Dienstag, (2. Dezember 1933 183. Jahrgang Nr. 291 Erstes Blatt erkennend heroorgehoben. Henderson soll gesagt haben, wenn seine Zuhörer Neigung hätten, Hitler zu tadeln, so sollten sie vor allem an die Um - stände denken, die Deutschland zum Weggang gezwungen hätten. Nach Jahren der Unterdrückung sei Deutschland zum Völkerbund zugelassen worden: aber obwohl ihm Gleichheit versprochen worden sei, werde ihm noch immer die Möglichkeit verweigert, Abhilfe für seine Beschwerden zu erhalten. Annavme ovn Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrist 20 \ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst DlumscheinundfürdenAn. zeigenteil L D. TH.Kümmel sämtlich in Biegen. haben, daß es in dieser Frage auch auf England und Italien ankommt und daß Frankreich durch allzu lauten Protest gegen die deutsche „Aufrü- Oie KieineEntenie der schärfste Gegner jeder Reform. Beneschs Rücksprache mit Titulestu. K a schau, 11. Dez. (TU.) lieber die Besprechungen zwischen B e n e s ch und T i t u l e s c u wurde folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: In drei langen Unterredungen besprachen die beiden Minister die Ergebnisse der letzten Reise Titulescus nach Sofia, Ankara und Athen und tauschten darüber ihre Meinung in demselben Geiste aus, wie es gelegentlich des Besuches Titulescus in Begrad der Fall war. Im Sinne der Kleinen Entente wurden die allgemeine Lage und alle möglichen Fragen der europäischen Politik, besonders die der A b r ü st u n g und des Völkerbundes, geprüft. Beide Minister stellten in Uebereinstim- mung mit den vorhergegangenen Beschlüssen der Kleinen Entente die Einigkeit in den Ansichten über die absolute Unantastbarkeit des Völkerbundes in seiner gegenwärtigen Form fest, die sowohl gegen alle Abänderungsversuche, als auch gegen die Bestrebungen, die diesem Pakt zuwiderlaufen, vereinigt werden muß. Die nächste Konferenz der Kleinen Entente wird in Agram stattfinden. Benesch erklärte der Havasagentur noch, man werde nicht zulassen, daß direkt oder indirekt die demokratischen Grundsätze vernichtet würden, auf denen der Völkerbund aufgebaut fet, denn man sei der Ansicht, daß sie die k o'ft barste Erwerbung nicht nur der kleinen Staaten, sondern auch ganz'Europas seien. neten voraus. Der katholische Gottesdienst beginnt bereits um 11 Uhr im St. Hedwigs - Dom. Der evangelische Gottesdienst findet um 12 Uhr im Berliner Dom statt, die Festpredigt halt Hof- und Domprediger D. Dühring. Reichspräsident v. Hindenburg und Reichsinnen- minister Dr. Frick werden an dem evangelischen Gottesdienst teilnehmen. Heu e nachmittag 3 Uhr Rundfunkübertragung der ersten Sitzung des neuen Reichstages. Berlin, 11. Dez. (ERB.) Die Reichspropagandaleitung der NSDAP, gibt bekannt: Zur ersten Sitzung des am 12. November gewählten Reichstages werden alle Ortsgrupp en angewiesen, die Abhör st eilen für für die Rundfunkübertragung am Dienstag, den 12. Dezember, 15 Uhr, herzurichten. Außerdem ersucht die Reichspropagandaleitung alle G a st - ftätten, welche mit Uebertragungsanlagen versehen sind, den Akt in der Krolloper zu übertragen und die Bevölkerung durch Plakataushang darauf aufmerksam zu machen. (Er|d)etni tägltd),autza Sonntag» und Feienag» Beilagen: Die DDuftTterte ©ießener Familienblättet Heimat im Bild Die Scholl» Monatt-Vezugspret»: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 180 Zustellgebühr .. , --25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprrchanschlüste unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen. Postscheckkonto: firantfurt am Main 11686. Berlin, 11.Dev (WTV.) Der Reichskanz- l e r empfing heule in Gegenwart des Herrn Reichsministers des Auswärtigen Freiherrn von Neurath den französischen Botschafter Francois Poncet. Die Unterhaltung diente der Fortsetzung der am 24. v. 2N. begonnenen Besprechung über die verschiedenen schwebenden Fragen. In Paris hatte der Botschafter des Deutschen Reiches Dr. ft ö ft c r mit dem französischen Außenminister Paul-Boncour eine längere Unterredung, in der unter Bezugnahme auf die Aussprache des Reichskanzlers mit dem französischen Botschafter in Berlin Francois Poncet sämtliche aktuellen Fragen erörtert wurden. pariser Begleitmusik. Paris, 12. Dez. (ENB. Funkspruch.) Nachdem die französische Oefsentlichkeit tagelang mit gespann- Das deulsch-srailMche Gespräch wird fortgesetzt. Botschafter Zran^ois.poncet beim Reichskanzler. - Botschafter Köster bei Paul-Boncour. Avenol verteidigt den Völkerbund Henderson fordert Verständnis für die Lage Deutschlands. Der Führer verpflichtet den neuen Reichstag. Das Treugelöbnis der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion. — Heute Eröffnungssitzung unter der Leitung des Ministerpräsidenten Göring. zöfischen Botschafter in Berlin, muß aber selbst zugeben, daß es sich größtenteils um Kombinationen handelt. Dazu widersprechen sich die Angaben der einzelnen Blätter in vielen w.chtigen Punkten. Die einen sprechen von einer deutschen, die anderen von einer französischen, wieder andere von einer englischen Intiative, die die neue deutsch-französische Fühlungnahme herbeigeführt habe. Die offiziösen Blätter erklären, daß die bisherigen Besprechungen keine Verhandlungen seien, sondern nur der Feststellung dienen sollen, ob konkrete Verhandlungen möglich seien oder nicht. Dabei spielt wiederum die französische Innenpolitik eine Rolle. Die der Regierung nahestehenden Zeitungen bemühen sich, die konsequente Haltung Frankreichs gegenüber den deutschen Forderungen nachzuweisen, während oppositionelle Blätter, wie das „Echo de Paris" die Regierung in Verlegenheit zu bringen suchen, indem sie eine überspitzte Darstellung der Meinungsverschiedenheit geben. Im Vordergründe des Interesses steht nach wie vordieStärke des künftigendeutschen Heeres und dieAnrechnungderverschie- denen Verbände. Man scheint erkannt zu Das Volk habe dabei sein 3a nicht nur der Regierung ausgesprochen, sondern auch der herrschenden Partei. Das Schicksal habe einer einzigen Bewegung die ganze Macht in die Hand gegeben. Die NSDAP. habe erreicht, wofür sie 14 Jahre gekämpft habe. Dafür habe sie aber auch vor der Geschichte eine unerhörte Verantwortung übernommen. Denn auf ihr ruhe heute das Schicksal der ganzen deutschen Ration, und sie habe nun zu erfüllen, was' Jahrhunderte gewollt und ersehnt haben. Wir alle seien vergänglich, aber Deutschland müsse leben, und damit es lebe, müßten über alle Tagesfragen hinweg bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden. Ueberlieferungen der Vergangenheit, die nicht wertvoll seien für die Zukunft des Volkes, könnten für uns nicht als bindend angesehen werden. Die Bewegung habe sich zu fühlen als die Begründerin einer neuen Tradition in unserem Volke. „Dieses Votum hat Euch verpflichtet, die Voraussetzungen zu schaffen für einen Neubau d e r Nation auf Jahrhunderte hinaus." Diese Bewegung müsse sich turmhoch über kleine Gesichtspunkte hinausheben. Die Möglichkeiten, die uns heute gegeben seien, kehr- ten vielleicht in Jahrhunderten nicht zurück. „Wir alle werden einmal gemeinsam gewogen und gemeinsam beurteilt. Entweder werden wir gemeinsam diese Prüfung bestehen, oder die Geschichte wird uns gemeinsam verdammen!" (Stürmischer Beifall.) Die Geschichte solle einmal von uns sprechen als einer Generation von Männern, die kühn, mutig, beharrlich und zäh nur an ihr Volk gedacht haben. Der Führer erinnerte an die kühnen, von der Vergangenheit losgelösten Prinzipien, von denen unser gigantischer Kampf bisher getragen war. Aus dieser Entwicklung gelte es heute die letzten Konsequenzen zu ziehen. Der neue Reichstag habe die Aufgabe, erstens mit seiner Autorität die große Aufbauarbeit der nationalsozialistischen Staatsführung zu unterstützen und zweitens durch die Partei d i e lebendige Verbindung zum Volke zu sein. Das Volk, das edel und anständig geführt werde, werde auf die Dauer seine edelsten und anständigsten Tugenden zeigen. Das Volk müsse in feinen Führern erkennen, daß das herrschende Regiment einheitlich und aus einem Guß fei, in allen grundsätzlichen Dingen eine einzige verschworene Gemeinschaft. Der Führer verpflichtete die versammelten Führer der Partei, dem Volke in allem ein Vorbild zu ein. Die Autorität, auf die sich der neue Staat tütze, sei nicht in Äußerlichkeiten begründet, sondern in den 40 Milionen, die er heute hinter sich habe. Wenn dieser Reichstag seine Pflicht erfüllt, werden wir ruhig und mit Zuversicht in vier Jahren wieder vor das Volk treten. Er fei überzeugt, daß es uns dann ein neues und vollkommeneres Vertrauensvotum ausstellen werde. Der Führer erklärte, daß er immer wieder an das Volk appellieren werde, allein schon deshalb, damit die Bewegung ebenso elastisch bleibe wie bisher und etwaige Fehler, die ihr unterlaufen, rechtzeitig erkenne. Der Reichstag fei ein junger Reichstag, und durch diesen immer sich wiederholenden Appell werde dafür gesorgt werden, daß die Jugend nicht aus st erbe in diesen Reihen. von dem neuen Reichstag müsse es dereinst heißen, daß er der jüngste, mutigste und kühnste gewesen sei und die großen Aufgaben der Geschichte, an denen Jahrhunderte gescheitert seien, gelöst habe, von jedem von uns müsse erwartet werden, daß er ein Kämpfer sei — mutig, gerade, trotzig und treu bis ;um letzten Atemzuge. Der Führer sprach von der unerhörten Macht dieses kleinen Wortes „treu". So wie er der Bewegung die Treue gehalten habe, so verlange er von jedem, daß er ihm die Treue halte. Dann würden wir als eine Gemeinschaft verschworener Männer in die Geschichte eintreten, als eine Gemeinschaft verschworener Männer, die Geschichte gestaltet, und als eine Gemeinschaft Trschworeuer Männer, die die Geschichte der Gegenwart verlassen, um einzugehen in die Geschichte der Zukunft. Als der Führer unter begeistertem Beifall seine Rede beendet hatte, legte Reichsminister Dr. Frick im Namen der versammelten nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten dem Führer das feierliche Gelöbnis in die Hand, in u n o e r > brüchlicher Treue in guten und in bösen Tagen zu ihm zu stehen. Dr. Frick schloß die überaus eindrucksvolle Kundgebung mit einem dreifachen Kampf- und Sieg-Heil! auf Deutschland und Den Führer. Heute nur konstituierende Sitzung. Vertagung bis zum Januar. Berlin, 11. Dez. (VDZ.) Wie das VDZ.