Nr. 29? Erstes Blatt 183. Jahrgang Mittwoch, 13. Dezember 1933 Erschein» lägtid), autza Sonntags und feiertags Beilagen Die JOultrierte ©iepenei JJamtlienblättci tzeimaiimBild DieöchoN» Monats vezugrprets Mi' 4 ‘Beilagen NM 1 95 Ohne Illustrierte , I 80 Zustellgedühi , -.25 Auch bei Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt HernsvrechanschlUste unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten Anzeiger Siesten poftfchecktomo. fironffurt am ülain 11686 GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drud und Verlag: vrühl'sche UnioersttSt§-vuch- und Steinöruderei R. Lange in Gießen. 8christleitung und Geschäftsstelle: ZchnMaße 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe fü* Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- klameanzeigen oon 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20° „ mehr. Chefredakteur Dr Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil L D.TH.Kümmel sämtlich in Biegen. Oie Entwurzelten. Eines vermißt man in diesen Tagen, da es zum ersten Mal seit 18 Jahren wiederum Weihnachten cls wahres Friedensfest zu feiern gilt und da da? deutsche Volk eine Einheit der Seelen und Herzen erreicht hat, die wie ein himmlisches Wunder erscheint. Eines vermißt man: daß in den Grenzorten im Osten und Westen die Männer erscheinen, die einstmals Führer der deutschen Arbeiterschaft oder auch Regierende im deutschen Staate waren, die dann geflüchtet sind, weil sie Glaubten, im neuen Deutschland nicht leben zu tonnen und die heute, wenn sie wirkliche Kerle wären und es ehrlich meinten mit ihrer so oft gerühmten Liebe zum deutschen Volk, also sprechen müßten: „Wir haben schwer geirrt und haben auch schwer gesündigt. Aber wir uns überzeugt, daß unser ganzer Kampf einem Wahngebilde galt und mir f i n o bereit, alles wieder gut« 3 u m a d) e n. Wir nehmen jede Strafe auf uns, die gegen uns verfügt werden wird, denn w i r können ohne Heimat nicht leben und mir wollen in bie Volksgemeinschaft der wir mit allen guten und schlechten Eigenschaften entsprossen sind, zurück, auch wenn der Weg dazu durch ein Sammellager führt!" Nicht einer aber von denen, die über die Grenze gegangen sind, lenkt seine Schritte der Heimat zu und spricht diese Worte. Dies beweist en minderen menschlichen Rang dieser sogenannten Führer. Da das nationale Erwachen nicht auf Deutschland beschränkt geblieben ist, so trifft sie Verachtung überall dort, wo sie sich zu Fremdenlegio- nären gegen ihr Vaterland erniedrigen. Die gleichen Bekundungen des wurzellosen Intellekts ober des marxistischen Klassenkampfes, um derentwillen bie Emigranten die Heimat verlassen mußten, führen nun dazu, daß auch im Auslande mehr und mehr die Blicke für die tiefen Hintergründe der deutschen Revolution geöffnet werden. In Paris brach dieser Tage das Publikum einer Bühne in den Ruf „Heil Hitler!" aus, als dort die frivolen Ferkeleien eines deutschen Emigranten ausgeführt wurden. Und so ist es überall. Der gesund und national empfindende Franzose toirb es niemals verstehen, daß man feine Heimat sHmäht. Es mehren sich bie französischen Stimmen, die eine Ausweisung der Emigranten fordern. Der Pariser Polizeipräfekt hat jetzt noch ein llebriges getan und diesen sauberen Herrschaften bie politische Betätigung überhaupt verboten. In Holland ist das Entstehen einer scharf nationalen Bewegung mit antimarxistischen Vorzeichen ganz allein auf das Geboren und die Hetze der Emigranten zurückzusüh- ren. In England, in der Tschechoslowakei, selbst in dem Wien des Herrn Dollfuß, hat man Angst bekommen vor der mehr als anrüchigen Bundesgenossenschaft jener Herren, die mit gefüllten Taschen üfcer die Grenze gingen, als das deutsche Volk zu sich selber zurückfand. Niemand will bie Emigranten Hoden, das Neueste, ihre geplante Ansiedlung in Südamerika, wird von den südamerikanischen Staaten mit äußerster Entrüstung zurückgewiesen. Einzig und allein dort aber, wo augenblicklich mit Bombe und Handgranate, also durch den Ein- svtz des Lebens, für den Sieg des Klassenkampfes und des Marxismus gestritten wirb, nämlich in Spanien, ist n i ch t einer dieser Helden zu fiTben. Dafür aber wird jetzt bekannt, zu welch verbrecherischen Entschlüssen sich die nach Frankreich !eilüd)teten Emigranten bereitgefunden haben. Zwi- chen dem 21. und 26. August 1933 tagte in Paris er erfte Internationale Sozialisten- kvngreß. Don deutscher Seite nahmen an diesem unter dem Vorsitz des österreichischen Marxisten Bauer tagenden Kongreß teil: der frühere sozialdemokratische Parteioorsitzenbe Wels, Herr Sch e i b e m an n , ber marxistische Außenpolitiker Rudi Bre itscheid sowie ber frühere Reichs- bonnerführer Höltermann. Sie können es nicht vergessen, daß sie bie Berliner Fleischtöpfe Hals über Kopf verlassen haben und müssen nun irgendwo in der Fremde, nachdem die finanziellen Reserven aufgebraucht sind, vielleicht eine Hungerleiderexistenz führen. Sie haben Rachepläne geschmiedet und die moralische Unterstützung ber übrigen sozialistischen Parteien aufgerufen, bamit ihnen von bort Hilfe wird. In edlem Wettbewerb befürworten sie den Boykott, bie Transportsperre, dis Agitation bei ben Parlamenten der fremden Mächte, damit nur alles gegen Deutschlands Gleichberechtigung geschieht, ja, der ehemalige Reichs- bennergeneral Hörsing geht sogar so weit, daß (i die Aufstellung bewaffneter Formationen ins Auge faßt, an deren Spitze er bann in Deutschland einmarschieren will. Dazu natürlich Rund- funfblotfabe, Greuelmärchen und was sonst noch in dürfe Giftküche hineingehört. Daß aber Herr Breit- fdieib, der selbst einmal ber Ehrgeiz hatte, beutscher Außenminister zu werden, sich soweit vergißt, jetzt hi? Hungerblockade gegen deutsche Frauen und Dnder öffentlich zu propagieren, daß dieselben Herren, bie alle Greuel und Schrecken ber Be> sagungszeit unb ber Ruhrbesetzung miterlebt haben, non mit dem Gebanken einer kriegerischen (Eroberung Deutschlands spielen, das ist das Ungeheuerlichste, was wir von Menschen erleben können, die sich einst selbst Deutsche nannten. Denn sie wissen, bah diese Waffen sich auch gegen die deutschen Frauen und Kinder, daß sie sich gegen die deutschen Arbeiter richten und Hunderttausenden Tod und Untergang bedeuten. Für diese ruchlose Hetze trifft -Häuf das Wort aus Adolf Hitlers Buch „Mein >impf" Zu: „So wenig die Hyäne vom Aase läßt, >'» wenig läßt ber Marrist vom Landesverrat!" Erheiternd wirken allerdings bie Vrophezeihunaen her Herren Wels unb Konsorten. Damals, als die lOjenbe Augustsonne üben Paris lag und die Ge- girne etwas zum Einschrumpfen brachte, sagten Paul-Boncour sucht Rückendeckung für eine Fortsetzung des Gesprächs mit Deutschland. Der Außenminister berichtet im Kabinett. Warnung vor zersetzender Polemik. Paris, 12. Dez. (III.) Außenminister Paul- B o n c o u r erstattete am Dienstag dem Minist e r r a 1, der unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik zusammengetreten war, einen umfassenden Bericht über die auf diplomatischem Wege mit Deutschland gepflogenen Unterhandlungen, sowie über den Meinungsaustausch mit anderen Ländern, der diese Unterredungen begleitet hat Aus der amtlichen Mitteilung über den Ministerrat geht hervor, daß noch kein Beschluß gefaßt worden ist, sondern daß erst der nächste Ministerrat über die auf dem eingangs erwähnten Wege ermittelten Informationen beraten wird. Gegen die vielfältigen Kombinationen der französischen Presse über den gestrigen Besuch des französischen Botschafters beim Reichskanzler wendet sich eine Erklärung von zuständiger Seite, die den informatorischen Charakter dieser wie der Pariser Besprechung paul-Voncours mit Bot- schafter Koster betont. Auch bie befreundeten Regierungen mühten befragt werden, um, wie es heißt, die notwendige Atmosphäre für Verhandlungen zu schaffen. Ein Teil der Presse spricht deshalb von deutsch-französischen Vorverhandlungen, deren weitere Verfolgung der Entscheidung einer neuen Beratung des französischen Kabinetts Vorbehalten bleibe. Gegen die Darstellung verschiedener Blätter, daß Botschafter Franxois Poncet bereits gestern gewisse grundsätzliche Vorbehalte gegenüber den deutschen Wünschen in der Rüstungsfrage gemacht, ober sogar ein kategorisches Rein ausgesprochen habe, wendet sich nachdrücklich Fernand de Brinon in der „Information". Ls fei eine schlechte, ja unverantwortliche Politik, schon jetzt mit beffimmlen 3 i f f e r n ; u jonglieren und dadurch eine Polemik zu entfachen. Die französische Regierung habe erst heute zu dem Fragenkomplex Stellung nehmen können. Lin Blatt behauptet, daß das heutige Expose Paul- Boncours im Ministerrat zu einer lebhaften Auseinandersetzung und sogar zu Meinungsverschiedenheiten geführt habe. Line Reihe von Blättern meldet, daß dem Obersten Kriegsrat die Rüstungsfragen zur näheren Prüfung unterbreitet werden sollen, bevor die französische Regierung endgültig dazu Stellung nehme. Das Rüstungsproblem. Der Oberste Kriegsrat wird einberufen. Tardieu int Hintergrund. Paris, 13. Dez. (ERB.