Nr. 83 Erster Blatt 185. Jahrgang 8reitag,7.Apr!lly3Z £r|d)eint iägltd), nutzer Sonntags und Feierlag«. Beilagen: The illustrierte ©ieRenrr FamMenblätter Heimat tm Vild - Die Scholl« Monats-Vejugrvrei,: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. <;ernsprechanschlllsfe unter Sflmmdnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Liehen, poftschecllonto: Sranffart am Main 11686. Giehemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn'ck vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitälr-Vuch- und Steinöruderei H. Lange in Sietzen. Schriftleitnng und Seschästrstelle: Schnlitratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorfchrift 20u , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für'Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und lür den Anzeigenteil i.D.Th.Kümmel sämtlich m Gießen. Frankreich verschleppt die Verständigung der Großmächte. Daladier und Paul-Boncour melden in der Kammer ihre Vorbehalte gegenüber dem Musioliniplan an. Paris, 6. April. (WTB) Die Kammer hat sämtliche Kapitel des Budgets für Auswärtige Angelegenheiten verabschiedet und ist in eine eingehende Aussprache über die auswärtige Politik der Regierung eingetreten. Nachdem der Berichterstatter des auswärtigen Budgets kurz den Inhalt sei- ves Berichtes entwickelt hatte, ergriff zur allgemeinen Verwunderung Ministerpräsident Daladier das Wort, um eine Erklärung zu verlesen, die offenbar dazu bestimmt war, die Debatte abzukürzen. Jeder Satz dieser Erklärung war wohl abgewogen und wurde mit gewisser Feierlichkeit vorgetragen. Daladier führte u. a. aus, daß Regierung und Parlament jetzt im Besitze aller Unterlagen zur Beurteilung der Vorschläge Mussolinis und Macdonalds fei. An ein Fallenlassen des Völkerbundes habe Frankreich niemals gedacht. Die Abrüftungspolitik Frankreichs habe zur Bedingung, daß niemand aufrüste. Frankreich gebe damit keinem Gefühl der Furcht nach. Entschlossen, ein Werk der Vernunft und des Maßhaltens fortzusetzen, habe Frankreich alle aufrichtigen unk) loyalen Bemühungen begrüßt, die dem großen Werk des Friedens dienen sollen, für das das französische Volk sich einmütig einsetzte. Man müsse einen neuen Rüstungswettlauf u n - möglich machen; deshalb studiere Frankreich den englischen Abrüstungsplan. Dieser Plan sei eine gute Verhandlungsgrundlage und wolle namentlich die Berufsheere beseitigen. Frankreich wünsche eine Ergänzung des Planes durch eine genaue Definition des Angreifers und die Annahme des belgischen Vorschlags über den Charakter des Angriffs. Frankreich werde in Genf bedeutende Abänderungsvorschläge zu machen haben. Aber alles in allem halte cs diesen Plan bereits für eine loyale Bemühung, deren Erfolg gesichert werden müsse. (Ein wirtschaftlicher Umschwung könne nur (Erfolg haben, wenn der diplomatische Himmel wolkenlos feL Das fei Mussolinis Ansicht. (Es handele sich nicht etwa darum, einer Art Direktorium der Großmächte ;uzu- ftlmmen, das seinen Willen der übrigen weit aufzwingen würde, oder einer Bereinigung zu- zustimmen, die ehrgeiziger wäre als die alle heilige Alliance und über mehr ober weniger umfangreiche Gebielsrevlsionen und Grenzver- fchiebungen beschließen würde. (Ein solcher Dersuch würde der französischen Auffassung von der Gleichheit der Rationen widersprechen. Die Gleichheit der Staaten mache die Hinzuziehung der interessierten Stanke n zu allen Besprechungen notwendig. Ihre Rechte könnten nicht ohne ihre vorherige Einwilligung und ohne Inanspruchnahme der Bölter- bundsorgane geändert werden. Der neue Pakt müsse, wenn er nützen solle, die logische Folge der großen Schöpfungen zur Festigung des Friedens sein, auf die er selbst Bezug nehme; zu nennen fei der Dölkerbundspakt, und zwar in feinem gesamten Umfange, der Briand- Kellogg-Pakt, das Locarno-Abkommen, das na- rnenllich die deutsch-französische Grenze und den Bestand der entmilitarisierten Zone garantiere. Die Zusammenarbeit der vier Großmächte werde fruchtbringend sein, wenn sie nicht als Bruch dieser Abkommen erscheine, sondern sich im Gegenteil bemühe, ihnen Wirksamkeit zu verleihen. Ihr Ziel könne nur die Respektierung des Friedens unter Wahrung sämtlicher Rechte sein. Frankreich verkenne nicht Art. 19 des Dölkerbundpaktes, auf Grund dessen die Boll- Versammlung ihre Mitglieder zu einer R e u p r u - fung der unanwendbar gewordenen Vertrage ouffordern könne. Es sei in der Tat richtig, einer eventuellen Gefährdung des Friedens vorzubeugen. Bei der Abfassung von Art. 19 habe man sich bemüht, ein friedliches Verfahren festzulegen. Aber sei angesichts des Erwachens eines gewissen Rationalismus zu hoffen, daß die beunruhigten Völker den Frieden in einer Umwandlung ier Karte Europas finden? Ich glaube, so schloß Daladier, daß es unsere Pflicht ist, die Einladung anzunehmen, Die an uns gerichtet worden ist und unseren Willen zur Zusammenarbeit zur Aufrechterhaltung und zur Organisierung des Friedens unter Wahrung aller Rechte kundzutun. Es gibt keine höhere Aufgabe, als Europa Ordnung, Vertrauen und Sicherheit zu geben. Frankreich kennt weder Haß noch Angst, Frankreich glaubt, daß Die internationale Arbeit nur auf Gerechtigkeit' fußen kann. _ , . 