nr. 134 KrübauSsabe 185. Jahrgang Montag, 12. Juni 1953 Erschein» töqltd). anher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustriert« Gießener Familienblätler Heimat im Bild - Die Scholle monatsBejngsprels: Mit 4 Beilagen RM.1 95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschllisse unter Sammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lieben. Postscheckkonto: gtonffurt am Main 11686. MtzemrAnzeiger Eeneral-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: Brüt)IW UniversilSlz-vuch« und Stehtörutferei H. tauge in Gießen. Schrifllettung und SeschSstrstelle: Schusskraße 7. Annahme von Anzeigen für die Izigesnummer "bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe Sr Anzeigen von 27 mm reite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20',. mehr. Chesredabteur: Dr. Friede. Will). Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.THyriot; für den übrigen Teil Emst Dlumschein undfür denAn- zeigenteil i.D.TH.Kllmmel sämtlich in (Biegen. Vizekanzler v. pOen über die Ausgaben der deuischen Katholiken. Eine programmaiische Rede aus dem Katholischen Gesellentag in München. Die Leitung bc6 Gesellentages hielt eine kurze Pressebesprechung ab, in der jedoch zu den Vorgängen selbst im einzelnen nicht Stellung genommen wurde. Es wurde lediglich erklärt, daß bedauerliche Mißverständnisse Vorlagen und daß eS notwendig fei. sich die Bruderhände zu reichen. München, 10 Juni. (WTB.) 3n der heutigen Festsitzung des Katholischen Gesellentages hielt Vizekanzler v. P a p e n eine Rede, in der er u. a. ausführte: CS hat eine symbolische Bedeutung, daß Ihr Verband als erster der katholischen Verbände in großer öffentlicher Kundgebung das Bekenntnis zu unserem neuen deutschen Staatsaufbau ablegt. Nur in völliger Lösung von überholter Partel- gebundenheit werden wir deuischen Katholiken unsere großen Aufgaben erfüllen können. iUnmihverständlich muß hier gezeigt werden, welche Aufgaben in der großen geschichtlichen Evolution unserer Tage der deutsche Katholizismus zu erfüllen hat. Als 1918 das alte Reich zusammenbrach, befand sich der deutsche Katholizismus in einer einzigartigen Lage Gegenüber der Sintflut des materiellen Sozialismus, gegenüber dem Ansturm der bolschewistischen Spartaks len schien er die einzig festgefügte Weltanschauung, die nicht nur zu Widerständen bereit, sondern bestimmt war, der Politik der Rach- kr sjahre den entscheidenden geistigen Stempel a; »drücken- C e - 6 u n g : . „Mit dem Erwachen der Nation haben wir bewundernd den deutschen Geist au'brechen sehen. Der deutsche Geist findet seine beste Nahrung in der Heimat-, er kommt von ihr und führt zu Volk und Vaterland. Wir müssen nun für alle Zukunft wurzeln in Heimat und Volkstum. Der Heimatbund" will unserem wiedererstandenen Volke gerne Weg- und Bundesgenosse sein. Mit stolzer Siegeszuversicht sinnen, ringen, forschen, schassen wir weiter und einen unser Hochziel mit dem deutschen Gedanken: durch Heimatkenntnis zur Heimaterkenntnis, zur heimatliebe, zu Volk und Vaterland. Stolz find wir, daß unsere Ministerpräsident immer in gleicher Richtung gegangen ist, für die gleiche Idee gestritten und unzähligen Volksgenossen die Heimat heb und wert gemacht hat. Wir ernennen darauf unseren Herrn Ministerpräsidenten, den Minister für Kultus und Bildungswesen, Professor Dr. Ferdinand Werner zum Ehrenvorsitzenden des heim at = bunbes." Die Eröffnung wurde beschlossen mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf die Reichs- und die Hessische Staatsregierung. Im ersten Vortrag behandelte Direktor Kallenbach aus Darmstadt ein wirtschaftlich außerordentlich wichtiges Heimatkapitel, den „hausschwamm, feine Verhütung und Bekämpfung" mit trefflichen bunten Lichtbildern. Gleichzeitig war eme äußerst lehrreiche und gemeinverständliche Wander- Ausstellung über die Schäden der holzzersw- renben Pilze zur Schau gebracht, die in ganz Deutschland mitsamt dem Vortrag alle Anerkennung gefunden hat. Der Morgen des zweiten Tages wurde ganz ausgefüllt durch den Vortrag von Bankbirektor Dr. ©roeninger aus Mannheim, bem Verfasser des Buches „Äer Zusammenbruch bes Geistes . Leicht verstänblich zeigte ber Vortragende die Zusammenhänge von Volkstum, Heimat, Staat und Wirtschaft. Er wies bedeutsame Wege, die aus Wirtschasts- und Geistesnot wieder auswärts zur höhe führen. Der Heimatforscher höreth, Lehrer in Müm- ling-Crumbach, führte in Bild und Wort bas „Odenwalbborf im Wandel der Zeiten" vor und zeigte damit, wie alte Bauernhäuser heimatecht und wurzelsest, dagegen viele Neubauten seelenlos gebaut sind. Der letzte Vortrag des Amtsgerichtsrats Schwabe von Hochheim war ein harmonischer Ausklang dieser deutschen Dolkstagung. Der Dor- tragenbe, ein Vorkämpfer für Heimatschutz und Heimatforschung, berichtete über die 20jährige Arbeit an seinem Wirkungsorte und führte eine Reihe von naturkundlich, geschichtlich und künstlerisch be- bcutungsDoIlen Bildern vor. Er hat gezeigt, wie ein jeder, getrieben von Herz und Gemüt, zum rechten Heimatforscher und Heimatschützer werden kann. Ein Bericht des