Donnerstag, Y.INarz M3 183. Jahrgang Nr. 58 Erstes Blatt Annahme von Li,zeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Playvorschrist 20v . mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und würden Anzeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Biegen. Erscheint täglich, außer Lonniags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Giegener Familienblatter Heimat m Bild Die Scholle Monats-Vezugrprrtr: Mit 4 Beilagen BOT. 1.95 Ohne Illustrierte , 1 80 Zustellgebühr .. , --25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsvrechanfchlüsfe unter Sammelnummer 2251. Anichrist lür Drahtnach- richten Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: Lrontfvrt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen trrrf wn6 verloa: vriihl'fche Univeifitäir-Vuch- und Steintrudcret K. Lange in Siehei. Schristleitunq und Geschäftsstelle: Zchullraße 7. M eine der eine Opfern, den einem Verfassungsbruch sprechen, sondern muffen im Gegenteil daraus bedacht fein, daß sie nicht selber bei ihrem angeblichen Kamps um die Demokratie und den Parlamentarismus mit den Gesetzen und den versassungsrechtlichen Bestimmun- | gen in Konflikt kommen. In der Tat eine Groteske wie sie grotesker nicht zu denken istl Praktisch ist also seht das Parlament in Oesterreich ausgeschaltet und die Negierung Dollfuß. die sich fast ein Jahr hindurch mühsam mit Hilfe einer einzigen Stimme Mehrheit mit der skrupellosen sozialdemokratischen Opposition herumgeschtagen hat, kann auf dem R o t v e r - ordnungswege jede ihr gut dankende Maßnahme auf politischem oder wirtschaftlichem Oie* hiete treffen. Natürlich wird man vom praktisch politischen Standpunkt aus diese Entwicklung mit einiger Skepsis betrachten müssen. Zunächst aber sieht man: Hm zu diktatorischer Macht zu gelangen, braucht man in Oesterreich „kein Wen.ch zu sein, dem es ein Bedürfnis ist, Kraftpolitik zu betreiben" — wie der Bundeskanzler Dr. Dollfuß dieser Tage in einer Rede so schon von sich selber sagte — hier in Oesterreich verhelfen einem die demokratischen Kräfte selber zur Diktatur. Dieses Oesterreich ist eben wirklich em Land der Kuriositäten. durch Verletzung des vaterländischen, religiösen oder sittlichen Empfindens eine Gefahr für die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit herbeigeführt werden könnte. Das Kabinett widerspricht einer Einberufung des Aaiionalrats. Wien, 9. März. (ERB.) Zwischen dem sozial» demokratischen und dem grohdeutschen Präsidenten des Nationalrates, Dr. Nenner und Dr. S t r a f f n e r , fand am Mittwochabend Nussprache über den Weg zur Lösung Präsidentenkrise statt. Dabei soll Hebereinstimmung der Ansichten der beiden Positionsparteien dahin festgestellt worden daß Dr. Strasfner berechtigt sei. überwindende versassungsrechtliche Hindernisse stich, hat sich jetzt plötzlich die Situation wesentlich geändert. Das offiziöse Regierungsorgan, die Ehristlich- soziale „Reichspost" deutet bereits an, in toel- cher Richtung die Folgerungen dieses jüngsten par» lamentarischen Schwabenstreiches gezogen werden eben jetzt für Staat und Bolk lebenswichtige können, indem sie schreibt: könnte sein, daß Entscheidungen zu treffen sind. Die Sozialdemokraten sehen jetzt, ad oculos demonstriert, daß eine über das jetzige Rotrecht des Bundespräsidenten hinausgehende verfassungsrechtliche Bestimmung unerläßlich ist, die ein nicht funktionierendes Parlament zu ersehen gestattet." In gemeinverständliches Deutsch übersetzt bedeutet dies etwa: die Regierung wird jetzt im Einvernehmen mit dem Bundespräsidenten, „um die Demokratie und die Verfassung zu wahren", ohne Rücksicht aus das Parlament, das sich ja selbst ausgeschaltet hat, alle dieMaßnah- men treffen können, denen sonst wahrscheinlich das Parlament unter dem Einfluß der starken, sozialdemokratischen Opposition die normalerweise erforderliche Zustimmung versagt haben würde (was inzwischen bereits geschehen ist. D. Red.). Hnd die Sozialdemokraten können nicht einmal von Oie Vorgeschichte. Ausschaltung des Parlaments und Uebcrgang zum Präfid»alkab»nett. Bon unserem 0.8.-Korrespondenten. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Wien. 8. März 1933. Oesterreich entwickelt sich 'immer mehr zu einem Lande der Kuriositäten. Der berühmte ster- rische Putsch vom 13. September 1931, die Politik der Regierung Dollfuß, die nun schon seit fast einem Jahr mit einer einzigen Stimme Mehrheit jongliert und seinerzeit nur dadurch gerettet wurde, daß just im rechten Augenblick zwei Abgeordnete starben, diese politischen Kuriositäten werden jetzt durch eine neue bereichert. Nämlich durch ein Parlament, das s ich s e l b st köpft. Dieser jüngste Schildbürgerstreich, für den es in der Geschichte des Parlamentaris. Mus überhaupt kein einziges Beispiel gibt stellt nun allerdings eine Gipfelleistung parlamentarischer Zusallspolitik dar, wobei aber nicht übersehen werden darf, daß diesmal dieser neue Schwabenstreich der österreichischen Dolksvertreter leicht zu sehr ernsten Folgen führen kann. „ Es ist nicht ganz leicht, die jüngsten Borgange im österreichischen Rationalrat einem von der Politik noch unverdorbenen Staatsbürger ver» stündlich zu machen. Man stritt sich in diesem hohen Hause um die Maßregelung der Führer bei einem am 1. Marz durchgefuhrten zweistündigen Streik bei den österreichischen Bundesbahnen. Es kam zu einer Abstimmung, nach der sich ein Streit erhob u ber die Gültigkeit eines Stimmzettels. Dieser Streit gewann eine besondere Bedeutung dadurch, daß es sich um die einzige Stimme handelte, durch die die Regierung ni eder - gestimmt worden wäre. Der Spruch des sozial» kemokratischen Präsidenten, der zugunsten feiner Partei entschied, rief nun lebhaften Widerspruch bei den Regierungsparteien hervor. Worauf der Präsident, der frühere Staatskanzler Dr. Kenner kurzerhand in offener Sitzung sein Amt niederlegte. Rachdem nun Präsident Renner zu seinen Parteigenossen in die Arena hinabgestiegen war, erklomm der christlichsoziale Vizepräsident Dr. Ramel den Präsidenten- ftuhl Als er die Abstimmung wiederholen lassen wollte, stieß er damit auf den Widerstand des größten Teiles der Abgeordneten und legte des» halb ebenfalls in offener Sitzung fein Amt nieder. Das gleiche tat auch der zweite Bizepräsident, der Grohdeutsche Abgeord» nete Strasfner. Run saßen die Herren Abgeordneten auf ihren Bänken wie eine ausgelassene Fuchsenkorona, die in ihrem Hebermut Vas schöne Lied anstimmt: Wir haben kein Pra- Da die österreichische Volksvertretung infolge des gieid)3eitioen Rücktritts der drei K^E^prasiüenun arbeitsunfähig geworden war, hat Bundeskanzler Di Dollfuß außerordentliche Maßnahmen ergriffen, um eine Aufrechterhaltung der Ordnung und das Funktionieren des Staatsapparates SU.^Uttchen. Unsere Bilder zeigen links Bundeskanzler Dr. Ds ll f u ß. — Oben rechts: Das österreichische Parlament, darunter das Regierupgsgebäude am Ballhausplatz. Die Notverordnungen Wien, 8. März. (TU.) In der „Amtlichen Wiener Zeitung" werden ein Aufruf der Regierung an das österreichische Bolk, ein Erlaß über das D e r - sammlungs- und Aufmarschverbot, sowie eine Verordnung über besondere Maßnahmen zur Hintanhaltung der mit einer Storung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit verbundenen Schädigungen des wirtschaftlichen Lebens veröffentlicht Der Aufruf erwähnt zunächst die Amtsniederlegung der Präsidenten des Nativ n a l r a t e s und stellt fest, daß dieser aall in der Verfassung und der Geschäftsordnung nicht vorgesehen sei. Da die Regierung van der Parlamentskrise nicht berührt werde, gebe es keine Staatskrise. Die Regierung wünsche nicht, T>aß das Land dauernd einer aktionsfähigen Volksvertretung entbehre. Die Bundesregierung werde energisch dafür sorgen, daß Ruhe und Ordnung nicht gestört werden. Daher habe die Bundesregierung ein Aufmarsch- und Dersamm - lungsverbot und durch eine Verordnung auf Grund des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes zum Pressegesetz die Möglichkeit ye- schassen, Mißbräuche d e r P r e s s e s r e i h e i t, sowie Verstöße gegen die öffentliche Sicherheit zu verhindern und zu bestrafen. Ein Volk, das sich in dieser schweren Zeit in Parteihader und» Biv-5^ krieg zerfleische, könne sich nicht erheoen. Es musie feine Freiheit und Selbständigkeit verlieren und lei von Knechtschaft bedroht. Das Dersammlungs- und Auimarsch- verbot bezieht sich auf alle politischen Kund- gebungen, Versammlungen und öffentlichen Auszüge, gleichgültig ob unter freiem Himmel ober in geschloßenen Räumen. Die Presseoerordnung enthält hauptsächlich Bestimmungen, die die Beschlagnahme erleichtern. Eine sehr wichtige Bestimmung geht dahin, daß öffentliche Beleidigungen der Bundesregierung, einer Landesregierung, einer ausländischen Regierung oder von Mitgliedern dieser Regierungen in gleicher Weise bestraft werden, wenn durch die Tat Ruhe Ordnung und Sicherheit gefährdet werden. Eine * schlagnahme soll besonders bann erfolgen, c- Hauptorgan der Rationalsozialisten, mitteilt, Hal mehr als ein Diertel der Mitglieder des Bundesrates die sofortige Einberufung dcS Bundesrats mit folgender Tagesordnung langt: Stellungnahme zu der Regierung, Eisen- bahnersrage, Arbeitsbeschaffung. Sie kündigt an. daß in dieser Sitzung „die Versuche einer kleinen Rationalratsminderheit, einen offenen Ver- fassungsbruch herbeizuführen, zur Sprache kommen. Der Regierung wird in schärfster Weise das Mißtrauen ausgesprochen und dafür gesorgt werden, daß diese Mißtrauenskundgedung dem Bundespräsidenten zur Kenntnis gebracht wird. Allerdings ist der Bundesrat nach seiner verfassungsmäßigen Stellung nichf in der Lage, die Regierung zu stürzen, so daß ein Mißtrauensvotum des Bundesrats lediglich einen moralischen und demonstrativen Charakter hätte. Die Regierung hat im Bundesrat keine Mehrheit. 2m Gegensatz zum Rationalrat sind hier die Rational- sozialistcn durch vier Mandate vertreten. Die christlich-soziale Reichsp o ft schreibt, die Regierung werbe tun, was Berufung unb IBcr» fafsung ihr vorschrieben: Regieren. Daran werbe auch bie Einberufung bes Bundesrats nichts änbern, ber auf ben Nationalrat keinerlei (Sin- fluß habe unb bcm bie Bundesregierung auch nicht verantwortlich fei. Die sozialdemokratische „A r - ! beiterzeitung" erklärt, durch bie Pressever- orbnung sei bie Zensur roieber ringe- führt worben, bie burch bie Verfassung ausdrück- lich verboten sei. Alles bas sei offener Verfassungsbruch, bebeute bie Aushebung burch bie Verfassung gewährleisteter staatsbürgerlicher Rechte unb sei ein Staats ft reich ber Regierung. Diese Verorbnung sei b e r e r ft e S ch r i 11 zum Faschismus in Oesterreich. sidium mehr! . Sehr bald aber wandelte sich die Stimmung und schlug in peinliche Bestürzung um. Man kam nämlich schließlich doch darauf, daß man tm Eifer des Gefechts zu weit gegangen war und tatsächlich selber das hohe Haus arbeitsunfähig gemacht hatte. Die Herren Parlamenta^er hatten ihr eigenes Parlament enthauptet. Die Rechtslage, die dadurch eingetreten ist, ist absolut klar: Der Rationalrat befindet sich in einem Zustand außerhalb der Gesetze. Riemand hat nämlich nach der Verfassung des österreichischen Staates das Recht und die Möglichkeit, dieses Parlament auf irgendeinem Wege wieder ins Leben zurückzurufen. Die Samstagsitzung ist sogar nicht einmal formell geschlossen, sondern dauert theore» tisch noch fort. Sie kann deshalb auch nicht wie- her eröffnet werden, zumal da kein Präsident da ist, der diese Eröffnung vornehmen könnte. Weiter besteht auch nicht die Möglichkeit, ein neues Präsidium zu wählen, weil eben kein Präsident vorhanden äst, um zu diesem Zweck eine Sitzung einzuberufen. Aber auch der Rot- nagel eines Alterspräsidenten kann hier mcht Helfern denn in der Geschäftsordnung ^ ausdrücklich vorgesehen, daß es einen Alterspräsidenten nur in der ersten Sitzung eines neugewahlten Parlamentes gibt. Es gibt also keine legale Möglichkeit mehr, die parlamentarische Maschine wieder in Gang zu bringen. Es gibt aber such kein Mittel für das Parlaments s ich selber a u f z u l ö s e n. Lediglich der Bundespräsident könnte jetzt von sich aus die Auslösung des Hauses anordnen, ^lusgesuhrt werden» könnte aber diese Anordnung nicht, wett eben lein Rationalpräsident vorhanden ist, Der dieser Anordnung entsprechen tönntc Man könnte über diesen Schildbürgerstreich lachen, wenn nicht die Möglichkeit bestünde daß er zu ernsten und weittragenden Folgen fuhrt. Die Setbstenthauptung des österreichischen Ratio- nalrates kommt nämlich gewissen politischen Kreisen geradezu wie gerufen. Den Kreisen nämlich, die aus berechtigter Angst um ihre Abgeordneten- Mandate vorzeitige Reu wählen wie sie von der nationalen Opposition in Oesterreich immer stürmischer gefordert werden, um jeDen,3reis verhlnde rn möchten und bestrebt sind, aus eben diesen Erwägungen heraus e in e P r a , i - dialregierung nach dem Muster der