Nr. 264 Erstes Blatt 185. Jahrgang Zreitag, 10. November 1953 Erschein» «agllch, außer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Giehener Familienblättei Heimat im Bild Die Scholl» Monatr-Vezugrpretr: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustriert» , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüsse antcr Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck Md Verlag: vrühl'fche UniversttSlr-Vllch' Md Sleindruckerei R. Lange in Giehen. Schrifilettung Md Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“/o mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or. H.THyriot; für den übrigen Teil Emst Dlumschein und für den Anzeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen. Martin Luther. Ium 10. November 1933. Von D. Dr. Hermann Wolfgang Beyer, o. ö. Professor der Kirchengeschichte an der Universität Greifswald. Mitten in dem großen Geschehen, das unser Volk in allen seinen Gliedern erfaßt, mitten in dem Kampf um die Wiederherstellung der deutschen Ehre vor der Welt, mitten in dem Ringen um die schöpferische Entfesselung aller echten und starken geistigen Krqfte in unserem Volke steht die Gestalt Martin Luthers vor uns auf. Es geschieht in einer Zeit, in der unser Volk noch einmal alle seine Kräfte sammelt, um sich zu behaupten, mitten zwischen Bolsche- , wisrnus und westierischem Ungeist. Kein Wunder, daß es sich besinnt auf die großen Gestalten seiner Geschichte und daß es sie sich vergegenwärtigt unter dem Gesichtspunkt ihrer Bedeutung für das Volk. So sehen wir heute in Martin Luther zuerst den deutschen Mann, dessen menschliche Größe doch, wenn sie ehrlich sind, auch die anerkennen müssen, die sich nicht zu seiner reformatorischen Tat be= De» Führers Rede an die deutsche Arbeiterschaft auf der heutigen Kundgebung für Friede, Arbeit und Brot, die von 13 bis 14 Uhr übet alle deutschen Sender geht, wird heute von 20 bis 2 1.10 Uhr wiederholt! kennen. Wahrlich: In kaum einer Gestalt der deutschen Geschichte finden wir so ausgeprägt wie bei Luther die Züge echt deutschen Wesens wieder. Deutsch ist der grübelnde Sinn, mit dem der Sohn des Dauerngeschlechtes aus dem Herzen unseres Vaterlandes die großen Fragen des Lebens anpackt und nicht eher ruht, bis er eine schlichte, klare, eindeutige Lösung gefunden hat. Deutsch ist der Mut zur Wahrheit, vor der Luther sich beugt und wenn ihm darüber alles, was ihm bisher Lebenssinn zu sein schien, zerbricht, für die er aber fortan einsteht als echter kämpferischer Mensch, gegenüber allen irdischen Mächten auf die Gefahr hin, sein Leben zu verlieren, aber auch gegenüber den nächsten Freunden, wenn sie weich werden oder wenn sie im Ueberschwang ihr eigenes Wollen über die Wahrheit setzen. Deutsch ist die erfrischende Derbheit in der Sprache Luthers, die den Gegner jo nimmt, wie er es verdient, die alle Dinge mit treffendem, unerbittlichem Wort bezeichnet und doch nie in Haß umschlägt und vollends nie einen unreinen Ton aufklingen läßt. Deutsch ist die Zartheit und Innigkeit, mit der dieser unerbittlichste Denker unter allen Deutschen, dieser unermüdliche, harte Kämpfer zu seinem Weibe und zu seinen Kindern spricht, die ihn zum Dichter und zum Freund fröhlicher Musik macht. So hat Martin Luther unserem ganzen deutschen Volke Großes geben können. Sein Eingreifen in die Geschichte hat erst die Dahn dafür frei gemacht, daß die Deutschen den Gedanken fahren lreßen, Trager eines fortgesetzten römischen Weltreiches zu sein und sich auf die völkischen Grundlagen ihrer eigenen Staatlichkeit besannen. Durch sein Wirken hat sich der Schwerpunkt der deutschen Geschichte nach dem Norden und Osten verschoben und dessen schöpferische Kräfte entbunden. Seine Bibelübersetzung und Die Fülle seiner Schriften, die in handlicher, auch äußerlich anziehender Form immer wieder durch ganz Deutschland gingen — man kann sich 'N der Wittenberger Lutherhalle ein anschauliches Bild davon machen — haben den verschiedenen Stammen unseres Volkes eine doch im Ganzen einheitliche überall verständliche und den Ausdruck des Lebens formende Sprache gegeben. Zugleich hat diese Sprache durch die Meisterschaft, mit der Luther sie beherrschte und alle ihr zugänglichen Töne aufklingen ließ, solche Kraft und Tiefe bei aller Volkstümlichkeit bekommen, wie sie kaum eine andere neuere Sprache De» sitzt. Luther hat die Meinung zerbrochen, daß; öas Religiöse als etwas Heiliges über dem Irdischen, dem Profanen, schwebe; indem er das Des menschlichen Lebens und aller seiner Gemeinschafts- formen in seiner Unmittelbarkeit zu Gott erkann ist er zum stärksten Bahnbrecher der neuzeitlichen Kultur geworden. Das Mittelalter sah in d^Ehe losigkeit des Priesters und Mönchs etwas besonders Frommes, während Luther die gottgewollte Heilig teil des Ehestandes verkündet hat. Der Reformator erst hat sein Volk den tieferi Sinn des Wortes „Bern f" verstehen gelehrt. Auch km erkannte er nicht an, daß es 'rsendeme Form menschlicher Betätigung gebe, die als solch h 9 wäre als irgendeine andere. Er wußte, d h beit der Magd im Stalle genau so wie das Amt des Geistlichen am Altar, der wie Handeln des Staatsmannes, der das tejen in wagender Tat aufs Spiel setzt, Gottesdienst feien, wenn sie nur im Wissen um d^ D^antwo tan würden, die auf jedem menschlich $ So hat Luther die Vorstellung zerbrochen, daß es iraenbeinen geistlichen Machtanspruch in dieser Welt o?be ha7Äm"t und Obrigkeit der ®erantmortun9^ irdischen Menschen übertragen. Aber eben d & Ä über »Ä ‘»Ä ' Luther hat den Menschen frei gemacht von allen Bindungen an irdische Mächte und Gewalten vn die sich das Herz verlieren oder m Die es oerjinui werden kann Gott über alle Dinge furzen heben und vertrauen, das war feine Forderung! Daß dies möglich fei, war seine Freude und kraftspendende Verkündigung. Wenn der Mensch auf den lebendi- Macdonald ersucht Deutschland um Vorschläge zum Abrüstungsproblem. Oer britische Ministerpräsident spricht aus dem Lordmayors-Bankett in der Guild-Hall. London, 10. Nov. (TU.) Am Donnerstag fand bei dem neugewählten Lordmayor von London das jährliche Festessen mit den üblichen Feierlichkeiten in der Guild-Hall statt. Unter den 800 Gästen sah man die Mitglieder des englischen Kabinetts, führende englische Politiker und Militärs, das Diplomatische Korps, darunter den deutschen Botschafter von H o e s ch und viele andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Das Hauptereignis des Abends war die Rede des Ministerpräsidenten Macdonald über die politische Entwicklung des vergangenen Jahres, die auch vom Rundfunk übernommen wurde. Macdonald erklärte u. a., England habe feine Streitkräfte bis zu dem Punkt vermindert, wo nicht ein einziges Pfund ausgegeben werde, das nicht ehrlich notwendig sei« für die Verteidigung im Licht der augenblicklichen Umstände. Gerade in dem Augenblick, wo ein neuer Versuch habe gemacht werden sollen, um den deutschen Ansprüchen entgegenzukommen, sei Deutschland nicht nur aus der Abrüstungskonferenz ausgetreten, sondern habe es auch seinen Austritt aus dem Völkerbund angekündigt. Nachdem Macdonald aufgezählt hatte, was die britische Regierung getan habe, um Deutschland zu helfen, erklärte er, die britische Regierung sei bestrebt, diese Arbeit fortzusetzen, wenn Deutschland ihr gestatte, dies zu tun. Bei einer Abrüstungskonvention, die die Welt befriedigen solle, müsse Deutschland unterschreiben. Was solle Deutschland hindern, uns feinen Standpunkt vorzulegen? Deutschland würde sich an ein Tribunal von Männern binden, die den Frieden wollten und die bereit seien, Deutschland in jeder Weise entgegenzukommen. Die gegenwärtige Politik der britischen 'Regierung sei, das Zusammenwirken mit Frankreich, Italien und den "Vereinigten Staaten aufrechtzuerhalten und alles au tun, um Deutschland z u den Verhandlungen zurückzubringen. Freiherr von Neurath habe vor zwei Tagen zum Ausdruck gebracht, daß seine Regierung Vorschläge zu machen habe. England möchte diese Vorschläge gern sehen. Man habe für den deutschen Standpunkt größtes Verständnis, das deutsche Problem bestehe jetzt darin, sich den übrigen Ländern anzuschließen. Er vertraue darauf, daß, wenn in der nächsten Woche die deutschen Wahlen vorüber sein werden, die deutsche Regierung ihr großes Ansehen benutzen werde für Ueberlegungen, die nid/ nur Deutschlands eigenen Interessen dienen, sondern denen ganz Europas. Hetzreden in der französischen Kammer. Paris, 9. Nov. In der Kammer begründete der Abgeordnete Ouärnut (unabh. Linke) eine Interpellation über die auswärtige Politik der Regierung. Er begann mit dem Abrüstungsproblem, indem er es als „nicht unangebracht" bezeichnete, „Deutschland für einige Zeit unschädlich zu machen". Gusrnut versuchte nachzuweisen, daß Frankreich stets zur Abrüstung bereit gewesen sei, und