Nr. 130 Srübausgave 183. Jahrgang Mittwoch, 7. Juni 1953 Erlche'nl tägltd), autzei Sonntags und feiertags Beilage!: Die Illustriert» Dietzen« ftamilienblätter Heimat im Bild Die Scholl» Monats Bejugsprtis: Mit 4 Beilagen NM I 95 Ohne Illustriert, , 1 80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Kernsprechanschlüss« enter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- rtchten Anzeiger Sieben pollscheckkonto: Sronflurt am Main 11686. MetzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitüls-Vuch« und Stetnöruderei R. Lange in Gießen. 5chriftleitung und GefchäftrNelle: 5ch«sikraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brett, örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanteigen von 70 mm Brette 35 Reichspsennig, Playvorschrist 20“ , mehr. Chefredakteur Dr. Frtedr. Wilh. Lange. Derantworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An. zeigenteil i. D.Th.Kümmel sämtlich in Diegen. Deutschland setzt sich aus demKongreß der Völkerbundsligen durch Gouverneur Schnee fordert Verständnis für das neue Deutschland.-Oer Kongreß verlang1 Zerstörung der Angriffswaffen und billigt Deutschland das Recht auf Lustschutz zu. Kontrolle des Waffenhandels und der Waffenherstellung. Französische Forderungen in Genf. Genf, 6. 3uni. (TL1.) 3m Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz wurde ein neuer französischer Antrag auf Beschränkung und Kontrolle des Waffenhandels und der Montreux 6.Juni. (WTB.) Der Kongreß des Weltoerbandes der BalterbundsgeieUschaften begann am Pfingstmontag die ösfenllichen Beratungen über die Jahresberichte der eigenen Dollerbundsgesell» schäften Als erster Redner fprach der Führer der deutschen Delegation Gouverneur z D. Exzellenz Dr. Schnee. Dr Schnee erklärte, daß die nationale Erhebung unter der Führung des Reichskanzlers Adolf Hitler zur Bildung eines einheitlichen deutschen Volkswillens und au einer einheitlichen Haltung Deutschlands in der Außenpolitik geführt habe. Damit fei Deutschland in ganz anderem Maße als früher in der Lage zu einer praktischen und positiven internationalen Zu sammenarbeit. Der Boden für diese deutsche nationale Erhebung ist zum wesentlichen Teil durch den von außen auf das deutsche Volk ausgeübten Druck bereitet worden Die Mißachtung der deutschen Gleichberechtigung, vor allem aus dem Gebiet der Wehrfähigkeit und Verteidi» gungsmoglichkeit, die Auferlegung untragbarer Lasten, die Ausschließung Deutschlands vom Kolonialbesitz und andere im Versailler Vertrag getroffene Festtetzungen haben ihre Wirkung auf das deutsche Volksem>sinden nicht verfehlt. Di: nationale Einigung des deutschen Volkes hat eine Verständigung der Volker nicht erschwert, sondern erleichtert. Darüber hinaus aber hat die nationale Erhebung Deutschland zum Bollwerk gegen den Kommunismus gemacht Dr. Schnee schloß seine Rede mit einer eindringlichen Mahnung an die Vertreter des Auslands: „Machen Sie den Weltoerband der Völ- kerbundsligen zu einem roirflidjen 3 n ft r u - ment für den Weltfrieden! Rechnen Sie auf den Friedenswillen des neuen Deutschlands. Jetzt ist der Augenblick da, wo die anderen Nationen versuchen müssen, das Neue im deutschen Volk zu verstehen. Nehmen Sie das Gewicht der Verzweiflung von den Schultern der jungen Generation, zeigen Sie ihr den Weg, zeigen Sie ihr das Licht Der Hoffnung. Dann wird ein neues, in f i ch gefestigtes Europa entstehen, das den Frieden und die Sich -' ’it der Welt garantiert.“ Die Rede Dr. Schnees fand großen Anklang. Der Vorsitzende Lord Robert Cecil betonte, daß es das unveräußerliche Recht jedes Landes fei, sich seine eigene Regierungsform zu wählen. Ein Versuch des polnischen Delegierten, den Jahresbericht der polnischen Delegation zu propagandistischen Zwecken auszunuhen, endete erfreulicherweise damit, daß Lord Robert Cecil diesen zurechtwics, so daß er seine Ausführungen ein- stellte Cs wurde dann eine Entschließung angenommen, in der zum erstenmal nicht nur Die Abschaffung, sondern auch die Zerstörung der Angriffswaffen von allen Regierungen verlangt wird. Der deutsche Vertreter Oberst H a s e l m a y r konnte deshalb in einet von lebhaftem Beifall begrüßten Erklärung die vorbehaltlose Annahme der Entschließung durch die deutsche Abordnung mitteilen. Er brachte gleichzeitig die Genugtuung zum Ausdruck über die freundschaftliche Form der Derhandlungen sowie den Wunsch, daß die angenommenen Abrüstungsgesichtspunkte auch bald beidenamtlichenKonferenzverhand- I u n gc n in Genf zur Wirkung gelangen möchten. Der Berichterstatter für die Abrüstungsfragen, der bekannte belgische Jurist R olin, betonte die Solidarität der Mächte gegen den Friedensstörer und wies in LIebereinstimmuug mit der deutschen Abordnung ausdrücklich darauf hin, daß nach dem Grundsatz der Gleichberechtigung Deutschland während der Tlebergangsperiode.in der alle Staaten trotz der geforderten völligen Abschaffung der Flugwaffen noch militärische Flugzeuge besäßen, u. a. auch über g I u g a b - wehrmittel verfügen müsse. Dem Ausbau der deutschen Festungen stehe die heutige Abrüstungsentschließung nicht entgegen. Ein französischen und pazifistischen Ideen entsprechender Antrag, nach dem Denunziationen über ^Übertretungen des künftigen Abrü- stungsabkommens straffrei ausgehen sollten, wurde vom Weltverband dank dem Eingreifen der deutschen Abordnung abgelehnt. Don deutscher Seite wurde betont, daß eine derartige Regelung mit dem nationalsozialistischen Führer- und Etaatsgedanken unvereinbar sei und lediglich zur Förderung des Landesverrates führe. In der Entschließung wurden lediglich i n gutem Glauben vor dem internationalen Ausschuß abgegebene Zeugenaussagen für straffrei erklärt. Bon deutscher Seite wurde geltend gemacht, daß von einer Gleichberechtigung zwischen Deutschland und Frankreich nicht d i e^R c i) e sein könne, solange nicht Frankreich vor aller Oeffentlichkcit eine wirkliche Waffen- zerstörung im großen Umfange durchgeführt Waffenherstellung behandelt Rach diesem Antrag wird das Maß der für jedes Land zu- lälsigen Wassenherstellung und Waffenausfuhr international festgesetzt. Für die Rüstungsindustrie und Rüstungsausfuhr wird international das „L i z e n z - Sy st e m" eingeführt. Der ständige Inter nationaleAbrü st ungsausschuh hat auf Grund einer in das Abrüstungsabkom- mon aufzunehmende Liste der zulässigen Waffen jeweils die Genehmigung für die Herstellung und Ausfuhr der Waffen zu geben Die französische Regierung erachtet die Zustimmung zu dieser Kontrolle und Begrenzung der Waffenherstellung und Waffenausfuhr als unerläßliche Borbedingung für jegliche praktische Abrüstung Der französische Antrag richtet sich in erster Linie gegen die private Rüstungsindustrie und sucht damit die geringe Deutschland nach dem Versailler Vertrage noch verbliebene Möglichkeit der Landesverteidigung zu nehmen. Der französische Standpunkt wurde von dem französischen Arbeiterführer I o u h a u x eingehend begründet. In der Aussprache verlangte der türkische Vertreter darüber hinausgehend die I n t e r n a 11 o- nalisierung der staatlichen Waffen- h c r st c 11 u n g. Der polnische Vertreter unterstützte wie üblich den französischen Antrag und erging sich in Spitzen gegen Deutschland. Auch der spanische Botschafter Madariaga sprach sich für den französischen Antrag aus Lediglich der amerikanische Sonderbotschafter Norman Davis trat in sorgfältigen und sachlichen Ausführungen der französischen Auffassung grundsätzlich entgegen und wies nach, daß die Abschaffung der privaten Rüstungsindustrie nur zur Schaffung einer staatlichen Rüstungsindustrie führen würde. Das geeignete Mittel fei auch auf diesem Gebiet eine weitgehende Herabsetzung der gesamten Rüstung. Die Aussprache, die auch in dieser Frage noch völlig unüberbrückbare Gegensätze zeigt, wurde sodann auf Mittwoch vertagt 9er Manische Gesandte in Berlin einem Aevotveranschtag znin Opfer gefallen. Der Täter, ein afghanischer Student, konnte sofort verhaftet werden. Berlin, 6. Dum. (IBIB.) Aus den afghanischen Gesandten in Berlin Seine Königliche Hoheit S i r- öar Mohamed A ; I; Khan wurde heute vormittag ein Attentat verübt; den dabei erhaltenen Verletzungen iss der Gesandte erlegen. Der Gesandte war eben im Begriff, mit einem Bekannten, dem Studenten Mohamed Attik, das Haus zu einem Spaziergang zu verlassen, als im am Treppenausgang der 33 Jahre alte Afghane Kemal Syed entgegentrat, der mit dem Ruf „Für die Freiheit" zwei Schüsse aus den Gesandten a b - feuerte. Durch den ersten Schuh wurde der Gesandte sofort in die Brust getroffen und schwer verletzt. Der zweite Schuh traf den Begleiter an der Schulter. Dieser warf sich sofort trotz der Verletzung auf den Tater gemeinsam mit einem Diener, der dem Gesandten in den Mantel helfen wollte. Obwohl der Schütze noch drei weitere Schüsse abgab, konnten ihn die beiden festhalten, bis Poll- z e i b e a m t e hinzukamen Der Täter ist auf der Botschaft von Gesandtschasts- festlichkeiten her bekannt. Er gehört zu einer Studentengruppe, die schon seit Jahren m i t Unter ft ütjung der afghanischen Regierung in Deutschland ftuöiert. Der Mörder hat bei seiner Vernehmung im Polizeipräsidium u. a. angegeben, dah er die Tat aus vater- ländischen Beweggründen begangen habe. Er sei Anhänger einer Bewegung, die auf den Sturz des gegenwärtigen Regimes in Afghanistan hinarbeite. Die beiden verletzten wurden sofort ins Moabiter Krankenhaus geschafft, wo der Gesandte operiert werden muhte. Die Operation ergab einen Abriß des linken Lungenflügels. Roch bei der Operation trat der Tod ein. Zu dem Attentat wird amtlich noch folgendes mitgeteilf: „Die Reichsregierung hat unmittelbar nach der Tat Geheimrat Sauerbruch veranlaßt, dem verletzten feine ärztliche Hilfe zuteil werden zu lassen. Leider waren die Bemühungen, das Leben des Gesandten zu retten, erfolglos. (Er ist bereits am Nachmittag feinen schweren Verletzungen erlegen. Der Mörder gibt an, aus politischen Gründen gehandelt zu haben. Die Reichsregierung beöa uetl den Tod die - ses hervorragenden Diplomaten, der fein Land bereits als Botschafter in Moskau vertreten hatte, bevor er den Berliner Posten übernahm, auf das tiefste und verurteilt mit dem ganzen deutschen Volke das verabscheuungswürdige verbrechen. Der Ermordete, der ein Bruder des Königs Nadir Schah ist, halte den Berliner Gesandtenposten erst vor kurzem angetreten.