t Nr. 107 Erstes Blatt 185. Jahrgang Dienstag, 9. Mai 1955 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dnitf und Verlag: vrühl'fche Univerfitäts-Vuch- und Stcinörudcrei H. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Nnjeiaen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mnt Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Nlameanieigen von 70 mm Breit« 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°, mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr.H.Tkyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i. D. TH.Kümmet sämtlich in Giehen. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die SHuftriert« Gießener Familienvlätter Heimat im Bild - Die Scholl« Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Kertlfprechonschlüste enter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Giehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Oesterreichs Kampf um die nationale Wiedergeburt. Das Kabinett Dollfuß sucht durch Terrormaßnahmen gegen die nationale Opposition eine verlorene Stellung zu behaupten. Don unserem C. 8.-Derichterstatter. Wien, Mai 1933. Der Kampf, den die Diktaturregierung D o l l - f u fj gegen die nationale Oppofition nunmehr schon seit zwei Monaten führt, ist in diesen Tagen in ein neues Stadium getreten. Es wird durch zwei miteinander in ursächlichem Zusammenhang stehende Ereignisse gekennzeichnet. Durch die Veröffentlichung von Lix nmelbungen über angebliche nationalsozialistisa, u t s ch a b f i ch - ten an der bayrisch-österreichischen Grenze und durch das ein paar Stunden später beschlossene Uniformverbot für die Organisationen der nationalen Opposition. Durch die unverantwortliche Zwecklüge des christlichsozialen Wiener Regierungsblattes, der „R e i ch s p o st" . die den Anschein zu erwecken suchte,als sei die österreichische Souveränität durch die RationalsoUalisten gefährdet, hat man dem Auslande willkommenen Anlaß gegeben, die Lüge von dem friedenbedrohenden Charakter der Hitlerbewegung weitcrAuspinnen. Mit Recht stellt die nationalsozialistische »Deutfchösterreichische Tageszeitung" sest, daß man jetzt das schändliche Schauspiel erlebe, daß sich das Wiener Regierungsblatt an die Seite der Feinde des Reiches und des deutschen Volkes stellt und somit Hoch- und Dolksverrat gegenüber der gesamten deutschen Ration begeht. Daß man es von jenem christlichsozialen Blatte in der Tat darauf abgesehen hatte, nicht nur die österreichischen Nationalsozialisten zu treffen, sondern vor allem der Reichsregierung Schwierigkeiten zu bereiten, geht am deutlichsten aus den Kommentaren der „Reichspost" hervor, die an ihre erste Meldung den Satz fügte: „Die für derartige Pläne verantwortlichen Elemente mögen sich rechtzeitig darüber Rechenschaft geben, daß sie damit die gefährlich st en internationalen Verwicklungen für das Deutsche Reich herausbeschwören". Damit wurde das gesamte Ausland direkt darauf gestoßen, daß man ja hier einen bequemen Anlaß haben könnte, um dem Deutschen Reich in der internationalen Politik Schwierigkeiten zu breiten. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß jener Lügenbericht auf eine in der Erregung gemachte Aeußerung eines Nationalsozialisten zurückzuführen ist, dem man bei einem österreichischen Zollamt wegen der Papiere für sein Motorrad Schwierigkeiten gemacht hatte. Jener Nationalsozialist hatte dem Zollbeamten in seinem Aerger über die Schikane entgegnet: „Das ist wieder so ein österreichischer Zopf! Das wird aber nur noch einige Tage dauern!" Diese Bemerkung, so schreibt die amtliche Korrespondenz der Tiroler Landesregierung habe in Tirol „große Beunruhigung" hervorgerufen, da man befürchte, daß sich unverant- worlliche Elemente zu Unbesonnenheiten hinreißen lassen könnten. In der Tat: vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt. Don der „Staatsallion" zur Blamage ist es auch nicht um einen Millimeter weiter. Aus jener hier zitierten Aeußerung, die ein christlichsozialer Parteibeamter der Innsbrucker Landesregierung unter Verletzung seiner Dienstpflicht privat der „Reichs- post" nach Wien weitergab, wurde in Wien ein Lügenbericht über „Abenteuerliche Pläne an der bayrischen Grenze" zusammengebraut. Zwar mußte sich der österreichische Bundeskanzler der Nationalsozialistischen Reichsparteileitung gegenüber entschuldigen, aber eine deutsche Zeitung konnte im deutschen Wien dem feindlichen Ausland das Signal zu neuen Angriffen gegen das Deutsche Reich geben. Daß es sich bei diesem Vorstoß österreichischer Re- aierungskreise um eine wohloorbcreitete Aktion handelte, geht am deutlichsten aus der Schreibweise der dem Starhemberg-Hei- m a t s ch u tz nahestehenden Blätter hervor, die schon ein paar Stunden später mit geradezu phantastischen Einzelheiten über diesen angeblichen Putschplan auf- warten konnten und die Forderung aufstellten, die nationalsozialistischen Führer in Oesterreich zu verhaften und zum mindesten in Tirol die nationalsozialistischen Formationen aufzulösen, sowie em Uniformverbot für d i e SA. und SS. zu erlassen. Es nützte nichts, daß die Regierung, um einige Stunden zu spät, jene Hetzblätter beschlagnahmte. Die „Reichspost", die bit Katze aus dem Sack gelassen hatte mit der Veröffentlichung der ersten Alarmmeldung, wurde nicht beschlagnahmt, obwohl sie genau wie alle Zeitungen unter Zensur steht. _ Dafür wurde schon ein paar Stunden spater in einem eiligst einberufenen Ministerrat beschlossen. ein Uniformverbot zu verhängen. Run hatte man endlich den gewünschten Anlaß, dieses nur die nationale Opposition treffende Verbot auszusprechen. Denn der Starhemberg- Heimatschutz, die Dauemwehren, und zahlreiche andere, christlichsoziale Parteiorganisationen, wie zum Beispiel die Ostmärkischen Sturmscharen sind von diesem Uniformverbot ausdrücklich ausgenommen. Weil man in Weiser Voraussicht der kommenden Dinge schon vor einigen Wochen im Ministerrat beschlossen hatte, aus diesen Formationen dieMitglieder für die neuzubildende Hilfspolizei zu nehmen. Seine ^Krönung aber soll der Terror gegen die nationale Opposition erst noch erhalten durch die Einführung eines neuen Diensteides für d i e österreichischen Staats beamt e n. Durch diesen Diensteid, der jedem Staatsbeamten von neuem abgenommen werden soll, sollen diese verpflichtet werden, „auf d i e gesetzmäßige (warui.i nicht verfassungsmäßige?) Regierung und aus den selbständigen österreichischen Staat." Es sollen auf dieseWeise alle nationalen, großdeutsch, das heißt anschluhfreundlich eingestellten Beamten gezwungen werden, entweder aus dem Staatsdienst auszufcheiden und legitimiftifch eingestellten Beamten Platz zu machen, oder sie sollen genötigt werden, ihrer großdeutschen Einstellung abzuschwören, wodurch sie natürlich bei den breiten Massen ihrer An- hänaer und Gesinnungsfreunde diffamiert werden würden. Der Haß der heute in Oesterreich herrschenden Kreise gegen alles Nationale und Großdeutsche geht also so weit, daß man sich nicht scheut, d i e Staatsbeamten den Eid auf St. Germain adle gen zu lassen. Denn das heutige „selbständige" Oesterreich ist ja lediglich das Ergebnis des Schanddiktates von St. Germain. Daß sich die Waagschale immer mehr zu seinen Ungunften senkt, das fühlt Dollfuß nun offenbar selbst. Er hat eine Verordnung angekündigt, nach der für das nächste halbe Jahr jeg- liche Gemeindewahl verboten werden soll. Das kann nicht anders ausgelegt werden, als daß man nicht sehen soll, wie die nationalsozialistische Bewegung weiter anwächst und wie die heutigen Regierungsparteien ihre Anhänger verlieren. Der Heimwehrführer Fürst Starhemberg hat sich zu einem faschistischen System österreichischer Prägung bekannt. Der Sinn der faschistischen Idee ist ihm offenbar noch nicht aufgegangen. In der ersten Aera Papen haben die Nationalsozialisten in ihrem Kampf immer betont, daß sich eine Diktatur nicht auf die Bajonette stützen könne, daß sie vielmehr aus der breiten Grundlage des Volkswillens herauswachsen müsse. Mussolini stützt sich auf feine Nation, Adolf Hitler wird von der jubelnden Zustimmung des deutschen Volkes getragen. Aber Dollfuß und Star- Hemberg haben, wie sich bei den letzten Vorgängen Innsbruck, 8.Mai. (TU.) Die „Neueste Zeitung" in Innsbruck veröffentlicht eine längere Un- terrebung, die einer ihrer Redakteure am Samstag in Bad Schachen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Siebert hatte, und die sich mit den letzten Zwischenfällen zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reich beschäftigte. Ministerpräsident Siebert stellte fest, daß er sich mit dem Reichsstatthalter von Epp beraten habe und seine Erklärungen im vollständigen Einverständnis mit diesem abgebe. Der Ministerpräsident erklärte u. a., daß man in allen deutschen Regie- rungskreijen über die Haltung und die Aeußerun- gen der österreichischen Regierung und ihrer Presse tief befremdet sei. Man könne in Deutschland nicht verstehen, daß die nationalsozia- listische Bewegung, die alle Dolkskreise umfasse, derart angefeindet werde, wie dies in Oesterreich geschehe, zumal es sich bei dem deutschen Nationalsozialismus um eine innere Angelegenheit Deutschlands handele. Der Ministerpräsident berührte dann die von der .Reichspost" verbreiteten Putschgerüchte und erklärte: Es ist unverständlich, daß man ohne jede andere Tatsachenunterlage als die Aeuße- rungen privater, temperamentvoller, aber unmaßgeblicher Leute erklärt, Deutschland solle sich in die inneren Verhältnisse Oesterreichs einmischen. Die bayerische Regierung und die Reichsregierung haben nicht die gering st e Kenntnis von diesen angeblichen Vorgängen und denken in keiner Weife daran, sich in die inneren Verhältnisse oder in die äußeren Angelegenheiten B e r I i n , 8. Mai. (WTB.) Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Josef G o e b • bels sprach im Hotel Kaiserhof vor den deutschen Theaterleitern über die Aufgaben des deutschen Theaters. In der stark besuchten Konferenz, der auch der preußische Ministerpräsident Göring beiwohnte, waren neben den Theaterleitern aus dem ganzen Reich auch viele namhafte Bühnenkünstler und -künstlerinnen anwesend. Minister Dr. Goebbels betonte, daß die Umwälzung selbstverständlich nicht nur eine politische sei, sie greife vielmehr über auf alle Gebiete des öffentlichen Lebens und werde natürlich auch vor der Kunst nicht Halt machen. 3m Gegensatz zu dem überwundenen System sei das wesentliche der jetzt siegreich in den Staat einmarfchierten Bewegung, daß das 3 nbi - uiduum entthront erscheint, und daß an die Stelle der Vergottung der Einzelperson d i e Vergottung des Volks tritt. Das Volk erobert das öffentliche Leben, es drückt der gesamten Kultur feinen Stempel auf, und es wäre in Innsbruck ganz klar herausgeftellt hat, nur noch eine schwache, im Hinsterben begriffene Minderheit hinter sich. Darum das Verbot der Gemeindcwahlen. Der christlich-soziale Parteitag in Salzburg hat am Sonntag alle die versteckten Anschlußgegner in das Rampenlicht gestellt, die bisher im geheimen mit Frankreich Geschäfte machten oder den unerfüllbaren Traum einer Donaukonföderation eifrigst betrieben. Der Drei- männerbund Dollfuß, Vaugoin und Justizminister Schusschnigg wurde in seiner Hetze gegen das national erwachte Deutschland bezeichnenderweise unterstützt durch Starhemberg. Den Gipfel erreichte der Justizminister, als er indirekt behauptete, Deutschlands Kolonialforderungen erstreckten sich auch darauf, Oester- reich als Kolonialland zu behandeln. In Wirklichkeit ist Oesterreich eine Finanz- Kolonie der Entente. Dollfuß hat im Lau- fanner Anleihevertrag den Verzicht auf den An- schluß ausgesprochen, aber die hundert Millionen Schilling als französische Quote, also den jämmerlichen Anleihebetrag von 60 Millionen Mark, heute noch nicht erhalten. Die Tat gegen Deutschland hat also nicht einmal die klingende Belohnung gefunden. Der Satz: Wer als Oesterreicher sich gegen die jetzige Regierung wende und sich deshalb des Auslandes bediene, begehe Hochverrat, ist eine Umkehrung aller Begriffe, die bisher in Oesterreich maßgebend ge- mefen find. Für Dollfuß, Vaugoin und Starhemberg handelt es sich in ihrem betonten Partikularismus um nichts anderes mehr als um die Zwecke ihrer Parteiherrfchaft. Deshalb haben sie die Parole erfunden, die Starhemberg so formulierte: „Wir betrachten den Nationalsozialismus als Gegner, weil er Oesterreich zu einer Provinz von Berlin begra- bieren will." In Wirklichkeit ist ber Nationalsozialismus barum ber Feinb, weil er brüben einem verfaulten System ben Garaus bereiten unb an {eine Stelle einen sauberen Staat setzen will. einzumischen. Es hat in allen deutschen Kreisen tiefste Beunruhigung hervorgerufen, er» klärte Dr. Siebert weiter, baß dicEinlabung für den Verein für das Deutschtum im Ausland von der Kärntener Landesregierung zurückgezogen worden sei. Deutschland hat keinen Grund, sich aufzudrängen. Man wird cs aber in Oesterreich sich selbst zuzuschreiben haben, wenn aus diesem Verhalten auch in wirtschaftlicher Hinsicht, so z. B. im Fremdenverkehr, sich ohne Zutun der deutschen Regierung Weiterungen einstellen. Es ist für die Reichsrcgierung und für die deutschen Länderregierungen untragbar, daß Aeußerungen von Mitgliedern der österreichischen Bundesregierung und der Landesregierung erfolgt sind, auf die einzugchen der Rationalsozialismus in Deutschland als eine Bewegung, die das ganze Volk umsaht, absehen muß. Zum Schluß ber Unterrebung sagte ber Minister- präfibent, wenn bas amtliche Deutschlanb von ben Aeußerungen unb ber Einstellung österreichischer Reyierungskreise Deutschlanb gegenüber auch tief betroffen sei, so lehne es boch eine ebensolche Politik gegenüber österreichischen Regierungsstellen ab, weil es nicht zuletzt bavon fest überzeugt fei, baß auch in Oesterreich bas deutsche Volk aus eigener Kraft ben richtigen Weg finben werbe. Die „Neueste Zeitung" würbe wegen ber Veröffentlichung dieser Unterredung mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Siebert beschlagnahmt. naiv, zu glauben, bah die fiunff von dieser Entwicklung unberührt bleiben könnte. Die bequeme Ausrebe, baß bie Kunst überparteilich sei, kann hier nicht verfangen. Auch wir Politiker finb künstlerische Menschen, bie ben Stoff der Masse zum Volk formen. Die Kunst kann beshalb nicht tendenziös fein. Damit will ich aber nicht etwa sogen, daß die neue Kunst Parademarsch sein müßte. Die Revolte von 1918 unb bie aus ihr heroorge- gangene Republik hatte nach wenigen Jahren zum elementaren Wiberstanb bes Volks geführt. Es be- steht jetzt bie Gefahr, baß zwischen ber Derstänb- nislofigfeit bes schaffenden Künstlers einerseits unb dem vorwärts drängenben Tempo der macht- und geistespolitifchen Entwicklung andererseits ein luftleerer Raum entsteht, wie man ihn durch bie leeren Theater geistern spürt. Durchstoßen wir diesen luftleeren Raum nicht, bann ist allerdings eine akute Gefahr für das deutsche Drama unb bas beutsche Theater gegeben. Haben wir aber ben Mut, durchzugehen burch biefe luftleere Wüste bis ans Ende und neues Land zu betreten, bann ist nichts verloren. Tiefe Befremdung im Reich. Sine Unterredung mit dem bayrischen Ministerpräsidenten. Die Aufgaben des deutschen Theaters. Reichsminister Or. Goebbels spricht zu den deutschen Bühnenleitern. Oie Kunst dem Volke! 