Nr. 261 Erstes Blatt 185. Jahrgang Dienstag, 7. November 1955 (Erldjetnt tägltd), autzei Sonntags und FeieNag» Beilagen: Die Blluftriertt Gietzenei F-amilienblattek Heimat im Bild Die Scholl» Monats-Bezugspreis: Mil 4 ‘Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr . , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer ©email ßernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: gtontfurt am Main 11686. MtzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VntS vnd Verlag: vrühl'sche Unlverfitäts-Vvch- und Stcinöruderei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärt« 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/„ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i. B.TH.Kümmel sämtlich in Biegen. Politikaus demGlaubeu Don Dr. Eduard (Spränget, o. ö. Professor der Philosophie und Pädagogik an der Universität Berlin. Eine große Bewegung, wie wir sie jetzt in Deutschland erleben, entzündet sich an den Realitäten der Welt. Jhrd Kraft aber erhält sie nur aus einem in der Tiefe wirkenden Glauben, der gleichsam der Motor in ihrem Getriebe ist. Sie kann nur durchdringen und zum Siege kommen, wenn der gleiche beflügelnde Glaube in ihr erhalten bleibt, aus dem sie ursprünglich erwachsen war. Welches war dieser Glaube? — Er war in seiner einfachsten und doch allmählich alle Zögernden mitfortreißenden Gestalt derGlaube desdeutschen Volkes an sich selbst. Aus Not und nationalem Zusammenbruch, aus Kleinmut und Entartung glühte in 10 Jahren des Ringens immer stärker die inbrünstige Gewißheit empor, daß mit Hitler für Gleichberechtigung, Arbeit und ehrenvollen Frieden! das deutsche Volk noch lebe und daß ihm seine Zukunftsaufgabe in der Welt beschieden sei. Wie in den Tagen Fichtes schlug zuletzt diese Flamme der höheren Vaterlandsliebe mächtig heraus und entfesselte eine Bewegung von seltener Einmütigkeit. Sie stammt, wie alles Große, aus einer religiösen Tiefe. Denn nur für ein mehr als Irdisches und mehr als Zeitliches lohnt es sich, so zu leben, daß man dafür auch sterben kann. Und man lebt nur für das ganz, wofür man auch sterben kann. Das bedeutet nicht, daß wir unser Volk zum Gotte machen. Im Gegenteil: Alles, was 'n dem Gefühl eines göttlichen Auftrages und also eines von Gott verliehenen Rechts gewirkt wird, ist erkennbar an den Zeichen der tiefen Demut, die sich als das vergängliche Werkzeug eines Höheren weiß. Auch das deutsche Volk verdient nicht zu leben, wenn es sich nicht in den Dienst göttlicher Absichten stellt. Und alle Formen inneren Dienstes am Staat — Wehrdienst, Arbeitsdienst, Wissensdienst — empfangen ihre letzte Weihe nur von oben. Die Reichsregierung hat einen Schritt von ungeheurer Tragweite getan, weil sie überzeugt war, daß ein solcher Glaube im deutschen Volk hinter ihr stehe, und weil sie selbst von diesem Glauben erfüllt war. Sie hat ihn nicht getan aus lieber» Schätzung ihrer tatsächlichen Macht, sondern aus einem zweiten Glauben heraus, zu dem sie die höchste Befugnis hatte, aus dem Glauben an d i e Geltung eines Rechtes auch zwischen den Völkern. Wenn irgend etwas aus dem großen Völkcrkrieg hervorgegangen war, was eine höhere sittliche Stufe hätte bedeuten können, so war es die — Idee des Völkerbundes. Denn ihm lag nach der ursprünglichen Ideologie, die selbst ihre Heimat in Deutschland hatte, die Anerkennung eines Selbsterkennungsrechtes der großen nationalen Lebenseinheiten zugrunde, der Gedanke also, daß den Kulturstaaten, solange sie den Frieden der Welt nicht stören, ein Recht auf Dasein eigen ist. In diesem Falle freilich diente die Idee nur dazu, eine sehr andersartige Realität zu verdecken. Die Zweifel, daß hier, wie so oft, die Berufung auf das Recht nur tatsächliche Uebermachtsoerhältnisse verewigen sollte, waren in uns nie ganz zur Ruhe gekommen. Sie Haden sich nach unsagbarer Geduld von unserer Seite nUn endgültig bestätigt. Wenn auch nur ein einziges Mal der Tatbeweis erbracht worden wäre, datz man von feiten der Siegermächte an eine noch so bescheidene Gleichberechtigung Deutschlands däcyte, wenn man ihm nur einmal in feiner Not um den erforderlichen Lebensraum geholfen hätte, so hätten wir schwerlich dem Völkerbund den Rücken gekehrt; denn gerade der deutschen Art liegt es nur zu sehr, aus Ideen Politik zu treiben. Stattdessen sind nicht einmal d i e Bestimmungen des Vertrages gehalten worden, der schon einseitig genug zu unserer Knebelung gemacht worden war. Damit ist mehr geschehen als ein Schlag gegen Deutschland. Die allmählich sich bildende Atmosphäre des Vertrauens auf Frieden und Ordnung in der Welt ist frevelhaft wieder zerstört worden. So bleibt uns in Deutschland nidjts als ein dritter, diesmal sehr trüber Glaube: die Ueberzeugung nämlich, daß die Kulturwelt des Abendlandes f i ch weiter selbst vernichten wird, wenn nicht endlich ein Verständnis in ihr erwacht, daß ein schwer erkranktes Glied die anderen anstecken muß. Diese Märtyrerrolle eines großen Volkes belastet nicht nur seine eigene Politik, sondern die eng miteinander verflochtenen Gesamtverhältnisse der moderne Welt. „Deutschland ist keine Insel." Es kann sich nicht isolieren, aber auch b i e anderen können nicht ein zweites Mal uns isolieren. Man gebe uns die Luft zum atmen; man lasse uns das bescheidene Recht, für die Verteidigung unserer Grenzen gerüstet zu sein; man stelle endlich unsere Ehre und unsere Freiheit wieder Herl Man beginne endlich zu verstehen, daß manches, was bei uns geschieht und anderen fremdartig erscheint, die Folge eines Ueberbrucfes von außen ist, unter dem wir !eit 15 Jahren existieren. Einen Deutschen jeben- alls, der nicht ehrlich „3a" sagte zu dem Aufruf 'es Volkskanzlers und damit eine Absage erteilte an die Knechtung, die man aufs neue über uns verhängt, wird es nicht geben. Das ist der endgültige Glaube, der in uns lebendig ist: nur mit Deutschland kann die Welt genesen! Oie Schmach des 11. November 1948 wird am 12. November 1933 getilgt werden. Oer Führer fordert die Vollmacht des deutschen Volkes für eine Politik des Friedens in Ehre und Gleichberechtigung. Kiel, 6. Nov. (TU.) Ganz Kiel steht im Zeichen der Ankunft des Führers. Vom frühen Vormittag an hatte das Stadtbild ein festliches Gepräge. Kein Haus, das nicht mit Hakenkreuz- oder schwarzweißroten Fahnen geschmückt ist. Ununterbrochen strömten ungezählte Tausende zur Nord-Ostseehalle, um noch vor der Deffnung der Eingänge da zu sein. Als bann bie Türen geöffnet würben unb ber Menschenstrom sich einer Lawine gleich in bie Halle ergoß, war in ganz kurzer Zeit ber 25 000 Personen fassenbe Riesenraum bis auf b e n letzten Platz besetzt, so baß bie Zugänge polizeilich gesperrt werben mußten. Tausenbe fanben keinen Einlaß mehr unb warteten vor ber Halle auf bem hellerleuchteten Platz auf bie Lautsprecherübertragung ober begaben sich in bie Paralleloersamm- lungen. Das Flugzeug, bas den Führer und seine Begleitung von O st preußen nach Kiel bringen sollte, hat einen außerordentlich ftürmi» schen Flug gehabt. Infolge außerordentlich stürmischer Gegenwinde sowie Nebels sah man sich schließlich gezwungen, auf den Weiterflug zu verzichten und in Travemünde zu landen. Von hier aus wurde die Fahrt in schnell angeforderten Kraftwagen fortgesetzt. Die Kunde von der Landung hatte sich zwischen Lübeck und Kiel wie ein Lauffeuer herumgesprochen, so daß der Reichskanzler überall auf dem Wege nach Kiel von großen Menschenma s s en begeistert begrüßt wurde. Tausende von Menschen hatten sich auf ber Lanbstraße eingefunben, die auf den Führer warteten. In Plön sowie in Preetz mußte ber Führer sich ber Menge zeigen, ba sie keinen Raum für bie Weiterfahrt geben wollte'. Von Eimenschenhagen aus konnten bie Wagen wegen ber bichten Menschenmenge nur noch langsame Fahrt machen. In Kiek selbst würben bem Kanzler auf ber Fahrt nach bem Dberpräfibium unb weiter zur Norb-Ostseehalle begeisterte Ovationen bargebracht. In ber Norb-Ostseehalle waren inzwischen unter ben Klängen bes Babenweiler Marsches bie Fahnen unb ©tanbarten einmarschiert, von ber riesigen Menge mit erhobener Hanb begrüßt. Aks bann ber Führer um 20.45. Uhr erschien, hallte ber Riesenraum von nicht enbenroollenbem Jubel wider. Mit erhobenem Arm, nach links und rechts grüßend, schritt der Kanzler langsam durch das SS.