Bru- ning-Dittatur im Reich zu bilden. Wahrend nun bisher ein solches Vorhaben auf legal nicht zu Diktatorische Maßnahmen in Oesterreich. Das Kabinett Dollfuß verfügt ein Aufmarsch- und Versammlungsverbot. — Scharfe Einschränkung ber Pressefreiheit Rationalrat zu einer Sitzung einzuberufen. Demgegenüber herrscht, wie die Reue Freie Presse berichtet, in christlichsozialen Kreisen die Auffassung, daß ein zurückgetretener Präsident zur Einberufung einer Sitzung nicht berechtigt sei. Würde eine solche Sitzung einberufen werden, so wäre sie illegal unb könnte nur als eine Versammlung von einigen Abgeordneten gewertet werden. Diese Auffassung scheint auch die Regierung zu teilen. Die „Amtliche Nachrichtenstelle" stellt fest, daß es zur Zeit kein Präsidium des Rationalrates gebe, es gebe auch keinen Punkt . d-r Verfassuntz oder in der Geschäftsordnung, der erherS ehemaligen Präsidenten des Ra- tionalrate.2 ber freiwillig auf seinen Posten Der» zichte t Yy be, das Recht gebe, sich Pflichten oder Rechte eines Präsidenten des Rationalrates zuzusprechen. Möglichen Gesetzwidrigkeiten werde auf das Entschiedendste entgegengetreten werden. Aus diese^Mitteilung geht offenbar hervor, baß bie CKcj^rung willens ist, bie Einberufung bes Ratioi'tikrvtes durch den dritten Präsidenten zu verhindern. Die Opposition fordert Einberufung des Bundesrats. Wien, 8. März. (TH.) Wie bie „Deutsch- oserreichische Tageszeitung", bas Kampf gegen den Geldmangel in USA. Washington, 8. März. (TU.) Schatzsekretär Woodin gab bekannt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten keine private Notgeld- ausgabe erlauben werde. Die Regierung beabsichtige, dem Zahlungsmittelmangel dadurch abzuhelfen, daß die dem Federal Reservesystem an- geschlossenen Institute Nationalbanknoten ausaeben. Das im vergangenen Jahr angenommene Glaß-Steagall-Gefetz sehe einem vermehrten Gebrauch derinländischen Regierungsanleihen als W ä h r u n g s d e ck u n g im Gesamtbeträge von über einer Milliarde Dollar vor. Die Nationalbanken hätten von diesem Recht jedoch noch keinen nennenswerten Gebrauch gemacht. Die tzederal Reservebanken seien angewiesen worden, ansehnliche Beträge an Gold und Goldzertifikaten bereitzuftellen. Hieraus folgert man, daß die Regierung eine Wä hrungsausweitung wenig st e n s bis zur erlaubten Deckungs- grenze von 40 v. H. und 60 v. H. Regie- rungsbonds beabsichtigt, um hierdurch die durch Goldabzüge und Banknotenhamsterei entstandene Geldknappheit zu beheben. Die Schatzamtsdruckerei hat bereits große Mengen neuer Geldscheine fertiggeftellt. Der Beschluß, kein Bundesnotgeld auszugeben, bedeutet nicht, daß nicht staatliche oder kommunale Behörden kurzfristiges Notgeld ausgeben können. Tatsächlich haben bereits zahlreiche kleine Gemeinden mit der Ausgabe eines solchen Notgeldes begonnen. Die Erklärungen Woodins haben im ganzen Land eine gewisse Erleichterung geschaffen, da sie die wilden Gerüchte über eine Beschlagnahme der gehamsterten Gelder, Durchsuchung der Schließfächer usw. zerstreut haben. Die USA.-Werte waren an allen Börsen der Bereinigten Staaten fest. Trotz des verschärften Bargeldmangels ist die Stimmung unverändert ruhig. Die wiedereröffnete Federal Reservebank os Rewyork hat wesentlich zur Erleichterung i e3 Geldmarktes beigetragen, indem sie 600 Millionen Dollar Bargeld an Neuyorker Banken überwies. Diese waren dadurch in der Lage, die Lohnlistenzahlungen und Auszahlungen auf kleinere Schecks durchzuführen. Rach einer mehrstündigen Konferenz mit den Führern des Kongresses gab Präsident Roosevelt der Erwartung Ausdruck, daß auf Grund I der ^ür heute erwarteten Annahme des Roten- bankgefetzes der Bankbetrieb sofort wieder ausgenommen wird. Der Hauptzweck des Gesetzes sei die Wiedereröffnung möglichst vieler Banken, wobei angenommen würde, I daß im allgemeinen die Rationalbanken zuerst öffnen und die Staatsbanken folgen werden. Der Hauptpunkt des Gesetzes ist die W ä h r u n g s e x p a n s i o n i n n e r h a l b des Federal-Reserve-Acts, der jedoch hierzu ebenso wie die Glaß-Steagall-Bill einiger Abänderungen bedarf. Die Tatsache, daß Senator Glaß, der als unentwegter Gegner einer Inflation bekannt ist, den Vorschlägen z u st i m m t e dürfte allgemein beruhigen. Japan fordert Mstungssreiheit. jutne Bindung auf der Abrüstungskonferenz. Genf, 8. März. (TU.) Die japanische Regierung hat den Präsidenten der Abrüstungskonferenz zur Überreichung an die Konferenz eine Note übermittelt. in der Die japanische Regierung die Unvereinbarkeit ihrer Auffassung mit der der Mehrheit des Völkerbundes in dem japanisch-chinesischen Streit von neuem feststellt und betont, daß sie hierdurch ge- I zwungen gewesen sei, ihre Vertreter aus Der ' Vollversammlung Des Völkerbundes H w* A -4. zurückzuzieh en. Die japanische Regierung sei jedoch fest entschlossen, an der Herstellung eines ständigen allgemeinen Friedens mitzuarbeiten und erklärte sich daher bereit, auch weiterhin n n der Abrüstungskonferenz teilzunehmen Dennoch sehe sie sich verpflichtet, der Ablüstungskon- serenz mitzuteilen, daß gewisse bedeulungsvollc U in • ge ft Altungen in d e r nationalen Verteidigung des japanischen Reiches infolge der neuen im Fernen Osten entstandenen Lage unoer» weidlich geworden feien Bei der weiteren Behandlung der Abrüstungsfragen fei es nach einer tiefgehenden Ueberzeugung der japanischen Regierung unbedingt nntmenöig, die gegenwärtig im Fer- ::.n Osten bestehende Lage weitgehend zu berücksichtigen. Die Note der japanischen Regierung wird in Konferenzkreisen als eine unumwundene Erklärung neuer japanischer R ü st u n g e n und einer Teilnahme an einem Abrüstungsabkommen nur unter Anerkennung der japanischen Rüstungsfreiheit aufgefaßt. Macdonalds Besuch in Paris. England bebaue t das Ausbleiben Mussolinis. London, 9. März. (ERB. Funkspruch.) 3n einem Leitartikel zur Reise Macdonalds und Sir John Simons nach Paris und Genf warnt „Times" vor Mißverständnissen, die sich aus dem „geographischen Zufall" ergeben könnten, daß die Hauptstadt Frankreichs zwischen London ustd Genf liege. Das Blatt, das anscheinend nicht verstehen kann, daß Deutschland und Italien in der QTb» rüstungsfrage kein Interesse an der Ausarbeitung irgendeiner den Schein wahrenden freundlichen Formel haben, sondern auf Einlösung des auf der Bersailler Konferenz gegebenen Abrüstungsversprechung durch die Ab- rustungskommission dringen müssen, gibt in einem .unberechtigt gereizten Ton sein Bedauern über das Fernbleiben der führenden StaatsrnännerItaliens nndDeutsch- l a n d s Ausdruck. Von dem Abschluß eines vorläufigen Paktes oder einer vorherigen Vereinbarung zwischen der französischen und der britischen Regierung sei, fährt „Times" dann fort, selbstverständlich keine Rede. Der einzige Schaden, der auf der morgigen Begegnung entstehen könnte, würde darin bestehen, daß sie falsch aufgefaßt wird. Eine Steigung zu verkehrter Auffassung sei bereits in Italien bemerkbar. Aber wenn die Hauptstadt Italiens auf dem Wege nach Genf läge, so wäre ein Besuch mit größter Bereitwilligkeit gemacht worden. Aber unter den jetzigen Umständen sollte eine gelegentliche Zusammenkunft in Turin oder Mailand oder einer anderen nordita- licnischen Stadt möglich fein, zu der sich der italienische Ministerpräsident ohne Schwierigkeiten begeben könnte. Richts würde in England und den anderen Ländern mit größerer Wärme begrüßt worden fein, als wenn das Oberhaupt Italiens ebenso wie das Oberhaupt der deutschen Regierung in der Lage gewesen wären, persönlich anwesend zu fein. Da beide sich in anderem Sinne entschieden haben, mühten sie auch, wie das Blatt glaubt vorbeugend bemerken zu sollen, die Verantwortung dafür tragen, wenn der Anschein entstehe, daß irgendwelche von den bevorstehenden Genfer Beratungen einen Beigeschmack von Einseitigkeit erhalten. Eine Meldung, daß der italienische Botschafter Grondi bei seiner Abreise nach Rom einen persönlichen Brief Macdonalds an Mussolini mitgenommen habe, in dem letzterer aufgefordert werde, nach Genf zu kommen, wird von amtlicher englischer Seite für unzutreffend erklärt. Wie sie ihn bezwang Onginalroman von 3- Schneider-Foerstl. Urheberrechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau i. S. 18. Fortsetzung Nachdruck verboten! Joe Brandt stutzte. Was war das? — Spott? Verachtung? Ironie? — „Herr Baron waren nicht zufrieden mit meinen Leistungen? —" „Doch, doch!" wehrte Merlin gleichgültig ab. „Das Gehalt wird Ihnen im Bureau ausbezahlt, Herr Oberleutnant. — Weiterhin schönen Erfolg." Der junge Mann schüttelte den Kopf, als er, ohne einen Händedruck zum Abschied bekommen zu haben, die Tür hinter sich zudrückte. Da werde ein anderer klug. Er hatte sich wahr und wahrhaftig nichts zuschulden kommen lassen, hatte seine Pflicht getan und gearbeitet wie ein Knecht. — Er hatte sich in dem Baron getäuscht. Schade! Merlin aber, die Arme auf den Schreibtisch gestützt und den Stopf hineingebettet, glaubte plötzlich den Grund zu wissen, der Joe Brandts Entlassungsbitte verursacht habe. Der Boden brannte dem Ehrlosen unter den Füßen. — Er machte, daß er weiter kam, solange es sich noch günstig erwies. Je nun — halten konnte man ihn nicht. Aber die Erde verschluckte ja keinen. Man würde ihn schon finden, wenn es Zeit war. Am nächsten Morgen war der Oberleutnant abgereist. Merlin beobachtete die Schwiegertochter mit geschärften Mugen. Es war nicht die geringste Veränderung in ihrem Benehmen zu bemerken. Sie versteht sich zu beherrschen, konstatierte er. Vielleicht hat sie selbst den Bruch herbeigeführt, als sie sah, wie gefährlich das Ganze wurde. Als er sie frug, ob er mit ihr ausreiten solle, bejahte sie strahlend. „Es wäre riesig nett von dir, Papa. Ich habe mich so an Begleitung gewöhnt, wenn Brandt auch mehr als schweigsam war. Ein echter Fliegertyp Er war doch da, und er war immer taktvoll." Merlin erwiderte nichts. Welcherlei Schuld sie auch tragen mochte, Hans Jörg trug die größere. Eine Woche später lief ein Telegramm ein aus Wien. „Fühle mich unpäßlich, erbitte dein kommen. Mama." Stephanie war fahl wie der Schnee, der grauweiß von den Hängen herüberschimmerte. In der Hand, die jetzt die Depesche herüberreichte, zitterte ein feines Beben. „Glaubst du, daß es gefährlich ist, Papa?" Sie tat ihm unsagbar leid. „Du mußt dich nicht unnötig sorgen, Kind. Selbstverständlich fährst du sofort." Sie wagte nicht, ihn unzusehen: „Und du? — Wer ist bei dir, wenn ich gehe?"" „Um mich alten Mann mußt du dich nicht sorgen", tröstet« er. „Und für immer gehst du ja nicht." Ein Ausruf des Polizeikommissars in Hessen. Keine Anmatzung von Polizeigewalt durch Prtva e. D a r m st a d l, 9. März. Der Inhaber der Polizeigewalt in Hessen, Dr. Müller, hat folgenden Aufruf veröffentlicht: Nachdem am 6. Marz 1933 die Polizeigewalt des Landes Hessen in meine Hände gelegt worden ist, habe ich die vorhandenen staatlichen Polizeiorgane durch die nunmehr in fast allen Kreisen durchge- sührte Aufstellung der Hilfspolizei soweit verstärkt, daß die öffentliche Ordnung und die Sicherheit der Staatsbürger gegen jede Gefahr gesichert ist. private Maßnahmen zum Schuhe des Staates und feiner Bürger sind keinesfalls erforderlich. Ich stelle deshalb fest, daß zur Ausübung der polizeigewalt nur d i e ftaallichen Polizeiorgane und die hessische Hilfspolizei im Falle ihres Einsatzes unter Führung der staatlichen Polizei befugt sind. Jeder andere Einzelne sowie jede andere Formation gelten als private und macht sich durch Anmaßung von p o l i z e i g e w a l t einer Gesetzesverletzung schuldig. Da die Träger des neuen Staates durch die oberste Leitung der hessischen Polizei und durch ihre Mitwirkung in der hilsspolizei ausreichend am Schuh des Staates und der Ordnung beteiligt sind, bitte ich alle Gesinnungsfreunde und ihre Formationen dringend, sich jeder polizeilichen Handlung unbedingt zu enthalten. Zuwiderhandlungen erschweren unsere Arbeit und schädigen unser Ansehen. Richt-Beamte, die sich auf von mir oder von meinem Vertreter Dr. Best angeblich erteilte Anweisungen berufen, sind als Lügner zurückzuweisen, da Anweisungen grundsätzlich nur auf dem Dienstwege erteilt werden. gez. Dr. Müller, , Inhaber der Polizeigewalt in Hessen. Schüler Maltes nicht der Mörder des Bürgermeisters Kasten«Stahfurt. Magdeburg, 9. März. (WTB. Funkspruch.) In der Angelegenheit der Ermordung des 1. Bürgermeisters Kasten in Staßfurt teilt die Staatsanwaltschaft mit: Der Oberstaatsanwalt in Magdeburg, der bereits die Freilassung des anfänglich der Tat beschuldigten Schülers Mattes angeordnet hat, hat nunmehr das Verfahren gegen ihn eingestellt, da ein zur Erhebung der öffentlichen Anklage hinreichender Verdacht nicht mehr v o r l i e g t. Die Mitteilung, nach der der Ermordete den Mattes als Täter bezeichnet oder eine genau auf ihn zutreffende Personenbeschreibung gegeben habe, entspreche nicht den Tatsachen. Die Ermittelungen nach den unbekannten Tätern dauern an. Zeitweise Sperrung von Warenhäusern im westlichen Industriegebiet. Essen, 9. März. In einer Reihe von Städten des Industriegebietes sind am Mittwoch eine Reihe von Warenhäusern und Einheitspreisgeschäften geschlossen worden. Starke SA.