3m weiteren Verlauf der Debatte sagte der Deutschenhetzer Franklin-Dou i. l l o n dem Viererpakt den Kampf an, well er lediglich em Revisionsmittel zugunsten Deutschlands auf Xo- sten der französischen Alliierten darstelle. Kein französischer Alliierter werde auch nur einen Quadratkilometer seines Gebietes hergeben. Sranl» relch selbst würde das nächste Opfer sein. Frankreich hätte auch die deutsche GleichberechtigungS- fvrderung aufs schärfste bekämpfen sollen. Der Redner schloß mit einem Appell an Frankreich, die Führung der revisionsgegnerischen Rationen zu übernehmen. — Herriot vertrat ferne bekannte These, daß Frankreich angesichts eines geeinten Deutschlands nicht allein bleiben dürfe. Es gebe keinen einzigen französischen Abgeordneten, der auf die Freundschaft mit Der Kleinen Entente, Polen und Belgien verzichten möchte. — Der Sozialist Leon Blum betonte, daß der Vierer-Pakt in feiner ursprünglichen Fassung für die Sozialisten unannehmbar gewesen fei. Er weigere sich, dem Deutschland Hitlers das königliche Geschenk territorialer Konzessionen zu machen, dos Frankreich anderen deutschen Regierungen stets abgeschlagen habe. Das Unglück der deutschen Sozialdemokratie sei gewesen, daß sie den Frieden unterzeichnen muhte, und ihr schlimmster Fehler, daß sie 1918/19 keine vollständigere Revolution durchgeführt habe. Eine der Ursachen des politischen Wirrwarrs in Deutschland sei auch die französische Politik im Augenblick der Ruhrbesehung (lebhafte Proteste rechts) gewesen. Außenminister paul-Boncour erflärtc zum Schluß, daß die Regierung mit Aufmerksamkeit alle Ereignisse in Deutschland verfolgt habe. Die Verordnung vom Februar, die nationalsozialistische Abteilungen in die Hilfs- Polizei eingerecht habe, stelle ohne Zweifel eine Verletzung der Verträge dar. Die Regierung habe die erforderlichen diplomatischen Schritte unternommen und werde nötigenfalls die Prozedur wählen, die erforderlich sei. Eine Aufrüstung Deutschlands werde i n keiner Weise geduldet werden. Es sei das Bestreben zutage getreten, über den Völkerbund ein Direktorium der vier Mächte zu stellen. Dieses Bestreben sei aber bereits v e r s ch w u n de n. Es bliebe nur noch ein anderer Punkt. Es sei Pflicht der Regierung, den Versuch zu machen, ihn ebenfalls verschwinden zu lassen. Aus Dem ursprünglichen Wortlaut Des Vorschlages schien hervorzugehen, daß sein Ziel Die Revision Der /Beträge fei. Das hätte einen Anschlag gegen die französische Politik bedeutet, den die Regierung nie geduldet hätte. Aber wäre es nicht möglich, die Gelegenheit der Zusammenarbeit zu ergreifen, wenn man diesen ausschließlichen Zweck beseitigen könnte? Frankreichs Sabotage. Gegen Revision und Gleichberechtigung. B-e r I i n , 7. April. (CNB. Funkspruch.) Die Reden Doladiers und Paul-Boncours hoben trotz ihrer vorsichtigen Stilisierung Die letzten Zweifel an Der unversöhnlichen Gegnerschaft Frankreichs gegenüber Dem Musso- liniplan zerstört. Schon die Zulassung einer öffentlichen Diskussion noch vor Abschluß der schwebenden diplomatischen Verhrvdlung zeigt, daß Frankreich die Brücken hinter sich abbrechen will. Daladier und Paul-Boncour wagen auch diesmal nicht „Rein" zu Den Gedanken einer Zusammenarbeit Der vier Großmächte zu sagen, dach hört man wieder das berühmte „j a, a b e r ...", das schlimmer als eine glatte Ablehnung ist, weil es hier und dort gefährliche Illusionen und Zweideutigkeiten entstehen lassen kann. Frankreich erkennt ,qn, daß die Verständigung Der Großmächte notwendig ist, es erkennt an, daß Artikel 19 im Interesse des Friedens die Revision unanwendbar gewordener Verträge vor- sieht, aber es entwertet diese Grundsätze sofort und restlos durch Vorbehalle, die zwar nicht stichhaltig sind, jedoch einen rein negativen Willen verraten. Die Kleine Entente wird nicht aus- drücklich erwähnt, schwebt aber wie Der böse Geist Europas über Der Debatte. Die Gleichberechtigung Deutschlands unb Der anderen entwaffneten Staaten wird nur indirekt und gleichfalls strikt ablehnend erwähnt: Daladier unterstreicht die von Frankreich für eine progressive Abrüstung gestellten Bedingungen, daß niemand aufrüste, sowie Frank- reichs Interesse an der Aufrechterhaltung der entmilitarisierten Rheinlandzone. Paul-Boncour steigert diese Gedanken bis zur Drohung mit einer Völkerbundsinvestigation und macht gleichzeitig einen neuen Anbiederungsversuch an Italien mit dem deutlichen Ziel, den