Nr. 39 Erstes Blatt 183. Jahrgang Mittwoch, 15. gebruar 1933 Lrlchelni tägltd), augei Sonntags und Ieienag» Beilagen: Die Illustriert, Gieyener Jamihenblättei Heimat m Dild Die Scholl, monats-Beingspreis: Mit 4 ‘Beilagen ‘Rlt 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr . , -25 Auch bet Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Kietze«. Postscheckkontos Lronkfrrt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn'ck und Verlag: vrvhl'fche UnwerfitSlr-vuch- und 51etndrnckerei R. Lange in Giehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: ZchuNtra^e 7. Annahme oon AnzeigeL für die lagesnnmmer bi« zum Nachmittag oorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, ausmärt« 10 Reichspfennig; für Re» Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20", mehr. Chefredakteur- Dr. Friedr. Wilh. Gange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Lrnst Dlumschein und für den An» zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Rumänien im Fieber. Oer Ausnahme-Zustand. - Oie Erbschaft der Genfer Finanzdittatur. Don unserem H. ^-Berichterstatter. Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenl Bukarest. im Februar 1933. 3n einer außerordentlich stürmisch verlaufenen Dachtsitzung hat sich die rumänische Regierung vom Parlament die Dollmacht erteilen lassen, jederzeit über Bukarest, das Petroleumgebiet von Ploesti und nötigenfalls andere Industriezentren den Belagerungszustand für zunächst sechs Monate verhängen zu dürfen. Dieser Entschluß, dessen Tragweite und Folgen sich heute noch nicht übersehen lassen, beleuchtet blitzartig die außerordentlichen Schwierigkeiten, mit denen die Regierung Daida - Woi- w o d zu kämpfen hat. Daß sie dieser Schwierigkeiten mit dem Ausnahmezustand Herr zu werden hofft, wirft alle Theorien dieser Partei über den Haufen und läßt die Lage beinahe noch schlimmer erscheinen, als sie vielleicht ist. Gerade die Ra- tionalzaranisten sind es gewesen, die im Jahre 1928 den fünfjährigen liberalen Ausnahmezustand aufgehoben und seitdem immer wieder versichert lj>abcn, daß sie niemals auf dieses „Requisit einer verkappten Diktatur" zurückgreifen würden. Wenn sie es heute trotzdem getan haben, so find dafür folgende Gründe und Llrsachen maß- gebend gewesen: Die Serie der Unruhen und Ruhestörungen setzten mit der Verhaftung des Universitätsprofessors Fortu wegen „Majestätsbeleidi- gung" ein. Der Genannte, der sich großer Sympathien erfreut, hatte einige Skandale, die öffentliches Geheimnis find, in feinem „Privat-Moniteur" in Form verschiedener „Anfragen" angeschnitten, woraus man ihn kurzerhand einsperrte und ihm den Prozeß machen wollte. Die Folge waren große De- monstrationen vor dem Iustizgebäude, Fortu mußte aus den Druck der Straße hin f r e i g e l a s s e n werden und die Staatsautorität hatte ihre erste Bataille verloren. Der studentische Sympathie- (freit nahm dann rasch politischen Charakter an, es kam in verschiedenen Universitäts-Städten zu wüsten Ausschreitungen, die die Polizei nicht zu verhindern vermochte. Gleich daraus begann es unter der Arbeiterschaft im Petroleumgebiet zu gären, wo wegen Nichterfüllung oon Lohnwünschen Büroräume demoliert wurden. Die verhafteten Demonstranten wurden der Polizei entweder gewaltsam entrissen oder wurden später — um die kochende Volksseele nicht zum Ueberlaufen zu bringen — freiwillig wieder freigelassen. Diese nachgiebige Haltung mobilisierte dann die Eisenbahner in Bukarest, die in der Gesamtzahl von 5000 Köpfen in den Streik traten und volle Auszahlung der ursprünglich um zehn Prozent gekürzten Löhne verlangten. Auch hier mußte die Regierung nachgeben, gleichzeitig griff unter der Gesamtbevölkerung wachsende Unruhe und Unzufriedenheit mit den in Aussicht gestellten Gehaltskürzungen und Steuer- „reformen" um sich, auch führte die Presse eine immer schärfere Sprache, und malte Gefahren an die Wand, die bei Licht betrachtet in diesem Ausmaße wohl noch nicht bestehen. Die Folge war aber eine Aufregung, bei der die Regierung ihr kaltes Blut verloren zu haben scheint. Mit 200 gegen 40 Stimmen nahm das Parlament einen Gesetzentwurf an, der jederzeit die Verhängung des Ausnahmezustandes in Rumänien ermöglicht. Die Dachricht davon hat nicht nur in Bukarest, sondern vor allem in Paris wie eine Bombe eingeschlagen, zumal gleichzeitig bekannt wurde, daß ein Teil der Mannschaften des Jahrganges 1909 einberufen worden sei. Um zunächst diese Maßnahme zu klären: die Hälfte der rumänischen Armee befindet sich infolge Finanzschwierigkeiten des Staates seit längerer Zeit in Urlaub, heute stehen nur noch 60 000 Mann unter den Waffen, von denen aber nochmals 20 000 Burschen, Schreiber, Kranke und Kommandierte absehen muh. Mit 40 000 Mann ist infolgedessen wenig anzufangen, also mutzte man daran gehen, die Kadres aufzufüllen, um für alle Eventualitäten gewappnet zu fein. Ob diese eintreten werden, hängt weniger von den Rumänen, als den Gläubigern Rumäniens ab, mit denen bekanntlich schon seit geraumer Zeit in Paris wegen eines Zinsen» und Amortisationsnachlasses in Höhe von 3000 Millionen Lei verhandelt wird. Lind in diesem Zusammenhang muh folgendes herausgearbeitet und scharf festgeyalten werden: die Streikwelle und die allgemeine Llnzufriedenheit, die Rumänien heim- gesucht hat, ist nicht etwa von politischen, sondern ausschließlich von sozialen Gründen ausgelöst worden: das Genfer Protokoll hat zunächst die umfangreichen Lohnkürzungen erforderlich gemacht, die die Wogen der Erregung hochgehen liehen. Diese Erregung wird also weiter wachsen, wenn in Paris der geforderte Schul- dennachlah nicht gewährt und damit die Bezahlung der Beamten und Angestellten unmöglich gemacht wird. Bleiben also die Gläubiger hartnäckig, dann ist die Stellung der Regierung derart erschüttert, daß sie sich tatsächlich nur noch durch den