-Büro meldet, steht fest, daß der neue Reichstag sich nach ter Aufmerksamkeit nach London gehört hatte, wo der englische Botschafter in Paris auf Wunsch der französischen Regierung um Verständnis für die zögernde Haltung Frankreichs in der Abrüftungs- frage und für seine Völkerbundspolitik werben sollte, hat sich der Schwerpunkt des Interesses seit gestern n a ch B e r 1 i n verlegt. Die französische Presse bringt . _ _ . ausführliche Mitteilungen über Vorgeschichte, Verlauf ftung" nur die Notwendigkeit einer e ig e - und mögliche Auswirkungen der gestrigen Unter- s n e n w e i t g e h e n d e n A b r ü st u n g.zur Diskui- redung zwischen dem Reichskanzler und dem fran- sion stellen würde. seiner morgigen ersten Sitzung sofort vertagen wird. Die erste Sitzung, die um 15 Uhr beginnt, dient nur der Konstituierung, der Wahl des Präsidiums und des Büros und der Einsetzung der wichtigsten Ausschüsse. Die Verhand- lungen werden von dem Präsidenten des vorigen Reichstags Ministerpräsident Hermann Göring geleitet, der auch zum Präsidenten des neuen Reichstags gewählt werden wird. Die Fraktionsführung der NSDAP, bleibt in den Händen des Reichsinnenministers Dr. Frick. Nach Erledigung der Formalien wird sich der Reichstag über Weihnachten, voraussichtlich bis zum Januar, vertagen. Der Reichstagssitzung gehen wiederum F e st - . gottesdienste für die neugewählten Abgeord- | Sir Austen Chamberlain. Wie zu erwarten war, bestand die Rede des Franzosen in einer nachdrücklichen Verteidigung des Völkerbundes, dessen Verfall eine Tragödie fein würde, durch die der menschliche Fortschritt für unabsehbare Zeit zurückgeworfen werden würde. Als Grundursache der Krisis bezeichnete Avenol das Problem der Abrüstung, das auf die Frage der Gleichberechtigung reduziert worden fei. Er wandte sich gegen die Auffassung, daß infolge der Suspendierung der Abrüstungskonferenz die Länder von internationaler Kontrolle befreit worden seien mit dem Ergebnis, „daß direkte Besprechungen und diplomatische Verhandlungen endlich eine Chance erhalten". Wenn Krieg nicht mehr als Heilmittel für eine unerträgliche Lage gesucht werden solle, so fei ein freundschaftliches Verfahren für die Revision dieser Lage notwendig. Dies sei durch Artikel 19 der Völkerbundssatzung vorgesehen. Die Anregung, daß der Völkerbund ermächtigt werden solle, eine Revision aufzuerlegen trotz der Gegenstimme eines der unmittelbar betroffenen Länder, scheine nicht den Tatsachen des Problems zu begegnen. Avenol erklärte, er wolle keine Ansicht darüber ausdrücken, ob Revision wünschenswert sei, aber es sei sehr zweifelhaft, „ob den grundlegenden, damit zusammenhängenden Schwierigkeiten einfach durch eine Aenderung im Verfahren des Völkerbundes begegnet werden kann". Es sprach dann auch der Präsident der Abrüstungskonferenz Henderson. Seine Rede, die nicht vorbereitet war, scheint in konservativen Kreisen großen Anstoß erregt zu haben. Preß Association schreibt, Henderson, der mit ungewöhnlicher Leidenschaft sprach, habe bei der Erwähnung der Schwierigkeiten der Abrüstungskonferenz daraus hingewiesen, daß Frankreich während-der 21 Monate des Bestehens der Konferenz nichtwenigeralssie- ben Regierungen besessen habe. „Daily Telegraph" sagt, konservative Parlamentsmitglieder betrachteten den allgemeinen Ton der Red? Hendersons als ausgesprochen a n t i f r a n z ö s i s ch. Er habe die Hilfe, die die Vereinigten Staaten und I Sowjetrußland geleistet hätten und ebenso die Un- GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck vnö Verlag: vrLhl'sche Unlverfitülr-Vuch* und Zleindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschastrftelle: Schulsttaße 7. London, 11. Dez. (CNB.) Der Generalsekre- I terstützung durch die deutschen Vertreter bis zu der tär des Völkerbundes Avenol sprach vor Mit- Zeit ihrer Zurückziehung von der Konferenz angliedern aller Parteien des englischen Parlaments prfpnnpnh hernnraehoben über den Völkerbund. Versammlungsleiter war Berlin, 11. Dez. (CNB.) Die Reichspressestelle der NSDAP, teilt mit: Am Montagabend versammelten sich die nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten im Plenarsaal des Preußischen Landtags, umvordemFührer den Treueid abzulegen. Reichsminister Or. Frick eröffnete die erste Sitzung der neugewählten Reichstagsfraktion der NSDAP, und begrüßte die aus allen Teilen des Reiches hierhergeeitten Mitglieder aufs herzlichste. Er begrüßte vor allem die Parteigenossen, die aus den aufgelösten Landtagen zur Verklammerung der neuen deutschen Einheit zu uns gekommen sind. Die Entwicklung, die die nationalsozialistische Bewegung in den letzten Jahren aus kleinsten Anfängen in erbitterter Oppositionsstellung gegen den Staat von Weimar bis zum Endsieg im totalen Staat genommen habe, sei geradezu phantastisch. Sie werde am besten veranschaulicht durch folgende nüchterne Ziffern: Nach der Reichstagswahl vom 20. Mai 1928 zählte unsere Fraktion 12 Abgeordnete, am 12. November 1933 661 Abgeordnete, darunter über 630 Parteigenossen. Zum ersten Male tritt morgen ein Reichstag zusammen, der aus nur einer Partei besteht. Sie ist damit zum alleinigen Träger des Staates geworden. Dieser gewaltige, in der Geschichte kaum dagewesene Siegeslauf einer weltanschaulichen und politischen Bewegung ist das Werk des genialen Führers Adolf Hitler, den wir hier in unserer Mitte begrüßen dürfen. Er hat sich in den vergangenen zwölf Kampfjahren nicht nur als der größte Parteiführer erwiesen, sondern hat in 'en letzten zehn Monaten auch als Staatsmann Geschichte geschrieben. Der 14. Oktober und der 12. Rovemder 1933 werden einmal in der Geschichte als Höhepunkte der genialen Staatskunst des gebotenen Führers verzeichnet sein. Am 14. Oktober hat et mit tüljnem, mannhaftem Entschluß das Tor zur außenpolitischen h a n d 1 u n g s f r e i - heit aufgeschlagen, und an diesem Tage hat er vor aller weit bewiesen, daß seine wacht in Deutschland sich nicht gründet auf Terror, sondern auf der Liebe des gesamten deutschen Volkes. Damit hat der Führer erst die notwendige Grundlage zu umfassender fruchtbarer Aufbauarbeit nach außen und nach innen geschaffen. Diese weltgeschichtliche Leistung des Führers, die Zusammenschweißung des deutschen Volkes zur Nation, verpflichtet auch uns Parteigenossen. Wenn wir nachher dem Führer nach seiner Rede unverbrüchliche Treue geloben, so soll das kein Lippenbekenntnis sein, sondern jeder von uns wird seinen Ergeiz darin setzen, durch die Tat dem Führer nachzueifern in selb st' loser Hingabe an Volk und Vaterland. Der Führer soll uns auch im persönlichen und privaten Leben Vorbild fein, das Vorbild der Einfachheit und Schlichtheit, das er uns von je gewesen und bis heute geblieben ist. Kein noch so großer Sieg und Erfolg soll uns übermütig machen, sondern jeder neue Sieg und Erfolg soll uns nur ein neuer Ansporn sein im Kampf um das Ziel, dem idealistischen Wunschbild des nationalsozialistischen Staates näherzukommen und es mehr und mehr zu verwirklichen. Das sei unser Dank und unser Treugelöbnis an den Führer, der nun zu Ihnen sprechen wird. 0er Führer entwarf dann iy seiner außerordentlich eindrucksvollen Ansprache ein Bild der großen geschichtlichen Aufgabe, vor die tue nationalsozialistische Staatsführung heute gestellt sein und die sie verantwortungsbewußt in Angriff nehme. Einleitend gab er einen kurzen Rückblick auf den 15jährigen Kampf der nationalsozialistifchen Bewegung feit der Novemberrevolte. Nachdem es nun gelungen fei, den Marxismus und feinen Wegbereiter, die antinationale Demokratie, zu beseitigen, werde keine Macht in Deutschland mehr den von der nationalsozialistischen Bewegung erkämpften wahren Volksstaat stürzen können. Der nationalsozialistische Staat sehe das Wesen der Führung nicht nur darin, beharrlich »inem Ziele zuzustreben, sondern auch in der Fähigkeit, schnelle Entschlüssezu fassen. Unter diesem Gesichtspunkt ging der Führer sodann auf die Entscheidung des 14. Oktober und ihre Begründung im einzelnen ein. Das ganze deutsche Volk habe am 12. November vor aller Welt dokumentiert, daß es g e = schlossen hinter dem Wollen der Regierung steht. Dem deutschen Volke sei am 12. November ein Erfolg beschicken gewesen, der einzigartig sei in der Geschichte der Völker. An diesem läge, so rief der Führer unter stürmischer Zustimmung aus, hätten wir bewiesen, daß wir e i n anständiges und bis ins 3 n n e r ft e g e • funbes Volk seien. Bei welchem anderen Volke wäre eine so tiefgehende entscheidende Wendung innerhalb weniger Monate nach, einer politischen Umwälzung möglich gewesen? Statt der Waffen, die uns fehlten, hätte uns der 12. November dies einzigartige Bild der Kraft eines geschlossenen Volkes gegeben. 