Mittwoch. 8. Mär; ,933 183. Jahrgang Nr. 57 Erstes Blatt zu ernähren und ziehen durch industrielle Heimarbeit Geld aufs Land. 3n einer derartigen Ar- Auf ein kurzes Telephongesoräch hin brachte ein ssistent ein Steuerrad, ein Verteiler-Gehäuse und außerordentlich ähnlich. Aber nach der Entstehung dieser Bestimmung und besonders nach der klar vorliegenden Absicht Wilsons und dem 5. seiner 14 kehrs bei zahlreichen Banken in Neunork und in Reihe anderer Bundesstaaten. Die Banken Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Frredr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot: für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und^ürdenAn. zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags. Beilagen: Di- Illustrierte ©iegener Familienblatter Heimat m Bild Die Scholle Monats-Se;ugrpreis: Mit 4 Beilagen RM. 1 95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr . , --25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, zernfprechanschlüste unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach. richtens Anzeiger Eiehen. postschecklomo: 5ronlfurt am Blain 11686. Md Japan die deutschen Südseekolonien annektieren? Die Kotgen eines Austritts aus dem Völkerbund.-Japan bestreitet -en Mandatscharakter von Dr. A. Tlöldete, ehem. Hamburgischem Senator. Wie Henry Kord die Zukunst sieht Eine Unten edung mit dem Auto-König von Detroit. Von unserem Neuyorler Berichterstatter H. W. von Ooemming. Tschanghsueliang legt den Oberbefehl nieder. Peking, 8. März. (Reuter. Funkspruch.) Der Oberbefehlshaber der chinesischen Streitkräfte im Norden, Marschall T s ch a n^h s u e l i a n g, ist z u - rückgetreten. 30 000 Mann seiner Truppen führten bei Kupeikau ein verzweifeltes Rückzugsgefecht und verteidigten dort einen der wichtigsten Pässe nach Nordchina. Japanische Artillerie hatte die chinesischen Gräben mit schwerem Feuer belegt. Japanische Flugzeuge kreisten über dem Kupeikau-Paß, um das Feuer zu leiten, wobei sie durch Bombenabwürfe in den chinesischen Stellungen schweren Schaden anrichteten. In Peking herrscht große Erregung. General T a n g y u l i n, der Jehol aufgegeben und sich damit den Unwillen ganz Chinas zugezogen hatte, ist von Soldaten Tschanghsueliangs ermordet worden. bund geneigt ist, ein Land, das ihm als sein Mitglied zunächst so sehr aus der Nase herum getanzt bat und dann aus ihm ausgetreten ist, im Besitz der Kolonien zu belassen, deren Verwaltung man ihm als Mitglied des Bundes überlassen hatte. Deshalb scheint man in Japan die Absicht zu haben, diese Kolonien sich einfach anzueignen. Damit würde aber die ganze Frage der deutschen Kolonien wieder aufgerollt werden, die die Pariser Friedensverhandlungen monatelang beschäftigt, ja beinahe zum Sprengen gebracht und erst unmittelbar vor der Überreichung des Diktats an die deutschen Vertreter zu einer Einigung geführt hat. Wilson hatte unter 5 seiner 14 Punkte, auf die hin wir die Waffen niedergelegt hatten, einen „freien, unbefangenen und völlig unpar- teUichen Ausgleich aller kolonialen Ansprüche" versprochen, wobei die Interessen der betreffenden Bevölkerungen ebenso ins Gewicht fallen sollten wie die Ansprüche der Negierungen, deren Rechtstitel zu entscheiden sei. Lind in den Erläuterungen zu den 14 Punkten, die auf Veranlassung Wilsons sein Freund Oberft House verfaßt und der Friedenskonferenz vorgelegt hat, ist gesagt, daß die Bevölkerungen der Kolonien nicht militarisiert, daß die Ausbeutung ihres Gebiets nach dem Grundsatz der offenen Tür und unter den strengsten Regelungen der ArbeitsverhLltnisse, Gewinne und Steuern erfolgen, daß gute sanitäre Einrichtungen geschaffen werden sollten usw. Ferner war gesagt daß eine Kolonialmacht nicht als Eigentümer ihrer Kolonien, sondern als Kurator der Eingeborenen und der Interessen des Döllerbundcs handle und daß die Dorschristen für die Führung der Kolonialverwaltung eine internationale Sache seien. Lind da ''Frankreich und England befürchteten, daß damit alle alten Kolonialfragen wieder a^fgerollt werden könnten, wird ausdrücklich gesagt, daß dieser Punkt 5 sich nur auf die kolonialen Ansprüche beziehen solle, die der Krieg auf die Tagesordnung gebracht habe, d. h. die deutschen Kolonien und die anderen Kolonien, die im Gefolge des Kriegs internationaler Erwägung anheimgegeben würden. Wilsyn wollte auf keinen Fall eine Annexion der deutfchen Kolonien durch die Siegerstaaten, die er als eine „Verteilung der Beute bezeichnete. Schon auf seiner ersten Reise nach Europa auf dem „George Washington" sprach er davon, daß die deutschen Kolonien 8 um gern e i n f a m e n Eigentum des D ö lker- bundes erklärt und von kleineren Rationen verwaltet würden, wobei aber die Quellen des Reichtums jeder Kolonie allen Mitgliedern des Völkerbundes zugänglich fern sollten. Dagegen forderten Frankreich und England, besonders seine Dominions Australien und Reuseeland, die direkte Annexion der deutschen Kolonien. General S m u t s schlug zuerst das Mandatssystem vor, was er aber später bedauerte, da er Deutsch-Südwest-Afrika für sich haben wollte. Die Gegensätze stießen sehr scharf aufeinander. Ende Ianuar 1919 geriet Wilson mit Lloyd George, Clemenceau und den Ministerpräsidenten von Australien und Reuseeland so scharf aneinander, daß es nach dem Tagebuch von Oberst befteht, und daß eine Aenderung der Gesetze in dieser Richtung auch nicht beabsichtigt ist. Das gesamte Volk stehe hinter dem Präsidenten, der mit eiserner Energie entschlossen sei, ohne Rücksicht auf die privaten Wünsche gewisser Finanzkreise die Reformen durchzusühren. Man erwartet im übrigen, daß das Schatzamt in allerkürzester Frist neue Vorschriften erlassen wird, nach denen die Bankkunden ein Drittel ihrer Depositen abheben können. Man hofft, daß die augenblicklichen Schwierigkeiten nur noch wenige Tage anhalten werden. Die teilweise Wiedereröffnung der Banken hatte eine stark erleichternde Wirkung, obwohl der Alltagsgeldverkehr noch stark beeinträchtigt ist. Den 'Bar« geldmangel spürt man überall in Gaststätten, Hotels, Geschäften, Lichtspieltheatern und Verkehrsmitteln. Die Bevölkerung behilft sich vorbildlich mit Kreditschecks und Tauschhandel. Aus Miami (Florida) wird u. a. gemeldet, daß 150 000 IBabegäfte wegen Reisegeldmangels festsitzen. Die elektrischen Bahnen New-Orleans gestatten den Fahrtgästen den Fahrpreis auf die Lichtrechnung zu setzen. Mehrere Theater und Sportveranstaltungen konnten mit Naturalien besucht werden. Der Führer der japanischen Abordnung im Völkerbund, Matsuoka, hat in Berlin Pressevertretern auf eine Frage, ob Japan für den Fall seines Austritts aus dem Völkerbund die ehemaligen deutschen Kolonien, die Marianen und Karolinen, a n ben Völkerbund zurückgeben werde, erklärt, die beiden Inselgruppen habe Japan von den Alliierten schon erhallen, bevor der Völkerbund bestanden habe. Die Marianen und Karolinen seien keineswegs Mandatsgebiete. Japan habe diese Absicht nicht, schon aus strategischen Gründen nicht, die Inselgruppen zurückzugeben. Die nachfolgenden Ausführungen wurden geschrieben, ehe die Aeußerung Matsuokas bekannt war. Japan droht immer stärker mit seinem Austritt aus dem Völkerbund. Dabei will es aber d i e deutschen Kolonien behalten, die es als Mandatar des Völkerbundes im Besitz hat. Ob es weiterhin Mandatar des Völkerbundes bleiben oder die Kolonien annektieren will, hat es bislang nicht ^t. Jedenfalls würde es sein Mandat nur mit hmigung des Völkerbundes behalten können, was an sich nicht ausgeschlossen wäre, da die Mandate beziehungsweise der an den Völkerbund abgetretenen Kolonien nicht auf Mitglieder des Völkerbundes beschränkt sind, sondern nach Artikel 22 der Satzung des Bundes allen fortgeschrittenen Nationen übertragen werden können, die auf Grund ihrer Hilfsmittel, ihrer Erfahrungen oder ihrer geographischen Lage am besten im Stande sind, eine solche Verantwortung auf sich zu nehmen und die hierzu bereit sind. Daß für Deutschland die im Versailler Diktat enthaltene Koloniallüge durch die dem Eintritt Deutschlands vorhergegangenen Gespräche Stresemanns mit Briand und Chamberlain beseitigt worden ist, ergeben die Mitteilungen in seinem „Vermächtnis". Dabei ist offen anerkannt worden, daß Deutfchland an sich befähigt und berechtigt i ft, Kolonien z u verwalten. Man wird kaum annehmen können, daß der Völker- (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Detroit, März 1933. Während sämtliche Werke des Ford-Konzerns mit einer Belegschaft von ungefähr 150 000 Mann durch den Streik einer Liefer-Firma zur Stillegung gezwungen waren, gab Henry Ford in einer Unter- reduntz zum ersten Male seit langer Zeit seiner Ansicht über d i e wirtschaftliche und technische Entwicklung unserer Zeit Ausdruck. Es war ein paradoxes Bild, als Ford in einem der hundert nüchternen Büroräume seines Riesenwerkes, beffen Räder durch den Streik einer Lieferantenfirma restlos zum Stillstand gebracht waren, visionär ein kommendes Maschinen-Zeit- alter entwarf. „Das Maschinen-Zeitalter hat kaum begönne n", sagte Ford mit einem schnellen, jugendlichen Lächeln. Das wahre Maschinen- Zeitalier, das uns bevorfteht, wird mit dem Schmutz, der Häßlichkeit, dem Lärm und der Mißachtung unserer Menschenrechte, die ein Charakteristikum unserer Zeit sind, aufräumen, denn wir befinden uns heute er st im ,Dd)fenroagen«Gtabium' des Maschinen-Zeitalters. Ich wünschte, ich könnte es selbst erleben". „Die Dpression, die wir augenblicklich durchmachen, ist ein Abschnitt der Wirt- schastserh.olung. Die wahren schlechten Zeiten hatten wie vor 1929, weil die Zeit, die wir die .Prosperitäts-Periode' nennen, nichts weiter war als eine wirtschaftliche Panik. In Wirklichkeit ist das Geschäftsleben niemals schlechter als in den sogenannten Hausse-Zeiten, in denen die Geschäftsleitung den Wirtschaftsführern aus der Hand gleitet und das Volk dank der günstigen Konjunktur verlernt, zu arbeiten und zu denken. In der augenblicklichen Zwangslage haben sie sich wieder auf Beides zurückbesonnen. Wir befinden uns augenblicklich im Llebergangsstadium von einer abgewirtschafteten zu einer neuen Entwicklung, die großartiger sein wird als irgendeine. die die Welt bisher gesehen hat." „Ich glaube nicht, daß mit der Welt irgend etwas verkehrt ist", fuhr der Autokönig fort, „ich finde vielmehr, daß dieses die besten Zeiten sind, die wir jemals hatten. Wir lernen jetzt etwas und fangen an zu denken. Die Bankiers haben die Depression dadurch verschuldet, daß sie zunächst jedem einzelnen sein Geld abnahmen und es dann in ihre Tresore vergruben, wo es das Voll nicht kriegen konnte. Lind eine LInterbrechung des natürlichen Kreislaufs bedeutet auf jedem Gebiete Tod!" Das Ideal des Ingenieurs ist das Produkt, nicht der Gewinn. Deshalb erhält er sein Werk bei niedrigsten Kosten auf der Höhe der Leistungsfähigkeit. Wir haben gerade jetzt ein Zeitalter der Verschwendung von Kräften und House so ausfah, als ob alles in Scherben gegangen fei. Schließlich siegte Wilson, der in diesem einen seiner 14 Punkte ausnahmsweise fest geblieben war. Es tarn zum Mandatssystem. Der Artikel 22 der Satzung des Völkerbundes unterscheidet drei Arten von Mandaten, und zwar nach dem Maße der Entwicklung der Bevölkerung, nach der geologischen Lage des Gebiets, nach seinen wirtschaftlichen Verhältnissen und allen sonstigen Llmständen. In der ersten Kategorie stehen gewisse Länder, die früher zur Türkei gehört ■ haben und schon eine Reise gewonnen haben, die sie bald in den Stand setzen wird, sich selbst zu verwalten. Eine zweite Kategorie umfaßt besonders die mittel- afrikanischen Völker, bei denen es erforderlich ist, daß nach Setzung von Bedingungen der Mandatar verantwortlich für die Verwaltung des Gebiets fein muß. Endlich kommen Gebiete wie Südwestafrika und gewisse Inseln des australischen Stillen Ozeans in Betracht, die infolge ihrer geringen Bevölkerungsdichte und geringen Ausdehnung, ihrer Entfernung von den Mittelpunkten der Zivilisation, ihrer geographischen Rachbarschast zum Gebiet des Mandatars oder infolge anderer Llmstände nicht wohl besser verwaltet werden können als nach den Gesehen des Mandatars und als integrierender Teil seines Gebiets, unter Vorbehalt der Bürgschaften, die im Interesse der eingeborenen Bevölkerung vorgesehen sind. Zu der letzten Kategorie gehören die Japan als Mandatar überlassenen Südseeinseln nördlich des Aequators, also die Karolinen nebst der. Talau-Gruppe, die Marianen und die Marschall-Inseln mit Ausnahme von Nauru. Die englischen Dominions hatten aus sie ein Auge geworfen, über ihr künftiges Schicksal nach dem Austritt Japans aus dem Völkerbund wird von Rechts wegen dieser zu befinden haben. Gewiß sieht die im genannten Artikel 22 der Dölkerbundssatzung für diese Inseln vorgesehene Regelung einer 'Annexion SietzenerAMger General-Anzeiger für Oberhessen tfrrd vnd Verlag: Vrühl'sche Univeifitäir-vuch- unö Stcinöruderei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: §chn!straße 7. : |id) nehmen. Unsere Pflicht ist es nun, ihnen die Wiederansiedlung und das Verblei» benaufbemLanberentabelzumachen." I Hand in Hand mit der Abwanderung aus den Großstädten geht natürlich eine weitreichende Dezentralisierung der Industrie, die Henry Ford in seinem Konzern logischerweisc bereits vor längerer Zeit begonnen hat. „Das Produktions-System, auf das ich hinarbeite, bc- Punkte kann von einer solchen ernstlich nicht die steht darin, daß die Einzelteile in Tau- Rede sein. Wie der Völkerbund sich bei der Meige- senden von Landbezirken hergestellt rung Japans, die Kolonien zurückzugeben, aus die- werden, die natürlich über die entsprechende elek- sen Schwierigkeiten herauswinden wird, kann man trische Kraft verfügen. Die Menfchenmassen, die nicht wissen. Viel Unterstützung werden wir mit gleichzeitig mit dieser Entwicklung aufs Land zu- unferer gerechten Forderung auf Rückgabe dieser rückfluten, erhalten auf diese Weise doppelte Exi- Kolonien bei ihm nicht erwarten können, nachdem stenzsicherung: Sie sind erstens in der Lage, sich er gegenüber den sonstigen Uebergriffen Japans so mit ihren eigenen landwirtschaftlichen Produkten völlig versagt hat. Und auch England und Frank- zu ernähren und ziehen durch industrielle Heim- reich werden uns nicht helfen, da sie fürchten müs- arbeit Geld aufs Land. In einer derartigen Arsen, daß bei Aufrollung der Frage der deutschen beitsverteilung gibt es keine Altersgrenze, und Kolonien auchihreMandate einer gründlichen es wird genügend Arbeit für alt und jung, Mann die Hochfinanz verantwortlich ist. Es ist die i . • I >niils-n aUerbings alle ®=rfi<6t5ma6refl=ln treffen, t um bas hamstern non Bargeld unb unnötige Ab. ^tnA,1Unli> Transportfrag-I ift M Hnn|)en ,u ' „erbinbern. Eine Reihe non 0Mb. x,o|ungstD°rt. Hamstern haben übrigens ihr Gold wieder zurück- Es ist auch LINsutn, zu behaupten, daß die Ma- gebracht unb unter den neuen Einlagebedingungen schine ein Monster ist, das seinen menschlichen deponiert Meister vernichtet. Die Maschine beraubt den gn Kongreßkreisen erklärt man, daß die Gefahr Menschen auch nicht seiner Erwerbsmoglichkeit. einer AbwertungdesDollars absolut nicht Im Gegenteil. Wir haben in unseren Werken seit 1 • -.....