“ Oie Loccumer Vereinbarungen. Eine Darstellung des Kirchenbundesamts. Berlin, 3. Juni. (TU.) Zu der Vorgeschichte der Erwählung des Reichsbischoss und den viel erörterten Loccumer Vereinbarungen (Modus proce- dendi) liegt eine Darstellung des Deutschen evangelischen Kirchenbundesamtes vor. in der es u. a. heißt: „In Loccum war nach der Klärung der Rechtslage vereinbart worden, daß nach Anhörung der verschiedenen kirchlichen Bewegungen Verhandlungen mit den Vertretern der Landeskirchen über den Sonderplan der Verfassung staltsinden sollten, um ihnen von den bisherigen Verhandlungsergebnisjen und der Person des künftigen Reichsbischofs Mitteilung zu machen und dann eine Einigung über d i e Perfon des Reichsbischofs herbeigeführt werden sollte. Alsdann sollte ein Em pfang der drei kirchlichen Bevollmächtigten durch den Reichskanzler stattfinden. Nachträglich hat der Bevollmächtigte des Kanzlers den Wunsch ausgesprochen, daß ein Besuch schon vor der kirchlichen Einigung über die Person des Reichsbischofs stattfinden möge. Die Bevollmächtigten des Kirchenbundes stimmten diesem Wunsche gern zu, nachdem feftgeftellt war, daß eine politische Beeinflussung der allein kirchlicherseits vor- zunehmenden Wahl nicht staltsinden sollte. Dieser für den Zeitpunkt vor dem Zusammentritt der landeskirchlichen Vertreter vereinbarte Empfang konnte jedoch wie andere Empfänge aus außenpolitischen Gründen nicht statt finden. Es wurde außerdem deutlich, daß der Reichskanzler einen Empfang erst wünsche, wenn man sich kirchlicherseits geeinigt hätte. Don einer Vereinbarung, die Wahl des Reichs- bischoss dem Kirchenvolk zu unterbreiten, steht in den Loccumer Abmachungen kein Wort. Cs war eine gottesdienstliche Feier gedacht, in der die betende Gemeinde sich feier- lich zu der „Deutschen Evangelischen Kirche“ und zu den Grundzügen ihrer Derfassung bekennen sollte. Die Personenfrage war dabei völlig ausgeschieden, weil sie nach der Dereinbarung schon vorher ihre Erledigung finden sollte. In wiederholten Ausspra- chen war man sich darüber einig, dah eine allgemeine Abstimmung über die Person des Reichsbischofs nicht stattfinden könne, zumal hierin ein Rückfall in das allseits bekämpfte demokratisch-parlamentarische System erblickt werden müßte. Zur Personenfrage wird vom Kirchenbundesamt erklärt, dah bereits am Dienstag, dem 23. Mai, eine Gouleitertagung der Deutschen Christen Wehrlreispfarrer Müller als Kandidat für den Reichsbischos präsentiert hatte und dieser Beschluß Mittwochvormittag dem Präsidenten des Deutschen Evangelischen Kir^ chenausschusses von der Reichsleitung ü b e r 4 reicht wurde. Cs wurden Rachrichten laut, daß die Proklamation MüllerS als Reichsbischof bevorstehe. Diese Tatsache wurde auch in der Öffentlichkeit bekannt. Durch ein Rachrichtenbüro wurde die falsche Rachricht verbreitet, bafll die Bevollmächtigten deS Kirchenbundes der Wahl des Weyrkreispsarrers Müller zum Reichsbischof z u g e st i m m t hätten. In dieser unverschuldeten Zwangslage waren weitere Derhandlungen nicht möglich. Sie war auch nicht rechtlich geboten. Lim der drohenden Derwir- rung der Oefsentlichkeit entgegenzutreten, sahen sich die Bevollmächtigten des Kirchenbundes vielmehr am Montagabend genötigt, ihrerseits den Damen des von ihnen als Reichsbischos aue* ersehenen Pastors D. von Bodelschwingh bekannt zu geben. Die Vertreter der Landeskirchen haben den Entschluß der Bevollmächtigten gebilligt und bestätigt. Der Standpuult der G'aubenS- betvegung „Deutsche Christen". Berlin, 6. Juni. Professor D. Hirsch (Göttingen), der wissenschaftliche Beirat des Schirmherrn der Glaubensbewegung Deuts dj er E h r i st e n, veröffentlicht eine Darstellung über die Entwicklung des Streits um die Persönlichkeit des neuen Reichsbischofs, in der es heißt: Es sei ursprünglich die Absicht des Bevollmächtigten des Reichskanzlers gewesen, zunächst das neue kirchliche Derfassungswcrk vorzuberci- ten und die leitenden Ideen des kirchlichen Neubaus in gemeinsamer Arbeit mit den Führern der Kirche in das Kirchenvolk hineinzutragen. Erst dann sollte die Frage der Person des neuen Reichsbischo's geklärt werden. Nad) der Feststellung und staatlichen Anerkennung der Person des Reichsbischofs fei e i n feierlicher A k t der Zustimmung des ganzen Kirchenvolks zu dem geplanten Verfassungswerk vorgesehen gewesen. Der Dreimänner- ausschuß — D. Stapler, D Marahrens, D. Hesse — habe dann jedoch am Mittwoch vor Himmels । , I D; do n Bodelschwingh zum Reichs- bischof proklamiert und damit die Perso- nenfrage vorzeitig in den Vordergrund schoben. Demgegenüber hätten die Führer der Glau- bcnsbewegung Deutsche Christen ihre Auffassung dahin präzisiert, daß der neue Reichsbischof । i > der Glaubensbewegung genommen werden und das Vertrauen des Reichskanzlers wie des gesamten Kirchen- volkes besitzen müsse. Die Proklamierung von Bodelschwinghs sei unter völligem Absehen von dem verabredeten Derfahrensmodus und ohne Rücksprache mit Wehrkreispfarrer Müller erfolgt. Die Zustimmung der Kirchenregierungen zu der Person Bodelschwinghs wäre kaum erfolgt, wenn nicht dem Präsidenten D. St a p I e r nach den Satzungen des Kirchenbundes allein 17 Stimm, n zur Verfügung gestanden hätten. Am Samstagabend, 27 Mai, hätten die Deutschen Chu- sten sodann durch Wehrkreispfarrer Müller b:■ Fanntgegeben, daß sie die so herbeigeführte Entsetzt.- düng nicht anerkennen. Niemand werde verkenn. >, daß die Deutschen Christen damit im allereigenft. n Interesse der evangelischen Kirche gehandelt hättt'i Professor D. Hirsch saht abschließend das Urt. il der Deutschen Christen über die augenblickliche Lage wie folgt zusammen: Nachdem durch die furchtbaren Ereignisse der Hfan- melfahrtswoche der ganze bisherige Plan des Slic» chenneubaucs zu unserem Schmerz in Scherben geschlagen worden ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als eine Urabstimmung des deutsch, n evangelischen K i r ch e n v o l k e s über d s Verfassungswerk und die Person des Reichs^iich 's zu fordern. Nur durch eine Urabstimmung tnnn in der nunmehr geschaffenen Lage das verwirklicht wer den, was uns am Herzen liegt: eine neue deutsche evangelische Kirche, die vom Vertrauen des evang tischen Kirchenvolks getragen ist und von dem B« trauen unserer deutschen Jugend, die Gut und Blut und Herz für ein neues nationales, sozialistisch s und christliches Deutschland eingesetzt hat. Junge Kräfte in Der kirchlichen Führung. Berlin, 6. Juni. (CNB.) D. von Bodelschwingh hat im Zusammenhang mit den vor d r Presse geäußerten Absichten, in der Führung der Kirche Plab für jüngere Kräfte schaffen, dem Präsidenten des Evangelischen Dbertir- chcnamtes die Bitte ausgesprochen, dahin zu wirken, daß den berechtigten Forderungen der jüngeren Generation der Pfarrer- schäft in Gemeinden als Erneuerung der Kirche auch in personeller Hinsicht nunmehr beschleunigt Rechnung getragen werde. Der Reichsbischof spricht dabei erneut seine Ueberzeugung aus, daß das große Reformwerk nur durchgeführt werden könne, wenn die jungen, durch den Krieg und den Kampf um die Erneuerung des Volks geformten Kräfte an verschiedenen Stellen verantwortlich eingesetzt würden. Er knüpft daran die Hoffnung, daß um der entscheidenden Stunde willen, die die Kirche in dieser Zeit durchlebe, das Opfer und die Selbstlosigkeit erwartet werden könne, auch wenn cs für die Betroffenen in manchen Fällen schmerzlich sei. Dieser Schritt begegnet sich mit den Absichten des Präsidenten Kapier, die dieser bereits vor längerer Zeit vor einem verantwortlichen Kreise zur Sprache gebracht hat. Die gleiche Anregung dürfte auch an die anderen deutschen Landeskirchen ergehen. Revoftmanschlag auf Venizelos. Der ehemalige Ministerpräsident nnverletzt. Athen. 7. 3uni. (WTB.-Funkspruch.) Auf den im 70. Lebensjahr stehenden griechischen Staats- Oie Petition Bernheim erneut vor dem VölkerSundsrat. mann B e n i 3 e l o 5 wurde gestern in ipäter Abendstunde ein Reoolveranschlag verübt. Als Denizelos mit seiner Gattin im Auto von Kiphisfa nach Athen zurückkchrle, wurde etwa sechs bis sieben Kilometer von Athen entfernt, aus einem Kraftwagen auf das Auto des vormaligen Ministerpräsidenten von mehreren Anbekannten gefeuert. Frau venizelos wurde durch vier Schüsse verletzt, die die Beine trafen und den Wagen durchbohrten. Lin persönlicher Sicherheilsbeamter des Ministerpräsidenten wurde getötet. Der Führer des Wagens wurde schwer verwundet, war aber noch imstande, die Insassen nach Athen zu fahren. Die Verbrecher sind entkommen, venizelos hat nur einige Schnittwunden durch Glassplitter erlitten und ist im übrigen unverletzt. Die ermäßigleVergnügungsßeuer tritt am 1.3uli in Kraft. Berlin, 6.3uni. (BDZ. Funkspruch.) Das Reichssinanzministerium hat die kürzlich vom Reichsrat beschlossene Reform der Ber - gnügungssteuer in einer Borlage zusammengestellt und bestimmt, daß die so neu geregelte Bergnügungssteuer am 1. 