3n eigener Verantwortung durch Leistungen reale Werte schaffen! Natürliche Wirischastsbelebung die Aufgabe der zweiten Phase der Arbeiisschlacht.- Durch Erhaltung des Arbeitserfolgs neue Kapitalbildung aus eigener Krass. Neichswirtschafisminister Or. Schmitt fpr ch zur presse. Berlin, 11. Dez. (WTB.) Reichswirtschafts. Minister Dr. Schmitt sprach) vor der in- und ausländischen Presse. Der Minister führte u. o aus: Als ich beim Antritt meines Amtes zum erstenmal zur Presse sprach, erklärte ich als meine vor- dringlichste Ausgabe, die Arbeitslosen in Beschäftigung zu bringen, zunächst durch die Durchführung öffentlicher Arbcitsbe- fchoffungsprossramme, in zweiter Linie durch die allmählich einsetzende natürliche Wirtschaftsbelebung. Gleichzeitig wurde im Einvernehmen mit dem Führer die Parole ausgegeben, daß bis auf weiteres die Durchführung des ständischen Aufbaues zurück- ge stellt würde, damit die Wirtschaft zur Ruhe käme und Vertrauen in die Zukunft gewänne. Gerade unsere wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Monaten zeigt eine stetige, wenn auch noch nicht alle Gebiete umfassende Besserung. Entscheidend ist, daß im ganzen genommen ein unverkennbarer Fortschritt zu verzeichnen ist. Wenn dabei auch öffentliche Maßnahmen mitsprechen. ist doch aber in der Hauptsache eine wirklich aus der Wirtschaft selbst kommendeechteBesserung vorhanden. Für das Entscheidendste halte ich, daß überall im Lande der Kleinmut zurückgeaangen ist und neuer Glaube, neue Hoffnung Platz greisen. Die Wirtschaftsfront ist in Bewegung gekommen, auf dieser mühsam errungenen Basis muß nun weiter- gebaut werden. Mehr und mehr muß nun in den Vordergrund treten, daß unsere Wirtschaft von sich aus eingeschaltet wird. Hier spielt die von mir wiederholt hervorgehobene Frage der Wirtschaftlichkeit, der Kalkulation und Rentabilität eine entscheidende Rolle. Ls wäre eine völlige Verkennung nationalsozialistischen Geistes, von ihm eine Drosselung, Schematisierung oder gar Nivellierung zu erwarten. wir wollen zwar eines Geistes sein und das Interesse für Volk und Vaterland über alles stellen, wir wollen aber ebenso durch Leistungen, und zwar durch herausholen der jedem einzelnen von Gott gegebenen Fähigkeiten reale werte schaffen und dadurch unser Volk und seine wirtschaft wieder oor- wärlsbrlngen. Mit diesen Gedankengängen verträgt es sich nicht, wenn man vom Reichswirtschaftsminister erwartet, daß er die einzelnen Wirtschaftszweige in Fesseln schlägt, und daß er sie bevormundet. Sicherlich gibt es Fälle, in denen der Staat in die Wirtschaft eingreifen muß. So haben wir erst in diesen Tagen gegen die Gefahr weitverbreiteter Preiserhöhungen ein energi- sches Veto eingelegt, und wir werden dies immer tun, wenn das Wohl der Nation es erfordert. Im übrigen aber stehe ich auf dem Standpunkt, daß wir uns darauf beschränken müssen, der Wirtschaft eine Organisation zu geben, in der sie in eigener Verantwortung und unter möglichster Aufrechterhaltung Der individuellen Leistungsfähigkeit sich selbst verwaltet. Dazu wird ihr im Rahmen des ständischen Ausbaues die Möglichkeit gegeben werden. Ich hasse, daß wir schon Anfang nächsten Jahres wichtige Schritte in dieser Richtung tun können. Wir werden unter allen Umständen so an die vorhandenen Einrichtungen a n s ch l i e ß e n und sie ausbauen, daß keine Beunruhigung in die Wirtschaft kommen kann, sondern Maßnahmen treffen, die eine vernünftige Zusammenarbeit der örtlichen und sachlichen Gruppen gewährleisten. wir werden ferner dafür Sorge tragen, daß die Betätigung und Lntschlußsrei- heil de» einzelnen nicht mehr eingeschränkt wird, al» es das Interesse der Gesamtheit gebietet, wir müssen alles tun, um die Lrtrog»sähigkeit unserer Wirtschastseinhcit von der Staatsseite her so groß wie möglich zu machen. Der Staat muh immer daraus bedacht sein, seine vermal- tung so billig wie möglich zu gestalten, um die aus dem einzelnen tiefenden öffentlichen Lasten möglich st niedrig zu halten. Die» gilt aber nicht nur für den Staat, sondern auch sür alle die Institutionen, die ihre Kosten nicht au» eigener Arbeit, sondern au» der anderer decken. Die Reichsregierung, die unter Der starken Führung Adolf Hitlers gradlinig und zielbewuht die politische Einheit aus unabsehbare Zeit sichergestellt hat, wird auch wirtschaftlich den graben, wenn auch oft dornigen Weg des gesunden, wirklichen A u s st i e a s und nicht Den kurzfristiger Scheinerfolge geben. Wir sehen eine ständige Sie,- a e r u n g der Kurse, vor allen Dingen für die festverzinslichen, langfristigen Anlagen. Ist schon diese Erscheinung, für sich betrachtet, für den bevor- stehenden Bilanzstichtag von nicht zu unterschätzen- der Bedeutung, Io freue ich mich darüber ganz besonder» im Hinblick auf unsere Zinspolitik. Wir werden alles tun, um diese Entwicklung zu fördern. Jeder deutsche Volksgenosse muß wieder daran glauben und dars wieder daran glauben, daß wir nicht nur die Leistung eine» jeden einzelnen schößen, sondern daß wir auch ebenso den Erfolg seiner A r b c > I ihn, erhalten und in feinem werte sichern werden. Mit ihrer ganzen Autorität wird die Regierung schuhen, wa» Der einzelne Volksgenosse In einem Leben voll Arbeit sich für fein Aller und seine Kinder geschaffen hat. 3n diesem vertrauen wird da» deutsche Volk zum Sparen und zur Bildung neuen vermögen» an- g e r egl werden. Da» ist da» beste und in Wahrheit einzige Mittel, um der deutschen ’iollerelrt- schäft au» eigener Kraft da» für die Zukunft benötigte Kapital zur Verfügung zu stellen, und im übrigen auch der einzige weg. um den Preis für Leihkapital, den Zinssatz. natürlich zu senken. Je mehr es uns gelingen wird, wirklich nationalsozialistisch denkende Menschen in unserer Wirtschaft iU haben, desto schneller und stärker wird Deutschlands Wirtschaft wieder auffleigen Dor allem anderen die Nation, über alles das Wohl der Gesamtheit! Auflösung öer Verbände berührt nicht die Tarifverträge. Berlin, 11. Dez. (WTB ) Wie der Reichs- arbeüsminifter und Der Reichswirtschaftsminister mitteilt, werden durch die beschlossene Liquidierung der Arbeitgeberverbände die Rechtsgültigkeit und der weitere Bestand der zur Zeit laufenden Tarifverträge in keiner Weise berührt, da schon bisher die Treuhänder der Arbeit anstelle der wirtschaftlichen Vereinigungen Tarifverträge abgefchlofsen, d. h. also, die Funktionen der Verbände übernommen hatten. Für den weiteren Bestand der Tarifverträge bleibt die mehrfach ausgesprochene Erklärung der Reichsreaierung maß- gebend, daß an dem geltenden Lohnniveau zur Zeit nichts ge ändert werden darf. Heichserbhofgeseh gilt einheitlich für ganz Deutschland. Berlin, 11. De). (TU.) Die wir von amtlicher Seite erfahren, treffen die in der Presse wiederholt auftauchenden Meldungen, für einzelne Länder oder Landteile fei eine Sonderregelung de» Erbhofrechts erfolgt oder in Aussicht genommen, nicht .zu. Selbstverständlich mußte zur Derrnci- düng von Härten eine Reihe von Uebergangs- bestimmunaen im Wege der Durchiuhrungs- oerordnuna geschaffen werden: auch diese gelten aber für Das ganze Reich. Da» Reichserbhof, gesetz hat ein einheitliches Anerbenrecht geschaffen, das an die Stelle der zahllosen örtlichen Sonderrechte getreten ist und bas für Sonderregelungen in einzelnen Ländern keinen Raum läßt. ZINS oder Dividende? Eine Stoße Or. Schachts an die Welt. — Wie kommt die Weltwirtschaft aus der Sackgasse? , Basel, 11. Dez. (WTB.) Vor der Deutschen Handelskammer in der Schweiz, Bezirksgruppe Basel, sprach Reichsbankpräsident Dr. Schacht über das Thema „Zins oder Dividende? — Eine Frage an die Welt." Das politische Denken der Siegermächte sei statisch geworden, womit jeder natürlichen Entwicklung das Todesurteil gesprochen sei. Alle Versuche, von der Wirtschaftspolitik her, die gegenwärtige Lage zu lösen, seien auf die anormalen Widerstände der Politiker gestoßen, die nach dem Weltkrieg die Wirtschaft in eine Sackgasse geführt hätten. Dadurch seien ganz anders geartete dynamische Kräfte mobil gemacht worden, nämlich d i e s o z i a - len Kräfte, die oom Bolschewismus bis zum Faschismus die statischen Kräfte zu sprengen sich anschickten. Das statische Prinzip in Der wirtschaft äußere sich darin, daß man nicht alle Kräfte und Gedanken anspanne, um die Unternehmung wieder in Gang zu bringen, sondern sich seine kapitalistischen Zinsrechte zu sichern und zu bewahren suche. Da» Leihkapital vergesse ganz, daß es von dem Wirtschaftserfolg des Unternehmens abhängig fei und daß es feine kapitalistischen Zinsrech 1 e zu sichern und zu bewahren suche. Das Leihkapital vergesse ganz, daß es von dem Wirtschaftserfolg de» Unternehmens abhängig fei und daß e» seine moralische Berechtigung verliere, wenn e» nicht der Unternehmung zu dienen bereit sei. Deutschland werde, so wie die weltwirtschaftliche Lage sich entwickelt habe, voraussichtlich niemals die Zinsen auf feine Auslandanleihen in ursprünglichem Umfang zahlen können, es sei denn, daß ein völliger Wandel in Polstik und Weltwirtschaft eintrete. Die Transferregelung stellt im Durchschnitt nur eine Zinsmilderung von 15 Prozent und keinerlei Kapitalverlust dar, während andere Länder durch das System der Währungsentwertung eines sehr viel größeren