sein. Eie ist zur Erinnerung an den Sieg über die Sungaren errichtet worden. Eine Unzahl von Lamapriestern bevölkert die verschiedenen Tempel, eine unangenehme T r i n k g e l d p l a g e , denn wie schon an den „heiligen Stätten" in Peking, stößt man überall auf verlangende Hände. In Iehol befanden sich bis zum Ausbruch der chinesischen Revolution die meisten und wertvollsten kaiserlichen Kunstschätze, aber nach dem Sturz der Mandschudynastie wurden sie nach Peking gebracht, wo viele der unersetzlichen und nicht abzuschätzenden Gegenstände verschwanden. Wandert man außerhalb Iehols an den Ufern des Je-Ho, des „Heißen Flusses", entlang, so stößt man auf eine Anzahl von Tempeln, die die schönsten in China sein sollen. rat mb ea- C5 lauft, um lieb da- s cc Die das mell zur dort ■um« auS Zau- i ein war. •uröe Man legen übet dcS iifrig enem oblen Srcu- t zur chluß fchie- n. nger i. Die igenb« orben. mime, a 200 wird, jachsen Haus bürg»- ager eben- 10 fin- nähen, m Ar. kochen, irlorge ozialen i junge Den sich nächsten ich er* hiesige t du.ch n g mit er weit hinaus m werke, urts - nftc um ia“ er- )25, bc- eS Der- ilg zum hört seit ^ahnial- des Ge- te „Lüder, der Sangee- «end daS nkte für hat hier d leider rt. Zwei >n Man- Lebens- e r ft erlaufen i Huf- • an dessen and toei- ’erc Wet- und nach t. Durch allerdings i die über / ergiebige südlichen rben oben Druck wolkigem ichen lich s, später- Rieder- nstig unb > trocken. Vielfach Tag und zen mild, ■ 10,8 Grad morgens Minimum in 10 cm 9. März: e 0,0 mm. SJL-’fport Handball der Sp.-Vg. 1900. Tv. Kirchgöns I — 1900 I 3:6. Die 1900er, Die nicht in stärkster Aufstellung gefahren waren, trafen auf einen recht achtbaren Gegner. Immerhin hatten die Spielvereinigungsleute jederzeit das Heft in der Hand und gewannen sicher. Die Flüssigkeit des Spieles wurde durch den stark aufgeweichten Boden etwas beeinträchtigt. To. Kikchgöns II — 1900 II 2:5. Sn der zweiten Mannschaft der 1900er klappte es diesmal besser als seither. Die neu eingestellten Leute liehen sich ebenso wie die in der ersten Mannschaft gut an. Beide Spiele nahmen einen harmonischen Verlauf. Tisch-Tennis der Sp.-Vg. 1900. 1900 I — TTL. Frankfurt-West I 9:5. Der in stärkster Ausstellung erschienene Tischtennis-Club Frankfurt-West muhte sich den 1900ern abermals beugen. Der Sieg wurde allerdings nicht leicht errungen. Ein groher Teil der Spiele konnte erst im fünften Sah mit gröhtem Energieaufwand entschieden werden. Das trug dazu bei, dah das Turnier auf hier in Giehen noch nicht gesehenem Niveau stand. Bei beiden Parteien war das Können der Leute sehr ausgeglichen. Die Frankfurter spielten zuweilen recht elegant, die Epielvereinigungsleute waren härter und erfolgreicher. — Als Rahmenkonkurrenzen fanden Damen-Einzel- und gemischte Doppelspiele statt. Da sich die 1900er Damen in bestem Lichte zeigten, blieben die Gäste zumeist im Hintertreffen. Nachstehend die Ergebnisse (Frankfurt jeweils zuerst genannt): Einzel: Schäfer—Dietrich 18:21, 21:3, 21:18, 21:10; Kleiner-Jung 16:21, 21:12, 21:18, 21:14; Cndner-Beil 17:21, 14:21, 16:21; Raith—Geb- Hardt 