3 u li d. 3. inKraft treten soll. Bon der Bergnügungssteuer werden künftig auch befreit Beranstaltungen, die v o n den Ländern im öffentlichen 3nteresse unternommen. unterhalten oder wesentlich unterstützt werden, Beranstaltungen, die im 3 n t e r e s s e der Kun st pflege oder Volksbildung als gemeinnützig anerkannt sind- Beranstaltungen, die kirchlichen Zwecken dienen, soweit sie von Organen der Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechtes unternommen werden, Veranstaltungen am l.Mai anläßlich des Feiertages der nationalen Arbeit. Die Steuerbegünstigung für künstlerische und volksbildende Filme wird auf kulturell oder staatspolitisch wertvolle Filme ausgedehnt. Dabei ist Voraussetzung, daß derartige Filme weltanschaulich dem G e i st e des neuen deutschen Staates nicht widersprechen. OerKatholischeGesellentaginMünchen bedinaunaswerse erlaubt. * München, 6. Juni. (WTB.) Der mit Verfügung der politiscken Polizei vom 2. Juni verbotene Katholische Gcsellentag wurde unter der Bedingung zu gelassen, daß diese Veranstaltung auf den Ausstellungspark und das Dante-Stadion beschränkt bleibt und daß außerhalb des Ausstellungsparks und des Dante-Stadions weder Aufmärsche stattfinden, noch entrollte Fahnen gezeigt werden. Unzulässige Aktionen gegen Konsumgenossenschaften. Berlin, 6.3unL (ERB.) Amtlich. Der preußische Ministerpräsident und 3nnenminister Göring hat an sämtliche Polizeibehörden folgenden Runderlah gerichtet: „Die Reichsregierung hat im Zusammenhang mit dem Beschluß, die Bürgschaftsaktionen für Konsumgenossenschaften nicht fortzusetzen kürzlich durch die Presse erklären lassen, daß Maßnahmen gegen den Bestand der Konsumgenossenschaften nicht beabsichtigt seien und daß Einzelaktionen gegen Konsumgenossenschaften, durch die nur die Spargelder zahlreicher Volksgenossen gefährdet würden, mißbilligt werden. Richtsdestoweniger gehen fortgesetzt Beschwerden darüber ein, daß weiterhin, namentlich durch Organe des Kampfbundes des gewerblichen Mittelstandes, Konsumgenossenschaften beseht, die leitenden Per- fönen an der Ausübung ihrer Tätigkeit gehirck)ert und Verteilungsstellen geschlossen würden. Solche Genf. 6. 3uni. (WTB. Funkspruch.) DerDöl- kerbundsrat hat sich heute mit dem juristischen Gutachten zur Petition des 3uden Bernheim beschäftigt. Das Gutachten kommt zu dem Schluß, daß die von der deutschen Regierung aufgeworfenen Kompetenzfragen, die sich auf die Befugnis Bernheims, sich im R a m e n der Minderheit an den Völkerbund zu wenden, bezogen, negativ zu entscheiden seien. Der deutsche Vertreter, Gesandter von Keller, erklärte, er sei durch die Beweisführung des 3u- ristenausschusses nicht überzeugt worden und werde sich deshalb bei der Abstimmung über den Bericht der Stimme enthalten. Die Reichsregierung halte sich an die internationalen Berträge und somit auch an die Genfer Konvention gebunden, etwaige Maßnahmen Nachgeordneter Behörden, die mit dem Abkommen nicht in Einklang stehen, würden korrigiert werden. Die Mitglieder des Rates müßten sich, wenn sie sich jetzt auf den Standpunkt des 3uristen-Gutachten stellen, der Tatsache bewußt sein, daß sie sich z u - gunsten eines Grundsatzes von weit- tragender Bedeutung aussprechen. Es ist selbstverständlich, daß in Zukunft bei allen Beschwerden. ganz gleichgültig, gegen wen sie sich richten mögen, nach diesem Grundsatz verfahren wird. Darauf teilte der Berichterstatter mit, daß er seinen Bericht durch Zitat der deutschen Erklärungen abändern werde. Der abgeänderte Bericht enthält ferner gegenüber der ursprünglichen Fassung gewisse Milderungen. Wie in dem ersten Bericht wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß der deutsche Ratsvertreter dem Berichterstatter zu gegebener Zeit über die von der deutschen Regierung getroffenen Maßnahmen unterrichtet. Rach einer verhältnismäßig Eingriffe in das Wirtschaftsleben von unbefugter Seite können auf keinen Fall geduldet werden. 3ch ersuche daher die Polizeibehörden, in Zukunft Siebergriffe dieser Art mit aller Schärfe z u unterdrücken und vorkornrnendenfalls die B e st r a f u n g der Schuldigen herbeizuführen." Oer Deutsche Philologenverband tritt der„OeutschenErziehergemeinschast"bei Der Deutsche Philologenverband beschloß am 31. Mai auf seinem außerordentlichen Vertreter» tag nach einem Bericht des 1. Borsitzenden, des kommissarischen Magistratsoberschulrats Dohm, und einer längeren Aussprache einstimmig, das Abkommen zu billigen, das zwischen dem Minister S ch e m m und dem Führer des Deutschen Philologenverbandes über den Eintritt in die Deutsche Erziehergemeinschaft abgeschlossen worden ist. 3n diesem Abkommen 'lautet der erste Punkt: „Der Deutsche Philologenverband e. B. tritt als rechtsfähige Körperschaft der .Deutschen Erzieher- aemeinschaft' korporativ bei." — Rach Erledigung der notwendigen Satzungsänderungen und der Kassenfragen trat Oberstuoien-Direktor Lusche h, Stettin, dafür ein, daß der Verband auch innerhalb der großen Deutschen Crziehergemeinschaft seine Arbeit für das Auslandsdeutschtum, für die höhere deutsche Schule fortsehe. Bei der Reuwahl wurde der vom Vorstand vorgeschlagene kommissarische Magistratsoberschulrat Bohm durch Akklamation als 1. Vorsitzender (Führer) bestätigt. Ebenso wurden der 2. und 3. Vorsitzende, Studienrat Dr. Dohlen und Oberstudiendirektor L u - schey und der Kassenwart Professor Masche durch Akklamation gewählt. Der neugewählte Vorsitzende bezeichnete es als sein Ziel, auf dem betretenen Wege jeden wertvollen Kollegen für die großen Aufgaben des Dritten Reiches zu gewinnen. Er hoffe, daß es gelinge, den großen Erzieherbund zu schaffen, zum kurzen Debatte wurde der Bericht bei Stimmenthaltung Deutschlands und 3ta- liens angenommen. Zu dieser Entscheidung wird in Berliner diplomatischen Kreisen betont, daß Deutschland selbstverständlich dieses Rechtsgutachten respektieren wird. Praktisch hat das Gutachten für die Erledigung des Falles Bernheim aber keine Bedeutung. Ganz abgesehen davon, daß damit in der Sache selb st noch keine Entscheidung des Völkerbundsrates getroffen ist, hat der deutsche Vertreter bereits .zum Ausdruck gebracht, daß hinsichtlich der Anwendung der Gesetze in Ober-Schlesien überhaupt noch keine vollendeten Tatsachen bestehen. Wenn irgendwelche Verstöße gegen die internationalen Verträge erfolgt fein sollten, so könnte es sich nur um 3rrtümer untergeordneter Stellen handeln. Hingegen kommt dem 3u- ristengutachten in juristischer Beziehung eine sehr erhebliche Bedeutung zu. Denn es ist nunmehr eindeutig festgelegt worden, daß nicht nur der im einzelnen Falle selbst Betroffene Beschwerde vor den Völkerbundsrat bringen kann, sondern daß dieses Recht auch anderen Persönlichkeiten zusteht. Es ist in Zukunft also möglich, daß ein persönlich Unbeteiligter für einen Geschädigten in einem Minderheitengebiet gewissermaßen eine Klage vor dem Dölkerbunds- rat Vorbringen kann, ohne daß der Geschädigte selbst in Erscheinung zu treten braucht. Dies war nach der bisherigen Praxis des Völkerbundsrates nicht zulässig. Deutschland wird selbstverständlich gegebenenfalls auf die jetzige 3uristenentschei- 5ung zurückgreifen. Segen des deutschen Vaterlandes. Besonderen Dank sprach er den Herren aus, die im Zuge der Gleichschaltung ausschieden und die für den Verband in all den 3ahren Großes geleistet hätten, ebenso denen, die mit ihm zusammen die Arbeit weiterführen. Mit besonderem Dank gedachte er des Ehrenvorsitzenden des Verbandes, des Geheimrats M e 11 m a n n, der durch seinen liebenswürdigen Charakter berufen war, den Verband einst zu gründen und vor allem ihn in all den schweren 3ahren zusammenzuhalten. An den Reichsinnenminister Dr. Frick wurde folgendes Telegramm gerichtet: „Die in Berlin tagenden Vertreter der deutschen Philologenschaft entbieten 3hnen, hochverehrter Herr Reichsinnenminister, als dem Hüter des gesamten deutschen Bildungswesens ehrerbietigste Grüße und erklären sich freudig bereit, auch weiterhin in enger Zusammenarbeit mit dem Reichsministerium dcs 3nnern die Aufbautätigkeit der Regierung und deren Streben nach Schaffung einer wahren Volksgemeinschaft auf dem Gebiete des Bildungsund Erziehungswesens, insbesondere des höheren Dildungswesens und der deutschen Auslandsschulen, mit allen Kräften zu unterstützen." Darauf antwortete der Minister: „Den in Berlin tagenden Vertretern des Deutschen Philologenverbandes danke ich für die mir übersandten Grüße und für das Versprechen freudiger Mitarbeit am Aufbau der höheren Schule im Rahmen des gesamten deutschen Erziehungswesens. 