Nr.M KrübauSgabe 185. Jahrgang Donnerstag, 11. Mai 1935 Erfcheinl täglich, autzn Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätler Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezugrpreir: Mit 4 Beilagen B TI. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Eiehetu poftschecltonlo: granlfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Vrvü und Verlag: vrühl'sche Universttätz-Vuch' und Steinbruderei L Lange in Sietzen. Schristleitung und Seschäftrftelle: Zchnlftratze 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne- hlameanieigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“, mehr. * Chefredakteur. Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undsür denAn- zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in Gießen. 5 Oer Kongreß der deutschen Arbeitsfront. Reichskanzler Adolf Hitler als Schirmherr der deutschen Arbeitsfront spricht vor dem Kongreß über die Eingliederung des Arbeiters in Staat und Gesellschaft. Berlin, 10.Mai. (CNB.) Im Plenarsitzung»- I saal des Preußischen Staatsrats wurde am Mittwoch der erste große Kongreß der deut- schen Arbeitsfront veranstaltet, lieber dem Präsidium war eine riesige Hakenkreuzslagge ange- bracht, während der Sitzungssaal und die Emporen mit Hortensien und Pflanzenschmuck versehen waren. Im überfüllten Sitzungssaal hatten mehr als 500 Vertreter der Arbeiter- und Angestelltenverbände und der NSBO. sowie der Arbeitnehmer aus den abgetrennten Gebieten Platz genommen. Auf den Emporen war für die Gauführer -er NSDAP, ein besonderer Platz reserviert. Stark besetzt war auch die Diplom atenloge mit führenden Vertretern der ausländischen Missionen. Aus den für die Reichs- und Länderregierungen reservierten Plätzen waren s a st alle Mitglieder des Reichskabinetts erschienen, ferner der Staatssekretär des Reichspräsidenten Dr. M e i ß- n e r, sowie die Statthalter des Reichs in den Ländern. Als Vertreter der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände nahmen der Vorsitzende Dr. Röttgen und Präsident Brauweiler, als Vertreter des Reichsverbands der Deutschen Industrie die Herren W e 11 g e . Dresden und Her le an dem Kongreß teil. Als wenige Mi nuten nach 17 Uhr Reichskanzler Adolf Hitler den feierlich gestimmten Sitzungssaal betrat, erhoben sich die Kongreßteilnehmer und grüßten stürmisch den Führer. Der Kanzler begab sich zum Präsidium des Kongresses, das er durch Handschlag begrüßte. Der Reichstagsabgeovdnete Dr. Schmeer, der im Präsidium durch die Nationalsozialisten F o r • ft e r , Ätöhr , Schuhmann und M u ch o w unterstützt wurde, eröffnete den ersten Kongreß der deutschen Arbeitsfront. Oer Führer der deutschen Arbeitsfront Or. Ley, der als erster das Wort nahm, betonte, daß unsere Generation berufen fei, das Gewaltigste zu erleben, was feit 2000 Jahren sich in der Geschichte unseres Volkes ereignet hat. Man müsse schon einen sehr guten Atem haben, wenn man das Tempo dieses gewaltigen Umbruchs mitmachen und verfolgen wolle. Es fei selbstverständlich gewesen, daß die großen Organisationen der Arbeitnehmer nicht als unberührte Inseln in dem revolutionären Meer in ihrer bisherigen Gestalt bestehen bleiben konnten. Die Gewerkschaften wie sie waren, kehren nicht wieder. Sie werden anders fein müssen. Sie werden begreifen, daß die Arbeit nicht allein das Mittel zum Zweck des Lohnverdienens und der Tarife an sich sein soll, sondern daß die Vertretung des deutschen Arbeiters weit darüber hinaus jene große gewaltige Vertretung eines neuen Stands unter dem Begriff „der deutsche Arbeiter" zu sein hat. Das, was in der Vergangenheit versäumt wurde, nämlich Erziehung und Schule des Vierten Stands, das wollen und müssen wir nachholen. Man hat in der Vergangenheit versucht, den Arbeiter gegen den Soldaten aufzuhehcn und den Soldaten als etwas Abschreckendes hinzu- fteficn. Wir sagen: Arbeiter und Soldaten gehören zusammen, weil sie geboren sind aus der Disziplin und aus der Rasse. (Beifall.) Deshalb kann der Klassenkampf niemals das Ziel und Mittel sein, um das Glück eines Volks aufzubauen, sondern wir erklären: Der Klassenkampf ist der Todfeind der Arbeit und des Arbeiters selber. (Erneute Zustimmung.) Wir brauchen eine Schicksalsgemeinschaft, in der jeder, der Arbeit leistet, unentbehrlich ist und deshalb geachtet werden muß. Das letzte große Ziel muß sein, aus dem heutigen Begriff des Proletariers, des Knechts, der Minderwertigkeit, einen Stand zu schaffen, der stolz ist, der den Racken erhaben trägt, ob sein Gesicht ruhig, ob die Hande schwielig sind, ob er aus der Grube oder vom Pflug kommt. Der deutsche Mensch muß begreifen lernen, daß, wenn er arbeitet für das Volk er dann auch das Recht hat, stolz zu sein auf feine Leistung. (Stürmischer Beifall.) Deshalb, mein Führer — so erklärte Dr. Ley, zum Reichskanzler gewandt —. bitte ich Sic dringend und herzlichst: Rehmen Sic als der Stärkste dieses Volks den schwächsten Sohn in Ihre Schirmherrschast. Der deutsche Arbeiter ist gut, brav und edel wie das herrliche Volk. Er will geführt werden, und er sehnt sich nach dieser Führung. Mein Führer, ich weiß, welch heißes, warmes Herz gerade Sie für diese Schicht des Volkes haben. Ich habe so oft aus Ihren Worten entnommen, wie Sie in Begeisterung von der Leistung dieser deutschen Menschen erzählten. Ich bitte Sie, nehmen Sie die Schirmherrschaft- Und damit richte ich an Sie alle den dringenden Appell: Gehen Sie hinaus ins Land und rufen c-ie den Arbeiter zur Mitarbeit auf. Ich richte den Appell an das geeinte deutsche Arbeitertum, an den schassenden deutschen Menschen: Stelle dich nicht verbittert beiseite, sondern arbeite mit, damit du das Fundament des deutschen Volks heißt. Ohne den deutschen Arbeiter gibt es kein beut- jch"s Volk. (Stürmischer langanhaltender Beifall.) Reichskanzler Adolf Hitler, der mit minutenlangen Heilrufen und Händeklatschen gefeiert wurde, führte dann u. a. aus: Meine deut- ichen Volksgenossen! Große Umwälzungen können im Völkerleben nicht stattfinden, wenn nicht, fast möchte ich sagen, ein dringendes Bedürfnis nach ihnen oorliegt. Man kann keine Revolution wirklich tiefen Vorgehens machen, wenn nicht ein Volk nach einer solchen Revolution innerlich schreit, wenn nicht bestimmte Zustände nach einer solchen Revolution jeden förmlich drängen. Die Staatsform äußerlich zu ändern, das ist leicht. Ein Volk innerlich umzugestalten, kann immer nur gelingen, wenn ein bestimmter Entwick- lungsprozeß sich selbst mehr oder weniger erledigt bat, wenn ein Volk den Weg, den es einschlug, selbst schon, wenn vielleicht auch nicht ganz klar, aber im Untcrberoufjtfein, als falsch empfindet und nun gern den Weg verlassen möchte und nur mit der Schwerfälligkeit und der Trägheit der Masse den neuen Weg nicht finden kann, bis nicht von irgendwoher ein Anstoß kommt oder bis nicht eine Bewegung, die schon den neuen Weg gesehen hat, nun eines Tages das Volks hinein zwingt in diesen neuen Weg. Es mag ihn im er^'en Augenblick scheinbar wollen oder nicht, es wird ihn dann gehen, wenn es im Innern bewußt oder unbewußt schon die Empfindung hat, daß der bisherige Pfad am Ende doch nicht der richtige war. Linier all den Krisen, unter denen wir leiden, und die ja nur ein zusammenhängendes Bild ergeben, ist ja am fühlbarsten für das Volk selbst die W i r t s ch a f t s k r i s e. Es genügt nicht, zu I sagen, daß die deutsche Wirtschaftsnot etwa die I Folgeerscheinung sei einer Weltkrise, der Rot | der Wirtschaft überall, denn genau so kann jedes andere Dolk selbstverständlich die gleiche Entschuldigung finden und dieselbe Begründung für seine Rot. Leider Gottes ist ja gerade der Deutsche zu sehr veranlagt, in solchen Zeiten den Blick statt in das eigene Innere in d i e Ferne schweifen zu lassen. Die lange Erziehung unseres Volks zu internationalen Auffassungen hin verleitet auch in einer solchen Rot zu dem Glauben, daß man anders als durch internationale Methoden einem solchen Unglüd nicht entgegenfteuetn könnte. Und trotzdem Ist das falsch. Jedes Volk für sich muß diesen Kampf ausnehmen, und vor allem wird nicht ein Volk für sich von dieser Rot befreit durch internationale Maßnahmen, wenn es nicht selbst diese Maßnahmen trifft. (Lebhafte Zustimmung.) Die Krise der deutschen Wirtschaft ist nicht nur eine Krise, die sich in unseren Wirtschaftsziffern ausdrückt, sondern in erster Linie eine Krise, die sich ausdrückt i n dem inneren Verfall unseres wirtschaftlichen Lebens. Cs ist die Krise, die wir sehen in dem Verhältnis zwischen dem Begriff — und auch der Wirklichkeit — Kapital, Wirtschaft und Volk. Lind besonders sehen wir diese Krise kraß im Verhältnis unseres Arbeiters zu unserem Arbeitgeber. Wenn diese Krise nicht gelöst wird, werden alle anderen Versuche, der Wirtschaftsnot Herr zu werden, auf die Dauer vergeblich fein. Oer Reichskanzler zeigt die Gründe für den inneren Verfall, unserer Wirtschaft. Wenn wir die deutsche Arbeiterbewegung, so wie sie ssth im Lause des letzten halben Iahrhun- derts allmählich entwickelte, nach ihrem innersten Wesen untersuchen, dann werden wir auf drei Gründe stoßen, die diese eigenartige Entwicklung bedingen. Der erste Grund liegt in der Veränderung der Betriebsformen unserer Wirtschaft an sich. Am Beginn des vergangenen Jahrhunderts beginnt die Industrialisierung, und damit geht das patriarchalische Verhältnis zwischen Arbeiter und Arbeitgeber endgültig verloren. Beschleunigt wird dieser Prozeß in dem Moment, in welchem d i e Aktie an die Stelle des persönlichen Besitzes tritt. Wir sehen nun den Beginn einer Entfremdung zwischen den Schaffenden des Kopfes und den Schaffenden der Hand. Denn das ist unverändert wirklich der einzige entscheidende Unterschied. Richt das Wort Besitz an sich kann hier als charakteristisch angesehen werden. wir wissen, daß eine Unzahl der Männer, die unsere Produktion begründeten, nicht etwa ursprünglich aus dem Besitz gekommen sind, sondern aus der Arbeit (lebhafte Zustimmung), daß sich nur in ihnen die Kraft der Faust zugleich erweiterte zu der Genialität des Geistes, daß sie gottbegnadete Erfinder, gottbegnadete Organisatoren gewesen sind, denen wir und unsere Volksgenossen unser Leben mit verdanken. Denn ohne diese Männer wäre uns die Ernährung, die Erhaltung von 65 Millionen Menschen auf unserer begrenzten Bodensläche niemals möglich gewesen. (Sehr richtig!) wir wären sonst Exportland geblieben roher Arbeitskraft, damit aber selbstverständlich auch Exportland des darunter stets verborgenen Geistes, ftulturbünger der übrigen Welt. Daß sich das änderte, verdanken wir der Unzahl der Männer, die sich aus der Tiefe unsere» Volkes heraus emporgearbeitet haben, und die nur durch ihre Fähigkeit, durch ihre Genialität Millionen Menschen BrA und Sicherung schassen konnten. Man kann also nicht von vornherein gegenüber* stellen: Unternehmer und Arbeitnehmer, sondern der Ausgang ist nur der, daß sich der Geist, wie immer im menschlichen Leben, befehkaebend über die gewöhnliche Kraft erhebt. Dieser Geist selbst aber ist nicht etwa ein Vorrecht der Geburt bei uns gewesen, sondern wir finden ihn inallenunseren Lebens schichten, in allen Lebensstellungen. Man kann wirklich sagen, daß hier das deutsche Volk in allen seinen Schichten beigetragen und zugesteuert hat. Das Auseinanderfallen nun, das wir allmählich erleben konnten, führte dazu, daß auf der einen Seite besondere Interessen des Unternehmers in Erscheinung traten und auf der anderen Seite besondere Interessen der Arbeitnehmer. Es entsteht allmählich eine Ideologie, die glaubt, den Begriff d c s Eigentums auf die Dauer aufrechterhalten zu können, wenn auch die Teilnehmer an der Wirklichkeit des Besitzes bloß mehr einen minimalen Prozentsatz der Nation ausmachen. Umgekehrt entstand die Meinung, daß deshalb, weil nur mehr ein'Prozentsatz Teilnehmer an dieser Wirklichkeit ist, die Wirklichkeit dieses Besitzes selbst abzulehnen wäre. Es entstand damit die endlose Diskussion um den Begriff Privateigentum. 