3ch muß mich bei dieser Gelegenheit gegen eine Entstellung verwahren, fiunst kommt von können, nicht von Dollen. Ls soll niemand glauben, daß Gesinnung allein es macht. Gesinnung muß dazu gehören, aber sie kann nicht die fiunst und ihre Gesetze ersehen. Die wunderbarste Tugend der nationalen Revolution ist jetzt Staatsprinzip geworden, b i e $ u » fltnb ber Gemeinsamkeit. Sie mögen es Sozialismus ober Volksgemeinschaft ober fiamerab- schäft nennen. Der Mensch strebt zum Menschen, Volk sucht, um Volk zu finden. Die deutsche Kunst der nächsten Jahrzehnte wird heroisch, wird stählern, romantisch, wird sentimentalitätslos sachlich, wird national mit großem Pathos, sie wird gemeinsam verpflichtend und bindend sein oder sie wird nicht sein. wir wollen nicht in das künstlerische Schassen Eingreifen, wir möchten nur, daß der große Pendelschlag der Zeit an den Toren der Theater nicht Haltmacht, sondern in die Theaterräume hineinschlägt, wir wollen die fiunst wieder zum Volk führen und das Volk wieder zur Kunst führen. Das ist nur möglich, wenn die Kunst den Herzschlag des Volkes abhorcht, versteht, faßt und formt. Das schließt selbstverständlich ein den rücksichtslosen Kampf gegen den blutigen Dilletantismus, der da glaubt, Können durch wollen ersehen zu können, Kampf aber auch gegen die Gesinnungslosigkeit. Die Kunst wird um so größeren internationalen Wert haben, je tiefer sie aus dem Volkstum steigt. Sagen Sie endgültig ab der Phantasie, Sie könnten die Welt erobern, indem Sie sich von Ihrem eigenen Land lossagen. Die Welt erobern werden Eie dann, wenn Sie im eigenen Volkstum feststehen. Rur die volksgebundene Kunst wird am Ende die Welt erobern, weil sie Zeugnis ablegt vom deutschen Geist, vom deutschen Fühlen und Denken. Selbstverständlich wollen wir nicht die leichten Darbietungen, mit denen das Theater unserem Volk nach schweren Arbeitstagen Unterhaltung schasst, für eine Sünde halten. Die Theater werden nicht nur Gesinnung machen, sondern auch Unterhaltung pflegen, damit die Menschen nicht in Rot und Bedrängnis zusammenbrechen. Wer wagt es zu bezweifeln, daß wir in Deutschland ein Theater der Hunderttausende haben können, daß das athenische Beispiel sich bei uns wiederholen kann, daß das Volk nicht nur zum Kampf der Wagen, sondern auch zum Kampf der Gesänge hinpilgert, daß die Millionenmasse aufsteht, um diese Kunst zu seiner eigenen Sache zu machen. Für uns hat das Wort neuen Wert bekommen: „Es soll der Dichter mit dem König gehend Ich glaube, Sie unb wir könnten keinen schöneren Augenblick erleben als bie Umschmelzung der Kunst in den G e danken derVolksgemeinschast, damit aber auch die Fruchtbarmachung der Kunst für das Volk insgesamt, so daß unser Volk von der deutschen Kunst wieder mit Recht sagen könnte: Du holde Kunst, ich danke Dir! Italienisches Echo. Rom, 8. Mai. (WTB.) Der wegen seines sicheren und objektiven Urteils auch in Deutschland bekannte italienische Senator General D e - marinis erklärt im „(Sortiere della Sera": Wer nicht mit unheilbarer Torheit geschlagen ist, sieht ein, wie falsch die katastrophalen Uebcrtreibungen sind, die von einem Teil der ausländischen Presse mit dem Gerede von der Derpreußung Deutschlands, der unabwendbaren Gefahr und der ständigen Bedrohung von Fortschritt, Frieden und Kultur gemacht wurden. Es ist unerfindlich, warum Deutschland nicht jene Vereinheitlichung verwirklichen sollte, die andere schon längst durchgeführt haben. Roch weniger zu begreifen ist, warum, wie man es in gewissen Zeitungen immer wieder darstelle, Deutschland durch die auf fester Ordnung und Disziplin aufgebaute Politik Hitlers der Sympathie verlustig gehen soll, die es in den letzten Jahren gewonnen hatte. Rach unserer Auffassung, so schließt Senator De marinis, ist bas einheitliche Deutschland ein Unterpfand für eine bessere Zukunft ganz Europas. Erfolg der Sammlung für die Opfer der Arbeit. Berlin, 8. Mai. (WTB.) Der Aufruf des Herrn Reichskanzlers zu der .Stiftung für Opfer der Arbeit" hat ein starkes Echo in weiten Kreisen gesunden. Dank ber vaterländischen Opferwilligkeit sind b e - reitä an den ersten beiden Tagen Stiftungen in der Gesamtheit von 11 1728,80 M k. auf dem Konto der Reichs- krebit-Gesellschaft „Stiftung für Opfer ber Arbeit" eingegangen. Die einzelnen Spenben sehen sich aus ben verschiebensten Beträgen zusammen. Es finb barin eben so sehr hohe Uebertoeifun- gen einzelner Firmen wie kleine Beiträge von einzelnen Privatpersonen enthalten, bie aus sozialem Pflichtgefühl ihr Scherflein zu biefem Werk nationalen Opfermuts beitragen wollen. Oer polnische Staatspräsident wiedergewählt. TU. Warschau, 8. Mai. Die polnische National- oerfammlung (Sejm und Senat) hat den Kandidaten Mussolini । Oberhessischer Adrehbuchverlag Fernsprecher 2251 L der Autolenker und REICHSVERBAND DER ADRESSBUCH VERLEGER Adreßbuch der Stadt und des Kreises Gießen 1933 Die japanischen Truppen sind südlich der Großen Mauer zur Offensive übergegangen, um die Chinesen vom rechten Ufer des Luan-Flusses zu vertreiben. Eine dem Auswärtigen Amt nahestehende Persönlichkeit erklärte, die Chinesen hofften, die japanischen Truppen zum Vorgehen gegen Peking und Tientsin zu verleiten, um auf diese Weise zu bewirken, daß Japan i n Verwicklungen mit den Großmächten gerät; die japanischen Befehlshaber würden aber nicht in diese Falle gehen. Kleine politische Nachrichten. Die Reichsleitung des Arbeitsdienstes im Reichsarbeitsministerium teilt mit: Oberst a. D. Hierl ist unter dem 4. Mai zum Staatssekretär ernannt worden. Der Geschäftswelt zur Benachrichtigung, daß neben der Hausliste eine Firmen- liste abgegeben wird, die den geschäftlichen Notwendigkeiten für die neue Adretzbuchausgabe eingehend Rechnung trägt. Der eigene Vorteil aller Geschäftsleute ist es, daß fie diese Sonderliste sofort und vollständig ausfüllen; sie wird gleichfalls nach einigen Tagen wieder abgeholt werden. Vereins- und Kassen - Vorstände sowie andere am Vereinswesen Beteiligte wahren die Belange ihrer Vereine durch entsprechende Einträge in die dafür vor- gesehene Abteilung der Hausliste. Die Hauslisten werden jetzt bei den Hausbefitzern abgegeben. Zur Erlangung einer einwandfreien Einwohnerausnahme ist es erforderlich, daß jeder selbständige Hausbewohner seinen Eintrag eigenhändig vornimmt. Nach einigen Tagen werden die Listen wieder elngesordert. - Es wird dringend darum gebeten, die Aufnahmearbeit durch sorgfältige Einträge und pünktliche Bereitstellung derListen freundlichst zu unterstützen. Nur so kann die dem Vorteil der Allgemeinheit dienende Genauigkeit des wichtigen Nachschlagewerkes erzielt werden. Slugzeug st u r z t e a b. -Der Insasse wurde unter den Trümmern des Flugzeuges begraben und war sofort tot. die übrigen drei Insassen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Das Auto wurde völlig zertrümmert. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht aufgeklärt. Brühl'sche Univ.-Buch- und Steindruckerei N. Lange, Gießen Schulstraße 7 Aus aller Welt. polnischer Offizier überfliegt den Südatlantik im Sportflugzeug. Der Hauptmann Stanislaus S k a rzv n s k i hat, tote die Polnische Telegraphenagentur in Warschau meldet, mit einem Spyr t fluazeua denSudatlantikvon Rordafrika nach Sk°rztzn,Ii «artete am Sonn, tag um 23 Uhr von St. Louis, Senegal mit ^UE klemen etnsttziaen Sportflugzeug. einer nur 450 Kilogramm schweren Maschine polnischer Konstruktton, ausgerüstet mit einem 145 PS starken Motor An Bord befanden sich 750 Liter -öeu5tn. Er überflog den Ozean, erreichte Süd- amertka und landete Montag in Maceio (südlich von Pernambuco) und um 18.30 Uhr in San Salvador (Bahia). Hauptmann Skarzhnski trug bet dem Flug einen gewöhnlichen Straßen- anzug und einen weichen Hut. Er führte nicht das geringste Gepäck mit sich. An Proviant hatte er nur mitgenommen einen Extrakt aus afrikanischer Kolanuß, einige Tafeln Schokolade und 2,5 Liter Wasser mit Apfelsinensaft vermischt. — Skarzhnski ist 1899 geboren; 1932 führte er be- retts einen großen Flug von 25 000 Kilometer über Afrika durch. Lastkraftwagen mit hitlerjungen verunglückt. — Elf Verletzte. Infolge des außerordentlich starken Verkehrs, den der große SA.