General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Umverfitäls-Vuch- und Lteindruckerei R. Lange in Sietzen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchufstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20v , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil i. V. Th.Kümmel fämtlich in Bietzen. Erlcheinl täglich, autze, Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustriert, Wietzener Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholl, Monat» vezugspretr: fllit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. zernfprechanschluffe onter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: ürontfurt am Main 11686. Hr 32 Erstes Matt l83. Jahrgang Dienstag, 7. Februar 1933 SietzeimAnjeiger Frankreich sucht einen Ausweg in Genf. FnVoraussicht des Scheiterns des französischen Gicherheitsvorschlags arbeitet Pau -Boncou^ auf beschleunigten Abschluß der Abrüstungskonferenz hin, wobei die deutsche Gteichberech° tigungsforderung auf die zweite Etappe vertagt werden foll. Ein russischer Vorstoß. Litwinow will den Angreifer genau fcstgcstclli wissen. Genf, 6. Febr. (TU.) Der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz setzte am Montag die Aussprache über den französischen Abrüstungsplan fort. Der griechische Gesandte P o l i t i s sah sich veranlaßt, seine Ergebenheit für Frankreich in einer langen Rede zum Ausdruck zu bringen, in der er den französischen Plan als eine Ideallösung schilderte. Er fand hiermit lebhaften Beifall eines großen Teiles des Hauses. Der sowjetrufsische Auhenkommissar Litwinow schlug vor, als Borbedingung für die Lösung der Sicherheitsfrage und damit der Abrüstunasfrage folgende allgemeine Richtlinien für die rZeftstellung der Kriegsoerantwortlichkeit und des Angreifers anzunehmen. Als Angreifer foll nach dem fowjetruffi- schen Antrag bei einem internationalen Konflikt derjenige Staat erklärt werden, der den Krieg erklärt, ohne Kriegserklärung tnili- tärisch das Gebiet eines anderen Staates befehl, Küslenblockade verhängt und sonstige militärische Maßnahmen (Luftangriff, Bombardierung usw.) gegen einen anderen Staat ergreift Als Begründung für einen Angriff dürfen politische, wirtschaftliche und strategische Gründe, die Ausbeutung eines Gebietes, Schuh wirtschaftlicher Interessen, die Nichtanerkennung eines anderen Staates, nicht gelten. Insbesondere wird als Begründung für einen Krieg nicht anerkannt: Die innere Lage eines Staates, revolutionäre Bewegungen, politische und wirtschaftliche Gesetzgebung, Streik, Bruch internationaler Verträge oder der diplomatischen Beziehungen, Boykott, Verweigerung der Schuldenanerkennung, Bruch von Privilegien oder Konzessionen, religiöse oder antireligiöse Maßnahmen,Grenzzwischenfälle und verbot der Waffendurchfuhr. Litwinow bemerkt hierzu, eine eingehende Behandlung der Sicherheitsfrage und der damit zusammenhängenden politischen Fragen bedeute praktisch einen Verzicht auf Abrüstung. Falls man jetzt nicht zu einer Lösung der Sicherheitsfrage komme, müsse man feststellen, daß das Sicherheits- und Abrüstungsproblem für eine Lösung durch eine internationale Konferenz nicht geeignet fei. Die Abrüstungskonferenz müsse die von der Moskauer Regierung vortzeschlagene Bestimmung des Angreifers in das künftige Abkom- men als eine ,,magna Charta der Freiheit der Völker" eingliedern. Genfer Rückzugsgefecht. "Berlin, 6. Febr. (ERB.) Das unumwundene non possumus der englischen Regierung hat mit einem Schlage die Illusionen zerstört, denen man sich in Frankreich über die Verwendbarkeit des „Konstrrcktivplancs" als taktisches Mittel im Kampfe um die Abrüstung hingegeben hatte. England ist mit erfreulicher Deutlichkeit zu seiner schon vor Jahren gemeinsam mit Deutschland vertretenen Auffassung zuruckgekehrt, daß f ü r die Sicherheit, soweit sie überhaupt durch Verträge erreicht werden kann, schon mehr als genug geschehen ist, und daß der zuverlässigste Sicherheitsfaktor eben in öet 016- rüstung liegt. Die italienische Presse nimmt nach den entschiedenen Genfer Erklärungen Aloi- sis auch kein Blatt mehr vor den Mund unR> spricht von einem Plan zur Umgehung der Ab- rüstung und zur Sicherung des französischen Bündnissystems, wobei sie auf die eigenartige Rolle gewisser Verbündeter Frankreichs hinweist, die auf allen Seiten Dort entwaffneten Staaten umgeben sind und doch am lautesten nach neuen „Sicherheiten" rufen. Die Umstellung der französischen Taktik gegenüber dieser restlosen Ablehnung weiterer Sicherheiten durch die für Europa maßgebenden Großmächte tritt bereits in die Erscheinung. Man versucht den unvermeidlich gewordenen Rückzug durch verschiedene Ablenkungsmanöver zu decken. Das Kabinett Daladier, das mit dem Antimilitarismus der Sozialisten rechnen muß, die halb Regierungspartei, halb Opposition sind, glaubt offenbar, für die negative Haltung Frankreichs zur Olbrüstung dadurch Verständnis wecken zu müssen, daß es von außenpolitischen Gefahren spricht oder sprechen läßt. Die E r - eignisseinDeutschland.so berichtet heute der Pariser Korrespondent der „Times", hätten nach französischer Oluffassung einen Kurswechsel überhaupt unmöglich gemacht. Die Heber- zeugnng werde in Paris immer stärker, daß die Gefahr einer ausschließlichen Beherrschung Deutschlands durch die Rationalsozialisten beinahe Mündlich zunehme. Man sei auch geneigt, an hl i Möglichkeit einer Zusammenarbeit der alienischen Faschisten mit den Rationalsozialisten zu glauben. Deshalb könne man von der Olbrüstungskonferenz nur noch ein ganz bescheidenes Ergebnis erwarten. In das gleiche Kapitel gehört es, wenn der Genfer Berichterstatter des offiziösen Petit Pa- risien eine plumpe Hetze gegen den Frei- toi lligen Arbeitsdienst, den er als verkappte Ausrüstung hinstellen will, unternimmt. Daladier sprach in seiner _ Regierungserklärung von den „befreundeten Mächten und allen, die guten Willens sind". Will er nach berühmten, aber von ihm selbst stets abgelehnten Vorbildern nunmehr auch unter fadenscheinigen k Vorwänden die „Böswilligkeit" Deutschlands zum Ausgangspunkt seiner Po i.ik i achen? Das würde die Vermutung begründen, daß auch er den „möglichst geringen Rüstungsaufwand", von dem die gleiche Erklärung spricht, auf einem möglichst hohen Bibeau halten möchte. öie französische Taktik. Paut-Boncour arbeitet hinter den Kulissen. Gens, 6. Febr. (TU.) 3n den zahlreichen diplomatischen Besprechungen hinter den Kulissen, die mit dem Eintreffen des französischen Außenministers Paul-Boucour begonnen haben, wird gegenwärtig lebhaft der Plan erörtert, angesichts des allgemein vorausgesehe- nen Scheiterns des französischen Sicherheits- und Abrüstungsplans nunmehr zu einem baldigen Abschluß der Olbrüstungskonferenz zu gelangen. Genf, 6. Febr. (TU.) Die deutsche Abord- nung auf der Abrüstungskonferenz hat ein Arbeitsprogramm für die Konferenz ausgearbeitet. Sie begrüßt die Vorschläge des englischen Arbeitsprogramms als ein Mittel für die Beschleunigung der Arbeiten, lehnt jedoch den Vorschlag einer mehrjährigen stufenweisen Herabsetzung der Rüstungen auf das entschiedenste ab und verlangt eine w eitgehende qualitative und quantitative Herabsetzung sämtlicher Rüstungen. Selbstverständliche Voraussetzung eines jeden 016» rüstungsabkommens müsse die Beseitigung des Teiles 5 des Versailler Vertrages und die Ersetzung der disherigen Ent- wafsnungsdestimmungen Deutschlands durch das künftige allgemeine A6rüstungsa6kommen bilden. Die Sicherheit Deutschlands müsse in Genf. 6. Febr. (TU.) Der 19er-Ausschuß beschloß, daß in den Empfehlungen des abschließenden Berichtes an die Vollversammlung des Völkerbundes folgende drei Punkte aufgenommen werden sollen: 1. Annahme der 10 Grundsätze des Kapitels 9 des Lytton-Berichtes, indem die Oberhoheit Chinas über die Mandschurei anerkannt wird. 2. Ni ch t a n e r k e n n u n g des neuen mandschurischen Staates, und zwar weder eine rechtliche, noch eine tatsächliche Anerkennung. 3. Uneingeschränkte Einhaltung des Völkerbundsvertrages, des Kellogg-Ver- trages und des Neunmächte-Abkommens von 1921. In den Verhandlungen verlangte M a s s i g l i - Frankreich, daß in den Bericht ferner eine 73er- pflichtung aller Völkerbundsmächte aufgenommen wird, in keinerlei Zusammenarbeit mit dem neuen mandschurischen Staat einzutreten. Auch die amerikanische und sowjetrussische Regierung sollen aufgefordert werden, sich der Nichtanerkennung des mandschurischen Staates und der Nichtzusammenarbeit mit dem mandschurischen Staate anzu- schliehen. — Am Dienstag tritt der Redaktionsausschuh zusammen, um den Entwurf für den Bericht mit den Empfehlungen an die Völkerbundsversammlung auszuarbeiten. Der Zusammentritt der Völkerbundsversammlung wird für Anfang der nächsten Woche vorgesehen. e Man wird die endgültige Formulierung des Berichtes, in dem die Völkerbundsversammlungen ihre Empfehlung im japanisch-chinesischen Konflikt I ausspricht, abwarten müssen, ehe man die Tragweite erkennen kann, die den Beschlüssen des 19er Ausschusses zukommt. Es mutet überraschend cm, I daß nach den überaus langwierigen Verhandlun- Man beabsichtigt in den leitenden französischen Kreisen, möglich st noch bis Ostern dieses Iahres ein internationales Abrüstungsabkommen von der Konseren; annehmen zu lassen, das lediglich einige allgemeine Richtlinien enthält und im wesentlichen sich daraus beschränkt, die geringen bisher erzielten Ergebnisse auf dem Gebiet des Verbots des Gaskrieges, des Bombenabwurfes und der Kontroll-Frage zufammenzufafsen. Die Hauptfragen der Konferenz, die allgemeine Herabsetzung der Rüstungen und die Lösung der Sicherheitsfrage sollen auf die zweite Etappe der Abrüstungskonferenz verschoben werden. Damit soll die erste Etappe der Abrüstungskonferenz mit einer Geltungsdauer bis 1933 abgeschloffen fein. Die Berücksichtigung der deutschen Gleichberechtigungsforderungen foll mit dem Hinweis auf die weiteren Etappen der Abrüstungskonferenz zurückge- fchoben werden. Damit treten die längst erwarteten Pläne der Gegenseite zutage, um die deutsche Regierung in die Zwangslage zu bringen, entweder ein sachlich für Deutschland untragbares, den Cntwasinungszustand des Versailler Vertrages praktisch mindestens für fünf weitere Jahre aufrechterhaltendes Abrüstungsabkommen abzuschlie- hen, ober vor der Welt-Oeffentlichkeit die Verantwortung für den ergebnislosen Ausgang der Konferenz zu übernehmen. dem Abrüstungsabkommen nach dem Grade des Rüstungsstandes der Rachbarstaaten Deutschlands berücksichtigt werden. 