Pn-rf vn» vtrlao: BriWIdit Unwe!filäir-8uch- und SteinOmderei R. !an;e in Siehei. $d)tiftleitnng un» Sefdpftsftelle: Stufte 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmitlag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Ne» klameanzeigen von 70 > m Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i. D.TH.Kümmel iämtlich in (Bit ;en. Erlcheint täglich, autz« Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Bienen« Familienblätter Heimat mBild DieScholle Monatr-Sezugrpretr: Mit 4 Beilagen Mt 1.95 Ohne illustrierte , i .80 Zustellgebühr. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsvrechanschlüsfe unter Sammclnummer 2251 Anfchrist für Drahtnach» Achten: Anzeiger Girtzen- pofifd)edtonto: Sronlfm am Main 11686. ttr. 6 Erstes Blatt 185. Jahrgang Samstag, 7. Januar 1933 GieheimAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Fühler Oie Japaner jenseits der Großen Mauer Japan beurteilt dre £age ernst. 3»r Fortführung des Kampfes entschlossen ders begrüßte, weil sie sich von ihm eine Förde- nmg der von ihr befürworteten planwirtschaftlichen Ld.een versprach, spricht schon von einer „großen Mine gegen das Kabinett Schleicher". Hitler hoffe ans eine baldige Krise Schleichers, die es ihm ermögliche, ohne Neuwahlen und unter Umgehung Schleichers an die Macht zu kommen. Popen solle nun seine guten Beziehungen zum Präsidentenpalais mobilmachen, um Hindenburg noch einmal den Gedanken einer Kanzlerschaft Hitlers nahezu- egen. Bon der anderen Seite hätten „national- mpitaliftische Kreise" um Schacht, die rheinischen Broßindüstriellen Siloer.berg und Thyssen und Männer des Herrenklubs diese Begegnung zwischen Hitler und Papen durch ihren Vertrauensmann, den Kölner Bankier Baron v. Schröder, eingefäüelt, um die von Schleicher und Feindseligkeit gegen die Japaner, dort sind die wildesten Gerüchte im Umlauf. Velde Parteien berichten in Gens. Was wird der Völkerbund tun? Genf, 6. Jan. (WTB.) Die japanische Delegation hat erst heute dem Dölkerbunds- sekretariat zwei Mitteilungen über den „b e - Zögerlichen Zwischenfall" von Schon- haikwan übergeben. In der einen wird eine Darstellung der Entstehung der Kämpfe und der Besetzung der Stadt durch die Japaner gegeben, während in der anderen die japan's he Regierung erklärt, daß sie sich bemühen werde, die Angelegenheit zu lokalisieren und sich nicht ausweiten zu lassen, sofern von chinesischer Seite keine Provokationen erfolgten. Die chinesische Delegation hat zwei weitere Mitteilungen dem Dölkerbundssekretariat übergeben. In der einen wird von einer Protestnote des chinesischen Außenministeriums an die japanische Regierung Kenntnis gegeben. Die zweite Rote enthält einen zusammenfassenden Bericht des chinesischen Außenministeriums über die Beschießung und Besetzung von Schanhoikwan. Daran schließt die Rote folgende Mahnung an den Völkerbund: „Die Japaner haben entgegen ihren wiederholten Versprechungen das Gebiet ihrer militärischen Operationen immer mehr erweitert und nun den letzten strit/tigen Punkt südlich der Großen Mauer besetzt, von wo aus sie gegenTientsin, Peking und Jehol vorgehen können. Diese Eventualität ist voll der schwersten Gefahren. Der Völkerbund sollte keine Zeit verlieren und Maßnahmen ergreifen, um das japanische Vorgehen aufzuhalten. Die chinesischen Truppen werden nach besten Kräften der neuen Offensive Widerstand leisten. kung der kleinen Streitmacht in der Rahe des tZtu,!es Lwan d:enen, die gegen überlegene ja- pansche Streitkräfte den Anmarsch auf Tientsin und Peking schützen soll. Wachsende Spannung. London, 7. Dan. (IBXB. Funkspruch.) wie Reu- ter aus Schanhoikwan meldet, meinen die dortigen unterrichteten Ausländerkreise, es fei sehr gut möglich, daß die Feindseligkeiten sichbaldineiuem größeren Umfange über Rordchinn o u s b r e i t e n werden. Die japanischen Streitkräfte in Schanhaikwan werden auf mindestens 6000 ZHanu geschäht. Die Chinesen entsenden mit großer Eile Verstärkungen nach Tschinwangtau; sie sind entschlossen, den Japanern widerstand zu leisten, während die Japaner selbst drohen, ihre Operationen zu erweitern, falls die Bewegungen der chinesischen Truppen nicht aushören. Die Loge wird von den britischen amtlichen Kreisen in Tschinwangtau als beunruhigend empfunden, ein britisches Regiment in Schanghai hält sich in Bereitschaft, nach Tschinwangtau abzufahreu, um dort die britischen Interessen zu schuhen. Die Nanking« Regierung erhält täglich unzählige Telegramme aus den verschiedenen Kreisen und von militärischen Befehlshabern aus ganz Chino, die um Anweisungen bitten, gegen die Japaner nach Rordchina zu marschieren. Ein sehr einflußreicher chinesischer Führer erklärte einem Vertreter der Agentur Reuter, die Chinesen seien einmütig entschlossen, die Provinz Jehol zu verteidigen. Cs sei jetzt unmöglich geworden, den Zorn des Volkes vor den wachsenden Herausforderungen der Japaner zu bändigen. Jede Hoffnung, der Völkerbund könne für China etwas Positives leisten, sei aufgegeben worden. Es herrscht in Nanking große Die Pforte von Schanhaikwan Don Dr. Paul Rohrbach. Tokio, 6.3a n. (TU Funkspruch.) Das japanische Kabinett billigte am Freitag einstimmig die Haltung der japanischen Militärbehörden in Schanhaikwan. Das Kabinett nahm den Vorschlag des Außenministers an, wonach die Verhandlungen zur Beilegung des Falles Schanhaikwans nicht vom japanischen Außenministerium unmittelbar, sondern von den örtlichen japanischen Vertretungen in Tientsin oder Peking geführt werde sollen. Sollte die chinesische Regie- rung öen örtlichen Charakter des Falles Schanhaikwans nicht anerkennen, so dürfte die japanische Regierung den chinesischen Behörden keine neuen Vorschläge unterbreiten, sondern den japanischen Militärbehörden Handlungsfreiheit geben. Das japanische Kriegsministerium teill mit, daß von amtlicher japanischer Seite a n -.-janghsueliang ergangenen Warnungen, das japanische Oberkommando jetzt neue Meldungen vorliegen habe, wonach Tschanghsueliang im Einverständnis mit General Feng weitere chinesische Truppen zusammenziehen wolle. Angesichts dieser chinesischen Truppenzusammenziehungen müsse die gesamte militärische Lage in geben werde. Diese aus der NSDAP, ausgeschie» dene Straßer-Gruppe sollte dann in dem kommenden Wahlkampf den Kern einer neuen Regierungspartei abgeben. Auch das scheinen nur Kombinationen zu sein, die wenig Wahrscheinlichkeit für sich haben, und bei denen wohl der Wunsch der Vater des Gedankens war. Wir halten Herrn von Schleicher für viel zu klug und vorsichtig, als daß er sich der Gefahr einer ähnlichen Niederlage aussetzen könnte, wie einst Dr. Brüning, als er durch Absprengung des Treviranus-Flügels von den Deutschnationalen den Versuch machte, eine neue zur Mitarbeit bereite konservative Partei zu gründen. Die Spuren schrecken. Was damals gegen den fest in der Hand Hugenbergs verbliebenen Organisations- und Presseapparat der Deutschnationalen Partei nicht gelungen ist, müßte auch heute gegen Hitler mißglücken. Mag also auch eine gewisse Fühlungnahme zwischen Schleicher und Straßer oder, was wahrscheinlicher ist, zwischen Vertrauensleuten beider stattgefunden haben, so glauben wir doch nicht, daß der Reichskanzler durch voreilige Abmachungen mit Straßer Hitler vor den Kopf stoßen würde, solange noch irgendwelche Aussichten bestehen, mit Hitler selber ins Reine zu kommen. Auch Straßer wird seine Hoffnung nicht jetzt schon vor einer Aussprache mit H'tler aufgegeben haben, innerhalb der nationalsozialistischen Partei für eine Teilnahme an der Regierungsverantwortung zu werben. Es steht also vermutlich alles Gewehr bei Fuß, und vor allem die Regierung sollte sich, ohne sich durch taktische Schachzüge ablenken und irritieren zu lassen, mit ganzer Kraft und schärfster Konzentration den großen sachlichen Aufgaben zuwenden, die trotz zahlreicher Beratungen noch immer der Lösung harren, zumal manche Vorgänge der letzten Wochen nicht immer den Eindruck gemacht haben, als ob innerhalb des Kabinetts über alle Pläne der Arbeitsbeschaffung wie der Landwirtschaftshilfe volle Klarheit herrsche. Hier liegt Schleichers dringendste Aufgabe. dahin, noch fraglicher ist, ob er diesmal mehr Er» folg haben würde, als während seiner Kanzlerzeit, aber das Ziel, die Einbeziehung der nationalsozialistischen Bewegung in eine nationale Konzentration, ist- es sicherlich wert, daß Herr von Papen sich, frei von allen persönlichen Empfindlichkeiten, die nach den Ereignissen des vergangenen Jahres durchaus begreiflich wären, mit aller Energie dieser für unsere weitere Entwicklung immer noch entscheidenden Aufgabe widmet. Gleichzeitig mit dieser Kölner Zusammenkunft Hitler-Papen wurde das Gerücht von einer Besprechung zwischen dem Reichskanzler v. Schleicher und Gregor Straßer verbreitet, inzwischen jedoch „von zuständiger Stelle" dementiert. Gregor Straßer war innerhalb der nationalsozialistischen Parteileitung im Gegensatz zu Goebbels, Göring u a. der entschiedenste Befürworter eines Kurses, der unter Aufgabe des bisher erhobenen Ausschließlichkeitsanspruchs auf sofortigen Eintritt in die Regierungsverantwortung hinzielte, auch wenn man nicht sofort die Führung des Kabinetts erlangen könnte. Man sagt auch Straßer, der als der konsequenteste Vertreter eines nationalen Sozialismus gilt, gute Beziehungen zu den Gewerkschaften verschiedener Richtungen nach, er vertritt gleichsam die NSDAP, in der zwar viel besprochenen aber immer noch recht vagen „dritten Front". Straßer hatte nun, als er weder im August noch im November mit seiner Auffassung gegen Goebbels und feinen Kreis durchgedrungen war, sein Amt als Reichsorganisationsleiter der NSDAP, niedergelegt und war auf Urlaub gegangen, ohne indessen bisher die Reihen seiner Partei verlassen zu haben wie früher schon sein Bruder Otto. Eine damals in Aussicht gestellte Aussprache mit Hitler hat bis jetzt noch nicht stattgefunden, Straßer ist indessen nach Berlin zurückgekehrt und daran knüpfen sich die Gerüchte von einer Besprechung mit dem Reichskanzler, nachdem vorher schon davon gesprochen worden war, daß Straßer sich etwa 40 Abgeordnete feiner Dartei ehrenwörtlich und schriftlich verpflichtet habe, mit ihm die Partei zu verlassen, wenn Hitler ihrem Wunsch nach einem Kurswechsel nicht stall- * Wie ein Schatten huscht die graue Ziegelmasse zu beiden Seiten am Waggonfenst« vorbei. Gleich danach hält der Zug. Schanhaikwan! Wir sind in China. Keine Aenderung der Hmtoelt, Landschaft und Menschen bleiben dieselben. Seit dem Sturz der Mandschudynastie wird die Man« dschurei selbst zu einem Stück China. Seit zwanzig Jahren fließt ein Strom von Auswanderern aus den chinesischen Rachbarprovinzen durch die Mauerlücke nach Rorden. In zwei Jahrzehnten hat er die Bevölkerung der Mandschurei von drei Millionen auf dreißig Millionen wachsen lassen, a l l e s C h i n e f e n. Es ist eine stärkere Völkerwanderung, als die war, durch die sich nach dem Dau der Pazifikbahnen der amerikanische Westen füllte. Diese Wanderung geht lautlos vor sich. Der chinesische Dauer, der seinen übervölkerten Hei- mattwden verläßt, hat selten das Geld, mit der Eisenbahn zu fahren. Auch wenn ec es hat, so spart er es lieber. Das ganze Frühjahr hindurch w a n d e r n die Trupps zu Fuß längs der Dcchn- linie, familienweise. Die Männer tragen ichr Dün- ter ohne Furcht und Tadel", wie Schleicher in seiner Rundfunkrede feinen Amtsvorgänger Papen apostrophiert hat, einer Intrigue gegen seinen ehemaligen Kabinettskollegen und Nachfolger im Kanzleramt fähig wäre. Er selber hat ja auch jede Unterstellung, als ob die Zusammenkunft mit Hitler eine Spitze gegen Schleicher habe, ausdrücklich zurückgewiesen. Maa es auch nicht klar ersichtlich fein, wer diese Unterhaltung angeregt hat, ob Papen, Hill« ober jene schon genannte drille Seite, so bleibt doch die interessante Feststellung, daß man allem Anschein nach in dem schärfsten und kompromißlosesten Verfechter eines autoritären Kurses den geeigneten Mittler zwischen Reichspräsident und nationalsozialistischer Bewegung sah. Ob Herr von Papen sich bereit erklärt b«* Rolle zu übernehmen, steht Der Zug von Mukden nach Peking fährt nahe am Ufer des Gelben Meeres. Dicht zur Rechten hebt sich das Gebirge der Provinz Jehol, zur Linken glitzert die See. Wir sind in dem langen, schmalen Zipfel zwischen Berg und Meer, den die Manoschurei nach Südosten aus- streckt. Dort aber, gleich hinter der langen, grauen Mauerlinie, die von den Bergen herabkommt, liegt China, das wirkliche China! Diese Mauer war einmal die Grenzwehr des Reiches gegen die nördlichen Darbaren. Sie heißt auf Chinesisch „Wan-li-tschang-tschöng", d. h. „Das 10 000 Li lange Festungswerk". Ein Li sind 500 Meter. In Wirklichkeit ist das Riesenwerk 3000 Kilometer lang. Sein westliches Ende liegt dort, wo, tief im innersten China, die uralte Handelsstraße aus dem Kulturland nach dem öden Hochasien den Hocmgho kreuzt. Das Ostende taucht ins Meer, und hier, mitten in der Pasjage- landschast zwischen China und der Mandschurei, liegt d i e D r e s ch e, die man hineingehauen hat, um den modernen Bahnkörper hin- durchzulegen. Mit dem von Staats wegen für die Weihnachtswochen verordneten Burgfrieden ist auch der innerpolitische Waffenstillstand zu Ende gegangen. Die Nationalsozialisten und vermutlich auch andere Parteien rüsten zu einem neuen Wahlkampf großen Stils, für den allerdings in Ermangelung eines größeren Objekts nur die für den 15. Januar ausgeschriebenen Wahlen zum Landtag des Landes Lippe, eines Gebiets, das mit feinen rund 160 000 Einwohnern nicht einmal die Einwohnerzahl unserer beiden hessischen Städte Mainz und Gießen ausmacht. In diesem engen Radius soll bis in das kleinste Dorf hinein eine Werbetätigkeit hineingetragen werden, wie sie man sonst nur bei großen politischen Entscheidungen zu entfalten pflegt. Das Wahlergebnis des 15. Januar soll dann die Möglichkeit geben, am Barometer der innerpolitischen Kräfteverteilung eine neue Marke abzulesen. Mag dies im Hinblick auf den Einzigen Ausschnitt des Reichsgebiets, der hier einer ungewöhnlich intensiven Propaganda unter roorfen wird, sachlich gerechtfertigt sein oder nicht, , m Tatsache ist, daß der Wahlausgang in Lippe dazu I trnh bestimmt ist, in der innerpolitischen Entwicklung t f * ber nächsten Wochen eine bebeutfame Rolle zu s - - spielen, unb daß bis dahin von keiner Seite Entschlüsse zu erwarten sind, die Parteien oder Regierung nach irgendeiner Seite hin festlegen könnten. Der Aeltestenrat des Reichstags hat diesem Schwebezustand ebenfalls Rechnung ge- XÄrTWÄ JE I -i- r.»r er „ft- angeln gierungserfläruna ein^uberurcn Menn an* (j-n. I werden. Ten in Jehol anfaffigen Japanern ist Zialdemokrcllen und Kommunisten, die beide Miß- "^m^Aullraa^bes wvanllcken^ ' trauensanträge gegen bas Kabinett Schleicher ein- „ -Tt l^p/wischen Kriegsministeriums gebracht haben, für sofortigen Kampf waren ist °m ^rap.benagentur die Entscheibung schließlich boch für einen späteren Rengo e.ne halbamtliche Erklärung über Termin aesalleo J IP Schanhaikwan. Danach hatten bie zapani chen Trup- Z „I m i -rx ,r . m Pen bie Stabt besetzt, weil bie chinesischen Der neuen Regierung ist also eine Verlängerung Truppen bas Borerabkommen nicht der Anlaufsfrist um aut zwei Wochen bewilligt I beachtet hätten. Der japanische Garnisonchef worben. An einem Hinausschieben ber Entschei- I habe sich zuvor mit ben amerikanischen bung haben auch bie stwtionalsozialisten ein leb- Truppen in Derbinbung gesetzt unb sei Ijaftes Interesse gezeigt. Sie wollten sogar bie Ein- I erst bann vorgegangen, um bie festgesetzte Zone von berufung bes Reichstags seinem Präsibenten Gö- ben chinesischen Truppen zu säubern. Das Kriegs- rujg überlassen und haben sich konsequenterweise minifterium teilt mit, baß von einem Rückzug ber bann bet ber Abstimmung über ben Zentrums- japanischen Truppen aus Schanhaikwan keine Rebe antrag ber ben Termin der Einberufung auf ben sein könne. Zuvor müßten die japanischen 24^Januar festlegen wollte, ber Stimme enthalten, Forberungen erfüllt werben, um erst einmal ben Wahlausgang in Lippe abwarten zu können unb Zeit zu gewinnen, ihre (TbltlA fÜftcf türtl IRihßrffdtlb Stellung zum Kabinett Schleicher in aller Ruhe 1 Ufltt JUHl AÜIVll flUIIV. Zu überprüfen. Das liegt natürlich auch burchaus I Nanking, 6. Jan. (TU.) Unter dem Vorsitz im allgemeinen Interesse an einer nach allen Sei- I Tschiangkaischeks fand am Freitag eine ten hin restlosen Klärung ber innerpolitischen Lage. I Kabinettssitzung statt. Das Kabinett bil- Es ist besser, sie läßt noch etwas auf sich warten I ligte sowohl die bisherigen Maßnahmen und das und ist bann aber ganz einbeutig, als baß sie über- I Verhalten Tschanghsueliangs und beschloß, einen eilt unb ohne hinreichenbe Prüfung aller Möglich- Aufruf an das Volk zu richten, mit allen ketten erfolgen würde. Der Reichskanzler hat zwar I Kräften den Feldzug gegen Japan zu untererklären lassen, daß er jederzeit zur Vorstellung I stützen. Die Regierung hofft, daß der Völker- seines Kabinetts bereit fei, daß er aber auch un- I bund noch im letzten Augenblick ein- bebingt Wert auf eine klare Entscheibung greifen und Japan zur Aenderung seiner über bas Verhältnis zwischen Parlament unb I Politik gegenüber China zwingen werde. Die Reichsregierung legen müsse. Diese liegt bei ber vom Hauptquartier des japanischen Generals bekannten Einstellung von Sozialdemokraten und i Rakamura in Tientsin veröffentlichten Er- Kommunisten, bie beibe ihre Abneigung gegen den Hütungen, worin die Bewegung chinesi- General als Kanzler noch durch Mißtrauens- I scher Truppen aus Tschinwangtau anträge unterstrichen haben, ausschließlich bei ben „trotz der Warnung Japans" kritisiert wird, Nationalsozialisten. Der Fraktionsführer ber rufen in Peking ernste Befürchtungen wach. Etwa NSDAP., Dr. Frick, hat nun zwar schon in I 3000 Mann chinesischer Truppen sind von seiner Münchener Rebe von einem nattoncllsozia- I Tientsin in Richtung auf Tangshan listischen Mißtrauensvotum gesprochen — es liegt I geleitet worden. Auf Grund von Befehlen bis jetzt noch nicht vor — unb ben Sturz bes Ka- aus Ranking, einem Angriff Widerstand binetts angefünbigt, aber ob bie Entwicklung tat- zu leisten, sollen diese Truppen zur Derstär- sächlich dahin gehen wird, muß boch heute noch fehr fraglich erscheinen. Ein Mißtrauensvotum bes Parlaments würbe vermutlich bellen Auflösung Gregor Straßer verfolgte Politik eines sozialen unb nach einer nur kurz bemessenen Frist Neuwah- Ausgleichs abzubiegen. len 3ur tfolge buben. Daß baran aber die Natio- I Das sind, wie ausdrücklich betont werden muß, nalfojiahften augenblicklich fein Interesse haben, reine Kombinationen der „Täglichen Rundschau", hat auch Herr Dr. ^rick durchblicken lassen. Jeden- es würde dem Blatt vermutlich schwer fallen, dafür falls wollen sie erst die Oeneralpiobe in Cippe ab- handgreifliche Unterlagen beizubringen. Immerhin märten, bevor sie irgendwelche Entscheidungen jft diese Zusammenkunft von zwei Männern über; “e“en I raschend und erstaunlich, bie sich erst vor wenigen Die sich heraus zwangsläufig ergebenbe längere Wochen in schärfster Tonart einen Kamps geliefert Pause scheint hinter ben Kulissen zu einer Füh- haben, wie er erbitterter zwischen bem Regierungs- lungnahme in verschiebenen Richtungen benutzt zu ches unb einem zur Macht ftrebenben Oppositionswerben. Gleichzeitig tauchten im „Jungbeutschen" führ« kaum jemals geführt worben ist. Damals unb ber „Täglichen Runbschau" Gerüchte auf, über war es gerabe ber jetzige Reichskanzler von Schlei- Zusammenkünfte zwischen Gregor Straßer unb ch«, ber immer roieber Fühlung mit ben National- bem Reichskanzler von Schleicher, sowie zwi- sozialisten suchte unb auch von bem Führer ber schen Aböls Hitler unb Herrn von Papen. NSDAP, in feinem Kampf gegen das „Kabinett der Zumindest bas eine ist inzwischen von beiben Be- Barone" ausbrücklich ausgenommen würbe. Schlei- teiligten bestätigt worben. Der Führer ber NSDAP, ch« ist es benn auch gewesen, ber — bas ist ja heute hat Anfang ber Woche ben ehemaligen Reichskanz- längst fein Geheimnis mehr — wie er einst Brüter im Hause bes Kölner Banfiers Baron Schröber ning gestürzt hatte, als biefer bie Einbeziehung ber getroffen unb mit ihm eine längere Aussprache ge- I NSDAP, in bie Verantwortung ablehnte, nun auch habt, bie sich nach einer Mitteilung bes Herrn bem Reichsfanzl« von Papen ben Boben unter von Papen um bas alte Problem ber Einglieberung ben Füßen sortzog, als er in ihm bas größte Hin- ber NSDAP, in eine nationale Konzentration bernis für eine Verstänbigung mit Hitler zu sehen drehte. Die „Tägliche Runbschau", bie zu ben meinte. Wenn also bie persönlichen Beziehungen schärfsten Gegnern bes ehemaligen Reichsfanzlers zwischen Schleich« unb Herrn von Papen feitbem gehört hat unb bie Betrauung Schleichers befon- sich abgekühlt haben sollten, so wäre bies begreif; ** ' ’ ....... ” * = lich. Trotzbem spricht nichts bafür, baß biefer „Rit- del, die Frauen die fleincn Kinder — durch Wochen, durch Monate (Sin Ese', um daZ biß- chen fahrender Habe zu tragen, ein Sajuokarcen, aus dem die gebrechlichen Alten sitzen, sind schon ein Stück Wohlstand. Irgendwo wird aclerbareS Land gesunden. Ein Loch in der Erde, ein Dach von dickem Kauliangstroh darüber, ein Kang, ein chinesischer Herd, gegen die Winterkälte darin aufgemauert — und das erste Heim ist fer- t i g. Im nächsten Jahr steht schon eine etwas bessere Hütte da; nach drei Jahren, nach fünf Jahren, ist es ein richtiges Bauerngehöft. So wurde zuerst die Südmandschurei kolonisiert, so drangen die chinesischen Siedler weiter bis in die Mitte des Landes, so schieben sie ihre Vorposten jetzt schon bis in den Norden. Hnb so breiten sie sich allmählich über ein Gebiet aus, das grötzer ist als Deutschland. Ihre natürliche Vermehrung ist kräftig, tote überall, wo ein Chinese eine Familie gründet. Alles aber, was heute in der Mandschurei seinen Spaten in die Erde stöbt, seinen Psiug anseht, in Schöng- fing, in Kirin, am Liauho. am Nonni, am ©un- gar i, ist einmal durch die Pforte von Schanhaikwan gezogen. Und an dieses Tor klopfen jetzt mit Gewalt — dieIapaner. Das ist gefährlich. China innerhalb der Mauer ist etwas Desonderes, nicht nur für das Ausland, sondern auch für die Chinesen selbst. Draußen ist Kolonialland. Heber feine staaisrechtl che Zugehörigkeit mag man streiten, drinnen aber ist oas alte „Land der Fünfhundert Familien". Seit Jahrtausenden ist es chinesischer Heimat- hoben. Hier einbringen wollen, könnte die Clemente entfesseln! Oie Kölner Zusammenkunft. Oie presse orakelt weiter. Berlin, 7. Jan. (ERB.) Die Morgenblätter beschäftigen sich auch heute noch eingehend mit der Unterredung Papen-Hitler und erörtern die von Popen und Hitler gemeinsam herausgegebene Erklärung. In einer Reihe von Zeitungen wird berichtet, dost Herr von Popen anfangs nächster Woche bei einem Besuch in Berlin dem Reichskanz - ler von Schleicher einen ausführlichen Bericht über die Kölner Besprechung und deren Vorgeschichte geben wird. Das B. T. bezeichnet die gemeinsame Erklärung als ein Dementi gegen den Völkischen Beobachter, der davon gesprochen hatte, daß Herr von Popen Hitler einiges über d i e Vorgeschichte des Kabinetts Schleicher erzählen wollte. Auch der Lokalanzeiger meint, dast mit dieser Erklärung alle Kombinationen einschließlich des Völkischen Beobachters richtiggestellt seien, und sagt, man müsse annehmen, daß auch die Frage über die Vorgänge beim Sturz des Kabinetts Popen, die immerhin eine gewisse Beziehung zu dem jetzt amtierenden Reichskabinett haben würden, entgegen der Vermutung des Völkischen Beobachters nicht erörtert worden sei. — Der Börsen-Kurier sagt, der Reichskanzler werde wohl kaum den Eindruck gewonnen haben, daß die hinter dem Kölner Bankhaus stehenden Inbuftriel- len bzw. deutschnationalen Kreise bei dem Versuch des Zusammenleimens der Harzburger Front es just aus die Stärkung des Kabinetts Schleicher abgesehen hätten. ' ’ Die „D A Z." fragt, ob es wirklich eine so ungeheuere Sensation sei, wenn bie Herren von Popen unb Hitler eine Aussprache gehabt hätten. Cs sei zu begrüßen, daß sich keiner von beiden der Hnterrcbuna entzogen habe: allerdings sei nicht recht ersichtlich, welchen praktischen Erfolg biese Bemühungen um eine große nationale Einheitsfront eigentlich hätten, denn einerseits sei Herr von Papen gegenwärtig ohne Amt unb könnte nur bas bestätigen, was er im Sommer unb Herbst über bie Absichten bes Reichspräsidenten gesagt habe, unb andererseits dürfte Hitler positive Cntschei- düngen erst bann treffen können, wenn er b i e Folgen des Falles Straßer für bie eigene Partei enbgültig übersehe. In einem „Schluß mit der Hetze" überschriebenen Artikel betont bie „D e u ts ch e Z « i t u n g" (alldeutsch) zu der Unterredung Hitlers und Pa- Pens in Köln u. a.: Wenn sich zwei nationale Männer, die sich noch vor kurzem so scharf bekämpft haben wie Hitler und Papen, zu einer ersten Aussprache über die Anbahnung einer großen nationalen Einheitsfront zusammengefun- ben hatten, so werbe sich jeder, bet den gegenwärtigen Z u st a n b b e r nationalen Zerrissenheit a 18 nationales Un- glückempfindet, darüber nur aufrichtig freuen können, Hm so eigenartiger müsse es berühren, bah versucht werde, die uneigennützigen Bemühungen des Herrn von Papen zu diffamieren. Das Blatt nimmt an, baß auch Schleicher diese Hetze verurteile. Wenn es wirklich um die Sache und nicht um die Person gehe, werbe gewiß kein Verbrechen und keine Inkrigue darin erblickt werden, wenn man sich um bie Bildung einer nationalen Front bemühe, um einen zersetzenden Wahlkampf durch Bildung einer Regierung der echten nationalen Sammlung zu vermeiden. Industrie und Landwirtschaft. • Aus Kreisen her Deutschen Bauernvereine. die inmitten der „Grünen Front" die bäuerlichen Interessen vertreten hoben, erhalten wir die nachfolgenden interessan len Aeußerungen zur Verfügung gestellt. Alle Länder sind heule durch den Weltverkehr irgendwie mit der übrigen Welt wirtschaftlich verbunden. Kein Land kann sich mehr wie vor 50 oder 100 Jahren aanz auf sich selbst beschränken. Daher ist auch kein Land, ob industriell oder agrarisch, wirtschaftlich, entwickelt oder rückständig, von der Weltwirtschaftskrise verschont geblieben. Die Vereinigten Staaten, die über fast unerschöpfliche Hilfsquellen verfügen, leiden unter ihr kaum weniger als das ausgebeutete, im wesentlichen auf seine Arbeitskraft angewiesene deutsche Volk. Sie ist eine der Hauptursachen der polnischen Unruhen in ben südamerikanischen Roh- stoffgebieten, und selbst in einem so eigenartigen, auf uralter Tradition beruhenden Lande wie Siam hot sie zu plötzlichen politischen Neuerungen geführt. Aber doch sind ihre Erscheinungen und Auswir- Jungen überall außerordentlich verschieden. In einigen Ländern hat besonders die Arbeitslosigkeit einen die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen des Staatslebens bedrohenden Umfang erreicht. Von der Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Welt, die, soweit sie mit einiger Zuverlässigkeit zu erfassen ist, vom Statistischen Reichsamt für Ende März 1932 auf 25,5 Millionen geschätzt wurde, entfallen allein 19 Millionen auf die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Deutschland. Diese Länder, die während der Zeit der Hochkonjunktur stolz darauf waren, an der Spitze der technischen Zivilisation zu marschieren, lernen jetzt bie Kehrseite der übersteigerten Jndustrie- ent Wicklung kennen. Während fest mit dem Heimatboden verwachsene Bauernoölker auch in den schwersten Notzeiten die Grundlage ihrer Arbeit und damit ihren inneren Halt nicht verlieren, sind bei den Jndustrieoölkern durch Verminderung der industriellen Arbeitsmöglichkeiten breite Schichten entwurzelt und bilden in ihrer Verzweiflung eine ernste Gefahr für die staatliche und gesellschaftliche Ordnung. Ein Vergleich der Arbeitslosenziffern mit der Verteilung der Bevölkerung nach der Berufszuae- Hörigkeit in verschiedenen Ländern gibt einen lehr- reichen Einblick in die Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit unb Wirtschaftsstruktur. Es betragt in ben Ländern: Erwerbstätige in Land- und in Industrie Erwerbslose Forstwirtsch. und Handel von her Gesamt- von der Gesamtzahl beoölkerung der Erwerbstätigen v.H. v. H. v. H. Deutschland 9,2 30,5 57,9 Der Staaten 8,6 26,7 50,1 Großbritannien 5,8 7,8 75,0 Niederlande 3,8 23,6 59,0 Dänemark 3,1 34,9 44,4 Italien 2,6 55,7 33,0 Frankreich 2,4 38,4 49,6 Die vorstehenden Ziffern über bie Artder Erwerbstätigkeit der Bevölkerung in ben genannten Länbern bieten zwar keinen absolut genauen Maßstab für den Grab der Industrialisie- rung der betreffenden Länder. Es lassen sich aber doch auf Grand dieser Ziffern sehr deutlich drei große Gruppen unterscheiden. Eine Gruppe bilden Deutschland, die Vereinigten Staaten unb Großbritannien. Das gemeinsame Kennzeichen bieser drei Länder ist ein besonders hoher Anteil der in Industrie, Handel unb Verkehr tätigen Bevölkerung. In Großbritannien beträgt er (natürlich einschließlich der heute Arbeitslosen) 75 Prozent der