-Aufmasch nach Kiel mit sich brachte, verunglückte bei Rendsburg ein Lastkraftwagen mit Hitlerjuaend, der aus Allerdorf in Dit- marschen kam. Der Lastkraftwagen hatte einen zwei- raderigen Anhänger, der mit Hitlerjungen voll besetzt war. In einer großen Kurve mußte der Lastkraftwagen einem Personenkraftwagen ausweichen. Dabei geriet der Anhänger gegen einen Kantstein und stürzte um. Elf Hitlerjungen wurden verletzt. Sieben von ihnen mußten ins Rendsburger Krankenhaus geschafft werden, wo einer schwer darnieder- liegt. Die übrigen haben Knochenbrüche, Schnittwunden, Hautabschürfungen usw. davongetragen. Der Vrieflrägermörder Reins hingerichtel. Der wegen Mordes zum Tode verurteilte Maurer Ernst Reins wurde am Dienstagfrüh tn ber Strafanstalt Plötzensee hingerichtet. Er hatte, wie erinnerlich im Fahre 1931 e n Briefträger Gustav Schwan in Schöneberg ermordet. Der Bollzug des Todesurteils wurde durch Anschlag an den Lit- sassaulen bekanntgegeben. Seinen Onkel erschlagen und beraubt. Ein schweres Verbrechen wurde in Weißenborn- Aerobe (Elchsfeld) verübt. Der anläßlich einer Beerdigung dort weilende Kaufmann August Jütt- "US Berlin unternahm mit seinem Neffen ES"11e;,s L'.eh r im Auto eine Fahrt nach Bleiche- tinPm^Lblefer Mressenverzeick Umzüge inner! machen die Her dringend ersori Einträge in dc Hans- und Fi Adrehbuchverl geben. Es die; ber Allgemein! Verzug sor und zur Abhol " Die Gi nahm am Sonn Klein-Linden c Lich. Hier tour Lich unter Leit willkommen gel pelle der grein: die vereinigten bau, wo sie von lich bewirtet rou willkommen. G dankte herzlich | Wt Freude ül Ausdruck, das d oufweife. Leim 1 ging die Zeit bis Gleichsck Schuhmacher missarische Dorsi kammcr-Aebenstc Vorstand der Stadt und Lan Ksammensehung Ehrenobermeister 1> Obermeister; $ No S Lieber: Kassie Heuchelheim: Dor ö Wilhelm Sender des ■ . Or9 Schnell W Lollar ' Mender des ».Hinrich li^?Lich: Ntzender des Den. Rj« Ni xV iEF" über h; Geb ^bracht 8 M L b-» °»r, das. e' n- e>Nl 8 65 d-e jun. 2)er Tierschutzverein Butzbach, einer ber ältesten Vereine im Deutschen Reich, hat den hessischen Staatspräsidenten Dr. Werner zu seinem Ehrenmitglied ernannt. In einem Schreiben an den Vorstand des Vereins hat Staatspräsident Dr. Werner bekundet, daß er die Ehrung des Tierschutzoereins ebenso hoch schätze wie irgendeine andere. Innerstes Bedürfnis sei es ihm je und je gewesen, in selbstlosem Kampfe für die leidende Kreatur zu stehen. Er betrachte es als ein Glück {eines Gebens, nach jahrzehntelangem Bemühen tausendfach geübter Tierquälerei ein Ende gemacht 3» sehen. Wenn er über etwas Stolz unb Bestie- bigung empfinde, so sei es dies, daß er in dem Rin- gen um das Recht der Kreatur ganz vorne und, politisch gesehen, fast allein gestanden habe. Nationaler Großflugtag in Gießen. Arn kommenden Sonntag findet auf dem Flug- Platz Gießen der erste nationale Flugtag statt, der von der Südwestdeutschen Sportfliegeroereinigung im Einvernehmen mit der Ortsgruppe Gießen im Deutschen Luftsport-Verband und mit Unterstützung der SA. durchgeführt wird. Besonders sportliche Momente werden die verschiedenen Wettbewerbe dieser Veranstaltung bringen. In der Ballonjagd wird die Südwestdeutsche Sportfliegervereinigung gegen die Fliegergruppe Friedberg konkurrieren. Zum Geschicklichkeits/lug werden Erbprinz zu Solms-Hohensolms-Lich und Chefpilot Maier starten. Es wird hierbei eine vollständig . neue Art von Bodenakrobatik" — Geschicklichkeits- flöge in Bodennähe — gezeigt'werden. Des Weiteren werden Luftrennen, Staffelflüge, Kunstflüge im Verbände sowie andere Lustspiele das Programm vervollständigen. Der Abschuß eines großen Fesselbal- Ions vom Flugzeuge aus und ein Fallschirmabsprung des Piloten W i e g m a i e r, Braunfels, dürften ganz besonderes Interesse finden, so daß auf jeden Fall ein vielseitiges Programm, zu dem sich auch noch Segelflugvorführungen gesellen, gezeigt wird. 31. Mai letzte Frist für Steuergutscheine. Die Frist zur Beantragung von Steuergutscheinen für eine Mehrbeschäfti- gung, die im letzten Vierteljahr 1932 stattgefunden hat, .war nach einem Erlaß ber Reichsregierung über den 31. Fanuar hinaus verlängert worben. Wie bas VDZ.-Büro melbet, ist jetzt als letzter Tag der Antragsfrist ber 31. Mai 1933 bestimmt worben. Gleichzeitig ist bis zu demselben Zeitpunkt die Frist zur Beantragung von Steuergutscheinen für eine Mehrbeschäftigung verlängert worben, die im ersten Vierteljahr 1933 stattge- funden hat. Gießener Wochenmarktpreise. * G i e ß e n, 9. Mai. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteteten Süßrahmbutter 120 bis 125 Pf das Pfund, Landbutter 120, Kochbutter 100, Matte 20 bis 25, Gelbe Rüben 12 bis 15, Rote Rüben 10 Spinat 15 bis 20, Spargel 30 bis 50, Unter-Kohlrabi 6 bis 8, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 50, Hebeln io bis 15, Meerrettich 30 bis 50. Schwarzwurzeln 25 bis 30, Rhabarber 12 bis 15 Kartoffeln 3, Dörrobst 35 bis 40, Obstmus 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80; Tauben 40 bis 60 Pf. das Stück, Käse 5 bis 10, Eier 8, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 15 bis 20, Salatgurken 40 bis 60, Ober-Kohlrabi 15 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 30; Radieschen 10 bis 12 Pf. das Bündel; Kartoffeln 2,50 Mark der Zentner. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag- Stadttheater, 20 bis 22 Uhr: „Die deutschen Klein- städter . — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Teilnehmer antwortet nicht!" — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Als 31. Vorstellung im Dienstag- 'Abonnement kommt heute in neuer Inszenierung das Lustspiel „Die deutschen Kleinstädter" von Kotzebue unter der Spielleitung von Peter Fas- sott mit Frau Auguste P r a s ch - G r e v e n- b e r g als Gast erstmalig zur Ausführung. Gewöhn- liche Preise. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr. — Mittwoch, 10. Mai, vorletzte Aufführung des Volks- stücks: „Die vier Musketiere" von Siegmund Graff: Spielleitung Peter Fafsott. Anfang 19.30 Uhr, Ende 22.30 Uhr. — Das letzte Operngastspiel dieser Spielzeit findet am Freitag, 12. Mai, statt als 30. Vor- stettung im Freitag-Abonnement. Zum Gedächtnis 50. Todestages Richard Wagners gelangt fein Werk „Tristan und Isolde" als Operngastspiel des Stadttheaters Mainz einmalig zur Aufführung in ber Inszenierung Paul Weisleders und unter der musikalischen Leitung von Hans Schwieger. Opernpreise, Vorzugs- und Rundfunkgutscheine haben Gültigkeit. Anfang 19 Uhr, Ende nach 23 Uhr. sehen wir hier und da die kleinen Früchtchen. Der Flieder drängt sich mächtig hervor. Rur noch wenige Tage, und er wird in voller Blüte stehen. Auch der Schneeball will kommen. Ziersträucher in allen Farben grüßen am Zaun. Mit schweren Trauben schmücken die Glyzinien die Hauswände und den Balkon. Ein Duft von Blüten und von frischem Grün durchdringt die Luft. Und in den Zweigen der Bäume jubiliert und schmettert es. Amseln, Drosseln, Finken und Meisen, fie wissen sich kaum zu fassen vor- Freude. Und erst die Lerchen draußen im freien Felde! Kann man in diesen Tagen im Zimmer hocken? Muß man jetzt nicht zum Wanderstab greifen und hinauspilgern in die schöne Ratur? Der Wald halt seine grüne Hochzeit. Der Boden, die Wege, die Bäume, sie alle glänzen im neuen Schmuck. Saftige Moospolster laden zum Ruhen ein, die ersten Maiblumen senken ihre weißen, duftigen Glöckchen. Der Geruch des Maikrautes erfüllt die Luft. Buchen und Birken entfalten ihre zarten Blättchen, auch die knorrigen Eichen kommen nun. Unerschöpflich ist die Ratur. Tag für Tag- schasst und wirkt fie, und immer neue Wunder lassen uns staunend stillestehen. Und wenn die Vöglein ihre Lieder fingen, wenn goldner Sonnen- schein die junge Welt verschönt, können auch wir Menschen nicht stumm bleiben. Da springt auch dem härtesten Menschen ein Türchen im Herzen auf, daß er wieder neue Hoffnung schöpft, daß er gläubig in die Zukunft schaut, und seins Augen glänzen, wenn er die Kinder singen hört: Wie sich die Bäume wiegen im lieben Sonnenschein! Wie hoch die Vögel fliegen, ich möchte hinterdrein! Möcht jubeln über Tal und Höh'n: O Welt, du bist so wunderschön Fm Maien! B« Staatspräsident Or. Werner über den Tierschutz. ■ein ^fcEMTS/Vzr ^SCHUNGSMR-^ B, SORTE % ernten 27 BIS 30 ♦ MUSTERCIGARETTEN + MISCHUNGSNUMMER R 6 o/M REEMTSMA CIGARETTENFABRIKEN LD von Die Cigaretten sL methoden. die zu Diese Cigaretten werden in den FaUiks betriebes in Altona-Bahrenfeld nac Der ungewöhnlich zarte und reine Cha 5 saj/lagen unseres technischen Muster- völlig neuen Methoden hergestellt, er dieser Mischung beruht darauf, daß Fabrikation?