Nr. 295 Lrfter Blaff 185. Jahrgang Donnerstag, R- Dezember 1955 Ericheln» täqltfl). außa Sonntage und Feiertag« Beilagen. Die Illustrierte ©tenener Jamilten blättei Heimat im Bild Die Scholl» monats*8e$ng$pret$; Mil 4 ‘Beilagen NM 1.9b Ohne Illustrierte . 180 Zustellgebühi . -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höhere, Gewalt. Hernsprechanschlüste unter Sammelnummer 2251. Anschrift füi Drahtnach- richten 3n$etger Rieften, poftschecktonto: Kranlfvrt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck vnv Verlag: vrühl'lche Universtlats-Vach. und Stetnöniderei R. Lange in Gießen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anze.gen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe fv" Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“„ mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Longe, für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil i. WTH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Oie Heimatpresse ist notwendige Bundesgenossin bei -er politischen Erziehungsarbeit am deutschen Volke. Oer Präsident der Reichspreffekammer tritt für die innere Verbundenheit der presse ein. Berlin, 13. Dez. (TU.) Bor Vertretern der Presse, Verlegern und Schriftleitern machte der Präsident der Reichspressekammer Verlagsdirektor Amann am Mittwochmittag bedeutsame Ausführungen über Wesen und Ausgaben der Presse, nachdem er kurz zuvor dem Präsidenten der Reichskulturkammer Reichsminister Dr. Goebbels hatte melden können, daß der äußere Aufbau der Reichspressekamme r mit dem heutigen Tage durchgeführt ist. Ich betrachte es als meine besondere Aufgabe, so führte der Präsident der Reichspressekammer u. a. aus, aus dieser jetzt noch rein äußerlichen Zusammenfassung zunächst das Gefühl und schließlich das klare Bewußtsein einer innerlichen Verbundenheit emporwachscn zu lassen. Die Presse — berufen zum hingebungsvollen, stets opferbereiten Dienst für die Volksgemeinschaft — fordert von jedem, der zu ihrer Gestaltung mitberufen ist, strenge Erfüllung auch der klein st en Pflicht und höchstes Derant- wortungsbewußtsein. Das gemeinsame innere Erleben wird die in der presse Schassenden zu einem festen Block zusammenschweißen, aus dem alle Schlacke und alles Unechte durch den harten Hammerschlag der pflicht herausgehämmert wird. Erst wenn sich diese Umwandlung im Denken. Fühlen und Trachten jedes einzelnen vollzogen hat. ist die deutsche presse als das Ergebnis eines einheitlichen wollens aller an ihrer Gestaltung Mit- wirkenden, das Instrument, das der heutige Staat braucht. Es ist festzustellen, daß von einem wesentlichen Teil der deutschen Presse die neue Aufgabe, die aus der nationalsozialistischen Revolution heraus erwachsen ist, noch gar nicht klar erkannt, geschweige denn erfüllt worden ist. Diese neue Aufgabe kann doch unmöglich darin erblickt werden, daß sich die Mehrzahl der deutschen Zeitungen bemühen sollen, ihren Inhalt mehr oder weniger nach einem Schema auf denselben Ton abzustimmen und damit gleichförmig zu werden. Diese Gleichförmigkeit ist nicht das Ergebnis von Regierungsmaßnahmen und entspricht nicht dem Willen der Führung der Ration. Sie hat ihre Ursache vielmehr in einer sich aus der Vergangenheit erklärenden inneren Fremdheit vieler in der Presse geistig Schaffenden mit dem nationalsozialistischen Gedankengut. Die alten n a t i o ° nalsozialistischen Organe waren ausgesprochene Kampfblätter. In dieser Stunde ist es mir tiefinneres Bedürfnis, jener Zeit zu gedenken, in der die nationalsozialistischen Organe von allen Seiten und mit allen Mitteln bekämpft wurden und ihre völlige Vernichtung das Ziel des Systemstaates und der Systemparteien war. Zweifellos ergibt sich für sie der Anspruch bei der Fortsetzung des Kampfes in vorderster Linie eingesetzt zu werden. Dabei werden sie sich den veränderten Verhältnissen anpassen. von der früher bürgerlichen presse ist insbesondere die heimatpresse im eigentlichen Sinne des Wortes eine notwendige Bundesgenossin der kampfpresfe. Ls wäre verfehlt, aus einer mißverstandenen Aufgabenstellung heraus dieser Presse den Lebensraum zu nehmen und damit werte zu vernichten, die kaum wieder erseht werden können. Die gesamte deutsche Presse muß sich darüber klar fein, daß es mit einer lediglich äußeren Gleichschaltung, die sich in vielen Fällen mit einer tast erschreckenden Schnelligkeit vollzog, nicht getan ist. Kein Angehöriger der Presse darf Aufgaben verfolgen, die dem nationalsozialistischen Gedankengut zuwiderkaufen. So darf die Presse beispielsweise nicht ein Mittel konfessionellen Kampfes oder nur der Träger wirtschaftlichen Profit st redens sein. Ich bin gegen den Vorwurf geschützt, lebensfremde Forderungen aufzustellen. Es ist selbstverständlich, daß eine gute Presse s i ch nur a u f einer wirt- schaftlich gesicherten Grundlage auf- bauen kann. Die wirtschaftliche Führung eines Zeitungsunternehmens und dementsprechend ihr Erfolg,' finden er st in der tatsächlichen Er- füllung der p r ? s s e m ä ß i g e n Aufgabe ihre sittliche und ber^fsethische Begründung. Die beste Zeitung oder Zeitschrift wird Zweifel- los die sein, bei der die pressemäßige Leistung das Ergebnis einer fein aufeinander abgeftimm- len, ständig sich vollziehenden Wechselwirkung zwischen der journalistischen und verlegerischen Leistung darstellt. Journalistische und oerlegerlsche Höchstleistung in einhelligem Zusammenwirken werden die wirtschaftlichen Grundlagen und die ideellen werte sicherstellen und damit der Zeitung oder Zeitschrift ihre innere Unabhängigkeit gewähr- leisten. Aus diesen Grundsätzen ergibt sich für die Reichspressekammer als notwendige Richt- «nie für die Regelung des Wettbewerbs der Zeitungen untereinander, daß dieser unbedingt auf die Auswertung der eigenen pressemäßigen Leistung abgestellt sein muß, wobei ohne weiteres die unbedingte Zuverlässigkeit im Sinne des nationalsozialistischen Staats vorausgesetzt wird. Ls geht nicht an, und es entspricht keineswegs dem willen der Führung, den wirtschaftlichen Unterbau einer Zeitung in Gestalt eines festen Bezieherslammes dadurch zu schaffen, daß an die Stelle des freien Willens des Einzelnen zum Bezug der Zeitung die entscheidende Beeinflussung durch die Zeitung oder eine dritte Stelle tritt. Die Unruhe aus dem ständigen, sachlich nicht immer begründeten Kampf um den Bezieher wird verstärkt durch immer wieder auftauchende Neu- gründungen von Zeitungen und Zeitschriften für die ganz allgemein kaum ein Bedürfnis anerkannt werden kann, hierzu kommt noch, daß von der wirtschaftlichen Seite her betrachtet, der größte Teil der Presse gleichfalls in verhältnismäßig kurzer Zeit einen Umbau vornehmen muß, veranlaßt durch die Neuregelung des Anzei- genwesens entsprechend den Bekanntmachungen des Werberats der deutschen Wirtschaft. Es besteht die Gefahr, daß aus der Sorge um die wirtschaftlichen Existenzgrundlagen rein wirtschaftliche Gesichtspunkte im Wettbewerb der Zeitungen und Zeit- Berlin, 13. Dez. (WTB.) Der präsidenk der Reichspressekammer Amann hat auf Grund der Ersten Verordnung zur Durchführung -des Reichs- kulturkammergefehes vom 1. November 1933 folgendes bestimmt.- 1. Zeitungen und Zeitschriften, die nicht schon vor dem 14. Dezember 1933 erschienen sind, dürfen b i» zum 31. wär; 1 934 nicht gegründet werden. 2. Line Verpflichtung zu m Bezug be- slimmter Zeitungen ist nicht zulässig, insbesondere nicht durch Anordnungen oder Befehle, ebensowenig darf eine Kontrolle über den Bezug bestimmter Zeitungen ausgeübt werden. Anordnungen und Verfügungen sowie Kontrollmahnahmen behördlicher Stellen für den Be- reich des inneren Dienstbetriebs bleiben hiervon unberührt. Soweit sonstige Dienststellen für den Bereich des inneren Dienstbelriebs derartige Anord- nungen treffen wollen, bedürfen sie der vorherigen schrifilichen Zustimmung der Reichspresfekammer. Das Recht von Organisationen, für den Bezug von Zeitungen oder Zeitschriften empfehlend einzutreten, bleibt durch diese Anordnung unberührt. • 3. Die Lieferung von Zeitschriften an Mitglieder einer Organisation darf weder durch Ausübung des Or g a ni sa kio n s; wan g es noch unter irgendwie gearteter Mitwirkung der Organisation und ihrer Lin- ridjhingen erfolgen. 4. Verlegern und Verlagen von Zeitschriften und Zeitungen ist der Abschluß von Verträgen, Verein- Der Präsident der Reichsschrifttumskammer, Dr. Hans Friedrich Blunck, und der Präsident der Reichspressekammer, Max Amann, geben unter dem 9. Dezember folgendes bekannt: Auf Grund von § 9 der Ersten Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetzes vom 1. November 1933 (Reichsgesetzblatt I Seite 797) bestimmen wir folgendes: 1. Eine schriftstellerische Tätigkeit begründet eine Verpflichtung, der Reichsschrifttums- oder der Reichspressekammer anzugehören, dann, wenn sie tändig ausgeübt wird und die Arbeitskraft »es Schaffenden zu einem wesentlichen Teil in An- pruch nimmt. Andernfalls gilt sie als gelegentliche ober geringfügige Tätigkeit. Diese begründet keine Verpflichtung einer Kammerzugehörigkeit. 2. Geschäftliche Unternehmungen, die sich nicht allein mit dem Vertrieb von Druckwerken befassen, sind zur Anmeldung bei der Reichsschrifttumskam- mer nur dann verpflichtet, wenn der Anteil des Umsatzes an Druckwerken 20 Prozent des Gesamt- Umsatzes übersteigt. 