3n der Folge führt dieser Kampf zu einer immer weiteren Entfernung der beiden Exponenten im wirtschaftlichen Leben. Wenn erst einmal geistig die beiden Interessenten ihre Aufgabe nicht mehr als eine gemeinsame ansehen, dann ist es klar, daß der Kraft, die sich immerhin im Llnternehmer repräsentiert, nur die zusammengesaßte Kraft des Arbeitnehmers überhaupt gegenübergesetzt werden kann. Lind dann werden die beiden Organisationen selbstverständlich mit den Kampsmitteln ihre scheinbar getrennten Interessen vertreten, die ihnen gegeben sind, d. h. Aussperrung und Streik. Lind dann werden in dem Kampf manchesmal die einen siegen, manchesmal die anderen. Das führt dann endlich aber so weit, daß die Organisationen immer umständlicher werden, bei der Reigung des Deutschen zur Bürokratisierung immer größere Apparate aufziehen. Lind dann muß der Kampf weiter- geführt werden, damit die Existenz der Apparate damit begründet werden kann, wenn die Vernunft endlich einmal kommt. (Heiterkeit und Zustimmung.) Das Ganze wird manchesmal ein übles Theater, das bellt sich gegenseitig an, bringt sich am Ende natürlich nicht um, denn sonst würden weder die Gewerkschaften bestehen können, noch die Llnternehmerverbände. (Erneute Heiterkeit.) Aber alles das lebt jetzt letzten Endes doch auf kosten der Gesamtheit. (Sehr richtig!) Dieser Kampf, der zu einer unendlichen Vergeudung an Mitteln und Arbeitskräften usw. führt, ist der eine Grund für die Katastrophe, die langsam aber sicher herausgezogen ist. Der zweite Grund ist das Emporkommen desMarxismus. Der Marxismus, als Weltanschauung der Dekomposition, hat mit scharfem Blick in der Gewerkschaftsbewegung die Möglichkeit erkannt, den Angriff gegen den Staat und d i e GN e n s ch l i ch e Gesellschaft nun mit einer absolut vernichtenden Waffe zu führen, nicht etwa, um dem Arbeiter zu helfen — was ist diesen internationalen Aposteln der Arbeiter irgendeines Landes! Gar nichts! Denn diese Apostel sind keine Arbeiter, es sind Volks- frernde Literaten, volksfremdes Pack! (Stürmischer Beifall.) 'In diesen ganzen Jahrzehnten hat die politische Sozialdelnokratie sich von diesem Kamps und von dieser Kampfeinrichtung genährt. Man muhte der Gewerkschaft den Gedanken einimpsen: Du bist ein Instrument des Klassenkampfes. Im Jahre 1914 ist der deutsche Arbeiter in einer plötzlichen inneren Erkenntnis vom Marxismus weg und zu seinem Volk hinge- gangen und die Führer, die dieses Verhängnis hereinbrechen sahen, konnten es nicht hemmen. Einige unter ihnen sind in dieser Stunde mit dem Herzen zu ihrem Volk zurückgekehrt. Wir wissen ja, daß ein großer Mann, der beule bestimmend in die Weltgeschichte eingegriffen bat. Benito Mussolini, in dieser Stunde der Cr- Erkenntnis sich zu seinem Volk zurücksand. 3it Deutschland sind es einige -gewesen, die große Masse der politischen Führer ging nicht etwa freiwillig auch sofort an die Front. Arbeiter find gefallen. die Führer haben sich zu 99 Prozent sorgfältig konserviert! (Sehr richtig und Beifall.) Sie sahen in der Revolution die Erfüllung. Da können wir nur eines lagen: Wäre damals die deutsche Gewerkschaftsbewegung i n unseren Händen gewesen, hätte sie sich, meinetwegen, in meiner Hand befunden, wir Rationalsozialisten hätten damals diese Riesenorganisation in den Dienst des Vaterlandes gestellt. Wir hätten erklärt: du mußt eines erkennen: Jetzt wird nicht entschieden über Monarchie, nicht über Kapitalismus, nicht über Militarismus — entschieden wird über Sein ober Richtsein unseres Volkes, und wir deutschen Arbeiter machen 70 Prozent dieses Volkes aus! (Beifall.) Gewiß, wir hätten manchesmal gegen den Staat Front gemacht, hätten protestiert gegen das Unwesen des schamlosen Treibens dieser Kriegs* g e s e 11 s ch a f t c n. (Sehr richtig.) Wir hätten gegen das Schiebergefindel protestiert, wir wären dafür eingetreten, daß man dieses Pack, wenn not wendig, mit dem Strick zur Räson bringt. (Beifall.) Wir hätten aber genau so erklärt: Indem wir dieses beseitigen, wollen wir nichts anderes als den Sieg unseres Volks. Denn wenn wir den Sieg verloren haben, so haben wir damit nicht eine Staatsform verloren, sonderen wir haben Millionen brotlos gemacht, und zwar zuallererst nicht die Millionäre und die Banken, sondern den Handarbeiter. Ein Verbrechen, daß man das nicht tat. Man wartete solange, bis Volk und Reich, non lieber» macht zermürbt, dem Angriff nicht mehr standhalten konnten. Dann schlug man los. Man hat Deutschland geschlagen und damit in erster Linie und am schwersten den deutschen Arbeiter. Für die Summe von Leiden, Not und Elend, die seitdem durch Millionen Arbeiterfamilien und Kleinhaushalte geht, haben sich die Verbrecher des November 1918 zu verantworten. Sic können niemals wieder gulmachen. daß sie durch Iahrzehnte den deutschen Arbeiter i n eine immer furchtbarere geistige Isolierung hineinsührlen, und daß sie mit dem Roocmber 1918 den deutschen Arbeiter durch dieses gemeine Stück unverantwortlicher kleinster Gruppen mit einer Tat belasteten, für die er nicht verantwortlich gemacht werden konnte. Denn seit dem Tage Ist bei Millionen anderer Deutschen nun plötzlich die Meinung entstanden, der deutsche Arbeiter fei s ch u l d a m Zusammenbruch. Der Arbeiter, der so unsagbare Opfer gebracht hat, er wurde plötzlich als Sammelbegriff verantwortlich gemacht für die Tat dieser meineidigen, lügnerischen und verkommenen Vernichter des Vaterlandes. Das Schlimmste, was es geben konnte, denn in dem Augenblick zerbrach für viele Millionen Menschen in Deutschland die volksgernein- schäft, und bei alledem zerbrach selbstverständlich die deutsche wirtschaft. Denn die wirtschaft ist nicht ein Ding an sich, sondern sic Ist ein lebendiger Fortgang einer Funktion des Volkskörpers, und ihr ganzer Verlauf wird bestimmt durch Menschen. Wahnsinn des Denkens im einzelnen summiert sich zum Wahnsinn des Denkens der Gesamtheit und zerstört endlich etwas, was die Gesamtheit selbst wieder auf das schwerste schädigt. Der dritte Grund, den wir Deranttoortlidx machen müssen für die Entwicklung, liegt i m Staat selbst. Etwas hätte es gegeben, was dieser Entwicklung vielleicht hätte entgegengestellt werden können. Es wäre der Staat gewesen, wenn dieser Staat nicht selbst zum Spiel- b a l [ der Interessengruppen heran t e r g e s u n k e n wäre. Cs ist kein Zufall, daß diese Gesamtentwicklung parallel geht mit der Demokratisierung unseres öffentlichen Lebens- Diese Demokratisierung führte dazu, daß der Staat zunächst in die Hände bestimmter Gc- sellschaftsschichten kam, die sich identifizierten mit dem Besitz an sich, mit dem Unternehmertum' an sich. Das breite Volk erhielt immer mehr die Empfindung, daß der Staat selbst keine objektiv übet den Er cheinungen stehende Einrichtung wäre, sondern der Ausfluß des wirtschaftlichen Wollens und der wirtschaftlichen Interessen bestimmter Gruppen innerhalb der Ration. Der Sieg des politischen Bürgertums war nichts anderes als der Sieg einer aus ökonomischeu Gesetzen entstandenen Gesellschastsschicht, die ihrerseits nicht die geringste Voraussetzung für eine wirkliche politische Führung besaß. Sie bat in jeder kritischen Stunde versagt und in der schwersten Stunde« der Ration ist sie jammervoll zusammengebrochen. (Lebhafter Beifall.) Ich glaube, wir befinbe-i uns in der Zeit, in der diese Fehlkonstruktion endgültig überwunden worden ist. Wir befinden uns damit aber auch in der Zeit, da wir d i e Frage des Neuaufbaues unserer Wirtschaft lösen müssen. Cs muh eine Staatsführung entstehen, die eine wirkliche Autorität darstellt, die nicht abhängig ist von irgendeiner Gesellschaftsschicht, einer Staatsführung, zu der ein jeder das Vertrauen haben kann, daß sie nichts anderes will als des deutschen Volkes Glück (stürmischer Beifall), eine Staatsführung, die zugleich von sich mit Recht sagen darf, sie sei unabhängig nach jeder Seite hin. 2Nan hat geredet, dah die Herrschaft der Bourgeoisie abgelöst werden müsse durch die Herrschaft des Proletariats, d. h. dah es sich nur um einen Wechsel der Diktatur von Klassen und Ständen handelt, während wir dem Volk die Diktatur des Volks in seiner Gesamtheit auferlegen wollen. (Starker Beifall.) Wir sehen nicht als entscheidend an eine Lebensstellung und einen Lebensstand. Alles vergeht einmal, und was bleibt, ist die Substanz an sich, aus Fleisch und Blut, unser Volk. Und nur dem soll man sich verantwort- lich fühlen. Rur dann wird man die erste Voraussetzung schaffen zur Heilung auch unseres schlimmsten wirtschaftlichen Schadens. Weiter ist notwendig, daß man alle die Erscheinungen beseitigt, die menschliche Schwächen bewußt mißbrauchen, um ein tödliches Unternehmen damit durchführen zu können. Wenn ich immer wieder vor der deutschen Nation erklärte, daß ich meine Aufgabe darin sehe, den Marxismus zu vernichten, dann war das keine Phrase, sondern ein heiliger Schwur, den ich erfüllen will, solange ich überhaupt einen Atemzug tue. (Stürmischer Beifall.) Wir werden die Verbände von dem Einfluß derjenigen befreien, die nun glaubten, in ihnen eine letzte Rückenstärkung zu besitzen. Wir nehmen ihnen diese Organisationen ab, nicht, um alles zu konzernie- ren, sondern um alles z u retten, was an Spargroschen dort hineingelegt worden i st und um weiterbin d i e deutschen Arbeiter zur Gestaltung der neuen Verhältnisse a l s gleichberechtigte Kontrahenten hinzuzuziehen. (Stürmischer Beifall.) Es soll kein Staat aufgebaut werden gegen den Arbeiter, nein, mit ihm soll er gebildet werden! (Beifall.) Wir wollen in ihm das Gefühl wecken, daß er gleichberechtigter Deutscher ist. Man rede nicht immer nur von Recht, man rede dann auch von der Pflicht. Der deutsche Arbeiter muß für die Millionen der anderen Seite die Ueberzeugung beseitigen, als stehe er etwa dem deutschen Volk und seiner Erhebung innerlich fremd gegenüber. Gewiß wird es Elemente geben, die das nicht wollen. Die gibt es aber auch auf der rechten Seite! (Langanhaltender stürmischer Beifall, Bravo- und Heilrufe.) Ueber sic alle wird das Schicksal zur Tagesordnung übergehen! (Erneuter starker Beifall.) Die Schichten sollen s i ch untereinander verständigen und ver - stehen. Wenn manchesmal vielleicht ein Zweifel ommen sollte, dann wird es die Aufgabe der Regierung fein, die Hände, die sich lösen wollen, wieder ineinanderzufügen. (Bravo!) Damit hat die Zusammenfassung der deutschen Arbeiterbewegung einen großen moralischen Sinn. Wir wollen, wenn wir nun den Neuaufbau des Staats, der als (Ergebnis von sehr großen Konzessionen auf beiden Seiten sein muß, durchfuhren, daß sich zwei Kontrahenten gegenübersiehen. die beide im Herzen grün dsählichnationalden- ken, die beide