- auf e. liegen ml liegen, n! al und M'n. "nderschdn nl ferner schuh. Mussolini beglückwünscht die deutsche Mannschaft, die den Goldpokal zum drittenmal und damit endgültig für Deutschland eroberte. Miner der ältesten M den hessischen N> seinem 3n einem Schreiben ' Hal Ttaaisprchident I er die Ehrung des Mtze wie irgendeine se> »ihm je und je pse für die leidende hie er als ein Glück aielangem Bemühen cei ein Ende gemacht 15 Stolz und Bestie- daß er in dem 9tin« für ganz vorne und, standen habe. tag in Sietzen. indet aus dem Flug« ile Flugtag statt, der portsliegervereinigung rtsgruppe Eiehen im md mit Unterstützung Besonders sportliche liebenen Wettbewerbe 3n der Lallonjagd oorst'/iegeroereinigung ebberg konkurrieren, röen Erbprinz zu . ch und Chejpllvt tbei eine vollständig - Geschicklichleits- merben. Des Weiteren je, Kunstslüge im Ser- ! das Programm verlies großen Fesjelbal- »in Fallschirmabsprung rauchst, dürsten ganz o daß auf jeden jaU u dem sich auch noch n, gezeigt wird. te Jrifl Weine. Wirtschaft. Frankfurt leicht erholt. Frankfurt a. M., 9. Mai. (WTB- Drahtmeldung.) Nachdem bereits im 2lbendborsenver- kehr die Abwärtsbewegung zum Stillstand gekommen war, zeigte sich zu Beginn der heutigen Mittagsbörse gegenüber dem noch hcrauskommen- den kleinen Angebot mehr Widerstandskraft, und die Grundtendenz zeigte sich e t w a S zuversichtlicher, obschon die Kursgestaltung keine einheitliche war. Auf dem ermäßigten Niveau lagen indessen kleine Abgaben aus dem Publikum vor, und auch die Kulisse war eher zu Deckungen geneigt, wobei man Hoffnungen heg-, daß Dr. Schacht in Amerika etwas erreichen werde. Das Geschäft war allerdings sehr klein, da im Hinblick auf die schwierigen Genfer Verhandlungen, die einen guten Start der Weltwirt- schaftskonferenz wenig günstig erscheinen lassen, stärkere Zurückhaltung zu beobachten war. 3m« merhin trat nach den ersten meist noch schwächeren Kursen eine fühlbare Erholung em. Recht schwach lagen noch am Kalimarkt Alchcrs- leben und Westeregeln mit je «inuS 3,50 Proz^ am Elektromarkt Siemens und Lahmeher mit minus 3 Prozent, ferner Zement Heidelberg und Eontigummi mit je minus 2 Prozent. Mehr als 1 bis 1,50 Prozent schwächer eröffneten außerdem Nheinstahl, Harpener und Felten. 2.-G. und die anderen Chemiewerte lagen meist noch bis zu 0,75 Prozent niedriger, auch Schiffahrtsaktien waren gedruckt und bis zu 0,39 Prozent schwächer, wogegen am Elektromarkt Licht u. Kraft 2 Prozent, AEG., Rheinische Elektro-Mannheim und Schuk- kert bis zu 0,39 Prozent freundlicher lagen. Am Montanmarkt lagen noch Mannesmann, Phönix und Stahlverein etwas rückläufig, jedoch eröffneten Buderus und Klöcknerwerke leicht befestigt und Gelsenkirchen behauptet. Bon Einzelwerten lagen AG. für Verkehr 1,25 Prozent, Akkumulatoren Berlin 1 Prozent höher, wogegen Daimler, Holzmann und Deutsche Linoleum bis zu 0,39 Prozent niedriger xur Notiz kamen. Reichsbankanteile und Süddeutsche Zucker lagen unverändert. Bei mäßig lebhafterem Geschäft ergaben sich zunächst durchschnittliche Erholungen von etwa 0,50 bis 1 Prozent. Einige Spezialwerte wie Mannesmann, Harpener, F.-G. und Siemens gewannen darüber hinaus bis zu 2 Prozent. 3m weiteren Verlaufe herrschte wiederum Geschäftsstille, und die Kurse waren nur knapp behauptet. 3m Gegensatz zum Aktienmarkt standen festverzinsliche Werte und Deutsche Anleihen, die noch überwiegend schwächer notierten. Goldpfandbriefe gaben etwa 0,50 bis 1 Prozent, Kommunalobligationen bis zu 1 Prozent nach, auch Stadtanleihen gingen meist weiter zurück, während Liquidationspfandbriefe und Staatsrenten geschäftslos waren. Deutsche Anleihen und späte Reichsschuldbuchforderungen, sowie Stahlvereinbonds eröffneten von 0,25 bis 0,75 Prozent niedriger, waren später etwas erholt, um schließlich im weiteren Verlauf wieder nachzugeben. Auslandsrenten still. Tagesgeld wurde um 0,25 auf 3 Prozent ermäßigt. Rindermarkt in Gießen. Auf dem heutigen Rinder-Nutzviehmarkt in Gießen standen 811 Stück Großvieh, 145 Fresser und 204 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: a) Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 340 bis 380 Mark, 2. Qualität 210 bis 270 Mark, 3. Qualität 105 bis 145 Mark: b) Schlachtkühe a) 130 bis 230 Mark, b) 50 bis 120 Mark: c) Rinder 1/2—^/«jährig 60 bis 140 Mark, b/i—2jährig 70 bis 170 Mark, tragend 160 bis 300 Mark: d) Kälber das Pfund Lebendgewicht 23 bis 30 Pfennig. Ausgesuchte Tiere über Notiz. Marktverlauf: Schleppend: Äeberstand. sämtliche Tabake zweimal** j^jr/tte wird ausschließlich ohne Mundstück hergestellt. DEwJSp folgenden Distrikten; >G51'- Akleee#. ^^gi.lf^ssoljk. äbm.un. un g t eine Mrbes-M« jöbr 1932 ftaligelun- M der Otci Weit hinaus verlang iiro meldet. Igj riß der 31. OKai W33 ist bis zu demselben tragungnonew läftiaung verlängert Wettervoraussage. Durch die im Norden vorüberziehenden Tiefdruckwirbel wird vom Ozean her fortgesetzt verhältnismäßig kühle Luft nach dem Festlande befördert, die das Wetter wechselhaft gestalten wird. Mit dem Zustrom der Kaltluft steigt von der Bis- kaya her der Druck kräftig an, was wohl eine Wettcrberuhigung zur Folge haben dürfte, doch werden vorerst durch die vorherrschenden Westwinde noch Bewölkung und auch vereinzelte Regenschauer veranlaßt. Aussichten für Mittwoch: Wechselhaftes Wetter, für die 3ahreszeit ziemlich Tühl, einzelne Regenschauer, um West drehende Winde. Kirchliche Nachrichten. Dienstag, den 9. Mai. Gießen. 20 Uhr: Maiandacht. xD- k Qm sL ™n bu-rUiH A ;u T imj Dabirf ScVrb >u® SÄ* Fels Türchen Weltpreise. Ä» "IS TS* tW Zentner- D i e n 9 i8.9' gahnhoslil°v°- .r.To n>>rb jtcllung '^j-enierting neuer W- Dün « »C 8« ' ing D(dl;®reofn «ßroi® . ßefflobn1 WÄ Uhr- 7 1 20 615 m 110115- K-S nent 4 geÄ GH- ** D t e Gießener SA.-Reserve unternahm am Sonntag gemeinsam mit der SA.-Reserve Klein-Linden eine Fahrt nach dem benachbarten Lich. Hier wurden die Gäste von der SA.-lneseroe Lich unter Leitung von Tierarzt Dr. Erb herzlich willkommen yeheißen. Unter den Klängen der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Lich, marschierten die vereinigten Sturmabteilungen in Steins Saalbau, wo sie von der Brauerei Jhring-Melchior gastlich bewirtet wurden. Dr. Erb, Lich, hieß alle Gäste willkommen. Sturmführer S 0 l d a n, Gießen, dankte herzlich für den Willkommengruß und gab feiner Freude über das prächtige Mcnschenmaterial Ausdruck, das der Licher Sturm in seinen Reihen aufweise. Beim Gesang von Vaterlandsliedern verging die Zeit bis zur Heimkehr im Fluge. •* Gleichschaltung in der Gießener Schuhmacher-Zwangsinnung. Der kommissarische Vorsitzende der Hessischen Handwerkskammer-Nebenstelle, Herr Schimmel, hat den Vorstand der Schuhmacher-Zwangsinnung für Stadt und Landkreis Gießen in nachstehender Zusammensetzung bestimmt: Heinrich Nick laus: Ehrenobermcister, Geschäftsführer: Emil Kraus: 1. Obermeister: Karl W ald schmidt: 2. Obermeister: Hugo Henkel: Schriftführer: Konrad Steber: Kassierer: Hermann Vogel: Vorsitzender des Bezirks Gießen: Ernst Sack, Heuchelheim: Vorsitzender des Bezirks Heuchelheim: Wilhelm Wenzel, Lang-Göns: Vorsitzender des Bezirks Grohen-Linden: Georg Schnell, Lollar: Vorsitzender des Bezirks Lollar: 3akob Hofmann, Bersrod: Vorsitzender des Bezirks G r 0 ß en-D u se ck; Philipp Heinrich Findtll-, Lich: Vorsitzender des Bezirks Lich; Otto Frutig, Hungen: Vor- sitzender des Bezirks Hungen: und Fra nt jun., Grünberg: Vorsitzender des Bezirks Grün- berg. ** Frühjahrs-Hauptversammlung desGießenerRuderklubs„Hassi a". Am 29. April fand, wie man uns schreibt, die diesjährige Frühjahrs-Hauptoersammlung des Gießener Ruderklubs „Haffia" 1906 e. V. statt. Einer der Haupt- punkte der Tagesordnung war die Verpflichtung der Ruderer zum strengen Training. Zwölf Herren stell- ten sich dem für diese Saison engagierten Ruderlehrer Herrn G r a e f aur Verfügung, die nun zu Inngmannen herangebildet werden. Wie es mit der Beschickung von Regatten in diesem Jahre wird, muß man der kommenden Entwickelung der Ruderer auf sportlichem Gebiet überlassen. Staunen muß man über die geschickte Führung des Vereins, die es fertig gebracht hat, trotz der niedrigen Beitragsleistung seiner Mitglieder, den Ruderern das Beste zum Training zu bieten, einen tüchtigen Ruderlehrcr. Hoffen wir, daß es die jungen Ruderer zu würdigen wissen. Landkreis Gießen. is. Steinbach, 8. Mai. 3m Gottesdienst am 30. April nahm unser Ortsgeistlicher, Pfarrer Wilhelm Krämer, Abschied von unserer Gemeinde, um seinen Ruhesitz in Darmstadt zu nehmen. Er war 43 Fahre im evangelischen Pf«rr- dienst tätig, und zwar 2 Fahre in Wersau t O., 61 . Fahre in Seckmauern i. O., IO1/» Fahre in Groh-Bieberau, 14 Fahre in Pfungstadt und zuletzt 10 Fahre in unserem Kirchspiel Stcinbaöy— Albach. Als geistlicher Führer in unserer Gemeinde war Pfarrer Krämer ein Muster in seinem Berufe, seine religiös-sittlichen Anschauungen und seine Predigten