Ausnahmezustand eine Zeitlang wird halten können. Aber dieser Ausnahmezustand birgt in diesem Sonders alle eine doppelte Gefahr in sich: einmal wird nichts an den bestehenden Schwierigkeiten geändert, zum andern wird im Auslande ganz zwangsläufig die Lieberzeugung Platz greifen, als stände Rumänien unmittelbar am Dor- abend „spanischer Ereigniss e". Der Rumäne ist aber ein Mensch, der sich sehr schnell „auf“», aber ebensoschnell auch wieder „abregt“. Bisher ist bei allen Demonstrationen noch nicht ein einziger Tropfen Blut geflossen, und es hängt jetzt lediglich von der Regierung selbst ab, ob die Gegensätze künstlich weiter verschärft werden sollen. Daß die Regierung nicht das geringste Interesse daran hat, ist selbstoerständlich. Der Ausnahmezustand ist daher in erster Linie dazu da, um jeder Presse endlich einmal wirksam den Mund zu stopfen, die Gefahren an die Wand malt, die in diesem Ausmaße noch nicht bestehen. Die Lage ist gewiß ernst, aber noch lange nicht verzweifelt. Die Kleine Lnlenle als Völkerbund im kleinen. $ür die Erhaltung des Status quo im Oonauraum. — Das Wirtschafisproblem bleibt ungelöst. Prag, 14. Febr. (1DIB.) Heber die heutige Genfer Konferenz des Rates der Kleinen Entente wurde vom Tschechoslowakischen Pressebureau folgendes Kommunique ausgegeben: Die drei Außen- m i n i ff e r der Staaten der Kleinen Entente hielten eine Beratung ab. 3m Sinne der im Dezember 1932 in Belgrad angenommenen Entschließung wurde der Organisationspakt der Kleinen Entente ausgearbeitet, der es den drei Staaten gestattet, a l s einheitlicher internationaler Organismus zu handeln. Der politische Teil des neuen Paktes wurde ab g e f d) l o f f e n. Die Außenminister der Staaten der Kleinen Entente werden die Aussprache über die wirtschaftlichen Fragen des neuen Paktes weiterführen. * Während die Dorschläge des französischen Konstruktivplaneszr Organis.erung eines gesamteuropäischen Sicheryeitssystems gegen jede Art von Revisionsbestrebungen sich auf dex Abrüstungskonferenz als eine Lltopie heraus- gestellt haben, hat sich — gleichfalls in Genf — eine Entwickelung vollzogen, die ganz in der Linie dieser Dorschläge liegt und ihre auf den Donauraum bezogene Derwirklichung darstellt: die LImgestaltung der Kleinen Entente aus einem politisch-militärischen Bündnis zu einem Staatenbund, d. h., wie das amtliche Kommunique besagt, zu einem „einheitlichen internationalen Organis- m u s“. Dimmt man hinzu, dah der gestern endgültig vereinbarte politische Organisationsplan einen ständigen Rat und ein ständiges Sekretariat vorsehen soll, so stellt sich das neue Gebilde als ein Völkerbund im Uci» nen dar, der — immer in seiner regionalen Begrenztheit — genau den Zielen entspricht, die Frankreich im großen mit seiner Dölkerbunds- politik, seinen europäischen Föderationsplänen und schließlich mit dem Konstruktivplan verfolgt hat. Der feste organisatorische Rahmen, der künftig die drei durch den Verfall der Donaumonarchie neu oder in neuer Gestalt entstandenen drei Länder, Tschechoslowakei, Südslawien und Rumänien umschließen und ihre einheitliche außenpoli- tische Willensbildung sichern soll, ist nichts anderes als ein neues Instrument in dem Kampfe des Versailler Systems gegen den Revisionismus, dem besonders der tschechoslowakische Außenminister, der auch der Schöpfer der neuen Organisation ist, und wahrscheinlich künftig als ihr Mandatar auftreten wird, in letzter Zeit öffentlich den Kampf angesagt hat. Die Sicherung des status quo, die unverhüllt als Ziel des neuen Blockes hervortritt, beruht freilich bei den drei Beteiligten auf einer viel größeren Gemeinsamkeit der Interessen als seine zweite Aufgabe, die wirt- schaf11iche Organisierung. Der Zwiespalt der politischen und der wirtschaftlichen Frontstellung innerhalb der Kleinen Entente konnte bei den periodischen Konferenzen der letzten Jahre bekanntlich nur mühsam überbrückt werden; zwar geben auch für die Unzufriedenen, wie vor allem Rumänien, politische Erwägungen, die mit finanziellen B e - d ü r f n i f f e n parallel gingen, immer wieder den Ausschlag und die Präferenzverträge mit Deutschland, die den notleidenden Agrarstaaten des Süd- Ostens eine wirkliche Erleichterung ihrer Wirt- scyastslage gebracht hätten, konnten nicht zur Auswirkung kommen. Nachdem anderseits die verschiedenen von Frankreich geförderten Wirtschaftsprojekte, zuletzt der Tardieuplan auf entscheidende Hindernisse gestoßen sind, muß man mit größtem Interesse den weiteren Nachrichten entgegensetzen, die zeigen werden, ob es diesmal gelingt, die französischen Hegemoniepläne auch auf das wirt- schaftliche Gebiet trotz der agrarisch-industriellen Spannungen, die innerhalb des Trabantenblockes bestehen, durchzusetzen. Der Völkerbund soll im Ostkonflikl entscheiden. Oer Neunzehnerausschuß fordert Räumung der Mandschurei und Autonomie unter Chinas Oberhoheit. Genf, 14. Febr. (TLT) Der Reunzehneraus» schuß hat am Dienstag in seiner Schlußsitzung von der Antwortnote der japanischen Regierung auf die Anfrage wegen der Anerkennung der Oberhoheit Chinas in der Mandschurei Kenntnis genommen und sogleich der japanischen Regierung ihre Stellungnahme hierzu übermittelt. Der Reunzehnerausschuß stellt fest, daß die japanische Rote keine Grundlage für eine weitere Dermittlung ist und lehnt es ab, in die Erörterung der Einzelheiten der japanischen Rote einzutreten. Jedoch wird die japanische Regierung ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß eine neue Derschärfung der Konflikt- lage durch weitere militärische Maßnahmen (in der Provinz Dschehol) zu einem endgültigen Scheitern der Verhandlungen führen müsse. Die außerordentliche Vollversammlung für die endgültige Regelung des japanisch - chinesischen Streites ist zum Dienstag, den 21. Februar, ein- berufen worden Der Neunzehnerausschuß hat in seiner Schlußsitzung grundsätzlich beschlossen der Völkerbundsoersammlung die zur Lösung des gern- oststreites vorgesehenen Maßnahmen in folgender Reihenfolge oorzuschlagen. 