Nr.56 seüharrssabe 183. Jahrgang Dienstag, 7.März 1935 Erschecnt täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Lietzener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vtzugrprelr: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8ernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: fsranlfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck vnd Verlag: vrühl'fche Universitütr-Vuch- und Zteindruckerel TL Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Annahme von anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undfür denAn- zeigenteil i. D. TH.Kümmel sämtlich in Biegen. Der Reichsmnenmimster übernimmt die Polizeigewalt in Hessen. Der nationalsozialistische Abg. Dr. Müller-Alsfeld polizetkommiffar des Reichs für Hoffen. Darmfiadi, 6. Mär;. Reichsinnenminisier Dr. Frick Hal auf Grudd des 8 2 der Verordnung zum Schuhe von Volk und Staat fürdieReichs- regierung d i e Befugnisse der ober st en L a n d e s b e h ö r d e n in Hessen übernommen, soweit diese zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erforderlich ist. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte im Rahmen der angegebenen Befugnis ist Regierungsrat Dr. Mü l l e r vom Finanzamt Alsfeld beauftragt worden. Dr. Müller hat nach einem Telephongespräch mit Reichsminister Dr. Frick in einer Unterredung dem Staatspräsidenten Mitteilung von seiner Bestellung zum Polizeikommissar gemacht und ihm mitgeteilt, dah er offiziell die Dienstgeschäfte übernommen habe. In Begleitung des nationalsozialistischen Gauführers Sprenger und einiger engerer Mitarbeiter befehle Polizeikommissar Dr. Müller unter Mitwirkung der Standarte 115, die durch auswärtige SA. aus dem Odenwald und den benachbarten Bezirken verstärkt war, das Innenministerium, das sozialdemokratische Gewerkschaftshaus, die Wohnungendes Staatspräsidenten Adelung und des Innenministers L e u s ch n e r sowie das verlagsgebäudedes sozialdemokratischen „volkssreund". Die Maßnahmen gingen ohne jeden Widerstand vor sich. Die zahlreichen Schuhpolizeibeamten im Innenministerium und einigen anderen Gebäuden Übergaben ohne widerstand ihre Waffen der SA.-Führung. Der Polizeikommissar des Reiches, Dr. Müller, hat feine Ausgabe bereits übernommen. Eine Bekanntmachung des neuen polizeikommiffars. Mahnung zur Diiziplin und Besonnenheit. Dr. M ü l 5e r Hal gegen Mitternacht folgende B e- kanntmachung an die Bevölkerung Hessens erlassen: Der Reichsminister des Innern hat die Polizeigewalt des Volksstaates Hessen auf mich übertragen. Ich habe heute, dem 6. März 1933, 23.30 Ahr, d i e gesamte Polizeigewalt in Hessen übernommen. Zur Durchführung meiner Ausgabe habe ich den Landtagsabgcordneten Dr. Werner B e st zum Sonderkommissar für das hessische Polizeiwesen mit der Befugnis, mich zu vertreten, und den Polizeioberstleutnant Fendl- S a t o r i u s (bisher Führer der Bereitschaftspolizei in Mainz) zum Führer der gesamten uniformierten Polizei sowie der Gendarmerie Hessens ernannt. Zur Unterstützung der staatlichen Polizei bestelle ich gemäß noch ergehender Anordnungen h i l f s p o l i- zel, die aus den hinter der Reichsregierung stehenden verbänden entnommen werden soll. Ich ermahne die gesamte Bevölkerung, in diesen Tagen des llcberganges ft r e n g st e Disziplin u trb höch ste Besonnenheit zu wahren, um den Organen des Staates, bei denen ausschließlich die Ausübung öffentlicher Gewalt liegt, ihre Aufgabe, die Ordnung und Sicherheit des Landes aufrecht zu er halten, nicht zu erschweren. Der Inhaber der Polizeigewalt: Dr. Müller. Der Umschwung in Darmstadt Aic Hakenkreuzfahne auf allen öfsenNichcn Gebäuden Darmstadt, 6.März. (WSN.) In Darmstadt kam es heute vormittag in der Nähe der Ministerien zu Ansammlungen. In den frühen Morgenstunden war eine schwarz-rot-goldene Fahne auf dem Luifenplatz vor dem Landtags- gebäude verbrannt worden. Auf d e in L a n d- tagsgebäude selbst wurde die Hakenkreuzfahne gehißt. Es wurde auch versucht,, zu Minister L e u s ch n e r vorzudringen, doch verhinderte die Polizei das Eindringen in das ^unisterium. Auf die Nachricht, dah die hessische Negierung die sofortige Einberufung des Landtags zum Zweck der Selbstauflösung beantragt hat, sammelten sich erneut am Luifenplatz. vor dem Landtagsgebäude und den Ministerien große Menschenmassen an, unter denen sich zahlreiche SA.-- und SS.-Leute befanden. Cs wurde von der nationalsozialistischen Standartenkapelle auch ein Platzkonzert ausgeführt. Auf dem Postgebäude, dem Alten Palais, dem Landestheater, der Technischen Hochschule und dem Landtagsgebäude wehen nationalsozialistische Fahnen. Polizei im Stahlhelm versieht den Ordnungsdienst vor dem Palais und den Ministerien. Gegen Abend dehnten sich die Ansammlungen aus und der hessische Gauleiter Reichstagsabgeordneter Sprenger sprach von der Galerie des Landtagsgebäudes zu der Menge, von der das Horst-Wessel-L'ed gesungen wurde. Mit dem Einbruch der Dunkelheit sammelten sich immer mehr Menschen an, die in der Rhein st raße auf- und abwanderten und sich vor dem Ministerium und dem Landtag stauten. Gegen 19 Uhr wurde auf dem Innenministerium die Hakenkreuz- fahne gehißt, wie wir hören mit Genehmigung der hessischen Regierung. Bei dem Hochziehen der Fahne brach die Menge in st ür - mische Heilrufe aus. Dann zog die Menge vor das Stadthaus in der Rhcinstraße und erzwang auch hier das Aufziehen der Hakenkreuzfahne. Auch auf anderen städtischen Gebäuden wurde das gleiche Begehren durchgeführt. Bon der Landtagstribüne aus sprach Landtagspräsident Professor Dr. Werner zu der Menge. Er erklärte u. a.: „Wir stehen an einer vollständigen Wende des deutschen Schicksals für Bolk und Ba- terland. Demzufolge hat die geschäftsführende Regierung, wie das in der Natur der Sache liegt, die Pflicht, sich dem gestern gesprochenen Urteil des hessischen Volkes zu fügen. Die hessische Negierung kann sich diesem Spruch nicht widersehen." Mit einem Sieg-Heil I auf das Deutsche Reich schloß Präsident Werner seine Ausführungen. In den späteren Abendstunden setzten sich die Demonstrationen fort. Bon verschiedenen Häusern wurden die Fahnen der Eisernen Front heruntergeholt. Zu Zusammenstößen ist es nicht gekommen. Die Neuwahl des Landtags. Gleichzeitig auch Kommunalwahlen geplant. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, ist angesichts des gestrigen Reichstagswahlergebnisses damit zu rechnen, daß sich für den Antrag der hessischen Regierung auf Neuwahl die notwen- Der Bremer Senat bietet seinen Rücktritt an. Auch in Bremen ein Polizeikommiftar des Reiches. Bremen, 6. März. (TU.) Der Senat hat folgende Mitteilung an die Bürgerschaft gehen lassen: „Die Senatoren Kaisen, Klemann und Sommer haben in der Senatssitzung am 6. März 1933 folgende schriftliche Erklärung abgegeben : „Der Senat hat in einer heutigen Sitzung beschlossen, auf dem Rathaus die schwarz- weih-rote Flagge zu hissen. Hierin erblicken wir das Symbol einer Aenderung in der Richtung der vom Senat bisher verfolgten Politik. Diesen Beschluß glauben wir nicht mit unserer Verantwortung decken zu können und erklären deswegen hiermit unseren Rücktritt aus dem Senat. Der Senat ersucht die Bürgerschaft, gemäß § 57 der bremischen Verfassung. die N e u w a h l innerhalb zweier Wochen nach Eingang dieser Mitteilung vorzunehmen. In Würdigung der Gesamtlage hat der Senat heute beschlossen, in seiner Gesamtheit zurückzutreten, sobald die Bürgerschaft die verfassungsrechtliche Möglichkeit dafür geschaffen hat." Der Gesamtrücktritt des Senats konnte noch nicht durchgeführt werden, weil die bremische Verfassung einen solchen Fall nicht vorsieht. Es können nur einzelne Senatoren zurücktreten, während der Gesamtsenat nur dann zurücktreten kann bzw. muß, wenn ihm die Bürgerschaft das Vertrauen entzogen hat oder der Senat einen Beschluß der Bürgerschaft nicht zur Durchführung bringen will. Die Notwendigkeit einer Neubildung des Senats wird in allen politischen Kreisen Bremens anerkannt. Da die wegen Nichtrücktritt marxistischer Senatoren in der Bevölkerung Bremens hervorgerufene Erregung den Ausbruch von Unruhen befürchten läßt, hat der Reichsminister des Innern auf Grund des § 2 der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat für die Reichsregierung die Befugnisse der Landesbehörde übernommen, soweit dies zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit erforderlich ist. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Polizei s e n a t o r s hat er den stellvertretenden Direktor des Arbeitsamtes Bremen, Dr. Markert, bis auf weiteres beauftragt. * Auf den Straßen und Plätzen vor dem Bremer Rathaus, auf denen schon während des ganzen Montag ein ungewohnt lebhaftes Treiben geherrscht hatte, sammelte sich am Abend eine unübersehbare Menschenmenge an. Nach 20 Uhr rückten SA., ES., Stahlhelm uni) andere nationale Verbände mit Fahnen und Musik an, von den Wartenden mit lauten Heil-Rufen empfangen. Die am Rathaus eingesetzte starke Abteilung der Bremer Staatspolizei grüßte die Fahnen und Standarten zum großen Teil mit dem Hitlergruh. Die auf Beschluß des Senats seit dem Nachmittag am Rathaus wehende schwarz- weih-rote Fahne wurde unter dem Jubel der Bevölkerung durch Polizeischeinwerfer erleuchtet. Auf dem Balkon des Rathauses nahmen die dige verfassungsmäßige Mehrheit im Hessischen Landtag findet, weil jetzt die Sozialdemokraten für d i e Auslösung stimmen dürften. Sie Sitzung soll noch in dieser Woche stattfinden. Es ist anzunehmen, daß aus parlamentarischen Kreisen beantragt wird, mit der Landtagswahl gleichzeitig die Wahlen zu den kommunalen Körperschaften neu vorzunehmen. Ein entsprechender nationalsozialistischer Antrag liegt bereits seit Dezember vor. Oer neue poftzeikommiffar. Der neue Polizeikommissar für Hessen, Abg. Dr. Müller, ist im Jahre 1896 in München geboren und machte den Krieg als Kriegsfreiwilliger mit. Als Leutnant wurde er 1915 schwer verwundet. Lr ist Leiter de» Finanzamts Alsfeld und Vorsitzender des Finanzausschusses des hessischen Landtags. In der NSDAP, ist er Leiter der Beamtenabteilung des Gaues Hessen und Referent in der Beamtenabteilung bei der Reichsleitung. Außerdem ist er als Verfasser des Buches „Beamtentum und Nationalsozialismus" bekannt geworden. * Ferner wurden ernannt: Diplom-Ingenieur Richard Krüger mit der Leitung der Polizeifunk- sielle in Darmstadt beauftragt, Verwaltungspraktikant Wilhelm Haug (M. d. L.) zum Bureauchef des I Inhabers der Polizeigewalt. Eine Bereitschaft der hessischen Schutzpolizei mußte wegen Weigerung I von SA.