Nr. 287 Erster Blatt 183. Jahrgang Donnerstag, 7. Dezember 1933 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen poftfcheckkonto. gtaniinnommein liess. Drntf VN» Derlag: vrShl'Ich« Uniü-rfiisir-vllch. an» Stetn»rn ttigltd), autzo Sonntag» und Feiertags Betlagen; Dte 3Iluftnert« (BteRener Familien blätter tzeimat im Bild Die Scholl» Monats-Sezvgsprets: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustriert« , 1.80 Iustellgebühi . , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt zenrfprechanfchlüsfe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach- eichten Anzeiger Gieße«. Bereitet allen notleidenden Volksgenossen ein frohes Weihnachtsfest. Das winierhilfswerk des deulfchen Volke» Hal sich die große Aufgabe gesetzt, am weihnachtsfesl Freude undZusriedenheilauch iuda» hau» de» arm st en Volksgenossen zu bringen. E» gelangen im Gaugebiel Hessen-Nassau außer weiteren Kartoffeln an kinderreiche Familien Kohlen. Wehl, Fett und Kleider an alle zur Verleitung. Der vorbildliche Opersinn der Bewohner unteres (Baues ermöglicht uns diese Tal. Um dem ersten weihnachtsfest im Dritten Reich aber den letzten Glan; zu geben, wende ich mich heule nochmals an euch alle, deutsche Volksgenossen! Ihr habt gegeben — gebt noch mehr! Ihr habt geopfert — opfert noch mehr! Die Rot ist Immer noch größer als eure Gaben. 3m Einverständnis mit unserem Gauleiter ruse ich euch zu: 3hr aus den Städten gebt weitere Kleider und Schuhe. Stellt Pfundpakele mit Lebensmitteln zusammen. Ihr vom Lande folgt dem Aufrufe eure» Landesbauernführers, gebt von den hauvschlachtun- gen Speck und geräucherte Wurst. Ihr Beide, aus Stadt und Land backt etwas mehr Weihnachtsgebäck und gebt es für eure Brüder und Schwestern. Es muß eine Ehrenpflicht sein, diese Forderungen zu erfüllen, wer am weihnachtsfest so glücklich ist. und aus seinem Tische eine Gans oder einen beson- deren Braten Hal, vor dem steht die heilige Verpflichtung. eine besondere Gabe zu entrichten. Hessen-Nassau Hal stets seine Pflicht getan. Bekennt euch durch die Tal zur Volksgemeinschaft. wir find eine Not- und Brotgemeinschaft, wir sind ein Reich, ein Volk und eine Nation. Denkt an den Führer und folgt dem Ruf. 14 Jahre kannten wir nur haß, jetzt muß ein Band die Nation umschließen. An Weihnachten darf es nur freudige Herzen und leuchtende Augen geben. Darmstadt, den 5. Dezember 1933. Gez. Haug, (Bauführer des Winterhilfswerks. Ltm Irlands Freiheit. Nur das ungeheure Geschehen der letzten zwanzig Jahre erklärt es, daß das Ausscheiden des irischenFreistaatesausdembritischen Reichsoerband die öffentliche Meinung weder Alt-Englands noch die der Dominions aufregt. Vor zwanzig Jahren hatte jeder Brite in der Loslösung Irlands einen glatten Hochverrat gesehen, der mit allen Mitteln hätte niedergekämpft werden müssen, selbst um den Preis der Vernichtung der Bevölkerung auf der Grünen Insel. Es war so etwas wie ein Grundgesetz für die englische Machtstellung, daß Irland immer ein Teil des Reiches bleiben müsse. Nun hat sich ein Wechsel vollzogen, denn die öffentliche Meinung in England sieht gelassen zu, welche Anstrengungen de Valera macht, um Irland aus dem Reichsverband zu lösen, wie die öffentliche Meinung auch gelassen zusieht, welche Gegensätze in Irland selbst noch ausgeglichen werden müssen, um nicht nur die Loslösung Irlands vom Reichsverband, sondern auch die Einheit der Grünen Insel zu einer vollendeten Tatsache zu machen. Daß es schon seit Jahr und Tag so etwas wie einen Wirtschaftskampf zwischen England und Irland gibt, daß die Engländer die irischen Agrarerzeugnisse nur noch ungern aufnehmen, daß umgekehrt die Irländer die englische Einfuhr drosseln, wo sie nur können — auch das alles regt die öffentliche Meinung in England nicht mehr auf. Sicher: Präsident be Valero hat in den zwölf Jahren, seit denen der Staatsoertrag zwischen England und Irland besteht, die irische Bevölkerung zum größten Tell für sich erobert. Wenn es heute ober morgen auf ber Grünen Insel zu einer Volksabstimmung barüber käme, ob Jrlanb im britischen Reichsverband bleiben solle oder nicht, so ist sicher, bah bie Entscheibung im Sinne be Valeras ausfallen wird. Sogar in Norbirland, also in Ulster, in einem Gebiet, tn bem be Valera sonst nicht gerade Eroberungen gemacht hat. Das Ulster-Problem, bas sich vor zwanzig Jahren noch so barstellte, als ob es zum Bürgerkrieg kommen sollte, ist burch bie Entwicklung ber Nach' iegszeit in einer Lösung begriffen, bie auch vor oem Kriege nicht für möglich gehalten wurde. Vielleicht ist die öffentliche Meinung m England heute so gleichgültig, weil Irland wohl nie wieder in bie Lage kommen wirb, bem britischen Reich ben gleichen Dienst zu leisten, wie bas im großen Kriege geschehen ist. Wäre Jrlanb neutral gewesen ober hätte seine Bevölkerung bie Waffen gegen Englanb erhoben, fo hätte es keinen wirksamen Schutz für bie Küsten Englanbs gegeben. Trotz aller Rechte, bie Jrlanb burch ben Dominions- vertrag von 1921 zugestanben finb, hat Englanb doch nicht barauf verzichtet, bie beiben wich - tigsten Häfen ber Insel für bie englische Kriegsflotte in Anspruch zu nehmen. Da Jr- lanb