Schriftführers, Lehrer Schwarz- Rudingshain, schilderte, wie schon immer rührig im ganzen Lande jegliche Heimatarbeit von dem Heimatbund gefördert, was dort alles vom Heimatbund im Laufe des verilossenen Jahres allerorten ünb ununterbrochen geleistet wurde und was für viele und gute Pläne für die Zukunft vorgebaut sind. Eine Reihe von erfahrenen Mitarbeitern und Fachberatern steht dem Heimatbund zur Seite. Allen selbstlosen Mitarbeitern und schließlich auch dem Gastgeber, Schulrat Niemann vom Völker- pädagogischen Institut zu Mainz, wurde herzlichster Dank ausgesprochen. Zl.pnvaihandelsschultag in Mainz. In Mainz sand im Rahmen des Instituts für Dolkspädagogik und der Deutschen Schau für das Berufs- und Fachschulwesen der 31. Deutsche Privathandelsschultag statt, zu dem zahlreiche Vertreter des Privathandelsschulwesens aus allen Teilen des Deutschen Reiches erschienen waren. ' v .. . 3n ber Mitgliederversammlung wurde die Gleichschaltung des Verbandes vollzogen. In öffentlicher Versammlung wurde der Ausstellungssaal des deutschen Privathandelsschulwesens innerhalb der Mainzer Schau eröffnet. Erschienen waren als Gäste die Vertreter des Herrn Ministers für Wirtschaft und Arbeit, ferner Vertreter der Mainzer und Frankfurter Schulbehörden, Industrie- und Handelskammern, Arbeit-- und Berufsderatungs- ämter, kaufmännischer Verbände und der Presse. Allseitig wurde zum Ausdruck gebracht, daß das deutsche 'Privathandelsschulwesen berufen ist, aus seinem Arbeitsgebiete mitzuarbeiten an den Zielen und Ausgaben des neuen deutschen Staate» im 1 Geiste des Dolkskanzlers Adolf Hitler. Für die I deutsche Privatfchule bedeute ein solches Bekenntnis keine Umkehr, sondern ein Weiterjchreiten in der bisherigen Linie Die mehrtägigen Beratungen und pädagogischen Veranstaltungen nahmen einen erfolgreichen Verlauf und DermitteUcn ein eindrucksvolles Bild von der Bedeutung des deutschen Prioathandelsschul- wesens. Buntes Allerlei. Friedrich der Große und das Goldmachen. Als die Briefe Friedrichs deS Großen an seinen geheimen Kammerdiener Fredersdorfs Der off ent- licht wurden, sah man mit Erstaunen, bah der alte Fritz, dieser größte Vertreter der Aufklärung auf dem Thron, sich doch, wie die meisten anderen Fürsten seiner Zeit, mit der Alchemie und dem Golbma- chen eingelassen hatte. Sr folgte darin freilich dem Vorbild seiner Vorfahren, denn schon der Kurfürst Johann Georg von Brandenburg hatte im 16. Jahr« hundert den berühmten Pflanzenkenner Leonhard Thurnehsser als Alchemisten beschäftigt und unter dem Drohen Kurfürsten batte Johann Kunckel auf der Pfaueninsel sein Wesen getrieben, wobei eS ihm zwar nicht gelang, Gold zu machen, aber doch immerhin das kostbare Rubinalas herzustellen. Friedrich II. hat so häufig den Goldmacher-Schwindel in seiner sarkastischen Weise verspottet, dah seine Be- ziehungen zu Goldmachern besonders merkwürdig erscheinen. In der .Deutschen Medizinischen Wochenschrift" weist nun Prof. Lockemann auf eine Äußerung des großen Königs zu dem bekannten Leibarzt von Zimmermann hin, die Friedrichs Stellung in dieser Frage aufhellt. In Gegenwart deS Ministers von horst äußerte sich der König, wie Zimmermann berichtet, folgendermaßen: .Goldmacherei ist eine Art Krankheit: sie scheint ost durch die Vernunft eine Zeitlang geheilt, aber dann kommt sie unvermutet wieder und wirb wirklich epidemisch. Bei Fredersdorst hatten sich hier in Potsdam Alchemisten gemeldet: dieser glaubte fest daran und lieh sich mit ihnen ein. Bald verbreitete sich das Gerücht dieser Unternehmung über die ganze Gar- niion, und es war kein Fähnrich in Potsdam, der nicht Hostie, durch Alchemie seine Schulden zu bezahlen. Windige und betrügerische Adepten schlichen sonach von allen Ecken und unter allerlei Gestalten nach Potsdam. Aus Sachsen tarn eine Frau von Psuel mit zwei sehr schönen Töchtern: diese trieben das Handwerk kunstmähig, und junge Leute zumal hielten sie für große Prophetinnen. Ich wollte dem Ding mit Gewalt steuern, aber eS gelang mir nicht. Man erbot sich, in meiner Gegenwan alle nur erdenklichen Proben zu machen, und mich durch den Augenschein zu überzeugen. Dies hielt ich für das beste Mittel, die Torheit auhubeden; und allo lieh ich diese Alchemistinnen unter genauer Aufsicht arbeiten. Gold in die Tiegel zu werfen, und anderer grober Betrug konnte nicht gelingen : aber dennoch machte die Frau von Psuel die Sache so wahrscheinlich, daß ich alle Versuche erlauben mußte: und daß es mir am Ende weit über die zehntausend Taler kostete, die ich dazu bestimmt hatte. - Eine Qlarr- heit bleibt es immer, an die Verwandlung der Metalle zu glauben; aber dies ist sicher: daß sich die Metalle in ganz andere Gestalten bringen lasten, unter denen man sie nicht suchen sollte. Man machte aus Golb kleine rote Körner, die beinahe auSsehen wie Rubine, und gar nichts Metallähnliches zu haben scheinen. Wer mir mein Geld wiedergibt, den lehre ich diese Kunst. - Vur muh ich dabei gestehen, dah man dadurch nicht reicher wird, denn um fünfzig Dukaten in solche rote Körner zu verwandeln, verliert man ungefähr sechs