— • - • • • • dreißig Iahren die Erfahrung gemacht, daß wir jedesmal, wenn wir die Anzahl der Arbeiter an einer bestimmten Aufgabe verminderten, um dadurch die Gestehungskosten herabzufetzen, mehr neue Arbeiter einstellen mußten, um der erhöhten Rachfrage gerecht zu werden. Außerdem schafft jedes leistungsfähige Llnternehmen Arbeit für viele Rebenindustrien. Sehen Sie sich die riesigen Industrien des Gummis, des Oels, der Garagen, des Straßenbaus usw. an, die sich allein aus der Autoindustrie entwickelt haben! Arbeitsmarkt und -Einkommen sind ständig größer geworden. Ieht ist es nur erforderlich, daß wir auf ökonomischem Gebiete die Fortschritte einholen, die wir in den letzten Iahr- zehnten aus technischem gemacht haben. Maschinen müssen von Maschinen gebaut werden, und diese erfordern hochbezahlte Konstrukteure. Ie weiter das Maschinen-Zeitalter fortschreitet und ausgebaut wird, desto mehr Arbeitskräfte erfordert es, um den Menschen mit den unzähligen Bequemlichkeiten zu versorgen, die das Maschinen-Zeitalter ihm bietet. Trotz aller unserer heutigen Errungenschaften haben wir kaum die Oberfläche der technischen Möglichkeiten unb Bebürfnisse gekratzt. Sogar in ber Autoinbustrie befinben wir uns erst im Anfangs- ftabium! Während ber Zeit ber sogenannten „Prosperität" war bie Autokonstruktton auf einem toten Punkt angetommen, aber jetzt, unter bem äußeren Zwange ber Depression, schaffen wir neue Gedanken unb Konstruktionen. Forb wandte sich bann ber tommenben sozialen Entwicklung zu, inbem er fortfuhr: „Ich glaube, daß - bie Zeit enbgültig vorbei ist, ba wir Hunberttausende von Menschen in Jnbustriezentren zusam. mengezogen haben, eine Tatsache, bie für zahlreiche böse Dislozierungs-Erscheinungen verantwortlich ist. Die Jnbustrie (in ihrer bisherigen Form) mit ihren hohen Löhnen, lockte bie Menschen aus ben Dörfern unb vom ßanbe in bie Großstäbte. Wenn bie Mafien allmählich aufs Lanb zurückflu- t e n werben, bann werben sie wertvolle Lehren bezüglich Leistungsfähigkett unb Lebensansprüche mit Nachprüfung unterzogen werben könnten, wovon unb Frau vorhanden sein." sie nichts wissen wollen. Vielleicht findet sich noch Auf ein kurzes Telephongespräch hin brachte ein irgendein Weg der schiedsrichterlichen Entscheidung, Assistent ein Steuerrad, ein Verteiler-Gehäuse unb rote sie Bismarck im Jahre 1885 bezüglich der Ka- verschiedene andere „Ford"-Teile herein, die aus rolinen herbeigesührt hat. Allerdings muh man be» oerarbeiteten Sojabohnen von den zweifeln, ob Japan bei seiner gegenwärtigen Ge- Ford-Farmen hergestellt waren. Ford betradp roaltpolitit sich einem solchen Schiedsspruch fügen tete diese Teile fast liebevoll, als er in feinen Aussüh» würde. rungen die Krone aufsetzte mit der Erklärung: „Ka- Daß die Japaner die Südsee-Jnseln gern behalten rosserien kann man gleichfalls auf der Farrn ziehen, wollen, ist zu begreifen. Der wirtschaftliche Wert ist Man kann sie aus Maiskolben-Zellulose nid)', gering. Außer Kopra, dem Produkt der in Herstellen, sie innen mit einem Drahtgewebe und cn der Südsee besonders gut gedeihenden Kokospalme, t>en Kanten und Türeinschnitten mit Eisenbändern einem wichtigen Rohstoff der Del-, Seifen- und Nah- verstärken und erhält dadurch ein Produkt, das leich- rungsmittelinbuftrie, unb Zucker liefert bas Manbats- ter, stärker und weniger geräuschvoll ist als eine gebiet in großen Mengen Phosphat (Guano), Metall-Karosserie". So rundet sich das Bild des de- ein für die Landwirtschaft unentbehrliches Dünge- zentralisierten Erzeugungssystems, das Ford vor mittel. Die betriebsamen Untertanen des Mikado Augen schwebt. beuten, wie die Mandatsberichte erweisen, die ihnen # zugefallenen Bodenschätze nach allen Regeln der Oie Bankenkrisis in Amerika. Kunst aus; viele Tausende haben fid) auf den Inseln . .... dauernd angesiedelt. Die (Eingeborenen Die Tchailer wieder geöffnet, haben es unter dem neuen Regiment — nach allem, Rootevelts Neforittplan. was trotz scharfer Ueberwachung laut geworden ist — f. . „ „ . „ „ r m>nrl mi \ -Di» @nnnr<'6. Ä r9be Hieu TA r» . W-? nftruftwnU Ä ™d)net bamit, bajfc rÄidw ft rat “aff SB e b e u t u n a V« feantfeierta0 nielleid)! bis zum Samstag verlängert Was an bJm fflerüd)! ift, bas ba wissen will, es wirb Wi- verlautet, soll bas Programm Roosevelts seien bereits befestigte Stützpunkte angelegt, entzieht -us fotgenben Hauptpunkten bestehen sich der Feststellung. Vermutlich wissen bie 21 m c r i - u n b e s ga r an t l e m Hohe von o o. H. taner, die in Guam und den Philippinen benach- ° u f ö,c Depositen liquider Ban- bart sinb, barüber Bescheib. | z. grenzt- Au-behnung bes Sol», embargos. Das Programm wird wahrscheinlich bie ßiqui- bierung ber geschlossenen Banken vorsehen unb ein einheitliches Bunbesbankgesetz bringen, burch bas Bankspekulationen mit Depositengeldern verboten werden. Ein starker Äongreßolock befürwortet Auflegung einer großen Bundesanleihe fü r öffentliche Arbeiten. Diese Anleihe solle von der Bundesreservebank wenigstens teilweise als mündelsichere Währungsdeckung verwendet Material hinter uns, und eine neue Zeit voll I tt>cI?e_n von 2-gu-mlichleit unb Zufriedenheit ist im ,,8“’ .^« s, ft Anbruch für die weder di-hohe Politit neefr । bte JB t e b e r a u f n a b_m e b e s Kunbenver. Hakenkreuz und Schwarz-Weiß-Rot auf den öffentlichen Gebäuden. Q3etlip, 7. März. (Sil.) Auf dem Hause des Reichstagspräsidenten gegenüber dem Reichstag, ebenso auf dem Rathaus, dem Moabiter Kriminalgericht und dem Funkturm ist am Dienstagnachmittag die Hakenkreuzfahnö gehißt worden. In Hannover wurden in Gegenwart einer zahlreichen Zuschauermenge unter Abhaltung einer Flaggenparade der SA. auf dem neuen Rathaus schwarz-weiß.rote und Hakenkrcuzfahnen gehißt.. In Magdeburg wurden auf dem Regierungsgebäude und auf verschiedenen Kasernen die schwarz-weitz-rote, die preußische und die Hakenkreuzfahne aufgezogen. SS., SA., Stahlhelm und Schußpolizei marschierten zu einer feierlichen Flaggenparade auf. In Königsberg weht die Hakenkreuzfahne auf dem Regierungsgebäude, dem Stadthaus, sämtlichen städtischen Werken, der Universität und dem kommunistischen Leninhaus. In Dresden gestaltete sich die Hissung der Hakenkreuz- und schwarz-weiß-roten Fahnen auf dem Rathausturm, den beiden „Fahnenstangen vor dem Rathause und auf dem Landtagsgebäuse zu einer großen Kundgebung. — In Stuttgart wurden auf Anordnung des Landtagsabgeordneten Mergentheler auf dem Landtags- gebäud« mit der württembergischen schwarz- rote» Flagge die Hakenkreuz- und die schwarzweih-rote Fahne aufgezogen. Der Landtagspräsident hielt an die Tausende von Zuschauern eine Ansprache, in der er vom Beginn der nationalen Revolution in Württemberg sprach und gleichzeitig den Rücktritt des Staatspräsidenten forderte. — In Breslau wurden von Abteilungen der SA. und des Stahlhelms auf dem Polizeipräsidium, auf dem Regierungsgebäude und auf dem Rathaus unter dem Beifall bon- Tausenden von Menschen die Hakenkreuz- und die schwarz-weih-rote Fahne gehißt. Zum Schluß wurde die Fahne auch auf dem Amts- und Landgerichtsgebäude gehißt, obwohl der Präsident des Landgerichtes Dr. Zint, sowie der Borsihende des Amtsgerichtes,. Landgerichtsrat Hohensee. Protest erhoben hatten. In Königsberg versammelte sich vor dem Gerichtsgebäude eine große Menschenmenge. Eine Abordnung von etwa 20 SS.-Leuten forderte von dem Oberstaatsanwalt und dem zuständigen Untersuchungsrichter die Freilassung des seinerzeit unter dem Berdacht der Mitbeteiligung an den Zwischenfällen im August verhafteten Chauffeurs Philipp des RSDAP.-Gauleiters Koch. Rach zweistündiger Verhandlung wurde der Haftbefehl gegen Philipp aufgehoben. Bei seinem Erscheinen auf der Straße wurde Philipp mit dreifachem Heil begrüßt und von zwei SS.-Leuten auf die Schultern genommen. In Halle verweigerte Oberbürgermeister Dr. R i v e dem Gauleiter der RSDAP. die Genehmigung zum Aufziehen der Hakenkreuzfahne. Die von öem Oberbürgermeister angerufene Polizei lehnte es ab. das Hissen der Fahne zu verhindern. Sie besetzte die städtischen Amtsgebäude und unter ihrem Schutz wurde das Hakenkreuzbanner auf dem alten Rathaus, auf dem Stadthaus und auf den Gebäuden des Ratshofes unter Trommelwirbel und unter den Heilrufen einer riesigen Menschenmenge gehißt. Im Dresdner Opernhaus kam es am Dienstagabend bei der Rigoletto-Aufführung, die Generalmusikdirektor Fritz Dusch dirigierte, zu Skandcrlszenen. Als Busch am Dirigentenpult erschien, und die Oubertüre einsehte, begann ein minutenlanges Pfeifkonzert der in großer Zahl anwesenden uniformierten Aationalsozialisten, die gegen den Dirigenten protestierten, so daß Busch das Pult berlieh. Rach Verlauf bon zehn Minuten erschien dann Staatskapellmeister Kurt Strieglet, der darauf das Orchester dirigierte. Die Aufführung selbst berlief dann in Ruhe und stand aus beachtlicher künstlerischer Höhe. Rach dem Finale wurde Kurt Strieglet lebhaft gefeiert. Oer Reichskanzler spricht am Samstag im Rundfunk. Berlin, 8.März. (WTB. Funkspruch.) Reichskanzler Hitler wird am Samstag, 11. März, in der Zeit von 19.30 bis 20 Uhr über alle deutschen Rundfunksender „Zur Lage" sprechen. Das. Kasseler Gewerkschastshaus von SA. beseht. WSA. Kassel. 7. März. Heute nachmittag formierte sich vor den Bürgersälen eine Abteilung von SA.-Leuten und zog mit klingendem Spiel nach dem in der Spohrstrahe gelegenen Gewerkschastshaus. Flugblätter und Papiere wurden auf der Straße angezündet und verbrannt. Dr. Roland F r e i s l e r hielt vom Balkon des Gewerkschaftshauses an die versammelte Menge eine Ansprache. Auf dem Gewerkschaftshaus wurde die Hakenkreuzfahne gehißt, worauf die Menge das Horst-Wessel-Lied sang. Der Leiter der Rationalsozialistischen Betriebszellen- vrganisation, Stock, erklärte dann in einer Ansprache, daß in der kommenden Woche der Einzug der RSBO. in das Gewerkschaftshaus stattfinden würde, um die Einrichtungen der Gewerkschaften, die dem Dolk dien.en sollen, wieder ihrem eigentlichen Zweck für die Arbeiter dienstbar zu machen. Darauf zog die Abteilung zum Martinsplah, wo ein Holzstoß errichtet wurde, auf dem die im Gewerkschaftshaus vorgefundenen roten Fahnen und ein Bild Scheidemanns verbrannt wurden. Kommunisten beschießen einen Leichenzug. Düsseldorf,?. März. (TU.) Am Dienstag- nachmtttag gegen 16 Uhr kam es anläßlich des feierlichen Leichenbegängnisses des in der vergangenen Woche von Kommunisten erschos,enen SA.