Mussolinipakt gegen den Macdonaldschen Abrüstungsplan auszuspielen, für den Daladier bereits „bedeutende Abänderungsvorschläge" angekündigt hatte. Deutschland muß unter allen Umständen eine Verwässerung des Mussolini- planes ablehnen, und man darf erwarten, daß auch der italienische Ministerpräsident auf feinem ursprünglichen Plan beharrt. Die eindeutige Stellungnahme des Großen faschistischen Rates dürfte diese Erwartung rechtfertigen. Der Überfall aus die Gebrüder Rotter. Vaduz, 6. April. (TU.) Zum Ueberfall auf die Gebrüder Schaie (gen. Rotter) ist noch zu melden, daß die Täter, die sich z. Z. im Gefängnis von Feldkirch befinden, noch heute vom Staatsanwalt vernommen werden sollen. Sie stammen sämtlich aus Konstanz. Einer von ihnen ist ein gebürtiger Vaduzer, der zur Zeit am Technikum Konstanz studierte. Das Fürstentum Liechtenstein hat bereits das Auslieferungsbegehren an die österreichische Regierung gestellt. Die von Vaduz aus entsandte Rettungsmannschaft fand Schaie (Rotter) und seine Frau zwischen 20 und 21 älhr in der sogenannten Erbeten Rüfe tot auf. Sie sind abgcstürzt und mit zerschmetterten Gliedmaßen tot liegen geblieben. Schußwunden Wielen die beiden Leichen nicht auf. Das Kurhaus Gaslei, vor dem der Lieberfall am Mittwoch um 15.30 erfolgte, liegt 1400 Meter hoch und ist von Vaduz in etwa zweieinhalb bis Drei Stunden zu Fuß zu erreichen. Der Kraftwagen, mit dem die sechs Männer aus Konstanz heraufgekommen waren, wartete schon oben auf den Kraftwagen Der Schaies. Die Insassen des deutschen Kraftwagens hielten Dann Den Wagen Der Schaies an, unD man versuchte sie zu fesseln und in Den Konstanzer Kraftwagen zu ziehen. An der Stelle, wo Alfred Schaie, seine Frau und Frau Wolf ab- stürzten, liegt sehr viel Schotter. Anscheinend sind die Drei in Dem ausgetrockneten Wildbachbett ins Rutschen gekommen und dann etwa 15 Meter abgestürzt. Der Kraftwagen, aus Dem Fritz Schaie (genannt Rotter) nach Dem Ueberfall auf Der Fahrt nach Vaduz heraussprang, wurde von Dem Besitzer Schädler, Dem das Kurhaus Gaflei gehört. selbst geführt. Schädler hatte erst vor einigen Tagen die Bekanntschaft Der Schaies gemacht und sie zu einem Besuch im Kurhaus Gaflei ein» geladen, das von ihm und seiner Mutter bewirtschaftet wird. Schädler, Der ebenfalls in Haft genommen worben ist. hatte die Schaies am Wittwochrnittag vom Waldhotel abgeholt und wollte sie auch nach dort wieder zu- rüdbringen. Schädler bestreitet, die Gebrüder Rotter in eine Falle gelockt zu haben. Richt er, sondern die Lotters selbst hätten sich bei chm eingeladen und ihn gebeten, sie einmal mit in das Kurhaus zu nehmen. Auch habe er die Absicht gehabt, Fritz Lotter nach dem Lieber- fall wieder nach Vaduz zurückzubringen. Rotter sei aber unterwegs nervös geworden und ab» gesprungen. Fritz Rotter dagegen sagte aus. daß er gegenüber Schädler, Der ihn und seinen Bruder auf das Kurhaus eingelaben habe, anfangs kein Mißtrauen hatte. Erst als dieser seiner Aufforderung zum Halten keine Folge geleistet habe und weiterfuhr, sei ihm die Sache sehr verdächtig vorgekommen und er sei dann aus dem fahrenden Auto gesprungen. Die Einzelheiten, Die im Laufe Des Donnerstags über Den Ueberfall auf Die Gebrüder Rotter noch bekannt werben, lassen bic Tat nicht nur als ein rechtswidriges Vorgehen, fonbern auch als ein ungeschicktes Manöver erkennen. In Der Schweiz bemühen sich einige Blätter, bie Sache als eine Tat Der Nationalsozialisten barzustellen. Demgegenüber kann versichert werben, baß bie Tat mit politischen Motiven nichts zu tun hat. Die sechs Konstanzer haben bies bei ihrer Vernehmung in Feldkirch selbst betont. Offenbar scheint es ihnen hauptsächlich um bie Belohn u n g zu tun gewesen zu sein. Sie erklärten, sie hätten bie Absicht gehabt, bie beiben Rätters „zu einer Spritztour nach Felbkirch einzuladen", um sie hier ben öfter- reichischen Behörben, van benen bie Rotter- gleichfalls steckbrieflich gesucht werben, abzuliefern. Der Liechtensteinsche Regierungschef Dr. Hoop teilt entgegen anberslautenben Gerüchten ausdrück- lich mit, baß bei ber versuchten Entführung der Brüder Rotter keineswegs ein nationalsozialistisches Komplott Dorliegt. Die Untersuchung habe bies einroanbfrei erwiesen. Die Vorgänge bei der Kölner Handwerkskammer. Köln, 6. April. (ERB.) Der „Westdeutsche Beobachter" bringt Einzelheiten über die Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten im Geschäftsbetrieb der Handwerkskammer Köln, die zu der erneuten Festnahme des Vorsitzenden des Oluf» sichtsrates der Wirtschafts stelle der Kammer, des Reichstagsvizepräschenten Thomas Esser (Zentrum) führten. Gegen ben gleichfalls verhafteten früheren Geschäftsführer der Kammer Dr. Engels werde der Vorwurf der Untreue erhoben, während die Verantwortung Essers und des ebenfalls festgenommenen