Dukaten." Zimmermann erhielt auS diesen Äußerungen deS Königs die Überzeugung, dah Friedrich zwar bedeu- tenbe Summen für alchemistische Versuche ausgegeben habe, aber dah er selbst nicht an das Goldma- chen glaubte. Oie Bluinachi von Belgrad. Zur 30. Wiederkehr des Jahrestages der Ermordung des Königs Alexander!, und der Königin Oraga von Serbien am 11. Juni. Seit je war ber Balkan das Dorado der Verschwörungen, ein Feuerherd revolutionärer Umtriebe. Attentate, Anschläge, Ueberfälle gehörten dort nicht zu den Seltenheiten. Immer wieder mußte die Welt erschauern ob den planmäßigen Verschwörungen, die dort mehr ober weniger zur Tagesordnung gehörten. Organisationen, wie btc „Schwarze Hand" und nachher die „Weiße Hand" sorgten reichlich für blutige ueberraschungen. heute ist vieles anders geworben, aber bas klastische Beispiel dieser bunklen Blut-Piraten in der Politik des Balkans, die Schüsse von Serajewo sind noch zu deutlich und zu tragisch in Erinnerung, als daß man jene politischen Hasardeure, die dort hau sten und die Welt in Flammen setzten, vergessen könnte. Dreißig Jahre sind verflossen feit ber Blut- nacht von Beigrab, bie in der westlichen Welt Europas wie eine Bombe einschlug. Viel war bereits vom Geheimnis ber „Schwarzen Hand" gesprochen und geschrieben worben, man ahnte, daß über kurz oder lang eine Entscheidung fallen mußte, inbeß die Nachricht, die am 12. Juni 1903 über die Welt ging, übertraf selbst die kühnste Ahnung. So furchtbar hatten die Verschwörer ihr Werk getan. Die Nachkommen des „Schwarzen Georgs" hatten ihre Verdrängung durch die zweite Dynastie ber Obrenooich niemals verschmerzt. Sie führten ihren Kamps weniger mit offenen Aufstänben als mit der Waffe des Meuchelmordes. Im Jahre 1868 wurde der junge Fürst Michael ein Opfer balkanischer Assassinen, zum Danke dafür, daß es ihm ein Jahr zuvor gelungen war, die Türken mit Geld und guten Worten zum Abzüge aus ber Burg von Belgrab zu bewegen! Seinem Nachfolger Milan soll Alexander Karageorgevich höchst selber im Parke mit einer Axt aufgelauert haben! Als ein andermal auf einem Donau-Dampfer Milan die Schiffstreppe hinausgestiegen war, brach der burchsägte Boden unter seinen Füßen zusammen; durch Abfeuern von Revolverschüssen vermochte ber in Lebensgefahr Schwebende Hilfe herbeizurufen. Die zwei Jahrzehnte, bie Milan Fürst und dann König hieß, sind voll von innerem Unfrieden und äußeren Heimsuchungen gewesen. Sein Name wurde bald sprichwörtlich in der Welt durch sein Summier- leben. Bereits 1889 zog er sich mit einer reichlich bemessenen Pension in den Ruhestand zurück, seinem breizehnjährigen Sohne die Krone überlassend. Kurz nachdem Milan einer Erkältungskrankheit erlegen war, überraschte König Alexander sein Serbenvolk durch die Mitteilung, daß er sich zu einer Vermählung entschlossen habe, um das jetzt auf seinen beiden Augen ruhende Herrscherhaus in seinem Bestände zu sichern. Die Freude der Untertanen war gemischt, da sie gleichzeitig erfuhren, die Erwählte fei eine Witwe mit Namen Draga M a s chi n von durchaus nicht einwandfreiem Rufe. Wenn österreichische Offiziere aus ihrer Gar- nisonstabt Semlin am anderen Donauufer nach Bel- grab herüberkamen, waren sie erstaunt, in der Hofloge des Theaters an der Seite bes Monarchen als feine Lebensgefährtin eine ihnen fehr intim be» kannte Dame zu erblicken. Aber allem Befremden fetzte es' die Krone auf, als nach Jahresfrist bekanntgegeben werden mußte, daß Seine Majestät durch einen „Irrtum" seiner Gemahlin zu beschleunigter Vollziehung des Ehebundes gedrängt roor- den fei und mit Nachkommenschaft nicht mehr gerechnet werden könne. Während das gesamte Ausland mit Lachsalven auf diese westlich vom Balkan unvorstellbare Historie reagierte, fühlte besonders das serbische Offiziers-Korps die nationale Ehre durch sie beeinträchtigt. Es bildete sich die Verschwörung, der in jener Morbnacht das Königspaar zum Opfer gefallen ist. Es war ein schwüler Tag, bie Bevölke- rung Belgrads feierte das alljährliche Sängerfeft in Gegenwart des Königspaares. Die Königin benahm sich auf dem öffentlichen Nachmittagstanz wie ein ausgelassenes Dorstabtmädchen. Ihre Brüder wankten betrunken durch die Dolksscharen und machten sich mit Reitpeitschenhieben Platz. Die Empörung wuchs von Minute zu Minute. Der Siedepunkt ber Polkswut war nicht mehr fern. Gegen 10 Uhr abends zoa sich die Königsfamilie im Konak zur Ruhe zurück. Um die gleiche Stunde trafen sich in einem kleinen Zigeunercafs die Verschwörer. Der Führer der Verschwörung, Dragun Dimitri» jowic, der sich unter bem Namen Apis verbarg, erschien in ber vollen Uniform eines königlich ser- bischen Generalstabshauptmanns und erteilte feine letzten Befehle: „Die erste Gruppe dringt in das Schlafzimmer ein und tötet das Königspaar ohne jede Umstände! Die zweite Gruppe nimmt alle Adjutanten gefangen und macht sie beim geringsten Widerstand unschädlich. Die dritte Gruppe beseitigt die Umgebung des Königs. Die vierte sticht die zum Schutz aufgestellte Gendarmerie nieder. Kein Schuß darf uns verraten. Die fünfte Gruppe versammelt sich auf ber