Dienstag. 14- November 1933 Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Nr. 267 Drittes Blatt Hin zum einigen Reich'. Feierliche Verbrennung der Grenzpfähle auf dem 2Römcr6crg in Frankfurt. Die brennenden Grenzpfähle. teilung von Kartoffeln an die Bedürftigen der Stadt Alsfeld statt. Aus den nahegelegenen Dörfern trafen pünktlich zur festgesetzten Stunde Die mit Tannengrün geschmückten, mit entsprechenden Aufschriften versehenen Wagen ein. Der Ortsgruppen- walter der NS.-Dolkswohlfahrt und örtliche Führer des Winterhilfswerks, Bürgermeister Dr. B o l s t n g (Alsfeld), hielt dabei eine Ansprache, in der aus die Bedeutung des großartigen Hilfswerkes der NS.- Bolkswohlfahrt, die auf einen Befehl des Bolks- kanzlers Adolf Hitler zurückgehe, hingewiesen wurde. Außerdem wies der Ortsgruppenwalter auf die schicksalhafte Bedeutung des Abstimmungstages am 12. November hin und forderte die Anwesenden mit eindringlichen Worten auf, ihre Pflicht ZU tun und sich geschlossen hinter den Führer Adolf Hitler zu stellen. Im Anschluß daran begann die Kartofselver- teilung, die sich dank der sorgfältigen Vorbereitungen reibungslos und flott abwickelte. Hiller schafft Arbeit! Weitere bewilligte Maßnahmen im Arbeitsbe- schasfungsprogramm: Iaflen).„.b. Baustelle Erweiterung und Umbau des Hochspannungsnetzes der elektrischen lLicht- und Kraftleitung im Landkreis Wolfhagen 1050 Bau einer Wasserförder- u. Reinigungs-, sowie Wasserstandsfernmeldeanlage in Büd'ngen 15,51 Erweitrung des städt. Wasserwerks durch Errichtung eines Grundwasserwerkes in Witzenhausen 1660 Ausbau von Dränungen und von Dor- slut- und Entwässerungsgräben, Gemeinde Niederhadamar Ausbau von Dorflut- u. Entwässerungsgräben, Bachregulierung u. -Dränagen in Burdschwalbach Ackerdränagen in Füssingen Regulierung des Salzbaches und Ackerdränage m Niederzeuzheim Aufstockung der Volksschule in Schlitz Instandsetzungs- u. Ergänzungsarbeiten an verschiedenen Gebäuden in Ober- lahnstein Instandsetzungs- u. Ergänzungsarbeiten an verschiedenen Gebäuden in Fulda Errichtung eines Anbaues an das Rathaus zwecks Unterbringung der Wohnung für den Rathausmeister, Einrichtung eines Werkraumes und einer Trinkanlage sowie eines Fahrradunterstellraumes für die Schüler der Stem- schule und Unterbringung der ortsgeschichtlichen Sammlung der Stadt Ems Versorgung des Gemarkungsteils „Hof Wehneberg" mit Wasser, Neulegung von Gas- und Wasserleitungen, Verstärkung von Gasleitungen, Kabelver- ' legungen Stadt Hersfeld Neu- und Umbau der Kanalisation und Neubau einer Kläranlage im Stadtteil A l l e n d o r f Kanalisation und Oberflächenwiederherstellung der Gemeinde Roßdorf 2470 4125 2100 2720 2550 1600 2228 1056 3600 3200 2300 Aus der Vrovinzialhauplstadi. Don der Bannführung 116 der Hitler-Jugend wird uns berichtet: Schon lange vor 20 Uhr strömten am Sonntag. । historischer Stunde zusammengekommen, um die letzten Reste einer traurigen Vergangenheit, die in | unserem Herzen schon längst gefallen sind, auch Schaufenster sehen dich an. Amtsverkündigungsblatt für die provinzialdirektion Oberheffen und für das Kreisami Gießen < fr a Olur durch die Post zu beziehen. 1933 Us. (>1 Erscheint Dienstag und Freitag. 