Prozentsatzes ihrer Schuldzinsen und ihre» Schuldkapital» ledig geworden seien. Die deutsche Gesamtwirtschaft müsse transfer- fähig gemacht werden, denn die individuellen deutschen Schuldner seien bisher fast sämtlich zah- lungssähig geblieben. Deutschland werde nicht in der Lage sein, während des nächsten Halden Jahres einen osiprozentigen Transfer wie bisher zu dewerk- stelligen. Der deutsche Exportüberschuß bestehe zu einem erheblichen Teil in sogenannten zusätz- lichen Exporten, die mit der Registermark usw. gezahll würden. Dazu kämen die sogenannten Emigrantenexporte. Es ergebe sich also, daß der Rentner im Inter- esse einer Aufrechterhaltung der Grundsätze von Recht und Ordnung, aber auch in seinem eigensten materiellen Interesse, die Hand dazu bieten sollte, in den internationalen Schuldenbeziehungen eine entgegenkommende Haltung einzunehmen. Die Frage, ob Zins oder Dividende bedeute, ob Stillstand oder Bewegung, ob Befihoer- fümmerung ober Neuerwerb, Gläubiger und Schuldner mileinanber: das sei ein neuer Ausgangspunkt für Wirtschaft und Politik, eine neue Hoffnung. Sechs Tote bei einem Flugzeugunglück. Oer Präsident des Reichserbhofgerichts unter den Opfern. Berlin, 11. De;. (WTB.) Das planmäßige Verkehrsflugzeug D 1403 der Strecke Berlin — Hamburg ist heute nachmittag bei der Landung auf dem Flughafen Fuhlsbüttel infolge plötzlich stark verschlechterter Sichtverhältnisse gegen ein hindern!» geraten und verunglückt. Dabei kamen der Flugzeugführer Gruh- b a ch und drei Fluggäste, der Präsident des Reichserbhofgerichts in Eelle, Staatsrat Wagemann, sowie ein amerikanisches Ehepaar Barber ums Leben. Die übrigen sechs Insassen erlitten Verletzungen. von ihnen sind zwei im Krankenhaus gestorben, und zwar der Funkermaschinist Wien und ein Fluggast Schnarrenberger. Der ums Leden aekommene Präsident des Preußischen Landeserbhofgerichts in Celle Gustav Wagemann war seit einem Jahrzehnt Dor- kampser der Erbhofidee und hat auch am Reichs- erdhosgesetz grundlegend mitgearbeitet. Wagemann ist 1885 in Hannover geboren, studierte Iura, wurde Marz 1914 Assessor und Juni 1914 ins Preußische Justizministerium berufen. Er rückte dann als Batterieführer ins Feld und stand über zwei Jahre an der Front. 1916 wurde er Staatsanwalt in Frankfurt a. M., 1918 als Landrichter nach Stolp versetzt. 1919 wurde er Hilfsarbeiter im preußischen Justizministerium. Dort wurde er 1925 zum Ministerialrat ernannt Vor einigen Jahren wurde seine Beseitigung aus dem Ministerialdienst gefordert, weil man feftgefteUt hatte, daß auf seinem Hause eine Hakenkreurflagge wehte. Wegen feiner großen Spezialkenntnisse konnte man ihn jedoch nicht entbehren. Das Lebenswerk Gustav Wagemanns ist das Erbhofgesetz, an dem er ein Jahrzehnt lang gearbeitet hat. Aber erst Justizminister Kerrl gab Wagemann Gelegenheit, sein Werk in die Tat um- zusetzen. September 1933 wurde er zum Präsidenten des Landeserbhofgerichtes in Celle und in Anerkennung feiner großen Verdienste zum preußischen Staatsrat ernannt. Sein großes juristisches Können fand auch durch feine Berufung in die Akademie für deutsches Recht Anerkennung. Wage- mann war auch Präsident des Deutschen Jagd- schutzoerbandes. Er hinterläßt drei halbwüchsige Söhne. Spanien unter anarchistischem Terror. öfreifeG Bombenanschläge und (klsenbahnattentate dauern an. Mod r t b, 12. Dez. (IU.) Trotz ber beruhigenben Versicherungen ber spanischen Regierung werben aus dem ganzen Lande neue Gewalttaten besanarchislisch.fyndikalislischenPö- del »- gemeldet. In Madrid versuchte eine Gruppe oon Syndikalisten das Findelhaus mit einer feuer- erzeugenden Flüssigkeit in Brand zu stecken. Nur durch das rechtzeitige Eingreifen des Personals konnte rinc Katastrophe vermieden werden. Die Anarcho-Syndikalisten scheinen es darauf abgesehen au haben, mit allen Mitteln b e n General- ft reif im ganzen Lande zu erzwingen. In San- tiaao, Algeciras, Saragossa. Granada und Gijon ist ber revolutionäre Generalstreik ausgerufen roor- ben. In Gijon liegt ber gesamte Verkehr still. Die Bevölkerung ist ohne Brot. Eine Straßenbahn wurde überfallen und nach Räumung durch die Fahrgäste mit einer Bombe zerstört In den um Gijon liegenden Dörfern henid)en ebenfalls die Anarchisten, die die Verbindungsstraßen aufriffen und d i e Licht - und Kraflzentralen zerstörten. Zur Sicherung der lebenswichtigen Le- triebe wurde ein Torpedobootszerstörer nach dem Hasen von ®i|on entsandt, der die notigen Fach- leute an Bord führt. In Rovalmora.' in der Provinz Caceres b r a n n- p ö i e Aufständischen zwei Kirchen nieder und belästigten die Einwohnerschaft, dis das Ueberfallkommando die Ordnung wiederher- stellen konnte. Aus Gerona werden Bombenanschläge auf die Elektrizitatszen- t r a l e gemeldet. In Cadiz sind die Bauarbeiter und Buchdrucker in den Streik getreten. Auch die Anschläge auf Eisenbahnzüge dauern an. Der Schnellzug Madrid—Barcelona wurde Montagabend kurz vor seiner Einfahrt in Saragossa mit Brandflaschen beworfen, so daß ber Zug mit zwei brennenden Wagen in ben Bahnhof einlief. In Castellon beschossen die Ausrührer einen Personenzug. Bei Alicante wurde ein Güterzug durch Bombenexplosion jum Entglei - i e n gebracht. In Barcelona kam es in den Nachtstunden Zu heftigen Ausschreitungen der Syndikalisten. U. a explodierten zehn Bomben, eine vor der Kavallerie- kaierne. Mehrere Personen wurden verletzt Eine weitere Bombe explodierte an einer Eisenbahnunter- hibrung und mehrere in Fabriken und Transfer« matorftationen Am Stadtausganq Barcelonas nach Madrid hatten die Revolutionäre aus vorüber, fabrenben Prioatkraftwagen Barrikaden er- richtet und unterhielten mit der Polizei ein lebhafte» Feuergefecht Ferner wurde eine Äirdjt in Brand gesteckt. Die zum Loschen herbeieilende Feuerwehr wurde beschossen. Mehrere Straßenbahnwagen wurden unter Feuer genommen, andere wurden mit Bomben beworfen, wobei die Insassen verletzt wurden. Insgesamt wurden 90 Ausrührer verhaftet Als Vorsichtsmaßregel wurde eine Batterie in Stellung gebracht Italienischer Staatsbesuch in Berlin. Staatssekretär Luvich in der Reichößauptftadt eingetroffen. Berlin, 12. Dez. (DIB. Fuukspruch.) Der Staatssekretär im italienischen Außenministerium Suvich traf heule früh in Berlin ein. Auf dem Bahnhof wurde ihm ein herzlicher Empfang zuteil. Der italienische Botschafter 6 e r r u 11 i, eine Abteilung Dungfaschisten und zahlreiche Mitglieder der Berliner italienischen Kolonie waren erschienen. Von deutscher Seite waren zur Begrüßung erschienen der Ehes be» Protokoll». Gras B a s s e w i h, Staatssekre- tär o o n B ü l o ro und Staatssekretär Körner al» Vertreter be» preußischen Ministerpräsidenten sowie eine Ehrengarde der Stabswache Göring. Auf der Grenzstation Kufstein war Exzellen, Sa- vich vom Legationssekretär Freiherru von Marschall in Vertretung der Bcichsregierung und von Rittmeister Bolle al» Vertreter be» Ministerpräsi- benten Göring empfangen worben. Staatssekretär Fulvio S u o i ch ist 1897 in Triest geboren und entstammt einer alten Tridentiner Familie Er gehörte der ersten faschistischen Kammer an und war bereits von 1926 bis 1928 Unterstaatssekretär im italienischen Finanzministerium. Er ist bei internationalen Verhandlungen wiederholt an maßgebender Stelle heroorgetreten. So war er u. a. italienischer Delegierter bei der Haager Konferenz und Präsident der Finanzkom- Mission bes Völkerbundes Vor seiner Berufung in' bas italienische Außenministerium im Juli vergangenen Jahres befleibete er bie Stellung eines Staatskommissars in bem Zentralinstitut für Tourismus unb hat auch in biefer Eigenschaft eine sehr rührige Tätigkeit entfaltet. Staatssekretär Suvich ist ber höchste Beamte bes Außenministerium», dessen Geschäfte Mussolini selbst führt. Oer bulgarische Königsbesuch in Belgrad. Tie serbischePresse verkündet eine neueAcra Belgrad, 11. Dez. (WTB.) Die Presse widmet bem Besuch des Königs und ber Königin oon Bulgarien bie größte Aufmerksamkeit unb beschreibt in spaltenlangen Berichten ben herzlichen und begeisterten Empfang, ber bem Königspaar bei feinem Eintreffen in Belgrad aeftern nachmittag zuteil würbe. Nach „Dreme" haben an bem Empfang in Belgrad über 50 000 Menschen teilgenommen. Auch unterwegs auf ber Reife nach Belgrab würbe bas bulgarische Königspaar in allen größerer) Orten von ber Bevölkerung warm begrüßt. Insbesondere wirb in ben Berichten bie Herzlichkeit heroorgehoben, mit der sich bie beiben Königspaare am Belgrader Bahnhof begrüßten. Erwähnt wird auch, daß in Belgrad gestern zum er st en Male seit dem ersten Balkankriege (1912) wieder bie bulgari- s ch c Hymne gespielt unb bie bulgarische Flagge gehißt würbe. Der Besuch erhält namentlich burch bie Tatsache, baß bas bulgarische Äönigspaar vom Ministerpräsidenten und Außenminister M u s ch a n o f f begleitet wird, ben Charakter eines Staasbesuches erster Orb- nung. Politika schreibt, bie Freude über ben Besuch fei so aufrichtig, weil man in Belgrab ben Beginn einer neuen Aera in ben Beziehungen ber beiben Völker erwartet. Kritische Lage in Irland. Cosgrave einem Attentat entgangen. L'Tuffy nach Ulster geflohen. Dublin, 11. Dez. (TU.) Die politische Spannung in Irland ist während des Wochenendes burch mehrere sensationelle Zwischenfälle auf einen Höhepunkt getrieben worden Auf ben parlamentarischen Führer ber irischen Opposition unb früheren Mi- nisterpräsibenten Cosgraoe, wurde am Sonntagabend