grundsätzlich nur ein Volk vor sich sehen, die beide alles andere grundsätzlich zurückzustellen bereit sind, um dem gemeinsamen Nutzen zu dienen. Nicht Besiegte darf es geben ober Sieger, außer einem einzigen, und dieser Sieger muß unser Volk fein? (Stürmischer Beifall.) Es soll der Sieger sein über Klassen. Stände und Einzelinteressen. Damit werden wir von selbst zur Veredelung des Begriffs der Arbeit kommen. Auch das ist eine Tat, die nicht von heute auf morgen zu lösen ist. Hncnttoegt aber wird die Bewegung, die ich und meine Mitkämpfer repräsentieren, das Wort Arbeit zum großen Ehrentitel der deutschen Ration erheben. Richt umsonst haben wir dieses Wort in den Ramen unserer Bewegung eingeführt. Das hat uns keinen Ruhen gebracht, sondern im Gegenteil Haß und Tln- verstand und Verständnislosigkeit. (Sehr richtig!) Wir haben es aber gewählt, weil wir mit dem Sieg unserer Bewegung dieses Volk auch siegend emporheben wollten! (Langanhaltender stürmischer Beifall.) Wir wollten, daß sich in diesem Wort am Ende neben dem Begriff Volk die zweite Basis findet, die der Einigung der deutschen Arbeiter. Denn wer wirklich edlen Willens ist, kann nichts anderes tun als sich selbst stolz zu diesem Wort zu bekennen. Ich bin an sich ein Feind der Äebernahme aller Ehrentitel, und ich möchte auf meinem Grabstein nichts anderes haben als meinen Ramen. Aber ich bin nun einmal durch meinen eigenartigen Lebensweg befähigt, das Wesen und das ganze Leben der deutschen Stämme zu verstehen und zu begreifen, weil i ch f e l b ff mir als Arbeiter auf dem Bau mein Brot verdiente, und weil ich jahrelang als gewöhnlicher deutscher Soldat in diesen breiten Massen gestanden habe. Dann aber auch, weit das Leben mich i n d i e andere Schicht des Volkes hineingeführt hat, so daß ich sie besser kennenlernte als die, die in ihr geboren sind. So hat, glaube ich, das Schicksal fnich bestimmt, ehrlicher Makler zu sein, nach jeder Seite hin. Ich bin persönlich nicht interessiert. Weder bin ich abhängig vom Staat noch von einem öffentlichen Amt, noch von der Wirtschaft, nicht von der Industrie und nicht von irgendeiner Gewerkschaft. Ich bin ein unabhängiger Mann und habe mir kein anderes Ziel gesetzt, als nach meinem Vermögen und Können dem deutschen Volk zu nutzen (Bravo!), vor allem den Millionen Menschen, die an sich vielleicht am meisten geschlagen sind dank ihrer Gutgläubigkeit, ihrer Un- kenntnis und der Schlechtheit ihrer früheren Führer. Ich habe mich immer zu der Auffassung bekannt, daß es nichts schöneres gibt, als Anwalt d e r e r zu sein, die sich nicht selbstvertei- bi g en können. Ich kenne dieses breite Volk, und ich mochte den Intellektuellen nur sagen: Iedes Deich, das ihr nur auf den Schichten der >In- tellektuellen aufbaut, ist schwach gebaut! (Sehr richtig!) Ich weiß, daß die intellektuellen Schichten allzu leicht von dem Hochmut erfaßt werden, dieses Volk lenken zu können nach den Maßstäben ihres Wissens, ihres Verstandes. Alnd doch gibt es hier meist Dinge, die der Verstand der Verständigen nicht sieht, weil er sie nicht sehen kann. Dieses breite Volk ist sicherlich oft schwerfällig, in manchen Dingen schwer von Begriff, nicht so geistreich, aber es hat Treue und Beharrlichkeit. (Lebhafter Beifall.) Ich kann wohl sagen: Diese Revolution wäre niemals gekommen, wenn nicht meine Gefährten, die breite Masse unserer kleinen Volksgenossen in unerhörter Treue und unerschütterlicher Beharrlichkeit hinter uns gestanden wäre. (Erneuter stürmischer Beifall.) Ein Dichler sprach einst ein Work aus: Deutschland wird dann am größten sein, wenn seine ärmsten Söhne seine treuesten Bürger * sind. Ich habe diese ärmsten Söhne vier Jahre lang als Musketiere im großen Weltkrieg kennengelernt. Kein Volk hat mehr Recht, seinen unbekannten Musketieren Monumente zu sehen, als unser deutsches Volk. (Lebhafter Beifall.) Diese unerschütterliche Garde müssen wir dem Staat erobern, sie müssen wir dem fom- Der Dichter des Odenwatdes. Zu Adam Karrittons 80 Geburtstage am 12. Mai. Von Will Scheller. Beim siebenten Abendschoppen „Am (Stamm- AH zum faulen Hobel" erzählt Dr. Ebenich, und Schriftsteller, die tragikomische Geschichte seines literarischen Erstlings — des Romans „Michael Hely" — der gedruckt wurde, um nach dem alsbaldigen Bankerott des heimischen Amateur-Verlegers als Scheiterhaufen eines Volksfestes eine immerhin sichtbare Wir- kung hervorzurufen, die dann freilich bis in das Privatkontor einer hauptstädtischen Verlags- '"ma tenem zündete und damit in der Folge ^Birfung tat, nämlich beim Bücher lesenden d Dr-, Ebenich aber, das ist niemand anders als „eben ich", Adam Karr illon am 12.®ai 1843 geborene MenschenarzE Weltwanderer und Erzähler, dessen Werk durch die Polarität warmer Lebensenge einmaligen Menschseins und weltweiter Unruhe geistigen Dranges das ihm eigentümliche Gepräge erhalten hat — das Kennzeichen des Zuhauseseins mit dem Kleinsten und der Kameradschaft mit dem Größten, kurz, jene seltene Ueberlegen- heit, die die schöpferische Grundlage des Humors zu bilden pflegt. Karrillon, zu Waldmichelbach im Odenwald geboren und die räumliche Rähe der Pfalz nie verleugnend, ist unter den schwer und grobknochig mit dem Dasein ringenden südhessischen Waldmenschen ausgewachsen, denen die Rot nicht vsel Ze.t für die Pflege von Gefühlen übrig laßt. Und wie immer die ersten Eindrücke die entscheidenden sind, so hat auch Karrillon viel von dieser bärbeißigen Realistik der Lebensauffassung angenommen und in seinem dichterischen Schaffen verlautbart. Ohne sonderlich der Phantasie zu bedürfen, spiegelt sich das Menschliche darin, unmittelbar, wie es den Dichter berührt das Menschliche eines Schlages, der, gewöhnt' dem Schicksal mit gleicher Münze zu zahlen, so oder so sich durchzuringen weih, unbekümmert darum, ob dem feinfühligen Beobachter dabei ein paar Späne ins Gesicht fliegen. Aber dieses Menschliche ist durchaus nicht seelenlos, es hängt nur solche intimste Eigenheiten nicht gleich zum Fenster hinaus. Karrillon freilich hat gelernt, ihm trotzdem auf die Spur zu kommen, und eben das gibt seinen Crzählwerken die Sattheit der Farben, die Deutlichkeit der Figuren, die Lebhaftigkeit des Geschehens und die Wärme die von alldem auf den Leser übergeht. Mag er in jenem „Michael Hely" (wie fast alles bei ®. ©rote, Berlin) den verschlungenen Schicksalsweg des Tischlersohns erzählen, der als alter Dkann die Fähigkeit gewinnt, Heimat und Weltall mit gleich klaren Augen zu betrachten, ober in der „Wühle von Husterloh" den Kampf zwischen alter und neuer Zeit auf dem Gebiet 'der Technik schildern oder in „O domina m e a“ dann noch einmal ein Seelenschicksal formen — es ist immer ein vollblütiges Geben mit Menschen, das da sich äußert, und dem entspricht es auch, dah in alle diese Bücher viel vom eigenen Geben, viel Autobiographisches hin- eingeflossen ist, besonders viel aber in „Adams G r o ß v a t e r“, einen Odenwälder Bauernroman von Rang, in welchem Karrillon seiner ländlichen Iugend ein dauerhaftes Denkmal gesetzt hat. Gewiß erscheinen alle diese Romane, soweit es ihren Gehalt an innerem Geben betrifft, an geistiger Einstellung zur Welt und dem Geben auf ihr, in einem hohen Grade subjektiv: aber in einem ebenso hohen Grade wiederum müssen sie, soweit es nämlich ihren Gehalt an äußeren Erscheinungen betrifft, an Szenerien und an Menschen, die sie bevölkern, als objektiv bezeichnet werden: die Synthese dieser beiden Eigenschaften findet sich in der bereits angebeuteten Überlegenheit über alle Problematik, die von einem mitunter grimmigen, aber doch befreienden Humor gekrönt wird. Das zeigt sich übrigens auch in den Reisebüchern, in denen Äarrillon von seinem Drang ins Weite Zeugnis ablegt, jenem tief deutschen Zug seines Wesens, der ihn nut fast allen Teilen der Erde bekannt gemacht hat. Art und Ausgabe des Humoristen ist es, den Mitmenschen den Spiegel ihrer Schwäche voc- dS?^!trrt* kvbei er oft genug, wie auch in seinen „Novellen aus dem Chattenlande", die er „B a u- c r n g e fei ch t es" überschrieben hat, selber unter erscheint. Das nimmt auch k. “'11[o"A Satire die Bösartigkeit und gibt feinem (Spott eine echt menschliche Herzens- L^i?ur-acht^Iahrzehnte Menschenlebens 5Ä Sucher-Dutzend übrigens nicht als Zeichen literarischer Geschäftigkeit gelten: Adam Kv^llon hat freilich spät zu schreiben ange- fangen, und nicht auf die Menge kommt es bei »r Jn,f.fOnb^tn . das Gewicht dessen, was “ ,an. den Tag gefordert hat. Das ist nun nicht immer leicht auszuwiegen und verbirgt sich manchmal hinter hanebüchener Grobheit und saftigem Witz Wie so viele seiner Menschen ist auch er selbst, der Dichter, in seiner geistigen Erscheinung von rauher Schale, birgt aber einen LQrkCn öer, bDn lener schützend umhüllt wird. Wer ihn aber zu finden weiß, mag an dem edlen und kräftigen Schmack dieses Gewächses aus urdeutschem Boden Ursache köstlichen Genusses finden. noch bei er! Gauleiter Sprengers Stellvertreter. rnenden Deutschen Reich, dem Dritten Reich gewinnen. Das ist mit das kostbarste, was wir geben können. (Erneuter lebhafter Beifall.) Weil ich glaube, daß ich nun dieses Volk besser kenne als irgendein anderer, der vielleicht das übrige Volk kennt, bin ich nicht nur bereit, in dem Volk diese ehrliche Maklerrolle zu übernehmen, sondern ich bin glücklich darüber, daß das Schicksal mir diese Rolle zuteilen kann. Ich werde keinen größeren Stolz in meinem Leben besitzen als den, am Ende meiner Tage sagen zu können: Ich habe dem Deutschen Reich den deutschen Arbeiter erkämpft? Als der Reichskanzler sich zu seinem Sitz zurück- gab, erhoben sich die Anwesenden von ihren Sitzen, hoben die Hände zum Gruß und brachten ihm Hochschulnachrichten. Der bekannte Heidelberger Mineraloge Geheimrat Professor Dr. Viktor Goldschmidt ist in Salzburg, wo er sich vorübergehend aufhielt, um , Ehrungen zu seinem 80. Geburtstag zu entgehen, gestorben. Goldschmidt, der aus Mainz s . mmte und ursprünglich Bergingenieur war, wirkte seit 4Z Jahren in Heidelberg und hat hier sein mine° ralogtfdjes und kristallographisches Institut zu einem wichtigen wissenschaftlichen Zentralinstitut ausgebaut. Geheimrat Goldschmidt, der schon feit längerer Zeit ferne Vorlesungen mehr hielt, war mehrfacher Ehrendoktor und Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien des In- und Auslandes. würdigen 1. Kongreß nicht besser zu schließen, als daß ich Sie bitte, sich zu erheben und mit mir ein- ziistimmen in den Ruf: Der deutschen Nation und damit dem deutschen Arbeitertum, dem Herrn Reichspräsidenten und dem Führer in die deutsche Freiheit Adolf Hitler Sieg-Heil! Die Versammlung stimmt begeistert in den Sieg-Heil- Ruf ein und singt zum Schluß das Horst-Wessel-Lied. Der Vorsitzende schließt den Kongreß. Die Kundgebungen für den Reichskanzler dauern minutenlang fort. bescheidenen und zarten Klavierinstrument, das dabei starke Ausdrucksmöglichkeiten besitzt. Sein vollkommenster Typ, das vielbesungene Lieblingsin- ftrument einer „empfindsamen" Zeit, wurde von Harlan nachgebaut. Dem Clavichord folgte später ein S p i n e 11 -- die kleine Form des Cembalo —, das wegen seiner stärkeren Durchschlagskraft zum Ensemblespiel wertvolle Dienste leistete. Auch die Gaute tritt wieder auf in ihren verschiedenen Cnt- wicklungsstadien. An Streichinstrumenten sind vor allem