3n dem deutschen Arbeitsprogramm wird das entscheidende Gewicht auf einen möglichst baldigen Abschluß der Konferenz und die Rotwendigkeit zu positiven, weitgehenden Ergebnissen gelegt. Die deutsche Abordnung hat selbstverständlich bei der Ausarbeitung dieses Arbeitsprogramms in enger Fühlungnahme mit den Deutschland befreundeten Staaten Oesterreich, Ungarn, Bulgarien und auch Italien gestanden. Ferner wird noch vor der offiziellen Einreichung des Arbeitsprogrammes eine engere Fühlungnahme mit der englischen Regierung erfolgen, deren Arbeitsprogramm in den nächsten Tagen in dem Hauptausschuß der Olbrüstungskonferenz behandelt werden soll. gen, bei denen die verschiedensten Lösungsmöglichkeiten in Aussicht genommen wurden, die unveränderte Annahme des Lyttonberichtes von allen Mächten empfohlen werden soll. Bis zum Beweis des Gegenteils ist nach den bisherigen Genfer Erfahrungen die Annahme berechtigt, daß dieses völlige Timschwenken den Verzicht auf eine fachliche und die Beschränkung auf eine rein formale Lösung des Konfliktes bedeutet. War schon der Lhttonbericht selbst angesichts der in der Mandschurei geschaffenen vollendeten Tatsachen im Augenblick seiner Veröffentlichung nur mehr eine theoretische Demonstration, so werden es die darauf aufgebauten Empfehlungen der Völkerbundsversammlung in noch höherem Grade sein. Die tatsächliche Zusammenarbeit der maßgebenden Mächte mit dem Mandschureistaat auf den verschiedensten Gebieten des praktischen Lebens, wie insbesondere auch die Verhandlungen über seine Haftung für die Finanzverpflichtungen des „alten Regimes" sind bisher bei den offiziellen Genfer Kundgebungen ignoriert worden und werden kaum durch weiteres 3gnorieren oder irgendwelche „Empfehlungen" aus der Welt zu schaffen fein. Roch weniger wird man, auch bei einstimmiger Annahme dieser Empfehlung mit irgendwelchen Sanktionen gegen 3apan zu rechnen haben. Dagegen wird um den Preis einer gewissen Abkühlung der Beziehungen Japans zum Böller- bund. mit dem vorbehaltlosen Bekenntnis zu den Grundsätzen des Paktes dieser selbst wieder einmal gerettet und die leidige Angelegenheit erledigt sein. Die praktische Regelung der mit der Mandschutuo zusammenhängenden Frage wird — wie auch die Genfer Beschlüsse im einzelnen aussehen mögen — weiterhin Sache direkter diplomatischer Verhandlung em unter den Hauptbeteiligten, einschließlich Amerika und Rußland, sein. Japan lehnt die Genfer Beschlüsse ab. Tokio, 7. Febr. (Sil.) Am Montagabend hat sich das japanische Kabinett in Gegenwart von Vertretern des Heeres und der Flotte mit der Lage in Genf beschäftigt. Der Außenminister betonte, die japanische Regierung könne die Beschlüsse des Reunzehner-Ausschusses nicht anerkennen. Das Kabinett billigte die Haltung der japanischen Abordnung in Genf vollkommen. Die Beschlüsse des Reunzehner-Ausschusses würden, so wurde gesagt, auf die militärischen Operationen in der Provinz 3ehol keinen Einfluß haben. Japans Vormarsch gegen Iehol. Peking, 6. Febr. (WTB. Reuter) Aus chinesischen Quellen verlautet, daß japanische Streitkräfte aus der Mandschurei auf drei Straßen gegen 3 ehol vorzumarschieren beginnen. Die Operationen gehen von Kailu, Linnan und Tschau-3ang aps. 3n Tungliau sind gestern nachmittag drei japanische Militärzüge angekommen, die 2000 Wann Infanterie und Kavallerie brachten, ferner zahlreiche Automobile und Feldkanonen. 2000 Mann japanischer 3n- fanterie und Kavallerie sollen ferner auch in Suitschung nahe der Großen Mauer angekommen sein. Aus gleicher chinesischer Quelle verlautet, daß starke chinesische Freiwilligentruppen die 3apaner in der Rähe von Tschumen angegriffen haben. Es sei zu Kämpfen gekommen, die gestern den ganzen Tag über angedauert hätten. Roch keine llebergabe des holtändischen Panzerkreuzers. Die Meuterer funken: „Alles wohlauf". Haag, 7. Febr. (WTB. Funkspruch.) An zuständiger Stelle ist nicht das geringste davon bekannt, daß der Panzerkreuzer „Sieben Provinzen" von den Meuterern bereits übergeben worden sei. An der Verfolgung des meuternden Panzerkreuzers nehmen jetzt außer dem „Aldebaran" ein Minenleger, zwei Unterseeboote und drei Marineflugzeuge teil. 3nzwifchen sind auf dem „Aldebaran" zwei weitere Funk- sprüche der Meuterer ausgenommen kvor- den. Der eine teilt mit, daß die Besatzung der „Sieben Provinzen" nur eine Protestkundgebung gegen öle Besoldungskürzung durchführe und bereit fei, sich unter bestimmten Bedingungen zu ergeben. Diese Bedingungen sehen u. a. Straffreiheit für dieMeuterer vor, die sich andererseits für die Sicherheit der gefangen genommenen europäischen Offiziere und Unteroffiziere verbürgen wollen. 3n dem zweiten Funkspruch wird mitgeteilt, daß alles wohlauf fei. Tschechisch-polnische Front. Gegen eine Revision der Verträge. Prag, 6. Febr. (ERB.) 3n der Tschechoslowakei macht sich seit einiger Zeit eine lebhafte Agitation für ein enges Zusammengehen der Tschechoslowakei mit Polen in außenpolitischen Fragen bemerkbar. 3hren ersten Riederschlag hat sie in den kürzlich in Warschau gefaßten Beschlüssen der tschechisch-polnischen Presse-Entente gefunden. Führende Persönlichkeiten der tschechoslowakischen Presse und des Prager Außenministeriums haben sich bei diesem Anlaß für die Zusammenarbeit mit Polen ausgesprochen. Zum gleichen Thema nimmt jetzt der Vertreter Be- neschs, Minister K r o f t a , in der tschechischen Zeitschrift „Democraticky Stred" das Wort. Er erklärt, ein geeintes und freies Polen und eine geeinte und freie Tschechoslowakei seien zwei Grundpfeiler des neuen Europa, die Schwächung, der Zusammenbruch eines der beiden Staaten würde die ganze Ordnung des Kontinents zerstören. Dessen müsse man sich um so klarer bewußt sein, je systematischer diese Ordnung von den verschiedensten Seiten her angegriffen werde. Daraus folge auch das Streben nach einer engeren geistigen Annäherung der beiden Völker. 3n der „L i d o v e R o v i n y", die dem Außenministerium nahesteht, wird wiederum die „unlösbare Verknüpfung" aller revisionistischer Bestrebungen behandelt. Eine Revision des Friedens von Trianon, bekanntlich das Ziel Ungarns, besonders im Hinblick auf die Teile des ehemaligen Königreiches, die jetzt der Tschechoslowakei zugehören, sei von einer Revision der Korridorfrage nicht zu trennen. Die Ausscheidung kleinerer Staaten von der Regelung internationaler Fragen sei ein weiteres beunruhigendes Moment. Um so mehr sei es zu begrüßen, daß in der Tschechoslowakei das 3n- teresse an der Wehrmacht lebhafter zu werden beginne. Auch der bekannte Führer der tschechischen Rationaldemokraten, der Abgeordnete Dr. Kramer, greift in die Diskussion ein. 3n einem Artikel über Daladier und Hitler kommt er gleichfalls zu dem Resultat, daß es für die Tschechoslowakei wünschenswert sei, moralisch und technisch für alle Fälle vorbereitet zu fein. Absurd wäre es, so behauptet er, zu glauben, daß die jetzt regierenden Parteien Deutschlands auf Revanche-Gedanken und auf die Zerreißung des Versailler Vertrages verzichten würden. (Ein russischer Stralosphärenflug geplant. Halbamtlich wird gemeldet, daß in Leningrad der Bau eines Stratosphären-Lust- ba11ons fertiggestellt wurde. Die Gondel des Luftballons fei besser als die P i c c a r d s. Der erste Flug soll etwa am 20. Mai erfolgen. Die Versuche mit dem Stratosphärenballon füllen bereits im März beginnen.