1 .Rückzug der japanifchen Truppen aus der Mandschurei bis zu der japanischen Eisenbahnzone. 2 . Schaffung der Autonomie in den drei östlichen Provinzen unter der Oberhoheit Chinas. Einrichtung der Verwaltung, Schaffung internationaler Kontrolle und der Gendarmerie entsprechend den Vorschlägen des Lytton-Berichts. Der Grundsatz der Oberhoheit Chinas in den drei östlichen Provinzen wird an die Spitze der Empfehlungen des Berichtes gestellt- Der Dame Mandschukuo wird in dem Bericht überhaupt nicht genannt. 3n den Empfehlungen wird betont, dah der Rückzug der japanischen Truppen die unerläßliche Doraus- fetzung für die Schaffung eines erträglichen Zustandes und für die gesamte Regelung dieses Streites bilde. Der vorgesehene diplomatische Derhandlungsausschuh, in dessen Händen die meaccc Konfliktregelung gemeinsam mit den be ben beteiligten Regierungen gelegt werden soll, soll sich zusammensetzen aus den Dertretern der Llnterzeichnerstaaten des Washingtoner Reunmächteabkommens, zu dem alle grohen Kolonialmächte gehören, ferner die Dertreter der dem Reunzehnerausschuh angehörenden Mächte, falls diese es wünschen. Ferner sollen Amerika und Sowjetruhland zur Beteiligung am Ausschuh eingeladen werden. Die Dollversammlung am Dienstag dürste die entscheidende Abstimmung über die Empfehlungen des Deunzehnerausschusses am Freitag vornehmen. An maßgebender japanischer Stelle verlautet, daß die japanische Regierung ihre endgültige Entscheidung erst nach der Entscheidung der Dölkerbundsversammlung fällen wird. Im Falle der Annahme der Empfehlungen soll Japan beabsichtigen, unverzüglich seinen Austritt aus dem Dölkerbund anzukündigen oder sich ohne eine solche Erklärung vom Dölkerbund und der Abrüstungskonferenz zurückzuziehen. Die japanische Aktion gegen Zehol London, 14. Febr. (WTB.) Wie Reuter aus Peking meldet, sollen die Japaner planen, mit ihrer Offensive in der Provinz Jehol am 27. Februar einzusehen. Dieser Zeitpunkt sei gewählt worden, damit die Offensive am 1. März, dem ersten Jahrestag der Errichtung Mandschu- kuos, in vollem Gange fei. Hohe japanische Würdenträger in Peking sollen bereits zugegeben haben, daß man drei Ultimata vorbereitet habe, die demnächst zur Absendung gelangen sollen, und zwar werde das erste Ultimatum von der mandschurischen Regierung an den chinesischen Gouverneur der Provinz Ie - h o l, das zweite von General Muto, dem japanischen Oberbefehlshaber in der Mandschurei, a n General Tschanghsüliang, und das dritte von Tokio an QI anfing gerichtet sein. Alle drei würden eine vollkommene Zurücknahme der chinesischen Truppen aus der Provinz Jehol fordern. Don chinesischer Seite ist erneut betont worden, daß die Chinesen sich einem japanischen Einmarsch in Jehol auf das hartnäckigste widersehen würden. Bankenzusamnienbruch im Gtaate Michigan. LchwercWirtschaftskrisiSim amerikanischen Industriezentrum. N e u y o r k, 14. Febr. (TU.) In Michigan, dem größten Industriestaat der Vereinigten Staaten, hat sich ein Bankenzusammenbruch ereignet, der als ein Ereignis von größter wirtschaftlicher Tragweite zu werden droht. In Washington traten unter Vorsitz des Präsidenten Hoover der Handelssekretär Mills, der Gouverneur der Federal Reseroebank Harrison und Eugene Meyer, der Direktor der Federal Reserve Board zusammen, um zu beraten, wie der völlige Zusammenbruch des Bankensystems von Michigan zu verhindern ist. In Detroit herrscht im Geldverkehr völliger Wirrwarr. In ganz Michigan hat die Bevölkerung noch bis zum Wochenende Kleingeld. In den Theatern, Kinos und Restaurants häufen sich große Summen an. Ein großes Aufgebot von Polizei bewacht daher die Kassen der Banken und Theater. Die Federal Reservebank in Chikago sandte unter starker Bewachung 20 Millionen Dollar Gold nach Detroit. Die Staats- und Stadtkassen in Detroit waren nicht in der Lage, die Löhne und Gehälter zu bezahlen. Außer im nördlichen Staatsteil von Michigan sind sämtliche Banken geschlos- s e n. Der Gouverneur von Michigan gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Bundesregierung das Bankensystem des Staates retten werde. Auf Grund des Finance Rekonstruktion Act waren 3 00 Banken und Sparkassen in Michigan gestützt worden. Der Zusammen- bruch der Banken in Detroit ist darauf zurückzufüh- ren, daß Ford s i ch weigerte, weitere Kredite von der Finance Rekonstruktion aufzunehmen um die Union Guardianbank zu retten. Die anderen großen Kunden der Bank, darunter die General Motors und Chrysler hatten im Gegensatz zu Ford die Aufnahme weiterer Kredite gebilligt. Ford zog jedoch seine Guthaben in Höhe von l'A Millionen Dollar zurück. Das hat zur Zahlungsein st ellung geführt. Gleichzeitig mit den Banken erklärten die Gas-, Licht--, Elektri- zitäts- und Telephongesellschaften ein achttägiges Moratorium, zln allen Börsen waren scharfe Kursabgänge zu verzeichnen. Die Agrarkrisis in Argentinien. Prcisverfatt und Heuschrecken. Buenos Aires, 14. Febr. (ERB) Die Weltwirtschaftskrise hat mit ihren niedrigen Preisen für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die nicht mehr die Llnkosten decken, auch die Landwirtschaft in Argentinien in die schwerste Dotlage gebracht. Zum größten Llnglück sind nun noch weite Teile des Landes von riesigrn Heuschreckenschwärmen heim- gesucht worden, die vielfach alle Anpflanzungen und alles Grün von den Feldern weggefressen haben. Besonders schlimm ist es in der Provinz Entre Rios, einem sehr fruchtbaren Land zwischen den Flüssen Rio Parana und Rio Llruguay. In diesem Mesopotamien, das durch die Heuschreckenplage in eine Wüste verwandelt wurde, herrscht Elend und Rot. Wenn man durch die Provinz fährt, sieht man nichts als eine graue Landschaft, in