Erwerbstätigen, in Deutschland und den Vereinigten Staaten annähernd 60 Prozent. Diesem hohen Anteil der Industriebevölkerung entspricht auch ein besonders hoher Grad der Arbeitslosigkeit. Eine zweite Gruppe bilden Frankreich und Italien. Diese Länder sind in viel schwächerem Maße inbustriealisiert als die vorher genannten und haben dementsprechend auch eine viel geringere Arbeitslosigkeit, die für Ende März 1932 für jedes Land auf etwa eine Million geschäht wird. In Italien ist nur ungefähr ein Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung in Industrie, Handel unb Verkehr beschäftigt. Frankreich, ein Lanb mit außergewöhnlich ausgeglichenen Verhältnissen, besitzt zwar in einigen Bezirken des Nordens und Ostens eine bedeutende Großindustrie. Diese hat aber bisher bie wirtschaftliche Struktur unb ben Charakter bes französischen Volkes nicht wesentlich zu beeinflussen vermocht. In seinem Kem ist es ein Volk von Bauern unb Handwerkern geblieben, das zwar in gewissen Spezialitäten der französischen Produktion eine gewinnbringende Ausfuhr betreibt, aber in feinen wesentlichen Wirtschaftszweigen nicht vom Auslande abhängig ist. Eine Mittelstellung zwischen diesen beiden Gruppen nehmen als dritte Gruppe Holland und Dänemark ein. Allerdings haben diese beiden Länder keineswegs die gleiche Wirtschaftsstruktur. In Holland ist die Landwirtschaft erheblich geringer und die Industrie erheblich stärker vertreten als in Dänemark, weil es enger in den Weltverkehr verflochten ist und auch durch seinen Kolonialbesitz Absatz für Industriewaren hat. Aber sie haben das gemeinsam, daß sie ihre Landwirtschast aus die Ausfuhr um- gestellt haben und deshalb unter der Weltagrarkrise besonders schwer leiden. Ihre Absah- losigkeit dürste daher wesentlich darauf zurückzu- führen fein, daß ihre Industrie, die unter normalen Verhältnissen die gegebenen Absatzmöglichkeiten nicht überschreitet, infolge der jetzigen Notlage ihrer landwirtschaftlichen Abnehmer zu starken Einschränkungen gezwungen ist. Wenn man die heutige industrielle Arbeitslosigkeit als die furchtbarste Folgeerscheinung der Weltwirtfchaftskrise ansehen kann, so sind die vorstehenden Betrachtungen von grundsätzlicher Bedeutung für die Beurteilung der Wirtschaftspolitik der verschiedenen Völker. Sie zeigen, daß unter den Ländern des europäisch-amerikanischen Kulturkreises diejenigen von dieser Geißel am wenigsten heimgesucht worden sind, die ein gesundes Gleichgewicht zwischen Landwirtschaft und Industrie bewahrt und ihre Wirtschaft nicht unter die Herrschaft der Äuslandmärkte gebracht haben. Frankreich, das immer darauf bedacht gewesen ist, zu verhindern, daß die Industrie sich auf Kosten der Landwirtschaft entwickelte, ist heute viel glücklicher und widerstandsfähiger, als z. B. die Vereinigten Staaten es sind, die bis zum Jahre 1929 in einem überschwenglichen Glauben an die unbegrenzten Entwicklungsmöglichkeiten der Industrie Millionen von Menschen vom Lande in die Stadt ab- wandern ließen und die in der Landwirtschaft fehlenden Arbeitskräfte durch eine außerordentlich weit getriebene Mechanisierung der landwirtschaftlichen Arbeit ersetzten. Auch in Deutschland hat lange Zeit eine ungesunde Prosperität der Industrie die Landflucht begünstigt. Diesen Fehler wieder gutzumachen, ist die schwierige Aufgabe, die es jetzt zu lösen gilt. Amenla kündigt Kredite in polen. Warschau, 6. Ian. (TH.) Großes Aufsehen erregt hier die Tatsache, daß eine der größte n MaschinenfabrikenPolens,Lilpop, Rauh und Löwenstein, in Warschau, ihren Angestellten und Beamten gekündigt hat. Auch den Arbeitern soll demnächst gekündigt werden. Diese Maßnahmen sind darauf zurückzuführen, daß das amerikanische Bankhaus Mellon die Kredite in einer Höhe von etwa 16 Millionen Dollar gekündigt hat. Somit ist der seit fünf Jahren zwischen der Firma und dem Bankhaus Mellon laufende Vertrag gelöst. Durch diesen vernichtenden Schlag, den die Amerikaner gegen die Firma durch die plötzliche Krcditentziehrlng geführt haben, was nicht zuletzt mit der Weigerung Polens, seine Schulden an Amerika zu zahlen, Zusammenhängen dürfte, wird gleichfalls auch in nicht geringem Maße die polnische Eisen» bahngesellschaft betroffen, die dank der amerikanischen Kredite den größten Teil ihres Bedarfes an Waggons und Maschinen durch die Firma decken ließ. Da eine ernstliche Kredithilfe der Regierung oder der Staatsbank so gut wie aussichtslos erscheint, dürfte die Außerbetriebsetzung der Fabrik in kurzer Zeit zu erwarten sein. Oie Rechtsongleichung zwischen Deutschland und Oesterreich. Berlin, 6. Jan. (WTB.) Am 30 Dezember 1932 ist in Wien ein Abkommen über die gegenseitige Anerkennung der Konkurse und Vergleichsverfahren zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich unterzeichnet worden. Das Abkommen ist das erste dieser Art, das das Deutsche Reich geschlossen hat. Im Anschluß an die Arbeiten der Haager Privatrechtskonferenz ist hiermit ein toei te r ec Schrittzur Rechtsangleichung zwischen den beiden deutschen Staaten auf einem Gebiete getan worden, auf dem sich die Rechtsverschiedenheit für das Wirtschaftsleben besonders fühlbar macht. Mehr als 6000 Amnestierte in Preußen aus der Hast ent affcn. Berlin, 6. Ian. (CNB.) Die Gesamtzahl der auf Grund der Amnestie in Preußen aus der Haft entlassenen Gefangenen beträgt bis zum 4. Januar 6073. Im Kammergerichtsbezirk Berlin wurden 1013, in den Oberlandesgerichtsbezirken Breslau 727 Düsseldorf 599, Hamm (Wests.) 867, Köln 458, Königsberg 523, Naumburg 522 entlassen. In den Bezirken der übrigen kleineren Strafvollzugsämter beläuft sie sich auf zusammen 1364. Damit sind die Amnestierungen der Haftfachen abgeschlossen. Die Zahl der Verfahren, die auf Grund der Amnestie eingestellt wurden, steht noch nicht fest. Blinklicht statt Schranken. Halt! bei rotem Blinklicht oder nahendem Zuge Bahn Bei der Kreuzung der Provinzialstrahe Frankfu rt a. M. — Darmstadt mit der eingleisigen Nebenbahn Duchschlag — Sprendlingen — Oberroden beim Bahnhof Sprendlingen (Kreis Offenbach), durch eine ganze Reihe schwerer Hnglücksfälle einst die be- rüchtigste Kreuzung in weitem Hmkreise, hat sich die Einrichtung einer selbsttätigen Warnlichtanlage bestens bewährt: die Serienunglücks- sälle haben vollkommen aufgehört. Weitere Blinklichtanlagen dieser Art im Rhein-Maingebiet sollen folgen. In ganz Deutschland sollen vorerst etwa 100 Hebergänge mit Blinklicht statt Schranken versehen werden. Die Warnlichtanlage gibt fortgesetzt weihe Lichtsignale, sofern der Hebergang gefahrlos zu passieren ist: beim Herannahen eines Zuges schaltet sich selbsttätig rotes Blinklicht ein, das doppelt so schnell wie das weiße blinkt. Wandern und Herbergsbesuch. In den Uebernachtungszahlen, die die Herberge zur Heimat, Hinter der Westanlage, auszuweisen hat, spiegelt sich ein Teil der steigenden Not, die in unserem Vaterlande herrscht. Junge und alte Menschen, ohne geregelten Erwerb, liegen auf der Landstraße, schlagen sich mehr schlecht als recht durch und kehren abends in den Herbergen ein, die ihnen für wenig Geld, oder wie es auch häufig geschehen muß, ohne Gegenleistung Unterkunft gewähren. Im Jahre 1930 kehrten 15 575 Personen in der Herberge zur Heimat ein. Davon waren 6898 mittellos. Unter den Obdachsnchenden befanden sich 734 Jugendliche unter 18 Jahren. Im Jahre 1931 kehrten 16 532 Wanderer ein. 7501 waren mittellos, 9031 konnten bezahlen. Die Zahl der Jugendlichen stieg auf 923. Eine wesentliche Steigerung erfuhr die Zahl der die Herberge zur Heimat in Anspruch nehmenden Personen im Jahre 1932, in dem die Zahl auf 17 774 stieg. Der Prozentsatz der Mittellosen hat sich im vergangenen Jahre wesentlich erhöht. 10 208 mußten sich einquartieren, ohne finanzielle Gegenleistung, nur 7566 konnten ihr Nachtlager bezahlen. Von der Gesamtzahl waren 1416 Jugendliche unter 20 Jahren Nach den bisherigen Erfahrungen stieg immer im Winter die Zahl der Herbergsuchenden: das ist inzwischen etwas anders geworden. Die Besucherzahlen halten sich ungefähr die Waage. Jedenfalls ist die Zahl im Winter nicht wesentlich höher, als im Sommer. Biele von denen, die heute auf der Landstraße fein müssen und durch Singen, Musizieren und Hausieren einige Pfennige verdienen wollen, gehen im Winter wieder nach Hause. Es ist sicherlich vielen nicht bekannt, daß es in der Gießener Herberbe zur Heimat keine Pritschen, Strohsäcke und ähnliches gibt, sondern daß jeder Nachtlagersuchende ein Bett bekommt. Den Wanderern steht in der Herberge auch mancherlei Lektüre zur Verfügung, so daß sie sich in den Stunden ihres Gießener Aufenthaltes wohlfühlen können. Zahlen vom Lande. * Heuchelheim, 6.Ian. Die Auswirkung der schlechten Wirtschaftslage zeigt sich recht deut-' sich in der Zahl der obdachlosen, durchreisenden Personen, die jetzt täg'ich von der Gemeinde eine nächtliche Hnterlunst begehren. Während in früheren Jahren nur wenige fahrende Gesellen Herberge hier nahmen, ist ihre Zahl in den beiden letzten Jahren gewaltig gestiegen. Von 1927 bis 1930 bezogen jährlich weniger als 20 Personen in Heuchelheim Freiquartier. 1931 waren es aber 269 Handwerks- burschen. 3m vorigen Jahre jedoch übernächtigten 1450 Leute in den Räumen auf dem Backhaus in der Marktstraße. Darunter befanden sich sechs' Kinder und 81 meist ledige, weibliche Personen. Hebertoiegend sind es Arbeiter und Handwerker, die um Nachtlager bitten. Während in den Sommermonaten 70 bis 90 Personen beherbergt wurden, wuchs die Zahl im Oktober auf 167, im November auf 191 und im Dezember gar auf 302 Hnterkunftheischende an, also auf durschnittlich fast 10 Wandernde täglich. Die meisten davon sind im Westen, am Rhein und in den anliegenden Gegenden beheimatet, nur wenige in Ost- und Norddeutschland zu Hause. Nach diesen Zahlen kann sich jeder leicht eine Vorstellung über die Menge unserer Dollsgenossen machen, die heute ihr ßc- ben auf der Straße fristen. Größte Ausstellung Reparaturen,kampierte Anlagen; Tnvenhvr -l/cr&uuf BEGINN MONTAG DEN 9. JAN. Frankfurt^ goethe str.9.H An Kurschwimmbad in Wiesbaden. hochherzige Stiftung des Geheimrats Dr. Wilhelm o. Opel. WSV. Wiesbaden, 6. 3an. Für die Errichtung eines Kurschwimmbades am Veroberg hat Geheimrat Dr. Wilhelm von Opel der Stadt Wiesbaden den Betrag von 250 000 Mk. zur Verfügung gestellt, und zwar 100 000 Mk. schenkungsweise und 150 000 Mk. in Form eines zinslosen Darlehens mit sehr günstigen Rückzahlungsterminen. Durch diese hochherzige Stiftung ist die Kurstadt in di« Lage verseht, ein Freibad zu schaffen, das in ganz Deutschland einzigartig bleiben und ein sehr werbefähiger Kursaktor für Wiesbaden sein wird. Vach einem Beschluß des Magistrats wird das Bad den Vamen ^Opel-Dad am Veröde rg" erhalten. Eine weiter« Schenkung in Höhe von 20 000 Mk. hat Geheimrat Dr. Wilhelm v. Opel für die Schaffung eines ausreichenden Schwimmbeckens im Luft- und Sonnenbad gemacht. Das Kurbad am Vero- berg soll im Sommer eröffnet werden. Zwei Vlllen'Einbrecher feftgenommen WSN. Frankfurt a. TI., 6. Ian. In der Sil- oesternacbt wurde, wie berichtet, ein Einbruch in ein Einfamilienhaus in der Paul-Ehrlich-Straße ausgeführt. Die Töter waren über die Lauftreppe in den ersten Stock gelangt, hatten sich Zutritt in die Wohnung verschafft und alle Zimmer durchwühlt. Im Bureau montierten sie einen Kassen- schrank ab, und es gelang ihnen, die Panzerplatte zu sprengen. Mehrere tausend Mark Bargeld und wertvolle Schmuckstücke fielen den Tätern in die Hände. Schon am 4. Januar konnten die Täter von der Kriminalpolizei ermittelt und f e st - genommen werden. Es handelt sich um den 21jährigen Robert Würges und den 28jährigen Heinrich Mott. Beide haben seinerzeit in dem Prozeß gegen die Einbrecherkolonne Schüßler eine Rolle gespielt. Sie versuchten, ein Alibi für die Tatzeit nachzuweisen, doch ist ihnen dieser Beweis gänzlich mißlungen. ‘Wcttcrvor' ein ne Auf dem Festlande hat sich der hohe Druck weiter aufgebaut und einen Kern entwickelt, der sich von Frankreich bis zu den Donauländern erstreckt. Seine Wetterwirksamkeit wird sich in Bewölkungsrückgang und Zunahme der Ausstrahlung äußern, so daß nachts die Temperaturen durchweg unter Rull zu liegen kommen. Die Standhaftigkeit des hohen Drucks scheint aber nicht von langer Dauer zu sein, denn über Irland breitet sich eine neue Wmm.uft- welle aus. Wahrscheinlich wird sich im Lause der nächsten Woche dann wieder eine Grenzwetterlage zwischen hohem und tiefem Druck Herstellen. Wettervorhersage für Sonntag: Lokale Dunstbildung, sonst nur leicht wolkig und mehr aufhciternd, trocken, leichter Nachtfrost. Vorhersage für Montag: Vorerst noch trocken, weiterhin leichter Nachtfrost, später wieder Milderung wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 6. Januar: mittags 5,2 Grad Celsius, abends 2,3 Grad, am 7. Januar: morgens 0,3 Grad. Maximum 5,4 Grad, Minimum —1,0 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Januar: abends 0,3 Grad; am 7. Januar: morgens 0,2 Grad Celsius. — Niederschläge 1 mm. — Sonnenscheindauer 5K Stunden. Bekanntmachung. Betr.: Rechnungsstellung. Es wird hiermit erneut darauf hingewiesen, daß Rechnungen über Lieferungen und Leistungen nur dann anerkannt und bezahlt werden, wann hierfür die von der unterzeichneten Verwaltung ausgestellten Bestellscheine vorliegen. Rechnungen ohne Bestellscheine werden zurückgewiesen. Die Rechnungen sind jeweils in doppelter Ausfertigung einzureichen; hierbei ist Bedingung, daß die Bestellscheine den Rechnungen beigefügt sind. 154D Gießen, den 6. Januar 1933. Direktion der Städtischen Elektrizitätswerke und Straßenbahn. S t o l t e. Die ersten Holzversteigerungen der Fürst zu Solms-Lichfchen Oberfötftetei Lich. Montag, den 16. Januar, werden in der Meilbach und im Mönchwold versteigert: rm Scheitholz: Buche 332 Eiche 33, Birke 12, Fichte 24; Knüppel: Buche 147, Eiche 73, Birke 12; Stockholz: Buche 11; Reisholz (Wellen): Buche 3140, Eiche 3330; außerdem zirka 5 fm Buchen-Schnittholz, zirka 15 fm Eichen-Stammholz (Wagner- Holz), zirka 3% fm Birken- und Elsbeer- Stammholz, zirka 100 ausgesuchte Fichten- Derbstangen 2. und 3. Kl. und 25,2 rm Gartenpfosten. — Das Holz sitzt meist an versteintcn Wegen, die guten Eichen-Forst- wellen an der Waldstraße nach Burkhards- felden. 155D Zusammenkunft 9% Ufjr am Meilbach- Pflanzgarten. Dienstag, 17. Januar, werden im ktonze- buhl und Breuerberg versteigert: rm Scheitholz: Buche 298, Eiche 8; Knüppel: Buche 48, Eiche 17, Rüster 3, Erle 7; Stockholz: Buche 59; Reisholz (Wellen): Buche 2430, Eiche 535, Esche 55, Erle 320; außerdem zirka 21 fm Buchen- Schnitthol;, zirka 6 fm Eichen- Schnitt- und Stammholz, 6 Eschen-Deichseln, 370 Fichten-Bohnenstangen (gebündelt).