-Posten verhinderten mit dem Hinweis „Deutsche kauft in deutschen Geschäften" ein Betreten der Geschäftshäuser: an den Toren und Türen wurden Transparente ähnlichen Inhalts angebracht. Der höhere Polizeiführer im Westen hat die in Frage kommenden Polizeipräsidien darauf hingewiesen, daß die Offenhaltung aller Geschäfte zu gewährleisten sei, notfalls unter Einsatz von Polizei und Hilfspolizei. Daraufhin haben inzwischen fast alle be> troffenen Geschäfte ihre Verkaufsräume wieder geöffnet, soweit dies bisher nicht der Fall war, ist damit im Laufe des heutigen Tages zu rechnen. Von nationalsozialistischer Seite wird mitgeteilt, daß«» Anordnungen an die SA., eine Schließung der Warenhäuser durchzuführen, nicht ergangen sei. Einzelne SA.- Männer hätten sich lediglich in den Dienst der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung gestellt. Wie die Pressestelle der Regierung in Düsseldorf mitteilt, hat die n a t i o n a l s o z i a l st i s ch e Gauleitung sofort die erforderlichen Schritte unternommen, um das eigenmächtige ungesetzliche Vorgehen zu unterbinden. Die Danzig-Flieger beim Reichskanzler. Berlin, 8. März. (ERB.) Die Flugzeuge der Danzig st affel landeten heute vormittag auf dem Tempelhofer Flugplatz. Um 13.30 Uhr fand ein Empfang beim Reichskanzler Hit- l e r in Gegenwart von Reichminister Göring und den VDA.- Führern Berlins statt. Der Führer der Danzig-Staffel, Zirwas, berichtete dem Reichskanzler über Zweck und Ziel des Fluges und über den Verlauf. Der Reichskanzler erwiderte, daß gerade die Luftfahrt für Deutschland besonders wich, tig sei. Der Ausbau einer Luftabwehr und die Erziehung der Jugend dazu sei eine der Hauptbedin- gungen für Deutschlands Zukunft. Der Aufenthalt in Berlin beschließt den großen Deutsch, land f lug der Danziger Flieger, die in etwa 60 deutschen Städten unter dem Motto „Danzig bleibt deutsch" von der Not ihrer Heimat gekündet haben. Der Flug hat einen überaus gro- ßen Widerhall im deutschen Volke gefunden. Die Flieger kehren mit der Gewißheit nach Danzig zurück, daß das deutsche Volk niemals Danzig und die entrissenen Gebiete vergessen werde. Am 13. d. M. findet in Stolp i. P. eine Grenzlandkundgebung statt, und am 14. werden die Flieger in ihrer H e i m a t st a d t Danzig ein* treffen. Deutscher Jungflieger in Kleinasien. Der Iungflieger Karl Schwabe aus Partenkirchen. der, obgleich er erst vor einem halben Jahr fliegen gelernt hat,' zur Zeit einen Flug von Deutschland nach Kapstadt ausführt, hat Klein-Asien erreicht. In Eskishehir wurde dem deutschen Flieger ein äußerst freundlicher Empfang durch die Militärbehörden bereitet. Schwabe setzte seinen Flug ohne Unterbrechung Über Konia, Adana nach Aleppo fort Aus der provinzialhauplstadt. Vögel im Volksglauben. Die Schwalbe galt schon im frühen Altertum als untrüglicher Bote des Frühlings, und Horaz, Ovid und Aristophanes haben sie in diesem Sinne besungen. Gegen Ende des Monats März kehrt sie aus dem warmen Süden zurück, daher heißt es: Mariä Verkündigung Die Schwalben kommen wiederum. In vielen Gegenden Deutschlands ging früher an den Tagen, an welchen man die Wiederkunft der Schwalben erwartete, der Hausherr mit der ganzen Familie ihnen bis zum Tor des Gehöftes entgegen, um sie zu begrüßen und ihnen die Ställe zu öffnen. Roch im 18. Jahrhundert muhten die Torwächter iw Hessen die Ankunst der ersten Schwalben den zuständigen Gemeindebehörden melden, damit diese das frohe Ereignis ungesäumt zur öffentlichen Kenntnis bringen konnten. Wenn heutzutage die Rückkehr der „Seglerin der Lüste" auch nicht mehr wie ehedem festlich begangen wird, so sind diese Frühlingsboten doch überall willkommene Gäste. Auch gelten sie im Volke noch immer als glückbringend. Sie gehören nach der gemütvollen Volksauffassung gewissermaßen zum Hausstande, indem sie sich vertrauensvoll dem Hause anschließen und Gastfreundschaft erwarten. Wo Unfriede herrscht, ziehen sie aus. Rach dem Volksglauben bewahrt die Schwalbe das Haus, in dem sie nistet, vor Feuer unA Blitz: daher darf sie nicht getötet, ihr Rest nicht zerstört oder ausgenommen werden. Bei der wichtigen Rolle, die Ansere Lenzbotin im Volksglauben von jeher spielt, kann es uns nicht wundernehmen, daß dieser Vogel, obwohl er durch sein Rest die Häuser belästigt und verunreinigt, sich des größten Schutzes erfreut. In manchen lassen die Leute bei der Ankunft der ersten Schwalben die Fenster des Hauses und die Türen der Ställe den ganzen Tag offenstehen, um dem Glücksvogel den Eingang nicht zu verwehren. Als ehemalige Lieblingsvögel derHolda oder der schönen, nie alternden Iduna, welche, sobald Tor die Winterriesen besiegt hat, in Schwalbengestalt zur Walhalla zurückkehrte, standen die Schwalben immer in hohen Ehren schon seit des alten Tobias Zeiten, und manches Kinderverschen gibt Zeugnis von der Anhänglichkeit der Jugend an die lieben Schwalben, von ihrer Freude bei deren Ankunft. Wie die Schwalbe, so spielt auch der Storch, der zweite der Frühlingsboten, im Volksglauben eine hervorragende Rolle. Rach der deutschen Mythologie fliegen der Storch und die Schwalbe der Göttin Holda, die den Sommer verkörpert, voran. Darum herrscht heute noch vielfach der Aberglaube, daß derjenige, der einem dieser Vögel etwas zu Leide tue, Unglück haben werde: darum bedeutet es Glück, wenn Störche oder Schwalben am Hause nisten. Der Storch schützt das Haus vor Blitz und Feuer, man sucht ihm das Risten auf dem Haus zu erleichtern, indem man auf dem Dach ein kleines Wagenrad anbringt. Fast alle VolksmeinunKen, die sich auf den Storch beziehen, weisen entweder auf den Donnergott Tor oder auf Freya, auch Frigga oder Holda und Frau Holle genannt. Letztere war die Göttin des häuslichen Herdes, des Fleißes, der Ordnung, des Friedens und der Liebe. Als Wolkengöttin hat sie das Reich des lebenerzeugenden Wassers unter sich und ist so die große Mutter der Menschen, die Kindermutter. Sie pflegt und schützt die neugeborenen Kinder, und ihr Vogel, der Storch, holt sie aus dem Wasser und bringt sie den Menschen: daher heißt der Storch Adebar.' der Kinderbringer. Rach altem deutschen Glauben, der bis ins Altindische reicht, bringt der Storch nicht sowohl die Kinder, als vielmehr ihre Seelen, die er aus den Wolken, aus dem Wolkensee holt, von welchem die irdischen Brunnen und Seen nur Abbilder sind. Der Storch, mit seinem roten, klappernden Schnabel und seinen roten Deinen auf den Donnergott weisend, ist das Tier der himmlischen und irdischen Wasser zugleich, wie der indische Varuna der Gott des Wolkenhimmels und des Meeres zugleich ist, der Storch ist also der Seelenbringer. Wie der Storch und die Schwalbe Verkünder des Lenzes sind, so ist das bei dem Kuckuck für den Frühsommer der Fall. Er erscheint etwas später als die erstgenannten geflügelten Herolde. Gewöhnlich trifft er bei uns Mitte April ein, er weilt aber nur kurze Zeit bei uns und rüstet sich schon wieder zur Abreise, wenn die Feld- früchte zu reifen beginnen. Wir begegnen ihm im Auch diesmal irrte ihr Blick von ihm ab. Es war fürchterlich, einen Menschen, den man so sehr liebte, betrügen zu müssen. Er erbot sich, ihr.beim Packen behilflich zu sein, aber sie lehnte erschrocken ab. Das könne sie ganz allein machen, und die Lisaweth würde helfen und das Mädchen. Ihr leichter Schritt eilte die Treppe hinauf, war in den Zimmern der ersten Etage M vernehmen und tat Merlin über die' Maßen weh. ( Zwischenhinein kam sie herunter und legte Die Arme um seinen Hals. „Es ist fürchterlich!" „Was denn, kleine Steffie?" „Zu gehen!" Er nahm ihr Gesicht und strich darüber hin, wollte sprechen und brachte kein Wort hervor. Ihre Wange lag fest gegen die seine gedrückt: „Und bitte, Papa, Hans Jörg schreibst du, daß ich nach Wien mußte, di? Mutter pflegen." „Willst du Das nicht lieber selber tun, Steffie?" „Ich habe keine Zeit mehr jetzt, und in Wien muß ich auch erst sehen, wie ich die Mama finde. Wenn es wirklich schlimm ist, kann ich mich nicht hinsetzen und Briefe abschicken." Er nickte. ,Hch werde ihm also Mitteilung machen, jawohl." Zwei Stunden später brachte sie der Wagen zur Bahn. Während der Fahrt hatten sie fast kein Wort zusammen gesprochen. Nur ihr Kops lehnte gegen seine Schulter und ab und zu vernahm er ein Seufzen, nach dessen Ursache er nicht zu fragen wagte. Knapp sieben Minuten vor Der Abfahrt hielt das Auto vor Dem Stationsgebäude. Der Chauffeur besorgte Gepäck und Billetts, während der Baron mit Steffie nach dem Bahnsteig ging. Von der Talenge her blies ein scharfer Wind und zerrte an Stephanies pelzbesetztem Mantel. Merlin ging dicht an sie gedrückt und hielt ihre Rechte in der seinen. „Und grüße mir deine Mutter, Kind. —" Jedes Wort mar eine Marter. Sie nickte, setzte zum Sprechen an uni schloß die Lippen wieder. Aus der Ferne kam ein G. > .usch, ein Stampfen und Dröhnen. Die Uhr auf bei . Stationsgebäude gewährte noch zwei Minuten V/]* Es mußte, Nutzte gesagt werden. Sie kom>i nicht so von ihm gehen. „Ich hoffe, daß wir un> Wiedersehen, Papa!" „Steffie! —" Sein Gesicht war grau wie das ihre. Die Augen völlig im Erlöschen, sah er sie an. „Du hast mich belogen!" „Ich nicht, Papa! — Aber wenn es gibt so viele Zufälle im Leben. Laß dich nicht uMertriegen, Vater!" Ihre Stimme versagte in Schlüchzen. ..Was vv" meinem Vermögen noch übrig ist, 'habe ich alles auf der Staatsbank Deponiert. Es sind n.1 etwa dreißigtausend Mark. Sie stehen auf Deinen 1 ^men — zur Vorsicht, Papa!" „Kind — um Gottes willen, was hast Du v,' „Nichts, Papa, worüber du dich ängstigen unt ich mich schämen müßte." Und jetzt, da es nur noch künden galt, fiel ihr ein, was noch alles ungesprochen war. „Und Papa —", sie deckte die Hand über die Augen, als blende sie die schwache Sonne, die sich märme-rm aus den Wolken schälte. „Wenn wirklich —. Ich wäre dir so dankbar, wenn du mich heimholen lassen würdest, nach Ichenhausen — für den Fall, daß — ich bin so gern dort gewesen!" Kiesel fegten zur Seite. An ihnen vorüber donnerte der schwarze Koloß und verringerte langsam die Umdrehung seiner Räder. Merlin war völlig außer Fassung und hielt Stephanies Arm fest. „Ich laß dich nicht so gehen, Kind. — '^Es ist alles vergeben. Alles! Niemand weiß darum, als Du unD ich! Ich bin Doch nicht sechzig Jahre geworden, daß ich nicht gesehen hätte, wie groß deine Not war." Für Sekunden trat ein scheues Verwundern in ihre Augen. „Das ist nun alles vorüber, Papa. Küß mich n-'d) einmal! — Ich danke Dir! UnD Hans Jörg sagst du, daß ich nichts in der Welt so sehr geliebt habe wie ihn!" „Bleib, Steffie!" Drängte Merlin. „Wir fahren mit dem nächsten Schnellzug zu ihm!" „Es ist zu spät, Papa!---Du weißt ja auch gar Nicht, ob er mich wollte.--Und Die Mama wartet. Sie war mir immer eine gute Mutter. Ich kann sie nicht im Stiche lassen." „Aber wenn Du wiederkommst, Steffie!" „Ja,---wenn ich wiederkomme!" Der Schaffner Drängte ein3ufteigen. Steffies Gesicht, Das sich jetzt durch herabgelassene Fenster bog, war blaß. „Ich habe Joe Brandt versprochen, daß du ihn wieder aufnimmst, wenn er brotlos wsrden sollte." „Ja, Steffie!" „Und mache ihm keine Vorwürfe, Vater. Ich habe es so gewollt, nicht er.--Aber ich konnte nicht anders." „Er soll kein böses Wort von mir hören, Kind. Komm mir wieder, mein Liebes! Komm mir wieder!" Merlin lief neben Dem Wagen her und hatte die Wangen tränenüberronnen. „Steffie, wenn —" Ihre Hand stieß ihn zurück. „Hab acht, Papa! —“ folljt weggehen, bitte! — Ich lasse sofort von mi hören. Sowie ich angekommen bin! 5a, sofort! — Und sorge dich nicht! Es ist ja möglich, ---daß alles gut geht! Und daß ich roie« verkomme!