der an den Straßen und Bahndämmen das tote Dieh liegt, die Wälder überall kahl gefressen, die Obstpflanzungen vernichtet und die Weinreben zerfasert sind. Rur sehr wenige Bauernhöfe haben eine kleine Ernte, deren Kosten aber nicht einkommen, denn für einen Sack Weizen werden nur 1,50 Peso (= 1,40 Mk.) geboten. Für Wolle zahlen die Aufkäufer 1,50 bis 2 Peso für 10 Kilogramm. Trotzdem müssen die Besitzer — seien es Kolonisten, Kleinbauern oder Grundbesitzer — noch mehr Steuern zahle n als in guten Jahren. Ein Hammel erzielt nur 80 Cent, eine Kuh oder ein Pferd 1 bis 2 Peso, eine Mi 1 chkuh 5 bis 7 Peso. 3m Verkauf auf dem Markt verfaulen die Kartoffeln, obwohl sie für 25 Cent je 10 Kilogramm angeboten werden, weil keine Käufer da find. Die Rot ist überall groß, und die Llnficherheit auf dem Lande hat überall zugenommen. Die Besitz- und Arbeitslosen haben quasi eine stillschweigende Erlaubnis, sich das zu nehmen, was sie zum Lebensunterhalt bedürfen. Diele Estancieros führten ein- oder zweimal in der Woche Schlachttage ein, an denen die Armen der Umgebung mit Fleisch versorgt werden, damit sie nicht durch den Hunger zum Diebstahl getrieben werden. Oie Aussichten der deutschen Wirtschaft. Günstige Beurteilung in England. London, 11. Febr. (WTB.) „Time s" besaßt sich heute in einem zuversichtlich gehaltenen Artikel mit den Aussichten Deutschlands auf eine Erholung seiner Wirtschaft. Es lägen Anzeichen dafür vor, so schreibt das Blatt, daß Deutschland die Krise überstanden habe. Allem Anschein nach habe es das Problem der B a- ral mb ea» cs Inust, um lieb das 1 er Die da» ncll zur dort um* auS Zau- ein war. urde )li an .egen über deS eifrig cnem )hlen Zreu- r zur chluß schie- n. agcr i. Die igenb- orden. äume. a 200 wird, achsen Haus bürge- ager eben- ig fin- nähen, n Ar» kochen, ir|orgc ozialen i junge >en sich ochsten ich er- hiesige l durch n g mit er weit hinaus n werke, urts - aste um .ü“ er* »25. be- Der* ifl -um hört seit lahntal- )eS Ge- e „Eä- der, der Sanges* end das ilte für hat hier d leider rt. Zwei n Man* Lebens- rstor- laufen . Huf- in dessen and wei- •’re Wet- und nach t. Durch llerdings j die über ergiebige südlichen röen oben Druck wolkigem ichen sich 8, später* Rieder- nftig und > trocken. Dielfach Tag und zen mild, 10,8 Grad morgens Minimum in 10 cm 9. März: ,e 0,0 mm. k f blem Aus der Provinzialhauptstadt Oberheffen । — die Qualitäts-Zahnpaste — über Berlin und der Um« westlichen Vororten ein resschau Provinz worben. oberhessischer Kunst in Gießen hat die sein Bild „Die Kurische Nehrung" er- bung, vor allem über den intergewitter nieder. Der erteil Gi«s u«8, 2 Ä» ffj* EM «UNI g1 Wchl-I- 6er Jtall ffiebot g spende^ Stückes hier l.qjorftS Jlohr nennen rsjahm neu Da » Sc der ® General Ser JerMa entlüftet übet ,50 l.SorM Präsident überreich ®ei5. hielten I silberne Mitglied Das Sa stattete Jheinfaj Ser Prä wort zu lische Da Garbente bach. fKl Auch die geeignete Jeransla schen, da> gröbere 1 g-k. ® schloß dt! (Beneroloi Legrüßm würben i nen Angk letzten Jc warles Schnei Frauentu baß bas trieben w her mehr Schülertu starten Etephl unb btm würbe E Bereinig fijtnbt fi bers lchll aus. w Aenberui perigen schäft, bei „Tut heb fom ge|in brachte bi n?m 3nt( fommlung bilbun Darbietu deutschtu, gegenfom im Auslc jung am iunstgiup fassen Li musikali'c Doltstän, JDbe ®e(ang Gastwirts neraloerja Fritz gl über bas ieiligte fid dem Erfolg, ri Sute Fort 'eiten mi1 Verhältnis n Zn M od SölOfj; Us Ul an Re sei em An genommen hatte, ist ebenfalls am gleichen Tage gestorben. Das Ende einer Skandalassäre in Honolulu. Das Verfahren gegen vier Eingeborene in Honolulu, die eines äleberfalles auf die Gattin des amerikanischen Marineoffiziers Leutnant Massie beschuldigt waren, ist auf Antrag des Staatsanwalts eingestellt worden. Die Angelegenheit hatte seinerzeit ungeheures Aufsehen in den Vereinigten Staaten hervorgerufen. Llrsprünglich waren fünf Eingeborene angeklagt, aber freigesprochen worden. Hierauf hatten Leutnant Massie, seine Schwiegermutter Frau Fortescue und zwei amerikanische Seeleute einen der freigesprochenen Eingeborenen gemeinschaftlich erihorbct. Sie wurden später nur wegen Totschlages für schuldig befunden und nach formeller Verkündigung einer Gefängnisstrafe unverzüglich begnadigt. Luftkampf über dem Amazoneustrom. „Daily Herold" meldet aus Bogota (Columbien): General Vasquez Cobo, der Oberbefehlshaber der columbischen Streikräfte, die sich auf mehreren Kanonenbooten und Transportschiffen im Oberlauf des Amazonenstromes befinden, gibt bekannt, daß peruanische Flugzeuge über sein Kanonenboot „Cordoba" hinweggeflogen seien und Bomben abgeworfen hätten. Columbische Flugzeuge hätten daraufhin eingegriffen und den Gegner nach einem Luft- kampf vertrieben. Wintergewitter über Berlin. In der fünften Morgenstunde ging am Dienstag worden, bei einer eventuellen Erholung in das Wirtschaftsleben aktiv einzugreifen. Die Festigung der Wertpapierkurse, die seit kurzem zu verzeichnen sei, gebe Grund zu der Hoffnung, daß den Kapi- t a l m ä r k t e n wieder die gewohnte Rolle bei der Ankurbelung der Wirtschaft zufallen werde. Die Lage der Industrie zeige zwar nur eine leichte Besserung, jedoch sei die allgemeine Stimmung freundlicher geworden. Auch das Pro- der kurzfristigen Verschuldung Donner war -zeitweise so stark, daß die Bewohner .aus dem Schlafe geschreckt wurden. Das seltene Naturereignis war von heftigen Schneeböen, orkanartigem Sturm und starkem Wetterleuchten begleitet. Im Norden Berlins schlug der Blitz in einen Mast der Straßenbahnoberleitung ein, richtete aber keinen nennenswerten Schaden an. Auch in den Vormittagsstunden herrschte noch r i ch - tiges Aprilwe11er. Es setzte mehrfach heftiges Schneetreiben ein, das durch klarsten Sonnenschein wieder abgelöst wurde. lanzierung seiner Zahlungsbilanz gelöst. Da die internationale Verschuldung den Hauptfaktor der deutschen wirtschaftlichen Schwierigkeiten dargestellt habe, komme dieser Leistung besondere Bedeutung zu. Der Druck auf den Kapitalmarkt habe erheblich nachgelassen. Die Banken feien mit Hilfe des Staates in die Lage versetzt ^aitl und Durchführung der Veranstaltung an den Vorsitzenden, Landwirtschafts-Studienrat Dr. Lutz, aus, unter dessen Leitung der Verein einen erneuten Auftrieb an innerem Leben und äußerem Umfang genommen habe. U Grohen-Linden, 13. Febr. Der hiesige Kurzfchriftverein hielt am Sams- tag feine diesjährige Generalversammlung ab. die sehr gut besucht war. Der 1. Vorsitzende Heinrich G ü m b e l erstattete den Jahresbericht. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse war die Vereinstätigkeit im abgelaufenen Jahre sehr rege. Mit Erfolg haben Mitglieder des Vereins an dem Bezirks- und Verbandswettschreiben teilgenommen. Auch die Wettschreiben innerhalb des Vereins haben gezeigt, daß immer bessere Leistungen in der Einheitskurzschrift erzielt werden. Für das laufende Geschäftsjahr wurde ein Arbeitsprogramm festgelegt. Den Mitgliedern soll Gelegenheit gegeben werden, sich immer mehr Fertigkeit in der Kurzschrift anzueignen, den Arbeitslosen soll besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. al Allendorf (Lahn), 14. Febr. In unserer Gemeinde wurden im Jahre 1932 16 Kinder geboren. 12 Personen verstürben: 6 Paare wurden getraut, 5 Kinder konfirmiert. — Das über zehn Jahre alte S t o r ch n e st auf dem Judenberg ist durch die ungünstige Witterung gänzlich vernichtet worden und vom Baum gefallen. Nunmehr haben einige Freunde der Vogelwelt ein Wagenrad auf den Eichbaum gebracht und Reisig vom alten Nest darauf gebreitet, damit die Störche, wenn sie im Frühjahr wiederkommen, mit dem Bauen eines neuen Nestes beginnen können. = Lang-Göns, 13. Febr. Der Unterhaltungsabend, zu dem der hiesige Turnverein (DT.) am Samstag seine Mitglieder eingeladen hatte, war recht gut besucht und brachte für alle Teilnehmer einige angenehme Stunden. Nach einem Vorspruch, vorgetragen von Frl. Pfuhl. entsprechenden Verhandlungen mit der betriebsleitenden Oberpostdirektion Darmstadt sollen sofort stattfinden. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Dtadttheater, 20 bis 22 Uhr, „Bargeld lacht". — VDA., 20.15 Uhr, Cafe Leib, Volkstunstabend der Tiroler Werbegruppe. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Mann mit Herz". * •• D i e Bauarbeiter! in der Pestalozzi s ch u l e in den Cichgärten, bei denen es sich bekanntlich um den Ausbau eines Flügels des großen Gebäudes zum Zwecke der Herrichtung von Klassenräumen handelt, sind unverändert im Gange. Die Arbeiten werden so beschleunigt, daß der fertiggestellte Flügel des Hauses mit dem Beginn des Unterrichts nach den Osterferien in Benutzung genommen werden kann. ** Eine praktische Neuerung auf der Straßenbahn ist durch die Ersetzung der Fün- fer-Fahrscheinheftchen durch Fünfer-Fahrkarten eingeführt worden. Die Heftchen haben sich im Laufe der Zeit besonders auf der stark befahrenen Wiesecker Strecke durch zeitraubende Handhabung als wenig praktisch erwiesen. Dafür hat die Direktion der Straßenbahn nun die Fahrkarten eingeführt, die in fünf Felder eingeteilt sind, von denen bei jeder Fahrt eines durch eine Lochzange entwertet wird. Die noch im Besitz des Publikums befindlichen Heftchen können natürlich aufgebraucht werden. ** Winter »st wieder eingekehrt. Die letzten Tage haben etwas tiefere Temperaturen gebracht. Heute morgen war es sogav empfindlich kühl: der Schnee, der gestern abend und auch während der Nacht leicht fiel, konnte zum Teil liegen bleiben. Auf dem Hoherodskopf liegt nicht sehr viel Schnee, im Walde sind eÄ 10 Zentimeter, im freien Gelände weniger, da dort der Schnee stark verweht ist. Heute morgen wurden auf dem Hoherodskopf 9 Grad unter Null gemessen. Der Wald steht in herrlichstem Rauhreis. Die Sportmöglichkeiten sind vorläufig noch gering. ** D i e Grippe in den Schulen. Während in der Stadt Gießen der in der vorigen Woche durch zahlreiche Grippeerkrankungen ausgefallene Schulunterricht seit Beginn dieser Woche wieder voll im Gange ist, kann jetzt erfreulicherweise auch von einer Besserung der Verhältnisse im Kreise Gießen berichtet werden. Zu Beginn dieser Woche war im Kreise Gießen in 18 Schulen der Unterricht wegen Grippeerkrankungen von Lehrern und Schülern eingestellt, heute ruht der Unterricht nur noch in 14 Schulen. Es ist aber auch bei diesen Schulen ein erfreulicher Rückgang Ser Erkrankungen zu beobachten, so daß man mit der Wiederaufnahme des Unterrichts zu Anfang nächster Woche und von da ab mit ungestörtem Schulbetrieb im ganzen Kreise Gießen rechnen kann. * Das nächste Konzert zum Besten der Winternothilfe (Gesangschule Frau ‘ Dr. Meyer und Militärkapelle), das wir in unserer heutigen Frühausgabe ankündigten, findet auf Grund einer neueren, uns bis heute früh noch nicht mitgeteilten Vereinbarung nicht am 20. Februar, sondern erst am 2 2. Februar statt. Ein SA. - Werbetag der NSDAP, findet am kommenden Sonntag in Gießen statt. Nachmittags wird die Standarte 116 aufmarschieren. Am Abend wird sich in der Volkshalle eine Wahlkundgebung anschliehen, für die der preußische Kultusminister Dr. Rust- Berlin als Redner vorgesehen ist. Man beachte die heutige Anzeige. ** Zum Ver kehrsunfall in der Marburger Straße. Die Frau des bei dem Unfall in der Marburger Straße verunglückten Dr. Schönwandt aus Frankfurt, die mit einer schweren Kopfverletzung in die Chirurgische Klinik eingeliefert wurde, hat, wie die Untersuchung ergab, einen leichten Schädelbruch erlitten. Ihr Befinden hat sich bis heute vormittag leicht gebessert. Zur Herstellung der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahnpaste werden nur die anerkannt besten Rohstoffe verarbeitet. Chlorodont, morgens und vor allem abends benutzt: beseitigt häßlichen Zahnbelag und üblen Mundgeruch ist sparsam im Verbrauch und daher preiswert. Aus aller Welt. Grubenunglück in Hindenburg. — Zehn verschüttete. Aus der Königin-Louise-Grube, Ostfeld, in Hindenburg (O.