keine Flotte besitzt, auch als freier und unabhängiger Staat in absehbarer Zeit keine Flotte wird bauen können, so ist es, von dieser Seite her gesehen, für England nicht gefährlich. Wie sollte sich auch irgendeine feindliche Bewegung In Irland vorbereiten können, wenn britische Luftstreitkräfte Oie deutsch-französische Aussprache. Frankreichs Außenpolitik durch die innere Schwäche der Negierung Chautemps gelähmt. ...dan s, 6. Dez. (WTB.) Im Kammerausschuß für Auswärtige Angelegenheiten faßte zunächst der Abgeordnete F r i d o u r g die Stellungnahme des Ausschusses über das Saarproblem folgendermaßen zusammen: Keine direkten Verhandlungen mit Deutschland über die Saarfrage, Durchführung der Volksabstimmung im Jahre 1935 gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages, Schutz der Saarländer gegen Gewalttätigkeiten seitens der nationalsozialistischen Partei, Sicherung der Freiheit und ber geheimen Stimmabgabe bei ber Volksab- ftimmung. Der Abgeordnete Pbarnegaray von ber Gruppe Marin vertrat den Standpunkt, daß der Völker- b u n d nicht mehr dieselbe Autorität besitze wie früher, da Deutschland, die Vereinigten Staaten, Japan und Sowjetrußland in ihm nicht vertreten seien, und Italien nur noch aus Höflichkeit in ihm bleibe. Der Redner sprach sich für direkte Besprechungen mit Deutschland unter bestimmten Bedingungen aus: Der französische Unterhändler müßte durch eine Regierung der nationalen Einigung unter ft ü tj t werden, bie bie not« wenbige Autorität besitze, und Vertreter aller Parteien umfasse. Außerdem müßten bas Prestige unb bie Stärke bes französischen Heeres wieberhergestellt werben. Ferner seien bie Bande zwischen Frankreich, Polen und der Kleinen Entente enger zu knüpfen. Der Ausschußoorsitzende h e r r i o t erklärte, bie Zeit werde eine Annäherung mit Deutschland erleichtern, doch müßten die Anhänger direkter Besprechungen bedenken, daß solche Verhandlungen die Kleine Entente v e r st i m m e n könnten. Jedesmal, wenn die französische Regierung, so behaup. tete herriot, friedliche Versicherungen von der Reichsregierung erhallen habe, seien Die gegebenen Zusagen durch bie Tatsachen wiberlegt worden. Wenn man in Frankreich eine Annäherung mit Deutschland wünsche, so dürfe man doch nicht ben Völkerbund aus bem Auge verlieren, der der Sache des Friedens schon viele Dienste geleistet habe und ber fortbestehen müsse, um fein Werk zu vollenden. * Die Sitzung des Auswärtigen Ausschusses gibt ein BildberSchwierigkeiten, unter denen die Außenpolitik Frankreichs infolge ber unsicheren parlamentarischen Verhältnisse leidet. Die gegenwärtige französische Regierung ist vielleicht d i e s ch w ä ch st e von allen, die in ben letzten Monaten aufeinanber gefolgt finb. Ihre wesentliche Sorge ist bie heute vormittag in ber Kammer beginnenbe Aussprache über ben neuen Finanz- plan, ber noch in biefer Woche fo ober so erledigt werden soll. Bisher haben sich aber nur bie Rabi- talen für bie Regierung ausgesprochen. Das Schicksal des Kabinetts liegt, wie bei all feinen Vorgängern, wiederum in ber Hand der Sozia- listen, vor allem ber Neusozialisten, mit benen Ehautemps gestern über bie kritischen Artikel bes neuen Finanzplanes verhandelt hat. Es ist unter diesen Umständen kein Wunder, daß bie Regierung in ber auswärtigen Politik alles vermeidet, was ihre Bemühungen um eine parlamen- tarische Mehrheit vernichten könnte. Sie hat nicht die Bewegungsfreiheit, um irgendwelche Initiativen zu ergreifen, selbst wenn sie im französischen Interesse lägen. Sie hat deshalb nichts gegen ben Beschluß des Kammerausschusses einzuwenden gewagt, daß in ber Saarfrage keine unmittelbaren Derhanblungen mit Deutschland stattfinden unb bie Dinge trotz aller für das deutsch-französische Verhältnis unerwünschten Rückwirkungen ihren im Versailler Vertrag vorgesehenen Verlauf nehmen sollen. Ebenso wie der Versailler Vertrag bedeutet der Völkerbund eine wesentliche Stütze ber gegenwärtigen schwachen Regierung und der hinter ihr stehenden Linksparteien. Es ist bezeichnend, daß ber rechtsstehende Abgeordnete Pbarnegaray die Unmöglichkeit hervorheben mußte, im Rahmen des Völkerbundes Verhandlungen mit Deustchland aufzunehmen, während der Ausschußvorsitzende herriot auch bei dieser Gelegenheit seine Völkerbundsorthodoxie betonte. ©er englische Botschafter beim Reichskanzler. Deutschland wartet auf Antwort aus Paris Berlin, 6. Dez. (WTB.) Gestern stattete ber englische Botschafter Sir Eric Phipps bem Reichskanzler Adolf Hitler einen Besuch ab. Reuter meldet zu der einftünbigen Unterredung, die ber britische Botschafter gestern mit bem Reichskanzler über bie Abrüstungsfrage hatte, bie beutsche Regierung warte jetzt auf einen Schritt ber neugebilbeten französischen R e« g t e r u n g in ber Frage ber Verhandlungen, da sie den Standpunkt vertrete, daß die kürzlichen Besprechungen zwischen dem deutschen Reichskanzler und bem französischen Botschafter in Berlin eine Antwort von feiten ber französischen Regierung erforberten. Litwinow auf der Durchreise in Berlin eingetroffen. Berlin, 7. Dez. (WTB. Funkspruch.) Der sowjetrussische Volkskommissar bes Aeußeren, Litwinow, traf