-Leuten entwaffnet werden. Führer der nationalen Bewegung Aufstellung. Konsul Bernhard, Bremen, gab den Rücktritt der drei sozialdemokratischen Senatoren und die Einsetzung des Reichskommissars Dr. Markert durch den Reichsinnenmini st e r bekannt. Die Mitteilung wurde mit lautem Beifall ausgenommen. Während die Menge das Horst-Wessel-Lied sang, wurde dann auf dem historischen Rathaus die kurz vorher eingezogene schwarz-weiß-rote Fahne durch dieHakenkreuzfahneer- seht, wobei es wiederum zu stürmischen Zu- stimmungskundgcbungen kam. Vom neueren Teil des Rathauses weht weiter die s^warz-weih-rote Fahne. Der Reichskommissar Dr. Markert gelobte in einer kurzen Ansprache, sein Amt unparteiisch und zum Wohle des Freistaates und des weiteren Vaterlandes zu verwalten. Auch in Lübeck nationalsozialistischer Polizeiherr. Lübeck, 6. März. (TU.) Auf Anordnung des Reichsinnenministers Dr. Frick hat der Gau- Inspektor der NSDAP. Lübeck, Schröder, die Leitung der gesamten Polizei im Staate Lübeck übernommen. Gegen 16 Uhr marschierten darauf die gesamte SS. und SA., der Stahlhelm und zwei Bereitschaften der Polizei vor dem ßübeder Rathaus auf. Nach einer Begrüßungsansprache des neuen Polizeiherrn wurde die schwarzweihrote, die Hakenkreuz und die Lübecker Flagge gehißt. Die bürgerlichen Senatoren forderten die übrigen sechs Mitglieder des Senats, vier Sozialdemokraten und zwei Staatsparteiler auf, zu - rückzutreten. Die Verhandlungen zogen sich sehr in die Länge, da die Senatoren sich Bedenkzeit ausgebeten hatten. Erst als auf Anordnung von Berlin die Bedenkzeit abgelehnt wurde, erklärten die sozialdemokratischen Senatoren L ö - wigt (Bürgermeister), Mehrlein, Haut und Henze sowie der Staatsparteiler Senator E ck h o l d t ihren Rücktritt. Senator Dr. Geister, der sich bis heute abend Bedenkzeit erbeten hat, dürfte ebenfalls noch zurücktreten. Die Vorgänge in Baden. Karlsruhe, 6. März. (TU.) Am Montag-, vormittag wurde von Angehörigen der NSDAP, auf dem Karlsruher Rathausturm eine Hakenkreuzfahne befestigt. Auf den Einspruch des Oberbürgermeisters wurde die Fahne eingezogen und an ihre Stelle eine größere Hakenkreuzfahne aufgezogen. Die anwesenden SA.-Leute sangen dabei das Horst-Wessel-Lied und brachten • drei Heilrufe auf Hitler aus. Weiterhin wurde die Hakenkreuzfahne auf dem Schlohturm, auf dem Polizeipräsidium, am badischen Landtagsgebäude und am Feuerwehrhaus aufgezogen. Das Staatsministerium erließ darau durch Funkspruch die Verfügung, dah die Beflaggung staatlicher Dienstgebäude mit Parteifahnen verboten sei. Die Regierung, die vom Zentrum und der DVP. gebildet worden ist, hielt eine Kabinetts- sitzung ab, in der sie sich mit der Flaggenangelegenheit befahte und teilte mit, die Regierung sei der Hissung der Hakenkreuzflagge auf Staatsgebäuden aus dem Grund nicht entgegengetreten, weil sie Blutvergießen habe vermeiden wollen. Der durch den badischen Gauleiter und Landtagsabgeordneten Köhler schriftlich gestellten Rücktrittsforderung an die Regierung wurde bisher nicht entsprochen. Es soll aber Neigung bestehen, in Verhandlungen über eine Erweiterung der Regierung mit der NSDAP, einzutreten. Wie wir hören, hält jedoch die NSDAP, an ihrer vor wenigen Wochen schon geäußerten Forderung nach beschleunigter Landtagsneuwahl, die erst im Oktober 1933 fällig wäre. fest. Schwere Schießerei in Hamburg Hamburg, 6. März. (TU.) Montagabend kam es zu schweren Schießereien zwischen Polizei und Nationalsozialisten einerseits und Kommunisten andererseits im Gebiet der Großen Freiheit. Dis 22.45 Uhr waren ein Toter und acht Schwerverletzte, darunter drei Polizeibeamte zu verzeichnen. Die Kommunisten beschossen planmäßig marschierende Polizei» und SA.-Kolonnen. Die Polizei glaubte anfangs, durch einfache Absperrung der Straßen und erhöhte Mannschaftseinsetzung die Brandherde eindämmen zu können, jedoch erwies sich, dah sie einem sehr gut ausgerüsteten Gegner gegenüber* stand. Man muhte daher Panzerwagen mit Maschinengewehren und Handgranaten verwenden. Ferner wurde die gesamte verfügbare Polizei Hamburgs an . bec Stadtgrenze zusammengezogen und mit Stahlhelmen ausgerüstet. Außerdem wurde d i e gesamte S A. sowohl aus Hamburg, wie aus )em Altonaer Gebiet alarmiert. Diese mar- chierte geschlossen in das Kampfgebiet. Man st unablässig weiter auf der Suche nach weiteren Verletzten, jedoch ist das Vordringen sehr schwer möglich, da auch die Krankenwagen vonKommunisten von den Dächern herab beschossen werden. Kommunistische Brandstiftungen im Nheinland. Köln, 6. März. (£il.) Der Regierungspräsident zu Köln gibt Kenntnis von einer Reihe von Brandstiftungen im Kreise Bergheim, als deren Urheber Kommunisten erkannt worden sind. In der Nacht zum Sonntag wurde im Kreise Bergheim das Gehöft eines protestantischen Geistlichen von Kommuni st en angezündet. Vier Kommunisten sind festgenommen. Ungefähr zur gleichen Zeit versuchten bisher unbekannte Täter auf Schloß Schlenderhan ebenfalls einen Brand anzulegen. Als die Brandstifter von einem Stahlhelmer überrascht wurden, gaben sie Schüsse ab und schlugen den Stahlhelmer zu Boden. Bei Hinzukommen eines weiteren Stahlhelmmannes flüchteten die Täter. In der Nacht zum Montag brach ein Großfeuer in den Sindorfer Glaswerken aus. Der Nachtwächter wurde von den flüchtenden Brandstiftern beschossen. Die umliegenden Feuerwehren griffen mit Motorspritzen ein und verhinderten ein Uebergreisen auf die eigentliche Glashütte. Das Hauptlagergebäude brannte aber restlos nieder. Ein großer Denzinbehälter konnte vor der Explosion gesichert werden. Sieben Kommunisten wurden unter dem Verdacht dieser Brandstiftung fest genommen. Verhaftungen wegen eines geplante» Anschlages aus den Reichskanzler. München, 6. März. (TU.) Der Polizeibericht meldet: Zwei Kellner, die sich im Arbeitsamt über die Möglichkeit der Er m o r - düng des Reichskanzlers unterbiet» t e n und diesbezügliche Verabredungen getroffen hatten, wurden verhaftet und dem Amtsgericht zugeführt. Wegen Verbreitung hochverräterischer Schriften und Vorbereitung zum Hochverrat wurden sieben Personen fest- genommen. In Preußen schulfrei am 8. März. Berlin, 6. März. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Kommissar des Reiches für das preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Rust, anläßlich der geschichtlichen Wende, die der überwältigende Wahlsieg der Nationalen Front für Deutschland bedeutet, verfügt, daß an sämtlichen ihm unter st ehenden Schulen Preußens am Mittwoch, dem 8.März, der Unterricht ausfällt. Ein Anftuf des Zentrums-parteivorsiandes. Köln, 6. März. (TU.) Der Parteivorstand der Zentrumspartei veröffentlicht einen Aufruf in dem es heißt: In einem beispiellosen Wahlkampf haben die Wähler und Wählerinnen der Deutschen Zentrumspartei aufs neue ihre unerschütterliche Treue bekundet. Ungebrochen und innerlich gefestigt steht die politische Kraft des deutschen Zentrums. Diese Kraft für die nationale Entwicklung einzusetzen, die Volk und Vaterland notwendige Einheit und Befriedung gibt und allein wirtschaftlichen Ausstieg gewährleisten kann, ist die Aufgabe der Führung. Die Deutsche Zentrumspartei ist am 30. Ianuar aus der Mitwirkung an der Regierung ausgeschaltet worden. Aus dem nationalen Leben kann sie nicht ausgeschaltet werden. Eine deutsche Zentrumspartei wird unermüdlich in jeder Lage für Staat und Nation zu schaffen wissen. Oie Rückwirkung der Reichsiagswahl in andern Ländern. Für den kommenden Sonntag ist die Wählerschaft für das Land Preußen erneut auf- gerufen, um mit dem Stimmzettel einzutreten für die Erhaltung einer geordneten Staatsverwaltung in den Gemeinden. Kreisen und Provinzen. Die Selbstverwaltung ist ein hohes Gut. Sie ist Schutz gegen diktatorisch-zentralistische Verwaltung. Selbstverwaltung ist Grundlage eines aufrechten und freien Bürgertums und damit Grundlage eines innerlich gesunden Dolksstaates. Die Zusammensetzung des Preußischen Staatsrates und die Vertretung der Provinzen im Reichsrat wird von der Entscheidung am 12. März abhängig sein. Hugenberg an die Oeuisch- nationale Volkspariei. Berlin. 6. März. (TU.) Dr. Hugenberg hat an die Landesverbände und Kreisvereine der Deutschnationalen Volkspartei einen Aufruf veröffentlicht, in dem es heißt: Die Wahl hat der nationalen Regierung dieMehr- heit gebracht. 2m Reich und in Preußen sind klare Möglichkeiten für eine durchgreifende Aufbauarbeit geschaffen. Dem Marxismus ist der Rückgang zur Macht versperrt. Dem Zentrum ist zum ersten Male seit 1918 seine verhängnisvolle parlamentarische Schlüsselstellung in der deutschen und in der preußischen Politik genommen. Alle außerhalb der geschlossenen Gefolgschaft der Regierung stehenden schwankenden Gruppen sind zu völliger Bedeutungslosigkeit verurteilt. 2m Rahmen der Kampffront Schwarz-Weitz- Rot, Schulter an Schulter mit den in dieser Front stehenden Führern und Verbänden, hat die Deutschnationale Volkspartei alle ihre Kräfte eingesetzt. Der von allen ihren Mitarbeitern in Stadt und Land mit Hingabe geleisteten Arbeit ist der Erfolg nicht versagt geblieben. Es ist gelungen, den Bestand an Wählern und Abgeordneten, den wir im Rovember vorigen 2ahres bei völlig anderen politischen Voraussetzungen unter Gewinn von fast einer Million Wählerstimmen errungen haben, voll zu behaupten. 2n der Preuhenwahl ist das Wahlergebnis des vorigen 2ahres um 40 Prozent verbessert worden. Die Wahlziffern des 5. März haben erneut bewiesen, daß d.e in christlich-konservativer Staatsauffassung unter der fchwarz-weih-roten Dis- ^marckfahne verbundenen Volkskräfte eine starke und unerschütterliche Wurzel darstellen. Den Dank, den die Deutschnationale Volkspartei ihren unermüdlichen opferfreudigen Mitarbeitern schuldet, bitte ich allen denen zu übermitteln, die in dieser Wahlfchlacht in der Front gestanden haben. Schon am nächsten Sonntag ist bei den preußischen Kommunalwahlen eine neue ernste Probe für unsere Kampfkraft abzulegen. Auch hier haben wir die feste Zuversicht, daß es gelingt, in der Selbstverwaltung überall Vertretung zu schaffen, in denen Männer und Frauen unserer Anschauung im Rahmen nationaler Eesomtmehrheiten an dem großen Werke mitarbeiten können, dem sich nunmehr, von parlamentarischen Widerständen befreit, die Regierung der nationalen Einigung widmen kann. Heil Deutschland! gez. Hugenberg. Das Lrgebmsdess.MrzimLcho des Auslandes Das Echo in Rom. R um, 6. März. (TU.) Der Sieg der nationalen Parteien bei den Wahlen findet bei der italienischen Presse ein begeistertes Echo. Die Mittags- blätter werden den Zeitungsverkäufern aus den Händen gerissen, und die deutschen Wahlen bilden das Tagesgespräch Roms. Man betrachtet die Tat- stiche, daß Die Regierung die absolute Mehrheit er» halten hat, insofern als sehr befriedigend, als nunmehr ohne Ueberstürzung mit klarer Ruhe an die Um- und Aufbautätigkeit gegangen werden könne. Auch der M e s s a g e r o" betont, nachdem die rote Hydra zermalmt und die politisierenden Jntrigan- ten und Parteigeister unschädlich gemacht seien, werde der nationalsozialistische Kanzler ohne Behinderung an die vielfachen Aufgaben Herangehen können, die in Deutschland zu lösen seien. Das WahlresuUat spreche eigentlich für sich selbst und bedürfe keiner Erläuterungen. Unter der Ueberschrift „Der Sieg des neuen faschistischen Deutschlands" sagt