-S.) ging auf der 340-Meter-Sohle ein Pfeiler z u Bruch. Zehn Bergleute wurden v e r s ch ü t te t. Die Rettungsarbeiten sind sofort ausgenommen worden. Von den Einae- schlossenen ist ein Mann, der nicht lebensgefährlich verletzt ist, halb freigelegt worden. Eine Anzahl weiterer Leute gibt von anderer Stelle aus Lebenszeichen. An ihrer Bergung wird mit allen Kräften gearbeitet. Man hofft, wenn sich die Lage nicht besonders verschlechtert, spätestens in einem Tag die Verschütteten zu bergen. Der Pfeiler ist in seiner ganzen Breite zu Bruch gegangen. Die Zuführungsstrecken sind jedoch aufrechterhalten geblieben, so daß das Rettungswerk von verschiedenen Seiten aus sofort in Angriff genommen werden konnte. Nach den letzten Reibungen sind von den verschütteten Bergleuten inzwischen drei lebend geborgen worden, zwei weitere hofft man in oller Kürze bergen zu können. An der Rettung der übrigen fünf Verschütteten wird unausgesetzt gearbeitet. Die Schweizer Seegelflicger. Der Schweizer Segelflieger Willi F a r n e r,der im Schlepptau von Frey in Mailand zum Alpenflug aufgestiegen war, ist bei Bellinzona nie- dergegangen._ Rach einer halben Schwenkung nach Dalmorbia löste sich das Flugzeug von Frey, der bald daraus in Bellinzona landete. Bei der Landung wurde das Segelflugzeug leicht beschädigt. Farmer erklärte, daß das Flugzeug über dem Lukmanier in heftigen Wind geraten sei, der sie plötzlich etwa 300 Meter herabgedruckt habe. Dadurch sei die Ueberfiegung der Alpen unmöglich gemacht worden und sie hätten sich zur Landung in Bellinzona entschließen müssen. Später starteten die beiden Flieger im Flugzeug von Freh nach Arosa. Feuer In einem Sägewerk. — Ein Todesopfer. In dem Sägewerk der Firma Krämer in Ochsenfurt am Main (älnterfranken) brach ein D r a n d aus, der in den Holzvorräten reiche Nahruikg fand. Das Feuer brachte eine Preß- luftflasche zur E x p l o s i o n. Eine etwa 70 Meter entfernt stehende Frau wurde von e.nem Eisenstück am Kopf getroffen und getötet. WeitLre Personen kamen nicht zu Schaden. Das Feuer griff auf Scheune und Stallung über und vernichtete bedeutende Werte. Zwölf Todesopfer schlechten Alkohols. Rach einer Meldung aus Szegedin in Ungarn bewirtete in dem Walde bei Sandorfalva der Landwirt Stephan lernet, der sich auch mit oem Destillieren von Alkohol beschäftigte, eine Reihe von Holzhackern und Tagelöhnern mit fernem Erzeugnis, um ihnen Lust zum Ankauf zu machen. Rach dem Genuß des offenbar nicht einwandfreien Alkohols wurde eine große An- aat>l der Leute unwohl und mußte in das Szege- Diner Krankenhaus gebracht werden. Hier sind bisher 12 gestorben, während 13 in bedenk- Irchern Zustand darniederliegen. Drei Frauen nach dem Genuß von Spiritus gestorben. Nach einer Meldung aus Czenstochau fand der Arbeiter F asm an, als er von der Arbeit in feine Wohnung zurückkehrte, seine Frau und seine Schahrige Mutter tot auf. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß die grauen an den Folgen des Genusses von Spiritus geworben sind. Eine andere Frau, die an dem Gelage teil- Geheimnisvolles verschwinden eines hol^handlers. Seit mehreren Tagen ist der Kaufmann Franz N a r o w s k e, Mitinhaber der Firma Narowske & Grüsch, Holz- und Sägewerk in Witten-Annen, unter sehr eigenartigen Umständen verschwunden. Er wurde von einem Münzfernsprecher aus Unna angerufen; der Anrufer teilte mit, daß er einen großen Holzankauf abschließen wolle. Nachdem der Anrufer zur verabredeten Zeit im Bureau nicht erschienen war, begab sich Narowske auf die Straße. Hier kam ein Auto vorgefahren, aus das der Kaufmann zuging. Seit diesem Augenblick fehlt von ihm jede Spur. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Insassen des Autos an Narowske ein Verbrechen begangen haben. Als die Arbeiter und Angestellten am nächsten Morgen bei der Firma erschienen, sanden sie das Tor zum Lager und zum Kontor offen vor. Es wurde festgestellt, daß aus dem Geldschrank fünf Scheckhefte sowie ein Postbarscheck- und ein Postüberweisungsscheckheft fehlten. Bei der Sparkasse in Witten erschien an diesem Morgen ein junger Mann, der Schecks präsentierte, die auf 200 und 250 Mk. lauteten, aber nicht eingelöst wurden, da das Konto Narowske nur 50 Mk. aufwies. Die Schecks trugen die Unterschrift Narowskes, die den Eindruck erweckte, als sei sie in großer Eile, Erregung oder in Trunkenheit geschrieben worden. Der geplante Flugzrugstiitzpunkt im Atlantik. Die Umbauten auf dem Dampfer „Westfalen", der von der Deutschen Lufthansa als Flug- zeugstühpunkt für den Transozeanluftverkehr Europa—Südamerika in Dienst gestellt werden soll, sind durchgeführt. Der Dampfer, der in diesen Tagen seine Startversuche mit dem Katapult erledigte, ist jetzt zur AG. Weser zurückgedampft, wo die letzten Arbeiten vorgenommen werden sollen. Die eigentlichen Probefahrten finden Mitte Februar von Bremerhaven aus statt. An ihnen werden auch geladene Gäste teilnehmen. Bei dieser Gelegenheit wird auch das Abschiehen des Katapultflugzeuges auf dem Wasser durchgeführt. Oer Lleberparteiliche. Plakatankleber sind bedeutende Faktoren im Wirtschaftsleben der Zeit. Der Plakatankleber ist es aber auch, der seiner Hände Arbeit froh wird, toenn er des Abends den so deutlich sichtbaren Spuren seines Werkes folgt, soweit das Stadtbild reicht. In der Oeffentlichkeit und für die Oeffentlichkeit schaffend, wächst er mit Recht zur lokalen Persönlichkeit. Mit klebender Hand vermittelt er, was geschah, was geschieht, was geschehen soll. „Peremo brachte eine Zahnkreme heraus, die Zauberwirkung zeigt" — „Margata, die Kunstbutter, ist