3ch wünsche der Tagung einen vollen Erfolg." Kunst und Wissenschaft. Professor Dr. hausser t. 3n Heidelberg ist während der Pfingst- feiertage Professor Dr. Karl Wilhelm Hausser, der Direktor der physikalischen Abteilung des Heidelberger Kaiser-Wilhelm-3nstituts für medizinische Forschung, im Qllter von nur 46 3ahren Tierpark der Redensarten. Kleiner Streiszug durch den Zoo der Sprache. Von Harry Schreck. Zu Beginn unserer Führung, die Sie, meine Herr- schäften, mit den Neuerwerbungen vertraut machen soll, die den vorläufigen Grundstock unseres von namhaften Sprach- und Tierkennern zusammenge- stellten Gartens ausmachen, besichtigen wir gemein- sam das neue Freibahngehege: Wie Sie aus dem hier oben angebrachten Schild ersehen können, handelt es sich bei dem stattlichen Dickhäuter, dessen Größe Ihnen gewiß bereits ausgefallen ist, um einen jener seltenen Elefanten, welche man aus einer Mücke macht und die heute nur noch in den abgelegensten Dschungeln der Redensarten Vorkommen: zusammen mit dem ebenso ungewöhnlichen Kamel, das wir hinter einer Glasscheibe verwahren, weil es nachweislich sogar durch ein Nadelöhrh geht, bildet er sicher einen naturwissenschaftlichen Hauptanziehungspunkt unseres Parks. Daß es indessen nicht nur diese beiden wertvollen Tier sind, die den Stolz dieser Sammlung darstellen, dürften Ihnen ein rascher Blick auf den Zwinger zeigen, der sich zur linken Hand befindet: nicht umsonst nämlich beherbergt er außer jenen beiden eigenartigen Wölfen im Schafspelz, mit welchen man heutzutage heulen muß, ein ausnehmend schönes Exemplar jener Katzenart, die um den heißen Brei herumgeht, sowie den bekannten Tiger, der Blut geleckt hat und der zugleich mit jenem Bären dort, den wir Ihnen aufbinden könnten, eingefangen wurde. Nicht gefangen, sondern vielmehr geschenkt ist dafür der halblinks daneben eingestellte Gaul, dem mir Sie daher nicht ins Maul zu sehen bititen, obwohl wir es ihm ebensowenig wie dem Ochsen, der da drischt, verbunden haben. Desgleichen ersuchen wir Sie höflichst, sich streng an die Gartenordnung zu hallen und sich somit weder auf das im selben Raume untergebrachte hohe Pferd zu setzen, noch die Trägerin jener Kuhhaut zu berühren, auf die irgend etwas gar nicht geht, oder den Esel zu necken, der, wenn ihm zu wohl ist, aufs Eis läuft und tanzt. Unbedenklich dagegen dürfte das Füttern jenes Fundes fein, den wir bei schlechtem Wetter nicht auf die Straße zu jagen pflegen. Falls es Ihnen glücken sollte, ihn hinter dem Ofen hervorzulocken, werden Sie bemerken, daß er trotzdem wie ein begossener Pudel aussieht. »> Nach einem kurzen Besuch bei dem Schäfchen, das wir nicht ohne Mühe ins Trockene gebracht haben, um es mit dem Bock zu paaren, den wir zum Gärtner gesetzt haben, betreten Sie nunmehr die zweite Abteilung unserer Schau, welche die Bewohner der gefieberten Welt vereinigt. Daß wir hier den Hahn im Korbe, der angeblich nicht danach kräht, mit der blinden Henne, die zuweilen ein Korn findet, kreuzen durften, bleibt das schöne Verdienst unserer unermüdlichen Gartenleitung, die zugleich den Erfolg für sich buchen konnte, nicht bloß ein weiteres Paar jener Hühner aufge- trieben zu haben, mit denen man zu Bett geht, sondern auch für die Aufzüchtung der Taube dort oben eingetreten zu sein, die zwar auf dem Dache sitzt, aber dennoch besser ist als jener Spatz in der Hand, nach welchem man nicht mit Kanonen zielen soll. Falls Sie dennoch, dem Wortlaut der Redensart getreu, den Vogel abzuschießen wünschen, so steht Ihnen leider auch weder dieser weiße Rabe noch die Nachtigall, die Sie laufen hören dürfen, oder gar unsere eine Schwalbe, die Noch keinen Sommer macht, zur Verfügung, da diese kostbaren Geschöpfe der Sprachschöpfung 'vorderhand nicht neu beschafft werden können und nicht einmal in dem Zeisig dort, der nachweislich locker ist, oder dem Sperling, der es längst von den Dächern pfeift, einen auch nur annähernd brauchbaren Ersatz finden würden. Desgleichen ist es unter gar keinen Umständen statthaft, den Star, den wir aus Raumgründen mit jenem wissenschaftlich als närrisch erwiesenen Kauz zusammengesperrt haben, zu stechen oder die Lerche, die es war und nicht die Nachtigall, auf den Leim zu locken. Denn ebenso wie jene Krähe, die der anderen erfahrungsgemäß kein Auge aushackt, werden sie des Abends von der Katze geholt, der wir — obwohl wir sie im Sack gekauft haben — eine Schelle umbinden mußten: das vorangehende Singen findet am Morgen jedes Mittwochs und Freitags statt. Herrschaften, die zugegen fein wollen, wenn unser Vogel Strauß Politik treibt, machen wir darauf aufmerksam, daß dies zur Zeit Dienstags zwischen drei und vier Uhr geschieht. Um möglichst weite Kreise zu erfassen, zahlen dabei Kinder und Vereine nur halbe Preise . . . * Da die Räume unseres Terrariums und Jnsekta- riums heute leider geschloffen sind, sind wir zu unserem aufrichtigen Bedauern nicht dazu imstande, Sie mit der Schlange, die am Busen genährt wird, und unserem Salamander, den Sie reiben könnten, entsprechend bekannt zu machen. Und da aus dem gleichen Grunde auch ein Besuch der Fliege, der man sicher nichts zuleide tun kann, gleichwie die Besichtigung der Laus, die einem über die Leber gelaufen zu fein scheint, unmöglich ist, wäre unsre heutige Führung durch den Tierpark der Sprache beendet. Sollte sie Ihnen gefallen Haden, so hätten wir nichts dagegen, wenn Sie ein paar Perlen vor die Säue, die Sie hier gleich neben dem Ausgang sehen, werfen wollten — wir würden sie, zumal da wir kein festes Einkommen beziehen, als eine willkommene Nebeneinnahme betrachten. Heimatmuseen. Wesen und Gestaltung. „Daß die Frage nach der Bedeutung und Ausgestaltung der Heimatmuseen während der letzten 3ahre in den Kreisen der Wissenschaftler, der Vol s.ildner, der Heimatfreunde wie der Ver- toaltungsiuikn mit steigender Aufmerksamkeit erörtert worden ist, darf als ein erfreuliches Anzeichen für die stetig zunehmende Kraft der deutschen Hcimatbewegung gelten." Mit diesen Sähen beginnt das Geleitwort zu einem Buche'), dem gerade in heutiger Zeit eine außerordentliche Bedeutung beizumessen ist, und auf das hier mit besonderem Rachdruck aufmerksam gemacht werden soll. Ein für Volks- und Raturkunde, wie füt den Heimatschuh und die Denkmalpflege in Deutschland ungemein bedeutsames Kapitel wird von dem rührigen, m t der Staatlichen Stelle für Raturdenkmalpflege eng zusammenarbeitenden Verlag Bermühler in Berlin-Lichterfelde zur Diskussion gestellt. Der Herausgeber ging davon aus, daß der Begriff „Heimat" zwar von äußerst komplexer Ratur und daß es fast unmöglich sei, etwa den Typus eines Heimatmuseums herausbilden zu wollen. „... trotzdem muh es gewisse Grundsätze und Richtlinien allgemeinster Ratur geben, die die Zusammenarbeit der verschiedenen Arten von Heimatmuseen regeln und die auch für die ... Ausgestaltung der einzelnen Heimatmuseen zielzeigend sind." Die in dem vorliegenden Werke vereinigten Beiträge behandeln den Stoff verschiedenartig: sie behandeln teils Einzelfragen, teils Probleme allgemeiner und programmatischer Art: doch wurden nicht nur wissenschaftliche Sammlungen beschrieben, sondern ausdrücklich auch solche in den Kreis der Betrachtung gezogen, die für die Volksbildung und den Schulunterricht nutzbringend dienstbar gemacht werden können. Aus dem reichen 3nhalt des Werkes seien zunächst die Arbeiten erwähnt, in denen die Grundlagen programmatisch und richtunggebend erörtert werden: Professor Lehner, Bonn, behandelt ') Heimatmuseen. Wesen und Gestaltung. Ramens der Staatlichen Stelle für Raturdenkmalpflege in Preußen herausgegeben von Professor Dr. Walther S ch o e n i ch e n. 303 Seiten mit 41 Abbildungen. Hugo Bermühler, Verlag Berlin Lichterfelde. 1928. — (103.) gestorben Hausser hat als Schüler Lenards seinen Ausgang von Heidelberg genommen, war dort zuerst auch Assistent am radiologischen 3nftitut und wurde dann bekannt als Mitglied der Siemens'schen Physikalischen Versuchsanstalt in Berlin. Don dort her wurde er bei der Gründung des neuen medizinischen Forschungsinstituts vor einigen 3ahren nach Heidelberg berufen. Aus afler Wett. Psingsthihe in England. Während der Psingstfeiertage herrschte über England außerordentlich schönes und warmes Wetter. Die große Hitze verursachte viele Unfälle. Bei der jährlichen Pfingstmontagsprozession in Manchester erlitten insgesamt 1800MenfchenOhnmachtsanfälle. Davon mußten über 700 in Krankenhäusern behandelt werden. 20 Personen bekamen einen Hih- schlag. Bei der Grundsteinlegung der neuen katholischen Kathedrale in Liverpool brachen 300 Leute in der Hitze zusammen. 100 OOOe von Londonern strömten nach den Seebädern, die sämtlich überfüllt waren. Die Eisenbahn und Omnibuslinien hatten Rekordeinnahmen. Els Personen ertranken während der Pfingstfeier- tage. Grohfeuer in Ostpreußen. Während der Pfingsttage waren in Ostpreußen einige Großfeuer zu verzeichnen, durch die insgesamt 20 Gebäude vollständig eingeäschert wurden. In P i l ch e n (Kreis Johannisburg) fielen 10 Gebäude einem Brand zum Opfer. In Wyranden (Landkreis Allenstein) vernichtete ein Großfeuer ein Wohnhaus und vier Wirtschaftsgebäude. Durch Kinder, die mit Streichhölzern spielten, wurden in Mokaien (Kreis Osterode) drei Wirtschaftsgebäude und in Sareyken (Kreis Lyck) zwei Gebäude in Flammen gefetzt. Thealerbcand in Danzig. Das Spezialitäten-Theater „Scala", das zur Zeit unter Zwangsverwaltung steht, ist bis auf die Umfassungsmauern ausgebrannt. Außerdem wurde auch das Wohnhaus des Direktors, das an das Theater angebaut war, mit dem gesamten Mobiliar eingeäschert. Der Brandschaden wird auf eine Viertelmillion Gulden geschäht. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch unbekannt- Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Das Feuer fand an dem trockenen Holz der 3nneneinrichtung des Theaters reiche Rahrung. Die Feuerwehr war dem Wüten des Elementes gegenüber machtlos. Schwerer Deckehrsunfall in Berlin. Der Führer eines Kraftwagens, der in überaus . schneller Fahrt die Invaliden st raße im Norden Berlins entlang fuhr, verlor die Gewalt über seinen Wagen und rammte einen Straßenbahnwagen. Der Kraftwagen geriet in Brand. Der Führer des Kraftwagens wurde so schwer verletzt, daß er auf dem Wege ins Krankenhaus fta r b. Von den beiden Mitfahrern des Kraftwagens wurde einer getötet und einer schwer verletzt. Der Führer des Straßenbahnwagens mußte mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Außerdem erlitten noch sechs Personen Verletzungen. Bei den meisten von ihnen handelt es sich um Fußgänger ober Fahrgäste des Straßenbahnwagens. Dreißig Iahre Telefunken. 