in ber Nähe ber Ortschaft Anagry in ber Grafschaft Donegal ein Reoolveranschlag verübt Cosgraoe raste zusammen mit anderen Parteirebnern im Kraftwagen oon Anagry nach einer anberen Ortschaft Die Attentäter, die sich in einem Hinterhalt an der Straße versteckt hatten, verfehlten ihre Absicht, indem sie den ersten Krastwagen, in bem Eosgraoe saß und den zweiten Wagen, in dem feine Parteifreunde fuhren, ungehindert passieren ließen. Erst auf den dritten Kraftwagen, in dem bewaffnete Detektive waren, gaben sie mehrere Schüsse ab unb bewarfen ihn mit großen Felssteinen. Die Detektive stoppten jeboch sofort unb eröffneten das Feuer auf bie Angreifer, worauf biese die Fucht ergriffen. Nicmackd würbe verletzt. Der Präsident ber Vereinigten Irlanbpartei und ber Blauhemben, General O ' Dufsy hat sich am Sonntagabenb einem Verhaftungsbefehl be Baleras durch bie Flucht nach Ulfter entzogen Die Verhaftung General O'Dufsys würbe am Sonntag von ber irischen Regierung an- georbnet. Nachdem O'Dufsy auf einer Versammlung in Carnbonagh nicht erschien, wurde bekannt, daß er bie Grenze nach Norbirland überschritten hatte. Später tauchte er in der nord- irischen Stadt Arnagh auf, oon wo er sich angeb- lich nach Dublin begeben will, um sich ben Behörden zu stellen. Zu großen Unruhen kam es in Tipperary. wo eine "Blauhembentunbgebung oon berittener Polizei aufgelöst wurde Der Redner entging der Verhaftung, indem er feinen Mantel in ben Händen der Polizei ließ unb in einen Kraftwagen sprang. öer Oanziger Senatspräsident bei pilfuöffi. Warschau, 11. Dez. (2DIB.) Amtlich. Der Senatspräsident der Freien Stadt Danzig. Rausch- n i a g, der heute in Warschau ei rigetroffen ist. wurde im Laufe be» Nachmittag» von Marschall p i l s u d s k i io Anwesenheit de» Außenminister» Oberst Leck und de» polnischen Generalkommissar» io Danzig, papte, empfangen. Da» Gespräch, da» über eine Stunde dauerte, nahm einen freundlichen verlauf. Der Senat der Freien Stadl er als Vergeltungsmaßnahmen der österreichischen Regierung. Wien, 11. Dez. (TU.) Wie gemeldet, wurde Vorstandes der deutschen Spitzenorganisation der deutsch-baltischen Volksgemeinschaft in Lettland. Er war Vorsitzender des Bundes deutscher Landwirte in Lettland und gehörte den Vorständen zahlreicher anderer deutschen Organisationen an. Baron Fircks ist im Jahre 1870 in Kurland auf dem väterlichen Gut Rettingen geboren. Er studierte in Freiberg in Sachsen. In der Folge war er als Bergingenieur zunächst in Deutschostafrika, dann in Serbien und Spanien, schließlich im Uralgebiet als Direktor einer Platin- und Goldgrube tätig. Während des Weltkrieges kehrte - nach Kurland zurück. Krupp als Zeuge im Mauer-Prozeß. Deutschland war auf den Krieg nicht vorbereitet und die deutsche Industrie nicht vom bevorstehenden Kriegsausbruch unterrichtet. geltenden Stichworts meldeten. In Flensburg gelangten die Flüchtlinge dann schließlich an öie Leute, die das eigentliche Herüberschaffen über Die grüne Grenze bei Nacht besorgten. Es konnte fest" gestellt werden, daß die Flensburger Bande in der letzten Zeit 16 Personen über die Grenze geschasst hatte. Darunter befanden sich mehrere flüchtige Kommunisten, u. a. auch zwei, die große Summen veruntreut hatten. Die Flensburger Be« teiligten — es handelt sich um sechs Personen — sind restlos festgestellt und in Haft genommen worden. Brandunglück in USA. — Drei Tote, zehn Schwerverletzte. In Hampden (Maine) brannte ein hölzerner Tanzpaoillon, in dem ein Dauertanz veranstaltet wurde, während eines Schneesturmes nieder. Viels Tänzer waren so ermüdet, daß sie die Ausgänge nicht rechtzeitig erreichten. Drei Personen wurden getötet, zehn schwer verletzt. Kunst und Wissenschaft. Professor Heisenbergs Nobel-Vortrag in Stockholm, Vor einem vollzähligen und äußerst repräsentati- oen Auditorium, worunter sich das gesamte Lehrerkollegium der Technischen Hochschule in Stockholm befand, hielt Professor Heisenberg, Leipzig, in Stockholm seinen Nobel-Vortrag über das Thema: „Die Quanten-Mechanik". Der Vorsitzende des Nobel-Komitees für Physik, Professor P l e i - j e l, Stockholm, würdigte in seinen Ausführungen in deutscher Sprache Professor Heisenbergs Verdienste. Nordische Hochschule für bildende Kunst in Bremen. In Bremen ist die nordische Hochschule für bildende Künste gegründet worden, die im April 1934 ihre Aroeit aufnehmen wird. Wie München als Kunststadt den Süden, Dresden den Ostraum, Düsseldorf den Westraum, so soll die Bremer Hochschule auf dem Gebiete der bildenden Künste den gesamten norddeutschen Raum befruchtend durchdringen. An die Spitze der Hochschule hat der Bremer Senat den ehemaligen Leiter der groß- herzoglichen Hochschule für bildende Kunst in Weimar, Pros. Dr. n. c. Fritz Mackensen, Worpswede, berufen. Organisches Schaffen auf dem Grunde deutsch-nordischen Volkstums soll der Arbeit der Hochschule das Gepräge geben. Danzig hat die Neigung geäußert, die polnisch Danziger Angelegenheiten ihres strittigen Lha- rakterszuentkleiden. Diese Neigung hat bei der polnischen Regierung einen günstigen Di- d e r h a l l gefunden. Japan fordert Gleichberechtigung zur See. Tokio, 11.Dez. (TU.) Die gesamte japanische Presse verzeichnet offenbar auf höheren Wunsch die Notwendigkeit für Japan, völlige Gleichbe- rechtiguna in der Seerüstung au erlangen. 1935 werde Japan auf der Flottenkonserenz unter allen Umständen die Gleichberechtigung verlangen. Ferner müsse Japan die Vorschläge zurückziehen, die es seinerzeit in Genf auf der Abrüstungskonferenz machte, weil diese Vorschläge die Bewegungsfreiheit der japanischen Marinebehörden einschränken. Japan müsse Festsetzung einer Höchsttonnage für alle Seemächte fordern, innerhalb dieser Gesamttonnagegrenze müsse jede Macht Art und Gröhe der einzelnen Schiffe selbst bestimmen dürfen. Die Einschränkung des Baues von Kriegsschiffen über 10 000 Tonnen soll aufgehoben werden. Wettervoraussage. Die Luftdruckverteilung hat seit gestern eine wesentliche Umgestaltung erfahren. Einerseits haben sich Ausläufer des Polentiefs westlich über Deutschland ausgebreitet und anderseits ist von Norden her ein Tiefdruckgebiet über die britischen Inseln vorgedrungen. Die beiden Störungen suchen in Verbindung zu kommen, wodurch sich über Deutschland eine Rinne tiefen Druckes bildet. Somit gelangt milde ozeanische Lust bis in unseren Bezirk vor und bewirkt neben Frostabschwächung Bewölkung, wobei vereinzell auch Schneefall eintreten wird. Die Milderung wird jedoch nur vorübergehend fein, denn von Skandinavien her fließt bereits sehr kalte Luft südwärts. Aussichten für Mittwoch: Meist dunstig und bewölkt, Nachlassen des Frostes, vereinzelte Schneefälle. Lufttemperaturen am 11. Dezember, mittags: — 4,4 Grad Celsius, abends —4,3 Grad am 12. Dezember, morgens: —5,1 Grad. Maximum —4, Minimum —7,8 Grad. Sonnenscheindauer 8 Minuten. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. Dezember, abends: —3,4 Grad, am 12. Dezember, morgens: — 3,3 Grad Celsius. München-Gladbach, 11. Dez. (WSN.) Im Prozeß gegen Professor Dessauer gibt der Frankfurter Verteidiger Dr. E v e r h a r d t die Erklärung ab, daß er sein Mandat niederlege, da er nicht hätte ooraussehen können, daß der Prozeß in einem solchen Umfange politischen Einschlag annehmen werde. Krupp von Bohlen und Halbach äußert sich eingehend über die Beziehungen Mühlons zu seiner Firma. Anfang 1915 habe Mühlon mitgeteilt, daß ihm die indu- strielle Betätigung nicht liege, und daß er deshalb gehen müsse. Mühlon habe jedoch dankend eine große Überweisung a n g e n o m men, die von der Firma gemacht wurde, weil sie die leitenden Herren für ihre erhöhte Tätigkeit in jener Zeit entschädigen wollte, und weil sie selbst die Mehrgewinne, die in den ersten Kriegszeiten erzielt wurden, durch Stiftungen für Hinterbliebene usw. zur Verfügung stellte, da die Inhaber Mehrgewinne nicht hätten erzielen wollen. Mühlon habe diese Ueberroeifung angenommen, ohne irgendwie zu bemerken, daß er von Rüstungsgewinnen keine Gelder haben wolle. Von den Hetzereien Mühlons habe er zuerst Ende 1917 gehört, als fein Flugblatt verbreitet würde. Auf die Frage des Staatsanwalts, ob es richtig fei, daß die Firma Krupp bereits vor dem Ausbruch des Krieges über den bevor- stehenden Krieg verständigt worden sei und dementsprechend sich eingerichtet habe, erwidert Krupp, man habe damals in Deutschland nicht an einen Krieg geglaubt, und es seien auch keiner- lei Vorbereitungen getroffen worden, was beispielsweise daraus hervorgehe, daß man zu jener Zeit kaum Vorräte an Spreng» ft o f f e n hatte. Dieser Mangel an Sprengstoffen im Jahre 1914 habe vielen Menschen an der Front das Leben gekostet. Hieraus ergebe sich als stärkster Beweis, daß Deutschland den Krieg nicht gewollt und nicht vorbereitet hatte. Der Papiergroßhändler K l e h e aus Aschaffenburg äußert, daß sich Dessauer seiner Ueberzeugung Oie Wahrheit über die deutsche Gaar. Eine belgische Lektion für die Franzosen. Berlin, 11. Dez. „Libre Belgique" befaßt sich in einem Leitartikel mit dem Saarproblem. Der Aufsatz, wie das Brüsseler Blatt überhaupt, sind natürlich alles andere als hitlerfreundlich, aber das hindert nicht, daß dem französischen Nachbarn Wahrheiten gesagt werden, die wir zumindest von dieser Seite nicyt gewöhnt sind. „Die Saar ist nach Rasse und Sprache deutsch. (Bravol Und Eupen und Malmedy?). Frankreich dachte sie im ersten Siegestaumel zu annektieren, das