18:21, 21:13, 18:21, 12:21; Sung—Berger 19:21, 21:19, 21:14, 18:21, 21:19; Kapphahn— Petsch 20:22, 22:20, 21:11, 15:21, 20:22; Wiedmann—Neichel 13:21, 3:21, 21:14, 21:12, 15:21; Kurz—Arzbächer 19:21, 14:21, 21:15, 12:21; Schott —Gros 6:21, 22:24, 21:23; Wetzel-Frau Hauser 10:21, 21:17, 12:21, 12:21. Doppel: Naith-Kapphahn — Reichel-Beil 15:21, 15:21, 15:21; Endner-Iung — Iung-Geb- Hardt 21:10, 14:21, 19:21, 25:23, 21:18; Schäfer- Wetzel-Petsch-Gros 23:21, 17:21, 21:19, 17:21, 18:21; Schott-Kurz — Frau Hauser-Arzbächer 21:19, 23:21, 12:21, 19:21, 21:16. Damen-Einzel (auher Wertung): Frl. Specht-Frau Hauser 7:21, 12:21, 5:21; Frl. Bleuel—Frl. Loichinger 5:21, 9:21, 9:21; Frl. Vornwald—Frl. T. Geilfus 17:21, 21:17, 21:18, 21:15. GemischteDoppel "(außer Wertung): Frl. Specht-Schäfer—Frau Hauser-Beil 16:21, 9:21, 13:21; Frl. Bleuel-Kapphahn—Frl. Laichinger- Dietrich 9:21, 11:21, 14:21; Frl. Vormwald-Kurz —Frl. Geilsus-Reichel 21:11, 13:21, 19:21, 17:21. Tischtennis auf dem Lande. Grohen-Vuseck — Grohen-Linden 7:5. Der Tischtennisclub Grohen-Buseck war am Sonntag vom TTC. Grohen-Linden zu dem fälligen Rückspiel noch Grohen-Linden verpflichtet worden. Obwohl der Gastgeber sich in seiner stärksten Aufstellung zeigte, konnten die Gäste trotz verschiedener harter Kämpfe und nach sehr schönem Spiel als Sieger hervorgehen. Sportverein Grüningen. Am Sonntag hatte der Neuling Grüningen eine kombinierte Mannschaft des Fuhballsportvereins Steinbach zu Gast. Der Platz war in schlechter Verfassung. Trotzdem lieferten sich die Gegner ein flottes Spiel. Viele Zuschauer folgten dem Kampf. Die Gastgeber ließen zunächst zwei Torchancen aus und gingen aber bald darauf durch einen Elfmeterball in Führung. Steinbach glich wenig später aus. Kurz darauf ging wiederum Grüningen durch den Mittelstürmer in Führung und erzielte sogar ein drittes Tor. Die Gäste bemühten sich zunächst vergeblich um den Ausgleich, sie verkürzten erst wenige Minuten vor Halbzeit auf 3:2. Zwanzig Minuten nach der Pause fiel der Ausgleich für Steinbach. Durch ein Selbsttor der Grüninger ging dann Steinbach in Führung und erst im Endspurt fiel das verdiente Tor zum Unentschieden. Die Gäste hinterließen einen guten Eindruck. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Naunheim I — Dihenbach I 2:3. Zuyr entscheidenden Spiele um die Kreismeister- schaft standen sich Raunheim I und Dihenbach I in Naunheim gegenüber. Wohl an die tausend Zuschauer hatten sich eingesunden. Die gehegten Erwartungen gingen jedoch nicht in Erfüllung. Naunheim muhte mit Ersah antreten. Zu allem Tleber- sluh befand sich das Spielfeld in einer Verfassung, die technisches Spiel nicht auskommen lieh. Naunheim konnte sich diesmal gar nicht den Platz- Verhältnissen anpassen, während Dihenbach diese Schwäche schnell erkannt hatte und mit raumgreifenden Vorlagen seinen Sturm bediente. Der Spielbeginn sah wohl Naunheim im Angriff, doch lieh die zahlreiche Abwehr keine Erfolge zu. Erst nach einer Viertelstunde konnte der Halblinke der Gastgeber zum Führungstor einsendcn. Kurz daraus kam aber Dihenbach zum Ausgleich. Bei