14. vtvvemvei__ ________ „ --- Inhaltsübersicht: Ausführung des Gesetze» zum gewerbescheinen für das Kalenderjahr 1934. — Aufstellung der Voranschläge der evangelischen Schutze der nationalen Shmbole. - Straßesperre. - Die Ausstellung von, Wander^ Gewerbelegitimativnskarten für Rj. .1934. — Bekämpfung der ^uberkul> h?. Kirchengemeinden für das RechnungSfahr 1934. — Gemeindefinanastatrstit. Siem - nachrichten. ordnet: § 1. Verordnung zur Ausführung des Gesetzes zum Schutze der nationalen Symbole. Vom 31. Oktober 1933. Auf Grund des Gesetzes zum Schutze der nationalen Symbole vom lÄoi 1933 (RGBl. Teil 1 S. 285) wird folgende» ver- Bekanntmachung. Betr.: Straßensperre. Wegen Ausführung von Wasserleitungsarbeitcn wirö d^e Provinzialstraße Garbenteich in Richtung Hausen und Steinbach vom 13. November 1933 für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Steinberg und Steinbach. Die aufgestellten Warnungstafeln sind zu beachten. Gießen, den 9. November 1933. Hessische Provinzialdirektion Oberhessen. Das „Deutschlandlied", das „Horst-Wesiel-Lied, die Lieder Vrüder in Zechen und Gruben", „Volk ans Gewehr , „Die Wacht am Rhein", ,O Deutschland hoch in Ehren", „In München sind viele gefallen", „Blutigrot sind unsere Fahnen und ihre -Wilo- icn dürfen in Gastwirtschaften, Kaffeehäusern und Vergnügung»- i'tätten aller Art nicht gesungen oder gespielt werden. Eine Au»- nahme von diesem Verbot ist nur im Rahmen ernster Beran,tal- tU Dieses ^Verbot gilt ferner auch für Stratzenmusikantcn, Wandergewerbetreibende und dergleichen. § 2. Vorsätzliche ebenso wie fahrlässige Zuwiderhandlungen: gegen die Vorschriften des 81 werden mit Geldstrafe bl» zu^1o0 RT!. oder mit Hast bestraft 8 9 Abs.S des Gesetzes vom 19. Ma. 1933). 8 3. Diese Ver-ordnung tritt mit Wirkung vom 6. November 1933 in Kraft. Darmstadt, den 31. Oktober 1933. Der Hessische Staatsminister. Jung. graphie des Unternehmers, wenn ein Unternehmer nicht vorhanden ist, die eines Mitgliedes. Auf den bei der Stellung der Anträge auf Erteilung von Wan- dcrgcwerbescheinen vorzulegenden Photographien wollen 1 - fort auf der Rückseite die Persönlichkeit vermerken, damit Verwechslungen vermieten werden. Photographien, die von uns bereits in Wandergewerbescheine eingeklebt und abgestempelt waren und die von den Wandergewerbetreibenden wieder abgelöst und zur Wiederverwendung in neue Wandergewerbescheine Ihnen vorgelegt werden, sind unzulässig und daher von Ihnen zurückzugeben. Wir machen darauf aufmerksam, daß die ausgefertigten Wander- gewerbescheinc von uns unmittelbar an die zuständigen Flnanz- äuiter abgegeben und von diesen, nach Verwendung des ge etzlichen Urkundenstempels und nach Regelung der Wandergemerbesteuer- frage, an die Wandergewerbetreibenden ausgehandigt werden. Sie wollen die Wandergewerbetreibenden bei Stellung der Anträge hieraus besonders Hinweisen. Die Wandergewerbcschetue werden demnach nicht mehr am Kreisamt mitgenommen, sondern müsien bei dem Finanzamt abgeholt werden) das persönliche Erscheinen der Antragsteller bei uns ist daher zwecklos. Die Anträge wollen Sie uns unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars baldigst vorlegen und die Photographie des Wandergewerbeschein Nachsuchendcn und, wenn derselbe rm Um herziehen Druckschriften oder Bildwerke fcübtcten will, ein Verzeichnis derselben mit eigenhändiger 'Namensunterschrift. rn zwei Ausfertigungen dem Berichte beischlietzen. In dem Verzeichnis sind die Druckschriften und Bildwerke einzeln aufzufuhren. Will ein Wandergewerbetreibender andere Personen von Ort zu Ort mit sich führen, so hat er dieselben ihrer Zahl nach bei der Landkrankenkasse des Ortes als Mitglieder anzumelden, bei besten Polizeibehörde er den Schein beantragt. Bei der Anmeldung hat der Arbeitgeber die Beiträge für die Zeit bis zum Ablauf des Wandergewerbescheins oder mit Erlaubnis des Kassenvorstandes für kürzere Zeit im voraus zu entrichten Die hierüber ausgestellte Bescheinigung ist gleichfall» dem Antrag auf Erteilung des