Dienstag, U. Dezember 1933 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Nr. 291 Zweites Blatt -b-'W-N-n w°rd°n, dem sich °i-ll°icht bald a ach schrieb land": wieder zurückgeholt wurde. In den folgenden Jahren war Max von Schenkendorf in Obhut fremder Menschen, und nun bildete und formte die Zeit und die Wirklichkeit diesen jungen Menschen und machte ihn zu jenem Freiheitsdichter Deutschlands, dessen Liebe zum Vaterland und dessen Treue zur Heimat unvergängliche Werte schuf, die vom gesamten Volk ausgenommen und tief im Herzen bewahrt Drei Gemälde von Ibsen. Als Ibsen noch als Apothekerlehrling hinter dem Ladentisch in der kleinen norwegischen Stadt Grirn- stadt stand, schwankte er, wie so viele Dichter, in der Art seiner künstlerischen Betätigung und glaubte sich zum Maler geboren. Damals hat er verschie- Wie mir deine Freuden winken, Nach der Knechtschaft, nach dem Streit! Vaterland, ich muß versinken Hier in deine Herrlichkeit. wurden! 1805! Napoleon ist der Beherrscher des Kontinents. Friedrich Wilhelm HL versucht durch alle möglichen diplomatischen Verhandlungen mit Frankreich, Rußland und England das immer schwerer werdende Schicksal Preußens zu erleichtern. Unv sonst! — Im August des Jahres 1806 bleibt ihm kein anderer Weg offen: Preußen macht gegen Frankreich mobil! Und jetzt schreibt Max von Schenkendorf das Gedicht „Sing Heldenlieder, Preußenvolk!" — das wie ein Sturmwind über das Vaterland weht und alle Schläfer aus der Ruhe weckt. Die glühende Vaterlandsliebe des jungen Dichters läßt 'ihn immer und immer wieder das Volk aufrufen zum Kampf um die Freiheit. Sein Name wird bekannt, und in allen Gauen der Heimat singt man seine Lieder und spricht seine Verse ... Die Schlacht bei Jena zerstört die größten Hoffnungen. Die Franzosen ziehen plündernd durch Ostpreußen, und auch die Schenkendorfschen Be- ,,Schwester Angelika." Dieser Film einer uns nicht näher bekannten Produktionsgesellschaft behandelt ein Motiv, das die Erinnerung an einen der bedeutendsten deutschen Romane unserer Zeit herausbeschwört, an die „Perpetua" von Wilhelm von Scholz; und obwohl über diese motivischen Anklänge hinaus nicht die mindeste Vergleichsmöglichkeit gegeben ist — dieser Film und jener Roman liegen, künstlerisch, auf zwei ganz verschiedenen Ebenen — sind doch die gerade für die Filmgestaltung höchst brauchbaren und reizvollen Möglichkeiten einer auf Vertauschung und Doppelgängerei beruhenden Handlung hier wie dort nicht zu verkennen. Die Handlung des Films freilich mischt diese Elemente — immer hart an den Grenzen des Kolportageromans — mit anderen, ganz handgreiflichen und theatralisch wirksamen Elementen: Tat, Flucht, Verfolgung, Liebe, Entsagung, Schuld und Sühne. Doch wird der so hervorgerufene Eindruck immer wieder gemildert oder verdrängt durch eine außerordentlich geschickte und kultivierte Regie, die ihrer Mittel und ihrer Wirkung in jeder Szene völlig sicher ist; die einen klaren Blick für die optischen Voraussetzungen des Films beweist und ebenso plastisch wie malerisch zu photographieren versteht. (Den Namen des Regisseurs konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen.) Die uns bisher ebenfalls unbekannte Trägerin der weiblichen Haupt- und Doppelrolle, Susanne M a r v i 11 e, erhebt sich darstellerisch ebenso über die durchschnittlichen Leistungen des Ensembles wie die Inszenierung über die eigentliche Handlung; diese Schauspielerin erinnert stellenweise überraschend an Brigitte Helm und verfügt über eine mit