3. Von den unter Ziffer 1 aufgefuhrten Personen gehören zur Reichspresfekammer nur die Schriftleiter im Sinne des Schriftleitergesetzes. Alle anderen unter Ziffer 1 fallenden Personen müssen schriften Untereinander immer mehr in den Vordergrund drängen und die in der Presse Schaffenden damit ihrer eigentlichen Aufgabe entfremdet werden. Ls ist schließlich sestzusteUen, daß durch den LinsatzpressefremderKräfteinder geschäftsmäßigen Werbung für die Zeitungen und Zeitschriften die Wettbewerbs- Maßnahmen auf Wege und wethoden abgedrängt wurden, die mit dem Gedanken eines nur auf Leistung abgestellten Wettbewerbs nicht zu vereinbaren sind. Es ist also ein dringendes Gebot der Stunde, die Presse in einen Zustand einer gewissen Abklärung hinüberzuführen, der keineswegs zu einer inneren oder äußeren Erstarrung führen, aber den an der Presse Schaffenden die Möglichkeit einer inneren Festigung geben soll. Diesem Zweck dient eine mit dem heutigen Tag erlassene Anordnung. Diese Anordnung wird allen Beteiligten im Bereich der deutschen Presse ermöglichen, aus der inneren Sammlung heraus in ernstem Pflichtgefühl und mit stärkstem Verantwortungsbewußtsein an ihrem Platz ihre persönliche Lei st ung einzusetzen mit dem unverrückbaren Ziel vor Augen, freudig mitjuarbeiten am Aufbau der deutschen Presse für das im nationalsozialistischen Staat geeinte deutsche Volk. barungen und Abreden sowie jede sonstige Maßnahme verboten, die eine ausschließliche veroffenllichungsbefugnis für Bekanntmachungen und Nachrichten von Organisationen, verbänden und Vereinen bezwecken oder bewirken. Diesem verbot zuwideclaufende Verträge ufro. sind sofort aufzuheben, hiervon u n - berührt bleiben sahungsmähige Vorschriften über die Veröffentlichung der zur Wahrung von Formen und Fristen ergehenden Bekanntmachungen. Das gleiche gilt für Anordnungen der NSDAP, und ihrer Nebenorganisationen über die Veröffentlichung parteiamtlicher Bekanntmachungen. 5. Die Werbung von Beziehern zu Zeitungen durch Werber, die damit betraut sind, na ch L i st e n oder bezirksweise oder vonhauszuhaus Bezugsbestellungen zu sammeln, ist für die Zeit vom 1. Januar bis zum 3 1. Mär; 1 9 3 4 verboten. 6. Line Abänderung der in dieser Anordnung vorgesehenen Befristungen bleibt vorbehalten. 7. Der Verein Deutscher Zeitungsverleger und der Reichsverband deutscher Zeitschriftenverleger werden als die ;usländigen Fachverbände mit der Durchführung der Anordnung unbeschadet der Bestimmungen der §§ 22 und 25 ff. der Ersten Verordnung ;ur Durchführung des Reichskulturkammer- gesehes vom 1. November 1933 (RGBl. I, Seite 797) beauftragt. 8. Die Anordnung tritt mit Ausnahme der Ziffer 3 sofort, Ziffer 3 der Anordnung am 1. Januar 1934 in Kraft. die Mitgliedschaft in der Reichsschrifttumskammer erwerben. Sie wird erworben durch den Beitritt zum Reichsverband Deutscher Schriftsteller. 4. Die Frage, wer Schriftsteller ist, und die Anmeldepflicht richten sich ausschließlich nach den Bestimmungen der in Kürze zu erwartenden Durchführungsverordnung zum Schriftleitergesetz. 5. Wer im Zweifel ist, ob für ihn eine Anmeldepflicht nach Ziffer 1 und 2 im Reichsverband Deutscher Schriftsteller besteht, erwirbt die vorläufige Befugnis zur weiteren Berufsausübung, wenn er eine Anfrage über feine Anmeldepflicht an den Reichsverband Deutscher Schriftsteller richtet. Für die Anmeldepflicht zum Reichsverband der Deutschen Presse wird ein Termin, bis zu dem die Anmeldung bewirkt sein muß, noch bekanntgegeben. 6. Für Beamte besteht nach den Grundsätzen von Ziffer 1 eine Anmeldepflicht auch, wenn die ständige Ausübung schriftstellerischer Tätigkeit zu ihren Berufsaufgaben gehört. Für Angehörige der Wehrmacht besteht eine Anmeldepflicht nicht, solange fick ihre schriftstellerische Tätigkeit auf militärische Angelegenheiten beschränkt. Ebensowenig besteht eine Verpflichtung, einer der Kammern anzugehören, für Ausländer, die nicht etwa ihren Wohnsitz im Reichsgebiet haben. Anordnung über Fragen des Vertriebs und der Vezieher- werbung, sowie über Aeugründungen auf dem Gebiet der preffe vom 13. Dezember 1933 zur Befriedung der wirt- schafilichen Verhältnisse im deutschen Zeitungsgewerbe. Die AnmeldungspsW zur MchsschristtuW- und Reichsyressekammer. DeutschlandsRechtaufArbeit Mit seltener Klarheit hat der Reichsbankpräsidenl Dr. Schacht in seiner vor der Deutschen Handelskammer in Basel gehaltenen Rede die grundlegenden Gegensätze herausgearbeitet, die heute die internationalen Schuldner- von den internationalen Gläubigerländern trennen. Auf der einen Seite stehen die satten Nationen, die immer '.ach Sicherheit rufen, weil sie die Frucht ihrer Siege in Ruhe verzehren wollen, auf der andern die auf- ft r e b e n b e n Völker, die die zerstörte Arbeit neu organisieren wollen und dazu das Kapital brauchen, das die andern besitzen, aber nicht fruchtbar machen können. Dr. Schacht prägte das handgreifliche Schlagwort von dem Kampfe zwischen den staatischen und den sozialen Kräften in der Welt. Die Massen schreien überall nach Arbeit, Kultur und friedlicher Entwicklung. Aber an der Wiedererringung dieser heiligen Güter hindert sic die Macht der Siegerländer, die auf ihre verbrieften Zinsrechte pochen und auf arbeitslosen Gewinn ihre parasitäre Existenz dauernd verankern wollen. Der politische Gegensatz zwischen den Nutznießern des Weltkrieges und den durch Tribute ausgewogenen Arbeitsnationen kehrt auf weltwirtschaftlichem Gebiet wieder als der Gegensatz zwischen Rentnern und Erzeugern. Auch das internationale Leihkapital wünscht in erster Linie Sicherheit für feine verbrieften Zinsrechte. Es vergaß dabei nur, daß dieser Zins doch nur bann gezahlt werben kann, wenn er aus bem (Fr- trage ber Prvbuktivn herausgewirtschaftet werben kann. Die auslänbischen Gläubiger Deutsch- lanbs können baher ihre hohen Zinsen nur bann erhalten, wenn sie aus bem Ueberschuß ber beutschen Probuktion g jahlt werben können. Es war eine Dummheit, als bie Sieger von Versailles Deutschlonb untragbare Reparationen auferlegten ohne sich Gebanken barüber zu machen, ob unb wie die deutsche Wirtschaft und der deutsche Arbeiter diese Zahlungen würden aufbringen können. Das negative Ergebnis dieser Politik der Unvernunft liegt heute vor aller Augen offen zutage. Aber ebenso dumm ist es, wenn jetzt die privatwirtschastlichen Gläubiger Deutschlands von ber beutschen Wirtschaft bie Leistung überhöhter Zinszahlungen erwarten zu können glauben, gleichzeitig es aber biefer Wirtschaft unmöglich machen, die Zinsen durch eine Exportsteigerung z u verdienen. Die ausländischen Gläubiger beharren auf ihrem Zinsanspruch, dulden es aber gleichzeitig, daß die Ausfuhr deutscher Waren, aus deren Ueberschüssen doch allein die hohen Zinsen gezahlt werden könnten, mit allen möglichen Mitteln, sogar durch den Boykott der deutschen Erzeugnisse, gehemmt wird. Deutschland will zahlen, aber das Ausland macht es ihm dadurch unmöglich, daß es b i e Zahlung durch Warenlieferungen ablehnt, obwohl diese doch nach ber übereinstim» menben Feststellung aller internationalen Sachverständigen bie einzig mögliche ist. Mit unübertrefflicher Klarheit unb unroiberlegbaren Argumenten hat Dr. Schacht diesen Widerspruch festgenagelt und hat daraus die unerbittliche Konsequenz gezogen, daß eine neue, auf vernünftigeren Grundlagen beruhende Regelung des deutschen Schuldentransfers getroffen werden muß. Die Argumente, mit denen der Reichsbankpräfi- dent in Bafel nachwies, daß Deutschland in den kommenden sechs Monaten nicht imstande sein wird, den bisherigen bOprozentigen Transfer fortzufetzen, ohne feine ohnehin viel zu knappe Gold- unb Sc« vifendecke anzugreifen, finb ebenso einleuchtend unb unwiderlegbar wie seine grundsätzlichen Ausführungen über die Unsinnigkeit des heutigen internationalen Schuldensystems. Allerdings hat Deutschland noch einen bescheidenen Exportüberschuß. Aber dieser führt ihm keinen Devisenüberschuß zu, weil ein Teil der Ausfuhr nicht mehr mit Devisen, sondern mit Registermark, Skrips und ähnlichen Zahlungsmitteln beglichen wird, die nur ber Schulb- zahlung bienen. Dr. Schacht verwies ferner barauf, daß ein Teil der Exporte nur dadurch entstehe, daß die Emigranten anstatt Geld Waren ausführen, für die kein Gegenwert in Gestalt von Devisen hereinkommt. Die Aktivität der deutschen Außenhandelsbilanz ist also irreführend, denn ihr entspricht keine Aktivität der Devise nbilanz. Wenn trotzdem die deutschen Gold- und Devisenreserven im letzten halben Jahr zugenommen haben, so stammt diese Zunahme nicht etwa aus dem normalen, laufenden Deviseneingang, sondern sie ist allein den Wirkungen des Volksverratsgesetzes zu verdanken, das infolge Rückgängigmachung der früheren Kapitalflucht der Reichsbank einen einmaligen Zugang von rund 100 Millionen Mark Fremdvaluta zuführte. Aber auch diele einmalige Anreicherung der Deckungsbestände ber Reichsbank ist jetzt beendet, wie aus dem letzten Reichsbankauswois mit seiner erheblichen Abnahme der Valutabestände deutlich hervorgeht. Aus dem heutigen Mißverhältnis zwischen Schuldenlast unb Erwerbsmöglichkeit kann Deutschland nur herauskommen, wenn bie Gläubiger nicht länger starr an ihren verbrieften Rechten festhalten, sonbern einer elastischeren Srebitpoli- t i k ihre Zustimmung nicht länger versagen. In Zeiten ber allgemeinen Umwälzungen gibt es keine unbebingte Sicherheit. Trumpft ber Gläubiger uneinlichtia und unnachgiebig auf seine Rechte, so wird er schließlich dadurch, daß er den Schuldner zugrunde richtet, seine Forderung verlieren. Nicht der Zins, sondern nur bie Arbeit erzeugt neue Wert e. Der Grundsatz Dr. Schachts, daß bie Arbeit das Primäre, ber Zins das Sekundäre ist, muß sich in der internationalen Wirtschaft wie in der internationalen Politik siegreich durchsetzen. Der Standpunkt Deutschlands, daß die Sicherung des Erwerbs ber Sicherung bes Besitzes vorangehen muß, wirb die Welt erobern. «elf es mehr Arbeitshungrlge als Besitzende In der Welt gibt, und weil es heule schon überall als unsinnig und unmoralisch anerkannt wird, den Ar- beitenden durch zu hohe Zinslasten die Arbeitsmöglichkeiten zu nehmen. Das deutsche Volk hat ein Recht auf Arbeit, und dieses internationale Recht steht weit höher als dos Geschrei der Gegner nach Sicherung ihrer überhöhten Zins- Äderungen. Sie Zukunst des Aerztestandes Reichsführer Tr. Wagner auf einer Kundgebung angeftellter Aerzte. Berlin, 13. Dez. (ERB) Im Marmorsaal des Zoologischen