immerwährende Freude der Familie" — „Am 18. wird Tauber ein Konzert geben“ — am 19. wird Dr. Schulz, M. d. R., über die Gewißheit der politischen Ungewißheit sprechen — ein Sprachrohr der Moderne, klettert der Ankleber die Litfaßsäule hinauf und herab. Gäbe es keine Zeitungen, er hätte seinesgleichen nicht auf dieser Welt. So aber sorgt die fünfte Großmacht „Presse" dafür, daß die Säulen nicht in den Himmel wachsen. Vor solcher großmächtigen Konkurrenz flüchtet der Ankleber sich in das Reich der Farben, und hier ist er stark und ohne Beispiel. Ruhig entbreitet feine Hand eine Rolle und streicht sie mit Würde über den Litfaßbauch: eine Rivieraland- schast in allen Farben südlicher Glut, vom Azurblau des Himmels bestrahlt, zeigt sich den entzückten Blicken. Im Rausch der Farbe klebt er die blondesten Mädchen neben die schwärzesten Neger, die blausten Augen in das Grau der Straßen, ein Vergolder des Alltags. Das Bemerkenswerteste an ihm ist jedoch, daß er sich längst vor dem Streit der Ansichten und Meinungen auf die sichere Plattform des „Alles verstehen und alles verzeihen" zurückgezogen hat. Er klebt Mana, die beste Zigarette, neben Mono, die beste Zigarette, Schweden neben Palästina, Hans Albers neben Willi Fritzsch. Von unglaublicher Toleranz in politischen Fragen entrollt er Konservative und Radikale, Regierungsproklamationen und Oppo» sitionsaufrufe mit der gleichen Gelassenheit und ohne Ansehen der Person und Sache. Seine unbestechliche Objektivität scheut nicht davor zurück, einen lachenden, lieblichen Mädchenkopf mit einer kommunalen Steuererklärung zu überkleben oder eine Rheinlandschaft mit einer Schuhkremeanpreisung. Rur einmal regt sich in ihm ein Anflug persönlichen Gefühls, wenn er mit zufriedenem Lächeln die Drohung befestigt, daß das Abreihen der Plakate von unbefugter Hand nach § 304 Str.-G.-B. empfindliche Bestrafung nach sich zieht. So weiß er seine Tätigkeit von Rechts wegen gesichert, gelassen entschreitet er, ein Schützling des Staatsanwalts, um an der nächsten Säule bildend und aufklärend zu wirken und das Gesicht der Stadt zu verändern, mit Pinsel, Leim, und abgeklärter Ruhe. v. M. Krastpostlmie Gießen-Hochelheim. Der Betrieb der Kraftomnibuslinie Gießen—Hochelheim war gestern Gegenstand von Beratungen, die im Stadthaus unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. Hamm in Anwesenheit von Vertretern des Postamtes Gießen und der an der Linie beteiligten Gemeinden stattfanden. Es handelte sich darum, einerseits zu dem im Jahre 1932 infolge der ungünstigen Wirtschaftslage entstandenen Betriebsdefizit in Höhe von runö 1700 Mk. und zu dessen Deckung durch die Gemeinden nach einem in dem Detriebsvertrag vorgesehenen Schlüssel Stellung zu nehmen, anderseits über Mittel und Wege zu beraten, die für die Zukunft die Beseitigung oder doch mindestens eme erhebliche Minderung des Zuschusses der Gemeinden ermöglichen werden. Der Fehlbetrag aus 1932 wird seine Deckung nach Maßgabe des Verteilungsschlüssels durch die Stadt Gießen und die an dec Linie beteiligten Gemeinden des Kleebachtals finden. Als eine wesentliche älrsache des Zuschusses wurde allgemein der Betrieb einer privaten Autolinie angesehen, die als Schwarzfahrt bezeichnet wurde und gegen die man mit Nachdruck vorgehen will. Völlige Uebereinftim- mung herrschte unter allen Gemeindevertretern darüber, daß die Kraftomnibuslinie weiterbetrieben werden soll, jedoch wurden gewisse Aende- rungen im Fahrplan der Linie als notwendig v(.z..chnet, um hierdurch zu - einer Verringerung der Detriebsunkosten zu kommen. Es handelt sich dabei um den Fortfall einer Teilfahrt nach Grohen-Linden um die Mittagszeit, ferner um eine zeitliche Verschiebung der bisherigen Vormittagsfahrt von Gießen nach Hochelheim auf die Mittagsstunde, von der man sich eine erhöhte Frequenz verspricht: außerdem soll bei der Äbendfahrt ab Gießen künftig die Gemeinde Groh-Rechtenbach angefahren werden. An die Oberpostdirektion Darmstadt will man das Er, suchen richten, in eine Minderung der Garantieleistung dec Gemeinden einzuwilligen, die in den jetzt gegebenen Verhältnissen ihre Begründung finde. Weiter wurde u- a. auch die Höhe des Fah.pr.i es bemängelt, die heute manche Interessenten von de, Benutzung der Linie abhalte. Eine zeitgemäße Senkung des Fahrpreises werde voraussichtlich auch die Frequenz der Linie erhöhen. Die Konferenzteilnehmer hegen die Hoffnung, dah die vorgeschlagenen Mahnahmen eine günstige Wirkung auf den Betrieb der Linie haben und deren Weiterbestand ohne allzu große Opfer der Gemeinden ermöglichen werden. Die werde gelöst sein, sobald die Welt zu der Ueberzeu- gung gelange, daß die deutschen Kredite gut seien. Die Welt müsse dazu gelangen, Deutschlands wirtschaftliche Zukunft optimistisch zu beurteilen. Die Gläubiger dürften durch das Stillhalteabkommen nicht verhindert werden, Rückzahlung in Mark von zweifelhaften Schuldnern zu verlangen. Erweiterte Vorkehrungen müßten getroffen werden, die es widerwilligen Gläubigern ermöglichten, ihr Geld, wenn nötig, mit Verlust aus dem Lande zu ziehen. Nach- dem noch auf die ungeheure Rückzahlung von Schulden, die bereits erfolgt ist, hingewiesen wurde, glaubt der Verfasser vor Experimenten irgendwelcher Art warnen zu müssen, da sie die Erholung der deutschen Wirtschaft um Jahre zurück- werfen könnten. Kunst und Wissenschaft. Auswärtige Erfolge eines jungen Gießener Künstlers. Der Gießener Maler und Bühnenbildner Hans- Ewald Kleine war vom Elberfelder Museumsdirektor Dr. D i e r k se n zu einer großen, jetzt beendeten Theaterkunst-Ausstellung aufgefordert worden. Die von der gesamten Presse als ausgezeichnet gerühmte Sonder-Ausstellung umfaßte in zwei großen Sälen 100 Szenenbilder und Figurinen, darunter acht Bilder, die sich jetzt im Besitz des Theatermuseums in Köln befinden. — Kleine ist an der