Nr. 28? Drittes Blati ©leßener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen- Donnerstag, 1. Dezember (953 MW'm empfing die Sieger der „Getreideschlachl". >- Links: der Duce; in der Mitte: der Landwirtschaftsminister 21 c e r b o, der die Ergebnisse der diesjährigen Getreideernte verlas. Lin neuer Weg der Krebsbekämpfung. profeffor Zicheras Heilersolge.-ZG.-Farben stellen das neue Krebsheilmittel her. Bon Dr. H In einer Presfekorferenz, die das Reichsministerium für Propaganda und Volksaufklärung unter der Leitung von Dr. T h o m a l l a für die ärztlichen Mitarbeiter der Tageszeitungen veranstaltete, wurden ungewöhnlich wichtige und aufschlußreiche Mitteilungen über eine aussichtsreiche neue Methode der Krebsheilung gemacht (von der schon kurz berichtet wurde). Es ist außerordentlich dankenswert, daß das Ministerium in einer so wichtigen 2lngelegenheit für eine absolut sachkundige und sachliche Berichterstattung Vorsorge getragen Hot. Man kann nur wünschen, daß diese Methode die Oeffentlichkeit in wichtige Fortschritte der Medizin einzuweihen, Schule machen wird, damit die bedauernswerten Kranken vor übertriebenen Hoffnungen und gefährlichen Enttäuschungen bewahrt bleiben, wie sie leider allzu häufig erweckt worden sind. Das große Gebiet der Krebsentstehung und Krebsheilung ist bisher geradezu der Tummelplatz des Kurpfuschertums und der Sensationsberichterstattung gewesen. Unzählige Male ist der nach der heutigen wissenschaftlichen Anschauung gar nicht existierende Krebserreger gefunden worden. Heilkundige Schäfer, Dorfschullehrer, Ingenieure und sogar auch Aerzte haben angebliche Allheilmittel gegen die furchtbare Krankheit entdeckt und für ihre wertlosen Mittel mehr oder weniger geschickt die Reklametrommel gerührt. Immer wieder blieben doch nur zwei wirklich Erfolg versprechende Heilmethoden übrig, das Messer des Chirurgen und die Bestrahlung. Bedauerswert die Vielen, denen weder das eine noch das andere mehr half, weil die Krankheit zu spät erkannt worden war. Oder weil sie an einer Stelle saß, wohin weder die Strahlen des Radiums . JRebmann. noch das Operationsmesser gelangen konnten. Sie waren bisher rettungslos verloren. Solchen Hoffnungslosen zu helfen, ist das Bestreben mehrerer Forscher gewesen, unter denen an erster Stelle der italienische Krebsforscher Professor F i ch e r a steht. Seit 25 Jahren arbeitet dieser hervorragende Arzt an der Auffindung eines Mittels, das die Krebskrankheit noch wirksamer bekämpft als Operation und Radiumstrahlen. Jetzt endlich kann er über den entscheidenden Schritt berichten, der eineg ganz neuen Weg der Krebsbekämpfung eröffnet. Prof. Fichcra geht von jenen merkwürdigen Erfahrungen aus, die durch einen Zufall vor mehr als 50 Jahren in der Bonner Klinik des Professors Wilhelm Busch gemacht wurden. * Dort gab es ein Bett, das nur noch Erysipelbett hieß, weil jeder Kranke, der hineingelegt wurde, Erysipel (Rose) bekam — daß Rose eine Infektionskrankheit ist, wußte man damals noch nicht — in dieses Bett geriet nun zufällig ein Kranker, der an Gesichtskrebs litt. 2luch dieser Patient bekam Rose, aber unerklärlicherweise wurde von diesem Zeitpunkt an die Krebsgeschwulst immer kleiner und kleiner, bis sie schließlich ganz verschwand. Prof. Busch legte nun absichtlich unheilbare Krebskranke in dieses Bett, und siehe da, in mehreren Fällen trat nach der Erkrankung an Rose eine Besserung, ja ein Verschwinden der Krebserscheinungen ein. Aehnliche merkwürdige Zusammenhänge zwischen gewissen In- sektionskrankheiten und Krebs fanden noch andere Forscher, so z. B. der Heidelberger Professor Dr. Otto T e u t s ch l ä n d e r, der über krebskranke Hühner und Mäuse berichtete, bei denen nach einer Erkrankung an Tuberkulose Krebsgeschwülste zurück- gingen, ja er konnte nach weisen, daß bei manchen Tieren, die eine Tuberkulose überstanden hatten, überhaupt eine Jmunität gegen Krebs vorhanden war. * Diese aufsehenerregenden Tatsachen, auf denen teilweise auch Prof. F i ch e r a seine Forschungsarbeit aufbaute, hängen damit zusammen, daß der Krebs eine Allgemeinerkrankung des Körpers ist und nicht etwa eine lokale, wie man lange angenommen hatte. Das Rätsel der Krebskrankheit liegt in der Krebszelle. Man weiß heute, daß die Krebszelle einen anderen Stoffwechsel hat als die gesunde. Sie ist viel anspruchsloser als die normale und kann ihren Zellkörper aus Substanzen aufbauen, die für die gesunden Zellen nicht aus- reichen. Krebs ist also eine Zellkrankheit. Er bedeutet nichts anderes, als daß irgendwo im Körper Zellen ihre normale Lebensbahn verlassen haben. Wie geschieht das und weshalb? Kann Krebs durch die verschiedenartigsten Reize chemischer oder physikalischer Art erzeugt werden? Z. B. bekommen Brikettarbeiter, die fast ständig im Kohlenstaub arbeiten, häufig Lungenkrebs, ebenso kriegen Pfeifenraucher von dem beizenden Nikotinsaft gelegentlich Lippenkrebs: aber immer nur einzelne, warum nicht alle? — Zweifellos gibt es im Organismus gewisse Abwehrstoffe, die die Krebsbildung verhindern oder erschweren. * Hierher gehört auch die Tatsache, daß Menschen, die gewisse