Nr.n Srübausgave Zreitag, 15. Januar 1955 185. Jahrgang Erlcheini tägltd), nutz« Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholle Manatr-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen R9N 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt 5ernsvrechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anlchrist für Drohlnach- richten Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: jironfftirt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen vri'ck uni* Verlag: vrühl'fche Univerfttäi§-Vuch- und Steinöniderei R. Lange in Sietzen. Zchnftleitung unü Seschäftzftelle: ZchuFtraße ?. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» hlameanu'igen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lang«?. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für ^en An. zeigenteil i. D. TH.Kümme! sämtlich in Biegen. Reichsregierung und Landwirischast. Die tAtettungnahme des Kabmeits zu den wichtigsten Agrarpolitiken Fragen. Berlin, 12. Ian. (TU.) Bon zuständiger Stelle wird heute noch einmal ein allgemeiner Ueberblitf über die Haltung und die Absichten der Reichsregierung gegenüber den aktuellen Forderungen der Landwirtschaft gegeben. Von besonderem Interesse ist die Mitteilung, daß die Reichsregierung von der autonomen Berechtigung für Zölle unter allen Umständen Gebrauch machen will, in dem Maße, in dem es den )7.otwendigkeiten der Landwirtschaft entspricht. Welche Bindungen vorgenommen werden sollen, läßt sich zur Stunde noch nicht sagen. Die Reichsregie- rung geht von dem Standpunkte aus, daß die Interessen innerhalb der Landwirtschaft keineswegs überall die gleichen find, daß vielmehr — genau wie in der Industrie — sich ganz ausgesprochene Gegensätze finden. Von der Margarineoerordnung erwar- td die Regierung keineswegs eine vollkommene Hilfe für die Landwirtschaft. Die Grenzen, die der Reichsregierung in dieser Beziehung gezogen sind, sind sehr eng. Wenn man der Margarine zuviel Butter beimischen sollte, würde man Gefahr laufen, daß die Verbraucher aus der Butter in die Margarine übergehen und daß infolgedessen noch weniger Butter verbraucht wird, als bisher. Vor allen Dingen darf nicht vergessen werden, daß ein großer Teil der Bevölkerung gar nicht imsta"de ist, Butter zu kaufen und daß ein anderer großer Teil der Bevölkerung von der teuren Margarine zu der ganz billigen Margarine übergegangen ist. Wichtig ist auch die Frage der Kontingentierung der Erzeugung Die Reichsregierung denkt nicht daran, die bisher etwa 450 000 bis 480 000 Tonnen jährlich betragende Margarinerrzeugung auf 240 000 Tonnen herabz'ifehen. wünschenswert erscheint allerdings die Verhinderung einer weiteren Erhöhung der TNargarineproduktion, weil sonst auch andere inländische Felle wie Schmalz und Speck nicht mehr von dem Konsum ausgenommen werden könnten und dadurch die Lage der deutschen Landwirtschaft weiter verschlechtert würde. In den der Reichsregierung nahestehenden Kre'.s-en ist man der Olu^fa^ung, daß die Mar - g a r i n e i n d u st r i e , die zu 70 Prozent aus auslänischem Kapital besteht, immer noch recht erhebliche Gewinne erzielt hat, von denen ruhig eiwas zugunsten der deutschen Landwirtschaft abgezweigt werden tonnte, ohne daß der Konsument dadurch geichäd g? würde. Das Re.chsemährungs- ministerium hat bei der Margarineindustrie eine 11 m c r a g e vcranstal'et. Die Antworten daraus lauten jedoch meist negativ, wie man annimmt, weil die Industrie glaubt, die Regie- rung damit beeinflussen zu können. Diese Hoffnung wird allerdings, wie von unterrichteter Seite unterstrichen wird, täuschen. Die Regierung denkt nicht daran, den nur mit aller Dorsicht beschrittenen Weg aufzugeben, und kann deshalb nur hoffen, daß die Margarineindustrie Jug genug ist, den Weg zur Regierung zurückzufinden. Was die Zölle anbetrifft, so wird daran erinnert, daß der Reichskanzler sich darüber bereits mit voller Klarheit ausgesprochen hat. Die Beschlüsse der Ottawaer Konferenz sind für zahlreiche europä s che Länder von verhängnisvoller Wirkung gewesen. Beispielsweise ist Dänemark dadurch gezwungen worden, seine Produkte auf den deutsLen Markt zu werfen, ohne überhaupt noch Preise zu fordern, sondern lediglich d a s zu nehmen, was es dafür bezahlt^ bekommt. Auf diesen Umstand ist auch zum Teil der Buttersturz unmittelbar nach Weihnachten zurückzusüh en. Hinzu kommt, daß Deutschland selbst eine erhebliche Mehrproduktion an Butter durch Umwandlung der Käsereien in Buttereien und durch Vermehrung der Milchproduktion hat. Markenmilch findet fast überhaupt keinen Absatz mehr. Die gesamte Milch wandert ins Butterfaß. Deutschland ist bei einer großen Anzahl der landwirtschaftlichen Produkten gegenüber anderen Ländern an relativ niedrige Zölle gebunden. Deutschland hat kaum noch die Möglichkeit, Getreide auszusühren. Während in früheren Jahren bis zu 2 Millionen ausgeführt wurden, waren es im letzten Jahr kaum 300 000 Tonnen. Man ist aber infolge der durch die autonomen Zölle verhältnismäßig günstigen Getrcidepreise aus der Bichwirtschaft vielfach xur Getreidewirtschaft übergegangen. Deutschland hatte von 1931 zu 1932 eine Erhöhung der Anbaufläche um 16 v. H. Die Schlachtoiehpreise sind auf den Stand von 1869 zurückgegangen. Die Preise für häute und Felle sogar auf den Stand des Jahres 1800. Die Viehwirtfchast ist dadurch gezwungen worden, sich in großem Maße auf Marschen und Weiden umzusiellen. Diese Zusammenhänge zwischen Viehwirtschaft und Getreidewirtschaft sind für das ganze Zollsystem von größter Bedeutung. Wenn es nicht gelingt, die Viehpreise zu schützen, so ist nicht abzusehen, was mit der bäuerlichen Veredelungswirtschaft werden wird, die feinesroe^e ein großagrarisches Interesse darstellt, sondern in der Hauptsache bei den Siedlern und Kleinbauern liegt. Die Absperrungsmaßnahmen der a n - deren Länder zwingen auch Deutschland, auf diesem Gebiet vorzugehen, um die eigene Landwirtschaft zu schützen. Denn die Auswirkung dieser Maßnahmen ist, daß der deutsche Markt von allen Seiten überschwemmt wird, zu Preisen, die die eigene Erzeugung völlig erdrücken. Einzelheiten über die beabsichtigten Zollmaßnahmen können jedoch im Augenblick noch nicht bekanntgegeben werden, weil eine vorzeitige Veröffentlichung die Gefahr der Voreinfuhr mit sich brächte Drittens handelt es sich um den vollstreckungs- schuh Er wird das Kernstück der neuen Verordnung fein. Die Reichsregierung hat sich mit ihm bereits feil längerer Zeit in eingehenden Beratungen befchäftigt. So wie der voll streckungsfchuh ausgedehnt werden wird, wird er voraussichtlich das ganze Reichsgebiet umfassen, allerdings auch die Gläubigerinteressen nicht außer acht lassen. Zugegeben wird daß insbesondere die Viehwirte in Schleswig-Holstein ganz unverschuldet in ungeheure Not geraten sind und daß man versuchen muß, sie zu schützen. Unter allen Umständen soll aber verhindert werden, daß im Falle des Ausbleibens der Zwangsversteigerung eine Devast i e r u n g eines Gutes stattfindet. Ein gewisser Vollstreckungsschutz soll auch für Mobilien eingeführt bzw. verlängert werden. Für Siedlungszwecke steht ausreichend Land zur Verfügung, um in diesem Jahre etwa 3000 Siedler anzusetzen. Bei der Entschuldung namentlich größerer Güter dürfte weiteres Land in erheblichem Umfang anfallen. Man ist der Ansicht, daß in nächster Zeit Siedlungsland in Hülle und Fülle zur Verfügung steht. Oie neue Notverordnung. Ministcrcntpsang bei Hi 'denburg. Berlin, 12. Januar. (WTB.) Der Herr Reichspräsident einpsing heute den Reichskanzler und den Reichs mini st er der Justiz zum Vortrag. Der Reichspräsident nahm heute, wie die TU. meldet, den Vortrag der zuständigen Minister über die geplante Verordnung zum D o l l - streckungsschutz für die Landwirtschaft entgegen. Anschließend werden noch heute weitere Besprechungen im Reichskabinett hierüber stattfinden, worauf die Verordnung in ihrer endgültigen Formulierung dem Reichspräsidenten vorgelegt wird. Reichslandbund und Neichsregierung. Neue Erklärung des Reickstandbundes Berlin, 12. Ian. (TU.) Das Präsidium des Reichslandbundes nimmt zu der amtlichen Mitteilung über den Abbruch der Beziehungen der Reichsregierung zum Reichs- landbund m't folgender Erklärung Stellung: „Die Mitteilung der Reichsregierung enthält wesentliche Lücken und Unrichtigkeiten, die geeignet sind, den wahren Tatbestand zu verdunkeln. Gerade die Tatsache, daß die bisherigen Verhandlungen m" her Reichsregierung zu keinen -' *» Graf Kalckreuth, der Präsident des Reichslandbundes. praktischen Folgerungen durch Eingreifen der notwendigen und möglichen agrarpolitischen Cosortmaßnahmen geführt hatten, war ausschlaggebend für Ton und Inhalt der Entschließung des Bundesvorstandes des Reichslandbundes, die der Widerhall der Verzweiflung und Verbitterung des deutschen Landvolks ist, das sich infolge des Ausbleibens der immer wieder versprochenen durchgreifenden Agrarmaßnahmen von der Reichsregierung im Stiche gelassen fühlt. Dieser Stimmung öffentlich Ausdruck zu geben, war selbstverständliche Pflicht des Bundesvorstandes. Die Entschließung wurde sofort der Presse übergeben. Hm keinen Versuch zu unterlassen, die Reichsregierung zu den notwendigen Sofortmaßnahmen zu veranlassen, wurde im weiteren Verlauf der Dundesvorstandssitzung beschiessen, den Reichspräsidenten um einen Empfang von Vertretern des Bundesvorstandes zu bitten, um diesem persönlich ein unmittelbares Bild von der von den Vertretern aus allen Landesteilen zum Ausdruck gebrachten, -aufs äußerste zugespitzten Der» zweiflungsstimmung zu geben. Der nachgesuchte Empfang fand umgehend durch den Reichspräsidenten persönlich in den Mittagsstunden statt. Es ist tennzeichnend, daß die amtliche Mitteilung über diesen Besuch stillschweigend hinweggeht. Denn die bei diesem Empfang gemachten Ausführungen, die der Entschließung des Bundesvorstandes in jeder Beziehung entsprachen und sie durch Einzelheiten insbesondere der bäuerlichen Vertreter erweiterten, machten so tiefen Eindruck auf den Reichspräsidenten, daß er sich entschloß, die Vertreter des Bundesvorstandes zu einer neuen Besprechung mit dem Reichskanzler, dem Reichswirtschaftsminister und dem Reichsernährungsminister noch am selben Tage aufzufordern. Diele Besprechung fand unter Vorsitz des Reichspräsidenten wenige Stunden darauf statt. Wenn es in der amtlichen Mitteilung über diese zweite Besprechung heißt, „daß durch die bereits getroffenen und noch beabsichtigten Maßnahmen der Reichsregierung den Wünschen der Abordnung schon soweit wie irgend möglich Rechnung getragen worden war", so ist diese Behauptung in doppelter Beziehung unrichtig. Die Reichsregierung ist keinen Augenblick in Zweifel darüber gelassen worden, daß die bisherigen ograrpolitischen Maßnahmen in keiner Beziehung genügten. In bezug auf die beabsichtigten agrarpolitischen Maßnahmen war lediglich in zweierlei Beziehung eine Feststellung zu erreichen. Der Reichspräsident sagte einen umfassenden Voll streckungsschutz zu und gab dem Reichskanzler entsprechende Weisung. Der Reichskanzler-seinerseits stellte eine künftige Handhabung der landwirtschaftlichen Zölle in Aussicht, die der Lage der Landwirtschaft teilweise mehr gerecht werden sollte. Die Reichsregierung kündigt in