---Leb wohl, Papa! Und wenn — — du holst mich heim nach Ichenhausen!" „Ja!" Er stand verstört und sah Den Schienenstrang entlang. Der Zug trug Das Wesen fort, Das wie Der Sohn in seinem tiefsten Herzen verankert war. Mit Der Linken über die Stirne fahrend suchte er sich zu sammeln. Was war Denn nun gewesen? --Das Denn? Die Angst schüttelte ihn und ein Grauen nistete sich ein, das er nicht abzuwehren vermochte. Es war zu schnell gekommen, viel zu schnell. Steffie mochte wohl alles im vornherein so berechnet haben. Vielleicht hatte sie gefürchtet, schwach zu werden. Ihr Gehen war eine förmliche Flucht gewesen. Der Chauffeur stand am Wagen, hielt Die Hand an Die Mütze unD munDerte sich, wie langsam Der Baron über Das Trittbrett kletterte. Fast schien es, als taumle er. Als er aber seinen Arm zur Stütze leihen wollte, saß Merlin schon im Fond. Ohne Zweifel ging ihm die Abreise der jungen Gnädigen sehr zu Herzen. Nun würde es wieder still und einsam auf Ichenhausen werden unD es war Dem alten Herrn Doch zu gönnen gewesen, ein wenig Frohsinn um sich zu haben. UnD sie schien lange wegbleiben zu wollen, die Baronin, Den zwei großen Koffern nach zu schließen, die er für sie hatte aufgeben müssen. Wien, ja, Das war ein bißchen etwas anDeres, als Ichenhausen. Kein WunDer, Daß es sie wieder dorthin zog. Lautlos glitt der Wagen dahin. Einmal glaubte der Chauffeur einen schweren Seufzer zu hören. Fast war es ein Wimmern gewesen. Aber als er sich halb zurückwandte, blieb alles wieder still. Die Lisaweth mußte das ganze Abendessen zurück- tragen und hatte rotoerweinte Augen. Merlin nickte ihr gequält zu. „Nun sind wir wieder allein, wir beide." „Ich gönn's der jungen Gnädigen, daß sie ein bißchen hinauskommt. Es tut nicht gut, in diesem Alter untätig auf einem Fleck zu sitzen. Daß ich wein', das ist nur Zorn über die Unverschämtheit der Leute. Wissen Sie, was man im Dorf sagt, Herr Baron?" „Was sagt man denn?" „Sie wär' dem Reitknecht nachgefahren!" Ein Löffel klirrte auf den Tisch. „Wer denn? — Lisaweth, wer sagt denn Das?" „Ein paar Lästerweiber halt. Aber wenn mir ein solches Lästermaul unterkommt, dem schütt' ich einen Löffel siedendes Schmalz zwischen die Zähne, daß ihm das Kläffen vergeht." Merlin saß vollkommen verfärbt und winkte dann ab: „Es ist kein unrechter Gedanke in ihr." „Weiß Gott, nein, Herr Baron, es ist ein Jammer um so eine schöne Frau. Und der Herr Baron Hans Jörg wird's schon noch einsehen, was er gehabt, wenn es ihm nimmer gehört. Ein anderer weiß cs dann schon zu schätzen." „Ich hätte nicht zugeben dürfen, daß sie ihn heiratet." Merlins Stimme war schmerzerfüllt. „Wer hat das voraussehen können, daß es so wird?" tröstete die Alte. „Ich hab' auch gedacht, daß er Freude an so etwas Schönem, Holdseligem hat. Aber der kennt vielleicht gar nicht, was so eine richtige Liebe ist — kann man ihm auch keinen Vorwurf machen, wenn er so ist." Merlin erwiderte nichts mehr. Todmüde wie er war, setzte er sich auf den Diwan und schlief dort ein Die Lisaweth mußte ihn wecken. Es hatte keinen Sinn, die ganze Nacht angekleidet auf etwas zu warten, das nicht wiederkam. Es litt den Baron aber nur bis gegen sechs Uhr früh im Bett. Sie würde anrufen, hatte sie gesagt. (Fortsetzung folgt) 20 und Klammern in wurden ig, 11. März, statt mit Operette „Das Drei- genannt. von sämtlichen untersuchten Proben (4) (3) (5) (24) (2) (-) (-) (2) (1 (- (4) geben. Mehl-, Back- und Teigwaren Konditoreiwaren, Fruchtsäfte, Obst- Dom Polizeiamt Gießen wird uns folgender Bericht über die Nahrungsmittelkontrolle in Gießen im Jahre 1932 übermittelt: Die Nahrungsmittelkontrolle wird im allgemeinen in der Oeffentlichkeit wenig beachtet. Hin und wieder verschafft ein auffallendes Gerichtsurteil einen Einblick in diese wichtige Aufgabe der Polizei. In welchem weit größeren Umfang aber sich diese polizeiliche Tätigkeit im Laufe eines Jahres auswirkt, möge zur Beruhigung der Bevölkerung und zur Warnung für gewissenlose Händler nachstehende Schilderung zeigen: Es wurden im Jahre 1932 vom Polizeiaml Gießen 2 9 4 Proben von Nahrungsund Genußmilteln dem Chemischen Un- lersuchungsaml Gießen zur Nachprüfung über- •• Polizeipersonalien. Der Direktor des Polizeiamtes Offenbach. Dach, ist beurlaubt und an seine Stelle der Landgerichtsrat Dr. Landmann mit der Leitung des Polizeiamtes Offenbach beauftragt worden. Ferner wurde Polizeidirektor Marschmeier -Worms beurlaubt und für ihn Amtsgerichtsrat Dr. D a r t h - Offen- bach mit den Dienstgelchäften des Polizeidirek- tors in Worms beauftragt. Beurlaubt wurde auch Regierungsrat Wolf vom Polizeiamt Darmstadt. _ ** Durchsuchungen bei SPD. und Reichsbanner. Auf Grund einer Anordnung des Reichskommissars für die Polizeiverwaltung in Hessen, nach der bei der hessischen SPD., bei dem Reichsbanner und ähnlichen Derbänden Durchsuchungen vorzunehmen sind, fanden heute morgen auch in der Stadt und im Kreise Gießen Haussuchungen statt. Heber das Ergebnis der polizeilichen Aktion war bisher nichts zu erhoben werden. Seit Inkrafttreten der Derordnuna über (Einführung der Schlacht st euer in Hessen am 1. Dezember 1932 ist wegen Erhebung der Schlachtj-euer und der Ausgleichsabgabe die Einfuhr von Fleisch und Wurstwaren aus nichthessischen Gebieten ebenfalls der polizeilichen Kontrolle unterstellt. Anstände haben sich aus diesem Gebiet noch nicht ergeben. Gleichzeitig wird darauf hingewiefen, daß auch auswärtige Metzger. Väcker und Händler Fleisch- und Wurstwaren usw. nach der Laden- schlußzeit ihren Sunden in der Stadt Gießen nicht mehr zubringen dürfen. Bei aller Strenge, welche die Polizei auf diesem lebenswichtigen Gebiete übt, ist die Beanstandungsziffer (15,3 Prozent) immer noch verhältnismägig hoch. Es wird deshalb an die Verbraucher die Bitte gerichtet, alle ihnen bekannt werdenden Mängel auf diesem Gebiete zur Kenntnis der Polizei zu bringen. Die Polizeibeamten haben Weisung, diesem wichtigen Gebiet ihrer Tätigkeit unausgesetzt die scharf- sie Aufmerksamkeit zu widmen. Herberge in Friedberg habe verbessert, die Herberge in Schlitz freundlicher gestaltet werden können. Die Herberge auf dem Hoherodskopf sei vervollständigt worden. Eine neue Herberge stehe im Fliege.lager Rieder-Ofleiden zur Der- fugung. Die Zahl der Hebemachtungen in ober- hessischen Jugendherbergen (einschließlich Offenbach) sei von 16 576 im Jahre 1931 auf 13 357 im Jahre 1932 gesunken. Stark verringerten Besuch hatten die Herbergen Hoherodskopf und Herchenhainer Höhe aufzuweisen. Der bisherige engere, wie auch der erweiterte Dorstand wurden mit geringfügigen Aenderungen wiedergewählt. Mit der Erledigung einiger Anfragen fand die Bersammlung ihren Abschluß. Daten für Donnerstag, 9. März. 1850: der Generaloberst Josias v. Heeringen in Kassel geboren: 1888: Kaiser Wilhelm I. in Berlin gestorben: 1918: der Dramatiker Frank Wedekind in München gestorben. Gietzener Wochcnmarktpreise. • Gießen, 9. März. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter Pfund 1 io- Landbutter 1,00; Kochbutter 80; Matte 20 bis 25; Wirsing (gelb) 10 bis 12; Wirsing (grün) 20; Weißkraut 8 bis 10; Rotkraut 10 bis 12- gelbe Rüben 10 bis 12; rote Rüben 10; Spinat 25 bis 30; Hnter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 20; Rosenkohl 30 bis 35; Feldsalat 1 20; Zwiebeln 10; Meerrettich 30 bis 50; Schwarz, wurzeln 25 bis 30; Kartoffeln 3; Aepfel 18 bis 30; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 45; junge Hähne 70 bis 90; Suppenhühner 70 bis 80; Rüsse 40; Tauben Stück 40 bis 60; Eier (ml) , 8 bis 9; Dlumenkohl 30 bis 60; Salat 25 bis 30; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 30; Endivien 10 bis 30; Käse 5 bis 10. Radieschen Bund 20; Kartoffeln Ztr. 2,50 Mark. Bornbtizen. — Tageskalender für Donnerstag: Bezirksverein Rord-Ost, 20.30 Hhr, Cafe Leib, öffentlicher Lichtbilder-Dortrag über „Die bauliche Entwicklung des Rord-Ost Viertels von Gießen". — DHD., 20.30 Hhr, im Heim, Dortrag »Ich erbe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Den Hur". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Bobby geht los". — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 22. Vorstellung * im Freitag-Abonnement. Erstaufführung des Schau- I spieles „Dor Sonnenuntergang" von Gerhart Haupt- I mann unter der Spielleitung von Intendant Dr. I Pro sch. Die Rolle des Geheimrats Clausen spielt 7 16 182 32 3 2 6 5 5 16 Obstkonserr^n Wurst- und ,;leischwaren Milch und Milchkonserven Butter und Käse Margarine und sonstige Fette und Oele Wein und Obstwein Bier und Branntwein Zucker, Sirup und Honig Kaffee, Tee, Kakao und Schokolade Essig, Gewürze und Spezcreiwaren Die Zahl der Beanstandungen ist jta, per irrealer geyoren. wuik KLivuLiuiiyon-ui/t ■ minus 1,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Kinderschar füllte den Saal und harrte der Dinge. Tiefe am 8. März: abends 5,6 Grad; am 9. März: Beherrschte zunächst vielstimmdes Kindergeplau- 1 morgens f,5 Grad Celsius. — Niederschläge 0,0 mm. der Intendant selbst. Gewöhnliche Preise. Anfang 20 Uhr; Ende 22.45 Uhr. — Eine Operetten-Dolks- vorstellung findet am Samstag, 11. März, statt mit der letzten Aufführung der Operette „Das Drei- mäderlhaus". Kleine Operettenpreise. Schülerkarten haben Gültigkeit. Anfang 20 Uhr; Ende 23 Uhr. — Am Dolkstrauertag, am Sonntag, 12. März, findet außer Abonnement als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen, die erste Wiederholung des Schauspiels „Vor Sonnenuntergang" von Gerhart Hauptmann in der Besetzung der Erstaufführung statt. Anfang 18.30 Uhr, Ende 21.15 Uhr. beanstandet: 45 Proben - 15,3 Prozent gegen im Vorjahre 12,1 Prozent. Wie di» Aufstellung ersehen läßt, erstreckt sich ein sehr großer Teil der Untersuchungen auf Milch und Milchpräparate. Weiter wurden 1 690 Milch- proben durch die Nahrungsmittelkontrollbeam- ten vorgeprüft. In 12 Fällen, bei welchen die Milch verdächtig erschien, mußten bei Landwirten in verschiedenen Ortschaften von unseren Kontroll- beamten in den Früh- und Abendstunden Stall- proben erhoben werden. Wegen Nahrungsmittel- sälschungen usw. wurden 31 Anzeigen erhoben und erhebliche Strafen verhängt. Außerdem wurden 1 6 9 3 Revisionen in allen Gewerbetrieben und Handlungen, in welchen Nahrungs- und Genußmittel zum Verkauf stehen, gelagert und hergestellt werden^ z. B. auch in Backstuben, Mehlkammern, Wurst- küchen und Speiseeisherstellungsräumen auf Reinlichkeit, sachgemäße und vorschriftsmäßige Behandlung der Ware vorgenommen. Hier wurden einige Mängel festgestellt. Brotgewichtsrevisio- nen wurden 228 vorgenommen, wobei auch das von auswärts zugefahrende Brot der Ge- Schützenhalle ist zur Unterbringung von 50 Jugendlichen sehr praktisch und schön hergerichtet worden. Außerdem befinden sich dort die Lerwaltungsräume. Jetzt wird die Hortmannsche Fabrik für etwa 200 Personen ausgebaut, die demnächst bezogen wird. Auch in den umliegenden Gemeinden Eichelsachsen und Nainrod sind Lager im Entstehen. Im Haus Luginsland, einer bekannten Pension am Alteburgs- topf bei Schotten, wird eben ein Mädchenlager für 50 bis 60 junge Mädchen eingerichtet, die eben- falls im freiwilligen Arbeitsdienst Verwendung finden und ausgebildet werden. Die Mädchen nähen, flicken, waschen, stopfen für die umliegenden Arbeitslager, besorgen die Gartenbauarbeiten, kochen, werden in der Krankenpflege, Säuglingsfürsorge usw. ausgebildet und finden auch in der sozialen Fürsorge Verwendung. Ausgenommen werden junge Mädchen bis 25 Jahren, viele Jugendliche haben sich schon zu dieser Einrichtung gemeldet. In der nächsten Woche wird das Mädchenlager voraussichtlich er- Die AahmWmillelkonirolle in Gießen Oie Arbeit der Nahrungsmittelpolizei im Jahre 1932. fahren. •• Sonntagsrückfahrkarten. Am morgigen Freitag findet in Wetzlar die 44. Ausstellung und Versteigerung des Verbandes mitteldeutscher Rotviehzüchter statt. Zu dieser Beran- staltung werden von allen Bahnhöfen der Strecken Wetzlar—Lollar, Wetzlar-Ziehen, Gießen- Riederwalgem, Gießen—Hungen, Gießen—Grün- bera, Lollar—Londorf, Ostheim (bei Butzbach)— Gießen, Sonntagsrückfahrkarten nach Wetzlar ausgegeben. Die Karten gelten zur Hinfahrt am 9. März von 12 Hhr ab, und am. 10. März zur Rückfahrt am 10. März, und am 11. März bis 12 Hhr. * Kasperl im Cafe Leib. Kasperl war gestern nachmittag wieder einmal in Gießen zu Besuch. Tante Liesl Simon vom Frankfurter Rundfunk hatte ihn mitgebracht, mit ihm noch andere lustige Gesellen, die nun einmal zu einem Kasperltheater gehören. Eine erwartungsfrohe alten deutschen Dolkslied, im Sprichwort und unter den Bauernregeln; auch im deutschen Sagen- und Märchenschatze spielt er eine wichtige Rolle, er ist der Liebling der Kinder, die lau« *tge Zwiesprache mit ihm halten, wenn sie draußen seinen Ruf vernehmen. Der Kuckuck ist wie auch der Storch dem Tor heilig. Wie uns Tacitus in seiner Germania berichtet, weissagten die Germanen aus Vogel- stimmen.' Bornehmlich galt der Kuckuck als prophetischer Bogel, woher die Redensart stammt: „Das weiß der Kuckuck". Wie der Hahn den Tag, so verkündet der Kuckuck den Frühling, und wie der Hahn der Haus- und Wetterprophet ist, so gilt der Kuckuck für den Allerweltspropheten. Wenn man ihn das erstemal hört und Geld in der Tasche hat, so hat man das ganze Jahr Geld; auch gibt die Zahl seiner Rufe die Zahl der Jahre an, die man noch zu leben hat. Als im Christentum die heidnischen Götter als personifizierte Teufel aufgefaßt wurden, galt auch der Kuckuck für den Teufel selbst, was die bekannte Berwünschung beweist: „Geh zum Kuckuck", „hol ihn der Kuckuck" usw. Früher war der Tag, an welchem man seinen Ruf zum ersten Male hörte, in verschiedenen Gegenden ein Festtag; wer ihn zuerst anmeldete, erhielt ein Geschenk. Wenn man heutzutage diesen Brauch auch nicht mehr antrifft, so freut man sich doch, wenn man den ersten Ruf des Kuckucks vernimmt, weiß man doch jetzt bestimmt, daß der ersehnte Frühling endlich gekommen ist. Gr. Jugendherbergen und Freiwilliger