Infektionskrankheiten, z. B. Furunkulose, gehabt haben, selten an Krebs erkranken. Ja Prof. F i ch e r a stellte in vielen Fällen fest, daß es gerade die sogenannten „kerngesunden" Menschen sind, die im vorgeschrittenen Alter plötzlich Krebs bekommen. Andererseits zeigen sich an krebskranken Mäusen und anderen Tieren kurz vor Beginn der eigentlichen Geschwulstbildung Veränderungen an der Milz, Leberschrumpfung usw. Daraus schloß Prof. Fichera, daß es die Produkte gewisser Organe sind, die die Krebsbildung verhindern, also das 'Zellwachstum im Zaume halten, und daß bei Krebskranken diese Abwehrstoffe fehlen. * In jahrelanger, mühsamer Arbeit gelang es Prof. Fichera endlich, Organextrakte herzustellen, die tatsächlich die Krebsgeschwülste beeinflussen und zur Heilung bringen können. Eine große Schwierigkeit bestand allerdings zunächst darin, ein solches Präparat steril und haltbar herzustellen. Die endgültige Lösung dieses Problems aelanq erst in Zusammenarbeit mit der I. G. Farbenindustrie, in deren Laboratorien das Ficherasche Präparat verbessert wurde. Es ist heute als trockenes, leicht lösliches Pulver in Ampullen zu haben und wird an alle Aerzte, die sich dafür interessieren, gegen Erstattung der Selbstkosten abgegeben. * Was die praktischen Heilresultate angeht, so kann natürlich noch keine Rede davon fein, daß jetzt ein unbedingt sicheres Allheilmittel gegen den Krebs gefunden fei. Immerhin sind die Erfolge Prof. Ficheras außerordentlich vielversprechend. Er hat bisher 300 Kranke behandelt, davon über 100 hoffnungslose Fälle, bet denen weder Operation, noch Bestrahlung mehr helfen konnte. 9 bis 10 v. H. von diesen hat er geheilt und bei weiteren 9 n. H. war weniastens ein Stillstand der Geschwulstbildung festzustellen. Das Fiche- rasche Präparat wird in einer drei- bis fünfmonatlichen Behandlung zweimal wöchentlich eingesprißt, und diese Behandlung muß nach Bedarf wiederholt werden Die außerordentlich sorgfältige Nachkontrolle. die Prof. Fichera in jedem einzelnen Falle durchlührte, zeigt, daß das Ficherasche Präparat die Krebszellen entweder zur allmählichen Auflösung bringt, oder aber wenigstens das bösartige G"schwulst in ein gutartiges verwandelt. Gleichzeitig zeigt auch das Blutbild des Patienten entsprechende Veränderungen. Es darf wohl keinem Zweifel unterliegen, daß mit diesem neuen Angriff auf die Krebskrankheit ein ganz gewaltiger Schnitt nach vorwärts getan ift, und daß nun endlich Aussichten bestehen, dieser Geißel der M"nschheit mit wirklich ausreichenden Waffen zu Leibe zu gehen. Prof. Jakob Bleyer, der Führer des ungarischen Deutschtums, der wegen seines mannhaften Eintretens für seine Volksgenossen schwere Anfeindungen zu überwinden hatte, ist in Budapest im Alter voll 59 Jahren gestorben. * Das Ableben Dr. Bleyers hat auch in Berlin tiefstes Bedauern ausgelöst. Bleyer war ein guter ungarländischer Patriot, der an berIrene zu feinem Vaterlande niemals einen Zweifel hat aufkommen lassen. Sein Herz war erfüllt von einem Gefühl stärkster Verbundenheit mit seinem deutschen Volk, für das er sich bis zu seinem letzten Atemzuge ein- setzte. Die ungarländischen Deutschen verlieren in Professor Bleyer einen vorbildlichen und unersetzlichen Führer. So ist nur verständlich, daß die Trauer um den Dahingeschiedenen bei den in Ungarn lebenden Deutschen aufrichtig und allgemein ist. Diese Trauer ist aber auch eine Trauer des gesamten deutschen Vol« kes, den Jakob Bleyer war immer ein aufrechter tapferer deutscher Kämpfer, der sich um die Erhaltung des Deutschtums in Ungarn in hervorragender Weise verdient gemacht hat. Anläßich des Ablebens von Dr. Bleyer sind am VDA. - Hause Trauerfahnen gesetzt. Der Reichsführer Dr. Steinacher hat an die Angehörigen und den ungarländischen deutschen Volksbildungsverein Beileidstelegramme gerichtet. Er wird persönlich an der Beerdigung Dr. Bleyers in Budapest teilnehmen. Der Zoll des Marburger Professors Manigk. WSN. Marburg, 5. Dez. Gelegentlich eines von Studenten und Ortseinwohnern stark besuchten Zellenabends der NSDAP, nahm der Propagandaleiter des Gaues Kurhessen, G e r l a n d, auch Stellung zu dem Fall Manigk. der bekanntlich die Marburger Studentenschaft zu schar- fen Abwehrmaßnahmen veranlaßte. Der Professor für römisches und deutsches bürgerliches Recht, M a- n i g k, glaubte in einer Vorlesung mit intellektuali- stischer Dialektik beweisen zu können, daß „die Idee des Nationalsozialismus nicht deutsch, sondern Importware" sei. Der Gaupropagandaleiter führte dazu aus, daß man über solche Aeußerungen des Professors, der als Einzelner sich aus seinen Volksgenossen heraushebe, hinweggehen könne, wenn er nicht an verantwortlicher Stelle stände und nicht durch den Staat selbst als Erzieher der deutschen Jugend bestimmt wäre. Das deutsche Volk sei nicht gewillt, die Ideen der deutschen Jugend durch demokratische Dialetik vergiften zu lasien. Wenn der Professor es immer noch nicht verstanden habe, daß die Ideen des Nationalsozialismus nicht auf einem vollen Geldbeutel basierten, und wenn er lo- gar glaube, sich diesen Idealen in zynischer Weise widersetzen zu können, so sollte er auch den Mut haben, diesen Idealen und diesem Staat endgültig den Rücken zu kehren. Kultusminister R u st werde in Kürze die Angelegenheit, die nicht nur etwa die Studenten, sondern das ganze Volk angehe, regeln. Deutscher Feierabend. Don Werner Lenz. Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Staatsrat Dr. Ley, sprach kürzlich über die Organisation des Feierabends, die dem deutschen.Volke wieder die Freude am Leben schenken soll. Im nachstehenden Aufsatz wird ergänzend gezeigt, daß auch im deutschen Volke selbst eine unerschöpfliche Quelle der Lebensfreude ist: die deutsche Familie. Das Volk soll zum Volke gehen! Wie es in ye- meinsamer Arbeit sich findet, so sott es auch im Sonnenlichte der Oeffentlichkeit zu frohem Feste und zu erfrischender Wanderung einander die Hand reichen. Es sollen sich alle Volksgefährten in Werktagsernst und Feierstundenfreude recht nahe kennen lernen, damit sie dann auch bereit sind, in der Stunde völkischer Not und national-patriotischen Daseinskampfes miteinander zu gehen und beieinander zu stehen. Jeder einzelne Deutsche bedeutet eine Note in der großen Symphonie „Vaterland", und aus dem Zusammenklingen aller pochenden deut- chenHerzen,ausdenAkkordenderdeutschenSeele baut ich das einheittiche-harmomsche Meisterwerk auf, las himmelanbrausend deutsches Nationalbewußt- ein und deutschen Lebenswillen verkündet. Die Volkheit verlangt nicht nur Einfügung des einzelnen V o l k s g e f ä h r t e n , sondern sie verlangt von ihm auch die Hingabe seines ganzen Selbstwertes an das gemeinsame Leben im Saate. Selbstwert aber wird vorbereitet im Schoß der deutsche Familie! Turnvater Jahn dem wir das Wort „Volkstum" verdanken, sagt: ,-3m Familienglück lebt die Vaterlandsliebe, und der Hochaltar unseres Volkstums steht im Tempel der Häuslichkeit!" Ein deutsches Wort, ein wahres Wort' Die deutsche Mutter, der deutsche Vater sind die ersten und berufensten Erzieher des deut- chen Kindes zu einem Charakter, zu perfon- icher Ganzheit! Die erste Arbeit lernt das Kind daheim, und die Tore der Geselligkeit offnen sich ihm zuerst im Elternhause So wird der Erwachsene denn auch immer wieder nach seinen Wegen ins weitere Leben, nach semer Teilnahme an volklicher Arbeit und an völkischen Festen den Weg in die Familie suchen und finden und den Semen im guten, deutsche^ Sinne — also ohne zimperliches Spießertum - das Familienleben sichern und den deutschen Feierabend viele Male im Jahre bescheren. Gerade für die Heranwachsenden Klnder ist die Verinnerlichung des Familienlebens unbedingt »nimonhia: {Alibi ii» hL»L> hnA nur mnnthoXD Unheilvollen Einfluß. Und, was das Beste ist, ist die Tatsache, daß das Familienleben nicht das Vorrecht einiger Klassen ist, daß es nicht erkauft werden kanm sondern erlebt werden muß und von allen Schichten des Volkes in gleicher Stärke erlebt werden kann! Altes deutsches Volkstum steckt in jeder Stunde des deutschen Feierabends! Ist es doch nicht nur die in sich abgeschlossene Familie, die ihn begeht! Sommerabende verlegen den deutschen Feierabend ins Freie, in die nachbarliche Gemeinsamkeit. Die jungen Leute, Mädchen und Knaben, sitzen heute noch um die Dorflinde oder umkreisen Arm in Arm, luftige und ernste Volksweisen singend, den Marktbrunnen, indes die Alten ihnen von den Bänken am Hause oder vorn Gemeinschastsplatze im Grünen zuschauen. Und heute noch — wenn auch in veränderter Gestalt — besteht b i e winterliche Spinn st ube vielerorts, mag auch die Spindel anderer Handarbeit gewichen sein! Im Bauernhause sitzen an den langen Abenden des Spätjahres Eigentümer und Gesinde mit der Familie bei der gemeinsamen Lampe, erledigen die nie fehlende Kleinarbeit des Haushaltes oder Eigenbedarfs, und einer erzählt aus dem deutschen Volksmärchenschatze oder von Krieg und Frieden. Auch lieft der Hausherr wohl aus der Zeitung vor und aus dem Jahreskalender, dem „Hinkenden Boten" z B. in Süddeutschland, oder man singt ein Lied, man hört ein Stücklein, das der junge Bauernsohn auf der Ziehharmonika spielt. Ja — ob es im städtischen Hause ist oder im bäuerlichen Heim — auch der Rundfunk hat feinen wesentlichen Anteil am Zauber der Feierabendruhe: denn mit ihm schaut hin und wieder ein Stück der Außenwelt in die trauliche Stube. Den deutschen Feierabend haben unsere besten Dichter besungen, so Goethe in dem hohen Lied des Familienlebens „Hermann und Dorothea", Schiller in der „Glocke" und Johann Heinrich 93 o 6 in feinem „Siebzigsten Geburtstag". Deutsche Maler — Defregger, Thoma, Knaus, Richter, Kaulbach — haben ihn uns bildlich festgehalten, wie ja auch schon der reiche Kaufmann, der sich früher, als es noch keine Lichtbildkunst gab, im Kreise der feierabendlich versammelten Familie mit Stolz und Kulturbewußtsein porträtieren liefe. Einen deutschen Feierabend beim alten Kaiser Wilhelm schildert einmal Bismarck, der auch seinerseits am seltenen Feierabend sich die treue Gang- pfeife ansteckte und dem Klavierspiel der Seinen 3ubötfte. Am Hofe. des alten Kaisers saß man nach schlichter deutscher Art zusammen: die Kaiserin flöhte an einer Tapisserie, der König besah Bilder — Kupferstiche und