knüpfte daran die naive Frage, was dagegen Deutschland getan habe. Der Redner sprach von den angeblichen Plänen der deutschen Heeresleitung und ließ dabei das Eingeständnis durchschlüpfen, daß gewisse Kreise in Frankreich bei der Anregung von Kontrollmaßnahmen nur an Deutschland gedacht hätten. Er behauptete schließlich: „Weil Deutschland nicht die Kontrolle wollte, hat es die Abrüstungskonferenz verlassen." (Lebhafter Beifall auf allen Bänken.) Guärnut wandte sich weiter gegen Verhandlungen zu Zweien oder Vieren und plädierte unter lebhaftem Beifall der Mitte und der Linken für eine allgemeine Aussprache in Genf. Paul- Boncour sei nicht nur der Außenminister Frankreichs, sondern auch der Außenminister „all' der Menschen und Völker, die einen aufrichtigen Frieden wünschten." Das Thema Abrüstung behandelte auch der ehemalige Kabinettschef Cl^menceaus, Abgeordneter Mandel. Seine Interpellation bezog sich darauf, welche Maßnahmen die Regierung angesichts der „wegen der Aufrüstung Deutschlands ungen Gott vertraut und auf nichts sonst, wenn er ihm allein gehorsam ist, bann wird er frei von allen den Sorgen und Rücksichten, den Hemmungen und Bindungen, den Verlockungen und Verfügungen, denen Der natürliche Mensch so leicht er« ■ liegt. Das ist d e r Sinn d e r Freiheit eines Christenmenschen, wie sie Luther wieder entdeckt hat und nicht das vermeintliche Recht, immer und in jedem Falle auf die eigene Meinung pochen zu können, was man in gröblicher Irreführung als protestantische Freiheit ausgegeben hat. Weil der im evangelischen Sinne freie Mensch nicht seinen, sondern allein den ewigen Willen des Schöpfers und Erlösers vollziehen will, gebraucht er seine Freiheit allein zum Dienst am Nächsten. So hat Luther uns wieder die echte sittliche Bindung verstehen gelehrt, in welcher der Mensch mitten in der Schöpfung steht, in der er zu wirken hat auf ein ewiges Ziel hin. Der Luther, der da faate: „Ich suche nicht das Meine, sondern euer, der Deutschen, Heil und «Selig» aufhörlich wachsenden Gefahr" zu ergreifen gedenke. Mandel wunderte sich, daß Frankreich auf der Abrüstungskonferenz nicht die Geheimakten über die deutsche Aufrüstung geöffnet habe. Die deutsche Propaganda habe Unheil genug angerichtet. Jetzt sei es höchste Zeit, mit unwiderleglichen Dokumenten aufzuwarten. (Lebhafter Beifall auf vielen Bänken.) Mandel zitiert dann Erklärungen Clämen- ceaus, Wilsons und Balfours bei den Friedensverhandlungen, um damit nachzuweisen, daß es sich um eine endgültige Abrüstung Deutschlands gehandelt habe. Es sei nicht zweckmäßig, sich ständig auf den Vertrag zu beziehen, wenn man wesentliche Klauseln zerreißen lasse. Mandel forderte die Rückkehr zur Einhaltung des Versailler Vertrages, dessen Artikel 213 das ftänöige Jnvestiga- tionsrecht des Völkerbundes vorsehe. Der Interpellant erinnerte daran, daß Außenminister Paul-Boncour im Dezember vorigen Jahres auf eine Anfrage des Obersten Fabry gesagt habe, bisher habe keine Regierung die Anwendung des Artikels 213 gefordert. Außenminister Paul-Bon- keit", hat feinem Volke den besten Dienst getan, den er ihm tun konnte: Er hat ihm den Blick auf die ewige Bestimmung wieder frei gemacht, welcher der Menfck in seiner Zeit, in feinem Stande, in feiner Volksgemeinschaft zu dienen hat. So hat er uns einen echten Kirchenbegriff geschenkt. Die Kirche ist für Luther nicht eine große irdische Macht, die neben oder über dem Staate steht. Sic ist für ihn aber auch nicht eine Vereinigung zur Pflege irgendwelcher Weltanschauung. Kirche ist für Lpther schlechthin das Volk, soweit es im Glauben um seine Bindung an einen einheitlichen, unbedingten Willen Gottes weiß, und die Botschaft hört, daß da, wo alle Menschenkraft an ihrer Gebrechlichkeit und Todoerfallenheit ihr nicht wegzuleugnendes Ende findet, Gottes Wille dennoch zu feinem ewigen Ziele kommt. So ergeht Luthers Ruf an uns in einer Zeit, wo die Besinnung auf die Urfragen unseres Seins wieder mächtig aufbricht. Er mahnt uns, die Dinge dieser Erde nicht in irgendeinem verklärten Schein, c o u r wirft ein: „Es lag nicht in feiner Absicht, diesen Artikel als nicht in Frage kommend zu bezeichnen." Mandel versuchte, den Außenminister beim Wort zu nehmen, und erklärte: „Sie werden also morgen etwas unternehmen?" (Gelächter.) Niemals hat, fuhr der Redner fort, auf einer dieser Bänke jemand gegen die Berechtigung dieser Klausel porteftiert, nicht einmal Löon Blum. — Der Redner erging sich dann in den unglaublichsten Unterstellungen gegen Deutschland. Man müsse eine Untersuchung fordern, erklärte er schließlich, und eventuell Sanktionen anwenden. Oas Büro der Abrüstungskonferenz tagt. Genf, 9. Nov. (TU.) Das Präsidium der Abrüstungskonferenz trat Donnerstagnachmittag unter dem Vorsitz von Henderson zu einer neuen Tagung zusammen, die innerhalb weniger Tage durch eine neue Vertagung abgelöst wer» sondern in ihrer harten, nüchternen Wirklichkeit zu sehen. Er mahnt uns, alle gott- geschaffene Gemeinschaft zwischen Eltern und Kindern, zwischen Mann und Weib, zwischen Karne- raden und Kameraden, zwischen Führer und Geführten, zwischen Volks- und Glaubensgenossen wieder ganz ernst zu nehmen. Er erinnert uns daran, daß die schöpferische Kraft im Dasein die Opferbereitschaft ist, die sich Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib nehmen läßt, um des höheren Zieles willen, Dem es zu leben und zu sterben gilt. Luther sagt uns, daß die Volkwerdung, die noch einmal machtvoll angebrochen ist unter uns deutschen Menschen nur dann zur Vollendung ton» men kann, wenn wir wieder zur lebendigen Kirche, zur Gemeinschaft im Glauben, in bet Hingabe und im Erlöstsein, werden. Ob dies gelingt, das ist im letzten Sinn die Schicksals* frage, weiche eine uns alle erschütternde Zeit an uns, an Luthers liebe Deutsche, stellt. Senkung der Mrgakineprelse./Llweiierung des Kreises der Zezngsberechiigken. Bedeutsame Mahnahmen der Reichsregierung zur Zettversorgung der minderbemittelten Bevölkerung. Berlin, 9. Nov. (WTB.) Die Reichsregierung hat neue bedeutsame Maßnahmen für die gesamte Bevölkerung, insbesondere für die minderbemittelten Volksgenossen getroffen. Ab Dienstag, den 14. November 1933, wird folgende Regelung wirksam: 1. Die Margarinepreise werden herabgesetzt und festgelegt. 2. Größere Margarinemengen werden bereitgestellt. 3. Der Kreis der zu Bezügen von Haushaltsmargarine Berechtigten wird bedeutend erweitert. Die Margarine wird ab Dienstag, den 14. November, zu folgenden Preisen verkauft: 50 v. h. von der Gesamterzeugung steuerfreier Haushaltsmargarine zu 38 Reichspfennigje Pfund, 25 v. h. als Konsumware zu 66 Reichspfennig je Pfund; außerdem sind noch zwei Klassen f ü r kaufkräftigere Verbraucherschichten zum Preise von 0,98 und 1,10 Reichsmark je Pfund für je 12,5v.h. der Erzeugung zugelassen. Zur Versorgung der Minderbemittelten dient wie bisher, jedoch für einen erweiterten Verbraucherkreis, die Haushaltsmargarine, die nur au Bezugsberechtigte abgegeben werden darf. Darüber hinaus wird nunmehr f ü r d i e übrigen B e v ö l k e r u n g v s ch i ch t e n 'm ausreichendem Umfange eine besonders gekennzeichnete „ftonfumroare“ zum Preise von 66 Reichspfennig zur Verfügung stehen, während bisher diese Ware zu einem Preis von etwa 80 Reichspfennig, oft auch noch teurer, verkauft und in unzureichendem Umfange in den Verkehr gebracht wurde. Mit Rücksicht auf den größeren Fettbedarf in den Wintermonaten, der durch die erhöhte Kaufkraft infolge des Rückgangs der Arbeitslosigkeit noch verstärkt wird, hat der Reichsminifler für Ernährung und Landwirtschaft der Margarineindustrie Zusahkontingente in beträchtlichem Ausmaß gewährt. Mit sofortiger Wirkung wird ferner die Fettverbilligungsaktion über den bisherigen Rahmen hinaus ausgedehnt. Die mit der Durchführung betrauten Stellen sind angewiesen worden, bei derEin - beziehung von Personen, deren Lohn und sonstiges Einkommen den Richtsatz der öffentlichen Fürsorge nicht wesentlich übersteigt, weitherzig zu verfahren. 