Straße gegenüber ben königlichen Wohngemächern und schießt auf jeden, der sich an ben Fenstern zeigt. Die sechste und siebente Kruppe hat ihre Spezialaufträge. An das Werk, meine Herren, in dreißig Minuten ist Serbien frei ober unser Kops gefallen!" Wie glühend ber Idealismus, wie fanatisch die Zielbewußtheit der Verschwörer war, geht aus einem kleinen Auftritt hervor, ber sich beim Aufbruch zum Schloß zutrug. Leutnant A n r i c riß seinen Degen hoch und schwur: „Noch einmal, ehe wir die heilige Psücht für die Mutter Serbien erfüllen, wollen wir bei allem, was uns heilig ist, geloben: kein Lohn erwarte uns beim Gelingen, kein Mund öffne sich zum Verrat beim Fehlschlag. Verflucht auf ewig sei, wer Lohn für diese Tat er- roartet/ Die „Schwarze Hand" holt zum Schlag aus. Apis war feiner Sache sicher, hinter jedem Kompanie», Bataillons- ober Regimentsführer ber hauptftabt Belgrad, die an unsichtbaren Fäden geleitet werden, stand zu dieser Stunde ein Leutnant ber „Schwarzen Hand", ber beim geringsten Ver such, den ein Führer unternehmen sollte, um das Werk zu vereiteln, diesen niederzuschießen hatte. Peinlich war eine Verzögerung, die dadurch entstand, daß eine kleine Gruppe vor bem Eindringen in das Königsschlvß zurückstehen wollte. Apis setzte dem ersten die Pistole an die Schiäsen. Dann ging alles mit unheimlicher Planmäßigkeit vor sich. Der Kommandant der Schloßwache schloß die Tore aus. Die Wache wurde überwunden, der Hauptmann war zuvor mit Opium berauscht worden. Drinnen im Konak geht das grauenvolle Schicksal dieser Nacht seinen Weg. Der Generaladjutant bes Königs erscheint im Nachthemd und wird niedergestochen. Eine Dynamitpatrone erschüttert das Schloß in seinen Grundfesten. Tür um Tür wird gesprengt. Apis glaubt ben König fliehen zu sehen und stürzt ihm mit langen Sätzen nach. Aus dem Dunkel dröhnen Schüsse und mit drei kugeln in der Brust bricht Apis auf ber Treppe zu - fammen. Die Tür zum königlichen Schlafgemach wird erbrochen. Bis auf den letzten Schuß werden die Magazine geleert ... Wie entfesselte Teufel schossen die Verschwörer in das königliche Himmelbett. Aber der König war entkommen. Im schmalen Ankleidezirnnker neben dem föntg» liehen Schlafzimmer drängen sich zitternd und auf den Tob gefaßt ber König und die Königin. Sie warten auf königstreue Truppen ... Apis wird gefunden, schwerverletzt übernimmt er wieder die Führung. General Petrowic wirb oorgesührt: „Sie wissen, wo ber König steckt! In fünf Minuten find der König und seine Kebse krepiert ober Sie liegen hier bei den Toten!" Petrowic wird blaß und blässer, führt die Verschwörer durch eine Geheimtür und ruft: „Deffnen Sie, Majestät, ich bringe Ihre Rettung!" „Sann ich mich auf ben Eid meiner Offiziere verlassen?" klingt es kläglich von innen. „Niemals, niemals!" brüllt Leutnant Penic und schießt den General Petrowic nieder. Dann beginnen Pistole und Dolch, Messer und Hirschfänger ihre Arbeit. Der Sönigsmorb hat im serbischenVolk keinen Widerwillen ausgelöst. Auch ber nach wenigen Tagen durch bie Skupjchtina zur Nachfolge berufenen Familie Karageorgevich hat es nichts geschadet, daß sie des Mitwissens um die Verschwörung geziehen wurde. In ihrem Domizil zu Paritt waren alle Vorbereitungen zu einem nächtlichen Freudenfeste bereits getroffen, als die Depesche von dem Gelingen des Anschlages einlief! Für die unserem Deutschen Reiche eng verbündete Donau-Monarchie hat der Dynastie-Wechsel in Belgrad eine empfindliche Schlappe bedeutet. Schon seit Jahrzehnten waren die Obrenovich durch die Wechselfälle der Politik von der russischen auf die österreichische Seite gedrängt worden. Man darf sich bie Frage vorlegen, ob es nicht klüger gewesen wäre, wenn Oesterreich im Juni 1903 statt erst 1914 nach der Ermordung des Thronfolgers Fran; Ferdinand die lebhafte Entrüstung, die damals in St. Petersburg wie in London, einen langjährigen Abbruch ber diplomatischen Beziehungen zu Serbien auslöste, für die über kurz ober lang doch unvermeidliche Auseinandersetzung mit Serbien genügt hätte. S.A.-'Sport Neue Siege der Gießener Hudergesellschast. Mainz-Kastel im Achter zweimal geschlagen. Die große mittelrheinische Jubiläums-Regatta in Mainz-Kastel stand sehr unter der Ungunst der Wit- terung. Die Vorrennen mußten bei strömendem Regen ausgetragen werden, während der Hauptrennen ging zeitweise ein wolkenbruchartiger Regen nieder. Trotzdem sah mgn ausgezeichneten Sport. Die Gießener Rudergesellschaft reihte ihren bisherigen Erfolgen wieder sehr beachtliche Siege an. Der Große Achter am Samstag brachte einen spannenden Bord-an-Bord-Kampf, den die Gießener mit 5:38,8 Minuten vor Mainz-Kastel mit 5:39,8 Minuten für sich entschieden. Im Gastvierer kottnte ebenfalls ein 1. Sieg errungen werden. „Rassovia"- Höchst und „Saar"-Soarbrücken landeten im geschlagenen Feld. Im Carmen-Sylva-Einer wurde Friedel I ö d t Zweiter. Der Sonntag brachte den Gießenern wieder einen eindrucksvollen 1. Sieg. Im Mittelrhein-Achter sah man sie abermals dem Achter von Mainz-Kastel gegenüber. Mit 5:50,4 Minuten behielten die GRG. den Sieg vor