zmtag.r.MMZ 185. Jahrgang nr. 156 Krühausgabe der h kör nr kir Si G D N D ch 9J de 9 fü so L 3 9 Saat auszustreuen, die für den ganjen Protestantismus eine reiche Ernte erhofen lasse. Der Vorsitzende des Gesetzgebungsausschusses Neuenhage il teilte mit, der Ausschuß b e - a n t r a g e , der Landeskirchentag wolle die verfassungsrechtlich vorgeschriebene Zustimmung erteilen, wie es dem Gebot der Stunde entspreche. Jung, Landgerichlspräsident Neuenhagen, Pfarrer Anlhes, Rimbach, Pfarrer Berck, Roßdorf, Pfarrer Bürsllein. Offenbach, Pfarrer Jrle, Darmstadt, Pfarrer Knodt, Offenbach, Pfarrer O l f f, Gau-Obernheim, Studienrat Dr. h e i d t, Mainz, Gewerbeschuldirektor Staudt, Worms, Rechtsanwalt Klein, Darmstadt, Rechtsanwalt A m e n d , Darmstadt." Nachdem diese Erklärung abgegeben war, berieten die Vertreter des Kirchentages und der Kirchenregierung kurz. Wie Präsident Herrmann mitteilt, ist das Schreiben der nach den Beschlüssen des Kirchentages nunmehr zuständigen Instanz, Prälat Diehl übergeben worden. Die künftigen Landespropagandaleiter bei Reichsminifter Or. Goebbels. Berlin, 6. 3uli. (ERD.) Der Reichsminister ür Bolksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels empfing heute die dreizehn zur Leitung der Landes st ellen des Propagandamin i st eriums in Aussicht genommenen Herren zu einer ersten Besprechung. ®ar? Reichsministerium für Bolksaufklärung und Propaganda hat jetzt einen Unterbau erhalten, indem 13 Landes st ellen eingerichtet worden ind, die den Bezirken der Landes- arbeitsämter angeglichen wurden. Den Leitern dieser Landespropagandastellen wird nur ein kleiner Stab zugeteilt. Die Einrichtung der Or. Dahlem als Vertreter der Kirchenregierung Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzcigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20", mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An. zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen. amt das Ersuchen richten, ihnen in Höhe des Lr- stattungsbelrages einen Spendenfchein zu senden. Das bedeutet, daß der Steuerpflichtige das Finanzamt ersucht, den ihm im Wege der Erstattung zustehenden Betrag als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit zu verwenden und ihm darüber einen entsprechenden Spendenfchein zu senden. Diejenigen Volksgenossen, die A u f s i ch t s r a t s - Vergütungen beziehen, ersuchen die Gesellschaft, deren Auffichtsrat sie angehören, von dem Betrag der jeweils zur Auszahlung kommenden Auffichts- ratsvergütung einen angemessenen hun- dertsah als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit einzubehalten und für sie an das Finanzamt abzuführen. Die freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit kann geleistet werden: 1. In bar durch Zahlkarte, durch Poftfchecküber- weisung oder durch Banküberweisung oder 2. durch das Ersuchen an den Arbeitgeber, einen bestimmten hundertsah des Lohns oder Gehaltes als freiwillige Spende einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen oder Z. durch das Ersuchen an das Finanzamt, einen zu viel gezahlten Steuerbetrag als freiwillige Spende zu verwenden oder 4. durch das Ersuchen an die Kapitalgesellschaft, einen bestimmten hundertsah der Aufsichtsrats- oergütung als freiwillige Spende einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. Jeder Betrag, der, einerlei in welcher Form, als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit gegeben wird, fließt einem Sonderoermögen des Reiches zu. Dieses wird re st los verwendet zur Finanzierung öffentlicher Aufträge und somit zur Vermehrung d er A r b ei t und zur Verminderung der Arbeitslosigkeit. Jeder Betrag, der als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit gegeben wird, und fei er noch so Hem, bedeutet Arbeit; denn jeder Betrag wird verwendet zur Vermehrung der Arbeit. Freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit wird nicht nur von natürlichen Personen geleistet, sondern auch von Kapitalgesellschaften, Vereinen und verbänden. Ls fei hier beispielsweise an den nationalsozialistischen Lehrerbund des Gaues Sachsen gedacht, der 120 000 RM. freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit geleistet hat, und den Bund der Reichssteuerbeamten, der 20 000 KZTC. als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit geleistet hat usw. Deutsche Männer und Frauen, zeigt, daß ihr Volksgenossen und Volksgenossinnen seid, beteiligt euch alle an der Freiwilligen Spende zur Förderung der nationalen Arbeit, dem großen Werk der Verminderung der Arbeitslosigkeit und damit des wirtschaftlichen und sozialen Aufbaues der Ration; Landesstellen ist erfolgt, weil das Propagandaministerium zur Erfüllung seiner Aufgaben die enge Berbindung mit den deutschen Bolksstämmen und Landschaften braucht. Or. D. Berger erklärte: Wir sind uns alle darüber einig, daß der Landeskirchentag sich überlebt hat. Ich habe eine zweifache Erklärung abzugeben: Daß p)ir dernErmächtigungsgesetz einmütig unsere Zustimmung erteilen, und daß wir dabei unsere Auffassung zum Ausdruck bringen: Wir haben die Umwälzung wie ein Wunder erlebt. Ihre weltgeschichtliche Bedeutung ist so groß, daß wir uns den Blick für den tiefen, schöpferischen Sinn des Geschehens nicht trüben lassen dürfen durch unvermeidliche Gewaltsamkeiten und Härten, ohne die sich eine Revolution noch niemals hat durchsetzen können. Was sich vollzieht, ist nichts anderes als der siegreiche Durchbruch des germanischen Staatsgedankens, wonach der Staat ein persönliches Lebewesen ist und das in seinen Ständen organisch vereinigte schassende Volk umfaßt. Der Staatswille entsteht durch einen intuitiven Erkenntnisakt einer leitenden, mit dem Bolke verbundenen Persönlichkeit. Die Kirche kann gar nicht anders, als diese Durchdringung des Kreatürlichen und des Evangelischen zu bejahen. Kirche und Staat können und müssen sich zu einem festen Bunde zusammen - schliehen, beide ihre Eigenart wahrend, beide einig im Dienstwillen am deutschen Bolkstum. Bestimmung der Kirche sei die Verkündigung des Evangeliums, Bestimmung des Staates die Bildung einer nationalen Gesinnungs- und Lebensgemeinschaft. Rach diesen Worten erfolgte die einmütige Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz. Die Reform der Evangelischen Landeskirche in Hessen Prälai D.Or.Or. Diehl erhält die Vollmachten des Landeskirchentages. - Ein Schreiben Oer Hessischen Regierung fordert einen neuen Verfaffungsausschuß. Berlin, 6. Juli. (WTB.) Der Staatssekretär im Rcichsfinanzministcrium Friß Reinhardt hat am 6. Juli 1933 durch Rundfunk an alle Volksgenossen und Volksgenosfinnen den folgenden Aufruf gerichtet: Dem Ausruf, den ich im Auftrage der Reichsregierung heule vor einer Woche an alle Volksgenossen und Volksgenossinnen durch Rundfunk gerichtet habe, ist zahlreich Folge geleistet worden. Unzählige Beamte und Angestellte haben einen Teil ihres am 30. Juni fällig gewesenen Gehaltes und unzählige Arbeiter einen Teil ihres am 1- Juli fällig gewesenen Lohnes als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit geleistet. Sie haben darüber hinaus ihren Arbeitgeber ersucht, ihnen bis auf widerruf von ihrem Gehalt oder Lohn einen bestimmten hundertsah einzubehalten und den Betrag als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit für sie an das Finanzamt abzuführen. Wo ein folches Ersuchen erfolgt ist, behält der Arbeitgeber bis auf weiteres den vom Arbeitnehmer bestimmten Teil des Lohnes ein, um diesen für den Arbeitnehmer als freiwillige Spende zur Förde- rung der nationalen Arbeit an das Finanzamt abzuführen. Bei der Berechnung des Abzuges der Steuer vom Arbeitslohn ist in dem Salle nicht vom rohen Arbeitslohn, sondern von dem um den Spendenbetrag gekürzten Lohnbetrag auszugehen. Auf diese Weise ermäßigt sich jedesmal der Betrag der vom Arbeitgeber ein- zubehallenden Lohnsteuer. Ein Beamter, Angestellter oder Arbeiter, der ein Ersuchen der bezeichneten Art an seinen Arbeitgeber gerichtet hat, kann dieses Ersuchen jederzeit wider- rufen. Er ist also nicht verpflichtet, sich einen bestimmten hundertsah auf eine bestimmte Zeit ab- ziehen zu lassen, sondern es sieht ihm vollkommen frei, wie lange er sich an dem großen Werk der freiwilligen Spende zur Förderung der nationalen Arbeit beteiligen will. Beamter, Angestellter oder Arbeiter, der ein Ersuchen der bezeichneten Art an feinen Arbeitgeber noch nicht gerichtet hat, holt das so schnell wie möglich nach, wenn er auch zum Ausdruck zu bringen wünscht, daß er sich denjenigen Volksgenossen gegenüber, die ohne Arbeit und ohne natürliche Einkommen sind, verbunden fühlt. Diejenigen Volksgenossen und volksgenosfinnen, die nicht in einem Arbeitnehmerverhältnis stehen, sondern Unternehmer, Angehörigeeines freien Berufes oder Rentner find, erhalten in den nächsten Tagen den Einkommen- fteuerveranlagungsbescheid für das Jahr 1932. Viele dieser Volksgenossen werden diesem Steuerbescheid gemäß einen Erstattungsan- spruch an das Finanzamt haben, nämlich dann, wenn die Summe der für 1932 festgesetzten Ein- tommenfteuer unter der Summe der geleisteten Vorauszahlungen zurückbleibt, von solchen Volksgenossen und Volksgenossinnen ist zu wünschen, daß sie nach Erhalt des Steuerbescheides an das Finanz- Die Reichsstatthaller beim Reichskanzler. B e r l i n , 6. Juli. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: heute fand in der Reichskanzlei unter dem Vorsitz des Reichskanzlers eine Besprechung der Reichs st atthalter in Gegenwart des Reichsinnenmini ft ers und des preußischen THinifterpräfibenten statt. Der Reichskanzler nahm in eingehenden Darlegungen zu den grundsätzlichen Fragen der Innen-, Außen- und Wirtschaftspolitik Stellung, wobei er grundlegende Ausführungen über den staatlichen Aufbau und das Gefüge des Reiches in der Zukunft machte. Die Reichsflatthalter sollen die Repräsentanten des nationalen Einheits- gefühles und die absoluten Statthalter einer autoritären Reichsgewalt fein. Der Reichskanzler u e t u r t e i I I e ferner scharf gewisse 211 et hoben ber wirtschaftlichen Gleichschaltung unb betonte die Bedeutung der praktischen Erfahrung in der Wirtschaft gegenüber unproduktiven fionftruttionen unb Ibeen. WSN. D a r m ft a b t, 6. Juli. 23on besonderem Interesse war die heutige 10. Sitzung, des 2. E v ä uge l i s ch e n Landeskirchent es, die unter Vorsitz des Präsidenten D. H e r r nv a n n stattfand. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war die Vorlage derKirchenreg t/e rung auf Erteil u n g eines Ermächtigungsgesetzes. Das Gesetz hat folgenden Wortl-äut: „§ 1. Dis jur Annahme leinet neuen kirchen- oerfaffung werden die dem ^Landeskirchenlag nach § 80 der Kirchenverfaffumg zustehenden Rechte auf den Präsidentien ber Kirchen- regierung Prälate/n D. Dr. Dr. Diehl übertragen. § 2. Jnsbefonbere wird» er ermächtigt, eine zeitgemäße Umgeftnilung ber Verfassung ber Evangelischen Landeskirche in Hessen und ihre Angleichung cm die Verfassung der kommenden Deutschen Evangelischen Kirche durchzuführen. § 3. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage feiner Verkündigung in Kraft." Präsident D. Herrmann Erlcheinr tägltd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustriert, Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monat$=Bejngsprets: gjlit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. poftschecklonto: gtantfurt am Blain 11686. Prälat Oiehl dankte dem Bizepräsidenten Dr. Dahlem für eine verdienstvolle Arbeit in der Kirchenregierung. Was ihn, den Redner, selbst betreffe, so sei nicht zu befürchten, daß er sich nun als Machthaber geriere. Die Lösung liege eher in entgegen- oesehter Richtung. Er werde sich bemühen, nach dem Grundsatz der Gerechtigkeit zu verfahren, und wo er mit seinem eigenen Verstände nicht mehr weiterkomme, werde er wissen, daß andere da seien, die er befragen könne. Er empfinde die Berantwortung, die auf ihm laste, in ihrer ganzen Schwere. Aber er übernehme sie mit innigem Dank an den Landeskirchentag und die Mitglieder der Kirchenregierung. Die kirchlichen Angelegenheiten sollen, nach rein kirchlichen Erwägungen geleitet werden. Zum Schluß sprachen Präsident D. Herrmann dem Kirchentag und dessen Mitglied Lampas dem Borsitzenden D. Herrmann und seinem Büro den Dank für die geleistete Arbeit aus. Die Tagung wurde, wie sie begonnen, geschlossen mit gemeinsamem Gebet. Bei Schluß der Sitzung verlas Pfarrer Olff, Bodenheim, folgendes Schreiben, das Ministerialrat R i n g s h a u s e n von der Ministerial- abteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Bolkstum an den Landeskirchentag richtete: Ein Schreiben der Staats- regierung. „Der heutige Staat ist der Staat des Rational- soz'ialismus. Der Nationalsozialismus fordert Dienst am Volk als oberste Pflicht jedes Staatsbürgers. Auch Staat unb Kirche sollen nichts anberes, als burch ihre Arbeit bem Volke bienen. Stürmisch fordert das evangelische Kirchenvolk d i e R e i ch s k i r ch e und die Beseitigung der 29 Son- derkirchen. Da auch die hessische Landeskirche im Begriffe steht, ein neues Verfaffungswerk in Angriff zu nehmen, muß der hefflfche Staat als Vertreter des hesfifchen Kirchenvolkes fordern, daß zur Ausarbeitung der neuen K i r ch e n v e r f a f f u n g in erster Linie solche Männer berufen wer- den, die zum Dritten Reich eine p o s 1 - tive Stellung einnehmen, die gewillt sind, auch in der Kirche den Parlamentarismus, der die Verantwortlichkeit des einzelnen totschlagt, zu überwinden und in Volksverbundenheit eine lebendige Volkskirche zu schaffen, die Ausdruck aller Glaubenskräfte des Volkes ist und sich auf das Führertum starker Per- fönlichkeiten stützt. Da der durch die hessische Kirchenregierung vorgesehene Verfassungsausschuß diese Gewähr nicht bietet, fordern wir im Interesse des Volkswillens folgende Zusammensetzung: Pfarrer S ch u ft e r , Nierstein, als Vorsitzender unb folgenbe Mitglieber: Prälat D. Dr Diehl, Präfibent Dr. h e r r m a n n, Lanbgerichtsrat Zeigt, daß ihr Volksgenossen seid! Staatssekretär Reinhardt fordert zur Spende für die Förderung der nationalen Arbeit auf. warf eingangs einen kurzen Rückblick auf die jüngst vergangene Zeit, b'.e nach einem Niedergang des Volkes unter fozialistisch-ultramontanen Regierungen gerade noch rechtzeitig denSiegdernationa- len Erhebung gebracht und damit den Kommunismus oerbinbext habe. Die Evangelische Kirche habe durch den Katholizismus eine immer größere Zurückdränguny erfahren. Die Gottlosenbewegung habe Gott gelästert und die Ehe entwürdigt. Wir danken Gott, paß diese Zeiten vorbei sind. Die neuen Männer wollen Gott die Ehre geben. Die Regierung der nationalen Erhebung erstrebt eine Erneue- rungaub'christlicher Grundlage und lehnt den Materisalismus ab. Sie sieht in den beiden christlichen Konfessionen wichtigste Faktoren des Volkstums. Die/Rechte der Kirche sollen nicht angetastet werden. Anderseits erwartet die neue Regierung aber auch,, daß die Arbeit an b e r nationa- len unb sittlichen Erhebung unseres Volkes, die sie sich zur Aufgabe gemacht hat, seitens der Kirchen die gleiche Würdigung erfährt. Die Kirche muß sich fragen, was sie tun kann,, um die Massen, insbesondere aber auch die Gebildeten unb bie Jugend zu gewinnen. Der Präsident < erinnerte dann an d>e Erklärung der Kirche oakn 6. 4.1933, in der sie sich zu Heimat und $ olt s tum bekennt. Die Kirche müsse Kirche bleiben. Der Führergedanke dürfe in der Evangelischen Kirche nicht dazu führen, daß das Gewissen (des Einzelnen vergewaltigt unb die Rechte ber Gemeinden aufgehoben würben. Das unentbehrliche Eigenleben der Kirche dürfe auch durch ihre Ver- bunbenbe'it mit dem Staate nicht gelockert werden. Es fei hvs Verdienst der Glaubensbewegung Deutsche Christen, die Frage der Reichski r ch ei, die schon so lange die Gemüter bewegte, von neuem in Fluh gebracht zu haben. Einige I Forderungen der Glaubensbewegung seien allerdings- auf Widerspruch gestoßen, hier möge nur eines 'hervorgehoben werden: Diese Bewegung komme! aus bem Norden und Nordosten Deutschlands und wäre in Hessen wohl niemals ent- ftanWen, weil hier die Verhältnisse durchaus anders belagert feien. In Hessen habe man immer darübep gewacht, daß Kirche und Politik auseinan- dergehctlten werden. Auch seien Männer, die an ihrer Spitze/standen, nicht überaltert oder unfähig. Don einer Beunruhigung des Kirchenvolkes fei, wenn sie nicht won außen hereingetragen werde, in Hessen nichts /zu finden. Auch sei ihr Bestand nicht zuruck- gegancgen. Wenn trotzdem die Kirchenregierung geglaubt! habe, eine Neuregelung durch cm Ermächtigungsgesetz Platz greifen lassen zu sollen 1 so sei, nachdem dieses Gesetz bereits die Zu - ftim/mung der Regierung gefunden habe, zu baffen, dvß es nun bald zu einer Neuordnung essischen Kirche kommen werde. mad/te dann nähere Ausführungen zum Ermächtigungsgesetz: In den letzten Tagen haben Besprechungen des Deutschen Kirchenbundes in Berlin ftatBgefunöen. Morgen werden diese Besprechungen mi/ dem Reichsminister Dr. Frick fortgesetzt werden unw man hofft, das Verfassungswerk in der nächsten W»che zu Ende bringen zu können. Der Kirche j(ne man nicht den Vorwurf der Weltfremdheit ichen, sie fei auch keine Standes- oder Klassen- che. So, wie sich die Kirchenleitung zum neuen aate bekenne, so bekenne sie sich auch zu dem -danken daß Neues werden solle und müße. (15 Ermächtigungsgesetz soll diesem euen die Wege ebnen. Ein gesundes Fuh- rp. -tum soll in der Kirche Eingang finden und dem sn irlamentarismus die Schranke weisen. Einem - tonne werde das Vertrauen des gesamten Kir- envolkes geschenkt, ein Vertrauen, wie es m diesem aße kaum je einem anderen Mann gewahrt wor- n sei. Das bedinge andererseits eine g e st e i- er te Verantwortung des Prälaten, r dessen Führertum man zu feinem 60. Geburtstag manches anerkennende Wort gefunden habe. Dem andeskirchentag werde nunmehr nahegelegt, unter urüiffteUung besonderer Wünsche dem Ermachti- ungsgesetz einmütig zuzustimmen und damit eine GietzenerAnzeigcr General-Anzeiger für Oberhessen Druck uttö Verlag: vrühl'sche Univerfitäls-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. > 1 Reichsbankpräsiden! Schacht zm WährunMrage Kür eine Stabilisierung.-Der erste Schritt dazu: Ordnung im eigenen Hause. tl m Aus aller Wett / friere ur Ri Dc Er Mi 1 Mi. beuch Glifat die I zu r< unter bei tn M fiii turn Mn den. Tr. jejjc ma ihr geli den 6 uni) D>ifl‘ inan Llü, Dl mit liehe Vel gc|u Ions Wa! D hat Na! bur me De au N Kl je ei ,?n bei k °b Q.mn •en n li; Le tre fol bei Hal N 2 irre, Süi bis zelle 3. ben die | von zu suchen. Die Goldländer haben jeHt erklärt, daß sie bereit sind, die Konferenzarbeiten fortzusehen, allerdings nur über solche Fragen die nicht monetärer Ratur sind. Sie sind der Meinung, dah, wenn die Erörterungen über die monetären Fragen in Gang kämen, ohne dah einer. Stabilisierung erfolgt, die Spekulation gegen die stabilen Währungen erst recht loSgehen würde. ' v Dom deutschen Standpunkt auS würde es als abwegig erscheinen, den Goldländern aus diesem Standpunkt einen Dorwurf zu machen. Deutschland kann es sich aber gleichfalls letften, sich jeder Einmischung in die grundsätzliche Haltung Amerikas zu enthalten. Deutschland ist a m Goldstandard nicht unmittelbar interessiert, weil unsere deutsche Währung ohne Gold stabil ist. Die Stabilität der deutschen Währung beruht auf ganz anderen Dingen als auf dem Dorhandensein von großen Goldmengen. Auf der anderen Seite sind wir allerdings an den stabilen Währungen der anderen Länder aus handelspolitischen Gründen interessiert. 2m ganzen betrachtet rechnet man damit, dah die Londoner Weltwirtschaftskonferenz am Ende der nächsten Woche ihren absoluten Abschluß finden wird. er ge h( dr m D ur M Fi lei in lei Nie Zarenfamitte privat. Don Graf TL Loris-Melikow, ehemaligem Hofmeister des letzten Zaren. Am 7. Juli jährt sich zum 15. Male der Tag der Ermordung der Zarenfamilie durch die Bolschewisten. Die Öffentlichkeit, sowohl in Rußland wie im übrigen Europa, die den Zaren Nikolaus II. nur aus offiziellen Berichten über prunkvolle Paraden und oerichwenderifch luxuriöse Hoffestlichkeiten kannte, ahnte nicht, was für ein bescheidener Charakter sich hinter dem Mann verbarg, der über den fünften Teil der Erdkugel als unumschränkter Monarch regierte. Nur ganz intime Freunde des Zarenpaares hatten Zugang zu den Privatgemächern des Schlosses in Zarskojeselo, der ständigen Residenz der Zaren- familie, wo sich auch das Privatleben des russischen Herrschers im Schoße seiner Familie abspielte. Wer nicht wußte, daß er in diesen Räumen sich im Schloß des unumschränkten Herrschers der Welt befand, mußte glauben, er befinde sich in der Wohnung eines mittleren Beamten. Das Mobiliar vererbte sich von einer Generation gut anderen. Bei dem Anblick des Stilgemischs würde ein moderner Innenarchitekt den Kopf schütteln. Im Privatsalon der Zarin sah man alte und renovierte Möbel, Vasen und Büsten römischer Kaiser — alles durcheinander. In diesem wohl prunkvollsten Raum standen immer zwei Flügel — es sah stets so aus, als ob ein Umzug im Gange märe. Hier pflegte der Zar in seinen Mußestunden am Flügel zu sitzen und leise Akkorde anzuschlagen. Mitunter sang der Zar auch mit gedämpfter, aber angenehmer Stimme ein Lied, eft war es das Lied Wolframs an den Abendstern aus dem „Tannhäuser". Unter dem Einfluß der Zarin, die eine begeisterte Wagnerverehrerin war, lernte der Zar, der sonst für ernste Musik eigentlich wenig Verständnis hatte, Richard Wagner kennen und lieben. Eine riesenhafte Kollektion von Photographien schmückte die Wände aller Prioaträume. Das Zarenpaar schwärmte förmlich für Photos. Meist waren es Gruppenaufnahmen, die der Zar selbst gemacht hatte, Erinnerungen an Manöver und vor allem Kinderbilder. Sogar im Badezimmer waren Ama- t.'urphotographien untergebracht. Heber der Badewanne hing ein Bild, das die Zarin als Chef ihres Garde-Ulanen-Regiments darstellte. Der Zar war ein frommer gläubiger Mensch, der imstande war, stundenlang vor einem Heiligenbild zu beten. Oberhalb des Bettes im Schlafzimmer des Zarenpaares war die Wand mit Gegenständen des auch ben ®ar her i gen •em 1 antBc hon "och London, 6. 