-Funkspruch) Die französische Regierung hat die Atempause zwischen der Verabschiedung der Steuergesetze unb ben parlamentarischen Kämpfen um das Budget dazu benutzt, um sich in einem M i nisterat mit ber außenpolitischen Loge zu beschäftigen. Paul-Bon- c o u r berichtete über ben Stand ber beutsch-fran- zösischen Besprechungen. Es kam ihm, wie ein sozialistisches Blatt melbet, darauf an, die Ansicht ber brei Militärmini st er, bes Kriegsminister Dalabier, bes Marineministers Sarraut unb des Luftfahrtministers C o t kennen zu lernen. Offenbar gingen bie Meinungen weit auseinander; auf Vorschlag bes Ministerpräsibenten würbe eine gemeinsame Besprechung ber genannten drei M i n i st e r mit Paul-Boncour beschlossen, um ben Stanb ber Verhandlungen mit Deutschland zu prüfen unb nächste Woche im Ministerrat bie Stellungnahme ber einzelnen Persönlichkeiten zu diesen Problemen bekanntzugeben. Paul-Boncour ist jedenfalls bedacht, sich für jeden seiner außenpolitischen Schritte Rückendeckung bei den militärischen Stellen zu verschaffen. Das erklärt auch bie angekünbigte Einberufung bes Ober ft en Kriegsrates unb bes Rates ber nationalen Verteibigung. Die Frage ber Vermehrung der deutschen Streitkräfte etwa auf die Stärke eines Rekrutenjahrganges, der durchschnittlich 300 000 Mann betragen würde, wird in Frankreich auch vom innerpoiitifdjcn Standpunkt lebhaft erörtert. Der Generalstab und die Oppositionsgruppen, an ihrer Spitze Tardieu, lassen heute in der Presse den Gedanken zur Erörterung stellen, was Frankreich tun würde, wenn der deutsche Standunkt von den Mächten angenommen würbe, unb Frankreich gezwungen wäre, die z w e i- jährige Dien st zeit wieber einzuführen, um seine Ueberlegenheit zu wahren. Andere Blätter weisen demgegenüber darauf hin, baß Frankreich mit seinen 400 000 Mann unb seinem Vorsprung in den Rüstungen a u f alle Fälle eine gewisse Ueberlegenheit gegenüber Deutschland behalten würbe, wenn auch der Spielraum kleiner würbe. Ueber ben Fortgang ber diplomatischen Verhandlungen liegen zwei Projekte in der Luft, bie für ben Gegensatz zwischen ber englischen unb ber französischen Taktik charakteristisch sind: der englische Plan einer Einberufung der S i g- natarmächte des Viererpaktes unb bie in ber französischen Presse heute enthaltene Anregung einer Zusammenkunft bes französischen Ministerpräsidenten mit dem englischen Premiermini st er. Der italienische Besuch in Berlin. Suvich bei den Aeichsininistern Äeuraih und Goebbels. Berlin, 12. Dez. (TU.) Der italienische Staatssekretär Suvich stattete heute um 11 Uhr dem Reichsaußenminister Freiherrn v. Neurath einen Besuch im Auswärtigen Amt ab unb besuchte kurz barauf auch ben Staatssekretär bes Auswärtigen Amtes, v. Bülow. Heute mittag fand in ber italienischen Botschaft ein Frühstück in kleinem I U Staatssekretär Suvich und Staatssekretär Bulow auf der Fahrt vom Bahnhof zum Hotel. Kreise statt. Am Nachmittag nahm Staatssekretär Suvich an ber Eröffnung bes Reichstags teil. Für ben späteren Nachmittag waren Besuche beim preußischen Ministerpräsidenten Göring, beim Vizekanzler o. Papen unb bei Reichsminister Dr. Goebbels vorgesehen, wobei eine längere Aussprache über bie aktuellen Probleme ber internationalen Politik unb bie deutsche Kulturpolitik im besonderen stattfand. Staatssekretär Suvich interessierte sich lebhaft für ben Aufbau und die Arbeit bes Propagandaministeriums und besonders für die Reichskulturkammer, in ber bie ständische Organisation aller geistig schaffenden Deutschen durchgeführt unb im Reichspropaganbaministerium in ber Spitze verankert ist. Am Mittwochvormittag finbet eine Aubienz beim Reichspräsidenten unb im Anschluß baran ein Empfang du r ch ben Reichskanzler statt. Am Mittwochnachmittag besucht Staatssekretär Suvich bas Fascio Jtaliano Am Abenb gibt ber preußische Ministerpräsibent G ö - ring ein Essen zu Ehren bes Staatssekretärs. Am Donnerstag wirb Staatssekretär Suvich an einem Ausflug in bie Schorfheide teilnehmen. In Hubertusstock finbet ein kleines Frühstück statt. Am Donnerstagabend gibt bie italienische Botschaft ein Esfen. In ber Nacht zum 15. Dezember wirb Staatssekretär Suvich nach Köln Weiterreisen. Ein Essen des Anßenminisiers zu Ehren Guvichs. Berlin, 12. Dez. (TU.) Dienstag abenb gaben ber Reichsminister bes Aeußern unb Freifrau von Neurath bem italienischen Staatssekretär Exzellenz Suvich ein Essen im Hotel Kaiserhof, an bem etwa 80 Personen teilnahmen. Im Verlause bes Essens gedachte Freiherr von Neurath ber herzlichen Verbundenheit ber beiden Länder unb wies auf feine langjährigen freundschaftlichen Beziehungen mit bem italienischen Staatschef Ministerpräsibent Mussolini hin. Reichs- außenminifter Freiherr oon Neurath leerte sein Glas auf bas Wohl Seiner Majestät bes Königs. Exzellenz Suvich bankte für den freundlichen Empfang mit ebenso herzlichen Worten, wobei er seiner Zuversicht Ausdruck gab, daß fein Besuch in Deutschland für die Beziehungen beider Länder oon großem Nutzen sein würde. Er trank auf das Wohl des Herrn Reichspräsidenten und des Herrn Reichskanzlers, sowie des gesamten deutschen Volkes. Unter den Erschienenen sah man den italienischen Botschafter Cerrutti mit seiner Gattin, sowie die Herren und Damen der italienischen Botschaft, ferner Vizekanzler von Papen, die Reichsmini- ster Dr. Frick und Dr. Goebbels mit ihren Damen, ben Preußischen Ministerpräsibenten G ö - ring, ben Reichsminister unb Stellvertreter bes Führers, Heß, ben Staatsminister Dr. Frank, bie Staatssekretäre Dr. Meißner, Funk, Milch, Feber mit ihren Damen, den Oberpräsidenten Prinz zu Hessen, Oberbürgermeister Dr. S a h m , Reichsstatthalter Ritter oon Epp, Polizeipräsident von Levetzow, sowie Vizeadmiral Freiherr oon Freyburg mit Gat- tin, Reichsführer ber SS., Himmler, Stabsleiter ber PO, Staatsrat Dr. Ley, Generalleutnant Beck, Reichsleiter Alfreb Rosenberg u. a. nämlich Wels, Breitscheib unb Höltermann für ben Winter ein gewaltiges Anschwellen ber Arbeitslosigkeit unb ben Zusammenbruch ber nationalsozialistischen Regierung gegen Weihnachten voraus. Nun, es geht auf Weihnachten zu: bie Arbeitslosigkeit sinkt trotz bes Winters, unb bie deutsche Arbeiterschaft steht in erhebender Geschlossenheit hinter Adolf Hitler! Die marxistischen Landesverräter aber werden nicht mehr die Heimat wiedersehen, sie werden von Stufe zu Stufe sinken. Die letzte Möglichkeit, durch reumütige Heimkehr alles wieder gutzumachen, ist verpaßt. Geächtet von ihrem eigenen Volke und verachtet vom Ausland, so werden sie der Welt das peinliche Schauspiel bieten, wie tief Menschen verkommen können, wenn sie nicht mehr im Boden ihrer Heimat wurzeln. Kostenlose Hechisbetrenung der unbemittelten Volksgenossen. Berlin, 12. Dez. (CNB.) Wie die NSK. meldet, haben die in ber Berufsgruppe „Rechtsanwälte" des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen zusammengefaßten Rechtsanwälte ihre Bereitschaft erklärt, die Rechtsbetreuung für alle unbemittelten deutschen Dolk s g e n o s s e n zu übernehmen. Die deutsche Anwaltschaft sehe ihre vornehmste Aufgabe darin, Rechtsberaterin des gesamten deutschen Bottes zu sein, unb werde deshalb ihre Tätigkeit auf alle Rechtsgebiete erstrecken. Die Rechtsabteilung — Reichsleitung der NSDAP. — begrüßt diese die zahllosen mit mehr ober minder sachverständigen Beratern besetzten „Rechtsstellen" der verschiedenen Verbände überflüssig machende wahrhaft sozialistische Tat der deutschen Anwaltschaft. Abkürzung der Wartezetten in ber Arbeitslosenversicherung. Berlin, 12. Dez. (WTB.) Der Reichsarbeitsminister hat durch Verordnung die Wartezeiten in der Arbeitslosenversicherung erheblich abgekürzt. Diese beträgt nunmehr: 1. 14 Tage bei Arbeitslosen ohne zuschlagsberechtigte Angehörige (bisher 21 Tage), 2. sieben Tage bei Arbeitslosen mit einem, zwei ober drei zuschlagsberechtigten Angehörigen (bisher 14 Tage), 3. drei Tage bei Arbeitslosen mit vier ober mehr zuschlagsberechtigten Angehörigen (bisher sieben Tage). Ferner mußte nach den bisherigen Vorschriften jedesmal eine neue Wartezeit zurückgelegt werden, wenn die Zwifchenbeschäftigung sechs zusammenhängende Wochen gedauert hatte. In Zukunft wird die einmal zurückgelegte Wartezeit auch dann noch angerechnet, wenn die Zwischenbeschäftigung nicht länger als 13 Wochen gedauert hat. Auch den Notstand sarbeitem, die bekanntlich in der Regel 13 Wochen lang beschäftigt werden, wird also in Zukunft eine neue Wartezeit erspart. Die im A r b e i t s d i e n st geleistete Arbeit wird durch die neue Verordnung besonders anerkannt. Die neue Verordnung bestimmt, daß im Anschluß an eine- mindestens sechsmonatige Beschäftigung im Freiwilligen Arbeitsdienst keine Wartezeit in ber Arbeitslosenversicherung zurückzulegen ist. Die neue Verordnung tritt am 18. Dezember 1933 in Kraft. Großzügiges Arbeiisbeschaffungs» Programm der Gas-Elektro-^roni. Berlin, 12. Dez. (WTB.) Das Arbeitsbesck-af- fungsprogramm ber Reichsregierung erfährt durch einen großzügigen Arbeitsplan des Jnstal- laten r gern erbe s einen erneuten Auftrieb. Das Ergebnis der Verhandlungen des Reichsverbandes der Klempner und Installateure mit der Gaszentrale Deutschlands liegt jetzt in einem Plane vor, der sich über drei Jahre erstreckt und Z u s a tz a u f t r ä g e in Höhe von 600 Millionen Reichsmark vorsieht. Heimkehr in ein neues Deutschland. Oer Führer begrüßt den von einer einjährigen Weltreise zurückgekommenen Kreuzer „Köln". Wilhelmshaven. 