früheren Vorsitzenden der Kammer Welter sich daraus ergäbe, daß sie entweder die Geschäftsführung des Dr. Engels nicht genügend überwacht oder aber in stillschweigendem Einverständnis mit ihm gehanoelt hätten. Dr. Engels habe u. a. die von der Regierung laufend zur Förderung handwerklicher Einrichtungen gemachten Zuweisungen nicht in voller Höhe bestimmungsgemäß verwandt. Engels und Welter hätten außerdem einer Reihe von persönlichen Freunden Darlehen gewährt, über Deren Rückzahlung keine Belege vorlägen. Auch über Die Verwendung eines Kontos in Höhe von 30 000 Mk., dos Dem Vorstand zur freien Verfügung stand, fehle jeder Rachweis. — Für das Kölner Handwerk und seine Organisationen sei ein Gesamt- Verlust von 1 254 030 Mark entstanden. Zu dieser Summe kämen noch 250 000 Mk. hinzu, die im Jahre 19/0 von der Wirtschaftsstelle der Kammer unter starkem Druck Essers der Genossenschaftsbank zur Deckung der ungeheuren Verluste, die diesem Institut durch die Tätigkeit des Dr. Engels entstanden waren, hätten gewahrt werden müssen. — Dr. Engels habe sich im Jahre 1929 ein Haus bauen lassen, dessen Inneneinrichtung auf 103 000 Mk. geschätzt werde; u. a. habe er auch Ankäufe im Kunstgewerbemuseum in Bonn vorgenommen. Stahlhelm und nationale Regierung. Eine Erklärung des Reichsministers Teldte. Berlin, v. April. (ERB.) Reichsarbeitsminister Seldte erklärte einem Vertreter der Kreuzzeitung: Ich bin fest überzeugt, daß Die Vorfälle in Braunschweig unb in anderen Gegenden endgültig bereinigt werden. Ich kann nur feststellen, daß zwischen dem Reichskanzler und mir eine vollkommen gleiche Beurteilung Der Lage besteht. Damit ist Die kameradschaftliche Zusammenarbeit zwischen Den Trägern Der nationalen Front erneuert und bekräftigt. Der Stahlhelm kann als Männerbund auf soldatischer Grundlage mit keiner Organisation oder Partei verglichen werden. Es ist Ttnsinn, zu glauben, daß Der Stahlhelm reaktionäre Bestrebungen unterstützen könnte. Der Stahlhelm war unD ist niemals Kampf truppe einer reaktionären Gruppe. Wer wie Der Stahlhelm Die ilebertoinbung Der heutigen liberalistischcn und im Klassenkampf auf gespalteten Wirtschaft will, kann nicht reaktionär sein. Die soziale Aufgabe, Die sich der Stahlhelm bei feiner Gründung gestellt hat, beweist sein positives soziales Wollen für seine MitglieDer unD das gesamte deutsche Volk. Ich bin auch nicht a l s Parteimitglied in das Kabinett eingetreten, sondern nur a l s Bundes» führer des Stahlhelms. UnD solange ich diesem Kabinett angehöre, wird auch der Stahlhelm dieses Kabinett mittragen! Juristische Prüfungen für Mitglieder nationaler Verbände erleichtert. Berlin. 6. April. (ERD.) Amtlich. Der Kommissar des Reiches für das preußische Justizministerium wirb eine Verfügung veröffentlichen, nach Der Rechtskandidaten und Referendare, die als Mitglieder einer Der anerkannten nationalen Verbände im vaterländischen Dienst eine gewisse Zeit hindurch tätig gewesen sind, zum Ausgleich einer dadurch verursachten Behinderung des Ausbildungsganges auf Antrag Die juristischen Prüfungen in abgekürzter Form ablegen können. Die zu abgekürzten Prüfungen zugelassenen Rechtskandidaten sind von der Anfertigung Der sechswöchigen Hausarbeit befreit unD haben an ihrer Stelle eine weitere fünfstündige Klausurarbeit abzuliefern. Wird ein Referendar zur großen Staatsprüfung in abgekürzter Form zugelasfen, so braucht er die erste dreiwöchige Hausarbeit (das Rechtsgutachten) nicht zu fertigen. Prozeßakten zur Anfertigung Der praktischen Arbeit können ihm schon während des Vorbereitungsdienstes bei Dem OberlanDesgericht zugeteilt toerben. Kleine politische Nachrichten. Reichsminister Des Auswärtigen Frhr. von R e u r a t h veranstaltete ein Diner für Den Reichskanzler. Reben Dem Reichskanzler Adolf Hitler sah man unter Den Gästen Reichs- wehrminister von Blomberg, Reichsminister Dr. Goebbels, den Staatssekretär in ber Reichskanzlei Dr. Lammers, Den Polizeipräsidenten der Stadt Berlin von Levetzow unb den Prinzen August Wilhelm von Preußen. • ♦ Der Präsident des Preußischen Landtages hat bic für Samstag um 13 Llhr an» gefeite Plenarsitzung des Landtages wieder abgesagt. Die Abgeordneten find eilbrieflich hiervon verständigt worben, wobei zum Ausdruck gebracht wurde, daß mit ber nächsten Vollsitzung des Preußischen Land.ages vor bem 2. Mai nicht zu rechnen fein werde Der Deutsche Aerztetag sollte in der ersten 3unitor± in Frankfurt er Ctadtverordneten- :m Schuh ta SA. in die während der ver« -Leutengesch.