diesem Stande wurden die Seiten gewechselt. Nach dem Wechsel lag Naunheim im Angriff, doch errang Dihenbach durch einen überraschenden Durchbruch das Führungstor. Naunheim drückte nun. stark, fast alle Spieler hielten sich im Strafraum der Gäste auf. Dabei konnte Naunheim durch Handelfmeter den Ausgleich herstellen. Schon neigte sich das Spiel dem Ende zu. Naunheim lieh nun den Endspurt vermissen, indes Dihenbach durch einen schönen Flankenlauf seines Linksauhen zum dritten und entscheidenden Tore kam und damit Kreismeister des 9. Kreises wurde. Bockenheim I — Bornheim I 4:0. Verlegung der Ski-Meisterschasten wahrscheinlich. Wie man auf Anfrage bei der Kurverwaltung in Freudenstadt erfahren kann, ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, dah die für das Wochenende dort angesehten Deutschen Ski- Meisterschaften um eine Woche verlegt werden. Zur Zeit ist in Freudenstadt nur wenig Schnee. Aus den Strahen liegt Schnee überhaupt nicht, im Gelände nur wenig. Es hat zwar den Anschein, als würde noch Schneefall eintreten, ob die Menge jedoch genügt, um die Meisterschaften durchführen zu können, ist noch zweifelhaft. Or. pelher in Kiel geschlagen. Beim Hallensportfest des Kieler Turnvereins muhte Dr. Pelher im 1000-Meter-Laufen eine überraschende Niederlage einstecken. Der Kieler Schnack ließ sich durch Peltzers gefürchteten Endspurt nicht beeinflussen und siegte in 2:51,2 sehr sicher. Siever t-Hamburg gewann einen aus Hochsprung, Kugelstoßen und 50-Meter-Lauf bestehenden Dreikampf mit 2769,9 Punkten. 3m Kugelstoßen erreichte er 15,29 Meter und sprang 1,75 Meter hoch. Oie Ungarn wieder in Frankfurt? Der Llngarische Fußball-Derband trägt am 5. März in Amsterdam ein Länderspiel gegen Holland aus. Die Ungarn, die kürzlich im Frankfurter Stadion eine sogenannte süddeutsche Mannschaft vernichtend (12:1) schlugen, sind nun bereit, auf der Rückreise am 8. März (Mittwoch) im Frankfurter Stadion Halt zu machen, um hier gegen eine Frankfurter Stadtmannschaft zu spielen. Das Anerbieten der Ungarn hat in Frankfurt bereits eine freundliche Aufnahme gefunden. Man ist der Ansicht daß eine kombinierte Mannschaft aus den beiden Vereinen Eintracht und Fuhballsportverein für die Ungarn einen Gegner abgcben würde, der dazu in der Lage wäre, sich die sehr erwünschte Revanche für die schwere Schlappe der süddeutschen Elf zu holen. Kurze Sportnotizen. G e ft o r b e n ist der amerikanische Schwergewichtler Ernie Schaaf, der im Kampf gegen den Italiener Carnera k. o. geschlagen wurde und dabei so unglücklich auf die Bretter fiel, daß er einen Bluterguß im Gehirn davontrug. Schaaf hat das Bewußtsein nicht mehr erlangt. * „Gemischte" Turniere zwischen Tennis- Prosis und 'Amateuren, eine bisher überall verbotene Einrichtung, sollen von jetzt ab in Amerika eingeführt werden. * Geschlagen wurde Cilly Außem beim internationalen Tennisturnier in Cannes. Die Kölnerin wurde im Finale von der Engländerin Hewitt 6:2, 6:8, 6:4 besiegt. Auch das Schlußspiel der Herren brachte eine Ueberraschung, da Aeschlimann den Franzosen Brugnon 7:5, 6:2, 6:4 schlug. * Zwei große