heute morgen, aus Rom kommend, mit bem fahrplanmäßigen Münchener Zuge um 8 Uhr auf bem Anhalter Bahnhof in Berlin ein. Zu feiner Begrüßung hatten sich eingefunden ber russische Geschäftsträger in Berlin, Botschafter Bessonow, sowie ber größte Teil ber Beamten ber russischen Botschaft. Im Auftrage ber Reichsregierung begrüßte fiegationsrat v o n Tippels- k i r ch , ber Referent für Rußlanb im Auswärtigen Amt, ben russischen Volkskommissar. Italien gibt bem Völkerbund bie letzte Gance. Grundsätzliche Umstellung oder Beseitigung. R o m, 6. Dez. (TU.) Aus bestunterrichteter Quelle wirb uns versichert, daß zu ber vorn Großen Faschistischen Rat geforberten Reform bes Völkerbun- bes bie italienische Regierung keinerlei Vor- schlüge formuliert hat. Man will in Rom bie Wirkung bes Beschlusses des Großen Faschistenrates auf bie maßgebenben auswärtigen Regierungen abwarten, unb ist bereit, über bie notmenbige Reform bes Dölkerbunbes ohne kleinliche Voreingenommenheit sich zu unterhallen. In privater Unterhaltung wirb uns erklärt, büß man auf zweierlei Wiberstanb gefaßt fein müsse: Der eine wirb von ben Mächten kommen, bie im heutigen Völkerbund allein ausschlaggebend sind: Frankreich unb England, der andere von jenen kleinen Staaten, denen jüngst eine ihrer Verantwortlichkeit durchaus nicht entsprechende Bedeutung verliehen hat: die Kleine Entente. Man hofft in Rom auf die Einsicht ber maßgebenden europäischen Faktoren und will, gestärkt durch die gesunde Ansicht großer Nationen wie Deutschland und Rußland, bem Völkerbunb ehrlich bie letzte Chance geben: Entweber ein bescheidneres, aber brauchbareres Werkzeug ber Politik zu werben ober als Hemmnis jeher ehrlichen Friebenspolitik unterzugehen. Der römische Sonberberichterstatter bes „Temps" schreibt: Man könne bie Zusammenkunft zwischen Mussolini unb Litwinow als eine Kundgebung gegen den Völkerbund bezeichnen. Das Zusammentreffen ber Reise Litwinows mit der Sitzung bes Großen Faschistischen Rates fei dafür besonders bezeichnend. Der Duce habe seine Handlungsfreiheit gegenüber London und Paris bewiesen unb einen Druck auf Genf ausüben wollen. Sein Ziel sei bie Neuorganisierung des Dölkerbunbes in ber Form, baß bie Großmächte unter f i ch beraten könnten. Er wünsche, baß biejenigen, bie bie größte Verantwortung trügen, auch Die meisten Rechte hätten, seine gegenwärtige Politik beweise, baß bies zwischen ben Großmächten möglich sei, selbst wenn sie nicht Mitglieb bes Dölkerbunbes seien. pariser Sorgen. Nach dem Völkerbund auch das Versailler Diktat. Paris, 6. Dez. (WTB.) Die Pariser Ab- rüftungsbefpred)ungen henbersons mit Außenminister Paul-Boncour werden von der Presse nach bem Beschluß des Großen Faschistischen Rates skeptisch unb jum Teil sogar ironisch aufgenommen. Temps erinnert nachbrücklich an Paul- Boncours Feststellung, baß Frankreich an feiner Stellungnahme vom 14. Oktober weiterhin fest- halte. Besonderer Wert fei auf die Ausführungsgarantien zu legen, die das Abrüstungsabkommen enthalten müsse. Das Blatt erklärt sich Höch st besorgt wegen der Schwankungen der englischen Politik unb der Einstellung Italiens, das der Abrüstungskonferenz und dem Völkerbund das Abrüstungsproblem entziehen wolle. Das Eintreten Italiens für eine radikale Reform des Völkerbundes solle vielleicht Sowjetrußland die Möglichkeit geben, in den Völkerbund ein- ju treten. Dabei sei zu befürchten, daß die Revision des Dölkerbundpaktes unvermeidlich auch zur Revision der Friedensoerträge führe und daß bie Beseitigung bes Grundsatzes der Gleichheit dem Völkerbund feine Daseinsberechtigung nehme, hiermit könnten sich die Mächte zweiter Ordnung unmöglich einverstanden erklären. — „In- tranfigeant" übt scharfe Kritik an der Starrköpfigkeit, mit der man in Frankreich immer noch an die Wirklichkeit eines Phantoms glauben wolle, obwohl Litwinow den Völkerbund als einen Kadaver bezeichnet habe. Frankreich unb auch Englanb würden aber sehr bald gezwungen werden, auf diese Komödie zu verzichten. — „Information" hält alle weiteren Abrüstungsoerhandlungen und Entwürfe für zwecklos, solange nicht die Atmosphäre zwischen Deutschland unb Frankreich bereinigt sei. zu jeber Zeit in ber Lage finb, bie Grüne Insel buchstäblich zu überschatten? Auch bas Osterbrama von 1916, ber Versuch bes Aufstanbes eines Teiles ber irischen Bevölkerung mitten im Kriege, wirb sich nicht wieberholen, benn Englanb würbe ein neutrales Jrlanb viel schärfer überwachen als ein Jrlanb, besten Bevölkerung, soweit sie waffenfähig ist, unter britischen Fahnen jtünbe. Es bebeutet also keine große Gefahr für Englanbs Sicherheit, wenn Irland aus dem Reichsverband scheidet, wozu ihm das Dominionsstatut von 1932 eigentlich das Recht gibt. Niemand kann ermessen als bie irische Bevölkerung selbst, ob die Loslösung vom britischen Reichsverband für bie Grüne Insel mehr Vorteile als Nachteile mit sich bringt. Wenn in England die Loslösung mit Unbehagen aufgenommen wirb, so wirb babei im Unterbewußtsein bie Erwägung eine Rolle spielen, baß bas, was Jrlanb heute recht ist, allen a nb e • r e n Dominions morgen billig sein muß. Unb ba steht mehr auf bem Spiele als nur der