3m Hinblick auf die besondere Bedeutung der kinderreichen Familien für die Erhaltung des Volkstums ist ferner ihre weitgehende Berücksichtigung bei der Fettverbilligung vorgesehen. Es ist angeordnet, daß auch Familien mit drei und Witwen mit zwei Kindern Fettscheine auf Haushaltsmargarine erhalten, während bisher nur Familien mit vier und Witwen mit drei Kindern berücksichtigt wurden. Auch die dem Mittelstand zuzurechnenden Familien mit mäßigem Einkommen sollen künftig an diesen Vergünstigungen teilhaben. Durch diese Maßnahme wird die Fettversorgung der Verbraucher fühlbar erleichtert, ohne daß das Ziel der nationalen Fettwirtschaft irgendwie gefährdet wird. OerNuckgang derArbeüslosen hälterstmaksauchimOktoberan Berlin, 9. Nov. (WTB.) Die Reichs an - stalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung veröffentlicht für die Zeit vom 16. bis 31. Oktober 1933 folgenden Bericht über die Arbeitslage im Reich: Obgleich im Oktober erstmalig saifonmäßige Zugänge an Arbeitslosen in stärkerem Maße eingetreten sind, führten die planmäßig eingesetzten Arbeitsbeschaffungsmaßnah- men und die anhaltende Belebung einzelner Wirtschafts zweige zu einem Rückgang der Arbeitslosenzahl in diesem Monat um f a ft 10300 0. Die Meldungen der Arbeitsämter ergeben für Ende Oktober eine Ge- samtzahl von rund 3 746 000 Arbeitslosen. Erstmalig seit 1928 ist eine Abnahme der Arbeitslosenzahl auch im Laufe des Monats Oktober feftzustellen. Einer Zunahme der Arbeitslosenzahl im Oktober der Jahre 1928 von plus 151 879, 1929 plus 233 543, 1930 plus 247 807, 1931 plus 268 497, 1932 plus 6 423 steht eine Abnahme im Oktober 1933 um 102 828 gegenüber — ein deutliches Zeichen der von der Reichsregierung ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Der Rückgang an Krisen - und Wohl- fahrtsunterstützten zeigt, daß es mehr und Imehr gelingt, auch d i e langfristig Arbeitslosen und bedürftigsten Volksgenossen in Arbeit zu bringen. Pat und Patachon in zahlreichen Lustspielen aufgetreten ist, wurde, wie die Berliner Morgenblätter melden, in ein Irrenhaus gebracht. Er erlitt während einer Filmaufnahme einen Tobsuchtsanfall. — Pat und Patachon wurden durch einen Zufall vor Jahren zufammengeführt. In einem dänischen Zirkus trat der Clown Madsen auf. Der Lehrer Schenström besuchte eine Vorstellung; der Clown gefiel ihm besonders gut. Er suchte dessen Bekanntschaft, und es entwickelte sich daraus eine richtige Freundschaft. Die Beiden beschlossen, gemeinsam ihren Humor und ihr Glück zu versuchen. Sie filmten als Pat und Patachon und trafen damit den spezifisch dänischen Humor. Ähre grotesken Filme traten von Kopenhagen aus einen Siegeszug durch die Welt an. Es war, äußerlich, eine Neuauflage von Don Quixote und Sancho Panfa. Der Lehrer Schenström als Pat lang und melancholisch, der Clown als Patachon luftig, beweglich und dick — so waren sie auch dem deutschen Filmbesucher ein wohlbekanntes und, wie es schien, unzertrennliches Paar. Vergessen und in Armut gestorben. Wie die Stockholmer Zeitung „Svenska Dagbladet" berichtet, ist in Nizza einer der größten Wohltäter schwedischer Forscher vergessen und in Armut gestorben. Es handelt sich um den Russen S i» biria kow, der seinerzeit die Mittel zur schwedischen „Bega-Expedition" und Millionen^Beträge für andere Forschungen zur Verfügung gestellt hatte und einer der reichsten Männer des alten Rußlands war. Sibiriakow starb im Alter von 84 Jahren; auf seinem Sarg lag ein einziger Kranz — vom schwedischen Kirchenminister. Außer seiner Pensionswirtin folgten dem früher weltberühmten Mann nur der schwedische Konsul und zwei andere Schweden zum Grabe. Durch eine Unterstützung der schwedischen Regierung wurde Sibiriakow, dessen riesiges Vermögen in russischen Banken angelegt und für ihn nach der Revolution unerreichbar war, vor dem Verhungern und jetzt vor dem Armengrab bewahrt. Hindenburg übernimmt die Schirmherrschaft über den Kolonial-Lhrenhain. Reichspräsident von Hindenburg hat einer Bitte des Präsidenten des Reichskolonialbundes, Gouverneur a. D. Dr. Schnee folgend, die Schirmherrschaft über den Kolonial-Ehrenhain bei Eisenach übernommen. Vorsitzender des Arbeitsausschusses für die Errichtung des Kolonial- Ehrenhaines ist Reichsstatthalter Ritter v. Epp. Der Kolonial-Ehrenhain wird errichtet in dem von herrlichen Wäldern bestandenen Berggelände südlich der Stadt Eisenach. Er hat die doppelte Aufgabe von dem unerschütterlichen Willen des deutschen Volkes auf Rückgabe seiner Kolonien Zeugnis abzulegen und die Erinnerung an die deutschen Kämpfer wachzuhalten, die für die Entwicklung und Freiheit der deutschen Kolonien gefallen sind. Ein neuer krankenkassenskaubat. Die Justizpressestelle Berlin teilt mit: Im Zusammenhang mit der Aufdeckung der unglaublichen Mihstänoe und Betrügereien in den marxistisch verseuchten Krankenkassen wurde der Baumeister Richard Freund in seiner Wohnung verhol- t e t und in das Untersuchungsgefängnis Moabit übergeführt. Nach eingehenden Ermittlungen hat der Sonderftaatsanwalt für die Untersuchung bei den Krankenkassen gegen Freund Anklage wegen fortgesetzter Untreue und fortgesetzten Betruges erhoben. Der verhaftete Richard Freund ist der alleinige Inhaber der Baufirma Schmidt & Freund, der gleichzeitig „ehrenamtlich" Vorstandsmitglied der Ortskrankenkasse für das Maurergewerbe in Berlin und Soandau war. Die Anklage wirft ihm vor, in den Jahren 1927 bis 1933 die von ihm verriete- nen Kaffen in schamlosester Weise um etwa 2850 0 0 Mark oeschädigt zu haben. Ihm wird vorgeworfen, bei der Errichtung des großen Verwaltungsgebäudes der Kaffe in der Hankeftraße die Baukosten von 400 000 Mark auf 685 000 Mark zu Gunsten seiner Firma hinausgeschraubt zu haben. den soll. Nach einer kurzen, kaum halbstündigen 1 Sitzung wurde die Einsetzung eines sechsgliedrigen engeren Ausschusses beschlossen, dem Eng- land, Frankreich, Italien, Polen, Spanien und Nor- wegen angehören. Dieser Sechserausschuß soll bis Samstag dem Präsidium der Abrüstungskonferenz einen Vorschlag für d i e weitere tech- Nische Umarbeitung d e s Macdonald- plane» machen und zwar soll jetzt eine Reihe von einzelnen technischen Ausschüssen für die Bearbeitung der verschiedenen Kapstel des Macdonaldpla- nes eingesetzt werden. Ausgefallen ist, daß in dem Sechserausschuh weder Amerika noch Sow- jetrußland noch Japan vertreten ist. Man ist damit von der bisherigen Gepflogenheit der Einbeziehung sämtlicher Großmächte in die Verhandlungen abgewichen. Für eine direkte Aussprache Berlin-Paris. Eine Anregung des Neichsbankpräsidenten Tr. Schacht. P a r i s, 9. Nov. (TU.) Das „Petit Journal" be- richtet über eine Unterredung, die Reichsbankpräsident Dr. Schacht einer Mitarbeiterin des Blattes gewährte. Der Reichsbankpräsident wies auf die Nützlichkeit und Notwendigkeit einer direkten deutsch-französischen Aussprache hm. Die Londoner Weltwirtschaftskonferenz mit ihrem kläglichen Ergebnis beweise, daß solche Massenocr- fammlungen wenig erfolgreich seien. Auch Reichskanzler Adolf Hitler sei gegen Riese n ko n- greife, weil dort ein Vorschlag stets eine Reihe von Gegenvorschlägen auslöse. Eine Konferenz müsse möglichst wenig Personen umfassen, die jedoch das restlose Vertrauen ihrer Regierungen hätten. Warum seien die Deutschen und Franzosen niemals allein in Fühlung gekommen? Man würde sich so näherkommen. Em auf diese Weise geschaffenes Wirtschaftsabkommen würde sicher auch zur politischen Verständigung führen. Leider aber kämen Franzosen und Deutsche niemals miteinander in Fühlung. Man suche sie stets g e - geneinander a u s z u s p i e l e n. Sonderbevollmächiiglc des SberstenSA-Mrers bei den preußischen Behörden. Berlin, 7. Nov. (WTB.) Amtlich. Der preußi- scbe Ministerpräsident Göring hat im Einoemeh- men mit dem Chef des Stabs des Obersten SA.- Führers und der Reichsleitung der NSDAP, bei den preußischen Regierungsstellen SA.- und S S.- Führer als S o n d e r b e o o ll m ä ch t i g t e des Obersten SA.-Führers aufgestellt. In einem Runderlaß an die nachgeordneten Behörden ^Der^nationalsozialistische Staat hat durch Bsseitt- gung der Parteien auch jede Opposition beseitigt. So wünschenswert dies nach dem Füh- rerprinzip ist, so darf doch die Möglichkeit für Anregungen und notwendige Der- befferungen nicht ausgeschaltet werden. Bei den preußischen Regierungsstellen werden daher SA.- und SS.-Führer aufgestellt werden als Sonderbevollmächtigte des Obersten SA.-Führers entsprechend den Sonderkommissaren bei der seinerzeitigen Errichtung der Hilfspolizei. Die Mitarbeit an der staatlichen Verwaltung ist lediglich beratend und anregend. Ein Eingreifen in den Dienstbereich der Behörden ist unzulässig. Der Aufgabenkreis umfaßt Mitarbeit mit dem Leiter der Behörde in allen Fragen betreffend die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, sowie bezüglich staatsfeindlicher Umtriebe. Hinweis auf etwa auftreten« des Schwinden hinsichtlich des guten Willens der Beamten, im nationalsozialistischen Sinne zu arbeiten, desgleichen bei Verzögerungen oder nicht sinngemäßer Befolgung von Erlassen. Schlichtung von Reibungen zwischen den Behörden, SA.» und SS.-Dienftstellen, Abstellung von Ueberariffen von Sonderaktionen. Ein Eingreifen indie Verwaltung ist ihnen untersagt; sie haben keinerlei Befehlsbefugnisse gegenüber den Behörden und Beamten. Dagegen ist oerständnis- und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Beamten und den Behörden, und zwar gegenseitig. erforderlich. Zu chrem Aufgabenkreis gehört ferner die rechtzettige Veranlassung zur Verhinderung des Auflebens aufgelöster Parteien und Verbände, auch in getarnter Form. Eingriffe in d i e Wirtschaft, Absetzung von Beamten (z. B. Bürgermeistern), Dereinsvorständen, Einsetzung von kom- missarischen Vorständen usw. und die Mttwirkung bei solchen Handlungen sind verboten. Gleichschaltungen sind nicht Aufgabe des Sonderbeooll- mächtigten und -beauftragten. Anregungen hierfür find auf dem Dienstweg weiterzuleiten. Defehlsbesugnis über SA.