__ Das deutsche Arbeitsprogramm. Der Iandschmistaal soll nicht anerlannl werden. Vorschlag des 19er Ausschusses für die Völkerbundsversammlung. zu in und geschliss, SSt Mte uuche Sender ulabikisät Neider «ÄS ^Hedaltjy^ " bl‘ *' "k s«N ente. Die Berliner großen und ganzen raten noch Beffetun- -ozent ein. f war die Stimmung konnte in saft fämt- ieUen. Lebhafter um« eitjen, von denen sich «sitz um 0,20 Prozent ischuldbuchsordermgen Prozent gut behaupt sch durchweg 1 Proz. H Altbesih erneut um mb Teubesih um 0,10 Mien lagen dagegen indert, lediglich Leichs- Dient fester. Altbesih- leubesihanleihe 8,20 bii 5,10, Aeichsbank 141 H Dheinslahl 72,50, Blanin 33,50, AEG. 21, De« 54, Deutsche Siböl 88,50, Farben 104,89, ©effütel ?ahmeyer 114,50, Aüt« Siemens 129, Zellstoff Hn-DA. 91,65, Hapag ' 18,13. treidebörse. Zebr. Infolge "befurch« »Mischer Mahnahmen »rse Zurückhaltung. Auf :i rechnet man in den größerem Angebot per , Bormelbungcn von der Stimmung hier zunächst gen, besonders für Dei- e so gut wie nicht durchlaben innerhalb drei Ta- '5 Pfennig per Doppel- chäft war natürlich noch sich in letzter Zeiliedoch .nsums eingestellt W- etig. Es notierte (@t- gc je 100 Kilo, in loggen 163,50, Gerste ) bis 135, «mehl m.0 28,50 bis 29.75, 50 Weizenkleie 7,50, jaschrot 10,50 bii M Ürdnuhkuchen 12,15 i S)Cu 4,30 bis 4,50, drahtgeprebt ober p rtoficlmarkt. ig unk» trocken, sielfach ig und i mild, hiesige durch g mit at hier leider . Zwei Man- .'ebenS- stor- l u f e n Hus- dessen d wei- c Wet- 4 id nach Durch :rdings e über giebige Glichen en ab» Druck olfigem en sich später- Rieber- 8 Grad lorgens inimum 10 cm . März: ),0 mm. trat und tbea* ab cs • Un- igust, *, um ntlich . da« kaS er Die n daS chncll ' zur > dort .'rum- 1 auS Zau- if ein war. vurde Man gegen ) über deS eifrig jenem ohlen Freu- ■r auc -chluft oschie- r weit sinauS .werke, -r t«- ste um 15, be- ! Ber- g zum ort feit chntal- :S (3c- „Eä- i er, der angee- ' nd daS \ Zte für agcr in. Die ugcnb- orden. aume. >a 200 wird. fad)|en Haus bürge- aper eben- ng fin- nähen, m Ar- kochen, , irforge | 33 i al en . i junge •en sich ächsten ich er- Was sagt Bayern zur Landtagsauflösung in Preußen? Besorgnis um die Wahrung der Länder-Rechie. München, 6. Febr. (TÄ.) Die „Bayerische Staatszeitung" schreibt zu den Maß- nähmen des Reiches gegen Preußen, das) insbesondere Schritte allgemeiner Art gegen die preußische Hoheitsregierung als eine Beeinträchtigung der L ä n d e r i n t e r e s s e n im allgemeinen betrachtet werden würden. Der Staatsgerichtshof habe sich eindeutig auf den Standpunkt gestellt, daß mittels Artikel 48 ein Vorgehen gegen die Länder mit geschäftsführenden Regierungen auf dem Wege über Reichs- kommisfare verfassungsgemäh unzulässig sei. Diese Schranke sei auch für die Höch ste Gewalt im Reich, gesammelt in der Hand des Reichspräsidenten, unüberschreitbar. Ihre Äeberschreitung sei gleichbedeutend mit einem Staats st reich. Es liege auf der Hand, daß die kommenden Erörterungen über die neue untragbare Lage sehr bald zu Auseinandersetzungen über das Verhältnis zwischen Reich und Ländern führen würden. Es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß die Entwicklung der gegenwärtigen politischen Lage im Reich eine ernste staatsrechtliche Seite habe. Zu den diktaturfesten Änantastbarkeiten der Länderhoheit gehören nach der Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes ausdrücklich auch die Volksvertretungen der Länder. Es sei deshalb verfassungsrechtlich unmöglich, mit Hilfe des Artikels 48 die Volksvertretung eines Landes a u f z u l ö s e n. Die politischen Folgen eines solchen Schrittes wären, auch ganz abgesehen von ihrer verfassungsrechtlichen Anzulässigkeit. unübersehbar. Die Daherische-Volkspartei-Cor- respondenz schreibt u. a.: Man stehe vor der Tatsache, daß sich die Reichsgewalt mit einem kühnen Sprung über eine auf Grund der bestehenden Reichsverfassung gefaßte Entscheidung des obersten Gerichtshofes des Deutschen Reiches hinweggesetzt habe. Was man jetzt erlebe, sei nichts anderes als die Fortführung einer Politik, die darauf ausgehe, die Reichsreform nach ganz einseitigen preutz- schen Bedürfnissen durchzuführen und sich dazu der Diktaturgewalt des Reichspräsidenten zu bedienen. Bayern müsse darauf bestehen, daß eine solche Reform nur auf dem Wege des Rechts erfolgen könne, wobei die so willkürliche Handhabung des Artikels 48 Reichsverfassung nicht mehr als ein Weg des Rechts anerkannt werden könne. Der neueste Schritt in Preußen sei wiederum unternommen worden, ohne daß diesem Standpunkte Bayerns irgendwie Rechnung getragen wurde. Man müsse daraus den Schluß ziehen, daß die Regierung Hitler-Papen- Hugenberg von einer praktischen föderalistischen Politik ebensowenig wissen wolle wie die Regierung v. Papen. Anter diesen Ämständen sei es verständlich, daß Staatsrat Schäffer in der Besprechung, die er mit dem Vizekanzler von Papen auf dessen Wunsch hatte, diesem ausdrücklich erklären muhte, daß seine Darlegungen vom Standpunkt der Länder und vom Standpunkt des Rechtes vollkommen untief rie- di gend seien. Der Lleberwachungsausschuß aufgeflogen. Berlin, 7. Febr. (VDZ.) Der Reichstagsausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung trat unter dem Vorsitz des Abgeordneten L o e b e (Soz.) zusammen. Die Sitzung dauerte nur wenige Minuten. Kurz vor Eintritt in die Beratungen erklärte Abgeordneter Dr. Frank (Rats.), daß seine Fraktion die Ausschußsitzung unmöglich machen werde, solange L o e b e den Vorsitz führe, da dieser im lippischen Wahlkampf den jetzigen Reichskanzler Adolf Hitler in ungeheuerlicher Weise herabgewürdigt habe. Er beantrage Unterbrechung der Sitzung, um einen neuen Vorsitzenden zu bestimmen. Da es dem Vorsitzenden Loebe nicht gelang, sich das Wort zu verschaffen, hob er die Sitzung auf. Es kam im Sitzungssaal zu heftigen Tumulten. Rach einer halbstündigen Pause waren die Vertreter der Sozialdemokraten und der Vorsitzende Loebe nicht wieder erschienen. Auch von den Kommunisten war nur der Abgeordnete Torgler anwesend. Der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses, Abgeordneter Dr. Frank (Nats.) erklärte, daß er die Sitzung aus unbestimmte Zeit vertage. Der Abgeordnete Loebe hat an den Reichstagspräsidenten Göring ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, die nationalsozialistischen Mitglieder des Ausschusses hätten unter Führung des Abgeordneten Frank II durch ununterbrochenes Schreien, Beschimpfen des Vorsitzenden und Drohen mit Gewalt verhindert, daß der Ausschuß in seine Beratungen eintrat, sie hätten ferner gedroht, jede neue Sitzung des Ausschusses unter Loebes Vorsitz mit Gewalt unmöglich zu machen. Er bäte deshalb den Reichstagspräsidenten, auf Grund seiner präsidialen Befugnisse dafür zu sorgen, daß Loebe die Wiederaufnahme 8er Beratungen in einer neuen Sitzung durchführen könne, die er ansetzen werde, sobald Görings Zusicherung in seinen Händen sei. * Die Deutsche Vollspartei Wessen zum Wahlkamps. WSÄ. Darmstadt, 6. Febr. Der Vorstand des Wahlkreises Hessen- Dar m st a d t der Deutschen Volkspartei faßte heute folgende Entschließung: „3m Kampf um die Schaffung des deutschen Rationalstaates hat die Rationalliberale Partei und im Kampf um die Befreiung des deutschen Rheins hat die Deutsche Volkspartei immer in vorderster Linie gestanden. Gestützt auf ihre vaterländischen, durch die Geschichte bewiesenen Taten, steht daher auch in der Gegenwart die Deutsche Volkspartei bei denen, die gegen internationale Einflüsse, also gegen Marxismus und Bolschewismus, kämpfen. Sie bekennt sich demgemäß zu dem Gedanken der Zusammenfassung aller nationalen Kräfte. Dabei wird aber gerade in Zeiten der Gefahr der Rationalliberalismus nicht entbehrt werden können, denn er ist immer der Vertreter besten deutschen Bürgertums gewesen. Es wird daher für das Schicksal des deutschen bürgerlichen Mittelstandes entscheidend sein, daß die Deutsche Dolkspartei als Nachfolgerin der alten Rationalliberalen Partei gestärkt aus dem Wahlkampf hervorgeht und so dazu beitragen kann, daß Gerechtigkeit und wahre Freiheit xur Geltung kommen, daß keine einseitige Wirtschaftspolitik getrieben wird und daß nicht an Stelle des vergangenen Parteibuchstaates ein neuer entsteht. Deshalb richtet die Deutsche Volkspartei des Wahlkreises Hessen- Darmstadt zu Beginn des Wahlkampfes an alle Teile des freiheitlich gesinnten nationalen Bürgertums den Appell, sich in gefährlichen Zeiten seiner Bedeutung bewußt zu sein und sich und seine Zukunft durch die Stärkung der Deutschen Volkspartei zu sichern." 3n der gleichen Sitzung des Wahlkreisvorstandes wurde beschlossen, die seitherigeWahl- l i st e, beginnend mit den Ramen Dingeldey- Darmstadt, Dr. R i e p o t h -Schlitz und Fräulein Dirnbaum-Gießen, erneut aufzustellen. Die Deutsche Volkspartei in Hessen hält am 18. und 19. d. M. einen Landesparteitag ab. Reue Todesopfer politischer Ausschreitungen. 3n Dormagen bei Düsseldorf wurde ein Trupp SA-Leute auf der Hauptstraße von K o m- munisten überfallen. Ein SA-Mann erhielt einen schweren Bauchschuß, an dessen Folgen er st a r b. Der Kommunist, der den Schuh ab- gegeben hatte, flüchtete, wurde aber durch einen Schuß der verfolgenden Polizeibeamten schwer verletzt. Er ist ebenfalls an den Folgen dieser Verwundung gestorben. • 3n Harburg-Wilhelmsburg wurde ein 27jähriger Arbeiter, als er aus einem sozialdemokratischen Verkehrslokal kam, von drei Leuten durch einen Bauchschuß getötet. Sein Begleiter, gleichfalls ein Arbeiter, wurde durch einen Fuhschuh verletzt. Die Täter, die verhaftet wurden, sind, wie die Polizei mitteilt, drei Harburger Rationalsozialisten. • 3n Duisburg-Hamborn wurde bei der Beerdigung des bei den Homberger Anruhen erschossenen SA-Manns Pfafsenrath der Leichenzug aus dem Hinterhalt beschossen. Die Schüsse wurden von der Polizei und zum Teil auch von Zugteilnehmern erwidert. Aus den Gärten in der Rähe des Polizeipräsidiums wurde der Leichenzug abermals beschossen. Der angebliche Schütze, ein Anstreichergehilfe, der angeblich dort mit Malerarbeiten beschäftigt war, wurde von der Polizei, die das Feuer erwiderte, erschossen. Das Gelände sowie auch die Häuser, aus denen geschossen wurde, wurden durchsucht. Täter konnten nicht festgestellt werden. Bei dem Äeber- fall erlitten acht Personen lebensgefährliche Stich- verletzungen und Schüsse. • 2n Denkingen (Oberamt Reutlingen) geriet ein Kommunist, der früher bei einer politischen Schlägerei einen SA.