Verlust ber Grünen Insel, wobei ber Verlust noch nicht einmal unabänderliche Tatsache zu sein braucht, solange es be Valera nicht gelungen ist, sich mit Ulster zu stellen. Jrlanbs Weg zur Freiheit ist ein ßeibensmeg gewesen, auf bem es zeitweilig so aussah, als ob bie gesamte irische Bevölkerung zu Grunbe gehen würbe. Englanbs koloniale Erfahrung hat es boch nicht oerftanben, gerabe bas irische Volk mit bem Leibensweg auszusöhnen, den dieses Volk gehen muhte, um Englands gefährdete Küste im Atlantischen Ozean zu sichern. De Dalera hat zweifellos mit großem Geschick die Stunde gut gewählt. Daß die englische Regierung die Grüne Insel hätte militärisch besetzen lassen, war nicht wahrscheinlich, also auch nicht, baß der Loslösung aus dem Reichs- verbanb ein Krieg Englanbs gegen Jrlanb auf dem Fuße gefolgt wäre. England hat bisher darauf ge- pocht, daß Irland in wirtschaftlicher Hinsicht völlig vom Vereinigten Königreich abhängig sei, weil fia) andere Märkte für die irischen Agrarerzeugnisse doch nicht finden lassen würden. Tatsächlich ist bas geschehen, ganz abgesehen baoon, baß auch England bei dieser Umschaltung erhebliche Kosten hat zahlen müssen, denn es hat den größten Teil feiner Ausfuhr nach Irland mengen- und wertmäßig Der- loren. Ob Irland frei unb unabhängig fein wirb ober nicht, es wirb boch immer im Schatten Englanbs stehen. Jrlanb ist kein Großstaat, hat auch keine Aussicht, es zu werben, so daß sich daraus schon immer ber Zwang ergibt, irgendwo Anlehnung zu suchen. Daß bie englische Regierung sich auch von ber Erwägung hat leiten lassen, baß es vielleicht gut sein könnte, Irland ben Weg frei zu geben, um, wenn der Versuch mißlingen würde, Irland wieder in ben Reichsverbanb zurück- kehren zu sehen, bas ist möglich, wenn es ruch von ber englischen Presse nicht einmal angebeutet wirb. Die englische Regierung weiß aber auch, baß bie Besessenheit be Valeras boch nicht zu bänbigen sein wirb, so daß, wenn Englanb auf Den Staats- vertrag von 1921 bestehen würbe, es erst recht keine Ruhe im Norben unb Süben Irlands geben würde. Diesen Gefahrenherd zu vermeiden, ist wohl zunächst die unmittelbare Aufgabe ber englischen Politik. Enttäuschung in Dublin. 2 o n b o n, 6. Dez. (TU.) In Dubliner Regierungskreisen hat bie englische Antwortnote stark enttäuscht. „Evening Standarb" will erfahren haben, daß de Valera möglicherweise demnächst nach London reifen werde, um sich mit englischen Kabinettsministern zu besprechen. In bem amtlichen irischen Regierungsorgan „Irish Preß" wird erklärt, daß baldige Ausschreibungen von Neuwahlen zum irischen Landtag unwahrschein- l i ch seien. Scharfe Töne im britischen Oberhaus. London, 6. Dez. (TU.) Die irischen Unabhängigkeitsbestrebungen wurden am Mittwoch im englischen Oberhaus zur Sprache gebracht. Lord D a n e s f o r t erklärte, bie von be Valera verfügte Abschaffung bes Berufsrechtes irischer Staatsangehöriger an ben englischen Kronrat sei eine schwere Verletzung bes englisch-irischen Vertrages. Er beantrage baher, daß England entweder bie biplo- matischen Beziehungen zu Irland a b b r e ch e ober neue KampfzötIe auf irische Waren erhebe. Der Norbire Lorb Carson behauptete, in Jrlanb herrsche große Unordnung. Nicht einmal ber Schatten bes englischen Königs bürfe gegenwärtig im irischen Freistaat erscheinen. Im Namen ber Regierung erklärte Kriegsmini» ster Lorb H a i l s h a m , bie Abschaffung bes Be- rufungsrechts an ben englischen Kronrat stelle einen Vertragsbruch Irlands bar, ber von ber englischen Regierung nicht anerkannt werbe. Der Vorschlag Danessorts, bie biplomatischen Beziehungen zu Jrlanb abzubrechen, fei aber unzweckmäßig. Es fei leicht, bie biplomatischen Beziehungen ab- zubrechen, aber nicht fo leicht, fie wieber anzuknüpfen. Der Vorschlag, neue Kampfzölle auf irische Waren zu erheben, würbe kaum zu einer Erhöhung ber Zolleinnahmen führen. Nach biefer Erklärung zog Lorb Danesfort seinen Antrag zurück. das außenpo 8luebreitun Schluß der Beweisaufnahme im Reichstagsbran ßstisterprozeß Berlin. 6. Dez. (ERB) Do über die Stellung ÖC3 Deutschen '.Holen -kreuze» im neuen Staate nod) vielfach Unklarheit besteht, Hot der Reichsminister des Innern in einem Rundschreiben mit« geteilt, daß da» Deutsche Rote Kreuz in den nächsten Togen -1 - * ~ * - 9er Dessauer-Prozeß in Mnchen-Gladbach. Die Beziehungen zu Mühlon - Einer fer schlimmsten Oeuischenhetzer w hrenb 0e6 Krieges. ewigen und zu den alten Streitigkeiten noch neue hinzufügen. Der Versailler Vertrag sei ein solches Machwerk. Einer der Zankapfel, die seine Urheber in die Welt gestreut hätten, sei die Abtrennung der Saar von Deutschland. Frankreich habe bei der Regelung der Saar- frage alle möglichen Vorwände ins Feld geführt, um sein Ziel zu erreichen Zuerst sollte das Saar- gebiet als gerechter Ausgleich für die Schäden, die die deutschen $eere in den französischen Gruben ungerichtet hätten, dienen, bann, als dieses Argument nichts half, versuchte man es mit Geschichtsfälschung, wobei man sich nicht scheute zu behaupten, das Saargebiet gehöre von rechtswegen zu Frankreich, es sei nur vorüber« gehend deutsch g-wescn. Dem sei entgegenzuholten, so