Prorf und Verla«: vrW'schc Unlveisitäis^uch: und Lleindruckerti S. xm Bild Die Scholl, Monat,-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe». Postscheckkonto: 5ranifurt am Main 11686. nr.o 185.3«N««g M«w.ch.U.3-»m-,W3 GietzemrAnzeiger Generai-Anzeiger für Gberhesfen Da« russische Hälfet Eine Bilanz des Zünfjrchresplanes. Don unserem russischen v.-Berichterstatter. , Moskau, Januar 1933. Die meisten russischen Reiseberichte stammen von Verfassern, die über Kowno nicht hinausgekommen sind und dort das höchst einseitige Material polnischer und englischer Nachrichtenagenturen verarbeiten. So sind in Westeuropa immer noch die unterschiedlichsten Ansichten über das russische Riesenreich verbreitet. Die einen glauben an den baldigen Zusammenbruch und einen völligen Regierungswechsel. Kommunistische Zeitungen dagegen zählen wahllos industrielle Erfolge auf, ohne die russische Industrie und ihre Produktion im Gesamtrahmen der russischen Staatswirtschaft und des Volkslebens zu sehen. Die Wahrheit liegt ausnahmsweise sogar nicht einmal in der Mitte, denn Rußland wird auch in diesem Jahre keine Krisen erleben, die irgendwie das Sowjet-Regime in Frage stellen werden, und die Statistiken über die Industrialisierung Rußlands sind keineswegs gelogen. Rußland bleibt auch nach dem Abschluß des Fünfjahresplanes, dessen letztes Jahr soeben zu Ende geht, das große Rätsel. Rätselvoll für jeden Deutschen schon deshalb, weil er sich einfach nicht vorstellen kann, wie der Russe mit den ihm zugeteilten Nahrungsmitteln leben kann. Aber der Russe lebt doch, und es ist gerade in den letzten Jahren eine so außerordentliche Zunahme der Bevölkerung durch die hohe Geburtenziffer und die Verringerung der Säuglingssterblichkeit erfolgt, daß man das russische Rätsel nur mit einer Aushilfslösung erfassen kann, jener Aushilfslösung, die jeder Iung- bolschcwist, der von Partei wegen eigentlich zum Internationalismus verpflichtet ist, einem in beinahe nationalistischer Überheblichkeit erteilt: „Wir sind das jüngste Volk der Welt! Was seid ihr alten Nationen gegen uns?" Nicht der kindische Kampf der Gottlosenoerbände, nicht das Verbot der Weihnachtsbäume, nicht die drangvolle Enge in den Moskauer Straßenbahnen ist die russische Wirklichkeit. Dies alles trägt nur zu dem widerspruchsvollen Bilde bei, welches das heutige Rußland bietet, Fabriken und Kraftwerke in i unerhörtem Ausmaß neben schlangestehenden Hungernden, aus der Erde gestampfte Städte tief drinnen, m der Steppe neben zerfallenden Straßenfronten in Petersburg und Moskau, Mutlosigkeit und Verzweiflung neben dem hemmungslosen Optimismus der Iugendverbände, erst aus all diesen Gegensätzlichkeiten ersteht die russische Wirk- lichleit an der Jahreswende 1932 33. Der Fünf juhresplan, der für den Kommunisten eine geradezu mystische Verheißung und eine Art von Kreuzzug bedeutet, ist weder, wie seine Feinde e_. voraus gesagt haben, ein vollkommener Mißerfolg geblieben, noch wurde er, wie besonders die westeuropäischen Kommunisten verkündeten, zu einer Vorstufe des Paradieses auf Erden. Es besteht gar fein Zweifel daran, daß auf einigen Gebieten der Fünfjahresplan weit überschritten wurde. So lassen in der Erdölgewinnung, in der Herstellung von Traktoren und landwirtschaftlicher Maschinen, die erreichten Ziffern die Planziffern erheblich hinter sich. Dagegen konnten die für das letzte Jahr vorgesehenen 75 Millionen Tonnen Kohlen, 10 Millionen Tonnen Eisen und 10 Millionen Tonnen Stahl nicht im entferntesten produziert werden. Auch die Güte und Leistungfähigkeit der Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen läßt manches zu wünschen übrig. Dennoch sollte man in Westeuropa keineswegs in den Fehler verfallen und die Zunahme der russischen Macht innerhalb des Fünf- jahresplanes unterschätzen. Die 1932 der Staatswirtschaft übergebenen Werke, das Riesenkraftwerk Dnseprostroi, die Trattorenfabriken Stalingrad und Charkow, das große Werk zur Herstellung von Raupenschleppern und Par^erwagen in Tscheljabinsk, ferner die imponierenden Automobilfabriken in Amo und Nischni-Nowgorod, die Stahlwerke in Magnitogorsk und die großen landwirt- schaftlM-en Werkstätten in Rostow, sie werden, wenn erst einmal d i e Lebensmittelschwierigkeiten für die russische Bevölkerung überwunden sind, Rußland so gut wie unabhängig vom Weltmarkt machen. Und nur unter diesem einen Gesichtspunkt sollte man in den übrigen Hauptstädten der Erde den Fünsjahresplan bewerten: wird Rußland wieder eingeschaltet werden können in die große Weltwirtschaftsordnung, ober aber bleibt Rußland künftighin ein autarkes Gebiet mit eigenen Gesetzen, die die gesamte Wirtschaft zu einem Kriegsmittel des Staates machen. Und da bleibt nichts anderes übrig, als festzustellen, daß Rußland für immer der Weltwirtschaft verloren ist, und daß der Umbau der Wirtschaft zum staatlichen Kampfmittel Seite an Seite mit der Wehrmacht sehr bald zu einer Bedrohung der übrigen Weltmächte führen kann, die allenfalls noch mit dem Zug der Mongolen unter Dschinghiskhan verglichen werden dürfte. Die innere Festigung Rußlands kann jedoch nur fortschreiten, wenn es gelingt, den Fünfjahresplan auch dort zu verwirklichen, wo er zu nichts anderem als zu einer vollkommenen Desorganisation der Ernährungswirtschaft geführt hat. Denn auch fernerhin bleibt für Rußland entscheidend nicht der Arbeiter, sondern der B a u e r. Hier aber hat sich in den letzten fünf Jahren seelisch nichts, und materiell alles nur auf das Verhängnisvollste gewandelt. Wohl sind die äußeren Planzifsern für die Kollektivierung der Landwirtschaft und die (Enteignung des bäuerlichen Besitzes erreicht worden, aber die 30 Millionen Morgen Staatsgüter und die mehr als 60 v. H. der Gesamtlandwirtschaft aufweisenden Kollektivfarmen haben bisher in keiner Weise die Lebensmittelversorgung Rußlands zu sichern vermocht. Die Finanzlage des Reiches. Bericht des Reichsfinanzministers im Haushaltsausschuß des Reichstages. D e r l i n, 10. Ian. (DDZ.) 3m Haushaltsaus- !chuß des Reichstages begann am Dienstag die s i nanzp olitische Aussprache. Reichsfinanzminister Graf Schwerin v. Krosigk gab zunächst einen ausführlichen Heberblid. Das Rechnungsjahr 1931 hat mit einem Gesamtsehl- betrag von 1690 Will. Mk. abge'chlo'sen. Diese letzen sich zusammen aus dem Fehlbetrag aus dem Jahre 1930 in Höhe von 770 Mill. Ml., der sich dadurch erklärt, daß von dem eigentlichen Fehlbetrag von 1190 Mill. Mk. im Jahre 1931 420 M:ll. Mk. getilgt worden waren, dem Defizit des e^racrbinariumS in Höhe ton 470 Mill. Mk. und dem eigentlichen Defizit des Ordinariums des Jahres 1930 in Höhe von 450 Mill. Mt. Das eigentliche Defizit des Jahres 1931 in Höhe von 450 Mill. Mk. setzt sich aus einem Zurückbleiben der Einnahmen in Höhe von 116 Mill, und aus Mehrausgaben in Höhe von 334 M:ll. Mk. zusammen. Die Steuer» mindereinnahmen des Jahres 1931 betragen gegenüber dem Ctatsansatz an sich 382 Mill. Mk. Wenn sie trotzdem nur als Mindereinnahme in Höhe von 116 Mill, erscheinen, so erklärt sich das durch ein Mehrauskommen insbesondere aus der Münzprägung, die im Etat nicht vorgesehen war. Aus dem Jahre 1930 ist ein Rettorest von 158 M.llionen für das 3ahr 1932 übernommen worden. Heberschreitungen sind im Jahre 1931 im Ge- samt betrag von 494 Mill. Mk. eingetreten, die sich durch die Wir.schaslscnlw.cklung im Jahre 1931 erklären, insbesondere seit der 3uli-Krisr. 3n diesen 494 Mill. Mk. sind enthalten 26 Mill, zur Verbilligung von Fr.sch-leisch, 52 Mill, für Siedlungszwecke, 57 Mill, für die Münzprägung, denen aber ein entsprechend hoher Einnahmeposten gegenübersteht, 96 Mill, zum Erwerb von Vorzugsaktien der Dresdner Vanl, 23 Mill. Be° te;I.gung an der ll.orddeutschen Kreditbank und Akzeptbank, 85 M.ll. Kassenkredite an notleidende Länder, 23 Mill. Zuschüsse zur Rationalisierung g iwerblicher Gcnosscnjchaften und 33 Mill, für d e landwirtschaftliche üiim,chuldung rn Ostpreußen. Rach diesem Heberblid über das Ergebnis des Jah-res 1931 ging der Minister auf das Etats- ia5*r 1932 ein. Für 1,32 trat e n S uerauflommen Don 7,764 Milliarden veranschlagt. 3m' ganzen 3 f h.n tu vj man mit eine a M.nteraullvmmen bvn rund 800 Millionen an Steuern und Zöllen rechnen müssen, in das sich Reich und Länder teilen, so daß wir insgesamt Ende des Rechnungsjahres 1932 einen Fehlbetrag von 2070 Millionen haben werden. Warm man sich überlegt, daß in diesem Fchl° b.trag die 470 Millionen Cxtraordinarium sind, die w.r aus früheren Jahren mitgeschieppt Haven, so ergibt sich, daß wir in Wirklichkeit im ordentlichen Haushalt einen Fehlbetrag von 1,5 Milliarden haben, die taliä hlich den Fehlbetrag aus den Krifenjahren 1 930 b i s 19 32 bar [teilen. Das ist ein finanzielles Ergib- i uis, das in Anbetracht der durchlebten schweren Krise erträglich erscheint. Wenn man auf der 1 anderen Seite s eh., daß Amerika das Etatsjahr 1931 32 mit einem Fehlbetrag von 2,9 Milliarden Dollar, also über 10 Milliarden Mark, abgeschlossen hat, daß auch Frankreich sich mit einem Defizit plagt, das 23 Milliarden Franken in diesem Jahr beträgt, so ergibt sich immerhin, daß u. ser Se^ .betrag bei aller Schwere, die er kastenmäßig und etalsmäßig bedeutet, an der Schwere der Krise dieser drei 3ahre gemessen, ein Ergebnis darstellt, das nicht allzu gefährlich ist. Heber den Stand der Schulden des Reiches erklärte der Minister, die Schulden betrugen am 31. März 1932 - 12,152 Milliarden und am 31. Dezember 1932 - 12,264 Milliarden. Die Lage des letzten Vierteljahres wird allerdings dazu führen, daß wir in diesen drei Monaten eine weitere Zunahme der schwebenden Schuld erleben werden. Der Minister gibt dann eine Heberfidjt über die vom Reich übernommenen Bürgschaften. 3bre Summe betrug am 1. April 1932 2015 Mil- honen Mk., am 1. Oktober 2146 Millionen Mark einschließlich 150 Millionen Mk. für Wech- selkredite zu dem Zweck der Arbeitsbeschaffung bei dem Straßenbau und bei der Wasserwirtschaft. Auf die Landwirtschaft entfallen davon 270 Millionen, und zwar 71 Millionen auf Düngemittelkredite und 117 Millionen auf die landwirtschaftliche Hmschuldung auf Grund des Ost» Hilfegesetzes. Leim Düngemittelgeschäft erwartet man statt des ursprünglich angenommenen Ausfalls von 15 Millionen nur noch einen solchen von 5 bis 6 Millionen. Auf Handel und Gewerbe entfallen Bürgschaften von 637 Millionen, auf Schiffahrt und Verkehr 96 Millionen, auf Reedereien 47 Millionen, Wohnungs- und Siedlungswesen 155 Millionen. Die Bürgschaften für die Tanken betragen 759 Millionen. Aus früheren Jahren besteht noch eine große Zahl von Garantieermächtigungen. Sofern wir davon nicht in absehbarer Zeit Gebrauch machen müssen, wollen wir sie für erledigt erklären. Allein für die Landwirtschaft sind noch 467 Millionen Garantieermächtigungen offen, von denen 380 Millionen für erledigt erklärt und nur 87 Millionen offen gehalten werden sollen, die bei der Hm» schuldung im Osten benötigt werden. Beim Wohnungs- und Siedlungswesen bestehen noch Garantieermächtigungen von mehr als 1100 Millionen, von denen ebenfalls ein erheblicher Teil für erledigt erklärt werden soll. Eine erhebliche Rolle für die Belastung der künftigen Jahre spielen die Schahanweisungen für Stühungszwecke, deren Gesamtsumme 1207 Millionen beträgt. 