Wandergewerbescheins betzuschließen. Wandergewerbetreibende, die in diesem Jahre oder früher bereits im Besitze eines Wandergewerbescheins waren, haben diesen bei Entgegennahme des neuen Wandergewerbescheins zuruckzu- aeben Die Rückgabe der ungültigen Wandergewerbescheine liegt im Interesse der Wandergewerbetreibenden selbst, da hierdurch einer mißbräuchlichen Verwendung dieser Scheine vorgebeugt wird Die Wandergewerbetreibenden sind bei Stellung der Anträge noch hierauf besonders hinzuweisen. Betr.: Die Ausstellung von Wandergewerbescheinen für das Kalenderjahr lu34. An das Polizeiamt Gieße« und die Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Kie wollen die Wandergewerbetreibendeu, die den Gewerbebe- tripb in Umberziehen im Jahre 1934 fortzusetzen oder zu beginnen beabsick iaen durch wiederholte ortsübliche gcfttuntma^^ung aitf= snDrn ibre Anträge auf Erteilung des Wandergewerbescheins ßei Sei. fo zeitig zu stellen, daß sie zu Anfang nächsten Jahres im Besitze des erforderlichen Wandergewerbeschein» sein können. Zu der nach der Bekanntmachung des Reichskanzlers, betreffend w zur Gewerbeordnung, vom 4. Marz ^Neicksaesetzblatt S.189) vorgeschriebenen und in die Wander- geweWiL'elnzu-lkbeuden Ph°.°»-a»hic bemerken wir: cvfcninnrnnhi? ,nuß von Visitenkartenformat, unausgezogen, von mt^efte^Wm wenn hi^e^mäXen'öef ®ew«ittei6ei,öen eine wesentliche °°"iigt die Ph°t°. Falls Wandergewerbescheinc nur noch sür das lausende Jahr (bis Ende Dezember 1933) ausgestellt werden sollen, ist dies in den Anträgen ans der ersten Seite oben in der Rubrik besonders anzugeben. Hat der Antragsteller erst im laufenden Jahre seinen Wohnsitz in Ihrer Gemeinde genommen, so ist, sofern nach Lage der Sache die Möglichkeit mißbräuchlicher Verwendung des Wandergewerbe- scheins Glicht ausgeschlossen erscheint, durch Nachfrage bei der Polizeibehörde des früheren Wohnorts festzustellen, ob dem Antragsteller bereits ein Wandergewerbeschein erteilt war. Die Beantwortung der gestellten Fragen ist von Ihnen so einaebend zu vollziehen, daß Rückfragen und damit Verzögerungen in der Ausstellung vermieden werden. Eine Beantwortung wie unbekannt" hat zu unterbleiben, es sind vielmehr die erforderlichen Ermittlungen von Ihnen vorzunehmen. Werner machen wir Sie noch darauf aufmerksam, daß Sie nicht berechtigt sind, Bescheinigungen an die Gewerbetreibenden auszustellen, wonach solchen erlaubt ist, in den Gemeinden zu hausieren usw. (8 69, Ziffer 1 bis 4 GO.). Gießen, den 19. Oktober 1933. Kreisamt Gießen. I.V.: Schmidt. wird der Oeffentlichkeit noch unterbreitet werden. Zu hoffen ist nur, daß nun auch unsere Sparer durch fleißige Einzahlungen den Sparkassen ,ur diese Zwecke neue Mittel zuführen und dadurch ihrerseits dazu beitragen, dem Plan zu einem vollen Erfolg zu verhelfen. Es sind alle Matz- nahmen so getroffen, daß die Sicherheit des neuen Kredits gewährleistet bleibt. Glockengeläuie zum nationalen S eg. Aus Anlaß des großen nationalen Wahlsieges vom Sonntag wurden gestern von 12 bis_ 12.15 Uhr, einer einheitlichen Anordnung für das Reichsgebiet entsprechend, die Glocken gelautet. Auch in unserer Stadt erklang aus diesem Anlaß gestern das feierliche Geläute. Ferner ertönte auch m ber Nacht zum Montag gegen VA Uhr aus dem gleichen freudigen Anlaß feierliches Glockenläuten in unserer Stadt. NSDAP. Kampfbund der deutschen Architekten und Ingenieure: Heute, Dienstag, 20.30 Uhr, Vortrag von Oberbaurat Berck (Bad-Nau- heim) im Cafe Ebel. . Die NS. -Frauenschaft Gießen - Nord hält am heutigen Dienstag, 20.30 Uhr, im Cafe Ebel Zellenabend für die Zellen 1, 2 und 3 ab. Morgen, Mittwoch, 