- unb SS.-Einheiten haben sie mir insoweit, als diese ihnen als SA.- oder SS.-Führer unterstellt sind. Eingriffe in inner* dienstliche Angelegenheiten anderer Einheiten sind verboten. Schärfster Kampf gegen Spitzel und Provokateure. Wer Mißstimmung und Unruhe in den eigenen Reihen erregt, zu Gewalttätigkeiten an- reizt oder auffordert, die Manneszucht verletzt, persönliche Rache übt, hat als Schädling in der SA. unb SS. keinen Platz. Beratende uri) anregende Mitwirkung bei der sozialen Fürsorge der Verwaltungsbehörden, ^bevorzugte Unterbringung arbeitsloser SA.-, SS.« ober Stahlhelmmänner in Arbeitsstellen. Verhinderung der Anmaßung un,juläf- ger Befugnisse durch SA.-, SS.- unb Stahlhelm- einheiten unb -angehörige. Ich mache allen Beamten unb den Sonder bevollmächtigten und -beauftragten zur Pflicht, oerständ- nisvoll und aufrichtig zusammenzuarbeiten, und zwar ausschließlich im Interesse der Allgemeinheit, im Sinne der nationalsozialistischen Bewegung und im Sinne des Volks- gemeinschaftsgristes. Ueberheblichkeit, mittelbares und verstecktes Gegenarbeiten, Kleinlichkeit unb selbstsüchtiges Streben u. dgl. müssen unter allen Umständen unterbleiben. Falls berartige Auswüchse Vorkommen sollten, werde ich sie rücksichtslos ab- stellen. Aus aller Wett. Deutsches Flugzeug bezwingt den Sübatlantif in 15 Stunden. Am Dienstagvormittag um 9.30 Uhr startete der Dornier-BMW.-Wal „Monsun" D 2079 der Deutschen Lufthansa unter Führung des Flugkapitäns Kramer von Clausbruch in Bathurst (Bri- tisch-Gamba) und erreichte nach einem Fluge von 6 Stunden 15 Minuten den mitten im Südatlantik auf seiner Position befindlichen Flugstützpunkt „Westfalen". Der Weiterflug wurde am nächsten Morgen 10.05 Uhr (MEZ.) angetreten. Die Lan- düng in Natal (Brasilien) erfolgte am Mittwoch um 18.55 Uhr. Der Lusthansa-Wal „Monsun" bezwang also den Südatlantik in 15 Stunden und 5 Minuten Flugzeit, eine Leistung, die besondere Beachtung verdient. Afrika-Runbflug eine» französischen Luftgeschwaber». Das Geschwader des Generals D u 111 e m e n ist am Mittwochfrüh in Jstres bei Marseille zu seinem über 25 000 Kilometer führenden Afrikarund - f l u g gestartet. Nachdem drei Flugzeuge vor zwei Tagen bereits vorausgeschickt worden sind, sind am Mittwoch 17 Maschinen gefolgt, die in drei verschiedenen Gruppen in gewissen Abständen fliegen. Das Flugzeuggeschwader hat zunächst Kurs auf Los Al- cozares und Rabat genommen, wird bann ben Atlas überfliegen unb anschließenb 1500 Kilometer Wüste überqueren, die Marokko von Zentralafrika trennt. Der Rundflug führt über ben französischen Kolonial- besitz in Afrika und wird in etwa 33 Etappen zurückgelegt. Die äußersten Punkte, die die Flugzeuge erreichen sollen, sind Dakar und Bangui. Der Flug hat nicht nur eine militärische Bedeutng, sondern dient außerdem der französischen Propaganda in Afrika. Trauriges Ende van „pat unb patachon". Der bönische Dolksschullehrer Karl Schenström, der unter bem Namen „Pat" als einer ber beiben auch in Deutschlanb sehr bekannten Filmschauspieler Oie Nobelpreise für Literatur unb Physik. Heisenberg und Schrödinger, die deutschen Preisträger. Die Schwedische Akademie in Stockholm hat beschlossen, dem russischen Schriftsteller Iwan Bunin den diesjährigen Nobel-Preis für Literatur zu verleihen. — Iwan Alerejewitsch Bunin, geboren am 22. Oktober 1870 in Woronesch, ist ein feinsinniger Lyriker und Erzähler, der in die von Tschechow zu den Neurealisten ber Gegenwart führende Linie gehört. Klarheit unb Schlichtheit finb die Grunbzüge seiner Lyrik wie seiner Prosa. Sein Hauptwerk ist ber große Bauernroman „Das Dorf" (1910), in welchem bas wirtschaftliche unb sittliche Clenb der russischen Bauern erschütternd geschilbert wird. In deutscher Uebersetzung erschienen von Bunin, der übrigens heute als Emigrant lebt, die „Erzählungen" (1903) und „Der Herr aus San Fran- Cisco" (1922). • Die Schwedische Akademie ber Wissenschaften hat ferner bie Entscheidung über bie Nobelpreise für Physik getroffen. Den zurückgeftellten Physik- preis für bas Jahre 1932 erhält Professor Werner Heisenberg von ber Universität Leipzig. Der Physikpreis für 1933 wirb geteilt zwischen Professor Dr. Erwin Schröbinger (Berlin), ber vor kurzem einem Ruf an bie Universität Oxford angenommen hat, unb Professor Dr. Pam D i r a c an ber Universität (Tambribge für feine Ent- berfungen auf bem Gebiete ber Atomtheorie. Professor Dirac, der im Jahre 1902 in Bristol geboren ist, unb Professor Heisenberg gehören zu ben jüngsten Gelehrten, bie jemals ben Nobelpreis erhalten haben. Werner Heisenberg würbe am 5. Dezember 1901 al» Sohn des Unioersitätsprofessors August Heisenberg in Würzburg geboren. 1924 habilitierte er sich in Göttingen. Don 1926 bi» 1927 war er Lektor für Physik an ber Universität Kopenhagen unb folgte 1927 einem Ruf als orbentlidjer Pro- fessor an bie Universität Leipzig. Seine Hauptarbeiten liegen auf dem Gebiet ber Quantentheorie. Die Erfolge, bie er darin aufzuweisen bat, haben ihm mancherlei Anerkennung eingebracht. U. a. icidmete ihn bie Neuyorker Gesellschaft für wissen- chastlichc Forschungen durch Ueberreichung ihrer Fhrenmebaine aus und verlieh ihm zur Forderung seiner Forschungsarbeiten 2500 Dollar Heisenberg gab 1930 „Die physikalischen Prinzipien ber Quantentheorie" heraus. Erwin Schrödinger wurde 1887 in Wien geboren. Er habilitierte sich 1914 in seiner Vaterstadt unb kam 1920 als ao. Professor nach Stuttgart. Von bort folgte er 1921 einem Ruf an die Universität Breslau, um noch im gleichen Jahre Nachfolger von Max von Laue in Zürich zu werden. 1927 übernahm er den Lehrstuhl für technische Physik an der Universität Berlin an Stelle von Professor Max Planck. Schrödinger hat seinen Rus durch verschiedene wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiete ber statistischen Theorie ber Materie, ber physiologischen Farbenlehre und der Quantentheorie begründet. öer Alte Krih und die Martmsgans. Ein pommerfches Volksmärchen. Mitgeteilt von Peter Purzelbaum. Einmal hatte der Alte Fritz gehört, da in einem Dorfe in Pommern — wo es gewesen, wcih man nicht mehr genau — da äße jedermann seine Martinsgans und wenn es der allerärmste Häusler wäre. Der König wollte doch einmal selbst sehen, ob das wahr wäre, verkleidete sich am Martlnstage als Hanbwerksburfche unb aing m jenes Dorf Das ärmlichste Haus suchte er sich aus unb barin wohnte ber Schweinehirt, ber zugleich Besenbinber war. Friebrich klopfte an. Unb als ihm aufgetan warb, erzählte er, er wäre ein reifen- ber Handwerksdursche, hätte keinen Pfennig Geld mehr in ber Tasche, unb es wäre boch so kalt. Ob er wohl Nachtquartier bekommen könne. „3a, bu kannst bleiben", sagte der Mann unb wie» auf einen Hausen Besenreiser, der in einer Ecke lag, „und wenn du schlafen willst, so nimm damit Vorlieb, ich habe selbst kein anderes Nachtlager." Der Alte Fritz meinte, er wär's zufrieden und legte sich auf bie Besenreiser, bie in einer Ecke lagen, indes der Schweinehirt, der noch eine Hand voll Reiser zum Binden fertig liegen hatte, weiter- arbeitete. Der Alte Fritz — ober vielmehr der Handwerksbursche — wartete nun neugierig auf den Augenblick, wo das Essen aufgetragen wurde — unb richtig, als Essenszeit war, kam eine Gans auf den Tisch, eine schöne knusprige Gans. Der Besenbinber stellte eine Schnapsflasche unb ein Glas dabei und rief bann ben Hanbwerksburschen heran, ber sich letzte unb auch wirklich seinen Teil abbekam. Er ließ sich's schmecken, liebäugelte dabei mit der Schnapsflascbe unb langte bann auch danach. Denn der Alte Fritz nahm gern mal einen. Da entriß ihm aber Der Besenbinder die Bouteille aus der Hand, wischte ihm eine aus unb sagte: „Einschütten kommt dem Hausherrn zu!" Da gab sich der Handwerksbursche zufrieden und bekam denn auch sein Glas eingeschenkt. Am anderen Tage wanderte Friedrich wieder nach Potsdam auf sein Schloß zurück. Und nach einiger Zeit schickte er hin zu dem Besenbinder unb ließ ihn zu sich in's Neue Palais einlabcn. Da zerbrach sich ber Mann vergebens den Kopf, wie der König wohl dazu käme, gerade ihn einzuladen, zog feinen besten Rock an und ging hin. Er wurde an die Königliche Tafel geführt, dort mußte er sich dem Herrscher gerade gegenüber setzen — aber er erkannte in ihm seinen Handwerksburschen nicht wieder. Für jeden Tischgast stand neben dem Teller eine Flasche Wein, doch keiner schenkte sich ein. Der