Gartens fand eine Kundgebung des Verbandes angestellter Aerzte und Apotheker in der Deutschen Arbeitsfront statt, an der mehrere tausend Personen teilnohmen. Zunächst sprach Staatsrat A. F o r st e r - Danzig über die Ziele der Deutschen Arbeitsfront Dann sprach der Reichsfuhrer der deutschen Aerzteschaft Dr. Wagner- München über die Heilpraktikerfrage. die Reichsärzteordnung und das Kassenarztrecht Die Naturheilkunde habe eine größere Anhängerschaft als man glaube. Es sei eine unbestreitbare Tatsache, daß sich die Medizin zu wenig um diese Naturheilkundigen gekümmert habe. Selbst die Universitäten hatten sich zu wenig damit beschäftigt. Und wenn wir so viele Kurpfuscher hätten, so seien die Aerzte selbst und ihre Lehrer an den Universitäten damit belastet. Dos Ideal ö8re ber Elnhekksstantz ber Heilbehandlung. Aber heute seien wir noch nicht so weit. Wenn außerdem den Naturheilprak- tifern Beschränkungen auserlegt würden, dann würben in Zukunft höchstens 5000 zugelassen werden, was doch schon ein Fortschritt gegen früher wäre. Außerdem werde man ihnen verbieten, Bortrage zu halten und ihre Prari» im Uniherziehen aus- luüben. Die Angelegenheit werde zunächst noch fünf Jahre ruhen gelassen. In dieser Zeit werde kein neuer Naturhellkundiger mehr zugelassen Diese Zwischenzeit soll dazu benutzt werden, das medizinische Studium grundlegend umzuändern. Man wolle die Ausbildungszeit verkürzen, so daß ein Arzt mit 25 Lebensjahren sich eine Familie gründen könne. Die Aerztekammer werde ein Seldstverwal- tungskörper mit eigener Berufsgerichtsbarkeit fein, dem sämtliche Aerzte angehören müßten. Dann mürben natürlich alle anderen Kammern, auch der Hart- mannbund und der Reichsärztebund, hinfällig. An- gestrebt werde auch eine Differenzierung der Honorare. Ledige Aerzte sollten eine geringere Vergütung erhalten als Familienväter. Ein weiteres Ziel sei die Abdrosselung des medizinischen Frauenstudiums. Bei der Einstellung der Aerzte sollen zunächst die Familienväter und diejenigen bevorzugt werden, die sich um die nationalsozialistische Sache besonders verdient gemacht haben. Auch solle jeder junge Arzt z u n ä ch st bei einemLandorzte gearbeitet haben, um zu wissen, was ein praktischer Arzt auf dem Lande zu leisten habe, und mn hi etne enge Verbundenheit mit dem gesamten volkskorper zu kommen. Mehr denn je müsse der Arzt sich mit B e o ö l k e r u n g s p o l< t i k und Rassenhyaiene beschäftigen. Die Aerzte hätten nicht nur Pflichten gegen ihren Stand, sondern gegen das deutsche Volk; denn Arzt sein, heiße Diener am deutschen Volke sein. Ein Kirchengeseh über den Zusammenschluß kleiner Landeskirchen. Berlin, 13. Dez (Hl.) Das geistliche Ministerium ber deutschen evangelischen Kirche Hot ein Kirchengesetz beschlossen, dessen wesentliche Bestimmungen lauten: Kleine Landeskirchen gleichen Bekenntnisses hoben sich zu einer Kirche zusammenzuschlicßen ober einer oroßeren Landeskirche gleichen Bekcnntnisies anzuschliehen. Das geislliche Ministerium der deutschen evangelischen Kirche bestimmt, welche Kirchen kleine Landeskirchen sind. Landeskirchliche Gesetze, die die Vereinigung von Landeskirchen regeln, bedürfen der Zustimmung der deutschen evangelischen Kirche. Das geistliche Ministerium hat das Recht, den Landeskirchen zur Durchführung des § 1 dieses Gesetzes eine angemessene Frist zu setzen. Kommt in dieser gesetzten Frist eine Bereinigung nicht zustande, so hat dos geislliche Ministerium das Recht, olle hierfür erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Ser kommunistische Anschlag auf Volk und Reich. Das Plädoyer der Anklageverireier im Reichsiagsbrandstisterprozeß. Leipzig, 13. Dez. (WTB) Der Reichstags- orandftifterprozeß trat am DUttwoch in den letzten Verhandlungsabschnitt ein. Die Plädoyers sollen nach Möglichkeit in dieser Woche abgeschlossen werden, damit dasUrteilnoch vorWeihnach- ten gesprochen werden kann. Vor den Plädoyers der Reichsanwaltschoft ist noch ein geringer Rest der Beweisaufnahme zu erledigen. Der Gcrichtschemiker Dr. Schatz erklärt zu Beginn der Verhandlung, eine genaue Prüfung der Schrift des Zeugen Werner Hirsch alias Peter und Popoffs Bekannten gleichen Namens habe zweifelsfrei ergeben, daß eine Identität zwischen den Quittungen und der Schrift des Werner Hirsch n i ch t b e st e h t. OberreichsanwaliSr. Werner nimmt nun das Wort zu seinem Plädoyer. Er führte u. a. aus: Der Deutsche Reichstag ist das Opfer eines verbrecherischen Anschlages geworden, das Reichstagsgebäude, das an seiner Stirnseite die Widmung „Dem deutschen Volke" trägt. Der Anschlag galt also nicht nur dem Gebäude, sondern er galt symbolisch dem deutschen Volke. Die Anklage steht auf dem Standpunkt, daß dieser verbrecherische Anschlag das Fanal, dos Signal sein sollte für die Feinde des Staats, die nunmehr ihren Generalangriff gegen das Deutsche Reich eröffnen wollten, um das Deutsche Reich zu zertrümmern und an dessen Stelle die Diktatur des Proletariats, einen Sowjetstaat von Gnaden der Dritten Internationale zu setzen. Bei van der Lübbe handele es sich um einen Kommunisten, obwohl er selbst dies bestritt und auch die übrigen Angeklagten diese Tatsache bestreiten werden. Ein Austritt aus der Partei bedeute nicht notwendig eine Trennung von einer Partei, sondern sehr oft sogar eine engere Bindung an die Ziele der Partei. Zudem habe sich van der Lubde nach feinem Austritt weiter im Sinne der Partei betätigt und auch bis in die letzte Zeit hinein mit führenden Angehörigen der KPD. Verkehr unterhalten. Van der Lübbe war mit der Kommunistischen Partei nur deshalb nicht einverstanden, weil nach seiner Auffassung die Führer nicht energisch genug waren. Den Anstoß, dazu wollte er geben. Was er dabei im Auge hatte, konnte nichts anderes sein, als eine kommunistische Reoolution. Selbst wenn vielleicht die kommunistische Revolution in ihrem Endziel nicht ganz dem entsprach, was Lubbc als Ideal vorschwebte, so hat er mindestens diese Revolution als einen Ucbcrgang betrachtet, über den man zur Erreichung dieses Zieles kommen konnte. Ls kann nicht dem mindesten Zwcisel begegnen, daß van der Lubbc durch seine lat eine kommunistische Revolution zum Ausbruch bringen wollte. Unter diesen Umständen wird niemand die ttpv. von der moralischen Verantwortung für diese Tat entbinden können. Die Kommunistische Partei habe seit ihrem Bestehen trotz zahlreicher Aenderungen der Methoden unentwegt das Ziel versolgt, das Deutsche Reich zu stürzen^ und die Diktatur des Proletariats, einen Sowjet ft aat nach russischem Mustek, zu errichten. Der Oberreichsanwalt erinnert an die zusammengebrochenen Ausstände der Jahre 1919, 1920 und 1921 und wies daraus hin, daß die KPD. 1923 ihre Taktik habe ändern müssen, weil sie die Notwendigkeit eingesehen habe, zuerst einmal die Massen der Arbeiterschaft hinter sich zu bringen. Nach 1923 habe dann eine außerordentlich intensive Bearbeitung der ganzen Bevölkerung durch unzählige Presseerzeugnisle eingesetzt, in denen immer wieder betont wurde, daß die Zustände in Deutschland für die Arbeiterschaft unerträglich seien und daß nur die KPD dem durch Revolution als einzigen Ausweg abhelfen könne. Der R o t s r o n t- kämpferbund war diejenige Organisation, die die Terrorakte oorzunehmen hatte, die die Partei sich scheute von Partei wegen zu unternehmen. Die Partei hat immer betont, daß sie solche Terrorakte ablehnt: aber sie ist n i e m a l s gegen Parteimitglieder oorgegangen, die als Mitglieder des Rotfrontkämpferbundes an solchen Aktionen beteiligt waren. Zahlreiche Polizei- liche und gerichtliche Feststellungen über die vorbereitenden Burgerkriegshandlungen in den ver- schiedensten Landesteilen durch die KPD bewiesen, daß die KPD. im Februar 1933 mit einem Auf- stand rechnete. Bei den Vorbereitungen sei nach einer zentralen Anweisung gehandelt worden. Als die erwarteten Befehle zum be- roaffneten Losschlagen nicht kamen, sei in der An- Hängerschaft eine starke Erregung entstanden. Der Einwand, daß im Februar ober Mär; die Voraussetzungen der ..revolutionären Situation* noch nicht völlig rrsüllt waren, sei nach Lage ber Verhältnisse kein Beweis dafür, daß die Kpv. nicht zur Zeit des Reichstagsbrände» den bewaffneten Ausstand zum Auslodern bringen wollte. Die Lage war doch so. daß die Betrauung Adolf Hitlers mit ber Regierungsbildung am 30. Januar auch für die ftpD. unerwartet kam. Die KPD. war sich vollkommen im klaren darüber, daß ihre Rolle in Deutschland wahrscheinlich für immer aus- gespielt war, wenn die nationalsozialistische Regierung sich konsolidierte. Deshalb war für die kpv. die Situation gegeben, daß sie entweder den Kamps aufgeben mußte oder daß sie, ohne daß die Vorbereitungen bereit» restlos durchgeführt waren, den Kampf ausnahm. Das war die einzige Chance, die sie noch haben konnte. Wenn der Kampf schief auslief, war die Situation für die Partei nicht schlechter als beim Aufgeben Des Kampfes. Dabei hat sich die KPD. durchaus auf der Linie gehalten, die auch das 12. Ekki- Plenum oorschrieb, daß nämlich jähe Wendungen eintreten konnten, die jede Partei verpflichten, bereit zu fein, um bei raschem Eintreten revolutionärer Ereignisse die Formen und Methoden des Kampfes zu wechseln. Ser zweite Anklagevertreter, Landgerichtsdirektor P a r i s i u s , gab dann eine ausführliche Schilderung des Lebensweges des Angeklagten van der Lubde. Man müsse annehmen, daß seine zahlreiche Fahrten dem Zwecke dienten, die politischen Verhältnisse in den anderen Ländern zu studieren. Im Februar 1933 habe er sich nach Deutschland begeben, um an den politischen Ereignissen teilzunehmen. Am 18. Februar sei van der Lübbe in Berlin eingetroffen. Man könne annehmen, daß er durch die Straßen wanderte, um die Stimmung der Bevölkerung kennenzulernen. Die politische Unterhaltung Lübbes vor dem Neuköllner Wohlfahrtsamt atmete revolutionäre Stimmung. In diesen