20.30 Uhr, im Cafö Edel Zellenabend der Zellen 4, 5, 6 und 7. Die Turnabende finden wieder regelmäßig jeden Donnerstag von 20.30 bis 22 Uhr im Turnsaal der Schillerschule statt. „ NS. -Frauenschaft Gießen-Sud: Heute, Dienstag, Singstunde der Zellen 1, 2, 3 und 4 im „Graf Zeppelin". Die Fachschaft Post hat am morgigen Mittwoch, 20.30 Uhr, Fachschaftsabend im „Hotel ^Är Bund nationalsozialistischer deutsch e r I u r i st e n, F a ch g r u p p e W i r t s ch a f t s- rechtler, veranstaltet am nächsten Donnerstag, 20.30 Uhr, im „Hotel Viktoria" zu Gießen eine Werbe-Versarnrnlung. Im Mittelpunkt des Abends stehen Berichte vorn Juriftcntag in Leipzig, erstattet ist Volkswirte, Betriebswirte, Wirtschaftsprüfer und Verbandsgeschäftsführer und Wirtschaftsleiter. Es sprechen Dr. Brauns (Darmstadt), Dr. A u - fermann (Darmstadt), Dr. Fetzer (Singen) und Prokurist Bernhard (Darmstadt. Die Schluß- und Werbeansprache hält Dr. rer. pol. Hans Keide 1 aus Michelstadt. 3ef>nfaf)rtenfarten der Stratzenbahn. Die Direktion der städtischen Straßenbahn gibt in unserem heutigen Anzeigenteil bekannt, daß von morgen ab außer den bisherigen Funferkarten zu 65 Pfg. noch Knipskarten mit 10 Fahrten zum Preise von 1,20 Mk. eingeführt werden, die im Stadtgebiet ohne Rücksicht auf die Streckenlänge ferner für die Strecke vom Marktplatz nach Wiescck und umgekehrt gültig sind. Die neue Einrichtung sei der Beachtung und Benutzung durch unsere Mitbürger bestens empfohlen. Arbeitsvermittlung durch nichtgewerbsmäßige Arbeitsnachweise. Das Landesarbeitsamt Hessen teilt mit: Der Präsident der Reichsanstatt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat in einem Rundschreiben an die Landesarbeitsämter und Arbeitsämter darauf hingewiesen, daß die Zusammen- arbeit der Arbeitsämter mit den nichtgewerbs- mäßigen Arbeitsnachweisen außerhalb der Reichsanstatt sich auf der Grundlage der Gleichberechtigung und des gegenseitigen Vertrauens zu voll- ziehen hat. Er hat weiter darauf hingewiesen, daß die Vermittlungseinrichtungen, die den früheren Gewerkschaften gesetzlich zugelassen waren, mit diesen in den neuen Verbänden der Arbeitsfront aufgegangen sind und daher von diesen Verbänden weiterhin unterhalten werden dürfen. Weitere Zusammenschlüsse von Gesangvereinen. Jrn Anschluß an die bereits gemeldete Verschmelzung der Gesangvereine „Liederkranz' und „Heiterkeit" sind — wie man uns mitteilt — inzwischen weitere Verbindungen in Gießen erfolgt: der Gesangverein „Harmonie-Gemütlichkeit mit dem Gesangverein „Concordia" Zum „Eroßschen Männercho?, Chorleiter Musiklehrer Philipp Groß (Wieseck): Vorsitzender Heinrich Klei n h a n s. -Ber» einslokal „Frankfurter Hof". Die Gesangverein« „Frohsinn" und „Quartettuercin haben sich zum „Frohsinn-Qiiartettverein" unter der Leitung von Musiklehrer Friedr. Leib (Gießen) zusammengeschlossen. Vorsitzender Georg Schäfer. Vereins- lokal „Stadt Wetzlar". Die bisher in sieben Ber- Doktor Gmdes Ehe. Onginalroman von 3- Schneider-Zoerstk. 13. Fortjetzung Nachdruck verbalen! Die Kranke horchte auf. „Ein Grund mehr, daß ich rasch nach Hause komme und sie im Auge behalte. Ich lasse ihn nicht zugrunderichten durch Madien. — Ach, Mutter! — Mutter!" Ihre Arme streckten sich hilfesuchend nach der leidgeprüften Frau. „Wie soll ich das Leben weitertragen?" „Es wird alles wieder gut werden, mein Kind", tröstete die Geheimrätin. „Nie wieder!" dachte Christo, legte den Kopf in die Kissen zurück und schloß die Lider. Träne um Träne rieselte darunter hervor. Grudes sonst so stilles, friedliches Heim, in das nur zur Zeit der Sprechstunde Unruhe