ihrer amtlichen Mitteilung lediglich an, „daß alles sachlich Mögliche" für die Landwirtschaft geschehen werde. Es ist nicht die erste Zusicherung dieser Art. Die Stellung des Reichslandbundes zu der Reichsregierung wird nach wie vor nicht von den Versprechungen der Reichsregierung, sondern von ihren Taten bestimmt werden. Wenn jetzt die Reichsregierung die Tatsache der Veröffentlichung der Entschließung des Bundesvorstandes glaubt dazu benutzen zu sollen, die 'Beziehungen zum Reichslandbund abzubrechen, so erscheint das lediglich als ein Versuch. sich der Verantwortung, die die Reichs- reg:erung gegenüber dem landwirtschaftlichen Berufsstande hat, zu entziehen, um im Dunkel der Regierungskonklaven ihren bisherigen verhängnisvollen wirtschaftspolitischen Weg fortzusehen. Ihr Anspruch auf Vertrauen zu dieser Politik hinter verschlossenen Türen aber ließe sich nur rechtfertigen, wenn sie Taten aufweisen könnte, die eine erfolgreiche Abkehr von der bisherigen verhängnisvollen Wirtschaftspolitik bringen. Daß diese bisher völlig fehlen, ist der Grund der Derzweiflungsstimmung int Lande. Der Abbruch der Beziehungen zum Reichslandbund ist ein Beweis dafür, daß die Reichsregierung den Rotruf des Landvolkes nicht hören will, oder völlig die wahre Sachlage verkennt. Der Reichslandbund wird sieh dadurch nicht beirren lassen, seinen Kamps für die Gesundung der Landwirtschaft mit allen gebotenen Mitteln fortzusetzen." Die Empfänge und d e Landbund-Erklärung. Berlin, 12. Jan. (CNB) Da immer noch u n - richtige Darstellungen über die Besprechungen umgehen, die am Mittwoch mit dem Reichslandbund stattgefunden hoben, ist es nützlich, einmal eine klare chronologische Ueberstcht zu geben: Nach der Vorstandssitzung Des Landbundes ist gegen Mittag ein Empfang beim Reichspräsidenten nachgejucht worden. Angesichts der Wichtigkeit der Materie hat der Reichspräsident sich bereit erklärt, die Herren sogleich zu empfangen. Dieser Empfang fand um 13 Uhr statt. Dabei wurde aber von der Entschließung, die der Bundesvorstand vorher gefaßt hatte, mit feinem Worte gesprochen Der Vorstand des Land- bundes hat dem Reichspräsidenten nur von den Sorgen der Landwirtschaft berichtet. Wie immer, hat der Reichspräsident großes Verständnis für die Nöte der Landwirtschaft gezeigt. Deshalb wurde auch vereinbart, daß noch im Laufe des gleichen Tages eine neue Besprechung unter Zuziehung des Reichskanzlers und der zuständigen Reichsminister ftatthnben soll. Reichskanzler von Schleicher hat sich zu einer solchen Konferenz ebenfalls sofort bereit erklärt, und sie hat dann 17.30 Uhr begonnen. Dabei wurden alle Punkte im einzelnen d u r ch g e g a n g e n, und Ende der Konferenz herrschte der Eindruck, daß sie wirtlich einen positiven Nutzen für die Landwirtschaft gebracht habe. Als der Reichskanzler dann in feine Amtsräume zurückkehrte, wurde ihm die Entschließung übergeben. In der Konferenz beim Reichspräsidenten ist sie ebensowenig auch nur mit einem Worte erwähnt worden, wie mittags bei dem ersten Empfang Die Absendung und Veröffentlichung der Entschließung ist zwischen den beiden Empfängen erfolgt. Als sie dem Reichspräsidenteil und dem Reichskabinett zur Kenntnis kamen, mußten sie nach dem, was vorousgegangen war, s'ii Eindruck machen, der ja inzwischen bekannt geworden ist. von S y b e l, Vorstandsmitglied des Reichs» landbundes. Oer Reichslandbund an Hindenburg. Berlin, 12. Ian. (TU.) Wie der Rationalsozialistische Zeitungsdienst aus gut unterrichteten Kreiselt erfährt, hat das Präsidium des Reichslandbundes an den Reichspräsidenten von Hindenburg einen herzlich gehaltenen Brief gerichtet, der dem Reichspräsidenten Donnersiagna m ttag zuge eitet nu de. In dies.m Brief gibt das Präsidium des Reichslandbunoes seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß der Reichspräsident anläßlich des Besuches b.s Präsidiums des Reichslandbundes für die Röte und Leiden der deutschen Bauern Verständ- n i s gezeigt habe. In dem Brief wird nochmals der Standpunkt des Reichslandbundes zu der Politik des Kabinetts von Schleicher klargelegt und die dem Äeichslandbund von dem Kabinett zum Vorwurf gemachten Dinge als unbegründet bezeichnet. Kundgebung der Industrie. Berlin, 12.Jan. (TU.) Der Reichsver band der Deutschen Industrie übergibt der Öffentlichkeit folgende Kundgebung: „Der Reichsverband der Deutschen Industrie nimmt mit größter Empörung von den unerhörten, auch die Ehre des seiner Verantwortung voll bewußten deutschen Unternehmertums schwer verletzenden Angriffen in der gestrigen Entschließung des Vorstandes des Reichslandbundes Kenntnis, in der von der „Ausplünderung der Landwirtschaft zugunsten der allmächtigen Geldbeutelinteressen der international eingestellten (£r- portindustrie und ihrer Trabanten" gesprochen wird. Der Reichsverband lehnt es ab, mit den für diese Erklärung verantwortlichen Personen in eine sachliche Diskussion einzutreten. Er weist derartige, wider besseres Wissen erhobene, vaterländische Interessen auf das schwerste gefährdende Beschimpfungen eines unentbehrlichen Teils der deutschen Wirtschaft auf das schärfste zurück. Zu den in dieser empörenden Weise angegriffenen Industriezweigen gehören gerade diejenigen Industrien — namentlich auch in den Notstandsgebieten Sachsens, Thüringens, des Bergischen Landes und der Grenzgebiete —, deren materielle und seelische Not mindestens so groß ist, wie in Teilen der Landwirtschaft. Der Leitung des Neichslandbundes fei gesagt, daß sie auf Granit beißt, wenn sie glaubt, die Einheitsfront der deutschen In d u ft r i e durch eine derartige Verhetzung auch nur lockern zu können Das Vorgehen des Vorstandes des Reichslandbundes ist um so unverständlicher, als ihm bekannt ist, daß sich die Industrie in den letzten Monaten in Erkenntnis der Schicksalsverbundenheit der beiden Berufsstände erneut zu erfolgversprechender Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft bereit erklärt und gerade in den letzten Wochen und Tagen in gemeinschaftlicher persönlicher Fühlungnahme um praktische, auf bas Gemeinwohl abgestellte Lösungen bemüht hat — Tatsachen, die mit der Reichsregierung verantwortungsbewußte Führer der Landwirtschaft begrüßt haben. Im Interesse des Volksganzen ist es nicht erträglich, daß die sachliche Arbeit verantwortlicher Männer durch eine tief bedauerliche Verhetzung zur Unfruchtbarkeit verdammt wird." Oer Großhandel gegen Vollstreckungsschutz. Berlin, 12. Ian. (TU.) Der Reichsverband des Deutschen Groß- und 11 c b c r f e c • Handels teilt mit; »Obwohl der am In- und Exportverkehr beteiligte deutsche Groh- und Lleberseehandel in wiederholten Erklärungen sich zur engen Verbundenheit mit der Landwirtschaft bekannt und ihre dauernde Sanierung, allerdings mit erfolgverspre. enden Mahnahmen, als eine der wichtigsten staatspolilischen Forderungen dieser Zeit immer wieder gefordert hat, hält es der Landbund für richtig, in einer Erklärung, die nach Form und Inhalt einer fachlichen Behandlung der Fragen abträglich ist, gegen die in der Export- Wirtschaft tätigen Wirtschastskreise heftige Angriffe zu richten. Unter entschiedener Zurückweisung dieser Angriffe hat der Rcichsver- band des Deutschen Grosz- und äleberseehandels in einer Eingabe an die Aeichsregie- rung gegen die offenbar in Aussicht genommenen Sofort Maßnahmen, insbesondere auf dem Gebiete des Vollstreckungsschutzes für die Landwirtschaft entschiedenen Einspruch erhoben. Es wird daraus hinge- wiesen, daß nach den verhängnisvollen, mit dem Dollstreckungssckuh, insbesondere in der Osthilfe, gemachten Erfahrungen der Rot der Landwirtschaft mit einer solchen Maßnahme nicht gesteuert werden kann. Lahmlegung jeder Initiative, schwere Schädigungen des Kredites der noch gesunden Träger der Landwirtschaft sind mit Sicherheit zu erwarten. Die Regierung wird eindringlich davor gewarnt, sich ohne eingehende vorherige Fühlungnahme mit allen beteiligten Kreisen zu Maßnahmen dieser Art drängen zu lassen." Unterredung Straßer-Brüning? Berlin, 13. Jam (CRV-Funlspruch.) Laut „Vossischcr Zeitung" soll Gregor Straßer während der Wehnachtsfeiertage mit Dr. Brüning eine Unterredung in Trossingen bei Freudenstadt gehabt haben. Hitler gegen Stegmann. München, 12. Ian. (TU.) Wie die „RSK." mitteüt, hat Adolf H i t l e r an den seines Postens enthobenen fränkischen SA. - Führer Wilhelm S t e gm a n n - Schil ingsfürst felgendes Telegramm gesandt: „Da Sie trotz meiner Ihnen persönlich gemachten Verwarnung sich abermals in schwerster Weise gegen die Parteiinteressen vergangen haben, bestätige ich nicht nur die vom Stabschef Röhm bereits ausgesprochene Enthebung von ihrer Dienstste'lung, sondern erkenne Ihnen auch strafweise Ihren D i e n st r a n g ab. Adolf H i 11 e r.“ Die Obersten-Oikiaiur in Polen. Kronprinzenprobleme. — Wer wird pilsudskiö Erbe antreten? Von unserem l).-Korrespondenten. Warschau, 5. Januar 1933. Seit der Silvesternacht hat Polen seinen Sturm im Wasserglas. Ein englischer Rundfunkansager hat in der Jahresübersicht, die der großen „Ansprache an alle Völker des englischen Weltreichs" aus dem Munde des englischen Königs vorausging, festgestellt, daß der Frieden solange nicht einkehren könne, als z. B. Polen mehr als ein Drittel seines Staatshaushaltes für die Aufrüstung seiner Wehrmacht a u 5 g e b e. Die Wahrheit verletzt immer am meisten, wenn man etwas verheimlichen will, und so vermag man zwar die Richtigkeit der englischen Behauptung nicht zu leugnen, entrüstet sich jedoch umso mehr über die „britische Anmaßung", die „sich mit heuch'-^'der Moral über die Staatsnotwendigkeiten des von allen Seiten bedrohten Polen hinwegsetzt und dem Trommelfeuer der deutschen Revisionspolitik kostenlos vergiftete Munition liefert." Schöner kann man es gar nicht sagen, als mit diesen Sätzen des halbamtlichen polnischen Organs. Aber auch das ganzamtliche Polen fühlt sich scheinbar an seiner Achillesferse gekitzelt, denn mit Genugtuung verzeichnet man, daß der polnische Botschafter in London — seit einigen Jahren unterhalt man gegenseitig in London und Warschau Vollbotschasten — eine ernsthafte Demarche unternommen hat, und daß ihm alle notwendigen Garantien gegen die Wiederholung eines solch fluchwürdigen Vorgangs gegeben worden seien. Schade, die englischen Zeitungen, die soeben hier ankamen, wissen nichts von „Entschuldigungen" und „Garantien", sondern sie sind voll überlegenem Spott über das „bebende polnische Froschherz unter der klirrenden Ritterrüstung". So wird man denn in den nächsten Tagen wieder einmal, gesteigert durch die Vorliebe der Warschauer für Pose und Theatralik, die Platte vom „perfiden Albion" und dem „süßen Frankreich" vernehmen. Sturm im Wasserglas, weil einer dieWahrheit gesagt hat, und diese Wahrheit angesichts des Bauernelends und der Jndustrieverarmung wehe tut Polen lebt seit 1926, seitdem Marschall Pil° s u d s k i, unterstützt von englischem Gelde, seine Legionäre gegen das „Belvedere" führte, unter der Diktatur. Jede Diktai • hat ihre Probleme eigener Art. Das wichtigste ist das des „Kronprin- zentums", also der Nachfolge. Von ihm sei heute einmal die Rede. Was weiß man in Westeuropa, aber auch in Deutschland viel von Pil- sudski. Die einen halten ihn für einen zweiten Mussolini oder