Mainz-Kastel mit 5:54,4 Minuten. Ausführlicher Bericht folgt. Kußball auf dem Waldsportplatz. Die beiden Begegnungen auf dem Waldsportplah wurden zu sehr torreichen Treffen. Die Spielvereinigung 1900 konnte das Spiel gegen eine 21m Samstagabend und am Sonntagmorgen wurde auf dem Platz der Spielvereinigung 1900 erstklassiger Handballsport gezeigt. Die 1. Mannschaft des Polizeisportvereins «Darmstadt gab ein Gastspiel und trat gegen die 1. Elf der Spielverei- nigung 1900 und gegen den Dataillonsmeister, die 1. Mannschaft der 2. Kompanie an. Die zahlreichen Zuschauer bekamen großartigen Sport zu sehen. Sicherlich gastierte bisher in Gießen noch keine so ausgezeichnete Mannschaft wie die des Polizeisportvereins Darmstadt. Dos Spiel der Gäste war beispielgebend. Dor allem war ihre körperliche Gewandtheit ebenso beachtenswert wie erstaunlich. Sie zeichneten sich vor allem durch schnellen Start, durch eine hervorragende Fangtechnik und durch glänzende Kombi- Nationsarbeit aus. Die Mannschaft hatte keinen schwachen Punkt aufzuweisen. Das Stellungsspiel, das sie pflegten, war vorbildlich: ihre Deckungs- arbeit nicht weniger gut. Das Verständnis, das sie untereinander bewiesen, war nicht zuletzt ausschlaggebend für die ziffernmäßig hohen Siege, die sie auf Gießener Boden erringen konnten. Wer sich schon nach fünf Spielminuten noch einer Hoffnung auf einen Sieg der Gießener Mannschaften hingegeben hätte, wäre einer groben Selbsttäuschung zum Opfer gefallen. Die beiden Spiele waren für die Hondballmonnschaften der Spielvereinigung 1900 sowohl wie für die Mannschaft der zweiten Kompanie sehr aufschlußreich, denn es wurde ersichtlich, welches Ausmaß an Spielkultur zu erreichen möglich ist. 1900 I — JJSU. Darmstadt I 5:14 (2:8). Eine stattliche Zuschauermenge harrte des Spieles. Mit großem Beifall wurden die Mannschaften empfangen. Dr. G u y o t, der Borfitzende der Spielvereinigung, hielt eine kurze Begrüßungsansprache und überreichte einen Blumenst. .iuß. Der begleitende Offizier der Polizeimannschaft erwiderte mit herzlichen Worten. Das Spiel begann. 1900 hatte Anwurf. Die Poli- 3iften übernahmen aber schnell den Ball. Bald darauf siel das erste Tor. Der Ball sprang, der Tormann der 1900er warf sich, der Ball ging aber unter ihm hindurch. Die Blauweißen spielten zunächst reichlich nervös. In der 6. Minute hieß es schon 2:0. Verteidigung und Läuferreihe waren glatt überlaufen worden. Das 3. Tor fiel im Anschluß an einen Freiwurf. Ein Strafwurf von Betz wurde vom Darmstädter Tormann sicher gehalten. Rach glänzender Kombinationsarbeit und blitzschnellem Ab- spiel fiel das 4. Tor für PSD. Ein fcharf in die linke untere Ecke geschaffener Ball brachte den 5. Erfolg. Der Tormann war machtlos. Jetzt erst kamen die Gastgeber zum ersten Tor. Rach kurzem Geplänkel vor dem Gäftetor schoß Betz von links her aus ziemlicher Entfernung knapp unter die Latte 5:1. Die Polizisten schossen in kurzen Abständen Zwei weitere Ueberraschungstore. Wolf (1900) brachte einen schönen Wurf an, der aber gehalten wurde. Betz schoß im Strafwurf ein zweites Tor. Mit 2:8 wurden die Seiten gewechselt. ersatzgeschwächte Mannschaft von DfD. Kurhessen--Marburg mit 6:0 (4:0) Toren gewinnen, die 1. Mannschaft des VfB. verlor gegen die Liga- Elf des VfB. Friedberg mit 1:5 (1:0) Toren. Das Feldberg-Turnfest verregnet. Das 80. Feldberg-Turnfest, das älteste und traditionellste der deutschen Bergfeste, ist am Sonntag ein Opfer des Wetters geworden. Zum ersten Male seit 1914 war der meist bei diesem Feste übliche Regen so stark, daß man sichzumAbbruchent- schließen mußte. Voraussichtlich wird das Fest am 2 7. A u g u st n a ch a e h o l t. Als einziger Wettbewerb wurde der Kampf um das „Völfungcn- horn" abgewickelt. Dieser Mannschaftskampf wurde allerdings bereits am Samstag bei gutem Wetter, aber schlechten Bodenverhältnissen durchgeführt. Sieger wurde der Turnverein Bieber bei Offenbach. Um den Davispokal. Deutschland von Japan endgültig besiegt. Wie man es nach den Ergebnissen des ersten Tages vorausgesehen hatte, so wurde Deutschlands Niederlage im Kampf gegen Japan schon am zweiten Tag endgültig festgestellt. Das deutsche Doppel von Cramm Nourney kam in keiner Beziehung an die japanischen Spitzenspieler Sato/Nunoi heran und wurde glatt in vier Sätzen 6:2, 6:3, 3:6 61 besiegt. I Bis dahin hatten sich die Blauweißen nicht sehr | gut gefunden. Nach der Pause wurde das Spiel ausgeglichener. Die 1900er kamen etwas auf, arbeiteten gute Torchancen heraus, vergaben aber manchen Ball selbst. Die Gäste erhöhten auf 2:10. Nun brachte Schott einen glänzend placierten Schuß an und verkürzte auf 3:10. Die Polizisten schufen bald wieder die alte Differenz. Wolf konnte nun feiner- feits auf 4:11 verkürzen, Schott war ebenfalls noch einmal erfolgreich, so daß die Tordifferenz nur noch 6 Tore betrug. Im Endspurt legten die Polizisten aber noch einmal mächtig los und schossen drei weitere Tore, so daß die Spielvereinigung mit 5:14 Toren geschlagen wurde. Bei den Gastgebern man- Das Endspiel um die Deutsche Fußball-Meister- schast gestaltete sich in Köln zu einem Ereignis, wie man es im gleichen großen Ausmaß im deutschen Fußball wohl noch nicht erlebt hat. Es war ein magres Volksfest, dem leider nur das nötige schöne Wetter fehlte. Schon am Samstagabend fetzte ein starker Zustrom auswärtiger Besucher ein und am «onntagoormittag kamen Zehntausende aus dem Ruhrgebiet und vom Niederrhein. Schon in der Mittagsstunde waren Zehntausende auf dem Weg jum Stadion und um 13 Uhr, eine Stunde vor Spielbeginn war bereits das Stadion mit 55 000 Personen dicht gefüllt. Jugendmannschaften und eine S«.