getragen wurde, glich nun Tag für Tag einem summenden Bienenschwarm. Madien hatte auf einmal über Einsamkeit und Langeweile geklagt und sich Gäste geladen. Zum Mittagstisch zum Tee, zum Abendbrot. Mochte Grude hein..ommen, wann er wollte, seine Frau war immer in Gesellschaft. Eine kunterbunte Gesellschaft. Meist junge Leute aus Film- und Theaterkreisen. Sie drängten sich in den Zimmern und verwandelten sie in eine Art Heerlager. Er fand auf dem Garderobeständer kaum noch ein Plätzchen für seinen Mantel. Das Lachen der Gäste hallte sogar durch die Doppeltür seines Ordinationsraumes, so daß Lena mehr als einmal erschrocken auffuhr und sich verwunderte, mit welcher Ruhe er das ertrug. Er schüttelte nur den Kopf. Zwei- oder dreimal hatte er sich sogar beherrscht und sich an den Tisch gesetzt, an welchem seine Frau ihre Gäste bewirtete. Er kannte die Leute kaum dem Namen nach. Dann empfand er, daß seine Schweigsamkeit eine gewisse Depression schuf und aß für die Folge allein. Nur wenn das Mädchen meldete, die gnädige Frau habe keinen Besuch, kam er in das Speisezimmer und nahm seine Mahlzeiten mit ihr ein. Sie war dann sehr ungnädig und verdarb ihm d< Appetit mit Sticheleien. „Den ganzen Tag läßt l mich allein. Und wenn ich mir Freunde lade, ist । dir auch nicht recht. Für jeden bist du da. Aber i bin ja nur deine Frau, nicht wahr!" Er war zu müde, sich mit ihr in ein Wortgeplänk einzulassen. Er haßte allen Streit. Aber sie ließ nie locker und quälte ihn mit Borwürfen, wie verlass« sie sei. „Da hast ja immer Gäste um dich", wehrte apathisch, erhob sich und ging nach seinem Sprel zimmer. Zur Bereitung vorn Zwangsversteigerung 37/33 Am Freitag, dem 8. Dezember 1933, vor- mittags 10 Uhr, wird im Amtsgerichts- flebäuhe zu Gießen, Zimmer 112, das im Grundbuche von Gießen dem Kaufmann Theodor Oppenheimer in Gießen zugeschriebene Anwesen Neustadt l Flur 1, Jlr. 948 = 731 qm hofreite, geschätzt 28 310 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. 6946V Gießen, den 10. November 1933. 2- A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Heil 3; Küche mit Ei l.De' miet. 57 RS. Angel an de Möt zu ve -V ist was Schönes. Ueberall, wo so eine M< menge beieinander sitzt, tanzt, singt odf da ist es lustig und alles guter Laune, nun ja. wenn eben auch alles recht gi !sl> z- U. m der Kirche, im Versammlur ln der \\ irtschaft, im Laden, einfach ub viele Menschen in einem Raume fried einträchtig nebeneinander sind, da ist '?111 ter die Wärme der einzige Punkt, sich alles dreht. Davon hängt der Er Deren tiir so große Räume müssen sch hervorragende Wärmespender sein, und d weit im \ ordergrund die allbekannten Oranier Großraum Oefen.^ Die Kerle sollten ! brennen sehen. So ein Oranier bringt « tausend Menschen in beste Laune. Dabe er aber sehr wenig an Brennstoff ein. Er gar nicht mehr, weil er oben praktisch ist. ALo em sparsamer Ofen unter dei Wie eigens dazu entworfen, fügt > eh sei in jeden größeren Raum wunderbahr Besitzer eines Oranier-Gi oßraum-Ofens st im Ansehen.--Und Ihr nächster S natüi lieh zum Oranier mit seinen g Preisen. Bitte um zwanglose Besichtigu J. B. Häuser • Giei Am Oswaldsgarten **mä Ruf Nr. 2 Denn er früher eine schwere Operation vor oder hinter sich hatte, war Lena immer darauf bedacht gewesen, daß alles um ihn voll Ruhe und Frieden war. Sie hatte die Rolläden des Schlafzimmers herabgelassen und die Klingel im Flur nach ihrem Zimmer umgestellt, damit er nicht gestört wurde, wenn es nicht dringend notwendig war. Nun aber ging es rücksichtslos treppauf, treppab, Tür auf und zu. Und wenn Madien schlechter Laune war, krachten