Holzschnitte —", „die jungen Leute unterhielten sich" ooer „Alexander von Humboldt — ein häufiger Gast im engsten Hofkreise — las etwas vor": er oder ein anderer hielt einen wissenschaftlichen Vortrag, „bis es kalte Küche und roeifeen Wein" gab. Und Friedrichs des Großen durchgeistigter deutscher Feierabend ist in Adolph von Menzels Meisterwerk „Flötenkonzert in Sanssouci" mit allen seinen feinen Reizen bargeftellt. Richard Wagners Feierstunde und Entspannung nach schwerer Arbeit war in heiteren Gesprächen mit den Seinen und mit lieben Freunden nach deutscher Art wohl bereitet! Und wer vergäße Den Zauber des rheinischen Feierabends, der dort einmal in fröhlichem Familienkreise auf der mit Windlichtern erleuchteten Veranda „e Böwlche" getrunken hat. Sitzt der Vater mit den Kindern am Tisch und „bastelt", während Mutter die — ach, nie versiegenden — Nöte der Flickarbeit und Strumpsstopserei bekämpft, oder denken wir an die „ästhetischen Tee- Abende" der Biedermeierzeit ober versetzen wir uns in ben Feierabenb, ber bem Knaben Theoder Kör- n e r so oft beschert war, wenn um bie Tischlampe herum neben Eltern unb Geschwistern Schiller, Fichte ober auch Goethe als Gäste unb Freunde saßen — immer ist es beutfdjer Geist, ber nach getaner Arbeit Erholung, zugleich aber auch schon roieber neue Anregung sucht und bietet. Denn bas Geschenk bes Feierabenbglückes ist ein gegenseitiges, unb ber jüngste Knabe, bas schüchternste Mäbchen tragen ebenso unverzichtbar bazu bei wie bas Gespräch erfahrener Männer — unb fei es auch nur burch bas Leuchten ihrer kinblich-aufmerk- famen Augen In ber Stille bes deutschen Feierabends erwächst unb erstarkt die deutsche Sitte, blüht deutsche Freude am Guten, Wahren, Schönen und zugleich bas Bewußtsein ber Verwurzelung im beutschen Volksleben. „Schwarzwaldmädel^ als Ulm. Die Verfilmung der bekannten Operette „Schwarz- walbmädel" von N e i d h a r d t und I e s s e l ist ein großer Erfolg geworden. Im Ensemble der Hauptdarsteller wirkte auch Fräulein Liesel Geling mit, die im Film, wie zuvor in Gießen auf der Bühne, die Rolle bes Bärbele spielte, lieber ihre Leistung lesen wir in einem Berliner Blatt folgenbe kritische Aeußerung: „Eine Neuentbeckung bes Tonfilms, Liefet Geling, blonb, naiv, bilbschön, stellt glaubhaft unb mit bezwingendem Charme das Glück und Unglück des Schwarzwaldmädels Bärbele bar. Wenn an dec Stimme noch ordentlich gearbeitet wird, und wenn es gelingt, bie Natürlichkeit der jungen Schauspielerin zu erhalten, dann hat ber Tonfilm eine neue Zugkraft." Das Gießener Publikum darf die beliebte Darstellerin zu diesem hübschen Erfolg besonders herzlich beglückwünschen. Zollschranken vor hundert Jahren. „Man zahlt unaufhörlich Chausieegeld" klagte der Reisende in Deutschland vor hundert Jahren. Eine chaotische Verkehrserschwerung hatte zur Folge, daß Deutschland von 38 Zoll- und Mautlinien durch- zogen wurde, daß in Den altpreußischen Provinzen 67 verschiedene Zolltarife bestanden, in den neuen Provinzen die kursächsische Asziie oder gar noch schwedische Zölle galten, ganz zu schweigen von dem selbst innerhalb der einzelnen Länder und Länder- chen herrschenden Münzwirrwar. Allein auf der Strecke von Dresden bis Magdeburg waren 16 Zollstätten zu durchlaufen. Dieser selbstmörderische Zustand hatte für das Staatsgebiet Preußens erst durch das Gesetz vom 26. Mai 1818 sein Ende gefunden, so daß ein Historiker dieser Zeit schrieb: „Bis dahin bildeten die verschiedenartigen Lanbes- teile im Westen unb Osten, bie altererbten, bie roiebergeroonnenen, die neuerworbenen, eine Herrschaft: sie wurden durch das Gesetz von 1818 eine Lebensgemeinschaft: ber Name „Preußen" bebrütete fortan ein großes Wirtschaftsgebiet — unb Millionen Deutsche, befreit von all ben verwickelten Zoll-, Durchgangs- unb Hanbelsabgaben, welche sie bisher ooneinanber getrennt, besiegelten ihre ibeale Zusammengehörigkeit in ungehindertem Verkehr burch die Gemeinsamkeit aller Lebensinteressen." Diesem unverkennbaren Segen für 10 Millionen Deutsche, bie preußische Staatsbürger waren, folgte indessen ber Fluch für das übrige Deutschland, handelspolitisches Ausland zu fein. Dr. Alfred Weife, der Leiter der Kulturabteilung des Stahlhelm-Bundesamtes, erinnert im Dezemberheft von Velhagen 8- Klassings Monatsheften daran, daß am 1. Januar 1834 der Deutsche Zollverein in Kraft trat, ber, leider mit Ausschluß Oesterreichs, 10 Staaten mit 23 Millionen Einwohnern umschloß. Es läßt sich heute kaum mehr nachfühlen, „wie freudig die erste Stunde des Jahres 1834 von der Verkehrswelt begrüßt wurde. Lange Wagenzüge standen auf ben Hauptstraßen, die bisher durch'Zollinien zerschnitten waren. Sowie die Mitternachtsstunde schlug, öffneten sich allo Schlagbäume, unb unter lautem Jubel eilten bte Wagenzüge über bie Grenze, die sie fortan in voller Freiheit sollten überschreiten können. Alle waren von dem Gefühl durchdrungen, das Großes erreicht feL* §JlXfpOTt 1900 Gießen siebenmal in der 30-Bestenliste der DSB. Die Deutsche ©portbehörDe für Leichtathletik hat dieser Tage m ihrem amtlichen Organ „Start und Ziel" die offizielle Liste der 30 besten