Kemal Pascha, in London habe ich es dagegen erlebt, daß man ihn von einer durchaus autoritativen Seite als einen „bösartigen Greis mit allen Anzeichen fortschreitender Paralyse" bezeichnete. Nun, das eine ist so falsch, wie das andere. Weder ist Pilsudski der große und überragende Staatsmann, zu dem man ihn gerne stempeln möchte, noch ist er ein vertrottelter Greis, der nicht mehr weiß, was er tut. Zwar liegen gewisse Zor- nesausbriiche gegen den Sejm und die Parlamentarier vor, die eine deutsche Zeitung nicht wiedergeben kann, will sie sich nicht Herrn Bracht wegen Verletzung der Moral auf den Hals ziehen. Aber hier bedient sich der Marschall nur der derbsaftigen Volkstümlichkeit der slawischen Sprachen, in denen man sich bekanntlich bei geringfügigen Anlässen Dinge an den Leib wünscht, vor denen man in Paris und Berlin, von London ganz zu schweigen, auch heute noch errötet. Pilsudski ist „erst" 66 Jahre alt. Aber das war für Bismark immerhin das Alter feiner höchsten staatsmännischen Reife. Und seit der großen Madeirareise vor rund zwei Jahren ist Pilsudski kerngesund. Wenn er weniger an die Oeffent- lichkeit tritt, als früher, so liegt das wohl an der großen Menschenverachtung dieses Revolutionärs, dem alle Ideale seiner Jugend bis auf die Tatsache des unabhängigen polnischen Staates an der Unzulänglichkeit der menschlichen Charaktere gescheitert sind. Und doch bleibt die „Kronprinzen- fr a g e" der Diktatur das große Problem. Stalin, Mussolini, Kemal, sie stehen in der Vollkraft ihrer Jahre. Pilsudski mag noch ein Jahrzehnt leben, was aber dann? Der Bolschewismus, der Faschismus, selbst der Kemalismus, das sind Systeme und Ideen. Hinter Pilsudski aber steht nur der Wille eines einzigen Menschen, oder allenfalls der Wille einer kleinen politischen Gruppe. Pilsudski hat das Kernproblem der polnischen Diktatur längst erkannt, und im „Regime der D b e r ft e u", wie die Opposition die derzeitige Regierung Polens nennt, zeigt es sich zur allgemeinen Ueberraschung, daß Polen ja gar nicht von „allen Männern mit Greisenbösartigkeit" beherrscht wird, sondern daß es wohl in der ganzen Welt nicht wieder so jugendliche Staatsführer gibt als gerade in Polen. Lediglich der Ministerpräsident P r g ft o r und sein Vorgänger, der Chef der Regierungspartei, Oberst S l a w e k, stammen noch aus der eigentlichen „Pilsudskizeit", das heißt, sie haben mit ihrem Herrn und Meister gegen den Zarismus gekämpft, sie haben den Strang gestreift oder den bitteren Gang nach Sibirien antreten müssen. Sie stammen aus der Arbeiterbewegung des Vorkriegs, und sie werden ein gewisses Einfühlungsvermögen in die Seele des einfachen Volkes besitzen. Es fei denn, Die verzauberte Stadt. 33cn Kurt Henschel. In vielen ehemaligen deutschen Städten hat sich mancherlei gewandelt feit dem Kriegsende, doch ihre Seele und Gestalt find im großen und ganzen unverändert geblieben; das Gesicht von Straßburg oder Bozen zeigt heute noch ebenso vertraute deutsche Züge wie das von Dirschau oder Swalop- mund 9tur eine macht eine Ausnahme und läuft Gefahr, von ihren Schröpfern vergessen zu werden. Es war an der Chinaküste. Ich war ganz auf China eingestellt, und um so größer rouroe daher meine Ueberraschung, als am westlichen Horizont des Gelben Meeres statt der gewohnten baumlosen, melancholischen Ebenen oder nackten Felsen bewaldete Berge emportauchten. Ganz deutsch wurde der Eindruck, als uns in einer malerisch gelegenen Meeresbucht, auf einer schmalen Landzunge, ein Meer von roten Ziegeldächern entgegenleuchtete. Anmutige Villen deutschen Stils blickten von kiefern- bestandenen Hügeln auf den Ozean hinaus. In einem großen Hafenbecken mit gemauerten, sauberen Kaianlagen und Speichern, Ladekränen und Eisenbahnschienen machten wir fest. Ich schritt über tadelloses Straßenpflafter der Stadt zu. Eine alte preußische Krümperdroschke mit zwei ebenso alten schlanken Schimmeln, vermutlich ostpreußischen Geblüts, wackelte vorüber. Darin hockte zwischen Kisten und Kasten eine japanische Auswandererfamilie. Ich überquerte einen Bahndamm, der richtige Schranken hatte, und sogar die bekannte Tafel stand da, welche das Betreten des empfindlichen Bahnkörpers zu verbieten hat. Das vertraute Wort „Verboten" konnte ich aber nicht entziffern, denn die Schrift war chinesisch. Der Bahndamm (der Schantungbahn) sah gepflegt aus, wie nur ein deutscher Bahndamm aus- sehen kann, mit Rasen belegt und von Sträuchern umgeben. Dann kam ich an einem freundlichen Gasthof mit Ausspannung und Kegelbahn vorbei. Der sah feine frohen Gäste mehr; Rinderfelle waren dort aufgestapelt. An einem andern einladend und deutsch aussehenden Gasthause stand „International Bar" angeschrieben, und russische Mädchen sagten lächelnd „come in". Die Straßen dieser sonderbaren Stadt waren mit schlichten ein- und zweistöckigen Häuserreihen eingefaßt, wie sie in deutschen Kleinstädten üblich sind. So recht heimisch konnte ich mich ober hier nicht fühlen, überall störten die Menschen und manches andere das sonst so vertraute Bild. Nirgends lugte ein Blondkopf hinter sauberen Gardinen und Blumentöpfen neugierig auf die Straße, sondern hinter kahlen Fensterscheiben häßliche gelbe Gesichter mit Schlitzaugen. Breite Torbögen führten zu geräumigen Hinterhöfen, die jetzt mit windschiefen Holzbuden verkleistert waren, zwischen denen es von schmutzigen Chinesen wimmelte. In den deutschen Wohnungen war es ihnen wohl zu hell und luftig, oder gibt es auch hier Wohnungsnot? Auch die Menschen auf der Strafte kontrastierten eigenartig zu der deutschen Kleinstadtumgebung. Mehr oder weniger zerlumpt aussehende Männer trugen lange Zöpfe. Frauen stelzten steif und unbeholfen auf faustgroßen spitzen Füßchen, ein Kind im Sacktuch auf dem Rücken und manchmal noch eins auf der Brust. Für ihre Armut sprach, daß sie sich nach jeder verlorenen Erbse oder Kohle bückten. Tiefes Mitleid erregten kleine Mädchen, welche mit schmerzverzogener Miene, auf den Hacken trippelnd zu spielen versuchten, die Füße waren ihnen jedenfalls erstmalig zu kleinen Klumpen verschnürt wor- oen. (Glücklicherweise macht das fortschrittliche, intelligentere Südchina die scheußlich? Mode der Fuß- verkrüppeluna und auch die des Zopftragens nicht mehr mit.) Weiterhin klapperten auch niedliche Japanerinnen in bequemen Pantoffeln und im ebenso bequemen Kimono daher. Wie diese verzauberte deutsche Kleinstadt im Fernen Osten, deren Anblick ich wie einen seltsamen Traum empfand, eigent ich beißt, brauche ich wohl nicht mehr zu verraten. Die langweiligen Kleinstadtstraßen von Tsingtau gönne ich den Chinesen und Japanern, nicht aber, was ich von dem dahinter liegenden Rücken der Bismarckberge aus erblickte; die sanft abfallenden Berghänge hinab bis zu der von hohen Bergen und grünen Inseln eingerahmten Arkona-Bai zwischen Kiefern- und Birkenwäldchen, inmitten schöner Gärten Villa an Villa, an einer eleganten Strandpromenade eine stolze Front von modernen Hotel- und anderen Bauten; bizarr geformte braune Felsen und Klippen am Ufer, aber auch ein breiter flacher Badestrand, dahinter bunte Badehäuschen, ein großes .Kurhaus und anschließend eine Pferderennbahn. Darüber leuchteten weite Schneeflächen vom nahen Lauschangebirge, dem beliebtesten Ausflugsziel der Tfingtauer. Erinnerungen an die letzten deutschen Tage Tsingtaus in Gestalt von zerschossenen Kasematten, ebensolchen Kanonen und einem großen, schönen, vortrefflich instandgehaltenen Heldenfried- hos dämpften die Freude an dem herrlichen Landschaftsbild. Auf dem Wasser schaukelten jetzt chinesische, japanische und amerikanische Kriegsschiffe. Vor einer Kaserne übten chinesische Soldaten. Die gegenwärtige Besitzverteilung in Tsingtau zeigten mir die verschiedenen halbmast wehenden auch ihnen hat die Menschenverachtung den Begriff des Staates über das Wohl des Volkes gefetzt. Sie sind zur unpersönlichen, staatlichen Härte ausgewachsen, die meist das Schicksal der Fürsten und Staatsmänner ist, deren Jugend reich war an volk- haftem Gefühlsüberschwang. Siehe Friedrich der Große, Metternich, Bismarck, Lenin. Hinter den wenigen Säulen dieser revolutionären Generation aber ist Polen unmittelbar die „junge Generation" in die Verantwortung ausgerückt. Der Außenminister, Oberst Beck, ist 38 Jahre alt. D-r Innenminister, Oberst P i e r a rf n , ist ein halbes Jahr jünger. Aber auch der Pressechef, Oberst Matusczewski, wird erst 39, und die Zahl der einflußreichen und verantwortlichen Persönlichkeiten unter 40 ist Legion. Pilsudski hat Armee und Staatsverwaltung ganz außerordentlich verjüngt, und bis jetzt hat der Staat keineswegs darunter gelitten. Die meisten der heute Verantwortlichen waren 1914 noch junge Studenten, die keine Gelegenheit mehr hatten, die schwierigen sozialen Probleme des polnischen Volkes kennenzulernen, sondern die vom Hörsaal hinweg in die „Polnische Legion" eingetreten sind. Sie können führen, befehlen, Verantwortung tragen, solange Pilsudski lebt. Was aber wird sein, wenn er einmal ausgefallen ist. Polens Zukunft hängt von drei Grundbedingungen ab: 1. der Verständigung mit dem wiedererstarkenden Deutschland, 2. der gerechten Eingliederung der Minderheiten, 3. der Verschmelzung der sozialen Forderungen des verarmten Volkes mit den nationalen Notwendigkeiten des Staates. Diese Probleme werden akut, wenn die Pilsudskische Zentralautorität fehlt. Werden die jungen Obersten, die bisher nur Gehorsam und Befehl kennengelernt haben, diese Probleme meistern? Wo sie Pilsudski bisher nicht einmal meisterte, ja kaum anzupacken wagte! Einstweilen glaubt man, wie die Einleitung dieses Brieses bekundet, mit Bajonetten auskommen zu können. Zur Jahreswende, und damit die englische Feststellung unterstreichend, hat der Marschall den bisher privaten Schützenverband „Strzelec", ein Mittelding etwa zwischen Stahlhelm und SA., bedingungslos Pilsudski ergeben, beauftragt, d i e offizielle polnische Staatsmiliz zu organisieren. Der Oberkommandant des Strzelec ist gleichzeitig Heeresgeneral geworden und mit der stellvertretenden Leitung des Staatsamtes für Jugendertüchtigung betraut worden. Mit dieser Maßnahme aber scheidet bereits Pilsudski alle deutschen und ukrainischen Elemente aus der nationalen Verteidigung Polens aus. Dieser Neujahrserlaß wird sich noch als Sprengpulver erweisen und dem eigentlichen Zukunstsprvblem Polens, der Pilsudskischen Nachfolge und der Schaffung eines nationalsozialen, alle Minderheiten einbeziehenden polnischen Staats- aedankens, verbaut er geradezu jegliche Losung. Hat England wirklich recht, wenn es vom „bebenden Froschherz in klirrender Ritterrüstung" spricht? Nun, militärisch möge man um Gottes willen in Deutschland Polen nicht unterschätzen, politisch und wirtschaftlich aber liegt Polens Zukunft allzu sehr auf der Schneide des Schwertes, als daß diese Zukunft gesichert märe. Aus aller Wett. 2 Jahre sechs Monate Gefängnis für Hummel. Freiburg, 12. Ian. (TU.) Am Donnerstag gegen 21.30 Uhr verkündete der Vorsitzende im hummelprozeft folgendes Urteil: Der Angeklagte wird wegen zwei Verbrechen, des Betruges im Rückfall im rechtlichen Zusammentreffen mit einem verbrechen der Urkundenfälschung und einem verbrechen nach § 272 (vergehen wegen falscher