— Das Holz sitzt nahe der Straße Lich—Gießen, die guten Eichen- und Erlen-Forstwellsn hinter dem großen Teich. Zusammenkunft 10 Uhr am Waldein- ganq Großer Albacher Teich. Mittwoch, 18. Januar, werden im Can- geberg versteigert: rm Scheitholz: Eiche 2, Kiefer 21; Knüppel: Buche 15, Eiche 24, Birke 12, Linde 8, Fichte 28; Knüppel- rciser: Eiche 38; Reisholz (Wellen): Buche 480. Eiche 40; rm Gartenpfosten: Eiche 8. — Das Holz sitzt an und in der Nähe der Straße Nieder-Bessingen—Langsdorf. Zusammenkunft 10 Uhr am Weldeingcmg dieser Straße. Brenn- unt> Ruhholzversteigerung im Gemeindewald Langsdorf. In den Distrikten Entenpfuhl, Klafterschlag. Große Seif und Streiteck werden nach vorheriger Zusammenkunft am Waldeingang des Nonnenröther Weges am Mittwoch. dem 11. Januar 1933, vormittags 9Vi Uhr, versteigert: 150V Brennholz. Scheiter rm: Buche 1. Kl. 800; Buche 2. Kl. 4,6; Hainbuche rund 23,9; Eiche (gespalten) 51,6; Kiefer und Fichte 17,9. Knüppel rm; Hainbuche 12; Eiche 27,3; Kiefer und Fichte 16,5; Weymouthskiefer 13,7. Knüppelreisig rm: Buche 9,2; Fichte 3,7. Stöcke rm: Fichte 15,8. Ruhholz. Detbffangen: Fichte l.Kl. = 25 St.; 2. Kl = 23 St.; 3. Kl. = 32 St.; Douglasie» 1. Kl. - 31 St.; 2. Kl. = 34 St.; 3. Kl =32 St. Reisslängen: Fichte 4. Kl. - 11 St; 5. Kl. = 4 St. Nuhscheitec: Eiche 2,3 rm (2,2 m lang); Hainbuche 1 rm (2 m lang). Ruhknüppel: Fichte 8,2 rm (3 m lang); Douglasien 3 rm (3 m lang). Jtuhreifig: Douglasien 6 rm. Aeußerst gute Abfuhrlage. Sämtliches Buchenscheitholz lagert auf der Abtriebsfläche, direkt an der Nonnenröther Chaussee. Günstige Zahlungsbedingungen. Langsdorf, den 5. Januar 1933. Hessische Bürgermeisterei Langsdorf. Kneipp. Brennholzversteigerung Freitag, den 13. Januar, vormittags 10 Uhr beginnend, werden im „Deutschen Haus" folgende Mengen Holz öffentlich verkauft: 1220 Distrikt 17, 18, 36b, 48, 49: 129 rm Eichen-Scheit und Rollen. 226 rm Eichen-Knüppel. 235 rm Buchen-Rollen. 231 rm Buchen-Knüvpel. 10245 Stück Buchen-Wellen, zum Teil Durchforstungswellen. Brandoberndorf, den 5. Januar 1933. Der Bürgermeister. Stahl. Bekanntmachung. Dienstag, den 10. Januar 1933, findet Rindvieh- (Nutzvieh.) Markt statt; fämt- lichcs Vieh wird gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. 120C Auftriebszeit am Markttage von 8 bis 9 Uhr vormittags. Der nächste Schweinemarkt findet Mittwoch, den 25. Januar 1933, statt. Gießen, den 7. Januar 1933. Bürgermeisterei Gießen. ______I. V.: Dr. Rosenberg.______ Vergleichsverfahren. Ueber das Vermögen des Gustav Bergan in Gießen, alleiniger Inhaber der Finna Else Dittmar in Gießen, ist am 5. Januar 1933, 16 Uhr, das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses eröffnet worden. Der Rechtsanwalt Dr. Aaron in Gießen, Bahnhofstraße 46, ist zur Vertrauensperson ernannt. 159D Termin zur Verhandlung über den Vergleichsvorschlag ist auf Mittwoch, den 1. Februar 1933 vormittags 9 Uhr vor dem Amtsgericht in Gießen, Zimmer Nr. 201, anberaumt. Der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens nebst feinen Anlagen, und das Ergebnis der weiteren Ermittlungen find auf der Geschöftstelle zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Gießen, den 5. Januar 1933. Geschäftsstelle des Hessischen Amtsgerichts Gießen. Ruh- und Brennholzversteigerung im Llcher Stadtwalde. Im Distrikt Zappenau und Mönchköpfe werden nach vorheriger Zusammenkunft in Zappenau am Kuhloch am Donnerstag, dm 12. Januar 1933, vormittag, 10 Uhr, versteigert: 136D Buche und Eiche: Scheiter 650 rm, Knüppel 95 rm, Stöcke 124 rm, Wellen 4600 Stück. Ahorn 350 Stück. 29 rm Eschen- Reisig 1. Kl. und 2 Lose Eichen- und Fichten-Schlagreisig. Stämme: Eiche 3., 4. und 5. Kl. 4 Stück, 3,06 fm. Ahorn 0,20 fm und 7 St. Ahorn-Derbstangen. Alles Nähere ist in der Bekanntmachung an der Ortstafel der Gemeinden zu ersehen. Günstige Zahlungsbedingungen. Nächste Holzversteigerung: Donnerstag, 19. Januar 1933. Lich. den 5. Januar 1933. Hessische Bürgermeisterei Lich. Geil. Die Holzversteigerungen der Fürst zu Solms-Lichschen Oberförsterei Lich finden voraussichtlich wie folgt statt: Montag, 16. Januar Dienstag, '7. „ Mittwoch, 18. „ Montag, 23. „ Dienstag, 24. „ Mittwoch, 25. „ Montag, 30. „ Dienstag, 31. „ : Meilbach Konzebühl Langeberg Hard Höler Riedwald Höler-Fuchsstr. Br. Wald- Graudorn Mittwoch, 1. Februar: Münchwald Bitte die Samstags-Nummern beachten! 22D repariert Fr.Linker & Sohn Ludwigstraße 16 8552v Telefon 3 >31. 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Durch den französischen Abrüstungsoorschlag, der — wenigstens in der Theorie — auf eine Um- Wandlung der stehenden Heere in eine M i l i a hinzielt, richtet sich der Blick des neuen politischen Jahres vor allem nach der Schweiz und nach Italien. Don der Eidgenossenschaft weih man, dah sie die Heranziehung aller wafsen- ähigen Männer zur militia, d. h. zum Kriegsdienst eit einem Menschenalter durchgesührt hat, vom aschistischen Staate — hört man s. Genaues weih eiten einer zu sagen und in d er Tat ist d i e A r - m e e Mussolinis, das Heer der Schwarzhem- den, die MBSN. (Milizia Volontaria Sicurezza Nationale) eine Wehrorganisation, von der man wie von gewissen Ländern sagen könnte, sie habe keine feststehende Grenzen. Aehnelt die Schweizer Miliz, die nach der Militärorganisation vom 12. April 1907 die Wehrpflicht vom 20. bis zum 48. Lebensjahre vorsieht, dem amerikanischen Heer, so die faschistische Miliz eher der Milizr e s e r o e Großbritanniens, bei der man 6 Jahre dient — oder diente, denn möglicherweise bestehen bereits mehr oder minder geheime andere Vorschriften. Dieses Unbestimmte, dieses Unberechenbare ist es vor allem, was die Miliz Italiens von der schweizerischen unterscheidet und kennzeichnet, was die Heereszisfern unklar macht und ängstlichen oder übelwollenden Militärkritikern die Feder führt. Bei den lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den lateinischen Schwestern kommt es bekanntlich schon über die Flottenstärke, obwohl alle Einzelheiten aus den Marinekalendern ersichtlich sind, zu Meinungsverschiedenheiten, und wenn ein Franzose das feldgrüne Heer der Halbinsel durch das Mikroskop betrachtet, addiert er gerne ein schwarzes dazu, das er der Zahl nach aus feiner Vorstellung berechnet Mangels genauer amtlicher Unterlagen, wie zur Entschuldigung angeführt werden darf. Aber weih man denn in Rom, wie viele junge Männer das schwarze Hemd tragen, wenn sie unter den Waffen stehen? Nein, das weih kein Kammerunteroffizier und kein Duce. Und das ist es ja gerade, diese Durcharmierung des Volkes mit seiner immer wachsenden Zahl, die der Miliz ihre Stärke verleiht, solange der Einheitsstaat besteht. In einem Parteienstaat wäre die Grenzenlosigkeit eine Schwäche, das Unüberschaubare eine Gefahr. Mussolini dagegen hat die Gewißheit, daß das ganze Volk bewaffnet hinter ihm steht. Daß die Miliz keine anderen Götte- neben sich hat, getreu ihrem Schwur, den jeder ablegen muß, wenn er als Zeichen politischer Mannhaftigkeit das Ge- wehr erhält: mit allen Kräften und nötigenfalls auch mit seinem Blute demDuceundderRe- v o l u t i o n zu dienen. Hier ist der Gegensatz zur schweizerischen Miliz, die ein nationales, mit ihrem Blute das Vaterland verteidigendes D o l k s che e r sein will, dokumentarisch herausgearbeitet. Mehr noch: die faschistische P a r t e i m i l i z nennt sich und ist eine Organisation von Freiwilligen, kennt also nicht die allgemeine Wehrpflicht, wie die Schweiz. Sie unterscheidet sich als Parteiheer aber wieder insofern wesentlich von ähnlich scheinenden Truppen anderer Länder, als diese Partei eben d i e einzige der Nation, die Staatspartei ist. Und ferner: die faschistische Miliz ist geschickt ins königliche Heer hineingeschoben, selbständig und doch ein wichtiger Faktor der Feldgrünen, ja, den Soldaten des Königs zahlenmäßig weit überlegen. Seinerzeit, nach dem Marsche auf Rom, als Mussolini fein Ziel erreicht hatte und seine Sturmabteilungen damit abbaureif schienen, war diese Ein- kaderung ins Heer eine Verlegenheitslösung, jedoch eine meisterhafte. Das Odium einer Prätorianergarde fiel, ihre Macht blieb und wuchs. Die Stoßtruppen verloren ein nahes Ziel, den Gegner im Lande, und gewannen ein ferneres und edleres, den Gegner draußen. Sie wurden staatsnational der Gesinnung nach, wenn sie auch die Parteiuniform nicht ablegten. Und als ihr Führer dem Geheimnis der staatlichen Fortzeugung auf die Spur kam, indem er der Miliz den Lebensrhythmus selber, die immer neu erstehende Jugend als Nährboden unterschob, konnte sie sich mit Volk und Staat g l e i ch s e tz e n , sie wurde selber Nation. Das mag wie eine Tirade klingen, ist es aber nicht. Denn indem die Mutter schon ihrem Säugling so- aufagen das schwarze Hemd anzieht, indem sie das Kind, sowie es laufen kann, in die „Balilla" ein- schreiben läßt, gibt sie es der Miliz, der Partei, dem Staat. Aus dem kleinen Balilla wird der Avanguardist und aus diesem der Milite, der so die militärische Zucht, den Geist des neuen, des eisernen Roms mit der Muttermilch ausgenommen hat und nicht etwa aus Dersorgungsgründen „in die Partei eintritt", denn der Artikel 18 dieser ordens- ftrengen Gemeinschaft lautet: „Der Milite hat nur Pflichten und keine Rechte, ausgenommen die Genugtuung, feine Pflichten zu erfüllen." Da nun mit wachsender Bevölkerungszahl jedes Jahr die Masse der aus der Avanguardia zum Kampffascio übertretenden jungen Männer an- schwillt, diese daneben auch ihrer Soldatenpflicht im königlichen Heere genügen müssen, ersaßt das schwarze Heer nach und nach die ganze waffenfähige Bevölkerung: wir haben das Schweizer System plus Armee, wir haben Berufs- Heer und freiwillige Miliz. Einen Statistiker könnte das bei seiner Aufgabe, die Truppenzahlen festzu- stellen, noch immer nicht schrecken, aber nun sind da noch die Syndikate, die Berufsorganisationen, die Studentenbünde und andere Fisci, im Fascio, die alle das Liktorenabzeichen tragen, es kommen die weiblichen Fofci bazu, die Sanitäts- und Hilfsdienste — kurze in unüberfehbaresHeer, das auf einen Wink des vergötterten Führers sich erheben würde wie ein Mann. E i n Volk in Waffen, hier ist es verwirklicht. Als Höchftkommandierender steht über allem natürlich der vielfache Minister M u f f o 11 n i, Gene- ralftabsdjef der Miliz ist gegenwärtig General le- ruzzi. Ihm unterstehen neben der eigentlichen Kampftruppe, die ihre eigenen militärischen Formationen und Waffen hat, die ihre Bluttaufe vor einigen Jahren in den libyschen Gefechten erhielt, die Italien eigentümlichen, beruflichen Abarten der Miliz: es gibt eine Eisenbahn- und Straßenmiliz, eine Hafen-, Forst- und Postmiliz — liebensroürbige Soldatenbeamte, mit denen der Ausländer zuerst in Berührung kommt, ohne immer um ihre Bedeu- tunq zu wissen. Dann hat die Miliz, wie die schweizerische, ihren militärischen Vorunterricht, ihre Iu- gendausbildung, bildlich gerne öargefteUt durch Buch und Gewehr, drängen doch die intellektuellen Schichten besonders zur schwarzen Armee, und vor allem die reichen jungen Männer, die nach alter römischer Sitte eigentlich ihre schönsten Jahre faulenzend verbummeln mühten, weil es sich nicht schickt, eine Stellung anzunehmen. Wer sich dazu immer noch nicht entschließen kann, anderseits gemerkt hat, wie das süße Nichtstun aus der Mode gekommen ist, hat als Milite einen leidlichen Ausweg. Und, nicht zu vergessen, ein gutes Sprungbrett. Das amtliche Italien von heute zieht Männer vor, die im Ernstfälle für ihre Ueberjeugung auch mit der Waffe eintreten können. Nordischer Gprachenkrieg. Don unserem K-Derichterstatter. Oslo, Ende Dezember 1932. In Norwegen ift feit Jahren ein erbitterter, toeim auch unblutiger Krieg im Gange. Nicht um materielle Dinge geht es in diesem Kampf, sondern — man sollte es nicht glauben — um das Vorrecht einer Sprache bzw. um das Verdrängen der einen Sprache durch die andere. Kurzum, die beiden Gegner im Streite find das Niksmaal — die Reichssprache, die seit Jahrhunderten anerkannte Staats- und Gelehrtensprache Norwegens, und das Landsmaal, die Sprache des Landes und der Bauer n, die seit undenklichen Zeiten in den Tälern u: 3 den Gebirgsdörfern, in den wild zerklüfteten Fjorden und auf den einsamen Höhen nahe der Mitternachtssonne gesprochen wird. Es ist für den Ausländer nicht uninteressant, die verschiedenen Phasen dieses Sprachkampfes zu verfolgen, besonders die in den letzten Jahren in steigendem Maße erfolgende Umbenennung der norwegischen Städte. So wurde aus dem dänisch-norwegischen K r i st i a - n i a das neu-norwegische Oslo, aus dem bekannten Trondhjem (Drontheim) — Nida- ros usw. Darüber hinaus ist dieser „Streit um Worte" der Ausdruck eines sich selbst bewußt werdenden Norwegertums, das in politischer Hinsicht die dänische Fremdherrschaft seit über 100 Jahren abgeschüttelt hat und nun auch kulturell sich von der dänischen Bevormundung freimachen will, um auf die urwüchsigen Kräfte seines Landes und seiner Bauernschaft zurückzugveisen und sie von neuem zu Ehren und Ansehen zu bringen. Wenn wir Zne sprachlichen Verschiedenheiten in Norwegen zurückverfolgen, so erkennen wir, daß dieWe st Norweger ursprünglich eine Art von Dänisch sprachen und ihre nördlichen Landsleute eine Art von Schwedisch. Da das Land zudem durch die zahlreichen, tief einschneidenden Fjorde örtlich sehr zerklüftet war, die zwischen diesen Fjorden gelegenen Landschaften außer durch das Wasser auch noch durch Gebirgsläufe getrennt wurden, lebten seine Bewohner jahrhundertelang abgeschlossen und zurückgezogen für sich. Bei dieser Zerklüftung konnte das von Süden her allmählich eindringende Schriftdänisch naturgemäß nur geringen Widerstand finden, um so weniger, als 1387 die norwegische Krone an Dänemark gefallen war und beide Länder über 500 Jahre durch Personalunion verbunden waren. Aber die sprachliche Gemeinschaft überdauerte auch noch mehr als zwei Menschenalter die 1814 aufgehobene politische. Das Halbjahrtausend unter der dänischen Krone blieb natürlich nicht ohne Einfluß auf Verwaltung und Unterricht, denn die dänischen Beamten, Pfarrer, Lehrer und Kaufleute sprachen und unterrichteten in ihrer Sprache, und, da sie die Oberschicht bildeten, zwangen sie die Norweger, sich der dänischen Sprache zu bedienen oder wenigstens ihre Sprache der dänischen anzugleichen. So kommt es, daß auch heute noch die städtische Oberschicht dänisch spricht, wenn auch durch die harte Aussprache und die