Reden wetterleuchtete gewissermaßen Der heraufziehende Bürgerkrieg. van ber Lubbc habe sicherlich sofort gemerkt, bah ihm in Neukölln glühender haß gegen die Na- lionalsozialislcn cnlgcgenschlug. Er habe gewußt, baß er hier an bie ridjtige Stelle ge- kommen war, um feine revolutionären Jbeen zu entwickeln, van ber Lobbe habe sich felbst als fiommunift bezeichnet, hier war fchon von An st ecken öffentlicher Gebäude die Rebe, um bie Arbeiter zo entfachen nnb bie Revolution vorwärts zu treiben. Dan ber Cubbe habe sich hier nach ber Zentrale ber kommunistischen Partei erkundigt und ausdrücklich erklärt, bah er zu dieser Zentrale gehen wolle. Jn Neukölln fei wahrscheinlich die Brücke zu suchen zwischen dem Angeklagten van ber Cubbe unb ber Zentralinstanz ber kommunistischen Partei. Alles spreche dafür, daß van der Lubbc den Plan für die Brandstiftungen erheblich früher gefaßt habe, als er zugab. Ganz besonders auffallend sei, daß van der Lubde sich vor diesen Bränden unb auch vor dem Reichstagsbrand in ausgespro- neu Hochburg en des Kommunismus aufgehalten habe. Daß van der Cubbe einen stichhaltigen Grund für seine Wanderung nach Spandau und Henningsdorf nicht habe angeben könne, lasse den Verdacht auftommen, daß es mit seinem Aufenthalt dort eine ganze besondere Bedeutung habe. — Der Anklagevertreter schilderte dann die Vranbftiftuna, wie sie sich nach den Bekundungen van der ßuboes zugetragen haben soll, und erklärte, daß die Anklage im Gegensatz zu den Bekundungen van der Cubbes davon aus- gehe, daß van der Cubbe die Tat nicht allein begangen haben könne. Zunächst fällt auf, daß die Brandstiftung zu einer Zeit ausgeführt wurde, die außerordentlich günstig war unb eine genaue Kenntnis ber Kontrollgänge im Reichstag vermuten läßt. Diese Kenntnis kann er nur durch Personen erlangt haben, die genau in den inneren Dienstbetrieb des Reichstages e i n* geweiht gewesen sind. Die Brandstellen im Restaurant und Erdgeschoß sind grundverschieden von den Brandherden im Plenarsaal. Schon die Tatsache, daß der Plenarsaal'in wenigen Minuten ein einziges Trümmerfeld gewesen ist, führt zu der Erwägung, daß die Bedingungen für die Ausbreitung und Entwicklung des Feuers im Plenarsaal ganz andere gewesen fein müssen, als an den übrigen Stellen. Dan der Lubbe ist nicht allein der Wer. Alle drei Sachverständigen sind auf ganz verschiedenen wegen zu dem Ergebnis gelaugt, bah der Brand im Plenarsaal unmöglich von van ber Lubbe allein angelegt worden fein kann, sondern bah diese Brandherde vorher von anderen Personen vorbereitet worden sein müssen, unb zwar können die Vorbereitungen erst kurze Zeit vor 21 Uhr erfolgt sein. INan wird annehmen müssen, dah diese Täter mit den Ocrtlichkeiten ganz genau vertraut gewesen sind. Wenn man die Teilnahme von Mittätern für erwiesen hält, so erscheint es zunächst verwunderlich, warum van der Cubbe durch bas Fenster eingestiegen ist und dabei einen Feuerbrand draußen und im Restaurant gezeigt hat, so daß er s i ch der Gefahr einer schnellen Entdeckung a u s s e tz t e. Das ist verwunderlich, aber nicht unerklärlich. Entweder hat Cubbe gewußt, daß noch ajibere Personen den Brand im Plenarsaal anlegten, oder er hat es nicht gewußt. Juristisch gesprochen käme im ersten Falle Mittäterschaft, im Zweiten Falle Nebentäterschaft in Frage. Dann muß er einen bestimmten Auftrag zur Brandlegung im Restaurant und im Erdgeschoß bekommen haben. Die Mittäter hatten sich auch kein Gewissen daraus gemacht, Cubbe für die Aktion dort anzusetzen, wo seine Fe st nähme so gut wie sicher war. Er sollte den Prügelknaben für die anderen abgeben, die auf diese Weise hofften, im Hintergründe bleiben au können. Cubbe war ein Mensch, der für eine solche Tat ausgezeichnet zu gebrauchen war, denn alle Anzeichen beuten darauf hin, bah er in der Wahnidee lebte, einst in der Geschichte der Revolution als unsterblicher Held gefeiert zu werden Er hat offenbar von vornherein felbft damit gerechnet, festgenommen zu werden, dafür spricht nicht allein die Tatsache, daß er bie Feuer- bränbe an sichtbaren Stellen gelegt hat, sondern nor allem auch der Umstand, daß er seine Kleidungsstücke geopfert bat unb schließlich nur mit einer Hose bekleidet feftgenommen worden ist. Jn einem solchen Aufzuge konnte van bet Cubbe unmöglich mehr hosten, die Freiheit zu gewinnen. Er hat ja auch keinen Versuch gemacht, zu entkommen. Da» zeigt fiat nnb beutstch, bah oan der Cubbe s i ch sestoehmeu lassen wollte, aber auch, boß er ftflgenommen werden sollte Dah van bet Cubbe bie ganze Schuld allein auf sich nimmt unb seine hintermännner nicht verrät, ist nicht weiter verwunderlich. Er verhält sich bamit so. wie es die kommunistische Partei ihren Mitgliedern ständig zur Psllcht macht. Van ber Cubbe wird nach der Anklage nicht nur beschuldigt, die Brandstiftungen ausgeführt zu haben, sondern ihm wird weiter vorgeworsen, sich des Hochverrats schuldig gemacht zu haben im «inne des § 81 Ziffer 2 StrGB. Nach dem Vorsatz van der Lübbes sollte durch die Brandlegung unmittelbar bie Revolution oonstatten gehen. In Tateinheit mit dem Verbrechen des Hochverrates stehen die verschiedenen Brandstiftungen, wobei bei den Brandstiftungen im Rathaus, im Schloß und im Reichstag noch hinzukommt, daß unter Begünstigung derselben ein Aufruhr b e - wirkt werden sollte Damit liegen bie Voraussetzungen des § 307 Abs. 2 de» Str.KB. vor. Der Angeklagte van der Lubbe sei auch für seine Tat in vollem Umfange verantwortlich. Wenn damals im Februar bie pläne van brr Cubbe» gelungen wären unb bas beabsichtigte Fanal für blc Erhebung ber revolutionären Arbeiterschaft sich au»gewirkt hätte unb ber von ber kommunistischen Partei feit langem vorbereitete gewaltsame Ausstanb gefolgt wäre, bann wäre das Chao » über Deutschland hereingebrochen. Dah es nicht dazu gekommen ist, ist einzig und allein dem kraftvollen nnb energischen Eingreifen ber nationalsozialistischen Regierung zu verbauten. Dank biesem festen Zugriff be» Staate» liegt jetzt der kommunlsmu» in Deutsch- lanb zerschmettert am B oben. Wir wollen hoffen, dah er sich von dieser Niederlage nie wieder erheben wird. Nun hat aber die Stunde ber Abrechnung geschlagen und, meine Hohen Herren Richter, Jhnen wirb e» nicht schwer sollen, den Angeklagten van ber Cubbe in vollem Umfange Im Sinne der Anklage für schuldig zu befinde n und diejenige Strafe gegen ihn festzusetzen, bie allein nach dem Gesetz zulässig ist, die aber andererseits auch allein bet ungeheuren Schwere seines verbrechens Gerecht wird. Hessischer Empfang in Berlin Darmstadt, 13. Dez. (WSN.) Der Herr Seichs- statthafter in Hessen Gauleiter Sprenger mit Gattin, der hessische Staatsminifter Jung unb Gattin, ber Präsident Dr. C ü e r , Treuhänder der Arbeit für da- Wirtschaftsgebiet Heften, und der Vertreter Heftens beim Reich Ministerialrat o o a Jengen mit Gattin, veranstalteten am Dienstagabend in der früheren hessischen Gesandtschaft in Berlin ein gesellige» Beisammensein, zu dem zahlreiche Persönlichkeiten de» öffentlichen Lebens geladen waren. Unter den Anwesenden sah man u. o. den Staatssekretär im Reichsfinanzministerium Reinhart, den Staatssekretär im Reichsarbeus- minifterium Krohn, den Reichs führet der Technischen Nothilfe Direktor Lummitzsch, den Leiter des Nationalsozialistischen Beamtenbunde» Ncef, den hessischen Landesbauernführer Dr. Wagner, den sächsischen Vertreter Graso. Holtzendorfs, den braunschweigischen Vertreter Cx^ D r. Boden, den thüringischen Vertreter Dr. Munzel, den bayrischen ftellverttetenden Bevollmächtigten zum Reichsrat Ministerialrat Dr. Dürr, Den Oder- finanzrat Schäfer von der hessischen Vertretung beim Reich. Ferner waren von der Reichswehr Oberst o. Bietinghoff, Chef der politischen Abteilung des Reichswehrministeriums, und der Kompaniechef der 2. Kompanie des Inf.-Rats. 15 Hauptmann Schiel erschienen, ferner der Polizei- fommanbeur von Berlin Oberft Dillenburger Die Gäste blieben mehrere Stunden in den freundlichen Räumen der hessischen Vertretung bei einem ©las Bier beisammen. Die Gastgeber hatten außer- dem einige Mitglieder des Vereins ber in Berlin lebenden Hessen eingeladen, die in ihren Trachten erschienen waren und mit einigen Darbietungen das gesellige Beisammensein verschonten. Oer Prozeß gegen Professor Dessauer. München-Gladbach, 13. Dez. (WSN) Zu Beginn ber heutigen Verhandlung legte zunächst der Sonderstaatsanwalt die Ausgabe des Frank* furter Generalanzeigers vom 8. Mai 1918 vor. die bei erneuten Durchsuchungen in der Wohnung Prof. Dessauers gesunden wurde und in der ein Artikel mit der lleberfdjrift „Dr. Mühlon in der Schweiz" rot an geh riehen ist. Der Staatsanwalt folgerte aus dieser Tatsache, daß Professor Dessauer die Tätigkeit Müh- lons nicht unbekannt gewesen sei unb baß dieser bisher die Unwahrheit gesagt habe Darauf erwiderte Prof. Dessauer, daß er sich an diesen Aufsatz nicht erinnern könne unb betont, daß er es nie abgeftritten habe, von den Verirrungen Mühlons gewußt zu haben. Der Angeklagte Knecht stellt auf Befragen fest, daß der in Holland verbreitete Hetzartikel eine» holländischen katholischen Korrenspondenzbüro» über den Verlauf des Prozesses weder aus feine Veranlag fung noch mit seinem Wissen versaht wor- Den fei. Im übrigen entspreche er, was er ausdrücklich feftfteUen wolle, nicht den Tatsachen. In dem bisherigen Verfahren fei gegen ihn keine Drohung und auch keine Lockung angewandt worden. Der Sachverständige Wagner äußerte sich über den Wert der Carolus-Anteile. Nach feinen Feststellungen hatten diese Anteile einen Wert von 150 Prozent, wahrend der Volksverein sie an die Carolus-Druckerei für unter 100 Prozent verkaufte. Der Sachverständige sieht eine Untreue von Dr. Hohn vor allem darin, daß er die Anteile zu einem Preis abgegeben hat, der erheblich niedriger ist, als die vorher getroffenen Vereinbarungen. Ein Etaatsessen zu Ehren