erklärte Staatsrat Simon, daß das Saarland mehr als taufend Jahre zu Deutschland gehört habe, und daß feine Bevölkerung rein deutsch fühle und denke. Rur die Schwäche des Novemberstaates habe es möglich gemacht, daß das Saarland vom M stttrland' abqctrennt wurde. Heute seien die Keschichts'ällchunae« der Franzosen w'derleqt und auch der schwache Novemb^rstoat sei überwunden durch den ftar^n und festgesüoten G‘aat Adolf Hitlers Das Scheitern der französischen Pläne einer Annexion des Saarlandes führte zu jenem Kompromiß der internationalen Regie- ! rungskommisfion, in der Angehörige i fremder Staaten über die Geschicke eines I Die Verhandlung wendet sich bann her in den lebten lagen aufgeworfenen Frage zu, ob da» tm Reichstag verwendete Putzmiltel „Sanga- --- . ~ i g des Feuers tm jebr begünstigt haben könne. Der Gerichtsassessor Bi en er, der in der Voruntersuchung Hilfsarbeiter beim Sonderstaatsanwalt war, äußerte sich ausführlich über den Zweck des Friedensbundes deutscher Katholiken, des. sen wenn auch versteckte treibende Kraft nach der Anklageschrift Dessauer gewesen ist. Der Z uge hat aber keine positiven Belege dafür, daß Dessauer in maßgebender Verbindung mit diesem Friedensbund gestanden hat. Dessauer erklärte, daß er sich nicht an führender Stelle betätigt habe. Nur ein einziges Mal habe er auf einer Versammlung gesprochen und dort wenig Beifall gesunden, da er offensichtlich zu wenig pazifistisch gesprochen habe. „M holen Luch heim ins Reich!" Staatsrat Simon spricht auf einer großen Saarkundgebung in Frankfurt. Oer Ausbau der Rechis- bera unq der Arbe isfront. * nr' (CNB.) Das Sozialamt der Deutschen Arbeitsfront ordnet an: Laut Anweisung des Leiters der Deutschen Ar- beltssroni Dr. Robert Ley übernimmt die DAF Die Rechtsberatungsstellen im Reiche. Es 'st noiiDJnöig, daß zumindest in Den Orten, in Denen bisher Rechtsberatungsstellen der verschiedenen Verbände waren, die Rechtsberatungsstellen der DAF eingerichtet werden. Zur Besetzung der Posten s,ud gleichermaßen die Syndizi der Arbeitgeberverbände wie auch die Rechtsberater der ^Arbeitnehmer-Verbände in die DA F. zu übernehmen. Diese unterliegen in leöem einzelnen Falle der Genehmigung und Bestallung durch das Sozialamt der DÄF. Niemand außer dein Sozialamt ist befugt, irgendw.lche Räumlichkeiten zum Zwecke der Errichtung von R.-chtsberatungsstellen mit Beschlag zu belegen ider etwa m den Liguidationsprozeß örtlicher Arbeitgeber-Verbände einzugreifen noch irgendwelche An- stellungsoerträge zu tätigen. Wer diesem Verbat zuwider handelt, haftet für feine Tat. Es werden deswegen beim Sozialamt Personalakten über alle in den Rechtsberatungsstellen vorhandenen Mitarbeiter geführt und es sind zwecks genauer lieber- ficht über die Vorbildung und das Können sed s Einzelnen Lebenslauf ufro. an das Sozialamt der DAF., Berlin SW. 19, Märkisches Ufer 34, einzu- Wie der „Deutsche" dazu erfährt, wollen diese Rechtsberatungsstellen der DAF. grundsätzlich al- len Volksgenossen, die der großen Organisation der Schaffenden angeboren, zur Verfügung stehen. Die Rechtsberatungsstellen werden in ihrer neuen Zusammensetzung im Geiste der national- sozialistischen Volksgemeinschaft, arbeiten. Die Mit- orbeiterftabe arbeiten im Dien ft c Der Gesamtheit für jeden. Der Rechtsbera - t u n g braucht, unb nicht etwa Die Arbeitneh- meroertreter nur für Arbeitnehmer und Die Arbeit« aeberoertreter nur für Unternehmer, wie bisher. Deraniworlungsbewußtsciii. Objektivität und Wir- ken im nationalfoxialiftifdjen Sinne sollen die Rechtsberater der DAF. auszeichncn. D;e Zulassung von Ersatzkaffen her ttranke Versicherung. Berlin 6. Dex. iTTB.) In Der nächsten Rümmer des Reich»gefetzd -lies wird das Gesetz über die Zulassung von Ersatzkosten Der Kronkenversiche- rung verotsentiicht. Da» Gesetz gibt Dem Reich»« |ten Tagen eine neue Satzung erhalten wird, auf Grund deren seine völlige Umgestal« “"9 im üinne Der Grundsätze De» nationalsozia- '.st'sch«» o‘aate» auch in personeller Hin- H d) t 3 u mA bsch l uß gebracht werden wird. Das Deutsche Rote Kren, ist ein Baustein im lebendigen Gefüge unseres Volkes, und Dienst f u r d a s R o t e Kreuz i st D i e n U für Volk und Vaterland. Da» Deutsche Rote Kreuz ist ^.rager der völkerrechtlichen Aufgaben, Die das Deutsche Reich auf Grund Der Genfer Konvention 3U erfüllen hat Diese besondere Lage erfordert die wirksame amtliche Förderung des Roten * Kreuzes. Allen in Betracht kommenden Behörden wird daher zur Pflicht gemacht, auch ihrerseits darum bemüht zu fein, daß überall im Lande gegenüber dem Roten Kreuz eine feiner Stellung im neuen Staate entsprechende Haltung eingenommen wird. DSN. Frankfurt a. M, 6. Dez. In dem großen Saal des Saalbaues sprach in der vom Saaroerein veranstalteten Kundgebung für die Deutscherhaltung des Saargebiets der Führer Des Bundes Der Saaroemne, Staatsrat und Gauleiter Simon. Beim Abschluß von Friedensverträgen könne man zweierlei Folgen beabsichtigen, entweder der Vertrag solle Den Konfliktstoff, Der zu Dem Äricge geführt habe, beseitigen und die Verhältnisse klären, oder er solle Die Konflikte per* 750000 Mark Beamtersspenbe für