Reichs- deutschen sowie eine Rangliste der Vereine heraus- gegeben. Die Spieloereiniaung 1900, die, wie bereit- berichtet, in Westdeutschland zu den führenden Vereinen zahlt, ist auch in der Reichsliste recht gut plaziert, iis rangieren f>. Jung mit 3,52 Meter an 12. Stelle im Stabhochsprung und mit 58,8 SeL an 24. Stelle im 400-Meter-Hurdenlaus, P. Gerhardt mit 3:00.55,2 Stunden an 14. Stelle im Marathonlauf und mit 34:18 Min. an 28. Stelle im 10 OoO-Meter-Lauf, Unterfeldwebel 0. Guael mit 1-1,32 Meter an 14. Stelle im Kugelstoßen, A. KiIomit 42,70 Meter an 15. Stelle im Diskuswerfen und Unterfeldwebel 5). Steines mit 3,35 Meter an 30. Stelle im Stabhochsprung. Die Genannten dürfen die zur Verleihung kommende 30- Beftennadel der DSB mit Stolz tragen, denn bei dem ausgezeichneten Niveau gerade der deutschen Leichtathletik können nur über dem Durchschnitt stehende Könner für diese Auszeichnung in Frage kommen. In der DSB-Dereinsrangliste hat die Spielvereinigung 1900 dieses Jahr einen beachtlichen Sprung nach oben getan. Sie steht mit 71 Punkten an 35. Stelle Inmitten bekannter reichsdeutscher Leichtathletikoereine. Der Skisport in der Studenten sch ast. Die Führer des Deutschen Ski-Derbandes und des Amtes für Leibesübungen der deutschen Stu- tunten haben ein Uebereinkommen getroffen, um die Angelegenheiten der skisporttreibenden Studenten zu ordnen und zu leiten. Sämtliche den akademischen Skisport betreffenden Fragen, wie die Organisation von Wettkämpfen, das gesamte Lehrwesen (Skikurse, Tourenkurse), die Entsendung von Mannschaften ins Ausland, unterstehen dem zum Obmann für Skilauf ernannten Heinrich Lührmann. Um eine einheitliche Regelung des akademischen Skilaufs in ganz Deutschland zu gewährleisten, beruft das Amt für Leibesübungen jeder Hochschule, die am Skilauf interessiert ist, im Benehmen mit dem Institut für Leibesübungen und dem Führer des betreffenden Bezirkes des DSD. einen Obmann für Skilauf. Dieser Obmann hat die Verbindung zwischen dem Amt für Leibesübungen und dem Führer bzw. Sport- oder Lehrwart des betreffenden DSD.-Bezirkes auf- recht zu erhalten und organisiert im gleichen Einvernehmen die Skiwettkämpfe. Er sorgt weiterhin für die Durchführung von Ski - und Tourenkursen und schafft akademischen Skiläufern so- wohl an der Hochschule wie im Gebirge Trainingsmöglichkeiten. Turnersiihrer-TagiinOesKreisesLchn-JilKDT.) Unter der Leitung des Kreisführers Karl Dau* pert lWieseck) sand am Sonntag im „Bayerischen Hof" zu Gießen die erste Tagung des Führerrings im neuen Turnkreis Lahn-Dill (Gau Nordhessen, DT.) statt. Die Deutsche Turnerschaft (DT.) gliedert sich nach den neuen Bestimmungen in 17 Gaue. Unter diesen ist der Gau Nordhessen mit über 65 000 Mitgliedern der Gau XII. Er ist eingeteilt in die beiden Bezirke Kassel und Gießen. Der letztere hat sechs Kreise. Einer davon ist der Kreis Lahn-Dill, der wieder in vier Kreisgebiete (Dillenburg, Wetzlar, Gießen und Alsfeld) gegliedert ist und 112 Vereine Mit. Zu ihm gehören auch 33 Vereine des früheren ADT.-Gaues Lahn-Dünsberg. Kreisführer D a u p e r t führte in seiner Begrüßung aus, daß man heute keine ernstere Tagung beginnen könne, ohne der Größe unserer Zeit und der Führer zu gedenken, die Deutschland, das durch seine parteipolitische Zerrissenheit aus vielen Wunden blutete, zur Einheit und Volksgemeinschaft führten. Die Deutsche Turnerschaft schritt schon immer auf dem Wege zur Volkseinheit. war es doch das große Vermächtnis ihres geistigen Vaters und Vorbildes Friedrich Ludwig Jahn, für Deutschland und dessen Einheit zu wirken und zu kämpfen. Wir Türner begrüßen darum den nationalen Umschwung und arbeiten gerne mit zum Wohle und Segen von Volk und Vaterland. Der Oberturnwart des Gaues Nordhessen, R PauI (Gießen), überbrachte die Grüße des Be- z-rksführers Dr. Rau ^Butzbach). In vackenden Worten schilderte der Turnwart das Wesen der D.utsch.'n Turncrschaft und betont, daß deren Arbeit schon immer Kulturgut bester Art war, und daß die Turner auch im neuen Reiche freudig mitbauen wollen. Die Zusammenarbeit zwischen SA., HI. und d'n Turnern ist noch nicht endgültig geregelt. Da ist es Pflicht eines jeden Turners, auf dem an- vertrauten Posten auszuharren und ein gutes Verhältnis mit den Kameraden der SA. und HI. zu pflegen. Oberturnwart Paul schloß mit den Worten 3m Geiste hin zu Turnvater 3ahn, In der Arbeit im neuen Reiche vorwärts und aufwärts mit Adolf hitlerl Die Erledigung der reichhaltigen Tagesordnung begann mit der Verpflichtung des neu ernannten Führerrings. Die Leitung des Kreises Lahn-Dill liegt in den Händen folgender Turner: 1. Führer: Karl Dau pert, Wieseck, 2. Stellvertreter des Führers: Oberförster Erich Zobel, Haiger, 3. Schatzmeister und Schriftwart: noch unbesetzt, 4. Dbcrturnroart: Paul Schüler, Wetzlar, 5. Männ"rturnwart: Karl Reuter, Gietz-n 6. Frauentumwart: Hch. Schneider, Wetzlar. 7. Volksturnwart: Ludwig Malkomesius, Gießen. 8. Schwimmwart: Will). Luft, Wetzlar. 9. Spielwart: Albert Luh, Allendorf (Lahn). 10. Pressewart: Lehrer Zöller, Hausen (Gießen). 11. Dietmar!: Dr. E. Römer, Grohen-Linden. Zu Führern der Äreisgebiete wurden ernannt: 1. Für Alsfeld: Edmond Ebeling, Alsfeld. 