-ScharführersHofmann au einer S ch l e h e r e i auf d^c Lorettostraße. In der Gegend der Martinskirche wurde der Leichenzug von Dächern und Fenstern einzelner anliegender Häuser beschossen. Die Polizei erwiderte das Feuer und stellte dadurch im Augenblick die Ordnung wieder her. Eine Person wurde getötet, sechs andere mehr oder minder schwer verletzt. Die PoliAei umstellte und untersuchte die Häuser und nahm 50 Personen fest. Kleine politische Nachrichten. Der Borstand der SPD. hat an Vizekanzler von Papen ein Schreiben gerichtet, in dem Einspruch dagegen erhoben wird, daß Angehörige der SPD. mit dem Brand im Reichstag und angeblichen Terrorakten in Zusammenhang gebracht würden und aus dieser Verbindung das Recht zum polizeilichen Vorgehen gegen Angehörige sozialdemokratischer Verbände hergeleitet werde. Die SPD. habe sich zu allen Zeiten ihres Bestehens gegen Terrorakte gewandt. Der hessische Landvolkabgeordnete Glaser, Rordheim, hat sich der RSDAP. als solcher und der Fraktion im Landtag als Mitglied angeschlossen. Der bayrische Ministerpräsident Dr. Held hat namens des Gesamtministeriums an den Landtagspräsidenten Dr. Stang ein Schreiben gerichtet, in dem gebeten wird, die bereits eingeleiteten Schritte zur Reubildung der Staatsregierung in Bayern beschleunigt durchzuführen. * Die schaumburg-lippische Landesregierung ist mit Rücksicht auf die veränderten politischen Machtverhältnisse zurückgetreten. Der Landtag wird sofort zusammentreten, um über seine Auflösung und die Reu- wahlen Beschluß zu fassen. Der Anhaitische Landtag nahm einen Antrag der NSDAP, an, wonach künftig Staatsbeamte und Staatsange st eilte nicht mehr Mitglieder der SPD. sein dürfen. * Zu Mitgliedern des Beirats für das Kraftfahrwesen hat der Reichsverkehrsminister ernannt: Herzog Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, Präsident des Nationalen Deutschen Automobil-Clubs und Major a. D. Hühnlein vom Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps. Aus aller Well. GoeiheMedaille für Paul Ernst. Der Reichspräsident von Hindenburg hat dem in St. Georgen (Steiermark) lebenden Dichter Paul Ern st die Goethe-Medaille verliehen. Unterschlagung von Sparkassengeldern in Köln. Bei der Ueberführung von Geldern von der Hauptstelle der Städtischen Sparkasse Köln zu den einzelnen Nebenstellen in der Stadt wurden auf äußerst dreiste Weise 39000 Mark unterschlagen. Als der Tat dringend verdächtig ist der Geldzähler Paul Koch, der flüchtig ist und bisher noch nicht gefaßt werden konnte. Koch muß das Geld unterschlagen haben, als auf dem Hof der Haupt- sparkaffe die für die Nebenstellen bestimmten Gelder zu dem Auto geschafft wurden, mit dem die Beträge zu den einzelnen Nebenstellen hingebracht werden. Erst als das Auto bei der letzten Nebenstelle vorfuhr und der Begleiter den Geldbetrag aus dem dafür bestimmten Fach entnehmen wollte, mußte er das Fehlen des Geldes feststellen. Man erinnerte sich, daß der auf der Hauptstelle beschäftigte Geldzähler Koch, der bei dem Verteilen des Geldes mitgeholfen hatte, sich plötzlich unter dem Vorwand entfernt hatte, sich Zigaretten holen zu wollen. Als man Koch zur Rede stellen wollte, war er nicht mehr aufzufinden. Dieser Tage wurde auf Grund vieler Anzeigen bei der Zwecksparkasse „Familienschutz" in Köln eine Durchsuchung vorgenommen, die Beweise für Unterschlagungen in bedeutender Höhe ergab. Der Direktor des Unternehmens kam in Haft. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei gestalten sich außerordentlich schwierig, da sich im Geschäftsbetrieb eine völlige Unübersichtlichkeit ergeben hat. Bisher konnte über den Vermeid von 40000Mark nichts klargestellt werden. Die Gesellschaft unterhält Zweigstellen in Wien, Luxemburg und Saarbrücken, die ebenfalls einer eingehenden Revision unterzogen werden. Explosion in einer belgischen Filmfabrik. — vier Toie, ein Schwerverletzter. Bei der Society des Produits Chimiques in Tervuren, die sich auch mit der Herstellung von Filmen befaßt, ereignete sich eine folgenschwere Explosion. 15 000 Kilogramm Filmmaterial gingen in Flammen auf. Vier Personen kamen bei der Explosion ums Leben. Eine Person wurde schwer verletzt. Deutschland gegen eine internationale Lufifireitmacht. Genf, 7. März. (WTB. Funkspruch.l Im Luftfahrtausschuß, der sich mit der Schaffung einer internationalen Luftstreitmacht nach dem französischen Plan befaßt, sprach der deutsche Delegierte, Ministerialdirektor Brandenburg, über Zweck und Aufgabe dieser Luftstreitkraft: 1. Luftverkehr im Zeichen politischer Spannung und drohender Kriegsgefahr: 2. Erkundigung, ob in irgendeinem der in Betracht kommenden Staaten Vorbereitungen getroffen werden: 3. soll die internationale Luftstreitkraft benutzt werden, um die Zivilluftfahrt eines Staates daran zu hindern, für militärische Zwecke eingesetzt zu werden; 4. Einsatz der internationalen Luftmacht zur Bekämpfung eines Angreifers. Ministerialdirektor Brandenburg hob zunächst hervor, daß Deutschland keine militärische Luftmacht besitzt und daher zur Zeit nicht in der Lage wäre, sich an der Aufstellung einer internationalen Streitmacht zu beteiligen. Der Verkehr während einer politischen Krisis kann ohne Zweifel durch ermietete Zivilluftfahrt- zeuge betrieben werden. Ich bin davon überzeugt, daß die Deutsche Lufchansa es sich zur Ehre rechnen würde, dem Völkerbunde ihre Flugzeuge gegen Erstattung der Selbstkosten zur Verfügung zu stellen und ihn so von der Notwendigkeit zu befreien, dauern eine große und teuere Luftflotte zu unterhalten. Ich komme immer wieder zurück auf den deutschen Vorschlag, ein allgemeines Bom - benabwurf verbot und eine entsprechende Definition des Begriffes „Militär- flugzeug" zu beschließen. Mit dem Augenblick, wo wir dies tun würden, wären wir aller Sorgen um die befürchtete militärische Verwendung der Zivilluftfahrt enthoben. Wie soll die i n t e r n a t i o- < nale Polizei zusammengesetzt fein? Wer soll den Oberbefehl führen? Soll das Personal unter Umständen gegen das eigene Land oder gegen befreundete Staaten eingesetzt werden? Wie denkt man sich den Einsatz dieser internationalen Polizei? Wer bestimmt ihre Zusammen- «im Falle politischer Spannung, wer den ser Zusammenziehung und den Einsatz, wer gibt die formulierten Aufklärungs- und Kampfbefehle? Solange diese Fragen — und ich könnte diese noch um viele vermehren — vollkommen offen stehen, können die Urheber des Gedankens es nicht als bloßen Widerstand auffassen, wenn eine gewisse Skepsis gegen diesen Plan geäußert wird. Der französische Luftfahrtminister Pierre C o t antwortete dem deutschen Delegierten, daß sich die Kommission bemühen müsse, sich über die Prinzipien zu einigen, und sich nicht durch technische Einwände zu sehr behindern zu lassen. Pierre Cot dankte dem deutschen Delegierten für den Vorschlag einer evtl. Zusammenarbeit mit der Deutschen' Lufthansa und wies auf die wertvolle Mitarbeit hin, die Deutschland in technischer Beziehung der Organisierung einer internationalen Luftstreitmacht zu gewähren in der Lage wäre. Aus Vorschlag des englischen Delegierten beschloß sodann der Ausschuß, die Frage in einem Unterkomitee weiterzubehandeln. Aus der Provinzialhauptstadt. Dor den Toren des Frühlings. In einem grimmig kalten Winter sah ich im Hochgebirge einen Wasserfall, der yanz zu Eis erstarrt war. Da, wo sonst das Wessar in frischem Uebermut von Fels zu Fels stürzte und Wolken von feinstem Wasserstaub die Luft erfüllten, hingen jetzt mächtige Eiszapfen, gleich den Pfeifen der Kirchenorgel. Kein Laut war zu Horen, alles stand schweigend, bis weit hinauf konnte das Auge die erstarrten Wasser verfolgen. Berge und Täler lagen tief verschneit. Wohl schien die Sonne, aber ihre Strahlen wurden nicht — wie im Sommer — von den herabstürzenden Wassertröpfchen in einem farbenprächtigen Bogen gebrochen. Kalt und hart lag das Licht über Der weißen Fläche. Nun kam die linde, laue Luft. Die Dächer fingen an zu tropfen, der Schnee sank zusammen, das Eis krachte und brach. Auch der Wasserfall wurde ge- wcckt. Zögernd und scheu tropfte es zuerst von den blanken Zapfen, bann kam die Märzsonne und half. Ueberall standen glänzende Perlen. Bald rauschte das Wasser wieder wie einst und wurde täglich stärker und mächtiger. Rauschendes Wasser, fließendes Leben! Unaufhörliche Bewegung! das Himmelsblau spiegelt sich in den Wellen, die Sonne spielt und zaubert wunderbare Gebilde in dem klaren Naß. So strömen und rauschen nun die Bäche durch die Lande, befreit und ungehemmt. Der Bann des Winters ist gebrochen. Sie erzählen von den kommenden Schönheiten, und jedermann, der die Sprache der Natur versteht, lauscht ergriffen. Hier und da glänzen schon die grünen, saftigen Blätter der Wasser- gewächse, aus dem Gras am Bachrand lugen grüne Spitzchen hervor. Die murmelnden Bächlein fließen durch die Lande, an Wäldern vorbei, durch Wiesen und Obstgärten, und immer mehr Geschwister vereinigen sich mit ihnen. Sie kommen in die Dörfer und bringen die Kunde von der erwachenden Natur. Sie tragen den zarten Dust von kommenden Blumen und den frischen Erdgeruch zu den Menschen. Zum rauschenden Wasser gesellen sich die Lieder der Vogel. Stare und Amseln sitzen auf den Weiden, bäumen, Finken schmettern ihre Weisen, und die kleinen Meisen hüpfen von Ast zu Ast. Sie rufen und locken. Ihre Stimmen bringen zu uns. Der mübe Arbeiter, ber Bauersmann, der Städter, alle horchen auf, wenn die Stimmen bes Frühlings ertönen. Schauen wir den Anfang bes Frühlings! Alles Werbenbe, neu Erwachende ist einzig schon. Jetzt können wir der Natur noch ins Auge schauen. Wie schnell kommt die Zeit, in der uns der Reichtum bes Wachsens verwirrt. Die ersten Blümchen, die ersten Dogellieder, sie sind die schönsten Geschenke. M. V. Oie ich nicht leiden kann. Großmütter mit platin-blonden Patent-Dauerwellen. Men Men Men chen, die meuchlings auf Saxophonen üben, chen mit Sachlichkeit und Geschichtstabellen. chen mit Vorliebe für ungekochte Rüben. Men chen, die sich mit Schuhen ins Bett begeben. Men chen, die sich einen Affen zu Hause halten. Großväter, die noch auf Tanzturnieren schweben. Menschen, die Zahnstocher im Mund behalten. Men Men Men Men Men Men Men Men chen, die nicht erfreut, sondern stets entzückt sind, chen, die den Käse mit dem Messer verzehren, chen, die vor Aeraer immer gleich verrückt sind, chen, die jedes Glas in Reichweite leeren, chen mit Händen wie kalte Schweinskoteletten, chen. die immer ihre hübschen Zähne zeigen, chen, die bei jeder Gelegenheit wetten. chen, die lange Klavier spielen oder geigen. Men chen, die immer mit den Kellnern frafeelcn. Men chen, die Angst haben, dicker zu werden. Men chen, denen irgendwelche Knöpfe fehlen. Menschen, die sich absichtlich kindlich gebärden. Menschen, die in der Straßenbahn pfeifen. Menschen, die sich selbst gern reden hören. Aber vor allem Menschen, die niemals begreifen, daß sie durch ihre Anwesenheit stören. Puck. Hurra! Mein Mann hat Gicht! Seit ich die Freude habe, meinen Mann durch einen Gichtanfall ständig zu Hause zu sehen, komme ich zu der Ansicht, daß Gicht ein ausgezeichnetes Mittel ist, das eheliche Glück zu festigen. Ganz abgesehen davon, daß die ewige Jugend des Mannes solche Anfälle ohne weiteres überwindet. Denn trotz ber gelegentlichen Gichtanfälle, bte für manche Männer viel zu selten auftreten, wirb ber Mann überhaupt nicht alt. Aus diesem Grunde erschrecke ich auch immer, wenn ich von Mitteln lese, die dem Manne die Jugend lang erhalten sollen. Die Frau, Die heiratet, übernimmt doch eigentlich die Pflicht, einen Jungen zu erziehen. Schicksal der Frau ist, daß sie über dieser Arbeit alt und grau wird, während sie erkennen muß, daß sie ihren Mann in vielen Dingen über die Jünglingsjahre nicht hinausgebracht hat. Und Da kommt bann auf einmal so ein Zwicken unb Zwacken und fesselt den lieben, wanderlustigen Pfadfinder an bas Haus! Hurra! Jetzt ist er da! Man sieht sich wieder länger, bleibt beieinander, lernt sich erneut wieder kennen, kann die Gegenwart des Mannes genießen und nimmt das bißchen Pflege und fein Brummen gern in Kauf. Ich glaube, daß manche Frau im Laufe ber Jahrs btefen Zeitpunkt herbeigesehnt hat. Unb in ber stillen Hoffnung, daß der Gute eines Tages doch etwas länger zu Hause bleiben wird, hat sie oft ein Auge zugedrückt. Denn ein Mann mit Gicht ist ein guter Ehemann. Es ist das einzige Mal im Jahre, daß die Frau weiß: Er bleibt zu Hause und denkt nicht daran, auszugehen. ' M. A. Oie Fristen für die Steuererklärungen. In den vom Wirtschaftsprüfer Hermann Will zu Gießen herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Rr. 5) lesen wir folgendes: Die Fristen für die Abgabe der Einkornmen- und Umsatzsteuer-Erklärungen find bekanntlich auf die Zeit vorn 15. Februar bis 15. März 1933 festgesetzt worden. Die Mehrzahl der Steuerpflichtigen wird aber Verlängerung beantragen. Derartige Anträge werden im allgemeinen wohlwollend behandelt: in diesem Iahr insbesondere auch aus dem Gesichtspunkt, daß die Finanzämter zur Zeit außerordentlich mit Arbeit überlastet sind und zu einem erheblichen Teil das Veranlagungsgeschäft 1931 noch nicht abgeschlossen haben. Es empfiehlt sich aber, alle Verlängerungsanträge „eingeschrieben" zu stellen, denn sonst können die Finanzämter, wenn Nachweis des Antrages auf Verlängerung nicht geführt werden kann, Zuschläge bis zu 10 Prozent der veranlagten Steuern wegen verspäteter Abgabe erheben. Ein Antrag auf Fristverlängerung für die Einkommen- und Körperschaftssteuer-Erkla- rung gilt nicht ohne weiteres auch für die Llmsah- steuer: für letztere wird in der Regel Ausstand nicht gewährt. Fristverlängerung ist ratsam besonders für bilanzierende Steuerpflichtige. Bei der Bewertung gibt es in diesem Iahr außerordentlich zahlreiche Zweifelsfragen. Erst die Entwicklung der nächsten Wochen und Monate wird diese Fragen einer Klärung entgegenführen. Rach RFH. Reichssteuerblatt Seite 728 können bei Aufstellung der Bilanz auch diejenigen Umstände berücksichtigt werden, die zur Zeit der Dilanzaufstellung Vorlagen, obwohl ja die Bilanz auf einen früheren Zeitpunkt aufgestellt wird. Es bietet sich also so die Möglichkeit, Außenstände, Wertpapiere usw. nach dem Zeitpunkt der Bilanzaufstellung und nicht bloß nach den Umständen am Bilanzstichtag zu bewerten. Fahnen auf öffentlichen Gebäuden. Im Laufe des gestrigen Tages wurden von Abteilungen der SA., die gestern früh auf den Dürgermeistereigebäuden H k nkreuzfah.en gehißt hatten, noch auf weiteren öffentlichen Gebäuden, darunter u. a. die Post- und die Gerichtsgebäude, Hatenkreuzfahnen aufgezogen. Ferner sieht man am Gebäude der Provinzialdirektion neben der Staatsflagge die Hakenkreuzfahne. Heute vormittag wurden von einer Abteilung des Gießener Stahlhelm auf dem Stadthaus Bergstraße, dem Stadthaus Gartenstraße und auf dem Alten Rathaus am Marktplatz, ebenso auf den Gerichtsgebäuden und am Kreisamt zu den rotweißen und den Hakenkreuzfahnen noch schwarzweihrote Fahnen gehißt. OaS Flaggen am Volksiraueriag. Amtlich wird aus Berlin mitgeteilt: Rach Anordnung der Reichsregierung sind zu Ehren der Toten des Weltkrieges, die ihr Leben unter der Flagge Schwarz-Weiß-Rot dahingegeben haben, am Gedenktag für die Opfer des Weltkrieges (12. März) in denjenigen Ländern, in denen die staatlichen Gebäude die Flaggen auf Halbmast setzen, von den Reichsbehörden neben den Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold (Rationalflaggen oder Reichsdienstflaggen zu Lande) Flaggen in den Farben Schwarz-Weih-Rot auf Halbmast zu sehen. Für die Behörden, die die Reichskriegsflagge, die Reichsdienstflagge zur See, oder neben der Rationalflagge oder der Reichsdienstflagge die Handelsflagge sehen, verbleibt es bei den bestehenden Bestimmungen. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater, 20 bis 22 Uhr, „Da stimmt was nicht". — Handels- und Gewerbebank, 20.30 Llhr, Restaurant Hindenburg, ordentliche Generalversammlung. — Deutsche Jugendherbergen, 20.15 Llhr, Singsaal der Oberrealschule, Hauptversammlung. — Katholisches Vereinshaus, 20 Uhr, Klavier- und Rezitationsabend Heinrich Meyer- Willy Müller. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Den Hur". — Die bauliche Entwicklung besülorb» O st - V i e r t e l s. Stabtbaurat Graoert hält, wie man uns schreibt, auf Einladung des Bezirksoereins Nord-Ost am Donnerstag, 9. März, 20.30 Uhr, einen öffentlichen Lichtbildervortrag über „Die bauliche Entwicklung des Nord-Ost-Dier- tels". An Hand von über 60 Lichtbildern verspricht ber Vortrag überaus interessant zu werben. Alle Interessenten, bie Stadtverwaltung, Stadträte, Baufachleute sowie alle Mitbürger sind eingeladen. Eintritt frei. (Siehe gestrige Anzeige.) * ** Rückständige Zahlungenfür Elek- trizitätsbezug im Ianuar sind bis zum 15. d. M. ohne weitere Sonderkosten noch zu zahlen. Wer bis dahin seiner Verpflichtung nicht entspricht, hat die Beitreibung der Beträge und Stromsperre zu gewärtigen. Man beachte die heutige Bekanntmachung des Elektrizitätswerkes. •• Wäschedieb st äh le. Der Polizeibericht meldet: In der vergangenen Rächt wurden in den Anwesen Moltkestraße 2, Bahnhofstraße 62 und Goethestrahe 46 Wäschediebstähle ausgeführt. Die Diebe entwendeten die Wäsche, die zum Trocknen aufgehängt war, von der Leine. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloßen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. 10 Winke für -en Eier-Einkauf. Deutsche ■■Eier! 1. Das deutsche Qualitätsei, das Handelsklassenei, ist kenntlich an dem Kreisstempel mit dem Wort „Deutsch" und einem der Buchstaben S. A. B. C. D. 2. Dies Qualitätsei kommt in zwei Gütegruppen, Dollfrischen Eiern und Frischen Eiern, auf den Markt, die in je fünf Gewichtsgruppen (S. A. B. C. D.) eingeteilt sind. 3. Handelsklasseneier müssen im Laden durch genaue Schilder als solche nach chrer Güte» und Gewichtsgruppe gekennzeichnet sein. 4. Erlaubt ist außerdem nur der direkte Namensstempel. 5. Jedes Auslandsel ist nach dem Ursprungsland gekennzeichnet. 6. Jedes Kühlhaus- und kon ervierte Ei ist mit einem „K" bzw. dem Ausdruck Konserviert" ge tempelt. 7. Alle anderen Eierstempel ind verboten. 8. Es gibt also keinen Stempelwirrwarr mehr, sondern jeder Käufer kann jetzt genau erkennen, was er kauft. 9. Bei dem deutschen Handelsklassenei ist durch lausende Kontrolle und strenge Dorschriften für Güte und Frische garantiert. 10. Der deutsche Bauer braucht gerade jetzt dich und deinen Einkauf, denke daran. Wirtschaft. Berlin schwächer. Berlin, 8. März. (WTB.-Funkspruch.) Den Erwartungen des Bormittags entsprechend, zeigten die ersten offiziellen Notierungen der heutigen Börse überwiegend kleine Kursverluste. Das Publikum hatte nach der Haussebewegung der letzten Tage durch einige Berkaus« Neigung zu Dewinnmitnahmen gezeigt, und da anderseits das Kaufinteresse nur klein war, ergaben sich vorwiegend Rückgänge. 3m Vergleich zu gestern war die Umsahtätigkeit wesentlich geringer. Die Meldungen aus Neuhork lauteten zwar etwas beruhigter, machten aber ebenso wie vorher die alarmierenden Nachrichten keinen stärkeren Eindruck. Als relativ widerstandsfähig sind Kaliaktien und Montanpapiere zu nennen, auch Berlin- Karlsruher Industrie und Bremer Wolle eröffneten ziemlich fest. Stärker gedrückt waren dagegen Holzmann mit minus 2,5 Prozent, Chadeaktien mit minus 3 Mk. und Rheinische Braunkohlen, die bei einem Angebot von 9 Mille 5,25 Prozent verloren. Auch Reichsbankanteile lagen mit minus 2 Prozent auffallend schwach und waren im Gegensatz zur Allgemeintendenz auch im Verlaufe weiter angeboten. Die schon gestern abend auf den 5prozentigen 3ubiläumsbonus favorisierten Schubert & Salzer-Aktien kamen nach anfänglicher Plus-Plus-Rotiz 7,5 Prozent über gestern zur Notiz, konnten damit aber ihren Höchststand von gestern abend nicht erreichen. Sehr fest lagen im Verlause auf Grohbankkäuse Siemensaktien, die bei auftretender Materialknappheit in schneller Folge 4 Prozent gegen den Anfang gewannen. Hiervon wurden Schubert-Aktien und später auch die übrige Börse günstig beeinflußt, so daß die Hauptwerte bis zu 2 Prozent gewinnen konnten. Kaliwerte und Schultheis lagen mit plus 2,75 Prozent wieder stärker beachtet. Am Pfandbriefmarkt war die Tendenz ziemlich behauptet. Deutsche Anleihen und Reichsschuldbuchforderungen gingen zwar anfangs ebenfalls um 0,25 bis 0,50 Prozent zurück, konnten aber später einen Teil dieses Verlustes wieder ausholen. Auslandrenten wiesen nur geringe Veränderungen aus. Lissabonner Stadtanleihe eröffneten in Reaktion auf die vorangegangenen Steigerungen 0,50 Prozent unter gestern. Am Geldmarkt machte die Erleichterung Fortschritte. Der Satz für Tagesgeld ging auf 4,39, vereinzelt auch schon auf 4,25 Prozent zurück. Nach Privatd.slonten. Reichsschahanweisungen per 16. Oktober und Reichswechseln per 7. 3uni hielt die Nachfrage eher an. Frankfurt im Verlaus fester. Frankfurt, 8.März. (WTB. Drahtmeldung.) An der heutigen Börse war das Geschäft stiller als an den Dortagen, da sich die Kundschaft scheinbar etwas zurückgezogen hat, während die Kulisse Zurückhaltung bekundete, zumal besondere Anregungen nicht Vorlagen und auch die ungeklärten Verhältnisse in USA. als ein Unsicherheitsmoment betrachtet wurden. Nachdem vorbörslich meist höhere Kurse genannt worden waren, eröffnete die amtliche Börse mit uneinheitlicher Kursbildung. Bei freundlicher Grund- stimmung unterlagen die Notierungen später mehrfach kleinen Schwankungen. Die Veränderungen nach beiden Seiten betrugen jedoch selten mehr als 0,50 bis 1 v. H. Kleines Publikumsangebot wurde verhältnismäßig glatt ausgenommen. Ausgehend von der festen Haltung der siemensaktie, die um 2,50 v. H. anzog, wurde die Tendenz im Verlaufe überwiegend fester. Anfangs eröffneten am Che- miemarft IG. 0,65 v. H., Deutsche Erdöl 0,40 v. H. niedriger, Rütgerswerke 0,50 v. H. höher. Scheide- anstatt blieben mit 171 unverändert. Später zogen IG. auf 118,75 v. H. (plus 0,75 v. H.) an. Am Elek- tromarkt gewannen Elektrische Lieferungen 1,25 d. Sy, Gesfürel und Licht und Kraft je 0,25 v. H.; AEG. und Lahrneyer, sowie Schlickert lagen gehalten. Von Montanwerten setzten Buderus, Harpener, Klöckner, Mannesmann und Rheinstahl von 0,50 bis 1 v. Sy höher ein, Stahlverein und Phönix gaben je 0,50 v. H. nach. Am Kaliaktienmarkt zogen Salzdetfurth 5,50 v.H. und Aschersleben 2 v.H. an. Schisfahrtswerte gewannen etwa 0,25 v. Sy, Daimler 0,50 v.H. Relativ matt lagen Reichsbankanteile mit minus 1 v.H. und Contigummi mit minus 1,75 d. Sy Am Anleihemarkt eröffneten Al-t- und Neubesitz 0,25 bis 0,40 v.H. niedriger, späte Reichs- fchuldbuchforderungen waren behauptet. Reichsbahn- oorzugsaktien zogen 0,25 v. Sy und StM^r-jn, 0,75 o. Sy an. Pfandbriefe lagen ruhig ir, ■ V * gut behauptet, Kommunalobligationen tl, ü n etwa 0,50 d. Sy fester. Im übrigen lag der .. er- zinsliche Markt kaum verändert. Im Verlaufe wurde die Tendenz a 11 fl y,—' n fester und auch die Umsatztätigkeit e t w^ssM^ - Hafter. Im Vordergrund des Interests ftaibe" weiterhin Siemens, die erneut mm 2,H v. Sy auf 146,50 d. Sy anzogen. Auch IG. lagen/lebhaft und 1,50 v. Sy höher. Im übrigen betrüge« die Befestigungen von 0,50 bis 1 v.H. Tagesgeld war zu 3,75 v. Sy weiter leicht. , Schweinemarkt in Gedern. / y- Gedern. 7. Marz. Der Auftrieb zum heutigen Schweinemarkt betrug 337 Stück. Für sechs Wochen alte Ferkel wurden 15 Mark für sechs bis acht Wochen alte 15 bis 20 Mark und für Läufer je nach Qualität 25 Mark und mehr bezahlt. Der Handel war sehr flott, der Markt war bald völlig geräumt. und am Sien|tgcbäui>e der Gendarmerie. Vor dem Rathaus wurde eine Fahne der Eisernen Front verbrannt. -4- Rain rod, 7. März. 3n unserem Dorfe tritt die Grippe mit besonderer Heftigkeit auf. Die beiden Schulklassen mußten geschlossen werden, da über 50 Prozent der Schüler ertrankt sind. 3n vielen Familien sind alle Glieder von der Grippe befallen. Ein 1 9 jäh - riges Mädchen, das einzige Kind seiner Eltern, st a r b nach dreitägigem Kranksein. Kirche und Schule. Landkreis Gießen. Bg. Großen-Buseck, 7. März. In einem stark besuchten M i s s i o n sg o t t e s d i e n st sprach gestern abend Missionar Glöckel von der Baseler Mission über das Thema „Warum den Negern das Christentum gepredigt werden muß." Die auf Grund einer 30jährigen Mlssionstätigkeit in Kamerun beruhenden Ausführungen gaben einen tiefen Blick in das Seelenleben der Eingeborenen und begegneten großem Interesse. Der Kirchenchor sang unter Leitung von Psarrer Müller zwei stimmungsvolle Lieder. Nach Beendigung des Gottesdienstes veranstaltete die NSDAP, einen Fackelzug durch das Dorf, bei dem der Posaunenchor die Marschmusik stellte. Preußen. Wahlvorschläge für die (Semeinderatswahl in Ahbach. Landvolk-Partei: Otto Wagner, Landwirt: Ludwig Koch, Landwirt und Metzger: Friedrich Mank, Landwirt: Heinrich Krombach, Landwirt: Christian Decker, Oberbauaufseher: Ludwig Feiling, Landwirt, Nr. 5: Karl Tasch, Landwirt: Ludwig Geier, Maurermeister: Ludwig Feiling, Landwirt, Nr. 13: Heinrich Tasch, Landwirt, Nr. 50: Wilhelm Feiling, Landwirt, Nr. 47. Nationale Mitte: Friedrich Weller, Maurer und Landwirt, Nr. 100; Ludwig Fabel, Zimmerer und Landwirt, Nr. 124; Heinrich Knortz, Schreinermeister: Heinrich Velte, Landwirt, Nr. 137; Ludwig Puhl, Zimmerer und Landwirt, Nr. 98; Karl Euler, Schreibgehilfe; Friedrich Decker jun., Metzger und Zimmerer, Nr. 151; Otto Hartmann, Schmiedemeister. Kleinbauern und Arbeiter: Friedrich Geier, Landwirt, Nr. 9; Heinrich KeUer, Landwirt, Nr. 45. Einheitsliste der Arbeiter, Gewerbetreibenden u. Kleinlandwirte: Wilhelm Walter, Landwirt, Nr. 73; Hermann Schwiekcr, Maurer; Heinrich KeUer, Metzger- meister: Friedrich Depler, Maurerpolier, Nr. 79: Karl Stamm, Arbeiter und Landwirt, Nr. 120; Karl Schmidt, Hilfsarbeiter, Nr. 72; Karl Weller, Maurerpolier. Nr. 98a; Otto Feiling, Zimmerer. Nr. 79; Heinrich Koch, Maurer, Nr. 79e; Karl Bernhardt, Maurer; Friedrich Oestreich, Maurer, Nr. 99; Heinrich Scheid, Landwirt. NationalsozialistischeDeutscheAr- beiter-Partei: Ludwig Drückmann, Gemeindevorsteher; Heinrich Christ, Kaufmann; Georg Agel, Landwirt; Ludwig Weller, Maurermeister. Kreis Wetzlar. (p Krosdorf-Gleiberg, 7.März. Den Demühungen des Beamtenortskartells Gießen- Wetzlar-Land ist es gelungen, die Reichsbahn zur Ausgabe von Sonntagsfahrkarten -.für die Strecke Krofdor s-G l e i b e r g—W e h- l a r der Lollar—Wetzlarer Dahn zu veranlassen. Die Karten werden im Zuge ausgegeben. Damit ist einem Wunsche weiter Devölkerungskreise Rechnung getragen. — Anläßlich des „Tages der erwachenden Ration" fand hier am Samstagabend ein Fackelzug statt, an dem außer hiesigen Einwohnern zahlreiche Männer und Frauen und 3ugendgruppen aus Vetzberg und Rodheim teilnahmen. Anschließend an den ilmjug, bei dem die hiesige Musikkapelle und ein Trommler- und Pfeiferkorps mitwirkten, wurde auf der Anhöhe vor dem staatlichen Forsthaus ein großer Reisighausen entzündet. Eine große Menschenmenge wohnte dem Schauspiel bei, gleichzeitig den Worten eines Redners der nationalen Front lauschend. X Rodhelm a. d. V.. 7. März. Der älteste Einwohner unserer Gemeinde, Drechslermeister Gg. Dender, begeht am heutigen Mittwoch in großer geistiger und körperlicher Frische seinen 8 5. Geburtstag. Fleißig arbeitet der alte Dreher, so weit es ihm seine Kräfte erlauben, noch gerne "in seinem Handwerk. Der hochbetagte Meister ist vor allem durch seine Spinnräder, soweit auf dem Lande das Spinnen noch gepflegt wird, eine weithin bekannte Persönlichkeit geworden. 120 000 Gier aus der Straße. WSN. Frankfurt a. M., 7. März. Ein B r e » mer Ferntransportlast kraft wagen mit Anhänger, der auf der Fahrt nach Frankfurt a. M. sich befand, verunglückte am Eisenbahnviadukt des Bahnhofs Goldstein. Vermutlich nahm der Führer Heist her Winterhilfe! Die Not in vielen Gießener Familien ist Immer noch sehr groß. Die Gießener winternothilse will den Notleidenden den schweren Daseinskampf etwa» erleichtern. Dazu Ist die Unterstützung aller Mitbürger dringend erforderlich. Geld-, Kleider- und Lebensmittelspenden können viel Elend geringer machen. Gaben werden von der Wlnternothllse (Städtisches Wohlfahrtsamt, Gartenftrahe) jederzeit mit Dank entgegengenommen. Seher sei Helfer! des Autos die Kurve zu kurz. Der Anhänger fuhr gegen einen Betonpfeiler der Eisenbahnuntersüh- rung. Der Motorwagen ist durch den Anprall fast umgekippt. Die Ladung des Wagens, die aus 1 20 000 Eiern bestand, fiel a u f d i e S tr a ß e. Die Lastkraftwagen find stark beschädigt. Ein Lehrling, der sich an den Anhänger des Lastzuges gehängt haben soll, erlitt bei dem Zusammenstoß Verletzungen und mußte in das Städtische Krankenhaus verbracht werden. Eine Wärmflasche explodiert. WSN. Weilburg. 