ganz sparsamen Mitteln hervorgebrachte Unmittelbarkeit und Wandlungsfähigkeit' des Ausdrucks. Um dieser Darstellerin und um der Inszenierung willen verdient der Film, in dem übrigens Hugo Haas, Jack My lang-Münz und Martha Trojan mitwirken, besondere Aufmerksamkeit. — Im Beiprogramm zeigt das Lichtspielhaus u. a. die neue Wochenschau, eine „Spanische Romanze" und den Vorspann zum Ufa-Film „Die schönen Tage in Aranjuez den man nächstens hier zu sehen bekommen wird. — ohne Vorbehalt unterzeichnet hatten. Das Vertragswerk hatte somit keinen Sinn, und der Ausbruch des Chacokrieges zwischen Paraguay und Bolivien, sowie der Leticia-Konflikt zwischen Ko- lubien und Peru, machten es vollends illusorisch. Da die politischen und wirtschaftlichen Fragen auf dem panamerikanischen Kongreß in Montevideo nur nbensächlich behandelt werden können, so sollen in erster Linie V e r k e h r s p r o b l e m e zur Sprache gebracht werden. Die Parole eines panamerikanischen Verkehrssystems ist ausgegeben worden, das in Einklang mit wirtschaftlichen und kulturellen Interessen gebracht werden soll. Die Schaffung einer betonierten breiten Autostraße, die von Alaska bis n a ch F e u e r l a n d, m>t Abzweigungen nach Rio de Janeiro und Buenos Aires fuhren soll, und auf der nordamerikanische Autos die Reisenden mitten durch den Urwald, durch unerforschte Gebiete, aus den Eiswüsten des hohen Nordens in die Eisberge der südlichen Erdhälfte fahren werden, ist zwar ein sehr schöner Plan, aber die Verwirklichung dürfte sich auf Jahrzehnte verzögern. Wenn der panamerikanische Kongreß sich hauptsächlich mit dieser Frage befassen wollte, so ist es schade um das viele Papier, das verschrieben, und um die schöne Zeit, die vergeudet werden wird. Schon vor mehr als hundert Jahren hat Metternich die meisten internationalen Kongresse ein „rien du tout sonore“ (ein hochtönendes Nichts) genannt. Die meisten Kongresse der letzten Jahre verdienen diese Bezeichnung, und es ist zu erwarten, daß der panamerikanische Kongreß in Montevideo sich dieser Reihe anschließen wird. Und dennoch soll man nicht ohne weiteres die Versammlung in Uruguay bagatellisieren. Gewiß, außergewöhnliche Ergebnisse können nicht erwartet werden, aber in Montevideo treffen sich alle leitenden Staatsmänner Amerikas und Sonderabkommen zwischen einzelnen Staaten liegen sehr wohl im Bereich der Möglichkeit. Der Präsident von Argentinien, General Justo, । ist vor einigen Wochen von einem Staatsbesuch in Rio de Janeiro zurückgekehrt. Zwischen ihm und Präsident Vargas von Brasilien ist ein Freund schafts - und Nichtangriffspakt Klaget nicht, daß ich gefallen. Lasset mich hinüberziehn Zu der Väter Wolkenhallen, Wo die ew'gen Freuden blühn... So geht er als ewiger Mahner, ewiger Tromm- (er durch die Zeit; das Jahr 1813 steht Max von Schenkendorf im preußisch-russischen Hauptquartier zu Schweidnitz, wo er — der durch seine gelähmte Hand am Soldatendienst verhindert ist — täglich und stündlich neue Lieder schreibt, die handschriftlich im ganzen Heere verteilt wurden, und die an allen Lagerfeuern von den Soldaten gesungen wurden. So gab er den deutschen Freiheitskämpfern Mut und Zuversicht, und machte sich um sein Vaterland verdient. .. A Seine Gedichte sind unvergänglich. Solange es ein Deutschland gibt, wird das Lied gesungen: Freiheit, die ich meine. Die mein Herz erfüllt, Komm mit deinem Scheine, Süßes Engelsbild. Dem Landsturm schrieb er: Die Feuer sind entglommen, Auf Bergen nah und fern, Ha, Windsbraut, fei