2. Für Gießen: Karl Daupert, Wieseck. 3. Für Wetzlar: H. Jockel, Braunfels. 4. Für Dillenburg: Erich Zobel, Haiger. Der Kreisführer richtete ernste Mahnworte an die Führer und sprach dem Sinne nach: Alle Aem- ter bringen Pflichten, doch wo Freude und Luft führen helfen, da ist die Arbeit keine Last. Als besondere Punkte der Tagesordnung wurden besprochen: Tagungen, turnerische Veranstaltungen, Lehrgänge, die Beziehungen zu anderen Turn- und Sportoerbänden und zur SA. und HI., ferner Zeitungsfragen und anderes. Zusammenfassend sei nur auf Weniges hingewiesen: die Termine zu den Tagungen werden in der Gauzeitung bekanntgegeben. Alle turnerische Arbeit, alle turnerischen Veranstaltungen sind dem Rahmen der heutigen Entwicklung anzupassen. Oeffentliche Veranstaltungen der Vereine sind der politischen Ortsleitung frühzeitig anzumelden. Wenn irgend möglich, soll jeder verein eine vcran^allung durchführen, deren Ertrag nationalen Zwecken (Winterhilfswerk) zuflieht. Die neue Gauzeitung heißt: Amtliches Gaublatt für den 12. Turngau Nordhessen. Im Schlußwort hob der Kreisführer Daupert I hervor, daß die Deutsche Turnerschaft im Sinn und ! Geist der neuen Zeit voll und ganz im Dienste des ! Vaterlandes steht und beste deutsche Aufbauarbeit | leistet. Jeder Führer möge hierbei ein Vorbild in der Leistung sein und sich in der Pflichterfüllung von niemand übertreffen lassen. Alle Arbeit möge erfolgen unter dem Motto: Glauben und kämpfen! Die sehr anregend verlaufene Tagung schloß mit ein-’m dreifachen „Gut Heil!" auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. Z. Handball im Gau XII der OT. Lützellinden II — Lang-Göns I 3:8 (2:3). Nachdem die Platzbesitzer den Gästen in der ersten Hälfte noch einigermaßen Widerstand leisteten, fielen sie nach der Pause mehr und mehr ab, so daß Lang- Gons zu einem verdienten Siege kam. Heuchelheim I — Krofdorf I 3:7 (2:4). Gegen die gefürchtete Mannschaft von Krofdorf mußte Heuchelheim trotz des Vorteils des eigenen Platzes die S'gel streichen. Die Gäste hatten bereits in der ersten Hälfte stets mehr vom Spiel und einen verdienten Vorsprung herausgeholt. Nach dem Wechsel hielt die Ueberlegenheit des Gastes weiter an und mit 3 weiteren Erfolgen stand der Sieg mit 7:3 am Schluß sicher. Allendorf a. d. Lumda — Roth 6:2 (3:0). Die Plahbesitzer knüpften an die guten Leistungen des letzten Spieles an u"d siegten recht sicher. Barggemünben — Romrod 5:1 (2:1). Beide Mannschaften lieferten sich in der Ent- fReibung in der 5. Gruppe der Kreisklasse einen scharfen und erbitterten Kampf, vor der Pause war das Spiel, trotzdem die Gäste den Wind zum Bundesgenosien hatten, ausgeglichen und brachte einen 21-Vorfprung der Platzbesitzer. Nach dem Wechsel kam Burggemunden zu drei weiteren Toren, während die Gäste feer ausgingen. Mit diesem Siege stehen beide Mannschaften, nach Verluftpunk- ten gerechnet, nunmehr in der Tabelle auf gleiche» Höhe. Münchholzhausen —Herborn 18:1. Das Spiel war im wahrsten Sinne des Wortes ein Schützenfest und sah die Mannschaft de? Siegers in großer Form. Wirtschaft. • Wirtschaftsbelebung in der Funk- i n b u ft r i e. Nachdem die Nora-Radio G. m. b. H. bereits Anfang September ds. 3s. ihre Belegschaft seit der Funk-Ausstellung um 700 Mann erhöht hatte, sind infolge der sehr großen Nachfrage nach Nora-Geräten weitere Einstellungen von insgesamt 1500 Arbeitnehmern erfolgte. Frankfurter Börse. Mittagsbörse: still. Frankfurt a. M., 6. Dez. Die In den vorhergehenden Tagen oorgenommenen größeren Verkäufe scheinen einerseits die Aufnahmefähigkeit der Börse weitgehend erschöpft zu haben, anderseits dürfte die durch sie hervorgerufene Senkung des Kursnioeaus das Publikum vorläufig noch von einer Beteiligung am Geschäft Aurücfgalten. Man hofft zwar, daß die Russenverkäufe nun ihr Ende gefunden haben, nach den gestrigen Erfahrungen ist es jedoch nicht ausgeschlossen, daß im Verlaufe der Börse doch wieder ein größeres Angebot erscheint. Aus diesen Gründen eröffnete der Mittagsoerkehr außerordentlich sttll und in großer Zurückhaltung. Farben setzten 0,65 v.H. unter gestern abend ein und gaben bald weitere 0,25 v. H. nach. Abgesehen von der technischen Situation muß man die Lage an der Börse als durchaus hoffnungsvoll bezeichnen, zumal die Wirt- schaftsberichte günstig lauten. Die allgemeine Bewegung zeigte überwiegend nach unten. Der Mon- tanmarft brachte zwar einzelne Besserungen bis 0,5 v. Sy, so bei Mannesmann, Otaviminen, demgegenüber verloren aber Klöckner, Deutsche Erdöl und Ilse-Genuß bis 1 o. Sy Der Elektromarkt zeigte Felten und AEG. gut behauptet, Siemens 0,5 o. H. höher, dagegen Gesfürel 1,5 v. H. und Schuckert 0,5 v. H. niedriger. Auch AG. für Verkehr lagen 0,5 d. Sy schwächer, Schiffahrtswerte hingegen gehalten. Der Rentenmarkt war ebenfalls sttll. Reichsanleihen bis 0,5 v. Sy nachgebend, sehr fest dagegen Stahl- verein-Mark-Bonds (4- 2,5 d. Sy, ba man ein günstiges Urteil in der Dollarfrage erwartet. Der Plan einer Umwandlung der Dollarbonds in Reichsmarkanleihen scheint beim Publikum noch keine Resonanz gefunden zu haben. Auf die stärkeren Steigerungen von gestern erfolgten heute kleine Realisationen, so daß Dollarbonds eher zur Schwäche neigten. — Der Verlauf lag etwas freundlicher, wobei anregte, daß keine Ruffenoerkäufe mehr abgewickelt wurden, was man übrigens damit begründete, daß die Wechsel- vervflichtungen bis zum 7. d. M. abgedeckt sein müssen-, so daß jetzt noch vorgenommene Abgaben für die Geldbeschaffung zu spät kämen. IG.