des italienischen Gastes. Berlin, 13. Dey (WTB.) Reichspräsident von Hindenburg empfing heute Unter» ftaatsfefreiär Suoich, der vorn hiesigen königlich italienischen Botschafter begleitet war Das Staatsessen, das der Führer und der preußische Ministerpräsident abend» in der Dienstwohnung des letzteren zu Ehren des italienischen Gastes gaben, vereinigte zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Gesellschaft mit ihren Damen. Die Begrüßungsansprache be» Mi- nifterpräfibenlen Göring klang au» in ein Hoch auf ben italienischen König, bcn Duce unb bas große italienische Volk. Exzellenz S u v i ch' dankte in herzlichen Worten und gedachte abschließend des Reichspräsidenten, des Führers und des Gastgebers. Der Abend bot hinreichend Gelegenheit zu bedeutungsvollen politischen Unterhaltungen. Zu dem Empfang waren ber Botschafter Cerruti und die gesamte italienische Botschaft erschienen, ferner die Mitglieder der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung sowie Die Herren der preußischen Staatsministerien. Unter den Gasten befanden sich weiter Prinz August Wilhelm, die Prinzen von Hessen, die Staatssekretäre Korner. Milch und Grouert. Reichsführer der SS. Himmler, Staatsrat Furtwängler, Staatsrat Thyssen. Adjutant des Führer», Brückner, der Chef des Protokolls Gras von Balsewitz, Reichspressechef Dr. Dietrich, Hauptschriftleiter Rosenberg und andere. Am Donnerstag wird Erzellenz Suvich zunächst ein Besichtigungsfahrt durch Potsdam unternehmen, um dort besonders die Garnifonkirche mit den Gräbern ber großen Preuhenkonige unb bas Schloß Sanssouci zu besichtigen Anschließend wirb er mit bem preußischen Ministerpräsidenten einen Ausflug In bie Schorfheibe unternehmen. Ungarn beharrt auf Revision, ttöntbös antwortet venefch. B u d a p e ft , 13. De;. |WTB ) In einer positi- Ichen Versammlung setzte sich Ministerpräsibent G ä m b ö» mit ben jüngsten Erklärungen bes tschechischen Außenministers Dr. Benesch über die ungarisch« Frage auseinander. Wenn Europa genesen will, sagte der Ministerpräsident, würde cs viel bester tun, einen europäischen Völker, b un b zu grünben unb nicht einen Donau- Vfllferbunb unter Leitung von Benesch Die Vorschläge von Benesch nehme ich nicht att. Große Pläne sind undurchführbar. Vorerst müssen mir auf Grund kleinerer Pläne zu lieber- einkommen gelangen; doch kann vom ungarischen Gesichtspunkt jedweder Plan nur die Anerkennung dessen sein, daß Ungarn eine Ungerechtigkeit widerfahren ist und dieser Ungerechtigkeit abgeholfen werden muß Wenn Ungar» den Krieg wollte, so würde e» nicht bie Revision verkünben. Die Revision ist bas friedlichste Mittel, um der ungarischen Ration bie geforderte Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wenn Ungarn die Revision verkündet, so hofft es, daß nicht nur die öffentliche Meinung der Welt, sondern auch die Herren Benesch und Titulescu die Rechtmäßigkeit der ungarischen Forderungen anerkennen werden. paraguayfeiertdenGiegim Arc n Lhaco London, 13. Dez. (TU.) lieber die Lage in Bolivien und im Gran Chaco liegen sich widersprechende Meldungen vor. Aus Asuncion wird berichtet, daß die paraguayanische Bevölkerung bereits den endgültigen Sieg Paraguays im Gran Chaco feiert. Der paraguayanische Kriegsminister teilt mit, daß der Gran-Chaco-Kriea so §ut wie beendet und daß die bolivianische lrmee vollkommen geschlagen sei. In einem Bericht aus Santiago d e Chile wird diese Meldung bestätigt. Die Waffenstreckung von 13 000 bolivianischen Truppen habe dem boli- oianisch-paraguayanischen Krieg ein Ende gesetzt, lieber der bolivianischen Hauptstadt La P az hänge eine schwarze Wolke der Trauer und Verzweiflung. Die bolivianische Regierung hat zunächst dementiert, daß eine Revolte in Bolivien ausgebrochen sei. Um den Verlust der 13 000 bolivianischen Truppen wettzumachen, die sich den Paraguayanern im Gran Chaco ergeben haben, hat die bolivianische Regierung die Rekrutenjahrgänge 1917 bis 1920 einberufen. Der bolivianische Kriegsminister teilte mit, daß Oberst Penaranda mit seinem Stab und 3000 Mann Truppen die feindlichen Linien durchbrochen und sich wieder dem Gros der bolivianischen Truppen angeschlossen hat. Penaranda ist dafür zum General ernannt worden. Auslandsreise GirIohn Simons. London, 14. Dez. (WTB.-Funkfpruch.) Sir John Simon wird am 21. Dezember eine E r» holungsreife nach Italien antreten, wo er zehn Tage zu verbleiben gedenke. Er werde die Gelegenheit zu einer Aussprache mit Mussolini benutzen. Auf der Hin- oder Rückreise werde er auch in Paris Aufenthalt nehmen. Ein Blatt spricht von der Möglichkeit, daß Simon seine Reise auch auf Berlin ausdehnen werde. In der gestrigen Kabinettssitzung wurde dieser Plan endgültig gutgeheißen. In einer Meldung aus London berichtet die Agentur H a o a s über die Auffassung der offiziellen englischen Kreise hinsichtlich des Ergebnisses der bisherigen diplomatischen Fühlungnahme in der Abrüstungssrage. In diesem Bericht, der sehr stark die französischen Wünsche wiederzugeben scheint und auf alle Fälle der Entwicklung ooausellen dürfte, heißt es, die Hoffnung, die man in London auf direkte deutsch-französische Besprechungen gesetzt habe, fei zum großen Teil verflogen. Deshalb glaube man in England jetzt, vor der Alternative zu stehen, entweder eine längere Vertagung der Abrüstungskonferenz ins Auge zu fassen, oder sich für eine Wiederaufnahme der Genfer Arbeiten auszusprechen. Die erste Möglichkeit scheine bereits jetzt ausgeschaltet zu sein. Unter diesen Umständen, so werde heute abend von gewissen politischen Persönlichkeiten erklärt, könne man damit rechnen, daß England dafür eintreten werde, gemeinsam mit Frankreich nach einem Kompromiß zwischen dem ursprünglichen Plan Macdonalds und dem ab« geänderten Plan vom 14. Oktober zu suchen. Da der Macdonald-Plan Deutschland nicht die von ihm geforderten Effektivbestände gewähre, trete man dem Gedanken näher, Deutschland eine gewisse Genugtuung vielleicht dadurch xu geben, daß man die sogenannte Bewährungsperiode neu gestalte. Es herrsche jedenfalls die Auffassung vor, daß man zur Abfassung eines Abrüstungs- abkommens-Entwurfes gelangen müsse. Wenn Frankreich und England sich auf ein derartiges Abkommen einigen würden, wäre es, so meine man, Sache Deutschlands, darüber zu entscheiden, ob es dem beitreten wolle oder nicht. Verkündung des Deutschen Rechtsstands. Berlin, 13. Dez. (TU.) Aus Anlaß des Abschlusses der organisatorischen Arbeiten der Deutschen Rechtsfront und des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen versammelte der Reichsjuristenführer Reichsjustizkommissar Dr. Frank die Reichs- fachoruppenleiter der sämtlichen Berufsgruppen des deutschen Juristentums und aller mit dem Recht verwurzelten Amtsträger einfchl. der Wirtfchaftsrechtler im Hause der Deutschen Rechtsfront. Der Reichs- juristenführer proklamierte den einheitlich organifier- ten, gleichberechtigt neben die anderen Stände des deutschen Volkes tretenden und als solchen reichs» wie parteiamtlich anerkannten Deutschen Rechtsstand. Der Deutsche Rechtsstand umfaßt alle Arbeiter am Recht, deren charakteristische Funktion in der Betreuung und Durchsetzung des Rechts in allen Lebensbereicyen des deutschen Volkes liegt, ohne daß ein irgendwie gearteter sozialer Wertungs- unterschied anerkannt werden ‘ n. Der Deutsche Rechtsstaat) hat die Aufgabe, t tnglieberung des einzelnen Volksgenossen im Si die Beziehungen der deutschen Volksgenossen untereinander, sowie die Verbindung der Lebens- und Arbeitsorganismen des nationalsozialistischen Lebenskörpers auf den Boden des Rechts zu stellen und zu bewahren. Der deutsche Rechtsstand ist nicht nur unterstellt unter die Staatsführung Adolf Hitlers, sondern verpflichtet und berufen, sich zur Schaffung eines neuen Rechts urib einer neuen Wirtschaftsordnung mit allen ihm innewohnenden Kräften einzufetzen, ohne Unterschied und ohne Rücksicht auf die fachliche Vorbildung. Im Sinne des gliederpnasmäßigen Aufbaus des Nationalsozialismus umfaßt der deutsche Rechtsstand die akademischen und nichtakademischen Rechtsdiener, ganz gleichgültig, ob sie in Reichs-, Länder-, Gemeinde- oder Privatdienst oder in freien Berufen stehen, vom Höch st en Richter bis zum jüngsten Iustizanwörter. Der Bund nationalsozialistischer Deutscher Juristen und die Deutsche Rechtsfront als die Träger des Deutschen Rechtsstandes umschließen alle auf dem Gebiet des Rechts ehrlich schaffenden arischen Volksgenossen. Der Deutsche Rechtsstand ist im äußeren und inneren Aufbau eine Einheit nach nationalsozialistischen Organisationsgrundsätzen, aufgebaut nach dem Führergrundsatz mit Autorität nach unten und Verantwortung nach oben. Der Führer des Deutschen Rechtsstandes, der Reichsjuristenführer, ist dem Führer Adolf Hitler unmittelbar unterstellt und ihm unmittelbar verantwortlich. Der Deutsche Rechtsstand wird in völliger Selbständig- feit und klarer Abgrenzung von den übrigen st ä n d l s ch e n Organisationen des deutschen Volkes der Arbeit, des Bauerntums, der Erzieher ufw. gleichzeitig aber im engsten Einvernehmen mit diesen, alle Fragen des Rechts umfassend behandeln. Seine Einheit ist durch die Berufung des Nationalsozialismus, das Lebensrecht des deutschen Volkes zu sichern, begründet. Im Rahmen des inneren Aufbaues wird der Deutsche Rechtsstand die Betreuung der zu ihm Gehörigen auch in sozialer Hinsicht als Ehrenpflicht auffassen und im Interesse der Lebenssicherung des einzelnen die gebotenen Einrichtungen schaffen. Führer der Deutschen Rechtsfront ist Neichs- justizkommissar Dr. Hans Frank. Seine Stellvertreter sind der preußische Justizminister Dr. K e r r l und Staatssekretär Freister. Reichsgeschäftsführer ist Dr. W. He über, dessen Stellvertreter Rechtsanwalt G o n e l l a. Den Führer- st a b bilden die Reichsgeneralinspekteure Rechts- anwalt S ch r ö r und Rechtsanwalt Dr. Noa ck. Zur besonderen