-Spalier nach dem Podium, wo ihm ein großer Blumenstrauß überreicht wurde. Gauleiter Oberpräsident Lohse eröffnete sodann die Kundgebung, worauf der Reichskanzler bie Rebner- tribüne betrat. Erst nach minutenlangen stürmischen Heilrufen konnte er sich Gehör verschaffen. Leitworte des Führers. Der Führer erinnerte einleitenb an ben letzten Frühjahrs-Wahlkampf: „Damals kämpften wir für ben Sieg einer Bewegung in Deutschland Heute muß ich Sie aufrufen zum Kumpf für ben Sieg bes Rechts unseres Volkes gegenüber ber Welt. Das beutsche Volk forbere von ber übrigen Welt bie Erfüllung ber im Friebensvertrag von Versailles übernommenen Verpflichtungen, so wie Deutschlanb selb st bie (einigen erfüllt habe. Deutschlanb forbere bamit bie enbliche Anerkennung als gleichberechtigte Nation unb als gleichberechtigter Staat. Wir versichern ber Welt, baß bie beutsche Regierung unb bas beutsche Volk nur einen Wunsch besitzen: in Frieden und Freundschaft mit allen Völkern zu leben, um seinen inneren Aufbau beenden zu können. Wenn bie Welt erklärt: Das ist nur eine Versicherung ber Regierung, ber man keinen Glauben beimessen kann, weil bas Volk ganz anbers bentt, bann trete ich nun vor bas beutsche Volk unb forbere es auf, biefe Behauptung ber Welt z u wiberlegen, inbem bas ganze beut» fche Volk geschloffen antritt als Zeuge für bie Wahrhaftigkeit biefer Behauptung." * ,Wir kämpfen nicht für Theorie unb Dogmen; wir kämpfen für bie Existenz bes deutschen Volke s." * „Der Friedensvertrag baut sich auf auf ber Behauptung, Deutschlanb sei schulb am Krieg. Em schwaches Geschlecht hat bas bamals unterschrieben aus Angst vor neuen Repressalien unb Unterbrut» tungen. Heute wissen wir alle: Es wäre ein Gluck für bie beutsche Nmion gewesen, hätte sie bamals ben Mut gehabt, vor bie Welt hinzutreteu unb zu erklären: Wir sinb bereit zu jebem Fneben, aber niemals sinb mir bereit, für ewige Seiten wiber besseres Wissen eine Lüge zu unterschreiben unb bamit unsere Ehre preiszugeben. Ihr könnt tun, was lhr wollt, mir tun es nicht!" (Brausenber, langanhaltenber Beifall.) * „Der Vertrag von Versailles hat Sieger unb Besiegte gleichmäßig geschlagen unb zeigt bamit voll bie Unvernunft, bie ihm zugrunbe- liegt." „Für alle Zeiten ein Volk als zweitklassig unb minberberechtigt hinzustellen, das mill auf die Dauer kein Volk erdulden und kein Volk ertragen!" (Stürmischer, langanhaltenber Beifall!) * „Wenn unsere Gegner angesichts der Leistungen der letzten neun Monate sagen: Ja, aber es kann einen Rückschlag geben!, bann antmorte ich: Mein bisheriges Leben ist ein Kampf gewesen; aber kapituliert habe i ch noch niemals, unb bas Ziel habe ich erreicht. (Lebhafter langanhaltenber Beifall.) Ich erinnere Sie an ben 6. November 1932. Da kamen auch bie falschen Propheten unb sagten unser Enbe voraus. Aber für mich unb für uns alle sinb Rückschläge nie etmas anberes gewesen als Peitschenhiebe, bie uns bann er ft recht vor - märtsgetrieben haben. Niemals haben wir beshalb kapituliert." „Die Welt muß bas beutsche Volk nehmen, wie es ist; bie Welt muß sich mit ber V olkwerdung ber beutschen Nation abfinben." * „Wenn bie anberen sagen: Wir können unsere Verpflichtungen nicht erfüllen, weil bas heutige Deutschlanb kriegslüstern ist, bann kann ich nur als Kanzler ber Nation vor bie Welt hintreten unb sagen: Das ist nicht wahr. Das beutsche Volk hat bamit nichts zu tun. Es ist nicht wahr, wenn ihr erklärt, baß bieses Volk aus Haß unb Rache einen Krieg beginnen will. Nein, es will seine Ruhe haben, seinen Frieben, unb will allerdings auch seine Ehre haben unb will sein klares Recht." Berlin, 6. Nov. (TU.) Der Reichswahlvorschlag ber NSDAP, für bie Reichstagsmahl vom 12. November roirb nunmehr von ber NSK. veröffentlicht. Der Wahloorschlag roirb bekanntlich von Reichskanzler A b o l f Hitler geführt, feine ersten zehn Namen sinb bereits mitgeteilt worben. In ber Lifte bie insgesamt 686 Namen umfaßt, folgen fobann Die Mitglieber ber bisherigen nationalsozialistischen Reichstags- fraktion, zu benen sich noch führenbe Persönlichkeiten aus ben nationalsozialistischen Fraktionen ber bisherigen ßanbesparlamente gesellen. Die Reichs st atthalter werben sämtlich in ben neuen Reichstag einziehen. Ebenso sinb bie Gauleiter unb bie Treuhänber ber Arbeit vertreten. Zu ben nationalsozialistischen Reichstagsabgeorb- neten, bie schon im Reichstag saßen, gehören u. a.: Staatssekretär Feber, Reichsjustizkommissar Dr. Frank II, ber frühere Vizepräsibent bes Reichstags Stöhr, Graf zu Reventlow, Alfred Rosenberg, Prinz .August Wilhelm von Preußen, Staatssekretär'R e i n h a r d t vom Reichsfinanzministerium, Reichssportführer v. Tscham- mer-Osten, der Reichsjugendführer Baldur von Schirach, Staatskommissar im Preußischen Kultusministerium Hinkel, der Danziger (Bauleiter Albert Forster, ber Lanbesinspekteur für Oesterreich Habicht, ber Breslauer Polizeivrä- fibent Heines, Staatssekretär Hierl, ber SS.- Reichsführer Himmler, ber Führer ber Arbeitsfront Dr. Ley, ber Reichsführer ber NS. Kriegsopferversorgung Dberlinbober, Staatssekretär Willikens, Walter Schuhmann, D. Schultze (Naumburg). Von ben bisher im Reichstag noch nicht vertre- tenen Nationalsozialisten sinb hervorzuheben ber preußische Justizminister Kerrl, Dberpräfibent Kube (Berlin), ber Präsibent bes Reichslanbbunbes M e i n b e r g , ber Führer bes Reichsbunbes der beutschen Beamten Neef, Ministerialbirektor Da- 1 u e g e (Berlin), Staatssekretär Engel (Berlin), ber Referent für Rasseforschung im Reichsministeri- um Dr. Gercke, General Litzrnann unb sein Sohn, ber SA.-Odergruppenführer in Ostpreußen ist, ber Präsibent bes Industrie- und Handelskammer- tages, Dr. von Renteln, der Reichsleiter ber NS.-Volksroohlfahrt, Hilgenfelbt, Ministerialbirektor G r a n z o w , ber Führer ber Berliner An- maltskommer Dr. Seubert, ber Führer ber Deutschen Frauenschaft, Lanbrat Dr. Krumrna- ch e r, ber Führer ber Deutschen Stubentenschaft Dr. Stäbe!. In ben Reichsmahlvorschlag ausgenommen ist auch eine Anzahl von Bewerbern, bie früher im Reichstag anberen Fraktionen angehörten. Am stärksten ist bie frühere deutschnationale Fraktion vertreten, unb zwar burch Staatssekretär a. D. Dr. Ban g, Rechtsanwalt Dr. Ever - ling, Universitätsprofessor Dr. v. Freytagh - Loringhoven (Breslau), Werftbirektor a. D. Gok (Altona), Professor Dr. Lent (Erlangen), Dr. Kleiner (Beuchen), Universitätsprosessor Dr. Martin Spahn (Köln) unb Frhr. v. Schor- lemer (Rheinland). Dazu kommen noch bie Stahlhelmführer v. Stephani unb von Morozowicz, ber Führer bes Alldeutschen Verbandes, Iustizrat C 1 a ß, und ber frühere pren- ßische ßanbtagsabgeorbnete Steuer (Kassel). Von ehemaligen Reichstagsabgeorbneten der DVP. wer- „Ick habe 14 Jahre als Führer für die Ehre ber Nation gekämpft unb werbe sie als Kanzler nicht plötzlich preisgeben."* „Wir sind bereit, von anberen Volkern das Gute zu lernen, wie auch andere Volker bereit fein mögen, von uns zu lernen." * ,Zch will mit dieser Wahl auch gerade den anderen Regierungen zeigen, daß die wahrhafte Demokratie bei uns ist, und daß wir uns nicht scheuen, vor das Volk zu treten. Ich glaube nicht. Daß andere Regierungen, wenn sie eine vierjährige Vollmacht besitzen, innerhalb von sieben Monaten wieder vor die Nation hinzutreten bereit wären." • „Ich gebe unsere Arbeit der Prüfung bes beutschen Volkes anheim unb bitte es, baß es dabei an die Zukunft denkt und sich der Zeiten der Vergangenheit erinnert." * „Deutsches Volk! Wir vertreten deine Ehre, wir vertreten deine Interessen, wir vertreten deine Rechte, aber du, dumußtaucherkennenund bezeugen, daß wir damit den Willen desVolkesvoll st reckten. Du weißt, du mußt aufstehen vor ber ganzen Welt, bamit sie einsieht, baß ein neues beutsches Volk erftanben ist. Unb bie Welt roirb erkennen, baß bie Schmach bes 11. November 1918 am 12. November 1933 vom Volk getilgt würbe." ben Gouverneur Schnee unb ber Bankier Dr. h. c. o. Stau & bem neuen Reichstag angehören. Vom ehemaligen Zentrum werben Dr. yj affe Is ber ger, von ber ehemaligen Bayerischen Volkspartei Graf v. O u a b t unb I s n y, ber frühere bayerische Wirtschaftsminister, roieber im Reichstag erscheinen. Weiter ist noch hervorzuheben bie Kanbibatur der Industriellen Fritz Thyssen, Dr. Vogler, Dr. Springorum, sowie des bekannten Essener Rechtsanwalt Dr. Grimm. Auftakt zum 