sie nur so in die Schlosser. Grude fand kaum mehr eine Stunde ruhigen Schlafes und schrak schon auf, wenn nur das Telephon surrte. Zum erstenmal war es ihm gestern passiert, daß chm bei einer schweren Darmoperation die Hand unsicher geworden war. Das durfte nie wieder vor- kommen. ,Zch werde nervös, Lena! Können Sie mir ein bißchen Ruhe verschaffen?" Er zeigte auf die Chaiselongue in feinem Sprechzimmer. Als er sich nach einer Weile vom Schreibtisch erhob, hatte sie bereits Kiffen und Decken zurecht- gelegt. „Ich werde alt, Lena! Finden Sie nicht auch? --Nein? — Sie sind sehr rücksichtsvoll, Lena! Wißen Sie vielleicht, woher ich einen Chauffeur nehmen könnte?" Verwundert blickte sie zu ihm auf. In seinem Gesichte stand ein verlegenes Lächeln. ,Zch wäre heute beinahe dem Auto des Polizeipräsidenten in die Flanke gefahren. Er hat mir nur mit dem Finger gedroht. Das nächste Mal werde ich ausgeschrieben." Sie erhob sich und stand nun im Schattenkegel der grünbeschirmten Schreibtischlampe. So konnte er nicht sehen, wie sehr ihr Gesicht vor Schrecken erblaßt war. „Soll ich eine Annonce aufgeben, Herr Doktor?" „Eine Annonce?" Er war mit seinen Gedanken schon wieder weit fort gewesen. „Wegen eines Chauffeurs." „Ach, ja!--Ich weiß aber doch nicht, Lena —" „Oh, bitte!" drängte sie. „Das bedeutet sicher eine große Entlastung für Sie, Herr Doktor. Und dem Wogen wird es auch gut tun." Er streckte sich auf dem Diwan aus und hatte eine Spur der Schelmerei im Auge, die sie früher so sehr an ihm erfreut hatte. „Also dem Wagen zuliebe", sagte er lächelnd. Aber er muß ein sicherer Fahrer Im Flur wurde Lena von Madien abgefangen. Aus dem Herrenzimmer kam das Kreischen eines Lautsprechers und das Lachen von einem halben Dutzend angeheiterter Menschen. „Wo ist mein Mann?" .Herr Doktor sind eben weggefahren." ,Lch hörte ihn aber gerade noch mit Ihnen sprechen." „Dor ein paar Minuten, ja. Er wurde rasch zu einer Operation gerufen." „Gott, wie ärgerlich! Immer, wenn ich ihn brauche, ist er nicht da." Sie schlüpfte wieder ins Zimmer zurück und ließ die Tür heftig ins Schloß fallen. Lena war empört So weit war es also schon, daß man ihn verleugnen mußte, wenn er einer Stunde ungestörter Ruhe bedurfte. Sie halle vergessen, das Telephon nach ihrem Zimmer umzuschalten und schlich sich noch einmal in das Sprechzimmer hinein. In rastloser Verblüffung starrte sie nach Grude, der vor dem Instrumentenschrank stand und eben eine Spritze aus seinem Oberarm zog. Er fühlte sich gleichfalls betroffen und bekam ein hilfloses Lächeln um den Mund. „Ich konnte absolut nicht einschlafen, Lena." Sie drückte die Tür leise hinter sich zu und kam zu ihm herüber. Gegen die Wand gelehnt, flehte sie: „Tun Sie es um Gotteswillen nicht wieder, Herr Doktor!" Er schüttelte den Kopf und wandte den Blick von ihr ab. Sie nahm die Spritze an sich und legte sie mit spitzen Fingern in die Vitrine zurück. „Sie müssen unbedingt das Licht löschen, Herr Doktor. Ich habe der gnädigen Frau gesagt, daß Sie weggefahren sind." „Sie sind sehr gut." Einen Augenblick zögerte er, dann nahm er ihre schmale Linke hoch und legte seine Stirn dagegen. „Sie müssen sich mehr Ruhe gönnen", beschwor ihn Lena. „Sie sind zuviel in Anspruch genommen gewesen in letzter Zeit." „Und es reicht trotzdem nicht", wehrte er müde. „Haben Sie in den Büchern nachgesehen?--Wir haben Schulden." „Kaum von Belang! — Bille, schlafen Sie jetzt, Herr Doktor!" letztere. Dien konnte endlos sein, wenn man Elle halle. Dick Montrey war eben noch Hause gekommen und hatte es sich bequem gemacht, als ihm ein Klopfen wieder vorn Stuhle aufjpringen ließ. .Lena Sie?" fragte er und nahm schnell seinen Rock vom Tisch. Es war nicht eben feudal bei ihm. „Ist etwas passiert?" war die nächste Frage. „Noch nicht, Herr Hauptmann!