3ulL (IBI23.) Nach Schluß dec heutigen Sitzung des Bureaus der Wellwirlfchafls- tonfecenz wurde die folgende offizielle Erklärung abgegeben: Das Bureau der Weltwirlschaflskonferenz nahm heute nachmittag bei der Wiederaufnahme der Aussprache über den gegenwärtigen Stand der Arbeit der Konferenz einstimmig folgende Entschließung an, die von Mcicdonald nach Beratung mit einer Reihe von Kollegen eingebracht worden war: „während das Bureau fest entschlossen ist, mit der Arbeit der Konferenz in äuherst möglichem Ausmaß und soweit möglich fortzuschreiten und während auf Grund der Umstände, die sich kürzlich ergeben haben, die Goldstandardländer sich verpflichtet fühlen zu erklären, daß es vorläufig für sie nicht möglich ist, an irgendeiner Diskussion über monetäre Fragen teilzunehmen, ist das Bureau einstimmig übereingekommen, a) jede Unterkommission aufzufordern, sobald wie möglich zusammenzutreten, um eine Ciftc der Fragen aufzustellen, die unter diesen Umständen von den Ausschüssen erfolgreich untersucht werden können, b) soweit die Berichte der Unterkommissionen eingetroffen sind, zusammenzutreten, um Vorschläge bezüglich der weiteren Arrangements zu machen, die für die weitere Arbeit der Konferenz unterbreitet werden sollen." Das Bureau wird lüontag zusammentreten, um die von den Unterfommiffionen eingeforderten Berichte in Empfang zu nehmen. 3n englischen politischen Kreisen zeigte sich nach dem Beschluß des Bureaus, die Arbeit der Konferenz fortzusetzen, ein_ starker, vom englischen Standpunkt _ aus verständlicher Optimismus. So wurde erklärt, daß die in der Verlautbarung enthaltene Stellungnahme der Goldländer, an keinen Währungsverhandlungen teilnchmen zu können, ausschließlich für die sechs Goldländer Frankreich, Italien. Schweiz, Belgien, Holland und Polen bindend sei und alle anderen Länder nicht daran hindere, die Währungsfrage zu erörtern. Die Konferenzleitung schließe sich in keiner Weise der Stellungnahme der Goldstandardländer an. Was ferner die Erklärung der Goldwährungsländer betreffe, „unter den gegenwärtigen Umständen" an keinen Währungsverhandlungen teilzunehmen, so beziehe sich diese einschränkende Bemerkung lediglich auf die Stabilisierungsfrage, solange also keine Stabilisierung erreicht sei- Don deutscher Seite waren an der Bureaus sitzung Herr Krogmann und der deutsche Botschafter v. H ö s ch vertreten, die jedoch zu dem Streit der Meinungen keine Stellung nahmen. Der deutsche Standpunkt geht, wie in den Kreisen der deutschen Abordnung verlautet, dahin, dah man in keiner Weise denGoldstandardländernindenArm zu fallen wünsche, zumal ihr Standpunkt, eine baldige Stabilisierung zu erreichen, verständlich sei. Anderseits wünsche man aber auch nicht an einer irgendwie gearteten Front gegen Amerika teilzunehmen. Im übrigen sei Deutschland nach wie vor zu« internationalen Zusammenarbeit bereit. Roosevelts Sonderbeauftragter verläßt London. London, 6. Juli. (WTB.) Die amerikanische Botschaft veranstaltete heute ein Abschiedsfrüh st ück für Professor M o l e y. An an; a Tuh unb Xx\ •Ba Xi A Sei, 1-0 vcrl ftan N| Lu S »ur Ma, Eine Richtigstellung. • Berlin, 6. Juli. (OB. Funkspructz.) Der in der Hummer 41 der Außenpolitischen Korrespondenz des Wolfffdjen Telegraphen-Bureaus vom 3. 3uli unter der Überschrift „w ille zur Entspannung in Wien?" veröffentlichte Bericht aus Wien ist die rein private Ansicht des Berichterstatters der Außenpolitischen Korrespondenz, die in keiner weise halbamtlichen Charakter hat und stellt deshalb nicht im mindesten die Ansicht amtlicher Kreise dar, deren Auffassung, wie mitgeteilt wird, durchaus von den in dem Artikel vorgetragenen Ansichten a b w e i ch t. dem Frühstück nahmen auch Dr. Schacht, Eolyn, Macdonald, Sir John Simon, Reville Chamberlain, Runciman, Cordell Hüll, Iebreton, Bonnet und der Japaner Ishii teil. Die Staatsmänner nahmen Gelegenheit, die Lage der Weltwirtschaftskonferenz erneut zu erörtern. Nie Auffassung in Berlin. Endgültiger Abschluß der Konferenz Ende nächster Woche. Berlin, 6. Juli. (CAB.) Der Beschluß des Büros der Londoner Konferenz, dah die Kommissionen selbst Dorschläge darüber ausarbeiten sollen, wie sie die Arbeiten fortzusetzen gedächten, ist nicht geeignet, die Konferenz am Leben zu erhalten. Die Kommissionen werden voraussichtlich schon in wenigen Tagen fest- stellen, daß dieses Verfahren zu keinem Er- g e b n i s führt. Die Ursache der Versteifung der Lage in London ist bei den Goldländern Hebergehend auf die deutsche Schuldenlage erklärte Dr. Schacht, daß es unter den gegenwärtigen Umständen absolut unmöglich erscheine, die Schulden zu bezahlen, die Deutschland durch äußerenDruckauf- gezwungen worden seien. Die ganze Politik des Borgens sei ein schwerer Fehler gewesen, zu dem die ausländischen Politiker Deutschland ermutigt hätten, um aus Deutschland Geld herauszuquetschen und die von deutschen sozialistischen Politikern begünstigt wurde, um angeblich den Lebenszuschnitt zu heben. Die Tatsache, daß durch die Entwertung des Dollar und des Pfundes die deutsche Schuld herabgesetzt sei, werde dadurch völlig ausgeglichen, daß sich hierdurch die Konkurrenz der a n d e re n L ä n d e r auf Kosten des deutschen Ausfuhrhandels verstärkt habe. Dr. Schacht spricht sich dann gegen eine Einheitsfront der europäischen Goldstandardländer gegen Amerika aus. Die Amerikaner hätten uns vielmehr gelehrt, dah ein jeder seine Pflicht für sich selbst tun solle. Jedes Bolk müsse auf seine eigenen Kräfte vertrauen, Rationen könnten nicht vom Kredit leben, sonders nur von ihrereige- ne n Arbeit. Die Londoner Konferenz wird fongesetzl. Das Büro fordert bis zum Montag Bericht der Ausschüsse über den Stand der Arbeiten ein. London, 6. Juli. (WTB.) Unter der Ueber- schrift „Warum ich glaube, dah Roosevelt Unrecht hat" "beröffentlicht Evening Standard eine Stellungnahme des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht zur Entwertungspolitit der Bereinigten Staaten und Großbritanniens. Stabilisierung der Währungen sei für die heutige Welt wesentlich. Er glaube fest an den Goldstandard. Präsident Roosevelt und Großbritannien hätten Unrecht daran getan, ihre stabile Währung aufzugeben, aber der erste Schritt zur Wiederherstellung der Wirtschaftsstabilität sei für jedes Land, sein eigenes Haus in Ordnung zu bringen. Cs wäre besser gewesen, wenn Amerika, Skandinavien und Großbritannien bei dem Goldstandard geblieben wären. Dr. Schacht spricht sich für die Stabilisierung der Währungen als Grundlage für den finanziellcnWiederaufbauderWelt aus. Die bedauerliche Erscheinung der heutigen Zeit sei, daß Währungsentwertungen Teil einer allgemeinen Politik in der Welt geworden seien. Einer der größten Fehler der modernen Welt sei die Tendenz der Staatsmänner, den Staatsmännern anderer Länder sagen zu wollen, was sic tun sollten, während nach seiner An- sicht jeder Staatsmann einmal zunächst sich um die Angelegenheiten seiner Ration kümmern solle. Begeisterter (Empfang des Balbo-Geschwaders in Reykjavik. Als das italienische Luft ge schwader bei gutem Wetter, aber unruhiger See im Hafen von Vatnagardar bei Reykjavik wasserte, wurde es von einer begeisterten Menschenmenae empfangen. Das Flugboot General Balboa wasserte als erstes um 16.59 Uhr, um 17,28 war. die letzte Luftmaschine niedergegangen. Kurz darauf wurde von 24 Motorbooten aus Der Brennstoffvorrat ergänzt. Sämtliche Schiffssirenen heulten, als die kühnen Flieger ihren Flugzeugen entstiegen. Als General B a I b o den Landungssteg betrat, wurde er von dem isländischen Ministerpräsidenten G e i r s s o n , den Vertretern der ausländischen Staaten, dem Bürgermeister von Reykjavik und anderen führenden Persönlichkeiten begrüßt. Die kleine Tochter des Ministerpräsidenten überreichte Balbo einen Blumenstrauß, wofür sie mit einem Kuß belohnt wurde. In Reykjavik war religiösen Kultlebens behängt. Besonders mit Rosenkränzen, gesegneten Ostereiern und Reliquien aus Klöstern. An der gegenüberliegenden Wand konnte man eine Serie von biblischen Bildern, die aus England und Deutschland stammten, bewundern. Im Schlafzimmer befand sich auch eine kleine Bibliothek, die der Zar wie seinen Augapfel behütete. Sie bestand ausschließlich aus Büchern frommen Inhalts. Hier fand man die Lebensbeschreibungen vieler russischer Heiligen und Kirchenväter. Vor dem Schlafengehen pflegte der Zar stets in einem dieser Bücher zu lesen. Ost las der Zar noch ein Buch, das den sonderbaren Titel hatte: „Das Geheimnis des Elends und der aufrührerischen Tendenzen unserer Zeit". Es war von einer Hofdame, Katherina von Mala ch o w e tz verfaßt, deren Kochbuch seinerzeit in ganz Rußland außerordentlich populär gewesen ist. Eine kleine Verbindungstür führte aus dem Schlafgemach des Zarenpaares in ein Zimmer, dessen einziges Möbelstück aus einem einfachen Lederdiwan bestand. Hier schlief manchmal die Kammerjungfrau der Zarin. Der Zar war außerordentlich rücksichtsvoll gegen die Dienstboten und nahm sie nur dann in Anspruch, wenn es wirklich notwendig war. Einmal ging der Zar durch seine Gemächer und stieß in einem abgelegenen Raum auf zwei Kammerdiener, die eingeschlafen waren. Der Zar ging auf den Zehenspitzen an ihnen vorbei, um sie nicht zu wecken und sagte dann halb scherzhaft zu der Zarin: „Ich mußte aufpassen, daß meine Stiefel nicht knarrten, sonst hätte ich die armen Leute geweckt". An seinen Kindern hing der Zar mit geradezu abgöttischer Liebe. Dennoch waren die Zimmer der Zarentöchter und des Thronfolgers einfach und beinahe dürftig eingerichtet. Die Möbel hätten in jedes kleinbürgerliche Milieu gepaßt. Die Schlafzimmer der Großfürstinnen Maria, Olga und Tatjana waren alle gleich ausstaffiert. Die jüngste Tochter Anastasia, deren Name dank einer sensationellen Abenteueraffäre vor einigen Jahren durch die Presse der ganzen Welt ging, schlief als einzige mit einer Gou- vernannte im Zimmer. Bei der Zimmerausstattung kam ebenfalls die tiefe Religiosität der Zarenfamilie zum Ausdruck. Die Wände waren mit unzähligen Heiligenbildern geschmückt. Sonderbarerweise hatten die Zarentöchter eine Vorliebe für bunte Reklameplakate, die damals bei weitem nicht so geschmackvoll in ihren Farben und in ihrer Ausführung waren, wie etwa die ähnlichen Erzeugnisse der modernen Reklamemalerei. So bedeckten die Wände des sogenannten Wohnzimmers der Kinderhälfte grell bemalte Oeldrucke der russischen Parfümerie- firma Ralle & Co. und der Schokoladenfabrik Siou. Der Zar hielt sich, wenn er Zeit hatte, mit Vorliebe bei seinen Töchtern auf. Er sah mit ihnen ihre zelnen Studentenschaften, auf der die Fragen der Weiterführung des Werkhalbjahres und des gesamten studentischen Arbeitsdienstes sowie der sozialistischen Erziehung behandelt wurden. Als wesentlichstes Mittel, um die aus dem Werkjahr kommenden Abiturienten geschlossen in die Hochschule einzusetzen, wurde die Errichtung von Kameradschaftshäusern vorgesehen, in denen die ersten und zweiten Semester gemeinsam in einer dem Arbeitslager ähnlichen Form leben sollen. Es wurden weiterhin die Fragen der studentischen Landhilfe, der studentischen Arbeitsdienstpflicht und des weiblichen Arbeitsdienstes besprochen. In den Herbstferien soll ein großer Teil der Studenten als Ernte- heiser-eingesetzt werden. Der Südamerikaflug des „Graf Zeppelin". Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist Donnerstag um 16.22 Uhr in Rio de Janeiro eingetroffen und um 7.35 Uhr zur Fortsetzung seiner Reise aufs neue gestartet. Moor eine höchst eigenartige und fesselnde Leistung. Boll überschäumender Kraft erfaßte Hans- georg Laubenthal den Karl Moor, während seine Gegenspielerin, Rense Stobrawa, mit starkem Gefühl die Gestalt der unglücklichen Amalia, in welcher sich Empfindsam! cl>t und Heroismus begegnen, sehr fein zu betonen, iwußte. Lothar Körner verhalf der Rolle des Grafen Maximilian zu einer Darstellung von crschisrttern- der Wirkung. Unter den Räubern, welche lin den einzelnen Typen sehr gut wiedergegeben waren, seien Fred S ch r ö e r als Spiegelberg, Han(sgeorg Geiger als Schweizer und Karl S t r v e 6 e cf als Roller mit Anerkennung genannt, ebenso wie Hugo F i r m b a ch den Hermann, Ludwig D i n f - men n den Daniel und Paul Roland den Pastor Moser prächtig charakterisierten. Die Massenszenen teuren, begünstigt von dem großen Raum, welchen die Freilichtbühne bietet, außerordentlich lebhaft gestaltet. Alles in allem hinterlieh.die Aufführung, die erst in mitternächtlicher Stunde ihr Ende erreichte, einen starken Eindruck und fand den freudigen Beifall der zahlreichen Besucher, w. „Oie Räuber" in Marburg. Eine herrliche Sommernacht begünstigte die Aufführung von Schillers Iugendwerk „Die Räuber", das als dritte diesjährige Marburger Festspielaufführung auf der Schloßparkbühne in Szene ging. Die Spielleitung hat bei der Aufführung des Dramas außerordentliche Mühe verwandt. Besonders hervorgehoben seien die dem Charakter der einzelnen Szenen vortrefflich angepaßten Bühnenbilder, welche — verbunden mit wunderbaren Beleuchtungseffekten — den Gehalt der einzelnen Szenen wirkungsvoll zur Geltung brachten. Bon den Darstellern bot Bernhard M i - netti (Berlin, früher in Darmstadt) als Franz vier Todesopfer eines Lawinenunglücks im Dachstein-Gebiet. Dr. Behuslas Feierabend aus Prag wurde am 6. Juli mit seiner Frau und seinen zwei Kindern am Linzerweg im Dachstein-Gebiet durch eine Lawine getötet. Eine Bergungsexpedition bringt die Leichen nach Gosau. Wieder ein Segelbootunglück. — Zwei Kinder ertrunken. Bei War nemünde ereignete sich auf dem Breitling ein schweres Segelbootunglück, bei dem zwei Kinder ertranken. Der sofort an öte älnfallstelle beorderte Taucher konnte die Kinder nur als Leichen bergen. Drei Mädchen beim Baden ertrunken. In Flums im St. Galler Oberland ertranken beim Baden in der- Seez drei Mädchen im Alter von 9 bis 13 Jahren. Max Schmeling verheiratet. Im Standesamt Berlin-Charlottenburg fand die Trauung des früheren Boxweltmeisters Max Schmeling mit dtrr Filmschauspielerin Anny O n d r a statt. Da der .Zeitpunkt der Trauung bis zum letzten Augenblick geheimgehalten worden war, hatten sich nur wenige Zuschauer vor dem Standesamt eingefunöert, die das Paar freudig begrüßten. Der Trauakt dauerte etwa eine Viertelstunde. Großfeuer im Danziger Hafen. Aus dem Danziger Hasenaelände brach in der Nähe der Oel- und Fettfabrck Oleo am Schellmühler Wiesendamm ein gefährlicher Brand aus, zu dessen Bekämpfung die gesamte Danziger Feuerwehr ausrückte. Die Raffinerie wurde vollständig vernichtet, dagegen gelang es Der Feuerwehr, ein Umsichgreifen des Feuers zu verhindern. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Die Ursache des Brandes ist noch nicht bekannt. Der Verkehr im Danziger Hafen ist in keiner Weife gestört. Acht Todesopfer bei einem .Hauseinsturz in Aegypten. Bei einem Hausein stürz in Heluan (unweit von Kairo) sind acht Frauen ums Leben gekommen; sechs tourten schwer verletzt. Die Frauen wurden in dem Augenblick von dem Unglück betroffen, als sie gerade im Begriff waren, böse Geister zu beschwören. \ Zeitschriften. — Die von uns seit langem regelmäßig besprochene Zeitschrift „Berliner Monatshefte" (Quaderverlag G. m. b. H., Berlin W 15) hat soeben ihren zehnten Jahrgang vollendet. Der Herausgeber Alfred von Wege r e r, der um seiner außergewöhnlichen Verdienste um die Bekämpfung der Kriegsschuldlüge von unserer Hessischen Landesuniversität zum Ehrendoktor promoviert wurde, hat die Berliner Monatshefte in den zehn Jahren ihres Bestehens zu einer der schärfsten Waffen gegen das Diktat von Versailles gemacht. Die Zeitschrift hat sich dank eines Mitarbeiterstabes von ungewöhnlich hoher Qualität auch im Ausland als fügendes wissenschaftliches Organ zur Erforschung der Kriegsursachen durchsetzen können. Im Iuliheft gibt der Herausgeber einen Heber- blick über Ausbruch und Ausgang des Weltkrieges, zwei Ereignisse, die in dem schicksalhaften Datum des 28. Juni vereinigt sind. Maximilian von Hagen bespricht die Briefsammlung Holsteins als interessantes Dokument für die Charaktererforschung dieses eigentlichen Inspirators der Wilhelminischen Außenpolitik. Eine umfangreiche Dokumentensammlung und eine erschöpfende Üebersicht über die historisch-politische Literatur beschließen das Heft. Schulaufgaben durch, examinierte die Töchter und erläuterte manche Fragen aus dem Unterricht. Am liebsten unterhielt sich der Zar über Geschichte. Mit Tränen der Rührung in Den Augen pflegte er von Den Großtaten Der russischen Armee in Den Feld- zügen gegen Napoleon zu erzählen. Einmal fragte Die Großfürstin Maria ihren Vater, was Das französische Wort „Merde“ bedeute. Sie hatte soeben von Der berühmten Episode aus Der Schlacht bei Waterloo gelesen. Der historische Satz, Den General Cambronne bei Der AufforDerung sich zu erae= ben, Dem Feind ins Gesicht schleuderte „Merde! La garde meurt, mais eile ne se rend pas“ machte auf die junge Prinzessin starken Eindruck. Der Zar errötete, faßte sich aber schnell und erwiderte: „An sich ist es ein häßliches Wort. In diesem Zusammenhang aber ist es eines der schönsten Worte Der Weltgeschichte". Die Zimmer Des von Den Eltern vergötterten Thronfolgers waren groß unD hell, dadurch unter- schieden sie sich von den Zimmern der Zarentöchter. Auch hier sah man zahlreiche Heiligenbilder; eine Serie von Bildern von Schutzengeln unterstrich die naiv religiöse Stimmung, Die hier herrschte. Der Thronfolger besaß Die KinDerrüstung eines Kosakenreiters und ein Spielgewehr, auf Das er sehr stolz war. Auch mit Dem Thronfolger verbrachte Der Zar viele Stunden. Er erzählte ihm von Rußlands Größe und pflegte oft zu sagen: „Die Ehre der Nation ist das Heiligtum Des Herrschers. Auch der Zar muß es verstehen, sich für sein Vaterland zu opfern." Der Zar ist seinen Grundsätzen auch nach der Revolution treu geblieben. Als er einst, schon ein Gefangener, im Schloßpark spazierte, umringten ihn mehrere Offiziere und flehten ihn an, ihnen zu folgen. Die Flucht sei in allen Einzelheiten vorbereitet und müsse bestimmt glücken. Der Zar erwiderte jedoch: „Ich habe mein Wort verpfändet und muß es halten". alles festlich für den Empfang Der Flieger vorbereitet. Die Straßen waren beflaggt, und die Behörden hatten alle Maßnahmen getroffen, um den Italienern einen herzlichen Empfang zu bereiten. — Das italienische Geschwader hat Die ganze etwa 940 Meilen lange Strecke von Londonderry nach Reykjavik bei ziemlich ungünstiger Wetterlage ohne jeden Zwischenfall zurückgelegt. Die Ankunft in Vatnagardar fand früher, als man erwartet hatte, statt, da die Flieger Durch Rückenwind begünstigt worden waren. Die nächste Etappe, rund 1500 Meilen, führt das italienische Geschwader nach Cartwright auf Labrador. Die letzten Wetterberichte von Grönland sind günstig. Göttinger Arbeitsdienst - Tagung der Deutschen Studentenschaft. Am 1. und 2. Juli veranstaltete das Amt für Arbeitsdienst der Deutschen Studentenschaft in Göttingen eine Besprechung Dpr ein- Aus -er Provinzialhaupistadt Hessische Wünsche zur Autostraße. Darmstadt, 5. Juli. (WSN.) In dem Bericht über die vierte und fünfte Jahressitzung der Hessischen Industrie- und Handelskam- m e r heißt es: Das große Autostraßenprojekt der Rcichsregierung wird den Beginn seiner Verwirklichung im Bau der Teilstrecke Frankfurt—Darmstadt—Bergstraße—Mannheim—Heidelberg finden. Die neue Straße durchzieht den Kammerbezirk in nordsüdlicher Richtung. Die bisher bekannt gewordenen Pläne über die Linienführung sehen vor, daß die Straße mehrere Kilometer westlich von Darmstadt und der Bergstraße entlang im Ried führt. So begrüßenswert sich dieses großzügige Projekt, namentlich auch unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsbeschaffung und Wirtschaftsbelebung darstellt, so muß doch vom Standpunkt der unmittelbar beteiligten Gegenden aus die Forderug erhoben werden, den Abstand der Autobahn von den auf Fremdenverkehr angewiesenen Gemeinden der Bergstraße möglichst so zu halten, daß der Verkehr nicht vollkommen an diesen v o r b e i g l e i t e t. Gleichzeitig muß durch eine genügende Anzahl von Ab- und Zufahrtstraßen die Gewähr geboten sein, di« anliegenden Orte in den Verkehr der Autobahn ^inzubeziehen. Insbesondere wird es für notwendig erachtet, die nördlichen Bergstraßenorte durch eine Zufahrtstelle etwa in der Höhe von Bickenbach an- zuschliehen; auf diesem Wege wäre auch der Rheinhafen Gernsheim von der Autobahn aus leicht zu erreichen. Die Städte Bensheim und Heppenheim müssen erhebliches Gewicht darauf legen, daß die Autobahn dichter als bisher vorgesehen an ihnen vorbeigeführt wird, da bei einer zu großen Entfernung erhebliche wirtschaftliche Nachteile zu befürchten stünden. Allgemein sollte darauf geachtet werden, den Ausbau der Straße so zu gestalten, daß dem Benutzer der Autobahn die reichen landschaftlichen Schönheiten der Bergstraße nicht verloren gehen. Nationaler Sozialismus! MSN. Darmstadt. 6. 