Ramensannahme) zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Zwei Mo- nate Untersuchungshaft werden angerechnet. Gleichzeitig werden dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Der Staatsanwalt hatte drei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust beantragt. In seinem Plädoyer hob er hervor, daß schon ein gutes Stück von Vertrauensseligkeit und Einfalt dazu gehört habe, das Unglaubwürdige der angeblichen Daubmann- schen Erlebnisse niederzuschreiben. Die Tat Hummels könne nur als niederträchtig gebrand- markt werden. Hummels Tat habe dazu geführt, daß bas Auswärtige Amt in sehr weitgehender Weise seine Entschuldigungen in Paris habe Vorbringen müssen. Der Verteidiger bezweifelte überhaupt die Frage, ob Hummel sich bei seinem Auftreten in Deutschland eines Betruges schuldig gemacht habe. Die Dinge seien an Hummel herangetreten, und er habe schließlich so und nicht anders handeln können. Er bat für seinen Mandanten um eine milde Strafe. Das gleiche erbat S) u m m e 1 in seinem Schlußwort. In seiner Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, daß die Handlungen des Angeklagten außerordentlich gemein gewesen seien. Das Gericht habe aber trotzdem st r a f m Lider n d e Umftänbe zugebilligt, weil dem Angeklagten eine moralische Minderwertigkeit zugesprochen werden müsse. Strafmildernd sei weiter gewesen, daß ihm verschiedene Personen kritiklos ihre Autorität zur Verfügung gestellt und ihn zum Verufsmärtyrer gestempelt hi tlen. Die Abnahmefahrt des Panzerschiffes „Deutschland". Die Abnahmefahrt des Panzerschiffes „Deutschland" wird am 27. Februar von Kiel aus beginnen und durch den Nordostsee-Kanal gehen, wonach das Panzerschiff dann in Cuxhafen ankern wird. Am 28. Februar wird die „Deutschland" mit einer Abnahmekommission an Bord nach Wilhelmshaven fahren. Während dieser Fahrt müssen die vertraglich vorgesehenen Bedingungen erfüllt werden. In Wilhelmshaven wird die „Deutschland" den Standproben unterzogen werden. Am 1. April um 10 Uhr werden Flaggen und Wimpel gehißt. Zwei Stunden später, um 12 Uhr, wird das Panzerschiff „B" von Stapel laufen. Wieder drei Tote der „Niobe" geborgen. Ron dänischen Schissern wurden in der Röhe der Anter.-an--stelle les Segels, u schisses „Riobr" wieder drei Tote geborgen, bei denen es sich um Opfer der „Riobe" handeln dürfte. Die Leichen wurden von den Fischern beim Feuerschiff „Fehmarn Belt" abgeliefcrt. Ron dort w-erden sie nach Kiel übergeführt. Begrüßung der „Ruhr" im Hamburger Hafen. QIn Bord dem im^Harnburger 5-a'en eingelau- fenen Hapag-Mo osichi'fes „Rühr' wurde die Remannung, die an der Rettung derSchi f f- b r ü ch i g e n d e r „A t l a n t i q u c' io tallräslig m7 gewirkt hat, von den Vertretern des Senats und der Reederei offiziell begrüß'. Tiirgerm: ß r Roß richtete W.likommenbg.iiße und Dar c5- worie an die Besatzung. Er überreichte a. schli:'- ßend c:ne vom Senat gestiftete älsiunbe. Der f a- piiän nahm die älrlunde entgegen und erwiderie im Ramen der an der Rettung Reteit'gten: di: Tat fei eine Selbstverständlichkeit gewesen; jeder Mann habe nur seine Seemannspslicht getan. 2lls dritter sprach der französifche Senevattonsul S a u g o n. In einem von einem 5)eern des Ko sulcrts verlesenen Schre ben kommt bx herich: Anerkennung Frankreichs für die Tat der i'-cv. - sch en Seeleute zum Ausdruck. Es sei -.u wünschen und zu hoffen, daß d'eser Seist der Kamerat schast und der Hil^sberei'ttchaft, d:n die Mannschaft der „Ruhr" b Wielen hebe, auch die 27a'ionen cr'üsie und die Freunscha'.sbande enger schließen he.se. 367 Leichen von Krieasteilnehmern bei Amtens gefunden. In der Gegend von Amiens sind 337 Leichen von Kriegsgefallenen ge unten worden. 49 deuts' e und 93 französische Kampsteilnehmer konnten identifiziert werden. Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst B l u m s ch e i n. Fahnen: es war gerade eine japanische Prinzessin gestorben. Auf den schönsten und meisten Gebäuden und Dillen war es die japanische, auf Kasernen, Lazaretten und ähnlichen Anstalten die fünffarbige chinesische, über dem deutschen Konsulat flatterte die schwarzrotgoldene Flagge. Neben einigen hundert Europäern, unter denen die Deutschen an zweiter Stelle hinter den Nüssen stehen, sind in Tsingtau etwa 13 000 bis 14 000 Japaner und schätzungsweise 60 000 Chinesen ansässig, im Monat 9uli erscheinen durchschnittlich tausend "fremde Badegäste. Die Japaner besitzen eigene Polizei und Gerichtsbarkeit. Wenn auch der Verlust von Tsingtau immer noch schmerzt, obwohl die Zeit für fremde Besitzungen in Cbina vorüber ist, — das deutsche Wirken dort trägt reichen Segen. Ein schöneres Kulturdenkmal hat im Fernen Osten keine andere Nation. Dafür, daß es einstweilen unvergänglich ist, sorgt in seinem be- tannten Nachahmungstrieb der Japaner, der dort überall als Unternehmer auftritt, die deutschen Anlagen zu erhalten sucht, im gleichen bewährten Stile weiterbaut und sogar die Wälder neu aufforftet. Tsingtau bleibt also der beste Platz im Fernen Osten, welchen Ruf es allgemein an der Chinaküste genießt. Das porzelkanhaus. Wer im Glashaus sitzt, darf bekanntlich nicht mit Steinen um sich werfen; wer aber in dem modernen Porzellanhaus sitzt, das jetzt in Cleveland in Ohio als das erste seiner Art errichtet wurde, der hat nichts zu befürchten. So wird wenigstens in den in Chicago erscheinenden „Populär Mechanics" versichert, in denen ein verlockendes Bild dieses an der Ranking-Pagode einstmals erprobten Daustils entworfen wird. In Wahrheit ist der Bau ein Porzellan-Stahlhaus, dessen Rahmenwerk aus Stahl besteht, dessen Mauern und Dach aber außen mit Porzellan-Stahl-Ziegeln bedeckt ist, die nach einer neuen Methode angefertigt sind. Die Porzellandecke der Ziegel ist, wie es heißt, von unbeschränkter Dauerhaftigkeit. Sie kann leicht gereinigt werden und bedarf keiner zeitweisen Erneuerung wie die Fassaden gewöhnlicher Häuser. Das Porzellanhaus kann in jeder Farbe, die wir auf unseren Tischservicen finden, erstrahlen. Das Musterhaus in Cleveland weist an seinen Wänden den Ton von Sandsteinen auf und wird durch zwei breite grüne Streifen oben und unten verziert. Das Dach zeigt drei verschiedene Ruancen von Rraun. Proben haben gezeigt, daß das Porzellan-Stahl-Baumaterial jedem Grade der Kälte oder der Hitze standhalten kann und daß die Porzellanob^rflache kaum verletzbar ist. Eine auf eine Entfernung von 3 Metern gegen einen Porzellanziegcl abg .feuerte Flintenkugel hinterließ nur eine leichte Schramme. Man glaubt, den Porzellanhäusern eine Lebensdauer von 100 Jahren prophezeien zu können. Die Kosten des in Cleveland errichteten Hauses betragen 15 000 Dollar. Eine Verbesserung der Daumethode und die Erzeugung der Ziegel in Massenproduktion soll zu einer beträchtlichen Verbilligung führen. Vesonders viel verspre.;en sich die Pioniere des neuen Baumaterials von seiner Eignung für den Umbau alter Häuser. Verwitterte und unmoderne Häuser können durch Aeber- beden der Wände und des Daches mit Porzellanziegeln ein völlig neues Aussehen erhalten. — „Deutsche Zeitschrift" (Callwey. München.) — Das Januar-Heft bringt u. a. einen Aussatz „Reichsidee und Staatsidee" von Prof. Heinrich von Srbif, dem bekannten Historiker, der den Jdeen- qegensatz von Reich und Staat in seiner ganzen Tragweite enthüllt. Max Clauß untersucht die Stellung und politische Bedeutung des „Deutschen Südens im Reich"; Hanns Braun vermittelt lebendig aufgenommene „Eindrücke aus Sowjetrußland". Auch künstlerisch und philosophisch ist das Heft bedeutend durch eine Erzählung , Der Kinderbeter" des Vlamendichters Antoon Thiry, einen Beitrag von Hedwig Conrad-Martius über Heideagers philosophisches Werk „Sein und Zeit", fünf Bilder des „unbekannten Rembrandt" mit Begleittext, eine Betrachtung über die „Künstlerische Zukunst des Marionettentheaters" von Otto Vrieslander, „Dramaturgische Besinnungen" von Franz Graetzer u. a. m. Hochschuinackrichten. Geheimer Kirchenrat Professor Dr. Johannes Bauer, der bekannte Kircheichistoriker der Universität Heidelberg, ist im Alter von 73 Jahren g e st o r b e n. Bauer wurde in Marburg 1892 nach kurzer Tätigkeit als Prioatdozent Extraordinarius und kam 1910 als Ordinarius für praktische Theologie und als Direktor des Predigerseminars nach Heidelberg, nachdem er eine kurze Zeit in Königsberg gewirkt hatte. Als Kirchenhistoriker hat Geh. Rat Bauer sich durch eine Reihe non Schriften, u. a. über die Unionsurkunde, über badische Kirchengeschichte und kirchliche Kunst, einen Namen gemacht. Aus der Provinzialhauptstadt. Mnterhilfe des Kreises Gießen. Dom Kreisamt wird uns mitgeteilt: Der Kreisausschuß des Kreises Gießen hat aus den gelegentlich der Voranschlagsberatung vom Kreistag des Kreises Gießen zur Verfügung gestellten Mitteln für Zwecke einer Winterhilfe in Höhe von 5000 Mark sürdieBeschaffungoonSchuhen für schulpflichtige Kinder der in laufender Unterstützung stehenden Wohlfahrtserwerbslosen, Drtsarmen und Sozialrentner des Kreises Gießen beschlossen. Die Beschaffung der Schuhe soll in eng st er Fühlungnahme mit dem Einzelhandel erfolgen. Mit dieser Winterhilfsaktton hat der Kreisausschuß gleichzeitig eine finanzielle Entlastung der fürsorgeoerpslichteten Gemeinden vollzogen. Vortrag über die Sch acht am Skagerrak. 3m Rahmen seines Winterprogramms hielt am Samstag — wie man uns berichtet — der „Verein Frohsinn 1861" seinen zweiten Vortrag. Der 1. Vorsitzende des hiesigen Marinevereins, Echlos- sermeister Ferd. Link, hatte sich als Redner zur Verfügung gestellt: er sprach über die Schlacht am Skogerral, die er als Obermaschinistenmaat an Tord des Schlachtkreuzers „Sehdlitz" mitmachte. Der Vortragende zeigte zunächst an Hand von Lichtbildern die an der Schlacht beteiligten deutschen Linienschiffe und Kreuzer „Lühow", „Seyd° lih", „Terfflinger", „v. d.Tann" und „Moltke", sowie die deutsche Admiralität, er schilderte die glänzenden Siege der Armee im Westen und Osten, während das deutsche Rordseegeschwader immer noch auf eine Begegnung mit der „grand flect" wartete. Am 29. Mai 1916 kam plötzlich der Befehl zur Ausfahrt, und in nördlicher Richtung verlieh die deutsche Flotte unter Admiral Hipper, der die Kreuzer kommandierte, und Admiral Scheer, der den Oberbefehl über die Linienschiffe batte, Wilhelmshaven. Am 31. Mai 15 11 br traf unsere Flotte im Skagerrak auf den Eng äader unter Führung von Adm ral B e a t t h und 3 e l l i c o e, und sie eröffnete sofort den Kampf. Deutschlands größte Stunde zur See war gekommen! Herr Link schilderte nun das Schiff im Gefecht, den Untergang der feindlichen Schiffe „Queen Mary", „3nvincible", „Warior", „Warspite", „Black Prin:e", „Desence", „3nde- fatigable" usw., darunter die Gegner und Vernichter des Grafen Spee und seiner Getreuen, ferner unsere Verluste, wie „Wiesbaden", ,,Lüt- zow", '„Pommern" und „Frauenlub". Das Flaggschiff des Admirals Hipper wurde in diesem Seekamps derart stark mitgenommen, daß der Admiral während der Schlacht auf einen anderen Kreuzer wechseln muhte, um von dort aus den Kampf weiterzuleiten. Der Engländer, obwohl in großer Liebermacht, hatte ungeheuere Verluste: diese brachten ihm die schmerzliche Lieberzeugung, nicht mehr allein der Beherrscher der Meere zu sein. Herr Link, der die Schlacht, sowie die Auffahrt der beiden Flotten an Hand von weiteren Skizzen erläuterte, verstand es, die Zuhörer in seinen nahezu dreistündigen Ausführungen aufs äußerste zu fesseln. Bei den Lichtbildern handelte es sich um gute Originalaufnahmen, die es den Zuhörern ermöglichten, einen tificn Einblick in die moderne Seeschlacht mit ihren Schiffen, Waffen und ihren Schrecken zu bekommen. S.hr interessant waren die Erzählungen über den Durchstoß der deutschen Flotte, um einer Umklammerung zu entgehen, über den Racht- kampf mit dem Gegner, sowie die Heimfahrt der „Seydlitz", die infolge starker Havarie im Vorschiff die Heimkehr teilweise in Rückwärtsfahrt bewältigen mußte. Die Verluste des Engländers in dieser großen Seeschlacht betrugen 115(25 Tonnen Schiffsraum, zwei Admirale, 361 Offiziere, 6582 Seeleute, 634 Verwundete. Die Verluste auf unserer Seite waren 61 180 Tonnen Schiffsraum, 144 Offiziere, 2407 Seeleute, 507 Verwundete. 