Arbeitsdienst. Die Ortsgruppe Gießen im Reichsoerband für Deutsche Jugendherbergen im Gau Main-Rhein- Lahn-Fulda hielt gefUrn ihre Hauptversammlung unter der Leitung des 1. Vorsitzenden, Studienrat Dr. F l ö r k e, ab. Der Dlrektor des Arbeitsamtes Frankfurt, Dr. Frey, der frühere Bürgermeister unserer Stadt, hielt einen Vortrag über das Thema: „Die Aufgaben d e r Jugendherbergen im frei- willigen Arbeitsdien st". Der Vortragende beschäftigte sich zunächst mit grundsätzlichen Fragen des sreiwilligen Arbeitsdienstes und wies auf die Verbindung hin, die zwischen dem Jugendwandern und dem Arbeitsdienst an sich bestehe. Beide woll- | ten der Jugendertüchtigung dienen. Die Gedanken, I die den beiden Bewegungen zu Grunde liegen, gingen ineinander auf. In der Betreuung der Jugendlichen spiele heute das Arbeitsamt eine wesentliche Rolle. Das Arbeitsamt sei nicht nur Stempelstelle, sondern wolle in der Hauptsache in der Arbeitsver- mittlung ihren Sinn sehen. Arbeit zu schaffen, sei heute sehr schwer. Man habe künstlich Arbeit schaf- fen müssen. Das sei geschehen in der Form der Fürsorge., der Notstands-, der Pflichtarbeit und in deren Fortsetzung im freiwilligen Arbeitsdienst. (In seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Vortragende mit den bereits bekannten grundsätzlichen Voraussetzungen für die Durchführung eines Arbeitsdienstwerkes.) Der FAD. fei zum erstenmal in der hündischen Jugend gepflegt worden; im I Jahre 1931 sei er amtlich organisiert worden, und es sei sehr wahrscheinlich, daß in absehbarer Zeit aus dem FAD. die Arbeitsdienstpflicht herauswachse. Man möchte allerdings wünschen, daß der FAD. in seiner ursprünglichen Form beibehalten und nicht weiter veramtlicht werde, als es bisher schon geschehen sei. In Verbindung mit dem FAD. werde nun auch das Werkhalbjahr für Abiturienten eingesührt. Das gemeinsame Ziel sei, den jungen Menschen gemeinschaststüchtig zu machen, ihn in enge Verbindung mit dem Boden und der Heimat zu'bringen, ihm aber außerdem eine geistige Führung in der geistigen Betreuung zuteil werden zu lassen. Bei der Behandlung der Frage, was der FAD. für die Jugendherberge und die Jugendher- berge für den FAD. sein könne, wies der Redner darauf hin, daß die Jugendherbergen als Lager für den FAD. Verwendung finden könnten, wenn dabei auch zu berücksichtigen sei, daß die Interessen der Wandernden nicht beeinträchtigt werden dürften. Der FAD. könne seinerseits den Jugendherbergen durch den 2füsbau der Anlagen, durch die Verschönerung der unmittelbaren Umgebung der Herber- | gen dienstbar sein. Das sei bisher schon an ver- 1 schiedenen Stellen (z. B. in Rüdesheirn, in Homberg, im badischen Land usw.) geschehen. Besonders erfreulich sei es, feststellen zu können, daß die Ju- gend sowohl im freiwilligen Arbeitsdienst, wie auch in den Jugendherbergen Brücken zueinander nnbe. Nicht zuletzt aber sei die Frage des FAD. und der Jugendwanderbewegung eine Frage der Führer- schäft. Der Vortrag wurde mit großer Aufmerksam- feit und dankbarem Beifall ausgenommen. Anschließend wurde der geschäftliche Teil der Hauptversammlung erledigt. Die stellvertretende Vorsitzende Fräulein Hotz erstattete den Geschäftsbericht. Die Ortsgruppe Gießen habe 485 Bleibenausweise und 159 Führerausweise ausgegeben. Mitgliedsausweise wurden über 150 ausgestellt. Der Ortsgruppe gehören 65 Körperschaften als Mitglieder an; vor allem gehören sämtliche Schulen dem Verein an. In der Gießener Herberge erfolgten im vergangenen Jahre 2401 Hebernachtungen, gegen 2583 Hebernachtungen im Vorjahre. Einige Einschränkungen haben sich bei den Schulwanderungen bemerkbar gemacht. Die Wanderbewegung habe sich sonst aber weiter durchgesetzt. Das Jahr 1932 habe der Ortsgruppe keine nennenswerten Verluste gebracht. Herr Wolf erstattete den Kassenbericht, der in Einnahme 3577.33 Mk.. in Ausgabe 2722,67 Mk. und einen Heberschuß von 854.66 Mk. auswies. Die Rechnung war geprüft und m Ordnung befunden worden. Dem Rechner konnte Entlastung erteilt werden. Studienrat Dr. F l ö r k e berichtete sodann noch über die Jugendherbergen in Oberhessen. Die Jugendherberge m Laubach habe eine Erweiterung erfahren. Die Jugend- öffnet. Landkreis (Bietzen. z Grohen-Linden, 8. März. Der hiesige Obst- und Gartenbauverein läßt durch die Gemeinde eine Obstbaumspritzung mit Karbolineum vornehmen. ch Lich 8. März. Am Montag feierte der weit über die Grenzen unserer engeren Heimat hinaus bekannte Geschäftsführer der Licher Tonwerke. Heinrich Schmidt V11L, seinen 70. Geburts- t a g. Der Jubilar hat sich große Verdienste um den hiesigen Männergesangverein „Cäcilia" erworben. 31 Jahre lang, von 1894 bis 1925, bekleidete er das Amt des 1. Vorsitzenden des Vereins, im Jahre 1925 wurde er einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Der Jubilar gehört seit einigen Jahren auch dem Vorstand des Lahntal- Sängerbundes an und ist Ehrenmitglied des Gesangvereins „Liedertafel" Marburg. Die „Cäcilia" brachte ihrem verehrten Sangesbruder, der bald auf ein halbes Jahrhundert aktiver Sanges- tätigfeit zurückblicken kann, am Montagabend das übliche Ständchen. Herr Schmidt dankte für die Ehrung. Kreis Schotten. d. Scho11en, 8. März. DieGrippehat hier immer noch viele Personen befallen und leider auch mehrere Todesopfer gefordert. Zwei Beamte des hiesigen Finanzamts im besten Mannesalter und ein junges Mädchen im 20. Lebensjahr sind dieser Tage an der Grippe verstorben.— 2m nahegelegenen Einartshausen erhielt ein junges Mädchen einen Huf- schlag vomPferdandenKoPf.an dessen Folgen es verstarb. Wettervoraussage. Der hohe Druck hat 'ich über Deutschland weiter aufgebaut und bestimmt zunächst unsere Wetterlage. so daß es vorerst trocken bleibt und nach Frühnebelbildung Aufheiterung eintritt. Durch ein kräftiges Tief über Island wird allerdings sehr warme Ozeanluft heranbefördert, die über den britischen Inseln bereits recht ergiebige Riederschläge verursacht hat. Bei meist südlichen Winden wird sie zwar mehr nach Rorden abgedrängt, immerhin dürfte sie den hohen Druck mit der Zeit abschwächen und zu mehr wolkigem Wetter führen. Die Temperaturen gleichen sich dann zwischen Tag und Rächt wieder aus, späterhin ist auch mit dem Aufkommen von Rieder- schlägen zu rechnen. Vorhersage für Freitag: Dunstig und bewölkt mit Aufheiterung, milder, noch trocken. Vorhersage für Samstag: Vielfach neblig, bewölkt, Temperaturen zwischen Tag und Rächt sich mehr ausgleichend, im ganzen mild, aufkommende Riederschlagsneigung. Lufttemperaturen am 8. März: mittags 10,8 Grad Celsius, abends 3,5 Grad; am 9. März: morgens minus 1,1 Grad. Maximum 11,0 Grad, Minimum der (mehr oder weniger laut) den Raum, so trat plötzliche Stille ein. als zunächst die Klingel und dann der Gong (der auch zu einem Kasperltheater zu gehören scheint) ertönte. Zunächst gab es ein kleines „Vorspiel auf dem Theater", eine Hn- terreöung zwischen dem Direktor und dem August. . ... o. m । zu denen sich schließlich das Kasperl gefeilte, um wichtskontrolle unterzogen worden ist. 24 Brote, oie beraten, was man dem kleinen Volk cigcntltd) Mindergewicht bis zu 160 Gramm hatten, wurden jcigen wolle. Man einigte sich daraus, das weggenommen und die betreffenden Bäcker zur An- 5^ »Kasperle beim König Kibitzei und was er zeige gebracht. Auch auf die Kohlen, die in Säcken öoct erlebte" zur Ausführung zu bringen. Die den Verbrauchern zugefahren werden, wurde em Kinder waren damit einverstanden un"> taten daS besonderes Augenmerk gerichtet. Bei 148 Stich- einmütig kund. Der Inhalt des Stückes ist schnell proben konnten strafbare Fälle von Mmdergewich- erzählt. Kasperl kam in das KönigHenhelt fein Ende. Zuml Schluß von Metzgern, Händlern, Hotels und Wirten von erschien dann noch die ^.ante Liesl imd verabschie- außerhalb eingeführt wird, auf dem kürzesten Wege bete sich herzlich von ihren kleinen Gasten. zur Nachschau in den städtischen 'Schlachthof zu ver- bringen ist. Hier sei zur Unterrichtung der Einwoh- nerschast noch erwähnt, daß die Einfuhr von frischem «MrSoWdlnner im IVlirf Fleisch in Gießen in den Monaten April bis Sep- ^rveNSMger im , , , , tember nur in der Zeit von 6 bis 20 Uhr und von c. S ch 0 11 e n , 8. März. Das Arbeitslager ■ Oktober bis Mörz nur von 7 bis 19 Uhr stattfinden Schotten ist in Betrieb genommen worden. Die darß. Auf die Einfuhr von frischem Fleisch zur Nacht- > m nnn 50 iiuacnD- zeit mit der Eisenbahn wurde ein besonderes Augen- merk gerichtet. Anzeigen wegen Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung mußten in 14 Fällen er- Morgen auf passen I Zeppelin kommt! |S*F Angebotl im 75. Lebensjahre Aliendorf a. d. Lumda, den 9. März 1933. 1661 D Die Beerdigung findet statt: Freitag, den 10. März, vormittags 11.30 Uhr. J662D Ptd. 80 Bierwurst in Blasen Alter Malaga dunkel, vji. ohne bi. 1.00 1608D Stadtorganist Heinz Simon. Eintritt frei - Programm 10 Pfennig - Jedermann herzlich DER VORSTAND. willkommen. 1682 D Neuen weg. und an der Abendkasse. Im Trauerfall 3048 anrufen I ^8 V 1678V 1676A Seltersweg 81 Spezial-Abteilung für Trauerkleidung! 1654 V z 2. Tee ASTORIAUCHTSPIELE 1.75 und 1.40 in vielen Farben 1672 c Heute bis Sonntag 3. Kakao Darum denken Sie beim Einkauf an Heinrich Driefdi Ruf 2481 Selters weg 70 leatD Morgen Freitag verkauft' 01487 freiwillig/ bestimmt: 1667V Vereine 1509 A Kurzschriftverein I. G. Höfle 16. D Kreuzplatz la Freitag, den ^tv. März, verkaufe ich im „Löwen", Neuenweg 28, Lederwaren n. 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Knell (Violine), Frauen- und Knaben-Chor der Stadtkirche — Orgel: Herr Bauer’scher Gesangverein e.V., Gießen MitgL des Deutschen und des Hessischen Sängerbundes Gegründet 1864 Samstag, den 11. März 1933. 20 Uhr, in der Neuen Aula der Universität: KONZERT Leitung: Professor Dr. Stefan Temesvary, Bundeschormeister des Hess. Sängerbundes Männer chöre von Schubert, Wendel, Haug, Zeh er u. a. Solistin: Fräulein Ria Ginster, Sopran Sololieder v. Schubert, Schumann, Brahms Kartenvorverkauf bei Musikalienhandlung E. Challier, D. B. 8. Die für 12. März angesetzte Werbc- versammlung im Caf^ Leib wirb auf einen späteren Termin verlegt. 1504D Deutsche Bau* und Siedlungs- Gemeinschaft, Ortsgruppe Giehen Stadttheater Gießen. 1578D Freitag, 10. März, 20—22.45 Nbr 22. Freitag-Abonn. (yeroöbnL Preise 3um erstenmal! Vor Sonnenuntergang Schauspiel von Gerhart Hauptmann. 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Oft kehrt er schon im Februar wieder, spätestens jedoch in der ersten Hallte des März. Der Star mit seinem wie Metall glänzenden Gefieder ist nicht nur ein hübscher Vogel. er ist auch ein lustiger Geselle, und ebenso ist er ein großer Nachahmungs- künstler. Mögen tagelang noch Schneeflocken niederwirbeln. den Star kümmert das nicht. Auch das schlechteste Dachwinterwetter hält ihn nicht ab. auf der Stange vor seinem Kasten zu sitzen unv ein Liedchen zu pfeifen. Ursprünglich war er ein Waldvogel, der sich von den Menschen fernhielt. Dach und nach aber zog er sich näher an die menschlichen Ansiedlungen heran, und heute nistet er besonders gern in den Kästen, die ffcr ihn aufgehängt werden. Die Paarung geht gewöhnlich sofort nach dem Eintreffen bei uns vor sich. Bald liegen auch fünf bis sechs lichtblaue Eier im Nest. Ein groher Künstler im Nestbau ist der Starmatz nicht. Das Nest wird ziemlich kunstlos aus Stroh, Gras und Federn hergestelll. Früher wurde angenommen, dah die Stare nur in Nordafrlla überwintern. Heute wissen wir mit Sicherheit, dah der Star aus jenen Ostseegegenden, die wir früher als Ostseeprovinzen bezeichneten, nicht nach Nord- aftita geht, sondern nach England, Schottland und Irland, Llebrigens konnte in den letzten Jahren auch oft beobachtet werden, dah ein' Teil der in Deutschland heimischen Stare überhaupt nicht mehr fortzieht, sondern sich während des Winters in größeren Städten niederläßt. Der Star gehört mit zu unseren nützlichsten Vögeln, weil er im Verhältnis zu seiner Körpergröße große Mengen von schädlichen Würmern, Raupen. Schnecken, Heuschrecken usw. verzehrt. In den letzten Iahren ist aus verschiedenen deutschen Gegenden berichtet worden, dah infolge massenhaften Auftretens von tierischen Schädlingen die Gemüseemte nur dadurch gerettet werden konnte, daß die Stare unter den Schmarotzern gründlich aufräumten. Den Gemüseerzeu- gem und den Gartenbesitzern ist daher auch empfohlen worden, durch die Anbringung von Starkästen für den Zuzug von Staren zu sorgen. Allerdings maust sich der Star auch einmal ein paar Kirschen und Beeren, doch ist der Schaden, der dadurch verursacht wird, nur gering gegen den Nutzen, den er durch Vernichtung von Schnecken. Raupen, Heuschrecken und anderen Schmarotzern stiftet. Beim Stiebitzen von Kirschen ist der Star oft zie ch dreist. Einen mit reifen Kirschen beladenen Baum sieht er wohl als seinen uneingeschränkten De).y an, und er ist davon auch nur sehr schwer zu vertreiben. An Vogelscheuchen und