Verwendung sind neun Beauftragte bestimmt. Des ferneren sind sieben Fachgruppen gebildet, und zwar: Richter und Staatsanwälte, Rechtsanwälte, Notare, Hochschullehrer, Verwaltungsbeamte, Wirtschaftsrechtler, Rechtspfleger und Justizbeamte und als achte Gruppe eine Gruppe Referendare, die demnächst zur Gruppe „Juristischer Nachwuchs" werden wird. Jeder Reichsfachgruppe steht ein Fachgruppenrat, der aus neun Personen besteht, zur Seite. Die Deutsche Rechtsfront ist in 2 7 Gaue entsprechend den Grenzen der Oberlandesgerichtsbezirke eingeteilt. Jeder Gau hat einen juristischen Gauführer und je nach der Größe des Gaues mehrere Bezirksobleute. Zu diesen Gauen gehört auch der Gau „Ausland" mit dem Gauführer Rechtsanwalt Dr. Römer (Hagen). Die Reichsgeschäftsstelle ist in drei Hauptabteilungen gegliedert. Die Abteilung I besteht aus dem Personalamt, Propaganda- und Sozialamt mit verschiedenen Unterabteilungen. Der Abteilung II unterstehen die Finanzverwaltung und Revision, während die Abteilung III aus dem Presseamt und dem eigentlichen ' Zeitschriftenamt, der Organisation der juristischen Zeitschriften besteht. Es wird den beamteten Mitgliedern des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen freigestellt, die Einzelmitgliedschaft im Reichsbund der deutschen Beamten zu erwerben. Soweit von Mitgliedern des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen die Mitgliedschaft zum Reichs- bund der deutschen Beamten schon besteht oder er« worben wird, besteht jedoch keine Beitragspflicht. Die beitragsfreien Mitglieder haben aber anderseits feine vermögensrechtlichen Ansprüche an den Reichsbund der deutschen Beamten. Den Mitgliedern des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen, die gleichzeitig Mitglieder des Reichsbundes der deutschen Beamten sind, steht das Recht zum jederzeitigen Austritt aus dem Reichsbund der deutschen Beamten zu. Die der Deutschen Rechtsfront korporativ angeschlossenen Verbände der Justizbeamten werden im Einvernehmen mit diesen Verbänden aufgelöst und in einer Einheitsorganisation zusammengefaßt, die korporativ zur Deutschen Rechtsfront gehört. Hinsichtlich der Mitgliedschaft dieser Beamten zum Reichsbund der deutschen Beamten gilt das oben gesagte. Aus aller Welt. Lohn und Gehalt bei der post noch vor ÄZeitmachten. Berlin, 13. Dez. (VdZ.) Der Reichspostmimster hat angeordnet, daß wegen des Weihnachtssestes die am 25. Dezember fälligen Dienstbezüge für die An- gestellten, die Pofth. ,er und Posthelferinnen bereits am 20. Dezember und die am 22. Dezember fälligen Löhne für die Arbeiter der Reichs- post bereits am 21. Dezember zu zahlen sind. Hiller hilft einem allen Kriegskameraden. Ein neuer edler Zug des Reichskanzlers kommt in einer soeben bekannt werdenden Begebenheit zum Ausdruck In einer niederbayerischen Gemeinde lebte bis zum Jahre 1922 der Zimmermann Ignaz W e st e n f > r ch n e r. Dieser war im Kriege mit Hitler Meldegänger beim gleichen Truppenteil, und die beiden waren gute Kriegskameraden geworden. Nach Kriegsende kehrte Westenkirchner in seinen Heimatsort zurück und übte dort das Zim- mermannshandwerk aus. Als er aber bald nach der Gründung der NSDAP, für die Idee seines Freundes Hitler werben wollte, fand er wenig Verständnis, und schließlich veranlaßten ihn Nahrungssorgen, im Jahre 1922 nach Amerika auszuwan- dem. Es vergingen elf Jahre. In dieser Zeit erkundigte sich Hitler regelmäßig nach seinem Ergehen. Kaum hatte Westenkirchner von dein Siege der nationalsozialistischen Bewegung und von dem Aufstieg seines Freundes zum Kanzler erfahren, als er wieder nach Deutschland zurückwollte. Aber es ging nicht, denn er hatte feine Ersparnisse mehr und konnte an eine Rückkehr mit seinen drei Kindern nicht denken. Dies erfuhr der Kanzler und ließ nun feinem ehemaligen Kriegskameraden d i e Schiffskarten z u g e h e n. Westenkirchner hat sie bereits und wird demnächst in Deutschland ein« treffen. Er hat aus Amerika geschrieben, daß die Amerikaner es rückhaltlos bewundern, daß der Kanzler sich so edel seines einstigen Frontkameraden annimmt. Uraufführung des 5 2L-Jilins „Hans weflniar". Im Berliner „Capitol" fand die Uraufführung des SA.-Films „Hans W e ft m a r" statt, der nach dem Buch „Horst Weffel" von Hanns Heinz Ewers gedreht worden ist und ursprünglich als „Horst»Wessel - Film" herauskommen sollte. Der Film ist, wie erinnerlich, seinerzeit auf Veranlassung von Reichsminister Dr. Goebbels als „Horst- Wessel-Film" verboten worden, da man die Zeit zur Verfilmung des Schicksals Horst Wessels, Des Märtyrers und Vorbildes der nationalsozialistischen Bewegung, noch nicht für gekommen erachtet. Der Film ist teilweise abgeändert worden und in der neuen Form freigegeben. Zur Uraufführung im Capitol waren zahlreiche höhere SA.-Führer er- schienen, ferner führende Männer der nationalsozia- listischen Bewegung sowie der frühere Kronprinz. Der Film wurde vom Publikum mit außerordent« lich großem Beifall aufgenommen. Besonders eindrucksvoll ist die vom Auslandsprefsechef der NSDAP. Dr. Ernst Hanfstaengl komponierte Trauermusik. Müller-Scheld im Bundesausschuß des Reichvbundes der jreillcht- und Volksschauspiele. Der Leiter der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums jür Dolksaufklärung und Propaganda, Pg. Muller-Scheld, wurde von Herrn Ministerialrat Laubinger in den Bun« desausschuß des Reichsbundes der deutschen Frei- licht- und Volksschauspiele berufen. Schwerer Sturm an der englischen Säfte und im Kanal. Ein außergewöhnlich schwerer Sturm wütete am Mittwoch an den englischen Küsten und besonders über dem englischen Kanal. Der Schiffsverkehr zwischen Dover und Calais mußte unterbrochen und auf die Strecke Folkestone—Boulogne verlegt werden. Der Nachmittagsdampfer von Boulogne nach Folkestone wurde jedoch wegen hohen Seeganges abgesagt. Die Passagiere mußten die Linie Calais—Folkestone benutzen. Der gesamte Frachtdampferverkehr zwischen der englischen und der französischen Küste wurde eingestellt. Mehrere Schiffe gerieten in Seenot. Die Rettungsboote der englischen Kanalhäfen waren ununterbrochen beschäftigt. Zwei Fischerboote werden vermißt. Die Barke „Sepoy" wurde bei Cromer von den Wogen zerschmettert, die Besatzung konnte jedoch gerettet werden. Das finnische 4000-Tonnen-Segel- schiff „Lawhill" wäre beinahe an die Küste getrieben worden, konnte aber im letzten Augenblick von einem englischen Schlepper wieder auf die hohe See befördert werden. Zwei Flieger werden vermißt. Der französische Flieger Vicomte Charles de Manneoille, der von London nach Paris ieflogen war, ist verschollen. Die bisherigen Nach- orfchungen blieben ergebnislos. Ein englischer Zrivatslieger, der am Mlttwochvormittag von London nach Paris abgeflogen war, wird ebenfalls vermißt. Raubmord an der eigenen Großmutter. In der Anklamer Straße in Berlin wohnte die 69jährige Ernestine Andryßewfki in äußerst kümmerlichen Verhältnissen. Da die alte Frau feit dem 10. Dezember nicht mehr gesehen worden war, ließ man jetzt die Tür gewaltsam öffnen und fand die Frau in ihrem Bett liegend t o t auf. Es bestand Verdacht, daß sie ermordet worden war, da ihr 20jahriger Enkel Kurt V o g e l m a n n , der bei ihr wohnte, verschwunden war. V., der seine Großmutter schon früher mehrmals bestohlen hatte, kam seiner Festnahme dadurch zuvor, daß er sich bei der Kriminalpolizei stellte. Er gibt zu, in der Nacht auf den 10. Dezember, nachdem er festgestellt hatte, daß seine Großmutter fest schlief, ihr ein Kopfkissen auf den Kopf gepreßt und dasselbe so lange festgehalten zu haben, bis ihr Widerstand nachließ. Er suchte nun nach Geld und fand bei der bereits Gestorbenen einen Geldbeutel mit 18 Mark, den er an sich nahm. Dieses Geld hat der Bursche in kurzer Zeit durchgebracht. Explosion in einer Kölner Jabrif. — Jünf Schwerverletzte. In der Gummiwarenfabrik M. Steinberg in Köln-Braunsfeld ereignete sich eine heftige Explo« sion, die ein schweres Schadenfeuer im Gefolge hatte. Mehrere Feuerwehrabteilungen eilten zur Brandstätte, denen es nach dreistündiger Tätigkeit gelang, das Feuer auf feinen Herd zu beschränken. Infolge der Explosion trugen zwei Arbeiterinnen und drei Arbeiter sehr schwere Verletzungen davon. Die Explosion erfolgte, wie ergänzend gemeldet wird, in der Saugerabteilung im Erdgeschoß: sie war von einer mächtigen Stichflamme begleitet. Das Feuer breitete sich sehr schnell aus. Außer den fünf Schwerverletzten find fünf ober sechs Leichtverletzte zu verzeichnen. Die im ersten und zweiten Stock Beschäftigten konnten sich über Die Freitreppe in Sicherheit bringen. Das Befinden von zwei der Schwerverletzten ist sehr bedenklich. Als Ursache des Unglücks nimmt man Selbstentzündung an. Das Feuer ist inzwischen vollkommen gelöscht. heldenmütige Rettungslal deutscher Matrosen. — Drei Seeleute ertrunken. Eine heldenmütige, mit dem Tode besiegelte Ret- t u n g s t a t deutscher Seeleute, wird aus Reykjavik gemeldet: Drei deutsche Seeleute sanden den Tod in den Wellen, als sic die Besatzung des schottischen Fischdampfers „Margareth Clark" zu retten versuchten, der an der felsigen Südküste Islands Schiffbruch erlitt. Die gesamte Besatzung der „Mar- gareth Clark" wurde gerettet. Ein deutscher Dampfer, dessen Name nicht genannt wird, setzte ein mit sechs Mann besetztes Boot zur Rettung der englischen Seeleute'aus. Das Boot kenterte jedoch, wobei drei Mann ertranken, während es den drei anderen gelang, an die Küste zu schwimmen. Unter der Ueberschrift „Deutscher Heldenmut" und „Deutsche sterben bei der Rettung englischer Seeleute" berichtet die englische Presse über das Ereignis. Raubüberfall auf eine Lhikagoer Bank. Sieben Banditen überfielen die Chikagoer Unity Trust-Sparbanf, überwältigten fünf Bankbeamte, verbanden ihnen die Augen, sprengten 335 Stahlkammern aus und entkamen mit einer reichen Deute an Schmuckfachen, Wertpapieren und Bargeld. Die Verbrecher hatten einen tragbaren Rundfunkempfangsapparat bei sich, mit dessen Hilfe sie während der Plünderung den Polizeirundfunk überwachten, um festzustellen, ob Alarm geschlagen werde. Polnische Arbeitslose verschüttet und lebend geborgen. In der Nähe von Sosnowitz im polnischen Kohlenrevier ereignete sich in dem Notschachtsgelände der Mortimer-Grube ein U n f a 11, der jedoch einen glücklichen Ausgang nahm. Nachdem eine Gruppe Arbeiter die Notschächte in der Gegend durch Sprengungen verschlossen hatte, wurde bekannt, daß in einem Notschacht von 36 Meter Tiefe sechs Arbeitslose gewesen seien. Unter großen Anstrengungen wurden die Bergungsarbeiten vorgenommen. Erst nach zehnstündigem Arbeiten wurden die Verschütteten freigelegt. Alle waren noch am Leben, aber sehr erschöpft. Zwei von ihnen mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Kleine politische Nachrichten. Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler haben Seiner Exzellenz dem apostolischen Nuntius Orfenigo zur Vollendung seines 60. Lebensjahres herzliche Glückwünsche übersandt. * Die Oberste SA.-Führung teilt mit: Stabschef Röhm hat sich zur Wiederherstellung feiner Gesundheit auf einen etwa dreiwöchigen E r - holungsurlaub begeben. — Die Erledigung irgendwelcher an den Chef des Stabes gerichteten Schreiben kommt während dieser Zeit nicht in Frage. Es wird daher gebeten, von irgendwelchen Zuschriften an den Stabschef bis zum Iahresfchluß abzusehen. Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt hat sich auf einige Tage nach England begeben, um an einer Trauung in einer befreundeten Familie in London teilzunehmen. Während seines Aufenthalls wird sich Gelegenheit bieten, mit maßgebenden Persönlichkeiten der englischen Politik und Wirtschaft in zwangloser Weise persönliche Fühlung aufzunehmen. * In Berlin trat der Ehrenausschuß für die „Stiftung für Opfer der Arbeit" zusammen. Aus dem Geschäftsbericht geht hervor, daß die Summe der eingegangenen Spenden 7 Millionen Reichsmark erreicht hat. Bisher sind rund eine halbe Million Unterstützungen ausgezahlt worden. * Eine Uebersicht über die Entlastung des Arbeitsmarktes für Angestellte ergibt, daß Ende April 1933 noch 612 743 Angestellte erwerbslos waren, Ende Oktober indessen nur noch 519 083, so daß ein Rückgang von mehr als 93 000 oder 15,3 Prozent zu verzeichnen ist. Der Generalinspekteur für das deutsche Straßen- . wesen hat die zuständigen Stellen davon unterrichtet, daß weitere 30 Milionen Mark aus Mitteln des Gesetzes vom 1.Juni 1933 für Winterarbei- ten im Straßenbau zur Verfügung gestellt würden. Während bisher nur Arbeiten auf Provinzial- bzw. Staatsstraßen in Aussicht genommen waren, hat der Generalinspekteur nunmehr auch wichtige Arbeiten auf Kreis- und Bezirksftraßen und auf Gemeindestraßen vorgesehen. Be anders sollen in der Unterhaltung der Gemeinde ttaßen Ortsdurchfahrten im Zuge wichtiger Provinzial- und Staatsstraßen berücksichtigt werden. Der Gesamtverband deutscher Arbeite- opfer in der Deutschen Arbeitsfront, dem bisher bereits mehr als 600 000 Mitglieder angehören, hat feinen korporativen Anschluß an di e N S. - V o 1 k s w o h lf a h r t vollzogen. Wie der Reichsverkehrsminister zur Vermeidung von Mißverständnissen mitteilt, hat der Reichs- bund der Kraftverkehrs-Technik" (RKT.) keinen Auftrag, die an der Kraftverkehrswirtschaft beteiligten Kreise zusammen- zu s ch 1 i e ß e n und ihre Interessen vor Behörden und Wirtschaft zu vertreten. Damit sei vielmehr Obergruppenführer Major a. D. Huhnlein betraut. Der Reichsinnenminister hat den „Berliner Tierschutz-Verein E. V. für alle Länder deutscher Sprache" im Berlin SW 61 als Spitzenvertretung beauftragt, unter der Bezeichnung „Reichstierschutzbund" die Neuorganisation der deutschen Tierschutzvereine durchzuführen. <- Die Staatliche Polizeistelle Kasiel teilt mit: Die „F u l da e r Z e! t u n g" ift bis zum 20. d. M. polizeilich verboten worden. Der Verlag der Berliner Börsenzeitung hat die Tageszeitung „Berliner Börsen- kurier" durch Kauf erworben. * König Boris von Bulgarien, der zur Zeit in Belgrad weilt, wird im Januar auch Bukarest einen Staastbesuch abftatten. Die Könige von Rumänien und Südslawien werden dann Ende Januar zu gleicher Zeit Sofia einen Gegenbesuch machen. Dieses Dreikönigstreffen wird am 30. Januar, am Geburtstag des Zaren Boris, feinen Höhepunkt erreichen. Wettervoraussage. Da wir im Bereich des Hochdruckgürtels liegen, der sich von den britischen Inseln nach Rußland erstreckt, dauert die Kälte fort. Allerdings besteht die Möglichkeit, daß sowohl durch das Mittelmeertief feucht-milde Luft, als auch durch das Baltikumtief ozeanische sich einmischt und über Deutschland ausbreitet. Dabei dürften zeitweise neben Bewölkung auch in unserem Gebiet einzelne Schneefälle auftreten. Aussichten für Freitag: Zeitweise bewölkt, sonst Aufklaren, Fortdauer des ftrengen Frostes, vereinzelt Schneefälle. Aussichten für Samstag: Wenig Aende- rung der Wetterlage. Lufttemperaturen am 13. Dezember: mittags — 4,7 Grad Celsius, abends —8,3 Grad: am 14. Dezember. morgens —11,9 Grad. Maximum —2,3 Grad, Minimum —12,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. Dezember: abends —4 Grad: am 14. Dezember: morgens —6,3 Grad Celsius Amtliche Wintersporlnachrichlen. Vogelsberg. Hochwaldhausen: klar, — 18 Grad, 15 bis 20 Zentimeter Schnee, verharscht, Sportmöglichkeit im Walde noch gut. Sauerland. Winterberg: wolkig, —15 Grad, 14 Zentimeter Schnee, 1 vis 2 Zentimeter Neuschnee, verweht, Ski mäßig, Rodel gut. 2.60 3.00 schön, kräftig Jubiläums-Kaffee zus. m.Dose| sehr fein, aromatisch Indische Mischung 3.40 aromatisch, erlesener Geschmack Köstlicher Tee in hübschen Geschenkbosen, Scho- tfmmeriifipr foInben' $raünen ufro- VllUllU lUJll Selteröwen 49 75iM ■yixmnes Geheimnis Roman von Molhilde von Stegmann tlcheberrechlsschuh: Fünf-Türme-Derlag Halle (Saale) 9. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Dann ist es schon besser, daß Sie mich auf- suchen, gnädiges Fräulein." „3n einer halben Stunde bin ich do. Herr Doktor." „Also dann auf Wiedersehen. Fräulein von Merten." 3m Polizeipräsidium wurde Irene sofort zu Miller geführt. , * „Was führt Sie zu mir, gnädiges Fräulein? ,,3d) weiß mir in einer bestimmten Angelegenheit keinen Not, Herr Doktor. Aber Sie müssen mir versprechen, niemandem zu verraten, daß ich es gewesen bin, die Ihnen alles erzählt hat." „Selbstverständlich, gnädiges Fräulein. Handelt es sich um Seeburg?" „Nein, nicht direkt. Aber wahrscheinlich indirekt doch auch um ihn." Irene erzählte die Erlebnisse der letzten Nacht. Einmal nur wurden sie gestört. Es klopfte, und gleich darauf trat ein Beamter mit einem Schrift- stück ein. ,Lch hatte doch angcordnet. daß ich nicht gestört sein will", sagte Doktor Miller unwillig. „Dos erwartete Telegramm. Herr Kriminal- bireflor — ich sollte es sofort hereinbringen." „So, das ist etwas anderes. Danke." Miller entschuldigte sich bei Irene und las das Telegramm aufmerksam. Dann hob er den Hörer des Hausapparats ab und drehte an der Nummernscheibe. „Hier Miller. Ich schicke Ihnen gleich ein Telegramm herüber, Herr Kommissar. Ich bitte, mir olles Wichtige schleunigst zusammenzustellen. Drei Kreuze Stellen Sie bitte auch fest, ob eine Madame l5elio bekannt ist. Näheres weiß ich noch nicht. — So, Sie glauben, daß Sie den Namen kennen? Also auch darüber Material. Ich bitte Sie später selbst zu mir. — Danke." Miller klingelte. Ehe der Beamte eintrat, wandte er sich an Irene: „Was Sie mir bis jetzt erzählt haben, gnädiges Fräulein, ist von größerer Wichtigkeit als Sie annehmen Dieses Telegramm hier beschäftigt sich auch mit Fräulein Dumont. Sie ahnen gar nicht, wie richtig es war, daß Sie zu mir kamen." Miller übergab dem Beamten ein paar Schriftstücke. „Nach Zimmer 483 — eilt." Dann wandte er sich wieder aufmerksam Irene zu. Als Irene ihre Erzählung beendet hatte, sah Doktor Miller einen Augenblick schweigend. Dann begann er langsam zu sprechen: Mein gnädiges Fräulein, ich danke Ihnen nochmals. daß Sie sich an mich aewandt haben, oie haben der Polizei einen großen Dienst geleistet, auch dadurch, daß Sie sofort zu mir gekommen sind und mit niemand vorher über Ihre Beobach, tungen gesprochen haben. Klar ist dos alles noch nicht Vorläufig haben wir nur Vermutungen, und nur das eine erscheint mir sicher: den größten Dienst hoben Sie Herrn von Seeburg geleistet. Leider kann ich mit ihm noch nicht sprechen, und Sie dürfen es auch nicht. Würden Sie mir ein paar Fragen beantworten?" „Bitte, Herr Doktor' Ich hatte ja solche Anast. Sie jDÜrben mich ouslachen. Und jetzt, wo Sie J)ie Sache so ernst nehmen, wünschte ich fast. Sie hätten mich ausgelocht. Ist Herr von Seeburg in Gefahr'" ~ „Wahrscheinlich Und nun meine Fragen: War die Tür zwischen Wassiliews und Fräulein Dumonts Zimmer unverschlossen?" „Nein, ich habe selbst abgeschlossen und den Schlüssel mitgenommen. Außerdem hatte der Portier noch Nagel vor die Tür im Zimmer von Herrn Wassiliew eingeschlagcn. Die Nägel sind weg. Und der Schrank, der sonst nicht zu bewegen war, rückt sich jetzt ganz leicht fort. Es ist irgend etwas barunter angebracht, sagt Berta, damit er leichter gleitet." „Wie ist Fräulein Dumont zu Ihnen gekommen? Auf den Zettel hin oder durch eine Empfehlung?" „Ich nehme an, durch den Zettel. Mein Vetter, Assessor von Mcklesius, hat uns erst eine Oester- reicherin geschickt, die ist aber nicht wiederqekom- men. Und dann kam Fräulein Dumont plötzlich." „Hatten Sie bei der ersten Dame den Eindruck, daß sie wirklich ein Zimmer suchte?" „Eigentlich nicht. Wissen Sie, Herr Doktor, eine Frau fragt doch ziemlich eingehend, wenn sie wo wohnen will. Ach ja. jetzt erinnere ich mich auch. Es war der Dame zu laut." „Nannte die erste Dame den Namen des Herrn von Malesius?" , „3a." „Nun noch eins, Fräulein von Merten. Alles, was