3n diesen Tagen jährte sich zum 30. Male der Gründungstag der Telefunken-Gesellschaft, die in Deutschland wie in der ganzen Welt als Mittelpunkt drahtloser Technik anerkannt ist. Zum Zeichen der unveränderten Weiterarbeit auf der 30- jährigen Tradition Telefünkens tat die Inbetriebsetzung des neuen Wiener Großsenders Disamberg dar, daß auch das vierte 3ahrzehnt der Telefunken mit Einsatz technischer Weiterentwicklung und wirksamem Schaffen begonnen wurde. einleitend Aufgaben und Ziele, Formen und Organisation des Heimatmuseums: der Herausgeber klärt die Beziehungen zwischen Raturschuh und Museumsarbeit. Speziellere Themen ergeben sich aus der Bearbeitung abgegrenzter Teilgebiete, etwa der geologischen, der botanischen, der vorgeschichtlichen oder der Möbel-Sammlungen im Heimatmuseum. Dazu kommen die Berichte aus einzelnen 3nstituten in verschiedenen deutschen Landesteilen, wie etwa aus dem Leipziger Raturkundlichen Museum (von Richard B u ch), aus dem Märkischen Museum in Berlin (von Dr. K i e k e b u s ch), oder aus dem Heimatmuseum in Halberstadt (von August H e m p r i ch). Die einzelnen Beiträge, ausführliche, fachkundige, praktisch brauchbare und anregende Darstellungen, fügen sich zu einem interefianten Gesamtbilde von Wesen und Gestaltung des deutschen Heimatmuseums zusammen. Die Kapitel gewinnen sehr wesentlich durch die am Schluß vereinigte Sammlung von Anmerkungen verschiedener Fachleute zu dem jeweils behandelten Thema. Ein gut gearbeitetes Register gliedert den gesamten Stoff übersichtlich nach Stichworten und erleichtert die Auswertung der Lektüre wesentlich: besonders willkommen sind die in den Text eingestreuten Literaturnachweise sowie ein großes und schönes Abbildungsmaterial aus den verschiedenen Teilgebieten der heimatlichen Museumsarbeit. 8 Mädels im Boot. Das Lichtspielhaus bringt gegenwärtig einen Film, in dem das Hohelied der Sportkameradschaft gesungen wird. Die Bilder, von viel Sonne und Licht, von glitzerndem Wasser umglänzt, führen in das Bootshaus des Damenruderklubs „Seeschwalbe", dessen Mitglieder fern dem Asphalt und dem Getriebe der Metropole schöne Tage verleben. Aber eines Tages führt das Geschick eines der Mädchen über den Kreis der Sportkameraden hinaus, Mißverständnisse tauchen auf, der Ernst des Lebens greift in diese spielerische Gemeinschaft. Die Mädchen müssen erfahren, daß Sportkameradschaft noch lange nicht Lebensgemeinschaft sein kann. So trägt denn ein Mann den Sieg davon, entführt seine Frau dem lichtvollen Kreis, während sich die Mädchen wieder ihrem Sport und ihrem Spiel zuwenden. Die Regie für diesen Film hatte Erich W a s ch n e k. Es sind feine psychologische Spannungen verfolgt Auch die Darstellung läßt nichts zu wünschen übrig. Karin Hardt als Christa, die Hauptfigur des Films, Theodor Loos, Heinz Goetheke, Ali G h i t o und Martha Z i e g - l e r zeigen mit guten Leistungen ein ausgezeichnetes Enfemblespiel. n. Aus der Provinzialhauptstadt. । Lockerung der Wohnungs- Zwangswirtschaft in Heften. Der Hessische Ministerpräsident erläßt unterm 31. Mai 1933 eine vierte Verordnung über die Lockerung der Wohnungszwangs- wirtschai^. Auf Grund des § 52 Abs. 1 des Gesetzes über Mieterschutz und Mieteinigungsämter in der Fassung der Bekanntmachung vom 27. April 1933 wird nach Anhörung und soweit erforderlich mit Zustimmung des Reichsarbeitsministers ange- grdnet: 1. Die Vorschriften des Reichsmietengesetzes und die ersten Abschnitte des Gesetzes über Mieterschutz und Mieteinigungsämter gelten nicht für Woh- nungen, deren Jahresfriedensmiete beträgt a) 800 Mark und mehr in den Orten der Orlskloffe A, b) 600 Mark und mehr in den Orten der Ortsklasse B, c) 450 Mark und mehr in den Orten der Ortsklasse C, d) 350 Mark und mehr in den Orten der Orts- klasie D. 2. Geschäftsräume; doch bleiben Geschäftsräume, die Teile einer Wohnung bilden oder wegen ihres wirtschaftlichen Zusammenhanges mit Wohnräumen zugleich mit solchen vermietet sind, den Vorschriften des Gesetzes über Mieterschutz und Mieteiniaungs- ämter unterworsen, wenn die Friedensmiete für die Wohn- und Geschäftsräume zusammen hinter den in Zisser 1 gezeichneten Grenzen Zurückbleiben. 3. Der durch die Bekanntmachung vom 29. September 1927 festgesetzte gewerbliche Zuschlag von 5 Prozent für Räume mit einer Friedensmiete über 800 Mark wird aufgehoben. Diese Verordnung tritt am l.Juli 1933 In Kraft. Die dritte Verordnung über die Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft vom 14. März 1932 tritt am 1. Juli 1933 außer Kraft. Mitgliederversammlung des Oberhessischen Kunftvereipö. Der Oberhessische Kunstverein hielt dieser Tage seine ordentliche Mitgliederversammlung im Stadthaus Bergstraße ab. Zunächst berichtete der Vorsitzende nach Verlesung und Genehmigung des letztjährigen Der- sammlungsprotokollS über den Verlauf des Jahres 1932. ES wurden auch diesmal wieder neun Ausstellungen veranstaltet, die von insgesamt 2304 Personen besucht waren. (Im Iahre 1931 gleich 2658 Personen.) Die höchste Besucherzahl hatte auch diesmal wieder die Ausstellung ,Frauen der Gegenwart", als nächstfolgende die .IahreSschau Oberhessischer Kunst". Cs sind im vergangenen Geschäftsjahr Arbeiten im Gesamtwert von 2641 Mark angekauft worden. (Im Iahre 1931 gleich 2300 Mark.) Auf der Weihnachts-Ausstellung wurden allein Arbeiten im Werte von 1770 Mk. verkauft, und zwar von Behörden für 1150 Mk., Kunstvecein für 470 Mark, privater Seite 150 Mk. Bei der Iahresmitglieder-Derlosung erhielten 23 Mitglieder Dercinsgewinne im Gesamtwerte von 530 Mark. Die Mitgliederzahl, die am Ende des Jahres 1931 330 betrug, war gegen Ende 1932 auf 317 zurückgegangen. Damit hat sich gegenüber den früheren Jahren der Rückgang wesentlich vermindert. Da auch eine Reihe von Reumeldungen vorliegen, ist zu hoffen, daß die rückläufige Bewegung jetzt zum Stillstand gekommen ist. Bei der Rechnungslegung wurde die geprüfte Schlußabrechnung für 1932 vorgelegt, die auch diesmal wieder eine Steigerung der Einnahmen aulwies, trotzdem der Mitgliedsbeitrag von 5Mk. auf 4 Mk. herabgesetzt war. Dem Schatzmeister wurde für seine Mühewaltung der gebührende Denk zum Ausdruck gebracht, und die Entlastung ausgesprochen linier „Wahlen" beschloß die Versammlung einstimmig die Wiederwahl des Ausschusses und der Ausschuß die Wiederwahl deS bestehenden Vorstandes. linier „Verschiedenes" fand ein Antrag des Reichsverbandcs bildender Künstler — Gau Oberhessen — aus Hcberlassung der Räume des Kunst- Vereins im Turmhaus für seine Weihnachts- ausstellung einstimmige Annahme Ebenso beschloß sie die Bewilligung von 303 Mk- für die Ausschreibung eines Wettbewerbes unter ober- hessischen Künstlern, nachdem die Provinzialdirektion den gleichen Betrag zur Verfügung gestellt hatte. Ferner berichtete der Vorsitzende, daß im vergangenen Geschäftsjahre folgende Stiftungen gemacht seien: Don Herrn Geheimrat Olt: ein Oelbild von Freh-Moog „Silengruppe"; von Herrn Juwelier Hammermann: zwei Oelbilder vom verstorbenen Maler Fritz „Mönch" und „Waldhüter" ; von Herrn Oskar Gutmann: ein Relief in Kupfer „Liebespaar" von Alde- grever. Den Stiftern wurde der herzliche Dank der Versammlung ausgesprochen. Die Werke werden in nächster Zeit in den Ausstellungsräumen im Reuen Schloß gezeigt werden. Ferner berichtete der Vorsitzende über die geplanten weiteren Ausstellungen und wies darauf hin, daß ein Zusammenarbeiten mit dem Kampfbund für deutsche Kultur angcstrebt sei. Zum Schluß sprach Herr Provinzialdirektvr G r a e f dem Vorsitzenden für die geleistete Arbeit den Dank der Mitglieder aus und knüpfte daran die Hoffnung, daß es auch für die kommenden Jahre möglich sein werde, die Aufgaben des Kunstvereins erfolgreich durchzuführen. Vornotizen — Tageskalender für Mittwoch. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „8 Mädels im Boot". ** Straßensperrungsnachricht, mitge- teilt vom Oberheffifchen Automobilclub E.V. (A.v.D.), Gießen: Wegen Ausfühung von Walzarbeiten wird die Provinziaistraße Lauterbach—Schlitz, Abteilung Schlitz-Willofs, vom 8. Juni für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Salzschlirf—Landen- Hausen. " Sonderzug zum Deutschen Gesellentag in München. Nachdem das Verbot des Deutschen Gesellentags in München (siehe Meldung im Politischen Teil) aufgehoben ist, wird nach einer Mitteilung der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. der als Zubringer zu dieser Tagung vorgesehene Sonderzug von Essen nach München über Gießen gefahren. Der Eonderzug trifft in der Rächt vom 7. zum 8. Juni, von Essen kommend, um 23.22 Uhr in Gießen ein und fährt um 23.30 Uhr nach München weiter. Auf der Rückfahrt kommt der Sonderzug am 13. Juni um 7.43 Uhr hier an und wird um 7.51 lihr weiterfahren. Zahrestagimg der Deuffchen Van- und Siedlnngsgemeiuschast. (Sine Ehrung für Ministerpräsident Or. Werner. D a r m st a d t, 6. Juni (WSN.) Die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Bau - und Siedlungsgemeinschast Darmstadt e.G. m.b.H. war von 50 Delegierten aus ganz Deutschland, dem Saargebiet und Oesterreich vertreten. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Kaufmann Fr. Heß, Rheingönnheim, begrüßte in feiner Gräff- nungsanfprache besonders herzlich den hessischen Ministerpräsidenten Dr. Werner, dessen langjährige, unendlich wertvolle Mitarbeit auch bisher schon für die zinslose Bausparbewegung die besten Früchte getragen habe. Wie der Aufsichtsrotsvorsitzende, so erklärte auch Direktor Bachmann namens der DBS. die restlose Mitarbeit unter der Führung des volks- konzlers Adolf Hitler zum Segen von Volk und Reich. Gerade die DBS. habe seit Jahren schon für Arbeit und Brot gesorgt und bisher 44,5 Millionen Bauspardarlehen zugeteilt. Direktor Bachmann erläuterte den Geschäftsbericht und bezeichnete die Aussichten für das neue Geschäftsjahr als günstig. In den ersten drei Monaten des Jahres 1933, so führte er u. a. aus, habe man einen Reinzugong an Sparanträgen von 297 Stück zu verzeichnen. Der Reinzugong an Spar- und Tilgungsbeirägen beläuft sich im gleichen Zeitraum auf 2 1Q1100 RM. Am -25. Februar konnten wir eine weitere Zuteilung von 135 Darlehen mit einer Bousparsumme von rund 1 500 000 RM. vornehmen. Ministerpräsident Or. Werner führte hierauf u. a. aus: Daß ich heute hierher gekommen bin, ergibt sich aus der personellen und sachlichen tiefen Verbundenheit mit Ihnen. Wir wollen dem deutschen Menschen Raum geben, dem deutschen Volke Raum verschaffen und innerhalb der deutschen Volkheit dem bedrängten Arbeitsbruder den Weg nach oben sichern und ihm Heimat im Volk geben, so daß er seiner völkischen Urbewußtheit immer wieder inne wird. Das ist etwas Großes und Schönes, wie cs nur im Kreise der DBS. vollkommen klar und deutlich her- ausgearbeitet und empfunden werden kann. Der Gedanke, den wir vertreten haben, ging von der Heimat aus und mündet in der Heimat. Das ist eine tiefe sittliche Bewegung, die anerkennt, daß auch das große Sittengeseh nur erblühen kann auf der Grundlage einer möglichst gesicherten materiellen Existenz. So wenig wir Anhänger der materialistischen Welt- anschauung sind, weil sie dos Weltgeschehen nicht restlos zu erklären vermag, so sehr wissen wir, daß eine gewisse materielle Ausdehnungsmöglichkeit die Familie allein ermöglicht, die Sitte hochhält und all die bedauerlichen Zeiterfcheinungen in unserem Volksleben beseitigen kann. Es gibt keine erschüttern, dere Anklage als sie schon Fritz Reuter erhob, daß der heimatlose Mensch, der nicht in der Lage ist, sich eine Familie zu gründen, eine lebe n b i g e Anklage gegen bie Gesellschaft barstellt, bie bies zuläßt. Diese Sünden zu beseitigen und aufzuheben, sind wir alle berufen. Wir haben auch in stürmischen Stunden treu zu- fammengeftanben, immer das Ideal und bas hohe Ziel vor Augen, bas uns vorschwebt: Aus diesem zerrissenen, sozial unbefriebeten Volk ein sozial befriedetes Volk zu machen mit den Kräften, die uns in unserer Organisation gegeben sind. Deutsche Volksgenossen! Wir haben, nachdem nun der Durchbruch der deutschen Ration erfolgt ist, auch unsere Forderungen zu stellen. Wir werden und müssen sie stellen nicht nur an die Landesregierungen, sondern auch an bie Reichsregierung, um bem volkhasten Sinn der sozialen Bouspar- und Zweckssparbewegung auch in der Gesetzgebung zum Durchbruch zu verhelfen und alle möglichen Förde- runaen herauszuholen, die herausgeholt werden müssen. Auch in Hessen haben wir bereits über Förde rungsmöglichkeiten gesprochen. Ls muh darnach getrachtet werden. In dos große Arbeitsbeschaffungs-Programm den DSB.-Ge- dankcn einzubauen. Dir mü ien Abstand nehmen von der törichten Vaufinan-.erungspolitik der vergangenen Iahre. die nichts nühte, und nur einzelnen — und denen nicht völlig — Vorteile gebracht hat. Wir müßen dafür sorgen, daß wir die zahlungsschwachen Sparer in die Loge versetzen, ihre Grund- einzahlung zu leisten, damit eine größere Zahl von Baugeldvergebungen erfolgen kann. Die DBS. kann auf Grund ihrer bisherigen Arbeit verlangen, daß man ihr nicht bloß mit Sympathie und Worten gegenübersteht, sondern daß man ihr mit Taten hilft, dem deutschen Volk zum Heil. (Lebhafter Beifall.) Der Aufsichtsratsoorsitzende erklärte, daß Auf- fichtsrat und Vorstand in gemeinsamer Sitzung beschlossen Haden, Ministerpräsident vr. Werner zum Ehrenmitglied der DBS. zu ernennen (Lebhafter Beifall!) als Ausdruck des tiefempfundenen Dankes für feine wertvolle Mitarbeit. Ministerpräsident Dr. Werner dankte in bewegten Worten für die Überreichung der Ehrenurkunde. Daufreund Siegfried brachte auf den Ministerpräsidenten ein dreifaches Sieg-Heil! aus, das die Anwesenden begeistert aufnahmen. Bilanz und Entlastung des Vorstandes wurden einstimmig genehmigt, ebenso einige Aenderungen der Satzungen und der Geschäftsordnung. In einer Nachmittagssitzung fand die Auf- sichtsratsneuwahl statt. Es wurden gewählt: Heß- Rheingönnheim, Merten- Haan, Wittich- Berlin, Dr. R i ch m a n n - Weimar, Kraus- Bad-Dürkheim, Becker- Wetzlar, Landwehr - St Wendel, Dr. Heiland - Eisenach, Juch - Lippstadt, Kahles - Offenburg, Rein- b o t e • Neu-Isenburg. Außerdem wurden drei Ersatzleute gewählt: G ö r s ch - Berlin, E se r-München, Siegfried- Leihgestern. Weihe eines Denkmals für Günther Groenhoff. WSR. Fulda. 5. Juni. Im Rahmen deS von der RS.-Flugfportvereinigung Kassel veranstalteten großen Flugtages in Fulda fand am 2. Pfingstfeiertag vormittags in den Anlagen deS Rhönbades Bronnzell bei Fulda eine G ü n - ther-Groenhofs'Gedenkfeier statt, bei der ein von dem Besitzer des Rhönbades in den Anlagen des Bades errichteter Gedenkstein für den bei den Flugveranftaltungen des ver- Denkt an bie „Stiftung für Opfer der Arbeit"! Einzahlungen an Reichskreditgesellschoft Berlin W S, vehrensstraße 21/22, sowie auf deren Reichsbankgirokonto und deren Postscheckkonto Berlin 120 unter Angabe der Kontobezeichnung. „Stiftung für Opfer der Arbeit". gangenen Jahres auf der Wasserkuppe tödlich verunglückten Segelflieger Günther Groenhoff eingeweiht wurde. Der Stein besteht aus einem Dafaltfindling aus der Rhön, in den eine Gedenkplatte eingelassen ist. Kurz vor Beginn der Veranstaltung kreuzte ein Motorflugzeug und gleich darauf auch ein Segel- fluazeug, von dem Segelflieger Magcrfuppe, Kassel, geführt, über den Anlagen. Nach einem einleitenden Musikvortrag übergab der Besitzer der Badeanstalt Mewes in schlichten Worten Den Gedenkstein der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, um den Gedenkstein ebenso wie das Gedenken an Güncher Groenhoff immer zu Ehren zu halten. Buntes Allerlei. Oie Affenkolonie von Gibraltar. .Solange als die Affen Gibrallar bewohnen, wird Britannien diesen Felsen beherrschen." Dieses alte Wort, das im Glauben der spanischen Devölterung tief verwurzelt ist, gibt den Engländern die Hoffnung, daß ihre Fahne noch weiter auf dieser Festung flattern wird, denn die Aff en-Kolonie von Gibral» 1 ar ist vor kurzem durch die Geburt zweier Zungen vermehrt worden und hat alle Aussicht auf ein Ian- ged Fortbestehen. Diese Schuhtiere sind die letzten wilden Affen in Europa; sie sind die Tyrannen von Gibraltar und richten allerlei Unheil an; aber sie zu verletzen, ja nur zu belästigen, gilt als ein schweres Verbrechen, ja fast als Verrat, da nun einmal mit ihrem Gedeihen Britanniens Herrschaft an diesem Torweg vorn Mittelländischen Meer nach dem Osten eng verknüpft ist. Als die Engländer nach langer Belagerung im Jahre 1704 den Felsen von Gibraltar emnabmen. da trieben sich noch Hunderte dieser Affen wild auf der Halbinsel herum. Der Aberglauben der Andalusier brachte nun das Erscheinen der Engländer mit diesen Affen in Zusammenhang, und man munkelte, daß die fremden Eindringlinge erst vertrieben werden würden, wenn die Affen verschwänden. Die Briten, die auf den Volksglauben stets große Rücksicht genommen haben, ballen also allen Anlaß, für diese vierfüßigen Sinnbilder ihreS Regiments zu sorgen, und eine stattliche Summe ist für ihre Pflege ausgesetzt. Ein besonderer Offizier - jetzt ist es der Hauptmann S. A. Smith - sorgt mit einigen Untergebenen für ihr Wohlbefinden. Vor einigen Jahren aber schien daS Schicksal der Affen- Kolonie schwer bedroht; es waren nur noch zwei Weibchen übrig; zu gleicher Zeit waren Verhandlungen im Gange zwilchen der spanischen und der englischen Regierung über einen Austausch von Gibraltar gegen die spanische Stadt (Senta. Die Bevölkerung flüsterte sich zu, daß mit den Affen auch bald die Engländer verschwinden würden, und der Gouverneur der Festung blickte nach den Felsen, die das wenige 100 Meter große neutrale Gebiet, daS Gibraltar von Spanien trennt, umrahmen. Da erhob sich jener mächtige .steinerne Stuhl", auf dem die spanitche Königin im 18. Jahrhundert zu sitzen gelobt hatte, bis die britische Flagge von der Festung heruntergeholt werde. Sah die Königin etwa da? Rein, so weit war es noch nicht. Aber es mußte etwas geschehen, und so wurden eiligst Boten nach Marokko entsandt, die mit einem jungen männlichen Affen zurückkehrten. Doch die beiden alten Weibchen wollten sich mit diesem Fremdling nicht einlaffen, sondern töteten ihn. Wieder hasteten Abgeordnete über die Straße von Gibraltar und brachten diesmal zwei männliche und zwei weibliche Affen mit Run war die Kolonie gerettet, und die Geburt der beiden Jungen, die jetzt gemeldet wird, sichert den Bestand der Affen. Uebr igens lebt in Gibraltar noch ein Mann, der das Opfer der einzigen bekannten Entführung war, die von den Affen vorgenommen wurde. (!S ist der Lotfe William (S. Underh. Vor 50 Jahren war fein Vater Haushofmeister bei dem damaligen Gouverneur General Somerfet. Als die Eltern eines Tages heimkehrten, fanden sie die Wiege leer. Bei der Suche nach dem verlorenen Baby ent- decktey sie auf dem Dach des Haufes eine große Ressin, die das Kindchen in ihren Armen hielt, es wiegte und liebkoste. Der Vater wollte fein Gewehr holen, aber Freunde hielten ihn ab und baten ihn, das Weitere abzuwarten. So verhielt man sich still, und nach einer halben Stunde schwang sich das 21f- senweibchen, das Kind sorgsam in einem Arm haltend, von dem Dach auf das Fensterbrett herunter, stieg in das Kinderzimmer, legte das Baby in die Wiege zurück, deckte es zu und verschwand durch das Fenster. Die Eltern sanden das Baby schlafend und unverletzt. Sie grau des Politikers als Hausfrau und Mutter. Besuch bei Frau Martha von Popen. - Oie Gattin des Vizekanzlers über die Aufgaben der deutschen Krau. Im Rücktrakt des großen Häuserblocks Wilhelm- straße 74, in einer geräumigen Wohnung, die dem