9. November. Begrüßungsfeier der ehemaligen Freikorpskämpfer. München, 6. Nov. (WTB.) Die bayerische Hauptstadt stand bereits am Montag im Zeichen der bevorstehenden großen Tage, an denen die nationalsozialistische Bewegung und mit ihr das gesamte deutsche Volk die zehnjährige Wiederkehr der nationalen Erhebung vom 8. und 9.November 19 2 3 begehen roirb. Aus allen Teilen bes Reichs sinb bie alten Frei- forpstämpfer eingetroffen. Montaaabenb fanb eine Begrüßungsfeier statt, zu ber sich mehr als 1000 ber Kämpfer von ben Freikorps Roßbach, D b e r l <^n b unb anberen, bie heute alle bas braune Hemb Abolf Hitlers tragen, ejngefunben hatten. Stürmischer Jubel scholl auf, als Oberleutnant Roßbach, begleitet von feinen alten Kampfgefährten, ben Saal betrat. Unter bumpfem Trommelwirbel erfolgte bann ber Einmarsch ber blutgetränkten Fahnen bes Freikorps Roßbach. Nach einem Weihespiel ergriff Obergruppenführer Heines bas Wort. Zehn Jahre sinb es her, so führte er aus, baß wir als Freikorps zum letzten Male geschlossen gekämpft haben. Vor zehn Jahren marschierte am 9. November ein Bataillon mit in ber Münchener SA., hinein in bie Kugeln ber Reaktion. Dies ist mit ber bebeutenbfte Markstein in ber Geschichte ber Freikorps. Vorher stehen an- bere, gekennzeichnet burch bie stolzen Worte „Baltikum", „Kapp-Putsch", „Ruhrgebiet". Abolf Hitler war es, ber bem Sehnen, bas bie alten Freikorpskämpfer im Herzen trugen, plötzlich Ausbruck gab. Heute nach zehn Jahren sinb wir nach München gekommen, um bie alten Roßbach-Fahnen in bie Hänbe Abolf Hitlers zu legen. Zum Schluß gedachte Oberleutnant Roßbach ber Toten ber Freikorps unb ermahnte alle, im Geiste biefer Toten Abolf Hitler in allen Zeiten treue Gefolgschaft zu leisten. Oer Reichskanzler in Hamburg. Hamburg,?. Nov. (WTB.-Funkspruch.) Reichskanzler Abolf Hitler fuhr am Montagabend nach der Versammlung in Kiel mit seiner Begleitung im Kraftwagen nach Hamburg, wo er im Hotel „Atlantik" übernachtete. Obwohl feine Anwesenheit nicht bekanntgegeben war, hatten sich bereits heute früh vor bem Hotel große Menschenmassen angesammelt, um ben Führer zu begrüßen. Als er bas Hotel verließ, brauste ihm ungeheuerer Jubel entgegen. Ueberall, wo er auf feiner Fahrt zum Flughafen Fuhlsbüttel erkannt würbe, schlug ihm bas herzliche Vertrauen ber Hamburger entgegen. Der Reichskanzler hat von Fuhlsbüttel aus ben Rückflug nach Berlin angetreten. Der Mchswahlvorfchlag der ASDAP. Deutschland appelliert an einen besseren Völkerbund. Reichsaußenmimster Freiherr von Reuraih fordert neue Methoden ats Mittel einer wahren Zusammenarbeit gleichberechtigter Völker. Berlin, 6. Noo. (WTB) Im Deutschen Club hielt Reichsauhenminister Freiherr von Neu« rath einen Vortrag, in dem er u. a. ausführte: Die für die Zukunft unseres Landes entscheidende Frage, zu deren Beantwortung das deutsche Bolt für den nächsten Sonntag aufgerufen worden ist, hat ihre nächste Ursache in der Entscheidung der Reichsregierung über den Austritt Deutschlands aus Abrüstungskonferenz und Dälkerbund. Es wäre aber ein völliger Irrtum, wenn irgend jemand im Inland oder Ausland glauben wollte, daß es sich hier um eine Fr^ge handele, die nur durch plötzliche Wendungen der Politik oder durch taktische Erwägungen veranlaßt worden wäre und die sich in der Stellungnahme ö" einem ad- gegrenzten Einzelproblem erschöpfte. Der Aufruf der Reichsregierung an das deutsche Bolk vom 14. Oktober zeigt, daß es d i e G r un d a g e n u kl- se r e r gesamten Außenpolitik sind, die jetzt zur Entscheidung stehen und daß es auf den einmütigen Entschluß von Dolk und Regierung an» kommt, der Welt einen ganz neuen Aus» gongspunkt für die kommende Entwicklung der internationalen Beziehungen zu Zeigen. Der fierr Reichskanzler hat in feinen großen Reden der letzten Wochen die wahren historischen Ursachen an» gegeben, die weit zurückreichen, nun schließlich zu unserem Fortgang von Genf geführt haben. Der Versuch, unseren Entschluß als eine Politik der Verärgerung ober als eine Politik der Angst vor Genfer Kritik hinzustellen, ist zu lächerlich und einfältig, als daß ich es nötig hätte, ihn noch besonders zu entkräften. Natürlich gehört zur Stimmungsmache gegen Deutschland auch der unhaltbare Vorwurf,' daß wir es angesichts des klar zutage tretenden Widerstands aller großen Mächte gegen eine Aufrüstung Deutschlands darauf angelegt batten, die Genfer Abrüstungskonferenz zu sabotieren, um uns allen durch die Genfer Politik bedingten Hemmungen zu entziehen und die Hände für eine schnelle Aufrüstung frei zu bekommen. Diese Ent- stellung unferer Ansichten ist nichts anderes als die alte Verdrehung der wirklichen Sach- und Problemlage auf der Abrüstungskonferenz. Die Krise des Völkerbundes ist nicht etwa durch den Austritt Deutschlands verursacht worden. Man verhieß im Jahre 1919 den kriegsmüden Völkern einen dauernden und gesicherten Frieden der Gerechtigkeit und schuf in Mahr - Helt einen Zweckverband, dessen vor- nehmstes Ziel nach Absicht seiner wichtigsten Mitglieder die Verewigung der in Versailles gewonnenen Machtposition und die dauernde Niederhaltung der Besiegten sein sollte. Der Völkerbundspakt ist nicht nur äußerlich zu einem VestandteU des Versailler $ t) f( e m e gemacht worden. Er hat von Anfang an auch in n e r l i ch au« diesem System al« seinem eigentlichen Fundament bestanden. So wurde er mit dem Grundübel des Versailler Vertrags behaftet, der die damals den Regierungen gestellte welthistorische Aufgabe u n - gel öst gelassen hat, nämlich die Aufgabe, das zerrüttete Europa in vernünftiger und lebensfähiger weise wieder aufzubauen. Trotz aller ernsten Bemühungen, trotz aller zähen Arbeit der deutschen Vertreter, ist der Völkerbund im Grunde das geblieben, was er vor dem Eintritt Deutschlands war. Sie kennen alle das trübe Kapitel des Schutzes der Minderheiten, das seinerzeit bei der Diskussion der Frage des deutschen Eintritts mit Recht eine Io große Rolle gespielt hat. Die Sarge für das Schicksal der völkischen Gruppen, die durch die Grenzziehungen von 1919 von ihrem Volksstaat getrennt wurden, war eine politische Ausgabe erster Ordnung für den Völkerbund. Will jemand ernstlich behaupten, daß er dieser Ausgabe auch nur im entferntesten gerecht geworden wäre? Seit dem Bestehen des Völkerbunds sind den Minderheiten rund 7 7 0t) Schulen und rund 2700 Kirchen genommen, sind ihnen rund 11 Millionen Hektar Grund und Boden enteig- n e t worden. Mit welchem Weitblick die Vertrags- Redaktoren von 1919 dafür gesorgt haben, daß auch ein später zum Völkerbund zugelassenes Deutschland der Durchführung der Versailler Bestimmungen nicht gefährlich werden konnte, dafür ist cs bezeichnend, daß die Entscheidungen über Saarfragen -vom Völkerbundsrat nach ausdrücklicher Bestimmung des Vertrags mit einfacher Mehrheit getroffen werden können, daß Deutschland also auch als Ratsmacht nicht im- stande wäre, eine für uns unannehmbare Lösung durch sein Veto zu verhindern. Bei dcn Bestimmungen über Oe st erreich hat man dagegen wohlweislich davon abgesehen, eine solche Ausnahme oem Prinzip der Einstimmigkeit zuzulassen, da das ja unter Umständen für die Verewigung der Versailler Regelung hätte gefährlich werden können. Was nützt es, in Worten und Reden auf die Gleichberechtigung Deutschlands im Völkerbund hinzuweisen, wenn schon die Vertrags- gründ läge der Institution in so wichtigen (tragen mit der wirklichen Ausübung der Gleich- bcrechtigung in flagrantem Widerspruch steht. 