-Wann durch Messerstiche schwer verletzt hatte, mit Leuten des Freiwilligen Arbeitsdienstes in Streit. Der Kommunist wurde von dem Rechnungsführer des dortigen Arbeitslagers erschossen. Aus Der provirizialharrptstaVt. Nachtspaziergang. Ganz spät abends, nach der Arbeit, dicht vor dem Schlafen, mache ich gern einen letzten Spaziergang durch die Stadt. Es reizt mich, die Straßen und Plätze, die ich am Tage durchhastete zwischen dem Menschentreiben, nun noch einmal zu besuchen, wenn auch sie ruhen. Es hat sich alles verwandelt: statt des bunten Gewirrs: große einfache Massen. Alles türmt sich zu ernstem Schwarzweiß. Wie die Kirche nun ragt, die Finsternis an der Mauer ist kühl und schauerlich, der Turm geht senkrecht und stark hinauf in die Sterne; man fühlt jetzt erst, welche ungeheure Steinmenge hier wuchtet. An der Ecke brennt eine Gaslaterne, wie sie ein« am hindämmert, mit der Spiegelung auf dem suchten Pflaster allein! Da kommt ein Mensch, eine Schritte hallen, im empfinde ihn als etwas Seltsames, als ein Ereignis. Werde ich feine Augen sehen können in dem Dämmer? Nein, nur ein Umriß wandelt vorbei, die Linie des Ganges gewinnt neue Bedeutung. Doch hoch oben im vierten Stock schimmert noch Licht. Apfelsinengelbrot die kleine Scheibe. Da wacht noch jemand um Mitternacht. Ein übermüdetes Mädchen bei der Heimarbeit? Ein Gelehrter, ein Jüngling, der krampfhaft energisch sich bilden will? Eine Mutter bei ihrem kranken Liebling? Wohnt da oben das Glück? Ich betrete einen Platz, leer und weit liegt er da, wie ein verlassener Tanzsaal. Die Anlagen: so geheimnisvoll sind die Büsche, ich horche. An der Ecke zur Seitenstraße steht eine Katze, wie gespannt sie den Kopf hebt! Jetzt hat sie mich bemerkt, sie wendet sich und läuft im Schatten an den Häusern entlang. Heimkehrenden begegne ich, sie haben keine Ehrfurcht vor der Stille, sie reden laut, sie kommen wohl aus dem Wirtshaus. „2000 Mark!" sagte der eine. Und es zittert feine Stimme vor Erregung. Der andere lacht höhnisch, und es scheint, er will diese Wunschträume zerstören. Sie streiten. Ihre Stimmen verlieren sich. Der Mond geht hinter einem dunklen Giebel auf. Das ist der alte deutsche Mond der Stadt. Er bescheint die Dächer. Er hütet die Häuser. Ich grüße ihn. Er hat es heute schwer, er muß hart kämpfen mit den prasselnden Glühlampen. Doch hier in der Nebenstraße herrscht er golden und rein. Auf der Bank fitzt ein Liebespaar, still aneinander gelehnt. Obwohl es empfindlich kalt ist, sie spüren es nicht. Oh, diese süße, feine Silhouette junger Seligkeit. Was mögen sie flüjtern? Passen sie zueinander? Ich träume den Zukunftswegen dieser hoffenden Seelen nach. Jetzt streicht ein Wind durch die Straße. Wie Kühle des oberen Himmels, als käme heruntersinkend aus dem Weltall ein Gruß. Als müsse nun jeder Staub des kleinlichen Tages fortgenommen werden von einer befreienden Kraft. Ich atme tief ein. Wie frisch es mir um die Stirne weht! 7, e. 33 In weitem Bogen habe ich meine Wohnung wieder erreicht. Lebt wohl, ihr schlafenden Dinge! Ich sehe euch gern in das stumme, sinnende Antlitz. Nun liege ich bald ausgestreckt, das gleiche Dunkel drückt meinen Körper nieder. Wie tief diese Einheit der späten finsteren Stunde ist. Ich fühle mich brüderlich nahe allem Schlafenden. Aus einer großen gemeinsamen Schwere heraus werde ich Zunderooll müde. Studentenschaft und Asta-Wahlen. Zur gemeinsamen Stellungnahme zu den bevorstehenden Asta-Wahlen der Gießener Studentenschaft fand gestern abend in der Reuen Aula eine von der Allgemeinen Studentenschaft einberusene Studentenversammlung statt. Rachdem der 2. Vorsitzende des Asta kurz auf den Zweck der Versammlung hingewiesen hatte, sprach zunächst der Vertreter der „Roten L i st e", Herr Bernhardt, der die Forderung aufstellte, der Student müsse politisch sein, und der betonte, die Anhänger der „Roten Liste" fühlten sich als Kämpfer des Proletariats. Der Vertreter der Katholischen Arbeitsgemeinschaft, Herr D e g en, erklärte, einer absoluten und einseitigen politischen Tätigkeit der Studenten könne nicht das Wort geredet werden. Die in der Katholischen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Studenten wollten ihre Belange religiöser Art gewahrt sehen. Das Bemühen der Gruppe gehe besonders darauf hinaus, die sozialen Einrichtungen der Studentenschaft zu halten und zu verbessern. In wehrsportlicher Hinsicht gelte es alle Kräfte zusammenzufassen, um die Gefahr, die von den Grenzen her drohe, bannen zu helfen. Die Hochschule dürfe nicht zum Kampffeld politischer Ideen werden. Zusammenarbeit sei im Interesse des Vaterlandes wünschenswert. Für die Grohdeutsche Arbeitsgemeinschaft legte zunächst Herr I b b e k e n ein Bekenntnis zur Kampfgemeinschaft an der Äni- versität ab. Die neue Form des Wahlkampfes, wie er in der gegenwärtigen Versammlung in Erscheinung trete, sei als bewußte Abkehr vom Parlamentarischen zu werten. Man begebe sich auf den Boden der lediglich geistigen Auseinandersetzung. Die Studentenschaft in der Grohdeutschen Arbeitsgemeinschaft sei bestimmt von den Ideen der Frontgeneration, sie bejahe den Wehrgedanken, die Arbeitsdienstpflicht, den Arbeitsdienst und wolle kulturelle und nationale Erziehung in den Lagern. Beschäftigung mit Politik sei notwendig. Der enge Horizont einer Partei solle nicht Maßstab sein. Anzustreben sei vielmehr der hündische Aufbau in unserem Volke. Die Universität müsse eine Stätte verantwortungsbewußter nationaler Erziehung werden. Weitere Forderungen der Grohdeutschen Arbeitsgemeinschaft feien Pflege der Grenzlandarbeit, des völkischen Zusammenschlusses und die Schaffung eines mitteleuropäischen Raumes unter Führung Deutschlands. Als letzter Redner sprach Edler von Graeve für die R ationalsozialistische Arbeitsgemeinschaft. Es habe sich eine neue Auffassung von studentischer Zusammenarbeit herausgebildet. Für die Studentenschaft müßten in Zukunft die Belange des ganzen Volkes im Vordergrund stehen. Der Student habe seit 1918 Wandlungen durchgemacht, er sei nicht mehr der Änbekümmerte, heute müsse der Student mitten im Volke stehen. Jeder Student müsse zur Arbeit herangezogen werden. Das Werkjahr fei noch nicht Wirklichkeit, aber jeder müsse darüber Bescheid wissen. Der FAD. dürfe nicht vernachlässigt werden. Enge Zusammenarbeit mit der Arbeiterschaft sei notwendiger denn je. Es dürfe nicht wieder eine Kluft zwischen Student und Arbeiter aufreihen. „Student im Volke" dürfe nicht nur Schlagwort sein, sondern müsse Tat werden. Die Studentenschaft müsse im Rahmen des Staates innerlich und äußerlich zum Faktor gemacht werden. Der Student müsse nationalpoutischer Wahrer sein. Keiner dürfe sich von der Mitarbeit aus- schliehen. Aus einer Parteilichkeit dürften keinerlei Schwierigkeiten mehr erwachsen. Jeder Student sollte von dem Wunsche durchdrungen sein, später als Führer arbeiten zu können. > Vornotizen. / — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 20 bis 23 Ähr, „Das Dreimäderl- haus". — Goethe-Bund: 20 Ähr, Reue Aula. Dichterabend gelij! Timmermans. — Deutsch- nationale Volkspartei: 20.15 Ähr, „Hotel Schütz". Vortragsabend. — Allgemeiner Deutscher Frauenverein: Turmhaus am Brandplah, 11 bis 13, 15 bis 17 Ähr, Ausstellui^ der Arbeiten des freiwilligen weiblichen Arbeitsdienstes. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Die lustigen Weiber von Wien". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Infolge eines bedauerlichen Versehens im Bureau enthielt die gestrige Spielplan-Bornotiz einen Irrtum, der heute seine Berichtigung erfährt. Heute, 7. Februar, als 18. Vorstellung im Dienstag-Abonnement, in neuer 3n- . szenierung die Operette „Das Dreimäderlhaus" mit der Musik nach Franz Schubert. Wrede- Moehl-Bäulke. Operettenpreise. Schülerkarten haben Gültigkeit. Spieldauer von 20 bis 23 Ähr. — Für Mittwoch seht der Spielplan als 18. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement 20 Uhr unter Karl Heysers Spielleitung eine Wiederholung des Lustspiels^ „2:2 unentschieden" von Lichtenberg an. Gewöhnliche Preise. Ende 22 iltir. — Zum erstenmal kommt die Komödie „Bargeld lacht" von Cbermayer und Cammerlohr unter Peter Fasfo11s Spielleitung am Freitag, 10. Februar, als 18. Vorstellung im Freitag- Abonnement zur Aufführung. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22.15 Ähr. — Für Sonntag, 12. Februar, verzeichnet der Spielplan die 9. und 10. Aufführung der Operetten-Revue „3m weihen Röhl" in der Premierenbesetzung. Beide Vorstellungen (15 bis 18 Ähr, 19 bis nach 22 Ähr) sind als Fremdenvorstellungen zu ermäßigten Operettenpreisen und auher Abonnement. 