892 Millionen entfallen davon auf frühere Regierungen, 315 Millionen auf das Kabinett Papen. Jedenfalls wird man für die Jahre 1933 bis 1937 aus den für Stützungszwecke begebenen Schatzanweisungen mit einer jährlichen Belastung zwischen 125 und 200 Millionen rechnen müssen. Hinzu kommt die Belastung aus dem Arbeitsbeschassungspro- gramm der Regierung Papen in Höhe von 340 Millionen. Diese Belastung beträgt für die Jahre 1933 bis 1935 im Jahresdurchschnitt etwa 115 Millionen. Endlich haben wir die Belastung aus den Steuergutscheinen. Wenn diese in der vorhergesehenen Höhe von 2,2 Milliarden begeben werden, würde das in den nächsten fünf Jahren einschließlich der Zinsen eine jährliche Belastung von rund 500 Millionen ergeben. Für die Jahre 1934 und 1935 wäre die Belastung also besonders schwer, nämlich 740 Blillionen jährlich, von 1936 ab würde die Belastung dann etwas absinken. Diese Summe verliert etwas ihre Schrecken, wenn man mit ihr vergleicht, daß wir im Augenblick im Etat noch immer 900 Millionen Mark allein für Arbeitslosen- und Wohlfahrtslasten der Gemeinden aufzubringen haben. Sie verliert auch dann an Gewicht, wenn wir bedenken, daß wir in den Jahren 1929/32 insgesamt bei Reich, Ländern und Gemeinden ein Wenigerauskommen an Steuern von 6 Milliarden batten. Rur zum Teil i wurde dieses Wenigeraufkommen aufgehoben I durch eine umfangreiche Liste von Adolf Hitler in Berlin. D e r I i n , 10. Jan. (ERB.) Adolf H i t l e r hat sich heute, dem „Angriff" zufolge, unter kurzer Unterbrechung feiner Tätiget im lippeschen Wahlkampf vorübergehend nach Berlin begeben. Er ist heute früh hier mit seiner ständigen Umgebung und in Begleitung von Dr. Göbbels eingetrossen. Der Zweck des nur kurz bemessenen Aufenthaltes ist, wie das Blatt berichtet, eine Besprechung mit Reichstagspräsident Göring, der soeben von einer Reise nach Schweden zurückgekehrt ist. Rätsikraien rn Berlin. Eine halbamtliche M in ngsäutzcrung. Berlin, 10. Jan. (ERB.) In politischen Kreisen bat die plötzliche Reise Hitlers nach Berlin einiges Aussehen erregt. Es mußte auffallen, daß der Führer der RSDAP. seine Propaganda tät:g..it im lippischen Wahlkampf unterbrach, um, wie der „Angriff" erhärte, in Berlin eine Besprechung mit dem Reichstags- Präsidenten Göring zu haben, obgleich der Ältestenrat erst am 20. Januar wieder zusammen tr tt, für irgendwelche Erö.'.erungen über die parlamentarische Taktil allo an sich Zeit gewesen wäre, auch nach den lippischen Wahlen. Gerüchte wollten heute abend von einer Zusammenkunft zwischen Hitler und dem Reichskanzler wissen. In unterrichteten Kreisen, die der Regierung nahe stehen, wird aber mit Bestimmtheit erklärt, daß eine solche Zusammenkunft nicht stattgefunden hat, und ebenso wird eine Fühlungnahme durch Mittelsmänner dementiert. Es wird hinzugefügt, daß, wenn Hitler um eine Unterredung nachsuchen würde, der Reichskanzler natürlich bereit wäre, ihn zu empfangen. Da Hitler aber am morgigen Mittwoch wieder von Berlin abreifen will, wird mit einer Zusammenkunft auch nicht gerechnet. Ebensowenig kommt eine Besprechung mit Geheimrat Hugenberg in Frage, da dieser nicht in Rerlin anwesend ist. Unter diesen Umständen nimmt man an, daß der Berliner Aufenthalt des nationalsozialistischen Führers Geschäften dient, die mit internen P a r t e i v e r hä l t n i f s e n zusammenhängen. Es hat deshalb auch keinen Zweck, ein großes Orakelspiel mitzumachen, das der Reise in der OÖffentlichkeit sicher folgen wird. Ueberhaupt ist man in politischen Kreisen der Auffassung, daß von den Gesprächen, die in ter letzten Zeit zwischen einzelnen Persönlichkeiten stattgesunten Haven, ein Aufhebens gemacht wird, das weit über den sachlichen Wert hinausgeht, der ihnen zukommt. Eine Richligstellung zum ßiflenSnfervieto. Berlin, 10. Jan. (TU.) Zu den gestrigen Aeußerungen Hitlers auf eine Reihe von Fragen des Reichspressechefs der NSDAP, teilt der „A n - griff" mit, daß sich in dem von der NSK. verbreiteten Text sinnentstellende Uebermittlungs- fehler eingeschlichen hätten Danach muß es in dem von der Telegraphen-Union wiedergegebenen Text in der e r st e n Antwort Hitlers' richtig heißen: „Tatsächlich war ja meine Forderung keine andere, als gerade die Uebertragung der poli - tischen (statt persönlichen) Verantwortung an die Seitdem im Winter 1929 30 als Ergebnis und seelische Reaktion der überstürzten Enteignung f a st der gesamte Viehbestand Rußlands vernichtet wurde, mußte von Jahr zu Jahr auf dem Land und in der Stadt, mit Ausnahme der roten Armee, der Schmacytriemen enger geschnallt werden. Für das Jahr 1932 sah der Fünfjahres- plan für den Sowjet-Bürger eine Mehrzuteilung von 27,7 Prozent Fleisch, 72 Prozent Eier und 56 Prozent Milchprodukten vor. In Wahrheit ist in diesem Jahre durchweg aus der ganzen Linie eine erhebliche Minderzuteilung erfolgt. Das Jahr 1929 erscheint daher den Durch- schnittsrussen als das Glücksjahr eines unbeschreiblichen Ueberfkusses. Die Wiederzulassung der freien Märkte bleibt praktisch ohne jede Breitenwirkung, denn welcher Russe kann heute für ein Pfund Butter rund 40 Mark, für ein Pfund Fleisch rund 20 Mark und für einen Schoppen Milch rund acht Mark ausgeben? So bleibt als sichtbares Ergebnis des Fünfjahres- plans übrig, daß der Vorgang der Zwanasindustri- alifierung vollkommen auf Kostender Lebenshaltung der Bevölkerung vor sich gegangen ist. Von diesen Folgen bleibt auch der Arbeiter nicht verschont. Die Rationen, die dem sowjetrussischen Arbeiter und Beamten heute von Staats wegen zugeteilt werden, bewahren ihn gerade noch vor dem Verhungern. Selbstverständlich leidet darunter nicht nur die Stimmung, sondern auch die Arbeitsfähigkeit. Das neue Jahr wird uns, das I haben die großen staatlichen Zeitungen bereits an- , gekündigt, einen zweiten Fünf jahres- > plan bescheren. Ab 1937 sollen der Bevölkerung ! zwei- bis dreimal soviel Lebensmittel und Ge- j brauchsgegenstände zustehen wie heute. Das besagt aber, daß auch im nächsten Jahrfünft der Hunger zu den bemerkenswertesten Kennzeichen des Lebens in Rußland gehören wird. Ministerwahlen in Baden. Karlsruhe, 10. Jan. (WTB.) Der B a d i s ch e Landtag wählte heute nachmittag mit 43 Stimmen der Regierungsparteien (Zentrum, Deutsche Volkspartei, Wirtschaftspartei) den bisherigen Ministerialrat im Justizministerium Dr. U m h a u e r zum Innenminister. Dr. Umhauer ist 55 Jahre alt. Er steht der DVP. nahe und ist politisch noch nicht hervorgetreten. In der Evangelischen Landessynode, wo er der positiven Richtung angehört, versah er das Amt des Präsidenten. Der Landtag nahm in der gleichen Sitzung auch die Neuwahl des badischen Staatspräsidenten vor und berief hierzu den Justizminister Dr. Schmitt (Zentrum), der jetzt seit November 1928 an der Spitze des badischen Kabinetts steht. Zum Stellvertreter wurde Finanzminister Dr. Lottes (DVP.) bestimmt. Beide Wahlen erfolgten mit den 43 Stimmen der Regierungsparteien. StOenietwerireler beim Sanier Berlin, 10. Jan. (Täl.) Reichskanzler von Schleicher gab am Dienstag einen Bierabend für die st udentischen Verbände, auf dem die Fragen ter Zusammenarbeitmit dem Arbeitsdienst und dem Reichskuratorium für dieJugendertüchtigung besprochen wurden. An dem Empfang nahmen Vertreter aller studentischen Verbaute einfchl. der katholischen Verbände mit Ausnahme des Deutschen Sozialistischen Studentenbundes teil, der dem Kanzler auf seine Einladung hin eine Absage eriedt hat. Auswärtiger Ausschuß am 20.Zanuar. Berlin, 10. Jan. (VDZ.) Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages ist von feinem Vorsitzenden Abg. Dr. Frick (RS.> jetzt für Freitag, 20. Januar, einberufen worden. Die umfangreiche Tagesordnung sieht neben der Behandlung einer Beschwerde der kommunistischen Ausschuhmitglieder wegen angeblicher Verletzung der Immun: tat des kommunistischen Ausschuß- mitglietes S ch e h r - Hannover die Fortsetzung der Aussprache über Tribute, Ausland- schulden und Abrüstungskonferenz vor. Außerdem sollen behandelt werden die O st * frage, ter Schuh der deutschen Minderheiten im Auslande und die handelspolitische Lage Deutschlands. Steuererh öhungen bzw. neueingefuhrken Steuern. Bei einer Betrachtung des Jahres 1933 erklärte der Minister, der Reichsetat für 1933 hänge vollständig davon ab, wie sich die beiden großen und entscheidenden Posten entwickeln würden, die beide von der Wirtschaftsentwicklung abhängig seien, nämlich die Einnahmen aus den Steuern und» die Ausgaben für die C r wer bsl osenbe- treuung. In einer Situation wie der jetzigen halte ich es für absolut notwendig, daß wir mit der Aufstellung und Vorlage des Etats für 1933 gerade hinsichtlich der beiden entscheidenden Posten so nahe wie möglich an den Beginn des Etatsjahres heranrücken. Finanzpolitisch sehe er die gesamten Etats des Reiches, der Länder und Gemeinden als eine Einheit an. Es wäre ein unverzeihlicher fehler, so betonte der Minister, wenn man nur versuchen wollte, den Etat des Reiches in Ordnung zu bringen, und wenn man dabei die Etats der Länder und Gemeinden einem unentrinnbaren Schicksal überliehe. Die endgültige Sanierung der Etats der öffentlichen Hand wird jedoch entscheidend davon abhängen, wie weil es gelingt, zur Besserung der wirtschastlichen Lage und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu kommen. Nach Erledigung kleinerer Vorlagen vertagte sich der Ausschuß auf Mittwoch vormittag. Am Mittwoch soll in die finanzpolitische Aussprache eingetreten werden. Nie Arbeitsbeschaffung. Beratungen im sozialpolitischen Aneschutz des Reichstages. Berlin. 10. Ian. (VDZ.) Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstages beriet heute Fragen der Arbeitsbeschaffung. Zunächst gab der Reichskommissar Dr. Gereke einen ileberblick über die Maßnahmen, die im Rahmen seines bekannten Sofortprogramms durchgeführt werden sollen. In der Aussprache gab Abg. Dr. D r a u n s (Z.) der Hoffnung Ausdruck, daß das Sofortprogramm von 500 Millionen nur der Auftakt zu weiteren Bemühungen sein werde. Abg. Dr. Schmidt (Dn.) warnte vor einer Wiederaufhebung der Einstellungsprämie, weil sonst jedes Vertrauen der Wirtschaft und des Volkes zu Regierungsmaßnahmen völlig erschüttert werde. Durch ein solches Programm konnten höchstens 10 bis 12 v. H. der Erwerbslosen in Arbeit gebracht werden. Die Kernfrage sei, die Privatwirtschaft wieder in Gang zu bringen. Abg. Rädel (K.) verlangt ein Arbeitsbeschaf- fungsprogramm, bei dem die Interessen des werktätigen Volkes im Vordergrund ständen. Abg. Graßmann (Soz.) verlangte die umgehende Aufhebung der Einstellungsprämie. Man brauche nicht die Produktionsbetriebe zu stärken, sondern müsse den Konsum fördern. Das wichtigste Mittel zur Behebung der Erwerbslosenzahl sei die Arbeitszeitverkürzung. Abg. Bausch (Christl.