12. Dex. (WTB.) Dem heutigen festlichen Empfang des Kreuzers ö I n”, der von feiner ersten Weltreise zurückgekehrt ist. kommt eine ganz besondere Bedeutung zu. Als Deutschland noch von Porteihader zerrissen war. als roter Terror die Strohe regierte, lief dos schmucke Schiff vor einem Jahre am 8. Dezember 1932 von Wilhelmshaven zu seiner großen Weltreise aus. Seitdem hat sich der überwältigende Umschwung in Deutschland vollzogen. Die Besatzung der ,Jlö(n" hat das neue Deutschland noch nicht gesehen und wird nun bei der Rückkehr ins Dritte Reich das gewaltige Wunder der Einigung aller deutschen Volksschichten mit eigenen Augen schauen. Allerdings Hot sie das besondere Erleben gehabt, als e r st e s Schiff der deutschen Reichsmarine den Führer am 25. Mai 1932, also lange vor der Uebernahme der Kanzlerschaft, als Gast an Bord begrühen zu können. Dort schlugen schon damals dem Kämpfer begeisterte Herzen entgegen. Aus hoher See brachte der Funk dem Schiff die Nachricht, dah nach dem gewaltigen Umschwung an den Masten des Kreuzers wiederdioalten ruhmreichen Farben der deutschen Kriegsmarine gesetzt werden dürfen, die Farben, für die die erste „Äoln" im August 1914 ruhmreich bei Helgoland unterging und, unter denen gleichfalls im Kriege die zweite „Stöln" gegen den Feind fuhr. Der Führer trifft ein Grau und diesig ist der Himmel, kaum eine Sicht von 100 Meter in den frühen Morgenstunden. Glatteis aus den Straßen: Das ist der erste Eindruck, den man bei der Ankunft in Wilhelmshaven bekommt Die Stadt trägt Flaggenschmuck. Aus den Türmen der Wersteinsahrt flattert di« Reichskriegsflagge. Am Ausrüstungskai. dem Anlegeplatz des Kreuzers lind zwei riesige Kandelaber errichtet, die ein Riesentransparent mit der Aufschrift halten „Deutschland ist erwacht!" Mit Windeseile hatte sich die Kunde in der Stadt verbreitet, daß der Führer selb'st an den Feierlichkeiten zum Empfang des Kreuzers „Äöln" teilnehmen werde. Dichte Scharen umsäumten zur festgesetzten Stunde die Zufahrtsstraßen vom Bahnhof bis zur Werft. SA., Stahlhelm, Hitlerjugend und Hitlermädels und die Schuljugend bildeten aus dem kilometerlangen Weg bis zur Müh- lenberg-Kaserne, in der der Führer mit seiner Begleitung eintreffen wird, Spalier. Vor dem Bahnhof hatten sich Abordnungen der SA. mit ihren Sturmsahnen aufgestellt. Punkt 12.46 Uhr traf der Führer mit dem Zug auf dem mit Flaggen reich geschmückten Bahnsteig ein, wo er von einem Hit- lermädel einen Strauß roter Rosen als Willkom- mensgruß erhielt. Auf dem Kasernenhof der Mühienberg-Kaserne waren die Truppenteile des Standorts Wilhelmshaven und der in Wilhelmshaven ansässigen Seestreitkräfte in einem offenen Karree anqetreten. Unter den Klängen des Prä- sentiermarschs schritt der Führer in Begleitung des Reichswehrministers und des Stationschefs sowie des Festunqskommandanten die Front ab. Der Führer begab sich dann zur Marinewerft, wo Konteradmiral Maasmann einen Heber- blick über die gegenwärtige Werftorbeit gab, dem der Führer aufmerksam folgte. Der Kanzler schritt bann mit seiner Bealeitung die lange Front der gesamten Werftbelegschaft ab und begab sich zum Ankerplatz des Kreuzers „Äölnw. An Bord des Kreuzers „Köln" Schon von weitem bemerkte man den vor der Einrahrt ankernden schlanken, grauen Leid des Kreuzers, dessen Besatzung in Paradeaufstellung unter Gewehr an Deck angetreten war. Als der Führer den Moienkopf erreicht hatte, setzte sich der Kreuzer langsam in Fahrt und zog unter Muiik- klangen an dem Führer vorüber in d i e Schleuse e i n. Den Höhepunkt des Empfangs bildete der Besuch des Kanzlers an Bord. Nach dem Rundgang des Führers trat der größte Teil der Besatzung auf der schanze des Schiffes an, wo zunächst Reichswehrminifter Generaloberst o. Blomberg herzliche ‘Begrüfjungsroorte sprach. Er führte aus: „Besatzung des Kreuzers Köln!" 3d) bringe euch den willkommens- gruß de» Oberbefehlshaber» der Wehrmacht, des Generaifeldmarschalls von Hindenburg. Seine Gedanken wellen hier. In feiner eindrucksvollen Ansprache erinnerte der Führer einleitend an die Zeit, in der vor einem Jahr die Besatzung des Kreuzers ein Deutschland verließ, das 15 Jahre hindurch jede Schande und Schmach willenlos ertragen hatte, das 15 Jahre hindurch bereit war, auf feine Lebensinteressen immer wieder Verzicht zu leisten. In Deutschland habe sich gerade während der Reise dieses Kreuzers eine große Umwandlung vollzogen Die- Männer des November 1918 und ihr Reich seien aestürzt worden. Die deutsche Nation habe s i ch felbft wiedergefunden Von dem Haß und der Abneigung unserer Gegner in der Welt gegen diese Wiedererhebung des deutschen Volkes sei die Besatzung der „Köln" besonders betroffen worden. Denn in ihnen habe man, obwohl sie in der Fremde waren, immer doch d i e Repräsentanten des heutigen, ihnen verhaßten Deutschlands gesehen. Damit habe sie die Welt allerdings recht beurteilt. Denn Soldaten könnten niemals etwas anderes fein als die Repräsentanten ihres Volkes. Unter den vergangenen Regierungen feien sie es nicht gewesen. Die Männer, die einst das November-Deutschland schufen, hätten niemals innere Beziehungen zu denen unterhalten, die Deutschland einst verteidigt und es in Zukunft zu beschützen hätten Ich möchte Ihnen, betonte der Kanzler, hier nicht nur namens der deutschen Regierung, sondern namens des ganzen deutschen Volkes d a - für danken, daß Sie die Ehre des deutschen Volkes in diesen IHonaten in der weit würdig vertreten haben. Er habe aus den Berichten der Presse ersehen, wie sich die Bejahung des Kreuzers „Köln" trotz aller Anfechtungen und trotz aller Hetze Achtung und Anerkennung erworben habe. Ebenso wie wir in der Heimat, so habe die Besatzung mit zulommen- gebiffenen Zähnen unermüdlich und beharrlich das Recht des deutschen Volkes vertreten und für Deutschland geworben. Deutschland sei der Welt mit dem aufrichtigen Bekenntnis zum Frieden entgegengetreten, aber Er hat die langen THonate hindurch eure Reife mit Interesse verfolgt, zufrieden und siolz, daß die Vcsahnng dieses schönen Schiff» überall in der wett sich de» deutschen Hamen» würdig erwiesen hat. Ich bringe euch weiter die W i l l - kommensgrüßederganzen deutschen Wehrmacht. Eure Kameraden wissen, daß die Zeit, in der dieses Schiff au»li«f. und die Zeit, in der dieses schöne Schiff einfährt, e 1 n andere» Deutschland darbielet. Volk und Wehrmacht sind eins. Darüber hinaus find wir unzertrennbar von dem wann, der dieses neue Reich ersann, erkämpfte und nun führt. Seine Sorgen sind unsere Sorgen, seine Freuden find unsere Freuden und sein Stolz und seine Ehre ist auch unser Stolz und unsere Ehre. Vichts kann uns trennen." Nunmehr trat der Kanzler an das Schiffsmikrophon, das die Rede auch der auf den Kaimauern harrenden zahllosen Menschenmenge vermittelte. auch mit der nachdrücklichen Erklärung, daß wir für unsere Ehre und das Lebensrecht des Volks jederzeit eintreten werden. Das bedeute keine Kampfansage. sondern dte Forderung nach gleichem Recht, das wir ebenso wie andere Völker für uns m Anspruch nehmen könnten Der Führer sprach dann im einzelnen von dem Geist des neuen Deutschlands, in das die Besatzung des Kreuzers „Köln" nun heimgekehrt sei. Ein gemeinsamer gigantischer Volkskampf gegen die Not sei in Deutschland inzwischen entbrannt. Mit Stolz könnten wir heute schon bekennen, daß dieser einjährige Krieg gegen die Arbeitslosigkeit nicht u m • I o n (1 gewesen ist Vieles habe sich bereits gebessert, und die Menschen in Deutschland hätten wieder gelernt, sich zu verstehen. Und dieses wieder- erstandene deutsche Volk heißt Sie in der Heimat herzlich willkommen und dankt Ihnen, daß Sie die Ehre unseres Volks der Welt gegenüber so tapfer vertreten Haden." Der Führer schloß seine eindrucksvolle Ansprache mit einem dreifachen Heil auf unser deutsches Volk, unser Deutsches Reich und feine Wehrmacht. Zum Schluß dankte der Ches der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Raeder, für die herzliche Begrüßung. Die Besatzung sei stolz und hocherfreut darüber, daß der Kanzler es sich nicht habe nehmen lassen, sie zu begrüßen. Admiral Raeder gelobte Treue gemäß der Tadition von Coronel und Falkland. Seine Worte klangen aus in ein begeistertes Hoch und dreifaches Hurra auf den alten ehrwürdigen Oberbefehlshaber der Wehrmacht und den Führer und Volkskanzler der deutschen Nation Adolf Hitler. Darauf erklang das Deutschlandlied und das Horst- Wessel-Lied. In der Offiziersmesse wurde dem Kanzler der Ehrenbürgerbrief der Stadt Wilhelmshaven, Den man in ein kunstvoll ausgefertigtes Modell des Kreuzers „Köln" gelegt hatte, feierlich überreicht. Die Abfahrt des Kanzlers gestaltete sich abermals zu einem wahren Triumvh- Zug. In Oldenburg, Bremen und besonders in Uel- Zen, wo der Zug wenige Minuten Aufenthalt nahm, hatten sich Tausende auf dem Bahnsteig eingefunden, die dem Führer, der sich freundlich lächelnd am Fenster zeigte, begeistert zujubelten. 9er WiMommensgruß des Kanzlers. Oer erste nationalsozialistische Reichstag eröffnet. Oie Feffgostesdienste. Berlin, 12. Dez. (ERB.) Aus Anlaß der Er- Öffnung des neuen Reichstags fand heute um 12 Uhr im Berliner Dom in Anwesenheit des Reichspräsidenten, mehrerer Reichsminister, sowie zahlreicher Vertreter der Reichs- und Staatsbe- Hörden, der SA. und fast aller Reichstagsabgeordneter evangelischen Glaubens ein feierlicher Fest- g o 11 e 9 b t e n ft statt, bei dem Hofprediger D. Döhring die Festpredigt hielt und Reichsbischof Müller Gebet und Segen sprach. Man bemerkte unter den Teilnehmern Reichsinnenminister Dr. Frick, Reichsfinanzminister Graf Schwerin v. Krosigk, Reichsarbeitsminister S e 1 d t e. den Wehrkretskommandeur General der Infanterie von Fritsch. Gruppenführer v. D e 11 e n , den Dun- deshauptmann des Stahlhelms Major a. D. von Stephanie. Punkt 12 Uhr traf Reichspräsident o Hindenburg in Begleitung von Staatssekretär Meißner vor einem Nebenportal des Doms ein, wo er von Hofprediger Döhring enwfangcn wurde. Er durchschritt ein Spalier der SR. und Hitler-Jugend bis zum Haupteingang der Kirche. Hier erwartete Reichsbischof Müller den Reichspräsidenten, um ihn in das Innere des Gotteshauses zu geleiten. Dem Reichspräsidenten würben beim Verlassen des Domes von einer größeren Menschenmenge lebhafte Ovationen bärge- bracht ” 3n ber St Hebwigs-Kathedrale fand um 11 Uhr ein feierliches Hochamt aus Anlaß der Eröffnung de» Reichstag» statt Die Kirche war von Gläubigen überfüllt. Unter den zahlreich anwesenden Reichstagsabgeordneten. Vertretern ber .Heidj-.?