Gay da im halbamtlichen „Oiornale d'Italia , Weimar sei endgültig tot. Die jetzt noch bestehende Opposition sei geteilt, und wenn in den deutschen Parteien Aufrichtigkeit herrsche, wäre keine Gemeinsamkeit zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten einerseits und dem katholischen Zentrum auf der anderen Seite möglich. Es fei im Gegenteil damit zu rechnen, daß bereits eine Annäherung zwischen dem Zentrum und Reichskanzler Hitler im Gange fei. Mit Weimar fielen zugleich auch die besonders in Frankreich gehegte Illusion, daß der Separatismus in den süddeutschen Ländern eine Rolle spielen könne. Wie alle gesunden und willenskräftigen Völker suche das deutsche Volk, dem Hitler die Treue, den nationalen Stolz und den Unternehmungsgeist wiedergegeben habe, den Grund- und Leitsatz seines Geschickes vor allem in sich selbst. „Der Sieg Hitlers", sagt Gayda, „ist für uns der Sieg der europäischen Kultur. Die Freundschaft und die Zusammenarbeit zwischen Italien und Deutschland werde heute gestärkt durch die betonte Verwandtschaft des Geistes und des Willens. Sie werden immer entscheidendere Faktoren für die Orientierung und den kulturellen Fortschritt in dem unruhigen Europa, das Gerechtigkeit und Einigkeit sucht." Der „L a v o r o F a s c i st a" hebt hervor, daß das Ergebnis der Reichstagswahl einen Triumph der faschistischen Idee darstelle. — Die „Tribuna" bringt einen Leitartikel ihres Direktors Davanzati, in dem es u. a. heißt, das Zentrum habe bisher politische Profite in Verbindung mit der Sozialdemokratie gemacht. Es müsse jetzt versuchen, sich den Folgen seiner Fehler zu entziehen. — Der vatikanamtliche „Osservatore Romano" enthält sich zu den Wahlen in Deutschland jeden Kommentars. Lleberraschung in polen. Warschau, 6. März. (TLI.) Die polnische Presse hat auch diesmal nicht zuletzt auf Grunld entsprechend gearteter Berliner Meldungen, an einen Sieg der nationalen Regierung nicht glauben wollen und ihn zum mindesten als rechd problematisch bezeichnet. Deshalb heute große Lleberraschung. Die offiziöse „Gazeta Pol- s k a" stellt die sophistische Frage, werde dieser Wahlsieg der nationalen Regierung das Ende oder den Anfang des Kampfes darstellen? Das Blatt möchte annehmen, daß der Kampf, worunter es den Bürgerkrieg verstehen möchte, nunmehr erst anheben wird. — Rach dem regierungstreuen „K u r j e r Porannh" sei es klar, daß die eine Million Stimmen, dis die Kommunisten eingebüßt hätten, Hitler zugute gekommen seien, was die Lage sehr originell und fragwürdig gestalte. Daß Hitler selbst nicht die Mehrheit erhalten habe, sei ein Beweis, daß das deutsche Volk ihm sein Schicksal nicht am- vertrauen wollte und daß somit die Entscheidung auch weiterhin in Händen Hugenbergs» liege. Was sagt man in Schweden? Stockholm, 6.März. (TLI.) Das 2nteresse in Schweden für die deutschen Wahlen war beispiellos. Die ganze Rächt hindurch übertrugen alle schwedischen Rundfunksender die Wahlergebnisse und auch die Presse steht vollkommen im Zeichen der Vorgänge in Deutschland. Während ein Teil der Linkspresse — darunter „Sagend Ryheter" — von „unglaublichem Wahlterror" spricht beurteilt die Rechtspresse den Wahlausgang durchaus sachlich und sympathisch. „Sv en- ska Dagbladet" stellt in dem Leitartikel „Regierungssieg in Deutschland" fest, daß die Wahl beweise, wie sehr die deutsche Arbeiterklasse für die nationale Parole zugänglich sei. Der neue Reichstag werde wahrscheinlich in der Hauptsache an Verfassungsfragen arbeiten und das Ergebnis durfte umso durchgreifender werden, als Sozialdemokraten und Kommunisten zusammen nicht einmal ein Drittel der Reichstagsstimmen besitzen. „Das Verbleiben des Kabinetts H i t l e r - P ap en- Hugenberg in unveränderter Gestalt stimmt nicht nur mit den Forderungen der formalen Demokratie überein, sondern ist die beste überhaupt mögliche Bürgschaft für Deutschlands innere Ruhe und wirt^aftliche Konsolidierung. Dänische Stimmen. Kopenhagen, 6. März. (DLL.) Die Morgenblätter veröffentlichen den Sieg der nationalen Front in Deutschland mit riesigen Schlagzeilen. Die gesamte Presse bringt ausführliche Leitartikel. Liebereinstimmend wird festgestellt, ein bedeutendes Moment der Wahl sei darin zu erblicken, daß Hitler namentlich in Süddeutschland einen sehr großen Erfolg erzielt habe. „Derlinske Tidende" (konservativ) stellt weiter fest, die Wahl habe Klarheit darüber geschaffen, daß die nationale Politik wieder eine klare Mehrheit in dem deutschen Volke hinter sich habe und daß die ganze Verantwortung auf dem Kabinett Hitler liege, das in keinem Gegensatz zu der neuen in Preußen zu bildenden Regierung stehen werde. „Sagend Ryheter" (konservativ) stellt fest, daß Der deutsche Parlamentarismus tot sei, der Weg zur Garnisonskirche in Potsdam offen und die Verbindung mit Weimar abgeschnitten sei. Das übrige Europa könne nur hoffen, daß die Wahlen, die fußlange Zeit die letzten sein würden, Ruhe mit sich bringen, deren das Reich im höchsten Maße bedürfe. Weitere preffeftimmen zum Wahlsieg Hitlers. Berlin., 6. März. (CNB.) Die Blätter, die politisch den in der Regierung vertretenen Gruppen nahestehen, sprechen in ihren Kommentaren zu dem Wahlausgang von einem „Siege der deutschen Nation" und dem „Siege der Regierung". Der „Tag" (dtsch.natl.) führt aus, in der berechtigten Freude über diesen Sieg, der unter 14 Jahren erbitterten Kampfes der nationalen Bewegung gegen das System von gestern den Schlußstrich der glatten Rechnung zieht und die Bahn frei gibt für den Kampf für Deutschland, seine geistige und sittliche Erneuerung und wahrhafte innere Konsolidierung, angesichts dieser Wende gilt der erste Dank dem greifen Führer Hindenburg, der den Mut zum 30. Januar hatte und hinter dem nun die absolute Mehrheit seines Volkes steht, um ihm die Verantwortung, die er allein übernahm, freudig tragen zu helfen. — Der ,Lokalanzeige r^ sagt nach Hervorhebung des nationalsozialistischen Sieges, daneben sei der Erfolg der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot an sich fast bescheiden zu nennen. Sie habe aber eine abjolute Stimmenvermehrung erreicht und die in Verhältniszahlen ausgedrückte prozentuale Stärke der Deutschnationalen behauptet. Vor allem aber sei nur zusammen mit i h r die absolute Mehrheit der nationalen Front gegeben. Das und die gerade im nationalen Bürgertum ruhenden sachlichen und moralischen Kräfte machten sie unentbehrlich und ihre Stellung initent- scheidend und unabhängig von allen parlamentarischen Handelsgelüsten der Mitte. Aber wer möchte jetzt an Parteien denken? Um Deutschland gehe es. Und Deutschland habe gesiegt. Von den oppositionellen Blättern nennt die „G e r- m a n i a" (Zentrum) die Wahlen „ungewöhnlich in ihrer Vorgeschichte und in ihrem Ergebnis". Die Zentrumspartei habe sich mit jener Sicherheit behauptet, die immer wieder ein Beweis für die unerschütterliche Treue und Geschlossenheit ihrer Gefolgschaft sei. Eine große Schlacht fei vorüber, aber der Kampf um die Selbstbehauptung des katholischen Volksteiles im Staat und in der Politik müsse weitergeführt werden. Aus der eindeutigen Mehrheit der Regierungsparteien ergäben sich klare Folgerungen. Die von einer Mehrheit des Volkes bestätigte Reicbs- regierung habe die Möglichkeit und damit die heilige Pflicht, verfassungsmäßig zu regieren. Es gebe heute keinerlei „Notstand", es gebe fein Versagen des Parlaments. Die „V o s f i s ch e Zeitung" unterstreicht die Tatsache, daß alle Voraussetzungen für eine stetige Regierungsarbeit gegeben seien. Das „B. T." meint ebenfalls, daß feit langem keine Regierung eine so große Chance gehabt habe, aber auch keine sei mit so großen Verpflichtungen und einem so großen Vertrauensvorschuß an die Arbeit gegangen. Der „Börsencourier" spricht von einer Stabilisierung und Beruhigung der innerpolitischen Zustände, die schon dadurch erreicht sei, daß die neue Regierung jetzt verfassungsmäßig eine unbedingt zuverlässige parlamentarische Basis habe und sich v i er Jahre langher Aufbauarbeit widmen könne, die sie sich vorgenommen habe. Eines der wesentlichsten Ergebnisse sei die Erstarkung der Zentralgewalt in Berlin, die zugleich eine Erstarkung der Reichseinheit bedeute. Die „B ö r s e n z e i t u n g" (konserw) betont, daß, nachdem die Wahl der nationalen Bewegung den großen innerpolitischen Entscheidungssieg gebracht habe, die Regierung nun ihre Aufmerksamkeit der Außenpolitik zuwenden müsse. Sie werde das Bekenntnis der nationalen Mehrheit des deutschen Volkes als die Aufforderung zu einer kraftvollen und kompromihlosen Außenpolitik zu bewerten haben, kompromißlos besonders in Bezug auf den Kämpf um die deutsche Ehre, die deutsche Gleichberechtigung. — Die „Deutsche Tageszeitunq,! (Landbund) sieht in dem gestrigen Tage die Bestätigung dafür, daß wir uns in einer national - revolutionären Periode befinden. Revolutionen, gleichgültig mit welchem Vorzeichen, seien aber kein Dauerzustand, sondern stellten Llebergangserschei- nungen dar. Der Grundtendenz, nach der diese Regierung in ihrer Gesamtheit angetreten sei, entspreche es, wenn ihre Arbeit die Krönung finde in dein Zusammenschmelzen aller Gutgesinnten, aller Staatsbewußten zur Einheit der Ration, einem Ziel, für dgs sich in besonderer Klarheit der Vizekanzler v. P a p e n und die Führer des Stahlhelms wiederholt schon öffentlich eingesetzt hätten. — Die „K r e u z z e i t u n g" (Stahlhelm) sagt, die Demokratie sei mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Das deutsche Volk habe die Revolution, die Herr von Popen von oben einleitete, von unten her bestätigt und weitergeführt. Damit sei der Weg in die Zukunft gewiesen. Die nationale Regierung werde nicht ein Weimar von rechts schaffen, sie werde sich nicht nach irgendwelchen ausländischen Vorbildern richten, sondern einen kraftvollen und eigenständigen deutschen Staat bauen. Kleine politische Nachrichten. Reichskanzler Hitler empfing den Vorsitzenden und Geschäftsführer des Reichsbundes der Kinderreichen. Der Kanzler erklärte, er werde sich gern zu gegebener Zeit der Mitarbeit des Reichsbundes bedienen, um auf den verschiedensten Gebieten grundlegende Aenderungen herbeizuführen, die die Erhaltung der Familie und damit des ganzen Volkes sicherstellen. * Zur Lage nach der Reichstagswahl spricht auf Veranlassung der Reichsregierung der Leiter der Pressestelle der Reichsregierung, Ministerialdirektor Funk, am heutigen Dienstag von 19.30 bis 20 Llhr. Der Vortrag wird über alle deutschen Sender verbreitet. Wo unsere Störche rasten. Von unserer L. O.-Berichterstatterin. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Luxor (Oberägypten), im Vorfrühling 1933. Wer da glaubt, daß sich unsere Störche Aegypten als Winterquartier ausgesucht haben, irrt sich. Der Fremde zumal, der als Tourist reist, und es sich nicht vorstellen kann, daß ein Land, in dem den ganzen Winter über die Orangen- und Mandarinenbäume voller Früchte hängen, zahllose fremde und bekannte Vogelstimmen ihn am Morgen wecken, unserem an manchen Sturm gewohnten Storch, noch immer nicht als Winteraufenthalt genügt. Weil der Fremde aber, wie er annimmt, an jene Orte nicht geführt werden will, an denen die Störche sich in großen Scharen aufhalten sollen, wie er wohl in der Heimat hörte, begibt er sich schließlich selbst auf die Suche. Lind da kann es ihm leicht passieren, daß er jeden zierlichen Kuhreiher für einen jungen Storch hält oder gar für einen 2bis. 2a, solch einer optimistischen Touristin kann noch Qlerge- res zustoßen. Glaubte doch eine von ihnen neulich, statt eines Putenbratens einen schön gebratenen 2bis vorgesetzt bekommen zu haben, dessen zartes Fleisch sie laut pries. Daß niemand bei diesem Ausruf in die Worte ausbrach: „Da brat mir einer einen Storch usw." war wohl darauf zurückzuführen, daß gerade kein Deutscher zur cteile war. Aber allen Ernstes: Der Storch wie der 2bis, das Krokodil und das Rilpserd und die Paphrusstaude sind in Aegypten wild nicht mehr zu finden. Störche sieht man hier zu Zeiten allerdings. Aber nur im Vorüberfluge, auf kurzer Rast ober in Gestalt armer Invaliden, die nicht toeiterfliegen können und zurückbleiben müssen, während ihre Gefährten in gradem Flug die schlammigen Ufer der südafrikanischen Gewässer aufsuchen. Cs ist der Weiße Äil mit seinen Zuflüssen, der sie besonders lockt. Mit voller Genauigkeit ist der Weg, den die verschiedenen Scharen nehmen, nicht festzustellen. Lins interessiert wohl aber zumeist der Weg, den unsere Störche einschlagen. Wan kann durch in ihrer Heimat beringte Restlinge beobachten, daß die im nördlichen Europa brütenden Störche, die sich im August zum Herbstzug sammeln, in südöstlicher Richtung den Weg über den Balkan, Kleinasien und Syrien nehmen. 2n Syrien kommen die ersten Züge schon in der dritten Augustwoche, die letzten aber erst etwa Mitte September an: Hier teilen sich die Scharen. Die einen ziehen den Wustenweg nach Suez vor, wo die ersten bereits Ende August gesichtet werden und gehen, mit kurzer Berührung des Deltas, über das Rote Meer, und kreuzen das Riltal ungefähr erst bei Wadi Haifa. Die anderen halten sich strikt an der shrisch-palästinischen Küste, über- streichen das Sinaigebiet, dos Rote Meer und gelangen, gleich den ersten, auf diesem Wege auch erst in Äubien in das Riltal. 2e näher bte Vogel dem Sudan kommen, desto näher rüden die Felsen und die Wüstenstriche an das Flußbett. Das bewässerte grüne Fruchtland wird demgemäß immer weiter zurückgedrängt und die Futteraufnahme dadurch immer schwieriger. Daraus geht hervor, daß der nördliche Sudan ihr Ziel immer noch nicht sein kann. Das ist, wie erwähnt, der Weihe Ril im südlichen Sudan und seine von Sümpfen, stellenweise auch von Wäldern umgebenen Llfer im weiteren Afrika. Der Llrsprung des Weißen Riis führt auf den „Kagera" zurück, öer sich aus dem Hochgebirge in den schon in Höhe von 1135 Meter gelegenen Viktoria-See ergießt, der weitere schlammige Binnenseen durchläuft und nach Aufnahme verschiedener südafrikanischer Quellenflüsse schließlich den Weihen Ril bildet. Das ihn umgebende Flachland ist eine Kombination von Wüste und Steppe, das in seiner ganzen Ausdehnung von dem Fluh wie von einem weihen dickflüssigen Schlamm-Meer monatelang überschwemmt wird. Die zurückbleibenden ©d)tamm- bänke, Lagunen und Sümpfe, wie die von den Lleberschwemmungen und Regengüssen ausgerissenen Wüstenpflanzen gebildeten 2nfeln bilden nun das Paradies aller Zug», insbesondere aller Wasservögel. Lind hier findet man auch unsere Störche mit allen ihren Ramensvettern in großen und in kleineren Gruppen wieder. Den weihschwarzbefrackten Hausstorch manchmal sorgar in geselliger Vereinigung mit anderen Dogelarten. 2n strenger Absonderung, stets kampfbereit, die schwarzen Störche. Dann die Löffel- und die Tantalusstörche, den Marabu- und den Sattelstorch. Kurz und gut, alt das andere Vogelvolk, das sich aus allen Breiten- und Längengraden hcer wärmen und laben will. Da schwimmen und waten sie futtersuchend zu Hunderttausenden. Zwischen ihnen oft kleinere Vögel, denen sie Schutz bieten gegen die über ihnen kreisenden Geier und Adler. Immer neue Schwärme langen an und verdrängen die anderen weiter in das südöstliche Afrika hinein bis ins Kenja- und Tanganjika-Gebiet, durch Abessinien und Rhodesien bis zum fernen Sambesi-Fluh. Bis in den Oktober folgt ein Zug dem anderen. 2hr Futter finden die Sörche gleich den übrigen Wasservögeln in kleinen Schlangen, Eidechsen, Grillen und vor alten Dingen in Heuschrecken, ihrer Liebtingsnahrung, nach der der Sudaner sie oft auch Heuschrecken-Voget nennt. Etwa Mitte Februar scheint sich der Storch in seinem südlichsten Quartier der fernen Heimat zu erinnern und zum Ausbruch zu „klappern". 2n einem der letzten 2ahre wurden z. D. schon am 24. Februar fünfzig beringte Störche, die dem nordöstlichen Europa angeboren, unter den Trupps gesichtet, die südlich von Rhodesien aufbrachen und etappenweise andere Storchengruppen aufnahmen. Man nimmt an, daß viele dieser Schwärme in ‘Sauerflügen bis Palästina fliegen, wo im März und den ganzen April hindurch mächtige Schwärme anlangen. Wer in dieser Zeit Palästina durchreist, kann, wohin er auch schaut, Störche und immer wieder Störche sehen. Ruhende Störche, schlafende Störche und futter- suchende Störche. Ein großer Teil der aus dem Süden zurückkehrenden Vögel überfliegt auf den Frühlingszugen auch Obetagtsten, oft in solchen kompakten Massen, dah man glauben könnte, ein schwarzes Reh überziehe minutenlang den strahlenden Himmel. Die Fremden, die in dieser Zeit in Luxor weilen, können dann auch erzählen, an ruhigen Stellen des Riis und der Kanäle^ auf deren Schlammbänken und Landzungen, sogar in der Wüste, große Massen ruhender und ihrer Rahrung nachgehender Störche zu finden. Denn auf ihrem Rückfluge lassen sie sich Zeit und haben es sichtlich nicht eilig, ihre nördlich gelegenen Brutstätten zu erreichen. Der Zeppelin als Deutschlands „Visitenkarte^. Die Zeppeline werden in immer höherem Maße ihre praktische Wirksamkeit beweisen, wenn erst der regelmäßige Verkehr mit Südamerika eingerichtet ist. In einem Aufsatz von „Reclams Llniversum" betont Dr. Hugo Eckener die Wirtschaftlichkeit dieser Organisation, die durch den Dau einer Luftschifshalle in Rio de 2aneiro und in Spanien gestützt werden soll. Er erzählt von den großen Leistungen seines Luftschiffes in den letzten Jahren und vergißt auch nicht den ideellen Wert der Zeppelinfahrten, für den das deutsche Volk immer dankbar fein wird. 2n Zeiten, in denen die Welt Deutschland feindlich gegenüberftanb. hat der Zeppelin gleichsam unsere „Visitenkarte" abgegeben und damit einen gewaltigen Eindruck gemacht. „Als wir das erste Mal in den Strahlen der aufgehenden Sonne über Reuyvrk erschienen", schreibt Eckener, „als wir nach einer viertägigen Fahrt über Tokio schwebten, und als wir in der Morgenröte über der schon an sich phantastischen Landschaft und den bizarren Berggestalten der Bucht von Rio de Janeiro dahinfuhren, da haben wir Millionen in den Städten vor Erstaunen gleichsam den Atem anhalten sehen, um dann in einem Taumel wildester Begeisterung auszubrechen. Cs ist nur zu natürlich, daß die Freude über das prächtige Schauspiel dem Llrsprungsland des Schiffes zugute kam, und die Sympathie-Bezeugungen für Deutschland äußerten sich nicht nur in Empfängen und freundlichen Reden, sondern auch in recht realen Begünstigungen, die dem deutschen Handel nützlich sind. Rach dem ersten Besuch über Reu- York sagte mir ein deutscher Importeur dieser Stadt: „Dor Ihrem Besuch war es kaum möglich, wieder in Fühlung mit unseren alten Geschäftsfreunden zu kommen, nach dem Gesuch hat man uns von der Straße hereingerufen und gefragt, weshalb wir uns nicht mehr sehen ließen, und hat von dem Luftschiff und Deutschlands Tüchtigkeit gesprochen." Roch ein anderes Erlebnis schildert Dr. Eckener: „Wir haben uns einmal, als wir über den Genfer See zur Zeit der Lausanner Tagung kamen, die etwas kühne Geste laubt, vor dem Grand Hotel in Ouchy, wo eine Sitzung ftattfanö, die Motoren abzustoppen. Wie ein riesiger Gedankenstrich standen wir unbeweglich vor dem Hotel. Wir konnten sehen, wie Mac Donald und Herriot mit anderen Herren auf den Balkon traten und das Schiff beobachteten. Lind ich las dann in Pariser Blättern, dah Herriot zu französischen Journalisten gesagt hätte: „Die da oben ahnen wohl nicht, wie ehrlich wir uns hier bemühen, zu einer guten Lösung zu kommen!" In der Tat: Wem drängt sich nicht die Empfindung auf, daß ein Widerspruch darin liegt, auf der einen Seite die Verkehrsmittel mit solchem Eifer zu entwickeln und auf der andern Seite sich gegenseitig abzusperren und sich die Zähne zu zeigen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, daß in diesem Widerstreit der Tendenzen Die Technik, wie immer, siegen wird. Denn entweder bringt die moderne Technik die Menschen enger und freundschaftlicher zusammen, oder sie wird zu einer Kraft der Zerstörung, in der alle Kultur untergeht. Roch haben wir offenbar die Technik in ihren Wirkungen nicht meistern gelernt, aber die Aufgabe kann nur die sein, dieses zu lernen und nicht die technischen Möglichkeiten außer Kraft zu sehen." Aus -er provinzialhaupista-t 1 Helft -er Winternothilfe! e4; nun die versonnene Dame mit den drei Schi und. malitiös. lächelnd rief sie ihr zu: „G i iirrnen, Utes (Lust. Bl.) geben?.' Kel. Th2. Bureau be8 Hauses tätig war, bic Erlaubnis zum Witnehmen erhalten und auS dessen Stellung entnommen haben, daß er zu einer derartigen Erlaubnis berechtigt sei. Dieser bestätigte im grölen und ganzen die Angaben des Angeklagten. Allerdings war er in feinen Aussagen zurück- jaltenb. Auch in diesem Falle erfolgte 5ret• pr echung wegen mangelnden Beweises. Problem Nr. 339. Don E. Dething, Aiga. Weih 7 Steine: Kf2; Dg6; Tf6; La5, Bg3, g4. Schwarz 4 Steine: Kd4; Ba7, eo, g5. Bornotizen. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, zum letztenmal das Dauernkriegsdrama „Der Bundschuh" von Karl Neurath (zweiter Abend im Zyklus hessischer Dramatiker). Gewöhnliche Preise. 22. Dorstellung im Dienstag-Abonnement. Ende nach 22.30 Uhr. — Mittwoch, ß. März, 21. Darstellung int Mittwoch-Abonnement um 2 0 Uhr (nicht tote irrtümlich angegeben 19.30 Uhr!) der Schwank „Da stimmt waS nicht" vo Franz Emgesanbt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik tehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Rundfunk und Straßenbahn. Trotzdem von Rundfunkhörern schon verschiedentlich Versuche gemacht wurden, zu erreichen, dah die Gießener Straßenbahn entstört mirtk ist von dem Südwestsunk sowie jetzt durch die Reichspost noch kein Ergebnis erzielt worden. Daß die Entstörung der Straßenbahn ein unbedingtes Bedürfnis ist und jon jedem Runkfunkhörer sehnsüchtig erwartet wird, bedarf wohl keiner besonderen Begründung. Soviel Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach. Weih zieht und seht in drei Zügen matt. Problem Nr. 340. Don F. Möller. Ahlten. Weih 6 Steine: Ka2; De7; Tal; Lh6; Sei, g5. Schwarz 5 Steine: Kd2; Df4; Sd4; Bc4, e2. Weih zieht und seht in zwei Zügen matt. Partie Nr. 244. Aljech'.ns Verteidigung. Gespielt um die Schachmeisterschaft der Stadt Frankfurt a. M. am 2. Januar 1933. Weih W. Orbach (auher Wettbewerb). Schwarz: St. Decker. I.e2-e4, Sg8- f6 2. e4 - e5, Sf6-d5. 