Sie mir erzählt haben, war wichtig. Aber cs begründet nur einen Verdacht. Es beweist nichts. Wir glauben jetzt zu wissen, daß der Russe und Fräulein Pvonne. die sich anscheinend nicht kannten, sich gut kennen. Wir • wissen, daß irgendwelche Pläne bestehen, bei d^nen auch Freiherr von See- burg ein — sicher unfreiwillige — Rolle spielen soll. Mehr wissen wir bisher nicht. Der größte Fehler wäre nun, unsere Vermutungen, die wir vielleicht haben, als das Ziel dieser Pläne onzu- sehen. Vermutungen sind nichts. Beweise sind alles. Man kann nur einqreifen, wenn man klare Beweise hat. Die müssen wir uns beschaffen. Im Inkeresie des Londes und in Seeburgs Inlereffe. Wollen Sie mir dabei behilflich fein?" „Soweit ich kann, selbstverständlich." „Gerade 6te können mir sehr viel helfen. Fräulein von Merten. Zunächst: «ein Mensch, auch Ihre Frau Mutter nicht und das Mädchen, darf von Ihren Beobachtungen etwas erfahren. Weiter: Weder Wasflliew noch Fräulein Dumont dürfen ahnen, daß sie beobachtet werden. Am allerwenigsten aber darf Freiherr von Seeburg auch nur den Schimmer eines Verdachtes haben. Wir können ihn nur schützen, wenn er gänzlich unbefangen bleibt. Er würde uns auch nicht glauben, fürchte ich. Wir müssen uns darüber klar sein, daß ihn eine Leidenschaft für dieses Fräulein Dvonne gepackt hat." Als Doktor Miller bei seinen letzten Worten Irene erblassen sah. fuhr er mit weicherer Stimme fort: „Es ist schon so. gnädiges Fräulein. Auch über Dinge, die uns schmerzlich berühren, muh man sich klar werden. Ich hoffe, daß der gute Seeburg sich ohne allzu schweres Lehrgeld wieder zu sich zurück- findet." Irenes Blässe war glühender Röte gewichen. „Gnädiges Fräulein! Wir müssen Seeburg als einen Kranken betrachten. Er wird wieder gesund werden. Haden Sie nur Vertrauen! — Also nun zu Ihrer Hilfe. Schweigen Sie gegen jedermann und beobachten Sie, was vorgeht. Merken Sie sich jede, auch Ihnen unwichtig erscheinende Einzelheit und berichten Sie mir persönlich oder telephonisch. Ich werde mir erlauben, Sie bald ouszusuchen. Mein Besuch gilt für die anderen immer Herrn von Seeburg. Dann sprechen wir weiter." Irene verabschiedete sich. Wie natürlich sich Doktor Miller ihr gegenüber gab. Wie ein langjähriger Freund. Woher mochte er bloß wissen, daß sie See- bürg liebte? Aus seinen Worten ging deutlich hervor, daß er das voraussetzte. Aber merkwürdig, ihm gegenüber schämte sie sich auf einmal nicht mehr. 8. Kapitel. Es war im Auswärtigen Amt mal wieder heiß hergegangen. Die Akten auf den Schreibtischen, die sofortiger Erledigung harrten, häuften sich. Da- zwischen kamen alle 'Augenblicke die Boten mit neuen Schriftstücken, die durch ihre Umschlagsarbe ober durch große Aufschriften: Dringend! Eilt! Sofort!, ihre Bedeutung besonders betonten. Und dann die gefürchteten roten Mappen! Das grelle Rot schrie: Ich muß zuerst erlebiat werden! Ich bin noch eiliger als die anderen! Alles muß liegenbleiben! 3d)’ die rote Mappe, muß sofort, aber auch wirk- lich sofort ferliggestellt werden! Ich werde in einer besonderen Registratur geführt! Bei mir darf man nicht sagen, das hat bis morgen Zeit! Ich bin dringlich! Auf mich wartet der Staatssekretär oder der Herr Minister! Legationsrat von Seeburg erhob sich einen Augen- blick von seinem Schreibtisch. Er dehnte seinen geschmeidigen Körper. Gan; fteit war er geworden von der Schinderei, die seit Beginn der Amtsstunden ununterbrochen angedauert halle. Endlich waren die roten Mappen au'gearbeitet. Seeburg klingelte nach dem Botenmenter Als der gleich darauf eintrat, wies Seeburg au» einen Stapel Schriftstücke. .Hier sind erledigte rote Mappen. Bringen 6U mir letzt, bitte, zwei Aktentaschen." Der Botenmeister erschien gleich darauf wieder mit dem Verlangten. Seeburg legte in jede der Mappen ein eben bearbeitetes Aktenstück mit der Aufschrift: „Geheim!" Dann verschloß er die beiden Mappen. Jeden Schlüsiel legte er in einen bejon». deren Briefumschlag, den er an die Stelle abreffierte, an die die Akten weitergeleitet werden sollten. Dann befestigte er die Briefumschläge an den dazu gehörigen Mappen. Der Botenmeister quittierte über die Geheimakten und nahm sie dann in ihren Eilhüllen zur Beförderung mit. _ Kritisch musterte Seeburg die Eingänge au' dem Tisch. Das versprach ja wieder einen langen Arbeitstag! Er mußte wirklich eine Mittagspause einlegen. Jede Gegend, jede Stadt bat ihre eigene Art von Restaurants. In der Nähe der Fabriken, die keine eigenen Kantinen haben, befinden sich kleine Kneipen, im Zeitungsoierlel ist eine Anzahl EatSs. d e nicht nur darauf eingerichtet sind, daß in der Mittagspause eine Anzahl männlicher und ^weiblicher Angestellter rasch eine lasse Kaffee oder Schokolade trinken, sondern noch mehr den ständigen Kaffeedurst in den Redaktionen ,zu decken. In der Nähe der Behörden hat sich eine Art von Gaststätten an- gesiedelt. Eine gewisse Trennung der Rangstufen macht sich da geltend. Eine halbe Stunde nicht unter den Augen des unmittelbaren Vorgesetzten zu zu bringen, der im Lokal nebenan frühstückt, scheint oft schon eine Erholung. Die Frühstücks- und Mittags pause bietet reichlich Gelegenheit zu dem in allen Büros blühenden Klatsch. Seeburg war nicht in der Stimmung, die gleichen Gesichter zu sehen, die täglich in dem kleinen Restaurant saßen, in dem er zu essen pflegte. Er wollte an dem kleinen Stammlokal vorbei nach den Linden, um nach der Neuen Wilhelmstraße zu gelangen. Knapp vor dem Ziel hörte er eine Helle Damenstimme lebhaft und offensichtlich in großer Erregung französisch mit einem Herrn sprechen, der sie offen bar nickst verstand. Seeburg erkannte Pvonne Dumont. die sich augenscheinlich die Belästigung durch diesen Herrn verbat, der ihr schon eine ganze Strecke gefolgt zu fein schien Schnell trat Seeburg auf Pvonne zu. In ihren schönen Zügen spiegelten sich Freude und eine sichtbare Erlösung. „Herr von Seeburg! Welch ein Glück, daß ich Sie treffe! Schrecklich! Ich konnte diesen Herrn nicht los werden! Er verfolgt mich schon die ganzen Linden entlang. Deshalb bin ich gleich in diese Straße eingebogen. Wo bin ich hier eigentlich?" „Einen Augenblick, mein Fräulein." (Fortsetzung folgt.) . . . und den Ehemännern? den ramilienvätern, den Junggesellen? Was sollen die zu Weihnachten bekommen? Dafür gibt s auch ganz nette Sachen: FUr's Rasieren Apparat, Meaear. Klingen, Spiegel, Pinsel Für die Tasche Feuerzeug. Taschenmesser Schere Schlüsselring . . . und sonst noch Zigarrenabschneider Papierschere elektrischer Tauchsieder. Da» et aber noch nicht alles. Von diesen schönen Geschenken glbte noch mehr be> J. 8. Häuser 7369A Am Oswaldsgarten Gießen, Ruf 2145 2146 ■■■■■■■■■■ Wasche Ist ein schönes Qeschenk Damen - Tsghomd . aus gutem nie U./ J Damen-Aehselscb nßhemd, au* 1 in starkfAdifrem Bi her . . l.ilä LIU Damen Nachthemd, mit langem f) re Arm, Biber, sehr prelsw.. 2A5 *.UU Damen-Nachthemd, aus feinst. ") nn Finett, deg. Ausführung, 4-50 O.W Damen-Schlalamag. Biber, nm o en demo Ausmusterung 5.1*) J.JU Damen-Nachthemd. K’seido, d«;r ä ne beliebte Ge>chenKHrtikel, &3O “•* v a/fS5F/V*M,XUMUR Glö Die Leistungen der Heimatzeitung allein verbürgen den Erfolg ihres Anzeigenteils. Die alteingesessene Heimatzeitung ist ihrem ganzen Inhalt nach so eng verwachsen mit dem bodenständigen Leser, daß ihn das heimische Wirtschafisbild im Anzeigenteil ganz besonders fesselt. Deshalb wird der Anzeigenteil des Gießener Anzeigers meist zuerst und eingehend beachtet, namentlich von den Frauen, während den Anhängern politischer Blätter ganz andere Dinge wesentlich sind. Der einheimische Volksgenosse liest seine Heimatzeitung sozusagen rückwärts bis zum Leitartikel auf der ersten Seite, aber auch umgekehrt. Das kommt den Weihnachisanzeigen der Geschäftswelt zu statten. Die aus heimatlichem Volkstum entspringenden Leistungen der Heimatzeitung und ihre Einschätzung durch den Leser verbürgen den Erfolg der Anzeigen Große Zwangsversteigerung. Freitag, den 15. De?,cniber, vormittags 10 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 dahier,gegenBarzahlung: 1 große Partie Puvven, '-Hmifaflcn, Dampfmaschinen, Märflin-Kasten und anbered mehr. und Scharmann.istcrichtSvvllzieherinlstießen Walltorftraße 48, Telefon 3108. Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllli Westfälische Mlchkannenfabnk sucht sieißigen, cirtgcfübrten vvovisionS - Vertreter. Sehr. Angebote u. 7513V a. b. Gieß. An;. 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DrelbhoU Blankenberg Bekanntmachung der Allg. Ortskrankenkasse Gfctzen-Stadt Durch den täglich sich steigernden Geschäftsverkehr und die durch die sozialen Maßnahmen der nattonalsozialisttschen Regierung bedingte erhöhte Inanspruchnahme der Geschäftsführung ist es unerläßlich, daß von feiten der Arbeitgeber und von den Versicherten die Geschäfts- ftunben der Geschäftsführung beachtet werden. Die Geschäftsstunden der Geschäftsführung werden wie folgt festgesetzt: Wochentäglich: von 11—13 Uhr. Keil Äitlerl 75 4D Die Geschäftsführung: gez. O. Jung. Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über den Nachlaß des verstorbenen Privatier- Wilhelm Amend in Gießen ist zur Be- schlußfassuna über die Verwertung de» zur Konkursmasse gehörigen Hauses Bahnhofstraße 68 in Gießen sowie zur Prüfung der nachträglich ongemelbelen For- berungen auf Antrag des xonkursoerwal- ter» eine Gläubigerversammlung auf Donnerstag» den 21. Dezember 1933 vormittags 10 Uhr vor dem Hessischen Amtsgericht Hierselbst, Zimmer 107, anberaumt. 7495D Gießen, den 4. Dezember 1933. Hessisches Amtsgericht___ Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 8. Dezember 1933 bei der Firma Obermann & Co., Gesellschaft mit beschränkter Haftung, in Gießen fowendes eingetragen: Kaufmann Gustav Wagner in Biedenkopf ist als Geschäftsführer aus- geschieden. 7494D Gießen, den 9. Dezember 1933. Hessische» Amtsgericht.