- unb Canberregierung sah man auch ben Vizekanzler v Papen. Kapitularvikar Dr. Stein- mann 3rtebrierte ein feierliches Leviten-Hochamt, bas bet Basilika-Chor mit gregorianischen Ge- angen begleitete. Nach bem Hochamt stimmte Kapitularvikar Dr. Steinmann, am Fuße be» Hoch- altar» fmeenb, das Veni Creator Spiritus an Die peier schloß bann mit bem Gemeindegesang ber deutschen Heber,eyung biese» Liebes: „Äomm vchöpsergeist. kehr bei uns ein". Von allen öffentlichen Gebäuden der Reichshaupt- stabt, von ber Krolloper und ben vier Ecktürmen des gegenüberliegenben Reichstage» wehen am Dienstagmorgen bie Flaggen. Berlin feiert bie Er- Öffnung be» ersten nationalsozialistischen Reich», tage» ber Lolkgemeinschatt. in Dem t» keine Parteien mehr gibt. Aeußerlich kommt bas schon beim Betreten be» ÄroQgebäube» darin zum Ausdruck, bah bie große Tafel am Eingang, die früher die einzelnen Fraktionssitzungen anzeigte und mit ihren 16 Reihen dafür manchmal kaum ausreichte, heute saft verwaist aussieht. Außer den Sd)ilbcm de» Aeltestenrates und des Reichstogsvorstandes steckt nur noch das Schill» ber nationalsozialistischen Reichstagsfraktion an der Tafel. 3m Plenarfaal Der KroUoper ist ein Heer von Beamten tätig, um bie letzten Vorbereitungen für bie Reichstagseröffnung zu treffen Da ber Saal zuletzt nur etwa 600 Parkettplätze hatte, ber neue Reichstag aber 661 Abgeorbnete Zählt, mußte eine Ergänzung d e s Gestühl» um einige Reihen erfolgen. Die Lebertaschen, bie am Rucken jebes Stuhls für Drucklachen und otimmtarten angebracht sind, sind mit Drucksachen- material für die neuen Abgeordneten dicht gefüllt, und immer wieder kommen neue Ladungen, die verteilt werden müssen. Die P l a tz v e r t e i l u n g im neuen Reichstag •ft in der Weile durchgeführt, dah in der Mitte Der ersten Reihe nebeneinander Reichskanzler Adolf Hitler, die Reichsminister Heß, Dr. Frick unö Göring sitzen. Zu beiden Seiten folgen Dann weiter in der ersten Reihe der wetteren Sektoren bie Minister Darri, Dr. Goebbels, Selbte unb Vizekanzler o. Popen sowie sämtliche R e i ch s st a 11 h a l t e r, ber Führer ber Arbeitsfront Dr. Ley, ber Führer ber Rechtsfront Staatsminister Dr. Frank, sowie einige Cänberminifter. In ber zweiten Reihe hoben ihre Plötze die Mini- fterpräfibenten der Länder sowie weitere Lander. Minister, ferner die Staatssekretäre, die preußi- ßischen Ober Präsidenten, Alterspräsident Litz- mann, der Reichsführer der SS. Himmler, Prinz A u g u ft Wilhelm von Preußen und der frühere Reichsminister Dr. Hugenderg Schon lange vor 15 Hhr beginnt sich ber Plenar- saal zu füllen. Es entsteht zunächst ein allgemeines suchen nochbenPlatzen.bie aber mit Hilfe einer Hebrrsichtstofel. die außerhalb des Sitzungssaals aufgebängt Ist. bald gefunden werden. Der ganze Saal bildet ein wogendes Meer do n braunen und schwarzen S A. - unb 5 6 -Uniformen, ab unb zu unterbrochen durch einen dunklen Zioilanzug und eine Stahlhelmuniform. Als erstes Mitglied der Reichsregie- rung erscheint Vizekanzler von Popen im Saal, in Zivil Auch Alterspräsident Litzmann, der von vielen Fraktion-Mitgliedern herzlich begrüßt wird, tragt einen schwarzen Anzug mit dem Eisernen Kreuz auf der Brust. An ben Regierungstischen hoben einige Staatssekretäre unb höhere ■‘.egie- runggbeamte Platz genommen. Am Reichsratsttsch sitzen die Berliner Gesandten ber beutschen La über. Die Tribünen, für die die Karten schon lange Zett vergriffen waren, sind dicht besetzt. Auch die Diplo- matenloge weist eine starke Besetzung auf. In ber vordersten Reihe sieht man u. a. ben italienischen Staatssekretär des Auswärtigen, S u v i ch. Kurz nach 15 Hhr begibt sich der Präsident des vorigen Reichstags Mimsterpräsibent Göring zum Platz des Präsidiums unb eröffnet bie Sitzung: Meine Herren Abgeordneten! SA - Kameraden! Nach tz 13 unserer Geichostsorbnung führt, wenn der Reichstag nach einer Neuwahl Zusammentritt, bis zur Uebernahme bcs Amts durch den ncuge- wählten Präsidenten der Präsident de» letzten Reichstags den Vorsitz. Dementsprechend eröffne ich die Sitzung und ernenne zu vorläufigen Schriftführern bie Abgeordneten Börger, Dr. Decker- Potsbam, Linber unb Oberlinbober* Ich bitte bie Herren, hier oben Platz zu nehmen. Roch wetteren geschästsorbnungsmäßigen Mitteilungen wirb zur wohl des Präsidiums geschritten. Abg. Dr. F r i ck schlägt vor, durch Zuruf zu wählen zum Präsidenten des Reichstags den bisherigen Präsidenten Herrn Abg. Göring, zum Stellvee- r e t e r des Präsidenten ben bisherigen präsi- denlen de» preußischen Landtags Herrn Abg. k e r r I, zum weiteren Stellvertreter den bisherigen Präsidenten des vaycrijchen Landtages Herrn Abg. Lsfer und zum dritten Stellvertreter des Präsidenten den Herrn Abg. von S I o u h. Die oorgeschlagenen Mitglieder de» Präsidiums werden einmütig durch Erheben von ben Sitzen gewählt. Sie erklären sich zur Annahme der Mahl bereit Es folgt ber Vorschlag bes Präsidenten für die Wohl ber Schriftführer. Der Präsident schlägt vor, folgende 12 Abgeordnete zu Schriftführern zu wählen: Dr. Albrecht (Ibüringen), Börger, Dr. Decker (Potsdam), Dr. Fischer (Berlin), Kasche, Linder, Dberlinbobcr, Gras v üuaöt zu Wyckrath und Jsny, Steuer, Wigand, Wolkersdörser und Dreher. Auch die Schriftführer werden in dieser vom Präsidenten oorgeschlagenen Zusammenstelling einstimmig gewählt. Zur Abkürzung des Verfahrens erhält ber Prösibent die Ermächtigung, bie Ausschüsse im Einvernehmen mit bem Frok- tionsvorsitzenden zu konstituieren unb ebenso bie Beiräte bei den oerfdjiebencn Reichsministerien zu bestimmen. Ferner wirb ber Präsident ermächtigt, alle Petitionen ben zustänbigen Ministerien zur Prüfung zu überweisen. Der Präsident erbittet unb erhält schließlich noch bie Ermächtigung, baß er ben Zeitpunkt unb bie lagesortknung ber näch sten Sitzung selbst bestimmen kann. Keichstaaspräsivent Görinq fährt bann fort: Meine Herren, meine Kameraden! Ich darf darauf Hinweisen, dah der Herr Reichskanzler heute nicht anwesend fein kann unb barf daher auch meinerseits alle weiteren Ausführungen, bie ich als Präsident zur Lage zu machen hätte, a u f jenenTagzurückstellen, an bem derHerr Reichskanzler selbst hier auch bas Wort ergreifen wirb. Für heute barf ich Ihnen ben Dank aussprechen für bas Vertrauen, das mich wiederum auf diesen Platz berufen hat unb barf Sie nun als neugewählter Präsibent begrüßen. Sie werben verstehen, befonbers meine Herren Parteigenossen, mit welchem Glücks- und Stolzgefühl es mich erfüllt, Präsident eine» nationalsozialistischen Deutschen Reichstages fein zu dürfen. Wer wie ich in den vergangenen Jahren erlebt hat, wie das deutsche Parlament zum Schluß ausgeartet war, der wird begreifen, mit weich' innerer Befriedigung wir auch hier zurückblicken dürfen auf die gewaltige Arbeit, die unser Führer getriftet hat. Gestern hat Ihnen der Führer bei ber Verpflichtung in großen Zügen bie Ziele unb bie Pflichten aufgezeigt, zu beren Erfüllung Sie berufen finb. Vor allem aber hat er feine Rebe bahin zusammengefaßt, baß bie Reichstagsfroktion i n voller Geschlossenheit mit ber Reichs- regierung bem beutschen Volk beweisen soll, daß bas gewaltige Vertrauen, bas bas beutlche Volk uns gegeben hat, gerechtfertigt ist Untere Arbeit, unser Dienen, unser Tun soll unb barf darf nurdemVolk gewidmet sein. Und so lass-? Sie mich heute die Sitzung schließen, indem Ich Sie bitte, mit mir einzustimmen in ben Rus. Diesem beutschen Volk und feinem Kanzler ein dreifaches Sieg-Heil' Die Abgeordneten erheben sich von den Plätzen unb stimmen breimal in ben Heilruf ein. Präsident Göring erklärt dann unter lebhastem Beifall des ganzen Hauses die Sitzung um 15.20 Uhr für ge- schlossen. Die Zusammensetzung der Ausschüsse. Der Reichstag hat in seiner ersten Sitzung die wichtigsten Reichslagsausschüsie bereit» gebildet. Dem aelteftenrat, ber 21 Mitglieder zahlt, gehören u a. an in ihrer Eigenschaft al» Abgeordnete bie Reichsminister Darrt, Dr. Frick, Dr. Goebbels, fRohm. Heß und Selbte, Vizekanzler v Papen, Reichsstatthalter Ritter von Epp, Staatsminister Dr. Frank, ber SS.-Führer Himmler, ber frühere Reich». Minister Dr. Hugenderg, ber Führer der Arbeitsfront Dr. Ley und Oberoräsidrnt Kube. Der AusschußzurWahrungderRechte der Volksvertretung tagt unter bem Vorsitz &f9Jöbg. Staatsminister Dr. Frank. Unter seinen 28 Mitgliedern befinden sich die Reichsminister Dr. Goebbels, Darrt, Heß und Seldle, ferner Polizei- general Daluege, Staatssekretär Dr. Freister, die Landerminister Klagaes und Marschler und Staatssekretär Reinhardt. Zu ben Stellvertretern ber ordentlichen Mitglieder de» Ausi'chusses gehören der sächsische Ministerpräsident v. Killinger, bie Reichs- stattbalter Murr und Mutschmann, Rechtsanwatt Dr Grimm (Esten), ber SS -Führer Himmler, der bayri'che Minister Wagner und der Präsident ber Prestekammer Amann. Auch ber Auswärtige Ausschuß Hhll 28 Mitglieder^ Den Vorsitz fuhrt wieder Reichsinnen. Minister Dr. Frick Zu feinen Mitgliedern gehören Vizekanzler v Papen und Reichsminister Röhm, bie Reichsstatthalter Ritter o. Epp, Loeper, Rover und SiiM s« bie L> 1 jtjeember ber gram »internan «* W- n th SÄ °' norm Jebener '."rar L4tm n Reichs- ung Starten Mett, w w* TTU ilbg. öen bis- ‘■unNigts Sltüoet- '9- oon -brr des Erhebe, irev sich ben Plätzen n. Präsident Beifall des ühr für ge- Mäßigen prass, lägt vor, abren erlebt Schluß aus- >[d)' innerer fen dürfen ihrer gdei* ter bei der etc und die ,9 Sie beru- Aede dahin iiraktion in er Reichr- eweifen wll, bas deMe ■Igt ist. lln- oil und darf Ir.b io toff/ Sem -ch 62 uf: Tiefen: ; dreifacher len für die Präsident Lchriflfüh. nj. Lärzer, Im), Saiche, u Tyckrath börier und n in dieser unenitelLmg 'es Jerfah- rigung, die dem Zcat- ebenio die niitenen ju ermäßigt, ifterien jur erbittet und ng, daß er orbjiung unten kann, töring Samurai) nt( ?n Reichrund darf -Üchruntzrn, vhaue, auf ldercherr auch bas ite darf ich Vertrauen, berufen hat Zräfident beider- meine Slulks- und ere MS 'M? dE 5 3nb7r ^nisch^ äfibent bes L Stahl, a? =“«• ri"9 e Sitzung. Geraden! !5' wenn Eintritt, £ W- 065 .letzten ^Pffne °^s-8-n -r.Sej er.