--“ Mit hasten- den Worten berichtete sie. Er saß ihr gegenüber und hiell das Kinn trotzig vorgeschoben. „Also, einen Chauffeur braucht der Felix?" -Ja! — Ich bitte Sie recht herzlich darum, Herr Hauptmann." Er zog ihre gefalteten Hände herab und sah sie kopfichuiiclnd an. „Das geht doch net, Fräul'n Lcna! '©eljn’s denn das net em? Ich kann doch net mit meinem Brotherrn auf du und du stehn. Das wäre ja g lacht." „Das ist doch völlig nebensächlich." „Nebensächlich? So! Bille schon! Und wann ich dann den Wag'n putzen will und was halt sonst noch alles zu dem G schäft gehört, bann ist der Felir der erste, der das nicht duldet." „Sie werden Ihren Wagen bestimmt putzen dürfen, Herr Hauptmann." Und als er noch immer ein ab- weisendes Gesicht machte, legte sie die Stirn auf den Tisch und weinte lautlos. „Ja, aber Fräul'n Lena! Bitt schon, wann's denn in Gottes Namen gar net anders geht, dann komm ich halt." „Bor einer halben Stunde", sie hob die Stirne und beherrschte sich so weit, sprechen zu können, „habe ich ihn überrascht, wie er sich Morphium ein- spritzte" und, Montreys Erschrecken gewahrend, ge stand sie: ,Lch vermute, daß es nicht das erstemal gewesen ist." „Iesias, na! Morphium! Selber hab ich's ja noch net probiert — oder ja — ein einzigs Mal. Eher aus lieb er mut. Aber da ist mir so schlecht darauf word'n. Zwei Tag lang hab ich mich nimmer auskennt, vor lauter Uebelfein." „Bei Ihnen hat es eben anders gewirkt, Herr Hauptmann. — Sie kommen also?" „Ja, freilich! — Und ich mach meine Aug'n schon auf, Fräul'n Lena. Da oürf'ns Gift drauf nehmen. Und der Madien, der muck ich was Grad schaun Betr.: Gewerbelegitimationskarten für Kj. 1934. An das Polizeiamt Gießen und die Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Wer nach §44 der Gewerbeordnung Warenbestellungen aufsucht oder Waren ankauft, bedarf hierzu einer Legitimationskarte, welche nad) § 44a der Gewerbeordnung für die Dauer des Kalenderjahres erteilt wird. Sie wollen die Interessenten, welche ihren Geschäftsbetrieb im Jahre 1934 fortzusetzen oder zu beginnen beabsichtigen, durch wiederholte ortsübliche Bekauutmachung auffordern, ihre Anträge auf Erteilung der Legitimationskarte bei Ihnen so zeitig zu stellen, daß sie zu Anfang des nächsten Jahres im Besitz der erforderlichen Legitimationskarten sein tbnnen. Die Anträge wollen Sie uns unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars baldigst vorlegen. * Zur Erstattung deS Berichts ist die Bürgermeisterei des Nicder- lasiungSortcs der Firma zuständig, in Gießen däs Polizeiamt. Ferner ist bestimmt morden, daß in die Legitimationskarten ein Lichtbild des Inhabers einzukleben ist. Es sind nur unaufgezogene Lichtbilder zuzulassen, die eine Kopfgröße von mindestens 1,9 cm haben, ähnlich, gut erkennbar, unabgeftcmpelt und in der Ziegel nicht älter als fünf Jahre sind. Aus der Rückseite des Bildes ist die Persönlichkeit sofort genau zu vermerken, damit Berwechs- lungen vermieden werden. Lichtbilder, die bereits in Legitima tionSkartcn oder dergleichen eingeklcbt und abgestempelt waren und zur Wiederverwendung in der neuen Legitimationskarte Ihnen vorgclegt werden, sind unzulässig und daher von Ihnen zurück- zugeben. Der Gewerbeschein der Firma oder des Gewerbetreibenden ist gleichfalls miteinzusenüen. Dabei wird nod) ausdrücklich daraus hingewiesen, daß allein die Anmeldung des Gewerbes beim Finanzamt nicht genügt, um chic Legitimationskarte