Mannschaftsrennen gehen am Wochenende vor sich. Der Berliner Sportpalast veranstaltet ein Rennen „Die Nacht", während in Breslau die „1000 Runden" ausgefahren werden. * Die internationale B o d w o ch e in Schreiberhau, die am Samstag beginnen soll, ist durch die inzwischen im Riesengebirge eingetretenen besseren Schneeverhältnisse und den Frost als gesichert anzusehen. Bei den ?I8 - Rennen wurde jetzt noch ein Sieger in der „Dreier-Kombination" (Sprung-, Lang- und Abfahrtslauf) ermittelt und zwar in dem Schweizer Läufer Ernst F e u z. Oberbeffen. Sängertag d. Lumdatal-Sängerbundes J N o r d e ck, 14. Febr. Der Lumdatal-Sängerbund hielt hier in der Gastwirtschaft „Zur Burg Nordeck" seinen ©ängertag ab, an dem zahlreiche Vertreter aller Bundesvereine teil- nahmen. Der Vorsitzende des Gaues „Gießen- Stadt und Land" des Hessischen Sängerbundes, Emil Koch (Giehen), war auf besondere Einladung zu der Tagung erschienen, um insbesondere die Wünsche und Ansichten der Bundesmitglieder inbezug auf die Einteilung des Gaues kennen zu lernen und Bericht über die Entwicklung und den Stand dieser Angelegenheit zu erstatten. Der erste Vorsitzende des Bundes, Berufsschullehrer Eberle (Lollar), berichtete, nachdem die Tagung mit dem Deutschen Sängergruh und einem Chor des hiesigen Gesangvereins „Teutonia" unter Leitung seines Vorsitzenden Grebe eingeleitet worden war, über die Sitzungen des Gauvorstandes in Giehen und die hierbei gefaßten Beschlüsse. Er machte Mitteilung von dem Vorschlag des Gauvorstandes über die Gaueinteilung, der nach reger Aussprache, und nachdem Herr Koch ihn nochmals eingehend begründet hatte, die Billigung des Sängertagcs fand. Sodann wurde beschlossen, daß sich der Bund an dem Wertungssingen des Gaues Gießen-Stadt und Land am 11. 3uni versuchsweise beteiligt. Eine Zusammenkunft der Bundesvereine soll am 7. Mai auf der Burg Staufenberg stattfinden, wobei die vom Hessischen Sängerbund gelieferten Chöre „Maienschein" und „Sonnenaufgang" als Massenchöre gelungen werden sollen. 3m übrigen soll die Zusammenkunft den Charakter eines Konzerts mit nachfolgendem gemütlichen Beisammensein tragen und der Pflege des Bundesgeöcuckens dienen. Der seitherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt; O. Vorsitzender ist Eberle (Lollar), 2. Vorsitzender L u f t (Geilshausen), Rechner Latsch (Daub- ringen), 1. Schriftführer Hofmann (Geilshausen), 2. Schriftführer Dietz (Staufenberg); Bei- fiher die jeweiligen Vorsitzenden der Bundesvereine. Nach Beratung einiger Dundesangelegen- heiten schloß der Vorsitzende die Tagung. Landkreis Gictzen. g. Klein-Linden, 14. Febr. Die hiesige Spar- und Darlehenskasse hielt dieser Tage ihre Generalversammlung ab. D er Vorsitzende des Aufsichtsrats, Hermann 3 u n g , begrüßte die Teilnehmer. Direktor Wilhelm Feh gab sodann einen eingehenden Bericht über die Entwicklung der Kasse seit ihrem Bestehen und erwähnte hierbei, daß das 3nstitut in diesem 3ahre 10 3ahre bestehe. Gegründet wurde die Kasse am 5. Mai 1923 mit 26 Mitgliedern, der heutige Mitgliederbestand beträgt 163. Der Rechner der Kasse 3ulius 3 u n g