ützt n der Stadt zu weiteren tungen. Seit den' mte aus dem nörd- les Limburg eine uh, aus Rädern und in ammen. Rachdem die )t dem Kreishaus e in das Gebäude ein, s auf und trieb die Gebäude hinaus. Zimmer des Landrats ud bedrohte ihn. Der un unter Polizei« ige zog dann zum Sc> ntaffe, fefeßte tf : und zwei ÄngesteK. lS Immer des Direl- m M\M daran zog Zwilchen immer stärker Finanzamt und be- Bureaus. Ein Steuer« xrden vorlagen, wurde >nge drang auch in cms >iters ein und bedrohte SL'Leuten gelang nzarnt zu säubern -u zerstreuen. Aus die ommnissen hat der Lebteilung SchuhpoU nach Limburg ver xtfi# ■ASft flbrnüdTng^ ** °°de vom Regicrungs- LS . »ti'-’S NA--«"'" Zur Zeit werden |»r V0N . < V0N len bel^"Achgesührte ben?u,.Ma^ OSL 'itSlager- acht" Äif ° enham leme f?t PrüM,.W wer- s*ss ** S'-S'K rfeg‘>s sMte« 1fe'jRainJeSJtrafie'J Wirtschaff. Frankfurt freundlich. Frankfurt O.M., 7. April. (WTD. Drccht- meldung.) 2m Anschluß an den gestrigen Abend- börsenverkchr eröffnete auch die heutige Mittags« börse in freundlicher Tendenz. Mangels nennenswerter Anregungen allgemeiner Aatur (die Lenkung der Reuyorker Diskontrate fand nur wenig Deachtung) war das Geschäft still, zumal sowohl die Kundschaft als auch die Kulisse keine größere Unternehmungslust bekundete, wobei die anhaltende Schwäche der deutschen Werte an den Auslandsbörsen mitgesprochen haben sollte. Die Llmsahtätigkeit beschränkte sich in der Hauptsache nur auf wenige Spezialwerte, für die hesonderc Motive Vorlagen. So hielt im Zusammenhang mit der heutigen Dilanzsihung das Interesse für IG. Farben (plus 0,50 Prozent) an, ferner waren Elektrische Lieferungen auf den erhöhten Dividendenvorschlag (6 nach 5 Prozent) um 4,50 Prozent fester, ebenso wirkten die Arbeitereinstellungen bei Deutsche Erdöl (plus 1 Prozent) nach. Mehr Interesse wandte sich dem Montanmarkt zu, an dem Gelsenkirchen und Har- pener je 2 Prozent und die übrigen Werte etwa 0,50 bis 1 Prozent gewannen. Don sonstigen Spezialwerten lagen noch Reichsbankanteile in Erwartung günstiger Ausführungen auf der heutigen Generalversammlung um 1,50 Prozent fester. Fest lagen ferner noch Licht und Kraft mit plus 3,50 Prozent und Lahmeyer mit plus 2 Prozent, sowie Kali Westeregeln nut plus 1,88 Prozent und Aschersleben mit plus 0,50 Prozent. Auf den übrigen Marktgebieten betrugen die Besserungen meist von 0,50 bis 1 Prozent. Holzmann lagen zunächst 0,75 Prozent schwächer, konnten sich aber später um , 1,25 Prozent erholen. Deutsche Anleihen lagen sehr still und erneut schwächer. Altbesih minus I 1,13 Prozent, Reubesih minus 0,25 Prozent und späte Schuldbücher minus 1 Prozent, dagegen Reichsbahnvorzugsaktien plus 0,39 Proz. Goldpfandbriefe lagen ebenfalls überwiegend von 0,5 bis 0,75 Prozent niedriger. Liquidationspfandbriefe und Kommunalobligationen lagen nur wenig verändert, ebenso Stadt- und Staatsanleihen. Don fremden Werten konnten sich Zolltürken weiter etwas befestigen, Llngarn-Gold- renten kamen heute nach längerer Pause mit etwa 6,5 Prozent wieder zur Rotiz. 2m Derlaufe erfuhren die Kurse einige Schwankungen, wobei aber die Tendenz eher zur Schwäche neigte. Die wieder 7prozentige Dividende bei 2G.-Farben machte zwar einen guten Eindruck, dem standen aber die Ausführungen Dr. Schachts auf der Reichsbank-Generalversammlung gegenüber, die allgemeine Zurückhaltung auslösten. IG.-Farben! gingen um 2 Prozent, Reichsbank um 1 Prozent zurück und die übrigen Werte lagen 0,5 bis 1 Prozent schwächer. Berlin lebhaft, freundlich. Berlin, 7. April. (WTB. • Funkspruch.) Die Börse stand heute zweifellos unter dem Eindruck der beiden wichtigen Generalversammlungen bei der Reichsbank und der IG.-Farben-Industrie. Mit ebenso großem Interesse, wie man den Abschluß des größten deutschen Industrieunternehmens erwartete, war man aber auch auf die Erklärungen Dr. Schachts hinsichtlich der Weiterentwicklung des Noteninstitutes und der Sicherheit der Währung gespannt. Um so mehr, als gerade in den letz- ten Tagen die Reichsmark aus dem Auslande schwächer gemeldet wurde. Man führt dies zum Teil auf die Rückzahlung des Rediskontkredites zurück, eine wesentliche Rolle dürften aber auch Die relativ großen zum ftoupontermin freigewordenen Markbeträge gespielt haben. Es lagen für heute aber auch eine Reihe von Anregungen aus der Wirtschaft vor. So überraschten die plötzliche Belebung am Kupfermarkt, günstige Berichte über den Inlandsabsatz am Rheinisch-Westfälischen Eisenmarkt, der Abschluß der internationalen Röhrenverhandlungen und nicht zuletzt die 0,50prozentige Diskontsenkung in Neuyork. Das Geschäft war im Vergleich zu den Vortagen etwas lebhafter, da sich einerseits die Kundschaft für Spezialwerte interessierte, anderseits die Kulisse neue Tauschoperationen von Renten in Aktien vornahm. Die Aktienwerte waren daher überwie- ?enb bis z u 1,50 v. h. gebessert, darüber inaus gewannen Julius Berger, Deutsche Erdöl, Niederlausitzer Kohle, Kali Aschersleben, Chade- attien, Elektrisch Licht und Kraft, Lahmeyer, Rheag und Siemens bis zu 3,75 v. h. DEW. erschienen mit Plus-Plus-Zeichen und gelangten 7,25 v. S). über