3. Sbl-c3, Sd5xc3. 4. b2xc3, d7—d6. 5. e5xd6, e7xd6. 6. d2— d4, Lf8 - e7. (Besser erscheint der Ausbau 6...,d5 ufto.) 7. Lfl -d3, 0-0. 8. Sgl —c2. (Der Spr. strebt nach den Feldern f4 und g3.) 8 Lc8 —g4. 9.0-0. (Dersehll wäre selbstredend 9. f3? wegen 9.....Lh4 usw.) 9...., Sb8-d7. (Schwarz sollte sich hier lieber durch 9..... Sc6 den Rückzug für den D-Läufer vffenhalten.) 10. f2 —f3, Lg4 - h5. (Aus 10 Leb konnte schon 11. db nebst 12. Lxh7+ usw. folgen.) 11. Tal -bl, f7 — f5? (Schwarz beginnt zu künsteln, womit das Schicksal seiner Partie besegelt ist; geschehen sollte ... Tb8.) 12. Se2—f4, Lh5—f7. 13. Ld3xt5, Lf7xa2 (Ganz schön kalkuliert, aber): 14. Lf5-e6+, La2xe6. 15. Sf4xe6, Dd8-c8. 16. Se6xf8, Le7xf8. 17. Ddl-d3!, Sd7-f6. 18. Lei — g5, Sf6-d5. 19.c3-c4, Sd5-b6. 20. Tfl - el. a7-a5. 21 Lg5-e7, a5-a4. 22. c4-c5, Lf8xe7. (Aus 22...., Sd5 entscheidet 23. Dc4 und22.....Sd7. 23. Dc44- nebst 24. Df7 usw.) 23. Telxe7, d6xc5. 24. d4xc5 (Schwarz gab auf, da er eine Figur verliert; z. B: ...24...., Df8. 25. De4! ufto.) Lösung des Problems Ar. 337. Don Dr. Zepler. 1. De5-d5l, Kgl. 2. Tg74- usto. 1. 2. Te7-s- usto. 1...., Tgl. 2. De4-s-usto. 1 2. Ddl-f- usto. 1. ..., h2. 2. Dd3+ usto. Lösung des Problems Ar. 338. Don M. Barulin. l.Sf4—h5! usw. WaswäredasThealerohneQuasseWppe? Theater am Telefon — Telefon am Theater. Von Professor Emil pirchan. Geschäft heute, wie?!" komplizierter Fall. Nero, der Hund der Familie Müller, ist sehr ge- fräßia. Nichts Genießbares ist vor ihm sicher. „Maxi", fragt neulich Frau Müller streng chren Buben, „wo ist die Torte hingekommen, die wir gestern übriggelassen haben?" „Der Nero hat sie gefressen, Mutti!" „Sooo? Und wer hat ihm den Büfettschlüssel ge- Aus der Schachwelt. Im vorjährigen Weihnachtsturnier zu Hastings siegte Flohr 4-7, vor Pive 4™ 6V2. Sultan Khan und L .Steiner je -s- 51/». Michel! -s- 4l/i, Alexander, Mih Menshi! und Sir ThomaS je -s-3V,> Jackson 4-3, Thlor 4-2x/r Aus dem Meisterturnier der Berliner Schach- gesellschast gingen Ahues und K. Richter mrt 4-11 Punkten als Sieger hervor; es folgen: Rellstab 4- 9’A, Gumprich und List je -4- 9. Schlage 4~ 8V2. Helling, Koch und Sämisch je +7, Föhn 4- 61/?, Wächter 4-6, Weichert 4-5, Benko und Eelstner je 4-3'/,. Dodenstein 4- IVa- mal zum HU die automatischen Einstellungen nach Rücksprache mit dem „elektrisch-versierten" Oberleuchter so verstellt, dah sie nicht mehr richtig funktionierten. Da begab sich Fürchterliches! Der Schnürbodenmeister erwischte an Stelle der „Technischen Leitung" daS Sekretariat, dem er lakonisch mitteilte, dah der „Dor-Zug", das „Kopfstück", das erste „Zug-Stück" hängengeblie- ben, da es aus der Rolle geraten sei. Ungläubig antwortete der Angerufene: „Zugstück — kenn ich nicht, aber „aus der Rolle geraten", „hängen- bleiben", das wär allerdings bei unseren Darstellern nicht unmöglich", worauf der Maschinist mit einem unsanften „Rutsch mir den Buckel 'runter!“ geantwortet haben soll ... Sehr erstaunt war der Heizer, als er Mitteilung erhielt, tdah der Rapport der gestrigen Abendkasse nur 231 Mark gewesen sei, wofür er bloß ein verlegen-unpassendes „Ist schon recht!" gefunden hat. Der Inspizient wollte aus dem Versamm- lungszimmer den beliebten jugendlichen Helden zur Probe herbeiholen, aber er erhielt ein rasches „Ist leider nicht bei mir“ von der feschen Stenotypistin als Antwort. Sehr erstaunt war der Dramaturg, als ihm der Portier avisierte, der Geldbriefträger sei da; der herbeigestürmte Augur muhte aber zu seinem bitteren Schmerz mit leerer Tasche „abstinken", denn der Betrag galt dem Oberregisseur für eine Funksendung. Der Direktor wurde wirklich ungebührlich mit dem Auftrag bedacht, heute noch alle Widerstände und die Versahteile zu kontrollieren. Als er über diese unangebrachte Zumutung wütend die Zentrale wählte, schnauzte chn mit seines Basses Grundgewalt der Bibliothekar an: „Mensch, warum bimmeln Sie mich fortwährend an, ich hab' doch gesagt, dah unser Schmierenhäuptling die Textbücher für den ollen Schinken noch immer nicht ...“ — weitet kam er nicht, denn das Hörrohr wurde unsanft in seine Ruhelage zurückgeschleudert. Fast aber hätte die falsche Derbindung zu einer richtigen Derbindung gekuppelt, als der Tenorbuffo den Korrepetitor verständigen wollte, aber die ihm schon lange gewogene Sekretärin ans Hörrohr bekam: „Heute, abends um sechs, können wir das Liebesduett im Ehorsaal endlich so lang versuchen, bis es klappt. Also auf Wiedersehen bei der KuhszeneI" mir bekannt ist, hatte der Südwestfunk zur Entstörung schon damals 1800 RM. bereitgestellt, dis nun auf die Reichspost übergegangen fein sollen. Dizweite Hälfte (die Entstörung soll 3600 RM. kosten) sollte die Stadt Gießen aufbringen. Aber trotz dieses Entgegenkommens lehnte die Stadt Gießen ab. Jeden anderen jedoch, soweit er im Besitz einer störenden Anlage ist, zwingt man dazu, diese zu entstören. Warum nicht auch hier? In anderen Städten ist diese Angelegenheit längst erledigt. Der Rund- funtb rer hat doch ein Anrecht auf einwandfreien Empfang oder er ist, als Gegenmaßnahme, schließlich dazu berechtigt, die monatliche Gebühr so lange nicht zu bezahlen, bis die Beseitigung dieser großen Stör, quelle in Angriff genommen bzw. beseitigt ist. Selbst die Fachgeschäfte, die im Bereich der Straßenbahnlinie liegen, und das ist die Mehrzahl, haben sehr unter dieser Störquelle zu leiden, die sich bei Vorführung eines Geräts auf den Käufer (als Laien) benachteiligend auswirkt. Hoffentlicb bedarf es nur dieses Hinweises, um hier eine Aenoerung eintreten zu lassen und dafür zu sorgen, daß die Entstörung vis zur wärmeren Jahreszeit, wo die Einwirkungen am stärksten sind, durchgeführt ist. B. führung der Operette „Das Dreimäderlhaus“ findet am Samstag, 11. März, als DollSvorstel- lung zu kleinen Operettenpreisen ftatt Anfang 20 Uhr; Ende 23 Uhr. •* Bekämpfung der Schnakenplage. Das Polizeiamt Giehen teilt mit: Die Grundstückseigentümer werden nochmals auf die Bekanntmachung des Kre'.samts Giehen im Amts- Verkündigungsblatt Ar. 70 vom 13. Dezember 1932 hingew.esen, wonach jeder Grundstückseigentümer verpflichted ist, in den Monaten Dezember bis Februar die auf seinem Grundstück befindlichen, den Schnaken zur Brut dienenden Gewässer (Wassertümpel), Regenfässer, Bassins, Wasserlachen, Iauchegruben, Abortgruben usw. mit einem zur Dertilgung der Brut geeigneten Mittel (Saprol, Petroleum ufto.) zu übergießen. Richtbefolgung hat Bestrafung zur Folge. •* Seinen 71. Geburtstag begeht, wie man uns mitteilt, am morgigen Mittwoch Herr Ludwig Euler, Bleichstraße 20. Der Jublllw war 33 Jahre lang als Fuhrmann bei der Firma Lynker tätig und ist dadurch in weiteren Kreisen bekannt geworden. •• Reue Beitragsmarken in der Angestellten-Dersicherung. Dom 1. April 1933 an werden neue Beitragsmarken der Angestellten-Dersicherung ausgegeben, die das gleiche Markenbild wie bisher zeigen, sich aber durch die Farben und einen orangefarbenen Schuhdruck von den bisherigen Marken unterscheiden. Die bisherigen Marken werden von der Post nur bis einschliehlich 31. März 1933 verkauft. Wer nach diesem Zeitpunkte noch Beiträge für die Zeit vor dem 1. April 1933 zu entrichten hat, erhält nur noch die neuen Marken. Es ist ratsam, etwaige Beitragsrückstände noch vor dem 1. April 1933 zu beseitigen. Die Gültigkeitsdauer der bisherigen Marken läuft mit dem 30. April 1933 ab. Sie dürfen also nach dem 30. April 1933 nicht mehr verwendet werden. Unbeschädigte Stücke der bisherigen Marken können bei der Post bis zum 31. Juli 1933 gegen neue Beitragsmarken der Angestelltenversicherung umgetauscht werden. ee Siebente Baugeldzuteilung ber Oef fentlichen Bausparkasse. Die siebente Baugeldzuteilung der Oessentlichen Bausparkasse (Abteilung der Landeskommunal-Girozentrale für Hessen) in Darmstadt findet am Mittwoch, 12. April, in Darmstadt, Landes- kommunalbank-Girozentrale, statt. Zuteilungsberechtigt sind sämtliche Bausparer, deren Der- trag spätestens am 1. Januar 1933 (für Tarif 18 spätestens am 1. Dezember 1932) begonnen hat und die mit Einzahlungen nicht im Rückstand sind. Alle öffentlichen Bausparkassen in Deutschland haben bis Ende 1932 insgesamt 50 211 Bausparverträge über zusammen 258 Millionen Mark abgeschlossen. Davon wurden bisher 7222 Bausparverträge über zusammen 45 445 000 Mark zu- geteilt. Amtsgericht Giehen. In der Rähe der Einmündung des Wetzlarer Wegs in die Frankfurter Strahe in Klein-Linden, einer bekannten Gefahrenstelle für Fahrzeuge aller Art, aber auch für unvorsichtige Fußgänger, rannte ein von Grohen-Linden kommender Radfahrer frühmorgens wider ein Mädchen, das im Begriff stand, die Strahe zu überqueren, um zu ihren bereits vorausgegangenen Kameradinnen zu gelangen. Beide fielen, und das Mädchen wurde leicht verletzt. Der Angeklagte hatte das Gefühl, dah nur dieses an dem Unfall schuld sei, und gab ihm eine derbe Ohrfeige, doch wurde gegen ihn Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung erhoben, der Radfahrer aber frei- gesprochen. Das Gericht nahm an, dah nicht er, der mit mäßiger Geschwindigkeit gefahren und des öfteren Glockensignale gegeben hatte, sondern die Derletzte unachtsam gewesen ist und beim Herannahen des Radfahrers unüberlegt gehandelt hat. Eine vorübergehende Frau hatte kurz vor dem Unfall sich veranlaßt gesehen, dem Mädchen „Achtung" zuzurufen. Dadurch mag es verwirrt worden sein, denn es lief fast in das Rad hinein. Wäre es, wie ein Augenzeuge aussagte, ruhig weitergegangen oder hätte ftidgeftan- den, würde nichts passiert fein. Der Angeklagte, der durch den Unfall schwer zu Schaden gekommen war — er hatte 13 Wochen mit seinen Verletzungen zu tun und wurde daher frei- sprachen. Wegen der Ohrfeige war ihm bereits ein Strafbefehl über 10 Mark zugegangen, den er, da er sich offenbar schuldig fühlte, rechtskräftig werden lieh. Ein wegen Betrugs vorbestrafter auswärtiger Viehhändler soll sich wiederum eines solchen schuldig gemacht haben. Er verkaufte dem Geschädigten eine Kuh als fehlerfrei für 175 Mk., obwohl sie krank und höchstens 100 Mk. wert war. Eie war kurze Zeit vorher von ihm gekauft worden, allerdings ebenfalls als fehlerfrei, so dah ev nach seiner Behauptung vollauf berechtigt gewesen ist, sie auch seinerseits dem Käufer gegenüber als fehlerfrei zu bezeichnen. Es lag aber eine Reihe von Verdachtsmomenten gegen ihn vor, namentlich waren Krankheitserscheinungen aufgetreten, nach denen zu schliehen war. dah er doch um die Krankheit