-Soz.) beantragte, daß bei Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms die nicht gewerbsmäßigen Stellenvermittlungen als gleichberechtigt neben den Arbeitsämtern anerkannt werden. Abg. Dreher (NS.) kritisierte die Einstellungsprämie als etwas „unerhört einseitiges". Der Fehler des Gerekeprogramms liege darin, daß er unrentable Arbeiten' fördern wolle, z. B. Straßen, Brücken ufw. Solche gemeinnützigen Arbeiten, die nichts einbrächten, müßten im Arbeitsdienst ausgeführt werden. Abg. Dr. A g e n a (Dtn.) bezweifelte einen wirklichen Erfolg jeglicher Siedlungspolitik. Abg. Dr. Schmidt (Im.) stimmte dem Anträge zu, der Mißbräuche bei der Vergebung von Steuergutscheinen ausschließen will, und auch dem Anträge auf Gleichstellung der nicht gewerbsmäßigen Stellenvermittlungen mit den Arbeitsämtern. Abg. Aufhäuser (Soz.) bekämpfte die Beteiligung der privaten Arbeitsnachweise. Gießener Gtadttheater. Neil Girant: „Politik der Wciberröcke". Es ist in diesen Zeiten eine freundliche und Ijarmlofe Entspannung, sich einmal einen Abend lang ganz unbeschwert über die Politik ... der anderen lustig zu wachem Die andern sind in diesem Fall die Engländer. Und da einer von ihnen das Stück geschrieben und sich über die Staatsweisheit feiner Landsleute lustig gemacht hat, so sitzen wir eigentlich mit gutem Gewissen dabei und haben uns nichts vorzuwerfem (Zumal es niemandem entgangen sein wird, daß die Politik des britischen Weltreiches immerhin einen Puff vertragen kann. Und daß es sich übrigens um eine Komödie gehandelt hat: kurz, daß Theater gespielt wurde. Die englische Politik hat schon Aergeres über sich ergehen lassen müssen — man denke an Shaw! — und man kann kaum sagen, daß es ihr nennenswert geschadet hätte. Vielleicht ist unser Amüsement, aus verschiedenen Gründen, nicht ganz ohne einen bitteren Beigeschmack gewesen.) Es geht um die Reubesetzung eines wichtigen Postens in den britischen Koloniem Chalfont, ein Mann, der nach seinen Fähigkeiten durchaus bafür geeignet wäre, bekommt ihn nicht, weil Lord Darnaway, der darüber zu bestimmen hat, unter dem Einfluß seiner Frau einen absolut unfähigen Trottel dafür ausersehrn hat. Dieser Trottel ist der Onkel von Lady Darnaway, der mit Hilfe des einträglichen Postens seine Schulden loszuwerden gedenkt. * Chalfont trägt sein Mißgeschick (von dessen eigentlicher Ursache er keine Ahnung hat) wie ein Gentleman. Aber Lady Chalfont, ehrgeizig und verliebt, ist nicht gesonnen, diese Schande ruhig hinzunehmen. Und als sie so ganz unter der Hand und zufälligerweise herausgebracht hat, daß die verhaßte Lady Darnaway ihren Mann mit dessen Sekretär betrügt, geht sie zum Gegenangriff vor. Es hieße den Besucher der nächsten Aufführungen um den pikanten Spannungsreiz der drei Akte betrügen, wollte man in allen Einzelheiten erzählen, zu was für phantastischen Verwicklungen und Situationen dieses Intrigenspiel hinter den politischen Kulissen des englischen Imperiums sich steigert. Es darf aber vielleicht gesagt werden, daß der Autor szenenweise etwas an Terrain verliert, und daß die Handlung gelegentlich in die Groteske, ein- Deutschland entsendet Militär- und Marine-Attaches. Berlin, 10. Ian. (TU.) Wie das Reichs- w e h r in i n i ft e r i u m mitteilt, ist für den 1. April 1933 die Ernennung deutscher Militär- und Marineattachss beabsichtigt. Militärattaches werden entsandt werden nach Paris, London, Rom, Prag, Warschau, Moskau und Washington. Marincattaches kommen nach Paris, London und Rom. Einzelne dieser Attaches werden voraus- sichtlich auch gleichzeitig bei anderen Staaten akkreditiert werden. Wie die TU. erfährt, sind als Militärattaches in Aussicht genommen: Für Paris Generalmajor K u e h l e n t h a l, zur Zeit Chef des Stabes des Gruppenkommandos II; für Rom Oberst Fischer, Abteilungsleiter im Reichswehrministerium; für Bl o s k a u Oberstleutnant Hartmann. Die Meldung eines Berliner Mittagsblattes, wonach der bisherige Kommandeur des 14. Kavallerie-Regiments, Oberst Frhr. Geyer von Schweppcnburg, als Militärattache der deutschen Botschaft in Lon - d o n in Aussicht genommen sei, dürfte den Tatsuchen entsprechen. Wie in Washington verlautet, steht die Ernennung des Generalmajors Friedrich v. B o et- ti ch e r zum Militärattache bei den Vereinigten Staaten in absehbarer Zeit bevor. Sine halbamtliche Begründung. Berlin, 10. Ian. (END.) QHit der Berufung von Militärattaches führt die Reichsregierung wieder eine Einrichtung ein, die seit dem Kriegsende nicht mehr bestanden hat. Das Versailler Diktat verbot zwar die Entsendung deutscher Militärmissionen zum Studium fremder Heere, gestattete aber die Möglichkeit der Unterhaltung von Militär- bzw. Marineattaches bei den deutschen Auslandvertretungen. Für die Richtentsendung solcher Attaches waren lediglich politische Erwägungen maßgebend. Rach- dem eine ganze Reihe anderer Staaten ihren Berliner Vertretungen Militärattaches beige- geben hat, ist wiederholt von ausländischer Seite an Deutschland mit der Aufforderung herangetreten worden, ebenfalls Militärattaches au ernennen. Diesen Anregungen ist jetzt durch die angekündigten Ernennungen von Militär- und Marineattaches Rechnung getragen worden, da man in den zuständigen Kreisen der Auffassung ist, daß nach der grundsätzlichen Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung die Berufung militärischer Sachverständiger bei den deutschen Auslandmissionen zweckmäßig ist. Die Militärattaches werden Den einzelnen Missionschefs unterstellt und berichten im engen Einvernehmen mit dem Missionschef. Insofern ist also ein ,gewisser Unterschied gegenüber den Milstärattaches in der Vorkriegszeit, die selbständiger waren und auch direkt an den Kaiser bzw. an ihre vorgesetzten Dienststellen berichteten. England begrüßt. London, 10. Jan. (TU.) Die Entscheidung der deutschen Regierung, wieder einen Militärottachee und auch einen Marineattachäe nach London zu senden, wird in englischen Regierungskreisen begrüßt, weil hierin ein Beweis zu erblicken sei, daß die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sich normal gestalten. Irgendwelche Einwendungen gegen die 'Absicht der deutschen Regierung seien von London aus nicht zu erwarten. Landwirtschastswünsche an die Reichsregierung. Brandes besucht den Reichskanzler. Berlin, 10. Jan. ($11.) Wie die „Landwirtschaftliche Wochenschau" erfährt, sind der Einigung zwischen den Ministern W a r m b o l d und Freiherrn von Braun über die Agrar- und Handelspolitik Beratungen der Grüne nFront gefolgt, nach deren Abschluß der Präsident des Deutschen Landw'.rtschaftsrates, Dr. Brandes, am Dienstag vom Reichskanzler empfangen wurde. Es sei also nunmehr damit zu rechnen, daß die Durchführung der agrar politischen Maßnahmen folgen werde, die im Zusammenhang mit den handelspolitischen Terminen und der Mar- gannefrage stünde. In den Beratungen der Grünen Front sei eine volle Ueberein- stimmung der Ansichten der maßgeblichen landwirtschaftlichen Körperschaften auch zu der Butterbeimischungsfrage erzielt worden, bei der bisher gewisse taktische Meinungsverschiedenheiten bestanden hätten. Die Hauptbedeutung des Empfanges Dr. Brandes sei hierin zu sehen. Wie die Korrespondenz weiter mitteilt, könne damit gerechnet werden, daß im Zusammenhang mit der agrarpolitischen Frage auch die Düngeaktivn nunmehr spruchreif werde. Christliche Gewerkschasten und Schleicher. Berlin, 10. 3an. (ERB.) Auf einer Konferenz des Gesamtverbandes Christlicher Bergarbeiter Deutschlands, die sich mit der augenblicklichen wirtschaftlichen und politischen Lage beschäftigte, befaßte sich der Vorsitzende, Abg. I m b u s ch , u. a. auch mit der Haltung der Christlichen Gewerkschaften zur Reichsregierung. Manche glauben, so sagte mal fast ins Schwankmäßige abgleitet. Aber es gelingt dem Autor, den Handlungsfaden bis zum letzten Vorhang hinzuspinnen, und wenn auch im Lause der Szenen das Thema mehr als einmal aus der faulen Politik in eine recht bissige Gesellschafts- und Moralsatire umzuschlagen droht, so wird man doch durch eine Reihe wirklich witzig placierter Bonmots reichlich entschädigt. * Die Tatsache, daß am Ende doch noch der richtige Mann den wichtigen Posten erhält, darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, unter welchen Umständen und Voraussetzungen und auf welchen Umwegen er ihn bekommt. Auch nicht darüber, daß die Politik der Männer sich keineswegs edlerer Mittel bedient als die der Weiber; wenn man zwischen beiden zu wählen hätte, würde einem wahrscheinlich die Entscheidung auf den ersten Anhieb nicht leicht werden. Man könnte sich allenfalls damit trösten, daß das Ganze eine Komödie ist, die sich überdies in England ereignet und uns also genau genommen gar nichts angeht. Zumal wir ja mit unseren eigenen Angelegenheiten für längere Zeit vollauf beschäftigt sind. » Es wurde, wenn man von ein paar kleinen dialektischen Unebenheiten absieht, unter der Regie von Wolfgang Kühne ausgezeichnet gespielt. Es war ein Vergnügen, dabeizusitzsn und zuzuschauen: das lief alles so glatt und gefällig ab, witzig und sauber pointiert und mit der leise prickelnden Spannung eines Konversationsstückes mit gewissen Hintergründen. Herr Löffler hatte der Szene einen stilvollen, diskret englischen Rahmen gegeben. * Die Weiberröcke, von denen im Titel die Rede ist, präsentierten sich im Rampenlicht als äußerst aparte Toiletten; getragen von Edith Berger und Maria Koch. Frl. Berger hatte als Kitty Chalfont so recht eine Rolle nach ihrem Herzen; hier konnte sie mit schlagfertigem Temperament alle Minen der Weiber- politik springen lassen und schließlich auch mit süßem Lächeln, mit echten und falschen Tränen ans Ziel ihrer Wünsche gelangen. Frau Koch dagegen spielte die Lady Darnawan ganz als große Dame, kühl, beherrscht und überlegen; um so pikanter die vorübergehende Demaskierung im Mittelakt. * Fierment gab den Chalfont, die sympathischste Erscheinung im ganzen Stück: ehrlich, anständig, tüchtig; ein Gentleman und vorbildlicher Repräsentant seiner Nation. Hauer als Darnaway entwickelte sich zusehends aus einem reservierten und kühlen Staatsbeamten zu einem äußerst geschäftigen Kavalier, der nur infolge hartnäckiger Mißverständnisse sein Schäfchen nicht ins Trockene bringen er, dem „Deutschen" zufolge, sich trotz des von den Arbeitslosen mit Freuden ausgenommenen Programms der jetzigen Regierung gegen den Reichskanzler v. Schleicher wenden zu müssen. Ein gesundes Mißtrauen ist ja ganz gut. Das Mißtrauen darf aber nicht dazu führen, daß man ohne weiteres den der Gesundung dienenden Plänen und damit der wirtschaftlichen Gesundung entgegenwirkt. Es ist doch bis jetzt auch nicht der Beweis erbracht, daß v. Schleicher nicht das Wohl des Bolles und Va.erlandes wiU. Man sollte bis zum Beweise des Gegenteils Herrn v. Schleicher den guten Willen, unserem Volke zu helfen, zutrauen. Reichskanzler v. Schleicher ist selbstverständlich kein Gewerkschaftsfekre- tär, aber nach allem, was man bis jetzt hörte, ist er für soziale Gerechtigkeit und auf das Wohl der Gesamtheit bedacht. Es erscheint mir bei der Gesamtlage in Deutschland richtiger, der Regierung die Möglichkeit zur sachlichen Arbeit zu geben und sie dann nach ihren Taten zu beurteilen. Die bisherigen Taten der jetzigen Regierung sprechen, altes in allem genommen, nicht gegen sie. Aus aller Wett. 10 Tote, 25 Schwerverletzte beim Bukarester Eisenbahnunglück. Der Pester Lloyd bringt Einzelheiten über das Eisenbahnunglück in der Nähe von Bukarest. Danach