zaristische Rußland hatte dem schon während des Krieges zugestimmt, aber Wilson und Lloyd George ließen sich nicht Herumkriegen." Der belgische Kritiker macht sich offen über die „histori- schen Argumente" lustig, mit denen die Franzosen heute noch an der Saar operieren. Wenn — nach französischer Ansicht — der heutige deutsche Charakter der Saarbevölkerung auf eine deutsche Einwanderung in den letzten hundert Sohren zurückgeht (!), so klammern sie sich daran, daß das Land „früher" französisch gewesen sei. „Eine kühneBehoup- t u n g', so schreibt dazu die „Libre Belgique^, „denn war nicht ganz Belgien einmal französisch?" Der Artikel schließt mit dem Rat, dieAbstimmuna, die unvermeidlich sei, doch schon!934 vorzunehmen. Wie nötig die Franzosen eine solche Lektion haben, zeigt ein Blick auf die Artikelserie des Saarkorrespondenten Gabriel Perreux im „Paris Midi". Tapfer hat er vor einem Saarbrücker Schaufenster eine Abteilung — Bleisoldaten — irn Brau n- hernd geknipst. Nachdem der Leser dadurch schon eine Gänsehaut bekommen hat, wird ihm eine ganze Serie von Schauermärchen vorgesetzt. Man bekommt das Gefühl, als konnte sich ein armer Franzose heute in Saarbrücken gar nicht mehr auf der Straße sehen lassen! Diese schamlosen Verdrehungen richten sich von selbst. Ihnen kann aber nur gesteuert werden, wenn die Wahrheit über die Saar durch deutsche und objektive Beobach- ter verbreitet wird wie durch jenen Belgier. Aus aller Welt Verteidigerplädoyer imLahusen-prozeß Bremen, 11. Nov. (WTB.) Im Lahusen-Pro- zeß begannen heute die Plädoyers der Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Max Schmidt (Berlin) erklärte, er würde es nicht wagen, ein Wort zur Verteidigung vorzubringen, wenn die Angeklagten so seien, wie die Staatsanwaltschaft sie gezeichnet habe. Hätten sie auch nur einmal 100 000 Mark ins Ausland gebracht, so würde er sie nicht verteidigen. Der den Angeklagten gemachte Dorwurs der Untreue könne nicht aufrechterhalten werden. Die ganze Beurteilung der mit den einzelnen Vorwürfen der Bilanzverschleierung zusammenhängen- den Fragen hänge lediglich davon ab, ob der Debitor HUM von den Angeklagten noch als zah- lungskrästig anzusehen gewesen fei. Abgesehen von der Saldierung der Debitoren HUM und ßimitaba seien alle Bilanzierungsmethoden zu rechtfertigen. Aber ihre Mißbilligung vom Rechtsstandpunkt aus könne eine Strafbarkeit nicht begründen, da die Tat durch vermeintlichen wirtschaftlichen Not st and gedeckt sei. Eine solche Lage sei vom Reichsgericht bereits in einem ähnlichen Fall als eine übergesetzliche Notwehrlage und damit als Strafentschuldigung anerkannt worden. Sechs Monate Gefängnis Im venecke-Prozeh. Die 7. Große Strafkammer des Berliner Landgerichts verurteilte den früheren Berliner Stadtrat Wilhelm B e n e ck e wegen Vergehens der ein- Büchertisch. — HandbuchdergeographischenWis- s e n f d) a f t Herausgegeben von Universitäts-Professor Dr. Fritz Klute- Gießen unter Mitwirkung zahlreicher Gelehrter. Etwa 4000 größere Textbilder und Kärtchen, gegen 300 Farbenbilder, viele Karteibeilagen. In Lieferungen zu je 2,40 Mark. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion mbH. Potsdam. Das ausgezeichnete, hier laufend besprochene Handbuch, dessen zwei erste überaus stattliche Bände vollständig vorliegen, beginnt in seiner 52. Lieferung die Besprechung Italiens, aus der Feder des Hamburger Professors Kanter. Es ist erstaunlich, wie ganz neu und von Grund auf klar und übersichtlich sich dieses schon tausendfach beschriebene und von allen Seiten beleuchtete Land darbietet. Was es heißt, ein Land vom Geographischen her zu erleben, es auf Grund seiner erdkundlichen Bedingungen und Verhältnisse zu erkennen mit seinen Landschaften und Menschen, mit Tier- und Pflanzenwelt, Klima und Bodenbeschaffenheiten, das kehrt diese Darstellung, die in ihrer konzentrierten Form Genuß und Belehrung vorbildlich verbindet. Wie gerade dieser Beitrag mit Bildmaterial, farbigen Tafeln, Textabbildungen und schematischen Karten ausgestattet ist, verdient als Muster der Anschaulichkeit besonders hervorgehoben zu werden. — Daneben dann die Schilderung Sibiriens aus der Feder Helmut Angers-Ko- nigsberg. Da Anger bereits die allerneuesten politischen und wirtschaftlichen Veränderungen berücksichtigt, erhalten wir das hochinteressante Bild des modernen Sibirien, erfahren von seinen 180 Völkerschaften, von feinen unbegrenzten Naturreichtümern, von feiner Besiedlung und Kultur, ein fesselndes Kapitel der Erd- und Menschheitskunde wird aufgeschlagen und uns mit allen Hilfsmitteln moderner Wissenschaft, vor allem wieder durch ein erlesenes und instruktives Bildmaterial nahegebracht. Die folgenden, bisher erschienenen Lieferungen 59 und 60 führen die Behandlung Aegyptens, des Sudans, Syriens und Mesopotamiens weiter. Auch zu diesen Beiträgen ist ein ausgezeichnetes Bildmaterial bereitgestellt, worunter vor allem die ganzseitigen farbig reproduzierten Landschaftsge- mälbe hervoragend das beschriebene Wort ergänzen. Die Hanoelshochschule, Lehrbuch der Wirtschaftswissenschaften, herausgegeben von Prof. Dr. Schmidt, Frankfurt a. M. Industrie-Verlag Spaeth & Linde, Berlin W 35. Nun liegt mit den soeben erschienenen Lieferungen 21 bis 32 auch der vom Verlag in dankenswerter Weise herausgebrachte Ergänzungsband dieses für den modernen Kaufmann jeder Branche zum Nachschlagen wie zur Fortbildung unentbehrlichen Werkes vollständig vor. Er bringt u. a. „Betriebswirtschaftliche Konjunkturlehre" aus der Feder des Herausgebers, „Marktanalyse" von Dr. Henzel, „Bank und Börsenrecht" von Prof. Ludewig, „Kartellrecht" von Prof. Rumpf, „Aktienrecht" von Prof. Klaufing (aus den neuesten Stand gebracht). Ein Sachverzeichnis erleichtert auch die Handhabung dieses Ergänzungsbandes. Das stattliche Werk eignet sich auch dank der Qualität des Herausgebers und seiner Mitarbeiter ausgezeichnet zum Selbststudium für jeden ooranstrebenden Kaufmannsgehilfen. Deutsche Erziehergemeiuschast und NG -Lehrerbund. Berlin, 11. Dez. (TU.) Vom Reichsministerium des Innern wird befanntgegeben: Da durch die Presseveröffentlichungen der letzten Tage Unklarheit entstanden ist über das Verhältnis der DEG. zum NSLB. wird hier- durch folgendes feftgefteUt: 1. Wie auf anderen Gebieten des Kulturlebens Organisationen vorhanden find, die die Gesamtheit aller beteiligten Volksgenossen umfassen (z. B. Reichskulturkammer, Deutsche Studenschast usw.) und daneben die entsprechenden Parteiorganisationen bestehen (z. B. Kampfbund für deutsche Kultur, Nationalsozialistischer deutscher Studentenbund), so sind auch auf dem Gebiete des Bildungswesens die deutschen Erzieher zur Wahrung der wertvollen Fa ch a r b e i t in der DEG. zusammengefaßt. Ihr steht der NSLB. als die ent- sprechende weltanschaulich politische Organisation der NSDAP, zur Seite. 2. Die DEG. erstrebt keine Wiederherstellung der Ueberzahl aufgelegter Verbände, sie schließt vielmehr nach der Zahl der großen Schul- gruppen die gesamte deutsche Erzieherschaft in Reichsverbänden zusammen. 3. Die Führung der DEG., die Leitung ihrer Reichsverbände und ihrer Untergliederungen liegt in den Händen von zuverlässigen N a - tionalsozialistenundMitgliederndes N S L B., die zum Teil zu den ältesten Vorkämpfern der Bewegung gehören. Somit ist eine Arbeit der DEG. im nationalsozialistischen Sinne durchaus gewährleistet. Daher sind der Führer unb Die porge- legte Satzung der DEG. vom Herrn Reichsminister des Innern ausdrücklich anerkannt worden. 4. Hieraus ergibt sich, daß die Gründung der DEG. nicht im Gegensatz zum nationalsozialistischen Staat oder zur nationalsozialistischen Bewegung und ihren Organisationen steht. Daher sind Angriffe jeglicher Art gegen die sachlich notwendige und vom Herrn Reichsminister des Innern genehmigte DEG. und gegen ihre Mitglieder ungerechtfertigt insbesondere ein Verbot der Doppelmitglied- schast und ein Zwang zum Austritt aus den Verbänden. 5. Ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten der DEG. und NSLB. ist nicht nur um der Facharbeit willen, sondern auch wegen der g.oßen gemeinsamen Ziele des Nationalsozialismus notwendig. Die Kirche im Dienst derRaffenhyaiene Berlin, 11. Dez. (CNB.) Der Landeskirchenrat in Eisenach hat nach Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Rassenwesen (Präsident Dr. 21 ft e l) vom Landesbischof O. Reichardt Richtlinien herausgegeben, deren Absatz 11 lautet: „Um die Bestrebungen der Rassenhygiene zu för- dem, soll der Pfarrer wo immer es ihm möglich ist, die ein Verlöbnis Schließenden auf d i e Bedeutung der Erbgesundheit aufmerksam machen. Er soll bei den Eltern der Verlobten darauf hinwirken, daß die Verlobten sieh vor der Hochzeit Erbgesundheitszeugnisse befchaf- sen. Er soll sich an der staatlichen Arbeit bei Der erb- biologischen Bestandsaufnahme willig beteiligen und soll die Anlegung von Ahnen - undSipp- s ch a f t st a f e l n fördern." Hitler-Denkmäler und Gedenktafeln verboten. Berlin, 12. Dez. (CNB.) Der Stabsleiter des Stellvertreters des Führers, Bormann, hat folgende Anordnung erlassen: Der Führer hat erneut bestimmt, daß keinerlei Hitler-Denkmäler, Gedenktafeln oder dergleichen zu feinen Lebzeiten errichtet bzw. angebracht werden dürfen. Soweit dies bereits geschehen ist, find die Denkmäler und Tafeln unver - zuglicy zu beseitigen. Vergeltungsmaßnahme für die Flucht des Prinzen Bernhardt von Sachsen-Meiningen eine Anzahl bekannter Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Wollersdorf gebracht. Darunter befinden sich der Bruder des ehemaligen Gauleiters der NSDAP., Eduard Frauenfeld, der Wiener Gauinspekteur und frühere Gemeinderat der Stadt Wien, Josef Neumann und der frühere stellvertretende Vorsitzende der nationalsozialistischen Landtagsfraktion im Wie- ner Landtag und Führer des nationalsozialistischen Lehrerbundes in Oesterreich, Mittelschulprofessor Dr. Suchenwirth; ferner der ehemalige Landesführer des NS.