verschiedene Rechtschreibung sich allmählich ein Unterschied zwischen dem sich fo herausbildenden Riks- maal, der Reichssprache, und dem eigentlichen Dänisch ergab. Neben der Reichssprache ist aber das eigentliche Norwegisch, das Landsmaal, das — wie schon betont — in vielem engste Verwandtschaft mit dem Schwedischen zeigt, im Volke stets im Gebrauch gewesen und konnte nie völlig durch die Reichssprache verdrängt werden. Während also auf der einen Seite die Abgeschlossenheit und Zersplitterung der norwegischen Siedlungen das Vordringen der Reichssprache auf dem Lande begünstigte, ermöglichte auf der anderen Seite gerade diese Weltakmeschiedenheit in den Tälern des Nordens die vom Süden nicht oder nur sehr schwer zugänglich waren, den Fortbestand des klangvollen, urwüchsigen Landsmaal, das sich in bunter Farbenpracht und vielfältigen Dialekten in den einzelnen Bauernsiedlungen und Tälern weiter vererbte. Es ist deshalb verkehrt, das Lands- mal oder Neu-Norwegisch als eine aus bäuerlichen Dialekten zusammengesetzte Kunstsprache zu bezeichnen. Denn es hat, auch während bergenden Dauer der Dänenheiwschast und auch später, eine eigene norwegische Sprache in lebendigem Gebrauch gegeben. Sie war niemals tot, nicht einmal untergetaucht, sondern hatte sich nur in die Einsamkeit der tiefen, dunklen Wälder, in die ....................... M Geheimrat Ernst von Borfig, der MitinhabeO der bekannten Berliner Maschinenfabrik A. Borfig, und ein Enkel des Gründers der gtrnm starb im 64. Lebensjahre. Als Vorsitzender der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände sowie des Gesamtverbandes deutscher Metallindustrieller, als Mitglied des Präsidiums des Reichsverbandes der deutschen Industrie und des Reichswirtschastsrate« spielte er im wirtschaftlichen Leben seit Jahrzehnten eine bedeutsame Rolle. geheimnisvollen Fjorde und schwer zugänglichen Gebirgstäler zurückgezogen, wo sie wie seit alters her von den Dauern gepflegt und gesprochen wurde, während weit unten im Süden mit der dänischen Kanzleisprache regiert wurde und die von der Regierung «später von der Gewohnheit abhängigen Kreise die fremde Sprache bevorzugten. Das nach langer Demütigung wieder hergestellte nationale Selbstgefühl hatte ganz selbstverständlich in den Jahren nach der Trennung von der dänischen Oberhoheit das Bedürfnis nach einer von fremden Einflüssen unabhängigen Sprache, und Ivar Aasen war es, der um die Mitte des letzten Jahrhunderts zunächst unter größtem Widerstand auf die vielen verschiedenen Dialekte der Täler, die sog. Talsprachen, hinwies und sie zu einem Landsmaal zusammenschweißte. Diese von ihm geweckte Landsmaalbewegung ist durch das starke Nationalgefühl der Norweger, sowie durch den politischen Einfluß, den das Bauerntum in Norwegen ausübt, sehr wesentlich gefördert worden. Heut ist es bereits schon so weit, daß sich die Landsprache, d. h. die Sprache der Bauern, bereits die öffentliche Anerkennung erzwun» ge n hat und das Land somit zweisprachig ist. Die einzelnen Landkreise und Bezirksverbände ent- scheiden jeweils durch Mehrheitsbeschluß, ob Riks- maal oder Landsmaal im öffentlichen Leben gesprochen werden soll. Damit ergibt sich das seltsame Bild, daß dieses kleine Volk, einer Rasse und einer Nation, zwei verschiedene Sprachen spricht, daß man in dem einen Teil Norwegens durchweg die Reichssprache spricht, in dem anderen die Land- spräche, dah es z. B. in einem Eisenbahnabteil „Jkke rötere" — Nichtraucher — heißt, in dem andern aber ,Lkkja röykjarar". Der Zeitpunkt wird wohl nicht mehr fern sein, an dem Norwegen — lange nachdem es die politische Vorherrschaft Dänemark abgeschüttelt hat, sich auch der kulturellen Vormundschaft entledigt und wieder zurückfindet zu seiner jahrtausendealten Sprache und Kultur. Daten für Sonntag, 8 Januar. 1081: Kaiser Heinrich V. geboren; — 1642: der Physiker und Astronom Galileo Galilei in Ar- cetri bei Florenz gestorben; — 1867: Wilhelm Stolze, Begründer eines steiwgraphischen Systems, in Berlin gestorben; — 1919; der Schriftsteller Peter Altenberg in Wien gestorben. ZurAallirseschichte desSlihaserlS Von August Leih. Nicht zu leugnen: Unsere alpine Fauna vermehrt sich wieder. Wir waren schon gefaßt, die traurige Nachricht vom gänzlichen Aussterben der alpinen Tierwelt zu vernehmen, da kam vor einigen Jahren die erfreuliche Kunde von der Entdeckung eines neuen, höchst merkwürdigen Lebewesens. Anfangs trat es ganz vereinzelt auf, aber es vermehrte sich rasch und ist soweit erforscht, daß eine eingehende wissenschaftliche Betrachtung möglich geworden ist. Die Gelehrten zählen das neuentdeckte Wesen zur Familie der Hasen, und der Münchener, in dessen Umgebung es am häufigsten anzutreffen ist, nennt es Skihaserl. Es ist ein reizendes Tierchen mit schönen, lebhaften Augen und einem entzückenden Mäulchen, an dessen Seiten man jedoch die allen übrigen Hasen eigenen Bart- haare nicht selten beobachtet. Seine Farbe ist sehr verschieden. Da kein Feind sein Leben bedroht — sind wir dem Himmel doch dankbar, daß er sie erschaffen hat —, so brauchte ihm die Natur keine Schuh^arbe nritzugeben wie seinem Namensvetter, dem Feldhasen, und so finden wir grüne, gelbe, rote und blaue Häschen, die das langweilige Weiß der Schneefelder anmutig beleben. An schönen Wintertagen kann man große Herden des hübschen Tierchens beobachten, merkwürdigerweise aber nie auf den von der Gemse bevölkerten steilen Wänden und Graten, sondern nur auf den sanften Hügeln der Vorberge. Um nicht im Schnee zu versiicken, stellen sie sich klug auf schmale Bretter, von den Gelehrten Schwartlinge genannt, und gleiten auf ihnen über die geneigten Flächen. Doch erlangen sie selten bedeutende Fertigkeit, sich auf diese Weise fortzubewegen, weshalb sie leicht die Deute des Jägers werden. Dieser erlegt sie aber nicht mit Pulver und Blei, sondern fängt sie lebendig, und zwar auf folgende amüsante Weise: er umkreist das ins Auge gefaßte Wild, klug und vorsichtig, enger und enger, isoliert es und sucht es durch freundliche Blicke und liebe Worte zu hypiwtisieren, bis es, von Natur ohnehin nicht scheu, so zutraulich wird, daß es sich greifen und streicheln läßt. Dann ist die Deute sein. Das Häschen ist leicht zu zähmen und wird bei liebevoller Behandlung bald recht zutraulich und anhänglich. Der Nutzen des Skihaserls ist materiell gering. Man kann es trotz seines appetitlichen Ansehens nicht essen, und erfahrene Haserln nehmen daher die in der ersten Weidmannsfreude begangenen Reden jüngerer Nimröder, sie hätten ihre Deute zum Fressen gern, durchaus nicht ernst. Doch schenkt das Tierchen seinem Herrn schöne Gemütswerte: Er darf ihm die Nahrung nachtragen, oft auch seine Schwartlinge, wenn diese eben entbehrlich sind, er darf es aus den Abgründen des Schnees ziehen, falls es gestürzt ist, er darf es mit Pralinen trösten, er darf sich kein zweites Häschen fangen, er darf, ja, was darf er noch alles? Ja, das mit dem zweiten Häschen, daS ist eine merkwürdige Sache! Da glaubt mancher Jäger, berauscht vom Reiz der Skihaserljagd (ich hörte sagen, er sei größer als die Freude am Desih selbst!), er müsse alsbald wieder hinaus zum fröhlichen Weidwerk. Aber er bereut's bald. Denn die Häschen sind, obwohl in der Freiheit sehr gesellig, in der Gefangenschaft gegen ihresgleichen unverträglich. Sie gebärden sich aufgeregt, werden bissig, und bereiten ihrem Herrn geringe Freude. Tiefes Dunkel liegt noch über der Fortpflanzung des Skihaserls. Obwohl alle bisher gefangenen Cremplare zweifellos weiblichen Geschlechtes waren, vermehren sie sich, ganz nach Hasen- avt, in den letzten Jahren ungeheuer. Doch sei dem, wie ihm wolle, die Skihaserln sind nun einmal da, und es obliegt dem wissenschaftlichen Betrachter nur noch von einer höchst interessanten Metamorphose zu berichten, die mit dem Tierchen im Frühling vorgeht. Da ändert es Farbe und Gewohnheiten, legt die unnötig gewordenen Bretteln ab und kauert sich hinter feinem Herrn auf dessen Knatterrad, um ihn vor dem traurigen Schicksal zu bewahren, mutter- seelenallein durch die blöde Natur rasen zu müssen. In diesem Zustand heißt das Tierchen Den- zinhaserl. Das heilsame Wiegenlied. In einer Sitzung der Wiener Gesellschaft für Kinderheilkunde kam es kürzlich ganz unvorhergesehen zu einer überaus interessanten Debatte der Gelehrten über die Heilkraft der Musik und die geradezu gesundheitsnotwendige Bedeutung deS Wiegenliedes, das sehr zum Schaden der Kinder nahezu völlig abgekommen ist. Den Anlaß zu der lehrreichen Aussprache bildete die Lei- I densgeschichte eines Säuglings, der nach einer Er- I krankung die üble Angewohnheit des Wiederkauens angenommen hatte. Das arme Kind konnte feinen Dissen im Magen behalten, wurde mit der Zeit bedrohlich unterernährt und entkräftet, und man mutzte bereits das Schlimmste befürchten. Erst als man zu dem ein wenig gewaltsamen Kunstgriff seine Zuflucht nahm, den Unterkiefer des Kindes nach dem Essen fest mit einem Tuch gegen den Oberkiefer zu halten, behielt der kleine Patient die auf genommene Nahrung bei sich. In der Diskussion über den Fall betonte nun der Leiter der Wiener Universitäts-Kinderklinik, dah derartige Maßnahmen oft überflüssig wären, wenn man die nervösen Kinder durch Musik ablenkt. Die Rückwanderung der Nahrung aus dem Magen in die Speiseröhre unterbliebe dann von selbst. Besonders eindringlich verfocht ein anderer Kinderspezialist die gesundheitliche Bedeutung der Musik für Kinder. Das Kind ist auf Musik eingestellt und in erster Linie auf die natürlichste Musik, den Gesang. Es wird jetzt den Kindern viel zu wenig vor gesungen. Die Wiegenlieder, die man ja auch bei allen Naturvölkern antrifft, schwinden bei uns leider immer mehr. Es sei ein Fehler der „modernen" Säuglingspflege, daß sie dieses Moment vernachlässigt habe. Onkel Sams „Zdealbrauerei^. Amerikas Brauer richten sich, damit der Tag, da die Prohibition endgültig fällt, sie in jeder Beziehung bereit findet. So wird die erste Drauerei der Nachtrocken-Periode als ein Musterbau für alle folgenden erstehen. Wenigstens versichern dies der Baumeister E. Dale Badgeley und die Ingenieure der Schwarz-Laboratorien, die mit der Errichtung der New Amsterdam- Brauerei beschäftigt sind. Der Bau, der mit einem Kostenaufwand von 2,5 Millionen Dollar in Middle Dillage ersteht, wird sich in seinem Baustil von allen früheren unterscheiden. Alle Erfahrungen der Ingenieure werden zu einer hervorragenden Raumersparnis benutzt, ohne daß der Eindruck der Beengung erweckt wird. Mit Ziegeln und Email bekleidete Wälle werden in einer Kurve zu den wasserdichten und mit Fliesen belegten Böden übergeleitet. „In Europa haben wir", so führte der Architekt aus, „keine neuen Baumethoden, keine neuen Materialien für unsere Zwecke finden formen. Bei uns ist die Benutzung von Zernent-GärungSbehältern ausgebildet worden. Wir werden den ganz alten Brauerei-Typ mit seinen Holzsäulen und Holzfußböden, seinem Maueranwurf int Innern ebenso übertreffen wie den vor 20 Jahren üblichen der feuerfesten Konstruktion. Bei uns wird es keine düsteren Jnnenräume geben. Während die alten Drauereigebäude auch in ihrem Innern von dem Wetter außen abhängig waren, werden in unserer Brauerei durch Luftzufuhranlagen, mechanische Kühlvorrichtungen und Isolation beständige atmosphärische Derhältnisse geschaffen, die kaum um 2 Prozent in ihrer Temperatur und ihrem Feuchtigkeitsgrad schwanken und sich genau in jedem Teil des Gebäudes den günstigsten Bedingungen für den hier vorgenommenen Teil des Produktionsprozesses anpas en.“ DerPräsident der Gesellschaft, die diese Musterbrauerei errichtet, ist Herbert L. Roll, der einer alten Drauerfamilie, die in Middle West ansässig war, entstammt. Reliquien von der Arnundsen-Expedition Kapitän Georgiewski, der Leiter der russischen Polar-Expedition, die gegenwärtig beim Kap Scheljuskin überwintert, hat in einer drahtlosen Botschaft der Sowjet-Regierung Mitteilung von der Auffindung eines Tagebuches und anderer Spuren der unglücklichen Amundsen-Expedition auf der „Maud" im Jahre 1918 gemacht. Beide Nachrichten beziehen sich auf die Bruchstücke eine« norwegischen Schiffes, die in der Nähe einer Steinhütte von zwei Meter Höhe gefunden wurden; die Hütte war mit Brettern gedeckt und im Innern mit geteertem Tuch ausgekleidet; sie enthielt Nahrungsvorräte, astronomische Instrumente und das Tagebuch von Tessem, einem Mitglied der Amundsen-Expedition von 1918, der auf der Dickson-Jnsel ums Leben kam. Im Zusammenhang mit der Erörterung der neuen Funds weisen die Mitglieder des russischen arktischen Institutes auf die Auffindung der Skelette von Tessem und Knutsen hin, die von russischen Forschern unter der Leitung Urwantsesfs im Jahr« 1921 und 1922 gemacht wurden, und auf die aufgefundenen Postsachen, aus denen hervorgeht, daß Amundsen im Winter 1918 Tessem und Knutsen von Scheljuskin nach der Dickson-Jnsel gesandt habe, von wo sie nie mehr zurückgekehrt sind. Knutsens Gebeine wurden 1921, Tesfems Leich« im August 1922 auf gefunden. Die Briefschaften wurden an Norwegen abgeliefert, dessen Regierung Urwantseff dafür mit einer goldenen Uhr mit eingravierter Inschrift belohnte. Heute verschied plötzlich unser kaufmännischer Angestellter Herr Friedrich Schmidt Rinn & Cloos A.-G. Heuchelheim, den 6. Januar 1933. Gießen (Gutfleischstr. 2), den 7. Januar 1933. 162 D 134 D 161 D G.F.F. F.G.F. Asthma Höhere Privailcliiile Chronisch.Bronchlaikatarrh,Ver- Gießen / Nordanlage 15 InventursVerkauf 128 D Fernruf 2129 Die Schulleitung. 10% Rabatti in der Schulstraste 0103 o o Familie Adolf Elges Heinrich Elges Hotel Hindenburg. Gießen, 7. Januar 1933. 146 V____________ Die Beerdigung findet Montag, den 9. Januar 1933, nachmittags 21/a Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Heil« und Kurmittel der Natur uiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuj Die kaufmännischen und technischen Angestellten der Rinn & Cloos A.-G., Heuchelheim Am 8. Januar, abendsö'/,Uhr,verschied unerwartet unser Alterskamerad Rechtsanwalt Paul Hornberger Er war uns ein guter und treuer Freund, der seinen Alterskameraden jederzeit hilfreich mit Rat und lat zur Seite gestanden hat. Wir weiden ihn nie vergessen und ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Alterevereinigeing 1879—1029. --- 138 D Der Verstorbene war einer unserer befähigsten und tüchtigsten Mitarbeiter. In vorbildlicher Pflichterfüllung hat er uns lange Jahre treue Dienste geleistet, nachdem er 1914 als Lehrling bei uns eingetreten war. Dem allzufrüh Heimgegangenen werden wir ein stets dankbares Gedenken bewahren. In tiefer Trauer: Minna Barth, geb. Werner Farn. Peter Kardaun Farn. Peter Schirmbeck. vom 9. bis 21. Januar 1933 Auf alle Waren 10 Prozent Rd bä tt Nach langem schweren Leiden entschlief sanft am 4. Januar unsere geliebte Schwester Frau Christiane Schäfer geb. Maus. Im Namen der trauernden Geschwister: Frau Mathilde Kumpf Wwe. Frankfurt a. M. (z. Z. Gießen, Dammstraße 28 I), den 7. Januar 1933. one Die Beerdigung findet Montag, 9. Januar, nachm. 