die chorisch — d. h., in Sopran-, Alt-, Tenor- und Baßlage — gebauten Gamben zu nennen: dann ein ungemein lieblich klingendes, vielfach verwendetes Quinten (eine fünfteilige Diole, in der Größe zwischen Geige und Bratsche, und schließlich für Giebhaber ganz früher Musiken, die dreisaitige mittelalterliche Fiedel (Diellei mit ihrem starren, drehleierartigen Ton. Beim Bau aller dieser Instrumente läßt man sich weniger von technischen Voraussetzungen als vielmehr von einer bestimmten Klangvorstellung leiten. Deutlich spürt man. wie diese Bewegung bemüht ist, dem den erhaltenen alten Instrumenten abgelauschten, durch Studium von Schriften und Werken der bildenden Kunst weiter bewußt gemachten Klangideal nachzustreben. Wenn die Träger dieser Bewegung nun Musik ?es Mittelalters, der Renaissance- und Barockzeit im originellen Klanggewande neu erstehen lassen so ist die historische Arbeit nicht Selbstzweck. Vielmehr wollen sie durch die Wiederbelebung der in ihrer unbeschwerten, jedem Pathos fernen Haltung der alten Musik an der Erneuerung der um eigene Form und eine neue Klangwelt noch ringenden gegenwärtigen Musikübung mitarbeiten, und allen möglichen Musiziergemeinschaften Anregung geben, wie ohne Aufwand an virtuosem Können eine Fülle wertvollen und köstlichen Spiel- gutes. zur eigenen Erbauung der Ausübenden und für einen kleinen Hörerkreis, lebendig gemacht werden kann. Hessische Schutzpolizei und Wehrverbande. D a r m st a d t, 10. Mai. Die Staatspressestelle teilt folgende Verfügung des Staatskommissars für das Polizeiwesen D r. Best mit: Wie in Preußen, erscheint eine Regelung des Verhältnisses der hessischen Landespolizei zu den Wehrverbänden in Hessen angebracht. Nachdem die Wehrverbände zu öffentlich anerkannten Organisationen mit eigenen Dienststrafbestimmungen erhoben worden sind, ist die Mitgliedschaft zu diesen Organisationen für Angehörige der Landespolizei, die selbst einen Grundpfeiler der bewaffneten Macht des Staats bildet, unmöglich geworden. Anderseits soll die Landespolizei des nationalsozialistischen Staats in einem Geist den Wehroer- bänden als ebenbürtiger Verband zur Seite stehen. Den Offizieren und Mannschaften der Landespolizei ist deshalb untersagt, Mitglied der SS., «A. oder des Stahlhelm.oder eines andern W e h r v e r b a n d e s zu fein. Wer Mitglied ist, hat förmlich feinen Austritt zu erklären. Offiziere und Mannschaften bet Landespolizei, die zu andern Dienststellen kommandiert, nicht im Verband der Landespolizei Dienst tun, fÖnnen mit meiner besonderen Genehmigung ihre Mitgliedschaft und Mitarbeit in den Verbänden aufrecht erhalten. M Fiedel, Gambe und Vloüflöte Von Dr. ($. Schröder, Mitglied des Harlan-Trios. Eine der reizvollsten Wiederentdeckungen unserer Zeit sind die Hausmusikinstrumente früherer Zeiten. Wie sie zu neuem Geben erwachen, erzählt hier eine berufene Künstlerin, die selbst eine ganze Reihe dieser Instrumente hervorragend spielt. Im vorigen Iahrhundert setzte eine starke historische Bewegung auf musikalischem Gebiet ein. Der nach rückwärts gewandte Blick der Romantik spurte das vergessene Volkslied auf; auch entdeckte man Höhepunkte früherer Stilperioden: Dach und Händel, Schütz, Palestrina. Zahlreiche Vereinigungen zur Pflege der alten Musik wurden gegründet und Ausführungen aller Art veranstaltet. Das alte „Collegium musicum", eine Musiziergemeinschaft, lebte wieder auf; hier wurde die Musik vergangener Zeiten zu neuem klingendem Geben erweckt. Die Wahl der Instrumente spielte bei diesen Versuchen zunächst eine untergeordnete Rolle: man nahm, was zur Verfügung stand. Die „Präto- nus-Orgel" (eine nach den Angaben des im 17 Iahrhundert lebenden Theoretikers und Musikers Michael Prätorius neu erbaute Orgel im Collegium musicum wies den Weg zur Abkehr vom romantischen Klangideal. Zur selben Zeit schon, aber kaum in bewußtem Zusammenhang mit den wissenschaftlichen Bemühungen an den Hniberfitäten — mehr aus eigenem Basteltrieb, und eben dem allgemeinen Zeitbedürfnis nach einem neuen durchsichtig klaren weniger massiven als intensiven und farbigen Klange folgend — begannen einzelne Instrumentenbauer mit der Neukonstruktion alter Instrumente. Das Cembalo und dieTenvrgambe in ihren spätbarocken Formen waren schon mit der B ach - Renaissancebewegung wieder aufge- kommen. Sie dienten in erster Ginie Konzertzwecken: großen Orchester- und Oratorienauffüh- rungen, solistisch-virtuosem Spiel. Späterbrachte die Wendung vom Konzert zur Laienmusikpflege in Schule, Haus und Iugendgemeinschasten eine Neugestaltung des Instrumentarismus für diese Zwecke mit sich. Tatkräftig von Peter Harlan unterstützt, versuchte man wieder Blockflöten zu bauen, welche man zahlreich in den Museen fand und die, tote man aus der musik-geschichtlichen Literatur, sowie aus bildlichen Darstellungen feststellen konnte, jahrhundertelang eines der verbreitetsten ^^-^^^btesten Instrumente gewesen sind. Das gleiche gilt vom Clavichord, einem überaus ft ü r m i f dj e Heilrufe bar. Nachdem sich der starke Beifall gelegt hatte, nahm Reichsarbeitsminister S e l d t e das Wort zu einer Ansprache, in der er ausführte: Unser verehrter Herr Reichskanzler, der die Schirmherrschaft der deutschen Arbeitsfront übernommen hat, hebt die sich vielfach bekämpft habenden Richtungen heraus aus dem Zwielicht des Parteihaders und aus dem Mißklang einer vergangenen Zeit. Die Arbeit zum Wohl Deutschlands ist Sinn und Zweck all' unseres Gebens. In herzlicher Verbundenheit mit Ihnen und selbst werktätig ausgewachsen, gebe ich meiner Genugtuung Ausdruck über die Schaffung dieser Arbeitsfront. Sie muß in meinen Augen z u jener echten und wahren Volksgemeinschaft führen, für die auch ich nicht vergeblich viereinhalb Jahre draußen und 14 Jahre nachher gekämpft haben will. Ich grüße Sie alle herzlichst und mensch- lichst und kameradschaftlichst mit einem Glückauf! Glückauf der deutschen Arbeit! Glückauf unserer gemeinsamen deutschen Zukunft! (Anhaltende Heilrufe und Händeklatschen. Die Versammlung erhebt sich von den Plätzen.) Vorsitzender Schmeer: Ich wüßte diesen denk- D a r m ft a b t, 10. Mai. (WSN.) Gauleiter Sprenger, Hessens Statthalter, hat den seitherigen Stabsleiter H e y s e zum stellvertretenden Gauleiter für Hessen ernannt. Heyse, Sohn eines Pfarrers und jetzigen Schulrats a. D., ist in Mühlhausen (Thüringen) geboren und steht heute im 31. Lebensjahr. Er hat die Reifeprüfung eines Gymnasiums, den Diplom-Volkswirt auf Grund von Studien an den Universitäten Leipzig und Frankfurt und ist gleichzeitig nad) dem Besuch einer Fachschule für Weberei staatlich geprüfter Werkmeister für Tuchweberei. Bis 1924 war er (vor seiner akademischen Zeit) als Kaufmann bei einer deutschen Großgarnfirma tätig. Schon 1919 Zeitfreiwilliger, bekannte er sich früh zum Nationalsozialismus und trat 1923 in die NSDAP, ein. Im Jahre 1929 wurde er vom damaligen Gauleiter Ringshausen als Gau- geschäftsführer und Propagandaleiter nach Hessen gerufen. Im Juni 1929 übernahm er die Geschäftsführung und Drganifationsleitung des Gaues Heffen- Naffau-Süd und war nebenher im Gauwirtschaftsamt beschäftigt. EinNerchsgesetzzurFörderung des Fremdenverkehrs. Berlin, 10. Mai. (Vdz.) Das Reichskabinett wird demnächst das Reichsgesetz zur Förderung des Fremdenverkehrs verabschieden. Materiell dürfte das Gesetz darauf abzielen, nicht nur die Fremdenverkehrs- und Erholungszentren auszubauen, sondern auch die weitere wissenschaftliche Erforschung der Heil - und Erholungsmittel zu fördern und eine großzügige allgemeine Deutschlandwerbung durchzuführen. Die Mittel dazu sollen durch eine Fremdenverkehrsförderungsabgabe beschafft werden, die auf Grund des jeweiligen Ortsstatuts in allen deutschen Städten von denjenigen Wirtschaftskreisen erhoben werden soll, die am F r e m d e n v e r k ech r Nutzen haben. Da die Gemeinden den Kreis der Abgabepflichtigen bestimmen, ist eine Gewähr dafür geboten, dah Härten vermieden werden. Auch hat man gewissermaßen ein Muster für diese Abgaben in den Vorgängen in Bayern, wo bereits feit einigen Jahren eine Kur- förberungsabgabe in ben Bädern und Kurorten ein- gezogen wird. Den größeren Teil des Aufkommens werden d i e Gemeinden selbst zum Ausbau ihrer Fremdenverkehrs- ober Kurmittel verwenden. Der Rest wird abgeführt für die wissenschaftliche Förderung des deutschen Bäderwesens und für die allgemeine Deutschland-Werbung. Das Gesetz zum Schutz der nationalen Symbole. Berlin, 10. Mai. (END.) Das neue Reichsgesetz, das Minister Dr. Goebbels zur Bekämpfung eines gewissen nationalen Kitsches angekündigt hatte, wird den Titel „Gesetz zum Schuh der nationalen Symbole" tragen. Man hofft, daß schon das Vorhandensein dieses Gesetzes die gewünschte Wirkung haben wird, zumal augenblicklich schon auf Grund der ersten Warnung des Propagandaministeriums eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten ist. Cs wird deshalb auch nicht mit unmittelbaren Verboten vorgegangen, sondern nur die Möglichkeit eines Einschreitens geschaffen. Gegen Schädlinge soll rücksichtslos vorgegangen werden, aber nicht von der strafrechtlichen, sondern von der k o n fiskatorischen Seite her. Das Gesetz soll sich gegen alle Erzeugnisse und Veranstaltungen richten, die einen entwürdigenden Mißbrauch nationaler Symbole darstellen. Was geeignet ist, gröblichst das nationale Empfinden zu verletzen, soll bekämpft werden. Auch das entwürdigende Singen weihevoller Lieder würde hierzu gehören. Alm Fehlentscheidungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Aus -er Provinzialhauptsta-i. Nationaler Oroßflugtag. Die große Flugsportwerbeoeranslaltung. die am kommenden Sonntag auf dem Flughafen Gießen slattfindet, wird, wie man uns schreibt, eine beson dere Note tragen, da erstmalig die neu gegründete Ortsgruppe Gießen des nationalen „Deutschen Luft- sport-Dcrbandes", sowie der SA..Fliegersturm 3 in die Oefsentlichkeit tritt. Das Programm, welches pünktlich um 15 Uhr beginnt, wird mit einer Pa- radcaufstelluna der Flugzeuge, Flugzeugbesatzungen und des «A.-Fliegerslurms 3 eröffnet Anschließend erfolgt die Taufe eines Segelflugzeuges Typ „Falke" welches von der „Akademischen Flieaergruppe an der Universität Gießen" gebaut wurde. Hieraus beginnen die Filmvorführungen, die hauotsächlich von der „Südwestdeutschen Sportslieger-Pereinigung" be- stritten werden. Begonnen wird mit einem Staffel- flug, bei dem Kunstflüge im Verbände gezeigt werden. An diesem Geschwaderkunstslug werden sich fünf Sportflugzeuge beteiligen. Alsdann erfolgt ein Luftangriff auf einen fahrenden Tank. Man wird hier über das Arbeitsgebiet der Infanterieflieger unterrichtet. Nunmehr zeigt Erbprinz zu solms Hohensolms.Lich Siunftflüge. Er fliegt ein Flugzeug Typ „(Berner R II". Die Maschine wurde erst in allerletzter Zeit vom Gerner-Fluazeugbau, Frankfurt, konstruiert. Bei einem Ballon,agdwett bewerb treten die Flugzeugführer der Sudwestdeut schen Sportfliegeroereinigung und die Piloten der Fliegergruppe Friedberg in Wettbewerb. Fluglehrer Ludwig Maier wird alsdann auf einer BFWM. 23 alle Arten von Kunst« und Rückenflügen oorführen. Besonders intercffawt wird sodann ein Geschicklich- keitswettbewerb sein, den E r b p r i n; z u S o l m s- Hohensolms-Lich und Fluglehrer Ludwig M a ie r in ganz geringer Bodennähe auf dem Roll» seid ausführen. Das neu getaufte Segelflugzeug wird bann durch eine Motormafchine in 800 Meter Höhe geschleppt, um Segelflüge mit anschließender Ziellandung auszusühren. Ein Fallschirm-Zielab- sprung folgt. Ferner erfolgt der Abschuß eines Fesselballons. Es werden zwei Flugzeuge starten, die die Aufgabe haben, mittels Leuchtpistole vom Flugzeug I aus den Ballon in Brand zu schießen. Ausgeloste | Freifluae und Rundslüqe beschließen das umfangreiche Programm. — Während des Flugtages Ion- vertiert die SA..Standartenkapelle Schotten unter Leitung des SA -Kapellmeisters Groth. — Um allen Schichten der Bevölkerung den Besuch des ersten „Nationalen Großslugtages" zu ermoglick)cn, sind die Eintrittspreise niedrigst festgelegt. (Siehe heutige Anzeige!) Bornotizcn. — Tageskalender für Donnerstag: Evang. Frauenoerein, 15 Uhr, Caf6 Leid, Parallcl- Dersammlung der Hauptversammlung für die Ober- hessischen Frauenoereine, Dortrog über „Mutter und Volk". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Lied für Dich*. — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 30. Vorstellung im Freitag-Abonnement Einmaliges Operngastspiel des Stadttheaters Mainz. Zum Gedächtnis des 50. Todestages Richard Wagners Aufführung des Mufikdramas „Tristan und Isolde". Die Inszenierung besorgt Paul W e i s I e ö e r ; am Dirigenten« pult Kapellmeister Schwieger. Opernpreise. Rundfunk- und Vorzugsgutscheine haben Gültigkeit. Spieldauer von 19 bis nach 23 Uhr. * Einbrüche in Garagen. Der Polizeibericht meldet: 3n der Rächt Aum Mittwoch mürben eine Anzahl Garagen in der Händel- und in der Schubert st raße erbrochen. Entwendet wurden ein Motorrad, vier Paar Damenspangenschuhe, ein grauer Mantel und ein brauiyr Kolter mit klemen Brandlöchern. Sachdienliche Beobachtungen werden an die Kriminalpolizei erbeten. ” DaS Fundsachen-Berzeichnis. Dom Polizeiamt wird mitgeteilt: Das Der- zeichnis über die im Monat April gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Land- graf-Philipp-Platz 1, cingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre cttoaiaen Rechte innerhalb 2 Monaten beim Fundoureau während der Dienststunden geltend zu machen. Der ck.Mai in Oberheffen. Eindrucksvolle Kundgebungen zu Ehren der deutschen Arbeit. Lollar. Der lag der nationalen 21 r b e U wurde auch in unserem Ort festlich begangen. Am Morgen fand auf der Main-Weser-Hütte eine eindrucksvolle Feier statt, an der die gesamte Belegschaft, die Lol- larcr SA. und die Hitler- und Hassia-Iugend teil- nahmen. Nach dem Aufmarsch odn rund 1100 Werkangehörigen erschienen unter Vorantritt der hiesigen Feuerwehrkapelle mehrere hundert Angehörige kleinerer Betriebe, Bauern und Handwerker, um ebenfalls an der Feier teilzunehmen. Zur Einleitung spielte die Feuerwehrkapelle Lollar das „Niederländische Dankgebet". Unter den Klängen des Horst- Wessel-Liedes wurde dann auf dem Gichtturm des früheren Hochofenwerks als einem der älteftenWahr- zeichen des Lollarer Hüttenwerkes die Hakenkreuzfahne gehißt. Der Ortsgruppenbetriebswart der NSBO., Hans Hahn, hielt anschließend eine von nationalsozialistischem Geist getragene Ansprache, die in ein dreifaches Sieg-Heil auf das deutsche Vaterland und den Arbeiterführer Adolf Hitler ausklang. — Hierauf gab Direktor Sanken feiner Freude darüber Ausdruck, daß dieser Feiertag, den die Regierung zu Ehren der Arbeit aller schaffenden Stände unseres Volkes bestimmt habe, auf den ersten Maitag gelegt worden sei, den Tag, der früher der Bekundung des Klassenkampfes und der sozialen Zwietracht gedient habe. Seine Ausführungen schlossen mit dem Bekenntnis zum sozialen Frieden und zur Mitarbeit an dem Werk der sozialen Versöhnung. Der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes bildete den Abschluß der Werkfeier, die bei allen Teilnehmern einen erhebenden und bleibenden Eindruck hinterließ. Die Teilnehmer bildeten nun einen imposanten Zug, der sich mit Marschmusik durch die Straßen des Ortes nach dem Schulplatz bewegte, wo ein Feldgottesdienst abgehalten wurde, bei dem Pfarrer Kalbhenn btc Festpredigt hielt. — Nachmittags fand ein weiterer großer Umzug statt, wie ihn Lollar wohl noch nicht gesehen hat. In voller Eintracht marschierten die Schulen, die Vereine, die Belegschaften der mdu- striellen Betriebe, Handwerker und Gesellen, Landwirte und Gemeindeverwaltung zum Festplatze. Der Ortszellenleiter Wagner hielt eine kernige Rede auf das neue Deutschland und seine Führer, die in ein dreifaches Heil ausklang, in das die Menge begeistert einstimmte. Musikvorträge, hochwertige turnerische, gesangliche und sonstige Darbietungen der Vereine und Schulen trugen zur Unterhaltung bei. Akten-Duseck. X ileberauä festlich wurde hier der Tag der nationalen Arbeit begangen. Der Po* saunenchor eröffnete den Tag mit einem Cyoral- blasen. Die Straßen prangten in nie gesehenem Flaggen- und Girlandenschmuck. Mittags hielt Edler v. G r aeve, Gießen, eine Ansprache vor der Kirche über den Sinn der Arbeit und insbesondere die neue Bedeutung des 1- Mai im Gegensatz zu früheren Jahren Danach bewegte sich unter dem Geläute der Glocken ein natt- licher Festzug durch die Straßen, in dem em g schön geschmückte Wagen der verschiedenen Hand werkszweige viel Abwechslung boten. A. f Höhe wurde nach einleitenden Worten bee o Iciterd Kahl eine junge Hitlereiche gepf^nzt Dann ergriff Pfarrer Rauinann das War zu längeren Ausführungen, die die heran wachsende Jugend zu innerer Kraft und Starke mahnte. Chore. Musikstücke und. DeNamattonen umrahmten in schlichter Weise die Schluß übernahm Bürgermeister B e cl e r oie Eiche in den Schutz der Gemeinde. Göbelnrod. 0 Am Dorabend des Tages der nationalen Arbeit wurde auf dem Reitzberg cm Feuer abgebrannt. Dürgerm«ster W e ber kennzeichnete in seiner Rede die Bedeutung der nationalen Erhebung und schloß $ $ auf Datcrland und Regierung. Am Alvrgen des 1. Mai wurde durch Trompctenftgncttgeweckt, später erklang Glockengelaute. Die Schulkinder und viele Erwachsene versammelten: sich m der Schule, wo der Lehrer auf die Bedeutung des Tages hinwies. Dann horte man eme traqunq von Berlin. Rachmittags bewegte s.ch ein^ Festzug durch das Dorf, m dem kein Haus ohne Schmuck zu finden war. Dor der Schule schloß sich dann eine Feier an; Lehrer Allen- b ö r f e r hielt die Festrede, die durch zwei vaterländische Chöre des Gesangvereins umrahmt wurde. Polizeidiener Kern gedachte der Toten des Weltkrieges und der Opfer der nationalen Erhebung. Mit dem Gesang des Deutschlandliedes und deS Horst-Wessel-Liedes schloß die Feier. Am Abend versammelte man sich am Lautsprecher, um den Reichskanzler zu hören. Rieder-Bessingen. Am Tag der nationalen Arbeit sand hier eine würdige Feier statt. Unser Dörfchen war festlich geschmückt. Dormittags fand die Rundfunkübertragung aus Berlin und Darmstadt eine große Zuhörerschaft. Anschließend sand ein Gottesdienst statt. Am Rachmittag bewegte sich ein Festzug durch das Dors. Dank der Opferfreudigkeit der Einwohner war es Pg. Lehrer Hinkel gelungen, eine Anzahl Festwagen sowie Arbeitergruppen zusammenzustellen. Die Dereine beteiligten sich geschlossen. Am Lindenplatz fand eine Kundgebung statt; die Ansprache hielt Pg. Pfarrer Staubt. Die Feier war von Gesängen bes gemischten Chores, der Schulkinder und Reigen des evang. Mädchenvereins unter Leitung Ihrer Durchlaucht Auguste Eleonore, Prinzessin von Solms-Lich, umrahmt. Abends hörte man die Hebertragung vom Tempelhofer Feld. Nidda. △ Der Tag der nationalen Arbeit wurde auch in unserer festlich geschmückten Stadt würdig gefeiert. Nach dem Weckruf zogen die Angehörigen der Betriebe und die Beamten unter Glockengeläute zum Hissen der Hakenkreuzfahnen. Der vorzüglich vorbereitete Festzug, der sich nachmittags durch die Stabt bewegte, war von solcher Ausdehnung, wie man es hier noch nie gesehen hatte; fast alle Handwerkerzweige, die gewerblichen Betriebe, die Reichsbahn, die Post, die Landwirte beteiligten sich an dem beinahe zwei Kilometer fangen Zuge. Auf der großen Gänsweide hielt Studienassessor August Campers von hier eine ker nige Festrede, in der er auf die Bedeutung der Feier hinwies. Dann wurde am Wehr bei der Stadtmühle eine Hitler-Eiche gepflanzt. Die Weiherede von Pfarrer Laut betonte die Symbolik dieses Baumes, Bürgermeister Rullmxinn über nahm ihn mit Dank und Freude in den Besitz und Schutz der Stabt. Die Gesangvereine „Eintracht" und „Sängerkranz" von hier eröffneten und beschlossen die Feierlichkeiten mit schonen Chören. Glashütten. Zu einem außerordentlichen Erlebnis gestaltete sich die Feier des Tages der nationalen Arbeit. Gin stattlicher Festzug bewegte sich nach einem idyllischen Platz in der Rähc des Fried- Hoses, wo eine Hitlerlinde gepflanzt wurde. Der Gesangverein Sängcrlust-Sintracht fang unter Leitung von Lehrer L e h m e r einen vaterländischen Chor. Blockwart Karl Dinges begrüßte die Erschienenen. Fcldmeister Hans sprach in beredten Worten über die Bedeutung bes 1. Mai. Rach der Weihe ber Hitlerlinde übernahm Bür- gcrmcifter Dinges diese in ten Schutz der Gemeinde. Das Deutschlandlied oeschloh die erhebende Feier, die von Gesängen und Gedicht- torträgen umrahmt war. Hochelheim. Der Tag ber nationalen Arbeit wurde in unserem festlich geschmückten und beflaggten Ort mit einem Weckruf des Posaunenchors emaeleitet. Dann wurde in allen Betrieben unter dem Geläute ber Kirchenglocken die Hakenkreuzfahne gehißt. Hierauf versammelte sich die SA., die Hitlerjugend und alle Vereine vor der Schule. Nach einem Posaunen- Dortrag hielt Pg. Mehl eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung des Tages hinwies. Nach dem Anhören ber Lustgartenkundgebung wurde ein Feldgottesdienst abgehalten, bei dem Pfarrer Schneider die Festpredigt hielt. Der Posaunenchor und ber Frauenchor verschönten die Feier mit ihren Vorträgen. Abends fand ein Umzug durch den Ort statt, voran der Posaunenchor und die Trommlerabteilung des Turnvereins, dann die SA.. Hitler- jugenb, die Schuljugend und die Arbeiter aller hiesigen Betriebe, außerdem sämtliche Vereine mit ihren Fahnen. Nach dem Anhören ber Kundgebung auf dem Tempelhofer Feld sprach Pg. Mehl ein kurzes Schlußwort. Er richtete die Mahnung an alle, die Worte des Führers zu beherzigen. Großrechtenbach. Der Tag der nationalen Arbeit wurde in unserer Gemeinde würdig begangen, flaggen- schmuck und Maiengrün zierten die Häuser. Schon am Tage vorher hatte ein Rüstgottesdienst in ber Kirche ftattgefunben, an dem die SA. und die Vereine geschloffen teilnahmen. Die Feierlichkeiten am 1 Mai wurden eingeleitet mit Glockenläuten, bas die Gemeinde zu einem Feldgottes - b i e n ft zusammenries. Ein Posaunenvortrag unb ein Gesangvortrag leiteten die Feier ein. Lehrer Messerschmidt hielt die Festpredigt. Mit dem Zoofenstreich fand der feierliche Gottesdienst sein Ende. Anschließend wurde ber Festzug ausgestellt. der sich mit Musik zum Schulhofe bewegte, wo eine Kundgebung stattsand. Nach einem Marsch unb dein Chorlieb des Mannergesangvereins begrüßte der Stutzpunktleiter Karl L a n g die Gemeinde und wies auf den Sinn des Tages hin. Bürgermeister Dr. 