3n vielen Denkschriften und Reden haben die deutschen Vertreter dargelegt, durch welche Mittel und Methoden die internationale Rechtsordnung ausgebaut und zum praktisch brauchbaren Jnstru- mcnl g e ft a 11e t werden könnte. Da» ist immer wieder an der Stellungnahme derjenigen Mächtegruppe gescheitert, deren Ziel e, war und blieb, Im konsliktsall der Anwendung der eigenen militärischen Machtmittel die moralische Deckung durch den Völkerbund zu verschaffen, ihr auf kriegerische Intervention abgestellte» Bündnissystem zu legalisieren und so die ganze v ö l k e r b u n d » m a s ch t n e r i e zu einem Hilfsmittel der Politik de» statu» quo zu machen. Richt» ist lehrreicher, al» wenn man die langen viel verschlungenen Texte von Gens z. B. mit dem Kellogg-Pakt vergleicht, der in seiner einfachen und klaren Ge- dankensührung ein eindrucksvolle» und wirksame» Friedensinstrument darstellt. Völkerbund nicht Da» Ziel, das sie mit Ihrem Entschluß verfolgt, ist nicht, der Friedenspolitik den Rücken zu kehren, sondern im Gegenteil, einer wahren und fruchtb aren Friedenspolitik einen neuen Impuls zu geben. Sie hofft mit ihrem Schritt, wenn nicht dem Genfer Völkerbund, so doch dem wahren Völker- bundsgedanken einen Dienst zu erweisen. Sie appelliert von dem bestehenden Völkerbund an einen besseren Völkerbund. Die Erfahrung hat bewiesen, daß da» Genfer Völkerbundsverfahren kein geeignetes Mittel ist, die Es war nichts neues, daß der Dölkerbundsmecha- nismus in den Abrüstungsverhandlungen stets den machtpolitischen Druck nachzu- geben und in der Richtung weiterzuleiten suchte, wo man den geringeren Widerstand zu finden glaubte, in der Richtung auf Deutschland. Der Unterschied gegen die Behandlung früherer Fragen besteht nur darin, daß es dieses Mal nicht mehr möglich war, die starke Diskrepanz der Auffassun- gen und Ziele durch Worte oder Scheinlösungen zu verkleiden. So ist gekommen, was kommen mußte. Man wird meine Ausführungen als eine Anklagerede gegen den Völkerbund bezeichnen. Der Völkerbund ist ja kein Gebilde, das die Wurzeln seiner Kraft in einem eigenen Boden hätte. Er ist letzten Endes nur ein Verfahren, nur eine p o - litifche Methode, deren sich die ihm ange- hörenden Mächte in dem einen oder anderen Sinne bedienen können und deren Erfolg von dem politischen Willen dieser Mächte abhängt. Die Politik Der uns gegenüber st ehenden Großmächte ist es also, die mit jeder (Erörterung der Dölkerbundsfragen zur Diskussion gestellt wird. Aber auch die er Politik der Großmächte tritt die Reichsregieruna durch ihren Entschluß zum Austritt aus Abrüstungskonferenz und Völkc mit einer bloß negativen Kritik entgegen. au» Versailles herruhrendeu politischen Spannungen zwischen den europäischen Mächten ;n beseitigen. Diese Erfahrung zwingt dazu und muh dazu führen, daß jetzt andere Methoden angewandt werden, bei denen es am guten willen der beteiligten Regierungen nicht fehlt. Erst wenn es gelungen ist, das Feld der europäischen Politik zu bereinigen, daß sich die führenden Mächte wirklich auf prtn- zipiell gleichem Fuß gegenüberstehen, kann mit Aussicht auf Erfolg der versuch wieder aufgenommen werden, im Rahmen einer weltumfassenden Organisation an die gemeinsamen Ausgaben der Völker heranzugehen. Das ist der Sinn de« Aufrufs, zu dem sich das deutsche Volk durch die Abstimmungen des nächsten Sonntags bekennen soll. Aufs neue und schärfste weisen wir die böswillige Verdächtigung zurück, daß es sich für Deutschland um nichts anderes handele, als darum, soundsoviel Kanonen, Flugzeuge und Tanks zu bekommen. Was wir wollen, ist etwas ganz anderes. Wir wollen, daß der Zustand aufhört, den man nur als eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln bezeichnen kann, daß die Unterscheidung von Völkern zweierlei Rechts beseitigt wird und daß sich die Regierungen jetzt wirklich zu einer Zusammenarbeit entschließen, an der alle Länder aufrichtig teil- nehmen können, well dabei nicht einseitige, sondern gemeinsame Ziele verfolgt werden. Es Ut ein ernster Wendepunkt. Mögen die fremden Regierungen im Bewußtsein ihrer Verantwortung in die Hand einschlagen, die wir ihnen zur Verständigung entgegen- strecken. Unser Dolk aber muß am kommenden Sonntag der Welt zeigen, daß unser neuer Appell an das Weltgewissen von dem festen Willen aller guten Deutschen getragen wird. Welche Verbindungen liefen von den Bulgaren zur KPD. Berlin, 6. Nov. (WTB.) Im Reichstagsbrand- stifterprozeß wird als erster Zeuge Polizeipräsident Heines- Breslau vernommen, der aus Italien zurückgekehrt ist und nachträglich zu den im Braunbuch gegen ihn erhobenen Dorwürfen aussagt. Die Angestellten des Hotels „Haus Oberschlesien" in Gleiwitz hatten bereits als Zeugen bekundet, daß Heines zur Zelt des Reichstagsbrandes In Gleiwitz geweilt hat. Polizeipräsident Heines bezeichnet die Behauptungen im Braunbuch als unglaubliche Lügen. Er sei vom Samstag, den 25. Februar, bis Dienstag, den 28. Februar, ständig in Gleiwitz gewesen, was auch aus den Berichten und Photographien in der Gleiwitzer Zeitung her- vorgeye. Er habe mitdemReichstagsbrand in keiner Weise etwas zu tun. Als der Zeuge sagt, daß er sich hier auch als Vertreter der SA. fühle und daß die SA. nicht verstehe, mit welcher Langmut die Angeklagten behandelt würden, unterbricht der Vorsitzende den Zeugen. Der Prozeß ziehe sich deshalb in die Länge, weil sehr viele Fragen gestellt würden und die ganze Angelegenheit auch ausgedehnt werde auf die Frage, inwieweit der Kommunismus überhaupt Schuld fei an derartigen Vorkommnissen. Der Kaufmann Sannert bekundet dann, daß er früher Mitglied der KPD. und b e i d e r R o t e n Hilfe in der Zeit vom Oktober 1927 bis Oktober 1928 wiederholt laneff gesehen habe. Auch im Karl-Liebknecht-Haus habe er laneff wiederholt im Gespräch mit dem Funktionär Kratzert gesehen. Auf Fragen von Rechtsanwalt T e i ch e r t erklärte der Zeuge, nach seinen Beobachtungen habe sich laneff mit Kratzert gebrochen deutsch unterhalten. Rechtsanwalt Dr. T e i ch e r t: laneff versteht aber auch heute noch kein Wort deutsch. Der bulgarische Dolmetscher bestätigt dies. Der Angeklagte laneff bleibt bei seiner Erklärung, daß er zum ersten M a l a m 2 4. Februar nach Deutschland gekommen sei. Der Zeuge Kratzert, der zehn Jahre lang Mitglied der KPD. und als technischer Angestellter im Karl-Liebknecht-Haus beschäftigt war, aber 1931 aus der Partei austrat, erinnert sich nicht mehr, wann und wo er Popoff und Dimitroff schon einmal gesehen habe. Es sei möglich, daß er auch mit laneff gesprochen habe. I o r g 1 e r stellt an den Zeugen die Frage, ob er den Eindruck habe, daß es der Partei ernst war mit der Bekämpfung jeder terroristischen Einstellung. Der Zeuge bejaht dies, aber b l e Unterfunktionäre hätten die Maßnahmen der Partei nicht immer so durch geführt wie sie durchgeführt werden mußten. Oberreichsanwalt: Ist Ihnen bekannt, daß andere Unterorganifationcn wie der Rotsroutkämpferbund und die Selbstschutzoraanisationen nach wie vor auf Gewalt maßnah men hingearbeitet haben? Zeuge: Das ist richtig. Oberreichsanwalt: Ist Ihnen bekannt, daß die Parole „Schlagt die Faschisten" im RFB. und in den Flugblättern der Partciorganisation.n immer wiederholt worden ist? Zeuge: Mir ist bekannt, daß diese Parole vonRuth ui f d) e r ausgegeben worden ist, die ausgeschlossen wurde. Oberreichsanwalt: Auch in den letzten Jahren ist diese Parole in den Flugblättern noch erschienen. Zeuge: Das ist allerdings bekämpft worden. Es war ein Erbübel des ehemaligen RFB., daß die Mitglieder dieses Bundes mit der Parteileitung vielfach nicht einverstanden waren. Rechksanwalt Seusfert: Der Zeuge Donnert ist aus der Hast vorgeführt worden. Verbüßt er jetzt eine Strafe? Zeuge Bannert: Ich verbüße jetzt Die Strafe, die ich erlitten habe wegen der Kliquenwirtschaft in der Roten Hilfe, wo ich der Unterschlagung von Organisationsgeldern beschuldigt worden bin. Der Zeuge äußert sich in erregter Weise gegen die Leute von der Roten Hilfe. Dr. Teich i:: Der Zeuge ist also ausgeschieden, weil ihm der Vorwurf der Unterschlagung von Par- teigelbem gemocht wurde. Gleichwohl ist er rechtskräftig verurteilt. Zeuge Bannert: Ich konnte m.ch nickt reinigen von diesem Vorwurf, weil die betreffenden Funktionäre mich vollkommen ausgeplündert hatten, auch meine Wohnung, und mir jede Möglichkeit einer Rechtfertigung nahmen. Ich wurde da- mals mehrere Tage im Karl-Liebknecht-Haus fest- gehalten und in dieser Zeit wurden sämtliche Belege, die ich über die Organisationsgelder hatte, beiseite geschafft. Dr. Teichert: Sie find einmal vom Staatsgerichtshof bestraft, das zweitemal wegen Betruges und wie ist es beim drittenmal? Zeuge Bannert: Wegen Konkursvergehens und Betruges zwei Monate und zwei Wochen. Anwohner der Zechliner Straße erkennen in P o p o f f den Mann wieder, der viel in der Wohnung des Komunistenführers Kämpfer in der Stettiner Straße verkehrte. Der Angeklagte P o - p o f f erklärt, daß er 1932 in Moskau gelebt habe. Der nächste Zeuge Maschinenbauer Hermann M ü l- I e r bekundet, daß Popoff vom Mai bis August 1932 fast täglich bei Kämpfer verkehrt habe. Auch der Buchhalter Fritz Arendt bekundet