-Farben konnten sich um 1 d. Sy auf 123 d. Sy bestem, und auch Montanaktien wiesen meist kleine Erhöhungen um 0,25 v. H. auf. Fest tagen noch Reichsdavk (4- 2 v. H.), anderseits kamen Kaliaktten bis 2 d. Sy niedriger zur Notiz. Die Reichsanleihen gaben später weiter nach, Stahloereinbonds schlosten mit 59 v. Sy, waren aber an der Nachbörse stärker gesucht und bis auf 60 75 d. Sy erhöht. Der Pfandbriefmarkt zeigte Geringe Umsätze und wenig Veränderungen. Rheinische Hnvotbeken Gold notierten etwas fester, ßiquibationspfanbbriefc waren teilweise leicht ge- ^drückt. Von Stadtanleihen gaben 6 v. Sy wertbeständige Stadt Frankfurt von 26 1 v. Sy auf 63.5 v.H, nach. Don fremden Werten sind Schweizer Bundesbahnanleihen mit einem neuen Gewinn von 1,5 v. Sy zu erwähnen. — Tagesgeld 3 v. Sy Abendbörse: still. Die Abendbörse lag fast geschäftslos, aber nicht unfreundlich. Die Kurse blieben gegen Berlin ziemlich behauptet. Einzelne Montanwerte setzten etwas hoher ein, Aku waren gefragt und 0,75 o. H. fester, während IG-Farben 0,25 v. H. verloren und fpä ter weitere 050 v.H. nachgaben, wie überhaupt im Verlaufe die Kurse infolge der Geschäftsstille etwas abbröckelten. Am Rentenmarkt lagen Reichsanleihen etwa behauptet, aber fast ohne Umsatz. Auf die Ab- Weisung der Widerklage des Stahlverein durch das Landgericht Düsseldorf blieben Stahloerein-Mark- Dbligation-m gesucht und etwa 1 v. Sy fester. Dagegen bröckelten zertifizierte Dollarbonds eher weiter ab. Don fremden Werten waren Schweiz. Bun- desbahnanl-ihen witerhin stark gesucht: 4vrozemige zogen um 3,50 v. Sy auf 127,50 o. H. und 3 5vroz. um 3 v. H. auf 120 v. H. an. Neubesitz 16,55 bis 16,50. Altbesitz 90,65, 6vroz. Stahlverein 60,50 bis 61, H-irpener 84,90, Rheinftahl 85, Stahlverein 36,38, Reichsbank 164 (—1,50 v. H ), Aku 39,25 bis 38,65 bis 39, IG.-Farben 122,75 bis 122,25, Llond 10,38. Tchwcincmarkt in (ledern. Gedern, 5. Dezember. Lus dem heutigen Schweinemarkt waren 132 Tiere aufgeiric- ben. Es wurden erzielt für 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 10 bis 14 Mark, für 8 bis 12 Wochen alte Ferkel 14 bis 20 Mark und für Läufer 40 bis 50 Mark. Durch das überaus kalte Wetter war der Auftrieb gegenüber den seitherigen Märkten sehr gering. Der Markt war in kurzer Zeit ausoerkauft. irrnntiur.-r Wrimfrcbimc. Frankfurt a. M., 6. Dez. Der Getreidegroß- markt lag bei unveränderten Preisen stetig Weizenmehle waren leicht ermäßigt. Weizen 195 Mark, Roggen 170. Braugerste 181 bis 183,50, Hafer 145 bis 147,50, Weizenmehl (Spezial 0) 28,75 bis 29.65, Weizenmehl (ohne Austaulchweizen) 27,25 bis 28,15, Roggenmehl (0 bis 60 v.H.) 23 50 bis 24. Roggen- mehl (süddeutsches, Spezial 0) 24. Weizenkleie 10,85 bis 11, Roggenkleie 10,35 bis 10,60 Mark. ((Betreibe je Tonne, alles übrige je 100 kg.) frankfurter Lchlachwiehmarkt. Dorberid)L Frankfurt a. M., 7. Dez Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: Rinder 43, Kälber 885, Schafe 351, Schweine 518. Es kosteten: Kälbkr 22 bis 39, Hämmcl 23 bis 28, Schafe 17 bis 23, Schweine 42 bis 49. Marktverlauf: Kälber und Schweine langsam, Schafe ruhig. Zuchthaus und Gefängnisstrafen für Kommunisten. WSN. Darmstadt, 6. Dez. Der Strafsenat des Oberlandesgerichts verhandelte dieser Tage unter Ausschluß der Oeffentlichkeft gegen 16 Kommunisten aus Darmstadt und zwei Kommunisten aus Ober-Ramstadt wegen Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz und hochverräterischer Umtriebe. Im Mai 1933 wurden auf einem Fabrikgelände im Gräfenhäuser Weg wohloergraben in einer Kiste Sprengstoffe und Schußwaffen gesunden. Die Waffen waren von den beiden Leitern des Kampfbundes gegen den Faschismus nach langem Hin und Her bei Gesinnungsfreunden hier zur endgültigen Ruhe gelegt worden. Seit 1931, wo der Jakob Wedel aus Ober-Ram- stadt, einige Sprengkapseln im Steinbruch, in dem er arbeitete, an sich nahm, hatte man an der Vergrößerung dieses kostbaren Besitzes gearbeitet, und mit der Zeit waren noch alle möglichen Waffen, Karabiner, Pistolen, Munition usw. dazu gekom men. Die Angeklagten wollen den Sprengfto'f lediglich aufbewahrt haben, um „im Winter Stocke zu {mengen". Der Strafsenat erkannte in d N Abendstunden auf folgendes Urteil: Konrad Wei- ge l, der politische Leiter der Antifa, und P ( Winkel, der organisatorische Leiter der An /-, werden wegen Vorbereitung zum Hochverrat u ) Verbrechens gegen das Sprengstoffacsetz z u s e drei Jahren drei Monaten Zuchthaus verurteilt unter Einbeziehung einer früher gegen sie erkannten Strafe. Konrad Ehmig erhält wcoen derselben Delikte eine Zuchthaus st rase von zwei Jahren und zwei Monaten. Allen dreien werden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Zu einem Jahr und drei Monaten