ostpreußischen und an der Kunstakademie in Düsseldorf ausgebildet. Auf der Jah- Landkreis Gießen. -o- Großen-Linden, 12. Febr. Im Mittelpunkt einer Versammlung, zu der der O b st - und Gartenbauverein für Samstagabend in den Schaumschen Saal eingeladen hatte, stand ein Vortrag des Universitäts - Gartenbauinspektors i. R. Rehn eit (Gießen) über „Die Pflege des Hausgartens und der Zimmerpflanzen". Neben dem wirtschaftlichen Nutzen, so führte der Redner u. a. aus, bedeutet der Hausgarten zugleich als erweiterter Wohnraum gerade in der heutigen Zeit für viele eine Quelle erhöhten Lebensgenusses, und Blumenpflege in Haus und Garten wirkt sich namentlich für die Jugend als eine wertvolle erzieherische Kraft aus. Er setzte sich für die Wiederaufnahme mancher althergebrachter, aber vom Zeitgeist verdrängter sog. „Bauernblumen" ein und forderte zu belebendem Blumenschmuck im Innern des Hauses und besonders auch an Straßenfenstern und Vorgärten auf. Aus seiner reichen praktischen Erfahrung heraus wußte er gerade die Kleinarbeit des Gartenbauers und Blumenzüchters in bezug auf Standort, Boden, Wärme, Feuchtigkeit, Dungung, Verpflanzen, Vermehrung, Schädlingsbekämpfung u. ä. feiner Pfleglinge anregend darzustellen. Auch trat er für zweckmäßige Ausnutzung der Wand- flädjen und ihrer verschiedenen Sonnenlagen durch geeignete Früh, und Edelobstsorten, für Beeren- träucher und die vermehrte Anpflanzung von Pfir- ichbäumen ein. Daß neben dem Obstbau auch die Behandlung dieses Teilgebietes einem Bedürfnis entspricht, zeigte sich an dem zahlreichen Besuch, insbesondere auch der Frauen, an dem lebhaften Beifall, der regen Aussprache und dem Zuwachs an Mitgliedern, deren Zahl mit nahezu 60 sich im letz, ten Jahr verdoppelt hat. Anschließend fand unter restloser Beteiligung eine reichhaltige Verlosung von Obstbäumen, Beerensträuchern, Obstweinen, Gartengeräten, Sämereien, Blumen, Kunstdünger, Nisthöhlen, Schädlingsbekämpfungsmitteln u. a. statt. Zum Schluffe sprach Mitglied Iohs. Steina gel den Dank der Versammlung für die Vorbereitung und den Degrüßungsworten des Vorsitzenden. Karl Müller, folgten in bunter Abwechslung Musikstücke des Orchestervereins, turnerische Dar. bietungen, unter denen besonders die Reigen der Turnerinnen hervorzehoben seien, dir unter Lei- tung von Oberturnwart Lang gezeigt wurden. Ein flott gespieltes Theaterstück folgte, Tanz beschloß den Abend- • Garbenteich, 14. Febr. Am SamStag hielt der Gesangverein .Viktoria" sein 54. Stiftungsfest ab. Die Veranstaltung, die im Saale Zum grünen 'Baum“ stattfand, war gut besucht, Rach der Ansprache des 1. Vorsitzenden L. Stein wechselten flott gespielte Musikstücke mit den von der stattlichen Sängerschar des Verein- gut zu Gehör gebrachten Ehören ab. Dankbare Zuhörer spendeten reichen Beifall. Der weitere Verlauf des Abends brachte zwei Theaterstücke. Beide Stücke wurden mit viel Verständnis gespielt. Auch hier kargten die Zuhörer nicht mit Beifall. Der 1. Vorsitzende konnte den Sangesbruder Ludwig Mohr (2. Vorsitzender) zum Ehrenmitglied ernennen und weitere fünf Sänger für mehr als 25jährige aktive Sängertätigkeit mit einer silbernen Radel auszeichnen. • Dorf - Glll, 14. Febr. Dieser Tage hielt der Gesangverein „Heiterkeit" seine Generalversammlung bei Gastwii^ Reuher ab. Der 1. Vorsitzende Otto Mulch l. eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache. Der Rechner Sam es, sowie .'der Vorstand wurden entlastet. Das Vermögen des Vereins ist auf über 4 500 Mk. angewachsen. Der langjährige 1. Vorsitzende H. Karl Euler wurde zum Ehren- Präsident ernannt und erhielt die Ehrenurkunde überreicht. Die Sänger Otto S a m e s, Reinhard Weitz, Otto Mulch II. und Karl Klaum er- hielten für fleißigen Besuch der Singstunden die silberne Ehrennadel. Das Eintrittsgeld für neue Mitglieder wurde von 2,50 auf 1 Wk. herabgesetzt. Das Gauvorstandsmitglied Willi Löffler er- stattete ausführlichen Bericht über die geplante Rheivfahrt des Gaues „Hausberg-Wettertal". Der Präsident Otto M u l ch l. forderte im Schluh- wort zu treuer Zusammenarbeit auf. Musikalische Darbietungen des Dirigenten W. Schäfer, Garbenteich, (Violine) und Herrn Mack, Steinbach, (Klavier) füllten den restlichen Abend aus. Auch diesmal erwies sich der Mangel an einer geeigneten Räumlichkeit für die Abhaltung einer Veranstaltung als hinderlich. Cs wäre zu wünschen. daß die Gemeinde Schritte unternehme, eine gröhere Räumlichkeit zu beschaffen. gck. Großen-Buseck, 12. Febr. Gestern beschloß der Turnverein „Gut f) eil" mit einer Generalversammlung sein 34. Bereinsjahr. Nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden $). Größer, wurden in üblicher Weise die im Weltkrieg gefallenen Angehörigen des Vereins, sowie die Toten des letzten Jahres geehrt. Aus den Berichten des Turn- wartes W. Hahn, des Schülerturnwartes W. Schneider, des Spielwartes K. Dort und des Frauenturnwartes W. Stephan ging hervor, daß das Handballspiel nur in engen Grenzen betrieben werden konnte, daß aber das Turnen wieder mehr gepflegt wurde und daß besonders das Schülerturnen einen zahlen- und leistungsmäßig starken Auftrieb aufweist. Dem Zeugwart H. Stephan, dem Schriftführer W. Pfeiffer und dem langjährigen Rechner B. B o n a r i u s wurde Entlastung erteilt. Ihnen allen, sowie dem Dereinsgehilfen Herzberger, sprach der Dor- sitzende für ihre gerade in der jetzigen Zeit besonders schwierige Tätigkeit den Dank des Vereins aus. Die Dorstandswahl brachte mit einer kleinen Aenderung die vollständige Wiederwahl des seit- nerigen Vorstandes. Ein auf die deutsche Turnerschaft, den Verein und das Vaterland ausgebrachtes „Gut Heil" fand begeisterte Aufnahme. Das gemeinsam gesungene Lied, „Turner auf zum Streite* brachte die durch lebhafte Aussprache von allgemeinem Interesse an der Turnsache zeugende Versammlung zum Abschluß. : 'Beuern, 14. u 1000