verlas die Sahres- rechnung und Bilanz, die in Aktiva und Passiva mit 215 742,91 Mk. abschließt. Der Reingewinn betrug im verflossenen 3ahre 1764,05 Mk. Dem Vorstand und dem Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt. Aus dem Reingewinn sollen der Kleinkinderschule 30 Mk. und der Volksbücherei Klein- Linden 10 Mk. zugewiesen werden. Außerdem wurde noch beschlossen, den Hinterbliebenen der Opfer bei dem Explosionsunglück in Neunkirchen eine Spende zu überweisen. An Dividenden werden 6 Prozent für das vergangene 3ahr vergütet. Statutengemäß schied das Mitglied August Langsdorf aus dem Vorstand aus. An dessen Stelle wurde das Mitglied Friedrich 3 u n g 1V, neu in den Vorstand gewählt. Die beiden Auf- sichtsratsmitglieder Ludwig V i e h m a n n und Heinrich Weigel wurden einstimmig wiedergewählt. Zum Schluß referierte der Vorsitzende des Aufsichtsrats Hermann 3 u n g über das Steuergutscheinverfahren. 00 Klein-Linden, 11. Febr. Der kirchlichen Statistik unserer evangelischen Kirchengemeinde für 1932 ist zu entnehmen: Die Zahl der Angehörigen beträgt 1905, Kirchenaustritte erfolgten vier. Es wurden 61 Hauptgottesdienste, 9 Nebengottesdienste und 46 Kindergottesdienste abgehalten. Die Durchschnittszahlen der Besucher der Hauptgottesdienste beliefen sich pro Woche auf 131 Männer, 159 Frauen und 32 Kinder, die der Nebengottesdienste auf 7 Männer, 20 Frauen und vier Kinder; die Gesamtdurchichnittszahl aller Gottesdienstbesucher der Gemeinde in einer Woche betrug 146 Männer, 184 Frauen und 130 Kinder. Am heiligen Abendmahl beteiligten sich 895 Männer und 1049 Frauen. Es wurde 14 Ehepaare getraut, 12 Kinder getauft, 23 konfirmiert und 12 Gemeindemitglieder beerdigt. Für Krankenpflege wurden 1390 Mark und für die Kinderschule 1505 Mark auf» gebracht. An Kirchenkollekten gingen 252 Mark und am Gaben für die Ortsarmen 60 Mark ein. Die Gesamtsumme aller Liebesgaben betrug 5419 Mark, ober rund 2,80 Mark auf den Kops der evangelischen Bevölkerung. Kühe durch elektrischen Strom getötet. WSN. Erlenbach, (Odenwald), 14. Febr. Der Landwirt Ludwig.L ö w von hier schaltete am Sams- taoabenb beim Betreten seines Viehstalles das elektrische Licht ein, wobei plötzlich feine zehn Kühe um- fielen. Es war zweifellos ein Kurzschluß in der Lichtleitung vorhanden; dadurch bestand ein Kontakt der ßeituiTg mit der eisernen Krippe und den daran befindlichen Ketten der Kühe. Zwei Kühe blieben tot liegen. Wirtschaft. ließen Zusammenhänge gelten. Eine wirkliche Hilfe für die landwirtschaftliche Deredelungswirt? haft hänge unlösbar mit einer Steigerung der Kaufkraft der Bevölkerung durch Besserung der Arbeitslage zusammen, deren Förderung die Regierung in erster Linie alle Sorge zuwenden sollte. * Die Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Dolksstaates Hessen weist für den Monat 3anuar folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert: 79 350 Tonnen, davon wurden 72 615 Tonnen zu Schwelereiprodukten weiter verarbeitet. Aus den verschwelten Kohlen wurden gewonnen: 4556,350 Tonnen Rohteer, 577,260 Tonnen Leichtöl aus Schwelgasen, 11 889 Tonnen