2uli. Das Gau- Presseamt teilt mit: Ein vorbildlicher Beweis für deutschen Sozialismus sei hiermit der Oeffent- lichkeit mitgeteilt: In dem kleinen, nur ein paar hundert Einwohner zählenden Ort L i ß b e r g in Oberhessen ergab eine Sammlung für die Arbeitsbeschaffungsspende , Arbeit und Brot" die Summe von 300,50 Mark. Dies Ergebnis ist um so be- wunderungswürdiger, als sich die Zelle Lihberg fast nur aus Arbeitern zusammenseht, von denen sogar noch ein großer Teil nur Rotstandsarbeiten verrichtet. Rachmachen! ** Stadtratssitzung erst um 18 Uhr. Die für den heutigen Freitag angesehte Sitzung des Stadtrats findet nicht wie irrtümlich angegeben um 17 (5) Uhr, sondern um 18 (6) Uhr statt. ** „Luftschutz tut not!" Im Anschluß an den Luftschutzinformationskursus für die Lehrkräfte ämtlicher Gießener Schulen begannen anfangs die- er Woche zwei weitere Kurse. In diesen neuen Kuren werden die Amtswalter der NSDAP, und die Vorgesetzten der Einzeldienstpolizei geschult. Der Lehrplan ist derselbe wie bei dem Kursus für die Lehrkräfte. Herr Polizeidirektor Dr. Kayser eröffnete die beiden Lehrgänge. Die ersten Vorträge über „Ziviler Luftschutz" und „Bekämpfung der Brandbomben" wurden von Herrn Polizcihaupt- mann Leyerer und Herrn Branddirektor Braubach gehalten. Wie stark das Interesse an diesen beiden Lehrgängen wiederum ist, beweisen die große Beteiligung und die überaus rege Aussprache, die sich an die Vorträge anschloß. ** Lehrgang für Bibel- und Jugendarbeit. In diesem Jahre veranstaltet das Evangelisch-Kirchliche Landesjugendamt für Hessen wiederum einen Lehrgang für Bibel- und Jugendarbeit in der Zeit vom 1. bis 5. Oktober 1933 in der Otto- Berndt-Halle zu Darmstadt. Erfreulicherweise ist es gelungen, auch diesmal wieder Pastor Engelke, den Leiter des „Rauhen Hauses" in Hamburg für die Mitarbeit zu gewinnen. Seine Vorträge stehen unter dem Gesamtthema: „Deutsches Christentum". Die übrigen Vorträge behandeln neben einem Vortrag von Oberkirchenrat Zentgraf Über „Die Mission und die gegenwärtige Lage", Fragen der praktischen Jugendarbeit, die uns durch die Gegenwart gestellt sind. Zuli — Monat der ZReifc. Glühender Sonnenschein liegt über den Straßen der Städte, über weiten, reifenden Feldern. Was da kreucht und fleucht, ist müde geworden, ist von jener Müdigkeit umfangen, die eine Frau hat, die ein Kindlein unter ihrem Herzen trägt. Der Reife entgegen — das ist das Geheimnis des Julimonäts. Die Felder wogen im Rhythmus der Wellen: ein goldenes Meer... Des Morgens, wenn ein frischer Wind durch die Halme geht, tanzen die farbigen Feldblumen und wiegen sich im anmutigen Reigen, und der Mohn kichert vor Lust und neigt sein rotes Köpfchen hierhin und dorthin: „Frau Nachbarin, wissen Sie schon...?" Am Feldrain geht der Landmann und wägt die Ernte ab. ,^)üte dich, schön's Blümelein." Der Wald wird nun zum Gastgeber und wartet mit dem köstlichen Beerenobst auf. Mit den herrlichen Erdbeeren — die ^Großstadtkinder in der Mehrzahl nur vom Hörensagen kennen — und den gesunden Blaubeeren oder Heidelbeeren oder wie sie sonst heißen. Bald kommen auch die Pilze dazu. Wahrlich, überall Reife! Der Mensch im Zwange des „Tempo— Tempo" hat fast verlernt, an dem Leben oder Erleben der Natur so Anteil zu n,ehmen, daß er mit ihr sich verbunden fühlt, sonst würde ihn die Zeit des Sommers, die Zeit des Hochgefühls in der Natur, zum Vergleich mit dem eigenen Leben zwingen. Denn auch der Mensch, der im Sommer steht, in der Reife, hat die Pflicht, erworbenes Wissen und Kenntnisse fruchtbringend zu verwenden. Nach dieser Zeit geht er der Vollendung entgegen, wartet er der Mahd, des Schnitters Tod. Aus enger Schulhaft auf Wochen hinaus befreit, tummeln sich die Kinder in der freien Natur. Alles sucht aus geschlossenen Räumen zu entfliehen, und so mancher Sommerlogierbesuch wird mit Bangen erwartet, wenn der Kinder gedacht wird, die mitgebracht werden. Auf alle Fälle ist es ratsam, vorher nicht „Helenes Kinderchen" zu lesen oder „Aus dem Tagebuch eines bösen Buben", sonst bekommen nur kinderlose Ehepaare ein gutes Sommerasyl. Doch kommt es auch hier oft anders als man denkt: und so sühlt manch einer, daß es eigentlich so recht schön darum war, weil Kinder mit ihren hundert Fragen und Sorgen dabei waren, und daß die leuchtenden Kinderaugen und die frohen Kinderstimmen in den Lebenssommer gehören. Sie sind die leuchtenden Blüten darin. Wir brauchen die Lebensbejahung stärker denn je. Wir brauchen Kraft — Sommerkraft — Juli- reife, denn wir stehen im Zeichen des Werdens —: und alles soll diese Kraft schaffen, und die Frucht soll würdig unsere» Wollens werden. M. Gr. Don der Landesuniversität. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird mitgeteilt: Der Kanzler der Landesunioersität, Professor Dr. Rudolf Herzog, wurde in den Kleinen Rat der Deutschen Akademie (Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege des Deutschtums) in München, berufen. Der Geh. Kirchenrot Professor D. Dr. phil. Dr. jur. h. c. Kr üg e r ist auf sein Nachsuchen von dem Amt eines Stipendiaten-Ephorus durch das Kultusministerium unter Anerkennung seiner langjährigen ausgezeichneten Dienste, entbunden worden. Zu seinem Nachfolger wurde der Professor D. Dr. phil. Wilhelm Rudolph ernannt. Die Pro- fessoren Geh. Iustizrat Professor Dr. Mitter- maicr und Professor Dr. Messer wurden auf ihr Nach'suchen unter Anerkennung ihrer dem Staate geleisteten langjährigen ausgezeichneten Dienste in den Ruhestand versetzt. Erneute scharfe Warnung an illegale Flugblattverteiler. Der Staatskommisfar für das Po - lizeiwefen in Hessen, Dr. Best, hat, um der Verbreitung illegaler Flugblätter entgegenzu-- treten, den Polizeidirektionen und Kreisämtern folgende Anweisung gegeben: 1. Wer im Besitz eines illegalen Flugblattes betroffen wird, ist bis auf weiteres in Polizeihaft zu nehmen. Wer Flugblätter an die Polizeibehörden abliefert, bleibt unbehelligt. 2. Werden in einem Bereich (Stadt oder Kreis) illegale Flugblätter verbreitet, so sind sofort alle Führer der fraglichen Richtung (KPD., SPD.) bis auf weiteres in verschärfte Polizeihaft (Arrestzelle, Arrestkost usw.) zu nehmen. 3. Polizeibeamte und die Sonderkommandos haben auf Streifen gegenüber Flugblattverteilern, die sich nicht auf den ersten Anruf stellen, sofort von der Waffe Gebrauch zu machen. Hessische Personalien. Mit sofortiger Wirkung wurden bis auf weiteres beurlaubt: Rektor Karl Kaiser zu Worms, Lehrerin Elisabeth Wagner zu Langen. In den Ruhestand wurden versetzt: am 24. Juni die Bibliothekobersekretäkin an der Landesbibliothek zu Darmstadt Anna Wagner auf ihr Nachsuchen unter besonderer Würdigung des Im nationalen Interesse bekundeten Opfersinns vorn 1. August 1933 an; atjt 1. Juli 1933 der Oberstudiendirektor Heinrich Fuhr an der Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau zu Oppenheim auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober 1933: Ministerialrat Gustav Bauer beim Ministerium der Finanzen auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. September 1933. Am 1. Juli 1933 wurden auf Grund des § 6 des Reichsgesetzes vom 7. April 1933 mit Wirkung vorn 1. Oktober 1933 an in den endgültigen Ruhestand versetzt: der Bürodirektor im einstweiligen Ruhestand Karl Engel zu Friedberg und der Vermessungsrat im einstweiligen Ruhestand Johannes L u f f zu Büdingen. Regierungsassessor Dr. Hans Dexheimer wurde zum Regierungsrat bei dem Finanzamt Mainz-Innenstadt ernannt. Polizeibericht. In den letzten Tagen des Monats Juni gingen bei der Staatspolizeistelle Gießen Meldungen ein, daß sich Angehörige der ernsten Bibelforscher zusammenfinden und vermutlich Druckschriften verbreiten würden. Es wurden nachts überraschend Durchsuchungen oorgenommen und dabei eine größere Anzahl Druckschriften der ernsten Bibelforscher und auch verbotene politische Broschüren usw. vorgefunden und beschlagnahmt. Ein Prediger einer Sekte war auch im Besitze von zwei Schußwaffen, die weder angemeldet noch abgeliefert worden waren. Gegen ihn wurde ein Strafverfahren wegen unerlaubtem Waffenbesitzes eingeleitet. Er wurde der Staatsanwaltschaft Gießen vorgeführt. Während der Aktion wurden außer dem bereits genannten Prediger noch vier Männer in Schutzhaft genommen. Nach Beendigung der Aktion und Abschluß der Ermittlungen wurden sie wieder frei gelassen. Am 1. Juli wurden in- Staden (Kreis Friedberg) ein Dienstmädchen, das Mitglied des verbotenen Kampfbundes gegen den Faschismus war und zwei dortselbst wohnhafte Kommunisten in Schutzhaft genommen und in das Polizeigefängnis Gießen überführt. Ein Reisender, der sich in einem hiesigen Hotel einer Beleidigung der NSDAP, schuldig gemacht hat, wurde am 2. Juli festgenommen und gegen ihn ein Strafverfahren eingeleitet. Am gleichen Tage wurde ein Kommunist festgenommen, der beim Betteln einer Familie gegenüber Beleidigungen über die Reichsregierung aussprach. Der Bettler Hugo Linke aus Arnstadt in Thüringen wurde der Strafverfolgungsbehörde vorgeführt. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Gestern wurden 17 Angehörige der KPD. und SPD. aus dem Kreis Gießen, die von Beamten der StaatspolizeiftelK und der Gendarmerie vorher in Schutzhaft genommen wurden, in das Konzentrationslager Osthofen überführt, weil sie durch ihr Verhalten in nationalen Kreisen eine größere Erregung hervorgerufen hatten. Bei einer Durchsuchung durch Beamte der Staatspolizeistelle wurden in der Wohnung einer Familie in Lick Sprengkapseln, Zünder für Handgranaten und Leuchtmunition vörgefunden und beschlagnahmt. Strafverfahren ist eingeleitet. Ein Mitglied der Familie befindet sich noch im Polizeigefängnis Gießen in Schutzhaft. Daten für Freitag den 7. Juli. 1531: der Bildhauer Tilman Riemenschneider in Würzburg gestorben (geboren 1468); — 1855: der Dichter Ludwig Ganghoftr in Kaufbeuren geboren (gestorben 1920); — 1860: der Dirigent und Komponist Gustav Mahler in Kalischt geboren (gestorben 1911); — 1930: der schottische Romandichter Sir Conan Doyle in Crowberough, Sussex, gestorben (geboren 1859). Bornotizen. — Tageskolender f ü r Freitag. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Was. wissen denn Männer?" mit Tony van Eyck und Hans Brausewetter. DaS Ende eines Verwaltungskuriosums. Wetzlar, 5. Juli. (WSN.) Wie bereits schon mitgeteilt wurde, hat der Kreistag in Wetzlar die rheinisch - westfälische Amtsverfassung aufgehoben und die hessen-nasiauische Landgemeindeordnung eingeführt hat. Damit findet ei.i Verwaltungs kuriosum sein Ende. Als der Kreis Wetzlar nach 117jähriger Zugehörigkeit zur Rheinprovinz am 1. Oktober 1932 der Provinz Hessen-Nassau zugeschlagen wurde, glaubte man allgemein an eine sofortige Angleichung des Verwaltungsrechts an die neue Provinz. Das geschah nicht, und so bestand die eigenartige Tatsache zweierlei Derwaltungsrechts in Hessen-Nassau. Daraus ergaben sich für die Verwaltungen selbst immer größere Schwierigkeiten. Aus der Bevölkerung häuften sich die Stimmen, die eine größere Berücksichtigung des Gedankens der Selbstverwaltung befürworteten. Diesen Stimmen hat das neue Regime nunmehr Rechnung getragen. Der Kreis Wetzlar tritt als Rechtsnachfolger der auf- gelösten Aemter auf. Er hat für die Penfions- und Befoldungslaften der freiwerdenden Amtsbeamten zu sorgen. Der Kreis Wetzlar schätzt die Ersparnis an Verwaltungskoslen auf 30 v.H. gegenüber den Kosten der rheinischen Verfassung. Reichsstatthalter (Sprenger als Protektor des Nassauischen Bauern« tages in Wehlar. Q Wetzlar, 6.Juli. Reichsstatthalter Sprenger, der der Entwicklung der Landwirtschaft feines Bezirks ein ganz besonderes Interesse ent- gegenbringt, hat das Protektorat über den Nas säuischen Bauerntag, der am 16. und 17. Juli in Wetzlar stattsindet, übernommen. Was ist Sterilisierung? Der vom Aufklärungsamt für Bolksaufklärung und Raffen- pflege im Verlag der Deutschen Aerztefchast verbreiteten Korrespondenz entnehmen wir folgenden Aufsatz: In der letzten Zeit wird in der