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof in Gießen statt. Etagengesdiaft Sonnebom Alicenstr 16 Wäsche, Weißwaren Alicenstr.16 Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen neben Mann, unseren guten Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Schwager Philipp Gans I. Flurschütz i. R. am 5. Januar nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden im Alter von 78 Jahren in die Ewigkeit zu sich zu nehmen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Eleonore Gans, geb. Wehrum. Burkhardsfelden, den 6. Januar 1933. Die Beerdigung findet Sonntag, den 8. Januar, nachmittags 2 Uhr statt. 0U8 (staatlich genehmigt und beaufsichtigt) gewährleistet Schölern u. Schü- lerionen besten Unterricht bei individueller Behandlung in kleinen Klassen nach dem Lehrplan einer Oberreaischule mit realgymnasialen sowie gymnasialen Kursen, 14g D Gewissenhaft beaufsichtigte tägliche Arbeitsstunden. Umschulung ohne Zelt Verlust. - Gründliche Vorbereitung für alle Schulprüfungen. - Aufnahme in die Klassen Sexta bis Oberprima jederzeit. Prospekt wird gerne zugesandt. Sprechstunden werktags von 11 y2 bis 12*/2 Uhr 10-12010 U als 1. Hypothek aus Anwesen gesucht. Schriftl. Ang. unt. 1791 an den G. A. *Tll" B ä^i F B"? Auf Mäntel, Kleider und ■ ■■ ■ ■ sonstige Winterstoffe Klrchenplat* Nr.8 • Laden und Trlkotagen..... Inventur-Verkauf 20% Rbtt. Auf Wäsche.Wäschestoffe, Handtücher usw. Todesanzeige. Am 4. Januar verschied in Darmstadt unser lieber Bruder Hermann Schmidt Büfettier im Hotel Hindenburg. Die trauernden Hinterbliebenen 1 Ludwig Schmidt und Familie Heinrich Schmidt und Familie Darmstadt (Friedrich-Ebert'Platz). Elbenrod, den 7. Januar 1933. Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 8 Januar, nachm. 2 Uhr in Elbenrod statt 1<5D Am 6. Januar, vormittags 8 Uhr, entschlief sanft nach längerem Leiden mein lieber, treusorgender Mann, unser herzensguter Vater, Schwiegervater und Großvater Heinrich Barth Vorschlosser i. R. im Alter von 63 Jahren. Am Freitag, dem 6. Januar entschlief plötzlich und unerwartet nach kurzer schwerer Krankheit mein innl^stgeliebter braver Mann, mein treusorgender Vater, unser Heber Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Enkel, Schwager und Onkel Frietfrich Wilhelm Schmidt Kaufmann im blühenden Alter von 33 Jahren- In tiefer Trauer: Minna Schmidt geb. Menges nebst Kind Familie Heinrich Schmidt VL Familie Heinrich Menges nebst allen Angehörigen. Heuchelheim, Köln, den 7. Januar 1933. Die Beerdigung findet Sonntag, den 8 Januar, mittags 12’/« Uhr vorn Trauerhause, Ernststraße 7 aus, statt. ]65D schleimung der Atmungsorgane. Bei schwer, u. langjähr. Leid., wo häuf, andere Mittel versagten, wirkte hervorragend dastausendfach bewährte Breitkrenti-Aatbma-Pnlver z. Einnehmen. Aerztl. emplohl. Viele tausend Danksebreib. Jed. Leid, wird bei Einsend. d.Inserats Probe gratis nnd unverbindlich durch Versand-Apotheke zugesandt, damit er sich vom Erfolg selbst überzeugt (Bestandt. auf Packg.) 1190 Breitkreutz, Berlin SO 36 213. ■Illllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliiiiiijiiiiiiiu Die altervrobten, naturechten Heilkräuier-Tee sind angenehm wirkende Haus' mittel, die Beschwerden erheblich verringern u. a. in klein. Mengen sicher nfiben. Alten Schleim, schwache Vimncn u. 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Lebensjahre Herr Büfettier Hermann Schmidt Wir betrauern in dem Heimgegangenen einen Mitarbeiter von unermüdlicher Schaffenskraft und Zuverlässigkeit, der in treuester Pflichterfüllung 38 Jahre in unserem Hause tätig war. Wir werden seiner In Treue und Dankbarkeit gedenken. Hierdurch erfüllen wir die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres Kameraden Heinrich Barth In Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Mon- tag-^Januar 1933. nachmittags 2'/iUhr statt. — Die Zusammenkunft 2 Uhr am Eingang des Neuen Friedhofs. 181d Uniform: 1. Rock und Helm. Da» Kommando: Fritz Wenzel. Arthur Münch. müssen Sieeich lAVDasWort einp:*6c.n' wenn Sie Ihre FDEU/AUI Hühneraugen tDE n vnl los sein wollen. HOboeraugen-Lebewobl Blechdose (8 Pflaster) MPf in Apotheken u. Drogerien. Sicher gu haben. Med.-Drog. Raus Hindenburg. H. Elges, Seltersweg 68a; Löwen Drog. W. Kllblnger Nacht., Selteraweg 89; tf. Noll, Ludwlgeplati-Drogerie u. Neustadt-Drogerie; Germania- Droger e C. 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DER VORSTAND. ----- 172D CH Winterkur für 3970v Nervenkranke und Nervös-Erschöpfte Spexialkuranstalt Eolhelo Im Tannas bei Frankfurt a. M. — Prospekte durch 8 S_an.-ßiilOr. M. Familien-Drucksachen VoriobungsanzelQen bei Brühl, SchulstraBe Geburtsanzeigen Am 15. Ian.1933 erscheint zum Besonderen Tarifheft lHeft B) der Nachtrag 2. Näh. Ausk. erteil, die Dienststellen. [looV ^rankf.a M., 5,1.3 Klekb.Q efl.-Bieber AWelimlii , erteilt französischen und englischen Unterricht. [0122 Näh. i. d. Geschäfts- stelle d, Gieh, Anz. Klavier- unterricht erteilt svis« Hildegard Bayersdori Wilstelmstr, 51 p, MeMM i. all. s^ach. b. Tokt. Qm Mühlstr.28 M. RABATT E .. .-'Ä verkauf tHiSSn . zu treten iWUOStH. 3Jlamt, Ifa* eo., gutes OMk, Jot&e! auf ©toben zu t. Schrift!, imt. 092 me,eöang., Unser auö' nette Er- sehr dop borfi censtrJ6 erab i. lieft. , am liebst, n. Schrtstl. :e unt. 097 ffliefi. An;. ®Qxojxd 11 Wauf gesucht. Ang. imt öen G. s. gpnap eben N500W. 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Es ist deshalb erklärlich, daß die römische Kultur gerade auf die naheliegende Gießener Germanensiedlung stark einwirkte. Hier überschnitten sich %toei Kulturen. Die Germanensiedlungen gingen dann zur Zeit der römischen Revanchefeldzüge unter, etwa als sich der Germanikuszug 15. n. Ehr. in Richtung nach Rorden (Kassel) über Gießen bewegte. Die späteren Germanensiedlungen sind etwa in der Rödgener Straße «Sandgrube) feststellbar. Die Kultur dieser Siedlung weift stark fränkischen Einfluß auf. Sie bestand unter dem Ramen Arsenheim und ist einwandfrei im 8. Jahrhundert zu belegen. Rach dem Fall des Pfahlgrabens (260 n. Ehr.) machte sich mehr und mehr der fränkische Einfluß bemerkbar, wovon auch ein fränkisches Gräberfeld auf dem Trieb zeugt. Man farm Gießen etwa als das nördlichste Siedlungsgebiet der Franken bezeichnen. Wenn man so will, wäre der ursprüngliche Raine Gießens Arsen- heim gewesen. Später werden dann Saltarisa. das nachmalige Selters, etwa in der Gegend des heutigen Bahnhofs, und Wiesich, das jetzige Wiefeck, urkundlich erwähnt. Zum Schluß sprach der Redner über den Einfluß des Christentums auf die ^germanische Kultur. Die interessanten Ausführungen wurden von den zahlreichen Zuhörern mit starkem Beifall ausgenommen. 3m Anschluß entwickelte sich eine lebhafte Aussprache, die noch manches über Orts-, Familiennamen und Eigentümlichkeiten aus der Frühgeschichte Gießens zutage förderte. Herr Szczech gab auf Anfragen aufschlußreiche Einblicke in die Forschungsarbeit. Vertrauensmann Schwarz schloß die Veranstaltung mit herzlichem Dank an den Vortragenden und die Zuhörer. ** Carusos Stimme auf neue Schallplatten. Das Musikalienhaus Ernst C h a I - Her (Reuenweg) bringt in diesen Tagen eine Reuheit heraus, die von vielen Freunden der guten Schallplatte begrüßt werden wird. Die..Elek- trola" hat in jahrlanger Arbeit und in schwierigen Experimenten durch ein besonderes Verfahren eine akustische Platte, die vor 20 Iahren von Carusos Arien und Liedern gemacht wurde, zu neuem Leben erweckt. Die alte Platte war nach dem heutigen Stande der Technik der Schallplattenherstellung mangelhaft in der Wiedergabe des Orchester-Klangkörpers, anderseits aber auch so beschaffen, daß die Stimme Carusos nicht in der Klangschönheit wiedergegeben wurde, die ihr tatsächlich eigen war. Mit großer Sorgfalt ging man zu Werke. Wenn man die neue Platte hört, die im Musikalienhaus C h a l l i e r jedem Interessenten gerne vorgeführt wird, bann glaubt man sich dem großen Sänger unmittelbar gegenüber. Die Stimme in ihrer Mannigfaltigkeit des Ausdrucks, in lebendigster Klangfarbe feiert gewissermaßen Auferstehung in dieser neuen Platte der „Elektrola", und so vermag die Stimme Carusos heute wieder zu begeistern, wie sie so viele schon begeistert hat. Interessant ist dabei zu wissen, daß die Orchesterbegleitung der ursprünglichen Aufnahme vollständig in Fortfall gekommen ist und durch eine völlig neue orchestrale Anterma- lung (nach dem neuesten Stand der Aufnahmetechnik) ergänzt wurde. Bisher ist nur eine Platte in dieser neuen verbesserten Form herausgebracht worden. Man hört „Hüll' dich in Tand nur...“ (aus „Bajazzo") und „Ach so fromm, ach so traut" (aus „Martha"). Interessenten seien auf die heutige Anzeige aufmerksam gemacht. der Feldscheune konnte bisher noch nicht einwandfrei klargestellt werden, jedoch dürfte die Wahrscheinlichkeit einer fahrläisigen Brandstiftung durch den verbrannten Mann selbst nicht von der Hand zu weisen sein. ** Der Autounfall auf der Marburger Chaussee. Von Herrn Walter D o r st als Betroffenen bei dem kürzlich gemeldeten Autounfall auf der Marburger Chaussee zwischen der Karlsruhe und der Weilersburg erhalten wir im Anschluß an die vorgestrige Mitteilung des Autofahrers eine Zuschrift, in der ausgeführt wird, daß zwei einwandfreie Zeugen wegen starken Rebels ihre Fahrräder in Richtung Lollar geschoben hätten, als plötzlich hinter ihnen ein Auto in schneller Fahrt herangekommen sei und sie überholt habe. Angesichts der schnellen Fahrt des Autos habe einer der Zeugen mit dem Scheinwerfer seiner Fahrradlampe die Rümmer des Autos festgeftellt, wodurch bann später die Ermittelung deS Fahrers gelang. Unmittelbar nach dem Ueberholen der Radfahrer hörten diese lautes Schreien und Dann Bremsen des Wagens. Beim Hinzueilen hätten die Zeugen bemerkt, daß der Wagenschlag geöffnet wurde und jemand her- ausrief. Beim Annähern der Zeugen hätte sich dann das Auto mit großer Geschwindigkeit nach Lollar zu in Bewegung gesetzt, ohne sich um den bewußtlosen jungen Mann zu kümmern. Gleich nach dem Unfall fei festgestellt worden, daß sich an dieser Stelle weit nach links eine Bremsspur von fünf Meter befinde, die beweise, daß der Autofahrer den Unfall bemerkt haben müsse. Da diese Spur weit nach links weise, sei zu verstehen, daß der scharf auf seiner rechten Seite gehende junge Mann angefahren wurde. — Rachdem nunmehr beide Beteiligte sich zu der Angelegenheit geäußert haben, schließen wir die weitere Erörterung des Vorganges und überlassen es den Feststellungen der Polizei, endgültige Klarheit über den Unfall zu schaffen. ’* Heimatkundlicher Abend int DHV. Im Rahmen des Winterbildungsplans der Ortsgruppe Gießen im Deutschnationalen Handlungs- gehilfen-Verband sprach am Donnerstag Mu- seumsassistent Szczech über „Das frühgeschichtliche Gießen". Man sei bei der Forschung der frühgeschichtlichen Zeit in der Hauptsache auf Dodenfunde angewiesen, daneben auf Aufzeichnungen fremder Vöiker. Das heutige Gießen war etwa um die Zeit Christi Sumpfgelände und unbewohnbar. Die älteste Gießener Siedlung, die bis in Die Steinzeit zurückreicht, hat auf dem Trieb gestanden, der in Der Geschichte Gießens überhaupt eine bedeutend Rolle spielt. Später sind Dann Siedlungen auf dem Rodberg festzu- stellen. Es waren Germanen, und zwar Chatten, die hier siedelten. Sie waren ziemlich bodenständig und wanderten wenig. Die Gießener Siedlungen stellten etwa die südlichste Grenze Der Chattensiedlung Dar, Deren Hauptgebiet Das Land um ©Der unD Werra war. Der Mittelpunkt suchern Gelegenheit bieten soll, Erfrischungen zu sich zu nehmen. Man hat in Anbetracht der Zeit- umstände darauf gesehen, daß Die Preise für Die Erfrischungen sich in niedrigen Grenzen be» toegen, damit jedermann die Möglichkeit hat ohne gebührliche Belastung seines Geldbeutels sich ein Glas Bier, ein Glas Wein oder dergleichen zu leisten. Die Besucher werden jedenfalls erstaunt fein, wie billig an diesem Abend Erfrischungen im Stadttheater zu haben sein werden. Die Eintrillspreise für die veranslaliung sind so gestaffelt, daß allen wirtschaftlichen Möglich. lichkeilen Rechnung getragen wird. Cs ist eine Anzahl Plätze zu je 3 Mk., vorgesehen, daneben Plätze zu je 2,50 bzw. 2 bzw. 1 Mk und sogar zu 50 Pfennig. Der größte Teil der Plätze entfällt auf Die mittlere Preislage, es ist aber auch noch immer genügend Raum für die Besucher reserviert, Deren Geldbeutel nur eine Ausgabe bis zu 1 Mk. zuläßt. Für die niedrige Bemessung der Eintrittspreise war Die Erwägung maßgebend, daß man unter allen HmftänDen ein volles Haus haben will. Durch diesen bunten Abend soll unseren Mitbürgern Gelegenheit gegeben werden, ihre Hilfsbereitschaft zum Besten der Notleidenden mit einer eigenen Erholung von den Sorgen und Mühen des Alltags zu verbinden. Möchten recht viele dem Rufe der Winterhilfe- Ausschüsse Folge leisten und diesen Wend besuchen, damit dem Werke der Rächstenliebe aus dieser Veranstaltung eine starke Stühe werde! * Platzkonzert unserer Militärkapelle. Bei günstiger Witterung findet am morgigen Sonntag 11 Uhr in der Süd- a n f a g e ein Platzkonzert unserer Militärkapelle unter Leitung von Obermusikmeister Krauße statt. Dortragsfolge: 1. Regimentsgruß! Marsch, Steinbeck: 2. Ouvertüre zur Operette „Die schöne Helena", Offenbach: 3. zwei Stücke aus „Sigurd Iorsalfar", Grieg, a) Rordlandsvolk, b) Königs - lieb; 4. Geschichten aus dem Wiener Wald! Wal- jer, Strauß; 5. Rendezvous bei Franz Lehar!, Cine Auslese aus Lehars Meisterwerken, Hubry. '"GeprüfteGeschäftsstenographen. Tie letzte Geschäftsstenographenprüfung Der Industrie- und Handelskammer Gießen konnten folgende Mitglieder der 1. Reichskurzschriftgesell- fchast E. V. Gießen mit Erfolg ablegen: Abt. 180 Silben: Erna Reininger; Abt. 150 Silben: Karl Bree; Abt. 120 Silben: Alfons Klei n, Karl Marth, Christel Emmel, Richard Günther. Die Zahl der geprüften Geschäftsstenographen der Reichskurzschriftgesellschaft erhöht sich damit auf 61. ** Die Technische Nothilfe lädt alle Not- Helfer aus Gießen und Umgebung, sowie alle Angehörigen technisch-praktischer Berufe, die Nothelfer werden wollen, anläßlich des Jahreswechsels auf Donnerstag, 12. Januar, 20 Uhr, in die „Stabt Mainz" zu einer Versammlung ein, in Der über Die internen Fragen Der Teno gesprochen wirk». Auch sollen Die Nothelfer neu gesichtet unD eingeteilt werden. Wer am Erscheinen verhindert ist, wird gebeten, sich im Laufe Der kommenden Woche schriftlich oder mündlich bei Der O. G. Gießen, Stephan- straße 11, Fernruf 2034, zu melden. Man beachte Die heutige Anzeige. “ Der Tote bei dem Dirklarer Scheunenbrand fest gestellt. Der heutige Polizeibericht meldet: Rach dem polizeilichen Ermittlungsergebnis konnte die Identität des bei dem Feldscheunenbrand bei Birklar fast völlig verbrannten unbekannten Mannes mit größter Wahrscheinlichkeit festgestellt werden. Es dürfte sich um den Gärtner Arno Küster, geboren am 13. Iuli J882 zu Barigau (Thüringen), handeln, der sich vorwiegend in der hiesigen Gegend aufhielt und bei Arbeitslosigkeit in Feldscheunen übernachtete. Während der Weihnachtsfeiertage hielt er sich in Rockenberg auf, wo er auch schon bei dem dortigen Bürgermeister in Arbeit stand. Dieser und seine Angehörigen erkannten die ihnen vorgezeigten Reste von Den Kleidungsstücken als mit Bestimmtheit von den Kleidern Küsters herrührend an. Die Arsach« Des Brandes Aus Oer Proviuzialhauptstavt. Vom feierkleid. Don Reinhold Braun. Was Du bist, sei ganz: Arbeit ober Feierglanz! Bleibst Du immer Herr Der Grenze, blühen Dir Des Glückes Kränze. „Fröhliche Lebenskunst". Beim Worte vom Feierkleid kommt mir eine Der rounDer|'amen Frauengestalten Wilhelm Raabes in Den Sinn: Die Frau Claudine von Der Katzenmühle. 