willkommen, Willkommen, Sturm des Herrn! Und als Scharnhorst fiel: In dem wilden Kriegestanze Brach die schönste Heldenlanze, Preußen, euer General ... Des Morgens sangen die Soldaten, ehe sie in die Schlacht gingen: _ . Erhebt euch von der Erde, Ihr Schläfer aus der Ruh! Schon wiehern uns die Pferde Den guten Morgen zu. Die lieben Waffen glänzen So hell im Morgenrot, Man träumt von Siegeskränzen, Man denkt auch an den Tod. Vor der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 18. Oktober 1913) schrieb er ein Gebet: Wir stehen hier aufs Sterben, Der Tod ist uns ein Spott. Laß uns den Himmel erben, Du ewig treuer Gott. füqung stehenden Mittel erlauben. So zeigte das Orchester stets einen gesunden Klang mit mannigfaltigen dynamischen Abstufungen. Nur an einzelnen ' Stellen, etwa in der Lortzing-Ouverture und in der Schubert-Ouvertüre hätte der Gesamtklang im Forte noch mehr Geschlossenheit aufweisen toxv nen, indem er die einzelnen Akkordintervalle nach ihrer Wichtigkeit für den Zusammenklang noch plastischer herausgearbeitet hätte. Eine weitere Probentätigkeit wird sicherlich auch in dieser Hinsicht zum Ziele führen. Die Programmauswahl trug dem Grundgedanken eines volkstümlichen Konzerts Rechnung. Für künftige derartige Veranstaltungen wird man allerdings von der' Forderung nicht absehen können, daß in einem für das deutsche Volk berechneten Konzert doch in erster Linie nur deutsche Meister in Betracht kommen, Lortzings Ouvertüre zu der Oper „Der Waffenschmied" wurde dem Ganzen ein günstiger Auftakt Die feine thematische Verwebung von Streichern und Holzbläsern wurde hier sicher gewährleistet Eugen d ' A l b e r t s „Tiefland -Fantasie erwuchs mit scharfer Prosilierung der dramatischen Akzente. Die Einleitung zu Bizets „Carmen wurde temperamentvoll erfaßt, ohne daß die verhältnismäßig dünn besetzten Streicher zu Anfang des Vorspiels vom Blech zugedeckt wurden. Eine sehr beachtenswerte Leistung stellte Konzertmeister Franz Kerzisnik mit Vieuxtemps Ballade und Polonaise" heraus. Er erwies sich als ein Geiger von recht ansehnlichem Können und musikalischer Gestaltungsgabe. Die Orchesterbegleitung hätte verschiedentlich noch mehr Abdampfung erfahren können, um dem Solisten das ihm zustehende Recht zu gewähren. Der zweite Proqrammteil war Franz Schubert gewidmet. Für die Tragik des ersten Satzes der Unvollendeten wird der verhältnismäßig noch jugendliche Dirigent im Laufe feiner Tätigkeit noch mehr seelische Vertiefung gewinnen. Klanglich schon und in feiner Abtönung gelang das Andante; hier traten die Holzbläser mit beseelten Klängen angenehm hervor. Im Hinblick auf die verhältnismäßig sehr geringen Eintrittspreise wäre auch in den oberen Rängen ein zahlreicherer Besuch dieser für die weitesten Kreise berechneten Veranstaltung zu ermatten gewesen. Immerhin mag der begeisterte Beifall allen Beteiligten bewiesen haben, daß dieses Konzert einen durchaus aufnahmefähigen Boden gefunden hat. Dr. Gießener Gtadttheater. Volkstümliches Konzert. Wenn man den Erfolg des ersten Konzertes, das vom hiesigen Stadttheater-Orchester veranstaltet wurde, ak ein günstiges Vorzeichen ansehen will, so wird man für die Zukunft von diesem. Institut recht Erfreuliches erwarten können. Denn abgesehen von einigen Verstärkungen von außerhalb birgt dieses Orchester einen Stamm von überaus strebsamen jungen Musikern (die Leistungen zeugen dafür), die in ihrer Fortentwicklung viel versprechen. Obwohl die einzelnen Stimmen, namentlich m öen Streichern, nicht