3n beiden Vorstellungen haben Vorzugsscheine Gültigkeit, nachmittags auch Schülerkarten. — „Beseelte Natu r". Am Donnerstag, 9. Februar, veranstaltet — wie man uns schreibt — das Institut für experimentelle Psychologie und Pädagogik einen Filmabend, in dem eine Freundin des Institutes, Frau Dr. E. R o d a k i e w i e c z (Neuyork), Aufnahmen ihres Sohnes zeigen wird. Der Film, zum großen Teil an der mexikanischen Küste aufgenommen, sucht den Ausdrucksgehalt bewegter Lichter zum Erlebnis zu bringen. Der Film will nicht bloße Naturfchilderung geben, sondern greift sehr viel tiefer, indem er dem Beschauer den flutenden Rythmus des Allwebens in feiner Gestaltenfülle, so wie ihn der junge Schöpfer des Filmes sah, miterleben läßt. Der Film ist mehr noch als eine Natururkunde, ein Seelendokument für die Erlebniswelt eines jungen Amerikaners. Auf die heutige Anzeige fei hingewiesen. ** Der Bienenzüchterverein Gießen und Ämgegend hielt am Sonntag im Hotel Hopseld seine diesjährige 3ahreshauptversamm- lung ab, an der sich über 70 Mitglieder beteiligten. Rach der Begrüßung erstattete der Obmann, Gottlieb Bodenbender, den 3ahres- bericht, aus dem u. a. mitgeteilt sei, daß die Honigernte einen knappen Mittelertrag brachte und der Mitgliederbestand sich trotz der mißlichen Wirtschaftsverhältnisse von 204 auf 211 erhöhte. Die neuerrichtete Königin-Zuchtstation im Krosdorser Forst soll im neuen 3ahre weiter ausgebaut werden. Die Rechnungsablage erfolgte durch Eduard Schäfer und ergab bei 1934,04 Mark Einnahme und 1600,93 Mark Ausgabe einen Äeberschuh von 332,11 Mark, wozu noch ein Kapitalvermögen von mehreren hundert Mark kommt. Der Voranschlag mit 1400 Mark wurde einstimmig angenommen und dem Rechnungsführer für seine pflichttreue Arbeit der Dank des Vereins ausgesprochen. Für den wegen Arbeitsüberlastung zurückgetretenen Rechner wurde H. K o r m a n n, Gießen, zum Rachfolger gewählt. Der Vorsitzende berichtete dann über die Geschäftsführung des 1400 Mitglieder zählenden Oberhessischen 3mkerbundes, dessen Vertreterversammlung zu Ostern 1933 in Hungen anläßlich des 50- jährigen Bestehens des dortigen Zweigvereins stattfinden soll. In seinem Vortrage „Was muß jeder 3mker von der Königinzucht wissen", befaßte sich der Obmann mit den neuesten Problemen und gab dabei auf Grund seiner langjährigen Erfahrungen praktische Hinweise zur erfolgreichen Durchführung. Mit einem Hinweis des Vorsitzenden auf die in diesem Sommer in Bad-Rauheim ftatt- findende Tagung des Deutschen 3mkerbundes wurde die anregende Versammlung geschlossen. rahnkanalisterung und Freiwilliger Arbeitsdienst. Bei der Ämschau nach Möglichkeiten zum Freiwilligen Arbeitsdienst hat der 3ungdeutsche Orden in Gießen, der sich bisher für die Eingliederung der Jugend in den Arbeitsprozeß eifrig und erfolgreich bemühte, sein Augenmerk u. a. auch auf die Lahnkanalisierung gerichtet. Veranlaßt durch die Arbeitsbeschaffungspläne des Reiches hat sich in Gießen das 3nteresse für dieses Projekt neuerdings wieder stark belebt, wobei neben der unzweifelhaft reichen Arbeitsmöglichkeit bei diesem Bau auch die Erwägung, durch die Kanalisierung der Lahn auf der Streife von Steeden bei Limburg bis nach Gießen eine zukunftsreiche wirtschaftliche Tat zu vollbringen, für die erneute 3nitiative maßgebend war. Auf Einladung des 3ungdeutschen Orden fand gestern abend im Hause des Arbeitgeberverbandes eine Besprechung — über deren Einzelheiten wir morgen noch näher berichten werden — statt, an der Vertreter von Gießener Behörden, der Gießener Wirtschaft und des öffentlichen Lebens, ferner eine Anzahl Herren der Wetzlarer 3n- dustrie, Vertreter von Wetzlarer Behörden und Männer des dortigen öffentlichen Lebens teilnahmen. Studienrat Schmidt (Gießen) als Grohkomtur des 3ungdeutschen Ordens leitete die Verhandlungen und skizzierte einleitend in kurzen Worten den Zweck des Abends. Anschließend sprach der langjährige und verdienstvolle Vorkämpfer der Lahnkanalisierung, Direktor Bansa (Limburg) über das weitreichende Projekt der Schiffbarmachung der Lahn auf der Strecke von Steeden bis Gießen, nachdem sie von der Mündung bis Steeden bereits kanalisiert ist und zur Zeit von 13 Schiffen befahren wird. Der Redner gab durch seine Darlegungen eine aufschlußreiche Grundlage für die nachfolgende umfangreiche Aussprache, an der sich zahlreiche Herren ans Gießen und aus Wetzlar beteiligten. Daß die Lahnkanalisierung in wirtschaftlicher Beziehung für unsere engere Heimat von weitreichendster Bedeutung sein wird, wurde allgemein anerkannt. Die Rotwendigkeit der Schaffung eines billigen Warentransportweges durch die Kanalisierung der Lahn für die Erzeugnisse der 3ndustrie ging besonders eindrucksvoll aus den Mitteilungen eines Vertreters der Bu- derusschen Eisenwerke hervor, der u. a. darauf hinwies, daß zur Zeik die Eisenbahnfracht für oberhessisches Erz von Hungen bis nach Essen 5,20 Mk. je Tonne kostet, dagegen der Frachtsatz für Erz von Spanien (mit Umladung in Rotterdam) nach Essen sich auf 3,50 bis 3,80 Mark pro Tonne beläuft und erst beim Erztransport von Kanada nach Essen der gleiche Frachtsatz wie für die Strecke von Hungen nach Essen heraus- fommt. Das Schwergewicht der Aussprache war der Frage gewidmet, inwieweit der freiwillige A r b e i t s d i e n st für die Verwirklichung des Projekts nutzbar zu machen und dadurch die beschleunigte Verwirklichung des seit vielen 3ahren erstrebten Zieles zu erreichen sei. 3n der Erörterung zeigte sich, daß bei diesem Dauunierneh- men Tiefbauarbeiten (Baggern) und eine Anzahl Kunstbauten (Schleusenkammern usw.) Wohl den größeren Teil der Arbeiten ausmachen, dagegen die im freiwilligen Arbeitsdienst auszuführenden Leistungen an TÄmfang zurückstehen. Die endgültige und zuverlässige Klärung dieser Frage ist von ausschlaggebender Bedeutung für die Finanzierung und damit für die Verwirklichung des Projekts. Die Versammlung kam daher am Schlüsse der gründlichen Aussprache zu dem Ergebnis, durch Vermittlung des 3ungdeutschen Ordens in Gießen und in Gemeinschaft mit Direktor Bansa (Limburg), dem Geschäftsführer des Lahnkanal-Vereins, bei den Wasserbauämtern in Diez und in Mainz eine Rachprüfung des vorliegenden Projekts hinsichtlich der Einschal - tungsmöglichkeit für den freiwilligen Arbeitsdienst umgehend vornehmen zu lassen. Sobald das Ergebnis dieser Rachprüfung vorliegt, soll eine erneute Beratung und die Beschlußfassung über weitere Schritte stattfinden. Daten für Dienstag, 7. Februar. 1812: der Dichter Charles Dickens in Landport bei Potsmouth geboren; — 1851: der Kunsthistoriker Hugo von Tschudi auf Gut Jakobshof in Niederösterreich geboren; — 1878. Papst Pius IX. in R?m gestorben; — 1909: der Hofprediger und So, lpoli- tiker Adolf Stöcker in Gries bei Bozen gefto t. Wirtschaft. Hindermarkt in Gießen. Auf dem heutigen Rinder-Nutzviehmarkt standen ß39 Stück Großvieh, 86 Fresser und 156 Kälber mm verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hoch- troaende Kühe 1. Qualität 35p bis 280 RM., 2. Qualität 200 bis 250, 3. Qualität 100 bis 140; Schlacht» fiihe a) 120 bis 240, b) 50 bis 100; Rinder bis Xiäbriq 50 bis 120, %• bis 2jährig 70 bis 160, trauend 150 bis 290 RM.; d) Kälber das Pfd. Lebend- gewicht 18 bis 25 Pj. Ausgesuchte Tiere über Notiz. Marktverlauf: Anfangs etwas lebhafter, später abflauend; Ueberstand. Berlin bei ruhigem Geschäft freundlich. Berlin, 7. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Anfangsnotierungen zeigten gegenüber den Erholungen von gestern abend eine weitere Be - f e st i g u n g. Das Geschäft blieb allerdings klein. Einen guten Eindruck hinterliehen die Beruhigung am Rentenmarkt, die günstigen Siemens- abschluh» Ziffern, die Erhöhung der Kupferspezialpreise und die steigenden Warenumschlags- zissern im Hamburger Hafen. Publikum und Spekulation nahmen kleine Rückkäufe vor. Die Auslandbörsen vermochten die Kursgestaltung hier kaum zu beeinflussen, die politische Lage hat sich nicht wesentlich geändert. Montane setzten bis zu 1,5 Prozent, Mcrns- felder sogar 2 Prozent höher ein. Brcrunkohlen- werte gewannen bis zu 1 Prozent. Leopold- grübe lagen 1,5 Prozent höher. Kaliaktien zogen bei geringfügigen Llmsähen bis zu 4 Prozent an. Bon chemischen Werten waren besonders Goldschmidt mit einem Gewinn von mehr als 2 Prozent fest. Gummi, und Linoleumwerte hatten erhebliche Steigerungen aufzuweisen, die bis zu 4,4 Prozent betrugen. Elektroaktien tendierten ausgesprochen freundlich. Elektrische Werke Schlesien und RWE. gewannen bis zu 3 Prozent Don Gasaktien waren Schlesische Gas 2 Prozent höher. Kabel- und Drahtwerte, Metall- und Dauwerte sowie die meisten Brauereien lagen geschäftslos und kaum verändert. Rur Schultheis gewannen 2 Prozent. Autoaktien lagen freundlicher, BMW- gewannen 2,5 Prozent. Maschinenfabriken zogen bis zu 1,5 Prozent an. Don Kunstseideaktien waren Bemberg mehr als 1 Prozent befestigt. Die übrigen Tertilwerte lagen geschäftslos. Papier- und Zellstoffwerte waren, mit Ausnahme von Aschaffenburg Zellstoff. die 1,25 Prozent einbühten. bis zu 1.5 Prozent gebessert. Wasserwerke zeigten freundliche Haltung, Wasser Gelsenkirchen gewannen 1,75 Prozent. Derkehrswerte zogen bis zu 1 Prozent an, auch Schiffahrtsaktien lagen freundlicher. Don Danken waren BEW. und Reichsbank mehr als 3 Prozent höher. Weiter sind Deutsche Atlanten mit einem Gewinn von 3 Prozent, Eisenbahnverkehrsmittel und Hotelbetrieb mit Gewinnen von etwa 1,5 Prozent zu erwähnen. 2m Derlaufe setzten sich unter Schwankungen verschiedentlich weitere Besserungen bis zu 1 Prozent durch. Deutsche Anleihen waren erholt, besonders Altbesih gewannen 1,5 Prozent. Variable 3n- dustrieobligationen zogen bis zu etwa 3 Prozent an. Reichsschuldbuchforderungen und sonstige Än- lagewerte tendierten ebenfalls etwas fester. Don Ausländern waren Bosnier weiter schwächer, Lissabonner Stadtanleihe gewannen 1,25 Prozent und Anatolier 40 Pf. Sonst ergaben sich keine wesentlichen Veränderungen. Frankfurt freundlich. Frankfurt a. M., 7. Febr. (WTB. Drahtmeldung.) 