Alte Fritz hatte nämlich vorher seinen Hofherrn Bescheid gesagt, unb nun stieß einer ben anberen an unb gab ihm ben Wink, er möge hoch anfangen unb einschenken unb bies Manöver ging um die ganze Tafel herum, bis es an ben Besenbinber kam, ber aber sagte ganz laut: „Nee, fällt mir nicht ein! Einschütten kommt bem Hausherrn zu!" „Das war Dein Glück!" rief ber Alte Fritz. „Sonst hättest Du brei Ohrfeigen für eine roieber- gekriegt!" Nun erst merkte ber Besenbinber, wer jener Hanbwerksbursche, ber mit ihm die Martinsgans verzehrt hatte, gewesen war, sprang auf unb stotterte allerhanb Entschuldigungen heraus. Zeitschriften. — „Mutter unb Äinb", Zeitschrift für Ernährung, Pflege unb Erziehung Des Kinbes. Verlag Elwin Staude, Osterwieck a. Harz. Vierteljährlich 1,65 RM. einschl. Porto. — Die Zeitschrift bringt wertvolle Anregungen aus praktischen Erfahrungen. Das für bie junge Mutter fo wichtige Gebiet ber Pflege, Ernähruna unb Erziehung des Kindes wird allgemeinverständlich behandelt. Das Novemberheft enthält u. a. folgende Beitrage: „Meines Jungen erster Ritt" von Leni Rahlss-Wentz, „lieber Sorgfalt unb Pebanterie in ber Säuglings- emährung", „Zur Frage ber Eheberatung" von Dr. Ilse Szagunn, ,Zch verlängere Kinderkleidchen von Lotte Baumann. „Spielzeug" von Dr. Eharl. Steinbrucker, „Das Kind als Schauspieler", usw. Fast alle Beiträge finb wieder bebildert. Unter ben gegebenen Umständen hatte er persönlich das größte Interesse an einer Verlängerung der Bauzeit unb Verteuerung ber Arbeiten. Ferner ist von der Staatsanwaltschaft auch ber ehemalige Geschäftsführer der Krankenkasse Paul Dehn» wegen Untreue angeklagt worden. Professor Cassel tritt in ben Ruhestand. Dieser Tage hielt der weltberühmte schwedische Nattonalökonom Professor E a s s e 1 feine Abschieds- Vorlesung in der Stockholmer Hochschule. Sämtliche Professoren, mit bem Rektor an ber Spitze, Studenten mit Fahnenabordnungen unb eine -rnhlreich» Zuhörerschaft füllten den Großen Saal. Professor Cassel hat 63 Semester an der Hochschule gelesen. Herzliche Huldigungen, Reden verschiedener Professoren und Ueberreichung einer Festschrift, an ber 50 schwedische und ausländische Nationalökonomen mitgearbeitet haben, beschloß bie Feier. Professor Cassel begibt sich sofort auf eine Vortrags- reife. Die ersten Orte, an denen er sprechen wird, sind Prag unb Wien. Appell an bie evangelische Jugend der wett. Der evangelische Reichsjugendwart Dr. Stange (Kassel) hat in einem Kabeltelegramm an ben bekannten amerikanischen Weltjugenbsichrer Dr. Mott bie einmütige Zustimmung des evangelischen Iu- genbwerk» zu ber Außenpolitik Adolf Hitler» bekundet unb gleichzeitig bie deutschsprachigen Brudervereine des evangelischen Jungmännerwerks Ueberfee zum Einsatz zur Aufklärung über Deutschlands Ringen um Frieden unb Ehre aufgerufen. Der älteste Nationalsozialist. In Bochum-Wanne beging ber Bergmann Wilh. Ströter in körperlicher unb geistiger Frische feinen 9 5. Geburtstag. Ströter, ber 1838 geboren ist, war bis 1875 im Untertagebetrieb tätig. Infolge eines Unfalles wurde er bann über Tage als Fördermaschinist beschäftigt. Nach 57jähriger ununterbrochener Tätigkeit auf ein unb derselben Zech« wurde Ströter 1914 pensioniert. Ströter, der bereits mehrere Jahre lang der NSDAP, asgehöri, ist an Lebensjahren der älteste Nationalsozialist Deutschlands. Drei Todesopfer eines schrankenlosen Bahnübergang». Wie die Pressestelle der Reichsbahnbirektion Hannover mittelst, würbe auf ber Strecke Nienburg— Minden in der Nähe des Bahnhofs Schlüsselburg an der Weser an einem Bahnübergang ohne Schranke ein Personenkraftwagen, ber anscheinend das Herannahen des Zuge» nicht gehört hatte, von der Lokornottoe des Güterzuges 9712 erfaßt und vollständig zertrümmert. Drei Personen wurden dabei getötet unb eine schwer o»r« letzt. Zwei Tote bei einem Flugzeugabsturz. Bei Etobon in ber Nähe von Beifort ist da» breimotorige Farman-Passagier-Flugzeug der Air France, das vom Flugolatz Basel gestartet war, a b- ge ft ü r 31. Der Bordfunker unb ein Passagier, Dr. Spörri aus Einsiedeln, würben getötet, wahrend der Pilot schwer und ein Mechaniker leicht verletzt finb. Das Flugzeug stieß im Nebel auf einen Hügel. Jrn Flugzeug befanden sich noch vier Gern- fen, bie für den Londoner Zoo bestimmt waren. Ein Rofsitten-Storch in Rumänien tot ausgefuuden. Durch alle Zeitungen ging kürzlich bie Nachricht, daß ein deutsches wissenschafttiches Inststut einige hundert mit besonderen Erkennungszeichen versehene Störche (in Essen, Frankfurt a. M. unb Rofsit- ten) hatte abfliegen lassen, um festzustcllen, ob sie ihre Reise nach dem Süden aus eigenem Instinkt ober aus angelernter Erfahrung antreten. Einen bleser Störche hat man soeben in ber Nähe von Constanza (Rumänien) tot auf dem Ielb gefunden. Er trug die Erkennungsmarke „Vogelwarte Rossitten, dringend zurück B 41057", außerdem bie Nr. B 268. wieder ein deutscher Kriegsteilnehmer unter französischer Anklage. Aus Lille wirb schon wieder der Fall gemeldet, daß ein ehemaliger deutscher Kriegsteilnehmer namens Staub, der sich 1930 mit seiner Familie in Frankreich niedergelassen hatte, verhaftet wurde, weil er von den Pariser Behörden al» französischer Staatsangehöriger betrautet wird. Staub stammt Oer Groß Film vom Reichsparteitag 1933. Von ber Canbesfilmftelle Sübmeft, Frankfurt a. M., wird uns geschrieben: 16 000 Meter Film finb für ben Nürnberger Reichsparteitag ausgenommen worben Daraus soll nun ein Bilobotument werden von zirka 2000 Meter Länge, das an Lebendigkeit nicht» zu wünschen übrig läßt. Leni Riefenstahl, bie beutsche naturverbundene Künstlerin wurde von dem Führer mit der künstlerischen ßeltuna beauftragt Sie schneidet zur Zeit den Film, b. h. sie bearbeitet ihn sowohl vom künstlerischen Standpunkt aus, al» auch von ber Seite bes wirklichen Erlebens. In zahlreichen Pappkästen liegt bas Filmmaterial verwahrt, aufgeteilt in kleine unb kleinste Rollen. Ringsumher hängen fast enblose Bänber auf Gestellen. bie gerade gebraucht werden. Taa für Tag bis in bie späten Nachtstunden läuft ber Filmstreifen über den Vorsührtisch unb wird gesichtet. Gerade eben rollt eine wunderbare Szene vorüber: Nürnbergs Zinnen im Morgengrau - langsam löst sich über den Dächern mit den aufftelgenben Rauchschwaden das erste Leben, bann quellen die Brunnen auf, und bie Stabt schüttest ben Schlaf aus ben Augen. Gassen, Häuserfronten tun sich auf, Nürnberg rüstet sich, Deutschlanb strömt in bi» heilige Stabt. Alle Generationen babei, bie Alten, bie Männer, bie Iugenb. Sine Bildsinfonie entsteht, eine neue „Eroica" bes Dritten Reiches. Unenblid) schwierig ist bie Arbeit, aber lachenb ist jeder dabei. „Ein Paar Ardeitshandschuhe sind von der scharfen Filmkante schon zerschlissen", sagt Leni Riesenstahl. Aber bas einmalige gewaltig» Thema muß richtig angefaht werden. Mitte dieses Monats wird ber Grohfilm vom Reichspartestag zum erstenmal über die weihe Wand laufen und alles bisher Gesehene von Massenaufmärschen und Begeisterung in den Schatten stellen. In den Erstvorfuhrungs-Theatern wird man ben Film zu allererst sehen, dann erhalten ihn Zweit- unb Nachvorführungs-Lichtspiellheater. Schon wirb von ben Lichtspiel-Theaterbesitzern bisponiert, jeher möchte ben Film zuerst Haden. Die Lanbesfilmstell« Sübwest ber NSDAP-, Frankfurt, ist allein berechtigt, ben Verleih vorzunehmen, an sie sinb olle Anfragen zu richten. Dann wirb bas beutsche Volk In die Vorführungen strömen unb neue Kraft mit nach Hause nehmen, bie ihm ber Führer unb bie Bewegung mst beiden Händen geben wirb« Oer Königsmord in Afghanistan. Bombay, 9. Nov. (WTB.) Nach Meldungen aus Kabul wurde König Nadir Khan von Afghanistan in dem Augenblick, wo er seinen Harem verließ imSchlosseoonHofbediensteten ange- 9riffen. Von drei Schüssen getroffen stürzte er schwer verletzt an der Haremtür nieder. Die Mörder stachen darauf unter den Entsetzensschreien der Haremsfrauen solange mit Dolchen auf ihn ein, bis er verschied. Man nimmt an, daß der König ein Opfer von Intrigen geworden ist, wie sie sich in der Geschichte Afghanistans häufig abspielten Der Ernst der Lage in Afghanistan nach der Er- mordung des Königs wird in verantwortlichen Kreisen Indiens voll erkannt. Mohammed Z a h i r, der Sohn des ermordeten Herrschers, steht einer schwierigen Aufgabe gegenüber, da er seine Stellung gegenüber anderen, die Anspruch auf den Thron erheben, zu behaupten hat. Es besteht auch die Gefahr eines Aufstandes der ver- schi ebenen Stamme, die wieder zu einer Plünderung von Kabul und zu Rückwirkungen auf die gespannte Atmosphäre an der indischen Nordwestgrenze fuhren kann. Man befürchtet, daß die Ermordung nur eine Teilaktion der Fehde ist, die zwischen dem früheren König A m a n u l l a h und seinem Nachfolger herrschte und die bereits zu