Öffentlichkeit viel von der Sterilisierung Erbkranker gesprochen. Was versteht man darunter, welchen Zweck verfolgt eine solche Maßnahme und welche Folgen hat sie für die Betroffenen? Sterilisierung bedeutet soviel wie Unfruchtbarmachung. Sie üellt das einzige zuverlässige Mittel dar, um in Fällen, in denen Nachkommenschaft etwa aus Gründen erblicher Belastung ver- hast du schon gewußt. daß in einem einzigen Jahr 9008 Kinder unter 14 Jahren Opfer von Sittlichkeitsver- b r e d) e r n geworden sind? Nur wenn wir die Träger krankhafter Anlagen van der Fortpflauzung ausfchliehen, können wir immer neues Elend in der kommenden Generation verhüten. hindert werden fall, ohne Einschränkung der persönlichen Freiheit sichere Kinderlasigkett zu erreichen. Bekanntlich gibt es eine Anzahl von Erdleiden, die ihre Träger tebensuntüchtig machen und deren Ausmerzung aus dem Erbgang des Volkes erwünscht ist. Will man die Träger solcher Krankheitsanlagen nicht zeitlebens wie Gefangene in Anstalten isolieren, will man ihnen, soweit sie dazu fähig sind, Freiheit und Genuß ihres Lebens einräumen, wie jedem Gesunden, so gibt es zur sicheren Verhütung ihrer Fortpflanzung nur das Mittel, durch einen operativen Eingriff die Zeugungsfähigkeit auszuschalten. Dieser Eingriff ist beim Manne wie bei der Frau heute ohne Gefahr und ohne große Schwierigkeiten möglich. Er ist auch bisher schon in vielen Fällen ausgeführt worden, wenn z. B. eine Schwangerschaft oder Geburt für die Frau lebensgefährlich hätte werden können. Wenn man ihn heute darüber hinaus für eine bestimmte Gruppe von Erbkranken fordert, so bedeutet das lediglich die Erweiterung der Anwendung, aber nicht die Einsüh- rung eines neuen, etwa noch umstrittenen Verfahrens. Daß tatsächlich die operative Sterilisierung über die Unsruchtbarmachuna hinaus keinerlei Folgen oder Nachwirkungen auf das leibliche oder seelische Befinden des Betroffenen hat, wissen wir ja auch aus der traurigen mißbräuchlichen Anwendung: bekanntlich haben einige verantwortungslose Geschäftemacher in Graz in den letzten Jahren gegen hohes Geld wahllos Männer und Frauen auf ihren Wunsch sterilisiert, ohne daß dafür andere Gründe Vorlagen, als der Wunsch der Betreffenden, aus Bequemlichkeit keine Kinder Haven zu wollen. Der Andrang verantwortungsloser Menschen zu dieser Sterilisierungsstelle war außerordentlich groß, ein Beweis dafür, daß tatsächlich außer der gewünschten Folge keine weiteren Ausfallserscheinungen eintraten. Selbstverständlich ist die Sterilisierung in diesen Fällen völlig zu verwerfen, und mit Recht wird zur Zeit den verantwortungslosen Operateuren in Graz der Prozeß gemacht. Auch die Erfahrungen-im Auslande, wo z. T. schon seit Jahren die Sterilisierung aus rassenhygienischen Gründen angewendet wird, sprechen für die Brauchbarkeit •Tib Harmlosigkeit der Methode. Wenn heute in Deutschland noch manchmal Stimmen der Ablehnung gegen die Sterilisierung laut werden, so liegt ihnen sehr häufig ein Mißverständnis zugrunde: die Verwechslung der bloßen Sterilisierung mit der Kastration, die allerdings ein in seinen Folgen viel ernsterer Eingriff ist und die Gesamtpersönlichkeit körperlich wie seelisch sehr viel stärker beeinflußt. Die Kastration wird heute im Bereich der rassenhygienischen Forderungen allerhöchstens für ganz bestimmte Sexualoerbrecher in Betracht gezogen, deren krankhaft triebhafte Veranlagung nur auf diese Weise zu heilen ist. Für die dringend erwünschte Verhinderung der Fortpflanzung Erb kranker kommt sie nicht in Frage und wird auch nirgends gefordert, vielmehr steht dafür lediglich die Sterilisierung zur Erörterung, die sich in Tausenden von Fällen im In- und Auslande als ein zugleich sicheres und unschädliches Mittel bewährt hat. Selbstverständlich ist die streng gesetzliche Regelung für die Anwendung des Eingriffes erforderlich, damit nicht Mißbrauch ober Unkenntnis nicht wieder gutzumachenden Schaden anrichten. Buntes Allerlei. Das größte Gericht der Welt. Das neugegründete große Landgericht Berlin beginnt demnächst mit seiner Tätigkeit. Rach der Zu- sammenlegung. die aus Zweckmäßigkeits-Gründen durchgeführt wurde, wird das Landgericht Berlin das größte Gericht der Welt fein. Bisher gab es an drei Berliner Gerichten 94 Zivilkammern, 13 Sammern für Handelssachen 24 Große und 14 Kleine Strafkammern. In Zukunft gibt es „nut“ 91 Zivil» kammern, 9 Kammern für Handelssachen, 21 Große und 11 Kleine Strafkammern. Das bedeutet also eine Einsparung von 13 Kammern und damit von etwa 13 Richtern und den dazugehörigen Bürokräften. Don den 91 Zivilkammern haben 37 erstinstanzliche Sachen, 18 Ehesachen und 18 Derufungssachen. Für alle wichtigen Materien sind Spezialkammern gebildet. So z. B. für Mietsachen. Fiskusklagen, Arheber- und Patentsachen u. a. m. Im Kriminalgericht werden sich 5 Große und 5 Kleine Strafkammern mit der Erledigung von Sonderstrafsachen zu beschäftigen haben. Dabei ist vor allen Dingen an Steuer- und Dersicherungsvergehen, Glücksspiel, EittlichkeitSver- brechen, Korruption- und Sabotagefälle und Strafsachen gegen Jugendliche gedacht. Das Gnadenwesen wird in Zukunft von 8 Richtern bearbeitet werden, während bisher 10 auf diesem Gebiet tätig waren. Wie groß die Geschäfte des Berliner Landgerichtes und des Amtsgerichtes sind, sieht man aus der Tatsache. daß beide zusammen über zwei Fünftel aller zur Zuständigkeit preußischer Gerichte gehöriger Rechts- angelegenheiten erledigen müfien. Allein das Landgericht dürste in Zukunft etwa 400 Richterkräfte be- schäftigen, während die Zahl der Bürobeamten etwa das Zehnfache davon betragen muß. Schwierige Volkszählung in Australien. Während die Sammlung des Materials bei unterer Dolkszählung dank der getroffenen Maßnahmen ohne große Schwierigkeit durchgeführt worden ist, ist eine solche Volkszählung in Australien schon an sich eine überaus mühselige Sache. Auch hier ist es verhältnismäßig leicht, die Städte und nahe an der Küste gelegene Siedlungen, die von der überwiegenden Mehrheit der 6'/, Millionen Australier bewohnt werden, zu erfassen. Aber um "so beschwerlicher ist es, in die gebirgigen Sandwüsten des Inneren, in die noch ziemlich unbekannten Wildnisse des Rord- Westens, in die einsamen Lager am Rande des Timor- und des Arafura-Sees, zu den von Krokodilen wimmelnden Flüssen und undurchdringlichen Urtoälbern des fernen Rordens und die nur im Flugzeug zu- gänzlichen Goldfelder »hinter den Bergen" vorzu- dringen. Die Zähler müssen hier im Ochsen- und Maulesel-Wagen, auf Kamelen, auf Pferden, in Kraftwagen und Flugzeugen ihre Formulare nach den Zelten und an die Lagerfeuer bringen. Bischöfe und Tagediebe, Aristokraten und Verbrecher, Schmuggler und Hehler, Viehtteiber und Pferdehändler, Brunnengräber und Goldgräber, Vagabunden aller Art, Weihe, die wenig mehr anhaben und ebenso aussehen wie Schwarze — alle diessollen gezählt werden. Was die Religion anlangt, so wird man die verschiedenartigsten Auskünfte erhalten, denn in dem bunten Gemisch befinden sich Anhänger Mahomeds, des Konfuzius, Buddhas und des Regengottes. Sämtliche christlichen Sekten sind vertreten, und fromme Venediktinermönche wird man in ihren einfachen Klostern aufsuchen, die Hunderte von Meilen von der Zivilisation entfernt sind. Seltsames Gekritzel in unmöglicher Rechtschreibung wird nach der Sammel» stelle in Canberra von den alten Goldgräbern geschickt werden, die in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts vom Pukon kamen und seitdem in den Felsklüften des Rordwestens unter den Känguruhs ein unerforschtes Dasein führten. Die sonderbarsten Ramen sind aus den vielsprachigen Städten des Thursday Island, von Broome und Darwm zu erwarten. Auch die Angabe der Rasse wird hier Schwierigkeiten machen, da die verschiedenartigsten Mischungen zwischen den Eingewanderlen und den Eingeborenen stattgefunden haben. Die Ureinwohner des Landes werden den Zählern oder wahrscheinlich den Schutzleuten, die zu ihrer Bestagung ausgesandt werden, große Rätsel aufgeben. Schon die Verständigung ist sehr schwierig und noch schwieriger das Eindringen in die merkwürdigen Sitten und Gewohnheiten dieser Wilden. Man wird da manch seltsamen Verwandtschaften auf die Spur kommen. So gibt es Witwen, die durch die Hände von drei oder vier Brüdern ihres ursprünglichen Gatten gegangen sind, Frauen, deren Söhne durch eine Folge von Heiraten ihre Stammesväter geworden sind, und angetraute Ehe gattinnen im zarten Alter von zwei Jahren. Eine merkwürdige Unvorsichtigkeit. Die Pariser Gerichte haben jetzt eine sehr schwierige Frage beantworten müssen, die sich im Anschluß an eine Forderung an eine Versicherungs-Gesellschaft erhoben hat. Ein junger Provenzale verliebte sich glühend in eine verheiratete Pariser Same, die zur Hochzeit einer Verwandten nach dem Süden von Frankreich gekommen war. Er schrieb ihr die heißesten Liebesbriefe, aber sie, die in ihrer Ehe sehr glücklich war, lieh ihm keinen Zweifel darüber, daß all fein Hoffen vergeblich fei und daß er sie vergessen müsse. Dies gelang jedoch dem leidenschaftlichen Romeo nicht: er folgte ihr nach Paris, erschoß sie und beging dann Selbstmord. Der Ehemann verlangte die 100000 Francs, mit dem er das Leben seiner Frau versichert hatte. Die Geselllchaft aber berief sich auf eine Einschränkung des Vertrages, in der bestimmt wurde, daß sie im Falle einer Unvorsichtigkeit der Versicherten nicht zur Zahlung verpflichtet sei. Kann nun einer verheirateten Frau Anvorsichtigkeit vorgeworfen werden, wenn sie die Anträge eines Liebhabers in der entschiedensten Weise ablehnt? Kann sie dafür verantwortlich gemacht werden, daß in dem Herzen eines Mannes eine unheilvolle Leidenschaft aufflammt, zu deren Entstehung oder Schürung sie nicht das Geringste beiträgt? Diese Frage hat der Anwalt des Mannes aufgeworfen, und das Gericht hat bestätigt, daß in diesem Falle von einer Anvorsichtigkeit im Sinne des Vertrages keine Rede fein könne. S.jf.-ifportf Adolf Hitler empfängt den SS.-Führerkurs. Der Führer empfing am Mittwoch in der Reichskanzlei die Teilnehmer des soeben beendeten SS.- Führerlehrganges in der Deutschen Hochschule für Leibesübungen, der vom Reichssportkommissar von T s ch a m m e r O st e n eingerichtet worden ist. Von 33 Teilnehmern dieses Kurses, an dem SS.-Führer aus dem ganzen Reich teilnahmen, konnten 20 S2.- 8"hrer das «pottabzeichen innerhalb von vierzehn Tagen neu erwerben. Davon sieben das silberne. Der Führer sprach seine Anerkennung für diese außerordentlich bemerkenswerten Leistungen aus. Der Lehrgang wurde trainiert von Sportstudenten des SA.