kamen aus innerer Aeber- zeugung. Mit Hilfe seiner Frau rief er hier einen evangelischen Frauenverein und einen Frauenchor ins Leben, welche beide aus schwierigem Anfang sich zu einer schönen Mitgliedcrzahl entwickelten und ihm ein Andenken sichern werden. Zu Ehren des Scheidenden fang der Frauenchor im Abschiedsgottesdienst zwei schöne Lieder. Kirchenvorstand und Kirchengemeindevertretung nahmen nach der Kirche persönlichen Abschied, der Frauenverein brachte abends noch ein Abschiedsständchen. Die gesamte Einwohnerschaft begleitet die scheidende Familie mit einem herzlichen Lebewohl. — Als Nachfolger wird in Kürze Pfarrer Döll von Wirbcrg hier im Pfarrhause einziehen. Am Samstag, 13. Mai, findet die letzte Schülervorstellung dieser Spielzeit statt mit der letzten Aufführung des Schauspiels „Die Räuber" von Schiller. Spieldauer von 15.45 Uhr bis gegen 19 Uhr. Schülerpreise. Neues Adreßbuch von Gießen. Die sehr zahlreichen Aenderungen in den Adressenverzeichnissen durch Zuzüge, Fort- und Llmzüge innerhalb der Zeit von zwei Fahren machen die Herausgabe eines neuen Adreßbuches dringend erforderlich. Zwecks Erzielung genauer Einträge in das neue Buch werden nunmehr die Haus- und Firmenlisten von den Vertretern des Adreßbuchverlages bei den Hausbesitzern abgegeben. Es dient dem Vorteil jedes Einzelnen und der Allgemeinheit, daß diese Listen ohnejeden Verzug sorgfältig und eigenhändig ausgefüllt und zur Abholung oereitgelegt werden. L Oer deutsche Nettersieg in Nom n 1 l Oie stummen Gäste von Zweilin-en Vornan von Anny von panhuys. Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold. 35 Fortletzung. Nachdruck verboten! Man fuhr durch ein kleines Städtchen, und der Justizrat wies im Vorbeifahren auf ein altes, graues Haus: „Das ist das weit und breit bekannte Hotel „Eichkatz", in dem sich die Honorationen der ganzen Umgebung zu treffen pflegen. Hier kommen die Gutsbesitzer aus der näheren und weiteren Umgebung zusammen; es wird auch von Touristen sehr oft besucht. Küche und Keller sind ganz vorzüglich." Der Pfarrer schmunzelte. „An die Empfehlung wollen wir gelegentlich denken, was, Muchacbas?" Catalina lächelte zustimmend, und Angela sann: vielleicht kam auch Konrad Zweilinden zuweilen hierher. Vielleicht war seine hohe Gestalt erst vor kurzem durch die niedrige Tür in das alte Haus getreten, durch diese Tür, über der auf einem gemalten Zweig ein gemaltes Eichkätzchen symbolisch auf den Namen des Hotels hindeutete. Tannenwald zeigte sich, entsandte seinen starken, harzigen Dust, wechselte ab mit Buchenwald. Der Justizrat zeigte voraus. „Dort biegen wir ob, dort, wo sich die zwei Chausseen treffen, nachher fahren wir geradewegs durch den Wald." Der Pfarrer äußerte den Wunsch, ein Stück des Weges zu Fuß zu gehen. „Eine kurze Strecke nur", meinte er. „Die Luft hier reißt mich geradezu aus dem Auto." Der gute Pfarrer strahlte. Sein Leben war von Jugend an in dem engbegrenzten Kreis seiner Pflichten gefangengehalten worden; nun aber war er plötzlich ein reicher und freier Mann. Es war jubelnde Freude in ihm, die Welt kennenzulernen, das Leben von einer ganz anderen Seite wie bisher betrachten zu dürfen. Alles freute und beglückte ihn. Und er hatte nun Lust, ein Weilchen zu marschieren, noch tiefer, 'nod) gründlicher zu spüren, wie herrlich so ein Sommermorgen in begnadeter Natur ist. Man stieg aus. Catalina ging mit dem Justizrat voran, ihnen folgten der Pfarrer und Angela. Allmählich wurde die Entfernung zwischen beiden Paaren immer größer, denn das zweite Paar ging langsamer. In einiger Entfernung, dort, wo die Chausseen sich trafen, bog das Auto um die Ecke. Eben verschwand auch das erste Paar um die Biegung. Angelas Augen wurden angezogen von einem Steinkreuz am Waldesrande. Auch der Pfarrer blickte dorthin. Es erregte fein Interesse. Er wandte sich an Angela. „Es steht etwas darauf, bitte, lesen Sie es doch, und erklären Sie mir dann den Sinn dieser deutschen Worte." Angela ging ein paar Schritte voran, und ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen, als sie las: Hier starb von verruchter Mörderhand Konrad von Zweilinden. Wanderer, bete für seine Seele! Schreck und Grauen schüttelten sie vom Kopf bis zu den Füßen, und Pfarrer Basella schaute erstaunt auf Angela, die ganz fahl im Gesicht aussah und so stark zitterte wie damals, als man ihren toten Vater aus dem Meere gezogen und sie zu dem Pfarrer gelaufen kam, ganz aufgelöst vor Verzweiflung. Er konnte ja kein Deutsch, und er begriff nicht, was Angela so aufregen konnte. Er faßte sie am Arm: „Was ist Ihnen, Angela, ich bitte Sie, beruhigen Sie sich doch." Angela schaute ihn mit stumpfem, glanzlosem Blick an, als wüßte sie gar nicht, wer er wäre, und als hätte sie gar nicht verstanden, was er sie gefragt. Sie sah so herzzerreißend verstört und traurig aus, daß der Pfarrer tiefes Mitleid mit ihr empfand. Er wiederholte: „Beruhigen Sie sich doch, Angela, und, bitte, sagen Sie mir, was Sie so heftig erregt hat. Es muß doch etwas auf dem Kreuze stehen, das die Schuld daran trägt, denn eben waren Sie doch noch ganz harmlos vergnügt." Angelas Augen hafteten schon wieder an dem Kreuz, die Worte darauf drängten sich ihr wie scharfe Dolchstöße ins Herz. Himmlischer Vater! Konnte es denn wahr sein, was sie hier las? War es denn möglich, daß er, an den sie immer wieder gedacht, nun tot war, daß er gemordet wurde von einem Elenden, daß fein sonniges Lächeln aus der Welt fortgeweht, wie etwas, das nicht mehr nötig g>ar? Aber wann starb der Geliebte, wann? Es war doch noch gar nicht lange her, seit er sie geküßt, der nun tot fein sollte. Nein, der tot war, beryi es stand ja sein Name auf dem Stein. Ihr war jammervoll elend zumute, ihre Füße wollten sie nicht mehr tragen, und ihr Herz tat weh, so entsetzlich weh! Sie sann, was sie dem Pfarrer antwortön sollte. Er wußte ja nichts von ihrer kurzen Liebe, von ihrem kurzen, seligen Glück und ihren zerbrochenen Hoffnungen. Sie sagte leise und mit Anstrengung: „Ich erzähle Ihnen später alles, Sensor Cura, ich kann jetzt nicht davon sprechen." Ihre Stimme war am Erlöschen. „Hier an der Stelle wurde jemand ermordet, den ich zufällig kurz vor Ostern in Barcelona kennenlernte." Die Rührung übermannte sie fast. Er sah sie betroffen an und begriff nicht recht, was Angela ihm sagte. Aber er lächelte gütig: „Wenn wir in Wiesental erst allein sind, sprechen Sie sich das Herz frei, liebes Kind. Sie leiden und brauchen Trost." Angelos Blick war verstört und doch dankbar. Ihre Rechte strich leicht über die gräuen Steine; dann ging sie still neben dem Pfarrer her. Sie wäre am liebsten vor dem Kreuz niedergesunken und hätte ihren Tränen freien Lauf gelassen, aber sie durfte jetzt nicht nur an sich denken. Sie mußte Rücksicht auf die anderen nehmen. Sie war abhängig, und wenn der Pfarrer und Catalina sie auch so gut behandelten, als ob sie verwandtschaftlich zu ihnen gehörte, wurde sie doch für ihre Gesellschaft bezahlt. Das durfte sie nicht vergessen und mußte heshalb ihr Leid und Weh tief in der Brust verbergen, bis sie allein war. Catalina und der Justizrat warteten schon, und der Pfarrer rief ihnen entgegen: „Wir haben etwas vor dem Kreuz verweilt. Es hat natürlich eine Geschichte. Kennen Sie die Geschichte zufällig, Herr Justizrat?" Der Justizrat beantwortete die Frage des Pfarrers sofort. „Freilich kenne ich die beschichte des Kreuzes, denn er, dem zum Gedenken es gesetzt wurde, war einer der bekanntesten und reichsten Grundbesitzer des ganzen Taunuskreises. Er wurde, als er mit" seinem Wagen in die Kreisstadt fuhr, an der Stelle, wo sich das Kreuz erhebt, erschossen." Der Pfarrer beobachtete, wie sehr sich Angela bezwang, ruhig zu bleiben, er sagte hastig: „Wir wollen wieder einsteigen, der Senjorita ist nicht wohl, wir müssen uns beeilen, unter ein Dach zu kommen." Angela schenkte dem Pfarrer einen dankbaren Blick, sie fühlte, sie war bald am Ende ihrer Kräfte. Während der Weiterfahrt saß sie sehr still da, und Catalina tröstete manchmal: „Wenn wir in unserem neuen Heim sind, müssen Sie sich sofort hinlegen und ausruhen. Ihnen steckt noch die Reise in den Gliedern." Angela nickte wie eine Marionette, sie quälte sich sogar, ein