Zuchthaus werden verurteilt: Jakob Wedel und Ernst B e ch t, beide aus Oder-Ramstadt, sowie August Bender aus Darmstadt. EinJahr und sechs Monote Zuchthaus erhält Mathäus K u n • k e l aus Darmstadt, ein Jahr Zuchthaus der Angeklagte Adam D o s ch. Wegen Beihilfe zur Vorbereitung zum Hochverrat und zum Verbrechen gegen das Sprengstoffgesetz erhalten je ein Jahr und drei Monate Gefängnis Nikolaus Schmidt und Heinrich Hartmann, sowie Adam R e i n e m u t h wegen Beihilfe zu hochverräterischem Umtriebe und Vergehens aegen das Schußwaffennesetz Vier Angeklagte erhalten ebenfalls wegen B'ihilfe zweimal je sechs, acht und zehn Monate Gefängnis und iwei Angeklagte werden mangels Beweises freiaefprodrn. Der Staatsanwalt hatte insgesamt 35’/» Jahre Zuchthaus und 2'/, Jahre Gefängnis beantragt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die timtet den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe öer zuletzt beuhlolfenen Dividende an — Reichsbankdiskoni 4 v H Lombardztnsfuß 5 o H. -.an' ui . jJi 74er hirt «btnb- bdrk ^»luv- fUM e*.ID K 1.- 91.25 91 91.25 ° 5*11 tian»<*t>0Doibrfrn. bunt rarmftaot tlaul 90 90 — Cbrtbeilen ■tiruDtnianletbe mit Äu-Ii’l tHcifltrn 85 — _ truditr »omm .-ammelabl «Vv Ifibe «rrtt 1 m(t#lu«4o|..»ir*trn 87.75 88 88 88 8% ebrm .rnintl 0tw. Nant tlul&Pl« 15 unturDbür bu 13.15 91,5 91.5 ■ * ebrm ?% 3 rauft 0bv «ant «li'lbulr IK untuncbdi bi« ihm 91,5 91.5 - — Hi e ebrm Jranlf 0oo_- WJnr-VUu -t.dnDbnele 89.9 89,5 - — ebrm 9t betuliche t>ot> -‘itenhifhiu .iMcurfe 91 91 • — 6"„ ebrm Pt Vüncr«pfan> brttlanttdii. LUanotriik & iS 91.75 91.75 92 92 8% ebrm 7% Pk l'anbeepfanb. tnrlanftaii. fjant-brirlr R io 92 92 92 92 • trueraurtd) Srnrtbnunaehirt 95.3 95.4 95.3 95.6 4% Critrnrtdincbr »Selbrratr 14 — 14.5 - 4.90% CrftrrrrLbiltfir ctlbenrntr — — - * , Unflürtfttr iSeibrrnrr 4.5 4.65 4,5 4.65 *% Unii.tnilie Staarttrntr a 1910 4.5 4.5 4.8 4l,e. br.MI. con 1913 4.7 — 4 65 6% -ibyeit »olbmentaner von 99 * 6.4 6.3 6 6 4 « lürfvlttir Zolianle'be von iPn *VX“ildy öNhUrtatn-arUHfr 5,15 5,05 5,1 d — — »ean,,ur a v Berlin e'tbiul- für# trdnui . iUbentw b6n Sd) u6- tut# vranuef IUI '04- bJre Datum 512. 612. 512. 6-12- 4 . betfll. ernt II 5.1 — — — 4% Wumän. oerrtnb- Rente v 1903 4.5 4.2 _ — 4H°„flium1ln.oereinb.flfnt<.D.l9l3 6.85 6.5 _ _ «% Wumanifttir oeremb. »iente 3.4 3.35 3.4 3.4 8 tlnatoHer 24.75 24.75 24.65 25 vamburg.Ämrnla.'Latet o Oamburg.^ubam Tanu’ffdjiff o Oanla-IauiDlfditlf o 9,75 9,75 10 23,5 16.5 9.65 15.25 10 4 «orbbrurlcdrr Vloob o 1075 10.4 10.75 a G lut taU e Victtt uns flrhft e .reiten 6 iSutliraumr o <».’iell| lASictn llnirmtlmgia 6 Äbdniidx Ciefrrti'.tüi . 5 Sdmdrn S ijo 5 Stemm« 4 C-alttr............ 7 73.25 23.4 23.25 23.5 ’S 101 48 85.5 -0.75 97.5 140 117,5 88.5 101.25 49 84 96.75 140.5 118.25 88.5 101 48.25 84.75 91 97.75 140 118 88.75 101.75 49.5 83.5 96.75 141,25 Vabmroet S ........... 10 - 108 110.25 107.25 thibent« .............. 0 71.5 71.65 70.75 71.5 trurtdie IrM! ............ 4 102 101 101.75 100.2) •riienhrätenex ............ 0 55.75 55.75 56 56 fatprnet ....... 0 83.4 84.9 83 84.75 par*» läilm—. 0 * 62.5 61.5 31fr Ber,-bau .... # 132.75 —■ 133 Jlle »erabau »enune....... » 104 103 104.25 103.5 lladnrrreerte...........0 57.25 <6.5 57.25 56.75 ........ • 59.9 60.25 64.13 frran uf a. 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Md tr«iuv- ture k-miui/ Il.naq, bSrlc Datum 5-12 6.12- 512. 612 0 ?«; 25 24.75 24 .9 iTfc ... ....... 0 82.75 82 Bdontr tpeiabau ...... 0 43.65 42.75 43.25 42.9 •ibeiniidir Btaunkodte» ..... 10 190.5 192 192 193 «betmtabl ....... 0 84.5 85 84 4 84.75 yrreintflte Stahlrrrtfe ....... 0 17.25 36.4 37 36.4 Ctaol lltnrn ....... 0 11 11.5 10.9 11.25 114 25 —— 114 5 flaiuocrtr 'Crfterejeln . /..... 5 — 115.5 115.25 Kaliwerke SaUörtlürtb ..... 7H — 152 - 152 .1.». ilarbm-Jnouttm 7 122.65 122.25 123 123 3«tei:*anftaU........ ....... 8 178 178.5 (Jlolblchmtbi ........ .......0 46.5 47 46.75 47 ÄütQer#mrrff ........ .......0 51.25 50.5 5125 50,5 UletalJgelrUltfcaft...... ....... 0 61 5 61.5 61.5 PbUUw Hofmann ... .......0 65,25 65 65.65 65 ...... 0 80 •0 Irmmnprd »atiftabl - - - SdMUtbr« tfaernbofer Q 90,75 91.75 »lu (.IllgemctBf Äunkkibe) .. 0 38.25 39 38.5 33.5 titmbrrg ..... 0 43 42 42 42 8rLh.fl Qai:bol ....... 0 47.75 47 47.23 46 25 grliiloll «IdtalfmSurg ....... 0 34,5 34.5 34.25 33.75 Teiiauct ....... 7 — — 108,25 108 Tatmirr tooromi -... ...... 0 32 25 31,5 P.4 32 trurfebr klnoimm ... ...... 0 42 42 42 41.25 Ctrn'teti' 6 ffoued ... ....... 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ScrliD. 6. r»n mbtt »rlb Snr- " flmenlaandx *otm.............. 2 59 2.61 otee ................ 58.14 58 8 tö.nnff Rvtn ................ 6Ö 63 60 87 ffetn ................. 13.59 ij 6S ntäriöftid* Sota .............. 16.34 16.41 K'UjBDiliDe .............. 168.36 '69.04 ^Mitmt’Se 'R. trW .............. 21 96 Y) (4 tzovvrsikde Hotre ....... 68 36 68 64 teiirkb Cr*terrd< i 100 6A-ms d «uma.-tiä» «otei .............. — SdtR*bi«<6e Hotte............... 70.16 70.44 ?*"?rUtr Sotrn................. 80.94 81.28 Hotre................. 34.15 34,29 Hn*ini4x ’.' stta .......