'Neumann hielt die Festrede. Die Gemeinde sang bann: „Ich hab mich ergeben-, SA -Mann Heinrich Trippler trug ein Gedicht vor. Der stellv Stutz punhleiler, Landwirt Wilhelm Lanasdors, wies in seinem Schlußwort aus die Schicksalsverbunden, heil zwischen Arbeiter unb Bauernstand hin unb brachte ein breifaches Sieg-Heil aus auf ben deutschen Arbeiterstanb, das Vaterland, den Reichspräsidenten unb ben Volkskanzler Adolf Hitler Mit dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel-Lied sand die eindrucksvolle Feier ihr Ende. Der Spargel in Geschichte unb Anekdote. Ein kleines kulinarisches Kapitel im Monat Mai. Der Spargel, dessen Erscheinen den Feinschmecker jetzt wieder beglückt, ist ein Frühlingsbote, der gleichsam den Auftakt darstellt zu weiteren Genüssen, die nach ihm kommen, zu den Erdbeeren und den jungen Gemüsen. So hell auch jetzt der Preis dieser Delikatesse erschallt, so ist man bei uns doch lange Jahrhunderte achtlos an ihr vorübergegangen 3m Mittelalter galt der Spargel nicht als wohlschmeckend, sondern als heilkräftig, und man genoß nicht den Stengel, sondern die Wurzel. Selbst der große Botaniker Ginne hat für ihn noch keine andere Bezeichnung als „Asparagus officinalis“, wodurch nur seine Rolle in den Ofsi- cinen der Apotheker bestimmt wird. Die Wurzel, die getrocknet und dann entweder roh oder gekocht genossen wurde, war ein recht bitteres Mittel, sollte aber desto besser wirken. Dabei scheinen schon die alten Aegypter etwas von der Köstlichkeit des SpargelgeschmackeS gewußt zu haben, denn man hat in den Wandgemälden der altägyptischen Gräber auch Darstellungen gesunden, die wie Spargelbündel aussehen. Jedenfalls waren die römischen Feinschmecker leidenschaftliche Derehrer dieses Gewächses, und aus keiner vornehmen Festtafel dursten die köstlichen weißen Stangen fehlen, die damals — wie noch he»te — in Ravenna gezogen wurden. Der ältere PliniuS berichtet, daß der Spargel auch in Germanien wild wachse, und von diesem altdeutschen Spargel soll der Kaiser T i - berius gesagt haben, er „erinnere zwar stark an den richtigen Spargel, fei aber nicht eßbar". Als man sich im Italien der Renaissance, vielleicht in Erinnerung an die Genüsse der alten Vorfahren, wieder auf den Spargel besann, wurde er zunächst in wilder Form genossen, und auch heute noch soll es Italiener geben, die den wilden Spargel lieber essen als den Kultur- spargel. Seine gefeierte Stellung in der Kochkunst aber erlangte er erst, als man die Pslanze in strenge Zucht nahm. Im 16. Jahrhundert haben dann holländische Pflanzer die ersten deutschen Spargel* selder am Riedcrrhein angelegt, und 1539 schrieb der „Dater der Botanik" Hieronymus B o ck in seinem „Reuen Kräuterbuch" vom Spargel: „Ein gemeiner Salat bei den Walen und Hifpaniern, ist nunmehr auch wie andere Leckerbißlein ins Deutschland gekommen, eine liebliche Speise für Leckermäuler, doch nit zu viel." Dieser Zuchtspargel war freilich noch lange Zeit überaus teuer und konnte daher nur auf den Tafeln der Reichen erscheinen. Bezahlte man doch noch vor hundert Jahren für die Stange zwei bis vier Silbergroschen, für das Schock drei bis vier Taler. Erst in jüngster Zeit ist der Spargel in den Monaten seines reichsten Gedeihens zu einer Art Bolksnahrung geworden. Es gibt unendlich viele Arten von verschiedenster Gröhe, Dicke und Färbung, und wie in allem sind auch in der Bevorzugung der einzelnen Sorten „die Geschmäcker verschieden". Richt minder mannigfaltig ist die Art des Der- speisens Man kann sagen, daß in jedem Land der Spargel auf andere Weise gegessen wird, und daß die Spargelesser der einen Ration immer von den andern behaupten, sie benehmen sich dabei nicht anständig. In den .Kultur* ländern" wird der Spargel ungeschnitten gegessen, und da man vielfach behauptet, baß das Metall den zarten Wohlgeschmack beeinträchtige, sind mancherorts Messer und Gabel verpönt, und man saht mit den Fingern zu Besonders wird die Art empsohlen, bei der man den Spargel am Ende mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand ersaht und mit der rechten Hand die Gabel unter die Spitze schiebt, um dann dieses „schwanke", aber leckere Gebäude zum Munde zu sühren In England kam zuerst die Mode auf, nur die Köpfe zu verzehren, die ja zweifellos am zartesten sind, und diese Mode hat sich bann verbreitet, war eine Zeitlang ein Zeichen des eleganten Feinschmeckers. Daß sic nicht überall angebracht ist, zeigt die Geschichte von jenem Königsberger Herrn, der an einer Berliner Tablc d'hote, als Spargel herumgcreicht wurde, alle Köpfe ab* säbelte und aus seinen Teller häufte. Als ihm der Tischnachbar mit den Worten in den Arm fiel: „Aber um GotteS willen, Sie schneiden ja sämtliche Köpfe ah!" belehrte ihn der brave Ostpreuße lächelnd: „Aber ja doch, Männchen, das is doch das Beste". Richt minder berühmt ist eine andere Spargelgeschichte, die der Baron Grimm in seiner im 18. Jahrhundert an den deutschen Hösen ver- breiteten „Literarischen Korrespondenz" von dem berühmten Schriftsteller und Lebenskünstler F o n* tcnellc erzählt. Fontenelle, ein leidenschaftlicher Spargelsreund, hielt die Zubereitung mit Del für die einzig richtige und mögliche und stand damit im strengen Gegensatz zu einem befreundeten Abbe, der den Spargel nur mit! Butter gern ah. Eines Tages erschien dieser Abbe unerwartet bei Fontenelle, der sich gerade eine gehörige Portion Spargel in Ocl bestellt hatte Wohl oder übel muhte er nun anorbnen, bah die Hälfte mit Butter serviert werbe. Da wird, während beide mit Sehnsucht der Mahlzeit harren, der apoplektische Abbe plötzlich vom Schlag getroffen und sinkt tot in seinen Sessel zurück, worauf Fontenelle nach einem Augenblick stiller Trauer nichts eiligeres zu tun hat. als dem Koch zuzurufen: „Den ganzen Spargel mit Ocl!“ In einer anderen Spargel-Anekdote, die B r i I- lat-Savarin erzählt, wurde ein aus be* sonders große Spargel erpichter französischer Bischof Courtois de Quincey von einem Spaßvogel gefoppt, der ihm meldete, in seinem Garten wachse ein Riesenspargel, dessen violett glänzende Spitze hcrauslugte und einen faustdicken Stamm verriet. Alltäglich besichtigte nun der Bischof das weitere Herauswachsen dieses Wunder- gewächses, aber als er schliehlich eigenhändig mit einem besonders zu diesem Zweck Hergestell* ten Messer den kostbaren Spargel stechen wollte, da hielt er ein Holzstück in der Hand Ein Tafelgenosse, der vortrefflich drechselte und etwas malte, hatte den falschen Spargel mit größter Kunst angefertigt, heimlich eingesenkt und bann täglich etwas in bie Höhe gehoben Unter f)o-t , merischern Gelächter mußte sich der Bischof begnügen, den hölzernen Spargel als Tischdekora- tion zu benutzenBuntes Allerlei. Das Honorar. Der Maler Moritz von Schwind und der Frankfurter Mediziner Dr. Hoffmann, der auch schriftstellerisch, namentlich durch seinen .Struwwelpeter", bekannt geworden ist, unterhielten enge freundschaftliche Beziehungen. Einmal war Schwind wegen einer Erkältung «auch einige Wochen bei Dr. Hoffmann in Behandlung^ ..Was bin ich schuldig?" fragte Schwind, als die Erkältung wieder behoben war. .Wichtigkeit", meinte Dr. Hoffmann, .Sie lassen mir gelegentlich eine kleine Zeichnung als Erinnerungsstück zukommen, dann sind wir beide quitt.“ Schwind schenkte einige Tage später dem Arzt bie Zarbenskizze: „Der Sängerkrieg auf ber Wartburg". Zunächst versuchte Dr. Hoffmann, das Geschenk, das ihm zu wertvoll erschien, abzulehnen. Schließlich ließ er sich aber doch von Schwind überreden unb nahm cs an. .Run gut", sagte er bann, „bafür haben Sie noch eine komplizierte Dehanblung bei mir gut, etwa einen schweren Rheumatismus, eine Arterienverkalkung oder so..." F. S. Oie unterirdische Pilz-Stadt. Die Katakomben von Paris, das unterirdische Gewirr von Gängen, bas sich unter der -eine-Stadt da- hmzieht, sind lange von dem romantischen Schimmer des Unheimlichen umgeben gewesen. Hier hausten Verbrecher unb anderes lichtscheues Gesindel, und die Phantastik dieses Schauplatzes ist in vielen Romanen, besonders in dem älteren Alexander Dumas ausgebeutet worden. Heute ist diese Romantik des unterirdischen Paris verblaßt. An ihre Stelle ist die praktische Ausnutzung getreten, und es hat sich in den „Etngewelden" ber Lichtstadt seit langem eine nützliche Industrie entwickelt, nämlich die Zucht der Champignons, die eine Delikatesse für jeden Feinschmecker bieten. Hier entwickelt sich in den Tiefen der Erde ein Leben der fleißigen Arbeit. Einen Besuch in dieser unterirdischen Pilzstadt schildert C. I. Martin in einem Londoner Blatt. Ihre Bewohner befinden sich etwa 30 Meter unter den Wurzeln der mächtigen Bäume des Waldes von Saint Germain, und es gibt hier breite Straßen, auf denen zwei ?roße Lastkraftwagen leicht aneinander vorbeifahren önnen. Diese Straßen haben ihre Namen fogut wie die bes oberiridischen Paris. Da gibt es eine Rue de Rivoli, und eine Rue de la Paix, eine Place Ieanne d'Arc usw. Die Ausdehnung dieser Wege und Gange erstreckt sich über mehr als 12 Kilometer. Die Stadt ist zum großen Teil aus dem festen Ge« stein herausgehauen worden, unb zwar entstand sie aus den Steinbrüchen, bie hier 'ür den Bau der großen Oper und anderer öffentlicher Gebäude von Poris in den Jahren 1R62 bis 1*74 eingerichtet wurden. Die dadurch entstandene Unterwelt lag langt Zeit öde unb wüst, bis findige Kopfe auf den Gedanken kamen, hier den ausgedehntesten Mittelpunkt der Pilzzucht zu schaffen, den es in ber Welt gibt Ein System von Rohren würbe angelegt, die durch die Straßen laufen, um die Pilzbeete zu bewässern. Die „Pilzftadt" gehört dem französischen Staat unb ist an die Champignon-Züchter aut lange Zeit oer« pachtet. Im Falle der Not könnte hier etn betracht« lidjer Teil der Bevölkerung der Oberwelt Schutz finden gegen Bombardements aus der Luft, unb die Flüchtlinge wären sogar gegen Gasangriffe sicher, denn diese Unterwelt hat cm vorzügliches Luitungs- System Die Champignon Zucht ist ein dankbares und einträgliches Geschäft. Jedoch werden bie jungen Pilze im Öaufe ihres Wachstums von einer Menge von Krankheiten bedroht, und die wichtigste Aufgabe besteht darin, die einmal befallenen Beete zu entfernen unb jode Ansteckungsgefahr zu verhindern, bevor weitere Beete angelegt werden. Die Leitung dieser Maßnahmen liegt in den Händen eines Fachmannes, der sofort jeden kranken Pilz untersucht, der ihm gebracht wird, unb die Verpflanzung solcher kranken Pilze an isolierte Stellen befiehlt Im gei- fterhaften Schein von Azetylen-Lampe.n werden die Champignons jeden Morgen um 5 Uhr gepflückt unb in Körbe verpackt Den ganzen Vormittag erfolgt bann ber Abtransport auf den unterirdischen Straßen, die von dem Lärm der Lastkraftwagen widerhallen. Die Körbe werden auf die Pariser Märkte gebracht oder nach anderen Städten Der« frachtet, die mit der leckeren Zucht versorgt werden. S.Jl.