der Kuh wuhte, sie aber arglistig verschwieg. Trotzdem konnte das Gericht sich nicht von der vollen Schuld des Angeklagten überzeugen und sprach ihn wegen mangelnden'Beweises frei. Auch der nächste Angeklagte, ein hiesiger Arbeiter. war wegen wiederholten Diebstahls schon vorbestraft und soll einen solchen erneut begangen haben, indem er ein auf dem Speicher deS Gewerkschaftshauses stehendes altes Rad mitnahm. Er leugnet aber die Diebstahlsabsicht und will von einem Bekannten, der in einem Oie Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedaktionStisch. Die Dame mit den Schirmen. Eine nicht mehr junge Same, die offenbar in schwere Gedanken vertieft war, saß in der Untergrundbahn, um aus einem Berliner Vorort in die Innenstadt zu fahren. Sie hatte ihren Schirm links neben sich gestellt, und als sie aussteigen wollte — fast hätte sie ihre Haltestelle verpaßt — griff sie versonnen und eilig nach der rechten Seite, wo der Schirm einer anderen Same stand, und wollte ihn mitnehmen. Sie Same, die sich beraubt wähnte, rief empört: „Aber bitte! Sie nehmen ja meinen Schirm!" Sie versonnene Same eilte mit einer schnell gestammelten Entschuldigung hinaus. Sie ging bann mit ihrem Schirm in ein bekanntes Schirmgeschäft in der Nähe des Potsdamer Platzes, wo sie zwei in Reparatur gegebene Schirme abholen wollte; die waren fertig repariert, und mit den drei Schirmen, die sie nun hatte, machte sich die ältere Same auf den Heimweg. Sie benutzte wieder die Untergrundbahn, und der Zufall wollte es, daß die empörte Same vom Vormittag wieder in dem Abteil mit ihr saß. Sa sah sie Arnold. Ende 22 Uhr. Gewöhnliche Preise. — 3um Abschluß dcs Hauptmann-Feierjahres bringt der Spielplan am Freitag, 10. März, unter der Spielleitung deS Intendanten daS letzte Werk des nunmehr 70jährigen Dichters Gerhart Hauptmann „Vor Sonnenuntergang" zur Aufführung. Intendant Dr. Prasch selbst spielt die RÄle des Geheimrats Elausen. Die Erstaufführung ist bei gewöhnlichen Preisen die 22. Vorstellung im Fre.tag-Abonnement. Spieldauer von 20 bis 22.45 Uhr. — Die letzte Auf- Wie man vor Erfindung des Telephons ein Theater leiten konnte, ist heute ein Rätsel. Der Herr Tenor sagt plötzlich ab, und nur telephonisch kann aus einer anderen Stadt gerade noch ein Ersah engagiert werden, der vielleicht nur mit Augzeug zur Abendvorstellung eintreffen wird. Immer plötzlich geänderte Proben können nur durch den Fernsprecher den Mitgliedern angelegt werden, die Kritiker vermag man, wenn man Glück hat, noch ebenso zu der Abendvorstellung zu laden. Das Telephonfräulein hat alle Hände und Ohren voll zu tun, um Verbindungen herzustellen: Sechs Meter Samt sind schnellstens zu liefern für ein Kleid der unzufriedenen Primadonna! Hundert Quadratmeter Schirting eilig senden zu einem Transparent, das abends schon ausgemalt spielen muh! Sechzig Programmhefte mehr drucken, da heute ein „starkes“ Haus! Um Gvtteswillen die zwei „Orchesterstimmen" gleich noch nachliefern, sonst kann die Vorstellung nicht stattfinden! Der Heldenvater stellt sein familiäres Mittagessen ab, das Dallettmädchen ihr Rendezvous, well die Probe viel länger dauert. Die beliebten Freikarten sind doch bewilligt, da müssen Freundinnen, Tanten unb gnädige Lieferanten gleich verständigt werden. Das Publikum hängt ungeduldig an der Quasselstrippe, um bei der Kasse Karten zu bestellen, sich über die nächste Besetzung zu erkundigen oder gar Beschwerden zu führen. Aber auch auf der Bühne selbst spielt das Telephon eine oft sehr wichtige Rolle, vom „Marquis von Keith" bis zum „Kopf in der Schlinge" wird mit imaginären an der kaschierten Attrappe eines solchen Apparats zum Scheine, der die Wirklichkeit bedeutet, eindringlich gesprochen ... Was aber als ein „geheiztes Theater" gelten will, hat eine mehr ober minder stattliche Anzahl von automatischen Haustelephonen installiert; der Direktor muß mit der Kasse, die Kasse mit dem Portier, der Portier mit dem Dersammlungszimmer, das Versammlungszimmer mit der Bühne, die Bühne mit der Bibliothek, die Bibliothek mit dem Ballettsaal, der Ballettsaal mit dem Sekretariat, das Sekretariat mit der Kasse, und die Kasse mit dem Direktor zu einem mehr oder minder melodischen Sprechreigen verbindbar sein! Einer der nie aussterbenden Spaßvögel hat Schulentlassung — Berufswahl. Roch drei Wochen, dann verlassen wieder Zehntausende von jungen Leuten die Schule. Sie Entscheidung über ihr künftiges Leben tritt mit allem Emst an sie heran. Welchen Beruf ergreifen? Noch nie ist diese Frage so schwer zu beantworten gewesen, wie gerade jetzt. Immer schlechter sind die Aussichten geworden, beim Handwerk, im Gewerbe, in kaufmännischen Berufen ebenso wie in der akademischen Laufbahn. Auch die Aussichten, die Beamtenlaufbahn einzuschlagen, haben sich verschlechtert. Soweit noch eine Anstellungsmöglichkeit bei irgendeiner Behörde besteht, ist diese denkbar gering geworden. So hat sich bei der Re 1 chsp 0 st der Rückaang der Einnaymen auch auf die Beam- , ten und Angestellten ausgewirkt. Zwar werden im Etat 2000 neue Planstellen für den mittleren und unteren Dienst verlangt, bei insgesamt 240 000 Post, beamten ist die Zahl der neuen Stellen an ftrfjjchon gering. Dazu kommt noch, daß diese neuen «teilen zu einem wesentlichen Teil mit Dersorgungsanwär- tern besetzt werden. Bei der Reichsbahn liegt die Sache ebenso. Auch hier ist in den letzten Jahren ein großer Abbau von Beamten und Angestellten erfolgt. Trotzdem Ist der Bestand an Anwärtern noch sehr groß. Ehe diese nicht untergebracht sind, ist mit einer Öleueinftellung von Schulentlassenen nicht zu rechnen. Sie Reichswehr teilt alljährlich zum Frühjahrs- und Herbstscbul- chluß etwa 9000 Mann ein. Auch hier ist der Anfang sehr groß und die Auswahl dementsprechend ehr sorgfältig. Nur ein geringer Bruchteil der Frei- willigen kann berücksichtigt werden. Sieselben Voraussetzungen (teilt die Polizei an die große Zahl der Bewerber. Hier ist außerdem noch zu berücksichtigen, daß die Anwärter 21 Jahre alt sein müssen, eine Bewerbung für eben Schulentlassene also er ft später in Frage kommt. Im Reichsdienst kommt hauptsächlich die Reichsfinanzverwaltung als Behörde in Frage, bei der Ergänzungen des Personals erfolgen. Aber auch hier sind die Aussichten auf eine Sauereinstellung sehr be- schränkt, denn von den etwa 1300 jährlich benötigten Neueinstelkmgen sind bereits über 300 gestrichen, und soweit vorübergehende Mehrarbeit zu leisten ist, wie zur Zeit der Steuererklärungen, werden Aushilfskräfte auf kurzfristige Kündigung ein- gestellt. Dasselbe gilt auch von der Reichsar - beitsverwaltung. Auch hier begnügt man sich in der Hauptsache mit Aushilfskräften, zumal die Anstellung des Personals bet dieser Behörde nur auf Tarifvertrag nach dem Leistungsprinzip erfolgt, eine Beamteneigenschaft also nicht erworben wird. Ebenso liegt es bei den zahlreichen Kommunal- b e h ö r d e n , wo der Aufgabenkreis bei allen Verwaltungszweigen in den letzten Jahren wesentlich verringert worden ist. Da die freiwerdenden Stellen von abgebauten Beamten anderer Behörden besetzt werden, ist hier zu beachten, daß durch die Außerkraftsetzung des Wohnungsmangelgesetzes unb der damit erfolgten Aufhebung her Wohnungsämter wieder zahlreiche Beamte frei werden, die in anderen Behörden untergebracht werden müssen. Zusammenfasiend muß feftgeftellt werden, daß die öffentlichen Verwaltungen des Reichs, der Län- der und Gemeinden junge Beamtenanwärter vorläufig kaum einftellen und daß die öffentlichen Verkehrsbetriebe, Reichsbahn und Reichspoft, ebenfalls keine erwähnenswerten Anstellungsmöglich- kellen bieten. Nur Reichswehr und Polizei bieten noch Aufnahmemöglichkeiten. Jedoch ist hier zu be- achten, baß von 100 Bewerbern etwa 90 abgewie- fen werben müssen. Es ist zu wünschen, baß dieser Zustand bald ein Ende finden möge. Zackelzug der (5(5./ (5A. und des Stahlhelm. Aus Anlaß des Wahlsieges der Regierungsparteien veranstalteten die Gießener ES. und SA., sowie der Gießener Stahlhelm gestern abend als sichtbaren Ausdruck ihrer Genugtuung über den Wahlausfall einen Fackelzug. Um 20 Uhr stellten sich die SS.-. SA.- und Stahlhelm-Formationen am Brandplatz und vor dem KreiSamt auf. Dor Beginn des Umzuges wurde unter stürmischen Heilrufen die Hakenkreuzfahne am Kreisamtsgebäude gehißt, anschließend fang die große Menschenmenge gemeinsam mit den Teilnehmern des Fackelzuges das Horst-Wessel-Lied. Sodann begann der Umzug, der vom Kreisamt aus durch die Ostanlage, Walltorstrahe, Kirchen- plah, Schulstraße, Sonnenstrahe, Seltersweg, Frankfurter Straße, Liebigstraße. Dahnhofstraße, und Reustadt zum Oswaldsgarten führte. Schon vom Drandplah ab säumte eine große Menschenmenge die Warfchstraßen des Fackelzuges, dem unterwegs vielfach Sympathiekundgebungen bereitet wurden. Hinter einem SA.-Spielmanns- zug und einet SA.-Kap«le marschierten die ES. und SA., die Hitlerjugend, die nationalsozialistische Frauenschaft und zahlreiche' Rationalsozialisten in Zivil, anschließend folgte der Stahlhelm unter Vorantritt seiner StahLelmkapelle. Aus Oswaldsgarten marschierten die Formationen in einem großen Kreis auf, der ebenso wie am Samstagabend wieder von einer gewaltigen Menschenmenge umsäumt wurde. Rach dem Zusammenwerfen der Fackeln sang man unter Begleitung der beiden Kapellen gemeinsam das Deutschlandlied. Mit begeisterten Heil-Rufen auf den Reichskanzler Adolf Hitler fand die em- drucksvvlle Kundgebung ihren Abschluß. Hierauf rückten die Formationen gruppenweise nach chren Standquartieren ab. Heute vormittag kurz nach 7 Uhr marschierte die Gießener SA. unter Witführung ihrer Fahnen zum Stadthaus an der Bergstraße, auf dem die SA. ebenfalls die Hakenkreuzfahne hißte. Ferner wurde die nationalsozialistische Fahne rwch am Stadthaus in der Garte n st r a h e und am A l t e n R a t h a u s gehißt. Ebenso war heute früh am Polizeiamt die Hakenkreuzfahne zu bemerken. Die genannten Gebäude sind außerdem noch in den Landesfarben beflaggt. S.J.-fpor/ Oie Frankfurter OFB.-Generalprobe. Der Gegner für die Nationalmannschaft. Für das ^lebungsspiel, das vom Deutschen Fußball-Bund unter der Leitung von Otto Nerz als Vorbereitung zum Länderkampf gegen Frankreich am Mittwochnachmittag auf dem Eintracht- Platz in Frankfurt veranstaltet wird, ist die folgende Mannschaft als Gegner der Nationalelf aufgestellt worden: Tor: Wolf: Verteidigung: Schreiber, Nadler: Läuferreihe: Knöpf le (alle FSV. Frankfurt), Leis, Dietrich: Sturm: Trump- ler (alle Eintracht Frankfurt), Müller (Karlsruher FV.), Leichter (Union Niederrad), Hensel (FSV. Frankfurt), Grebe (Offenbacher Kickers). Süddeutschlands Handballelf. Das Pokalendspiel gegen Mitteldeutschland. In Leipzig findet am kommenden Sonntag das Endspiel um den DSB.