7. März. 3m nahen Mengerskirchen stellte die Tochter eine- Arztes eine gefüllte Wärmflas-che verschlossen in den heißen Ofen. Sie selbst stellte sich mit dem Rücken gegen den Ofen, um sich au wärmen. Durch die starke Erhitzung des Wassers in der Wärmflasche kam es zu einer Explosion, die so heftig war, daß der Ofen in Stücke ging, zwei Fenster zertrümmert, Cinrichtungsgegenstände schwer beschädigt wurden und das Mädchen durch das heiße Wasser schwere Drandwunden im Rücken davontrug, ebenso durch Ofenstücke verletzt wurde. Die bedenklichen Wunden machten die Lieberführung ins hiesige Krankenhaus notwendig. G. A.-Sport. VfB. Gießen. VfB. 11 — VfR. Butzbach I 2:5 (0:3). Wäre DfD. von Spielbeginn an komplett gewesen, so hätte das Spiel ein anderes Ende gesunden. Die Gäste hatten Mühe, den Sieg in dieser Höbe sicherzustellen. Trotz tapferster Gegenwehr mußten sich die DfD.er bis zur Halbzeit 3 Tore gefallen lassen. 3n der zweiten Halbzeit bekamen die Grünweißen beträchtlich Oberwasser und erzielten 2 Tore., Ein Elfmeter wurde außerdem verschossen. Das Spiel wurde schnell und hart durchgeführt. VfB. III — VfR. Llch 1 1:1. Die dritte Mannschaft des DfD. konnte seit langem wieder einmal gefallen. Deide Gegner waren ebenbürtig. Die Grün-Weißen verschossen auch hier einen Elfmeter, der ihnen den Sieg bringen konnte. — Die Spiele der 3ugend- und Schülermannschaften fielen aus. Obecheffen. 27. Hessischer Landes-Zeuerwehrtag. WSN. S ch o 11 e n, 7. März. Die Vorbereitungen für den 2 7. Hessis ch e n Landes- Feuerwehrtag vom 21. bis 24.3uli sind im Gange. Als Festplah wurden die Wiesen rechts der Straße Schotten—Michelbach bestimmt, wo sich sonst der Startplatz für das Motorrad- Rennen „Rund um Schotten" befindet. Der Platz bietet genügend Raum für mehrere große Wirtschaftszelte und einen ausgedehnten 3uxplatz. Links der Straße Schotten—Rudingshain soll die Ausstellung der Feuerwehrgeräte aufgebaut werden. Zur Deschaffung der nötigen Wasser- mengen für die Motorspritzen usw. werden im Niddabett durch den Freiwilligen Arbeitsdienst mehrere Staubecken angelegt werden. Verireieriag des Niddatal-Sängerbundes. -i- Schotten, 6. März. Der diesjährige Vertretertag des Niddatal»Sang er- b u » d e s wurde in dem benachbarten D c h e n - rod abgehalten. Eine stattliche Sängerzahl hatte sich zusammengesunden. Der hiesige Mannerchor 1 837 war geschlossen erschienen, mit dem Platzvercin den gesanglichen Rahmen zu übernehmen. 10 Vereine hatten Vertreter entsandt. „Frohsinn" (Dehenrod), Chorleiter Merz, entbot mit dem deutschen Sängergruh und einem sch? hübsch wiedergegebenen Chorlied einen herzlichen Willkomm, den der 1. Vorsitzende K o h - l c r noch besonders unterstrich. Mit GruM>orten eröffnete der Dundesvorsitzende Schäfer (Eichelsdorf) die Tagung und gab einen Lieber- blick über das abgelaufene Dunoesia^r unter besonderer Hervorhebung des Wertungssingens in Schotten. Den Kassenbericht erstattete Bürgermei- ster Mantel (Ober-Schmitten). Das Dmrdes- vermögen ist auf 284 Mk. angewachsen. Obwohl der Gesamtvorstand, der bereits 10 3ahre seines Amtes gewaltet, gebeten hatte, von einer Wiederwahl abzusehen, wurde er auf Drängen der Versammlung einstimmig auf drei 3ahre wieder- gewählt: 1. Vorsitzender Schäfer (Eichelsdorf), 2. Vorsitzender Karl Linck (Schotten), Schriftführer L. Michel (Ober-Schmitten), Rechner Bürgermeister Mantel (Ober-Schmitten), 1. Dun» deschormeister G. Diehl (Ober-Schmitten), 2. Dvndeschormeister H. Wolf (Llnter-Schmitten). Der Chor „Mein Vogelsberg", vertont von Adam S p a m e r zu Schotten, soll auf Kosten der Dun- deskasse beschafft und den Bundesvereinen als Geschenk überwiesen werden, um als Massenchor gesungen zu werden. Die Beiträge für die Ton- setzer-Gesellschaften, die immer Kampfstimmung auslösen, wurden wieder lebhaft debattiert. Die verschiedenen Chöre des Männerchors 1837 Schotten (Chorleiter L. S ü ß e l, Schotten), sowie des Plahvereins, die eine treffliche Wiedergabe fanden, wurden von den Versammelten mit starkem Beifall aufgenommen. Landkreis Gießen. IL Stockhausen, 7.März. Die endgültige Stillegung des hiesigen Grubenbetriebes ist nunmehr vor einigen apt,.tutn. erfolgt Dadurch ist eine Anzahl Derglei. fM't d hier und Umgebung arbeitslos gctoo'^atfpC Es ist jedoch in Aussicht gestellt, daß u:d.s Erzlager in Lardenbach in Angriff genommen werden soll. Dabei sollen die Arbeiter die in Stockhausen entlassen wurden, in erft'**, Linie berücksichtigt werden. Kreis Alsfeld. II. Merlau, 7. März. Nachdem die hiesigen Notstandsarbeiten vor einigen Wochen wegen Frost eingestellt wurden, hat man nunmehr die Arbeiten wieder ausgenommen. Die dritte Maßnahme des Freiwilligen Arbeitsdienstes wurde genehmigt. Diele junge Leute haben sich gemeldet. Die Arbeiten werden voraussichtlich Anfang April ausgenommen. Das auszuführende Projekt befaßt sich im wesentlichen mit der Fertigstellung der im Vorjahr begonnenen Arbeiten. Ferner ist die Gleichmachung des früheren Schlohplatzes geplant. 3m Zusammenhang mit der Feldbereinigung bot sich immer wieder Gelegenheit die Arbeitslosen zu beschäftigen. Kreis Schotten. V Gedern, 7. März. Während des Mittagläutens wurde heute auf unserem Rathaus die Hakenkreu zsahne gehißt. Ebenso wehen diese Fahnen seit einigen Stunden an Post, Dahn ohne MnMöck MMundM? Ansichtssache! Wir meinen,das muss jeder mit sich selbst ab» machen.deshalb liefern wir OBERST mit und ohne Mund stück.Kommt es doch einzig und allein auf den Tabak an! 7/nd darin ist nun OB E RSTin ihrer Preislage wirklich zu oberst! die 3 */3 Pfg-Zi£arette, "beider nach teurer starken Jht sich dlUde mit AROMA paart. BERST Wie sie ihn bezwang Driginalroman von 3- Schneider-Koerstl. llrheberrechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau i. S. 17. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Was du nicht sagst!" sprach Harrach dagegen. „Ab und zu sah ich sie vorüberreiten. Galopp, als ob Jettenbach pest- oder choleraverdächtig wäre. Du kannst ihr übrigens sagen, daß es nett wäre, wenn sie wieder einmal guten Tag bei uns sagen wollte. --Wie bist du übrigens mit dem neuen Reit- necht zufrieden?" — Gut? Na, ich habe mirs ja gedacht. — Bist du noch da, Jörg?--Na, schönen Abend. Vielleicht siehst du wieder einmal nach zu Hause." , Es tat einen leichten Knacks. Der Jettenbacher hatte eingehängt. Hans Jörg war verärgert. „Warum schreibt ihr denn nicht öfter?" „Ich hab gedacht--— die Steffis--die wird dir über alles Bescheid geben." „Seit Neujahr zwei Briefe, Papa. Und jetzt haben wir März.--Was ist das übrigens für ein neuer Reitknecht, den du dir da zugelegt hast?-- Oberleutnant a. D.? So!--? „Soll dich die Steffis anrufen, wenn sie kommt?" frug der alte Baron. Seine Stimme war jetzt wirklich angsterfüllt. „Nein, danke! Guten Abend, Papa!" „Dickkopf", schimpfte Merlin. Aber es war ihm selber nicht wohl zumut. Er mußte unbedingt Luft haben. Also dis Steffie log.--Die Steffis log! Ritt nicht nach Jettenbach. War schon seit Wochen nicht mehr dort gewesen. Wo dann?---Wo war sie, wenn sie sich des Nachmittags von drei bis abends sechs mit Joe Brandt unterwegs befand? Die Dorwürfe, die er sich machte, waren Legion. Er hätte es wissen können! Wissen müssen! Und hatte zugesehen. Wie ein alter, blinder Narr hatte er sich benommen und während der Sohn unten in Konstanz fein Weib in besten Händen, in sicherster Hut glaubte, hatte er es schon zur Hälfte, wenn nicht ganz verloren. Er war so in Gedanken, daß er die letzte Stufe, die nach dem Parke hinab führte, übersah und sich nur noch rasch am Geländer der Treppe halten konnte. Die Wege lagen schon völlig schneefrei. Nur wo die Bäume Schatten warfen, lagen schmutzig weiße Flecken verstreut. Büschelweise standen die Anemonen zwischen den Stämmen, und die ersten Krokus brachten ein frohes Farbenspiel in das Gelb- grün des Rasens. Schüchtern fingen die Laubgänge zu grünen an, ein frohes Lichterspiel umtanzte ihn, als er diese entlangschritt. Plötzlich hob er den Kopf und lauschte. Ganz in der Nähe sprach jemand. Es war lauter als ein Flüstern, aber doch so gedämpft, daß man merkte, es war nicht für fremde Ohren bestimmt, was da an Neuigkeiten ausgetaufdit wurde. Bielleicht hatte der Gärtnerbursche ein Stelldichein mit seiner Liebsten. ... Solcherlei Entdeckungen erfreuten ihn zwar nicht, aber wo so viel Dienstboten zusammenschafften, ließ es sich nie ganz vermeiden. Das Jungvolk wollte nun einmal sein Pläsier und wenn man auch wußte, daß es auf Ichenhausen kein illegitimes Zusammenleben geben durfte--die Liebe war nicht aus- rottbar. _ . Er wollte sich schon zurückziehen, als Stephanies Name fiel. Sein ganzes Gehör war jetzt gespannt und so, den Atem anhallend, etwas vorgeneigt, lauschte er, was die beiden sich zu sagen hatten: „Besser wär's, sie hält den Alten genommen", kalkulierte der Gärtnerbursche. „Will schon allerhand sagen: verheiratet sei und keinen Mann haben!" „U je", trillerte ein Lachen dazwischen. „Sie hat ja einen. Für so dumm brauchst du sie wirklich nicht zu hallen. Die kommt schon auf ihre Rechnung. Glaubst du, sie reitet umsonst jeden Tag so pünktlich mit dem feschen Oesterreicher aus?--Ja. Pfeifen! Ich hab sie neulich beobachtet, so um die Morgenfrühe rum. Da sind sie angetrabt gekommen. Er ganz weiß im Gesicht und sie rot wie der Mohn, wenn er zwischen den Feldrainen blüht. Er ist zuerst vorn Pferd gesprungen und hat beide Arme aufgehalten. Sie haben wohl geglaubt, es sieht sie niemand. Hören konnte ich nicht, was sie sprachen, aber sie hat ihm auf die Wange geklopft und gar nichts dagegen gehabt, daß er ihr dreimal hintereinander die Hände küßte--beide, mußt du wissen." — „Das ist bei den Oesterreichern so", verteidigte der Bursche. r, „Mir soll's recht sein!" kam es schnippisch. „Einmal hätte auch genügt, denk ich. Na und dann sind sie schön einträchtig nach der Jagdhütte gegangen, in die sich um diese Zell kein Mensch verirrt. Er hat einen Schlüssel herausgezogen, aufgesperrt und dann fein leise wieder abgeschlossen.--Und weiß Gott, fünf Minuten darauf hat der Karnin auch schon geraucht." m , „Neugierig bist du nicht wenig." Der Bursche stahl sich rasch einen Kuß zwischenhinein. „Hättest dus anders gemacht, Jochen?--Auf fo was kommt man nicht alle Tage. Ich hab mich ans Fenster geschlichen und hineingespäht. Nicht einmal die Vorhänge hatten sie zugezogen. Er ist am Boden gekniet und hat das Feuer angeblasen, daß ihm die Flammen schier ins Gesicht bissen, dann hat er sich herumgedreht, ihren Fuß auf sein Knie genommen und ihr die Stiefel abgestreift. Und-- verrückt sind die vornehmen Leut alle. Aber so verrückt." Sie kicherte verschämt: „Er hat ihr erst den Fuß geküßt, ehe er ihr den Pantoffel dransteckte. Es hat ihr gefallen, denn sie hat derweilen zärtlich über sein Haar gestreichelt." „Ist auch schön, sein Haar", lobte der Bursche. „Schwarz und glänzend wie von einem Zigeuner." „Ja,--aber ich bin mehr für die Blonden." Die Magd liebkoste dabei mll den Augen den rötlichen Scheitel ihres Liebsten. „Uebrigens gönn ich ihrs.---Bon der hat noch kein Mensch ein unrechtes Wort bekommen, solang sie auf Ichenhausen ist." „Das stimmt ja!--Ist ein feines Weib! Für einen Kuß von der gab ich meinen halben Monatslohn! Der junge Herr wird schauen, wenn er wieder kommt.---Aber es geschieht ihm recht. Soll er’s zu sich nehmen, wenn er nicht betrogen sein will.---" „Sag ich auch!" gab die Magd zu. „Don mir er- fährts fein Mensch, wenn sie ein paarmal in der Woche Sonntag hat. Nur der alle Baron tut mir „Und der Reitknecht, wenn er einmal fliegen muß", lachte der Bursche. „Ja, der auch.--Hast du was gehört, Jochen? --Nicht? Gehen wir. Mir ist, als ob einer mitgehorcht hott'.---" Sie sahen sich beide um. Aber der Laubgang deckte schon ziemlich gut. Und Merlin hatte kaum den Atem einzuziehen gewagt, so würgte ihn die Scham. Besser wäre es gewesen, sie hätte den Allen genommen, klang es in ihm nach. Ja, und tausendmal ja. Diel, viel besser wär's ge» wesen, kleine Steffie. Er wandte den Blick nach dem Herrenhause zu- rück und suchte die Reihen ihrer Fenster ab. Die Flügel standen weit geöffnet, die Sonne spielte in den blanken Scheiben und warf Reflexe über das Sims. Es sah aus, als züngelten Flammen und Flämmchen an der Mauer empor. Der Husschlag zweier Pferde ließ ihn zusammen- schrecken. Sie tarnen in drei Schritten Abstand -herangetänzelt. Stephanies Haar flimmerte in der hellen Märzensonne und Joe Brandts schwarzes lag wie ein glänzender Helm um sein schmales Gesicht. Sie waren ein Paar, das sich sehen lassen konnte. Steffie, liebe kleine Steffie. Es war nichts von Zorn in Merlin. Nur tiefe, tiefe Trauer, die ihm das Naß in die Augen- trieb. Sie hatte ihn bere'ts erspäht und hob die Hand zum Gruße. Dem Gaul die Zügel freigebend, galoppierte sie über den Rasen. „Guten Abend, Papa!