-'fpoit Spielvereinigung 1900 Gießen. rNainz-kastel siegt 4:1 (1:1). Dieses Treffen auf dem Sportplatz an der Lie- bigshöhe litt sehr unter der ungünstigen Witterung. Beide Mannschaften erschienen in der angekündigten Aufstellung bis auf den Mittelläufer Weiß ^Kastel), der durch Hoffmann ersetzt war. Bei 1**00 fehlte Glitsch, für den erstinals Kreiling (früher Wieseck) auf Halbrechts mitwirkte. Arnold spielte dafür rechter Läufer. Die Gäste spielten zunächst gegen den Wind. Die Hiesigen hatten dadurch mehr oom Spiel, waren feldüberlegen und trugen Angriff auf Angriff vor, ohne aber die vorzügliche Deckung des Gegners zu überwinden. Die Außenstürmer waren zu ungenau mit ihren Hereingaben, besonders Grob ließ sich zuviel auf Kampf ein; auch Heilmann hatte nicht seinen besten Tag. Läuferreihe und Verteidigung gaben die denkbar besten Vorlagen, aber nichts wollte gelingen, zumal die besten Mainzer Kräfte in Tor und Verteidigung standen. Endlich konnte Grob einen der vielen Schüsse ins Netz bugsieren. R o ck m a n n (Kastel) stellte aber bald den Ausgleich her. Außer einigen Eckbällen wurde beiderseits bis^zum Seitenwechsel nichts mehr erzielt. Nach Wiederbeginn ließen die Blauweißen bedenklich nach. Aus einem Eckball ging Kastel in Führung; ein Treffer, der unbedingt zu verhindern war. Unhaltbar war dagegen der dritte Erfolg der Gäste. Jetzt kam 1900 wieder etwas mehr aus. Der hilflose Sturm brachte aber nichts zuwege; selbst das verlassene Tor wurde zweimal verfehlt. Erschreckend schlecht war hin und wieder die Ballbehandlung. Bromm tauschte-mit H e i l m a n n , aber auch dessen Bemühungen waren ohne Erfolg. Ueberragend war nur heiler in der Verteidigung, dessen Verdienst es ist, daß das Spiel nicht höher verloren ging. Den vierten Treffer erzielten die Gäste aus einem Nachschub ins leere Tor, da Fischer bei einer entschlossenen Abwehr zu Fall gekommen war. Schiedsrichter W lobär e k (Wieseck) leitete vor gut 400 Zuschauern den fairen, jedoch nur bis zur Pause spannenden, Kampf unauffällig, mit Uebersicht und Geschick einwandfrei. Da das vorgesehene Spiel 1900 II — Weilburg I nicht zum Austrag kam, wurde die Begegnung 1900 IV — Grüningen I vor das Ligaipiel verlegt. Die Leistungen ließen, mit geringen Ausnahmen, viel zu wünschen übrig. Der knappe Sieg 3:2 (Halbzeit 3:1) der Gießener war verdient. Schiedsrichter Köhler (Gießen) zufriedenstellend. Lich I — 1900 III. Unter der einwandfreien Leitung von Schiedsrichter S ch n a u t h (Lollar) fand dieses Spiel in Lich statt. Bei 1900 waren einige Spieler nicht mehr berechtigt, so daß Lich kampflos die Punkte gewann. Das Gesellschaftsspiel sah nach ausgeglichenen Leistungen Lich als glücklichen 2:1-(Halbzeit 2:0-) Sieger. Brambach (1900) ließ den ersten Treffer versehentlich durch. Bei 1900 versagte der Sturm. KB. „Seufonio" Laubach. FD. Teutonia Laubach I — Spv. Altenburg I 4:2 (2:0). □ 2lm Sonntag trafen sich beide Mannschaften zu einem Gesellschaftsspiel. Es entwickelte sich ein spannender Kampf. Der Laubacher Sturm erwies sich als der kräftigere und konnte bis zur Halbzeit zweimal einsenden. Nach dem Seitenwechsel kamen die Gäste mehr auf. Nachdem sie einen Elfmeter verschossen hatten, konnten sie das erste Tor erzielen. Die Einheimischen fanden sich bald gut zusammen und konnten noch zwei weitere Erfolge erzielen, denen die Gäste nur noch einen Treffer entgegensetzen konnten. Die Plahelf stellte die bessere Mannschaft, die verdient gewann. — Das von den zweiten Mannschaften beider Vereine ausgetragene Spiel entschied ebenfalls Laubach mit 3:1 (2:1) für sich. Saalmeisterschasten im Gau Lahn des BOR. Der Gau Lahn im Bunde Deutscher Nadfahrer hielt am vergangenen Sonnt, g in Wetz'ar-Nieder- girmes seine diesjährigen Saalmeister- schäften ab. Wenn auch die abgegebenen Meldungen denen im Vorjahre nicht ganz gleich kamen, so wurden doch gute Leistungen gezeigt, die dafür Zeugnis ablegten, daß in unserem Gau der Saalsport auf beachtenswerter Höhe steht. Den Vorwettbewerben im Nadball schlossen sich die Endspiele und die Meisterschaften im Kunstfahren an. 2m Einer-Kunstfahren zeigte Walter Göbel, Niedergirmes, schwierige Hebungen, die ihm durchweg gut gelangen. Das Zweier-Kunstfahren sah die Gebrüder Göbel, Niedergirmes, auf ihrer alten Höhe, ebenfalls die Sechser-Kunstreigenmannschaft vom NV. v. 1885 Gießen; ihnen wurde reicher Beifall für ihre Leistungen ge-^ zollt. 2m Zweier-Zugendradball fertigten die Spieler des NV. Schwalbe Aßlar die Anfänger vom NC. Germania Gießen nach schönem Spiel mit 7:0 Toren ab. 2m Zweier- und Dreier- Nadball trafen die alten Rivalen NB. v. 1885 Gießen und NC. Germania Gießen in den Endspielen zusammen. Beide Mannschaften lieferten fich im Dreier-Radball einen gleichwertigen Kampf, den die glücklicheren „Germanen" mit 5:4 Toren gewinnen konnten und damit die Meisterschaft errangen. 2m Zweier-Radball gab es eine lleberraschung, indem die „Germanen" die „85er" glatt mit 13: 1 Toren abfertigten. Die Mannschaft vom RC. Germania war auf ihrer alten Höhe, während die vom RB. v. 1885, gemessen an den Spielen im vergangenen 2ahre, nicht wiederzuerkennen war. Sämtliche Kämpfe wickelten sich gut ab. Ein besonderes Lob gilt dem Gausaalfahrwart G ö - b e l und mit ihm dem austragenden Verein, der es verstanden hat, diese Veranstaltung denen der Vorjahre würdig anzureihen, dem Lahngau und dem DDR. zur Ehre. Geräiemannschastökampf der OT. Tv. Grüningen — Griedel — Münzenberg — Gambach (DT.). 2n Grüningen fand der Gerätemannschaftskampf der Turnvereine Grüningen, Griedel, Münzenberg und Gambach statt. Der erste Vorsitzende 2 s h e i m des Tv. Grüningen begrüßte die zahlreichen Gäste und Turnfreunde. Besonderer Willtommcngruß galt Gauoberturnwart Paul, Gaufrauenturnwart Schneider und Dezirks- turnwart Schüler, Wetzlar. Die Leitung lag in Händen von Gauoberturnwart Paul, der in einer Ansprache auf den Wert und das Ziel der Gerätemannschaftskämpfe hinwies. 2ede Mannschaft bestand aus 6 Turnern. Die Wertungen der fünf Besten jeder Mannschaft sind ausschlaggebend. Es wurden je eine Kürübung am Barren, Pferd und Reck, sowie :e 2 Kürfreiübungen geturnt. Am Darren stachen Grüningen und Gambach hervor. Mit 13O'/2 Punkten übernahm Grüningen die Führung vor Gambach mit 129, Griedel 123 und Münzenberg 122 Punkten. Am Pferd holte Gambach einen Punkt auf, Grüningen erhielt 137, Gambach 138; es folgen Griedel mit 118 und Münzenberg mit 120' Punkten. Dei den Freiübungen errangen Grüningen 42, Gambach 40>A, Griedel 43','2 und Münzenberg 42 Punkte. Grüningen konnte so seinen Vorsprung auf 2 Punkte vor Gambach erhöhen. Das Reck brachte folgende Gesamtwertung: Grüningen 119, Gambach 121' 2, Griedel 113 und Münzenberg 115. Nach Abzug der Punkte des Ersatzmannes ergab sich folgende Position: 1. Grüningen mit 370 Punkten, 2. Gambach mit 369, 3. Griedel mit 350, 4. Münzenberg mit 346'/2 Punkten. Aus dem Vergleich der Punktwertung geht hervor, daß ein spannender Kampf ausgetragen wurde. Gauoberturnwart Paul nahm die Preisverteilung vor. Eine gemeinsam gestiftete Plakette ging zum erstenmal in den Besitz des Tv. Grüningen über. Außerdem wurde jedem Verein eine künstlerisch ausgestaltete Urkunde überreicht. Der 2. Gauvertreter C. Schneider, Butzbach, ermahnte die Vereine seines Bezirks zur gedeihlichen Arbeit im Dienste der D. T. und zum Wohle des Vaterlandes. Gauoberturnwart Paul wies auf die Bestrebungen der Deutschen Turnerschaft hin und gab Anleitungen über die Gleichschaltung im Sinne des Führerprinzips innerhalb der D. T . Es wurden dann noch einige tadellose Keulenübungen von den Grüninger Turnerinnen gezeigt. Ebenso schneidig turnten die Griedler Turnerinnen am Barren. Das Programm wurde durch die musikalischen Darbietungen der Kapelle Bender gut umrahmt. Zum Schlüsse dankte der Vorsitzende 2 s h e i m allen, die zum Gelingen des Tages beigetragen hatten, besonders den Kampfrichtern, die ihres Amtes gerecht gewaltet hatten. Sandbail im Gau Hessen (O.T.) To. Lang-Gons I — Tv. Pahl-Göns I 8:6 (3:3). Die 1. Mannschaft des Turnvereins Lang-Göns hatte sich am vergangenen Sonntag in der 1. Mannschaft des Turnvereins Pohl-Göns einen spielstarken Gegner zu einem Freundschaftsspiel verpflichtet. Das Spiel begann mit schnellen beiderseitigen Angriffen, bei denen aber keine Mannschaft zu Erfolgen kommt. Kurze Zeit später konnten die Gäste in Führung gehen, doch glichen die Platzbesiher prompt aus. Nach Wiederanstoß kamen die Gäste auf und lagen bald mit 5:6 in Führung. 2m Endkampf gelang es den Gastgebern, noch 3 Tore vorzulegen und das spannende faire Treffen für sich zu entscheiden. Vorher spielten die 2. Mannschaften 5:4 für Lang-Göns. Die 1. Mannschaft des Tv. Lang-Göns empfängt am Sonntag die 1. des Tv. Lützellinden, desgleichen die 2. Mannschaften. Der Ausgang der Spiele ist nicht vorherzusagen. Turnverein Garbenteich. TV. Garbenteich I—TV. Krofdorf I 10:7. TV. Garbenteich II—TV. Krofdorf II 5:3. Am vergangenen Sonntag hatte der Turnverein Garbenteich die I. und II. Mannschaft des Turnvereins Krofdorf zu Gast. Die Gäste stellten eine recht gute Elf, wogegen der PlatzbesPer seine ganze Kraft aufbieten mußte um obiges Resultat zu buchen. Im Spiel der II. Mannschaften kam der Gastgeber ebenfalls zu dem verdienten Siege. Tennis. Vezirks-Medenweltspiele des Dez. IX Klaffe B. Gießener Tennis-Club 1922 e. v. schlägt Kurhefsen- Kassel 7:2. Nachdem der Tennis-Club Kurhessen Kassel am letzten Sonntag den Tennis-Club Blau-Weiß Kassel in den Bezirks-Medenwettspielen 6 :3 ausgeschaltet hatte, trat der Gießener Tennis-Club 1922 auf den Kurhessen-Plätzen in Kassel gegen den Sieger an. Bereits in den Einzelwettspielen hatte Gießen mit 5:1 den Sieg sichergestellt; in den Doppel-Spielen wurde das Ergebnis noch auf 7:2 erhöht. Gießen stellte folgende Manns^aft: Einzel: Dr. Fischer, Dr. Schoppcr, Lier, von G r o l m a n, K. Fischer, Dh Dönges. — Doppel: von Grol- man-Lier, Dr. Schopper-K. Fischer, Dr. Dönges-Engis ch. — Das Amt eines Oberschiedsrichters wurde am Vormittag von Mees- mann, Gießener Tennis-Club, versehen. Oer Deutsche Kanuverband gleichgeschattet. Die Gleichschaltung des Deutschen Kanu-Verbandes erfolgte auf einem nach Frankfurt einberufenen Verbandstag, zu dem alle elf Kreise Vertreter entsandt hatten. Als Kommissar der Regierung leitete Dr. G e i s o w, Frankfurt, die Tagung. Der Vorsitzende Dr. Eckert, München, gab das Treuegelöbnis des Deutschen Kanu-Verbandes zur neuen Regierung und ihrem Führer ab und teilte mit, daß die von der Tagung vorbereiteten Satzungsänderungen, wie Einführung des Arier-Paragraphen, Annahme des Führerprinzips und Aufnahme des Wehrsports bereits auf dem vor einigen Monaten stattgefundenen Kölner Verbandstag verankert wurden. Dr. G e i s o w erläuterte die Angliederung des Sports in die nationalsozialistische 2deenwelt unter den großen Ge-, sichtspunkten: Dlutbekenntnis, Leistungsbekenntnis und Führerprinzip. Auf Vorschlag von Dr. G e i s o w wurde der bisherige Vorsitzende Dr. Eckert, München, als kommissarischer Verbandsleiter, bis zur endgültigen Regelung durch den Reichssportkommissar, ernannt. Die bisherigen Kreisvorsitzenden wurden von Dr. Eckert bis auf weiteres in ihren Aemtern belassen. Kirchliche Nachrichten. Freitag, den 12. Mai. Gießen. 20 Uhr: Maiandacht. Wirtschaft * Türkischer Eisenbahnauftrag für die deutsche Jndu st rie. Der Vertrag zwischen dem unter Führung der Fr. Krupp AG. stehenden deutschen Konsortium und der türkischen Regierung über die Lieferung von Eisenbahnmaterial für die Türkei ist zwar nunmehr paraphiert worden, doch sollen, wie WTB.