-Iuristenbundes, Rechtsanwalt Dr. Alois Bernwiese r. E.n Führer des Deutschtums in Lettland gestorben. Riga, 11. Dez. (TU.) Der langjährige deutsche Abgeordnete und Parteiführer des Deutschtums in Lettland, u r o n Wilhelm von Fircks, ist nach monatelanger schwer^ Krankheit in einem Sanatorium bei Riga gestorben. Sein Tod bedeutet einen schweren Verlust für bas Deutschtum in Lettland. Baron Fircks war seit der Begründung des lettländischen Staates sowohl in der versas- (ungsgebenben Versammlung, als auch in sämtlichen weiteren Parlamenten beutscher Abgeorb- n e t e r und später auch Fraktionsführer. Ferner lefleibete er das Amt eines Mitgliedes des Haupt- nach mit der Carolus-Druckerei eine politische Plattform habe schaffen wollen, lieber den Fall Mühlon vermochte sich der Zeuge nicht zu äußern, weil er als Kriegsteilnehmer von diesen Hetzschriften zu dieser Zeit nichts gehört hat. Pros. Dessauer bittet, seine Schrift „D e r Kern der Frag e", die aus dem Jahre 1918 stammt, verlesen zu lassen, aus der seine patriotische Gesinnung unzweideutig hervorgehe. Dieser Auffassung widerspricht der Vertreter Der Anklage mit Nachdruck und wies u. a. darauf hin, daß starke Verdachtsmomente dafür vorhanden seien, daß Dessauer bei seiner Reise in die Schweiz der Vertrauensmann Mühlons gewesen sei. Prof. Dessauer wandte sich erregt hiergegen Er sei nur einmal im Kriege bei Mühlon gewesen und habe ihm Vorhaltungen wegen seiner Schrift gemacht. Die Staatsanwaltschaft betont demgegenüber, man könne nicht glauben, daß Prof. Dessauer das Buch „Verheerung Europas" nicht gelesen habe. Landgerichtspräsident S t a r t i n g , Der Den Vorsitz Der VerhanDlung führt, verwies Darauf, Daß aus früher verlesenen Schriftstücken festgestellt ist, Daß Prof. Dessauer von Dem Pazifisten Foerster scharf abgerückt ist unD Daß er in einem ausführlichen Schriftstück sich auch scharf gegen Die Separatisten geroanDt habe. Hieraus erroiDerte Der Staatsanwalt, Dessauer habe leDiglich für Den Staat von Weimar gekämpft unD er habe sich gegen Die Separatisten geroanDt, um zu verhinDern, Daß von Diesem Staat von Weimar ein Stück abgetrennt werbe. Von Foerster sei er abgerückt, weil Diefer VaterlanDsverräter für j e b e n Deutschen unmöglich geworben war. Dessauer betont, Daß seine Schriften unD HanDlungen von Der Anklage jetzt alle belaftenD für ihn ausgeroertet roerDen, ohne Daß er sich Dagegen wehren könne. Er habe sich zweimal in Menschen geirrt: einmal bei Dr. Hohn und bann bei Mühlon. Aber dieses Irren sei doch kein Verbrechen, nichts könne gegen ihn zeugen, daß er irgendwie gegen das Vaterland gehandelt habe. fachen passiven Bestechung zur gesetzlich zulässigen Höchststrafe von sechs Monaten Gefängnis. Außerdem werden 3000 Mark erhaltener Zuwendungen als dem Staat für verfallen erklärt. — Sporlflieger Schwabe in Tunis. Der Sportflieger Karl S ch w a b e , der am Sonntag in Neapel angekommen war, hat am M-ontag seinen Flug über das Mittelländische Meer fortgesetzt und ist am Nachmittag inTunis gelandet, von wo er nach Kairo weiterfliegen wird. Der Flug über das Mittelländische Meer erfolgte bei sehr regnerischem und böigem Wetter. Schwabe erlitt infolge der anhaltenden Böen eine leichte V e r l e tz u n g an der Stirn, Da er gegen Die BordwanD geschleuDert wurDe. Furchtbare Rache eines afrikanischen Negersiannnes. Die LonDoner „Morning Post" melbet aus Johannesburg einen furchtbaren Fall von Rache eines Ovambo-Stammes in SüDroeftafrifa gegen Buschmänner, Die beschulDigt rourDen, Das Vieh Des Stammes gestohlen zu haben. Die Doorn- bos griffen Die Buschmänner an. Die nach heftigem Kampfe flohen. Zwei in Den HänDen Der Ooambos zurückgelassene Gefangene rourDen an HänDen und Füßen gebunden und in eine Grube geworfen, auf deren Grund ein Feuer angezündet war. Die Gefangenen wurden lebendig geröstet. Dann warfen die Ooambos drei Buschfrauen in einen oon Krokodilen wimmelnden Fluß. Zwei Der Frauen rourDen van Den KrokoDilen gefressen. Die Dritte entkam an Das anDere Ufer. Hieraus fingen Die Ooambos zwei junge Hirten, Die sie mit Dem Kopf nach unten in Den Fluß tauchten, bis sie tot waren. Elf Ooambos stehen jetzt unter Der Anklage Des MorDes oor Gericht. Schifferbool mit fünf Jnfaffen untergegangen. Auf Der Höhe oon Tromsö ertranken oier Fischer unD eine Frau, Deren kleines Boot bei schwerer See ooll Wasser schlug unD u n t e r g i n g. Schiffsuntergang an Der schwedischen Küste. — Neun Menschen ertrunken. An der schwedifchen Küste hat sich ein Schiffs- Unglück ereignet, bei dem neun Menschen ums Leben kamen. Das schwedische Bugsierboot „Dagen 9", das sich auf dem Weg nach Gotland befand, ist im Sturm unter gelang en. Die Stockholmer Presse hält es auch für möglich, daß „Dagen 9" auf eine Mine gelaufen und mit der ganzen Besatzung untergegangen ist. Schweres Unwetter in Marokko. Die ununterbrochenen R e g e n f ä 11 e , die feit einigen Tagen in der Gegend oon Rabat und Tanger niedergehen, hoben zur Unterbrechung des Verkehrs zwischen Den beiDen StäDten geführt. Die Postoerbindung ist ebenfalls unterbrochen, unD auch Die Durchführung Des Luftoerkehrs begegnet infolge Der Witterungsoerhältnisse fast unüberbrückbaren Schwierigkeiten. In Den letzten Tagen rourDen an oerfdjieDenen Stellen Brücken weggeschwemmt. Ein Güterzug entgleiste infolge Unterspülung Des EisenbahnDammes. Der Loko- motivsührer rourDe getötet unD Der Heizer schwer oerletzt. Opfer Der Kälte in Ungarn. Während der letzten K ä 11 e t a g e wurden, wie aus Budapest gemeldet wird, auf verschiedenen Landstraßen Ungarns fünf Personen erfroren aufge» funDen. In Kispest wurde ein Nachtwächter infolge der grimmigen Kälte irrsinnig und wollte die Verkaufsbuden auf dem Marktplatz anzünden. Auf dem flachen Lande hat sich aus Anlaß der anormalen Witterung eine Reihe schwerer Unfälle ereignet. In den Dörfern verursachte der Umstand, daß alle Brunnen zugefroren sind, schwere Notstände. Personenschmuggel über die „grüne Grenze". Die Pressestelle der Regierung in Schleswig teilt mit: Der Hamburger und Flensburger Kriminal- polizei ist es gelungen, einen gut organisierten Personenschmuggel oon deutschen Flüchtlingen nach Dänemark zu zerschlagen. Staatsfeindliche Elemente in Hamburg und in anderen deutschen StäDten hatten einen Apparat organisiert, mit Dem sie jeDerzeit Flüchtlinge aus Deutschland über die sogenannte „grüne Grenze" nach Dänemark schaffen konnten. In Hamburg und Flensburg waren die Zentralstellen dieser Organisation. Die Flüchtlinge wurden von Hamburger Funktionären an bestimmte Personen nach Flensburg überwiesen, wo sie sich unter Angabe des jeweils ljixmnes Geheimnis Vornan von Mathilde von Stegmann ilrhebettcchtsschuh: Fünf-Tünne-Derlag Hakle ((Saale) 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Die vier Herren waren schnell einig und suchten aus Holtays Vorschlag einen in der Nähe gelegenen jtlub aus. Am großen Spiel brauchte man sich ja nicht zu beteiligen. Man setzte sich in eine Ecke und war ebenso ungestört wie in den eigenen vier Wänden. Malesius saß mit dem Nucken zum Zimmer. Neben ihm Holtay. Rahden hatte gegenüber von Malesius Platz genommen, und Herr von Wenderoth schloß die Reihe. Wenn auch zunächst nicht gerade hoch pointiert wurde, so war es Malesius doch recht erwünscht, daß er gleich am Ansang ein paar neue Coups landen konnte. Das war eine erwünschte Stärkung seiner Spielkasse. Malesius hatte, als er Rahdens Vorschlag angenommen, nicht bedacht, daß er mit Geld nicht besonders reichlich versehen war. Und nun schien er heute geradezu vom ffllürf begünstigt zu sein. Rahden war schon erheblich in Verlust gekommen. Holtay spielte mit wechselndem CErfofg. Aber auch er mußte bald größere Beträge zu Malesius wan- dem sehen. Nach etwa einer Stunde machten die Herren eine kleine Pause. Rohden, wieder völlig srisch geworden, nahm fein silbernes Zigarettenetui aus der Tasche, um Zigaretten anzubieten. Er war bekannt für eine besonders gute türkische Zigarette, eine in Deutschland seltene Marke. Nachdem sich die Herren be- dient hatten, legte Rahden, der feine Karten auf- nehmen mußte, das Etui achtlos neben sich auf den Tisch. Nun aber änderte sich die Situation. Als ob der alte Spieleraberglaube recht behalten sollte, daß ein anfänglicher Gewinn zum Schluß sich in Verlust zu wandeln pflegt. Malesius verlor jetzt Schlag auf Schlag. Auch wenn feine Karte noch so gut war, wenn er in vollem Vertrauen darauf, daß niemand ein besseres Blatt in der Hand haben konnte, höhere Beträge setzte — Rahdens Blatt war besser als das feine. Auch Holtay kam in Verlust, doch ohne feine kühle Ruhe einzubüßen Malesius mußte sich bald an ihn wenden, weil ihm das Bargeld ausging. Ohne eine Miene zu verziehen, griff Holtay in feine Brieftasche und schob Malesius zehn große Scheine hin. Fast waren auch die alle geworden, als ein Boy herantrat und dem Baron von Rahden einen