Koks, ohne die Schwelrückstände des Messeler Kohlenschiefers. * Der Einzelhandel gegen Fleisch- und Schmalz-Zollerhöhung. Die Haupt- gemeinschast des deutschen Einzelhandels e. V., Berlin, hat in einem Schreiben an den Reichs- emährungsminister darauf hingewiesen, dah der Einzelhandel die .erneuten Zollerhöhungen, insbesondere die Heraufsetzung des Schmalzzolles, als eine neue schwere Belastung ansehen müsse, die nicht zu einer Abnahme von Fett zu erhöhtem Preise führen dürfte, sondern zur Abwanderung der Verbrauchernachfrage zu noch billigeren z. B. künstlichen Fettsorten (Margarine). Die Landwirtschaft werde sich also kaum einer erhöhten Nachfrage nach inländischen Erzeugnissen gegenübersehen. Darüber hinaus könne die Zollmaßnahme indirekt zu einer höchst unerwünschten Erweiterung der Schweinezucht führen. Da aber zur Zeit die deutsche Produktion' an Schweinefleisch völlig für die 3nlandversorgung ausreiche, so könnte der dadurch sinkende Schweinepreis mit irgendwelchen anderen Zollmaßnahmen gar nicht mehr gestützt werden. Schließlich wird darauf hingewiesen, daß der Leidtragende bei inländischen Preissteigerungen immer der Lebensmittelhändler sei, dem die Vorwürfe der Bevölkerung in Verkennung der WirtschaftFrankfurter Abendbörse sehr still. Frankfurt a. M.» 14. Febr. An der Abend- börse herrschte weitgehendste Geschäftsstille. Unter dem Eindruck schwächerer Eröffnungskurse aus Neuhork und auf angebliche Schwierigkeiten einer amerikanischen Großbank neigte die Tendenz zur Schwäche, nachdem bereits an der Berliner Nachbörse wieder eine Abschwächung Platz gegriffen hatte. Die wenigen Umsätze, die getätigt wurden, wickelten sich nur innerhalb der Kulisse ab, da das Publikum nach wie vor fehlte. SG.-Farben eröffneten 0,91 Prozent niedriger, und auch auf den übrigen Marktgebieten gaben die Kurse von 0,25 bis 0,75 Prozent unter Öen Berliner Schluß nach. Am Renten markt stagnierte das Geschäft fast vollkommen. Auch hier neigten die Kurse zur Schwäche. Späte Reichsschuldbuchforderungen und Altbesih verloren bis zu 0,65 Prozent. 3m Verlause bröckelten die Kurse bei anhaltender Geschäftslosigkeit erneut bis zu 0,5 Prozent ab. — Neubesihanleihe 9,13, Altbesitzanleihe 66,91, Schutzgebiete 6,40, Reichsbank 148, Gelsenkirchen 58,25, Harpener 89, Stahlverein 35,25, AEG. 26,50, Dekula 119,65, Scheideanstalt 155, Licht & Kraft 92,50, 3G.°Farben 107,25 bis 106,91, Gesfürel 79, Holzmann 48, Lahmeher 118, Siemens 132, Hapag 17,25. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren Angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. JJl. 25enm Schlußkurs Schluß!. Abend, börf.? Schluß« lurs Schluß!. Mittag« börse Saturn 13.2. 1 14-2- 13.2. 14.2. 6% Deursche Reichsanleihe v. 1921 78,75 79 79,13 79.25 6% c6em.7% Tt. Reichsanl. v. 1929 93.75 94 93,9 94 Boung-Anleihe von 1930 .. 81 80,5 81 81 Deutsche Anl.-Ablöj.-Schuld mH Ausios.-Rechten ............ 67,13 67 66,8 67,9 Desgl. ohne Anslos.-Rechte...... 9,55 9,13 9,65 9,2 6% ebcm.8% Hess. Vollsstaa» 1922 irückzehlb. 102%) ........... Oberhcssen Provinz-Anleihe mit 76 76,25 75,5 77 Auslof.-Rechten ............ Deutsche Komm. Cammelab l.An — — — — leihe Seriel mir Auslos.-Rechten 61,3 61,75 61 61,75 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Banl Goldvse. 15 unkündbar bis 1935 84,65 84,25 _ 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Ban! Goldvse. 16 unkündbar bis 1936 —— 84 _ 6'/2% ehem. 4%% Franks. Hup. Bank-Liqu.-Pfandbriese .. 86,4 85,75 v'/r% ehem. 4>/r% Rheinische Hhp.-Bank°Ltqu..Goldpfe. .... 86 86 6% ehem. 8% Pr. Landespfand briesanstalt, Pfandbriefe R. 19 83,5 _ 83,5 84,9 6% ehem. 7% Pr. Landespsand brtefanstali, PsandlKiese R. in 83,5 84 — — 4% Oesterreichische (Bolbrente... —. __ _ 4,20% Oesterreichische Eilberrente — _ — 1,3 4% Ungarische Goldrenke....... — _ _ 4% Ungarische Siaatsrente v. 1910 — — __ _ 4yt% deSgl. von 1913 . w..... 5% abgesl. Goldmexikaner'von 99 6,5 6,4 6,7 6,5 4% Türkische Zollanleihe von 1911 5,5 5,45 5,4 5,4 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1 .................... — — 5,7 5.95 4% vesgl. Serie II ............. — 5,9 5,9 5,95 6% Suman, vereinh. Rente v. 1903 6,9 6,9 6,8 4'/,%Rumän.vereinh.Nenkev.l913 10.9 10.9 10,9 10,9 4% Rumänische vereinh. Rente .. 5,75 5.75 5,75 5,75 8%% Anatolier ............... 24,75 25,25 25.25 25.6 .rraniiun a. jji. Berlin Schluß» kurs Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag» börse Datum 13-2. 14.2. 13.2- 14-2- Hamdurg-Amerika-Pakei ..... i 17.5 17,25 17,5 17,25 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 — — 39 37 Hansa Tampfschifs........... 0 — — 32 32 Norddeutscher Llovd ......... 0 17.9 17,65 17,65 17,5 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 42 41 41,9 40,5 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 97 97 97,5 97,75 Commerz- und Prioal-Bank ... O 53 53 53,5 53,5 Deutsche Bank und Dtsronto- Gesellschaft................ 0 79 95 79 5 79 95 79 95 t, Dresdner Bank.............. 0 61,5 61,5 61,5 61,5 Reichsbank ................. 1 151 148 150,9 148,65 A.E.G...................... 0 27,4 26,5 27,75 26,65 Elektr. Lieferungsgesellschaft... 6 81,5 80 81,75 81,75 Licht und Kraft ............. 6 93 92,5 93 92,5 Felten & Guilleaume ........ 0 53 52 53,13 52,25 Gesellschaft für Elektrische Unter- nehmungen............... 4 79,4 79 79,65 80 Rheinische Elektrizität ........ 6 99,75 99 —— 99 Schuckeri & Co.............. 0 83 87,5 88,5 87,4 Siemens & Halste........... 9 134 132 134,25 132,75 Lahmeher L Co.............. 10 117,5 118 117,5 118 Buderus ................... 48,5 47,5 48.75 48 Deutsche Erdöl ............. 4 91,5 91,25 91*75 91 Gelsenkirchener.............. O 60 58,25 59,65 59. B Harpener................... O 89 88.9 88 5 Hoelch Eisen—Köln-Neuessen.. 0 — 54,4 53^9 Ilse Bergbau ............ 7 152 151,5 159 Ilse Bergbau Genüsse........ Klöcknerwerke ............... 7 O 106 46,5 106,25 46 105 46,5 106,5 46,13 Mannesmann-Röhren........ O 62 60,4 62 60^25 Mansselber Bergbau......... O 26 23,5 25,75 24 Obcrschlej. Kokswerke......... 0 70,5 70 Phönir Bergbau...... 0 36,5 _ 36,5 35,65 Rheinische Braunkohlen ......10 194,75 194,5 196 195 Rvemnahi .................. 