ähnlich. Bei Kämpfer hätten in jener Zeit bis nacht» 2 Uhr Geheimfitzungen- stattgefunden, tn denen die Internationale und andere Kampflieder gesungen worden seien. Der Angestellte Althaber lagt aus, daß viele Ausländer bei Kämpfer verkehrten. Popoff habe er im Sommer 1932 öfter dort gesehen. Zwei von der Verteidigung geladene Zeugen können keine bestimmten Aussagen machen, ob es sich bei ihren Beobachtungen tatsächlich um Popoff gehandelt hat. Nächster Derhandlungstag Dienstag. Abschluß des Propagandafeldzugs der Arbeitsfront. Dr. Leyö Besuch bei Krupp. Berlin, 6. Nov. (END.) Seit sieben Wochen fährt der Führer der Deutschen Arbeitsfront Staatsrat Dr. Ley durch das deutsche Land. Tag um lag hat er in diesen sieben Wochen die Stätten der deutschen Arbeit besichtigt. Nicht den Fabrikanlagen und Maschinen galt sein Besuch, sondern nur und ausschließlich d e m Menschen, der in diesen Werkanlagen und an diesen Maschinen steht. Das Ziel, das diesem Propagandafeldzug der Deutschen 'Arbeitsfront vorschwebte, ist voll erreicht. Die Besichtigungsreise des Führers der Deutschen Arbeitsfront fand ihren Höhepunkt und Abschluß mit dem Besuch der Krupp-Werke in Essen. Die Riesenkundgebung auf dem Fabrik- Hos war ein Sinnbild Des erwachten Deutschen Reiches. Dr. Ley führte aus, daß die deutsche Industrie eine herrliche Gemeinschaft der Arbeit fei. Der Nationalsozialismus werde nicht dulden, daß diese Gemeinschaft jemals wieder durch Einflüsse von außen her geschwächt werde. Im Betrieb gehörten Führer und Gefolgschaft zusammen. Ein plan zurGeßhafimachung des Industriearbeiters. Berlin, 6. Nov. (VDZ.) Der Leiter des Organisationsamtes der Deutschen Arbeitsfront, Selz- n e r, hat einen Vorschlag vorgelegt, der Vorschlag will den Arbeitern die Möglichkeit vermitteln, s i ch Besitz 3 u erarbeiten, und zwar ein Stück Land von etwa 1000 Quadratmeter, ein Wohnhaus und ein Wirtschaftsgebäude. Dadurch soll die S e ß - haftmachung Der deutschen Arbeitsmenschen an den Rändern der Städte und dem umliegenden Lande erfolgen. Aus dem Mietwohner der Stadt soll der Landjasse werden. Die Länder und Gemeinden hätten genügend Land für diesen Zweck. Zuerst sollen die vollbeschäftigten Industrie- Stammarbeiter für ein halbes Jahr der benötigten Bauzeit ihren Arbeitsplatz einem (Er- merbslofen überlassen und selbst gegen Erwerbslosenunterstützung den Bau ausführen, hiernach aber ihren Arbeitsplan wieder übernehmen Es soll nach dem Prinzip des wachsenden Hauses in drei Stufen gebaut werden. Die für den ersten Bauabschnitt erforderlichen 2000 Mark sollen zur Hasste die Arbeitsfront zu einem Viertel der Staat und zu einem Viertel die Hypothekenbank gewähren. Der Arbeiter mußte nach Rückkehr in die Dollbeschäftigung die 500 Mark Bankgeld zuerst, und zwar in 20 Mo- natsraten 1 25 Mark tilgen. Die restlichen 1500 Mark blieben stehen und würden nach Beendigung aller Ausbaustufen eventuell gestrichen. Jleue Darlehen für Arbeitsbeschaffung ® e r l i n, 4. Nov. (WTB ) Don der Deutschen Gesellschaft für Oeffentliche Arbei- ten AG. (Deffa) sind in der letzten Woche im Ar- beitsbeschaffungsprogramm vom 1. Juni 1933 w e i- t e r e Darlehen im Betrage von rund 15 Millionen RM. bewilligt worden. Die Deutsche Rentenbankkreditanstalt (RKA.) hat aus dem Arbeitsbeschaffungsprogramm vom 1. Juni 1933 bereits Darlehen von rund 64 Millionen RM. bewilligt und damit etwa Zweidrittel des ihr zur Verfügung stehenden Ge- famtbetrages vergeben. Zuletzt hat der Ärebitaus- schuß der RKA. Bewilligungen in Höhe von 15,8 Millionen RM. ausgesprochen. Davon entfielen rund 6 Millionen RM. auf Bayern für Fluhkorrek- tionen und Forstkulturarbeiten und rund 2,6 Millionen RM. auf Flußregulierungsarbeiten an der Katzbach, der Lausitzer Neiße und dem Bober. 600 000 Reichsmark wurden für die Fortsetzung der Landgewinnungsarbeiten an der Nordseeküste von Schleswig-Holstein bereitgeftellt, bei denen auch der Freiwillige Arbeitsdienst in erheblichem Umfange eingesetzt wird. Rund 700 000 RM. wurden zur Regulierung der Zwickauer Mulde und des Lungwitz-Baches bewilligt. HankwerkenZunungeu dürfen keine Hakenkreuzsahnen führen. Berlin, 4. Nov. (TU.) Auf eine Anfrage bei dem stellvertretenden Führer der NSDAP., Rudolf H e h, ist wie die ,X H.-Nachrichten" mitteilen, nachfolgendes Schreiben eingegangen: „Erst durch Ihr Schreiben vom 11. ds. Mts. wurde dem Stelloer- treter des Führers bekannt, daß die handwerklichen Innungen in der letzten Zeit sich Hakenkreuzfahnen als Sturmbahnen zugelegt Haven. Der Stellvertreter des Führers verbietet grundsätzlich das Führen von Hakenkreuzfahnen durch die handwerklichen Innungen, wie ich Ihnen in feinem Auftrag mitzuteilen habe". Zur Beschlagnahme des Buchs und Volk im Weltkrieg*., Berlin, 3. Noo. (WTB.) Bedauerlicherweise hat auch das Buch „Raum und Volk im Weltkrieg" von Ewald Banse der antibeut- sehen Propaganda im Ausland Anlaß gegeben, die Friedenspolitik der Reichsregierung in Zweifel zu bringen. Das ganz« Buch ist selbstverständlich nur bi« Privatarbeit eines unverant- wörtlichen Theoretiker» und in keiner Weife maßgebend für die Politik der Reicksregierung. Im übrigen finb die strategischen Theorien, wie sie Danse in seinem Buck entwickelt, so absurd, daß sie in der deutschen Oeffentlichkeit überhaupt nicht ernst genommen werden. Das Buch ist trotzdem beschlagnahmt worden. Die Reichsregierung will damit unwiderleglich zum Ausdruck bringen, daß sie von derartigen sinnlosen Schwätzereien in aller Form abrüeft und entschlossen »st, sich ihre Friedenspolitik nicht im geringsten durch die propagandistische Ausschlachtung derartiger Prioatarbei- ten stören zu lassen. Keine Belästigung ausländischer Studierender. Berlin, 4. Noo. (WTBI Der Führer der Deutschen Studentenschaft Dr. S t ä b e l erläßt eine Bekanntmachung, in der es heißt: (Entgegen den eindeutigen Verfügungen de» Stellvertreters des Führers Rudolf Heß und des Stabschefs Röhm ist es an deutschen Hochschulen wiederholt vorae- kommen, daß ausländische Studierende wegen Nichterweisung des Hitter-Grußes schweren Unannehmlichkeiten und Belästi- g u n a e n ausgesetzt waren. Ich verweise jetzt zu Beginn des neuen Semesters noch einmal eindringlich auf die Verfügungen dieser amUichen Stellen. Oer Danziger Preffekonfliki. Einberufung des BölkerbundtzratS vorerst nicht zu erwarten. Genf, 6.Nov. (TU.) Da» Schreiben de» Dan- ziger Dölkerbundskommissars an den Generalsekretär des Völkerbundes, in dem die Beschwerde der beiden vom Danziger Senat verbotenen Zeitungen, der so- • zialdemokratischen „Danziger V o l k» st i m m e" und de» Zentrumsblattes „Danziger Lande», zeitung" sowie die Stellungnahme de» Danziger Senats zu der Angelegenheit bargelegt wird, ist erst in den Mittagsstunden des Montag beim Volker- bundssekretariat eingetroffen. Mit einer baldigen Entscheidung über die (Einberufung des Völkerbunds- rotes wird nicht gerechnet. Das Schreiben des Danziger Dölkerbundskommisiar» soll zunächst von den maßgebenden Stellen eingehend geprüft werden, bevor cs den Ratsmächten zugesandt wirb. (Entgegen polnischen Pressemeldungen hat Kommisiar Rafting den sofortigen Zusammentritt des Bolkerbundsrats keineswegs beantragt, sondern lediglich die Aufmerksamkeit des Generalsekretärs auf eine etwaige Prüfung des Vorfalls durch den Völkerbundsrat gelenkt. Der würdelose Versuch der Restgruppen des Dan- ziger Zentrums und der SPD., eine Aktion der Genfer Instanzen gegen die nationalsozialistische Danziger Regierung herbeizuführen, hat in der Dan- ziger Bevölkerung einmütige und lebhafte (Empörung hervorgerufen. Die „Danziaer Allgemeine Zeitung" erklärt, daß das Doraehen der beiden Parteigruppen eine Disziplinlosigkeit darstelle die von der gesamten Danziger Bevölkerung auf das schärfste mißbilligt werde Di« Danzig-polnischen Beziehungen sind durch txe letzten Vorgänge in keiner Weise betroffen worden. Das kam auch Darin zum Ausdruck, daß Senatsprä- sident Dr. Rauschning gleichzeitig mit den Vertretern der Danziger und der reicksdeutschen Presse auch die Vertreter der polnischen Presse zur^Unter- richtung über die Sage empfangen hat. Der -Senats- Präsident hat dabei ausdrücklich betont, daß die von der nationalsoziallstischen Doniiger Regierung ein- geleitete und erfolgreich fortgesuhrte D e r st a n d i - gungspolitik gegenüberPolenundder polnischen Minderheit in Danzig unverändert weite r g e f ü h r t werden. In Danzig erwartet man, daß nicht nur Polen, sondern auch bas übrige Aus- land sich darüber klar wird, welche Gefahren für ganz (Europa heraufbeschworen werden können, wenn man die Freie Stabt Danzlgburch • Sozialleistungen der Verbrauchergenossenschaften. Der Referent Echternkamp von der Deutschen Arbeitsfront hat eine Zusammenstellung der Lei tun- ?en des Reichsbundes der deutschen 23 e r- rauchergenosse schäften für das soziale Hilfswerk bekanntgegeben. In wenigen Monaten sind beim Reichsbund der deutschen Verbraucher- Genossenschaften über4000Parteigenossen, davon weit über die Hälfte SA.