einer Reihe »an Hinrichtungen in Kabul geführt hatte. Es heißt, daß Amanullah beabsichtigt, einen Versuch zu machen, den Thron wieder zu be st eigen, und daß er versuchen wird, nach Afghanistan zurückzukommen, wo er von einigen Kreisen sehr geschätzt werden soll. Die Mehrheit des Landes soll jedoch weiterhin für den Sohn Nadir Khans sein, der ebenfalls als ein sehr energischer Verteidiger der afghanischen Unabhängigkeit angesehen werden kann. Än Konstantinopel hat die Nachricht von der Ermordung des Königs einen tiefen (Ein- d ruck gemacht, _ da die afghanische Regierung z a h lreiche Türken beschäftigt und man Befürchtungen für ihre Sicherheit hegt, falls eine Revolution auf die Ermordung des Königs folgen lallte. Verschiedene nahe Verwandte des vormaligen Königs Amanullah einschließlich seiner Schwiegermutter leben in Konstantinopel. * _Der ermordete König von Afghanistan, Nadir Schah, war ein Onkel seines Vorgängers, des Königs Amanullah. Unter seinem früheren Namen General Nadir Khan hatte er in dem kurzen Kriea gegen Großbritannien als Oberbefehlshaber der Armee einige Erfolge zu verzeichnen. Er war dann eine zeitlang Kriegsminister und wurde 1924 als afghanischer Gesandter nach Paris geschickt. Inzwischen riefen die Reformen des Königs Amanullah, der das Land in übereiltem Tempo Zu europäisieren suchte, und dabei besonders auf die religiösen Gefühle der Stämme keine Rücksicht nahm, eine Gärung hervor, die Anfang 1929 kurz nach der Beendigung einer europäischen Rundreise des Königs und der Königin zum Aufruhr führte. Amanullah muhte fliehen. Sein Bruder regierte dann als König vier Tage lang. Ein Banditenfuhrer namens Backai Sakao ließ sich als Emir Habib- ullah zum König ausrufen. Im März traf Nadir Khan aus Paris in Afghanistan ein und gewann genügend Unterstützung, um Habibullah zu besiegen und schließlich gefangen zu nehmen. Er wurde dann zum König gewählt. Am 3. November 1929 wurde der Banditenführer in Kabul erschossen. Kö- nig Nadir Schah stellte den Frieden in dem unruhigen Lande wieder her. Er führte nicht in der kopflosen und übereilten Art seines Neffen, sondern wohlbedacht und schrittweise eine Anzahl Reformen durch. Er reorganisierte die Armee, stärkte die Stellung der Zentralregierung, ließ Wege bauen und sorgte für Sparsamkeit. Ein Aufruhr, der in diesem Jahre unter den Grenzstämmen östlich von Kabul ausgebrochen war, wurde von dem König erfolgreich niedergeworfen. zwar von deutschen Eltern ab, ist aber in Frankreich geboren und hat es augenscheinlich unterlassen, bei Erreichung seiner Volljährigkeit an zuständiger Stelle ausdrücklich zu erklären, daß er für Deutschland optiert habe. Der heute 50jährige wird sich nunmehr zu verantworten haben, weil er unter der deutschen Fahne gekämpft habe. Zwei Personen beim Kohlensuchen tödlich verunglückt. Ein Unglück ereignete sich in Recklinghausen auf der Steinhalde der Zeche „Nordstern", wo vier Personen unberechtigterweise Kohlen suchten. Plötzlich lösten sich oben am Rand der Halde Schlacken- masien ab und begruben zwei von den Kohlensuchern unter sich. Die beiden übrigen konnten sich, einer mit einer leichten Verletzung, in letzter Sekunde in Sicherheit bringen. Die beiden Verschütteten, die 45jährige Ehefrau W i t z o s k i und der 14jährige Walter G ö tz m a n n, konnten nur a l s Leichen geborgen werden. Zwei Knaben überfahren und getötet. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in Stenderup (Schleswig-Holstein). Zwei sechs und acht Jahre alte Jungen waren mit dem Sohn eines Hofbesitzers zum Rübenholen gefahren. Auf der Rückfahrt scheuten plötzlich die Pferde: der Fahrer und die Knaben fielen vom Wagen. Während jener unverletzt davonkam, ging der schwere Wagen über die beiden Knaben hinweg, von denen der eine sofort getötet wurde, während der andere später im Sonderburger Krankenhaus starb. Raubüberfall aus eine Pariser Bant. Im Zentrum von Paris wurde am hellen Nachmittag ein dreister R a u b ü b e r f a l l auf den Kassierer einer Privatbank verübt, als dieser sich für einen Augenblick allein in den unteren Büroräumen der Dank aufbielt. Ein etwa 30jähriger Mann betrat plötzlich den Kassenraum. Nachdem er die Eingangstür hinter sich verschlossen hatte, forderte er den Kassierer mit oorgehaltenem Revolver auf, ihm die Barschaft zu übergeben, andernfalls er ihn niederschiehen würde. Da der Angegriffene fürchtete, daß der Verbrecher tatsächlich von seiner Schußwaffe Gebrauch machen könnte, überreichte er ihm zwei Geldbeutel, in denen sich neben einer größeren Summe Bargeldes ausländische Wertpapiere und mehrere Lose der französischen Staatslotterie befanden. Der Täter konnte mit seiner Beute ungehindert fliehen. Rekordreise eines Postpakets. Der Vizegouoerneur der kanadischen Provinz Britisch-Columbien sandte am 23. August ein Paket an den Gouverneur der Kenya-Kolonie in Britisch- Ostafrika. Dieses Paket erreichte bereits nach 13 Tagen über eine Entfernung von etwa 18 000 Kilometer fein Ziel. Aufgegeben in der Stadt Vancouver am 23. August, benutzte die Sendung zunächst die Eisenbahn bis Seattle. Die Weiterbeförderung von dort erfolgte mit der amerikanischen Luftpost entlang der Küste des Sfillen Ozeans bis San Franzisko. Don dort aus ging es über die transkontinentale Strecke nach Neuyork, wo am 25. August der Dampfer „Europa" vom Norddeutschen Lloyd mit der übrigen Post das für Afrika bestimmte Paket übernahm. In der Nacht vom 28. zum 29. August wurde das Katapultflug, zeug der Deutschen Luftyansa mit der an Bord befindlichen Post nach Southampon abgeschosien und erreichte am 30. August das in London nach Kapstadt startende englische Flugzeug, um am 5. September, also nach 13tägiger Reise das Ziel Nairobi zu erreichen. Günstigste Anschlüsse vorausgesetzt, würde die kürzeste Laufzeit dieser Sendung bei ausschließlicher Benutzung von Eisenbahn und Schiffsverkehr 32 Tage betragen haben. Aufruf an Öen deutschen Hausbesitz Zum 12. November. In enischeidungsooller Stunde hat die Regierung der nationalen Erhebung das deutsche Volk aufgeru» ten sich zu ihr und zu ihrer Politik zu bekennen. Dieser Appell hat im ganzen deutschen Volke einen gewaltigen Widerhall gefunden. Durch die Ereignisse in Genf ist jedem Deutschen klar geworden, daß unsere ehemaligen KriegsgegnerihrAbrüstungsverspre- chen nicht einlösen und Deutschland die Gleichberechtigung oorenthalten wollen. Deutschland soll weiterhin als ein Staat minderen Rechtes behandelt werden. Das Unrecht von Versailles soll verewigt, der Unfriede in Europa zu einem Dauerzustand gemacht werden. Demgegenüber hat die Reichsregierung in Genf mit Würde und Festigkeit die unveräußerlichen deutschen Rechte vertreten. Deutschland will den wahren Frieden herbei- führen helfen, den die anderen Mächte den Völkern immer weiter vorenthalten wollen. Deutschland will die Durchführung des Abrüstungsoersprechens, damit seine eigene Sicherheit, die am meisten in Europa bedroht ist, endlich gewährleistet werde. Deshalb ist es eine Selbstverständlichkeit, daß sich das ganze deutsche Volk in dieser Stunde zu seiner R e g ie r u n g b e k e n n t und den Volksspruch des 12. November so eindrucks- voll wie nur möglich gestaltet. Die Gewinnung der äußeren und der inneren Freiheit ist die Losung der Regierung Adolf Hitlers. In den vergangenen acht Monaten hat diese Regierung auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens entscheidende Schritte vorwärts getan. Sie hat den Parteienstaat beseitigt. Sie hat dem wirtschaftsfeindlichen Marxismus den Todesstoß versetzt. Sie hat die Einheit der Staats- und Wirt- schaftsführung neu geschaffen und damit der ganzen deutschen Wirtschaft neuen Mut und neues Leben eingeflößt. Sie hat insbesondere die Bedeutung des deutschen Hausbesitzerstandes für die gesamte Wirtschaft dadurch anerkannt, daß sie in ihrem großzügigen Ar- beitsbeschaffungsprogramm dem deutschen Hausbesitz eine tragende Rolle zugewiesen hat. Sie arbeitet an der Zins- und Steuersenkung. Sie richtet ihre ganze Kraft auf die Bekämpfung und Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit, die dem deutschen Dolkskörper das Mark aus den Knochen saugte. Diese Werke des Friedens müssen auf lange Sicht hinaus gesichert werden. Deshalb kämpft die nationalsozialistische Staatsfüh- rung für die Sicherheit unseres Volkes nach außen. Deshalb bedarf sie gerade jetzt im Augenblick der starken und einmütigen Zustimmung des gesamten deutschen Volkes. Die Volksabstimmung am 12. November soll der ganzen Welt zeigen, daß das d e u t s ch e V o l k sich in der Stunde schwerer Entschlüsse zu s e i n er R e - gieruug bekennt und ihr einstimmig das Ver- trauen gibt. 3ebet Deutsche, gleich welchen Standes und welcher früheren politischen Richtung, reiht sich am 12. November in die Einheitsfront der gesamten Nation ein. Die Reichstaaswahl am 12. November soll dem Reichskanzler Adolf Hitler und seiner Regierung eine Volksvertretung zur Verfügung stellen, die bereit ist, jederzeit die Politik der Regierung mit allen Kräften zu unterstützen. Der deutsche Hausbesitz wird sich von keinem anderen Berufsstand, der deutsche Hausbesitzer von keinem anderen Volksgenossen am 12. November in der treuen Gefolgschaft zur Regierung des Dolkskanzlers Adolf Hitler übertreffen lasten. Jeder t,?utl^e.