-Kapelle unterhielten die Massen. Mit den Mannschaften erschien im Kreise des DFB.-Var- standes auch der Reichssportkommissar. Vom Jubel der Massen begrüßt, marschierten die Mannschaften mit dem Hitlergruß nebeneinander ins Stadion ein. Beide Klubs traten in den vorgesehenen Aufstellungen an. Jlad) anfänglich nervösem Spiel sah man schon bald, daß die Düsseldorfer Elf zu diesem Kampf die besseren Nerven mltgebracht hatte. Sie spielte ruhig ihr gutes, flaches Kombinations- spiel. Ganz hervorragend arbeitete von Beginn bis Schluß die Läuferreihe der Fortuna mit ihrem überragenden Mittelpunkt Bender. Schalkes Spiel ging zu sehr in die Breite, ^zepan und Kuzorra wühlten mit allen Kräften, aber die übrigen Stürmer gingen viel zu oft nicht auf die Ideen der beiden Internationalen ein. Vor allem schoß Schalke zu wenig. Fortunas Führungstreffer fiel bereits in ber 11. Minute. Nach schönem Aufbau durch die Läuferreihe schloß Zwo la n ow ski den guten Kombinationsangriff mit einem präzisen Schuß ab. 3m weiteren Verlauf der ersten Halbzeit sah man säst stets die produktiver arbeitenden Düsseldorfer mehr im Angriff. gelte es etwas an der Aufbauarbeit, das Schlußdreieck war überlastet. Für die Blauweißen stellte der Kampf eine schwere Kraftprobe dar. 2. Kompanie I — PSD. Darmstadt I 2:10. Geteiltes Leid ist halbes Leidl Es erging den Soldaten nicht viel besser als den 1900ern. Sie muhten eine Niederlage von 2:10 Toren hinneh- men, die allerdings in dieser Höhe nicht gerechtfertigt ist. Die Mannschaft der 2. Kompanie hatte sich sehr schnell gesunden und belagerte in den ersten Minuten das Tor der Gäste mit viel Geschick. Der Tormann der Polizisten mußte verschiedentlich eingreifen und hatte einige gefährliche Situationen zu meistern. Schon in der 4. Minute fiel, wohl zur großen äleberraschung der Gäste, das erste Tor für die Soldaten. Ein scharfer Wurf vom linken Flügel her war für den Gäste- tormann nicht zu halten. Bereits eine Minute später fiel der Ausgleich. Zwar mußte in der Folge der Gästetormonn noch einigemale eingreifen, er meisterte aber alle noch so gefährlichen Bälle. Die Polizisten liefen nun zu ihrer eigentlichen Form auf und nach jeweils hervorragender Kombinationsarbeit fielen, ohne daß die gegnerische Verteidigung ernsthaft eingreifen konnte, drei weitere Tore. Aber die Soldaten kämpften mit zähem Eifer. Sie hielten das Spiel offen, schufen auch noch manche kritische Situation vor dem Dann- städter Tor, aber sie konnten nicht verhindern, daß bis zur Halbzeit noch weitere drei Tore fielen. Mit 1:7 wurden die Seiten gewechselt. Die Polizisten schossen aus jeder Lage. Llnverändert heftig ging der Kampf weiter. Die Soldaten boten äußersten Widerstand und waren im Feldspiel fast gleichwertig. Aber es schien, als wollte das Glück nicht mit ihnen sein. Mancher Ball, aus aussichtsreicher Position geschossen, ging knapp neben das Tor, an die Latte, oder wurde vorn Tormann der Gäste gehalten, der einer der besten seiner Mannschaft war. Er forderte oftmals den Beifall der Zuschauer heraus. Die Soldaten verkürzten noch auf 2:7 durch einen energisch geworfenen Ball in die linke untere Ecke, gleich darauf ging ein Schuß an die Latte, dabei sollte es für die Folge aber auch bleiben. Die Gäste reihten ihren bisherigen Erfolgen auf ihre unwiderstehliche Manier drei weitere an, so daß sich die Soldaten mit 2:10 geschlagen bekennen muhten. Die Soldaten stellten für die Polizisten einen schwereren Gegner dar, als die Mannschaft der Spielvereinigung. Sie war von viel Schußpech verfolgt. Die Polizei spielte hart, und der Schiedsrichter wartete mit einer sehr mäßigen Leistung auf. Das Spiel litt unter dem schweren Boden. Die Leistungen standen aber trotzdem auf sehr beachtenswerter Höhe. Die Zuschauer konnten den Platz jeweils sehr befriedigt verlassen. Nach der Pause legte sich Schalke mit mehr Energie ins Zeug, aber Fortuna lieh nicht locker. Während die Düsseldorfer unbeirrt bei ihrem Spiel blieben, hieß sich Schalke von seinem System abbringen, es spielte plötzlich viel zu hoch. Die Entscheidung fiel in der 25. Minute, als D i g o l d eine Flanke von kobierskl zum zweiten Treffer verwandelte. Schalke hatte in Gegenangriffen manche gute Ehance, aber einmal schossen die Knappen schlecht und zum anderen war Fortunas Abwehr voll auf dem Posten. Pesch im Tor machte manchen gutgemeinten Schuß der Knappen unschädlich. Sechs Minuten vor Schluß machte Fortuna mit einem Treffer von Hochgesang seinen Sieg noch eindrucksvoller. Schalke war schwer geschlagen