gestern zur Notiz. Vogeltelegraph werden ab heute in konvertierter Form (2:1) notiert, der erste Kurs stellte sich ziemlich paritätisch auf 68. Auf kleines Angebot hin und nur zufälliger Natur lagen berliner Maschinen zu Beginn 1,25 v. h. und Braubank 2,50 v. f). unter gestern. Die Rentenmärkte waren vernachlässigt und überwiegend etwas schwächer. Die Altbesitzanleihe büßte 60 Pf. ein, Jndustrieobligativnen verloren bis zu 0,75 v. h., und ebenso waren Reichsschuldbuchforderungen in diesem Ausmaße rückgängig. Von Ausländern konnten Anatolische Renten um 0./5 v. h. anziehen. Im Verlaufe lieh das Geschäft auch an den Aktienmärkten etwas nach, größere Kursabweichungen traten nicht ein. Vereinzelt bröckelten die Aktienkurse eher leicht ab, während sich ajn Rentenmarkt kleine Erholungen durchsetzen konnten. Am Geldmarkt war die Situation im großen und ganzen gegen gestern unverändert. Der Satz für Tagesgeld stellte sich auf 4 65 v. $). und darüber, vereinzelt auch schon auf 4,50 v. h. Privatdiskonten lagen eher im Angebot, doch war anderseits auch einige Nachfrage vorhanden. Gleichschaltung in der hessischen Zugendverbandsführung. WSR. D a r m ft a ö t, 6. April. 2m Laus« dcs Mittwoch übernahm der kommissarische Dann- führer Hans von Ah den Dorsitz des 2an- desausschusse- Hessen der deutschen Iugendverbände. Zum Geschi.stsführer bestimmte der Dannsührer von Ah Dr. Rohde. Damit ist, wie auch im Reich, die Führung der deutschen 2ugendverbände in nationalsozialistische Hände übergegangen. Wettervoraussage. Der hohe Druck hat seine Lage kaum verändert, sein Kern liegt weiter über Frankreich, dem Kanal und England, nimmt außerdem Den größten Teil von Deutschland noch mit in seinen Bereich. An seiner Dftfeite fließt in Gemeinschaft mit der Rückseite der Polenstörung immer noch Lust aus nord westlicher Richtung zu, welche Anlaß zu Wolkenbil- Dung gibt. Dabei wird aber auch der hohe Druck seinen Einfluß geltend machen und zwischenzeitlich zu Aufheiterung führen. Begünstigt durch Sonnenstrahlung nimmt Dabei tagsüber Die Erwärmung weiter zu. Neue angrenzende Störungstätigkeit über IrlanD unb Schottlanb ist vorerst für unsere Wetterlage bedeutungslos. Aussichten für Samstag: Stellenweise Frühnebel, sonst wolkig mit Aufheiterung, trocken, tagsüber wärmer. (Schluß des redaktionellen Teils.» Frühjahrskuren mit Der Fachinger Heilquelle. Verschiedene Gründe find es, die oft hinderlich sind, eine regelmäßige Kur in einem geeigneten Badeort durchzuführen. Nach Rücksprache mit Dem Hausarzt sollte man in solchen Fällen eine Haus trinkkur mit dem deutschen Heilwasser Staatlich Fachingen vornehmen, Die zu jeDer Zeit bequem und billig durchgeführt werden kann. 113V ver goldene Schnitt des Geschmackes ist bei der Mischung verschiedener Kaffeesorten gar nicht so einfach zu treffen. Eine einzelne Sorte allein hat fast nie alle geschmacklichen Vorzüge, die man von einem guten Kaffee verlangt. Deshalb wird Kaffee Hag aus den feinsten aus« erlesenen süd-und zentralamerikanischen Kaffees gemischt, darunter Hochgewächse aus über 4600 Fuß Höhe. Mischung, Röstung und Coffeinentziehung sind beim Kaffee Hag das Ergebnis 2b jähriger Er« fahrung.-Aber nur beim Kaffee Hag . Kaffee Hag, Qualität und Gesundheit- ein Begriff Kaffee Hag bleibt Kaffee Hag ! 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Sie hotte gefürchtet, daß Ottfried, wenn er wirklich eines Tages auftauchte, sich als unangenehmer Mensch entpuppen könnte; cs schien aber ein gutes Auskommen mit ihm möglich zu sein. Er war ihr nicht unsympathisch, und es gefiel ihr besonders, daß er sie sehr an seinen Dater erinnerte. Sie lud die Herren zu Tisch, und man unterhielt sich während der^Mahlzeit sehr angeregt. Ottfried von Zweilinden dachte verwundert, er hätte nie geglaubt, daß aus einem häßlichen Kinde eine so reizvolle junge Dame werden konnte. Wie zart die Haut Bettinas war, wie wunderhübsch sich der weiße Hals aus dem schwarzen Tüll des Kleides hob, wie das braune, leicht gewellte Haar glänzte und wie tiefblau die großen Augen leuchteten. Wenn das Trauerjahr um war, würde sich Bettina nicht vor den Freiern retten können, die dann alle die hübsche, reiche Herrin von Zweilinden begehrten. Er blickte auf ihre Linke. Bielleicht trug sie schon einen Berlobungsring? Nein, kein einziger Ring schmückte die schlanke, weiße Hand. Also war sie auch nicht gebunden. Er begriff nicht, warum er sich darüber freute. Der Justizrat erzählte, auf welche Weise er heute mit Ottfried von Zweilinden zusammengekommen, und Bettina meinte: „Nun wirst du aber hier Wohnung nehmen bei mir, bis du nach dem Vorwerk übersiedelst. Es steht dir übrigens vom Augenblick an zur Verfügung,.mitsamt dem Betriebs- kapital." Er schüttette ihr lebhaft die Hand. „Wenn du mir eine große Freude machen willst, Bettina, dann