-Handballpokal zwischen den Verbandsmannschaflen von Mitteldeutschland und Süddeutschland statt. Süddeutschland bezwang in Hannover in der Lorrunde den Norden 15:7 und siegte in der Zwischenrunde in Darmstadt über Westdeutschland mit 14:8. Mitteldeutschland gewann in der Vorrunde in Breslau über Südostdeutschland 6:2 und schaltete in der Zwischenrunde Brandenburg mit 7:5 aus. Süddeutschland hat für den Kampf :n Leipzig folgende Els nominiert: Fürther: Däuser, D ö lf cl (Spvg. Fürth): D i ttma r (Darmstadt 98), Gebhardt (Spvg. Fürth), Delp (Darmstadt 98); Pabsdors (Schwanheim), Engclter, Spengler (Waldhof), Z a ch e r l (Spvg. Fürth), F e i ck (Darmstadt 98). Oie Oeutschen bei den Holmenkol-Rennen. Mit einiger Verspätung wird jetzt die genaue Placierung der vier deutschen Teilnehmer an den Holmenkol-Skirennen, die bekanntlich am Sonntag beendet wurden, bekannt. Der Breslauer L e u p o l d kam an die 44. Stelle, Stoll wurde 57., Warg, Aschberg, 60. und W. Bogner, Traunstein, 64. in der Kombination Lang-Sprunglauf. Deutsche Autofahrersiegen in Schweden Einen schönen Erfolg hatten die beiden Berliner Autorennfahrer Pietsch (Alfa Nomeo) und Wimmer (Bugatti) bei einem Eisrennen auf dem Hjämarasee in Schweden zu verzeichnen. Pietsch siegte mit einer Zeit von 28:49,2 für die 22 Kilometer vor Wimmer in 29,52,2 und dem Norweger Björnstadt (Alfa Romeo). Mißglückter Weltrekordversuch. Der deutsche Weltrekordmann im 500-Meter» Drustschwimmen, Paul Schwarz- Göppingen, unternahm am Sonntag in Bremen einen neuen Angriff auf den von dem Franzosen Cartonnet erst vor kurzem ausgestellten Weltrekord über 200 Meter Brust von 2:42,6. Schwarz erreichte nur eine Zeit von 2:44,4 und blieb damit noch über seinem eigenen deutschen Rekord von 2:43,6. Europameisterschaften der Ringer. Die deutsche Vertretung. Zu den vom 17. bis 20. März in Helsingfors zur Durchführung gelangenden Europameisterschaften im Ringen hat nunmehr Deutschland seine Vertreter namhaft gemacht. Es werden starten: Brendel- Nürnberg (Bantam), E h r l - München (Feder), Sperling - Dortmund (Leicht), M ö s ch e l - Köln (Leicht), Földeak - Hamburg (Mittel) und Horns ischer - Nürnberg (Schwergewicht). Hornfischer hat am Sonntag in Nürnberg Ausscheidungskämpfe gegen Laegeler (Stuttgart), Sievert (Darmstadt) und Gehring (Ludwigshafen) ausgetragen, die er alle siegreich beendete. Schottland lädt Oesterreich ein. Der Schottische Fußball-Bund hat dem Oester- reichischen Fußball-Verband eine Einladung zu einem Länderspiel Schottland—Oesterreich zukommen lassen, das auf schottischem Boden stattfinden soll. Ein Termin für diesen Kampf ist noch nicht angegeben worden. Handball im Gau Hessen tO.T.) Io. Klein-Linden I — DSC. Gießen I 9:0 (5:0). Der Turnv. Klein-Linden empfing am Sonntag die erste Handballmannschaft des OSC. Gießen zum Rückspiel. Während das Vorspiel von OSC. mit 3:2 gewonnen worden war, raffte sich diesmal Klein-Linden energisch zusammen, spielte nach anfänglich ausgeglichener Partie überlegen und sicherte sich durch gutes Zusammenwirken den hohen 9:0-Sieg. OSC. Gießen verlor trotz seiner Mißerfolge den Mut nicht und kämpfte durch bis zum Schlußpfiff. Trotz ihrer tapferen Gegenwehr blieb den Gästen, die immerhin einige Tore verdient hätten, das Ehrentor versagt. Oie Jagd nach dem Weltrekord. Mit der Motorisierung des Verkehrs begann schon die Jagd nach dem Schnelligkeits-Weltrekord und die Sucht, immer schneller als der Konkurrent zu sein, trieb es schließlich so weit, daß aus den Rekordversuchen nur noch ein Spiel mit Dem Tode wurde. Für das Publikum bedeuten heute die Rekorde nur noch Sensation, denn vom „Tempo unserer schnellebigen Zeit" kann bei den jüngst vollbrachten Leistungen schon keine Rede mehr sein. Der praktische Wert vieler Rekorde ist gleich Rull, denn auch die Technik kann Naturgesetze nicht brechen. Erst jüngst bewunderte man die Leistung des englischen Rennfahrers Capt. Malcolm Campbell, der den Geschwindigkeits-Weltrekord mit immer wieder neuen und stärkeren Wagen in den letzten drei Jahren angriff und zuletzt am Strande von Daytona Beach im herrlichen Florida einen Durchschnitt von 437,9 Stundenkilometer fuhr. Gewiß eine Leistung, die nicht nur vom Fahrer größte Nervenkraft erfordert, sondern auch eine Zerreißprobe für das Material darstellt, wie sie bisher einem Automobil kaum zugemutet wurde. Die ersten Rekordversuche wurden um die Jahrhundertwende in Frankreich mit den damals noch elektrisch betriebenen Automobilen unternommen. In Achöres waren es zunächst Graf de Chassel und Laubat, die mit 63,157 Stundenkilometer den ersten Weltrekord aufstellten. Mit einem Spezialwagen lief ihnen aber bald ihr Landsmann Jenatzh den Rang ab und innerhalb weniger Monate stand der Weltrekord schon auf 105,8 Stundenkilometer. 1902 hatte mit Serpollet ein anderer Franzose mit einem Dampfwagen Erfolg und schaffte es auf rund 120 Kilometer in der Stunde. Der Amerikaner Vanderbilt war dann der erste aller Rekordfahrer, der am Strande von Florida auf einem deutschen Fabrikat Rekordversuche unternahm und auf seinem Mercedes-Wagen den Kilometer in 24 Sekunden zurücklegte, 148,5 Stundenkilometer waren die Ausbeute. Den letzten geglückten Versuch mit einem Dampf- wagcn machte 1906 in Ormonde der Amerikaner Marriott und schraubte den Rekord auf rund 195 Kilometer. Die 200-kilomeler-Grenze überschritt als Erster hemery auf einem 200 PS starken deutschen Benz - Wagen auf der Brooklandsbahn in England, und mit 211,2 Stundenkilometer hielt Benz bis nach dem Kriege noch den Weltrekord. 1923 tauchte erstmals Malcolm Campbell auf und fuhr in Fanoe mit 219,3 Stundenkilometer seinen ersten Rekord. Nachdem er diese Leistung in Pendine Sands noch zweimal gesteigert hatte, erstand ihm in seinem Landsmann Segraeve ein scharfer Rivale, der auf der gleichen Marke als Erster den Kilometer in einer Geschwindigkeit von weit über 300 Stundenkilometer durchfuhr. Segraeve, der später bei einem Rekordversuch im Motorboot tödlich verunglückte, hatte die famose Rennstrecke in Daytona Beach ausfindig gemacht, die später der Schauplatz aller erfolgreichen Rekordversuche wurde. Seit 1931 gehört Campbell der Automobil-Weltrekord, den er in seinem unbeschränkten Ehrgeiz und seiner Abenteurerlust in jedem Jahr weiter verbesserte und vielleicht auch noch einmal angreifen wird. Der Fortschritt der Technik wird am besten dadurch bewiesen, daß gerade dieser Rekord innerhalb der letzten zehn Jahre um das Doppelte gesteigert werden konnte. Weit übertroffen wird das Automobil allerdings von dem noch jüngeren Motorflugzeug. Beim Schneiderpokal-Rennen der Wasserflugzeuge in England erzielten die Piloten so hohe Geschwindigkeiten mit ihren eigens gebauten Spezialmaschinen, daß es den Zuschauern kaum möglich war, den Flug zu verfolgen. Mit 655,8 Stundenkilometer war Cf. Stainsorth der Schnellste und hält damit auch den absoluten Geschwindigkeits-Wettrekord. Den Rekord auf dem Motorrad entriß der Münchener Ernst Henne erst vor wenigen Wochen dem Engländer Wright mit 244,3 Stundenkilometer, nachdem zwischen beiden Fahrern ein ähnliches Duell wie zwischen Campbell und Segraeve stattgefunden hatte. 201,66 Stundenkilometer erreichte der Amerikaner G a r W o o d als höchsten Durchschnitt auf dem Wasser, und mit 190,3 Stundenkilometer ist ihm der Engländer Eyston im Kleinwagen fast ebenbürtig. Noch schneller als der bisher unübertroffene dampfbetriebene V-Zug, der „Fliegende Schotte" mit 131,3 Stundenkilometer, war in St. Moritz der österreichische Abfahrtsläufer Leo G a s p e r l, der auf seinen Skiern eine abgesteckte Strecke am Steilhang im 136-Kilometer-TemPo durchbrauste. Lieber 100 Kilometer kamen auch die Radfahrer, 1925 war es der Belgier Leon Bänder st uyft, der hinter seinem Schrittmacher Lehmann einen Durchschnitt von 122,7 Kilometer herausholte. Allerdings wurde ihm die Aufgabe durch eine besondere Windschuhvorrichtung noch bedeutend erleichtert. Die Leistung des Engländers Grant, der auf der Pariser Prinzenparkbahn hinter einer gewöhnlichen Schrittmachermaschine mit 60 cm Rollenabstand in einer Stunde 90,971 Kilometer zurücklegte, ist daher wesentlich höher zu bewerten. Die Technik ermöglichte alle dies« Höchstleistungen in der Fortbewegung und man braucht kein Prophet zu sein, um behaupten zu können, daß die heute noch als phantastisch angesehenen Rekorde in wenigen Jahren wiederum übertroffen sein werden. Landkreis Gießen. -f- Wieseck, 3. März. Vor über 100 Zuhörern sprach im hiesigen Obst- und Gartenbauver- e i n in der Roten Schule Diplom-Gartenbauinspektor Rentsch von Friedberg über „Gemüsebau im Hausgarten". Nachdem der Redner einen allgemeinen Ueberblick über Fruchtwechsel, Zwischenpflanzung und Bodenbearbeitung gegeben hatte, befaßte er sich mit den einzelnen Gartengewächsen im besonderen. Eine rege Aussprache vermochte noch manche Frage über Sortenwahl und Selbstheran- zücht von Saatgut zu erklären. Vereinsobmann Leh- rer Beppler gab die Anschaffung einer Karrenspritze zu der im Vorjahre gekauften Rückenspritze bekannt und forderte die Baumbesitzer zu reger Baumpflegearbeit auf. In der anschließenden Vorstandssitzung wurde Karl Bellos als neuer Vereinsdiener bestimmt. Wirtschaft. Oie Wirtschaftslage im Rhein-Main-Gebiet im Februar. Die Wirtschaftslage im Rhein-Main-Gebiet im Februar hat sich gegenüber dem Monat Januar wenig verändert. Die Exportschwierigkeiten dauerten weiter an. Auf dem Binnenmarkt verhielt man sichchangesichts der politischen Lage abwartend. Lediglich einige saisonbedingte Belebungserscheinungen waren zu beobachten. Zu berücksichtigen ist jedoch, daß der Februar im allgemeinen einer der stillsten Monate des Jahres ist. Der Eisensteinbergbau blickt in Anbetracht der zugesagten Staatsbeihilfe mit größerer Hoffnung in die Zukunft, obwohl sich die Aufwärtsbewegung von Absatz und Förderung im Februar nicht in dem erwarteten Umfang fortsetzte. Bei der Land- maschinen-Jndustrie kam in der zweiten Monatshälfte eine etwas freundlichere Stimmung auf. Die Umsätze im Automobilgeschäft haben sich gegen Februar 1932 wesentlich gesteigert, auch das Ex- portgrschäft befriedigt. Der Auftragseingang in der elektrotechnischen Starkstromindustrie ist wieder schlechter geworden. Die Exportschwierigkeiten der Edelmetall» und Schmuckwaren-Jndustrie haben zugenommen: das Jnlandgeschäft zeigte keine Belebung, ebensowenig wie das Gold- und Silbergeschäft. Der Schneidereibetrieb zeigte unveränderten Beschäftigungsgrad. Bei den Schriftgießereien und Chemigraphischen Anstalten zeigte der Auftragseingang vereinzelt leichte Besserung. Die Herrenkonfektion war in Anbetracht der stillen Saison nicht unbefriedigend beschäftigt, das Geschäft in Damenkonfektion ist dagegen besonders stark zurückgegangen. Die Geschäftslage der Schuhindustrie war ruhig. * D i e Preisgestaltung für Möbel. Eine Versammlung der Möbelfabrikanten in Leipzig befaßte sich eingehend mit den zur Rettung und Gesundung des Möbelgewerbes notwendigen Maßnahmen. Das starke Absinken der Preise bringe der Möbelbranche lausend große Verluste, die Listenpreise liegen 43 