177 Gefangene brachte die deutsche Flotte mit nach Hause, während kein deutscher Seemann in Feindeshand fiel. Das Schlußwort des Vortragenden galt unseren treuen Toten des Weltkrieges und einem freien, einigen Deutschland. Vornotizcn. — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute, 23 Uhr, 14. Vorstellung im Freitag Abonnement mit einer Aufführung des Schwankes „Stöpsel" von Arnold und Bach: Spielleitung: Peter F a s s o 11. Ende 22 Uhr. Gewöhnliche Preise. — Ein „Bunter Abend" findet zu Gunsten der Gießener Winternothilse morgen um 20 Uhr im Staottheater Gießen statt. Preise von 50 Pfennig bis 3 Mark. Ende gegen 22.30 Uhr. — Eine nochmalige Wiederholung unseres Weihnachtsmärchens „Aschenbrödel" zu verbilligten Märchenspielpreisen findet am eonntag, 15. 3anuar, 15.15 Uhr, statt. Ende 17.45 Uhr. Sonntag, 19 Uhr, zum siebenten Male „Die endlose Straße" von Graff und Hintze. Spielleitung dieses deutschen Fronlstückes der 3ntenbant. Die Vorstellung ist als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen und außer Abonnement: außerdem gelten Vorzugsgutscheine. 3n Vorbereitung das T.auer- spiel „Hamlet" von Shakespeare, Erstaustührung in dieser Spielzeit am Dienstag, 17. 3anuar. ** Universitäts-Gottesdienst. Am nächsten Sonntag, 11% Uhr, findet in der Neuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt. Die Predigt hält Professor D. Dr. Rudolph. "Kreisausschuß Gießen fördert das Notwerkder deutschen Jugend. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen hat auf Antrag seines Vorsitzenden dem Notwerk der deutschen Jugend den Betrag von 250 Mark bewilligt unter der Voraussetzung, daß hiervon Lebensmittel beschafft werden. ** Beflaggung amtlicher Gebäude am Reichsgründungstag. Am Reichsgründungstag (18. Januar) wird in der gesamten Reichs- und preußischen Verwaltung geflaggt. Der Reichsminister des Innern hat die außerpreußischen Landesregierungen gebeten, sich dem Vorgehen der Reichsregierung anzuschließen. ** Seinen schweren Verletzungen erlegen ist gestern nachmittag der 31 3abrc alte Schreinermeister Ioh. Hch. Völk aus Oberwetz (Kr. Wetzlar), der am Dienstagmittag mit seinem Motorrad bei Allendors (Lahn) gestürzt und mit einem schweren Schädelbruch in die hiesige Chirurgisch» Klinik verbracht worden war. Der bedauernswerte Mann hinterläßt seine Frau und zwei Kinder. " Behandlung von Ballonen mit wissenschaftlichen Apparaten. Zur Sicherung der Luftfahrt und zu wissenschaftlichen Zwecken werden von verschiedenen meteorologischen 3nstituten im Deutschen Reich mit Ballonen und Drachen 3nstrurnente aufgelassen, die die Temperatur und andere Wetterelemente selbsttätig aufzeichnen. Die Finder solcher Ballone oder Drachen mit Registrierinstrumenten werden ersucht, die an dem eloen befindlichen Anweisun- gen genau zu befolgen. 3n diesen Anweisungen ist stets die Drahtanschrift oder der Fernruf des in Frage kommenden Instituts enthalten. Dem Finder werden die Unkosten für die Benachrich- tigung erstattet. Bei richtiger Behandlung der 3nstrumente, die genau angegeben wird, erhält der Finder außerdem eine Belohnung. Die Ballone, Drachen und die mitgeführten Apparate sind Staatseigentum. Böswillige Beschädigung oder Entwendung wird strafrechtlich verfolgt. ** Zentralverband der Arbeitsinvaliden und Witwen. Man berichtet uns: Die Ortsgruppe Gießen des Zentralverbandes der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands hielt dieser Tage im Gewerkschaftshaus ihre diesjährige Generalvcrfammlung ab. Der Geschäftsbericht für das abgelaufene 3ahr zeigte, daß sich der Vorstand sehr um die Sache der Arbeitsinvaliden und Witwen bemüht hatte. Der Mitgliederstand hat sich gut behauptet. Die Kasse wurde in bester Ordnung bekunden, dem Rechner konnte Entlastung erteilt werden. Der bisherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt: er setzt sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender: Helfenbein, 2. Vorsitzender: K. Dusch, Schriftführer und Kassierer: Heinrich Böhling: Beisitzer: Adler, Schmieder, Schecker und Hamel: Ersatzmänner: Fö Ising und Speier: Revisoren: Ludwig und D ö l l. ** Der Wanderverein „Bund der L a h ,i f r e u n d e" veranstaltete, wie man uns schreibt, am Sonntag im festlich geschmückten und bis zum letzten Platz besetzten Saale des Katholischen Vereinshauses seinen Mitgliedern und Gästen eine wohlgelungene Weihnachtsfeier. Nach Musikvorträgen der Kapelle K r e n g e l und der Begrüßungsansprache des 1. Vorsitzenden Hans Schäfer leitete ein Weihnachtsmelodram von Ernst von Wildenbruch, feierlich von Klavier- und Harmonium- klängen untermalt, die Feier ein. Sodann wurde der 23. Psalm von Schubert, von drei Damen des Bundes unter Hinzuziehung eines Gastes, Frl. Ida Stammler, hervorragend wiedergegeben. Nach einem Weihnachtslied des Frauenchors und nachdem auch die Jugend zu Wort gekommen war, ging ein schönes Märchen in zwei Aufzügen mit Gesang und Tanz über die Bühne. 26 Jugendliche des Bundes und der gesamte Frauenchor waren beteiligt. Ausgestattet mit schönen Liedern und Tänzen wurde das Spiel gekrönt durch das Erscheinen der Weihnachtsfee mit einem großen Schlitten von Gaben, die unter großer Begeisterung an etwa 50 Jugendliche verteilt werden konnten. Daß das Märchenspiel bei den Zuschauern großen Anklang fand, war neben dem guten Zusammenwirken aller Beteiligten in erster Linie der Arbeit der Chorleiterin, Frau Martha Will, zu verdanken. Der Dank des Vorsitzenden an alle Mitwirkenden und schließlich Tanz beschloß die schöne Feier. Amtsgericht Gießen. Ein Kranfahrer betrat nachts den offenen Hof einer Auioreparaturwerkstätte und entnahm einem Lastaulo den Magnet. 3n de.selben Rächt wurde der Kühler des nämlichen Wagens stark demoliert. Der Chauffeur gab an dem folgenden Tag einem Polcheibeamlen den G.und an, warum er den Magnet an sich genommen habe: es sollte dadurch dem Besitzer des Wagens die Tenutzung unmöglich gemacht werden. Des Diebstahls und' der Sachbeschädigung angeklagt, erklärte er hinsichtlich des ersteren, er sei bei der Wegnahme überzeugt gewesen, das Lastauto nebst Zubehör gehöre ihm, er habe es, allerdings unter Eigen- tumsvorbehalt des Verläufers, von dem Geschädigten gekauft und dieser habe es wieder an sich gebracht, der Cigentumsvorbehalt fei weggefallen gewesen. Der Polizei gegenüber hat er stets nur von feinem Magnet gesprochen. Bei Berücksichtigung dieses Verhaltens des Angeklagten am Tage nach dem Diebstahl waren seine Angaben nicht zu widerlegen. Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß eine von dem Angeklagten gegen den Gcs.'äd g en a-geftre.igtc Eigentumsklage durch ein zur Zeit des angeblichen Diebstahls noch nicht rechtslräftig gewesenes Urteil des Landgerichts Gießen abgewiesen worden ist. Darnach war der aus dem Auto herauLgenommene Magnet für den gutgläubigen Angeklagten keine „fremde" Sache, und er mußte freigesprochen werden. Ein gleiches Erkenntnis erfolgte wegen der dem Kraftfahrer ebenfalls zur Last gelegten Beschädigung des Kühlers mangels ausreichenden Beweises der Täterschaft. Einwohner eines abgelegenen Stadtteils haben seinerzeit in einer Eingabe die Bürgermeisterei Gießen gebeten, für Abstellung der dort sich häufenden Mißstände auf sittlichem Gebiet besonders besorgt zu sein. So nahm, abgesehen von einer Reihe anderer angeblich gleichliegender Fälle, ein Invalide erhebliches Aergernis an dem jeder Moral zuwiderlaufenden Treiben der beiden Angeklagten, einem in Scheidung lebenden Schausteller und einer geschiedenen Ehefrau. Beide wollen ttch angeblich nach gerich Ich ausgesprochener Scheidung heiraten. Sie haben eine gemeinsame Wohnung inne und führen gemeinschaftlichen Haushalt. Die Kosten des Unterhalts bestreiten sie mit ihren beiderseitigen Wohlfahrts- emvfängen. Die Angeklagte verrichtet dem Mitbeschuldigten gegenüber alle einer Hausfrau zu- kommenden häuslichen Geschäfte: sie kocht, flickt, wäscht ihm u. dgl. 3Hr Zusammensein unterschied sich in nichts von einer ehelichen Lebensgemeinschaft. Ein derartiges Zusammenleben ist aber auf Grund des Hess schen Polizeistrafgesehbuchs unter Strafe gestellt. Die beiden Angeklagten lind deshalb auch schon zweimal mit einer, bzw. zwei Wochen Haft bestraft worden, nachdem sie vorher polizeilich verwarnt worden waren. Runmehr glaubten sie dem Gesetz Genüge zu tun, wenn der männliche Teil des Rechts die Wohnung verließ. Sie irrten aber. An dem Tatbestand des § 211 PStGB. wird dadurch nichts verändert. Die 03er» hältn.sse lagen noch gerade so, wie z. Z. der beiden ersten Bestrafungen. Doch war der Fall diesmal milder zu beurteilen. Sie erhielten je zehn Mark Geldstrafe. Buntes Allerlei. Bewegung in der Kunst. Ein junger Professor der Anatomie an der Pariser Schule für die schönen Künste, P. Dellugue. plant eine wichtige Teuerung im Kunstunterricht. Er ist zu der Erkenntnis gelommen, daß seine Schüler besser daran täten, Modelle in Bewegung zu studieren, als den größten Teil ihrer Zeit mit dem Studium an gestellten Modellen zuzu- bringen. 3n Zukunft sollen in dem Atelier Tellu- gues Boxer, Tänzer, Akrobaten und andere Athleten das Podium einnehmen. Aber anstatt in einer bestimmten Pose stillzustehen, werden sie boxen, tanzen und ähnliche Bewegungen ausführen. Es handelt sich dabei im letzten Sinne um nichts Reues: denn die Künstler aller Zeiten sind durch Tiere und Menschen, die Bewegungen ausführten, zu ihren Werten angeregt worden. Aber es ist bis jetzt nur selten möglich gewesen, in den Kunstschulen die menschliche Anatomie unter diesem Gesichtspunkt zu studieren. Maus und Elefant als Verkehrshindernis. Zwei ungewöhnliche Verkehrshindernisse tauchten kürzlich an demselben Tage in Londons Straßen auf. Die Ursache des einen war eine Maus, die des andern ein Elefant. Freilich waren beide ziemlich unschuldig an dem Aergernis, das sie erregten. Die Maus huschte nur nach Art dieser Tiere auf dem Pflaster dahin. Einige Frauen, die sie erblickten, brachen in laute Schreie aus und vergaßen alle Gebote des Straßenverkehrs. Zwei Autofahrer, die ahnungslos des Weges daherkamen, hörten die Schreie und bremsten so heftig, daß ihre Wagen fast zusammenstießen. Aehnlich ging es dem Lenker eines Autobusses, der durch allzu plötzliches Bremsen seine Fahrgäste durcheinander und von den Sitzen warf. Inzwischen war der Erreger des Hebels, das Mäuschen, verschwunden. — Ebenso unschuldig war der Elefant, der sich friedlich durch die Straßen zu einer Tierschau führen lieh. Knapp vor ihm brach eine Frau in Schreie aus und fiel mitten auf dem Fahrweg zu Boden. Sie behauptete, daß sie von dem Elefanten niedergeslofen worden sei: aber der Tierwärter bestritt dies und erklärte, sie sei bei dem Anblick des Tieres erschrocken und hingefallen. Ob gefallen oder gestoßen — jedenfalls mußte der Frau und des Elefanten wegen der ganze lebhafte Verkehr stillstehen, bis die beiden endlich ihren Weg fortsetzen konnten. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung ) R. 6.. Gießen. Da eie im März 1933 das 36. Lebensjahr vollenden, 1925 in die Angestelltenversiche rung eingetreten und im Jahre 1931 bereits an gestellt worden sind, kann Ihnen die Aufrechterhaltung der in der Angestelltenversicherung erworbenen Anwartschaft nur empfohlen werden. Auch unter Beachtung der jetzt gültigen Notverordnungen wird die Rente aus den freiwilligen Beiträgen neben der Pension gezahlt. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Lloyds versichern alles: Schiffe, Zwillinge und Tänzerinnenbeine! Don Roland Grunwald. Die Sch i f f s k a t a st r o p h e n der französischen Handelsmarine, wie sie sich in den letzten Tagen ereigneten, haben wieder einmal auf die englische Versicherungsgesellschaft „L l o y d" in London aufmerksam gemacht. Die Lloyds müssen den Schaden tragen, Der durch die Brände angerichtet ist, und das will bei einem Objekt wie der „Atlcmtique" schon etwas heißen. Eine riesige Summe muß flüssig gemacht werden, um entsprechend dem Umfange der Feuersbrunst und der durch sie angerichteten Zerstörung der Schiffsgesellschaft diejenige Summe zur Verfügung zu stellen, auf die sie nach der Versicherungspolice Anspruch hat. Aber die Lloyds sind auch derartigen Beanspruchungen gewachsen: jahrhundertelang sind da Reserven aufgesammelt worden, mit denen man schon sehr umfangreiche Schäden decken kann. Wie kam die Versicherungsgesellschaft Lloyds zustande? Im Jahre 1688 gründete Erward Lloyd in London ein Kaffeehaus, etwas ganz Außergewöhnliches für die britische Hauptstadt. Bei Lloyd ver- keyrten mit Vorliebe die Kapitäne und die Reeder, bald gesellten sich zu ihnen auch Finanz- und Handelsmänner, die durch die Art ihrer Betätigung mit der Seefahrt zu tun hatten. Schiffbrüche waren damals an der Tagesordnung, und mancher Reeder, mancher Schiffseigner wurde über Nacht arm, weil die wilde See feinen Besitz verschlungen hatte, mancher Kaufmann kam um fein Vermögen, weil die gekaufte und bezahlte Ware durch Schiffbruch verloren ging. Edward Lloyd regte den Gedanken der gegenseitigen Hilfe an; aus einer zunächst losen Vereinigung wurde die Versicherungsgesellschaft Lloyd, die so etwas wie eine Versicherungsbörse darstellte. Aus ihr ging dann die Londoner Seeversicherungsbörse Lloyd hervor, deren Klassifikation der Schiffe noch heute maßgeblich ist. Die Gesellschaft an sich besteht noch: aber sie stellt unter allen Versicherungsgesellschaften doch ein Unikum dar. Lloyds Mitglieder werden gewählt, jeder britische Untertan hat an sich das Recht, ein Mitglied der Lloyds zu werden. Gelingt ihm die Aufnahme, dann muß er mindestens eine Einlage von 10 000 Pfund Sterling leisten. Die einzelnen Mitglieder gelten als Versicherer: aber sie schließen durchaus nicht alle gemeinsam oder einer für alle die Versicherungen ab. Das geht alles sehr sonderbar zu, der Charakter einer Börse bleibt auch heute noch gewahrt. Will jemand eine Versicherung bei Lloyds unterbringen, so muß er sich an einen Makler wenden. Der unternimmt von sich aus eine Prüfung des Risikos. Erscheint ihm die Versicherung tragbar, so setzt er von sich aus die Bedingungen fest, also insbesondere die Höhe des Prämiensatzes. Danach bietet er den Lloyds die Uebernahme der Versicherung an. Jedes Mitglied dieser Vereinigung zeichnet nun die ihm genehme Summe; wenn es gelingt, die gesamte Versicherungssumme durch Zeichnung der ,Namen", also der Mitglieder, zusammcn- zubringen, so gilt das Geschäft als abgeschlossen. Anteilsmäßig wird die Prämie auf die „Namen" verteilt, anteilsmäßig wird von ihnen ein etwaiger Schaden gedeckt. Lloyds Policenbureau stellt nach dem Ergebnis der Zeichnung den Versicherungsschein aus, der von allen den Mitgliedern unterschrieben ist, die sich an dem Geschäft zu beteiligen wünschen. Die Körperschaft Lloyd hat also mit den eigentlichen Versicherungen nichts zu tun. Ihre Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, daß nur vollkommen einwandfreie „Untertanen Seiner Majestät" als Mitglieder ausgenommen werden. Als Treuhänder verwaltet diese Gemeinschaft dann die Prämieneingänge, die Kapitalsanlagen und die Abrechnungen. Wer die Mindesteinlage von 10 000 Pfund gerade so einzahlen kann, vermag noch keinesfalls Mitglied zu werden. Nur ein vermögender Mann kann bei Lloyds ein „Name" fein. Denn von Beginn feiner Mitgliedschaft an werden ihm zwar die Zinsen auf seine ursprüngliche Einlage und sein Gewinnanteil aus Versicherungen gutgeschrieben, jedoch erhält er während der ersten drei Jahre keinen Pennn seines Guthabens ausgezahlt. Er muß zwar alle Steuern von feinen buchmäßigen Gewinnen entrichten, kann jedoch über fein Konto nicht verfügen. Erst vom vierten Jahre an darf er auch Auszahlungen für sich verlangen. Die Gewinnchancen sind allerdings nicht schlecht; es darf fast immer mit einer ungefähr zwanzigprozentigen Verzinsung des Anlagekapitals gerechnet werden. Uebrigens: mehr noch als der „Name", das Mitglied der Lloyds, verdienen die Makler, die die Versicherungen anbieten. Je niedriger das Risiko ist — und darauf wird das Bestreben der Makler gerichtet sein — um so höher sind die Gewinne; es gibt so manchen Lloydmakler, der jährlich seine zehntausend Pfund verdient. Ganz besonders interessante Dokumente sind die Seeversichcrungspolicen, die Lloyd erteilt. Sie bc ginnen mit den Zeichen „5. G.", aber kein Mensch weiß mehr, was sie eigentlich einmal bedeutet haben. Der konservative Sinn der Engländer duldet jedoch keinesfalls das Weglassen dieser überflüssig gewordenen Buchstaben. Die Police versichert nach ihrem Wortlaut: „A benteuer und Gefahren der See, Kriegsschiffe, Feuer, Feinde, Piraten, Räuber, Ueberbordwerfcn von Gütern, Kaperbriefe, Hast und Beschlagnahme durch Könige, Fürsten oder Völker welchen Landes, welcher Art und Weise auch immer, Bratterie (Meuterei) des Kapitäns oder der Besatzung und alle sonstigen Gefahren, Verluste und Mißgeschicke ..Aber — auch diese Fassung ist der alten Zeit Entnommen. Für die heute gültigen Versicherungsverträge ist eine Anlage beigefügt, auf der so ziemlich alles widerrufen oder doch eingeschränkt wird, so daß zwischen Anfang und Ende Der Police ganz schwere Widerspräche klaffen. Eine Autorität auf juristischem Gebiet hat einmal erklärt, daß, wenn heute eine derartige Police aufgesetzt würde, man sie nur als „d as Werk eines Irrsinnigen mit humoristischer Ader" erklären könne. Bei Lloyds wird jedoch kein Buchstabe an den Dokumenten geändert; diese sind ihrer Fassung traditionell geworden. Ein bißchen Berechnung spielt allerdings auch dabei mit: Jede Aenderung des Wortlautes würde alle die richterlichen Entscheidungen hinfällig machen, die im Laufe der Zeiten mit Bezug auf die alte Fassung des Dokumentes gefällt worden find. Wie die Entwicklung der Welt auch feit der Gründung bts Unternehmens war — immer hat sie Lloyd zu spüren bekommen. In Kriegszeiten sind die Verluste hoch; Lloyds mußten also eingefleischte Kriegsgegner fein. Aber nein — sind die Risiken größer, bann werden auch Die Prämien entsprechend erhöht; mindestens gleicht sich das Dann aus. Schwierig für Die Gesellschaft ist einzig unD allein eine Zeit wie Die unsere mit ihrer weitreichenDen Krise. Da werden Tausende von Schiffen aufgelegt, weil sie nichts zu befördern haben; infolgedessen gehen für sie auch keine Versicherungsprämien ein. Ader die Versicherung findet andere Einnahmequellen. Die Lloyds erklären, daß sie keinen Versicherungsantrag ablehnen würden, mag er noch so sonderbar lauten, wenn nur Prämie und Risiko im rechten Verhältnis zueinander stünden. So sind gegenwärtig besonders V e r f i d) e r u n g e n gegen Zwillingsgeburten beliebt; Die Nachfrage Danach soll besonders aus Amerika stammen. Und da die Furcht vor überreichlichem Kindersegen weiter verbreitet ist, als derartige freudige Ereignisse wirklich eintreten, läßt sich mit dem doppelt bepacken Klapperstorch ein ganz gutes Geschäft machen. Selbstverständlich kann man sich gegen schlechtes Wetter versichern, wenn man einen Ausflug unternehmen will; Der Gastwirt macht gern Davon Gebrauch, um sich vor Schaden zu bewahren. Man kann sich bei LloyD auch gegen „Durch- fa11" versichern — nein, so meinen wir Das nicht! Aber wer gerade studiert und Furcht vor einem mißglückten Examen hat, genießt gegen Zahlung einer nicht einmal sonderlich hohen Prämie Versicherungsschutz. Fällt der Prüfungskandidat durch, so bekommt er oder Der wirkliche Versicherungsnehmer, also meist Der Vater, eine ganz anftänDige Summe ausbezahlt. Von Den Künstlern werDen fonberbare Versicherungen abgeschlossen: manche Tänzerin sieht in ihren Beinen ein Stapital, mancher Sänger in feiner Stimme. DementsprechenD lauten Denn auch die Versicherungsabschlüsse. Artisten versichern sich meist sehr hoch gegen Berufsunfälle oder sie versuchen auf diese Art, besondere Tricks oder Kunststückchen zu schützen. In früheren Jahren wurden von spleenigen Engländern noch viel seltsamere Versicherungen abgeschlossen: Junggesellen versicherten sich gegen eine Heirat: konnten sie sich ihr dann Doch nicht entziehen, so bekamen sie wenigstens eine anftänDige Summe zum Trost ausgezahlt. Politisch interessierte Personen versicherten sich gegen Den Sturz eines ihnen genehmen Politikers, ja, es hat in England von einst sogar Städte gegeben, die sich vor kriegerischer Eroberung durch Abschluß einer Versicherung zu schützen suchten. Während des großen Krieges in Nordamerika zwischen Den Anhängern Der Sklaverei und ihren Bekämpfern liefen in London Anträge von Farmern ein, die sich vor der Abschaffung der Sklaverei fürchteten und nun Versicherungsschutz suchten. Lloyds sind stolz darauf, daß es so gut wie kein finanzielles Risiko auf Der Welt gibt, gegen das man sich bei den „Namen" nicht versichern könnte. Sie versichern alles. Oie mittelrheinische Turnpreffe tagt... Nächsten Sonntag findet in Bad-Nauheim im Kerckhoff-Jnstitut die diesjährige Jahresversammlung der miitclrheinischen Turnpresse statt, an der die sämtlichen Äauprcssewarte und sonstige im Turn- Pressewesen tätige Turner teilnehmen. Im Mittelpunkt der Tagung steht eine öffentliche turnerische Morgenfeier „Stuttgart rüst", bei der der Vor» siizcnde des Hauptfestausschusses für das 15. Deutsche Turnfest 1933, Professor Dr. Oberweier, über Stuttgart sprechen und den Film „Turner heraus'" vorführcn wird. Fußball -er Universität. Technische Hochschule Darmstadt 3:0 geschlagen. Ter Lieg der Gießener Mannschaft — wir berichteten bereits kurz über den Ausgang des Spieles - überraschte nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Spieler selbst. Man