zu erhalten. Der Antragsteller muß auch tat- sächlid) ein stehendes Gewerbe mit'einer gewerblichen Niederlassung betreiben. Ferner darf daS Aufkäufen von Waren und das Auf- suchen von Bestellungen ohne vorgängige Bestellung nur bei Kaufleuten oder solchen Personen erfolgen, die die Waren produzieren, oder in dem Geschäftsbetriebe Waren der angebotenen Art 93er wendung finden. Bei Entgegennahme der Anträge wollen Sie genau hierauf achten und die Antragsteller entsprechend belehren. Zur Berechnung des zu erhebenden Stempels ist in den Berichten von Ihnen nod) anzugeben, ob das Geschäft des Antrag stellers einen großen, mittleren oder kleinen Umfang hat. Zur Vermeidung unnötiger Rückfragen und im Interesse der raschen Erledigung der Anträge machen wir Ihnen die genaueste Beaditung der im Vorstehenden gegebenen Anweisungen zur Pflicht Gießen, den 19. Oktober 1933. Kreisamt Gießen. I.V.: Schmidt. Bekauutmachung. Betr.: Bekämpfung der Tuberkulose. Die Sprechstunden der Fürsorgestelle für Lungenkranke in der Medizinischen Poliklinik finden für die Besucher ans den Landgemeinden des Kreises Gießen jeden Montag nadimittag von I bis 5 Uhr statt. Lungenkranke und Krankheitsgefährbete, die in ärztlicher Behandlung sind, bedürfen einer Ueberweisung des Arztes in die Lnngenfüriorgestelle. Unbemittelte werden unentgeltlich beraten. Gießen, den 6. November 1933. Kreisamt Gießen fKreisfürsorgeamU. I.V.: I)r. Krüger. Betr.: Wie oben. An die Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Wir empfehlen Ihnen, Vorstehendes ortsüblid) bekanntzu machen, Interessenten entsprechend zu bedeuten und Unbemittelten eine entsprechende Bescheinigung auszustellen. Gießen, den 6. November 1938. Kreisamt Gießen lKreiSfürsorgeamt). I.V.: Dr. Krüger. 93etr.: Die Ausstellung der Voranschläge der evangelischen Kirchen gemeinöen für das Rechnungsjahr 1934. An die cvang. Uirchcnvorstäudc des Kreises. Unter Hinweis auf das Ausschreiben des Landeskirchenamts vom 23. Oktober 1933, Nr. 65 iVerordnnngsblatt Nr. 29 vom 3. November 1933) beauftragen wir Sie, sofern nod) nicht ge schehen, die Voranschlagsarbeiten sofort in Angriff zu nehmen und so zu fördern, daß die Einsendung der Vorauichläge bis 15. Dezember 1933 an uns erfolgen kann. Im Interesse eines ge ordneten Rechnungswesens ist der größte Wert darauf zu legen, daß der gesetzte Termin pünktlich eingehalten wird. Gießen, den 9. November 1938. Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Krüger. Bekanntmachung. Betr.: Gemeindefinanzstatistik) hier: Ausweis über die Einnah men und Ausgaben des Kreises Gießen im ersten Halb jahr des Rj. 1933. Der gemäß §13 Abf. 2 der Verordnung über die Finanzstatistik vom 28. Februar 1931 (RGBl. I, S. 32^ zu veröffentlichende Halb jahresausweis über die Einnahmen und Ausgaben des Kreises Gießen im ersten Halbjahr 1933 Rj. liegt in der Zeit vom Mitt woch, dem 15., bis Dienstag, den 21. November 1933, während der Dienststunden auf dem Kreisamt lZimmer 6) zu jedermanns Ein sicht offen. .Gießen, den 9. November 1933. Kreisamt Gießen. I.B.: Grein. Dieustnachrichteu des Kreisamto. Tie Ministerialabtetlung Ib, Innere Verwaltung des Hessi schen Ttaatsministeriums, hat genehmigt: Die Vertriebszeit der Mitteldeutschen Geld- und Pferdelotterie zur Förderung der deutschen Pferdezucht zugunsten deS Renn Vereins für Mitteldeutschland in Gotha für 1934. Franz Hennecken zu Gießeu, Marburger Straße 66, wurde als Ersatzmitglied des Wiesenvorstandes für die Gemarkung Gießen bestellt und verpflichtet. Druck der Drühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei, X. Lange. Gießen