Op er der Arbeit. Berlin, 6. Dez. (TU.) Die NSK. meldet aus München: Der Ehrenpräsident der deutschen Be- amtcnschast, Pg. Reichsstatthalter Fakob Sprenger, hatte seinerzeit Die Bamtenschast zur Sammlung für .Stiftung für Opfer der Arbeit' aujae- rufen, die 450 000 Mark einbrachte. Am Dienstag wurde abermals ein Betrag von 250000 Tlarf überwiesen, so daß im ganzen nun- mehr '/« Millionen von Den nationalfo.jtalifti« Ichen Beamten für Stiftung für Opfer der Arbeit aufgebracht wurden. We.hnachtliche Vorauszahlung auch an die Re:chsanae teilten und «arbei er Berlin, 6. Dez. Das Reichsfinanzministerium hat anläßlich des bevorstehenden Weihnachtsfestes verfügt, daß die z w e i t e Hälfte der Dienft- belüge her Reichsange stellten für den Monat Dezember 1933 bereits am 20. De- 3 e m b e r und Der am Freitag, 22. Dezember fällige Lohnder Arbeiter im Reichsdienst sckon am 21. Dezember ausgezahlt werden kann. Die im allgemeinen am 10. jedes Monats fällige Hälfte des Monatsbezuges der Reichsbeam t en kann in den Monaten, in denen der 10. auf einen Sonntag ober gesetzlichen Feiertag fällt, schon am vorhergehenden letzten Werktage ausgezahlt werden. Handwerk und Arbeitgeberverbände. Berlin, 6. Dez. (ERB.) Der Reichsstand des Deutschen Handwerks teilt u. a. mit: Durch Die Auflösung Der Industriellen Arbeitgeberverbände ist in Den Kreisen des Handwerks eine gewisse Beunruhigung eingetrefen. ob a u ch Handwerksoerbände unter Diese Auf» losungsbeschtüsje fallen. Wir können hierzu mit« teilen, daß die handwerklichen Organisationen, d h. Die Innungen, Die Fnnungsausschüsse, die Fachverbände, die Landesfachverbände. die R-ichssach- oerbänbe ufro. nicht von diesen Auflösungs- beftimmungen betroffen werden. 40jähriaes Oienstjubiläum des Generaldirektors Or. Oorpmü'ler arbeitsminifter Die Ermächtigung, Die Berufs, krankenkassen, die infolge der Neugliederung Der Angestelltenoerbände Durch Ver schmel- Zungen entstanden sind, al» Ersatzkas« l«n $ u3 u la f f e n. Da auch einige andere Erjotz- fafjen veadsichtigen, sich zur Vereiniachung unb Ver- biOigung Der Bcrroalung z u s a m m e n z u s ch I i e « Öen. ist der Reichsarbeitsminister ermächtigt wor« den, späterhin die Bereinigung von Erjag- lassen in geeigneten Fällen zuzulassen. OosOeuliche^ole^reuz.mneuenStaat Popoffs Quittungen. Erneute Schriftprobe angeordnet. Auf Antraa Des Oberreichsanwalts wird bann Dr. Schatz m feiner Eigenfä-aft als Schrif tfach. o e r st a n d i g e r Darüber gehört ob d i e b e i P o - ten Quittungen mit Der Unterschrift „Pete r* von Dem als Zeugen vernommenen Werner Hirsch stammen. Sachverständiger Dr. Schatz: 9m Vorverfahren habejd) Die Quittungen Des Popoff unb die Des £vr'°) verglichen. Es sind zwar einige Abwei - 7 u. n 9e n vorhanden, aber bezeichnend für Die 9Dcn* sttat sind die Größenverhältnisse, die Druckverbin- Düngen, Die An- unb Abstriche. Das inzwischen ein- gegangene neue Material habe ich leider erst fvät bekommen. 1 w Der Vorsitzende bittet den Sachverständigen, noch C 1 n I71 a Lb,c Handschriften genau zu prüfen und erstatten ^Iaboi,er9 has abschließende Gutachten zu Der Techniker Kruger wird bann über die jragc Des Funktionierens Des H a u s t e l e- fons im Reichstagsgebäube befragt. Er erklärte baft Die Apparate in Orbnung geroefen feien. Ueber bas Geräusch, bas Der Garderobendiener Kohls bei feinen vergeblichen Anrufoersuchen im Apparat gehört haben will, lasse sich keine Klarheit schaffen. Rach Vernehmen weiterer Zeugen, die feine wesentlichen Bekundungen mehr machen können er- klart der Vorsitzende, baß die Bew ei sauf, n a h m e b e e n d e t sei, bis auf bas Schlußgutachten, Das Dr. schätz über Die Peter-Quittungen vor den Plädoyers erstatten will. Nächste Sitzung Mittwoch 13. Dezember. .. Be rlin, 6 Dez. (WTB.) Am 7. Dezember 19.33 sicht der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Dr.-9ng. ehrenhalber Julius Dorp- müller, Vorsitzender des Verwallungsrats und Generaldirektor Oer Reichsautobahnen, auf eine 4 0jährige Dienstzeit zurück. Vor 40 Jahren hat er in Aachen als ‘Jtegicrungcbauführcr des Eisenbahn- unb Straßenbauiachs seine Laufbahn bei der Eisenbahndirektion Köln begonnen. 1908 trat er in den Dienft Der Kaiserlich- Chinesischen Staatsbahn Tientsin— Pukow über, um als Chefingenier Den Bau Des 700 Kilometer langen Nordabschnitts Dieser Bahn zu leiten, für die er auch Die Bctriebsführung über- nahm. Nachdem China 1917 in Den ‘Iß’ltfrieg ein- trat, wurde er aus Dem chinesischen Staatsdienst entlassen. Der drohenden Internierung enhog er sich durch die Flucht. Er kehrte nach Deutschland zurück und war bei Kriegsende bei der Organisation Der Kriegstransporte auf den transfaufa- fischen Eisenbahnen tätig. 1922 bis 1924 leitete er als Präsident die neuerrichtete Reichs- bahnbireftion Oppeln und vertrat in Verhandlungen mit Polen Die Deutschen Interessen. 