3Hr Warten auf Die enDliche Heimkehr ihres Dämonisch umhergetriebenen Sohnes ist in tiefster Seele ein Tun, ein Sich-bereiten. Wie er aud) heimkehren mag, selbst als ein verfolgter Berbrecyer: Sie hat FeiertagskleiDer gewebt, Die sie mit ihm tragen will, FeiertagskleiDer Der Seele. So schafft sie mit einer erschütternDen Tapferkeit an sich selbst, an Der Lichtheit unD Schönheit ihres Herzens, Damit Der Sohn aus seinem wirren Dunkel in Den klaren, stillen Glanz Der Mutter trete, Daß ihm Heilung roerDe nach Dem wehen, sturmreichen Alltag seines Lebens in Der Feiertäglichkeit Der mütterlichen Liebe, Damit er Den zerrissenen, schmutzigen Wanderrock abstreife, Das heißt, abtue all' Unrast, WilD- heit unD Dunkle Gebärde unD seinen inneren Menschen in ein neu GewanD hülle, auf daß wieDer fein Bestes, an Das Die Mutter immer noch glaubt, hervortrete! Ferner muß ich beim Worte vom FeierkleiD an die Bettina Denken, Die einst an Goethe schrieb: „Wenn ich mit Dir sein will, reinige ich mich von Der alltäglichen BeDrängnis, wie eine, Die Feier- fltiDer anfegt." Erweisen wir nicht allen. Die aus Der Schwere Der Zeit zu uns kommen, Den besten Lebens- und LiebesD'ienst, wenn wir nach Dem Worte jener FreunDin Goethes hanDeln? Nahen wir einanDer nicht allzusehr unD allzuoft in unfern AlltagskleiDern, D. h. schleppen wir Den ganzen TagesplunDer nicht mit uns mit? Hängt uns nicht Die ganze Schwere Der Zeit zuweilen recht sichtbar an? Man könnte bei vielen manchmal auf Den GeDanken kommen, Daß sie meinen, Der hängenDe Kopf unD Der sorgenkrumme Rücken gehören heut' zur guten Sitte. SinD wir nicht oft, wenn mir beieinanDer sinD, wie Menschen, Die in einer engen, lichtarmen Stube um einen großen Kummerpacken herumhocken unD ihn wehleiDig einer über Die Maßen wichtigen Betrachtung unterziehen unD alles anDere, was Doch noch an Gutem unD Schönem in Der Welt ist, vor allem Die Bestimmung unserer eigenen Seele, Darüber ganz vergessen! Wir sollten uns wirklick Bettinas Wort zu Herzen nehmen unD mit solchen GeDanken uns zueinander auf Den Weg machen, auch in unfern vier Wänden. Zählt Doch Die StunDen zusammen, in Denen ihr Daheim wirklich einmal beieinanDer sitzt wie Menschen, Die „ein FeierkleiD angelegt“ haben. Und Das Glück Des Lebens hängt Doch schließlich von Diesen StunDen ab! Das Wort vom Feierkleid ist Das Wort von Den wahren Hochstunden unseres Daseins, Der Ruf zum wirklichen Menschsein, Die ForDerung von Der bereiten Seele, Dem lichten Wesen, Dem guten Willen zur echten Freude, ja, es ist das Wort vom Heimweh nach den ewigen Quellen. Eine Zeit aber, Der Das Wort vom FeierkleiD ein Aergernis ist, rennt in Den seelischen ToD, und Die allgemeine Glück- losigkeit ist ihr traurigstes Zeichen. Das Wort vom FeierkleiD ist Das von Der wahrhaften Kraft Der inneren Gesundheit und Der ewigen IugenD Des Geistes. Wo aber Der Geist (ebenDig gehalten wirD, Durch Den rechten Wechsel von Tun unD Feiern, Da siegt am EnDe Doch Das Göttliche, dessen schönster, erhabenster AusDruck immer noch Der reine, Der liebende Mensch ist! Inventur-Ausverkauf. Mit Spannung haben viele Hausfrauen auf den Beginn des Inventur-Ausverkaufs gewartet. Sein unmittelbarer Anschluß an das Weihnachtsgeschäft hat zweifellos bei manchen Einkäufen für die Feiertage eine gewisse Rolle gespielt. Man sparte am Weihnachtsetat etwas ein, um für die billige Kaufgelegcnhcit in den Inventurtagen genügend „Munition" in der Geldbörse zu haben. Die große Kauf-Offensive kann nun beginnen! Am kommenden Montag nimmt der Inventurausverkauf feinen Anfang, um vom 9. bis 22. Januar das Feld und das besondere Interesse unserer Frauen zu beherrschen. Es ist ja auch in der Tat eine Freude, unter den vielerlei Herrlichkeiten des Inventurausverkaufs auswählen und kaufen zu können in dem Bewußtsein, für das dabei aufgewandte Geld erheblich größere Mengen an Waren zu erhalten, als einige Wochen vorher. Für manche Hausfrau und für manches junge Mädchen ist der Inventurausverkauf geradezu das Ereignis: er ist für sie vielleicht noch wichtiger als der Weihnachtseinkauf. Sie sind sich der ausgedehnteren Reichweite ihrer Geldmittel bewußt und haben dabei die Aeberzeugung, daß sie auch beim Inventurausverkauf für ihr gutes Geld einwandfreie Qualitätsware erhalten. Dieser doppelte Gesichtspunkt macht die Freude des Einkaufs in diesen Tagen aus. Rur ein Bedauern mag dabei hier und da laut werden: daß nämlich diese Einkaufsgelegenheit nur zwei Wochen andauert. Um diese knappe Spanne Zeit nach Kräften zu nützen, beginnen di« weiblichen Einkaufs-,,Feldherrn" schon am ersten Tage der Inventurverkaufs-.,Schlacht" ihre Operationen. Das Aussuchen ist bei der Reichhaltigkeit der Waren und angesichts der billigen Preise mitunter feine leichte Sache. „Wer die Wahl hat, hat die Qual." Leider soll es auch Vorkommen, daß trotz der stark gesenkten Ausverkaufspreise die Geldbeutel-,.Munition" ziemlich rasch zur Reige geht. Da heißt es dann, in den Plänen und Wünschen eine gewisse Umgruppierung vornehmen, die oft erst inmitten der Kauf-„Schlacht" vor sich geht. Wenn aber dann unsere Hausfrauen und Haustöchter — auch manche Hausherren und Iunggesellen, die in den Tagen des Inventurausverkaufs sich plötzlich als erfahrene Einkäufer erweisen — den Kampf „siegreich durchgefochten" haben, ist die Freude über den Erfolg groß. „Die andere Seite", der Geschäftsmann, sieht dem Verlauf des Inventurausverkaufs ebenfalls mit allerlei Wünschen und weitgespannten Hosf- nungen entgegen. Er gönnt feiner Kundschaft die Freude, sich zu den herabgesetzten Preisen mit Waren versorgen zu können, denn er weiß, daß auch er dabei auf seine Rechnung kommen wird. Als ganz selbstverständlich sieht er es an, daß Um dem Gießener Winterhilfswerk zur Linderung der Rot in weiten Kreisen unserer Bürgerschaft neue Geldmittel zuzuführen, wird am nächsten Samstag, 14. Ianuar, ab 20 Uhr, im Stadttheater ein Bunter Abend veranstaltet. In uneigennütziger Weise haben sich das Ensemble des Stadttheaters, der (Bauer- ' sch« Gesangverein und mehrere Damen und Herren des künstlerischen Lebens unserer Stadt für diesen Abend der Rächstenliebe zur Verfügung gestellt. Ls ist ein vielseitiges Programm vorgesehen, das den Besuchern genußreiche Stunden bereiten wird. Ter erste Teil des Abends wird mit einem Prolog eingeleitet werden, den Dr. Werner Bock gedichtet hat und den Intendant Dr. Prasch sprechen wird. Hierauf werden Chorgesänge des Bauerschen Gesangvereins unter der Leitung seines Chormeisters, Universitätsmusikdirektors Prof. Dr. Temesvary folgen. Im weiteren Verlaufe des ersten Teils der Dortragsfolge werden Fräulein G r a e f und Fräulein Zimmer ein Konzertstück für zwei Geigen unter Klavierbegleitung von Frau L u l e y zu Gehör bringen. Fräulein Ange Bach wird mit tanzkünstlerischen Darbietungen erfreuen. Den Abschluß dieses Teiles der Darbietungen wird der Bauersche Gesangverein unter Leitung von Prof. Dr. Temesvary bringen. Im zweiten Teile des Programms wird von dem Ensemble des Stadttheaters ein heiteres Spiel aufgeführt werden, über das in den nächsten Tagen Räheres mitgeteilt wird. Zwischen den beiden Programmteilen wird eine Erfrischungspause liegen, die den Brauch beim Inventurausverkauf die Kundschaft hinsichtlich der Qualität und des Preises vor allem zufriedengestellt werden muß. Er ist sich bewußt, daß b fr ed g e K.iufer für ihn et.i w rt oller Faktor für den späteren Geschäftsgang darstellen. Und darum gibt er sich alle Mühe, den Inventurausverkauf nach jeder Richtung hin zu einem guten Sprungbrett zu gestalten. Während die Kundschaft von diesem Sprungbrett aus ihrem Ziele der billigen und guten Versorgung zustrebt, erhofft sich der Geschäftsmann nach dem Absprung ein möglichst weitgehendes „ Flüssigwerden" seines Geschäfts durch vermehrten Umsatz und möglichst weitgehende Räumung des Lagers, zugleich aber auch nach der Kassenseite hin, deren Stärkung chn in den Stand sehen soll, sein Lager wieder neu auszustatten, um dann mit vermehrten Zugstücken den Anreiz auf das kaufende Publikum auszuüben. Bei diesen Bemühungen herrscht begreiflicherweise starker Wettbewerb um die Gunst des Publikunks. Man sucht durch vorteilhafte und überzeugende Angebote in den Spalten der Heimatpresse die Käufer schon vor dem Antritt ihrer Cinkaussgänge zu gewinnen. Das ist ein kluges Verfahren, denn in der Tat orientieren sich' die Kauflustigen heutzutage noch mehr als früher an Hand der Ankündigungen, die sie in den Anzeigenspalten vorfinden, für den Inventurausverkauf. And der Kaufmann wird dabei am besten abschneiden, Der neben feinem guten Warenangebot und vorteilhaften Preisen möglichst laut in die Trompete des Werbefeldzuges stößt, Die noch immer durch Die Heimatpresse Den am weitesten tragen Den Schall ins LanD hinausschickt. Inventurausverkauf! Vierzehn Tag« nur Dauert seine Herrschaft. Möchte bei seinem Abtreten von Der Schaubühne Des Tagesgeschehens überall Zu- frieDenheit herrschen, Damit sein Rachfahre im Hochsommer wiederum einen so sreunDlichen unD hoffnungsfrohen Empfang finDe, wie Der jetzige! Jugend in Aoi, helft sie lindern! Born Arbeitsamt Gießen wird uns mitgeteilt: Für Die Speisung im JugenDnotwerk, wozu Der Herr Reichspräsident aufgerufen hat, sinD für Oberhessen beim Arbeitsamt Gießen zum Anfang gemeinsamer Hilfe in Den letzten beiden Tagen angemelDet worden. 3 fette Schweine, gestiftet von Gutspächter Larberg, Hofgut Wickstadt, Gutspächter Reif, Sor-- £eim, unD Oekonomierat .1., 1 feister Hirsch von Der Furstl. Verwaltung BüDingen, 10 Zentner Kartoffeln von Gutspächter Seifert, Obbornhofen, 30 Zentner Kartoffeln von Gutspächter Mohr, Rülfenrod, ferner insgesamt 48 Zentner Kartoffeln, 7 Zentner Korn, 1 Zentner Linsen, Bohnen, Weizen, Schmalz, Kraut, Möhren sowie ein Betrag von 15 Mk., gestiftet aus Schwalheim von Den Landwirten Jehner, Wwe. Weiß, Bürgermeister Dietz III., W. Fleischhauer, Karl Dietz II., Reimer, Hrch. Zehner, Ad. Krauch, Hensel III., K. Reimer II., Hrch. Eckart, Ph. Fritzel, Jak. Bauer, Kratz, Wwe. Lahm und Hermann Müller. Allen Gebern herzlichen Dank! Weitere Anmeldungen van Spenden für die Speisung im Jugend- notmerf nimmt das Arbeitsamt Gießen entgegen. Für Die Abholung wirb Sorge getragen. Schnelle Hilfe tut not, Denn es warten in Oberhessen runD 2000 JugenDNche auf Die Verwirklichung Des Jugendnotwerks. Gießener Wochenmarktpreisc. ' Gießen, 7. Ian. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 120, Land- butter 100 bis 110 Pf. das Pfund, Kochbutter von 80 Pf. an das Pfund, Matte 25 bis 30 Pf. Das Pfund, Käse 5 bis 10, Eier, ausländische, 11 bis 12, inländische 12 Ps. das Stück, Wirsing,. gelb, 8 bis 10, grün 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Anter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25, Feldsalat 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 35 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepfel 18 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 45, Rüsse 35 bis 40, Iunge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 60 bis 80, Enten 80 bis 90 Pf. das Pfund, Tauben 40 bis 60, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pf. das Stück: Kartoffeln 2,50 Mk. p. Ztr. ivornvtt.;cn. — Tageskalender für Samstag: Reichsbund der Zivildienstberechiigten, 20.30 Ahr: Familienzusammenkunft im „Aquarium". — 224er, 20 Ahr: Familien treffen im „Andres". — Artillerieverein, 20.30 Ahr: Monatsversammlung im „Hessischen Hof". — Kriegerverein, 20 Ahr: Stiftung3- und Winterfest im Cafe Leib. — L'.chispielhaus, Bahnhofstraße: „Der Schützenkönig". — Astoria-Lichtspiel«, Seltersweg: „Der Rächer des Tong". — Tageskalender für Sonntag: Studttheater, 15 bis 17.30 Ahr: „Aschenbrödel". 19 bis 22 Ahr: „Im weißen Rößl". — Reichsbund der Kinderreichen, 14.30 Ahr: Kundgebung im Kath. Vereinshaus. — Gießener Konzertver- €im, 17 Ahr, Aniver,itäts°Aula: Das Zilcher- Trio. — Westanlage 31, 20.15 Ahr: Öffentlicher Dortrag. — Bund Der Lahnfr-unde, 16 Ahr: We.hnach!feier im Kath. Vereinshaus. — Goethe- bunD, 11.15 Ahr, Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Hochland-Sin'onie". — Lichtspielhaus, Bahnhof- strahe: „Der Schützenkönig". — Astoria-Lichtsviele, Seltersweg: „Der Rächer Des Tong". Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Sonntag, 8. Ianuar, 15 Ahr, Zum letztenmal Das Weihnachtsmärchen „Aschenbrödel", sechs Bilder mit Musik, Gesang und Tanz von Görner-Stiegmann, Spielleitung Bolck-Moehl-Bäulke. Märchenspiclprese. Ende 17.30 Ahr. 19 Ahr als Fremdenvorstellung außer Abonnement zu ermäßigten Operettenpreisen die Operetten-Revue „Im weißen Rößl" von Müller-Bcuatzky; Spielleitung Hub- Moehl-Bäulke. Ende nach 22 Ahr. Als 15. Vorstellung im Dienstag-Abonnement Erstausführung Der Komödie „Politik Der Weiberröcke" von Reil Grant unter Der Spielleitung von Wolfgang Kühne, am Dienstag, 10. Ianuar, von 20 bis 22.15 Ahr. — Mittwoch 11. Januar, als 14. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement erste Wiederholung Der Komödie „Politik Der Weiberröcke". Gewöhnliche Preise. Spiel- Dauer von 20 bis 22.15 Ahr. — Für Freitag, 13. Ianuar, sieht Der Spielplan eine WieDer- holung Der Silvesterausführung „Stöpsel" vor, Schwank von Arnold und Bach. IINZIO IXISTIIIIN DI IUKTIISCHI AUFNAHME» } DB1BO1 Dr. med. Hans Lehrens 8. Januar bis 5. Februar 1933: Hungen (Oberhesien) Januar 118V Glatt Karten! lung der Gruppen. 073 Technische Nothilfe e.V. ■ Ortsgr. Gießen Vermählte im Januar 1933 Äahnhofstraße n 130D 135 D Gäste willkommen! 171 D mzeigen duroh s Inventur»! Verkauf denn sie sind unbeschreiblich herabgesetzt. Inventar Vertan! Überzeugen Sie sich, wie vorteilhaft Sie in meinem Inventur-Verkauf Waren 167 D vom 9. bis 23. Januar 1933 beginnend am 9. Januar nur gute Ware, keine „Ausverkaufs-Schlager“ kaufen. Es empfiehlt sich, zum Kauf die Vormittags-Stur den zu benutzen I Beachten Sie bitte die Auslagen Oaes&lfljaM 141 D Fernruf 2773 Kreuzplatz 15 118 A Inventur-Verkauf vom 9. bis zum 21. Januar 1933 Ein guter Griff ist für Sie mein InventursVerkauf Hartmann Loth Sdiuhhaus Neumei'erss»!»!)« 0160 Ä JNH. GEORG FALKENfTEIN/GIE&EN/SEITERSWEG 18 inh, Berliner Tageblatt Es ist unmöglich, Preise zu nennen KYFFHÄUSER TECHNIKUM beginnend am S. Januar 1933 Deutsche Qualitätsware zu stark ermäßigten Preisen! Eintritt für Mitglieder: Frei Eintritt f. Nichtmitglieder: 30Pf. NOU dich In Tand nur. »Solanoe..... Ach so fromm, ach io traut. «Martha« Die Ausstellung ist geöffnet: Sonntags von 11 bis 1 Uhr Dienstags-Fieitags v.lS-17 Uhr In allen Abteilungen kommen unsere hochwertigen Stammqualitäten zu sehr billigen Preisen zum Verkauf Meine Verlobung mit Fräulein Käthe ^uh,Tochter des Herrn Such, bruckereldesihers I. Lutz und seiner Frau Gemahlin Käthe^eb.Reimherr, beehre ich mich anzuzeigen AUS DEM GROSSEN JANUAR- PROGRAMM. B«n|. Glgll • Frltx Kreisler • Fr. Scharr * Leopold Stokowikl u.v.e. Erich Schmidt, Dentist und Frau Minni, geb. Schmitz ab 9. Januar 1938 Schirme Stöcke Handschuhe Hüte Müteen Auf alle regulären WILHCLM HORN UND SOHN Oberhessischer Kunstverein Turmhaus am Brandplatz Auf alle nicht besonders reduziertenWaren gewähren wir 10 Prozent tatatt Nur eo können 8« Reste u.ausrangierteSortimente zu Unterpreisen MIltzM Muldenkipper neuu.gebraucht gibt billig ab zh Kan! and Miete Hermann M Schützenstr. 62 (alte Sall'iche Spinnerei) 126 D Rinprlgeam m o«, Form zeitgemäße, gepflegte Werbe- w,rNeem * drucksachen gut unterstützen. Nu. eo o«r(ichc Nackieicksten Evangelische Gemeinden. Sonntag, 8. Januar. 1. Sonntag nach Epiphanias. Landes-Missionsfest. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Becker; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Pfr. Becker; 17: Pfarrassistent Änell. — Dohanneskirche. 9.30: Pfr. Aus» felb; 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde; Pfr. Ausfeld; 17: Pfr. Bechtolsheimer; 20: Bibelbesprechung im Johannessaal; Pfarrassistent Kncll. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kinberkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz. -- Petruskapelle. 9.45: Pfarrasfistent Knell. — Klein- Linden. 10: Gottesdienst; 11: Kindergottesdienst. — wieseck. 10: Hauptgottesdienst; 17.30: (Schuljugend) und 19.30: Lichtbildstunden; Kollekte. — Allen- Duseck. 10; Gottesdienst (Kollekte); 13; Kinberkirche. Grohen-Vuseck. 10.30: Gottesbienst; Kollekte für bie Heibenmission. — Oppenrod. 13: Gottesdienst; Kollekte für die Heibenmission. katholische Gemeinden. Samstag, den 7. Januar. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 8. Januar. 1. Sonntag nach Epiphanie. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten; 8: .Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 16.30: Jungfrauen-Kongregation; 17.30: Andacht mit Segen. Montag, den 9. Januar. Laubach. 7.30 Uhr: Messe. Mittwoch, den 11. Januar. Hungen. 7.15 Uhr: Messe. «onnlanobieitit b.diente n.'Iluothcfcn am 8. 1. 33 l)r. L. Klein. i’> Maleüi. Engelnpotheke. Zaüuar-t: Or. Hnrnctzs. M Der Itoom oom Sind Vornan von Margarete Antelmann. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 25 FoNIetzung Nachdruck oerboten .Das könnte Ihnen so passen, Herr Fischer! Sich hier ins gemachte Rest setzen. Ihren guten Willen und Ohre Arbeitswilligleit in Ehren; ich weiß, daß Sie es waren, der die Karre in Löbbau aus dem Dreck gezogen hat. Aber ich weih auch, dah es vielleicht Sisyphusarbeit ist, die Sie drüben leisten, und ich begreife es vollkommen, dah Sie lieber den Herrn auf Löwen spielen wollen, als drüben in Löbbau aus die gute Zeit zu warten, die vielleicht gar nicht kommt. Aber Sie werden Ihrerseits auch begreifen, dah ich mir für meine Tochter einen anderen Mann wünsch« als einen, der nichts hat und der nur auf mein Gut spekuliert." .Was Sie da sagen, Herr von Löwen, ist eine Beleidigung, die ich indes Ihrem ängstlichen Vaterherzen zugute halte und die ich aus meiner tiefen und ernsten Liebe zu Lucie heraus ver- ?^ihe. Sie können ja nicht wissen, wer ich bin. Ich bin kein armer Schlucker und Hungerleider, für den Sie mich ansehen. Mein Vater ist der Fabrikant Teutobert Fischer in Leipzig; unsere Firma gehört zu den ältesten Unternehmungen unserer Stadt — ich bin der einzige Sohn und habe es, weih Gott, nicht nöiig, bei meiner Ehe auf pekuniäre Fragen Rücksicht zu nehmen. Dah ich in Löbbau bin, hat seinen Grund. Ich habe mich mit meinem Vater entzweit, weil ich Boxer werden wollte; er versagte mir diesen Wunsch, wie ich heute einsehe, mit vollem Recht. Ich habe die Absicht, heute noch nach Leipzig zu fahren und mich mit meinem Vater auszuföhnen. Vorher aber wollte ich mir meine Vraut sichern. Wollen Sie uns Ihr Jawort geben, Herr von Löwen?" Der Gutsbesitzer h^tte voll Erstaunen zugehört. Da schien er sich ja hübsch verrannt zu haben. Dieser Theobald Fischer schien wahrhaftig keine schlechte Partie zu fein. Und wie er dastand, mit seinem trainierten Körper, mit der Selbstverständlichkeit eines QHan- nes, der weih, was er will! Wie sicher er Lucie an seiner Brust hielt, ohne sich von bem Widerstand ihres Vaters beirren zu lassen! Es sah fast aus, als ob Lucie diesmal klüger gewesen war als ihr alter Vater. Herr von Löwen war ein wenig verlegen, als er jetzt antwortete: .Verzeihen Sie mir, Herr Fischer! Aber — Lucie ist mein ein und alles; ich sorgte mich um sie. Dah ich Sie persönlich sehr liebgewonnen habe, in diesen Monaten, das wissen Eie selbst. Aber — dah Sie gleich vom Heiraten sprachen, I das machte mich kopfscheu. Ich hatte doch gar nichts davon gewußt, wie Sie und Lucie zusammen standen. Ich will ja nichts anderes als das Glück meines Kindes!" .Da sagst du also ja, Vater!" jubelte Lucie und flog von dem Halse Theobalds an den ihres Vaters. Der küßte sie innig auf die Stirn und reichte Theobald die Hand. .Sie sollen es nie bereuen. Herr von Löwen, mir Lucie anvertraut zu haben!" „3m Grunde genommen seid ihr beide fast noch zu jung zum Heiraten. Aber ich vertraue Ihnen; ich glaube. Sie sind ein guter Mensch, und das ist sehr wichtig. Aber jetzt wollen wir ins Haus gehen, die Verlobung ein wenig feiern. Wenn Sie heute noch nach Leipzig fahren wollen, haben Sie ohnehin nicht sehr viel Zeit." Bei Teutobert Fischer ging eS in den letzten Monaten nicht sehr erfreulich zu. Es war „dicke Luft", und die Angestellten und Arbeiter hatten nichts zu lachen. Im Büro seufzte man, wie unter einer Last. Der Alte war geradezu zu fürchten. Er war schon immer streng gewesen; aber jetzt war kaum mehr mit ihm auszukommen. Seit Theobald Fischer davongegangen war, sah es aus, als ob Teutobert Fischer alle Menschen für seinen mißratenen Sohn verantwortlich machen wollte. Er wurde mit jedem Tage verschlossener und einsilbiger. Dieser Theobald war ja auch nicht zu verstehen. Warf das alles weg, was auf ihn wartete, um einer Marotte nachzulaufen. Es war brgreiflich, daß sich Teutoberck Fischer um seinen Sohn grämte. Rur dah er seinen Gram an seinen Angestellten ausließ, das war nicht recht. Wenn die Zeiten nicht so schwer gewesen wären, hätten es die jungen Mädchen und Männer in Teutobert F schers Büro sicher nicht so lange ausgehalten. So aber — man mußte froh fein, solange man sein sicheres Unterkommen hätte. Da mußte man schon die Launen des Chefs auf sich nehmen. Auch heute arbeitete man im Büro fieberhaft, wie immer. Denn Hyppolyt Hoffmanns Argusaugen sahen schärfer als je. Man wagte kaum aufzusehen, als ein großer Herr das Büro betrat. Er überreichte Heinrich eine Visitenkarte und bat, dem Chef gemeldet zu werden. „Konstantin von Löwen" hatte der Stift bei einem flüchtigen Blick gelesen, den er auf die Karte zu werfen wagte. Ter Fremde verschwand im Privatbüro. „Was verschafft mir d e Ehre Ihres Besuchs?" fragte drinnen Herr Fischer. „Ja, mein lieber Herr Fischer — eS ist nicht so leicht, die richtigen Worte zu finden, um meine Mission einzuleiten. Ss handelt sich um Ihren Sohn!" „Also um den Dengel handelt eS sich? Was hat er denn ausgefressen, der Junge?" „Wissen Sie vielleicht, wo sich Ihr Sohn auf* hält?" „Rein! Und es ist mir auch ganz gleichgültig, wo der ungeratene Mensch hingekommen ist. Ich hoffte nur, es ginge ihm recht schlecht. Damit er für seine Unbotmäßigkeit gestraft würde!" „Dieser Wunsch geht Ihnen nun leider gar nicht in Erfüllung. Cs ist ihm, glaube ich, noch nie fo gut gegangen wie eben jetzt." „Ra, da wird er ja auf dem hohen Pferd sitzen und seinen dummen Vater auslachen I" „Rein, mein lieber Herr Fischer, da verkennen Sie Ihren Sohn vollkommen! Im Gegenteil — ich komme als Friedensengel. Und ich muß Ihnen sagen, daß Ihr Sohn ein ganzer Kerl ist, auf den Sie jetzt stolz sein können. Theobald wünscht nichts sehnlicher, als sich mit Ihnen auszusöhnen. Und ich sollte Sie ein wenig vorbereiten. Er bringt noch jemanden mit .... Aber bitte, kommen Sie ans Fenster, sehen Sie selbst..." Teutobert Fischer war aufgesprungen, trat jetzt ungestüm ans Fenster. Drunten stand ein offenes Auto, in dem zwei junge, strahlende Menschen sahen: sein Sohn Theobald und ein entzückendes junges Mädchen. Beide spähten eifrig herauf. Teutobert Fischer wandte sich fragend um. „Ja. Herr Fischer, ich bin Konstantin von Löwen, der künftige Schwiegervater Ihres Sohnes..." Teutobert Fischer lieh ihn nicht ausreden. Rach einem flüchtigen Händedruck war er plötzlich aus dem Zimmer gerannt, die Treppe hinunter, ohne sich um die erstaunten Gesichter des Büropersonals zu kümmern. Thwbald Fischer war schon aus dem Wagen gesprungen, gerade im Begriff, zu dem Vater hinaufzueilen. Beide lagen sich in den Armen. „Vater, vergib! Ich war ein Scheusal, ich sehe es ein. Aber jetzt will ich vernünftig fein, du sollst nur noch Freude an mir haben. Und hier, das ist meine Lucie — meine Braut..." Teutobert Fischer war an den Wagen herangetreten, hatte LucieS beide Hände ergriffen, um im nächsten Moment einen Kuh auf den frischen Mund zu drücken. „Schon um dieses reizenden Mädchens willen soll dir alles verziehen sein, Theo!" sagte er dann strahlend. „Und jetzt wollen wir ins Haus gehen" Man sah im Privatbüro Teutobert Fischers zusammen, und der Vater erfuhr, wie tüchtig sich sein Sohn erwiesen hatte, wie sehr er daran beteiligt war, dah es in Löbbau wieder aufwärts ging. Teutobert Fischer versprach, mit nach Löbbau zu fahren, sich die Dergwerksanlagen anzusehen und August Richter zu helfen, so schnell als möglich vorwärts zu kommen. Später — man trank den Mokka, nach einem solennen VerlobunAessen — fragte Theobald feinen Vater nach Magdalene Winter. Er habe da fo etwas läuten hören, von einer Erbschaft oder einem Losgewinn. Was denn mit dem Mädchen los fei? Teutobert Fischer berichtete. Magdalene Winter hätte das Große Los gewonnen: funfbunbert* tausend Mark. Er gönne es dem Mädel, das immer brav und sehr fleißig gewesen Ware. Es sei nur schade, dah sie das schone Geld mit vollen Händen hinausgeworfen hätte. Alle Angestellten hätten dasselbe erzählt, wie leichtsinnig sie mit ihrem Reichtum umgegangen war. Jedem, der zu ihr gekommen war, hätte sie mit vollen Händen gegeben, ohne nachzuforschen, ob eS angebracht war. Was gut und schön und teuer war, hätte sie sich angeschafft; es wäre ein Jammer, wieviel Geld sie verplempert hätte. Auch Frau Hahn, ihre mütterliche Wirtin, die sie nach Berlin begleitet hätte, sei ganz entsetzt zurückgekommen. Sie hätte ihren Schützling so gern wieder mit nach Leipzig zurückgenommen; aber Magdalene Winter hätte sich nicht bereden lassen. Jetzt wäre sie wohl auf einer großen ileberfeereife. Frau Hahn hätte längere Zeit nichts mehr von ihr gehört. Als Theobald nach Löbbau zurückgekehrt war. berichtete er August alles, was er üuer Magdalene Winter vernommen hatte. „Wenn ich sie nur hier hätte, ihr die Leviten lesen könnte über ihre Dummheit!" sagte bekümmert August Richter. „So aber — weiß Gott, wo sie umherirrt. Ohne Geld, ohne Papiere. Und ich bin machtlos, kann ihr nicht beistehen." August Richter hatte nie zuvor geglaubt, daß ihn die Liebe so tief packen könnte. Er wußte, dah er Magdalene Winter liebte, mit einer heißen, tiefen Mannesliebe, und dah sie die Frau war. der sein Leben gehörte. Er wußte aber auch, dah ihm jetzt die Hande gebunden waren, dah er warten mußte, bis die Fäden sich entwirrten, die sich um Magdalenes Schicksal gesponnen hatten. Auf irgendeine Weise würde sie wieder in sein Leben treten, davon war er überzeugt. Und inzwischen blieb ihm nichts anderes als seine Arbeit und die Aufgabe, daS Gut seiner Väter wieder hochzubringen. Magdalene sollte eS gut haben, wenn sie erst bei ihm war. Er arbeitete den ganzen Tag, schuftete wie ein Tagelöhner. Er kümmerte sich um jede Kleinigkeit in seiner Landwirtschaft, er wußte Überall Bescheid, und ohne ihn wurde nicht das geringste unternommen. Er und der Verwalter Steingruber rechneten und erwogen, und nach einigen Monaten sahen sie, dah es vorwärts ging. Ab und zu konnte von den Erträgnissen der Landwirtschaft eine kleine Summe zurückgelegt werden, für die dann irgendeine notwendige Gutsanschaffung gemacht wurde; man sah überall Fortschritte. Auch im Bergwerk ging es nicht schlecht. Schon waren bestimmte Abnehmer da. die regelmäßig bezogen. (Fortsetzung folgt.) \33wy Die Schleusen auf Gießen . Seltersweg 17 Nicht wieder zu erkennen, so tief herabgesetzt, so winzig klein! Winter-Mäntel müssen raus--raus um jeden Preis,dann Anzüge und was Sie sonst noch an Kleidung nötig haben. Doppelt und dreifach spart, wer jetzt kauft, jetzt in meinem Tausende kommen-Tausende freuen sich Ein großer Posten Mäntel in all. mod. 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