---- Was Neues?" „Hans Jörg hat angerufen, Kind!" Er hielt chre warme Hand' schutzgewährend in der seinen. „Wirklich?" Ihr Lachen verletzte fast. „Was wollte er denn?" „Dich sprechen, Steffie." Er sah wie ihre Linke merklich unruhig auf dem braunen Tuch der Reithose hin- und herglitt. „Ja, aber warum denn?" „Vielleicht hat er Sorgen, Kind!" „Glaube ich nicht, Papa. — — — Und wenn, wäre ich sicher die Allerletzte, der er sie anoertraut" --Sie sprang aus dem Sattel und bat Joe Brandt den Gaul in Empfang zu nehmen. „Vielleicht reiben Sie ihn ein bißchen trocken, Herr Oberleutnant Wir hoben Hürden gesprungen, Papa ---" erklärte sie. „Morgen um acht--wie alle Tage, Joe!" Ein brennendes Rot flackerte ihr in die Wangen, als das „Joe" ihre geheimsten Gedanken verraten. Mit der Peitsche gegen die Stiefel klopfend, ging sie neben dem Schwiegervater her. „Ich habe Jörg mit Jettenbach verbunden", sagte Merlin. „Aber du warst nicht dort--" Das Rot auf ihren Wangen vertiefte sich noch. „Ich werde dieser Tage hinüberreiten." „Ja, tu das, Steffie.--Und, Kind--Jorg hat sich beklagt, daß du so selten schreibst." „Ich dachte, er lege keinen Wert darauf, Papa. --Erlaubst du, daß ich vorausgehe? — — Ich muß mich erst noch umkleiden. —" Sie bog sich vor und küßte ihn auf die Wange, nickte ihm zu und verschwand gleich darauf um die Biegung des Laubenganges. Zu spät dachte Merlin. Alles zu spät. Jörgs Anruf und seine Sorge und--und die Vorwürfe seines eigenen Gewissens. Er war ein schlechter Hüter von seines Sohnes Glück gewesen. Und die Steffie, der arme verlassene Vogel, hatte die Türe zu ihrem Käfig nur angelehnt gesehen und war zurück in die Freiheit geflattert. Und wieder war es nicht Zorn, sondern nichts als eine unermeßliche Trauer, die dem alten Baron die Schullern nach der Brust hereindrückte und ihn fo, gesenkten Hauptes und aller Freude bar, nach dem Herrenhause gehen ließ. * Der Samstag brachte Merlin etwas völlig Unerwartetes. Joe Brandt erschien im dunklen Jackett- anzug, wartete an der Türe, bis er an den Schreibtisch gebeten wurde und ersuchte um seine Entlassung. Merlins Gesicht zeigte eine einzige Ratlosigkeit. „Ja, aber warum denn? Was treibt Sie denn von Ichenhausen, Herr Oberleutnant?" In der letzten Frage zllterte ein feiner Spott durch. ,Hch bitte mich nicht mißzuoerstehen, Herr Baron", klang es bescheiden. „Ich werde immer mit größter Dankbarkeit an hier zurückdenken, und daß Sie dem Heimatlosen ein Asyl gewährten. Aber ich habe da ein Angebot einer Flugzeugwerft erhalten, und da ich von Haus aus Flieger bin, zieht es mich mit allen Fasern zu diesem Beruf zurück." „Sehr begreiflich." Noch immer lag der feine Spott in Merlins Stimme. „Haben Sie mit meiner Schwiegertochter schon gesprochen?" „Gewiß, Herr Baron. Die gnädige Frau hatte die große Güte, mir freie Wahl zu lassen. Ich kann, wenn Herr Baron zustimmen, bereits morgen ad- reisen." „Reisen Sie, ja?" ( Fortsetzung folgt) Denken Sie an Stoffe, denken Sie an L» Bernard 9. März 1933: Gießen, den 8. M&-z 1933. 01 «e 1639 D 01476 Küchenwäsche [Vermietungen | Die Beerdigung findet Freitag, den 10, März, nachm. 2% Uhr statt 01481 Wieseck, den 7. März 1933. 1687D Darmstadt, Karlsstraße 19, und bei Be» zirksführer Köhres, Gießen, Kaiserallee 2 Braut- Berstadt, im März 1933 '•'»HD Kissenbezug..... Ueberschlagtuch Am 4. März verschied sanft nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenen Leiden im Alter von 50 Jahren meine liebe gute Mutter, Tochter, unsere Schwester, Schwägerin und Tante Frau Marie BauerWw., geb.Kompf Gießen (Am Wingert 4), den 8. März 1933. Die Einäscherung fand in der Stille statt. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen; Mariechen Bauer. Es gefiel dem Herrn über Leben und Tod, heute morgen 3% Uhr plötzlich und unerwartet meinen lieben Mann, unsern teuren Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager, Paten und Onkel Herrn Georg Philipp Jäger im 60. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abzurufen. In tiefer Trauer - Elisabethe Jäger, geb. Grieb Wilhelm Jäger III. und Familie. Holzheim, den 8. März 1933. Bahnhof-Gaststätten iiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiuuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Moderne, solide Bettwäsche diese; Für die wohltue’u. Beweise liebevoller Teilnahme, d e mir ble j Heimgange meines treuen lieben, unvergeß^ ^n Gatten Herrn s£!ad\yig Hisgen zuteil wurden, spreche ich hiermit meinen herzlichsten Dank aus. Lina Hisgen, geb. HeiL Für die wohl tuenden Beweise liebevoller Teilnahme, die uns beim Heimgange unseres lieben, unvergeßlichen Entschlafenen Herrn August Wolff I. Altbürgermeister zuteil wurden, sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus. Die trauernden Hinterbliebenen. 3-4-ZimmBr-Wohnung u.2-3imm.--Wohn., Neubau,NäheGieß. 5U oerm. Schr.Ang. u. 01468 a. d. G.A. Tüchtiges, erfahren. LNSdchen für Küche und Haus «. Frau San.- hltcbhafe, Goetlieftr.44. miD 1.60 4.75 Könfirmanden- wäsche preiswert I lunger Arbeiter für sofort gesucht, nicht über 18Jabre. Zu erfr. i. d. Ge- schqsts't. d. G.A.nu?» ganze Registraturen Drusen gesucht^chr' I Meldungen bei Gaubereichführer Keller, tnit CI rt 1 O kdt üntA593Da.d.G.A.' D IHV. Donnerstag, S. März, abds. s'/ollhr, imHeim Sovivag des Herrn Justizinfvektors Hillenbrand: evbe" Streifzug durch die Testameutsbestimmungen des BGB. I649D Damen und Gäste willkommen! C. Röhrt Co. 1633 A Jüngerer Arbeitsloser der im freiwill. Ar- beitsd. tätig war u. gewillt ist in einem landw.Betr. i.Nähe Gießens mitzuhelf., auchm-Pferden umgehen kann, gesucht. Lohn nach Ueberein- kunft. Schr. Ang. u. 1748V a. d. Gß. A. 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Während dieses an ^ Prozent Karbonate und nur bis 5 Prozent Chloride enthält, führt das Mcerwasser von den Karbonaten nur etwa ein Drittel Prozent, dagegen fast 89 Prozent verschiedene Chloride. Diese Zahlen sind nicht blohes fachwissenschaftliches Detail, sondern auf ihnen beruht wieder eine der sich ganz unscheinbar kundgcbenden, aber doch weltbedeutenden Naturgesehlichleiten. Der Salzgehalt des Meeres, vor allem das darin gelöste Chlormagnesium, besitzt nämlich die Eigenschaft, alle lein- schwebenden Teilchen rasch niederzuschlagen, und so ist in letzter Hinsicht die Fähigkeit des Meeres, Ablagerungen zu bllden, durch seinen Salzgehalt bedingt. , , , Das gibt dem Naturphilosophen ernstlich zu denken, denn er kann sich nicht mit der in der alten Schule gelehrten Ansicht zufrieden geben, dah der Salzgehalt des Meeres einfach die Ansammlung der durch die Flüsse aus dem Festland- stein gelösten minimalen Salzmengen sei. Dre Analyse der Gesteine zeigt, dah die Elemente des Kochsalzes, nämlich Chlor und Natrium, nur einen verschwindend kleinen Destandtell der festen Erdrinde ausmachen, während das Meer gegenwärtig so viel Salz enthält, dah dieses dem fünften Teil aller Festlandsmassen des Erdballes entspricht. Könnte man alles Meerwasser verdampfen, so würde so viel Salz übrig bleiben, um Europa und Nordamerika mit allen ihren Gebirgen nochmals darauf aufzubauen. Zu diesen merkwürdigen Einsichten gesellen sich noch seltsamere Zeugnisse der Erdgeschichte. Die vorwcltlichen Eteinsalzlager, die zu einzelnen Zeiten aus dem Meere abgeschieden wurden, sind so mächtig, dah man z. D. bei dem berühmten tiefen Bohrloch von Sperenberg, südlich von Berlin, in 80 Meter Tiefe ein Eteinsalzlager traf, dessen untere Grenze bei 1273 Meter noch nicht erreicht war. Solche Erfahrungen haben die Erd- forscher damit befreundet, dah das Meer früher nod) mehr Salz als heute enthielt, und man hat, um alle diese Widersprüche verständlich zu finden, mit dem berühmten Wiener Geologen Sueh angenommen, dah der Salzgehalt eine Ureigen« schäft des Weltmeeres fei, die wahrscheinlich sofort nach der Niederschlagung des Wasserdampfes aus den mit Chlor beladenen Dämpfen des Erd- inncrn zustande gekommen ist. Aus diesem „einigen" Salzreservoir hat sich nun zu verschiedenen Zeiten da und dort ein Salz» lager gebildet, vor dessen Mächtigkeit^ wir staunend stehen, so, wenn man z. D. das grohte Steinsalzlager von Europa besucht, das sich in Galizien am Fuhe der Karpathen bei Wieliczka und Dochnia gegen hundert Mellen in die Länge, zwanzig Mellen in die Breite erstreckt und schon heute eine wahre unterirdische Stadt darstellt, deren Gruben, Stollen und Gänge zusammen einen Weg von über 500 Kilometer bilden. Cs bereitet der Phantasie grohe Schwierigkeiten. sich vorzustellen, dah eine solche Salzmenge, deren Dicke man auf 400 Meter schätzt, nur durch blohe Verdunstung eines M^erarmes zustande gekommen sein soll. Und trotzdem sehen wir auch in unserer Erdepoche den gleichen Vorgang sich abspielen. Nicht nur in den Salinen des Mittelmeeies, die nichts anderes als künstlich ab- gcdämmte kleine Meeresarme sind, nicht nur im Salzgehalt das Ertrinken unmöglich macht. Wie monentempel in absehbarer Zeit nicht etwa deshalb nicht mehr spiegeln wird, well die menschlichen Tollheiten im Aussterben begriffen sind sondern weil dieser ungeheure See von 3500 Quadratkilometer Fläche so rasch austrocknet, dah seine Tiefe in den letzten zwanzig Jahren um säst Lier Meter abgenommen hat und jetzt nur noch vier bis vierzehn Meter beträgt. Da- sür hat sich sein Wasser zu einer wahren Sole eingedickt m 16 Prozent Kochsalz. Das ist allerdings m>ch wenig gegenüber dem durch den biblischen iJntecricht bekanntesten aller Salzseen, nämlich i*^n Toten Meer, das mit 25 Prozent Salzgeha c das Ertrinken unmöglichmacht. Wie ein Korkstöpsel schwimmt der Mensch an seiner Oberfläche und der Kaiser Dcspasian wird sicher seinerzeit höchst betrübt abgezogen sein, da er sich, nach dem Bericht seines Chronisten, soviel Mühe gegeben hatte, versuchsweise Sklaven darin zu ersäufen, was aber nicht gelang. Der Kalibergbau zu Stahfurt und seine vielen deutschen Genossen sind ein erheblicher Teil des deutschen Nationalvermögens, eine Industrie, die deshalb in ihrer Bedeutung einzig dasteht, well wir durch sie in gewisser Hinsicht die Landwirtschaft der ganzen Erde beherrschen. Denn Kalidünger ist unersetzlich für das Pflanzenwachstum und macht sich hundertfältig bezahll im Getreide- und Zullerrübenbau. Wie das Salzlager von Stahfurt zustande kam. kann man mit einem Glase Meerwasser in ganz unterhaltsamer Weise wiederholen, wenn man es etwa auf ein Zehntel des Volumens eindampst. Dann wird sich zuerst schwefelsaurer Kall daraus absehen; den nennt man Anhydrit, wenn er wasserfrei ist, sonst aber Gips. Zuerst seht sich der Gips deswegen ab. well er am schwersten im Wasser löslich ist. Erst dann folgt das Kochsalz. Da es 78 Prozent der gesamten Salzmenge beträgt, wird es auch in unserem Versuchsglas den Grohtell der Niederschläge bllden. Noch leichter löslich sind die übrigen Salze. Erst später lagern sich deshalb die schwefelsauren Salze, die der Chemiker Sulsate nennt; zum Schluh folgen die Chloride. Die sind die kostbaren Kalisalze. Im ganzen grohen in gleicher Anordnung, die uns jetzt auch verständlich ist. finden sich die einzelnen Salze auch zu Stahfurt, nur mit dem Unterschied, dah, während an den meisten übrigen Steinsalz lagern die sehr leicht löslichen Kalisalze gewöhnlich wieder hinweg- aewaschen sind, sie zu Stahfurt durch einen vollkommen wasserundurchlässigen Salzton geschützt und dadurch erhalten wurden- Freilich hat sie uns nur ein Zufall erhalten, denn der Mensch, der jahrhundertelang zuerst den Fragen nach Sinn und Ursache der Welt, dem Leben nach dem Tode unö allen Dingen jenseits der Erkenntnisgrenze nachging und gewissermaßen erst zuletzt auf den Gedanken verfiel, sich das diesseitige Leben und die Natur etwas näher anzusehen, hat infolgedessen auch erst in jüngster Zeit die Naturgeschichte des Salzes und den Wert der Kalisalze kennen gelernt. Um diese Zeit hat er aber schon längst die Salzlager von Stahfurt und Leopoldshall ausgebeutet. Das eigentlich Wertvolle daran, die Kalisalze, bezeichnete er als „Abraum"; er konnte sie zu nichts benutzen und warf sie weg. In grohen Halden war dieses „überflüssige" Material angehäuft, dem auswaschenden Regen und Wetter preisgegeben, und nur ein Zufall hat es so lange erhalten, bis die Entdellung von der Wichtigkeit der Kalisalze kam. Heute baut man nur den sogenannten Abraum ab; seine Schutthalden sind Milllonen- werte geworden, und das Kochsalz von Stahfurt ist wieder so wertlos, dah man es liegen läßt! Ständige Fortschritte im Lustverkehr Oas neue Schnellflugzeug der Lust-Hansa. Gemeinsam mit den Heinkelwerken hat die Deutsche Luft-Hansa jetzt das neueste und schnellste deutsche Verkehrsflugzeug fertiggestellt, und damit die langen Entwicklungsarbellen zur Schaffung eines schnellen, einmotorigen Po st- und Passagierflugzeuges vorläufig abgeschlossen. Der Auftrag, ein derartiges Flugzeug zu bauen, war den Heinkelwerken schon vor langer Zeit erteill worden, und man hatte auch bereits umfangreiche Konstruktionspläne für ein Schnellflugzeug der Luft- Hansa mit einer Höchstgeschwindigkeit von 265 Stundenkilometer fertiggestelll, als die amerikanische Flugzeugindustrie die vielbewun- derte Lockheed „Orion" mit einer Höchst- geschwindigkell von 324 Stundenkilometer auf den Markt brachte. Da erkannte Heinkel, daß seine beabsichtigte Konstruktion schon auf dem Zeichenbrett veraltet war, und sandte zwei seiner Mitarbeiter nach Amerika zum Studium der dortigen Flugentwicklung. Das Ergebnis dieser Reise ist die neugeschaffene \ Maschine, die