besonders stark besetzt sind im Verhältnis zu den Bläsern, so muhte man doch überrascht sein über die Ausgeglichenheit des Zufam- menklanges. Gerade die Durchsichtigkeit des Klanges infolge der geringen Zahl der Mitwirkenden läßt das Ohr um so kritischer auf den Einzelnen merken, und das geringste Versehen würde in voller Härte sofort offenbar werden. Um fo erfreulicher ist es, feststellen zu können, daß ein jeder den ihm zuqewiesenen Platz durchaus voll ausfüllt und mit größter Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit versieht. Mit welcher Sauberkeit z. B. die erste Violine das klippenreiche unisono im zweiten Satz der „Unvollendeten" durchführte, das ließ einen auf- horchen. Der gesättigte Gesamtklang der Streicher vermochte stellenweise über die sichtbare Zahl hm- wegzutäuschen. Im Verhältnis zu der Streicherbesetzung sind die Bläser, ganz besc.ders wohl im Hinblick auf das Begleiten in der Operette bzw. in der Oper, auf feinste dynamische Grade eingestellt. Aus der Basis eines Pianissimo heraus steht ihnen so eine reiche Skala im Abschattieren mühelos zur Verfügung. Namentlich die Blechbläser (Trompete und Posaune) vermochten davon des öfteren zu überzeugen, nicht zuletzt aber auch die Hörner mit ihrer weichen Nachgiebigkeit des Tones. Die Holzbläser sind völlig gleichwertig besetzt und schmiegen sich m der Feinheit und Reinheit des Klanges förmlich aneinander. Unter diesen Voraussetzungen konnte so der Schritt in die Öffentlichkeit ohne Wagnis unternommen werden. Kapellmeister Fritz Cu,6 zeigte sich als ein Musiker mit gewinnender Natürlichkeit sowohl in der dirigentischen Gebärde als auch m Der musikalischen Auffassung. Er reflektiert ebenso wenig, wie er auch nicht nach irgendeiner Richtung hin überspitzt. Er täuscht nicht mehr vor, als ihm seine persönlichen Anlagen und die ihm zur Ver- Der junge Freiheitskämpfer Max von , unb es wurde darauf hinaewiesen. daß derartige Uebungen ihre Bedeutung für schwächliche unb gesunde Kinder hätten. Nach einer kurzen Pau je hielt Professor Spilger (Darmstadt) einen längeren Vortrag über erbbiologische Fragen. An Hand von Lichtbildern und schematischen Darstellungen gab er eine klare Einführung in bie Probleme ber Vererbung unb Rassenkunbe. Herzlicher Dank würd' bem Redner zuteil, den Schulrat Dr. Meuer in Worte kleidete. Anknüpfend an die Worte d's Dichters: „Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust" faßte er bas Wesentliche des Vortrages zusammen und betonte, daß man im Interesse des Volkes bei zukünftigen Ehen mehr Gewicht auf den Stammbaum bes Ehepartners legen werbe, als das in ber Vergangenheit geschehen fei, was her wesentliche Zweck hieses Vortrags gewesen sei. Kurz vor 13 Uhr fanb bie Konferenz mit einem breisachen Sieg-Heil auf unseren Führer ihr Enhc. Der Nachmittag war für bie Fortbilhung Der Junglehrer freigehalten. Zwei Unterrichtsproben in Ober- Schmitten burch Schulverwalter Küster und Lehrer Diehl zeigten Wege, bie zu einem er- sprießlichen Ergebnis im Rechtschreibunterricht führen. Alle Teilnehm-r zollten her Arbeit ber beiben Lehrer ihre volle Anerkennung. CTtrcbficfre 7lorbnrf»fen. Dienstag, Den 12. Dezember. Evangelische Gemeinden. IDal)enborn-Steinberg. 20 Uhr. Ev. Kirchl. Frauen- kreis. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter Den Papieren angeführten Ziffern geben Die Höhe Der zuletzt beschlossenen DiviDenDe an. — Reichsbankdiskont 4 v. Sy, Lombardzinsfuß 5 v. 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