und deprimiert zogen seine zahlreichen Anhänger ab, während Fortuna von den Massen mit einer hellen Begeisterung gefeiert wurde. Reichssportkommissar v. Tscharmer-Osten beglückwünschte den Sieger in einer kurzen Ansprache, in der er auch die unterlegenen Knappen mit den Worten tröstete, daß sie sich ritterlich geschlagen hätten und ehren- voll unterlegen seien. Der Sieg des neuen Deutschen Meisters ist verdient, denn Fortunas Spiel war viel systemvoller und mehr auf Erfolg eingestellt. Die Mannschaft des Siegers war auch die ausgeglichenere. Besonders um den Sieg machten sich die gesamte Läuferreihe, bann aber auch der intelligente Sturmführer Hochgefang und Pesch im Tor verdient. Bei Schalke überragten nur Czepan und Kuzorra. Sonst gab es viele Schwächen. Birlem - Berlin leitete bas recht gute und faire Spiel befricbigenb. PSD. Darmstadt zeigt Klasse-Handball. Spielvereinigung 1900 und 2. Kompanie hoch geschlagen. Fortuna Deutscher Fußball-Meister Schalke04 wurde im Kölner Stadion mit 3:0 (1:0) geschlagen. Wirtschaft. * Die 2ndexziffer des Großhandels. Die vom Statistischen Reichsamt für den 7. 3uni berechnete Indexziffer der Großhandelspreise stellt sich auf 93,0, sie ist gegenüber der Vorwoche (92,4) um 0,6 Prozent gestiegen. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 85,6 (+ 1,3 Prozent), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 89,1 (+ 0,5 Prozent), industrielle Fertigwaren 112,0 (+ 0,2 Prozent). * Deutscher Herold, Volks- und Le- b e n s v e r s i ch e r u n g s - AG. In der ordentlichen Generalversammlung berichtete der Vorstand über das abgelaufene Geschäftsjahr 1932. Wegen der Verarmung unseres Volkes besteht das Bedürfnis nach einer kleinen Lebens- oder Sterbegeldversicherung unvermindert weiter. Im Jahre 1932 wurden 273 471 Versicherungen über 113 894 662 Mark Versicherungssumme (i. V. 237 270 Versicherungen über 118 543 356 Mark) beantragt. Der Bestand an laufenden Versicherungen einschließlich der in Rückdeckung übernommenen betrug am 31. Dezember 1932 1 652 548 über 576 269 119 Mark (i. V. 1661612 über 601 356 256 Mark), wozu noch In- validitätszusatzversicherungen mit einer versicherten Jahresrente von 107 829 Mark (i. V. 122 462 Mark) kommen. Die Prämieneinnahme bezifferte sich auf 33 503 996 Mark (i. V. 35 475 740 Mark). Die Kapitalerträge stiegen trotz des durch die Notverordnung vom 8. Dezember 1931 verursachten Ausfalles an Mieten und Zinsen von 773 300 Mark um 457 944 Mark auf 4 625 247 Mark. Der Gewinn aus Kapitalanlagen belief sich auf 367 858 Mark. Für die fällig gewordenen Versicherungssummen und Versicherungsleistungen wurden 8 143 595 Mark gegenüber 8 038 926 Mark im Vorjahre gezahlt bzw. zurückgestellt. Damit erreichen die seit dem 1. Januar 1924 bis zum Schluß des Berichtsjahres an die Hinterbliebenen verstorbener Versicherten gezahlten Summen den Betrag von 45 300 799 Mark. Als Gewinnanteile wurden den Versicherungsnehmern im Jahre 1932 3 719 763 Mark gezahlt ober gutgeschrieben. Außerbem würben ben Gewinnreserven der Versicherten aus der laufenden Jahresrechnung noch 352 174 als Zinsen überwiesen. Der Sterblichkeitsgewinn beziffert sich im Jahre 1932 auf 1 423 024 Mark. Es verblieb ein Ueberfchuß von 3 448 714 Mark. Aus ihm würben an bie Gewinnrücklage ber Versicherten zur Verteilung als Dividende an die Versicherten 3 238 220 Mark, das sind 93,90 Prozent des Ueberfchuffes überwiesen. Als Aktionärdividende gelangen 7 Prozent des eingezahlten Aktienkapitals (42 000 Mark) zur Verteilung. Die Aktiven beliefen sich am Schluffe des Geschäftsjahres auf 89306131 Mark. An Reserven wies die Gesellschaft am Scblusse des Geschäftsjahres nach Vornahme der Ueberweifungen aus dem Ueberfchuß aus: Prämienreserven und Prämienüberträge einschließlich der Reserven für schwebende Versicherungsfälle 62 069 070 Mark (53 118 354 Mark i. V.), Gewinnrücklaaen der Versicherten 7 171889 Mark (7 149 307 Mark t. V.), Aktienkapital und freie Reserven 3 515 470 Mark (3 115 470 Mark i. V). Außerdem finden sich unter den Verpflichtungen der Gesellschaft die gutgeschriebenen Gewinnanteile der Versicherten in Höhe von 12 252 569 Mark (10 440 191 Mark i. 23.). Im Jahre 1933 hielt die Wandlung zum besseren an. Im ersten Kalenderoierteljahr des laufenden Geschäftsjahres war daher eine nicht unbeträchtliche Steigerung des Versicherungsbestandes zu verzeichnen. Frankfurter Butterrrrarkt. Frankfurt a. M., 10. Juni. Der Dutter- markt zeigte zu Beginn ber Woche einen stetigen Charakter. Es ist dies u. a. eine Folge des Eintritts der sommerlichen Witterung, die zu einem stärkeren Trinkmilchverbrauch und damit zu einer Entlastung des Buttermarktes führte. Trotzdem war das Angebot noch stark, besonders wenn man die schwache Rachfrage seitens der Verarbeiter berücksichtigt. Wahrend holländische Butter mit 126 bis 130 Mk. gegenüber der Vorwoche unverändert blieb, wurde die Rotiz für deutsche Butter gegen Wochenschluh erneut um etwa 5 bis 8 Mk. per Zentner zurück- genommen. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 10. Juni. Das anhaltende Angebot drückte auch nach den Feiertagen auf die Stimmung, zumal die Kauflust des Publikums keine Besserung erfahren hat. Dia Preise waren jedoch widerstandsfähiger und blieben meist unverändert. Die flaue Tendenz in Arnheim kam in den Rotierungen für holländische Eier am hiesigen Markt nicht zum Ausdruck, da wegen der beschränkten Einfuhrmöglichkeiten kein größeres Angebot vorlag. Es notierten: Bayern 7,50 bis 8, Norddeutsche 7,50 bis 8, deutsche Frischeier Sonderklasse 8,75, Kl. A 8,25, KI. B 7,75, Kl. C 7,25. Holländer Sonderklasse 8,75, Kl. B 7.75. Kleine in- und ausländische Eier 6,75, Enteneier 7,50 Pf. per Stück franko Frankfurt a. M. im GroßhandÄs- verkehr. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Papieren angeführten Ziffern geben bie Höhe ber zuletzt beschlossenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 4 o H . Lombardzinsfuß 5 o. H. \ 1 :Rumän.vereinh.ReiUev.lS13 4% Rumänische vereinh. Rente . 3%% Anatolier .............. Hamburg-Amerika-Pakei .....c Hamburg-Südam. Dampfschiff. (i Hansa Dampfschiff...........o Norddeutscher Lloyd .........o AG. für Verkehrswesen Akt. .. 0 BerlinerHandelSgelettschast.... 4 Commerz« und Privat-Bank... 0 Deutsche Bank und Dtsronto» Gesellschaft................< Dresdner Bant..............r Reichsbank ................. V.S.G....................... Cteftr. LieserungSgeselllchaft... 6 Licht und Kraft .............p Fetten & Guilleaume ........0 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen ............... 4 Rheinische Elektrizität ........6 Schultert & ($0.............0 Siemens & Halske ........... < Lahmeyer L Eo .............10 Buderu» ...................< Deutsche Erddk ............. 4 Gellenkirchen«..............0 Harpener...................0 Hoejch Eisen—KSln-Neuessen.. 0 Alse Bergbau ...............7 alle Bergbau Genüsse........7 Rlödnctroerfe ...............0 ManneSmann-RShrea........0 Frantturi 0.2)1. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend« börse Schlußkurs Schlußk. Mittag« börse Votum 9-6. 10.6. 9.6. 10.6. Manotelver Bergbau........ . 0 25,5 25 25,5 25,25 KokSwerke ................. . 0 <— — 85,5 84,75 Phonir Bergbau............ . 0 42,5 42,25 42,5 41,9 Rheinische Braunkohlen ..... .10 212 210 212,5 212.75 Rbelnstabl ....... ...... 95,5 95,25 95,9 95,75 Bereinigte Stahlwerke....... Otavi Minen .............. 41 41 41,25 40,65 . 0 18 18 18 17,9 Kaliwerke Aschersleben....... 6 135,5 133 134,5 Kaliwerke Westeregeln....... Kaliwerke Salzdetfurth...... 6 138 179 136 179 135,65 178 139,25 179,75 ®. Farben-Industrie...... 134,5 135 135,4 135 Scheldeanstalt.............. .10 172,5 173 Goldschmidt ............... RütgerSwerke .............. 0 0 53,65 61,25 53,5 61,5 53,75 61,65 53 61 ,25 Metallgelellichasl............ 39,75 39,5 39,5 39,25 Philipp Holzmann.......... Zementwerk Heidelberg ..... Cemenrwert Karlstadt........ 0 60,25 60 60,25 59,75 t 83,5 •82 »3 Schultheis Patzenhoser....... 0 _ 129,25 128,13 Mu (Allgemeine Kunstseide) .. 0 40 39,25 40,25 39,9 Bemberg.................. 0 49 49,5 49,75 49,75 Zellstofi Waldhos........... 0 51,5 51,25 51 51 Zellstoss Aschaffenburg ...... 0 24 24 24,5 24 Dessauer Gas .............. Daimler Motoren........... Deutsche Linoleum ........ 7 0 0 31,5 52,25 31,75 52 114,4 31,5 52,25 48,4 25,4 115,5 31,75 Crenflefn & Koppel ........ Leonhard Dietz........... 0 6 25,5 25 48,13 25 Chade..................... 12 167,25 167 167,75 167,75 Grißner................... Mainkraftwerte Höchst a.M. .. s 26,5 70 26,5 1 70 - 26,5 -süddeutscher Zucker ........ fl 1561 - 159 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 9-Zunl lO.Junl Amtliche Dotierung Seid | Sri c- Amtliche Notierung Geld 25rie Hetsingior». 6,334 6,346 6,324 6,336 Wien...... 46,95 47,05 12,66 46,95 47,05 12,66 Prag...... 12,64 12,64 Budapest ... — — — Sofia..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland ... 170,53 170,87 170,33 170,67 LSIo...... 72,13 72,27 72,18 72,32 Kopenhagen 63,89 64,01 63,84 63,96 Stockholm.. 73,68 73,82 73,68 73,82 London ..... 14,315 14,355 14,295 14,335 Buenos Atree 0,893 0,897 0,898 0,902 Neuyork .... 3,506 3,514 3,467 3,473 Brüste!..... 59,04 59,16 58,99 59,11 Italien..... 22,04 22,08 22,04 22,08 Paris..... 16,62 16,66 16,62 16.66 Schweiz ... 81,77 81,93 81,57 81,73 Spanten.... 36,21 36,29 36,16 36,24 Danzig.... 82,72 82,88 82,67 82,83 Japan..... 0,884 0,886 0,884 0,886 Rio de Ian. 0,239 0,241 0,229 0,231 Jugoslawien Lissabon ... 5,195 13,04 5,205 13,06 5,195 13,02 5,205 13,04 Banknoten. Serlln, 10.Juni Geld Ärlcs - Amerikanische Noten.......... 3,43 3,45 Belgische Noten................. 58,85 59,07 Dänische Noten .............. 63,47 63,73 Englische Noten ................ 14,25' 14,31 Französische Noten............ Holländische Noten............ .. 169'96 170,64 Italienische Noten................ 21,92 22,00 Norwegische Noten .............. 72,01 72,29 Deutsch Oesterreich, M 100 Schilling Rumänische Noten............... 2,46 7 48 Schwedische Noten............. 73,50 73,80 -chwelzer Noten............... Spanische Noten.............. Ungarische Roten .............