eine Höchstgeschwindigkeit von 362 Stundenkilometer und eine Reisegeschwindigkeit von 326 Stundenkilometer bei nur 65 o. H. der Motorleistung hergibt. Mit dieser Maschine ist es möglich, Verkehrsverbindungen herzustellen, die bis vor kurzen im regelmäßigen Flugdienst für unmöglich gehalten wurden. Das neue Heinkel-Flug- z e u g „H e 70" braucht für die Strecken: Berlin- München, 527 Kilometer, Flugzeit 1 Stunde und 40 Minuten, Berlin—Köln, 483 Kilometer Flugzeit IStunde 30 Minuten, Berlin—Paris, 888 Kilometer, 2 Stunden 40 Minuten, Berlin—London 991 Kilometer, Flugzeit 3 Stunden 10 Minuten, Berlin— München—Venedig—Rom, 1441 Kilometer, Flugzeit 4 Stunden 30 Minuten. Links: Untenansicht der Heinkel-Maschine wahrend des Flugs mit eingezogenem Fahrgestell. Rechts: Startblld des neuen Flugzeugs. Trotz der überragenden Leistungen der neuen Maschine wird schon wieder an neuen Verbesserungen gearbeitet Es ist beabsichtigt die Landegeschwindigkeit, die zur Zeit etwa 110 Kilometer beträgt durch die Verwendung eines sogenannten Schlitzflügels wesentlich zu vermindern, um eine Landung auf feinen Plätzen zu erleichtern, und außerdem die Bequemlichkeit der Gastkabine, die sehr schmal und eng gehalten ist zu erhöhen. Ader, abgesehen von diesen kleinen Mängeln, die bald behoben werden, kann die „He 70" als das zur Zett fortschrittlichste Verkehrsflugzeug gelten. Die hohe Geschwindigkeit wird nicht nur durch die sorgfältige ärodynamische Durcharbeitung des unter weitgehendster Verwendung von Leichtmetall gebauten Rumpfes, der Tragflächen und Steuerorgane erzielt, sondern auch durch die völlige Beseitigung aller unnötigen Luftwiderstände,.wie sie beim Flug durch das Fahrgestell den oporn, den Kühler und viele Kleinigkeiten wie Türklinken und Fenster erzeugt werden. Der glatte, tropfenförmige Rumpf ist mit versenkten Rieten gearbeitet, die Ka- binenfenftcr und Türen passen sich dieser Form an, alle äußeren Handgriffe sind versenkbar. Das F a h r- g e st e l l, dessen Widerstand im allgemeinen eine Geschwindigkeitsoerminderung von ungefähr ^40 Stundenkilometer hervorruft, wird nach beiden Seiten in die Flügel hineingezogen. Das geschieht mit Hilfe einer Oeldruckanlage; bei deren Versagen kann das Fahrgestell auch mechanisch aus und etngekurbell werden. Eine Signalanlage zeigt dem Piloten an, ob das Gestell in Flug- oder in Landestellung ist. Sollte er vergessen, vor einer Landung die Räder herabzulassen, warnt ihn beim Gaswegnehmen ein mechanisches Lautsignal. Der Sporn ist gleichfalls einziehbar, und der normale Kühler, der einen ziemlichen Luftwiderstand hat, ist durch eine sogenannte „H e i ß k ü h l u n g" ersetzt worden, deren Kühlerflüssigkeit eine Betriebstemperatur des 630-?ö-6^1^.Motors bis zu 120 Grad gestattet Durch diese ganze Gestaltung verfügt das Flugzeug auch über eine ausgezeichnete Steigfähigkeit, wie sie bisher von keiner Verkehrs» maschine erreicht wurde. Das Flugzeug steigt In 3% Minuten auf rund 1000 Meter Höhe und in etwa 25 Minuten auf 5000 Meter. Die größterreichbare Höhe beträgt 7000 Meter. Für die Verkehrssicherheit wichtig ist, daß bis zu drei Besatzungsmitglieder vorgesehen sind, und außerdem, im Gegen- satz zu dem amerikanischen Vorbild eine Rund- f u n f ft a t i o n an Bord ist. In der Gastkabine können vier Personem ober 500 Kilgoramm Post befördert werden. Zum Beweis der außergewöhnlichen Leistungsfähigkeit der Heinkel-Maschine sind einige internationale Geschwindigkeitsrekorde für Verkehrsmaschinen, zum Teil erfolgreich, angegriffen worden. So hat Chefpilot Junke der Heinkelwerke den Geschwindig- keitsrekord mit 500 Kilogramm Nutzlast über 100 Kilometer, der bisher 229 Stundenkilometer betrug, mit einer Geschwindigkeit von 348 Stundenkilometer erheblich Überboten. Ein neuer Xiesenlanal. In den letzten Jahren ist im Norden Rußlands ein Kanalprojekt der Vollendung entgegengeführt worden, das dem Suez-Kanal und dem Panama- Kanal würdig an die Seite gestellt werden kann. Cs handelt sich um ein ganzes System von Kanälen, deren Gesamtlänge die des Panama- Kanals noch um 62 Kilometer übertrifft, und dessen Aufgabe es ist, eine schiffbare Verbindung zwischen dem Finnischen Meerbusen und der Onega-Bai zu schaffen, d. h. praktisch eine direkte Verbindung zwischen der Ostsee und dem Weißen Meer. Der neue Kanal führt in einer Gesamtlänge von 226 Kilometer durch die Seenkette Kareliens und erspart den Schiffen, die von der Ostsee ins Weiße Meer bzw. von, Leningrad nach Archangelsk wollen, die zeitraubende und schwierige Llmschiffung der skandinavischen Halbinsel durch den Atlantischen Ozean und das Nördliche Eismeer. Der neue Kanal, dessen Dauzett bemerkenswert kurz war, foIÜ bereits im Sommer 1933 befahren werden. Seine wirtschaftliche Bedeutung ist zweifellos außerordentlich groß. Möglichkeiten der elektrischen Wetten. von Or. Helmut TbomasiuS. Die Entwicklung des drahtlosen Nachrichtenwesens war geraume Zeit durch den Mangel an elektrischen Wellen erheblich gehemmt. Die Wellen, auf denen man arbeitete, durften nicht zu nahe aneinander liegen, sonst, traten gegenseitige Störungen ein. Deshalb war es nicht möglich jede Wellenlänge auszunühen. Es muhte zwischen je zwei Längen ein bestimmwr Abstand gehalten werden. Daraus ergab sich, daß von den eigentlich vielen Wellenlängen, die zur Verfügung standen, nur ein verhältnismäßig geringer Teil verwendet werden konnte. Nur eine sorgfältige internationale Einteilung tonnte hier Unheil verhüten. Deshalb wurden gewisse Wellenlängen für den Rundfunk bestimmt, andere für den Schiffsverkehr, wieder andere für das Flugwesen, abermals andere für die drahtlose Telegraphie und eine Reihe für bestimmte Sonderzwecke. Damit kam man knapp aus, für Neuerungen blieb nichts mehr übrig. Das ist der Grund, weshalb mancherlei gute gebauten nicht zur Ausführung kommen konnten, die sich auf die Verwertung der elektrischen Wellen bezogen. Das Gebiet schien abgeschloßen. Erst a s man begann, kurze Wellen heranzuziehen, und als man sich später auch den ganz kurzen, ben sog. ultrakurzen" zuwandte, ergaben sich neue Aussichten. Freilich ist die Reichweite der ultra- kurzen Wellen keine sehr erhebliche und auch bei den kurzen sind mancherlei Eigenarten zu berücksichtigen, aber immerhin wurde Raum gewonnen. Die Abstände zwischen den einzelnen Wellenlängen brauchen hier keine so grohen zu sein wie bei den längeren und den ganz langen Wellen. Es gibt also jetzt Wellen genug, mit denen man etwas anfangen kann. Dieser an die Stelle des früheren Wellenmangels getretene plötzliche Reichtum an Wellen muhte natürlich befruchtend auf die Llnternehmungslust wirken. Deshalb brauchen wir uns nicht zu wundem, wenn die drahtlose Technik nunmehr eine Erweiterung erfährt, die sich nach den mannigfachsten Richtungen hin geltend macht. Roch läßt sich nicht überall erkennen, was von den verschie- denen Vorschlägen, Versuchen und Erfolgen Bestand haben wird. Aber jedenfalls ist der Weg frei, und diese Freiheit hat bereits befruchtend gewirkt. Verschiedenes, was früher infolge Wellenmangels nicht zur Ausführung kommen konnte, ist bereits in die Tat umgefetzt, anderes ist im Werden. Unter dem Wellenmangel litten in erster Linie einsame und entlegene Gegenden. Es war nicht möglich, ihnen längere Wellen für ihren eigenen Gebrauch zu überlassen. Durch die Verwendung kurzer Wellen können sie jetzt in den allgemeinen drahtlosen Verkehr einbezogen werden. In großem Maßstab ist man gegenwärtig in gewißen Teilen Afrikas Hüt der Einrichtung eines Kurzwellenoerkehrs be|o^'ftigt. Reisende, Forschungsunternehmungen, Karawanen und viele kleine Orte werden mit Kurzwellensendern und entsprechenden Empfängern ausgerüstet. Unter den dort in Betracht kommenden Verhältnissen läßt sich nicht immer passende Energie beschaffen, um den zum Betrieb gebrauchten elektrischen Strom zu erzeugen. Deshalb hat man auf ein altes Mittel zurückgegriffen, das schon vielfach verwendet wurde, das man aber jetzt in mancherlei seiner Einzelheiten erheblich verbesserte, nämlich auf den P e d a l a n t r i e b. Die Pedale an einem Fahrradgestell werden genau so getreten, als ob man radfahren wollte. Die Kraft wird auf einen kleinen Stromerzeuger übertragen, der den notwendigen Strom liefert. Dieses einfache Verfahren ist jetzt besser durchgebildet worden. Um die nötigen 150 Watt zu gewinnen, werden Tandem-Gestelle mit zwei Ätzen verwendet, die in zusammengeklapptem Zustand leicht mitgeführt und die rasch aufgestellt werden können. Die Uebertragung auf den Stromerzeuger erfolgt nicht mehr durch Riemen, sondern durch gut gekapselte Zahnradübersetzungen. Kleine Schwankungen in der Drehzahl der Pedale werden durch einen besonderen Realer ausgeglichen. Außerdem befindet sich vor den migen der auf dem Gestell sitzenden eine Skala, die jedoch nur einen einzigen Strich besitzt, und auf der ein Zeiger spielt. Es muß stets so getreten werden, daß der Zeiger möglichst unbewegt auf dem Strick steht. Kleine Schwankungen beseitigt der Regler. Auf diese Weise erhäll man eine genügend gleichmäßige Energieversorgung. Die Empfänger umfassen den Wellenbereich von 10 bis 200 Meter. Die Sender arbeiten im allgemeinen mit Wellen zwischen 40 und 60 Meter Länge. Der Verkehr vollzieht sich störungsfrei. Durch ihn sind Gegenden, die oft nur in monatelangen Märschen zu erreichen waren, an die übrige Welt angeschlossen. Das erweiterte Anwendungsgebiet der elektrischen Wellen soll auch den Forschungsuntemeh- mungen zugute kommen, die im Laufe des Jahres 1933 von verschiedenen Ländern aus zur E r - forschung der Arktis aufbrechen werden. Drahtlose Signale, die selbsttätig von auf gestiegenen Ballons aus abgegeben werden, sind bestimmt. Kunde von den Witterungsverhältnissen in größeren Höhen zu geben. An jeden Ballon wird unten ein kleiner Kasten angehängt, in dem sich ein Thermometer, ein Barometer und ein Feuchtigkeitsmesser befinden. Unten am Kasten ist noch ein Windstärkemesser angebracht. Außer den genannten Instrumenten enthalt das Heine Kästchen einen Sender, der von einer Trockenbatterie aus mit Strom versorgt wird. Die Zeiger der Instrumente ändern während des Aufstiegs ihre Stellungen. Durch diese Zeigerbewegungen werden bestimmte drahtlose Signale ausgelöst, die die jeweiligen Temperaturen und sonstigen Verhältnisse erkennen lassen. Die Signale werden von drahtlosen Empfängern aufgenommen. Der Ballon kann ruhig verloren gehen. Die ganze Einrichtung ist im Grunde genommen so einfach, dah der Verlust nicht sehr schmerzlich ist. Eine ähnliche Einrichtung kommt jetzt übrigens auch für die amerikanischen Zeppeline zur Verwendung, um ihnen die Landung zu erleichtere Sie fliegen oft über Nebelschichten dahin. Ihr Führer hatte bis jetzt keine befriedigende Möglichkeit, festzustellen, wie dick diese Schichten eigentlich sind und ob sich unter ihnen klare Sicht für eine etwaige Landung ergibt. Deshalb hat man jetzt für den „211 ron“ einen selbsttätigen drahtlosen Wettermelder gebaut, der an einem langen Seil weit herabgelassen werden kann. Seine Einrichtung entspricht im allgemeinen der des Dallonineloers für die Polarforschungen. Der Kasten ist jedoch bedeutend größer und hat die Form eines Zylinders. Den untersten Teil seines Innenraums füllt eine stärkere Trockenbatterie aus. Die Abgabe der Signale erfolgt ohne weiteres durch die Veränderungen, die an den Instrumenten vor sich gehen. Cs wäre auch möglich gewesen, die Angaben der Instrumente durch eine Drahtleitung nach der Führerkabine des „Akron" zu übermitteln, stellt doch das Seil eine ständige Verbindung zwischen dem Kasten und dem Zeppelin her. An ihm hätte sich leicht ein Kabel befestigen lassen. Vergleichsversuche haben jedoch gezeigt, dah der drahtlose Weg in diesem Falle ganz entschieden der einfachere und bessere ist. Die Aufzeichnung der Meldungen erfolgt über einen mit dem Empfänger verbundenen Verstärker auf Papierstreifen, so dah also die jeweiligen Verhältnisse in unö unter den Nebelschichten, sowie die vorangegangenen Veränderungen sehr bequem an den entstandenen Kurven abgelesen werden können. Der Nebel kann auch manchmal die Landung der Flugzeuge erschweren. Deshalb hat man schon früher begonnen, durch elektrische Wellen ein leichteres Landen herbeizuführen. Diese Verfahren sind jetzt für bestimmte Flughäfen an der Küste des Stillen Ozeans, wo oft starke Nebel herrschen, besonders ausgearbeitet worden. Durch drahtlose Signale wird das Flugzeug über einen Beobachtungsturm geführt. Es hat also nicht nötig, vorher schon Versuche zu machen, um niederzugehen. Sobald ein im Turm sitzender Beobachter das Motorengeräusch über sich hört, übernimmt er die Befehlsgebung. Diese erfolgt durch »den drahllosen Fernsprecher. Ein zweiter Beobachter findet sich auf dem Landungsplatz. Wenn dieser die Motoren vernimmt, gibt er bestimmte Befehle ab, die drahtlos nach dem Turm unö dem Flugzeug übermittelt werden. Durch die dreifache Verbindung zwischen dem Flieger, dem Beobachter auf dem Turm und dem an Land gelingt cs stets, das Flugzeug innerhalb kürzester Zeit sicher zur Erde zu geleiten. Lanqgesuckie Mansardeneinbrechenn i eilgenommen. WSN. Frankfurt a. M., 7. März. Ende vergangenen Jahres fanden vielfach Mansardeneinbrüche statt, die, wie die Ermittlungen ergaben, von einer Frau ausgeführt wurden. Am Tage erschien sie in Häusern, schloß mit Nachschlüsseln Mansarden auf und entwendete Bargeld. Traf sie im Treppenhaus Hausbewohner, so