Klappern, die andere Vögel vertreiben, gewöhnt er i ch sehr schnell, ja, es kann geschehen, dah er auf dem Kopfe einer Vogelscheuche Platz nimmt und sich von dort aus an einer Kirsche delektiert. Dabei weih er sich auch stets die reifsten und süßesten Früchte auszusuchen. Sonst ist der Star verträglich: nur mit den Spatzen lebt er auf dem Kriegsfuß. Hatten sich Spatzen in seinen Kasten eingenistet, so wirft er noch das letzte Restchen ihrer Wohnungseinrichtung hinaus, ehe er an die Ausstattung seines eigenen Restes geht. Wie der Star zum Sprechen angehalten werden kann, so ist er auch sonst ein großer Nachahmer von Tönen und Seräuschen. Kein Geräusch, das in der Nähe seiner Behausung zu hören ist, entgeht seiner Aufmerksamkeit, und jedes sucht er auf seine Weise nachzuahmen. Er macht den Ruf des Pirols nach und pfeift oft eine ganze Ton- reihe aus dem Gesang anderer Vögel vor sich hin. Er sucht das Klappern einer Mühle, das Quietschen einer Türe, das Gurren der Tauben, das Gackern der Hühner nachzuahmen. Auch das Kreischen von Raubvögeln ahmt er nach, und man hört von ihm Töne, die dem Gezwitscher qer Schwalben abgelauscht scheinen. Wem gehören die Millionen?. Ein polnischer Gutsbesitzer in der Nc^e von Wilna hat in seinem Acker einen Goldlchah gefunden. In einer großen Artillerie-Munitionskiste. die in der Erde vergraben war, befanden sich 1 300 000 russische Goldrubel -tm Werte von Slawischer Hexentanz. Von unserem A (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Warschau. März 1933. Durch den Abschlüß des polnisch-sowjet- rusfischen N i ch t a n g r i f f s v e r l r a g e s wurde nicht nur ein geraumer Abschnitt der polnischen Außenpolitik abgeschlossen, es wurde auch gleichsam ein neuer Abschnitt eingeleitet. Die Zielrichtung der polnischen Auhenpolitik ist im höchsten Maße von der Haltung seiner beiden großen und mächtigen Nachbarn, Deutschland und Rußland, abhängig. Es hat sich darum die Anschauung durchgesetzt, daß Polen, ein Körnchen zwischen zwei Mühlsteinen, irgend einmal, wenn sich diese Mühlsteine in Bewegung sehen und zueinander streben, zermalmt werden wird. „Dieser grauenhaft drohende Zweifrontenkrieg mit ernsten Gegnern" ist das schicksalsHaft über Polen schiebende Damoklesschwert. Die geopolitische Lage Polens hat das alles bedingt, durch das hemmungslose Rachegelüst von Versailles wurde sie verhängnisvoll belastet, eine besonders geartete Machtpolitik des polnischen Staates hat sie immer hoffnungsloser gestaltet. Aber h ffnungsl's scheinbar nur m hr nach einer Richtung pin — Deutschland. Denn der Abschluß des Nichtangriffsvertrages mit den Sowjets, zu dem die Russen, was festgehalten werden muß. schon 1926 den ersten Schritt getan haben, will beweisen, daß es Moskau gegenwärtig an einem Frieden mit Polen unter allen Lim ständen gelegen ist. In diesem Zusammenhang ist hierzulande die vielleicht gar nicht unbegründete Meinung verbreitet, daß es im Interesse der Sowjets liege, die deutsch-polnischen Beziehungen ün Zustande einer chronischen Spannung zu erhalten. Denn solange die Verschärfung der heutigen Beziehung bestünde, solange, heißt es, sei es fast unmöglich, dah eine gemeinsame Front der westeuropäischen Staaten gegen Sowjctrußland, das Gespenst, bas die roten Zaren im Kreml nicht schlafen läßt, zustande käme. Darum, wird weiter gefolgert, sei das heutige Moskau, das aus reiner Angst vor einer Intervention der Westmächte an schlaflosen Nächten leide und infolge eigener innerer Schwäche jedem Krieg aus dem Wege gehe, der natürliche Bundesgenosse Polens. Darum sei es Polen mit solch einer Leicht gleit gelungen, eine dieser zwei Fronten, die russ sche, zu liquidieren... Lind darum bleibt nun ul» wichtigste Aufgabe der polnischen Außen- politll, sich der zweiten Front — Deutschland zuzuwenden. Das Liebeswerben um Litauen und die Tschechoslowakei hat mit Nachdruck und Eile eingesetzt. Es werden alte Bündnisse wenn nicht aufgegeben, so doch sichtlich gelockert und es gehen Bemühungen um den Abschluß neuer Bündnisse. Schon auf dem Wege zum Nichtangriffspakt blieb ein Opfer auf der Strecke. Der eigentliche Sinn des polnisch-rumänischen Bündnisses, der Schutz und Trutz gegen Sowjetrußland, ist auch trotz Derschleie- rungsklausel abgeschwächt und ohne geringstes Entgelt für Rumänien bis auf weiteres suspendiert worden. Dieser Entschluß, Rumänien für den Nichtangriffspakt einzutauschen, ist, was Eingeweihten nicht entgehen konnte, schon einige Monate vorher gefallen. Als Marschall Pil- s u d s k i im Frühjahr 1932 in Bukarest weilte und zum Aerger der rumänischen Regierung nach Bessarabien fuhr, dort u. a. unwegbares Gelände und schlechte Truppen besichtigte, wurde es ihm endgültig klar, dah dieses Bündnis für Polen bei augenblicklicher Lage der Dinge nur eine schwere Belastung bedeutet In demselben Mähe wie der polnische Korridor außerhalb jedes realpolitischen Interesses Rumäniens zu stehen kam. verflüchtigte sich in Polen der Begriff Bessarabien zu einem unfaßbaren Phantom. Der eigentliche Zweck dieses typischen Kriegsbündnisses ist mit dem Schwinden der Kriegsgefahr im Osten gefallen. Da diese beiden Völler weder gemeinsame, kulturelle, politische -Berichterstatter. noch geschichlliche Traditionen von wirklichem Wert und Bedeutung verbinden, konnte von einer Freundschaft oder gar engerer geistiger Beziehung nie die Rede sein. Erst vor nicht langer Zeit hat ein polnisches r .fcgieru.Tjiblatt offen erklärt, dah kein Doll, kein Land Polen fremd sei und seinen kulturellen und geistigen Interessen so fern läge, wie das rumänische. Doch es wäre verfehlt, daraus den Schluh zu ziehen, es gebe zwischen den beiden Staaten in ber Tat keine näheren Berührungspunkte mehr. Die Minderheitenfrage ist es, die die beiden Länder verbindet, zumal der Winder- Heitenschuhvertrag sowohl Polen als auch Rumänien verpflichtet, und den sie gleichermaßen dauernd verletzten und sich seiner mit besonderer Vorliebe entledigen möchten. „Dieser Vertrag ist — naturgemäß — der Ausdruck einer ungleichen Behandlung dec Staaten, wodurch diese auf internationalem Forum sowohl hinsichtlich der schon bestehenden Verpflichtungen als auch um die Erweiterung dieser Verpflichtungen zu vereiteln gezwungen sind, gemeinsam vorzugehen. In allen Minderheitenfragen ist die Zusammenarbeit zwischen Polen und Rumänien sehr eng." Während die Beziehungen Polens zu allen übrigen Staaten, zu denen es traft seiner wirtschaftlichen oder auch politischen Berührungspunkte in irgendeinem Verhältnis steht, im allgemeinen klar und deutlich Umrissen erscheinen, ist das Verhältnis Polens zur Tschechoslowakei immer ein wenig undurchsichtig und verschwommen gewesen. Ein Llmstand mag wohl hier nicht ohne Bedeutung fein, dessen Llr- sache auf völkerpsychologischem Gebiete zu liegen scheint. Cs ist allgemein bekannt, daß sich die Tschechen in der slawischen Völkerfamilie keiner besonderen Sympathie erfreuen. Auch zwischen Polen und Tschechen bestand nie eine richtige, vielmehr aufrichtige Freundschaft- Ein offenbar tief verwurzeltes Gefühl des Mißtrauens ließ veide Völker sich Llnzuverlässigkeit und Llnauf- richtigkeit Vorhalten und eine wirkliche Annäherung erschweren. Besonders durch ihr Verhalten im Iahre 1920 während des polnisch-bolschewistischen Krieges haben sich die Tschechen jede Sympathie in Polen verscherzt. Denn während die Polen im Kampf gegen die Bolschewisten standen, nutzten die Tschechen jede Sympathie in Polen. Mit erbitterten und abfälligen Worten hat sich Pilsudski gelegentlich einmal über diese „Schandtat" des tschechischen Brudervolles geäußert. Doch die dazwischen liegende Zeit hat scheinbar auch diese Wunde zum Teil vernarben lassen und die augenblickliche Lage, namentlich die „wachsende und beide Staaten gleichzeitig be- * übende deutsche Gefahr" sowie das ungestüm nach Sicherheit verlangende' Angstgefühl ya^en es bewirkt, daß man besonders in Warschau emsig bemüht zu sein scheint, freundschaftlichere Beziehungen mit dem benachbarten Druderstaat anzubahnen. Während nun offiziell eine Annäherung auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet angestrebt wird, wobei der polnische Hasen Gdingen „der einzige Zutritt zum slawischen Wee:e" als Köder unentwegt ausgeworfen wird, möchte man in den Arbeitskabinetten des polnischen Generalstabes und namentlich im Belvedere (dem Wohnsitz des Marschalls Pilsudski) sich offenbar, durch die Erfahrungen gewitzigt, zunächst einmal die Versicherung einer bestimmten wohlwollenden und unterstützenden Neutralität verschaffen. Ein militärisches Zusammengehen steht scheinbar auf dem zweiten Plan. Es werden von Prag aus zu große und durch allerlei real- politisch-oppor tunist.sche Erwägungen b 'limnlle Bedenken in den Weg gelegt. S.)m. ä, die Be i Hungen zwischen diesen beiden Bru Völkern ist der Appell, der in der letzten gemeinsamen Entschließung der polnisch - tschechoslopmki chcm Presseverständigung enthalten war unb worfn man sich gegenseitig zu einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit und näherem Kennenlernen ermuntert... Die Ausländsdeutschen wählten aus hoher See. Der Dampfer „Halle" war von den in Barcelona ansässigen Deutschen gechartert worden, um sensetts der zum spanischen Hoheitsgebiet gehörenden Sechs-Meilen-Zone zum Reichstag wählen zu können. I \ r 1 Z >» • ■x -------- fts • 3 Die bevorstehende llmsahsteuerveranlagung Aend/rungen gegenüber dem Vorjahre. - Die steuerfreien Zwischenhandelsumsätze Don Sieuersyndikus Dr. jur ei rc. pol. Brönner. Die Frist für die Abgabe der UmsatzsteuererNä- runa für 1932 ist — wie für die Einkommensteuererklärung — auf die Zeit vom 15. Februar dis 15. März 1933 festgesetzt. Eine hem Steuerpflichtigen gewährte Verlängerung der Frist für die Einkom- mensteuererklärung gilt nicht ohne weiteres für die Umsatzsteuererklärung: vielmehr wird eine Verlängerung der Abgabefrist für diese nur bei besonderer Begründung gewährt. Der Umsatzsteuererklärung wird der Steuerpflichtige besondere Aufmerksamkeit zuwenden müssen, nachdem die Umsatzsteuer sich infolge der Erhöhung des Steuersatzes zu einer besonders hohen Belastung des Gewerbetreibenden entwickelt hat. Auch der Reichssinanzminister hat bekanntlich die Umsatzsteuer als das Rückgrat unseres geltenden Steuersystems bezeichnet. Auf die abgegebene Umsatzsteuererklärung hin erhall der Steuerpflichtige nicht in jedem Falle einen formellen Steuerbescheid, sondern, wenn sich die endgültige Umsatzsteuerschuld für 1932 mit den Voranmeldungen und festgesetzten Vorauszahlungen deckt, lediglich eine schriftliche Mitteilung darüber. Auch gegen diese muß jedoch innerhalb eines Monats seit Erhall Einspruch eingelegt werden, falls sich später yerausstelll, daß zu Hobe Vorauszahlungen auf die Umsatzsteuer angemeldet waren. Das vergangene Jahr hat außer der allgemeinen Erhöhung des Umsatzsteuersatzes von 0,85 v. H. auf 2 v. H. seit dem 1. Januar 1932 eine Reihe sonstiger Aendernngen gebracht, auf die neben den neuesten Grundsätzen der Rechtsprechung im folgenden besonders hingewiesen werden soll. 1. Erhöhung des Umsahsteuersahes. Die nach dem 31. Dezember 1931 eingegangenen umsatzsteuerpflichtigen Entgelte sind mit 2 o. H. zu versteuern, wenn die Lieferungen oder Leistungen ebenfalls erst nach diesem Zeitpunkt erfolgt sind. Soweit es sich dagegen um Zahlungseingänge aus vor dem 1. Januar getätigten Lieferungen oder Leistungen handelt, beträgt der Umsatzsteuersatz noch 0,85 v. H. Die nach dem 30. Juni 1932 vereinnahmten Entgelte sind jedoch auch in diesem Falle mit 2. v. H. zu versteuern. Soweit der Käufer dem Verkäufer aus einem vor dem 9. Dezember 1931 abgeschlossenen Geschäft einen Preiszuschlag gewähren mußte, weil der Verkäufer bereits den höheren Steuersatz abzuführen hatte, ist der Preisabschlag nicht umsatzsteuerpflichtig (RFM.