dankbares, krampfhaftes Lächeln auf die Lippen: aber in ihrem armen Kopf hatte jetzt nur der eine Gedanke Raum: Konrad von Zweilinden war tot, die Kugel eines Mörders hatte seinem Leben ein Ende gemacht! Und sie hatte nichts davon geahnt, keine innere Stimme hatte ja, als sie letzthin mehr denn je an ihn gedacht, ihr zugerufen: Der Mann deiner Liebe weilt nicht mehr unter den Lebenden! ' Sie wankte, als sie aus dem Auto steigen wollte, und sie mußte, auf den Arm des Pfarrers gestützt, Schloß Wiesental betreten. Die Dienerschaft war gut geschult, und auf ein paar Worte des Justizrats öffnete sich sofort vor Angela ein Schlafzimmer, wo sie erschöpft in einen Sessel sank. Catalina war ihr behilflich, sich auf das bequeme breite Sofa zu betten, und die Haushälterin, eine vertrauenerweckende Vierzigerin, brachte ihr Limonade und andere Erfrischungen. Angela bedankte sich, bat: „Ich möchte nur ein Stündchen ruhen, dann wird mir schon wieder bestell werden." Da ging Catalina zu den Herren zurück, und die Haushälterin entfernte sich auch, sagte noch: „Wenn das gnädige Fräulein etwas braucht, genügt ein Druck auf die Klingel an der Tür." Kaum befand sich Angela allein, als sie den Riegel vorschob. Endlich durfte sie die mühsam beibehal- tene Maske fallenlassen und brauchte den Tränen nicht mehr zu wehren, die mit aller Macht hervorbrechen wollten. Oh, wie brannten ihre Augenlider von den heißen Tränen, die sie hatte zurückdrängen müssen! Sie hatte sich nicht e.inmal im Zimmer um- geschaut, sie wußte nur, sie war allein in diesem fremden Raume, und nur darauf kam es an. Ein Würgen war in ihrer Kehle und löste sich in einem schluchzenden Laut. Sie preßte die Hönde gegen die Schläfen, hinter denen es klopfte, als wollte sie ein hartes Hammer von innen zertrümmern, und nun brachen die Tränen hervor unter den langen Wimpern, zogen wie kleine, heiße Flüsse über das Gesicht. Sie hatte gewußt, daß sie niemals Konrad Zwei- lindens Frau werden konnte, aber sein Tod bedeutete doch eine furchtbare Ueberrafdjung für sie. Sie rang die Hände in wilder Verzweiflung. Endlich konnte sie nicht mehr meinen. Es klopfte. Angela schreckte hoch aus ihren quälenden Gedanken. Aber sie gab keine Antwort. Mochte man denken, sie wäre eingeschlafen. Es klopfte zum zweiten und zum dritten Male. Sie schwieg beharrlich. Sie konnte sich jetzt vor niemand sehen lasten. Eine gütige Stimme rief draußen: „Wenn Sie wach sind, Angela, öffnen Sie mir, ich bin es." Sie erkannte des Pfarrers Stimme, nach kurzem Schwanken schloß sie die Tür auf. Er trat ein. Seine Augen tasteten ihr verstörtes, vom Weinen entstelltes Gesicht vorsichtig ab. „Kind, liebes Kind, was ist Ihnen denn nur? Es muß sich um einen Irrtum von Ihnen handeln", begann er. „Sie sagten mir am Kreuze, Sie hätten ihn, der an der Stelle ermordet wurde, gekannt, aber das ist wirklich nicht gut tnöglich. Wir unterhielten uns eben beim Frühstück über die Geschichte des Kreuzes, der Justizrat und ich, und da erfuhr ich, der Mord ist zu einer Zeit geschehen, als Sie noch gar nicht auf Der Welt waren. Achtzehn Jahre sind Sie, und vor sechsundzwanzig Jahren wurde der Gutsherr von Zweilinden erschossen. Man sieht es ja auch dem Kreuze an, es muß schon manches Jahr am Waldesrande stehen." Angela blickte den Sprechenden atemlos an, und sie preßte die Hände auf das Herz, das plötzlich so wild und ungebärdig klopfte. „Wie? Vor sechsundzwanzig Jahren wurde er erschossen?" fragte sie. Ihre Stimme war heiser vor Aufregung. (Fortsetzung folgt.) 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Man sieht es ch schon manches Lahr nden atemlos an, und 1 Herz, das plötzlich |o g Jahren wurde er er. timme war heiser vor folgt) M le i» 1 V.A.L >2 [ni- ' 9 ). D B v H !lts in* on :en ev n A u. el! och uf. 62 10.. 5H!tgJf'3J°ubr!at’ rMesPttS-A Isaiirt" Stadttheater AA«r - ZZKE „t. __> Tages-Ordmm: Wahl des 1,ivon sitzenden gemanün« orönm^d.Fubrers Wir loden unsere Mitglieder bienu ein und erwarten vollzählig- Erschein. LieUebunaM". den fallen an diesem Lage aus. allw Ter Turmat. Aß °Z-8 säaitenh^l. M M** LKZ Wä v. 1846 Donnerstag. b« UMailM.abendS 8,30imHotesBane' irischer Hof/ Bahn« Ihossttahe r MM Giehener Anzeiger (General-AnzetgerW Gberhefien) Nr. 107 Zweiter Blatt Dienstag, 9. IHai 1933 DieLandesuniversiiäi huldigt der nationalen Regierung Die Unioersitäts- und Proviwzialhauptstadt Gießen bat gestern einen geschichtlich denkwürdigen Tag erlebt: die Huldigung der Landesunioersität und der Bürgerschaft vor den Mitgliedern der nationalen hessischen Regierung, gleichzeitig auch für die nationale Reichsregierung und die feierliche Verkündung des neuen hessischen Studentenrechts durch den Herrn Hess. Staatspräsidenten Dr. Werner. Die Hauptseier des erhebenden Tages begann kurz nach 17 Uhr in der mit schworz-weiß-roten und Ha- kenkreuzfahnen, sowie mit hessischen Fahnen rot weih und der Gießener Stadtfahne reich geschmückten Volkshalle. Eine riesige Menschenmenge, die man wohl auf etwa 4500 Köpfe schätzen kann, füllte die Dolkshalle in allen Teilen. Auf der Bühne stellten SA.-Mannschaften der Ehattia, der Landsmannschaft des Herrn Staatspräsidenten, die Ehrenwache. Vor der Bühne hatten die Fahnenabordnungen der stu- dentischen Korporationen Ausstellung genommen, seitlich daoon die Chargierten in Wichs. In der Mitte der Bühne war unsere Giehener Militärkapelle unter Obermusikmeister Krauhe placiert. Die SS. versah in ausgezeichneter Weise den Ordnungsdienst in der Halle, bei dem gewaltigen Menschenandrang keine leichte Ausgabe. Kurz nach 17 Uhr erschien der Herr Staatspräsi- den« Dr. Werner in Begleitung Sr. Magnifizenz des Rektors Prof. Dr. Ieß und eines SA.-Führers in der Volkshalle, von der Menschenmenge mit Herzlichkeit begrüht. Beim Erscheinen des Staatspräsidenten leitete die Militärkapelle die Feier mit einem Erössnungsmarsch ein. Anschliehend sprach Se. .Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Zeß. Er begrühte im Namen des Lehrkörpers der Universität und der Studentenschaft Herrn Staats- Präsidenten Dr. Werner und Herrn Staatsmini- fter Dr. Müller und dankte ihnen für die durch ihr Erscheinen bekundete IBerbunbenbeit mit der Landesuniversität. Weiter begrühte er besonders die sehr zahlreich ersch, menen Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, die Offiziere unserer Garnison, die Führer der nationalen Verbände (SA., SS. und Stahlhelm), die Ehrensenatoren der Landesunioersität, die übrigen Ehrengäste, die Mitglieder der Hochschulgesettschaft, ferner die Bürger und Bürgerinnen, deren Teilnahme an der Feier Se. Magnifizenz als einen Beweis für das freundschaftliche Verhältnis zwifchen der Bürgerschaft und der Universität bezeichnete, sodann sagte Se. Magnifizenz u. a. weiter: Die Feier, die uns heute vereinigt, bedeutet eine Kundgebung zu Ehren der nationalen Regierungen. Die hessische £anbtouniocrfitäl, ihre Dozenten und die Studentenschaft stehen geschlossen hinter der ehrwürdigen Gestalt des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg und hinter dem Herrn Reichskanzler Adolf Hitler. (Beifall.) Den Führern des neuen Reiches und den Führern unferer engeren heffifchen Heimat geloben wir treue Gefolgschaft. Wir wünschen mit heihem Herzen, dah die Z i e l e der nationalen Regierungen, die wir aus dem Munde des Herrn Reichskanzlers vernommen haben, durch die Zusammenfassung aller nationalen Kräfte des Landes erreicht werden und dah die jetzt noch abseits stehenden Volksgenossen den Weg zur großen deutschen Volksgemeinschaft finden mögen. Wir rufen alle Akademiker auf zur Mitarbeit am Wiederaufbau des Deutschen Reiches. Jeder einzelne möge immer eingedenk sein des Wortes: „Nichts für mich, alles für Deutschland!" (Lebhafter Beifall.) Die Festrede von Prof. Dr. Kuhn behandelte das Thema: „‘Sic Universität im neuen R e i ch " Der Redner sagte u. a.: Unsere heutige Feier soll das erste Semester unserer alma mater im neuen Reich einleiten und soll die Verbundenheit unserer Universität mit dem Geiste bekunden, der unsere Reichsregierung und unsere Landesregierung beseelt. Wir wollen Zeugnis dafür ablegen, daß wir ein Teil sind jener gewaltigen Kraft, die seit dem Oluf treten 21b olf Hillers