Reichsinnenministerium zusteht, spielt sich das Familienleben des Vizekanzlers v. Popen ab. An einem langen Korridor mit vielen Fenstern liegt eine Reihe von Zimmern. Ihr Blick geht auf die alten Ministergärten. Ruhe und Abgeschiedenheit ringsum. Durch die offenen Fenster weht ab und zu der Wind den letzten Ton einer scharfen Autohupe herüber. Ganz verschwommen schimmert das Gelb der Elektrischen durch die Kronen der alten Bäume. Frau o. Popen empfing mich in einem großen hellen Empiresalon. Sie schlug aber gleich vor, in ihr Zimmer nebenan zu gehen. Wir traten in einen lichten Raum im altenglischen Londhausstil mit Hellen Wänden, Möbeln und Stichen aus der Zeit vor 1800. Hier trägt alles den Stempel seiner Bewohnerin. Quer vor eines der drei großen Fenster gerückt steht der Schreibtisch, den ein unveröffentlichtes Bild des Hausherrn schmückt. Man sieht, an diesem Schreibtisch wird gearbeitet. Ueberall stehen Blumen, Blütenzweige und grüne Pflanzen, genau wie nebenan im privaten Arbeitszimmer des Vizekanz- lers. Dieser Roum ist lichtgelb gestrichen. Er wird beherrscht von einem wuchtigen Barockschrank. Selbsterlegte Sechzehnender mit dem Datum und der Krone im Schädelbein, fallen ins Auge. Auf dem Schreibtisch steht bas Bild des Reichspräsidenten in Feldmarschalluniform: „Ich hott' einen Kameraden." Man wollte eigentlich mit Frau v. Papen über ihre neue Würde als „Präsidentin der Hausfrauen- pereine" plaudern. Was lag näher, als nach dem Eindruck der Rom reiste, von der das Ehepaar v. Papen vor kurzem zurückkehrte, zu fragen. „Wir hotten eigentlich nicht die Absicht, einen offiziellen Besuch in Italien zu machen. Ausspannen und zum Heiligen Vater gehen, stand auf unserem Programm, das schon an der Grenze umgeroorfen wurde. Bereits in Bozen erschien der Gouverneur bei der Einfahrt des Zuges mit einem großen Strauße Rosen vor unserem Shipee. Erst dadurch wurden die Mitreisenden auf unsere Anwesenheit im Zuge aufmerksam. Und nun wars fertig mit der „Reise privat". Beim Aufenthalt in Verona — wir wollten uns gerade schlafen fegen — begrüßten uns der Präfekt, der Chef der faschistischen Partei und weitere offizielle Persönlichkeiten mit Blumen. Als wir morgens in Rom eintraren, waren die meisten Herren der deutschen Botschaft und Vertreter des italienischen Auswärtigen Amtes auf dem Bahn- steig. Den Bahnhofsplatz hatte man abgefperrt; nie» manb durfte den Zug verlassen, bis wir weg waren. Vor dem Bahnhof erwartete uns ein Auto, das Mussolini für die ganze Zeit unseres Aufenthaltes zur Verfügung gestellt hatte. Ich war vor dreißig Jahren zum letzten Male in Rom und habe die Stadt nicht wiedererkannt. Es ist grandios, was Mussolini aus ihr gemocht f>at." Noch und noch tarnen wir auf unser eigentliches Thema: Hausfrau und Mutter. Frau von Papen meinte lächelnd: „Was soll ich Ihnen er- zählen. Ich bin so altmodisch, daß Sie mich viel- leicht gar nicht verstehen werden. Besonders in der Frage der Kindererziehung. Meine Kinder haben nie ein Buch gelesen, das ich nicht vorher las. Meine Töchter besuchen noch heute keinen oftiziel- len Ball ohne mich. Die Gesellschaft dort ist zu undurchsichtig, um die jungen Mädchen allein hingehen zu losten. Ich habe auch meine Kinder selbst erzogen, sie nie fremden Menschen überlassen. Das Leben auf dem Lande hat mir natürlich Gelegenheit gegeben, mich viel um meine Fünfe zu küm- mern. Ich bin auch »altmodisch* in bezug auf dos F r a u e n w a h l r e ch t. Amerika und England, Länder, die als erste der Frau das Stimmrecht gaben, hatten durch diesen Zuwachs an Stimmen sicher keine große Umschichtung zu verzeichnen. Die iTrau wird durch ihre Anpassungsfähigkeit, die oft fehlende Möglichkeit ruhiger Abwägung, durch Mangel an kühler fachlicher Kritik, in den meisten Fällen das politische Echo ihres Mannes sein. Und so hat das Frauenwahlrecht die Wähler zwar verdoppelt, aber sich nicht der Quantität angcpaßt. Sie hat nur eine Mehrbelastung der Staatskassen gebracht. Ich spreche natürlich nur von der Frau im allgemeinen. Selbstverständlich bin ich überzeugt, daß es immer einzelne überragende Frauen gegeben hat und geben wird. Die sollen ruhig eine Ausnahmestellung einnehmen. Ich fdjliefoe' mich aber im Prinzip denen an, die der Frau absprechen, in einer Reihe von Bernsen — besonders als Politikerin — ihren Mann stellen zu können. Leider gibt es in unseren Tagen Frauen, die erwerben müssen. Die meisten von ihnen, be- sonders die Fabrikarbeiterinnen, würden sicherlich gerne ihre Tätigkeit aufgeben, wenn der Mann genügend verdiente. Sie wurden sich viel lieber um ihre Kinder kümmern, als ihre Kleinen im Kinder- garten abzugeben und um die größeren zu bangen, was sie nach der Schulzeit .anstellen'. Ich denke auch nicht, daß Frauen, die sich zu einem bestimmten Berufe hingezogen fühlen, diese Liebe unterdrücken sollen. Außerdem gibt es Berufe, die überhaupt nur von der Frau ausgeubt werden können. Nichts widerstrebt mir jo, als Halbheit. Nur die Frau soll studieren, die sich un- bedingt dazu berufen fühlt. Die Frau als Hausfrau und Mutter aber, ist immer noch der höchste und vornehmste Beruf. Und nun wollen Sie meine Ansicht über die Hausfrauenvereine wissen. Der Hausfrau kommt mehr denn je eine große Verantwortung zu. Heute, wo wieder mit dem Pfennig gerechnet wird, soll die einkaufende Frau, durch deren Hand der größte Teil des Volksoermögens rinnt, sich Rechenschaft geben, was und wie sie einkauft. Der Einkauf soll wieder zur Kunst werden. Man darf keinesfalls den Konsum unterbinden und in allem zum Sparen mahnen. Wenn plötzlich jeder aufhören wollte, zu kaufen, wie sollte bie Wirtschaft weitergehen. Nur ist es wichtig, den Hausfrauen zum Bewußtsein zu bringen, was nötig ist und welche Anschaffungen nur einer Laune entspringen, also unnötig sind. Hier haben sich auch die Hausfrauenvereine von Jahr zu Jahr größere Verdienste erworben. Sie haben die Frau über die Vorteile und Möglich- feiten im Wirtschaften und Einkauf aufgeklärt, über die Art des Einkaufs, Wirtschaftsführung, Kindererziehung, Hygiene in der Familie und vieles andere sie unterrichtet. Ihre Ausstellungen, ihre Vorträge und Lehrkurse find ein Stück Erziehung der deutschen Frau geworden. Mit besonderem Jn- tereste habe ich mich über alles orientiert, was die Hausfrauenvereine der Großstädte (elften. Als Landfrau bin ich von Jugend auf nur mit den Verbänden der landwirtschaftlichen Hausfrauen in Berührung gekommen und zu fünfundsiebzig Prozent bin ich ja eigentlich selbst Frau vom Lande." Man scheidet nach einer langen anregenden Unterhaltung von Frau o. Papen, deren wirkliche Güte und innerliche Vornehmheit, deren Verständnis und richtige Einstellung zur Frau von heute, sie zu dem besten Typ der deutschen Frau stempeln. Bella Fromm. S.J.-fporf Wirtschaft Oer Rudersport in Gießen ftranltur a. 1>i. Serini «*«■ SS.' furg börl 26- । 6.6. 19,25 18,75 61,5 62,5 gerlln, 6-Juni' (Selb Sries 26,13.1 70,75 160i 157,75 I Die hinter den 'j 25,5 96.25 119,5 59,5 94,5 101 111,5 163,25 126 135,25 172,5 53.5 61,75 39,25 60,5 79,5 26 162,5 20,13 54 93,5 50,25 54 51,5 129 26,25 119 60,13 93,25 99,5 112,75 163,75 126 79,25 119,25 66,25 । 108,25 27,5 44 203 97 43,5 19,5 140 143 187 28 43,5 204 96 43 19,25 139 138,25 188 41,75 51,5 53 25 33,25 54.5 22,25 168 62,25 83,5 82 28 88,5 44,25 203 97,4 44,13 19,5 140,5 141,5 188 136,13 54,4 62 40,5 3,545 59,00 63,68 14,32 16,63 170,74 21,96 72,44 2,48 73,45 81,81 36,17 6,316 47,05 12,66 3,053 170,77 72,47 63,91 73.47 14,34 0,882 3,569 59,04 22,04 16,65 81,83 36,24 82,88 0.881 0,241 5.205 13,03 77,5 120 66 105,5 78,5 119,65 66,75 105,5 74 155 123,75 62 72 26,5 94,13 119 60,4 94 99,5 113,75 164,13 126,9 79,5 118,5 66,65 108.5 73,75 152.5 125,5 61,9 70,9 18,75 32 18 19,25 54,75 92,5 51 55 51,5 132,75 129,25 42,4 50 53,75 24,13 116,9 32.4 54,5 51,75 20,75 166 135,75 53,5 61,75 39,75 129,9 42,25 51,5 52,4 24.25 117 32,9 54 51,25 22,5 169,5 3,525 58,76 63,42 14,26 16.57 170,06 21,88 72,16 2,46 73,15 81,49 36,03 19,13 55 91,5 51 55 51,5 132,75 25,9 96 119 60,75 94,25 100.75 111.75 162,5 127 136 173 54,13 61,5 40,25 19 30 27,75 19,9 54,5 92,5 50,75 54 51,5 129,25 26 70,75 , 157,5 Schöne Erfolge konnten die deutschen Tennisspieler und -Spielerinnen am Pfingstsonntag beim Berliner Rotweiß-Turnier erringen, v. Gramm besiegte den Japaner Miki 6:4, 6:4 und dessen Landsmann Ikoh 6:1, 8:6. 3 ä nn e d e zeigte sich dem Italiener Sertorio mit 6:3, 8:10, 6:2 überlegen und besiegte auch den Wiener Artens mit 6:1, 6:2. Bei den Damen schlug Frl. Horn-Wiesbaden Eilst; Äußern 6:2, 6:3 und Frl. Krahwinkel blieb mit 6:1, 6:2 gegen Frau Stuck erfolgreich. • Deutsche Athletik-Siege gab es in Paris. Borchmeher gewann die 100 Meter in 10,6 und der Westdeutsche W i e n e ck e holte sich die 110-Meter-Hürden in 15,4 Sekunden. Aur um Viustbreite blieb der Stuttgarter Paul im 800-Meter-Lauf dem Franzosen Petit unterlegen. 41,75 49,5 53,5 25,5 32 53,75 20,5 165,5 Der Rudersport in Gießen bewegt sich seit einigen Jahren in aufsteigender Linie. Die Gießener Rudervereine werden von zielbewuhten Männern geleitet, die ihren Mitgliedern durch Bereitstellung guter Boote und die Gewinnung tüchtiger Lehrkräfte nach Kräften die Bahn zum Erfolg ebnen. 