0 75,75 74,65 76 74,25 Frankfurt a.M. Berlin * Schluß» kurs Schluß!. Abend- börs- Schluß» kurs Schlußk. Mi-Iag- bdfic Datum 13-2. 14.2. 13.2. 14-2. Beretnigie Stahlwerke........o 36,75 35,25 36.75 35.9 Otaot Minen ...............0 16 15,75 15,9 15,75 Kaliwerke Aschersleben........6 115,5 114,5 115,5 115 Kaliwerke Westeregeln........ 6 117 117,5 118 117 Kaliwerke Salzdetfurth.......9 171 171 171,5 171,5 5 G. Farben.Jndustrie.......7 Scheideanstalt...............10 Goldschmidt ................0 RütgerSrverke...............0 Metallgesellschast............. o 109,25 157 106,9 155 110 108,13 38,75 38 38,5 38 44.13 43,25 44,25 43,75 36 35,25 35,13 35,13 Philipp Holz in arm...........0 Zementmerl Heidelberg ......4 Lementwerl Karlstadt.........0 Wayß & Freytag............0 Schultheis Patzenhofer........0 Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 Bemberg...................o Zellstoff Waldhos ............0 Zellstoff Aschaffenburg .......o Dessauer Gas ...............7 Daimler Motoren............o Deutsche Linoleum ..........o Orensteln & Koppel ..........o Leonhard Tietz..............6 Lhade......................12 Gritzner....................o| MainkraftwerleHöchsta.«. ... 4 Süddeutscher Zucker ......... 8| 48,75 1 48 1 48,9 48,25 50 50 — —— 1 — 4,65 \ 4,65 1 4,5 4,9 — — 103 101,75 39,5 38,25 39,25 38,5 47,5 47 46,65 46,13 51 50,5 51 50,5 — 27 26,25 — —- —— 114,5 114 24 23 24 23 — 37 37.75 38 —— — 42 41,5 38,5 37 38,25 37 140 — 140 141 -I 28,75 1 28 — 70 1 I ■ - . — | 142 1 142,5 142,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a 13- Februar 14.Februar Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld I »rie Geld <8rlc Helstngfors.. 6,384 6,396 6,394 6,406 Wien....... 48,45 48,55 48,45 48,55 Prag....... 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest ... Sofia..... 3,057 3.063 3,057 3,063 Holland .... 169,03 169,37 168,93 169,27 Oslo....... 73,88 74,02 73,93 74 ny Kopenhagen. 64,29 64,41 64,34 64*4» Stockholm... 76,97 77,13 76,87 77,03 London ..... 14,45 14,49 14,46 14,50 Buenos Aires 0,833 0,837 0,833 0,837 Neunork.... 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüssel----- 58,55 58,67 58,56 58,68 Italien..... 21,51 21,55 21,505 21,545 Poris..... 16,43 16,47 16,43 16,47 Schweiz... 81,19 81,35 81,14 81,30 Spanten.... 34,52 34 58 34,52 34,58 Danzig.... 81,72 81,88 81,67 81,83 Japan..... 0,889 0,891 0,879 0,881 Rio de Jan. 0,239 0,241 0,239 0,241 Jugoslawien 5,554 5,566 5,554 5,566 Lissabon... 13,13 13,15 13,15 13,17 Banknoten. Serlin, J4.$ebruar Geld »rief Amerikanische Noten.............. 4,20 4,22 Belgische Noten.................. 58,40 Dänische Noten ..............___ 83.97 Englische Noten ................. 14,42 14.48 Frantösische Noten ............... 16,39 16,45 Holländische Noten............... 168,56 1A9 94 Italienische Noten................ 21.465 21.545 Norwegische Noten .............. 73,75 74,05 Deutsch Oesterreich, 4 1OO Schilling Rumänische Noten............... 2,46 2.48 schwedische Noten............... 76,70 77,00 Schweizer Noten................. 80.96 81.28 Spanische Noten................. 34,38 34,52 Ungarische Noten................