- und SS.-Kame- raden, in Arbeit und Brot gebracht worden. Die Zahl der bei den Verbrauchergenossenschaften insgesamt angestellten Parteigenossen beläuft sich auf etwa 20 000 bis 25 000 deutsche Ar- beiter. Um dem Arbeitsmangel der Volksgenossen im Handwerk zu steuern, wurden von den 23er- brouchergenossenschaften IVt Mill. Mk. und vom Reichsbund 256 000 Mk. ausgeworfen. Im Kampf gegen Hunaer und Kalte im Nahmen des Winterhilfswerkes wurden 250 000 Mk. aus dem Vermögen der Verbraucherkammer und weitere 30 000 Mk. im Rahmen der Deutschen Arbeitsfront durch den Reichsbund dargebracht. Die M i t a r b e i- te» in den Genoffenschaften helfen mit griffe in ihre inneren Angelegenheiten zu einer Regerrepublik degra- d t e r t und damit die Friedenspolitik einer nur auf die Sicherung der inneren Ruhe und Autorität bedachten Regierung illusorisch macht. Llmbilvung des italienischen Kabinetts. Alle drei militärischen Ministerien in Mussolinis Hand vereinigt. Rom, 6.Rov. (TU.) Mussolini hat, nachdem er durch die Uebernahme des Kriegsministeriums bereits den ersten Schritt zur Vereinheitlichung der drei militärischen Ministerien gemacht hatte, nunmehr den zweiten Schritt vollzogen. Er übernimmt durch einen Erlaß vom Montag s o - wohl das Marine - als das Lustfahrtmini st e r i u m selbst. Der' bisherige Luftfahrtminister B a l b o wird zum Gouverneur von Lydien, der scheidende Marineminister S i • rtonni zum Präsidenten und Direktor der schwerindustriellen Gesellschaft Cogne ernannt. Ferner wird im Marinemtnisterium der bisherige Staatssekretär Russo durch den Admiral C a v a a n a r i, der Staatssekretär bei der Luftfahrt Riccardi durch den zum Geschwader- aeneral beförderten bisherigen Stabschef General Valle ersetzt. In der römischen Presse wird diese Entwicklung wegen der damit verbundenen einheitlichen Zusammenfassung aller technischen, verwaltungsmäßigen und finanziellen Angelegenheiten lebhaft be- Srüßt. Damit werde den drei Ministerien der andesverteidigung einheitliche Direktiven und e i n- heitlicher Wille gegeben. Diese Einheit sei unerläßlich für den notwendigen Ausgleich zwischen den verschiedenen Waffengattungen. Die weitere logische Entwicklung könne nur zur Vereinheitlichung der Streitkräfte führen. Einstimmig erkennen alle Blätter die großen Verdienste an, die Sirianni und Balbo um den Ausbau der nach dem Kriege auf ein Mindestmaß zusammengeschmolzenen Luft- und Seeflotte sich erworben haben. Vor allem werden die Leistungen der Lust- flotte unterstrichen, die Balbo als getreuer Voll- strecker des Willens Mussolinis mit verhältnismäßig geringen Mitteln erreicht habe. „Giornale b'Stalia” betont die wichtige Aufgabe, die Balbo an der afrikanischen Küste des MittAmeeres, der sogenannten „vierten Küste Italiens", zu lösen haben werde, und mit der er dem faschistischen Italien neue Beweise seines konstruktiven Talents werde geben können. Em neues amerikanisches Iiottenbauprooramm. Washington, 6. Rov. (TU.) Das Marineministerium ist mit der Aufstellung eines neuen Fiottenbauprogramms beschäftigt, dem angesichts der kürzlich erfolgten Rückkehr Svansons von seiner Inspektionsreise auf dem Pazifik, dem Aolauf des Londoner Flottenver- träges im Jahre 1936 sowie dem Besuch Litwinows besondere Bedeutung zukommt. Das Programm sieht folgende Einzelheiten vor: 1. Neubauten im nächsten Jahr für 100 Millionen Dollar, umfassend ein Flugzeugmutterschiff und fünf Kreuzer, mit einer Bestückung von 15-Zentimeter-Geschützen. Es handelt sich bei diesen Neubauten um Ergänzungen zu dem bereits bewilligten 238 Millionen Dollar- Programm, sowie den nachgesuchten 77 Millionen- Dvllars, für die Modernisierung von 5 Schlacht- schiffen. 2. Fortlaufende Materialemeuerung für die Zukunft. 3. Beschleunigung der Modernisierung. Dafür werden 150 Millionen Dollars gefordert. 4. Vermehrung des Personals um 2000 Offiziere und die entsprechende Zahl von Mannschaften. Vor dem Zusammentritt des Präsidiums der Abrüstungskonferenz. Genf, 6. Nov. (TU.) Nach einer amtlichen Mitteilung des Völkerbundssekretariats hat der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, sämtlichen Mitgliedern des Präsidiums einen u m - gearbeiteten Text des ursprünglichen Macdonaldplanes übermittelt, in dem die bisherigen Abänderungsvorschläge Berücksichtigung gefunden haben. Es handelt sich jedoch hierbei nur um geringfügige technische Abänderungen des Macdonaldplanes, die keinerlei Aenderung der gesamten Sachlage bedeuten. Das Präsidium der Abrüstungskonferenz tritt am Donnerstag, den 9. November, zusammen. Richtfest für den neuen Vöiker- bundspalast. G e n f, 6. Nov. (WTB.) In Genf fand das Richtfest für den vor zweieinhalb Jahren begonnenen und nunmehr fertiggestellten Rohbau des neuen Dölkerbundspalastes statt. Der Palast be- steht aus dem Sekretariat, dem Flügel, der den Natssaal in sich schließt, einem anderen Flügel, der die Kommissionsräume beherbergt, der großen 23er- fammlungshalle und bet Bibliothek, die dank einer Stiftung von Rockefeller zu einer der größten bestehenden Büchersammlungen ausgebout werden wird. Sämtliche Gebäude sind zusammenhängend. Das Sekretariat wird 400 Büroräumlichkeiten enthalten. ERNTEN 27 BIS 30 ♦ MUSTERCIGARETTEN ♦ MISCHUNGSNUMMER R 6 O/M Diese Cigaretten werden In den Fat sämtliche Tabake zweimal Aki lun. auf von lagen unseres technischen Muster» völlig neuen Methoden hergestellt tt *5 \rfte wird ausschließlich ohne folgenden Distrikten; A6 /H Die Cigaretten sl, methoden. die zu] M o s. monatlich weit über 100 000 Mk. zur Förderung der nationalen Arbeit. Im Rahmen der Adolf-Hitlerspende der deutschen Wirtschaft brachte der Reichsbund 88 000 Mk. auf. Den weiblichen Angestellten des Reichsbundes wird ein Betrag von 120 000 Mk. als nicht rückzahlbare Ehestandsbethilfe insgesamt bereitgestellt. das tviedees ENDE DES MONATS IN MILLIARDEN MARK' Juli A $ 0 N Dez.Jan. F M A M J J ä Sept 1922 2 Sept Qm Zunahme ver Geldumsätze Die Aufwättsbewegung der Produktion und der Beschäftigung in Deutschland ist seit dem Frühjahr auch von einer Zunahme der Zahlungsumsätze in der Volkswirtschaft begleitet. Damit zeigt sich, daß eine wirkliche Gesundung der Wirtschaii begonnen hat. Im Februar und März 1938 erreichte der Umfang des Zahlungsverkehrs seinen Tiefstand, während die Industrieproduktion schon sechs Monate früher den tiefsten Stand erregt hatte. Seit März dieses Jahres geht es nun aufwärts. Auch Güterumsatz und Zahlungsverkehr wachsen. Kleine politische Nachrichten. Elf bulgarische H a u p t s ch r i f t l e i t«r , die vom Reichsministerium für Volksausklaruna und Propaganda zu einer Studienreise nach Deutschland eingeladen sind, sind heute mit dem Großflugzeug D38 „Generalfeldmarschall von Hindenburg" von Breslau kommend m Köln gelandet. • Ministerpräsident Göring ist auf dem römischen Militärflughafen Centocelle mit dem felbft- gesteuerten Flugzeug „Manfred v. Richthofen gelandet. Zur Begrüßung waren erschienen Unterstaatssekretär Suvich vom Auswärtigen Amt und der Chef des Protokolls Conte Senni, der neue Unterstaatssekretär im Luftfahrtministerium General Valle, Botschafter o. Hassell mit dem gesamten Personal der Botschaft. Der Ministerpräsident, der in Begleitung des Prinzen Philipp v Hessen und I Staatssekretärs Körner nach Rom gekommen ist, wurde von Mussolini empfangen und wird am Mittwoch den Rückflug antreten. Aus Anlaß seines 40. Geburtstages wurde dem Landesbau ernführer und Staatssekretär für Landwirtschaft Georg Luder zum Dank für feinen unermüdlichen zähen Kampf für die Idee Adolf Hitlers und für den Gedanken von Blut und Boden der Erbhof Hir schwang, Gemeinde