- l> bitte die Sitzung tne eiltet W M fiW* -ordnete tnt . Aarbdelr- ‘ o. W* tniniller^ chere Reichs W w»* Uni« < är, »" , die * E LL Sauckel, die Staatssekretäre S)ierl und Feder, der bayrische Ministerpräsident Siebert, Prinz August Wilhelm oon Preußen, Dr. v. Renteln, Alfred yfo» [enberg, Graf zu Reoenttow, Dr. Schnee und der Abgeordnete Habicht. Unter den Stellvertretern befinden sich Prof. d. Freytagh-Loringhooen, Gras v. Helldorf, Dr. Ley, Reichsstatthalter Sprenger, die Kultusminister Rust und Schemm, der Reichs- sugendführer Baldur o. Schirach und der Erbprinz zu Waldeck und Pyrmont. Dessauer und die Rhein- Maimsche Volkszeitung. München-Gladbach, 12. Dez. (WSN.) Im Prozeß gegen Prof. Dessauer erklärte der frühere Borptzende des Aufsichtsrats der Carolus-Druckerei in Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Ungeheuer, u. a., er habe der Einflußnahme Dessauers gewissen Widerstand entgegengesetzt, weil ihm die politischen Ansichten Dessauers nicht zusagten. An Dessauer habe ihm z. B. nicht gefallen, daß er im November 1918 bei der Neubildung des Vorstandes der Frankfurter Zentrumspartei, wo ihm ein Vorstandsmandat angetragen wurde, darauf hingewie- sen habe, daß ihm gleichfalls von der Deutschen Volkspartei, den Demokraten und der Sozialdemokratie Vorstandsämter angetragen worden feien, die er aber abgelehnt habe. Weiter habe ihm mißallen, daß Dessauer mit den Sozialdemokraten auf o gutem Fuße stand. Sodann wurde die p o l i • ch e Haltung der Rhein-Mainischen Volkszeitung in Frankfurt, und ihre Stellungnahme zu kirchlichen Dingen und zur Sozialdemokratie erörtert, die in 'weiten Kreisen der Katholiken nicht gebilligt wurde. Stadtpfarer Herr erklärte dazu, ihm sei in seiner Eigenschaft als Kommissar des Bischofs die Ab- ,schrift eines Briefes zugeleitet worden, worin fest- gestellt wurde, daß bei Besprechungen zwischen dem Bischof, Prof. Dessauer und den Redakteuren die Schwierigkeiten ausgeräumt worden seien. Der frühere Geschäftsführer der Carolus-Druckerei, Lehnen, hat sich gleichfalls der Einflußnahme Prof. Dessauers widersetzt, weil er es vermeiden wollte, daß man den Zeitungsbetrieb nach groß- industriellen Gesichtspunkten verwaltete. Der Sonderstaatsanwalt legt sodann einige Schreiben vor, die Aufschluß über die Beziehungen Prof. Dessauers zu Mühlon geben sollen. Dr. Dessauer gibt zu, Mühlon mit D r. Brüning bekannt gemacht zu haben. Er habe sich von der Hoffnung leiten lassen, daß Deutschland durch Mühlon wichtige Aufschlüsse über die Stimmung Frankreichs bezüglich der Reparationen erhalten werde. Mühlon habe aber keinen bestimmten Auftrag bekommen. Dr. Brüning selbst habe später nie auf diesen Besuch Bezug genommen. Der Sonderstaatsanwalt legt Dr. Dessauer die Frage vor, ob er nicht empfunden ljabe, daß es geradezu eine Groteske gewesen sei, einen Nachfolger Bismarcks mit einem Landesverräter zusammenzubringen. Der Angeklagte entgegnet, daß er Mühlon nicht für einen Landesverräter gehalten habe. Er sei vielmehr überzeugt gewesen, daß sich Mühlon zum Vaterlande zurückgekunden habe. Hätte er damals das gewußt, was dieser Prozeß zu feinem größten Leidwesen offenbare, dann hätte er Mühlon nicht mit Dr. Brüning zusammengebracht, ganz abaesehen davon, daß er dann sicher nicht oon Dr. Brüning empfangen worden sei. Die Wirtschaft gegen Preiserhöhungen. Berlin, 12. Dez. Der Ausschuß für Fragen des gemeinsamen Geschäftsverkehrs zwischen Industrie und Handel trat am 12. Dezember im Deutschen Industrie- und Handelstag zu einer Sitzung zusammen, die sich mit der Frage der Preiserhöhungen und der Konditionen beschäftigte. Es kam in Uebereinftimmung mit der Auffassung des Reichswirtschaftsministeriums einmütig zum Ausdruck, daß ungerechtfertigte Preiserhöhungen im Interesse der Erhaltung der Kaufkraft und der Herbeiführung einer Mengenkonjunktur bis auf weiteres grundsätzlich zu vermeiden seien. Die Frage der Preisgestaltung und der Konditionen soll in Zukunft in enger Zusammenarbeit zwischen Industrie, Großhandel, Einzelhandel und Handwerk unter Beteiligung des Reichswirt- schaftsministeriums behandelt werden, um volkswirtschaftlich unerwünschten Entwicklungen zu begegnen und eine Beunruhigung der Wirtschaft zu vermeiden. Diese Zusammenarbeit wird sich in verschiedenen Kommissionen, so für allgemeine Fragen der Rabatte urtb sonstige Konditionen, für haus- wirtschaftliche Geräte und Eisenwaren, für Textilien und für Lebensmittel vollziehen. Abflauen des Kommuniffen- aufftandes in Spanien. Paris, 13. Dez. (WTB. Funkspruch.) Die aus Spanien vorliegenden Meldungen lassen erkennen, daß die Unruhen bedeutend im Abnehmen begriffen sind. In der Nacht zum Dienstag ist es der Regierung durch Einsatz starker Kavallerie- und Infanterie-Abteilungen gelungen, den Hauptbrandherd des Aufstandes im Gebiet von Logrono zu er st icke n. Auch in Saragossa konnten die Aufständischen, die sich hinter Barrikaden und aus dem Bahnhof verzweifelt verteidigten, durch das Eingreifen von Maschinengewehrabteilungen geschlagen werden. In Sevilla wurde ein geplanter Eisenbahnerstreik im Keime erstickt. Vor Valencia erhielten Züge und Kr a f t w a g e n zahlreiche Schüsse aus dem Hinterhalt. Nach Erklärungen des Innenministeriums handelt es sich bei diesen Zwischenfällen, wie sie auch noch aus andere' Provinzen gemeldet werden, lediglich um die letzten Ausklänge des Aufstandes, so daß der Revolutionsversuch nunmehr endgültig als gescheitert angesehen werden könne. Aus den Meldungen der in das Aufstandsgebiet entsandten Berichterstatter der Madrider Zeitungen geht hervor, daß die Käämpfe der letzten drei Tage ganzimStile desafrikanischenKlein- krieges geführt wurden und an die Truppen die größten Anforderungen stellten. Das von den Drahtziehern verführte Volk hatte geglaubt, der freiheitliche Kommunismus habe in ganz Spanien gesiegt. So werden Fälle geschildert, wo die Bewohner ver- schiedener Dörfer das aufgefundene Geld verbrannten, da es angeblich im neuen Staat nickt mehr gebraucht und die Verteilung tzes gesamten Eigentums und der Lebensmittel auf kommunistische Art bereits durchgeführt würde. ReichsstMalier Sprenger an den Stötten alter deutscher Kultur. WSN Darmstadt, 12. Dez. Das Staats- Presseamt teilt mit: Schneidend kalter Wind fegte über das Land, als am letzten Freitag morgen die Wagen die Bergstraße entlang über Bensheim nach Lorsch brausten, um Reichsstatthalter Sprenger sowie Staatsminister Jung, Ministerialrat Rings- hausen und deren Begleitung an die Stätte zu bringen, an der vor ungefähr 1200 Jahren das Kloster Lorsch errichtet wurde. — In Lorsch angekommen, übernahm Prof. B e h n , der die Lorscher Ausgrabungen vorgenommen hatte, die Führung. Das Kloster Lorsch wurde 763 durch den Rheingaugrafen gegründet, im Jahre 774 in Anwesenheit Karls des Großen geweiht. Später wurde es zum Reichskloster erhoben. Zunächst wurde die Königshalle besichtigt, die in späteren Jahren von der christlichen Kirche als Kapelle angesprochen und benutzt wurde. Es ist jedoch erwiesen, daß die Bestimmung als Kapelle falsch war und daß dieser Raum die alte Königs- Halle, die zum Empfang der deutschen Könige diente, war. Die Königshalle zeigt Stileinflüsse römischer Baukunst und orientalischer Schmuckkunst. Im unteren Teil der Königshalle sind an den Wänden noch deutlich Malereien aus der Karolingerzeit sichtbar. Im oberen Teil der Königshalle, der später ein gotisches Dach aufgesetzt wurde, finden wir noch deutlich gotische Malereien. Daß die Königshalle ursprünglich nur dem Empfang der Könige und nicht Kirchenzwecken diente, dürfte daraus hervorgehen, daß sich in dem Karolingischen Teil keinerlei Anzeichen, weder in der Malerei, noch sonstwie finden, die auf den kirchlichen Charakter hindeuten. Es wird angestrebt, die Königshalle in ihrer ursprünglichen Innen- ausgeftaltung wieder herzu st eilen, und als Monumentaleingang zu dem hinter ihr und vor der alten Klosterkirche liegenden Kriegerehrenmal nach Beseitigung der Ausmauerung der hinteren Bogen der Königshalle wirken zu lassen. Den Oberstock der Königshalle will man sodann .als Klostermuseum Herrichten. Alsdann erfolgte die Besichtiguna der früheren Klosterkirche, die seit langer Zeit als Tabakscheune dient. Die alte Kirche war zweitürmig und oon hohen Mauern umgeben. Im 10. Jahrhundert wurde der offene Hof zur Dorkirche überbaut. Später wurde bann ein neues Atrium angebaut. In der gotischen Zeit setzte eine Ruckentwicklung ein, die u. a. zum Abbruch der Türme führte. Die Reformationszeit mit ihren wechselvollen Erscheinungen ging auch am Kloster Lorsch nicht spurlos vorüber, das dann endgültig 1621 im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Anschließend an die Besichtigung des