erlitt am Dienstag früh um 6,30 Uhr, etwa 12 Kilometer von Bukarest entfernt, der Per- fonenzug einen Maschinenschaden. Der Lokomotivführer wußte, daß der auf derselben Strecke folgende Schnellzug etwa 20 Minuten hinter ihm lag und hielt seinen Zug an. Der Führer des Schnellzuges aber hatte die fahrplanmäßige Geschwindigkeit bedeutend überschritten, jo daß der Zeit- konnte. W r e d e gab, ohne sein wienerisches Temperament völlig zu verleugnen, geschmeidig und wendig den Sekretär Melcombe. H u b machte sich und allen andern mit seinem wahrhaft unmöglichen und völlig ahnungslosen Onkel Algernon ein Extra- späßchen. Das Publikum schien sich glänzend zu unterhalten; für den ausdauernden Beifall durfte sich mit den Darstellern auch der Spielleiter bedanken. hth. Oer wirkliche Graf von Monte Christo. Ein Pack alter, vergilbter Papiere, die vor kurzem in der französischen Gesandtschaft in London durch einen Zufall ans Tageslicht kamen, enthüllt die Tatsache, daß Dumas weltberühmtem Roman „Der Gras von M o n t e C h r i st o" ein wirklich durchlebtes und durchlittenes Menschenschicksal zugrunde liegt und daß der Dichter zweifellos von den hier niedergelegten Auszeichnungen Kenntnis hatte. Die ausgesundenen Dokumente enthalten die auf dem Totenbett abgelegte Beichte eines Franzosen namens Francois Picaud, der im Jahre 1828 in London starb. Bor feinem Ende ließ er den Kaplan der französischen Gesandtschaft kommen, der die abenteuerliche Geschichte dieses Lebens aufzeichnete. Sie lautet: Im Jahre 1807 gewann Picaud, der damals als junger Schuhmacher in Paris lebte, die Liebe eines Mädchens, die nebst andern Vorzügen auch 50 000 Francs ihr eigen nannte. Aber diese Summe war für einen anderen Bewerber um die Hand der schönen Therese — so hieß das Mädchen — ein so heftiger Ansporn, sie zu gewinnen, daß er auf Mittel sann, sich des unerwünschten Rebenbuhlers zu entledigen. Er lenkte den Argwohn der französischen Polizei auf Picaud, den er eines Mordanschlages auf Rapoleon beschuldigte. Der Unglückliche wurde verhaftet und ohne Prozeß in einer auf einer im Mittelmeer gelegenen Insel gefangen gesetzt. Die Jahre vergingen, und Therese, die sich von ihrem Geliebten verlassen glaubte, heiratete den andern, Loupian. Picaud aber fand in der Einsamkeit seiner Haft in einem weisen und wohlhabenden Priester, der ebenfalls hier als Gefangener weilte, und in dem man unschwer den Abbe Faria aus Dumas' Roman wie- dererkennt, einen aufrichtigen Freund. Als er starb, hinterlieh er Picaud sein großes Vermögen. Inzwischen hatten sich außerhalb der Gefängnismauern gewaltige Veränderungen zugetragen: Rapoleon war gestürzt, und bei einer nun veranstalteten Rachprüfung des Archivs der Festung stellte sich heraus, daß Picaud ohne Ge- abftanb nicht eingehalten wurde. In der Dunkelheit fuhr der Schnellzug mit einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern in die letzten Wagen des Per- sonenzuges hinein. Fünf Wagen dritter Klasse, in denen sich größtenteils Bauern befanden, wurden völlig zertrümmert. Hilfszüge, Lastkraftwagen, Militär, darunter technische Truppen, wurden aufgeboten, um die Verwundeten aus den Trümmern zu bergen und in die Krankenhäuser zu bringen. Bis zu den Mittagsstunden wurden zehn Tote und 25 Schwerverletzte geborgen. Nach den bisherigen Feststellungen trifft den Lokomotivführer des Schnellzuges die Schuld. Er, sowie das gesamte Begleitpersonal des Schnellzuges wurden verhaftet. Der Schauplatz des Eisenbahnunglücks ist von der Gendarmerie völlig abgesperrt, so daß die Presse vorläufig auf die Mitteilunaen der Eisenbahndirektion angewiesen ist. Die Aufräumungsarbeiten werden durch den Schnee stark behindert. Neues Lxplosionsunglück in Premnitz. Im Werk Premnitz der IG.-Farben bei Rathenow ereignete sich am Dienstagnachmittag abermals ein schweres Explosionsunglück, bei dem ein Schwerverletzter und zwei Leichtverletzte zu beklagen sind. In der sogenannten Versuchsabteilung zersprang mit lautem Knall ein größeres Leitungsrohr. Die Firma ließ das Werk sofort nach dem Unfall sperren, so daß es bisher nicht möglich war, näher an die Unfallstelle heranzukommen. — Das Unglück in dem Premnitzer Werk der IG.-Farben ruft die Erinnerung an den Tag im vorigen Monat bervor, an dem nicht weniger als zwölf Personen Durch eine gewaltige Explosion in einem seit Jahren nicht mehr benutzten Flügel des Werkes getötet wurden. Starker Schneefall in München. München bot am Dienstagfrüh ein winterliches Bild. Rachdem den ganzen Montag über heftiger Regen niedergegangen war, setzte kurz nach Mitternacht Schneefall ein, der bis in die Morgenstunden anhielt. Am Dienstagfrüh verzeichnete München die bisher höchste Schneedecke in diesem Winter. Aus den Bergen wird gleichfalls ergiebiger Schneefall gemeldet. Dichter Rebel über England. lieber ganz England herrschte am Dienstag ein außerordentlich dichter 'Nebel, wie er schon feit langem nicht mehr erlebt wurde. UeberaU kam es zu starken Verkehrsstockungen. So ereignete sich im Themsetunnel ein schwerer Zusammen st oß zwischen zwei Lastwagen, wobei elf Personen verletzt wurden. In Portsmouth war der Nebel so dicht, daß das Flaggschiff der englischen Heimatflotte, „Nelson" und das Schlachtschiff „Hood" nicht zu den am Dienstag begonnenen Frühjahrsmanövem auslaufen konnten. Kunst und Wissenschaft. Geheimrat Franz Himstedt f. Im Alter von 80 Jahren starb der emeritierte ordentliche Professor der Physik an der Universität Freiburg, Geheimrat Dr. phil. Dr med. h. c. Dr.-Jng. e. h. Franz Himftedt. Der Verstorbene, der sich in Göttingen habilitierte, kam 1886 als ordentlicher Professor an die Technische Hochschule Darmstadt. 1887 wurde er an die Universität Gießen berufen. 1895 folgte er einem Rufe der Universität Freiburg. Bis 1926 hat Himstedt dem Lehrkörper der Universität Freiburg aktiv angehört. Seine hohen wissenschaftlichen Verdienste um die Entwicklung der Physik wurden durch zahlreiche Ehrungen anerkannt. So ernannte ihn die medizinische Fakultät der Universität Gießen 1907 zum Dr. med. h. c., die Technische Hochschule Karlsruhe 1922 zum Dr.-Jng. e. h. Auch um die Förderung der Wissenschaft im allgemeinen hat sich der Verstorbene große Verdienste erworben; so gründete er 1911 in Freiburg die Freiburger Wissenschaftliche Gesellschaft, deren Präsident er war. Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst B l u m s ch e i n. richtsurteil gefangen genommen worden war. Er wurde in Freiheit gesetzt. Von jener Stunde ab beseelte den dem Leben Wiedergegebenen nur ein Gedanke: Rache an allen zu nehmen, die er für schuldig oder mitschuldig an seiner Lebenstragödie hielt. Er rüstete mit den ihm zur Verfügung stehenden großen Geldmitteln einen regelrechten Feldzug gegen feine Feinde. Hatte er sich ein Opfer erkoren, dann gab es kein Entrinnen. Er trieb es in Verzweiflung und Vernichtung. Diejenigen, die er nicht dazu bringen konnte, Selbstmord zu begehen, schaffte er durch Mord aus dem Weg. Dabei wußte er es stets so ein* zurichten, daß ihn kein Verdacht traf. Ein jeder, der eine Rolle in dem Spiele Loupians gespielt, mußte sie mit dem Leben bezahlen. Diele seiner Familienmitglieder fielen in den folgenden Jahren geheimnisvollen Mordanschlägen zum Opfer. Auch für die unglückliche und schuldlose Therese fühlte Picaud kein Erbarmen. Sie und ihre Kinder mußten ihr Leben lassen. Unbarmherziger wütete seine Rache als die Dantes' des Helden in Dumas' Werk. Loupian, den Urheber seines Unglücks, sparte sich Picaud als Letzten auf. Man fand ihn eines Tages im Tuilerien- Garten tot auf, einen blutigen Dolch im Herzen, der einen Zettel mit der Zahl 30 trug. Tenn Loupian war, wie der Täter auf dem Totenbett bekannte, das 30. Opfer seiner Rache. Run war sein „Lebenswerk" getan. Er verließ im Jahre 1825 Paris und ging nach London, wo er drei Jahre später starb. Während seiner letzten Krankheit erwachte in ihm der Wunsch, nach seinem Tode den Schleier des Geheimnisses, der über jenen 30 Toten lag, zu heben. Durch die bevorstehende Veröffentlichung der kürzlich aufgefundenen alten Papiere in Buchform wird nun, ein Jahrhundert nach jenem grausigen Geschehen, der Wunsch des Urbildes des Grafen von Monte Christo erfüllt werden. R. M. Zeitschriften. — „Philosophie und Leben", herauS- gegeben von Professor Aug. Messer; Verlag Felix Meiner, Leipzig. Vierteljährlich 3 Hefte 1,80 Mark, Einzelheft 0,75 Mark. — Das Januar- Heft ist ethischen Problemen gewjhmet. Der Herausgeber untersucht, inwieweit die Ethik Albert Schweitzers „irrational" fei; ferner inwiefern sich in der nationalsozialistischen Bewegung sittliche Erneuerungstendenzen mit politischen Bestrebungen verschlingen. Im Anschluß an Hans Reiner wird dann das Wesen ethischer Autonomie klargelegt Die „Aussprache" behandelt vor allem das Verhältnis von Religion und Moral. Aus der Provinzialhauptstadt Be- Kundgebung desReichsbundes derkindeneichen Buntes Allerlei Die Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes der Kinderreichen trat am Sonntag mit einer Kundgebung im Katholischen Vereinshaus an die Oeffentlichkeit. Die Veranstaltung war gut besucht. Zunächst begrüßte der Leiter der hiesigen Ortsgruppe, Herr Schäfer (Gießen), die Versammlung, besonders den Vorsitzenden des Reichsbundes Herrn Konrad (Düsseldorf) und den Vorsitzenden des Landesverbandes Hessen Herrn Heil (Offenbach a. M.). Letzterer übernahm sodann den Vorsitz und widmete allen Erschienenen herzliche Dankes- worte, namentlich den erschienenen Volksvertretern Landtagspräsident Prof. Dr. Werner (Butzbach), Tierarzt Dr. Harth (Mendorf a. d.Lda.), Krcis- lciter der NSDAP.; Landtagsabgeordneten Lenz (Büdingen) als Vertreter der SPD.; Landtagsabgeordneten Weckler (Rockenberg) als Vertreter der Zentrumsfraktivn, dem Vorkämpfer der Bewegung, Prof. Dr. Kuhn, und den Pressevertretern. sodann sprach der Vorsitzende des Reichsbundes Herr Konrad über das Thema: — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute 20 Uhr als 14. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement Wiederholung der Spielplanneuheit „Politik der Weiberröcke", Komödie von Aeil Grant (Spielleitung: Wolfgang Kühne). Gewöhnliche Preise. Spieldauer bis 22.15 Uhr. — Am Freitag, 13. Januar, Wiederholung des Schwankes „Stöpsel". — Zu Gunsten der Gießener Winternothilfe findet am Samstag, 14. Januar, im Stadttheater ein „Bunter Abend" statt. Dauer von 20 bis gegen 22.30 Uhr. Preise von 50 Pfennig bis 3 Marl. — Sonntag. 15. Januar, 15.15 Uhr, auf vielseitigen Wunsch Wiederholung des Weihnachtsmärchens „Aschenbrödel" | — vielleicht nötiger als die Verschickung von Kin. dcrn in Erholungsstätten — fallen weg. Die Für- sorgemaßnohmen in den Schulen werden eingeschränkt. Die staatlichen Zuschüsse für den Wohnungsbau sind so eingeschränkt, daß die damit hauptsächlich zu fördernde Verbesserung der wohnlichen Unterbringung kinderreicher Familien, die sich zum großen Teil noch in unglaublichen Wohnungsverhältnissen befinden, unmöglich wird. Kinderreiche Familien, die angesiedelt worden sind, werden infolge der Unmöglichkeit, die Zinsenlasten bei verringertem Einkommen zu tragen, aus ihren Wohn- statten wieder vertrieben. Kein Wunder, daß die Familien immer mehr in Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung versinken, daß sie kraftlos und mutlos werden oder daß sie in trotziger Empörung aufbegehren gegen den Staat, der sie, die ihre Pflicht für die Zukunft des Volkes erfüllten, immer weiter ins Elend versinken läßt, während er andere, die Wenn die Fahrt der „Grace Darling" friedlichen Zielen dienen soll, so waren nicht immer alle Unternehmungen Jessica Borthwicks von dieser Art. Ihr Leben war erfüllt von den kühnsten und gefahrvollsten Abenteuern, die das Herz einer weniger tapferen Frau vor Furcht hätten stillstehen machen. Taten für Mittwoch. 