wähnte zuvor die Darmstädter als sichere Sieger. Aber wie so oft, kam es auch hier anders als man dachte. Das Spiel ging um die Südwestdeutsche Ho: f^u.m.i'erschast. Aus dem Universitätssport- flah hatten sich viele Zuschauer eingefunden. Die Gäste, die technisch um einiges besser waren als die Hiesigen, waren aber doch nicht so gut, um die ausgezeichnete Gießener Hintermannschaft überwinden zu können. Der Sturm war nicht geschickt in seinen Aktionen. Die Läuferreihe war sehr eifrig und bediente den Sturm immer wieder mit passablen Vorlagen, zu Erfolgen vermochte sie der Sturm aber nicht auszuwerten. Die Verteidigung war nicht sehr sicher und wehrte manchmal nur mit viel Glück ab. Die Gießener waren um einiges eifriger, sie spielten auch druckvoller als der Gegner und arbeiteten besonders in der zweiten Halbzeit viel Tleberlegenheit heraus. Die Verteidigung der Tlniversität wehrte überaus sicher alle gegnerischen Angriffe ab, Schlarb hielt einige Valle sehr gut, in der Zusannnenarbeit Läuferreihe—Sturm klappte es auch sehr gut, wenn auch die Vallabgobe hinsichtlich Tempo und Genauigkeit oft sehr zu wünschen übrig lieh. Die Mannschaft der Landesuniversität siegte verdient. Mährend der ersten Halbzeit sah man wechselnde Angriffe auf beiden Seiten. Darmstadt be- hauptetc sich einige Zeit feldüberlegen, konnte aber nicht verhindern, daß die Gießener in Führung gingen. Die Weißblauen hatten aber auch mehrere klare Torchancen. Die Gäste drückten zeitweise sehr, tarnen aber zu deinem Erfolg. Aach der Pause waren die Gießener lebendiger. Man sah einige gute Kombinationszüge, die den Gästen manchmal sehr gefährlich wurden. Das zweite Tcr für die Gießener fiel durch einen Fehler des Gästetormannes. der herausgelaufen war und den Angreifer verfehlte, so daß jener unbehindert ein- schießen konnte. Die Darmstädter griffen in der Folge immer wieder an, spielten jetzt auch etwas härter und forderten einen Elfmeterball heraus, der prompt zum 3:0 verwandelt wurde. Der Schiedsrichter Seih (DfV. Gießen) bemühte sich um korrekte Entscheidungen. Tumgau Lan-DünSberg. Die Veranstaltungen des Jahres 1933! In der am vergangenen Sonntag in Wieseck statt- gcfundenen Gauoorstandssitzung wurden die Termine für die Iahresoeranstaltungen 1933 wie folgt fcstgelegt: fjaUengerätemctturnen am 12. März in Londorf. Gaurvalblauf am 19. März in Launsbach. Gausest am 1. und 2. Juli in Reiskirchen. Leichtathletische Meisterschaften am 17. Juli in Ruttershausen. Gauwettschwimmen am 30. Juli in Wißmar. Schüler- und Schülerinnenturnen am 20. August in Hausen. Bergfest am 20. September in Salzböden. Verbandsvorturnstunde des LTV. in wiefeck. Für den Gau Lahn-Dünsberg fand anschließend eine Verbandsvorturnstunde statt, die gut besucht war und die Richtlinien für den Uebungsstoff zum Verbands- und Bundesfest des STV. bzw. ADT. in Mörfelden, herausbrachte. .tzanvball. Albach — Garbenheim 7:4 (3:2). Das erste Aufstiegsspiel zur Gauklasse kam am vergangenen Sonntag in Albach zum Austrag und sah die Platzmannschaft als verdienten Sieger. Obwohl die Gästemannschaft sich dem Gegner in der ersten Hälfte durchaus ebenbürtig zeigte, konnte sie es nicht verhindern, daß sofort beim An- stoß der erste Erfolg für Albach fiel. Der Ausgleich folgte auf dem Fuße und wurde sogleich wieder mit der Führung für die Platzbesitzer erwidert. Mit je einem Erfolg auf beiden Seiten wurde gewechselt. Nach der Pause drängte zunächst Garbenheim mächtig, erreichte aber nichts Zählbares, mußte vielmehr weitere zwei Erfolge des Gegners hinnehmen. Alsdann kamen die Gäste zu zwei Toren. Albach wurde nun wieder besser und konnte mit 30)0i erfolgreich abgeschlossenen Durchbrüchen das Resultat auf 7:4 stellen Beide Mannschaften spielten äußerst fair und überaus schnell. Hausen I — Lollar I 8:4 (3:3). Beide Mannschaften trafen sich zu einem Gesellschaftsspiel. Die Gäste traten mit nur 9 Spielern an. Die Mannschaft hielt sich bis zur Pause ausgezeichnet und holte ein Unentschieden von 3.3 heraus. Nach dem Wechsel machten sich die Ausfälle bemerkbar, so daß der Platzbesitzer das Heft vollständig in die Hand bekam und weitere fünf Erfolge zu einem hohen Siege herausholte. Der Gast erreichte noch ein viertes Tor. Kurze Sportnoiizeu. Im Dortmunder Sechstage -Rennen siegte das Paar Schön-Buschenhagen. Der bekannte Mercedes-Benz-Foh- r e r Manfred von Brauchitsch wird zum ersten Male in dieser Saison beim lOOll-Meilen-Rennen von Brescia, das am 8. und 9. April ausgefahren wird, an den Start gegen. Koji Myiazaki, der 16jährige japanische Olympia-Sieger im 200-Meter- Freistilschwimmen hat sich beim Rugbyspielen eine Schulter gebrochen. Es ist sehr fraglich, ob Myiazaki jemals seine frühere schwimmerische Leistungsfähigkeit wieder erlangen wird. Ueberlegen mit 9:1 besiegten die Edmonton Superiors am Mittwoch in Paris eine französische Eishockey-Auswahlmannschaft. * ' Um d i e Winterkampsspiele 1 9 3 4 hat sich jetzt der thüringische Wintersportplatz Oberhof beworben, da keine Aussicht besteht, die Olympischen Winterspiele 1936 nach Thüringen und dem Harz zu bekommen. * Sic Spiele um d i e deutsche Wasserball m ei st erschaft sollen in dieser Saison nur im Freiwasser zum Austrag gelangen. Demzufolge wird mit den Vorspielen bereits im Juni begonnen werden. Vom Bücheriisch des Sportlers. — Olympia 193 2. Die Reemtsma-Ziga- retkenfabriken haben einen Teil ihrer Reklame in den Dienst einer großen Idee gestellt. Die Firma will dem Sport im Allgemeinen, dem deutschen Sport im Besonderen dienen. Den Packungen einiger Zigarettensorten wurden Vilderschecks beigelegt, Schecks für Bilder, die während der Olympischen Spiele 1932 in LoS Angeles aufgenommen wurden und somit einen Tlebcrblick gestatten über die Wettkämpfe — Bilder, die Ausschnitte aus den Wettbewerben zeigen, die besten Sportler und Sportlerinnen der Weit kennenlernen lassen und damit das Znteresse am Sport fördern. Aber damit nicht genug: Die Firma gab in langwieriger und sorgfältigster Arbeit ein Buch heraus, in das die gesammelten Bilder cingeklebt werden iönnen und nun in Verbindung mit dem gedruckten Wort eine Einheit darstellen. die lückenlos d'e Olympischen Spiele wiedergibt, wie sie sich während der denkwürdigen Tage im Sommer des Zahres 1922 absp eiten. Das Buch bringt ab:r nun nicht nur Ergebnisse, Bilder, Zahlen und sachliche Wiedergabe der einzelnen Situationen der Wettkämpfe, sondern auch Schilderungen, die von Blut und Leben, von innerer Spannung erfüllt sind und so die Atmosphäre, die über dem weltsportlichen Ereignis lag, erfühlen und nacherleben lassen. Das Werk ist in seiner Gesamtheit nicht nur ein unterhaltsames Tuch, sondern gleichzeitig ein Aach- schlagewerk und eine große Vorbereitung für die Olympiade 1936 in Berlin. Aus der Summe der in diesem Buche zusammcngetragenen Arbeit läßt sich, insbesondere für unsere deutschen Sportler und im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Berlin ungemein viel lernen, so daß dem Buche nicht nur der Wert der erinnernden Tat zu eigen ist, sondern auch das werivollere Odium les in-die- Zukunftwe senden. Mit ei er g.a chis enTleberUchi über die Erfolge der einzelnen Rationen in den verschiedenen Wettbewerben beschließt das umfangreiche Werk, mit einem Schlußstrich gewissermaßen, jenes Ereignis, das zu seiner Zeit Tausende und aber Tausende in Atem hielt. Die Herausgeber des Buches verdienen Anerkennung für die vollkommene Arbeit. Der Ausbildungsweg der Turnlehrerin. Das Zahr im Turnseminar des Alice-Schulvereinö. Seit nunmehr drei Jahren Hal der Aliceschul- verein zur Ausbildung der technischen Lehrerinnen in Hauswirtschaft und Handarbeit ein drittes Fach in dem Turnseminar hinzugefügt. Damit wurde dem in anderen Städten des Reiches schon lange berücksichtigten heute so wichtigen Fach der Leibesübungen auch in Gießen Rechnung getragen. In einem einjährigen Lehrgang werden die Seminaristinnen praktisch und theoretisch in dem gesamten Gebiet der Leibesübungen unterrichtet. Dabei wird in erster Linie auf eine gute körperliche Ausbildung und Leistung der zukünftigen Turnlehrerinnen Wert gelegt. Im Sommer beginnt der Uebungsbetricb früh am Margen auf dem Universitäts-Sportplatz. Nach einer kräftigen Körperschule, in der die Schülerinnen schon bald ihre eigene Lehrfähigkeit schulen können, beginnt der Unterricht in den vielseitigen volkstümlichen Hebungen der Leichtathletik. Bei schönem Wetter entwickelt sich ein frohes luftiges Treiben, aber auch Regenwetter läßt keine trübe Stimmung aufkommen. Mit Leichtathletik wechseln die Turnspiele ab, Schlagball, Faustball, Handball und die für den Schulbetrieb wichtigen Kinderspiele. Nach listündiger Arbeit auf dem Trockenen geht es aus das nasse Element zum Rudern an das Bootshaus der Universität zur Lahn. In den Schülervierern wird in dem Riemen- und Skullfahrenunterricht und zu Anfang mancher Krebs auf dem Weg zum Felsen und zurück gefangen. Für Rudern ist Schwimmen Grundbedingung. So wird jede Woche in drei Stunden auch dafür die vielseitige Uebungsmöglichkeit mit Wasserspringen, Tauchen und Wasierspielen gelehrt. Der besseren Uebersicht wegen aber im Hallenschwimmbad. Dazu kommen auch schon im Sommer die ersten Geräteturnstunden. lieber Samstag und Sonntag wird öfter das schöne ID Her zu ein- und mehrtägigen Wanderungen ausgenuhl, um auch hier unmittelbar in die Praxis einzuführen, aber auch um unsere engere Heimat kennen zu lernen. Zur Tradition ist eine Wanderung zu dem all- jährlich stattfindenden Bergfest der DT. 'auf dem Feldberg i. T. geworden. — Zwischen den praktischen Stunden liegen die tijeo retischen verteilt. Teilweise gemeinsam mit den Studierenden der Leibesübung an der Universität, hört und sieht man in der Anatomie von dem Aufbau und den Funktionen des menschlichen Körpers. Vorlesungen über Geschichte, Methodik der Leibesübung, führen in die eigentliche Theorie derselben ein. In der orthopädischen Klinik werden praktisch und theo retisch die von der Turnlehrerin zu beachtenden vorbeugenden und ausgleichenden Leibesübungen erarbeitet. Im Winter ändert sich das BUd. Die Witterung zwingt die praktischen Hebungen in die Halle und nur zu Spiel und Waldlauf wird der Hniversitäts- sportplatz wöchentlich noch einmal aufgesucht. Da? Geräteturnen tritt jetzt an die erste Stelle und fordert Geschicklichkeit und Wagemut von jeder einzelnen. Zum Ausgleich wird aus den verschiedenen Gymnastiksystemcn Stoff zur Anregung für den Unterricht in der rhythmischen Gymnastik geboten. Auch Lied und Volkstanz kommen nicht zu kurz. Daneben beginnen jetzt die Lehrproben. Das Gießener Turnseminar darf sich rühmen, als einziges im Reich den Schülerinnen eine derart gründliche praktische Vorbildung durch Lehrproben zukommen zu lasten. Die Gießener Mädchenschulen haben dafür in dankenswerter Weise eine große Zahl der iurnftunben ihrer Klassen zur Verfügung gestellt. Erst hier zeigt sich wer zur Turnlehrerin befähigt ist und neben einer unbedingt zu fordernden eigenen Leistung auch das Geschick, Lust und Liebe' zum Unterricht besitzt. Den sommerlichen Wanderungen entsprechen im Winter die Fahrten zum Hoherodskopf, um auch im Skilauf die Anfangsgründe zu lehren. Nach dieser vielseitigen Ausbildung schließt das Sommer-Halbjahr mit der Prüfung in Leichtathletik und Rudern. Zum Ende des Winter-Halbjahres werden Geräteturnen und Schwimmen, Körperschule, vorbeugende und ausgleichende Leibesübung, sowie Lehrproben und die gesamten theoretischen Fächer geprüft. Die Lehrkräfte versuchen in dem einen Jahr allen Seminaristinnen möglichst viel für ihren späteren Beruf mitzugeben. Für viele Absolventinnen ist es daher auch eines der schönsten Ausbildungsjahre ihres Lebens. Wirtschaft. * Feldmühle Papier-Zell st offwerke A G., Odermünde bei Stettin. Die Verwaltung der Gesellschaft hat beschlossen, die dem Werk Odermünde angegiieöerten Anlagen zur Herstellung transparenter Viskoscfolien durch Ausbau der gesamten Anlagen auf das Dreifache ihrer bisherigen Leistungsfähigkeit zu vergrößern. Gleichzeitig wird auch eine Anlage zum Färben und Wetterfestmachen der Viskosefolien geschaffen und außerdem an Stelle der alten eine neue Dampfturbine aufgestellt. Maßgebend für diesen Beschluß war nicht allein die steigende Nachfrage nach der unter dem Namen „Heliozoll" in den Handel gebrachten Erzeugnisse der Feldmühle, sondern auch das Bestreben, in der Zeit größter Arbeitslosigkeit durch die Erteilung von Aufträgen Arbeit zu schaffen. ' Kölner Vier-Millionen-Anleihe- Projekt. Mit Ausnahme der Nationalsozialisten und Kommunisten billigten die Stadtverordneten in ihrer gestrigen Sitzung den Stundungsoorschlag für die 6- (8-) prozentigen Schuldverschreibungen der Stabt Köln von 1929 und ermächtigten die Stadtverwaltung zur Aufnahme eines Darlehns von 4 Millionen Mark. 