- Erlaß vom 24. Februar 1932, S. 412—20 III). II. Fortfall der allgemeinen Freigrenze. Die Llmsahsteüerfreiheit für Jahresumsätze bis 5000 Mark ist mit Wirkung seit dem 1. Iuli 1932 fortgefallen. Für die vor dem 1. Iuli vereinnahmten Entgelte wird Steuerbefreiung noch gewährt, wenn der Gesamtumsatz einschließlich des steuerfreien Llmfatzes im Iahre 1932 den Betrag von 5000 Mark nicht überstiegen hat. Sind also z. B. bis zum 30. Juni 1932 3000 Mark vereinnahmt, so bleiben diese Beträge umsahsteuersrei, wenn in der zweiten Hälfte des Iahres nicht mehr als 2000 Mark eingegangen sind. HI. Die steuerfreien Zwischenhandelsumsälze. Steuerbefreiung auf Grund des Zwfschenhan- delsprivilegs (Llmsahsteuergeseh § 7) ist. für Lieferungen (einschließlich Werklieferungen) gegeben, bei denen der Handwerker die anderweit bezogene Ware — ohne vorherige De- oder Verarbeitung, durch die ihre Marktgängigkeit geändert würde —, entweder gar nicht oder selbst bzw. durch Angestellte oder auch beauftragte Dritte nur vorübergehend zum Zwecke der Weiterbeförderung oder Aushändigung an den Abnehmer in Besitz nimmt. Ergreift der Gewerbetreibende im letzteren Falle selbst bzw. durch seine Leute Besitz, so muß die Ware im Zeitpunkt der Besihübernahme fest verkauft sein. Die Lieferung muß ferner bei. der einzelnen Lieferung im Großhandel erfolgen. In die Geschäftsbücher müssen bestimmte Angaben über die Abwicklung der Geschäfte ausgenommen und auf die Belege verwiesen oder, falls ordnungsüber zweieinhalb Millionen Goldmark. Wahrscheinlich ist das Geld von den Russen auf der Flucht im Weltkrieg vergraben worden. Nach den gesetzlichen Bestimmungen, die in ganz Europa Geltung haben, gehört bei der Auffindung eines solchen Schatzes die Hälfte dem Staat, die andere Hälfte dem Finder. Der polnische Gutsbesitzer ließ Über die Aussindung des Schatzes zunächst nichts verlauten, sondern beauftragte seinen Rechtsanwalt, beim polnischen Fiskus anzufragen. ob der Jtaat bereit sei, dem Finder des Schatzes die Hälfte zu überlassen Der Fiskus wollte zuerst den Fundort wissen, den der Rechtsanwalt aber nicht verr'et. Darauf versuchte der polnische Fiskus in den Besitz des Schatzes zu kommen, indem er eine strafrechtliche Llnter- suchung einleitete. Der Gutsbesitzer hatte jedoch Vorsorge getroffen und den Schatz schon bald, nachdem er ihn gehoben hatte, an einer anderen Stelle wieder vergraben. Es gelang den Behörden nicht, die Stelle zu entdecken, wo der Schah verborgen liegt. Der Anwalt des Gutsbesitzers macht geltend, dah der polnische Staat, über den aufgefundenen Goldschatz kein Verfügungsrecht habe, well es sich hier nicht um einen Schah im eigentlichen Sinne handelt, der herrenlos ist und zufällig entdeckt wird. Der eigentliche Besitzer des Schatzes sei nämlich bekannt, denn das Geld wurde von den fliehenden russischen Behörden persteckt in der Hoffnung, es beim Wiederkehren ausgraben zu können. Also könne die russische Regierung Anspruch auf das Geld erheben, doch sind diese Ansprüche durch den Artikel 12 des Rigaer Friedens geregelt, wonach alle Werte, die der russische Fiskus auf polnischem Boden hinterlassen hat, in das Eigentum des polnischen Fiskus übergehen. Nun habe aber der Finder dadurch eine strafbare Handlung begangen, daß er den Schah ohne Wissen der Behörden gehoben und an einem anderen Ort versteckt habe. Das sei unmöglich, dah die Staatskasse einen Nutzen aus dem Vermögen ziehen dürfte, das durch strafbare Handlungen gewonnen worden sei. Der Generalstaatsanwalt in Warschau konnte sich diesen scharfsinnigen Argumenten nicht verschließen und hat erklärt, daß er versuchen wolle, die Sache auf gütlichem Wege beizulegen. Eine Znsel-Tragödie. Die furchtbaren Abenteuer acht moderner Robinsons, unter denen sich eine Frau befand, werden jetzt in aller Ausführlichkeit bei einer Pariser Gerichtsverhandlung berichtet. Das Drama spielte sich auf dem wüsten Felseneiland St. Paul im Indischen Ozean ab. Eine Pariser Gesellschaft glaubte hier Gewinnmöglichkeiten zu finden, und zwar durch die riesigen Mengen von Langusten, die sich rings um die Küsten finden. Im Iahre 1929 wurde daher eine kleine Schar bretonischer Fischer nach der Insel gebracht, um hier Langusten zu fangen, und eine kleine Konservenfabrik wurde an Ort und Stelle efttgektchtet. Einige Monate später givZ-tzos Gerücht, die Insel sei bei einer Springflut verschwunden, und eik britisches Schiff wurde zur näheren Llntersuchung 'abgefcntßt -H)ie Insel wurde aber noch in alter Verfassung auf" gefunden, und die Fischer waren glücklich, daA ihnen von den englischen Seeleuten bessere. Nahrung mitgebracht wurde. Dann tarn eine Katastrophe. 3m Ianuar 1930 brannte das Warenlager, in dem der ganze Nahrungsvorrat untergebracht war, vollständig ab. /Ttur geringe Mengen von Getreide, Oel und Konserven konnten gerettet werden. Daraufhin beschloß man, die Insel zu verlassen, und alle schieden von dem unwirtlichen Ort im März mit Ausnahme von acht Freiwilligen, die dableiben wollten, um nicht die Konservenfabrik in Stich zu lassen. Ein Schiff mit Nahrungsmitteln sollte ihnen spätestens bis zum September geschickt werden. Aber der September ging vorbei, und kein Schiff kam. Oktober, November gingen dahin. Nun war alle Nahrung aufgezehrt. Der Hungertod nahte. Von den acht Menschen auf der Insel starb zuerst Brunou, der Mann der einzigen Frau, die zurückgeblieben war. Dann folgten ihm zwei Fischer in den Tod und zuletzt ein Neger. Die Lieberlebenden hatten nicht mehr die Kraft, ihre Toten zu begraben. Dann, endlich, am 15. Dezember, langte das Rettungsschiff an. Aber die vier Menschen waren zu schwach, um ihren Rettern auch nur die Hand zu geben. Die Familien der Toten haben Schadens- ersahklagen eingereicht, die jetzt verhandelt werden. Die Hast derZeit greift Sie mehr als je an, und dabei geht kostbare Nervensubstanz verloren. Es gibt Segen Nervosität, Erschöpftsein, Mattigkeit und sonstige Schwächezustände nichts besseres als Doppelherz. Verblüffende Erfolge. Probefl. RM 1,95, Originalfl. RM 3,70 u. RM 4,65, Doppelherz-Dragees RM 1,50. Zu haben in d. nachstehenden Drogerien: H. Elges, Selters weg 68a: C. Seibel, Frankfurter Str.: 0. Winterhof!, Kreuzplatz9/10; Ludwigs-Drogerie u. Neustadt-Drogerie Hans Noll, Roonstr. 2' Grünberg: Karl Schott und sämtliche Filialen. 9?eV Handels- md Sewerbebatz e.G.m.b.H. Gießen Wirtschaft upd eine gewisse Unsicherheit war nicht zu verkennen. Reichsbank waren etwa 1 Prozent erholt, nachdem sie bis auf 138,75 Prozent zurückgefallen waren. Der Rentenmarkt verzeichnete die gleiche Bewegung, wie der Aktienmarkt: zunächst sehr fest. mäßigten Basis zeigte sich bereits wieder kleine Deckuv ^sneig' 7a. so daß gegenüber den Tiefst-- Fu verzeichnen waren. Das Geschäft, das bis dahin ziemlich lebhaft war, wurde merklich kleiner, Weiterlieferung eine untrennbare " Vermischung mit bereits lagernder Ware stattgefunden haben, ohne die ^lmsahsteuerfreiheit zu beeinträchtigen 5,50 Prozent auf 145 Prozent zurückgingen, führte nach den ersten Rotierungen allgemein zu recht schwacher Tendenz, da die Kulisse in größerem Umfange realisierte, um so mehr als Reichsbanl nochmals 5 Prozent einbüßten und somit mit insgesamt 10,50 Prozent auf 140 Prozent zurückfielen. IG. verloren 3 Prozent, Lahmeyer, Siemens, Licht & Kraft, Bekula und andere Spezialwerte je bis zu 2 Prozent. Im übrigen betrugen die Verluste von 1 bis 1,50 Prozent. Rur Süddeutsche Zucker konnten sich behaupten. Im Verlaufe erwies sich das Riveau etwas wider standskräftiger, und auf der er- Zum Schluß hielt Direktor Mattern einen Vortrag über „Wirtschaftsfragen der Gegenwart". Er schilderte öie Urfa-jen und Auswirkungen der Wirtschaftskrise und bezeichnete als Voraussetzung für eine Lösung die Rückkehr zu einer vernünftigen Außenhandelspolitik, den Wegfall der unsinnigen Zollmauern zwischen den einzelnen Ländern und die Wiederherstellung eintzr gesunden Währungs- und Kreditordnung. Da es sich nicht nur um eine deutsche Krise, sondern um eine Weltkrise handele, könne nur eine gemeinsame Aktion aller Länder zum Ziel führen. Deutschland könne seine Auslandsschulden, die viel zu hoch feien, auf die Dauer nur durch Waren, also durch Export bezahlen. Das Ausland stehe einfach vor der Entscheidung, entweder deutsche Waren hereinzu- nehmen, oder auf restlose Schuldenerfüllung seitens Deutschlands zu verzichten. Cs wäre falsch, von der politischen Kursänderung in Deutschland nun in wirtschaftlicher Hinsicht Unmögliches zu erwarten. Keine Regierung könne sich den Gesehen der Wirtschaft entziehen. Die Aussichten für einen wirtschaftlichen Erfolg seien aber günstiger als früher, da der Tiefpunkt der Depression auf den Weltmärkten wohl als erreicht angesehen werden könne. Auch die neue Regierung beabsichtige auf wirtschaftlichem Gebiet keine gewagten Experimente, die nur geeignet wären, den Kredit, die Grundlage jeder Wirtschaft und jedes Staates, zu untergraben. Rur der Weg wirtschaftlicher Vernunft könne zum Ziel führen. mäßige Buchführung nicht vorhanden ist, das besondere Umsatzsteuerbuch angelegt werden. Rimmt der Handwerker die Ware vorübergehend in Besitz, so muß sie. wie gesagt, im Zeitpunkt der Bcsitzübernahme verkauft sein. Ein fester Preis braucht nicht von vornherein vereinbart zu sein. Es genügt, wenn ein gegenseitiger Vertrag im Sinne des bürgerlichen Rechts abgeschlossen wird, der den einen Teil zur Abnahm, den Handwerker zur Lieferung verpflichtet. Der jeweilige Marktpreis kann vereinbart oder der Kaufpreis lediglich nach allgemeinem Handelsbrauch bestimmt sein. Auch feste „Bestellungen" fallen unter den Verkauf: der Ausdruck ist nicht entscheidend. Doch genügen lediglich gewohnheitsmäßige Bestellungen ohne gegenseitige Bindung regelmäßig nicht (RFH. v. 8. 1. 1932 V A 624/30). Erforderlich ist, daß die Ware vor der Inbesitznahme durch den Handwerker verkauft ist. Cs genügt jedoch, wenn der Verkauf während des Transports oder während einer sog. Dispositionsfrist — für die noch kein Lagergeld berechnet wird — erfolgt (RFH. V A 754/30). Eine Arzflagernahme der vorverkauften Ware darf nur vorübergehend aus mit der Weiterbeförderung oder Aushändigung der Ware an den Abnehmer zusammenhängenden Gründen geschehen: z. B. bis ein Beförderungsmittel zur Verfügung steht. In diesem Falle kommt es auch grundsätzlich auf die Dauer der Lagerung nicht an (RFH. V -A 738/29 Reichssteuerbl. 32 S. 358). Erfolgt dagegen die Einlagerung bis auf Abruf oder zu einem bestimmten Liese- rungstermin (RFH. Dd. 27 S. 280) oder aus sonstigen mit der Beförderung nicht in Zusammenhang stehenden Gründen, so tritt cklmsatz- steuerpflicht ein. Der anderweit bezogene und der weiterverkaufte Gegenstand mutz im Handelsverkehr als identisch angesehen werden. Die Marktgängigkeit darf nicht geändert fein. Der Handwerker darf nicht Handlungen mit der Ware vornehmen, die sie zu einem anderen Verkehrsgut macht. Die erforderliche Identität der Ware wird z. B. aufgehoben bei der Zusammensetzung von Maschinenteilen zu Maschinen usw., dagegen nicht bei der Prüfung von Maschinen auf Betriebsfähigkeit (Reichssteuerbl. 28 S. 117) ufto. Handelt es sich um vertretbare Sachen (z. B. iy einem entschiedenen Falle Perlmutterknöpfe), so kann von der (RFH. VA 9/30). Der- Handwerker darf vor der Weiterlieferung auch keine Maßnahmen mit der Ware vornehmen, die über den Rahmen der Beförderung hinausgehen. Zulässig sind insbesondere Prüfung, Umladung, Verteilung der Ware: auch Zuladung vom Lager, im letzteren Falle wird lediglich die Lagerware steuerpflichtig. Maßnahmen zur Erhaltung der Ware auf dem Transport, Verpacken sowie alle Maßnahmen, die auch ein Spediteur oder Frachtführer vornehmen würde, lassen die Steuerfreiheit bestehen. * Wintershall AG., Berlin-Kas- s e l. Die 0. GV. der Wintershall AG., Berlin- Kassel beschloß die Herabsetzung des AK. um 18,5 Millionen. Mk. Verwertungsaktien durch Einziehung. Zugestimmt wurde ferner, diese Verwertungsaktien, die seinerzeit zu Angliederungs- zwe.en geschaffen worden seien und bei der Bilanzierung Schwierigkeiten durchs den veränderten Vcrmögensstand verursachen würden, zu vernichten. Briefkasten der Redaktion. p. G., Gießen. 1. Die zuständige Landesversicherungsanstalt, deren Adresse aus den in Iyrem Besitz befindlichen Bescheinigungen hevorgeht, kann Ihnen von der 8. und 9. Invalidenkarte Abschrift geben. 2. Wenn Sie 250 Pflichtmarken oder insgesamt 500 Marken geklebt und die Anwartschaft aufrechterhalten haben, besteht Anspruch auf Rente, jedoch ist dabei zu beachten, daß bei dem Antrag aus Renke wegen Vollendung des 65. Lebensjahres 750 Marken nachzuweisen sind. 3. Ein rückwirkender Rentenanspruch besteht nicht: die Rente wird immer vom 1. des auf den Antragsmonat folgenden Monats gezahlt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Freitag, den 10. März 1933. Kapelle des Allen Friedhofs. 18 Uhr: Passionsandacht; Pfarrassistent Knell. — petruskapelle. 20: Pfarrassistent Knell. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 11. März. Vorabend 6.15 Uhr; morgens 9; Gedenkfeier zu Ehren der Gefallenen; abends 6.30 und 7.10 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 11. März. Freitag abend 5.55 Uhr; Samstag vormittag 8.30; Predigt; Gedcnkfeierfürdie Gefallenen des Weltkriegs; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 7.10. — Wochengottesdienst: Sonntag morgen 6.30; ab Montag 7; abends 6 Uhr. , Berlin schwächer. Berlin, 9. März. (WTB. Funkspruch.) Während man noch in den heutigen Vormittagsstunden und an der Vorbörse eine ausgesprochen freundliche Stimmung feststellen konnte, die in der Hauptsache auf neuen Kundenorders und Anlagen aus Stillhaltegeldern basierte, zeigten die ersten Kurse eine sehr uneinheitliche Entwicklung. Gegen die festen gestrigen Abendkurse gab es daher verschiedene Enttäuschungen. Am meisten Beachtung fand ein starkes Angebot (man sprach von 240 Mille) in Reichsbankanteilen, wobei die schon gestern aufgetauchten Gerüchte von einer beabsichtigten Verstaatlichung, die vielleicht durch die gestrige Unterredung zwischen dem Reichskanzler und Dr. Luther noch verstärkt wurden, verstimmten. Rach anfänglicher Minus- Minus-Notiz lag der erste Kurs 8,50 v. H. unter gestern. Die erneute Vertagung bei Rheinische Braunkohlen ließen die RWE.