immer mehr hineindringt in die deutschen Menschen aller Länder. Sodann dankte er Sr. Magnifizenz, daß die Universität ihm diese Festrede übertragen habe. Er erinnerte an die Zeit, in der der Führer Adolf Hitler im Gefängnis sah, er (Redner) Ordinarius an der Technischen Hochschule in Dresden war und zu der entschlossenen Kämpferschar gehörte, die schon damals in Sachsen der Fahne 2ldolf Hitlers in gläubigem 23ertrauen folgte und bemüht war, die verhetzten Dolksmassen zum Vaterland zurückzuführen. Er grüßte sodann von der Weihestunde dieser Feier seine alten Freunde in Sachsen, insbesondere den Bauführer Mutsch- mann. „t>cn Mann klarer Erkenntnis und eisenharten Willens". Weiter führte der Redner u. a. aus: Wir finden den Sinn der Nationalsozialistischen Bewegung und die hohe Mission, von der Adolf Hitler durchglüht ist, in der gewaltigen Aufgabe, alles das, was im deutschen Volke zusammengehört, zu einigen, und uns von dem zu trennen, was volksfremd, was volksschädigend und minderwertig ist, damit der Gesamtstand unseres Volkes ein hoher und die Gesamtkraft der Ration zu Glück und Zukunft verheihender Gewalt wird. Uralte Träume und Sehnsüchte deutscher Herzen sind erfüllt, oder reifen im Siegesschritt der nationalen Erhebung ihrer Vollendung entgegen. Der M a i n hat seine Bedeutung als Trennungslinie zwischen Nord und Süd verloren. Der von ehrgci zigen und selbstsüchtigen Politikern unter Einschaltung des dynastischen Interesses genährte Parti- kularismus der Länder hat einen schweren Schlag erlitten und ist zum A b ft c r b e n verurteilt. Der Kampf zwischen den beiden Religionen in unserem Volke ist zur Ruhe gekommen, und es wird weiter daran gearbeitet, daß er nicht wieder auflebt. Die Irrlehre von Marx weicht aus den Köpfen der deutschen Handarbeiter, die sich von ihr über zwei Menschenalter benebeln und zum Klas- I senkampf verführen ließen, der Weg zur Do l k s - gemeinschast zwifchen allen Ständen unseres Volkes ist beschritten. Wir haben die Machtstellung des jüdischen Volkes gebrochen, welches das ihm in überreichem Maße gewährte Gastrecht dazu mißbraucht hat, viele Zweige unseres Kulturlebens zu überwuchern, und in manchen Berufen den deutschen Nachwuchs zu er- sticken. Nach dem Willen des Führers Adolf Hitler sollen die Lehren der Rassenhygiene in baldige Taten umgesetzt werden. Die kör- perfid) und seelisch Minderwertigen sollen nicht ohne Pflege bleiben, aber sie fallen aus dem Lebensstrom des Volkes ausgefchaltet werden. Die Unterwelt muß verschwinden und für die gesunden Volksgenossen soll die Möglichkeit geschaffen werden, eine blühende Kinberjdjgr aufzuziehen, wie sie für den Bestand und die Zukunft der Deutschen not- wendig ist. Dabei soll unsere Liebe der nordischen Rasse gelten Bei diesem Ziel der Regierung höre ich noch oft den Einwand, daß solche Gedanken doch eine Trennung bedeuten, eine Scheidung in nordische und nicht-nordische Volksgenossen. Diesem Einwand möchte ich hier in dieser festlichen Stunde entgegentreten. wir wollen niemand, der deutschen Stammes ist, vom deutschen Volkstum ausschalten, auch wenn er in seinem äußeren Bilde nicht allen Merkmalen der nordischen Rasse entspricht. Sie ist für unsere geistigen und seelischen Kräfte der Nährboden, sie ist die Wurzel unserer Kultur, wir können sie unsere Rasse nennen, und wir haben die Pflicht dafür zu sorgen, daß der Anteil nordischer Rasse in unserem Volk nicht weiter herabsinkt. Wir haben noch eines Gegensatzes in unserem Volk zu gedenken, der immer vorhanden war, der auf Erden besteht, so lange Menschen Gemeinschaften bilden, es ist der Gegensatz zwischen Jugend und Alter. Er hat in den Kampfjahren, die hinter uns liegen, auf den Universitäten eine gewisse Rolle gespielt, und wenn wir die Entwicklung der Nationalsozialistischen Bewegung und die Maßnahmen der nationalen Reichsregierung einer leidenschaftslosen Prüfung unterziehen, so kommen wir zu l*«?* hebet >■ daß Adolf f)’t( er sich die Au sä«, gekillt hat, diesen Gegensatz nicht weiter zum Unheil treiben zu lassen, sondern ihn als Kraftquelle a «c z u - nutzen und zum Heile unseres Kolke» in das völkische Getriebe einzuschallen. Als die studentische Generation nach hem Ziümn- menbrud) aus den Schützengraben in die Heimat zurückkehrte und wieder in die Hörsäle |rramte, da machte sie Front gegen Vieles, was alt unb.mor d) war. Sie warf sich auf die Aufgabe, eine pcstkljä Gesamtdeutsche Studentenschaft zu schaffest Sle:oer fucht ferner, den Leibesübungen ich Nahmen der Aufgaben der Hochschulen den Boden zu erobern. Es war das ihr gutes Recht und ihre Pflicht. In der nationalpolitifdjen Aufgabe des Ausbaues der Deutschen Studentenschaft wurde sie gehemmt von regierenden unvölkischen Gewalten. In der Entwicklung der Leibesübungen sand sie bei vielen der Hochschullehrer nur geringes Verständnis. Diese Frontgeneration, aus der inzwischen mancher in den Lehrkörper der Hochschulen eingetreten ist, muß heute sehen, daß die, die damals Bübchen waren, heute in der 621. und in der SS., im Stahlhelm marschieren und über die Ziele ihrer Vorgänger hinausgewachsen sind. So sehen wir gerade auf unseren Hochschulen immer wieder neu, wie das Rauschen der Meereswellen, den Gegensatz zwischen Jugend und 2£lter. Er trägt nichts Häßliches, nichts Feindliches in sich, wenn die Jungen in Ehrfurcht und Treue derer gedenken, die vor ihnen waren. Darum ist es eine heilige Pflicht, heute der Kommilitonen zu gedenken, welche im Weltkriege und in der nationalen Bewegung für Deutschlands Ehre und Zukunft ihr Leben gelassen haben. (Die Festversammlung gedenkt stehend der Gefallenen, während die Militärkapelle einen Ders des Liedes vom guten Kameraden spielt.) Dir Alten dürfen unsere Augen nicht vor der Raturnotwendigkeit schließen, daß auch die Jugend ihre Rechte hat, und daß die Jugend im Leben des Volkes nicht nur die Weisheit der Väter auszunehmen hat, sondern von einem bestimmten Zeitpunkt an in das Getriebe des Volkes mit eingreifen muh. von der Jugend hängt zu einem großen Teil das Schicksal eines Volkes ab. Sie ist berufen, mit hellen Äugen und jugendlicher Frische die Scharen zu bilden, die den Bannerträgern des Volkes folgen müssen. Lind ist es nur natürlich, daß die studentische Jugend mit heißen Herzen unter ihren Lehrern diese Führer sucht, und dah sie enttäuscht ist, wenn sich diese ihrem Vorwärtsdrängen versagen. Wir wollen nicht Gegensätze, die vorhanden sind, verschleiern und dadurch unwirksam zu machen suchen, sondern wir wollen nach den Formen suchen, die für alle Zeiten die Zusammenarbeit zwischen Jugend und Alter in unserem Volke gewährleisten. Rach den Erfahrungen meines Lebens habe ich die felsenfeste Lleberzeugung gewonnen, daß Zusammenarbeit zwischen Alter und Jugend notwendig ist, und dah bei dieser Zusammenarbeit immer einer der Führer sein muh, dah aber der jüngere nicht ein Untergebener, sondern ein aufrechter Mitarbeiter sein muh, der das Recht und die Pflicht hat, beim gemeinsamen Wirken unverbrüchlich seine Meinung zu sagen, auch wenn sie von der des Führers abweicht. Wir werden auf diese Weise dazu kommen, die Kraftfülle der Jugend in b i e 21 r b ei t der Ration ein* zuschalten. Lind wann ist der Zeitpunkt, zu dem die Jugend ihre 2Iufgabe übernehmen muh? Es ist der Tag. an dem sie die Hochschule betritt. Was hat es für einen Sinn, daß wir zwischen Schulen und Hochschulen einen Unterschied machen, wenn auf der Hochschule nur Schüler sein sollen? Was hat es für einen Sinn, von akademischer Freiheit zu reden, wenn keine Formen vorhanden sind, durch die es den Kommilitonen ermöglicht wird, aufrechte Studenten zu sein? Das neueStuden- t e n r e ch t, das der Herr Staatspräsident verkünden wird, ist ein Anfang z u einer neuen Studentengesinnung. Es sind viele Vorschläge vorhanden, die Universität umzugestalten. Ich möchte es mit aller Schärfe, deren das gesprochene Wort fähig ist, aussprechen, dah eine Reformation oder gar eine Revolution der Hochschule nicht dadurch erreicht wird, dah man weiteren Mitgliedern deS Lehrkörpers das Recht gewährt, an den Senats- und Zakultätssihungen teilzunehmen. wir erreichen ein neue» große» Ziel für unsere Hochschule nur dadurch, daß wir den e