laß mich noch heute nach dem Vorwerk bringen, dcunit ich schon heute dort schlafen kann." Zögernd und doch sehr froh setzte er hinzu: „Damit ich schon heute unter dem eigenen Dach ausruhen darf." Bettina neigte den Kopf. „Ich begreife deinen Wunsch und bin damit einverstanden." Der Justizrat meinte, er müsse nun in die Stadt zurück; aber er versprach, im Hotel „Eichkatz" olles zu ordnen und den Koffer direkt nach dem Vorwerk hinauszuschicken. Als er gegangen war, beoaben sich die beiden in den Raum, der früher das Arbeitszimmer von Ottfrieds Dater gewesen. Bettina erzählte von dem Feuer, durch das hier fast alles vernichtet ward, durch das aber auch das Testament gefunden wurde. Jetzt hatte sich Bettina hier ihr Arbeitszimmer eingerichtet, ujü) Ottfried stutzte, als er die Titel der auf dem ScWeibtisch liegenden Bücher las. Er sah Bettina staunend an. „Liest du das wirklich, Betllna, oder ist das bloß so'n Getue?" Sie lächelte: „Prüfe mich, bitte, stelle Fragen aus den Büchern; ich' hoffe, sie dir alle beantworten zu können." „Behüte!" wehrte er ab. „Ich würde mich schon bei den Fragen blamieren. Ich verstehe ja verflixt wenig von der Landwirtschaft. Aber ich will lernen, very well, ich habe einen großen Sock mit gutem Willen aus der Fremde mitgebracht." Später gingen Bettina und er auf den Friedhof, und dann fuhren sie beide mit Inspektor Flügge noch dem Vorwerk. Unterwegs sagte Bettina: „Den juristischen Teil der Sache erledigen wir in den nächsten Tagen, ich meine die Ueberfchreibung des Vorwerks, aber gehören muß dir Jägerhaus von dem Augenblick an, wo du den Grund und Boden bettittst." Auch auf Vorwerk Jägerhaus gab es einen Inspektor. Es war ein jüngerer Mann von guten Monieren und gründlichem landwirtschaftlichen Können. Der neue Herr des Vorwerks stellte sich mit ihm sofort auf freundschaftlichen Fuß, und er handelte dabei sehr klug. Allmählich gewöhnte sich Ottfried von Zweilinden an das neue Leben, aber er war innerlich doch nicht so gefestigt und selbstsicher, wie er äußerlich schien. Er trank gern, und dann flammte sein Jähzorn hoch, schuf Unannehmlichkeiten. Hans 'Durhardt, der Inspektor, versuchte ihn vom Trinken abzubringen, doch es gelang ihm nur teilweise. Ottfried von Zweilinden litt unter der Idee, die zehn Jahre weit drüben über dem Meer hätten ihm alles genommen, was gut an ihm gewesen. Er klagte Durhardt: „Was glauben Sic Mensch, in man für Kneipen ich 'rumgewüstet habe, und mit was für Dreck ich nur manchmal mein Brot habe verdienen müssen! Pfui Teufel, ausspucken möchte ich vor mir selbst, wie ich den Namen Zweilinden durch den Gassenstaub geschleift habe!" Der andere fragte: „Haben Sie jemals Geld oder -Werte veruntreut? Haben Sie sonst Gemeinheiten begonnen, auf die hier Zuchthaus steht oder als Sttafe^die volle Verachtung aller halbwegs anständigen Menschen?" Ottfried von Zweilinden schüttelte den Kopf. „Unsinn! Ich sagte ja, getrunken habe ich und die ekelhaftesten Arbeiten gemacht. Reicht das nicht, mich hier in dieser sauberen Luft zu verachten?" Hans Durhardt lachte: „Sie sollten heiraten, Herr non Zweilinden, an Ihre Seite gehört eine gute, ein wenig resolute Frau, die Ihnen die Spinnennetze aus dem Kopf fegt." Der andere blickte ihn nachdenklich und versonnen an. „Das wäre keine schlechte Idee, auf die Sie mich da gebracht hoben. Aber wer wird mich heiraten? Hier in der Gegend habe ich doch keinen guten Rui, nicht wahr?" „Sie brauchen nur die Hand auszustrecken, und an ;edem Finger baumeln gleich zwei Mädels!" gab Durhardt zurück und streichelte seinen kleinen hellblonden Bart über der Oberlippe. „Sie sind ein wohlhabender Mann, sehen gut aus und haben eine interessante Vergangenheit, was wollen Sie noch mehr, so was reizt die Frauen." Ottfried mußte plötzlich an Bettina denken. Schade, daß nicht er den Familienbesitz von seinem Vater geerbt hatte und Bettina ein armes Mädchen war. Dann hätte er vielleicht Hoffnung gehabt. Bettina war die Frau, die alle guten Eigenschaften in ihm hätte wecken können. Er freute sich immer wie ein verliebter Junge, wenn er sie in Zmeilinden besuchen konnte, und er genoß es wie ein besonderes Glück, wenn sie zuweilen zu ihm sagte: „Du gibst dir redlich Mühe, ein guter Landwirt zu werden!" Der Winter verging, und da Bettina völlig zurückgezogen lebte, fiel es Ottfried nicht auf, daß Wulf Speerau niemals zu ihr kam, obwohl er chr nächster Nachbar war.,Auf dem Vorwerk war er ein paarmal gewesen, und Ottfried von Zweilinden besuchte ihn auch mehrmals auf Schloß Wiesental, das sich immer mehr dem Ruin näherte. Es war jetzt fast niemand mehr in der Umgebung ein Geheimnis, wie es um den Schloßherrn stand. 