Schwabmünchen in Schwaben, als Ehrengeschenk der bayerischen Bauernschaft übereignet. * Nach Berichten aus Klaaenfurth sind im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Lichtleitung während der Anwesenheit des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß zehn Personen in Haft genommen worden. Unter ihnen befindet sich der reichsdeutsche Zahntechniker Duttenhofer, sowie der ehemalige Chauffeur des ausgewiesenen Landesleiters von Cothen. Bei einem gewissen Raub» k a, der sick in angeheitertem Zustand gebrüstet hatte, der Anschlag rühre zur Hälfte von ihm her, wurde eine Skizze des gesamten Lichtnetzes der Stadt Klagenfurth gesunden. * In den das Baskenland bildenden drei Pro- Dingen Vizcarra, Guipuzcoa und Alava hat die Volks- abftimmung über das baskische Autonomie st a- t u t eine 90prozentige Mehrheit für die Autonomie Gebracht. Dieses bedeutet einen Sieg der nationalen acholischen Tendenzen im Gegensatz zur katalanischen Autonomie, die linksgerichtet ist und einen weiteren Schritt der Dezentralisation in Spanien und Schwächung der Madrider Zentralregierung. Aus oder Welt. Ausstellung „Die Kamera". Die Ausstellung für Photographie, Druck und Reproduktion „Die Kamera", Berlin 1933, ist in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm feierlich eröffnet worden. Nach einer Begrüßungsansprache vom kommissarischen Stadtrat Vizepräsident Kühn hielt der Schirmherr der Ausstellung, der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels die Eröffnungsrede. Dr. Goebbels führte u. a. aus: Das Lichtbild ist ein sichtbarer Ausdruck für die Höhe unserer Kultur; den Wert der Lichtbildnerei nicht nur für das künstlerische Leben sondern vor allem auch für den praktischen Daseinskampf zu erkennen, ist Aufgabe dieser Ausstellung. Der Mensch unserer Tage hat begonnen mißtrauisch zu werden gegen Nachrichten und Behauptungen, die ihm nur durch das Ohr oder das Medium der Settern zugeleitet werden. Er kann verlangen, daß man ihm, den man mit Wort und Schrift jahrelang irre führte, heutzutage schwarz auf weiß — d. h. im Photo — beweist, daß eine neue Zeit heraufgestie- gen ist. All jenen, die die herzerhebenden Tage nicht miterleben Durften, steht heute durch die Hochflut von Bildveröffentlichungen der Aufbruch der Nation vor dem geistigen Auge. Ebenso unvergleichlich ist die Wirkung dieser Bilddokumente auf das skeptische Ausland. Man hat es draußen nicht wahr Haden wollen, daß sich unser Volk wie ein Mann hinter seinen Führer stellte. Heute werden auch dem mißtrauischsten Ausländer, sofern er nicht bösen Willens ist, durch die Kamera die Augen geöffnet. Diese Schau bietet ein umfassendes Bild von der wirtschaftlichen Reichweite, die die Photographie mit ihren Ausstrahlungen auf die Graphik und den Druck für unser Vaterland besitzt. Die Aussteller dürfen ' überzeugt fein, daß sie etwas geschaffen haben, das zu feinem Teil verantwortungsvoll mithilft am deutschen Ausbau und dem Außenstehenden durch die Ka- mera zeigt, was die Grundlage allen Fortschritts ist: Ehre, Arbeit und Brot. In diesem Sinne er- ttike ich die Ausstellung für eröffnet Zusammenschluß der Burschenschaften. Anfang November traten auf dem Burschenhaus bei Eisenach die örtlichen Sprecher der Burschen- schäften aller deutschen Hochschulorte zu einer A r - beitstagung zusammen. Besondere Bedeutung erhielt, wie die NSK. meldet, die Tagung durch die Tatsache, daß der Allgemeine Deutsche Burschenbund, der 50 Burschenschaften umfaßt, nach einer in seinen eigenen Reihen durchgeführten Umorganlfation feinen Eintritt in d i e Deutsche Burschenschaft vollzog. Die Deutsche Burschenschaft umfaßt damit als der bei weitem größte studentische Verband über 55 000 Mitglieder. 400 000 Volksempfänger VE 301. Die Nachfrage nach dem Volksemofänger gerätes VE 301 beschlossen wurde. Die Auflage des Wirufa in Berlin die vierte Auflage des Volks- gereätes VE 301 beschlossen wurde. Die Auflage des VE 301 beträgt also nunmehr 4 0 0 0 0 0. Schwere Skrahenkämpfe In Irland. In Belfast fanden am Sonntagabend schwere Strahenkämpfe zwischen Mitgliedern der irischen republikanischen Armee und der Polizei statt. Die Polizei versuchte im Zentrum von Belfast eine Protestversammlung der Republikaner auf- zuläsen. Die Menge nahm jedoch eine äußerst feindselige Haltung gegen die Schutzleute ein, bewarf sie mit Steinen und rief: „Es lebe de Valera, es lebe die irische Republik". Als die Polizei mit Gummiknüppeln auf die Menge einhieb, kam es zu einem erbitterten Handgemenge, bei dem beide Seiten Verluste erlitten. Die Behörden mußten sogar Panzerwagen auffahren lassen, um die Ruhe wieder herzustellen, was erst nach dreistündigem Kampfe gelang. Das Luftschiff „Dixmulden". An der Küste Siziliens find jetzt in 40 Meter Tiefe die Trümmer des Luftschiffes „D i x m u i - d e n" aufgefunöen worden. Das Luftschiff war auf Grund des Versailler Vertrags von Deutschland an Frankreich ausgeliefert worden. Es stellte im Jahre 1923 einen Weltrekord auf, indem es vom 25. bis 29. September 118 Stunden 41 Minuten in der Luft blieb und rund 7000 Kilometer zurücklegte. Am 22. Dezember desselben Jahres wurde es auf einer Fahrt an der sizilianischen Küste von einem Blitz getroffen und stürzte ins Meer. Dabei ertranken 50 Mann der Besatzung. Feuersbrunst äschert ein Dorf ein. Nach einer Meldung aus Ankara wurde das Dorf Civicli, in der Nähe der kleinasiatischen Hafenstadt Adalia, durch eine Feuersbrunst zerstört. 115 von 150 Häusern wurden ein Raub der Flammen. 500 Personen sind obdachlos. Ob auch Menschenopfer zu beklagen find, konnte noch nicht festgestellt werden. Wettervoraussage. Durch die nordöstliche Störungstätigkeit gelangen In Verbindung mit dem Hoch über Irland fortgesetzt Staffeln milder Ozeanluft nach dem Festland« hin. Infolgedessen wird sich bei vielfach bedecktem Himmel das Wetter zwar nicht gerade kalt, aber feucht und unfreundlich, zeitweise auch regnerisch gestalten. Aussichten für Mittwoch: Vielfach duftig und bewölkt, Temperaturgegensätze zwischen. Tag und Nacht ziemlich ausgeglichen, einzeln« Niedecr schlüge. Aussichten für Donnerstag: Wechselnd wolkig mit vorübergehendem Aufklaren, noch einzelne Schauer. Doktor Grudes Ehe. Originalroman von J. Schneider-Zoerstl. 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Nein, Madien! Es soll sein, als wäre es nicht gewesen.' Sei mir nicht böse", sagte er. „3d) bin ja gar nicht so begehrenswert, wie du vielleicht glaubst. Bon meiner Mutter her habe ich zu viel schweres Blut vererbt bekommen. Das saugt immer wieder den Tropfen leichtes auf, das in mir flieht. Es könnte eines Tages sogar passieren, daß ich es mache wie Dick. Mir fehlt nur im letzten entscheidenden Moment immer wieder der Mut dazu. Feige bin ich also auch noch. 3ch habe zuweilen Stimmungen, die an Wahn- sinn grenzen.--3st das noch immer nicht genug, dich abzuschrecken?" „Nein! Eher ein Grund mehr, damit ich dich vor all dem bewahren kann." „Christa ist ja kaum sechzehn Wochen tot." „Du bist ja nicht mir ihr verheiratet gewesen, Felix! Da gibt es doch kein Trauerjahr!" „Aber im Herzen, Madien!" Sie fühlte, dah sie etwas von dem verloren hatte, was er ihr bereits entgegenzubringen gewillt war, und suchte den Verstoß gegen seine Empfindlichkeit sofort wieder gutzumachen. „Du brauchst sie ja nicht zu vergessen, Felilsche! 