-Sturmes an der Deutschen Hochschule für Le*tesübungen. Kreisschießen der Klein-Kaliber- Gchützen im Kreise Gießen-Aord. Die dem Landesverband Hessen-Nassau und dem Reichsverband Deutscher Klein-Kaliber-Schützen- verbande angeschlossenen Vereine hielten am Sonntag ihr diesjähriges Krcisschießen in Lauter ab. lieber 100 Schützen hatten sich eingcfunden, um im friedlichen Wettkampf die Kräfte zu messen. Geschossen wurden 9 Schuß, je 3 Schuß liegend, kniend und stehend freihändig auf die Zwölferscheibe, auf eine Entfernung von 50 Meter. Das Wetter war günstig und denientsprechend waren auch die Ergebnisse hervorragend. In der Fu'ngschützenklasse (bis 21 Jahre) errang die Mannschaft Allendorf/Lda. mit 334 Ringen die Kreismeisterschaft. Dann folgten Rüdings- hausen mit 293 Ringen und Lauter mit 258 Ringen. Kreismeister wurde Fritz Harth- Allendorf a. d. Lda. mit dem vorzüglichen Ergebnis von 82 Ringen. Die Nächstbesten waren: Wilhelm Scholl- Rüddingshausen mit 77 Ringen: Heinrich Gör- n e r t - Lauter mit 72 Ringen. Sei den Altsch Ützen erschoß die erste Mannschaft des Vereins Steinbach in der Sonderklasse das hervorragende Ergebnis von 422 Ringen. Die Kreismeisterschaft fiel an den Verein Allendorf/Lda. mit 410 Ringen. Es folgten: Rüddingshausen mit 372, Lauter mit 347, II. Steinbach mit 343, II. Lauter mit 342, II. Allendorf/Lda. mit 335, Bersrod mit 333, Beltershain 314, Queckborn 310, Geilshausen mit 289 Ringen. Bester Einzelschütze wurde Hrch. Ldwg. Haas- Steinbach mit 93 Ringen, der damit auch Kreismeister wurde. Danach erreichten: Wilhelm R ö m e r-Allendorf.Lda. 91 Ringe, E. Nikolaus- Steinbach 90, Will;. Reinhardt-Allendorf/Lda. 88, Ldwg. Olemotz, Rüddingshausen 89, Ldwg. Haas VI- Steinbach 87, Mebus-Lauter 86 und Will). Pfann- müller-Allendorf/Lda. 84 Ringe. Die Einzelsieger und die Siegermannschaften haben beim Gauschießen in Marburg um die Gaumeisterschaft zu kämpfen. Die 9. Etappe der „Tour". Große Veränderungen in der Spitzengruppe gab es bei der 9. Etappe der „Tour", die am Donnerstag von Gap über 227 Kilometer nach Sign«r führte. Aus der wieder sehr schwierigen Hochge- birgsstrecke wurde das ganze Feld zerrissen. Der bisher führende Archambaud hatte schwer mit Müdigkeitserschcinungen zu kämpfen und fiel weit zurück. Sieger der Etappe wurde Speicher, Frankreich, im Endspurt vor Martano, Fayolle, Le Goss und Trucba, die alle dichtauf folgten. Stöpel, Berlin, kam zwei Minuten später auf den 7. Platz ein. Thierbach belegte den 16., Buse den 19. und Geyer den 24. Platz. 3m Gesamtklassement führt nun Lemaire vor Guerra, Speicher, Archambaud, Martano und Stöpel. Das Feld ist inzwischen auf 46 Fahrer zusammengeschmolzen. Internationale Henley Ruder-Regaita. Der zweite Tag der 95. Internationalen Henley- Buderrcgatta brachte den erstmals startenden Deutschen einen schönen Erfolg. Qlmicitia Mannheim siegte im zweiten Borlauf zum „Vierer ohne Steuermann" um den Stewards-Cup überlegen gegen Trinity College Cambridge in 7:35 Minuten. Im vierten Dorlauf mußte der zweite deutsche Bierer, Sturmvogel Spindlersfeld, durch den favorisierten Pembroke College-Cambridge- Bierer eine glatte Niederlage hinnehmen. Der in London studierende Rüsselsheimer G. v. Opel setzte sich im Einer um die Diamond Sculls auch in seinem zweiten Rennen erfolgreich durch. Gegen den französischen Meister Saurin blieb der Deutsche in 8:31 Minuten mit einer Viertel längc Dorsprung Sieger. 2lm Samstag, 8. Juli, und am Sonntag, 9. Juli, findet die 28. Gießener Ruderregatta auf der Lahn statt. Rach der Zahl der Besetzung der Rennen und nach der hervorragenden Klasse der beteiligten Vereine, ist die Gießener Regatta sowohl in quantitativer, wie auch in qualitativer Hinsicht die größte Regatta in Süddeutschland. 26 Dereine haben Meldungen abgegeben, 120 Boote werden am Start sein, 620 Ruderer sind an den Rennen beteiligt. Besonders erwähnenswert ist die Teilnahme des deutschen Meisters im Biere r von 1932, der seit Jahren erstklassigen, im In» und im Ausland siegreichen Mannschaft der Mainz.Ka steter Rudergesellschaft. Außerdem ist auch der vorzügliche Achter des Würzburger Rudervereins beteiligt. Diesen ersten Mannsch-aften treten, wie schon wiederholt in Saarbrücken, Mainz-Kastel und Würzburg die ebenfalls ausgezeichneten Mannschaften der Gießener Rudergesellschaft gegenüber, die von dem Berufstrainer D. K o l l m e r betreut werden. Das ausgezeichnete Meldeergebnis macht eine große Anzahl von Dorrennen (nicht weniger denn 34) notwendig, die am Samstag- und am Sonntagvormittag, jeweils um 8 Ahr ausgefahren werden. Die Hauptrennen am Samstag beginnen um 15.30 Ahr, die Hauptrennen des Sonntags um 14.30 Ahr. Startplatz ist, wie immer, am Felsen, das Ziel ist unmittelbar vor dem Bootshaus. Es verdient besondere Erwähnung, daß fast die ganze Rennstrecke, dank der idealen Lage des Bootshauses vom Zielplatz aus zu übersehen ist. Dem Publikum ist also Gelegenheit gegeben, fast jedes Rennen von Anfang bis zum Ende genau zu verfolgen. Außerdem werden der Verlauf her Rennen, wie auch die Ergebnisse durch einen Lautsprecher bekanntgegeben. Die Rennen toerb-m in kurzen Abständen rasch hintereinander folgen. Die Regatta steht unter der Lhrenschirmherrschast des Ministerpräsidenten Prof. Dr. Werner. Die Regatta und ihre Ergebnisse, insbesondere aber der Ausgang der wesentlichen Rennen wird für die Ruderer der GRG. von großer Bedeutung sein. Die Ergebnisse, die an den beiden Regattatagen der GRG. erzielt werden, dürften mit ausschlaggebend sein für die Teilnahme der Ruderer der GRG. an der Austragung der Deutschen Meisterschaften am 13- August in Breslau. An der Regatta sind neben den vielen auswärtigen Der- einen naturgemäß auch der „Herein Rudersport Dießen 1913" und der Ruderclub „Hassia" nach besten Kräften in verschiedenen Rennen beteiligt. Rachstehend seien die wesentlichen Rennen einer kurzen Betrachtung unterzogen. Oie kennen des Samstags: Für den Jean-Kirch-Gedächtnis- gieret sind sieben Boote gemeldet. Das Rennan ist offen für Lahnvereine. Die drei Gießener Rudervereine sind beteiligt. Der Ausgang des Rennens ist nicht vorherzusagen, denn einige Mannschaften erscheinen erstmalig am Start. 3m Gefallenen-Gedächtnis-Vierer (Jungmann-Vierer) sind nicht weniger denn 9 Boote am Start. Es werden also drei Vorrennen notwendig. Der Sieger ist auch hier nicht im Voraus zu bestimmen. 3m 3ungmann-Einer erwartet man den Frankfurter H ü l l i n g h o f f (Germania) als den Sieger, vor seinen 5 Mitbewerbern. 3m Prinz-Eitel-Friedrich-Vierer treffen vier harte Konkurrenten aufeinander. Der Deutsche Meister „Saar"-Saarbrücken befindet sich im Wettbewerb mit dem Vierer der Gießener Rudergesellschaft, der in Würzburg die Meistermannschaft schlagen konnte. Die vorzügliche Mannschaft der Mainz-Kasteler RG. liegt ebenfalls mit im Rennen und wird ein gewichtiges Wort mitsprechen. Neu tritt Kölner RE. 1931 in den Wettbewerb. Man erwartet hier einen der spannendsten Kämpfe der Regatta. Im Zweiten Vierer ist der Würzburger RV. her Favorit. Sechs andere Mannschaften sind außerdem beteiligt. Der 3 u n i o r - A ch t e r sieht Große Gießener Ruderregatta Deutsche Extraklaffe am Start. nur die Mannschaften der RGG. und des RE. Kurhessen Kassel am Start. Die Mannschaft aus Kassel darf als schwerer Gegner nicht unterschätzt werden. Für den 1. 3unior-Vierer sind ebenfalls recht gute Mannschaften genannt. Der Gießener RE. „Hassia" ist hier beteiligt. Mainz-Kastel und Kurhessen waren bereits siegreich. 3m Zweiten Achter sind Köln 31, „Saar" Saarbrücken und Verein Rudersport am Start. Zwischen Saarbrücken und Köln erwartet man einen harten Kampf. Eines der bedeutsamsten Rennen des Tages und der Regatta stellt das Rennen im E r st e n A ch - i t e r bar. Hier trifft die Mannschaft der GRG. mit I ihrem bisher einzigen Bezwinger, dem Ruderverein Würzburg zusammen. Das 3nteresse der deutschen Ruderer konzentriert sich auf dieses Rennen. Leider war die GRG.-Mannschaft durch eine Umbesetzung etwas benachteiligt. Ob es gelingt, auf eigenem Wasser die Würzburger zu schlagen, bleibt abzuwarten. Die Mannschaft wird aber jedenfalls alles daran setzen, um die Niederlage in Würzburg wieder auszugleichen. Die GRG. ist in diesem Rennen mit folgender Mannschaft vertreten: Noll, Timpe, Flimm, Weinhold, Georgi, Neuroth, Hartmann, St.: Loh. Die Rennen des Sonntags werden morgen einer Betrachtung gewürdigt. Kreisturnfest -es Z. Kreises. Am Samstag und Sonntag, den 8. und 9. Juli, in Reiskirchen. Die erste Veranstaltung seit dem Uebertritt des früheren Lahn-Dünsberg-Gaues, nunmehr des 7. Kreises des Bezirkes Hessen der DT. geht kommenden Samstag und Sonntag, den 8. und 9.3uli in Reiskirchen vonftatten. Der gastgebende Verein, Turnverein Reiskirchen, begeht mit dieser Veranstaltung gleichzeitig sein 25jähriges Bestehen. Das Fest selbst steht vollständig im Zeichen des neuen Deutschlands und wird nach den bisher eingegangenen Meldungen zu schließen — es treten annähernd 500 Turnerinnen, Turner und SA.- Leute an — zu einer machtvollen Kundgebung unserer edlen Turnsache werden. Es stellt zweifellos der Leitung des bisherigen Gaues ein schönes Zeugnis aus, wenn mit Begeisterung und innerer Geschlossenheit, der nunmehrige 7. Kreis seine erste Veranstaltung in der neuen Umgebung aufzieht. In diesem Treffen, unter den Reichsfarben schwarzweißrot und dem Zeichen des neuen Deutschlands, dem Hakenkreuzbanner, treten erstmals in kameradschaftlicher Weise die Turner und die SA. im gemeinsamen Kampf auf den Plan. Es wird also hier schon zur Wirklichkeit, daß der Turner im neuen Staate an der Seite der SA., SS. und des Stahlhelms als 3. Säule des Dritten Reiches marschiert. Die Abwicklung des Festes selbst stellt bei der zu erwartenden überaus starken Beteiligung hohe Anforderungen an den gaftgebenben Verein und die Kreisführer. Am Samstagabend wird schon der größte Teil der Turner erwartet und Quartiere beziehen. Das wichtigste Ereignis des Samstages ist die Austragung des Jubiläumswanderpreises, dessen Verteidiger der Turnverein Lollar ist/Der Kamps wird hier weit interessanter als bisher werden, da einige Mannschaften wie Wieseck und Launsbach wesentliche Verstärkungen erhalten haben. Am Sonntagvormittag wird alsdann das ganze Programm des Wett- turnens abgewickelt werden. Bereits um 6 Uhr treten die Turner-Ober und Mittelstufe 12- bzw. 9-Kampf und sämtliche Volksturner auf den Plan, während die weiteren Stufen um 8 Uhr beginnen, zusammen mit den Turnerinnen ihren Wettkampf austragen. Der Nachmittag wird ausgefüllt mit dem Festzug, den allgemeinen Freiübungen, dem Muster- riegenturnen und zuletzt der Siegerehrung. Wenn das Wetter günstig ist, rechnet man mit einer großartigen Kundgebung, die in einheitlichem Geiste viele Einwohner der umliegenden Ortschaften und Städte in ihren Bann ziehen wird. Wirtschaft. * Gesteigerter Autoabsah bei der Adam Opel AG. In den ersten fünf Monaten des Jahres 1933 wurden auf dem deutschen Markte insgesamt 30 488 fabrikneue Personen-, Liefer- und Lastkraftwagen abgeseht gegenüber 17 992 im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Die Steigerung beträgt 69,5 Prozent und ist vor allem auf die Steigerung im Personenwagen-Absatz zurückzuführen, der mit 27 127 Stück um 73,2 Proz. über dem Absatz des vergangenen Jahres liegt. Diese außerordentlich günstige Entwicklung ist in erster Linie auf die Reuregelung des Kraftfahr- zeug-Steuergeseyes