2n Rachwirkung der Ausführungen des Reichswirtschaftsministers über die Zins- frage war die Stimmung an der heutigen Börse weiter beruhigt, was besonders am Rente n m a r k t zum Ausdruck kam, während am QI 11 i e nm arkt die Tendenz zwar auch recht freundlich war. die Kulisse in ihrer Aktion aber immer nvch sehr vorsichtig zu Werk ging. Die Ilmsatztätigkeit war nicht sehr groß, zumal das Publikum nur mit kleinen Orders an den Markt kam. Gegen die schon freundliche Abendbörse ergaben sich durchschnittlich Besserungen von 0,5 bis 1 Prozent. Darüber hinaus lagen Reichsbankanteile um 2,75 Prozent, Goldschmidt um 2,38 und Contigummi um 2,5 Proz. fester. Am Elektromarkt lagen Siemens vorbörslich auf 131, die amtliche Rotiz stellte sich mit 129 Prozent 0,5 Proz. höher. Bekula, Gesfürel, Licht & Kraft und Lech werke gewannen bis zu 1,5 Proz., Lahmcyer 2 Prozent. Der Montanmarkt war vernachlässigt, nur Rheinstahl fanden einige Beachtung ünd lagen 1,5 Proz. höher. Etahlverein und Phönix zogen bis zu 0,5 Proz. an, während Mannesmann nur knapp behauptet lagen. 2®. eröffneten mit 104,88 Proz. unverändert, ebenso Scheideanstalt mit 149 Prozent. Echiffahrts- und Derkehrswerte zeigten Besserungen bis zu 0,38 Proz. 2m übrigen tarnen anfangs noch zur Rotiz Tietz mit plus 1,13 Prozent, Daimler mit plus 0,75 Proz. und Zellstoff Waldho? und Deutsche Linoleum mit je plus 0,5 Prozent. Letztere bröckelten später um 0,25 Prozent ab. Der Rentenmarkt war weiter beruhigt und fester. Deutsche Anleihen eröffneten bis zu 0,25 Proz. höher. Späte Reichsschuldbuchfordcrun- gen zogen 1, Stahlvereinbonds 1,5 Prozent an. Reichsbahnvorzugsaktien waren 0,63 Proz. höher. Don fremden Werten gingen Zolltürken leicht zurück, die 5proz. Mexikaner waren behauptet. Gicsrencr Wochenmarktpreise. 'Gießen 7. Febr. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 120, Landbutter 100 bis 110, Kochbutter 80 bis 90, Matte 20 bis 25 Pf. das Pfund, Käse 5 bis 10, Eier, inländische, 11 Pf. das Stück, Wirsing, gelb, 10 bis 12, grün 15 bis 20, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 30 bis 35. Unter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 18, Rosenkohl 30, Feldsalat 150, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepfel 18 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 45, Rüsse 40, 2unge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80 Pfennig das Pfund, Tauben 40 bis 60, Blumenkohl 30 bis 60. Salat 30 bis 35, Endivien 15 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pf. das Stück; Kartoffeln 2,50 Mk. per Zentner. Wettervoraussage. Obwohl der Kaltlustvorstoß an der Rückseite des östlich abziehenden Tiefs zum Ausbau eines Zwischenhochs geführt und über Skandinavien sehr tiefe Temperaturen bewirkt hat, wobei sogar im östlichen Teil Deutschlands Temperaturrückgang bis in Gefrierpunktnähe stattsand, wird unser Gebiet weiterhin von milder Ozeanlust überflutet. Die neue Atlantikstörung dringt weiter vor und icheint sich, da sie über Skandinavien Widerstand sindet, mehr südöstlich zu entwickeln. Somit bleibt bei uns die milde Witterung zunächst fortbestehen, wobei öfter auch Regenfälle auftreten. Aussichten sür Mittwoch: Weiterhin mild, meist trübe und regnerisch. Lufttemperaturen. Am 6. Februar, mittags, 9,2 Grad Celsius, abends, 8,0 Grad Celsius. Am 7. Februar, morgens, 6,6 Grad Celsius. Maximum: 10,2 Grad Celsius. Minimum: 6,4 Grad Celsius. Riederschläge: 0,6 Millimeter. bei Heiserkeit Katarrhe der Schleimhäute des Rachens und des Mundes, bei Mandelentzündung (Angina) und Erkältungen. Ein Vorbeugungsmlttol gegen Ansteckung (Grippe etc.). Ausgezeichnet für Raucher, welche stark zu Rachenkatarrh neigen, für Sänger, Redner etc. Beutel 25 Pfg., Dose 72 Pfg. Prospekt u. Probe gratis. Max Elb, A.-G., Dresden Herstellerin der BiOX-ULTRA-ZAHNPASTA DieHilfe gegen Gicht und Rheumatismus Sie wissen kein sicheres Mittel gegen diese Plagegeister? Einreibungen, Packungen, Bäder, Salben usw. lindern meistens nur für einige Zeit die Schmerzen, aber sie packen nicht immer das Uebel an der Wurzel. Ich empfehle Ihnen ein wirklich erprobtes Mittel, und Sie sollen es selbst versuchen, ohne daß es Sie etwas kostet; aber ehe ich Ihnen mehr sage, lesen Sie die folgenden Briefe: Vor einem Jahr bekam ich Jschiasleiden und war so weit, daß ich ohne Stock kaum noch gehen konnte. Da las ich etwas von Gichtosint. Als ich eine Woche diese Kur durchgemacht hatte, konnte ich schon den Stock in die Ecke stellen. Nach vier Wochen war ich vollständig geheilt und konnte die schwerste Arbeit in der Landwirtschaft mitmachen. Auch bei Wetterumschlag spüre ich nichts mehr. Ich gehe in landwirtschaftliche Stellung, welches mir früher meine Gesundheit nicht erlaubte. Ich danke Ihnen für die wunderbare Kur usw. A. Z. in B. Ich kann nicht umhin. Ihnen meinen herzlichsten Dank für die ausgezeichnete Wirkung der Gichtosint- Tabletten bei Rheumaleiden auszusprechen. Es ist doch e>in Radikalmittel zur Beseitigung jeglicher Schmerzen. Ich bin alle Schmerzen los, ja, selbst die Schwellungen im Hilft- und Kniegelenk sind verschwunden, und kann bei meinem Alter von 64 Jahren jetzt bei jedem Wetter täglich Fußmärsche von 3—4 Stunden ohne Unterbrechung unternehmen und» ohne hernach Schmerzen oder Anstrengungen zu verspüren. F. L. in G. Gichtosint hat mir sehr gute Dienste getan. Der letzte Rheumaanfall ijn Januar d. I. war nach kurzem Gebrauch der Trinkkur behoben. Ich habe nach zehnjährigem Leiden einen angenehmen Winter verleben dürfen, wofür ich Ihnen von Herzen dankbar bin. 0.3. in F. Solche Briefe besitze ich über 12 000 (notariell beglaubigt), und nun hören Sie weiter: Gicht und Rheumatismus können nur von innen heraus wirklich kuriert werden durch Entgiftung des Blutes. Dieses ist verunreinigt durch zurückgebliebene harnsaure Salze, und diese müssen heraus, sonst nützt alles Einreiben und Warmhalten nichts. Zur Beseitigung der Harnsäure dient das Gichtosint. Sie können das glauben oder nicht, aber Sie sollen keinen Pfennig dafür ausgeben, ehe Sie sich überzeugt haben. 871V Teilen Sie uns Ihre Adresse auf einer Postkarte sofort mit und adressieren Sie diese an Dr. Schwarz, Berlin A 235, Friedrichstraße 19; es geht Ihnen dann vollständig kostenfrei eine Probe Gichtosint mit weiteren Aufklärungen und genauer Gebrauchsanweisung zu. Gießen (Dammstraße 45), Grafenstaden 1. Elsaß, 7. Februar 1933- Gießen, den 6. Februar 1933, Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 9. Februar, nachmittags 2.30 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt 0778 Die Beerdigung findet Mittwoch, den 8. Februar, in der Stille statt. 868 D Hans Koch. Wagenmeister L R. Gießen, den 6. Februar 1933. 880 D eeoD Gießen, den 5. Februar 1933. 0759 Freiw. Sanitätskolonne v. Roten Kreuz Gießen 869 D \MC D DE DRUCKSACHEN WW E» IX DUBrühl’sche Druckerei T7 Die trauernden Hinterbliebenent Martha Obermann, geb. Lepper Dina Fuchs, geb. Lepper Studienrat Friedrich Obermann Oberingenieur Bruno Fuchs und vier Enkelkinder. nach langer Krankheit im Alter von 67 Jahren plötzlich xu sich su rufen »Erika« und andere Kleinschreibmaschinen von Mk. 90.— an in grober Auswahl, tftana Vogt & Co.» Seltersweg 44, Ruf 2464. 3sba Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen Innigstgeliebten Mann, unseren lieben Bruder, Schwager und Onkel Georg Noll Lokomotivführer i. R. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 10. Februar, nachmittags 2 Uhr, auf dem Alten Friedhof statt 893 D Gießen, Bad-Nauheim, Klein-Linden, Kassel, Darmstadt Neumorschen, den 6. Februar 1933. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 8. Februar, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Großen-Linden, Düsseldorf, den 6. Februar 1933. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 8. Februar, nachmittags 3 Uhr, statt In tiefer Trauen Frau Louise Noll, geb. Erb ÄMlip und eingew. Nägel entfernt schmerzlos Fußpflege-Instiut M. Bubs Wallltostr. 38 löset ^tn Dienstag, dem 14. Febr., beginnt ein AuNblJdunKskursaH f. die Jugend- abteilung. Vln dem Kursus können noch einige Jünglinge im Älter von 14 bis 18 Jahren teilnehmen. Anmeldung auf der Rettungswache, Sonnenstrahe 2, bis sum 11. Febr. Der Kolonnemübrer. Todes-Anzeige. Nach kurzem schweren Leiden verstarb gestern meine liebe, gute Frau, meine herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Anna Flocke-Boßmann im vollendeten 72 Lebensjahr. Die trauernden Hinterbliebenen: Philipp Flocke-Boßmann Käthe Koch, geb. Flocke Heiß» B mangel Seltersweg 61 hinter Korsetthaus Aron. Tätige BeteMgung mit Mk. 4-6000.- zur Eröffnung einer Großhandlung ges. Tchriftl. Ang. unt. 0767 a. d. Gb. Anz. niiiiiiiinniuiuiiHimiiiiim Statt Karten, Für die so herzlich entgegengebrachte Teilnahme bei dem Hinscheiden meines Heben Mannes, ^neines guten Vaters, für die reichen Kranzspenden, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers sagen wir hierdurch unseren herzlichsten Dank. Pauline Schroeder. Wally Schroeder. Brot U v. bes. Schmackhaftigkeit und Gehalt ist orst Jungs Landbrot jetzt Sorte 64 Pf. Krluterhaus Jing i. d. Schulstraße. Billiger Fischtag Pfd. von 25 Pf. an Fischhaus „Cuxhaven“ Marktstr.23 892 a Telefon 2417 Statt besonderer Anzeige. Samstag mittag 12% Uhr entschlief sanft nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden unser innigstgeliebter, stets treusorgender, unvergeßlicher Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Johannes Lepper im 75. Lebensjahre. Gewerkschaft Deutscher Lokomotidührer, Ortsgr. Gießen Nachruf. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben des Kollegen Herrn Georg Noll, Lokomotivführer LR. geziemend in Kenntnis zu setzen. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Der Vorstand. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 9. Febi uar, nachm. 2.30 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. ____________0777 Unser lieber Vater Eugen Kauffmann ist heute abend nach kurzer Krankheit sanft entschlafen. Die trauernden Hinterbliebenen. fcalbbaunenbctt, mit Kissen 15.— Mk. Preisl. gr. Kirsch - berg, Berlin W 30. Besondere Gelegenheiten in Schreibmaschinen bei Niederhausen Seltersweg 17,1. Stock v. 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Februar 1933, nachmittags 2 Uhr, versteigere Ich dahier, Neuenweg Rr. 28, „Zum Cöroen“, zwangsweise gegen Barzahlung: 882D Büfetts, Kredenzen, Chaiselongues, Sofas, Pianinos, Schreibtische, Schreibmaschinen, 1 Photographin, 1 Kassenschrank, Radioapparate, Bücherschränke, Ausstellungsschränke, Warenschränke, Ladentheken, Photoapparate, 5 Mappen Denkmäler des Theaters, 1 weiß emaillierter Roederherd, 200 Mistbeetfenster. Junker Gerichtsvollzieher in Gießen Wiefecker Weg 16 — Telephon 3383 Die im Rechnungsjahr 1933 (1. April 1933 bis 31. März 1934) erforderlichen Fuhrleiftungen des Gas- und Wasserwerks sowie des Volksbades sollen auf Grund dec RVO. öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf dem Tech- Nischen Bureau des Gas- und Wasserwerks (Gartenstroße 3, Zimmer 1) aus. Die Vordrucke sind dort erhältlich. 876D Die Angebote sind verschlossen und post- frei, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum 22. Februar 1933, mittags 12^ Uhr an uns einzureichen. Die Oeffnung der Angebote erfolgt in Gegenwart der er- schienenen Anbieter. Zuschlags- und Bindefrist: 4 Wochen. Gießen, den 7. Februar 1933. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Braubach. trat . und tbea* ab c« t iln- uguft. c. um nllich . das lae er Die n das chnekk ) zur » dort erum- I aus Zau- af ein war. wurde Man gegen ) über des eifrig jenem loblen Freu- :r zur vdbluft bschie- N. ager n Die ugenb- wrden. räume. >a 200 wird, sachsen Haus burgs- ager ,! eben- ng fin- !nähen, m Ar- kochen, irsorge oralen i junge )cn sich ächsten ich er- hiesige ducch i g mit r weit hinaus i werke, - rts» ste um i“ er* 15, be* 8 Der- g -um ort seit chntal- eS Ge- „Cä- er, der anges- nd daS kte für idt hier leider . Zwei Man- .'ebenS- stör- rufen Huf- i dessen rd wei* e Wet- id nach Durch rrdings c über giebige idlichen en ab» Druck olkigem en sich später- Nieder- ig und trocken. Zielfach 2g UNd i mild, .8 Grad aorgens inimum 10 cm März: 13,0 mm. MEMWWMl Vornan von Gert Gothberg. (Llrheberschutz durch C. Ackermann, Nomanzentrale Stuttgart.) 22 Sortierung. Nachdruck verboten. „Du fühlst dich Wohler, Edel? Oh, nun können wir ja bald meine Verlobung feiern! Wir haben nur gewartet, bis du auch dabei sein kannst. Harry sagte mir, daß ihr ein Fest geben wollt. Das ist recht. Das wird dir Freude machen. Lind nun bin ich hier, um mit dir zusammen etwas ganz Schönes auszudenken, um unsere Gäste zu überraschen. Wen wollen wir also einladen?" Ingeborg warf den kleinen, runden Hut auf einen Stuhl und setzte sich zu Edelgarde. Die dachte einen Augenblick nach, dann sagte sie: „LInsere Nachbarn natürlich alle, damit Harry mit uns zufrieden ist, obgleich ich ohne verschiedene sehr gut auskommen würde. Aber dann möchte ich einige Bekannte aus Berlin einladen: die Geschwister Perlenbach, die auch Harry kennt, und — Otty Weiler! Sie wird Leben nach Achern bringen. Sie war schon immer so gut zu mir. Hm Pensionat war sie meine liebste Freundin. Sie kann dann gleich ein paar Wochen hierbleiben. Zu dumm, daß ich nicht längst daran gedacht: habe. Natürlich, das ist ein guter Gedanke. Otty mag einige Zeit hierbleiben. Zu meiner Hochzeit konnte sie nicht kommen, sie war damals erkrankt. Sie und Harry kennen sich noch nicht einmal. Ich will sofort an Otty schreiben." Edelgarde war sehr lebhaft geworden. Inge- borg freute sich, daß die Schwester so Interesse an ihrem Fest zeugte, und beriet mit ihr dieses und jenes. Harry von Achern kam erst nach Stunden zurück, gratulierte dann seiner kleinen Schwägerin herzlich und neckte sie. Einmal lachte er laut auf, weil Ingeborg eine drollige Bemerkung machte, und Edelgarde sah ihren Mann starr an. Ein paar rote Flecken brannten in ihrem blassen Gesicht, die Augen waren dunkel umschattet. Gegen die blühende Schwester trat ihr Verfall erschreckend deutlich zutage. Von einem guten Mitleid getrieben, neigte Achern sich zu seiner Frau und legte den Arm um sie. „Du freust dich auf das Fest, Edel? Willst du auch tanzen lassen? Dann werde ich eine gute Kapelle bestellen, damit du deinen Gästen etwas Gutes bieten kannst." Sie streichelte seine Hand. „Ich fühle mich so wohl heute, ich glaube, bald bin ich wieder ganz gesund." „Es wird doch auch die höchste Zeit, Edel." Sie lehnte den Kopf an seine Schulter. „3a, es wird Zeit, Harry, du hast sehr lange eine kranke Frau gehabt." Ingeborg lächelte. Zwischen dem jungen Paar schien ja alles wieder in bester Ordnung zu sein. Sie freute sich ehrlich darüber. Sie hatte ja keine Ahnung, daß Achern sich zu diesem Benehmen seiner Frau gegenüber nur durch das Mitleid leiten ließ, daß auch der letzte Funken Liebe in ihm langst erloschen war. Ingeborg las jetzt die Namen der Gäste vor, die eingeladen werden sollten. Bei dem Namen Otty Weiler stutzte Achern. doch er nickte. „Necht so, Inge, und nun werde ich euch allein lassen, damit ihr das Wichtigste, die Toilettenfrage, in Angriff nehmen könnt." Er nickte den beiden Damen zu und ging. Er wollte nicht, daß man schließlich noch seine Erregung merkte — die Erregung darüber, daß auch Pia eingeladen werden sollte. Ob sie kommen würde? Er glaubte es nicht. Er dachte an den Tag zurück, an dem Pia gekommen war, nachdem Edelgarde sie freundlich eingeladen. Lind wie sie nachher alle im Park am Kaffeetisch sahen und Cdelgarde plötzlich sagte: „Cs ist doch eigenartig, daß eine Frau aus unglücklicher Liebe stets zu einem aufopfernden Beruf greift. Aber ganz kann es doch niemals entschädigen. Meinst du nicht, liebe Pia?" Die hohngetränkten Worte hatten sich wie ein giftiger Pfeil in Harrys Hirn gebohrt. Pia aber sagte ruhig: „Ich weih nicht, wie einer Frau mit einer unglücklichen Liebe zumute ist. Ich kann dir daher auch keine Auskunft geben, ob sie sich dann in einem Beruf, den sie sich als Trost suchte, glücklich fühlt." Ganz ruhig hatte Pia das gesagt, aber ihr süßes Gesicht war blaß, und die Lippen zitterten. Edelgarde hatte gesagt: „Nicht? Schade! Lind ich dachte gerade, du könntest mir Auskunft geben." Harry war es gewesen, als müsse er sich vergessen, müsse der Frau, die seinen Namen trug, ins Gesicht schlagen. Doch so etwas tat man nicht. Frauen gegenüber war ein Mann wehrlos, wenn sie sich auch noch so sehr vergaßen. Sein Blick hatte mit stummer Abbitte auf Pia geruht. Aber ihr Blick hatte ihn nicht gestreift. Als sei nichts vorgefallen, unterhielten sie sich mit Ingeborg und Franziska. Aber sie war dann nur noch einmal nach Achern gekommen, damals, als Edelgarde schwer erkrankt darniederlag. Das war ein Krankenbesuch gewesen, den sie für ihre Pflicht hielt. Sonst aber hatte sie jeden Verkehr mit den Bewohnern von Achern gemieden. Er hatte sie einmal besuchen wollen, da hatte sie sich verleug- nen lassen, weil sie keine Gemeinschaft mit ihm wollte. Lind nun scheute Cdelgarde sich nicht, Pia abermals einzuladen. Er wurde den Gedanken nicht los, daß sie auch damit wieder irgendeine Demüti- gung für Pia verband. Doch wie sollte er der Sache entgegentreten? Seine einzige Hoffnung blieb, daß Pia nicht kam. Aber er ertappte sich doch bei dem Gedanken, daß Pia kommen möge, daß er sie gern einmal sehen möchte. Noch immer liebte er sie. Doch_ er hatte so vollkommen abgeschlossen mit einem glücklichen Leben, daß keine Wünsche sich mehr zu Pia wagten. Sie war ihm verloren. Sine ganze Woche vor dem Fest traf Otty Weiler ein. Ihr frohes Lachen erfüllte das Schloß, und die Dienerschaft staunte die elegante Frau mit den rotblonden Locken an wie ein Wunder aus einer anderen Welt. Otty Weiler war nicht schön, aber sie war interessant. Ihre Hände waren schmal, bräunlich, sportgestählt. Ihre kaum mittelgroße Figur war von weicher Biegsamkeit. Sie fühlte sich bald wohl in dem alten, schönen Schloß. Harry von Achern, der zuerst diesem Besuch ablehnend gegenüberstand, verstand sich nach und nach ausgezeichnet mit ihr. Lind sie, die in Berlin über alle Männer lachte, sie war auf dem besten Wege, eine Dummheit zu begehen, wie sie bei sich sarkastisch feststellte. Die Dummheit, sich in den Mann der kranken Freundin zu verlieben. -Wenn sie die beiden einmal still beobachtete, dann dachte sie jedesmal: „Armes Hascherl, der Mann wird nie mehr den Weg zu dir zurückfinden." Otty Weiler war keine oberflächliche Natur. Aber sie nahm das Leben nur von der leichten und schönen Seite. Ihr Empfinden litt auch unter dem jetzigen Aussehen der Freundin, die doch so gar nichts mehr von der eleganten, schönen Edelgarde Ängsten besaß, die schon als Backfisch allen Männern die Köpfe verdrehte. Lind Otty hatte es längst heraus, daß Harry von Achern nur zu viel Weltmann war, um der Menschheit seine zerbrochene Ehe zu zeigen. Otty Weiler dachte gewiß nicht daran, sich die Situation zunutze