verschlossenen Briefumschlag auf einem silbernen Tablett überreichte. Rahden bat einen Augenblick um Entschuldigung und erbrach das Schreiben. Es waren nur wenige Worte. Aber Rahden Genarbte sich und konnte nur mit Muhe seine Selbstbeherrschung aufrechterhalten. Mit zitternden Fingern griff er nach feinem Ziga- rettenetui. zündete sich hastig eine neue Zigarette an und steckte das Etui wieder in die Tasche. „3d) bitte einen Augenblick um Entschuldigung, meine Herren! Ein Bekannter möchte mich sprechen — ich bin sofort zurück." Die Herren benutzten die eingetretene Pause, um sich etwas zu stärken. Holtay erhob sich und schlenderte, scheinbar gleichgültig, bis zur Tür. Als er im Nebenzimmer Baron von Rahden eifrig auf den Geschäftsführer des Klubs einfprechen sah, nickte er unmerklich mit dem Kopfe, wie wenn er die Bestätigung eines eben gehabten Gedankens ausdrücken wollte. „3d) glaube, meine Herren", sagte Holtay, auf feinen Platz zuruckkehrend, „wir werden für heute aufhören müssen! Es ist spät geworden. Rechnen ®ir ab." m _ ., Malesius wollte protestieren. „Meine Herren, ich bin ziemlich stark im Verlust, ich dächte, wir legen noch eine halbe Stunde zu!" „Sie würden bei Ihrem heutigen Pech noch weiter in Verlust geraten, Herr von Malesius!" meinte Holtay mit (einer tiefen, ruhigen Stimme. ,Hch bin übrigens überzeugt, daß auch Herr Baron von Rahden das Spiel als beendet betrachten wird. Es ist ja auch schon spät — suchen Sie mich doch morgen auf, Herr von Malesius! Wir bringen dann unsere kleine Rechnung freundschaftlich ins reine. Und machen Sie sich keine Kopfschmerzen, wenn die Sache nicht binnen der üblichen vierund- zwanzig Stunden geregelt werden kann. Ich entbinde Sie ausdrücklich von der Frist. Wir werden schon ein Arrangement treffen." Holtay hatte leise gesprochen. Wenderoth, der sich mit seiner Kasse beschäftigte, hatte auf die Unterhaltung gar nicht geachtet. ,Lch bin mit einem blauen Auge davongekommen!" wandte er sich jetzt an die beiden Herren. „Ader wo bleibt denn Rahden solange. Er wird vielleicht noch nicht aufhören wollen, gerade jetzt, wo er so stark im Gewinn ist." „Herr Baron von Rahden wird gegen die Beendigung der Partie nichts einzuwenden haben, Herr von Wenderoth! Aber Sie können ihn ja selbst fragen!" Rahden trat in sichtlicher Nervosität an den Tisch. „Ich muß die Herren um Entschuldigung bitten — aber ich werde in einer dringenden Angelegenheit abgerufen! Vielleicht setzen wir an einem der nächsten Abende woanders unser Spiel fort?" Malesius stimmte zu. Auch Wenderoth schien einverstanden zu sein. Holtay sagte verbindlich, mit offensichtlichem Bedauern in der Stimme: ,Hch bitte sehr um Entschuldigung, wenn lH nicht dabei sein kann. Aber ich fürchte, daß ich auf vier- zehn Tage verreisen muß, Herr Baron!" Der Geschäftsführer des Klubs verabschiedete sich ehrerbietig von den Herren. Es schien an Personal zu fehlen, denn er hatte sich am Nebemisch zu ld)cm\n gemacht, rückte ein paar Stühle gerade und stellte den Aschenbecher zurecht. An der Haustür trennten sich die Herren. Franz von Malesius ging allein burt£ die Straßen Da hatte er sich ja eine nette ouppe eingebrockt! Es war ja reizend von Holtay, nicht auf der Frist von vierundzwanzia Stunden zu be- stehen. Aber wo in aller Welt sollte er die achttausend Mark hernehmen? Gleich nach Beendigung des Dienstes fuhr Male- sius am nächsten Tage zu Holtay. Der Diener, der ihm öffnete, schien auf feinen Besuch vorbereitet zu fein. „Herr von Holtay bittet den Herrn, Platz zu nehmen! Er wird sofort erscheinen." Frisch und sorglos trat Holtay in eleganter Haus- joppe gleich darauf in das Herrenzimmer. „Schlecht geschlafen, Malesius? Man sieht's Ihnen an! Kognak? Zigarette?" Malesius nahm dankend an. Zögernd wandte er sich an fein Gegenüber. „Es ist eine fatale Situation für mich, Holtay! Ich habe mich gestern stärker engagiert, als mir lieb ist. Wenn das Spiel nicht so plötzlich abgebrochen wäre, hätte ich mich vielleicht etwas erholt." „Sie hätten nichts zurückgewonnen, Malesius! Jedenfalls nicht, solange Baron von Rahden das famose Zigarettenetui so liegen hatte, daß er beim Kartengeben im Spiegel des Etuis jede Karte erkennen konnte, die die anderen bekamen." „Aber Herr von Holtay! Rahden ist doch kein Falschspieler?" „Sie ahnungsloser Engel, Sie! Leider ist es so. Der Brief, der den Herrn Baron abrief und ihn veranlaßte, Las Zigarettenetui schleunigst in die Tasche zu stecken, enthielt nur wenige Worte. Sie hießen: ,Der Herr wird gebeten, den Klub zu verlassen und nicht wieder zu betreten. Der Trick mit dem Zigarettenetui ist hier nicht statthaft? — Ja, ja, Malesius, ich habe gute Augen, und habe den Brief lesen können. Deshalb schützte ich auch eine Abhaltung vor, als Herr von Rahden vorschlug, die Partie woanders — erinnern Sie sich dieser Worte? — fortzusetzen. Ich beabsichtige nicht, noch einmal mit Herrn Baron von Rahden zu spielen." „Also durch einen^Falschspieler ruiniert!" brach Malesius aus. „Denn ruiniert bin ich, Herr von Holtay, wenn Sie mir nicht eine längere Frist bewilligen!" Holtay legte beruhigend feine Hand auf den Arm des Erregten: „Aber ich sagte Ihnen doch schon gestern, lieber Malesius, daß wir die Sache freundschaftlich in Ordnung bringen wollen! Ich weiß genau, daß Sie über solche Beträge nicht verfügen. Erweisen 6I< mir eine kleine private Gefälligkeit — und Ihre Schuld ist gestrichen!" ,J)err von Holtay, ich würde das mit tausend Freuden tun! Aber was für eine Gefälligkeit kann das fein, die Ihnen einen solchen Bettag wert wäre?" „Den Betrag und vielleicht noch mehr. Hören Sie gut zu." Mit leiser Stimme sprach Holtay auf Malesius ein. Der wollte erst auffahren. Dann aber zwang er sich zur Ruhe. Was blieb ihm auch übrig9 Mit bleichem Gesicht nickte er. Holtay übergab ihm einen Umschlag mit zweitausend Mark. „Das ist der Rest der zehntausend Mark. Der steht Ihnen noch zu. Also, Herr von Malesius. ich erwarte Ihre Nachricht! Falls wir uns irgendwo rieften, denken Sie daran, daß wir Bekannte sind — nichts weiter, und daß unsere kleinen Geschäfte niemanden etwas angehen." 7. Kapitel. Das heiße, schwüle Wetter des Sommers bekam Frau von Metten nicht gut. Bei solch drückender Hitze machte sich ihr Herzleiden leicht bemerkbar. Sie hatte schon während des Krieges etwas dagegen tun sollen. Aber sie hatte nicht recht gewollt. „Es wird schon besser werden, wenn der Junge erst heil aus dem Felde zurück ist. Um unsere eigenen kleinen Leiden dürfen wir uns als deutsche Frauen jetzt nicht kümmern. Das ist nicht so wichtig." Der „Junge" war aber nicht wiedergekommen. Das Herzleiden machte sich mehr und mehr bemerkbar. Irene hörte vom Nebenzimmer aus, daß die Mutter nicht schlief, sondern leise stöhnte. Schnell schlüpfte sie in ihren Kimono und ging in das Schlafzimmer der Mutter. „Gehts dir wieder nicht gut, Mutti? Ich mache dir schnell einen kalten Herzumschlag, und bann nimmst du deine Tropfen!" „Die Tropfen sind im kleinen Zimmer, Kind! Beim Ausräumen haben wir sie dort in den kleinen Schrank gestellt." „Ich bring sie dir gleich, Mutterle! Wirkt die Herzflasche schon?" Ein leises Nicken war die Antwort. Irene huscht« hinaus, um die Tropfen zu holen. Im Vorbeigehen sah sie auf der großen Wanduhr, daß es nachts drei Uhr war. Draußen dämmerte es schon. Leise öffnete Irene die Tür zum Korridor, um niemanden, weder Mieter noch die alte Berta, zu wecken. Da horchte sie auf. Merkwürdig, ihr war, als ob im Zimmer von Herrn Wassiliew gesprochen wurde. „Um drei Uhr morgens?" dachte Irene verwundert. Rasch brachte sie der Mutter die Tropfen. Der Anfall war schon im Abflauen. Nach der Medizin schlief die Mutter gewöhnlich gleich fest ein und fühlte sich dann am nächsten Tage zwar nod) etwas müde, aber nicht mehr eigentlich krank. (Fortsetzung folgt.) Ihre Verlobung geben bekannt Katharina Schupp Walter Schattier Großen Linden, den 11. Dezember 1933 0^72 Auch die Weihnachtsmänner... GOETHE-BUND Donnrrntag, den 14. Dezember 1933, abend« 8 Uhr Neue Aula Agnes Hiegel die grobe deutsche Balladendicbterin Mitglied der deutschen Dichterakademie liest aus eigenen Werken Eintrittskarten, sämtlich numeriert, für Mitglieder des Goethe- Bundes bis zu iwel Plätten treten Eintritt, füi Verbandsmltglleder r.u IN) Pf. gegen Einübung des Gutscheines Nr. 2 aus der neuen ('.utavheinkarle tKaufm. V. it Gewerbev. Nr. 11) ebenso fiu- Hörer der Volkshochschule gegen Vorzeigen der Hörer- kiirte, für Nichtmltglleder zu l.'<0 Mk. bei Challier und Abendkasse. Für Stndeuteu: Vergünstigunlsgutscheine zu 40 Pf. Kameradschaftshaus, Leihgestemer Weg 16. 74&>D In meinem Total-Ausverkauf erhalten Sie Kabinen kotier von Mk. 20.— an, reeller Wert das Doppelte. Schrank kotier, la Qualität, für Mk. 75.—. HnndMchrnnk- k öfter von Mk. 20 an la Rlndled.- Kotter, Einrichtungskoffer, zum halben Preis. l>ninenta*chen Nchulranxen lotse-Necessaires und alle Arten Leder waren ■u ganz bedeutend ermäßigten Preisen. — Diese Gelegenheit kommt nie wieder. ?«?«d Aug.KilbingerNachf. ,Seltersweg67 Große 3-Zn.-WohD. u. 5-Zimmer-Wohnung au vermieten. _____Asterweg 47. Wruhr 2 Zimmer Wohn, außerhalb d. Stadt. 32 Mk. monatl., ver 1.1.34 zu vermieten. Scbr. Ana. u. 06962 NN b, Gießener Wtu. Gut ■•hl. Ziemer mit Zentralheizung not. oder später 1. Term. loplorstr. IS, L hw ■Ire u. Lagerräume Brandgalle 3- End- aescboß, au vermiet. 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