3ch tue es ja auch nicht. Wir haben ein großes Oelbild von ihr zu Hause. Das erbitte ich von der Mama für dich. Du hängst es in dein Schlafzimmer oder über deinen Arbeitstisch, bann kannst -du sie immer um dich haben!" „3a, bitte!" sagte er, schon wieder versöhnt. Sie ist doch ein guter Mensch, erwog er bei sich und erschrak über die Maßem als ihm plötzlich die Frage über die Lippen kam: „Kannst du noch einige Wochen warten? Vielleicht, daß ich mich bis dahin zurecht- finde" „3a!" sagte sie rasch. Der Blick, mit welchem sie ihn umfing, war eine einzige brennende Hoffnung. Drei Wochen später war Madien Wellenberg Dr. Grudes Frau. * Christas Aussteuer war nun die von Madien geworden. Zwischen Grude und Dr. Wellenberg hatte es einen Tag darauf eine kurze, aber erregte Aus- fprache gegeben. „Entweder du bist nicht zurechnungsfähig", hatte Wellenberg gesagt, „oder du kannst es wirklich nicht mehr aushakten. Oder — und das glaube ich am ehesten, hat die Madlen dir derart wgesetzt, und dich so über die Maßen mürbe gemacht, daß du endlich „3a" und „Amen" gesagt hast, nur um von ihr Ruhe zu bekommen." Grude hatte ihm nur, ohne etwas zu erwidern, den Rücken gekehrt. Aber Wellenberg sah gerade darin einen Beweis der Richtigkeit seiner Behauptung. „Es ist eine Schande!" schrie er, „du willst ein Mann fein, und bringst es nicht fertig, ein junges Ding von zwanzig Jahren abzuschulleln. — Weißt du, was das Ende sein wird?" ,Zch kann es mir denken", sagte Grude und drehte ihm dabei langsam das Gesicht zu. Und vor diesem, in seiner Verzweiflung alle Tiefen aufwühlenden Blick stand Rols Wellenberg entwaffnet. Madlen wich dem Bruder aus. Sobald seine Stimme zu Hause erklang, verschwand sie in ihrem Zimmer. Einmal aber lief sie ihm direkt in die Hand. Da hielt er sie an den Schultern fest und drohte: „Wenn du ihn unglücklich machst —" Sie fürchtete ihn. Nicht einmal vor dem Vater hatte sie solche Angst empfunden. Was wollte er benn? — Natürlich würde sie Grude glücklich machen. Das konnte doch nicht so schwer sein. Sie hatte ihm ja auch Christas Bild für sein Schlafzimmer von der Mutter erbeten obwohl das eigentlich ein Blödsinn gewesen war. Nun würde sie es ein ganzes Leden lang vor Augen haben. Sooft sie in den Raum trat, beim Erwachen, beim Zubettegehen, immer sah es nun auf sie herab. Angenehm war das gerade nicht. Als im Flur die Klingel anschlug, lief sie zu öffnen. Der Briesbote reichte ihr einen Einschreibebrief herein und zugleich seinen Tintenstift, sich den Empfang bestätigen zu lassen. Sie kritzelte ihren Namen in das Buch, schloß wieder ab und trat in ihr Zimmer. Als sie die Adresse besah, ergriff sie ein Schwindel. Dann beruhigte sie sich wieder. Warum sollte nicht jemand anderer eine ähnliche Schrift haben wie Christa? — Sie wollte erst das Kuvert aufreißen, besann sich, holte eine Stricknadel und begann die Umhüllung sorgfältig aufzurollen. Marseille, den 20. Februar 19—. „Geliebte Eltern!" Sie mußte sich setzen. Die Knie versagten, brachen ihr. 3hre Augen hasteten über die Zeilen. Sie hörte die Mutter nebenan sprechen, lief zur Türe und stieß den Riegel vor. Heute war Donnerstag. Für Samstag früh war die Trauung angesetzt. Bis dorthin mußte der Brief in ihrem Besitz bleiben. Dann erst durften ihn die anderen lesen. Wie aber, wenn Christa auch an Grude geschrieben hatte? Sie benötigte die Lehne eines Stuhles zum Halt, um nicht vornüber zu fallen. Wie konnte sie es verhindern, daß er ihn erhielt? Möglicherweise hatte er ihn schon in Händen. Sie schüttelte die fürchterliche Lähmung ab, rannte nach dem Flur, riß Mantel und Hut vom Ständer und lief die Treppe hinab. Ein Mietauto, das eben des Wegs kam, hielt auf ihr Winken an und brachte sie in die Mariahilferstraße. Grude hatte sich eben angeschickt, einen Patienten zu besuchen, als sie an seiner Klingel riß. Er öffnete selbst und hatte ein Lächeln in den Augen, als sie ihm so unvermittelt an den Hals flog. „So stürmisch, mein Kleines?" Sie mußte erst oeratmen, ehe sie sprechen konnte. ,Lch habe plötzlich solche Sehnsucht nach dir bekommen! Und nun gehst du fort!" „Zu einem Schwerkranken, Madlen! Vielleicht unterhälst du dich einstweilen mit Lena. Sie isfirn Heißluftraum und massiert einen kleinen Thingen. Da störst du nicht. 3d) komme in spätestens einer halben Stunde wieder." Er ließ sich küsien und fuhr ihr über die Wangen. „Hat cs Verdruß gegeben zu Haus?" Sie schüttelte den Kopf und drängte ihn zur Türe. „Geh jetzt! Der Kranke wartet sicher sehr auf dich! Und komm bald wieder!" Gespannt horchte sie nach der Treppe, die er jetzt hinabstieg. Er hatte noch nichts in der Hand. Vielleicht schickte Christa ein Telegramm an ihn. O Gott, nur das nicht! Ein Brief war leichter abzufangen. Eine Depesche verschwinden zu lassen, war schwieriger. Sie stand noch eine Weile in dem dämmrigen Flur und lauschte. Aus einem rückwärtigen Zimmer kam Lenas Stimme, in welche sich das Lachen eines 3ungen mischte. Madlen war völlig wirr im Kopf. Noch immer lauschend, schlüpfte sie ins Eßzimmer und spähte die Straße hinab. Aber von Grude war nichts mehr zu sehen. Sie strengte jetzt ihr Gedächtnis an, wann sonst immer die Post hierhergekommen war. Auf dem runden Tische lagen ein paar Zeitungen und einige Briefe. Mit einem Sprung war sie dort und hielt sie in den Fingern. Sie traute ihren Augen kaum. Mit halbgeschlossenen Lidern ließ sie den ersten Moment der Betäubung in sich verebben. Wozu sollte sie den Brief öffnen? Es genügte, daß er in ihren Händen war. Uebermorgen — ja! Uebermorgen sollte ihn Grude haben. Früher nicht. Da war sie dann schon seine Frau und keine Macht der Erde konnte sie je wieder aus ihrem Recht verdrängen. Sie entsetzte sich bei dem Gedanken, was gewesen wäre, wenn sie sich nicht zur rechten Zeit hier eingefunden hätte. Sie hörte Lena mit dem Zungen den Flur entlang kommen und steckte den Brief rasch in den Ausschnitt ihres Kleides. Wenn Lena auch nur eine Ahnung hätte, was sie da ihrem Chef angetan hatte, die Korrenspon- denz nicht wie sonst auf feinen Schreibtisch, sondern hier ins Eßzimmer zu legen! Eingeschriebene Briefe tarnen wohl täglich in Grudes Besitz. Sie hatte sicher nicht auf die Adresse geachtet. Allmählich flaute der Schrecken in ihr ab und machte einer nervösen Freude Platz. Morgen noch! ---Am Samstagoormittag um neun Uhr war sie seine Frau. Mit der Nachmittagspost mengte man die beiden Briese dann einfach unter die anderen. Unter der Menge der Gratulationen konnte man sie leicht verschwinden lassen. Und bis sie jemand darunter herausholte — — „Aach!" — — Sie dehnte die Arme. Christa sollte sich einen anderen Mann suchen. Das war sicher nicht allzu schwierig. Und wenn sie jetzt ohnedies noch krank lag, hatte sie Zeit zum Verwinden. Freilich, von dem Betrug, den sie da ins Werk setzte, durfte nie jemand ein Sterbens» wort erfahren. Rolf würde sic umbringen! Die Mutter sich ent» setzen!--Und Grude? — Nicht auszudenken! — Möglich auch, dah er sich scheiden liefe. Aber es konnte ihr niemand etwas beweisen. Kein Men'ch hatte die beiden Briese zu Gesicht bekommen. Sie waren einfach zwei Tage später eingetroffen. — Und die Post? Gott, es kamen wahrscheinlich tagtäglich tausend eingeschriebene Sendungen nach Wien. Wer schert sich da viel um das Datum. Und in dem Durcheinander und dem Trubel des Hochzeitstages und zwilchen all den einlaufenden Depeschen und Glückwunschschreiben liefe sich die Sache, ohne Verdacht zu erregen, arrangieren. Sie mochte nun auf einmal nicht mehr auf den Verlobten warten, entschuldigte sich bei Lena, dafe sie so fürchterlich viel zu tun habe, und lief die Treppe hinab. Grude kam eben nach oben und breitete die Arme aus. „So eilig, mein Madel!" „Du 4)ifl so lange geblieben, sagte sie atemlos. „Und es gibt noch so viel zu erledigen zu Hause." „Soll ich dich heimbringen?" fragte er gütig. „Nein, danke!" Er wollte sie noch küsien und unterliefe es dann, denn ein Herr stieg eben die Treppe herauf. Madien schlüpfte an ihm vorüber und rife unten die Haustüre zurück. Sie mußte Luft haben! Luft! 3hr war, als müßte sie sonst ersticken. » Die Geheimrätin sand, daß so ein Hochzeitstag doch reichlich viel Aufregungen mit sich bringe. Man hatte die Feier zwar nur in engem Kreise abgehalten. Trotzdem war die gesamte Wohnung auf den Kopf gestellt. Sie war am Abend völlig erschöpft und ihrem Sohn über die Maßen dankbar, daß er als das junge Paar wegfuhr, sich noch an.den Schreibtisch setzte und die eingelaufene Korrespondenz oornahm, um sie durchzusehen. Er machte sich dabei Notizen, wem sofort gedankt werden muhte, und legte die Briefe, die noch einigen Aufschub duldeten, zur Seite. Merkwürdig,wie viele Freunde man eigentlich besah! Der Stapel wollte kein Ende nehmen. Madien hatte abwehrend die Hand gehoben, als er fragte, ob alles aufbewahrt werden solle. „Nur das Wichtigste, Rolf! Mit dem andern verschone mich!" Ais es gegen zehn Uhr ging, erhob sich die Ge- heimrätin. „Bist du böse, Rolf, wenn ich mich jetzt zurückziehe? Du bleibst doch zur Nacht bei mir?" „Gewiß Mama!" sagte er freundlich. Sie hätte ihm leid getan, wenn er sie jetzt allein hätte lassen müffen. Er hatte im Sanatorium einen Vertreter, auf den er sich verlassen konnte. (Fortsetzung folgt.) 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