-Handelsdienst erfährt, noch einige Fragen der Klärung bedürfen. Lieferung und Bezahlung (Gesamtwert des Auftrages etwa 20 Millionen Mark) sollen sich über mehrere Jahre erstrecken. * Hessen-Nassauische Gas AG., Frankfurt - H ö ch st. Die GV. der zum Konzern Thüringer Gas gehörenden Gesellschaft erledigte ohne Debatte die Regularien für das Geschäftsjahr 1932. (wieder 5 v. H. Dividende aus 324 976 Mark Reingewinn). In der voraufgegangenen GV. des Gaswerkes Langenselbold AG. wurden die Regularien ebenfalls genehmigt. Frankfurter Abendbörse fest. Frankfurt a. M., 10. Mai. 2n Weiterwirkung der Diskussionen über die in Bälde zu erwartende organische Zinssenkung blieb die Abendbörse f e st gestimmt. Gegenüber den Berliner Schlußnotierungen ergaben sich meist neue Kursbesserungen um etwa 0,50 bis 1 Prozent Das Geschäft war allerdings klein, da seitens der Kundschaft nur wenig Orders vorlagen. Etwas größere Tlmsahtätigkeit hatten 2.-G.-Far- ben mit plus 1,13 Prozent, auch Kali Westeregeln hatten einen Gewinn von 3,50 Prozent, und Südd. Zucker einen von 2 Prozent zu verzeichnen. Dagegen zeigten von Kunstseideaktien Aku nachlassende Tendenz. Am Rentenmarkt erhielt sich vor allem Inter- esse für die Altbesitzanleihe (plus 0,39 Prozent) und späte Reichsschuldbuchforderungen (plus 0,50 Prozent). Stahlverein-Bonds waren nach unverändertem Beginn später 0,75 Prozent höher. Goldpfandbriefe wurden etwa 0,25 bis 0,50 Prozent fester taxiert. 2m Verlaufe blieb die Stimmung fest, wenn auch keine nennenswerte Kursveränderungen mehr eintraten und auch die Llmsahtätigkeit nicht größer wurde. Lahmeyer kamen heute abend schließlich mit 129 um 6 Prozent fester zur Notiz. Von Bankaktien gingen Deutsche Bank und Diskonto- Gesellschaft erneut um 1 Prozent auf 65 Prozent zurück. — Neubesitzanleihe 13,30, Altbesitzanleihe 77,50, Schutzgebietsanleihe 8, 6proz. Stahlverein- Bonds 68,75 bis 69,50, Reichsbank 133, Harpener 105, Kali Westeregeln 145,50, Mannesmann 79,75, Rheinstahl 95,75, Stahlverein 44 bis 44,50, Aku 35, Bekula 111,50, Cement Heidelberg 81,65, Deutsche Erdöl 119,75 bis 120, 2.-G.°Farben 134,89, Gesfürel 102, Holzmann 61,50, Schuckert 115,25, Siemens 162, Hapag 19,50, Nordd. Lloyd 20,25. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 10. Mai. Bei stetiger Grundstimmung verkehrte die heutige Getreidebörse mangels Anregungen in ruhiger Haltung. Das Angebot blieb klein, aber auch die Nachfrage war nur auf die Deckung des notwendigsten Bedarfs beschränkt. Von Brotgetreide bröckelte Weizen leicht ab» im übrigen blieben die letzten Notierungen vom Montag gut behauptet. Weizen- und Roggenmehl hatten bei unveränderten Forderungen nur kleines Geschäft. Am Kraftfuttermittelmarkt blieben Mühlennachprodukte infolge des knappen Angebots gut behauptet. Es notierte (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kg.) in RM.: Weizen 215.00, Roggen 172.50 bis 174.00, Hafer 147.50 bis 150.00, Weizenmehl südd. und niederrhein. Spez. 0 mit Austauj.hweizen 30.15 bis 31.50, Roggenmehl 60prozentige Ausmahlung 23.35 bis 24.85, Weizenkleie 7.60, Roggenkleie 8.60. In Handelsklassenware fanden keine Abschlüsse statt. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Mehr Ruhebänke! Einen der genußreichsten Ausblicke in der nächsten Umgebung auf die Höhen um Gießen gewährt der Rodberg, und zwar das von vielen Wegen durchzogene freie Feld zwischen dem neuen Friedhof und der Eisenbahn. Hoch oben auf dem Felde prangt ein leicht zugängliches Bänkchen, ich könnte auch sagen „das Bänkchen , denn ein zweites ist dort nicht zu finden. Die Stelle, wo es steht, ist gut ausgewählt. Es lädt die Vorübergehenden zur kurzen Rast ein, nicht allein die Friedhofsbesucher, die nach ihrer Andacht gern ein Stück Wegs über Feld und Flur nach Haufe gehen, sondern auch Spaziergänger, und zwar meist ältere, die das Gewühl der Menge auf anderen belebten Wegen meiden wollen. Der Weg führt vom Viadukt aus längs der Bahn mäßig in die Höhe, und das Bänkchen grüßt schon von weitem den Spaziergänger, sobald dieser die Höhe zu dreioiertel erreicht hat. Aber o Schrecken — er sieht die Bank besetzt, und sie ist bei gutem Wetter immer und immer besetzt, so oft er nur den Weg nach der Höhe nimmt. Es bleibt dem müden Spaziergänger, der es vielleicht mit dem Herzen zu tun hat, nichts übrig, als umzukehren, denn er müßte ja doch die ersehnte Ruhe auf dem Bänkchen entbehren. Namens vieler anderer möchte ich deshalb den Stadtvorstand oder auch den Derkehrsverein dringend bitten, für Aufstellung noch einer oder die andere Bank an jenem prächtigen Aussichts- und Ruhepunkt zu bitten, damit es nicht einmal von einem ermüdeten und vergebens nach einem Ruhe- dänkchen lechzenden Spaziergänger in Anlehnung an das Schicksal Ritter Toggenburgs heißen möge: „Und man fand ihn, eine Leiche, Schon dem Friedhof nah'; Nach dem Bänkchen noch das bleiche, Stille Antlitz sah." Stl. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Frank,ur< a. M. Derlm Frankfurt a. M. Berlin Schluß« kurs Schlußk. Abend» börse Schlußkurs Schlußk. Miiiag« bSrse Schlußkurs Schluß!. Abend« börse Schlußkurs Schluß!. Millag- '■Datum 9.5. 10-5. 9.5. 10-5. Dalum 9.5. 10-5. 9.5. 10.5. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1921 84 84 84 83,75 4% beSgl. Serie II ............ 6,35 6,4 5 fi 6,4 6,4 5,75 6% efcm.7% Dt. ReichSanI. v. 1929 94 94,65 94,4 94,3 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 6'A% Doung-Anleihe von 1930 .. 78,25 79,25 •78,5 79,13 4l4%Rumän.vereinh.Reniev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente . 3%% Anatolier .............. 10,25 10,25 10.95 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mti Auslos.-Rechten ............ Desgl. ohne AuSlos.-Rechte...... 74,9 12,95 77,5 13.3 75,13 12,85 77,2 13,3 4,75 29,13 4,8 29,4 4,75 29,4 4,7 29,75 6% ehem. 8% Hess. Volksstaat 1929 srmkzahlb. 102%) ........... 81,75 . 83 81,75 83 Hamburg-Amerika-Paket ..... < Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 18,5 19,5 18,13 19,13 Oberhelsen Provinz-Anleihe ml — — 35 35,75 Auslos.-Rechten ............ 69 69,5 — _ Hansa Dampfschiff...........0 —— — 31 30,75 6% Hess. Landesbank Darmstadt Norddeutscher Llohd .........0 19,25 20,25 19 20 Gold R. 12........ 84,5 84,5 85 _ 81.®. für Verkehrswesen Akt. .. 0 51,25 54,5 52,75 54,9 5'i% Hess. Landes Hypotheken- Berliner Handelsgesellschaft.... -i 98 98,5 98,5 99 bank Darmstadt Liqui...... 87 87 _ _ Commerz» und Prioat-Bank... 0 51,75 51,75 52,25 52,25 Deutsche Komm. Sammelab l.An Deutsche Bank und Disconto» 67 leihe Seriel mit Auslos.-Rechten 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Ban' 69,25 71,9 69 70,65 Gesellschaft................(> 66 67 67 Dresdner Bank..............o 61,25 61 61,25 61 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1985 6% ehem. 7% Franks. Hhp.»Ban> 85,75 85,5 — RelchsbatU ................. i 129 133 128,75 133,25 Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 85,65 — — A.E.G...................... . 29,25 28,25 29.13 27,75 100,5 6yz°ö ehem. 4>4% Franks. Hyp. Bank-Liqu. Pfandbriefe ..... Elektr. Licferungsgcselllchaft ... t 97 99,5 97,75 86 86,25 — — Licht und Kraft ............. r 112 114,25 112,5 &’/:% ehem. i>/z% Rheinische Hhp.-Bank-Liau.-Goldpfe. ... Felten & Guilleaume ........o Gesellschaft für Elektrische Unter- 68,5 72,25 68,5 86 86,5 — — 6% ehem. 8% Pr.Landespsand briefanstalt, dVr.Rbriefc R. 19 nehvtungen............... i 99,9 102 99,9 101 6 —— 85 86 85,75 Rheinische Elektrizität ........6 95,5 101 96 100 6% ehem. <% Pr. Laiidespiaud Schuckert L Eo..............o 112 115,25 112 4 115,25 _ briefanftalt. Pfandbriefe R. 1( 85,5 85.5 8b 86 Siemens & Halske...........! 160 162 158,5 Verrechnungskurs...... ... 85,13 85,13 — LahmeherLEo..............10 - 129 122 4% Oesterreichliche Goldrente... _ 14,25 14,5 14,75 Änderns ................... । 76 79,75 76 79 9 4,20% Lefterreichilche Silberrente 4% Ungarische Ololbrciite....... — 1,15 1,2 Deutsche Erdöl ..... 4 Gelsenkirchener..............o Harpener...................0 117,5 67 103 120 68,5 105 116,5 66,75 102,4 119 68,25 104 «7o ungarische Staatsrente v. 1910 4Vt% desgl. von 1913.......... ofigeft. Goldmexikaner von 99 ZoUanleihe von 1911 6,6 Bagdadbahn-Anleihe — — — 8 6,4 6,4 6,45 6,4 8,13 6,4 6,4 8,25 6,4 6,4 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen.. 0 Ilse Bergbau ...............7 Ilse Bergbau Genüsse........7 Klöcknerwerke ...............0 Mannesman n-Röhrcn........0 117 65J, 119 67,75 76,75 169 118,75 65 79.75 169.75 119 66,65 77 79,5 76,4 73.65 Franlsun a. M. Äerlin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Schluß« kurs Schlußk. Abend- börsc Schlußkurs Schlußk. Mittagbörse 9.Mai 10.Mai Amtliche Notierung Geld | Aries Amtliche Nolierung Geld | Brief Datum 9.5. 10.5. 9.5. 10.5. Mansteioer Bergbau.........0 Kokswerke ..................0 Phönix Bergbau.............0 Rheinische Braunkohlen ......10 Rbcinliabl ...............o 30 42,5 208,5 91,25 41,9 18,75 142,25 206,5 129,25 170,5 51,5 58 60 80,25 34 45,75 55 23,75 32,25 49,5 24,5 163 29 70 169 31 45 207,5 95,75 44 18,75 142 145,5 208,5 134,9 171,5 53,5 59,5 38 61,5 81,65 35 47 56 26,5 33 51,5 24,5 165,5 27,5 69 170 30,25 89,5 42,4 206 91,25 42,13 18,75 141,5 141,5 206,75 129 51,75 57,75 37 - 126 35,25 46,25 54,75 25 115,5 32 49,25 51 24,75 163,5 • 170 32,25 89,9 44,4 207,25 95,5 43,9 19,25 142 142 208,5 133,75 53,25 59,13 37,25 128,25 35,13 47 56 27 115,75 32,9 51 52 24,4 165 28 168 Helsingsor-. Wien...... Prag....... 6,264 45,45 12,64 3,047 168,78 72,33 63,29 73,53 14,195 0,853 3,636 58,39 22,07 16,48 80,87 35.96 82,12 0,869 0,239 5,195 12,94 6,276 45,55 12,66 3,053 169,12 72,47 63,41 73,67 14,235 0,857 3,644 58,51 22,11 16,52 81,03 36,04 82,28 0,871 0,241 5,205 12,96 Banknoten 6,264 45,45 12,64 3,047 169,23 72,33 63,29 73,43 14,195 0,853 3,596 58,54 22,15 16,56 81,17 35,96 82,17 0,869 0,239 5,195 12,94 6,276 45,55 12,66 3,053 169,57 72,47 63,41 73,57 14,235 0,857 3,604 58,66 22,19 16,60 81,33 36.04 82,33 0,871 u,241 5,205 12,96 Budapest ... Sofia..... Holland .... Oslo....... Bereinigte Stahlwerke...... . o Otavi Minen ...............o Kaliwerke Aschersleben........6 Kaliwerke Westeregeln........6 Kaliwerke Salzdetfurth.......f I G. Färben-Industrie.......7 Schcideanstalt...............10 Goldschmidt ................0 Rütgcrswerke...............0 Metallgcsellschast.............( Philipp Hohmann...........0 Zementwerk Heidelberg ......4 Cemenuocrk Karlstadt.........0 Schultheis Payenhoser........o Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 Bemberg...................o Zellstosk Waldhof............o Zellstoff Aschaffenburg .......o Dessauer Gas ............... Daimler Motoren............ o Deutsche Linoleum ..........o Orenstein L Koppel ..........o Leonhard Tietz.............. g Chade........................ «ritzner....................0 Mainkraftwerke Höchst a.M. ... 4 Süddeutscher Zucker ......... e Kopenhagen. Stockholm.. London ..... Buenos Aires Ncuyork .... Brüssel..... Italien..... Paris...... Schweiz .... Spanien.... Danzig.... Japan...... Rio de Jan. Jugoslawien Lissabon... Berlin, 10.Mai Geld Brief Amerikanische Belgische Note Dänische Note Englische Note Französische N Holländische 9 Italienische N Norwegische N Deutsch Oester Rumänische N Schwedische N Schweizer No Spanische Not Ungarische Not Noten.............. n.................. n ............... . n ................. ote« ............... oten............... iten................ oten .............. reich, ä ioo Schwing oten............... oten............... en................. 3,55 ' 58,38 62,92 14,15 16,52 168,86 22,04 72,16 2,46 73,25 80,99 35,83 3,57 58,62 63,18 14,21 16,58 169,54 22,12 UM 2,48 73,55 81.31 35,97 en ................