Klosters Lorsch begab- sich Reichsstatthalter Sprenger nebst Begleitung noch nach Ingelheim, um dort die Kaiserpfalz Karls des Großen zu besichtigen. — Die Fahrt führte über Worms nach Oppenheim. Bei diesem Teil der Fahrt bot sich ein prachtvolles Bild, als die K a t h a r i n e n k i r ch e in Oppenheim plötzlich wie ausgemeißelt vor den Blicken in dieser unwahrscheinlich klaren Wintersonne auftauchte. Rechts der Straße strömt der Rhein, an dessen Ufern sich leichte Eisansätze zeigen, mit leichter Wellenbildung seinen unaufhörlichen Lauf-, links liegen die fruchtbaren Weinberge im rotbraunen Kleid. — Durch Oppenheim hindurch mit seinen engen Gäßchen geht die Fahrt in gewohntem flottem Tempo, dann durch Mainz, vis in Nieder-Jngelheim vor dem Rathause die Bremsen anziehen. Das Ziel ist erreicht. Die Erforschung dieser alten Kaiserpfalz ist schon vor dem. Kriege erfolgt. Es sei hier nur kurz erwähnt, daß dort öfters Kaiser Barbarossa Hof hielt, ebenso wie Heinrich IV. Wie Reichsstatthalter Sprenger äußerte, muß es eine Hauptaufgabe der künftigen Erziehung unseres Volkes sein, dieses wieder auf den Boden deutscher Kultur zu stellen. Unerläßlich ist daher, ihm für die alte Kultur, die unsere Vorfah- ren pflegten, wieder d i e Augen zu öffnen und ihm die Freude an den alten deutschen Kulturschätzen nahe zu bringen. Der deutsche Mensch durch deutsche Kultur auf deutschem Boden. Hindenburg empfängt Ae'chsstatthatter Sprenoer. Berlin, 12. De;. (IDIB.) Reichspräsident von Hindenburg empfing heute den Relchsstakt- halter in Hessen Sprenger, den hessischen Staatsminister 3 u n g und den neuernannten hessischen Vertreter beim Reich Ministerialrat von Zengen. Sie Mtövechglkiiffe der SeWchen und Beamten der Landeskirchen. Berlin, 12. Dez. (TZ.) Das Geislliche Ministerium hat mit dem Datum vom 8. Dezember 1933 ein Kirchengesetz über d i e Rechtsverhältnisse der Geistlichen und Beamten der Landeskirchen beschlossen. Der Evangelische Pressedienst gibt zu diesem Gesetz folgende Erläuterung: Das geislliche Ministerium der deutschen evangelischen Kirche bat in den letzten Tagen bedeutsame Gesetze verabschiedet, die über die kirchenpolitische Auseinandersetzung hinaus die pofitioen Aufgaben der evangelischen Kirche im nationalsozialistischen Staate weiterführen. Es ist das Ziel der Reichskirchenregierung, klare Ordnung innerhalb de rKirche zu schaffen und eine Befriedung des kirchlichen Lebens herbeizuführen, um alle Kräfte für den inneren Aufbau der Gemeinde frei zu machen. Diesem großen Ziele dient auch das erste Kirchengesetz, das die Rechtsverhältnisse der Geistlichen und Beamten der Landeskirchen regelt. Mit dem Erlaß dieses Gesetzes wird eine Lücke der kirchlichen Gesetzgebung geschlossen, die dadurch entstanden war, daß durch das Kirchengesetz vom 16. November die Durchführung der oon den Landeskirchen seit dem 1. Januar 1933 ergangenen Geseke aufgehoben war. Das Gesetz hat für alle Landeskirchen Geltung und verwirklicht an diesem Punkte den wichtigen Grundsatz der Kirchenoerfassung auch auf dem Gebiete des kirchlichen Rechtslebens, die Gesamtkirche unter eine einheitliche Linie zu stellen. . Das Gesetz will dazu helfen, einen den völkischen Notwendigkeiten unserer Zeit gemäßen gut geschulten und in seiner ganzen Lebenshaltung verantwortungsbewußten Pfarrer st and zu sichern. Zum anderen will es vertrauensvolle Zusammenarbeit der Pfarrer mit wirklich lebendigen Gemeinden ermöglichen. Dabei vermeidet es bewußt zwei Fehler: 1. den Anschein der Staatskirche als ob die kirchliche Gesetzgebung nur ein Schatten der staatlichen Beamtengesetzgebung wäre, sodann den anderen Irrtum, als ob die Freiheit der Verkündigung darin bestünde, daß die Kirche sich aus völkischen Tatsachen und Notwendigkeiten herauslöst. Der § 1 des Gesetzes, der sehr bald durch ein Gesetz über die Vorbildung der Geistlichen ergänzt werden wird, ordnet diese Ausbildung in den großen Rahmen der für das Uni« versitätsstudium geltenden Vorschriften ein. Damit bringt die Kirche zum Ausdruck, daß sie die aus den völkischen Lebensnotwendigkeiten erwachsene Studentengesetzgebung des Staates auch für ihre zukünftigen Geistlichen anerkennt. Die Frage nach der fünftigen Wirksamkeit von Nichtariern entscheidet sich damit von selbst. In die gegenwärtige Wirksamkeit von Pfarrern darf, dem Wesen der Kirche gemäß, nur bann eingegriffen werden, wenn eine fruchtbare Arbeit in der Gemeinde nicht mehr möglich erscheint. Für einen solchen Eingriff schafft das vorliegende Gesetz die Möglichkeit, bindet diele aber an die Entscheidung eines unabhängigen Kirchengerichtes. Eine besondere Neuerung enthält der § 2, der die Eingehung der Ehe der Geistlichen von einer Genehmigung abhängig macht Damit wird ein in Bayern bewährter Brauch für die Gesamt- kirche übernommen. Auch hierin wird deutlich, daß der Pfarrer kein Privatmann, sondern in der Ge- famtheit seiner Lebenshaltung der Gemeinde und dem Volk verpflichtet ist. Die weiteren Paragraphen betreffen in der Hauptsache die Versetzung von Geistlichen und Beamten an eine andere Stelle, sowie ihre Versetzung in den einstweiligen ober bauernben Ruhestand. Der Beschluß über die Notwendigkeit der Versetzung an eine andere Stelle ober in ben einstweiligen Ruhestand erfolgt durch ein unabhängiges Kir chenger ich t, dessen Zusammensetzung ben an ein solches Gericht zu ftellenbrn Anforderungen entsprechen muß. Gegen Beschlüsse dieser Kirchengerichte kann binnen zwei Wochen Berufung an das Geistliche Ministerium der Deutschen Evangelischen Kirche eingelegt werden, das endgültig entscheidet. Die Berufung hat aufschiebende Wirkung. Ein Krrchengeseh über Beilegung kirchenpolitischer Streitfälle. Berlin, 12. Dez. (WTB.) Das Geislliche Ministerium der Deutschen Evangelischen Kirche hat ein Gesetz beschlossen, nach dem zur Beilegung von kirckenpolitischen Streitfällen, die die dienstlich und persönlichen Verhättnissen eines Geistlichen oder eines Mitgliedes einer kirchlichen Verwaltungsbehörde betreffen, ein Schlichtungsausschuß gebildet wird. Wenn eine gütliche Beilegung des Streitfalles nicht möglich ist, hat der Schlichtungsausschuß eine Entscheidung darüber zu treffen, wie der Streitfall zu erledigen ist. Der Schlichtungsausschuß kann durch seine Entscheidung Befugnisse der landeskirchlichen Verwaltungsbehörden wahrnehmen ober diese Behörden zu allen Amtshandlungen anweisen, die im Rahmen ihrer Zuständigkeit liegen. Die Mitglieder des Schlichtungsausschusses, der seinen Sitz bei der Reichskirchenregierung hat, sind nur dem Gesetz unterwarfen und an Anweisungen nicht gebunden. Der Schlichtungsausschuß besteht aus einem rechtskundigen Beamten, einer höheren kirchlichen Verwaltungsbehörde als Vorsitzendem und zwei Geisllichen, die vom Reichsbischof berufen werden. Aus aller Wett Raubüberfall auf eine ostpreuhische Sfalionsfaffe. Ein Raubüberfall ist auf die Stationskasse im Bahnhofsgebäude von Ottelsburg (Ostpreußen) verübt worden. Als der Reichsbahnassistent Krüger mit der Abrechnung beschäftigt war, klopfte ein Mann an die Tür der Stationskasse und rief dem Beamten zu: „Herr Krüger, machen Sie auf, wir möchten etwas Geld wechseln." Der Beamte glaubte, daß ein Bekannter Einlaß forderte und öffnete ahnungslos die Tür. In dem Augenblick wurde ihm ein Revolver vor bas Gesicht gehalten, und er wurde gezwungen, sich mit erhobenen Händen mit dem Gesicht gegen die Wand zu stellen. Während einer der Banditen ben Beamten in Schach hielt, raffte der andere das auf dem Tisch aufgezählte, größtenteils schon gebündelte Gelb zusammen. Dann wurde der Beamte in ben Flur vor ber Stationskasse eingesperrt. Die Banbiten nahmen bie Schlüssel mit. Sie hatten außerdem die Fernsprechleitung durchschnitten. Erst nach einer Viertelstunde wurde ber Beamte befreit und bie Polizei benachrichtigt. Nach vorläufiger Schätzung sind ben Banbiten 4800 Mark in bie Hände gefallen. llnterhaus-Debatte über die schottische Seeschlange. Das Gerücht von einem geheimnisvollen „See- ungeheuer" in dem schottischen See Loch Neß, von dem seit drei Monaten ganz England spricht, und dessen Vorhandensein von mindestens 50 Zeugen beschworen wird, fand jetzt seinen Weg in die heiligen Räume des englischen Unterhauses. Der konservative schottische Abgeordnete 21 n st r u - t h e r - G r a y stellte die Frage, ob bie Regierung im Interesse ber Wissenschaft eine Untersuchung über bas Vorhandensein eines Ungeheuers im Loch Neß anstellen wolle. Der Staatssekretär für Schottland, Sir Godfrey Collins, erklärte hieraus, es bestehe keine Ursache, das Vorhandensein irgendeines verderblichen Ungeheuers im Lock Neß zu vermuten. Unter den gegenwärtigen Umständen seien meliere wissenschaftliche Nachforschungen eine Angelegenheit privater Unternehmer und Gelehrten, bie burch ben Eifer ber Presse unb ber Photographen unterstützt würben. Anstruther gab sich mit biefer Antwort nicht zufrieben unb sagte, bie Regierung mochte bas Luftfahrtministerium zur Be obachtung des Ungeheuers durch Flugzeuge heran- ziehen. Dadurch könne ber Wissenschaft ein großer Dienst erwiesen werden. (Hört! Hort!) Der Staatssekretär für Schottland erwiderte hierauf, er wolle mehr Beweise über das Ungeheuer haben, bevor er die englischen Luftstreitkräfte für das Tier in Anspruch nehme. Der sozialistische Abgeordnete Maclean erklärte hierauf unter allgemeinem Gelächter, die Regierung würde besser daran tun, sich mit dem Ungeheuer der Arbeitslosigkeit zu befassen. Der frühere Staatssekretär für Schottland, Adamson, hat in einer Presseunterredung erklärt, daß man nicht