11 Januar. 1882: der Naturforscher Theoder Schwann, gründcr der Zellenlehre, in Köln gestorben. Pornottzen. | zu verbilligten Wärchenspielpveisen; 19 Uhr zum siebenten Male Wiederholung des Frontstückes „Die endlose Straße" von Graff und Hintze. Frem- denvorstellung zu ermäßigten Preisen, außer Abonnement. Dorzugsgutscheine haben zu dieser Vorstellung Gültigkeit. Spielleitung: der Inten- dant. Spieldauer bis 22.15 Uhr. * ** Der Kriegerverein Gießen veranstaltete am Samstagabend im Cafö Leib sein dies- lähriges Winterfest, verbunden mit dem 59. Stif- tungsfest, das — wie man uns berichtet — einen io zahlreichen Besuch an Mitgliedern und Gästen aufzuweisen hatte, daß der Saal und die Em- Poren voll beseht waren. Cs war ein sehr abwechslungsreiches Programm, das der rührige Vereinsrechner, Kam. Hugo Hartmann, zusammengestellt hatte. Musikstücke, ausgeführt von der Kapelle Weller, wechselten mit Tanz- und ^eis in Packungen oder Tüten von 1 Pfund erbittet in dieser Woche die Pfundspende der Krauen-Winterhilfe Die Zustellung der Pfundpakete wird auf Wunsch der Hausfrauen von den Lebensmittelgeschäften aus direkt an die Sammelstelle erfolgen. Annahme: Alte Klinik, parterre, rechts, Montags, Mittwochs und Freitags, von 9 bis 12 Uhr. Als Kapitän des „VolkslieiWffes" um die Welt. Der abenteuerliche Reiseplan einer Engländerin. Korea,öaS Paradies derGroßwildjäger Seit vielen Jahrhunderten galt die Jagd auf den wilden Eber als ein bei furchtlosen Jägern in Europa, Indien und Nordafrika besonders beliebter und aufregender Sport. Aber der grimmige Eber, der diese Gebiete bewohnt, ist ein recht harmloser Geselle im Vergleich mit seinem weitaus stärkeren Vetter in den Tälern" und Bergen von Nordkorea. Deshalb sind in den letzten Jahren zahlreiche Großwildjagd-Expeditionen in dieses Gebiet veranstaltet worden. Sie werden geführt von Georg M. Jankowsky, einem Mann, der sich rühmen kann, den wilden Eber Koreas genauer zu kennen als irgendeiner der Eingeborenen. Jankowsky stammt aus Rußland und floh nach der Riederlage der Weißen Armee, der er angehörte, nach Korea. Während des letzten Jahres allein erbrachten die von ihm geleiteten Großwildjagden, bei denen er seine Begleiter auf gänzlich unbetretenen Pfaden führte, eine Deute von mehr als 200 Tieren, darunter neben Ebern auch Tiger, Leoparden, Grizzly-Bären, Luchse und Elche. Einstimmig wird von allen Jagdteilnehmern Nordostkorea als das Paradies der Großwildjagd gepriesen. „Diele meiner Gäste", so erzählt Jankowsky, „haben schon den europäischen Eber gejagt, der selten mehr als 200 Pfund wiegt, oder den Eoer Indiens, der es bis auf 300 Pfund bringt. Sie wollten es zuerst gar nicht glauben, daß sich hier in der Rordostecke von Asien Eber finden, die zweimal so groß sind wie die europäischen und deren Jagd viel mehr Gefahren in sich schließt". Diesein großen Jäger vor dem Herrn ist es einmal innerhalb von drei Jagdtagen mit Hilfe seiner Jagdhunde gelungen, acht wilde Eber zur Strecke zu bringen, von denen der kleinst« 360, der größte 510 Pfund wog. Um den letzteren unschädlich zu machen, bedurfte es dreier wohlgezielter Schüsse, da der wilde Geselle es sich in den Kopf gesetzt hatte, einige Menschen und ein halbes Dutzend von Hunden zu töten, bevor er seinen Geist aufgab. Ein andermal glückte es Jankowsky, einen 560 Pfund schweren Tiger einem seiner Jagdgenossen als Jagdbeute zu verschaffen, indem er sich selbst des Schusses enthielt. Daß es im hohen Rorden von Korea Tiger gibt, bedeutet eine pleberraschung für viele, da man geneigt ist, dieses Raubtier nur in den Wäldern heißer Gegenden zu suchen. Auch an Leoparden ist in Korea fein Mangel; sie treten hier so zahlreich auf, daß es nach den Worten Jankowskys innerhalb der nächsten zehn Jahre genügend geben wird, um die Leidenschaft aller Großwildjäger „Die kinderreiche Familie und die Forderungen der Gegenwart." fÜI)rte u. a. aus, daß uns die wirt- fchoftliche Not nicht zum Untergang zu führen brauche. Em Aufbau unseres Vaterlandes sei möglich, müsse aber in den Keimzellen, in den Familien, beginnen, und Zwar mit einer Wiederqesundung unseres Volkes und unseres Staates. „Volt" sei ein Jahrhunderte alter, gewachsener Organismus, eine Kette von Generationen, gebildet von den Maschen, den Familien. Ein Volk könne nur bestehen, wenn die Sterbeziffer nicht höher liege als die Geburten- Ziffer. Die Gegenwart und die jüngste Vergangenheit ergeben den Beweis, daß unsere Geburtenziffer dauernd im Rückgang begriffen sei. Don den in den letzten fünf Jahren geschlossenen Ehen blieben 40 v H. kinderlos, 13 v. H. begnügten sich mit einem Kind, in Berlin betrage die Zahl der kinderlosen Ehen sogar 54 v. H. Daß wir heute in Deutschland noch Geburtenüberschuß feslstellen könnten, hinge damit zusammen, daß die Sterblichkeit infolge sanitärer Maßnahmen von 28,2 auf 11,2 vom Tausend gesunken sei. Unser Volk werde allmählich ein Volk ohne Jugend. Nach Feststellungen von Prof. Dr. G r o t i a n wäre es eine Torheit, zu glauben, mit dem Geburtenrückgang der Arbeitslosigkeit begegnen zu können. Der Gießener Gelehrte, Prof. Dr. Günther, hätte in einem Werk den Nachweis gebracht daß gerade der Geburtenrückgang die Arbeitslosigkeit vergrößere. Der Redner lehnte es entschieden ab, einer nur quantitativen Zunahme der Bevölkerung das Wort zu reden, sondern nur qua- litativen Menschen wäre es möglich, den Kampf ums Dasein mit Erfolg zu führen. Aufgabe des Staates fei es, das Volk zur körperlichen, geistigen und sittlichen Tüchtigkeit zu führen. Die Familie diese Pflicht hohnlachend verweigern, schont und begünstigt! Wir fordern in letzter Stunde: Anerkennung der völkischen, kulturellen und nationalpolitischen Lei- stung und Bedeutung der kinderreichen Familie; Achtung und Schutz besonders der kinderreichen Mutter; Ausgleich der Familienlasten zugunsten der kinderreichen Familie durch Gewährung von Erziehungsbeihilfen; wesentliche weitergehende Be günsllgung auf steuerlichem Gebiete; Erleichterung der Schullasten und Förderung der Begabten aus kinderreichen Familien; Mieterschutz und Bereit stellung öffentlicher Mittel zur Beschaffung gesunder und ausreichender Wohnungen, möglichst in Eigen Heimen und ländlichen Siedlungen, Erleichterung der Lasten für Eigenheime der Kinderreichen; Be- vorrechtung der Ernährer kinderreicher Familien unter gleichwertigen Bewerbern bei Vergebung von Arbeit, sowie bei Anstellung und Beförderung." den Gefahren der Antarktis und ihren Stürzen hat die heute Fünfunddreißigjährige siegreich Trotz geboten. Aus der Schule, die sie in Deutschland be suchte, ist sie eines schönen Tages, sie zählte damals elf Jahre, entlaufen und schlich sich heimlich auf einem dänischen Fischerfahrzeug ein. Als der Kapitän sie entdeckte, ließ er sie auf dem Schisse und unterwies sie in allen Regeln der Schiffskunst. Seit jener Fahrt war sie „mit dem Meere verheiratet", ein Bündnis, für das sie nach ihren eigenen Worten niemals eine Scheidung geben wird. Während des Balkankrieges mußte die da mals 15jährige natürlich auch auf dem Schauplatz der Kriegsereignisse anwesend sein. Sie ernannte sich selbst zum halbamtlichen Kriegspho- t o g r aphen und fuhr die Donau hinab ins Aegäische Meer, eine Fahrt, die unter normalen Umständen drei Monate beansprucht. Oft ging ihr unterwegs das Geld aus; aber die junge Dame wußte sich zu helfen. Sie telegraphierte von dem nächsten Orte aus an eine der großen Londoner Zeitungen mit der Forderung, ihr Geld zu schicken, damit sie einen Kriegsbericht senden könnte. Immer wurde ihrem Wunsche entsprochen; wahrschein lich glaubte man in den Redaktionen, sie wäre im Auftrag des Blattes entsandt und dann ohne Mst tel gelassen worden. Immer aber dankte Jessica mit einem ausführlichen Bericht aus einer entlegenen Gegend, in die sonst kaum ein Kriegsberichterstatter sich verirrte. 2mhrend ihrer Wanderungen durch den Balkan wurde sie viermal ver w u n d e t. Nach ihrer Heimkehr im Februar 1914 kaufte sie die „Grace Darling", einen alten Walfischfänger, sozusagen für ein Butterbrot. Sie setzte ihn instand, um mit ihm regelmäßig Fahrten nach Spitzbergen zur Versorgung des europäischen Kontinents mit billigem Renntierfleisch zu unternehmen. Aber auf ihrer ersten Reise geriet sie in Antwerpen mitten in den eben ausgebrochenen Krieg hinein. Später leitete sie Verwundetentransporte auf ihrer „Grace Darling" zwischen Flandern und England. Die folgenden Jahre sahen die unternehmungslustige Frau in den seltsam st en Berufen: sie gründete eine Puppenfabrik, in der 260 Verwun bete beschäftigt wurden; dann schloß sie Freund schäft mit Londons Bettlerwelt und zog selbst mit einer Drehorgel durch die Straßen der Stadt; während des Kohlenstreiks betrieb sie die Herstellung von Briketts aus Straßenabfällen; bann wie- muffe bie Grunblage bes Staates bleiben. Anfänge, bie Familie zu schützen, seien im Staatsleben erfreulicherweise wahrzunehmen. Dringenb nötig sei Einstellen ber Väter in bie Arbeit. An bie Stellen ber Mütter, bie in ber Fabrik tätig seien, müßten in erster Linie Väter tre- ten. Kein Gesetz bürse erlassen werben, ohne zu prüfen, ob es ber Familie schabe ober nütze. Der schütz für bie Gesunben sei genau so nötig wie für bie Kranken. Für alle Klassen unseres Volkes müsse ein Ausgleich ber Familienlasten (Erziehungsbeihitfen) erfolgen. Reicher Beifall lohnte ben Rebner für feine Ausführungen. 