Prozent unter dem Stande von 1929, die tatsächlichen Verkaufspreise vielfach noch weit tiefer, etwa 30 Prozent unter Vorkriegsstand. Dagegen stehe das Anziehen ‘ der Holzpreise, dessen Anhalten infolge der Zollerhöhungen für Rund- und Schnittholz zu erwarten sei. Es wurde beschlossen, gemäß dem von der Vereinigung der Engros-Möbelfabri- kanten Deutschlands e. V. ergangenen Ausruf die Preise angemessen zu erhöhen. Auch die Organisationen des Einzelhandels haben dieser Maßnahme zugestimmt, die schon bei den Messeverkäufen durchgeführt wird. Gleichzeitig wurden Abwehrmaßnahmen gegen die Preisschleuderei beschlossen. * Russischer Röhre nauftrag perfekt. Aus Essen wird berichtet: Der russische Auftrag auf Lieferung von 70 000 To. Röhren und Zubehörmaterial ist jetzt perfekt geworden, nachdem die Finanzierungsfrage durch die Ueber- nahme einer 60proz. Ausfallbürgschaft durch das Reich gelöst worden ist. Es wird schon für die nächsten Tage mit dem Eingang der Spezifikationen und der Auftragsverteilung auf die einzelnen Werke gerechnet. Was die Verhandlungen wegen neuer russischer Aufträge für den Stahlwerksverband betrifft, so sind diese Besprechungen, die bereits vor mehreren Wochen eingeleitet worden sind, bisher nicht über ein vorbereitendes Stadium hinausgekommen. Die Mengen, die evtl, in Bestellung gegeben werden, stehen noch keineswegs fest, immerhin dürften etwa 200 000 To. Walzwerksmaterialien in Frage Kommen und außerdem etwa 40 000 To. QuÄitätserzeugnisse. Frankfurter Abendbörse: Weiter fest. Frankfurt a. M., 6. März. An der Abendbörse setzten sich die K u r s ft e i g e r un g e n , wenn auch in einem etwas langsameren Tempo fort. Von der Kundschaft waren wieder einige Aufträge eingetroffen, daneben schritt aber auch die Kulisse zu neuen Käufen, so daß das Geschäft im ganzen ziemlich lebhaft war. Gegenüber dem Berliner Schluß betrugen die durchschnittlichen Besserungen anfangs 0,50 bis 0,75 v. H. Bevorzugt blieben IG.-Farben und Montanwerte. Auch im Verlaufe hielt die feste Stimmung an. Bei Spezialpapieren traten neue Erhöhungen von 0,25 bis 0,50 v. H. ein. Für Scheideanstalt kam infolge Fehlens von entsprechendem Angebot keine Notiz zustande. Das Papier notierte gestrichen Geld, und eine verbindliche Taxe war nicht zu erhalten. Heute mittag stiegen sie bekanntlich um 7 v. H. auf 170 v. H. Am Rentenmarkt lagen späte Reichsschuldbuchforderungen bei 79 v. H. fest und 0,75 o. H. höher, während Neubesitzanleihe, allerdings bei etwas größeren Umsätzen, nur knapp behauptet waren. Die Altbesitzanleihe notierte 0,13 v. H. höher, ebenso lagen einige Goldpfandbriefe und Stadtanleihen fester. Neubesitzanleihe 9,55 bis 9,60 bis 9,55 bis 9,60, Altbesitzanleihe 70,30, Schutzgebietsanleihe 6,60, 6prozentige Rheinische Hypotheken- Bank Gold (Reihe 5 bis 9) 87, Reichsbank 152, Buderus 50 bis 50,50, Gelsenkirchen 63,50, Kali Salzdetfurth 185, Mannesmann 64,90, Phönix 37,40, Rheinstahl 81,25 bis 81,50, Stahlverein 37,65 bis 37,75, Bekula 123,50, Licht & Kraft 98,50, IG- Farben 119 bis 119,40, Lahmeyer 124, Schuckert 92,75, Siemens 142,75, Zellstoff Aschaffenburg 26,25, Süddeutsche Zucker 152,50, Reichsbahnvorzugsaktien 95,65, Hapag 18. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 6. März. Der heutigen Getreidebörse fehlte es an Anregungen, und bei kleinem Geschäft blieben die Preise meist unverändert. Auf Grund der wirtschaftlichen Borgänge in USA. herrschte Zurückhaltung. Obwohl die Preise für Mehl und Mühlennachfabrikate etwa 0,25 Mark ermäßigt waren, blieb das Geschäft äußerst klein. Von Brotgetreide lag Roggen etwas höher, ebenso von Futtergetreide Hafer. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in RM.: Weizen 214, Roggen 170 bis 172, Sommergerste 180 bis 182,50, Hafer 142,50 bis 145, Weizenmehl (süddeutsches und niederrheinisches) 30,25 bis 31,25, Roggenmehl 23,50 bis 24,50, Weizenkleie 8,10, Roggenkleie 8,50 bis 8,40, Sojaschrot 10 bis 10,65, Palmkuchen 9,25 bis 9,50, Erdnußkuchen 11,80 bis 12, Treber 12,25, Weizen- und Roggenstroh (drahtgepreßt ober gebündelt) 2,20, Heu (süddeutsches) 4,30 bis 4,50. Frankfurter Kartoffel markt. Frankfurt a. M., 6. März. Industriekartoffeln hiesiger Gegend 1,70 RM. per 50 Kilogramm bei Waggonbezug. Tendenz: ruhig. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H.. Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. 2R. 8erhn Schluß« kurs Echlußk. Abend« dürfe Schlußkurs Gchlußk. Mittag« böüe Datum 4.3. 6.3. 4.3. 6.3. 6% Deutsche Reichsanlethe v. 1921 79 80 79,75 80 6% ehem.7% Dt. ReichSanl. v. 1929 92,75 93 93 93 6%% Doung-Aniethe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablöj.-Schuld mit 80 81,5 81,25 Auslos.-Rechten .......... 70,13 9,1 70,4 9,6 69,9 9,05 70,13 9,45 Desgl. ohne Auslos.-Rechte...... 6% eöem.8% Hess. BolMaat 1929 (rückzahlb. 102%) ........... -7,5 _ 76,65 78 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............ 66 67 Deutsche Komm. Sammelab l.An> leihe Serlel mit AuSlos.-Rechlen 8% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank 65 65,25 64,75 65 Goldpse. 16 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Ban! 85,9 86,5 - — Goldpse. 16 unkündbar biS 1936 V/z% ehem. *yz% Franks. Hhp. Bank»Ltgu.«Psandbrtese ..... — 86,25 — — 86,5 86,75 * ♦ 5'/,% ehem. 4yt% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpfe..... 6% ehem. 8% Pr. Landespfand' 86,5 86,7 - — briet anstatt, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespfand brtefanstalt, Pfandbriefe R. io 84,5 85 84,25 84,75 84,5 4% Oesterretchische Golbrenre... 4,20% Oesterreichtsche Silberrente 13,25 _ — 13,25 — 1,25 1,25 — 4% Ungarische Goldrente ....... —— ■ — 4% Ungarische StaatSrenle v. 1910 — — — — 4'/,% desgl. von l!n3 ........ — — 6% äbgest' Goldmextkaner von 99 6,25 6,25 6,45 6,35 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe 5.35 5,275 5,45 5,4 5,75 5,75 5,6 5,6 5,75 6,9 5,5 6,75 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4Vr%Rumän.vereinh.RenIev.l913 10,1 10,7 10,25 — 4% Rumänische vereinh. Rente .. 5,5 5,6 6,65 5,65 3%% Anatolier ............... 25,75 25,4 25,8 25,5 ifrrannun a. ml Berlin Schluß« hird Gchlußk. Abend» bärse Schluß« kurs Gchlußk. Mittag« börse Datum 4.3- 6.3. 4.3. 6.3. Hamburg-Amerska-Pakei ..... 0 17,5 18 17,65 17,65 Hamburg-Südadi. Dampfschiff. 0 — — 37 Hansa Dampfschiff........... 0 — — 30 — Norddeutscher Lloyd ......... 0 18 18,65 17,9 18,13 A G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 43,65 44,65 43 44,5 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 98 95 95 Commerz, und Prtvat-Bank... O 53 53 53,5 —- Deutsche Bank und Dtsconlo« Gesellschaft................ 0 70,75 70,75 70,75 — Dresdner Bank.............. 0 61,5 61,5 61.5 — Reichsbank ................. 1 150,5 152 150 151,75 A.E.G...................... 0 31 32,9 31 32,5 Clektr. Liefcrungsgesellschaft ... 6 84,5 86 85 90,75 Licht und Kraft ............. 6 94,75 98,5 94 98,5 Felten & Guilleaume ........ O 56 58,5 55,75 57.5 Gesellschaft für Elektrische Unter- nehmungen............... 4 81,75 85,75 81,5 85,65 Rheinische Elektrizität ........ 5 100 102 101 102 Schuckert & Co.............. O 90,5 92,75 89,25 92,75 Siemens & Halske........... 9 137 142,75 135,4 142,5 Lahmeyer L Co.............. 10 120 124 119.4 124 Buderus ................... 0 48,65 50,5 48,25 50 Deutsche Erdöl ............. 4 94,5 98,5 94,25 97,9 Geilenkirchener.............. 0 61 63,5 61 62 75 Harpener................... 0 89 91,25 88,75 90,75 Hoelch Eilen—Köln-Neuelsen.. 0 — —— 58,9 60,75 Jhe Bergbau ............. 7 — 145 141,25 145 Hlse Bergbau Genüsse ........ 7 103,25 106 103,25 105,25 Klöcknerwerke ............... 0 48,25 49,75 48 49,9 Manneömann-Röhren........ 0 62 64,9 61,5 64 ManSselder Bergbau......... 0 28 28,5 27,9 28,25 Oberschlel. Kokswerke......... 0 — 70,75 74,9 Phönix Bergbau............. 0 36 37,4 35.5 36.75 Rheinische Braunkohlen ...... 10 214 214 212 Rheinstahl.................. v 78 81,5 77,9 80,75 Frankfurt a.M. Derlin Schluß« kurs Gchlußk. Abend« börse Schlußkurs Gchlußk. Mittag« börie Datum 4.3. 6-3. 4.3. 6.3. Bereinigte Stahlwerke..... ... u 36 37,75 36 37,25 Olavi Minen ............ ... 0 15,5 15,65 15,13 15.5 Kaliwerke Aschersleben..... ... 6 120 121,75 119.75 121,5 Kaliwerke Westeregeln..... ... 6 121,5 126 121,5 125,5 Kaliwerke Salzdelturth .... ... 9 177,5 185 178,5 184,75 ®. Farben-Industrie .... ... 7 114 119,4 113,75 118,5 Scheidcanstalt............ ...10 161,5 — Goldschmidt ............. ... 0 39 41,5 39,25 40,75 RütgerSwerke............ ... 0 45,25 48,65 45,9 48,4 Metallgelellschaft.......... ... 0 34 36 35,65 36,5 Philipp Holzmann........ ... 0 51 52,5 52,5 50,5 53 Zementwerk Heidelberg ... Cementwerk Karlstadt...... ... 4 ... O 51 Wayß & Frehtag ......... ... 0 4 4 4,25 Schultheis Payenhofer..... Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 ... 0 38,25 39,5 102,9 38,5 106 38,65 Bemberg................ ... 0 48,5 50 47,25 50 Zellstoff Maldhos......... ... 0 51,5 52,5 51,5 52,5 Zellslofs Aschaffenburg .... ... 0 25 26,25 25 26,13 Dessauer Gas ............ ... 7 — — 115 116,75 Daimler Motoren......... ... 0 26,4 — 26 27,65 Deutsche Linoleum ....... ... 0 37,75 39 38,4 38,9 Orenstein ä- Koppel ....... ... 0 45 46 Leonhard Ticy........... ... 6 33 34 33,75 34,25 Thade ................... ...12 125 128,5 125 127 Krihner................. ... O 26 27 27,4 28,25 Mainttaftwerte Höchst a.8L 66,25 66 Süddeutscher Zucker ...... ... 8 152,5 147 — Deoifenmarfl Berlin - Frankfurt a M 4- März 6. März Amtliche Notierung Amtliche ■Notierung Geld Srie Geld Brie Helsingfors.. 6,354 6,366 6,444 6,456 48,45 48,55 48.45 48,55 12,t65 12.485 12,465 12,485 Budapest ... Sofia..... 3,057 3,063 3,047 3,053 Holland .... 170,33 170,67 170.08 170,42 OSlo....... 73 48 73,62 74.53 74,67 Kopenhagen. 63,99 64,11 64,84 84,96 Stockholm... 76,12 76,28 77,12 77,28 London ..... 14,34 14.38 14,58 14,62 Buenos Aires 0,833 0,837 0,833 0,837 Neunork.... 4,209 4,217 4,176 4.184 Brüssel..... 59,12 59,24 58.99 59,11 Italien..... 21,52 21,56 21,52 21,56 Parts...... 16,605 16,645 16,60 16,64 Schweiz ... 82,12 82,28 81,67 81,83 Spanten.... 34,87 34,93 34,92 34,98 Danzig.... 82,47 82,63 82,47 82.63 Japan...... 0,859 0,861 0,869 0,871 Rio de Ian. . 0,239 0,241 0,239 0,241 Jugoslawien 5,554 5,566 5,554 5,566 Lissabon.... 13,07 13,09 13,26 13,28 Banknoten. Berlin, 6.März Geld 23rief Amerikanische Noten....... 4,16 4,18 Belgische Noten........... 58,83 59 07 Dänische Noten .......... 64,47 64,73 Englische Noten .......... 14,54 14,60 Französische Noten........ 16,56 16,62 Holländische Noten........ 169,71 170,39 Italienische Noten......... Norwegische Noten ....... 74,35 74,tf Deutsch Oesterreich, * 1OO Schilling Rumänische Noten........ 2,46 2,48 Schwedische Noten........ 76,95 77,25 Schweizer Noten.......... 81,49 81,81 Spanische Note«.......... 34,78 34,92 Ungarische Noten......... Stila^' rtuniili^ $el u« ’Äj” O ’S 6DV. wr