1924 nach Essen versetzt, arbeitete er Dort unter Den schwierigen Besatzunasv'rhattntssen und erwarb sich Die Anerkennung weitester Kreise des Ruhrge- biete. Am 1. Juli 1925 wurde er auf Den Posten des ftänDigen Stellvertreters Des Generaldirektors der Deutsche Reichsbahngesellschaft berufen und nahm an Den Londoner Verhandlungen teil. Seit 1926 leitet er als Generaldirektor Die Deutsche Reichsbahn. Dollfuß ffrenqf Visz vlinarverfahren «egen Ottmar Svann an. Berlin, 7. Dez. (DdZ.) Gegen den bekannten Nationalökonomen unb Soziologen der Wiener Universität Prof. Ottmar Spann ist eine Diszipli- Voruntersuchung eingeleitet worden Studenten Der Dollfuß-Richtung haben ihren Lehrer beim M n.ster wegen seiner Kritik denunziert, die er mehrfach am Dollfuß-System geübt haben soll Die DI'zl- plinaruntersuchung gegen Spann erregt In Wien erhebliches Aussehen und hat unter Der nationalen Studentenschaft große Erregung ausgelöst Professor Spanns wissenschaftliche Arbeit gilt der Sozio'ogie und Wirtschaftslehre des neuen Staates. Seine Werke, die in über 200 000 Bänden verbreitet sind, wurden u. a. auch ins Englische. Schwedische und sogar ins Indische und Iapani'che übersetzt — Spann hat tm vergangenen Jahr auch hier In Gießen gesprochen. Der Buchhändlervetchanb wurde von der Polizei darauf hingewielen, daß der Vertrieb Des Buches „M ein Kampf von Adolf Hitler unb der Broschüren „Das lunpe Deutschland will Arbeit und 5rieben* und „Deutschlands Bekenntnis zum Frieden* gegebenenfalls als verbotene poll» i Der Sehnsucht Der Saardeutschen, zurück ins Reich zu kommen, nichts ändern. Wenn heute überall Kundgebungen veranstaltet würden, so geschehe bas, um den Saarländern zu beweisen, daß sie nicht auf verlorenem Posten ständen. Dem Ruf Der Saarbeoölkerung: „Wir wollen heim ins Reich* müsse der Rus: „Wir holen euch heim ins Reich" entgegengesetzt werden. Das Saarvolk kenne nur einen Ruf, nur einen Willen, nur eine Sehnsucht, zurück zum Vaterlande, zurück zu Deutschland, zurück zum Reiche Adolf Hitlers Der Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Spren- g e r, hob noch einmal die Verbundenheit des deutschen Volkes mit der Bevölkerung an Der Saar hervor unb betonte, daß es kein „Saarvolk" gebe, sondern nur Deutsche an Der Saar. Er roürDigte Die großen VerDienste Des Führers Des Bundes der Saaroereine, Staatsrat und Gauleiter Simon, Der einer Der ältesten Borkämofer des Nationalsozialismus sei. Es fei für Frankfurt eine hohe Ehre, Daß dieser Mann heute hier ge- loroch n habe. Unter feiner Führung nvrbe der Kamvt um Die Wied-rvereinigung Der Saar mit Deutschland siegreich zu Ende geführt, werben. Daß dieser Kamps heute schon halb gewonnen fei, bewies'n die gegnerischen Manö- । per. Dnr Girant Des S'-qes fei Die Saar- i u g e n D , Die heute schon her Träger h-g G"M"in- I schastsardonkens und der Verbundenheit mit Dem | deutschen VaterlanDe sei. Volkes bestimmten, das sie nicht kennen. Durch Diele Regierungskommission glaubte Frankreich den Geist des Saarvolkes beeinflussen und verfälschen xu können Aber Diei. Methode, wie auch alle Versuche einer gewaltsamen Sinnesänderung durch Verbote und UnterDrückungen, scheiterten an Der Treue Der Saarbeoölkerung. Auch Der mit Unterstützung Der verräterischen marjifti- schen Parteien propagierte Plan eines autonomen Saarftaates könne an Dem Willen und cdt ihm der Vorsitzende das .o r t Dimitroff macht Darauf erneut erregte ruf* nach Dem Richtertisch hin. Nach kurzer Be- ratung verknnDet Der Vorsitzende als Senaisbelchluß dah Dimitroff beim nächsten geringsten Anlaß aus per «itzung ausgeschlossen werden soll. Rach einer {ongeren Pause teilt Der Vorsitzende mit, daß Der Senat Die zahlreichen neuen B e w e i s a n t r ä g e De» ängefloaten Dimitroff a b g c I e h n t hat. Nur ber bulgarische Dolmetscher soll noch über einige Punkte vernommen werben. Van der Ludde zurechnungsfähig und voll verantwortlich. Tic bintachtcn der Lachvcrständigcn. Die Beweisaufnahme wird Dann mit Anhörung der medizinischen Sachverständigen sortgesegt Ge- deimrat Dr. B o n h o e s s c r (Berlins betont' daß Zweifel an der Zurechn unassähiqkeit de» Angeklagten van Der Lübbe nicht oorlieoen. Es handelt sich um einen zu OiLu« vlinverstötzen neigenden Menschen. Der, eingeengt durch kommunistische G dankengänae, ein gewiise» Geltungsbedürfnis ^eigt. Bei feinem Ber- halfen zu Beginn der Leipziger DerhanDlung han- beite es sich um einen Zustand, Der aus Der be wußten Zurückhaltung, Die bei ihm ein- Rolle spielt, hervorgeht und durch einen törpcrldien wchwachezustand noch kompliziert -wurde, der sich dann im Laufe ber Berliner Berhanblung behoben hat. Der Sachverständiae kommt zu Dem Ergebnis, daß sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, daß van der Lübbe bei B.-geHung her Tat geisteskrank war ober ben Paragraphen 51 für sich in Anspruch nehmen konnte. Privatdozent Dr. Hutt (Berlin) fügt Dem Gut- adjten von Professor Bonhoefscr hinzu, dah es sich bei Dem Verhalten Des Angeklagten van Der Lübbe um einen ganz verständlichen Verlauf handele Alles, was in ihm oorgegangen sei, fei nichts anhe- res als Die Reaktion eines gewöhnlichen M'nfch-ii aus eine ganz ungeroöhnlidjc Situation. Es sei nirgends wahrend ber Untersuchung etwas vorgekom- men, was unlösbare Rätsel im Verhalten van der Lübbes aufgegeben hätte An ber Zur.