3n ber Aussprache versprach ßanbtagspräfibent ■prof. Dr. W e r n e r feine Unterstützung und kam noch auf die Kürzung der Kinderzuschläge in Hessen 3U sprechen. Er wünsche diese Erziehungsbeihilfen für alle Familien. Abg. Weckler (Rockenberg) grüßte im Namen der hessischen Zentrumsfraktion, berührte das Siedlungswesen und betonte, daß seine Partei stets bereit sei, Familie und Ehe zu schützen. Landtagsabgeordneter Lenz (Büdingen) überbrachte die Grüße ber sozialbemokratischen Lanb- tagsfraftion unb erklärte, es sei Pflicht bes Staates, helfend einzugreifen, um die Not zu lindern. Zum Schluß dankte der Landesvorsitzende der Kinderreichen, Herr Heil (Offenbach a.M.), allen Rednern unb verlas folgenbe, von ber Versammlung e i n ft i m m i g angenommene Entschließung: „Die heute in Gießen im Saale bes Katholischen Vereinshauses zu einer Knnbgebung bes Reichs- bunbes ber Kinberreichen Deutschlanbs zum Schutze ber Familie versammelten Väter unb Mütter haben 3« der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage ber kinberreichen Familien Stellung genommen. Sie verkennen nicht bie allgemeine Notlage weitester Schichten bes Volkes, unb sie verkennen auch nicht bie Grenzen ber Leistungsfähigkeit bes Staates in dieser Notzeit. Aber sie können nicht verstehen, baß trotz der immer ernster werdenden bevölkerungspolitischen Gefahr, in der sich das deutsche Volk befindet, nicht mehr getan wird, um zu verhindern, daß gerade die kinderreichen Familien schwerer leiden als bie anberen. Die Arbeitslosigkeit wirb in ben kinberreichen Familien in verstärktem Maße fühlbar; nicht selten finb vier, fünf unb mehr ©lieber einer Familie ohne Erwerb. Die Einkünfte finb immer geringer geworben. Umsatzsteuer unb Zollbelastung treffen ben Kinberreichen mit bem Mehrfachen besten, was ber Kinberlose unb Kinberarme zu tragen hat. Die Fürsorgesätze finb insbefonbere burch Abbau ber Kinderzuschläge gesenkt worden und reichen für die Erhaltung einer kinderreichen Familie nicht mehr aus. Der Abbau der Wohlfahrtspflege trifft überwiegend die Fürsorge für Mutter und Kind. Die geringen Ansätze einer planvollen Müttererholung 1 Theatervorführungen. Der Vorsitzende, Kam. Landgerichtsrat Trümpert, betonte in seiner Ansprache besonders die hohen Ziele der Kriegervereine, die neben der Pflege der Kameradschaft und Tradition, die Fürsorge für die Kriegsbeschädigten, die Kriegshinterbliebenen und alle sürsorgebedürftigen Kameraden zum Hauptzweck erhoben und in vorbildlicher Weise ausgebaut haben. Anschließend folgte ein patriotisches Zwiegespräch, ausgearbeitet von Kam. Hartmann, mit lebendem Tilde, bei dem auch ein Mitglied des Vereins ehern. Leibdragoner Rr.24, Llniv.-Reitlehrer Schömbs, als Dragoner zu Pferde mitwirkte. Großen Anklang sanden die Volkstänze des Bundes Deutscher Mädel. Mit großer Aufmerksamkeit wurden die Theaterstücke ausgenommen, bei denen sich besonders Frl. Hilde Wolfarth, Frl. Gertrud Donau und Herr Fritz Barke auszeichneten. Auch die Herren H. Weller, W. Hermes und H. Seitz seien lobend erwähnt. Mit künstlerischer Vollendung wurden von Frl. Helene Haase ein Spitzentanz und eine moderne Groteske vorgeführt. Auch der Girl-Tanz, den sie mit Frl. Mimmi R i k o l a i tanzte, fand großen Beifall. Frl. Erna Haase (Gesangschule Meyer) verschönte das Programm durch einige Lieder. Im Laufe des Abends wurden die Kameraden G. Schäfer, K. Dittmar und I. Klebe für 40jährige, und die Kam. Dr. G. Gail, W. Rink und Prof. Dr. Schmoll für 25jahrlge Mitgliedschaft ausgezeichnet. Nachdem der 1. Vorsitzende allen Mitwirkenden, der Kapelle Weller, besonders aber dem Kam. Hartmann für die aufgewandte Mühe gedankt hatte, kam die Jugend beim Tanz zu ihrem Rechte. zu befriedigen. Die Mußestunden, die der aufregende Jagdsport dem russischen Emigranten übrig läßt, widmet er in seltsamem Gegensatz dem Sammeln von Schmetterlingen und Käfern für Gelehrte und Liebhaber. L. B. Auffindung eines Aquarells von Dürer. Ein feit hundert Jahren verschollenes Landschafts-Aquarell von Dürer, das aus der Wiener Sammlung von Grünling stammt, ist, wie in -Kunst und Künstler" berichtet wird, von dem Hannoverschen Museumsdirektor, Prof. Dörner bei der Durchsicht der Graphik-Mappe des Hannoverschen Künstlervereins aufgefunden worden. Es handelt sich um das von Dürer als „Trintperg" bezeichnete Blatt, auf dem. wie von seinem Neuentdecker festgestellt wurde, ber heutige Dosso di Trento, ein durch feine Form charakteristischer Bergrücken unmittelbar bei Trient, dargestellt ist. Das Blatt steht andern gleichzeitigen Arbeiten, wie dem Felsenschloß" der Bremer Kunsthalle unb bem „Welch Perg" in Oxford sehr nahe; cs wurde als Leihgabe der Hannoverschen Gemäldegalerie überwiesen. 120 Meter abgestürzt und doch am Leben! Auf eine ans Wunderbare grenzende Weise entgingen zwei junge Menschenkinder in den bergen von Huntington, wie amerikanische Blätter aus New Hampshire melden, dem sicheren Tode. Jessie Whitehead, die Tochter eines Professors der Harvard-Aniversität. und ihr Deglei- ter Walter Sturgeh, ein Student dieser Hochschule, kletterten auf einem gefährlichen Pfad in einer Dergschlucht empor, als sie plötzlich den Boden unter den Füßen verloren. Sje stürzten zunächst etwa 90 Meter senkrecht in die Tiefe und rollten dann noch weitere 30 Meter über einen Abhang, der mit riesigen Felsblöcken bedeckt war, bevor eine dichte Gruppen von Gesträuch ihrem Fall Einhalt tat. Sie waren beide betäubt, aber nach 10 Minuten erwachte der junge Mann wieder zum Bewußtsein und rief um Hilfe. Eine andere Gruppe von Bergsteigern, die etwa 400 Meter entfernt war, vernahm die Rufe und eilte zu den Verunglückten. Nach fünf Stunden gelang es ihnen, die Verletzten zu erreichen und sie inS Tal zu tragen. Don dort wurden sie nach dem nächsten, 30 Kilometer entfernten Krankenhaus geschafft. Tannenbei-g-Zilm. Die Ereignisse des Jahres 1914 finb aus dem Bewusstsein unb ber Erinnerung ber miterlebenben Generationen längst in bie Geschichte eingegangen. Schon mehr als einmal haben wir, was vor noch nicht zwanzig Jahren welthistorische Gegenwart für uns bebeutete, in literarischer ober bilbmäßiger Gestalt roieber vor uns vorüberziehen sehen. In ber Reihe ber deutschen Kriegsfilme nimmt „lärmen» berg" insofern eine SonberfteUung ein, als er eine ber für uns entscheidendsten Begebenheiten ber ersten Kriegsjahre, bie unter Hindenburgs Oberbefehl siegreich beenbete große Schlacht in Ostpreußen nach ben authentischen Quellen zu rekonstruieren unternimmt. Heinz Paul, Paul Oskar Hocker unb Major a. D. Georg von Viebahn haben gemeinsam, sachkundig unb filmgerecht, bas Drehbuch geschrieben. Heinz Paul ist ein auf bem Spezialgebiet bes Kriegsfilms bewährter, befähigter Regisseur, ber sowohl in ber Bewältigung großer Massen, wie in ber wirkungsvollen Ausnahme prägnanter Einzelszenen auch hier eine glückliche Hanb beweist. Der historische Schauplatz wirb aus einer Reihe weiträumiger, malerisch photographierter ßanbfdjaftsbilber stimmungsmäßig erfaßt, — strategisch mit beweglichen Operationsskizzen übersichtlich abgesteckt. In bie sachliche 'Bilbreportage ber hinreichend bekannten, eigentlichen Kriegshanblung ist ein um einen ostpreußischen Gutshof gruppierter, kleiner Spielfilm hineinkomponiert, ohne baß bie großen Zusammenhänge burch vorbringliche Epi- foben privaten Charakters beeinträchtigt würben. Die Bilder vom russischen Vormarsch, von ber deutschen Aufklärung, von ber Flucht ber ostpreußischen Bevölkerung unb vom Russeneinfall, bie Szenen in ben beiben Hauptquartieren, bie Berufung Hinbenburgs zum Oberbefehlshaber, bie entscheidenden Operationen ber großen Umfassungsschlacht finb klar, sachlich, lebenbig unb fpannenb roiebergegeben, so daß Per nacfjerlebenbe Zuschauer ein eindrucksvolles Bild von ben ostpreußischen Kämpfen im August 1914 gewinnt. Aus ber großen Solobesetzung finb zu nennen: im beutschen Hauptquartier Karl Koerner (Hindenburg), Henry P l e ß (Lubeu- dorff), Hans M ü h l h o f e r (Hoffmann) — brei Köpfe von stellenweise überraschenber Porträtähnlichkeit; bei ben Russen: Begas-Sohn (Rennen- kamps), L o h b c (Samsonow), b e Kowa (Wol- goff) unb Ettel (Wachtmeister) mit gut umrissenen Gestalten; aus ber Spielhanblung: Hans S t r ü ro c, Käthe Haack, Hertha von Walther unb Franziska Äinz, schlicht unb ohne falsches Pathos. — Mit beherzigenswerten Worten bes bamaligcn Siegers, jetzigen Reichspräsidenten von Hindenburg wirb ber sehenswerte Film geschlossen; er läuft feit gestern im Lichtspielhaus. ®m kleines Schiff, bie „Grace Darling", wirb im Marz biefes Jahres von Englands Küste zu einer musikalischen Pilgerfahrt durch die Welt ausziehen. Eine Gesellschaft von 20 Sän. gern unb Schauspielern hat sich unter ber Leitung von Jessica Borthwick zusammengeschlossen, um oon Lanb zu Lanb zu fahren, überall Volksweisen 3" fingen unb Vorstellungen oon Volksspielen zu veranstalten. Die Leiterin biefes Unternehmens, bas im Dienste ber Völkerverständigung wirken soll, wirb selbst als Kapitän bas Schiff ber Lieber lenken, lieber ihre Vorbereitungen unb Ziele macht (ie interessante Mitteilungen in einer englischen Wochenschrift. „Es ist nichts unrichtiger, als an bem Geiste ber heutigen Jugenb zu zweifeln", sagte sie mit einem Hinweis auf ihren mit Briefen bebeef- ten Schreibtisch. „Ich erhalte täglich wohl 50 Briese von jungen Leuten, bie barauf brennen, an ber Fahrt ber „Grace Darling" teilnehmen zu bürsen. Neun von zehn bieten sich an, ohne Entgelt, nur für ben Lebensunterhalt zu arbeiten. Wir haben Englische, schottische, irische, b e u t s ch e, französische, italienische, chinesische unb russische Mitglieder — einen Völkerbund bes Gesanges. Mit unseren Gelbmitteln ist es nicht gut bestellt. Wer etwas hat, hilft ben anbern. Manche unserer Mitglieber finb einstweilen noch in Fabriken tätig, Zwei finb Schuhmacher, ein Mäbchen Mobistin. Sie finb heute noch über alle Länber verstreut, aber sie werben sich im Augenblick ber Abreise pünktlich emfinben. Ich habe währenb ber letzten elf Jahre auf meinen Reisen burch bie ganze Welt überall Volkslieder gesammelt. Ich fanb sie in entlegenen Dörfern, auf Schiffen, in Schifferkneipen — überall, wo bie Lieber eines Volkes gelungen werben. Ich reifte 5000 Kilometer burch Rußlanb unb fanb schließlich in einem kleinen, kaum 300 Einwohner zählenben Dorf einen fast Hundert- jährigen, ber eine wunbervolle Tenorstimme hatte unb ein Reportoire von 400 alten Volksliebern besaß. Viele von ihnen waren nur ihm allein unter allen heute ßebenben bekannt. Ich bat ihn, zu fingen unb zeichnete sie eiligst auf. Wenige Tage später st a r b ber Mann unb mit ihm wären diese Lieber verloren gewesen. Unsere Reise in biefem Frühjahr ist als ein wahres Frieden swerk zur geistigen An- Näherung ber Volker gedacht; benn in ber Musik finben bie Volker am leichtesten ben Weg zueinanber." ber gab es in ihrem Leben eine Periobe als Fensterputzerin unb als Kohlenträgerin — kurzum es gibt kaum einen noch so entlegenen, noch so oben- teuerlichen Beruf, mit bem es biefe Frau nicht versucht hätte. Aber ihre alte Liebe zur See ~ v । blieb stets in ihrer Seele lebenbig, unb so wirb Der Cholera, Hungersnöten, femblichen Kugeln, sie auf ihrer „Grace Darling" ausziehen zu ihrer Unterseebooten, einer sechsmonatlichen Belagerung, I Fahrt im Dienste ber Volksmusik. Zutzball der Llniverfität. Universität Gießen — Techn. Hochschule Darmstadt. Am heutigen Mittwoch treffen sich auf dem hiesigen Universitätssportplatz die Technische Hochschule Darmstadt und Universität Gießen in einem Spiel um die Südwe st deutsche hochschulmeist e r s ch a j t. Es führt bis jetzt Darmstadt mit zwei Spielen, 3 P. vor Marburg 2 Spiele 2 P., Frankfurt 1 Spiele 1 P. und Gießen 1 Spiel 0 P. Auch in Gießen werden sich die Darmstädter, die eine sehr gut eingespielte Mannschast mit einigen bekannten Spielern besitzen, klar behaupten. Während Darmstadt mit einem Mann Ersatz antritt (rechter Verteidiger), wird Gießen seine koniplette Mannschaft stellen. Darmstadt: Schwarz (Mainz 05); Link (Tv. Mayen). Keller (Koblenz 1900); Vongardt, Fürst (hassia Bingen), Schlarb I (1900 Gießen); Eckel (SB. Wiesbaden)! Rettig (Starkcnburgia Heppenheim), Jrion (1. FC. Langen), Dickel (Hanau 93), Wiegand (Borussia Fulda). Gießen: Jüngst (1. FC. Mücke), Wiedekind (BfB. Gießen), Winter (BfB. Gießen), Flieger (Wiesbaden), Zauer (BfB. Gießen) ; Wagner (BSC. Offenbach), Michel (BfB. Gießen), Erb (1. FC. Mücke), Schmidt (hassia Bingen), Vogelfänger (Mainz); Schlarb II (1900 Gießen). Das Spiel dürste sicherlich auch in den Kreisen der Gießener Fußballinteressenten viel Beachtung sinden. Verbandsspiel-Ergebniffe aus dem Gau Giehen-Wehlaf. VfB. Gießen — Wetzlarer SV. 1:1 (0:1); Frohnhausen — 1900 Gießen 2:0 (0:0), als Gesellschasts- spiel ausgetragen; Wallau — Breidenbach 3:5 (1:2); Ockershausen — Bottenborn 2:1. Bezirksklasse II: Aßlar — Burgsolins 3:0 (1:0); Oberbiel — Weilburg 2:6 (0:2); SC. Niedergirmes — Steindorf 14:0 (als Gesellschaftsspiel ausgetragen); Biskirchen — Löhnberg 3:3 (3:0); Ehringshausen — Disfenberg 1:1 (0:0); Butzbach gegen 1900 Gießen II 2:0 (0:0); Ettingshausen gegen Laubach 4:3; Leihgestern — BfB. Gießen II 14:0 (8:0). Gauklasse I: Holzhauscn - Ulm 3:1 (0:1); Stockhausen — Grävcneck 2:0 (0:0); Allendorf — Rodershausen 3:1: Aßlar 2 — Burgsolms 2 2:4 (2:2): Wetzlarer SB. 3 — SC. Riedergirrnes 2 8:0; Braunfels — Rauborn 3:7 (3:2); BfB. Gießen 3 — W cfeck 0:7 (Oti); Steinbach — Garbenleich 2:0 (2:0); Dutenhofen —1900 Gießen 3 7:2 (5:0). Gauklasse II: Ulm 2 — Stockhausen 2 5:1 (1:1); Leun — Holzhauern 2 ausgefallen; Tiefenbach — Biskirchen 2 ausgefallen; Bonbaden — Rlbshaulen 2:0 (0:0); VfL. Wetzlar — Rauborn2 4:1 (1:1); Krofdorf - 1900 Gießen 4 0:8. VfB Gießen. VfB. III — wieseck I 0:7 (0:4). Bei vollkommen ausgeglichenem Spiel mußten die DfBer eine hohe Niederlage hinnehmen, oie tonnten dem forschen Spiele der Gäste nicht standhalten, zumal auch der Torwart versagte. Der Sieg der Gäste in dieser höhe ist deshalb nicht ganz verdient. Die Gesamtleistung der Gäste soll damit nicht geschmälert werden. Spielveremlgung 1900 Gießen. Buhbach I — 1900 II 2:0 (0:0). Beide Mannschaften lieferten sich in Butzbach • einen rassigen Kampf. Auch hier gaben die schußschwachen Gießener Stürmer den Ausschlag zum Nachteil. Das Spiel war von großer Bedeutung. Mit diesem Sieg dürfte der Weg zur Abteilungsmeisterschaft in der 2. Bezirksklasse für Butzbach frei sein. Die Gießener jedoch werden ehrenvoll einen der nächsten Tabellenplätze belegen, den sie auf Grund beständiger guter Leistungen auch verdient haben. Die Begegnung in Butzbach sah zunächst 1900 im Vorteil, dann war das Spiel ausgeglichen. Tore fielen bis zum Seitenwechsel nicht. Nach der Pause drängten die Gießener, dann kam aber der Platzverein stark auf und erzielte dabei durch einen hohen haltbaren Ball das Führungstor, dem kurz vor Spielende das zweite folgte. Schiedsrichter Deis (Nauborn) leitete sehr gut. Dutenhofen I — 1930 III 7:2 (7:0). Auch zu diesem Spiel fehlte der angesetzte Schiedsrichter und man einigte sich auf ein Gesellschaftsspiel mit verkürzter Spielzeit. 1900' hatte nur 10 Spieler zur Stelle. Schon kurz nach Beginn führte der Gastgeber 3:0 und erhöhte bis zur Pause auf 4:0. In der zweiten Spielhälfte kam 1900 mehr auf und zu zwei Treffern, denen Dutenhofen abermals drei entgegensetzte. Vier der Erfolge des Platzvereins fielen durch Mißverständnis in der Gießener Hintermannschaft. Krofdorf I — 1900 IV. 0:8. Der angesetzte Schiedsrichter blieb auch hier aus, so daß nur ein Gesellschaftsspiel mit verkürzter Spielzeit zum Austrag kam. Die komplette Gießener Elf war weit überlegen und siegte nach Belieben mit 8:0 Treffern. Tisch-Tennis der Gp.-Bg. 1900. 1900 il — TIC. Großen-Linden 12:0. Bei dem am Samstag in Gießen stattgehabtcn Rückkampf siegte 1900s zweite Garnitur jederzeit sicher und zumeist ohne besondere Anstrengung. Nachstehend die Ergebnisse (Großen-Linden jeweils zuerst genannt): Einzel: G. Schwarz — Treser 8:21, 9:21, 10:21; Hantel — Reichel 10:21, 9:21, 12:21; Seipp gegen Gros 14:21, 19:21, 19:21; W. Luh — Rosenbach 17:21, 17:21, 11; C. Schwarz — Frau Hauser 13:21, 12:21, 12:21; h. Luh — Duill 17:21, 13:21, 15:21; Volk — Götz 11:21, 8:21, 7:21; E. Schwarz gegen Kurt Schmidt 16:21, 21:16, 10:21, 13:21. Doppel: W. Luh/G. Schwarz — Rosenbach/ Gros 10:21, 16:21, 18:21; Seipp Volk — Reichel/ Duill 12:21, 15:21, 8:21; G. Luh E. Schwarz gegen Frau Hauser Treser 15:21, 19:21, 12:21; G. Luh/ Hantel — Götz/KKrt Schmidt 8:21, 6:21, 10:21. Arbeiter-Turn und Sportvund. Raunheim — Bockenheim 4:3. Im ersten Spiel um die Kreismeisterschaft standen sich beide Mannschaften am Sonntag in Naunheim gegenüber. Naunheim war vorerst im Vorteil und führte schon nach kurzer Zeit durch einen überraschenden Schuß. Nun ging Bockenheim mächtig aus sich heraus und erzielte bald den Ausgleich. Naunheim kam wieder in Front, um aber gleich wieder den Ausgleich hinnehmen zu müssen. In der Folge drückte Bockenheim und Naunheim mußte sich energisch verteidigen. In dieser Drangperiode übernahm Bockenheim die Führung. Halbzeit 2:3. Nach Seitenwechsel sah man weiter sehr flottes Spiel. Nach geraumer Zeit ließ Bockenheim etwas nach. Naunheim kam dadurch mehr auf und erzielte den Ausgleich; ein Strafstoß wurde 3um Führungstor verwandelt und der Sieg dis zum Schluß gehalten. Bornheim — Dihenbach 0:2. Beide Gruppenmeister trafen sich in Frankfurt. Ditzenbach wurde verdienter Sieger. Alsfeld I — Raunheim II 0:2. Um die Bezirksmeisterschast der 1. Bezirksklasse standen sich zwei Gruppenmeister in Alsfeld gegenüber. In flottem Spiel sah man gute Gelegenheiten zum Torschuß, die aber vergeben wurden. Naunheim war seinem Gegner technisch voraus und konnte nach vieler Mühe noch vor Halbzeit zum Führungstor kommen. Die Alsselder gaben sich wohl viel Muhe, waren aber vom Pech verfolgt. Auch nach Seitenwechsel gab es gute Torgelegenheiten, aber keine Erfolge. Kurz vor Schluß kam Naunheim aus dem Gedränge zum zweiten Tor und sicherte sich so den Sieg. (Brünberg I — (Brüningen I 4:2. Zum Entscheidungsspiel um den Aufstieg zur 1. Bezirksklasse standen sich beide Mannschaften auf dem Trieb gegenüber. (Brüningen gcj den Ton an. Nach einer halben Stunde kam Grünberg zum Führungstor und blieb leicht überlegen. Nach Seitenwechsel spielte (Brüningen sehr aufgeregt und Grünberg konnte in dieser Zeit drei weitere Tore vorlegen. Die Gäste konnten auch noch zwei Tore aufholen, zu weiteren Erfolgen reichte es jedoch nicht. Wieseck III — Fronhaufen I 5:2. In Wieseck standen sich zwei Gruppenmeister gegenüber. Man sah ein ansprechendes Spiel. Wieseck war dem Gast technisch überlegen und leicht im Vorteil, konnte jedoch die sich bietenden Gelegenheiten nicht ausnützen. Fronhausen versuchte durch überraschende Durchbrüche zu Erfolgen zu kommen und konnte auch die Führung übernehmen. Bald stellte Wieseck den Ausgleich her und übernahm auch seinerseits die Führung. Halbzeit 2:1. Mad) dem Seitenwechsel blieb Wieseck weiter im Vorteil und konnte noch dreimal erfolgreich sein, die Gäste schossen noch ein Tor. Vor diesem Spiel standen sich Wieseck II — Gießen II gegenüber. Die Gäste, mit nur neun Mann, hatten nicht viel zu bestellen und mußten sich mit 4:2 Toren geschlagen bekennen. Heuchelheim I — Gießen I 1:1. Auf beiden Seiten gab es gute Torgelegenheiten, die aber von den sehr guten Hintermannschaften immer zunichte gemacht wurden. Gießen übernahm I die Führung und behielt sie bis Halbzeit. Nach der Pause drängte Heuchelheim auf Ausgleich, doch die sich bietende Gelegenheit, ein GlfmebrbaU, wurde verschossen. Erst kurz vor Schluß gelang es den Platzbesitzern, gleichzuziehen. Vor diesem Spiel standen sich Heuchelheim II und Gießen III im. Freundschaftsspiel gegenüber. Die Platzbesitzer waren ihren Gästen technisch überlegen und fertigten sie mit 7:0 Toren ab. Großen-Vuseck I — Lollar I 3:2. Schon nach wenigen Minuten übernahm Lollar durch (Elfmeter die Führung, um kurz darauf 2:0 zu erhöhen. In der Folge gingen die Platzbesitzer sehr aus sich heraus; ein für sie fälliger Elfmeter wurde verschossen, jedoch gelang es ihnen bis Halbzeit, den 'Ausgleich herzustellen. Nach Seitenwechsel ließ das Spiel merklich nach. Kurz vor Schluß kam Großen-Bujeck mit viel Glück zum Siegestor. Vorher Großen-Buseck II — Lollar II 2:2. Vom Büchertisch des Sportlers. Kameraden der Berge. (Verlag Rohwolt, Berlin W 4. — 304). — Luis Trenker. der Offizier, der Architekt, der Regisseur, der bekannte Filmdarsteller, hat ein Buch geschrieben, das von einem Leben durchpulst ist, wie es sich nur aus dem intensiven Erleben eines Mannes ergeben lonntc, der mit offenen Sinnen, mit einer Fülle der männlichen Kraft, der Entschlossenheit, der Lebensbejahung ausgerüstet ist und so sich und anderen zu geben vermag, was dem einen oder anderen unserer Zeitgenossen unter dem Druck der Verhältnisse abgehcn muß. 3n frischer unbekümmerter Art erzählt Luis Trenker von seiner Jugendzeit, von tollen Streichen, in freier Form greift er Episoden seines inhaltsreichen Lebens heraus, schildert jetzt die infernalischen Stunden im Werke Verle an der italienischen Front während des Weltkrieges und dann die kühne Besteigung der Furchetta-Rordwand. Er erzählt von Kameraden des Krieges, von den Kameraden der Berge und des Filmes, mit denen er immer irgendwie schicksalhaft verbunden war. Dazu ist dem Buche ein Humor verbunden, den man bei seinem Verfasser, mit dem verschlossenen männlichen Angesicht nicht unbedingt vermuten möchte, dec aber doch dem Buche eine eigene Rote gibt, weil er so unaufdringlicher und feiner Art ist. Man gibt das Buch, hat man es zu lesen begonnen, nicht gerne wieder aus der Hand. Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 10. Jan. Eine junge stellenloje Pflegerin hatte jahrelang mit einem jungen Kaufmann ein Verhältnis, das nicht ohne Folgen blieb. Als sie ihm Mitteiluna davon machte, wollte er von ihr nichts mehr wissen und beschuldigte sie des Verkehrs mit anderen Männern. Die Beziehungen wurden gespannt, es kam zu wechselseitigen Beschimpfungen, und als das Mädchen sich ein Schloß an fein Zimmer machen ließ, um ihrem früheren Liebhaber den Zutritt zu verwehren — sie wohnten im gleichen Haus — wurde es von ihm mißhandelt. Darauf kaufte sich das Mädchen ein langes, feststellbares Messer, das sie, wie sie angibt, immer auf dem Nachttisch liegen hatte. Eines Abends im Sommer betrat der junge Mann das Haus. Das Mädchen — das heute als Angeklagte vor Gericht stand — tarn ihm aus der Treppe entgegen. Sie erklärte ihm ihren Entschluß, Gießen zu verlassen und wegzuziehen. Darauf habe er getagt, seinetwegen könne sie nach Amerika fahren. Jim Streitigkeiten ans dem Wege zu gehen, verließ er aber sofort das Haus. Als er nach kurzer Zeit das Haus wieder betrat und die Treppe 'hinaufgehen wollte, trat die Angeklagte ihm wieder entgegen. Sie war inzwischen in ihrem Zimmer gewesen und hatte sich mit dem Messer bewaffnet. Er forderte sie auf, ihm den Weg freizugeben, und als sie dies nicht tat, drängte er sie unsanft zur Seite. Er war kaum ein paar Stufen weitergekommen, als sie ihm nacheilte, ihn zurückriß und ihm mit dem Messer drei Stiche versetzte, davon einen in die Herzgrube, der beinahe tödlich verlaufen wäre. Die Angeklagte war im wesentlichen geständig, wollte aber in Notwehr gehandelt haben; sie habe erst gestochen, als sie geschlagen worden sei. Von Notwehr konnte indes schon nach ihrer eigenen Darstellung keine Rede fein. Nach dem gerichtsärztlichen Gutachten ist sie gesund und über durchschnittlich begabt, mar aber durch ihre Schwangerschaft in einem Zustand außerordentlicher Erregbarkeit. Das Gericht schenkte den Angaben der Angeklagten, sie habe ohne Tötungsvorfatz gehandelt, Glauben und ließ mit Rücksicht auf die besonderen Umstände weitgehende Milde walten.'Die Strafe lautete auf sechs Monate Gefängnis, von denen vier unter der Bedingung mehrjähriger guter Führung erlassen sind. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt; die Urteilsverkündung erfolgte öffentlich. Wegen Verbreitung von Falschgeld verurteilt. WSR. Mainz, 9. 3 an. Wegen Verbreitung von falschen Zweimarkstücken verurteilte die Zweite Gröhe Strafkammer den 33 Jahre alten Arbeiter Johann Gärtner za zwei Jahren und die Angeklagten Walter Drossel und Hans Schlitz zu je einem Jahr und drei Monaten Gefängnis. Die Angeklagten waren im September v. I. im Rheingau bei der Ausgabe von gefälltten Zweimarkstücken festgenommen worden. Die Anklage, die ursprünglich auf Herstellung und Verbreitung von Falschgeld ausgedehnt war, konnte im Verlaufe der Verhandlung nicht voll aufrecht erhalten werden, so daß nur Verurteilung wegen Verbreitung des falschen Ec es erfolgte. irtschast. * Preiskampf in der westdeutschen Zementindustrie. Der Westdeutsche Ze- mentveroand. Bochum, hat angesichts der unnachgiebigen Haltung zweier Außenseiter, unter wirtschaftlich tragbaren Bedingungen in den Verband oder in ein Kartellverhältnis mit ihm zu treten, am 10. Januar beschloßen, mit sofortiger Wirkung eine scharfe Preisfeniung durchzuführen. Eine entsprechende Preis,entring zur Bekämpfung der Außenseiter ist auch in den anderen Ver- bandsg'b'.eten zu^esagt. Der Lieserungsvertrag der westdeutschen Vcroandswerle endigt nicht mit dem 10. Januar, sondern erst mit dem 15. Fc> bruar, um die En.scheidung der Regierung über die Anträge des Verbandes, durch Maßnahmen ihrerseits eine gleichmäßige Beschäftigung aller Werke sicherzufte len, aüzuwarten. • Der Abschluß der Harpener B e r g- bau-AG., Dortmund. Wie WTB.-Han- delsdienst erfährt, wird nicht damit gerechnet, daß nach Vornahme der erforderlichen Abschreibung :n einen nennenswerten Gewinn verbleiben wird. Verbindliche Angaben sind allerdings jetzt, wo die Abschlußarbeiten gerade erst begonnen haben, noch nicht möglich. * Doller Absatz der neuen preußischen Schatzanweisungen. Wie WTB.- Handelsdienst erfährt, hat die Emission der neuen preußischen Schatzanweisungen einen vollen Erfolg gebracht. Der Gesamtbetrag der aufgelegten 160 Millionen Mark neue öprozentige preußische Schahanw.isungen, rückzahlbar 1935 und 1933, ist teils im Wege des Vmtaus es gegen die am 20. Januar 1933 fälligen bprvzentigen preußischen Schahanweisungen, teils im Wege des freihändigen Verkaufs restlos beho.en werden. Das Umtausch- und Derkaufsgeschäft ist daher, wie vorgesehen, mit dem heutigen Tage geschlossen woroen. ' Großer Auftrag für Bayerische Motorenwerke AG. München. Die Bayerische Motorenwerie AG. hat von der Deutschen Lufthansa einen größeren Auftrag für Flug- mo-oren erhalten. Cs handelt .ich dabei um 18 Motoren BMW. 6 und 70 Hornet-Motoren, die die Gesellschaft in Lizenz von Pratt und Wilhney herstellt. Das ganze Objelt beläuft sich auf rund 2,8 Mill. Mk. Mit der Ausführung der Arbeiten ist bereits begonnen worden. Iran, urter Abendbörse freundlich. Frankfurt a. M., 10. Jan. Bei kleinen silrn- sätzen war die Crundstimmung an der Abenöbiirse überwiegend freundlich, da der Viertel,'ahresaus- weis de_. Siahlvercin und optimistische Ausführungen auf der heutigen GV. der Scheideanstalt etwas anregten. Die unregelmäßigen Ausiand- börsen blieben unbeachtet. Beim Vergleich mit dem Berliner Schluß ergaben sich meist Erhöhungen von 0,25 Prozent, Reichsbank gewannen 7/g Prozent. Im Verlaufe war das Geschäft sehr still, die Kurse blieben aber meist unverändert. Am Rentenmarkt lagen deutsche Anleihen uneinhei sich; während die Reubc sitz an leihe n8 Prozent höher eröffnete, ging die Altbesitzanleihe um 0,5 Prozent zurück. Im Verlauf holte die Al.besitzanieihe ihren Verlust wieder auf. Späte Reichüschuldbuch^orrerungen blieben zu 79,75 Prozent behauptet. Reubesihauleihe 87s bis 8,75, Altbesitzanleihe 68,25 bis 68,75, Schutzgebietsanleihe 6,32'/ Reichsbank 153.50, Mannesmann 627, bis 627g, Rheinstahl 77,75 bis 77,50, Stahlverein 35r/8, J.-G.-Farben 105','s, Hapag 19 bis 19'/,. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt be|d)lof|enen Dividende an. — Reichsbankdiskonl 4 0. H ;|ranitun a. Dl. Zien. Schluß- kurd tid)luyr. Abend« bSrs tSchluv« urd Schluvl. Dbtldq. bö fe öotum 9-1- 10-1. 9.1- 10-1. 6% Deunche «eidieanietbe v. i#2i 78 80,5 77.4 80 6% efjem.7% Di. Reichsanl. v. I92i< 93,75 94.65 94 94 6¥i% Noung.Anleihe von 1930 .. 77,5 77,5 77,3 77,8 Deutsche Anl.-Ablöl.-Schuld mb ’2Iuelo|.'))ierfiten ...... . 68,5 68,75 68,65 68,4 Tesgi. ohne Ausloft.Rechte...... 8,75 8,75 8,85 8,5 6% ebem.8% Hel!. Volkostaal 1929 trüctzahlb 102%) ........... 74,5 77,5 78,5 77,5 Oberhellen Provinz-Anleihe mb Ausloi.-Rechten ........... 65,5 65,5 Deutsche Komm. Lammelab l.An leihe Gerie 1 milAusloj.-Rechten 63,5 63 64 62,5 6% ehern. 8% Franks. Hnp.-Banl Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 87 86,9 6% ehem. 7% Tranis. Hup.-Bank Goldvse. 16 unkündbar bis 1936 86,5 86,9 _ _ 6'4% ebem. 4'/2% Franks. Hhp. Bank-Ligu.-Psandbriese ..... 89,13 88,75 _ _ 5%% ehem. 4’/.% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Wolbpse. ... 6% ehem. 8% Br. Landeopsand briesanllall. Pjandbriese R. 19 88,4 89 _ _ 85 85 85 85 6% ehem. 7% Pr. Landespsand- briefanftoll, Pfandbriefe R. 10 85 — 4% O österreichische «olorenie... 4,20% Lesterreichische Silberrenke — — — 1,05 1,05 1,13 1,15 4% Ungarische Goldrenie .... —— —- — —— 4% Ungarische Staatcrente v. 1910 — — — — 4-4% besgl. von 1913 ..... —— — —— - 6% abgcü. Goldmexikaner von 99 6,5 6,75 6.65 7 4% Türkische Zollanlethe von 1911 4.2 4,15 1,13 4,13 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Serie 1......... 4,3 4,3 4,4 4,5 4% vesgl. Serie II ............ 4,4 4,3 4,35 4,5 5% Rumän. meint). Menle i>. 1903 5,8 5,6 5,6 5,6 4'/,%Ruman.verelnh.Reniev.l913 9 9,3 8,75 9 4% Rumänische Verein!,. Rente . 4,8 5 4.9 4.9 8%% Anatolier.............. 22,75 —- 22,5 22,5 . .011 Ul «..... scr.. > Schluß, kurs Echußl. Abend« bö le c^chluß« turd (FirluSf. Miliar« körte Dalum 9.1. 10.1. 9-1 10.1. vauivurg.Amertkn.Pakei ..... 1 19 19,13 19 18,75 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 - —— 28 — Hansa Dampfschiff........... 0 — — 26.5 27,5 Norddeutscher Lloyd ......... 0 19.9 19.75 20 19,65 A.K. für Berkehrswesen Akt. .. 0 48,75 46.5 47,5 46.75 Berliner Handelsgeiellschasl.... 4 90,5 93 91.25 93,5 Commerz- und Privat-Bank ... 0 53 53 53.5 53,5 Deutsche Bank und DiSronto- Gesellschaft................ 0 73 73 73 73 Dresdner Bank.............. 0 61,75 61,75 61,75 61,75 Reichsbank ................. 1 152,25 153,5 152,75 152,65 A.E.G..................... 0 31,75 31 32,4 31.4 Elektr. Lieferungögesellschast ... 6 84,75 84 Licht und Kraft ............. 6 99 98.25 99 98,25 gelten ä Guilleaume ........ 0 55,13 55 55 54.65 Gesellschaft für Elektrische Unter- nehmungen ............... 4 83,75 84 83.75 84 Rheinische "Elektrizität ........ 5 99 97 99,5 97,25 Schurken 8 I5u.............. (1 91 91,65 91,25 90,5 Siemens 8 Halske........... « 126,5 125 126 124,5 Labmeyer 8 Eo.............. 10 119,5 120 118,5 119,65 Buderus ................... 0 44 44 44,5 44,25 Deutsche Erdöl ............. 4 88,25 90,25 89,25 90 Gelsenkirchener.............. 0 51,5 50,75 50,9 51,13 Harpener................... 0 85 85.5 84 85 Hoesch Eisen—Köln-Neuesten.. 0 53,13 53,4 Ilse Bergbau ............... 7 — — 134 135,5 , Ilse Bergbau Genüsse........ 7 102 104 102 102 Uli)(hierwerfe ............... 0 47 47,13 47 47 ManneSmann Rohren........ 0 62 62.65 62,75 62,65 Mansselder Bergbau......... 0 27 26 27 25,65 £6er(rf)le|. ttokswerke......... 0 — — 74,9 74,9 Phönix Bergbau............. 0 34,75 36 35,25 35,5 Rheinische Braunkohlen ...... 10 184 -— 183,75 183.75 Rhein stahl............. (’ 76,25 77,5 76,4 77-5 Hranl'un a.Di Lerlin Schiuv- furd ivchium. Abend« bäri Ech uß« rurd Schlugt. Mi og« bör e lOalum 9.1. 10-1. 9-1 10-1. ■ticreminic Stahlwerke..... 34,5 35,4 34,25 35,13 Clnol Minen ............ ... 0 — 16 16,25 15,75 Kaliwerke Aschersleben..... ... 6 114 114 114,5 114 «aliroerfe Westeregeln..... ... 6 118 119 118.5 119,25 Caliwerke Salzdetfurth .... ... l 172,5 176 175 175.25 3 G. Farben-Jndustrte .... ... 7 106,25 105,13 106,75 105 Scheideanslalt............ ...10 160 159 •— — Goldschmidt ............. ... 0 42 41 40,5 41 Rütgerswerke ............ ... 0 45 44,9 45 44.9 Mctallgeiellschaft.......... ... 0 37,75 37 38 37,25 Bhilivv Holzmann........ ... 0 62 62,5 61,5 62,75 Zementwerk Heidelberg ... ... 4 54 54 — — Zementwerk Karlstadt...... ... 0 — — —• wahst 8 Frehtag ......... ... 0 5,13 5,13 5,5 Schultheis Payenhoser..... ... 0 — — 112 110,5 Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 42,5 42 43,25 42.25 Bemberg................ ... 0 55.25 56 55 55.9 Zellstoff Waldhos ......... ... 0 46 47 46 45,9 Zellstoff Aschaffenburg .... ... 0 29,25 29,75 30 —— Dessauer Gas ............ — 111,25 111,25 Daimler Motoren......... ... 0 21,9 21,5 22 21,75 Deutsche Linoleum ....... ... 0 40,5 42.5 41 42,75 Ctenllein 8 Koppel ....... . . 0 — 42,65 45,4 Leonhard Tiey ........... ... 6 41 41 40,75 41,5 (habe ................... .. .12 — 144 144 (Mrlhner................. ... 0 29,5 29,5 30 31,5 Mainkrastwerke Höchst a.M. ... 4 । 70 70 Süddeutscher Zu.ler . . f> 140 140 139 139 Lombardzinsfuß 5 v. H. Devisenmarkt Berlin - $iantfurl a ZH """ g.Januar 10. Januar Amtliche Jionerum. ymibd» Jioncrun.. (S l'l ' Hrie (Sciö yric veliinfliorv. 6,194 6,206 6,2)4 6,216 Wien ..... 51,95 52.05 51.95 52,05 Prag...... 12,465 12,485 12,4.5 12,485 Budapest .. —— — — — Sofia..... 3,657 3,063 3,057 3,063 Holland .... 169,33 169,67 169.33 169,67 Colo...... 72,48 72,62 72.58 72,72 Kopenhagen 72,88 73,02 72.98 73,12 Stockholm.. 76,57 76,73 76.67 76,83 London ..... 14,08 14,12 14,08 14,12 Buenos Aires ,858 0,862 0,858 0,862 Neunork ... 4.269 4.217 4,209 4,217 Brüssel .... 58,29 58,41 58,29 58,41 Italien .... 21,54 21,58 21,54 21,58 Poris ..... 16,425 16,465 16,42 16.46 Schweiz ... 81,00 81,16 80,99 81.15 Spanien ... 34,42 34.48 34,42 34,48 Tonzig .... 81,72 81,83 81,72 81,88 Japan ..... 0,869 0,871 0,869 0,871 Rio de Ian. 0,239 0,241 0.239 0,241 Iugollawicn 5,554 5,566 5,554 12,83 5,566 Lissabon... 12,81 12,83 12,85 Banfnoten Serlin,' 10-^onuar (S'elb Brief t>lmcrllmil|d)e Noten...... 4,20 4,22 Belgische Noten. ........ 58,13 58,37 Dänische Noten ........ 72,60 72,90 Englische Noten ......... 14.01 14,10 Irauzösische Noten....... 16,38 16,44 Holländtjche Roten....... 168,96 169,64 nirttt 21,48 72,40 21,56 Horwegische Noten ...... 72,70 Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling — —— Rumänische Noten....... 2,46 2,48 Schwedische Noten....... 76,50 76,80 Schweizer Noten........ 80.81 81,13 Spanische Noten........ 34.28 34,42 Ungarische Noten........ — —-