3n einer Universitätsstadt bietet die Zusammenstellung von Mannschaften manche Schwierigkeiten, die man in anderen Städten nicht kennt. Für Rennmannschaften kommen nur energische, kräftige Männer in Frage. Gerade diese Leute find aber in Universitätsstädten zumeist Mitglieder studentischer Verbindungen, die Ansprüche an ihre Verbindungsbrüder zu stellen haben, welche ein regelmäßiges Training ungünstig beeinflussen. Die Gießener Ruder-Gesellschaft von 1877 hat trotz aller Schwierigkeiten es verstanden, in jahrelanger Arbeit sich eine Mannschaft aufzubauen, die den höchsten Ansprüchen genügt. Es nahen, bei guter Weiterentwicklung, sich wieder Zeilen wie vor einigen Jahrzehnten, wo Gießener deutsche Meisterschaften gewannen. Jehl winken neben den Meisterehren noch die olympischen Würden, die 1936 in Berlin zu erringen sind. Die Mannschaften der Gießener Ruder- Gesellschaft haben im vorigen 3ahre ge- zeigt, daß sie zu kämpfen und zu siegen verstehen. Der Kampf im Achterrennen in vsfenbach wo die Gießener Mannschaft an en'rformten Mannschaft von Mainz- Kasteli ich über die ganze Strecke halten konnte, um schließlich mit kaum meßbarem Abstand ge- 1SU toeröen, erregte in Fachkreisen das größte Aufsehen. Es war keine Zufallsleistung, sondern sie war das Ergebnis sorgfältiger Vor- und restloser Hingabe der Ruderer. ?°ge spater auf der Regatta in Mainz erlitt der Gießener Achter zwar eine ehrenvolle Rieoerlage gegen die starken Mannschaften aus der Schweiz und von Berlin, aber diese Scharte wurde glanzend gutgemacht durch den Siea der Blerermannschaft im Rennen um den W a n d e r° pfingstfußball in Hessen-Hannover. lieber die Pfingstfeiertage kam in Kassel eine Menge kleinerer Spiele zum 'Austrag, in denen in der Hauptsache Gegner der Bezirksklasse beschäftigt waren, während die Vereine der Sonderklasse fast durchweg pausierten. Von wirklich nennenswerten Gegnern weilten lediglich die 93er aus Hanau in Marburg und Gießen hatte den Besuch der Recklinghäuser Union zu verzeichnen Bei der marinen Witterung wurden in den meisten Spielen keine besonderen Leistungen gezeigt, wesentlich war aber die Feststellung, daß überall fair und sportlich einwandfrei gekämpft wurde Wegen Terminschwierigkeiten wurden mit dem Treffen Northeim — Germania Fulda 2:2 (1:1) die Aufstiegsspiele fortgesetzt. Handball der Sp.-Vg. 1900 Polizei Darmstadt, mehrfacher süddeutscher Meister, in Gießen. Das bereits vor 14 Tagen vorgesehene Spiel 1900 I — Polizei Darmstadt I kommt bestimmt am nächsten Samstagabend zum Austrag. Das Treffen dürfte als das größte handballsportliche Ereignis für Gießen zu werten sein. Die Polizisten, die in stärkster Aufstellung ontreten, stehen am Sonntag- vormittag, ebenfalls auf dem 1900-Sportplatz, der Mannschaft der 2. Kompanie (Bataillonsmeistcr) gegenüber. 27,65 88,5 43,75 205,5 96,25 43,13 19,5 137,5 139 187,5 Lied beschlossen die Feier, nachdem an den Reichspräsidenten von Hindenburg, an den Reichskanzler Adolf Hitler, an den Reichssportkommissar von Tschammer-Osten und an den Führer der Deutschen Turnerschaft Begrüßungstelegramme abgesandt worden waren. Zungfliegertreffen auf der Wafferkuppe. 3n Anwesenheit des Präsidenten des Deutschen Luftsportverbandes Hauptmann a. D. und pour le merite-Flieger Loerzer fand am Pfingstsonntag und -Montag auf der Wasserkuppe in der Rhön das diesjährige 3ungfliegertreffen des Deutschen Luftsportverbandes, verbunden mit Modellwettbewerb für Segelflugmodelle statt, lieber 500 Iungflieger aus allen Gauen Deutschlands nahmen an diesem nun schon traditionellen Treffen teil. 300 der hochwertigsten Segelflugmodelle stellten sich dem Starter. Der Wettbewerb, der durch Prof. Dr. Georgi- Darmstadt am Pfingstsonntag eröffnet wurde, nahm einen glänzenden Verlauf. Alle bishser bestehenden Rekorde wurden gebrochen. Die besten Leistungen zeigten: in der Steigleistung Winkler, Berlin, und Kuhn, Fulda, in der Dauerleistung Steines, Völklingen, mit 12 Minuten und 33 Sekunden, außerdem Oswald, Fulda. Damit ist der wertvolle Wanderpreis des Deutschen Lust- sportverbandes ebenso wie im vergangenen 3ahre wieder nach dem Saargebiet gefallen. Eine besondere Freude hatten die Iungflieger an den Schleppflügen, die das Deutsche Forschungsinstitut für Segelflug am Pfingstsonntag veranstaltete. Dipl.-3ng. Riedel, Darmstadt, und D i 11 m a r, Wasser kuppe, flogen nach Cochem an der Mosel gleich 195 Kilometer bzw. nach Weilburg an der Lahn gleich 125 Kilometer. Am Pfingstmontag wurde der Wettbewerb mit Hochstabmethoden fortgesetzt. Der alte Rhön- kämpe G e n t s ch , Dresden, erreichte mit seinem Modell, das in den thermischen Auswinden über der Wasserkuppe sich emporkurvte, eine Flugzeit von über einer Viertelstunde. Begeistert folgten die Besucher, die zu diesem Treffen aus ganz Deutschland herbeigeeilt waren, den interessanten und technisch wertvollen Prüfungen dieser deutschen Modellbauer. Kurze Sportnoiizen. Die Pfing st reisen süddeutscher Fußballclubs waren von wechselndem Erfolg begleitet. 1860 München spielte in Berlin gegen Hertha-BSC. 3:3, Bayern München remitierte beim mitteldeutschen Meister Dresdener SC. mit 0:0 und der Club siegte am Samstag gegen Alemannia Aachen mit 5:4, mußte sich aber durch Schalke 04 am 1. Feiertag mit 1:4 geschlagen bekennen. -1 156 123 125,75 62,25 62 71,5! 70,75 Ä.E.G.............. < Aektr. LtcferungSgesellschäft'''' b Licht und Kraft ............. Felten L Guilleaume ... ' v Gesellschaft für Elektrische Unters nehmungen.............. 4 Rheinische Elektrizität 6 Cchuckert & Go......... o Siemens L Halske < Lahmeher L Eo . Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Sl"ern "eben °'° belWenen S.oiöenbe an. - R-,ch-b°ntt>>-k°n, 4 ° H. L°mb°rdzmssub 5 o. S). * Lokomotivbestellungen der Reichs- b a h n. Die Lolomotivfabrit Henschel & Sohn AG., Kassel, hat von der Reichsbahn-Gesellschaft einen Auftrag zur Herstellung von 10 Rormal- Schnellzug-Lokomotiven erhalten. Wie WTB.- Handelsdienst hört, schweben nunmehr weitere Verhandlungen wegen eines Auftrages im Gesamtwerte von 26 Millionen Mark, an dem sämtliche deutschen Lokomotivfabriken beteiligt sind. Dieser Auftrag soll noch im Laufe des Monats zu Vergebung kommen. Bei der Vergebung handelt es sich um zusätzliche Reichsbahn-Aufträge, die aus den Arbeitsbeschaffungsmitteln der Reichsregierung finanziert werden sollen. * Landwirtschaftliche Zentralgenossenschaft e G m b H., Darmstadt. Der Generalversammlung am 9. 3uni wird vorgeschla- gen, den Reingewinn von 161 397 (0,18 Mill.s wie folgt zu verwenden: Zuweisung von 40 000 Mt. an Reservefonds, von 100 000 Mk. an die Betriebsrücklage, sowie 8 Prozent Verzinsung der Geschäftsguthaben. 2677 Mark sind vorzutragen. Danach wird betragen: der Reservefonds 0,74 Millionen Mark, die Betriebsrücklage 1,2 Mill., der Pensionsfonds 0,2 Mill. Mark. Die Zentralgenossenschaft verzeichnet einen Bestand von 579 (583) Genossenschaften mit 232 950 Mark (0,234 Millionen) Geschäftsguthaben und 2,334 (2,349) Millionen Haftsumme. Der Gesamtumsatz betrug (in Mill. Ztr.): Düngemittel 1,01 (1,1), Futtermittel 0,46 (0,47), (Saatgut 0,07 (0,09), Waren und Materialien 0,84 (0,88), landwirtschaftliche Erzeugnisse 0,86 (0,77), Verschiedenes 0,15 (0,06), zusammen 3,92 (3,35). Wertmäßig stellte sich der Umsatz auf 16 097 146 (16 953 317), der Rückgang liegt in der rückläufigen Preisbewegung sowohl der Bedarfsstoffe als auch der landwirtschaftlichen Erzeugnisse begründet. Aus der Bilanz (in Millionen Mart): Debitoren 6,90 (7,53), Beteiligungen 0,16 (unv.), Warenbestände — hierin 75, 6 Prozent stille Reserve — 0,22 (0,29), dagegen Schuldwechsel 3,69 (4,52), Kreditoren 1,32 (1,37). Frankfurter Ab5 6/1% Doung.Anleihe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablos..Schuld ml 80,5 79,5 80,5 Auslos.-Rechten ............ DeSgi. ohne Auslos.-Rechte..... 6% ebem. 8% Hess. Bolksstaat 1929 77,25 12.65 78 12,7 77,5 12,7 77,9 12,7 lrückzablb. 102%)........... Lberhessen Provinz-Anleihe ml 77,25 78 77,25 78,5 Auslo!.-Recknen ............ 6% Hess. Landesbank Darmstadt 67 67 - - Gold R. 12....... 614% Hess. Landes Hypotheken- dl,75. 82 81,5 81,75 bank Darmstadt Liqui . ... 84.75 86 Deutsche Kumm. Eammeiab l.An leihe Seriel mit Ausios.-Rechten 70 70,25 70,5 6% ehe in. 8% Franks. Hyp.-Ban' Goldvse. 15 unkündbar bis 1935 83,75 84,75 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Ban Goldvse. 16 unkündbar biS 193«i 83,5 84,75 6%% chein. -l'/2% Franks. Hyp. Bank-Ligu.-Psandbriefe ..... — 86 t>y/’o ebem. 4':% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goidpfe. ... 6% ebem. 8% Pr. Landespfand — 90,5 briesanslall, Pfandbriefe R. 19 83,25 83,5 12,75 83,25 6% ehem. 7% Pr. Landesvsand brtesanftalt. Pfandbriefe St. 1< Verrechnungskurs . . 83,25 85.5 83,25 85,5 83,25 85.5 83,25 85,5 4% Oeslcrretchische Goldrenle... 16,5 _ 4,20% Lesterreichijche Silberrente — _ 4% Ungarische Goldrenle....... — _ _ 4% Ungarische Staatsrenle v. 1910 — _ _ 4yz°/n desgl. von 1913 ......... — — _ 6% abgest. Goldmerikaner von 99 8,75 9,5 8,8 4% Türkische Zollanleihe von 1911 6,6 6,7 6,5 6J5 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie I................... 6,65 6,5 6,65 Hrankiun a.J)l. Ncrlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börs- Gchluß- kurs Schlußt. Millag- bör>c Oatum 26. 6.6. 2.6. 6.6. 4% desgl. Serie 11 ............ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4'/r%Rumän.verelnh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente . 8%% Anatolier .............. 6,6 5,75 10.5 4,75 29,9 6,65 5,75 30,13 6,5 10,25 4,65 30,25 6,65 10,5 4,8 30,4 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a M. ' 2. Juni 6.Juni Amtliche Notierung Meld | Arie Amtliche Notierung Geld ' | Srie 6,304 6.316 6.304 46,95 47.05 46,95 12,64 12,66 12,64 3,047 3,053 3,047 170,43 170,77 170,43 72,23 72,37 72.33 73,79 63,91 63,79 63,33 63,47 73,33 14,30 14,34 14.30 0,878 0,882 0.878 3,591 3,599 3,561 58,92 59.04 58,92 22,00 22,04 22,00 16.61 16,65 16,61 81,82 81.98 81,67 36,16 36,24 36.16 82,77 82,93 82.72 0,879 0,881 0,879 0,239 0,241 0,239 5,195 5,205 5,195 13,01 13,03 13,01 Banknoten.