^aust,eHÖer stimmt am 12. November für die Regierung und für die Reichstagswahlliste der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei. Heil Hitler! Zentralverband Deutscher Haus- und Grundbesitzervereine e. V. Humar, Präsident. Hausbesitzerverein e. V. Gießen H. Launspach, 1. Führer. Wettcrvo rauSjage. . ^nl°^e starker nächtlicher Ausstrahlung hat sich ein Kaltluscherd gebildet, der sich von Frankreich über Mittel- und Süddeutschland bis nach Polen erstreckt. An dem Küstengebiet herrschen aber höhere Temperaturen, da die nördliche Störung ihre Warmluft dort zur Auswirkung brachte. Ein kleiner Tief, ausläufer bildet sich über den Niederlanden, während sich gleichzeitig die italienische Störung weiter nordwärts ausdehnt. Es entsteht somit eine Rinne tiefen Druckes von Norden nach Süden, in deren Bereich verschiedenartige Luftmassen zusammentres- fen. Das Wetter gestaltet sich daher wechselhaft, vereinzelt werden Schauer auftreten, die teilweise, be» sonders in den Bergen, als Schnee niedergehen. Aussichten für Samstag: Dunstig und wolkig mit kurzem Aufklaren, Temperaturen nachts noch etwas unter dem Gefrierpunkt, einzelne Schauer, auf den Bergen als Schnee. Aussichten für Sonntag: Leicht bewölkt, im ganzen etwas milder, noch vereinzelte Schauer. Lufttemperaturen am 9. November: mittags 9,3 Grad Celsius, abends 2,7 Grad; am 10. November: morgens —1,8 Grad. Maximum 10,6 Grad; Minimum — 2,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. November: abends 2,7 Grad; am 10. No- oember: morgens 1,7 Grad — Sonnenscheindauer 5% Stunden. erti4 Haarglanz — KÖHLER - - und ganz besonders In unserer heutigen Zeit; Vertrauen zwischen Ihnen, dem Verbraucher, der auf vorteilhaften Einkauf bedacht sein muß und meinem zuverlässigen Fachgeschäft das Ihnen für Ihr Geld höchsten Gegenwert bietet Ulster oder Ulster-Paletots in den Hauptpreislagem 28.- 38.- 4ti.- 56.- 68.- u.h. Sakko-Anzüge, i- oder 2reinig in den Hauptpreielagen: 24.- 34.- 48.- 56.- 64.-u.h. 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Das Kreisamt hat die Beobachtung machen müssen, daß in einzelnen Fällen immer wieder schulpflichtige Kinder ohne Begleitung ihrer Eltern öffentliche Tanzlokale besuchen. 6903C Die Bürgermeistereien des Kreises wollen deshalb durch ortsübliche Bekanntmachung darauf Hinweisen, daß im Interesse der Schulzucht die Teilnahme der Schuljugend an ö fentlichen Tanzbelustigungen ohne Begleitung ihrer Eltern oder deren Stellvertreter verboten ist, und daß die Wirte mit Geldstrafe für den Fall bedroht sind, daß sie Kinder in den Wirts- und Tanzlokalen dulden. Nachdem mit Wirkung vom 1. Mai 1933 die seither vom Staat getragene Förderung der Pferdezucht auf die Bauernkammer für Hessen übertragen worden ist, sind nunmehr auch die mit der Festsetzung und (Erhebung der Deck- und Fohlengelder zusammenhängenden und bis dahin von der Ministerialabteilung le (Landwirtschaft) wahrgenommenen Arbeiten in die Zuständigkeit der Bauernkammer übergegangen. Die Mitwirkung der Bürgermeistereien bleibt jedoch in der seitherigen Weise bestehen. Die Bürgermeistereien haben daher, wie bisher, die von den Stutenbesitzern begehrten Deckscheine auszustellen und auf Grund der hierüber zu bewirkenden Ausschreibungen die Heblisten anzufertigen, ferner die Protokolle wegen des Erlasses von Fohlengeld aufzunehmen und an das Kreisamt zu den festgesetzten Terminen abzugeben. Die nach Vorstehendem nötigen Vordrucke sind in der Folge bei der Hessischen Bauernkammer anzufordern. In derselben Weise wie seither sind auch die Einsprüche gegen die Festsetzungen der Deck- und Fohlengelder zu behandeln und an das Kreisamt weiterzuleiten. erfahren dem berühmten Briefkasten der »Filmwelt“, Fragen W kostet nichts, die f «Filmweit“ selbst kostet auch nur J 30 Pi. und ist über- J all zu haben! Ä Brigitte Helm. En, ^da mn Frttz Lang ^"SerZtoer Name i dah=r nmnUn8 ^lin. j ■f °ahIem-s‘*orlemer. , allee 12 j| »Brigitte & M W Auf Ä M Bdhne h"' tie noch M mdl' Bespielt, Qbcr n 20 Filmen — M Schwimmen. MM WM ,hr nächster Film- V -Gold-, zusammen mit Hans Albers. ' l Auch in den auslän- dischen Fassungen ihrer Filme spielt sie ihre Rollen selbst ■ 10. Fortsetzung. Nachdruck verboten! anhaben. (Fortsetzung folgt.) nie [fiÖffljNÜTEN Knickerbocker, Breeches und Streifenhosen in allen Größen vorrätig aus la Stoffen bei bester Verarbeitung, Garantie für tadellosen Sitz Herren-Bekleidungshaus e.m.b.H ■w Marktplatz Schulstraße 2 6830 A IgflLlEsWB rein Mako volle Qualität Ächtung! Ächtung! Am Oswaldsgarten Ruf Nr. 2145-2146 L/IV | Kaufgesuche | Gebrauchte % > S? 6 Mute Bogeloberacr Fahrkuh 5..Q., Hebt zu oerk. bei Robert Knorz, Riederklee« 61 flreiA Web'nr. ewozD y< Sonder- f Angebot! \ Ein Posten Popelinstoffe f. 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Und wie gesagt — in 10 Minuten ist alles warm. Nach den neuesten Heizungs-Erfahrungen ist er gebaut, kein Stäubchen Kohle geht ungenützt in den Kamin. X\ irkhch, Oranier ist ein sparsamer Ofen unter den Oefen. Auch äußerlich echaut er so mollig aus, da wird’s einen) schon beim Ansehen sehr warm und gemütlich. Und die Hauptsache: Sein Preis ist sehr gering den Ersparungen an Brennstoff gegenüber — Bitte sehen Sie sich diesen bei mir mal unverbindlich an. J. B. Häuser e Gießen illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Bücher von den Wundern der Kleinwelt Die Mikroskopie. Eine EinfOhrung In getntinver- slind lieber Darstellung von Dr. 'Jt'. Ellenberger. Mit Abbildungen auf 32 Runstdrucktafcln nach photographischen Aufnahmen des Verfassers. RM. 3.60 Einfachste Lebensformen desTler-u Pflanzenreichs. Naturgeschichte der mikroskopischen SÖB- wa-serbewohner von F Eyferth. Fünfte, von Prof. Dr. W Schoemchen vollständig neu bearbeitete Auf- lage.Mit über 1500 Abbildungen 2 Binde in Halbleder geb. RM 38. -, Neue Oanzleinen-Ausgabe RM 30.— Die Infusorien des Süßwassers und Meeres. Hilfsbuch zum Bestimmen nebst einer kurzen Einführung in deren Biologie. Von Prof. Dr. J. Le psi. Mit 550 Abbildungen. Ocbunden RM. 4- Mugo BermühlerVerlag -Bln-Uchterfelde lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Meter Mk. 0.90 m17d Fr.Levermann y Bielefelder Herrenwäsche / Selters weg 71 Ein Anruf am Telephon bat Madien am nächsten Tag zur Mutter. Es war Madien keineswegs sehr wohl zumute, als sie den Weg dorthin einschlug. Grude hatte sich erboten, ihr den Wagen zur Verfügung zu stellen. Aber sie wollte Zeit gewinnen. Wahrscheinlich würde ihr die Mutter von Christa» Nachricht sprechen. Sie legte sich jetzt schon alles zurecht, was sie sagen würde. Die Hauptsache blieb, daß sie sich gren-" zenlos erstaunt zeigte und keine Blöße gab. Wenn sie sich nicht selbst verriet, konnte ihr niemand etwa» geschrien? — Aber nein, Madlen. Das hast du wirklich nur geträumt" oie sah auf den Stoß ausgeschnittener Hüllen und ließ die Augen darauf ruhen. „Nichts von ‘Belang?* fragte sie, aber ihre Hände zitterten, als sie einen der Briefe aufnahm. „Nichts! Nein! Ich habe sie bis zum letzten durchgesehen. Es wäre lieb, wenn du mir den Dank für all die Gratulationen abnehmen würdest Es sind fast durchweg solche. Das Geschäftliche erledige ich selbst. In ihrem Gehirn tanzte alles durcheinander. Er schob ihr den Stoß zu und wunderte sich, wie hastig sie ihn an sich nahm und damit aus dem Zimmer verschwand. Er^mußte lachen über ihren Eifer und ihre Neugier. Sie war eben doch noch ein große» Kind. . Hülle für Hülle legte Madien vor sich hin. Der eingeschriebene Brief von Christa war nicht dabei. Eine jähe Angst überfiel sie. Wo war er? Wer hatte ihn an sich genommen? — Lena? — Aber die war ja viel zu gewissenhaft, um einen Bries, der ihrem Chef gehörte, zu öffnen ober ihn gar verschwinden zu lassen. — Wer dann? — Rolf ? Ausgeschlossen' Dann kamen ihr Zweifel. Vielleicht doch! — Wenn er den Zusammenhang ahnte? Wenn er von dem Bries, den sie unter die angekommene Post zu Hause geschmuggelt hatte, daraus schloß, daß auch Felir einen bekommen haben mußte? Sie wollte nach Lena klingeln und wagte es nicht, in der Furcht, sich selbst eine Blöße zu geben, wenn sie fragte, ob Rolf etwa hier gewesen und Felix' Korrespondenz durchgesehen hatte. Wenn wirklich, erfuhr sie cs noch früh genug. Denn Rolf war der Letzte, der sein Wissen hinter dem Berge halten