über bas Ungeheuer scherzen bürfe. Es sei eine Tatsache. Der Abgeordnete für Inoer- neß, Sir Murdoch M a c b o n a l b , hat ber Oef- fenllichkeit den Vorschlag unterbreitet, man olle das Ungeheuer mit einem großen Fischernetz fanaen. Andere schlagen vor, ben See ablaufen zu lassen, um auf diese Weise das Ungeheuer am sichersten lebendig zu fangen. Jeden Tag pilgern hunderte von Wissenschaftlern, Presseleuten und Photographen zum See, um das etwaige Auftauchen des Ungeheuers nicht zu ver- Saffen. Nach ben bisherigen Beobachtungen soll bas ngeheuer etwa ben Auffassungen oon ber berüchtigten Seeschlange entsprechen unb an bie 2 0 Meter lang fein. Bisher ist es aber trotz allem Eifer noch niemanbem gelungen, mehr als eine Linie über ber Wasseroberfläche ober den angeblichen Kopf ober Schwanz des Ungeheuers zu erblicken. In einer Sonderoerfügung der schottischen Behörden ist das Monstrum dem Schutze des Publikums empfohlen worden. Seine Tötung wurde streng verboten, unb ber See wirb Tag unb Nacht bewacht. Bier 3ahre Zuchthaus für einen Kirchenräuber. Vor dem Schöffengericht in Kempten hatte sich ber 57jährige Kunstmaler Karl S ch m i b t wegen 70Diebstählenzu verantworten. Schmidt hatte in den Jahren 1928 bis 1933 in 70 Kirchen aus ganz Südbayern Kirchengegenstände, in der Hauptsache alte Lichter, geschnitzte Köpfe, Kelche und Messegewänder gestohlen und diese bann veräußert. Schmidt hat außerdem seinen Sohn und feine zwei Töchter gezwungen, ihm bei feinen Diebstählen Beistand zu leisten. Es wurde feftgefteUt, daß im Laufe der fünf Jahre Schmidt rund 16 000 Mk. für die gestohlenen Gegenstände vereinnahmt hat. Das Gericht verurteilte Schmidt zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Mutter und Sohn wegen Mordes ;um Tode verurteilt. Das Schwurgericht Ansbach verurteilte die Ehefrau Kreszentia Mack und deren Sohn Franz D i e m e r t aus Wilburgstetten bei Dinkelsbühl wegen Mordes zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Auf Anstiften der Mutter hatte Franz Diemert am 30. Juni d. I. seinen Stiefvater, den zweiten Mann seiner Mutter, durch Beilyiebe schwer verletzt. Auch die Ehefrau Mack brachte ihrem Mann noch Beilhiebe auf ben Kopf bei; beide schleppten ben Schwerverletzten in eine Scheune, wo er oon Nachbarn fterbenb auf- gefunben würbe; im Krankenhaus ist er bann seinen Verletzungen erlegen. Beide Angeklagten nahmen das Urteil ziemlich ruhig auf. Der Brand des 3usti;palasies in Istanbul. Die Untersuchungen wegen des Brandes des Iustizpalastes in Istanbul, über ben kürzlich berichtet wurde, habe ergeben, daß das Feuer durch Fahrlässigkeit eines Wächters enrftanb. Die Nachtwächter, die bas Feuer erst in sehr fortgeschrittenem Zustande bemerkten, versuchten zunächst selbst ber Flammen Herr zu werben, wodurch kostbare Zeit verloren ging, bis bie Feuerwehr eintraf. Die Schuldigen sehen einer strengen Bestrafung entgegen. Die verbrannten Prozeßakten werden auf rund 500 000 Millionen Stück geschätzt. Die türkische Rechtspflege dürfte für Monate stark beeinträchtigt fein. Die Gesamtzahl ber vernichteten Akten, darunter sehr viele wertvolle Dokumente aus alter Zeit oon historischem Wert, bürste 1,5 Millionen erreichen. Gründung des Reichsfachverbandes der elektrotechnischen Industrie. Unter dem Vorsitz von Direktor Philipp Keßler fand in Berlin die Gründungsversammlung bes Reichsfachoerbandes ber elektrotechnischen Inbustrie (RFC.) durch Umwandlung des bisherigen Zentrolverbands ber deutschen elek trotechnische'n Industrie statt. Der Reichsfachverband wird alle Unternehmungen umfassen, die auf dem Gebiet ber Elektrotechnik fabrikatorisch tätig sink». Seiner neuen Organisation liegt das Führerprinzip, sowohl in ber Leitung bes Verbands als auch in seinen einzelnen Gliedern zu Grunde. 76 Angeklagte in einem Rauschgiftprozeh. Dor der Großen Strafkammer VII des Landgerichts Hamburg begann ein großer Rausch- gistprozeß, der etwa 14 Tage dauern wird. Angeklagt sind 76 Personen, die als Rauschgifthändler tätig gewesen sind, oder sich als Verbraucher der Rauschgifte strafbar gemacht haben. Die Liste ber Angeklagten wird geführt von bem 38jährigen Techniker Wilhelm Helfer ich, der im April b. I. festgenommen werden konnte. Er legte ein rückhaltloses Geständnis ab, so baß es gelang, einige größere Rauschgiftzentralen in ben Hamburger Stadtteilen St. Georg und St. Pauli aufzudecken. Helferich bezog bie Rauschgifte oon bem 38jährigen W o l j e m e und dem 32jährigen G e o l, die beide wegen Rauschgifthandels bereits vorbestraft sind. Unter ben übrigen Angeklagten befinben sich auch zahlreiche rauschgiftsüchtige Frauen, bie als Opfer der gewissenlosen Händler betrachtet werben müssen. Wetter:' raussagc. Durch den Aufbau bes hohen Drucks im Nord osten unb durch den kräftigen Barometerfall über Frankreich haben sich bie Luftdruckgegensätze erheb Lid) verschärft. Bei dem engen Verlaut' der Isobaren hat über Deutschland lebhafte östliche bis nordöstliche Luibewegung eingesetzt, so daß die neue kräftige Kältewelle westwärts vorgetragen wird. Wir haben also mit einer wesentlichen Verschärfung des Frostes zu rechnen. Bei dem Zustrom der Kaltluft tritt zunächst noch wechselhafte Bewölkuvg auf, wobei auch einzelne r-chneefälle nicht ausgeschlossen sind, doch wird späterhin Aufklaren einsetzen. Aussichten für Donnerstag: Wechselnd wolkig mit Aufklaren, Verschärfung des Frostes, meist trocken. Aussichten für Freitag: Weiterhin ftren ger Frost. Lufttemperaturen am 12. Dezember: mittags — 2,3 Grad Celsius, abends —1,4 Grad; am 13. Dezember: morgens —2,5 Grad. Marimum —1,1 Grad^ Minimum —5,5 Grad. — (Frbtempcrcturen in 10 cm Tiefe am 12. Dezencker: abends —2,3 Grad; am 13. Dezember: morgens — 2,9 Grad Celsius. B518 1fvonnes Geheimnis Roman von Klothilde von Siegmann llrheberrechteschuh: Fünf-Türme.Verlag Halle (6adle) 8 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Zärtlich küßte Irene die Mutter und ging bann leise in ihr Zimmer Dort wartete sie ein paar Minuten. Durch die Tür hörte sie dos ruhige Atmen der Mutter. Jetzt war die Macht des Anfalls gebrochen. Sorgsam, jedes Geräusch vermeidend, öffnete Irene nun wieder die Tür Das war doch eine eigentümliche Sache, die sie da belauscht hatte. Fast den ganzen Tag saß Herr Wassiliew allein in seinem Zimmer, rauchte Zigaretten und schien zu lesen oder zu schreiben. Besuch hatte er noch nie empfangen. Er ging meistens aber auch nur aus eine Stunde mittags fort, und nur ab und zu des 2lbenbs. Berta jammerte immer, daß sie das Zimmer stets ganz schnell fertig machen müsse, weil der Herr jeden Augenblick zurackkommen konnte. Horchen war etwas, was Irene nicht lag. oic schämte sich fast. Aber die Sache war doch so merk- würdig, daß man sich Gewißheit verschaffen mußte. Rein Zweifel war mehr möglich. Im Zimmer des russischen Herrn wurde gesprochen. Außerordentlich lebhaft sogar, wenn auch mit gedämpften Stimmen. Irene trat vorsichtig einen Schritt näher. Da suhr cs wie ein elektrischer Schlag durch chren Körper Die Stimmen waren etwas lauter geworden. Das jetzt eben... es stimmte. Ober täuschte sie sich... nein, sie hatte richtig gehört — das war doch ganz unverkennbar Yvonne Dumonts Stimme ? Yvonne Dumont um drei Uhr nachts im Zimmer des Russen? Irene fühlte, wie ihr die Schamröte ins Gesicht stieg. (Eine rasende Erbitterung erfaßte sie. Erst der Flirt — man konnte cs beim besten Willen nicht anders nennen — mit Seeburg Und jetzt um diese Zeit befand sich das saubere Dämchen im Zimmer ihres anderen Nachbarn! Da gab es doch nur eine Deutung! Und von einer solchen Frau ließ Seeburg sich betören? Irene seufzte schwer auf. Wie weh das tat! Aber man durste jetzt nicht mehr an sich denken Man mußte sich genau überzeugen. Jetzt wurden die Stimmen wieder etwas lauter. Der Russe sprach heftig. Es klang, wie wenn er Yvonne Vorwürfe machte. War er eifersüchtig auf Seeburg? Jetzt sprach Yvonne. Auch ihre Stimme klang gereizt Da — jetzt — jetzt konnte Irene einzelne Worte verstehen. Yvonne sprach französisch. Zu schnell. Irene konnte nicht folgen. Jetzt sagte der Russe etwas — auch französisch. Deutlich hörte Irene bie langsam gesprochenen Worte: --"sprechen mir zu schnell. Ich versteht Ihr Deutsch besser. Celia, Ihr Russisch ist fürchterlich . . Und jetzt erwiderte Yvonne; sie sprach nun auch langsamer. Ls war, als ob sie manchmal ein Won suchte: „Gut, also deutsch. Begreifen sie doch, Oberst Diese Deutschen sind doch fo schwerfällig. Da kommt man nicht so schnell weiter. Er hat mir ja noch nicht einmal gesagt, daß er mich liebt. Ich muh ihm doch jedes WoN in den Mund legen. Manchmal verliere ich fast die Geduld." Jetzt sprach wieder Wassiliew: „Celia, wir haben nicht so oiel Zeit Ich darf mich auf der Straße kaum zeigen. Ich habe immer Sorge, daß ich jemand treffe, der mich erkennt. Ich gehe deshalb am Tage gar nicht aus. Aber die Herren in Paris werden ungeduldig." „Man muß sich in Paris gedulden. Eile würde alles verderben. Am liebsten gäbe ich den Auftrag zurück; sollen sie eine andere ichicken die schneller 3um Ziel kommt! Aber nein, das geht ja auch nicht. Der Mensch ist ohnehin schon so mißtrauisch. Sowie ich auf das Amt zu fprechen komme: er — wie sagt man — er will nicht weiterreden." Was soll das bloß bedeuten?, dachte Irene. Ein Liebespaar ist das nicht. Ich verstehe gar nicht... Jetzt sprach der Russe wieder: „Also gut, ich werde berichten, daß man Ihnen noch Zeit läßt. Brauchen Sie Geld, Celia? Es geht Ihnen auf dem üblichen Wege zu. Seien Sie vorsichtig und berichten Sic nach Paris. Mich halten