-chnungssähig. feit bc-3 Angeklagten zur Zeit der Beaehüna der Tat habe er keinen Zweifel. Auch Obermebizinalrat Dr. Schutz (Leipzia) ver- tritt Die Ansicht, Daß Das ZustanDsbild Des Ang >- klagten während der Verhandlung im wesentlichen eine Verteidungshaltung war. Der Wcch, fei seines Verhaltens am 23. November sei einfach dadurch zu erklären, daß er eine andere Ver- teibigungshaltung eingenommen habe. Es beftän* Den an Der Zurechnungsfähigkeit van Der Lubb.-s iur Zeit Der Begehung Der -tat keine Zweifel Er ic, auch heute zurechnungsfähig und vollkommen geistig gesund. ist eine Revolution unterwegs. Husten Sie nur lange genug durch." Ferner hat Dr. Mühlon gesagt, Der geringste französische Arbeiter sei intelligenter als ein Deutscher Professor. Aus weiteren Briefen ergibt sich, daß Mühlon während Des Krieges einem Gestellungsbefehl nicht Folge geleistet hat, also ein Deserteur ist. Es werden dann Ausschnitte aus wetteren Schriften und Flugblättern Mühlons ver- lesen, Die alle auf Taschenformat zuge - schnitten und für den Abwurf über deutschem Gebiet bestimmt waren, unb die in Hunderttausenden von Exemplaren in Deutsch- lanö während Des Krieges Verbreitung gefunden haben. Auf Grund einer Unterredung mit Dr. Helf- ferid) habe Mühlon auch ein Minmrandum üb?r Die persönliche Verantwortlichkeit Des deutschen Kaisers am Kriege verbreiten lassen. Der Staatsanwalt fragte Professor Dessauer, wie er dazu gekommen fei, in einem Brief an Den Frankfurter Arbeiter- unb Solbaten- r a t diesen Mühlon als eine Der geeignet ft en Persönlichkeiten zur Führung der außenpolitischen Verhandlungen unb 3ur Reorganisation im Innern vorzuschlagen. Dessauer betonte abermals, er habe Mühlon stets für einen Manschen gehalten, der fein Vaterland liebe, unb er sei wirklich Der ehrlichen Meinung gewesen, baß dieser Mann durch seine hervorragenden internationalen Beziehungen mehr für Deutschland hätte erreichen können. München-Gladbach, 6. Dez. (Lpd.) Auf Amrag der llerkibigung erhielt am Mittwoch Prof. Dessauer, der in einer Zeitung als „Zentrums' jube" bezeichnet war, Gelegenheit zu einer Erklä- rung über seine Abstammung. Der Sonderstaats, anroalt erklärte hierzu, es Dürfe unstrittig jein, daß feine Vorjahren bis zum Dritten Glied, also biszu den Urgroßeltern, katholisch gewesen seien. Dessauer ergänzte, baß beim Stammbaum feiner Mutter, Die aus Aachen gebürtig ist, sich Die Abstammung beliebig weit zurückverfolgen lasse, beim väterlichen Stamm sei eine Nachforschung möglich bis zum Dritten Glied und zwar bis 1805. So- bald der 'Jlamc Dessauer aujtauche, erscheine er in Aschaffenburg in Den Kirchenbüchern. Sein eigenes Aussehen sei setzt sehr entstellt wegen mehrerer Operationen, die wegen Der Röntgenoerbrennung not wendig wurden. Er wolle gern ein Bild aus früheren Jahren besorgen, wo er ganz anders ausge- sehen habe. Dann wird nochmals das Verhältnis von Vrof. Dessauer zu Dr. Mühlon, dem berüchtigten Deut- chenhetzer erörtert. Dessauer betonte, er habe von >ef'en Buch „Verheerung Europas" rst er- obren durch Zeitungsberichte über die Reichstags- nterpellation 1918. Aus Antrag Der Staatsanwalt- chaft werden dann die prägnantesten Stellen aus liefern Buch, das, wie der Sonderstaatsanwalt be tont, Hunderttausenden von deustch n Menschen das Leben gekostet hat, verlesen. Weiter kamen noch zahlreiche amtliche Berichte, Zeitungsausschnitte ufro. zur Verlesung. Um Darzulun, daß sich Die Dcffcnb lschkelt sehr stark mit Dem 'landesoerräterischen Treiben unb mit dem Buche Mühlons befaßt habe unb daß auch Dessauer davon Kenntnis gehabt haben muh. U. a. ließ ber Staatsanwalt Auszüge aus amtlichen Veröffentlichungen des ainerikanifchen Staatsdepartements wiedergeben. Hierin berichtet Wilsons Vertrauensmann in der Schweiz, Herron über seine Aussprache mit Dr Mühlon Mühlon, Der ''N bereits immer für hm Eintritt Amerikas in m r i e g und für feine Fortsetzung bisznr vö11i aen NieDerringung Deutschlands einoe- setzt hatte, sagte zu Herron u. a.: „In Dentsu land als Zeuge dazu vernommene Hausinfpektor Sera« nowitz erklärt u. a.: Wir haben Das Sangajol nur zur LerDünnung von Bohnerwachs ver- roandl, weil eine solche Mischung praktischer und billiger war als Hüfiigcs Bohnerwachs. Zum Ab - reiben der Möbel im Plenarjaal wurd. nut f_e h r wenig Bohnermasse genommen, und Die Fuße vom Gestühl Des Plenarsaale» wurden i m 3 a h r e nur etwa zweimal abgerieben Der BoDcn Des Plenarsaales roirD nicht gebohnert, weil er mit Teppichen belegt ist Zum legten Mal sind im Plenarsaal Die Tische und Suchte mit Der Bohnermasse abgerieben worben im Herbst 1931 7« Provision CupkuiiaADIlllai Markneu kirchen/Sa. Taubere, ehrliche Frau ftir 1 Stunde vor» mittags gesucht. hnD iVrae Tr Thtiriot SUicenftrnfee 20 II. Wenn Sie bohnern Betest Bohnerwachs Gf-38 sollten Sie nicht irgendein Bohnerwachs, sondern die Marke Gefest verwenden. Gefest garantiert hochwertige Qualität zu niedrigem Preis. Gefest schmiert und fettet nicht, gibt mühelos schönsten Glanz, ist wasserfest und macht den Boden gehfest Mit diesen Vorzügen erhalten Sie Gefest stets in gleicher Güte überall und zum selben vorteilhaften Preise. Also nicht Bohnerwachs, sondern Gefest verlangen! 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