zu machen. Sie dachte eigentlich die erste Zeit weiter nichts, als daß Edelgarde sich grausam verändert hatte und ihr, Otty, der.Hausherr ausnehmend gut gefiel. Weiter dachte sie nichts, die verwöhnte Frau, die einzige Tochter des reichen Berliner Finanzmannes. Das Leben war immer so gleichmäßig an ihr vorübergerieselt, hatte ihr eigentlich nur Freude gebracht. Warum sollte sie sich über das wahre Verhältnis dieser Ehe den Kopf zerbrechen? Aber eines Abends sah Otty doch fassungslos vor der Tatsache, daß sie sich bis über beide Ohren in den interessanten Schloßherm verliebt hatte. Ja, Otty machte sich da nicht einmal was vor. Es war tatsächlich so. Aber wie das enden sollte, wußte sie wahrhaftig nicht. Der Schluß ihres Nachdenkens war: Das hatte ihr gefehlt. Solch ein inneres Erlebnis, das da den gleichmäßigen Gang der Lebensuhr einmal in eine andere Periode lenkte. Noch war Edelgarde da! Aber lange würde sie es nicht mehr sein. Otty Weiler war klug, sie übersah das Drama dieser Ehe und das Ende genau. Aber etwas wußte sie auch genau: daß es keineswegs gut war, wenn sie Achern ihre Liebe werken ließ. Ein feines Gefühl warnte sie. Aber grotesk war das Leben auf jeden Fall. Ihr Vater hatte so oft gesagt: „Otty, wähle dir endlich einen Mann. Du wirst doch keine alte Jungfer werden wollen?" Sie hatte gelacht, war die endlosen Neihen ihrer Verehrer durchaegangen und hatte am Schluß gedacht: „Nicht einer davon kommt in Frage". Der letzte Winter mit seinen vielen Bällen und sonstigen Vergnügungen hatte sie stark mitgenommen. Sie war übersättigt und müde und hatte die Einladung nach Achern begrüßt, weil sie sich von der ländlichen Stille auch etwas Gutes versprach. Lind nun hatte sie ausgerechnet hier ihr Erlebnis. Otty Weiler senkte den Kopf. Ein Erlebnis, das das Licht des Tages, der Oeffentlichkeit zu scheuen hatte! Otty saß nachdenklich da. In einem schönen Dilemma befand sie sich! Auf der einen Seite die Freundin, die todkrank war, die ihr vertraute und sich so sehr Über ihren Besuch gefreut hatte, und auf der anderen Seite der Mann, der ohne jedes Däzutun ihr Herz gewonnen hatte. Plötzlich rannen große Tränen über das Gesicht des verwöhnten, jungen Weibes. Erschrocken bemerkte sie es. Schnell tupfte sie die Tränen fort. Tränen schadeten ihrem Teint, ihrem vielbewunderten rosigen Teint. — Achern aber gestand es sich ein, daß ihm die Freundin seiner Frau gefiel. Sie verstand amüsant zu plaudern, war weit gereist, kannte die halbe Welt. Seine Augen ruhten mit Wohlgefallen auf dem reizenden Luxusgeschöpf, doch sein Herz blieb kalt. Er hatte keine Ahnung, wie tief ihr Interesse für ihn war. Aber er war jetzt öfter daheim, weil er dann nicht mit Edelgarde allein war. Edelgarde aber sah nichts. Ihr Mißtrauen galt nur Pia! Lind ihr Haß. Fünfzehntes Kapitel. In einem durchsichtigen, dünnen, hellblauen Morgenkleid lag Otty Weiler in ihrem Schaukelstuhl. Ihr blondes Haar flimmerte in den Strahlen der Morgensonne, die breit durch das hohe Fenster hereinflutete. Sie rauchte eine Zigarette, hatte den vollen, weihen Arm unter dem Kops verschränkt und sah zu Edelgarde hinüber, die bleich und matt in der Ecke des Diwans lehnte. Die junge Frau war heute schon sehr zeitig aufgestanden, während sie sonst gewöhnlich bis in den halben Vormittag hinein schlief. Otty hingegen war eine Frühaufsteherin, und daheim in Berlin hatte sie gewöhnlich um diese Zeit bereits ihren Morgenritt hinter sich. Jetzt wartete sie, was Cdelgarde ihr zu sagen hatte, denn etwas hatte sie ihr bestimmt zu fagen. Sie irrte sich nicht. (Fortsetzung folgt.) ■F PASTfi.l.E/V Kl/ Institut für experimentelle Psychologie und Pädagogik I Am Donnerstag, dem 9. Febrnar, 20*Uhr, wird Frau Dr. Erla Rodakiewiecz, New-York, eine Freundin des Instituts für experimentelle Psychologie und Pädagogik, im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Ludwigstraße 34, einen neuartigen Film ihres Sohnes vorführen: »Beseelte Natur« (Liebt und Bewegung als Erlebnisausdruck) Unkostenbeitrag 20 Pfennig. 888D Othmar Spann o. Professor der Nationalökonomie, Wien spricht am Samstag, dem 11. Februar, um 20.15 Uhr, im Studentenhaus (Leihgesterner Weg 16) über das Thema: DER WAHRE STAAT Veranstalter: 873D Die Staatswissenschaftliche Fachschaft Karten zu 50 Pf. (Studenten 30 Pf.) im Vorverkauf bei Univ.-Sekr. Ritter (Vorlesungsgebäude), Musikalienhand- lung Challier, Neuenweg 10, sowie an der Abendkasse. H Lichtspielhaus • Gießen i Heute Dienstag zum letzten Mal SB die entzückende Operette I Die lustigen Weiber von Wien §9 Morgen Mittwoch 887 C Die große Premiere Hans Albers in Der weiße Dämon Nutz- und Brennholzversteigerung im Grüninger Gemeindewald Donnerstag, 9. Februar, Anfang 10 Uhr: Kiefer: 3a, 3b 5 Stück 3,90 km Fichte: 2a bis 3b 13 „ 13,30 „ Grüningen, den 6. Februar 1933. Hessische Bürgermeisterei Grüningen. Euler._________885D Bullenverkauf. Die Gemeinde Steinbach beabsichtigt einen fetten Dullen zu verkaufen. Angebote per Zentner Lebendgewicht sind bis zum Donnerstag, dem 9. Februar 1933, nachmittags 2 Uhr, auf der Bürgermeisterei einzureichen, woselbst die Bedingungen bekanntgegeben werden. 8371) Gleichzeitig können sich Besitzer von sprungfähigen Vogelsberger Bullen bei der unterzeichneten Stelle melden. Steinbach, den 3. Februar 1933. Hessische Bürgermeisterei Steinbach. Krämer. | Vermietungen | mit Bad u. Zubehör ver 1. Avril zu vermieten. Näh. Haas, Schubertitr^H. osr» Im Neubau eine abgeschlossene 4-Ziffliner-WotinDng einschl.Küche,Balk., Gartenanteil, a. d. Lande, Nähe Gieß., ruh.Lage,p.l.März z.vm. Miete 35 Mk. Schrift!. Ana. unt. 0765 a. d. Gß. Anz. 2-ZI mm.-Wohn, in 3. Etag., i Zentr. d.Stadt, an kinderl. Ehepaar zu oerm. Miewr.28M.Miet- berecht.-Schein erf. Schrift!. Ang. unt. 0776 a. d. Gß. Anz. Caf6 Amend (im weißen Röß’l) Programm für Februar: Jed. Mitlwochnachmitlag Fünf-Uhr-Tanz-Tee abends TA N Z. sowie jeden Samstag Karnevalist. Abend TANZ Dunkler Anzug erbeten I 886 D Scbwaabs-Weinstuben Mittwoch, den 8. Febr.1933 Mehelsnnne Dortmunder Union Bräu Pilsner Urquell vom Faß! 870 D Komm, hilf mir mal die Rolle dreh'n,.. Viel schöner wär's doch, wenn Sie Ihre Wäschemangel gleich im Hause hätten. Es ist bequemer. Einesolche Wäschemangel ist gar nicht so teuer. Schon fOr Reichsmark 39.- bekommen Sie eine bei J.B. Häuser Am Oswaldsgarten Gießen, Ruf 2145/2146 Achtung! Achtung! Am Mittwoch, dem 8. Februar, und folgende Tage, ab 10 Uhr, verkaufe Ich im „Löwen", solange Vorrat reicht, eine neue Sendung Möbel zu ganz billigen Preisen sowie 891D Büfetts, Bücherschränke, Schreibtische (Eiche), Kleider- und Wäscheschränke, Küchenschränke und Tische, Waschtische, 1 Kleiderschrank (eintürig, gebraucht), ovale Tische (gebraucht), Betten (gebraucht), 1 Herrenuhr. L. hartmeh, Neuenweg. BEe Msche Mittwoch, Donnerstag und Freitag ff.Schellfische o.K.......Pfd. 304 im Ausschnitt Pfd. 354 Pa.Cabeljauu.Seelachs, Pfd. 25,28-) Bratffsche, Goldbarsch grüne Heringe......3 Pfd. 504 Filets.............Pfd. 40,50, 604 Bücklinge...............Pfd. 204 Rich. Gvunewald Bahnhosstr. 27 0783 Fernruf 3631 Oie Holzversteigerung vom 21. Januar ist genehmigt. Ausgabe der Abfuhrscheine, Ueberweisung und erster Abfuhrtag: Mittwoch, den 8. Februar 1933. Ablauf der Zahlungsfrist für unverbürgte Holzgeldschuld am 18. Februar 1933. Bei Barzahlung bis 1. März 1933: 4 v. S). Skonto. 883V Gießen, den 6. Februar 1933. Markgenossenschaft Grüningen-Dorf-Gill. Der Borsitzende des Markvorstandes. Nicolaus, Oberforstmeister. Holzversteigerung im Annerödec Gemeindewald aus Donnerstag, den 9. Februar, vormittags 9 Uhr. Zusammenkunft: Grünberger Straße beim alten Hochbehälter. 889V Derbstangen 1. und 2. Klasse 20 Stück, 5. Klasse 120 Stück: Nutzscheiter 2. Klasse (3 m lang) 19 rm; Eichen-Scheit 3,2 rm; Buchen-Knüppel 11 rm; Kiefern-Scheit 310 rm; Fichten-Scheit 21 rm; Kiesern- und Fichten-Knüppel 80 rm; Buchen- Md Fichten-Reisig 1410 Wellen. Annerod, den 7. Februar 1933. Hessische Bürgermeisterei Annerod. ___________I. B.: Hahn. __________ Arbeitsvergebung. Die im Rechnungsjahr 1933 (1. April 1933 bis 31. März 1934) herzustellenden Gas- und Wasserleitungsrohrgräben sollen auf Grund der RBL), öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf dem Technischen Bureau des Gas- und Wasserwerks (Gartenstraße 3, Zimmer 1) aus. Die Vordrucke sind dort erhältlich. Die Angebote find verschlossen und postfrei, mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 22. Februar 1933, mittags 12 Uhr an uns einzureichen. Die Oeffnung der Angebote erfolgt in Gegenwart der erschienenen Anbieter. 877V Zuschlags- und Bindefrist: 4 Wochen. _ Gießen, den 7. Februar 1933. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Braubach. Oie Holzversteigerung vom 30. Januar ist genehmigt. Ausgabe der Abfuhrscheine bei den zuständigen Kassestellen, Ueberweisung und 1. Abfuhrtag: Mittwoch, den 8. d. M. Ablauf der Zahlungsfrist für unverbürgte Holzgeldschuld am 28. Februar 1933. Bei Barzahlung bis 28. Februar 1933: 4 v. H. Skonto. Gießen, den 6. Februar 1933. (884V Hessisches Forstamt Schiffenberg. Nicolaus. 2-üniÄim l— mit flpirr .Qh'irfiP npr _ Suche mit klein. Küche ver 2 helle, trockene Räume geeignet für Werkst, u. Büro, mögt, im Zentrum, sofort ob. svätermieten gef. Sehr. Angebote mit Preisang. unt. 0775 an den Gieß. Anz. | Verkäufe W. Bett, w. Kommode, Tisch u. 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