Sie weiter auf dem laufenden Keine Unvorsichtigkeiten! Es darf niemand wissen, daß wir uns kennen. Und jetzt gute Nacht, Celia! Können Sie durchschlüpfen? Gut. Machen Sie die Tür zu. Ich schiebe den Schrank vor." In Yvonne Dumonts Zimmer wurde es hell. Die Nachttischlampe schien angeknipst zu sein. Irene hörte das Rascheln von Kleidern. Dann wurde cs in den beiden Zimmern dunkel. Durch die Mattscheiben fiel das fahle Licht des heranbrechenden Morgens. Regungslos stand Irene. Sie wagte kaum zu atmen. Jetzt nur ruhig, bis die beiden schliefen? Endlich hörte man keinen Laut mehr. Da schlich auch Irene in ihr Zimmer zurück. Was war das eben gewesen? Hatte sie geträumt? Sie sah in ihrem Zimmer und dachte nach. Langsam versuchte sie Ordnung in ihr Denken zu bringen. Allo Yvonne Dumont und Wassiliew kannten sich? Und zwar so gut, daß Yvonne den Russen nachts in feinem Zimmer aufkid)tc9 Wie merkwürdig diese Unterhaltung gewesen war! Celia hatte der Russe Yvonne angerebet. Sie hieß doch Yvonne .. Oder war das gar nicht ihr richtiger Name? „Oberst" hatte Yvonne zu Walstliew gesagt. Auf seiner Anmeldung stand doch: Professor der Mathematik? Und plötzlich fiel Irene ein: Yvonne hatte doch Deutsch mit hem Obersten gesprochen. Also konnte sic Deutsch? Dabei hatte sie doch immer behauptet, fern Dori Deutsch zu verstehen. Warum tat sie das? Sie machte sich dadurch doch alles^viel unbequemer ? Was hatte Yvonne Dumont von Seeburg gesagt? Denn Seeburg war doch wohl gemeint? Er sei so schwerfällig, sie müsse ihm jedes Wort in den Mund legen; sie habe ihn noch nicht so weit? Irene setzte sich mit einem Ruck im Bett auf. Ihr Herz fing rafenb an zu klopfen. Gefahr für Seeburg? Das fühlte sie unabweisbar. Sie mußte ihn warnen. Aber würde er ihr glauben? Würde er nicht denken, sie wolle Yvonne bei ihm oer- trächtigen? Wieder überflutete Glut Irene. Was war das nun wieder? Was aina sie Seeburg an! Da fühlte sie, daß sie sich selbst belügen wollte. Sie liebte ihn Liebte ihn mit der ersten scheuen und doch verzehrenden Liebe ihres nun erwachten Hebens. Und mußte doch zu gleicher Zeit erkennen. daß diese Liebe hoffnungslos war. Nie durfte oeeburg von dem erfahren, was in ihr für ihn lebte. Sie muhte ihn warnen, ihn retten. Wie fing sie das bloß an? Wer half ihr? Die Mutter durfte von ihrer Entdeckung nichts ahnen. Doch allein fand sie sich gar nicht durch. Irene lieh sich wieder zurückfallen. Eine schwere, traurige Müdigkeit kam über sie. Sie versuchte noch einmal ihre Gedanken zu ordnen: Seeburg — Yvonne — Celia — Seeburg — Gefahr.. Dann hatte der Schlaf Irene übermannt. 21m nächsten Morgen mußte Irene sich erst mühsam die Ereignisie der Nacht wieder in die Erinnerung zurückrufen. Wie ein böser Traum erschien es ihr, was sie doch mit eigenen Ohren gehört hatte. Wieder quälte sie der Gedanke, was sie tun sollte. Ob sie ihren Detter Franz von Malesius ins Vertrauen zog? Es war doch ihr Verwandter und hatte ihr oft "genug gesagt, daß er ihr immer zur Verfügung stände, wenn sie ihn brauchte. Bisher war das nie der Fall gewesen. Sie mochte Franz nicht recht. Gründe für ihre Abneigung hätte sie eigentlich nicht recht anzugeben gewußt. Doch Franz als ihr Vertrauter — der Gedanke war unmöglich. Ach. wenn Ihr Bruder Hans noch lebte! Trotz des Altersunterschiedes hatte sie ihn zärtlich geliebt. Manchmal dachte sie mit heißer Wehmut an die zarte Ritterlichkeit zurück, die er der kleinen Schwester immer erwiesen hatte. Da fuhr sie aus ihrem Nachdenken auf: Eben war die Flurtür laut ins Schloß gefallen. Das mußte Fräulein Dumont gewesen sein. Die warf die Türen immer so laut. Herrn Wassiliew horte man nie, wenn er ging oder kam. Als Irene in den Korridor kam, stand die Tür zu Wassiliews Zimmer offen. Berta war dort schon beim Aufräumen. „Guten Morgen, Fräulein Irene. Der gnädigen Frau geht es ja wieder besser. Waren Sic schon bei ihr?" ..Nein, Berta — Mutter schläft nach solchem Anfall gern aus." „Aber sie war vorhin schon einmal bei mir in der Küche Da schliefen Sie noch — bitte, Fräulein Irene, wollen Sie mal helfen, den cdjranf hier abrücken? Oder soll ich den Portier holen?" „Versuchen wir es erst mal gemeinsam, Bert«. Nanu! Das geht ja kinderleicht." „Was ist denn mit dem Schrank los, den kann ja auf einmal ein Kind schieden?" Bena war niedergekniet. ,J)aben Sie hier unter dem Schrank die Gleiter anbringen lasten. Fräulein Irene? Nein? Dann muh es Herr Wassiliew getan haben. Ein merkwürdiger Herr. Aber wenn er uns noch mehr solche Dinger anmachen läßt — Elfengleiter scheinen es zu sein —, uns kann s rechj fein." Irene erwiderte nichts. Sie wußte, warum der Schrank leicht gerückt werden sollte. Richttg, die Nägel, die der Portier eingeschlagen hatte, waren auch verschwunden. Hossentlich merkte Berta nichts. Als Irene der Mutter guten Morgen gewünscht hatte und zu ihrer Freude fand, daß cs ihr wieder gut ging, sagte sie. daß sie sich wegen einer Stellung oorslellen wollte. Es sei ein Inserat in der Zeitung „Geh nur, mein Kind — hoffentlich wird es etwas " „Auf Wiedersehen. Mama! Es kann etwas länger dauern. Zu Tifch bin ich natürlich zurück." Als Irene auf der Straße war. kam sie plötzlich zu einem Entschluß. Sie wollte zu Doktor Miller gehen, der mit Seeburg befreundet war. Ein Freund ihres Bruders war er ja überdies auch gewesen. Die Sorge um Seeburg lebte wieder schwer in ihr auf. Doktor Miller würde ihr helfen, würde ihr schon sagen können, was zu tun wäre. Man konnte doch oeeburg nicht ungeroarnt lasten, wenn ihm eine Gefahr drohte! Ob Doktor Miller sie wohl mit ihren Befürchtungen auslachen würde? Ach, das war jetzt gleichgültig! Was kam es auf sie an? Um Seeburg allein ging es. Er war in Gefahr Sie mußte versuchen, ihm zu helfen, und wenn es um ihr Leben gegangen wäre Aber eins mußte Miller ihr versprechen: Seeburg durfte nichts davon erfahren, daß sie es gewesen war, von der die Warnung kam. Sie war inzwischen am Nollendors- platz angelangt. Da war ein Fernfprechautomat. Irene rief im Polizeipräsidium an „Kann ich durch Sie Herrn Kriminaldirektor Doktor Miller ereid)cnv" „Einen Augenblick, ich verbinde", lautete die Antwort. Gleich daraus meldete sich Doktor M'ller. „Herr Doktor, hier ist Irene von Merten. Rann ich Sie in einer wichtigen Sache sprechen, und wo finde ich Sie?" „Fragen Sie nur am Eingang des Präsidiums nach mir. Man wird Sie schon zu mir führen. Ist etwas passiert, gnädiges Fräulein? Hoffentlich nichts mit Seeburg?“ „Rein, passiert ist eigentlich nichts. Ich möchte nicht gern am Fernsprecher reden." (Fortsetzung folgt.) Marie Kliffmüller Frau Elisabeth Schütz, geb. Hankel Die trauernden Hinterbliebenen im Alter von 49 Jahren. Gießen, den 13. Dezember 1933. 748-0 06984 In tiefer Trauer: wieseck, den 12. Dezember 1933 Großen-Buseck. den 12. Dezember 1933. 7487 D Die Beerdigung findet Donnerstag, 14. Dez., nachm 2 Uhr statt Matt hatten1 Familie Reich Giehen, Dezember 1933. | Stellenangebote| liebere Imftetu .R.* 2500- übi stenz für em. Am 11. Dezember verschied sanft nach längerem schweren Leiden unsere liebe Schwester. Schwägerin und Tante Gießen, den 12. Dezember 1933. Gr. Steinweg 26. z. Z. Neuen BAue 7 Heute morgen 10 Uhr entschlief still nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, meine Hebe Tochter und Schwester, unsere Schwägerin und Tante Brotschneiden geht mit der Brot schneide - Miechine schneller Ole Haue* trau apart Arbeit — SchenkenSie ihr eine solche Maschine. — Billig sind e*e bei J.B. 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Lang Familie Adolf Weller Heute mittag starb nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein herzensguter Mann, mein lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager, Pate und Onkel Für die uns beim Heimgange unserer lieben Mutter bewiesene wohltuende Teilnahme sagen wir herzlichsten Dank. Heute mittag 1 Uhr entschlief sanft nach langem schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater. Schwiegervater. Großvater. Bruder und Schwager Die Beerdigung findet Donnerstag, den 14. Dezember, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause. Rahenauer Straße Nr 34. aus statt. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 14. Dezember, nachmittag «U Uhr statt. Georg Lang, Gastwirt im Alter von 59 Jahren. Nach kurzer, mit großer Geduld ertragener Krankheit verschied heute morgen meine innigstgeliebte Frau, die junge Mutter ihres lieben Kindes, unsere gute Tochter und Schwiegertochter, meine geliebte Schwester und Enkelin, unsere liebe Nichte. Schwägerin und Kusine Frau Ottilie Gerlach geb Inderthal In tiefer Trauer: Marie Lang. geb. Strack Otto Lang und Familie Albert Lang und Frau. Garbenteich. 12. Dezember 1933. Heinrich Weller XIII Bahnarbeiter i. R Im 66. Lebensjahre. Brotkasten weil lackiert und emailliert, hM dae Bro fnech. Da« wlre ein schönen Geschenk. GroOe Auswahl und billig bei J.B.Häuser Am Oswaldsgarten Steten, Ruf 2145 2141. Anmachholz Bestellung eil ’ticn wir öticli nn uns, möglichst oer Post» arte fiKiSD VomMuewerl foilar h. Huhn, toller Mercedes Kleimchreibmaschine nur HL- KM. schon für monatl. RM.7.N Franz Vogt & Co. Seitenweg 44 Rui 2484 Trockenes liefert I. Ille Her. Zimmermeister, 727-D Leibqester«. Illlllllllllllllllllllllllllllllllll Kleinschreibmaschine dir. o.öabrikvertr., la Marke, mon. ß,50 RM. an. 1 X •'ter. Marl Lkbivv. Mainz-Momb. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiii Schone MwWlM einaetrosien! Per- kauf nur Setter-tor CckeWeffanlaac."E> Nömer-Frofch. 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