10. Graf Speerau suchte seit langem in Frankfurt Heiratsvermittler auf und hatte auch in der Tochter eines reichgewordenen Maurermeisters, die der Titel „Graf" blendete, ein Opfer gefunden. Das versetzte Wulf Speerau in gute Stimmung. Seine Zukünftige war schon fünfunddreißig Jahre und wenig hübsch. Aber dos störte ihn nicht, er wollte ja nur ihr Geld, um weiterhin dos Leben zu genießen. An deni Tage, da er sich ihr Jawort geholl und von ihren, Vater die Zusicherung, er würde von ihm am Hochzeitsmorgen eine bedeutende Summe aus- gezahlt erhalten, suchte er ein Weinlokal auf und trank zwei Flaschen Sekt, so daß er schon halb- berauscht nach der Kreisstadt kam. Dort ging er in bas Hotel „Eichkatz", bestellte schweren Burgunder und lud Ottfried von Zweilinden dazu ein, der heute Zum Dämmerschoppen hierhergekommen war. Es war eine Woche vor Weihnachten, und draußen begann es zu schneien. Aber im Zimmer war es mollig warm, und alle Herren, die sich zusammengefunden, befanden sich in fröhlicher Stimmung. ^Bor der Flasche Burgunder saßen Ottfried von Zweilinden und Wulf Speerau. Sie tranken sich zu, und der Graf sagte: „Ich heirate nächstens, es ist mir zu einsam in Wiesental." „Wer ist es?" fing man an zu raten. ©r lachte: „Die Derlobungskarten werden es melden." Ein guter Bekannter flüsterte ihm ins Ohr, doch leiöer so laut, daß es alle hören konnten: „Es ist wahrscheinlich Bettina Claudius?" Wie Eifersucht sprang es da Zweilinden an, und er wartete gespannt auf die Antwort des neben ihm Sitzenden. Wenn jemand viel'getrunken hat, spricht er meist lauter, als er beabsichtigt, und so tarn die Antwort denn auch allen vernehmbar: „Nee, danke! Ich halle wohl mal im Frühling die Idee, aber ich bin froh mich noch rechtzeitig gedrückt zu haben." Dabei lächelte er ironisch. Ottfried von Zweilinden taumeüe hoch, der ver- ächlliche Klang der Worte hatte ihm weh getan. Wie durfte es auch Speerau wagen, so von Betllna zu sprechen, von diesem Mädchen, die für ihn der Inbegriff von allem Guten und Reinen war. An deren Besitz er, trotz aller Sehnsucht danach, nicht zu denken wagte. Und nun redete dieser Mensch, dem man die Trunkenheit ansah, in wegwerfendem Jon von ihr. Er hatte auch ziemlich viel gettunken und fein Jähzorn mar leicht entfacht. Er sah rote Kreise vor seinen Augen tanzen „Nimm diese Unverschämtheit zurück, Wulf!" schrie er den Grasen an. Der zuckte die Achseln. „Es ist doch keine Unverschämtheit, davon zu reden, was hier jeder weiß. Bettina Claudius hätte mich gern genommen, aber ich wollte sie dann nicht. Ein Mädel, das es einem zu leicht macht, reizt nicht mehr." Da hob Ottfried von Zweilinden die Hand und schlug dem anderen ins Gesicht, einmal, zweimal dreimal. Der Trunkene taumelte hoch, er mühte sich, nüchtern zu werden. Verschwommen empfand er, es mar etwas Furchtbares geschehen, und er wußte sich doch nicht zu helfen, wie er sich jetzt hätte helfen müssen. Er streckte die Arme aus und wollte den anderen packen, aber Zmeilinden halle Riesenkräfte und schob ihn zurück. Drüben in Rio hatte er mit manchem Kerl gerungen, der Stierkräfte besessen. Sie Herren mischten sich ein, versuchten, die zwei, die sich wieder aufeinanderstürzten, zu trennen, doch es gelang ihnen nicht, die Stöße und Püffe Zwei- lindens waren gefährlich. Bis auf die Straße boxte er den großen schlanken Wulf Speerau; und draußen riß er die Peitsche von seinem Wagen und schlug aus den andern los, schrie: „Renne, lauf, daß du heimkommst, sonst jage ich dich hiermit heim!" Und dabei hob er drohend die Peitsche; und da begann der Graf zu laufen, so rasch er nur konnte, noch ein Stück verfolgt von Zweilinden. Wulf Speeraus wüster Kopf begriff gar nichts weiter, als daß er vor dem wütenden Zweilinden ausreißen mußte. Er lief und lief, rannte Kinder und Erwachsene um. .Er erreichte endlich die Chaussee, auf der,s toten- still war. Automatisch lief er weiter, immer weiter. sFortsetzung folgt.) 21. April Beginn der neuen Klaffenloiterie Xofe noch zu Huben bei: Buchacker Stimm Legler Aeuen Säue 11 Dalltorstraße 63 Südanlage 5 2382 Frisch Und ab heute: 2389 C Neueste Ufa-Ton-Woche! Ilie neue am Lager 02215 Irhäinich In ollen Apotheken und Drogerien M. G. Grode, Frankf. Str. ec zss RASSOL 2374 Wir haben unser Augenmerk be- sond. auf Strumpfwaren gerichtet, daher die guten Qualitäten zu besonders billigen Preisen! 1 gr. FI. Mk. 1.50 Jahrelang bewährte Fabrikate dauerhafte Qualitäten und solide Ausstattung denkbar reiche Auswahl sehr niedrige Preise große, helle Verkaufsräume Frühjahrs-Mäntel und Anzüge MlW! für mengen. Verlangen Sie nur echtes Rassol in Originalflaschen u. weisen Sie Nachahmungen zurück. Allein. Hersteller: Engelapotheke Gießen, gu haben in allen Apotheken. Bedenken Sie: Keine beliebigen sondern oofizL - Schuhe In neuen Ausführungen m. Fußstütze jetzt zu M 1250 224-es Ausnahmsweise Samstag, 8. 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