zurückzufüh-ren. In besonderem Maße ist an diesem Anwachsen des Absatzes die Adam Opel AG. in Rüsselsheim a. M. beteiligt, die während der ersten fünf Monate über 10 000 Wagen absehen konnte. Im Mai ist der Opel-Absatz um 115 Prozent, der Personenwagen- Absatz sogar um 125,7 Proz. gegenüber dem Monat Mai 1932 gestiegen. Mehr als ein Drittel aller zugelassenen Wagen sind Opelwagen. Das Rüsselsheimer Werk arbeitet nunmehr mit einer Belegschaft von etwa 10 000 Mann in der Sechstagewoche voll und in einzelnen Abteilungen sogar in drei Schichten. * Der Boyko11 der deutschen Diamantschlei f e_r e i e n. Heber den Boykott der deutschen Diamant-Schleifereien durch ausländische Diamantenhändler wird vom Verband der Diamantschleifereien für Hanau und Umgebung folgende Veröffentlichung gegeben: „Seit drei Monaten boykottieren die ausländischen Diamantenhändler die deutsche Diamantschleiferei-Jndustrie, indem sie unter Androhung hoher Strafen jedwede Vergebung von Schleifaufträgen nach Deutschland verhindern. Durch scharfe Kontrollmaßnahmen versuchen sie dieser Sperre Nachdruck zu geben. Ob die Absperrung der deutschen Diamantschleiferei-Zndustrie jedoch noch länger aufrechterhalten werden kann, muß als recht zweifelhaft bezeichnet werden. Der Grund zu dieser Annahme dürfte u. a. in dem mangelhaften belgischen Schliff der kleinen und kleinsten Siämanten zu suchen sein. Es sind namentlich amerikanische Käufer, die daran Anstoß nehmen. Daß von den deutschen Diamantschleifereien die kleinen und kleinsten Brillanten weit besser bearbeitet werden als in anderen Ländern, wird von fast allen ausländischen Fachkreisen anerkannt. Man rechnet in belgischen Kreisen damit, daß die amerikanischen Diamantenhändler sich für die Gründung eines deutschen Diamantensyndikats sehr interessieren. Man befürchtet bei weiterer Aufrechterhaltung der Sperre, daß durch die Gründung eines deutschen Syndikats mit Hilfe amerikanischen Geldes die belgische Diamant- schleif-3ndustrie schweren Schaden erleidet. IrankfurierAbendbörse fast geschästölos Frankfurt a. M., 6. 3u(i. Die Frankfurter Abendbörse lag, auch im Hinblick auf die meist schwächeren Auslandsbörsen, fast geschäftslos, und die Kurse bröckelten gegenüber den Berliner Schlußkursen demzufolge teilweise ab. So gaben JG.-Far- ben 0,50 Prozent, Phönix % Prozent, Reichsbank 1 Prozent, Conti Gummi 1,50 Prozent, Licht & Kraft 1 Prozent nach, während sich Gesfürel behaupten konnten, zogen Hapag, Metallgesellschaft und Scheideanstalt bis zu 0,75 Prozent an. Am Rentenmarkt tendierten Reichsanleihen etwas freundlicher, Alt-, Neubesitz und späte Schuldbuchforderungen gewannen bis ; i % Prozent, Schutzgebiete blieben auf dem Mittagsnioeau gut gehalten. Von Bankaktien büßten Bayrische Hypothekenbank 2 Prozent ein. Altbesitz 75%, Neubesitz 10,40, Stahlverein Bonds 54,25, Schutzgebiete 1908 gestrichen, dito von 1909 bis 1911 6,70, 1913 und 1914er 7,—, Bayrische Hypotheken 61,50, Braubank 88,50, Reichsbank 145,75, Buderus 71,50, Gelsenkirchen 56,25, Harpener 91,50, Klöcknerwerke 52,50, Mannesmann 61,75, Phönix 33,50, Rheinstahl 86, Stahlverein 33, Laurahütte 15,25, Akkumulatoren 163,50, Aku 40, AEG. 22,50, Bekula 103,75, Bem- berg 51,50, Cement Heidelberg 81, Conti Gummi 154,50, Daimler 29, Scheideanstalt 171,75. Große Strafkammer Gießen. * G i e ß e n , 6. Juli. Unter Ausschluß der Oef- fentlichkeit wurde gegen einen bejahrten Landwirt aus Heldenbergen wegen Sittlichkeitsverbrechens verhandelt. Er war umfassend geständig. Strafe: sechs Monate Gefängnis. Ein junger Stadtkassengehilfe aus Lich hatte sich wegen e n:s fortgesetzten Amtsverbrechens zu verantworten. Zur Vornahme der Kassengeschäfte bevollmächtigt, hat er in den Jahren 1931 und 1932 seine Stellung zu Unterschlagungen von Steuern, Holzgeldem und ähnlichen Abgaben in namhafter Höhe benutzt. Um seine Verfehlungen durchführen zu können und sie zu verdecken, hat er Register und Bücher unrichtig geführt. Das Geld hat er vergeudet. Die Strafe lautete auf ein Jahr drei Monate Gefängnis. Verantwortlich für Lokales, Provinz, Wirtschaft und Sport: 3- V.: H. L. N e u n e r. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben öle Höhe der zuletzi beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o H. Frankfurt a. 2)1. Berlin Schluß- fur< Schluß«. Abend- börse Schlußkurs Schlußk. Mittag- börse Datum 5 7. 6.7 5.7. 6.7. 6% Deunche Reich sanieihe o. imi 84 83,75 83,75 83,75 6% et)em.7% Dl. Reichsanl. v. 1929 90,25 89,9 90 b!4% Doung-Anleihe von 1930 .. 78 77,9 78 78 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mfi Ausloi.-Rechten ............ 75,4 — 75,25 75,6 Desgi. ohne Auslos.-Rechte..... 10,4 — 10,4 10,4 6% ei>em. 8% Hess. BolkSstoat 1929 lrückzahlb. 102%)........... 75,75 75,25 75,25 Lberhefsen Provinz. Anleihe ms Auslos.-Rechten ............ 65,5 66 _ 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 79 79,5 79 _ 6Vi% Hess. Lande- Hvvotheken- bank Darmstadt Lioui...... 83,25 83,25 _ _ Deutsche Komm. Sammelab l.An leihe Seriel mit Auslos.-Rechten 66,5 66,5 66,5 66,75 6% ehem. 8% Franks. Hyv.-Ban' Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 80,4 80,75 _ _ 6% ehem. 7% Franks. Hyv.-Ban' Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 79,9 80,25 _ 5y;% ehem. 4>/t% Franks. Hyp. Bank-Liau.-Psandbriese ..... 83,5 82,75 _ 6'/z% ehem. 4'/2% Rheinische Hyp.-Bank.LIau. -Goldpfe. ... 84 83.75 _ 6% ehem. 8% Pr. Landespfand briesanliolt, Psandbriese R. 19 80,25 80,5 80.5 6% ehem. 7% Pr. Landespsand briefanftalt. Psandbriese R. 1' 81 80,75 80,75 Verrechnungskurs 86 86 86 86 4% Oesterreichtsche Goldrenie... 4,20% Oesterreichische Silberrente _ 1,13 1,13 1,3 1 95 4% Ungarische Goldrenie...... 5,5 6 5 75 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 5,5 5,6 5,6 5 75 4yt% desgl, von 191.3...... 5,65 5 7 6% abgcst. Goldmerikaner von 99 11,2 — 11,75 11.13 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleib- 5,9 5,8 5,8 6 Gerte I................... — — 6,05 5,6 Frankfurt a. 271. Berlin Schlußkurs Schluß«. Abend- börse Schluß« kurs Schlußk. Mittag- börse Datum 5.7 6.7. 5-7. 6.7. 4% vesgl. Serie II .......... 5,9 5,8 5,1 5,8 5% Mumän. vereinh. Rente v. 1903 5,4 5,4 5,5 4s4°/°Rumän.vereinh.Rentev.l913 9 9 4% Rumänische vereinh. Rente 4,4 4,25 4,3 4,3 8%% Anatolier ............. 27 27 26,5 Hamburg-Amerika-Pakei ..... 14,75 14,5 14,9 14,25 Hamburg-Südam. Dampsschiss 0 24,2 Hansa Dampsschiss........... 0 — — 18,25 Norddeutscher Lloyd ......... 0 16,25 15,75 16 15,75 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 44 43,5 44,25 43,5 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 91 91 91 91 Commerz, und Privat-Bank ... 0 50,5 50,5 50,75 50,75 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................ G 55 54 55 54 Dresdner Bank.............. 0 45,5 45,5 45,5 45,5 Reichsbank ................. 1 144,75 145,75 144.4 146,75 A.E.G.................. ( 22,25 22,5 22,26 22,9 Elektr. LieferungSgefellfchaft ... f. 85 85 85,5 85,25 Licht und Kraft ............. f 105 104 104,5 105 stellen & Guilleaume ........ Gesellschaft für Elektrische Unter- 0 49 48 49,25 48,65 nehmungen............... 4 82 83,25 82,13 83,25 Rheinische "Elektrizität ........ 6 97 95 95,75 94,25 Schuckert & (So............. 0 103,75 103 102,75 102,75 Siemens & Halske........... < 156,5 154 155 154 Lahmeyer LCo.............. 10 120,5 119,5 121 120 Buderus ................... 73 71,5 72 71,4 Deutsche Erdöl ............. • 112,5 113.5 111.75 113,5 Gelsenkirchener.............. 0 56,25 56,25 56,5 56,65 Harpener................... 0 91,5 91,5 91,4 91,25 Hoesch Eisen—Köln-Neuelien.. 0 60,5 | 60 Ilse Bergbau .............. 7 155 ! 161 158 , 160,5 Ilse Bergbau Genüsse........ i 113 112,25 112,4 113 Klöcknerwerke .. 0 52 52,5 52,5 52,5 Mannesmann-Röhren ........ ( 63 1 61,75 62,25 1 61,9 strantsuri a. 2)1. Berlin Schlußkurs Schluß«. Abend- börkc Schluß, «urs Schluß«. Minag> börse Saturn 5-7. 6.7 5.7. 6.7. Manssetver Bergbau..... ... 0 22 22 21,9 21 Kokswerke .............. ... 0 — 78 77,5 Phünlr Bergbau......... ... c 33 33,5 33 33,65 Rheinische Braunkohlen .. Rheinstabl .......... ...10 201 203,5 202 206 ... 0 85 86 85,25 85,9 Bereinigte Stahlwerke.... ... 0 33,25 33 33,13 33,65 Otavi Minen ........... ... 0 16,25 16 16 15,75 Kaliwerke Aschersleben..... ... 6 119 122 120,5 123 Kaliwerke Westeregeln.... ... 6 120 123,25 120,5 123 Kaliwerke Salzdetfurth .... ... i> 168,5 167 166 165,25 st ®. Farben.Industrte .... 127,13 _ 128 129 Scheidcanstalt............ ...10 171 171,75 — Goldschmidt ............. ... 0 42,5 42,25 42,5 42.5 RütgerSwerke............ ... 0 61 60 60,75 60 Melallgelellschaft.......... 58,5 58 58 57,25 Philwv Holzmann ........ Zementwerk Heidelberg ... Cemenrwerk Karlstadt...... ... 0 55 56,25 56,5 56,25 :::$ 80,75 ü - z Schultheis Patzenhoser..... ... 0 — _ 116,5 118 Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 41,75 — 41,75 40,75 Bemberg................ ... 0 52 51,5 52,25 51,65 Zellsiofs 'Waldhof......... ... 0 43,25 42 43,5 42,25 Zellstoss Aschaffenburg .... ... 0 22 21 21,75 21 Dessauer GaS ............ ... 7 — 1 — 108,25 108,5 Daimler Motoren......... ... 0 29,25 29 29 29 Deutsche Linoleum ....... .. 0 44 ' 43 44 43 Orenstein & Koppel ....... .. 0 41,75 41,5 Leonhard Tietz ........... . 6 15,75 1 15,5 15,75 15,65 Chade................ . . .12 197 i — 197,25 198,25 Gritzner............. .. Gl _________ 1 23,5 1 23,75 1 23,5 Mainkraftwcrkc Höchst a.M. .. 4 — 1 63,25 Süddeutscher Zucker ...... .. el — 1 150,9 I 152 1 151 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a M. 5. Juli 6.3uli Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld | Brie Geld Brief Aelsingsors. 6,254 6.266 6,21/ 6,226 46,95 47.05 46,95 47,05 Prag...... 12,54 12,56 12,54 12,56 Budapest ... — — — Sofia ..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland .... 169.58 169,92 169,43 169,77 Lslo....... 70,83 70,97 70,68 70,82 Kopenhagen. 62,94 63,06 62,79 62,91 Stockholm.. 72,58 72,72 72,48 72,62 London ..... 14,10 14,14 14,07 14.11 Buenos Airv' 0,928 0,932 0,928 0,932 Neuyori.... 3.127 3,133 3,122 3.128 Brüssel .... 58,99 59,11 58,94 59,06 Italien----- 22,36 22,40 22,43 22,47 Paris..... 16,59 16,63 16,57 16.61 Schweiz ... 81,37 81,53 81,12 81,28 Spanten.... 35,26 35,34 35,26 35,34 Danzig.... 82,12 82,28 82,12 82,28 Japan...... 0,894 0,896 0,884 0,886 Rio de Jan. 0,229 0,231 0,229 0,231 Jugoslawien Lissabon... 5,195 5,205 5,195 5,205 12,85 12,87 12,82 12,84 Banknoten. Berlin, 6.Juli Geld Brief Amenlanhche Noten..... 3,075 3,095 Belgische Noten.......... 58,78 59,02 Dänische Noten ......... 62,52 62,78 Englische Noten .......... 14,03 14,09 stranzösische Noten........ 16.53 16,59 Holländische Noten........ 169,01 169.69 Italienische Noten......... Norwegische Noten ....... 22,31 22,39 70,71 70,79 Deutsch Oesterreich, 4 100 Schilling Numanjsche Noten........ — — Schwedische Noten........ 72,31 72,59 Schweizer Noten......... 80,94 81,26 Spanische Noten.......... 35,13 35,27 Ungarische Sotm .........