verstand sie cs, sich geschickt aus der Schlinge zu ziehen. In mehreren Fällen fragte sie geistesgegenwärtig nach einem Fräulein Goldschmidt, das selbstverständlich nicht im Hause wohnhaft war. Nunmehr gelang es, die Einbrecherin unschädlich zu machen. Es handelt sich um eine 25jährige verheiratete Frau. Zwei Raubüberfätte in Frankfurt. WEN. Frankfurt a. M., 7. März. Gestern wurde in der Gausstrahe einer Dame, die ahnungslos ihres Weges ging, von einem jungen Mann die Handtasche, die sie nachlässig in der Hand trug, entrissen. Der Täter flüchtete. Auf die Hilferufe der Lieberfallenen nahmen zwei junge Männer die Verfolgung des Näubers auf. Cs gelang ihnen auch, den Täter zu fas- s e n und ihn der Polizei zu übergeben. Aus der Handtasche, die der Täter auf der Flucht fortwarf, ist das Portemonnaie herauSgefällen. Cs wurde von einer des Weges kommenden Frau ausgenommen und bisher noch nicht abgeliefert. Bei dem Täter handelt es sich um einen jungen Mann im Alter von 18 Jahren. — Etwa eine Stunde nach dieser Tat ereignete sich ein ähnlicher Lleberfall im Hcrmesweg. Dort wurden drei Frauen von einem etwa 40! bis 45 Jahre alten Mann überfallen. Der, Räuber fußte die eine Frau am Hals, würgte sie und warf sie zu Boden. Er versuchte ihr die Han d- tasche zu entreißen. Eine ihrer Begleiterinnen sprang zu Hilfe und versuchte den Täter von seinem Opfer fort^ureihen. Es entspann sich ein Kampf, bet dem i)te Frauen laute Hilferufe ausstießen. Zwei ältere Herren kamen hinzu, hatten aber nicht den Mut, gegen den Täter einzuschreiten, oder ihn zu verfolgen. Als der Täter sah, daß er nichts mehr ausrichten konnte, flüchtete er, nachdem er einer Frau die Handtasche entrissen hatte. Schwere Wohnungsembrüche in Frankfurt. WSN. Frankfurt a. M., 7. März. In der vergangenen Nacht fand ein schwerer Einbruch in eine Wohnung in der Ostendstraße statt. Dem Täter fiel eine Kassette mit ©djmud- fachen, Bargeld und einem Sparkassenbuch in die Hände. Der Wert des gestohlenen DurLs beträgt etwa 4000 Mk. — In den gestrigen Abendstunden statteten Einbrecher einer Wohnung in der Koselstraße einen Besuch ab. Den Tätern fielen 250 Mk. in bar, Schmucksachen im Werte von 1000 Mk. und Wäschestücke in die Hände. Sämtliche Raubvögel des Marburger Zoos davongeflogen. WSN. Marburg, 7. März. In der vergangenen Nacht wurde von bisher unbekannten Tätern der Zwinger für die Raubvögel geöffnet. Von den davongeflogenen Vögeln konnte bisher nur einer wieder eingefangen werden. Neues für -en Büchertisch. — „Seydli h". Ein Reiterroman von Eckart von N a s o (Delhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig: Preis geb. 4 Mk.). (463.) — Dieser literarisch und historisch gleich wertvolle Roman ist dramatisch und äußerst spannend geschrieben. Großartige und fast sensationelle Schlachtschil- dcrungen wechseln mit Liebesszenen ab, die delikat bleiben, auch wenn sie menschlichste Probleme berühren, und der Hintergrund eines großen politischen Jahrhunderts wird über Krieg und Liebe spürbar. Der Roman begleitet, sachlich und leidenschaftlich, das einzigartige Schicksal des späteren Kürassiergenerals von den Knabenjahren an, da Dehdlitz als Page des „tollen Markgrafen" von Schwedt — für reiterliche Abenteuer und Frauenliebe geschult — den unvergleichlichen Aufstieg beginnt, der ihn in drei chlesischen Kriegen vom Kornett zum Führer der riderizianischen Kavallerie emporträgt. Aber chon läßt das zentaurische Leben des Reiters die Bruchstelle erkennen: in ihm begegnen sich militärische Disziplin und menschliche Ausschweifung, Kommiß und Genie, Alltäglichkeit und Glanz. Frauen kreuzen seinen Weg: die kleine „Circassienne" von der französischen Theatertruppe in Schwedt und Gräfin Gizella P., Jaga Steroschinska. Marianne von Rehdiger und jene junge Gräfin Susanna Albertina Hacke — für wenige Jahre Generalin von Sehdlitz —, ehe die andere „Circassienne" als letzt« seiner männlichen Anmut unterliegt. Sie alle bleiben dem Wesen des Reiters fern, gemessen an dem überlebensgroßen Partner, der seinen menschlichen und militärischen Weg begleitet: dem König. In seltsamer Widersacherschaft, zwei feindliche Liebende, suchen sich König und General immer von neuem, finden sich, stoßen sich ab und finden sich wieder in der Ewigkeit des preußischen Gedankens, dem beide sich verschrieben haben. Es ist die Tragödie des Siegers von Rohbach und Zorndorf, daß er mit 36 Jahren den zu frühen Gipfel erreicht und länger als ein Jahrzehnt dem eigenen Abstieg zusehen muß: einer der Heroen, die nicht altern dürfen, dennoch altert und sich selbst überlebt. Es bleibt ein Beispiel, daß hier einer geboren wurde, lebte und grausam starb, der ein großer General — und ein größerer Preuße war: der das Genie eines Reiters über die Erde trug — und doch das Dienen höher achtete als eigenes Verdienst. Man liest diesen fein gestalteten Roman mit starker Spannung. Möchte dieses wertvolle Buch recht viele Leser finden, besonders in der heutigen Zeit! — Arno Moyzischewih: Fesseln f al- l e n. Ein deutsch-französischer Roman. In Ganzleinen 4,80 Mk. (Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O.) (385) — Ein dramatischer, persönlicher Stoff iftln eine politische Handlung hineingewebt. Ein junger Elsässer erlebt den Zusammenbruch von 1918 und das Elend der Nachkriegszeit voll Vaterlandsliebe und heißer Sehnsucht nach nationaler Wiedergeburt. Langsam kommt er zu der Lieberzeugung, daß nur durch einen Interessenausgleich mit Frankreich, weitab von pazifistischen Ideen unter scharfer Betonung des Lebenswillens Deutschlands die großen nationalen Ziele erreicht und dauerhaft gesichert werden können. Er packt gemeinsam mit einem französischen Freund die Aufgabe an, einer friedlichen Auseinandersetzung zw.schen Deutschland und Frankreich die Wege zu ebnen. Die Schilderung der fast unüberwindlichen Schwierigkeiten, ?;cgen die jahrelang gekämpft wird, beleuchtet raß die deutsch-französischen Gegensätze der heutigen Zeit. In die Zukunft hinein wird dann eine politische Lösung konstruier^, die den deutschen Lebensnotwendigkeiten vollauf gerecht wird und dennoch auch für Frankreich unter Nüchterner Abwägung seiner Zukunftsinteres-seN/nicht unannehmbar erscheint. Wie weit Die -/^tworfenen Pläne heute noch krasse Utopie zu '/-in scheinen, die Frage müh jeder Leser für sich beantworten. — Almanach de Gotha 193$. Verlag Justus Perthes, Gotha, Preis 28 2l^ark (4). Die Deutsche Ausgabe erscheint nicht mehr. Der Verkaufserlös reichte nicht annähernd zu, die Kosten der Redaktion und technischen Herstellung zu decken. Ein unentbehrliches Nachschlagewerk ist ein Opfer der Krise geworden. Daß der Almanach de Gotha erhalten bleibt, ist ein gewisser Ausgleich; er bietet ja die Uebersehung des Jahrbuches (daneben noch den Inhalt des Genealogischen Hofkalenders). Der Deutsche freilich wird nicht erfreut fein, ein deutsches Werk nicht in seiner Muttersprache benutzen zu dürfen. Aber das im Augenblick Wichtigste ist, wenigstens dem Almanach das Schicksal des Jahrbuches zu ersparen. Man kann den Almanach, auch ohne Beherrschung des Französischen, ohne Schwierigkeit verstehen; denn Namenlisten, Tabellen usw. sind in jeder Sprache verständlich. — „Technik voran" 1 933. Herausgegeben vom Deutschen Ausschuß für Technisches Schulwesen E. 23. und dem Reichsbund Deutscher Technik E. 23. 240 Seiten mit 8 Kunstdruckbeilagen und 81 Abbildungen sowie einer Kartenbeilage. Ganzleinen 0,90 RM., kart. 0,75 RM. Datsch-Lehrmitteldienst, Berlin W 35. — (376.) — Das Verständnis der Jugend für die großen Aufgaben der Technik zu wecken, hat sich das Jahrbuch zur Aufgabe gemacht. Die Aufsätze sind fast alle von namhaften Fachleuten geschrieben, das instruktive Bildmaterial ist sorgfältig ausgewählt, lieber viele wichtige Gebiete der Technik (Maschinenbau, Verkehrswesen, Elektrotechnik, Schiffbau, Luftfahrt, Bera° und Hüttenwesen) und ihre wirtschaftlichen Zusammenhänge wird berichtet. Auch das persönliche Erlebnis ist berücksichtigt in Sport- und Reiseerlebnissen, Anweisungen zu Bastelarbeiten usw. — Den Freunden des Verlags F. A. Brockhaus (Leipzig C 1) ist der in zwölfter Folge erscheinende kleine Almanach (478) gewidmet, der außer einem ausführlichen Verzeichnis der Verlags-Produktion Beiträge von Colin Roß, Sven Hedin, Ernst Sorge (über die Auffindung des Grönlandforschers Alfred Wegener), C. L. Woolley u. a. enthält. — — Rundfunk-Jahrbuch 1 933. Herausgegeben von der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft, Berlin. 180 Seiten auf bestem Kunsidtuckpapier, mit 42 Beiträgen und rund 280 Bildern und Zeichnungen. Kart. 1,50 Mk. (561.) — In diesen Tagen ist das neue Rundfunk-Jahrbuch der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft erschienen. Wie im Vorjahr ist dem Buch eine ansprechende Form gegeben worden, die eine wirkungsvolle i nck- technische Anordnung von Bild und Schrift möglich macht. Der von Professor Orlowski entworfene Einband gibt dadurch einen sinnfälligen Hinweis auf die kulturelle Arbeit des Rund- funls, daß neben den technischen Hilfsmitteln des Rundfunks — Sendeturm und Aethecwelle — ein altdeutsches Kunstwerk, eine Nürnberger Maske aus dem LInschlitthaus zum Blickpunkt gemacht worden ist. Diese Maske wirkt durch die sprechende Formung des Mundes wie ein gegebenes Zeichen für den Rundfunk. Der Umfang des Buches ist trotz einer erheblichen Preissenkung vergrößert worden, um dem Hörer einen möglichst umfassenden Lieberblick über den heutigen Stand des Rundfunks und alle damit zu- lammenhängenden Fragen geben zu können. Es wird die Neuorganisation des Rundfunks, feine Entwicklungsgeschichte und zum erstenmal auch die Wirtschaftsführung im Rundfunk behandelt. Auch die neuen Richtlinien für die Sendungen des Rundfunks sind abgedruckt. Neben launigen Schilderungen aus dem Funkbetriebe sind wertvolle Hinweise für den Hörer zu finden: „Hörerrechte und Pflichten", «Funktechnisches für den täglichen Gebrauch", „Groß- 'fenöer und Hörer", „Neues von der elektrischen Musik". In einer Aufsahrejhe „Heitere Erinnerungen — ernste Gedanken" plaudern deutsche Rundfunkberichter zur Frage der Entwicklung der Hörberichtcrstattung. Einige literarische Beiträge und statistische Angaben, die jeden Hörer interessieren, ergänzen die Ausführungen des Buches. — K. D. von Mechow: Der unwillkommene Franz, Sammlung „Die kleine Bücherei" des Verlages Alb. Langen & ®«org Müller in München. (403) — Sprachliche Zucht und eine Bescheidenheit, die die Vorbedingung der Gröhe ist, zeichnen Karl Benno von Mechow aus. Im „Ländlichen Jahr" schon, seinem Erstlingsroman, noch mehr in dem herrlichen Reiterroman „Das Abenteuer" durfte man sich seiner gepflegten Einfachheit der Sprache, seiner vornehmen Abneigung gegen alles Gesuchte, des ruhigen Gesinnungsernstes und des stillen, ganz unauffälligen Humors freuen. Alle diese Vorzüge Mechows erscheinen in feiner neuesten Erzählung wieder, nunmehr zu edler Reife abgeklärt. So hebt sich diese scheinbar belanglose Geschichte eines ledigen Kindes, das, unwillkommen, erblich belastet und töricht erzogen, früh zugrunde geht, in das Gebiet der hohen Kunst, die auch das Kleinste adelt, die aber noch Wichtigeres vermag: uns durch Erschütterung zur Befreiung zu führen und tief zu beglücken. — Ein Buch, das im engsten Rahmen eine Welt umschließt. Wettervoraussage. Durch allgemeinen kräftigen Barometeranstieg ist die Störungstätigkeit nach Norden abgedrängt worden. lieber Deutschland hat sich eine Hochdruckbrücke zwischen dem Biskana- und Estlandhoch gebildet. In ihrem Bereich bleibt das Wetter trocken, und abgesehen von Frühnebelbildung wird sich der Himmel aufheitern. Da somit die Temperaturen durch Ein- und Ausstrahlung bestimmt werden, erfahren sie zwischen Tag und Nacht stärkere Gegensätze und kommen nachts unter den Gefrierpunkt zu liegen. Aussichten für Donnerstag: Stellenweise Frühnebel, tagsüber aufheiternd und ziem- lich mild, leichter Nachtfrost, trocken. Lufttemperaturen am 7. März: mittags 7,1 Grad Celsius, abends 5,3 Grad; am 8. März: morgens 1,5 Grad. Maximum 7,6 Grad, Minimum 0,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. März: abends 2,7 Grad; am 8. März: morgens 1,5 Grad Celsius. — Niederschläge 0,1 mm. P Herabgesetzte Laden-Verkaufspreise für Persil: Doppel-Paket Persil 65 R.-Pfg. Normal-Paket Persil 35 R.-Pfg. Persil bleibt unverändert in Güte und Vollkommenheit! Die Geburi eines Sohnes geben bekannt Hans und Lissi Krämer 1742D Gießen (Marktstraße 9), den r. März 1933 z.Z. Kath. Schwesternhaus Bekanntmachung. Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat Januar 1933 können noch bis zum 15.0.217. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre aus Kosten des Abnehmers. 1630V Gießen, den 7. März 1933. Direktion der Elektrizitätswerke, Ueberlandanlage u.Straßenbahn d.Stadt Gießen: Stolte. ......'........'..NI Für f Fußboden X p^bt es nichts \ t/ kg.Dose<. 1.35 besseres wie I _ A„ Edel-BohnerwadJ ,, g V eigener Her-/ Xustellung^r Es erzeugt tritt- festen Hochglanz Drogerie Winterhoff Kreuzp atz 10 imsa WerlonoiigGieh Die diesjährige Gesellen-Prüfung findet Anfang April statt. Anmeldungen sind bii xnm 19. Hirz d. J. zu richten an die GeechUHntelle der Fleischer-Innung, Gießen. Neustadt 61, woselbst auch jede weitere Auskunft erteilt wird. Der Vorsitzende des Lchrllngsprüfnngs-Ausschusses: Louis Vogt, Metzgermeister. Gießen, den 3. 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