würde. Aber beweisen konnte ihr nimand etwas. Niemand konnte mit Gewißheit behaupten, daß sie die beiden Briefe zurückgehalten hatte. Auch Rolf nicht. Es ging schon gegen Mitternacht, als Grude aus seinem Zimmer herüberkam, um nach ihr zu sehen. Sie saß noch immer in der Ecke des Diwans und blickte ihm aus unsicheren Augen entgegen. Es war ein unheimliches Gefühl, ein Verhängnis über sich schweben zu wissen, von dem man nicht sagen konnte, wie oder wann es über einen herein- brach. Zehn Tage nach der Trauung kam Dr. Grude mit seiner jungen Frau nach Wien zurück. Lena hotte den Wagen an die Bahn geschickt und dunkle Rosen in die Vasen des Eßzimmers gesteckt. Das Wetter war nicht gerade dazu angetan, große Wiedersehensfreude auszulösen. Unaufhörlich rieselte der Regen an den Scheiben herab. Auf Der Straße liefen die Passanten unter ihre Schirme geduckt und die vorüberflitzenden Autos verspritzten ganze Sturzbäche nach allen Seiten. Als der Wogen vor dem Tor hielt, drückte Lena oben bereits die Hand auf die Klinke der Flurtüre. Sie wagte es nicht, in die Halle des Treppenhauses zu treten. Ihr Gesicht war bleich. Er mußte es sofort bemerken. So blieb sie im Halbdunkel des Ganges stehen und horchte, wie die Schritte der Ankommenden den ersten Absatz der Treppe nahmen. Die junge Frau lief dem Manne voran. ,.Da sind wir, Lena!" Deren Hände waren wie Eis, als sie sich Madlen entgegenstreckten. „Herzlich willkommen, Frau Doktor!" Diese lies in den Flur hinein und sah von dort dem Gatten entgegen, der eben unter die Türe trat. „Grüß Sie Gott, Lena! Sind wir nicht pünktlich?" Er gewahrte trotz des Halbdunkels die Veränderung, die mit ihr oorgegangen war. „Sind Sie krank gewesen? — Jo? — Warum haben Sie denn nichts davon geschrieben? Wir hätten ganz gut ein paar Tage früher kommen können. Aber jetzt bin ich ja da und Sie sollen sofort Ihren Urlaub haben. Ich behalte mir den Vertreter noch vier Wochen, inzwischen können Sie einmal richtig aussponncn." „Sie sind sehr liebenswürdig, Herr Doktor!" Sie sahen sich beide an, und während er dachte: „Was ist denn nur mit ihr?" konstatierte sie, daß er viel besser aussah, als es in der letzten Zeit der Fall gewesen war. Aber es vermochte sie kaum mit Freude zu erfüllen. Vom Eßzimmer her klang jetzt das Lachen der iungen Frau. „Schau nur, Felitsche, wie aufmerksam!" Sie trug ihm die Vase mit den dunklen Rosen entgegen. „Schönen Dank, Lena! — Und wie nett Sie gedeckt haben! Wir sind in der Tat sehr hungrig, nicht. Lieber? Was gibt es denn Gutes? Wir sind sehr verwöhnt worden! Man ißt fabelhaft in der Schweiz!" — Und während sie ihr Hut und Mantel auf den Arm legte, befahl sie: „Schicken Sie uns jetzt das Mädchen, daß es sofort serviert. — Wir sehen uns dann vor dem Zubettgehen noch einmal." Ohne Lenas Antwort abzuwarten, klappte sie hinter dieser die Tür ins Schloß. Verlause 2 a m & t a n auf dem Wochen- markt, Brandvlatz: Schöne haltbare nennten-WL10 Blunö 1.60 Süße ®olötrnuöen.. 3 Blunö C.S5 AeimMsDitee Offenbach am Main. M«4< Grude war erstaunt, setzte zum Sprechen an und schwieg, als das Mädchen eintrat und die Suppe auf den Tisch stellte. Erst nachdem das Mädchen hinaus- gegangen war, fragte er: „Was ist mit Lena?" „Was soll fein?“ Er zeigte auf die beiden Gedecke. „Ach so! —“ Sie nahm eine Rase aus dem Strauß und legte sie neben seinen Teller. „Die soll wohl mit uns essen?" „Das ist doch selbstverständlich!" ,Hch wüßte nicht, warum das selbstverständlich ist“, warf sie hin, nahm eine zweite Rose aus der Vase und begann sie achtlos zu zerblattern. „Sie kann doch auf ihrem Zimmer essen." Er legte den Löffel zur Seite und sah sie an. „Sie hat seit fünf Jahren mit mir am Tisch gesessen, Madien.“ „Eben", lachte sie ärgerlich. „Das ist doch lange genug, denke ich. Sie wird doch begreifen, daß jetzt, wo du verheiratet bist, die alten Zustände aufhörcn müssen.“ „Zustände?“ — Sein Gesicht war nicht sehr geistreich. Er blickte ihr mit offener Verblüffung in die Augen. „Darf ich fragen, wie das gemeint war?" „Wie ich es gesagt habe! — Du bist doch noch ein rechtes Kind, Felitsche!" Sie hob sich aus dem Stuhl, trat hinter ihn und legte die Arme um feinen Hals, um sie dann über seiner Brust zu falten. „Glaubst du denn wirklich, daß ein Mädchen fünf Jahre lang bei einem Manne bleibt, wenn es nicht in ihn verliebt ist?" Sie hatte nicht erwartet, daß ihre Rede eine solche Wirkung auslöjen würde. Mit einem Ruck machte er sich von ihr frei. „Schweig!" schrie er zornig. „Es ist niederträchtig, daß du sie in dieser Weise verdächtigst." Madien, von allen guten Geistern verlassen, dämpfte nun auch ihrerseits die Stimme nicht mehr. „Gott, wenn du das verdächtigen heißt, ich habe natürlich nicht das Geringste gegen sie einzuwenden. Sie ist deine Assistentin, du bezahlst sie und fertig. Sie kann meinetwegen auch ab und zu einmal eine Tasse Kaffee mit uns trinken. Aber im übrigen —", ihre Finger schnippten in die Luft. .Hetzt, wo du verheiratet bist, wirst du ihr ohnedies nicht mehr so begehrenswert erscheinen." „Treib mich nicht zum Aeußersten", fuhr er auf, chob den Stuhl zur Seite und wollte nach der Tür. Aber sie versperrte ihm den Weg. „Felitsche, das mußte doch einmal gesagt werden. Wenn nicht heute, dann morgen. Es hätte mich sonst erwürgt." Er schob sie von sich und wollte Antwort geben. Aber das Mädchen kam eben und brachte Salat und Braten. Er mußte sich wieder setzen. Es wurde ein schweigsamer, erster Abend in ihrem gemeinsamen Zuhause. Wiederholt horchte Grude nach dem Flur. Es blieb alles ruhig. Wo mochte Lena fein? Und was mochte sie denken? Er würde nachher ein Wort der Entschuldigung zu ihr sagen. Vielleicht war es ihr sogar lieber, allein zu speisen, als mit ihnen beiden. Was Madlen da von Verliebt- fein gefagt hatte, war ja heller Blödsinn. Und dann begriff er plötzlich den Grund von deren Rede. Sie war eifersüchtig auf Sena. Daß er das nicht in Betracht gezogen hatte! Offenbar gab es überhaupt keine Frau, die nicht an dieser Krankheit litt. Aber er konnte ihr nicht helfen. Das mußte sie sich unbedingt noch abgewöhnen. Er konnte als Frauenarzt unmöglich darauf Rücksicht nehmen. Wohin sollte Das führen? Er ließ sich wieder auf seinen Stuhl nieder und sagte gütig: „Mißtraust du mir denn, Madien?" Er griff über den Tisch und legte die Hand auf die ihre. „Du darfst versichert sein, daß es niemals mehr für mich eine andere Frau geben wird als dich.“ „Und Christa?" Sie erschrak selbst vor ihrer Vermessenheit. Er wurde noch bleicher. „Selbst auf eine Tote bist du noch eifersüchtig, Madien? Ach, Kind, warum quälst du uns beide denn so unnütz! Ich gehöre ja nur Dir." Sie kam zu ihm herübergelaufen, setzte sich auf feine Knie und aß mit aus seinem Teller. Erst als das Mädchen kam, um abzuservieren, flüchtete sie wieder auf ihren Stuhl zurück. Als der Tisch geräumt war, schaltete sie den Lüster aus und ließ die Stehlampe in der Ecke aufflammen. Aus den Diwan gekuschelt, streckte sie Die Arme nach ihm aus. Er kam herüber, liebkoste ihre Wange und legte ihr eine Felldecke über die Knie. .^Halte jetzt ein bißchen Siesta, Madlen. Ich habe zwölf Tage nicht mehr an meinem Schreibtisch gesessen. Es wird eine Menge zu erledigen geben. Ich schicke Dir Kollegen Hoeßlin. Er ist ein glänzender Gesellschafter, Du wirst dich sicher amüsieren. Auf Wiedersehen, Kind!" Sie sah ihm mit einem Ausdruck zwischen Furcht und Neugier nach. Jetzt würde Die große Katastrophe eintreten. Seife erhob sie sich, öffnete die Tür für einen Spalt, hörte ihn nach seinem Arbeitszimmer gehen und dann nach Sena rufen. Minuten stand sie so. Nichts war zu vernehmen. Sie schlich den Gang zurück, legte Das Ohr an das Schlüsselloch und hörte ihn sagen: „Es bleibt selbst- verständlich zwischen uns o, wie es bisher gewesen ist." Und dann Senas Erwiderung: „Ich danke Ihnen, Herr Doktor." Madien fühlte sich unsicher, glaubte zu hören, wie sich die Küchentür öffnete und huschte in ihr Zimmer zurück. Eine Viertelstunde saß sie völlig unbeweglich, immer Darauf wartend. Daß sich etwas Fürchterliches ereignen müsse. Der Brief Christas konnte ihm bei Der Durchsicht Der KorresponDenz unmöglich entgehen. Einmal glaubte sie einen Schrei vernommen zu haben, riß Die Tür auf unD rannte zurück. „Was ist Denn?" fragte er erstaunt, als sie zu ihm an Den Schreibtisch gestürzt kam. „Ich habe Vorbildlich schöne Winter-Ulster * finden Sie bei uns in reichhaltiger Auswahl Zirka 500 Weihnachtsbäume abtugeben. 6845D Wllh. Schmidt, voizbandlung, Ahcniiain bet Grünberg. Wirtschafts* u. Tafeläpfel bat lauf, zu nichtig. Preisen abzugeben Williclmi'traßeN vt. Telefon 3571. i1md Durckauü stein, und williges MMen D. gut bürgerl.locken kann, für Haushalt und Klicke per 15. Nov 1933 gesucht. Fran M. 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