-Aktien um 2,75 v. xj. nachgeben, aber auch Farben, Rheinstahl und Bayerische Motoren eröffneten besonders im Vergleich zu gestern abend ausgesprochen schwach. Anderseits hatten Spezialpapiere wie Julius Berger auf die beschleunigte Durchführung des Ardeitsbe- schaffungsvrogrümms einen Gewinn von 4,13 v. H. zu verzeichnen, Bubiag gewannen 3 v. H., Maximi- lianshütte 3,50 v. H. und Ilse und Lahmeyer, letztere nach Plus-Plus-Notiz sogar je 5 0. H. Bei stärkerer Nachfrage zogen Kokswerke um 2,25 v. H. an, auch Bremer Wolle setzten ihre Aufwärtsbewegung um 3 v. H. fort. Die matte Eröffnung der Reichsbankanteile hatte aber im Verlaufe allgemein Angebot zur Folge. Die Rückgänge betrugen ziemlich einheitlich bis zu 1,50 v. 5). und gingen bei Spezialwerten sogar bis zu 3 v. H. Rheinische Braunkohlen büßten im Verlaufe 4 v. H. ein. Der freundliche Rentenmarkt konnte sich im Verlauf dieser Bewegung an den Aktienmärkten nicht entziehen. Deutsche Anleihen und Reichsschuldbuchforderungen büßten bis zu 1 v. 5). ein, Pfandbriefe lagen uneinheitlich. Don Auslandsrenten kamen 4pro- zentige Mexikaner 0,50 v. H. niedriger zur Notiz. Am Geldmarkt blieb die Situation gegen gestern vollkommen unverändert. Für kurzfristige Anlagen erhielt sich die Nachfrage. Frankfurt im Verlauf schwächer. Frankfurt a. M., 9. März. (WTB. Drahtmeldung.) Die heutige Börse eröffnete im Anschluß an die weiteren Kurssteigerungen der Abendbörse zunächst in befestigter Tendenz, wobei in der Hauptsache vorbörslich neue Gewinne von 1 bis 2 Proz. zu verzeichnen waren, da von der Kundschaft in ziemlich grotzem Umfange Kauforders Vorlagen und auch der Rückgattg der Ar- beitslosenziffem stimulierte. Vereinzelt kam auch einiges Angebot heraus, so dah die ersten Rotierungen ein uneinheitliches Bild boten, wobei die Veränderungen etwa 0,5 bis 1,5 Proz. betrugen. Sehr fest lagen am Elektromarkt Lahmeyer mit plus 5 Prozent. AEG., Gesfürel und Siemens lagen behauptet, während Bekula 1,5 Proz. und Schuckert 0,75 Proz. nachgaben. Am Chemiemarkt lagen IG. 0,25 Proz., Rütgerswerke 0,75 Proz. niedriger, dagegen eröffneten Scheideanstalt 0,75 und Deutsche Erdöl 0,50 Proz. höher. Von Montanwerten setzten Gelsenkirchen, Ilse-Bergbau- Genutz, Mannesmann und Stahlverein kaum verändert ein, während Rheinstahl 2 Pro^. und Phönix 1,5 Proz. einbützten. Von Kalipapieren waren Salzdetfurth mit 192 Proz. unverändert. Im übrigen eröffneten Schiffahrtswerte behauptet, Daimler 1,25, Alu 1,75 und Zellstoff Waldhof 1 Proz. schwächer, dagegen Zement Heidelberg 1,5 und Süddeutsche Zucker 2 Prozent fester. Die schwache Haltung der Reichsbankanteile, die auf verschiedene vage Gerüchte zunächst um dann schwach. Alcbefitz 69,50 bis 09,25 Prozent (minus 1,25 Prozent), Reubesitz 9,75 (unverändert), dann 9,40, Späte Reichsschuldbuchsorderun- gen 80,75 bis 79,25. Goldpfandbriefe lagen meist gut behauptet, vereinzelt auch etwas niedriger. Kommunalobligationen waren stark gesucht. Bei Materialmangel von Staatsrenten erschienen Hessen-Volksstaat von 1928 mit Plus-Plus-Zeichen. frankfurter Frankfurt a. M., 9. März. Auftrieb: 135 Rinder, 1027 Kälber, 185 Schafe, 830 Schweine. Es notierten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 36 bis 40, mittlere Mast- und Saugkälber 30 dis 35, geringe Kälber 25 bis 29; Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel 25 bis 28, mittlere Mast- lämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 21 bis 24; S ch w e i n e: vollfleischige Schweine von ca. 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 39 bis 40,5, vollfleischige Schweine von ca. 200 bis 240 Pfd. Lebendgewicht 37 bis 40, vollfleischige Schweine von ca. 160 bis 200 Pfd. Lebendgewicht 36 bis 39 Mark. — Marktverkauf: Kälber und Schafe langsam, geräumt, Schweine schleppend,, geringer Ueberstand. Das Institut hielt gestern Abend unter Leitung seines Aulsichtsratsvorsihenden, Kommerzienrat Roll, seine 74. ordentliche Generalversammlung ab. Rach kurzen einleitenden Betrachtungen über die allgemeine wirtschaftliche Lage e.stattete Direktor Arnold den Geschäftsbericht für 1932, aus dem hervorging, daß die Betriebsmittel der Bank trotz der allgemeinen Umsatzschrumpfung nur unwesentlich zurückgegan- gen sind. Die Bilanzsumme ist mit 3 022 245,74 Mark nur um 4 Prozent niedriger, als im Vorjahre. Der Gesamtumsatz belief sich auf 81 Millionen Mark, gegen 110 Millionen Mark im Iahre 1931. Die Spareinlagen und Depositen betrugen 2 012 985,31 Mk. Die Rank war in der Lage, alle Rückflüsse aus eigenen Mitteln zu bezahlen, ohne Kredite in Anspruch nehmen zu müssen. Die Zahlungsbereitschaft ist nach wie vor zufriedenstellend. Die flü.ßgen Mittel deckten am Iahresschlutz die kurzfristigen Verbindlichkeiten zu 90 Prozent, die gesamten Verbindlichkeiten zu 32 Prozent. Im Kreditgeschäft wurden Reuausleihungen, von kurzfristigen Kredithilfen abgesehen, nicht vorgenommen. 2m Wechseldiskontge- schäft, das naturgemäß einen stärkeren Rückgang aufweist, wurden 8782 Wech,el im Gesamtbeträge von 2 783 203,96 Mk. angekauft. Der Mitgliederbe st and betrug 1398 mit 1621 Antei.en und einem Geschästsanteilguthaben von 592 692,60 Mk. Das Eigenkapital der Bank in Höhe von 827 000 Mk. deckt die fremden Gelder ’u 40 Prozent. Der Reingewinn betrug nach Vo.nähme erforderlicher Rückstellungen 27 383,08 Mark. Das Gewinnergebnis wurde naturgemäß durch den verringerten Geschäftsumfang und die verkleinerte Zinsspanne beeinflußt, gestattet aber trotzdem die Verteilung einer Dividende von 4 Prozent an die Mitglieder. Eine stärkere Belastung des cklnkostenetats droht der Bank in steuerlicher Hinsicht. Wie die Verwaltung mitteilte, sind Die hessischen Finanzämter im Gegensatz zu den preußischen auf Grund einer angefochtenen Entscheidung des Finanzgerichts in Darmstadt dazu übergegangen, die Geichuftsanteile der Genossen, die bisher bei der Berechnung der Gewerbesteuer als abzugs- fähige Schulden galten, dem gewerbesteuerpflichtigen Kapital hinzuzuschlagen. Diese Auslegung des Gesetzes würde bedeuten, daß allein die Gewerbesteuer für dos Iahr 1932 45 Prozent des Reingewinns ausmachen^würde. Dari ber hinaus fordert das Finanzamt noch für die iruckliegenden Iahre seit 1928 sehr erhebliche Rachzahlungen. Die Verwaltung hofft aber, daß der Einspruch der hessisch, n ' tgenosfenschaften beim Verwaltungs- geh.cd, zu einer gerechteren und tragbaren Enksckn -üng führt. Vorschläge der Verwaltung wurden ein- stimm'q autgeheißen. Alsdann kam der Bericht dtzs Vc'bandsrevisors über die im September sttlttgc iundene mehrtägige Revision der Bank zur Tcrlefung. Der Bericht spricht sich anerkennend über die Vermögenslage der Bank aus und hebt die gesunde Risikoverteilung hervor. Bei -den Srsahwahlen zum Aufsichtsrat wurde an Stelle des wegen seines Alters ausscheidenden Herrn W; n n der Kaufmann Hermann Fuhr gewählt. lauen oie eoieuerireiyeir oeiieycn. 1. iu uup ytyeuuud. utu Vei Werklieferungen des Handwerkers (z. B. Bessern gen hon J),25 ^bis 0,50 Prozent Lieferung von Anlagen,, Bauten, Apparaten, Maschinen ufto.) kann Amsahsteuerfreiheit sowohl aus dem Grunde entfallen, weil die anderweit bezogene und die weitergelieferte Ware nicht dieselbe ist, wie auch, weil der Handwerker vor der Fertigstellung selbst oder durch feine Leute Besitz an der Ware ergreifen muß. Läßt jedoch der Handwerker die gan-e Werklieferung (z.B. Einsetzungen von Glasscheiben) durch einen anderen vornehmen, so kann unter den sonstigen Voraussetzungen Steuerbefreiung beansprucht werden (RFH. Reichssteuerbl. 31 S. 149). Der Verkauf der Ware muß nach dem oben Gesagten im Großhandel erfolgen, d. h. an gewerbliche oder landwirtschaftliche Betriebe zu betrieblichen Zwecken, an freie Berufe zu beruflichen Zwecken oder auch an Hausbesitzer zur Verwendung in einem Miethaus, nicht Dagegen an Arbeitnehmer. Der Abnehmer muß eine selbständige Tätigkeit ausüben. Stets als Großhandel gelten die Lieferungen an das Reich, die Länder und andere öffentlich-rechtliche Verbände. Es kommt auf die Lieferung im einzelnen Fall an, sy daß auch Handwerker und der Einzelhändler Großhandelsumsätze tätigen kann. Die für Die Geschäftsbücher erforderten Angaben sind folgende: Gegenstand nach der handelsüblichen Bezeichnung und nach der Menge (Gewicht, Stückzahl ufto.), Rame (Firma) und Wohnort (Sih) des Lieferers und des Abnehmers, Tag des Verkaufs sowie der etwaigen Inbesitznahme und Absendung des Gegenstandes an den Abnehmer, das Entgelt, den Hinweis auf Sie entsprechenden Belege und einen Vermerk über die Abwicklung der Lieferung an den Abnehmer. Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde bei der Firma Commerz- und Privatbank, AktiengeseLjiboft, Filiale Gießen, am 6. März 1933 -eingetkageftl Dankdirektor Dr. Joseph Schilling, Berlin, ist zvn ordentlichen Vorstündsmitgliede bestellt. Achen.^en^. Marz 1933. 1657D / Hessisches Amtsgericht. Holzsubmission. Die Gemeinde Staufenberg verkauft auf dem Wege schriftlichen Angebots folgendes Nutzholz: \ 16730 Dichten-Langholz. Los 1. la-Klasse 131 Stück, 23,08 fm „ 2. lb= „ 131 „ 58,17 „ „ 3. 2a- „ 110 „ 89,05 „ „ 4. 2b, „ 51 „ 59,97 „ „ 5. 3a- „ 13 „ 13,13 „ „ 6. 3b- „ 6 „ 14,63 „ Kiefer. lb-Klasse 6 Stück, 1,66 fm 2a- „ 40 „ 16,69 „ 2b- „ 14 „ 9,31 „ Angebote per Festmeter sind, nach Losen getrennt, mit Aufschrift versehen, bis zum 14. März, nachmittags 2 Uhr, bei uns einzureichen, wo alsdann die Oeffnung der Angebote erfolgt. Das Holz ist ohne Rinde gemessen. Mit Abgabe des Angebots unterwirft sich der Käufer den Verkaufsbedingungen. Staufenberg, den 8, März 1933. Bürgermeisterei Staufenberg. 1.23.: Karbe r. Zwangsversteigerung 13 W Am Donnerstag, dem 16. März 193 j», vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichts gebäude zu Gießen, Zimmer 107, Das nachstehende im Grundbuche zu Gießen: a) dem Schlosser Otto Fran; iu Gießen 3U b) der Anna Franz, geb. Müller, in Gießen, dessen Ehefrau, zu “z«, c) dem August Müller in Gießen zu ’/» zugeschriebene Anwesen Crednerstraße 24 Jlur 6, Jlr. 122ti/ioo = 465 qm hofreite, geschätzt 28 443 Reichsmark, zum Zwecke der Auseinandersetzung versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehangt. 9350 Gießen, den 6. Februar 1933. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: _______Leo, Ortsgerichtsvorsteher. ' Holzversteigerung Die Gemeinde Wißmar versteigert am Samstag, dem 18. Mär;, von 1 Uhr nachmittags ab bei Gastwirt Wolf aus den Distrikten 18a, 20a Winterberg, 21 Homberg, vom Wegeaufhieb in 8, 9 und 15 und aus der Totalität: 16750 Eiche: 8 rm Rollen (2 und 4 m lang), 225 rm Scheit und Knüppel. Buche: 240 rm Scheit und Knüppel, 950 rm Reiser. Fichte: etwa 45 fm Stammholz, 400 Derbstanaen 1. Kl., 420 2. Kl., 730 3. Kl. und 300 4. Kl., 20 rm Knüppel. Wißmar, den 9. März 1933. Der Gemeindevorsteher. Bittend 0 rf. BO« Grossreinemachen ? - ßiffe sehr mit GEG isEs halb so . schwer / Noch ein Sonderangebot! M Weiter bieten wir an: 1656 A Schenertttcher, Stck. 55.52.48,35.25,22 und 20 4 Warenabgabe nur an Mitglieder! Bohnerwachs . Fnßbodenbelze Schrubber ....... Kokos-Handbesen . Kokos-Bodenbesen Scheuerbürsten in allen Preislagen, Stück 25,23,20 und 18°) Stück 48 und 27 4 ......Stück 28°) ......Stück 66°) L/i Dose 60, ’/2 Dose 32-) ...... , Dose 82°) 1 Scheuertuch, n» » 1 Dose Bohnerwachs, S U 1 Schrubber... .zusammen I W I 1 IZwangsversteigerung WK„ I Am Donnerstag, dem 30. März 1933, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche von Gießen dem Adolf Best u. Gen. in Gießen zugeschriebene Anwesen Katharinengasse 14 16580 Flur 1, Rr. 633 = 123 qm hofreite. geschätzt 13 590 RM., versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 6. März 1933. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Konsumverein ließen und Umg. e.6.m.b.H. ....... .............I...........I.................. ............. ................ ................ Hill »Hl ?S; •s« L b-i51 ^.jnzeln-' hrtlPrt* I*1. ( poVsche rronlM» 0» Berlin- milgeleilt: 1 der bayensi sich! daraus, öffentlich in Sayer xeichsregierv' Gene Aeichrprafide von Bolt un sugnifse der Lrhollllu und Ordn men imb sie von 6ppi Generalle am 16. Okti nahm 19v0 f schen Snfänt 6fpfhition u; in der Schützt tämpsung d, tu! M % 2nsantcrie-L ins Feld. Ji dieles Aegir den Kriege! Serbien, Ar das Komma sich bis Ott übernahm i brigade 21 i wurde er z rischen) Divi M Dezembe nant a.D. A des Reichste, 0 des ( München Dai als erste ' Pressestelle b "wienmin zuw.Komin dvl'zei K legenden Qßt »Segen ®( Dtönung im § 2 der y Staat Sttn- ta» Ve,t und 01 beauftrage ( hing diese' Ment 5 Auen Tesch Mtan^ , General herrschen 1 nominen ?lfe ’öfl besetz ®ener( Ausg Ä’i zL" % «S*j W