'I. P. Bemberg,Wuppertal-Barmen. Bei der IP. Bcmberg AG., Wuppertal-Barmen, wird für das Geschäftsjahr 1932 mit einer Erhöhung des bisherigen Gesamtverlustes von 5,23 Millionen Reichsmark gerechnet. Die Verwaltung glaubt sich jedoch zu dieser Annahnie noch nicht äußern zu können. Im ersten Halbjahr 1932 war ein starker Rückschlag gegenüber dem Vorjahre zu verzeichnen. Die Besserung des Absatzes im zweiten Halbjahr dürfte einen Ausgleich nicht herbeigeführt haben, so daß zweifellos insgesamt ein Absatzrückgang gegenüber dem Vorjahre festzustellen sein wird, vor allem auch im Hinblick auf die noch immer unbefriedigenden Preise. Die fortschreitende internationale Verständigung auf dem Kunstseidemarkt läßt hier vielleicht für die Zukunft eine Besserung erhoffen. Frankfurter Abendbörse zurückhaltend. Franlfurt a. M., 12. 3an. An der Ab end - börfe herrschte angesichts der etwas undurchsichtigen innerpoUtischen Situation Zurückhaltung, und das Geschäft war recht klein, zumal Arrregungen fehlten und nennenswerte Orders nicht eingetroffen waren. Die Kurse des Aktienmarktes zeigten im Vergleich zum Berliner Schluß kaum Veränderungen, nur Reichsbank blieben gesucht und wurden zunächst mit 157,5 Prozent um 1,25 Proz. höher notiert. IG.« Farben bröckelten anfangs um 0,25 Proz. auf 102,5 Proz. ab, im Verlause waren, sie aber wieder leicht erholt und mit 102,75 Prozent gesucht. Einiges Znteresse bestand auch für Montanwerke, allerdings war die Kursgestaltung nicht ganz einheitlich. Harpener verloren 1 Proz., wogegen Buderus, Gelsenkirchen und Stahlverein etwa 0,5 Proz. höher lagen. Am Kassamartt blieben Kraftwerk Altwürttemberg gesucht, die Taxe lautete etwa 80 Prozent. Das Geschäft am R e n t e n m a r k t war in Reubefitz- und Schutzgebietsanleihe sehr lebhaft. Die Kurse lagen um 10 bis 23 Pfennig höher, nur Altbefitz gaben 0,13 nach. Späte Reichs- fchuldbuchforderungen blieben mit 80 Proz. etwa behauptet. Goldpfandbriese waren gefragt und meist leicht erhöht, 6proz. Psälz. Hyp. Gold, die heute mittag — Geld waren, kamen heute abend mit 89,5 Proz. (gestern 88 Proz.) zur Rotiz. Interesse erhielt sich auch für Kommunal-Obli- gationen und Stadt-Anleihen. Von fremden Werten waren Rumänen nur teilweise noch gesucht und höher, so 4,5proz. Goldrumänen (plus 0,38 Proz.), wogegen die 5proz. und die 4prozen- tigcn eher angeboten waren. Reubesitzanleihe 9,85 bis 9,88, Altbesitzanleihe 68.88, Schuhgebietsanleihe 6,975 (Rachbörse 7,05), 4 5proz. Gold- rumanen 11,10, 4proz. Zolltürlen 4,5, Lissabon Stadtanleihe 34, Reichsbank 157,50 bis 158, Buderus 44. Gelsenkirchen 53, Stahlverein 35,25, Har- pener 80,5, Aku 41,75, Belula 119,5, 2G.-Far° ben 102,5 bis 102,75, Lahmeyer 122,5, Rütgers- werke 47, Siemens 124, Aschaffenburger Zellstoff 27,25, Rordd. Lloyd 19,75, 6proz. Hessen Volksstaat von 1923 75,75, 6proz. Franks. Hyp. Dank Gold, Reihe 1 bis 15 87,25, 6proz. Franks. Hyp Bank Gold Kommunal 78, 8proz. Stadt Darmstadt von 1923 68,75, 8proz. Frankfurter Schatz- anweisungen 77. üanfnolen. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a M Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter ben Papieren ungeführten Ziffern geben bte Höhe ber zuletzt beschlossenen Dioibenbe an. — Reichsbankbiskont 4 v. H„ Lombarbzinsfuß 5 v. H. Jrantturt a. Dl. äeriui Aiannur. ... .vi. der., > franlfurt a. 2)1. Berlin Schluß- turd e-chtugk. Abend- börl Schluß- iurt (Schluß!. Mittag. bö.se Schlußkurs Ech.ußi. Abend- bö'le Schlußkurs Schluß!. Mittag« börfe Schluß- furö (Hchlußi Abend- börl Sch uß- kurö Schluvk. Ml log« böre 'Odium 11.1. 12.1. 11.1. 12-1 Dalum 11.1. 112-1. 11.1. 12.1. Datum 11.1. 12.1. 11.1. 12-1. *>% Teutidie >Jictdi6anleit)e v. ifl2i 6%ffcem.7%TL9?eicbdanI.ti.1929 Doung-AnleUst von 1930 .. Deutsche Ant.-Ablos.-Schuld mti Auolos.-Rechten ........... Sespl. ohne Auslos.-Rechte...... 6% ehe in 8%HeIi. Boll-stao, 1929 (rüdAahlb. 102%) ........... Lberhessen Provinz. Anleihe mit Auelol.-Rechten ............ Deutsche komm. Sammelab.l.An leihe Serie 1 mit Auslos..Rechten 6% ehem. 8% iZronks. Hyp.-Bant Golbpse. 15 unkündbar bis 193j 6% ehem. 7% Krauls. Hyp..Ban! 'yolbvse. 16 unkündbar bis 1936 5'/i% chem. 4V,% Franks. Hyp. Bank-Liou.-Psandbrtefe ..... Wi% ehem. 4V:% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-lÄoldpse. ... 6% ehem. 8% Pr. Landeepiand brtefanlialt, Psanbbriese 91. 19 6% ehern. 7% Pr. Landerpsano briefansta-'t, Pfandbriefe R. in 4% Oelterrelchlsche Golbreiue... 4.20% Ceffcrreiditldie SUberrenie 4% Ungarische Goldrente ....... 4% Ungarische Staotorente v. 1910 4'/2% heefil. Don 1913 ..... 5% abgelt. Goldmen'.iner von 99 4% Türkische Zollanleilie von 1911 4% Türkische Bagdavbahn-Anleche Serie I ............... 4% desgl. Serie ll ............ 6% Rumün. vereinh. Rente v. 1003 «V.%Ruman.oereinh,Nentev.lS13 4% Rumänische vereinh. Rente .. 3%% Anatolier............. 80,75 94,65 79,5* 69,25 9,65 65,5 63,75 87,4 87.4 88,7 89,75 85 85 1,05 6,75 4,3 4,3 5,75 9,75 5,6 80,5 94,13 79 68,9 9,9 77,75 65,5 63,13 87,25 87,25 88,65 89 85 85 1,4 7,25 4,5 4,45 4,4 7 11,1 6,45 22,25 80 94 79 69,13 9,45 77.5 63,75 85 1,2 7,13 4,25 4,6 6,2 9,3 5,35 22,4 80,5 95,65 79 69 9,75 78,25 63,7 - — 85 1,45 7,25 4,4 4,55 4,65 7,13 11,25 6,5 22.8 Hamburg-Amerika-Paket ..... i Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Hansa Dampfschiff...........0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 Commerz- und Privat Bank... 0 Deutsche Bank und DiSronto- Gesellschaft................0 Dresdner Bank..............o Reichsbank ................. i A.G.G......................o (i'.cftr. LieferungSgesellschast ... b Licht und ttrasl ............6 Netten & Guilleaume ........o Gesellschaft für 15lektrische Unter- nehmungen............... 4 Rheinische Elektrizität ........5 Schuckert L lLo..............o Siemens & Halske...........r Lahmeyer L Lo..............io Buderus ...................o Deutsche Erdöl .............4 Gelsenkirchener..............0 Harpener................... o Hoesch Äsen—Köln-Neueisen.. 0 Ilse Bergbau ............7 Ilse Bergbau Genüsse........ 7 nlöcknerwerke ...............o Mannesmann-Röhren........0 Mansselder Bergbau.........0 Oberschles. Kokswerke.........0 Phönir Bergbau............. o Rheinische Braunkohlen ......10 Rheinstahl................< 19 '9,65 93 53 73 61,75 154,5 31,25 98,5 57,25 84,25 90,5 124,5 121,25 44,9 91,25 52,5 101,5 63,9 25 36,4 19,13 19,75 46 93 53 73 61,75 158 31,75 84 97 59 83,7j ■95.5 89,75 124 122,5 44 91 53 80.5 101 47 63,25 25 35,25 183 75,5 19,13 28.5 19.9 46 53,5 73 61,75 154,5 31,13 84 98 57 84,75 96,5 90 124,25 120.5 44,75 91 52,4 83.25 54 135,25 101 46,9 63,65 25 74,5 36,25 185 76,65 19 29,5 19,75 46.4 92.75 53,5 73 61,75 156,25 30,65 83,25 96,5 58,25 83,5 94,5 89 124 122 43,75 91,25 52.5 81,5 52.65 135 101,5 46.5 63.4 25 73 35,5 185 75 65 Bereinigte Stahtroerte........o Ltavi Minen ...............o Jtaliioerle Aschersleben........6 Kaliwerke Westeregeln........ 6 Kaliwerke Salzdetfurth.......k 3 ®. Farben-Industrie....... 7 Scheideonstalt...............10 Goldschmidt ................o Rütgerswerke............... 0 Metallgesellschasl.............0 Philipp Holzmann...........0 Zementwerk Heidelberg ......4 Zementwerk Kartstadt.........O Wayb & Freytag ............O SchultheiS Patzenhoser........0 Aku (Allgemeine Kunstseide) ... O Bemberg...................0 Zellstosi Waldhos............0 Zellstoff Aschaffenburg .......o Dessauer ®a3 ............... 7 Daimler Motoren............ o Deutsche Linoleum ..........0 Orenstein & Koppel ..........0 Leonhard Tietz.............. 6 5 habe......................13 Griyner....................O MainkrastwerkeHöchst a.A. ... 4 Süddeutscher Zucker ....... s 35.65 114,5 119 175 103,9 162,6 40,25 45 38,25 63 53,9 5?5 — 42 55,5 .7,25 28 21,5 43 44,5 147 32,5 70 140 35,13 17 114,5 118,5 174 102,75 152,5 38,25 47 38 62,5 53,5 5,25 41,75 54 47,5 27,25 20,75 42,5 46 146 31,5 73,75 140,75 35,75 16,75 114,5 .18.5 175 104,25 40 45,5 38 63 5,65 110,25 40,9 • 54 47,25 28 111.5 21,4 43 45,75 45,25 147 ”1 140 34.75 16,9 114 118,75 174,25 102,75 38,60 46,75 38 63,4 5,5 110,5 41,25 51,25 46.75 27,5 111,75 20,5 42,13 43 46,5 144 32,9 138 11. Januar 12-Januar Amttichr Geld Dotierung Brie Amtliche Geld )ioticrunu Sric Helsingtov». 6,214 6,226 6,214 6.226 Wien...... 51,95 52,05 51,95 52.05 Prag...... 12,465 12,485 12,465 12.485 Budapest ... — — — — Sofia ..... 3,057 3,063 3,057 3.C63 Holland ... 169,33 169.67 169,23 169,57 Oslo....... 72.73 72.87 72,73 Kopenhagen. 73,13 73,27 73,13 73,27 Stockholm.. 76,92 77,08 76,97 77,13 London ..... 14,11 14,15 14,11 14,15 Buenos Airet 0,858 0,862 0.858 0,3 2 Neuyork... 4,209 4,217 4.209 4,217 Brüssel .... 58.34 53.46 58,34 58.46 Italien..... 21,54 21,58 21,5 21.58 Paris..... 6.425 16,465 16,42 16,46 Schweiz ... 81,00 81,16 89,97 81,13 Spanien... 34,43 34,49 34.41 34,47 Danzig.... 81,72 81,88 81.72 81.88 Japan..... 0,869 0,871 0.869 0.871 Rio De Ian. 0,239 0,241 0,239 0,241 Jugoslawien 5,554 5.566 5.554 5.566 Lissabon ... 12,85 12.87 12,85 12,87 Berlin, 12- Januar Geld 23rle? Amerikanische Noten.............. 4,20 4,22 Belgische Noten.................. 58.18 58.42 Dänische Noten ................ 72,75 73.05 Englische Noten ................. 14.07 14,13 yranzostsche Noten............... 16,38 16,44 Holländische Noten............... 168,86 169.54 Italienische Noten................ 21,48 21,56 Norwegische Noten .............. 72,55 72-85 Deutsch Oesterreich, i 1OO Schilling Rumänische Noten............... 2,46 2,48 Schwedische Noten............... 76,80 77,10 Schweizer Noten................. 80,79 81.11 Spanische Noten............... 34.27 34,41 Ungarische Roten...............